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Ein Beitrag von www.unbekannter-bergbau.de

  

Zum Kalkstein- und Marmorbergbau im Westerzgebirge

Erstellt Januar 2017, letzte Ergänzung Februar 2019.

Wir bedanken uns bei dem heutigen Eigentümer der Hempel'schen Villa, Herrn Dipl.-Ing. Schlesiger, für die Einladung zu einer Besichtigung des ehemaligen Kalkofens in Wildenau.

Sie können diesen Beitrag auf dem Recherchestand vom April 2017 vom Qucosa- Server der Sächsischen Landes- und Universitätsbibliothek Dresden im PDF- Format herunterladen.

http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bsz:14-qucosa2-80271

  

Zur Lage und Regionalgeschichte
Zur Geologie der Kalklager
Zur Bergbaugeschichte
Kalkwerk Wildenau (Neujahr Fdgr.) 
Der Hempel'sche Brennofen in Wildenau
Zum Marmorbergbau am Fürstenberg bei Waschleithe 
Kalkwerk Raschau
Die Facius'schen Brennöfen in Raschau
Kalkwerke am Tännigt
Fester Schlägel Fdgr. am Pökelwald
Bergbauzeugnisse Übertage
Untertage im Besucherbergwerk Herkules & Frisch Glück 
Weiterführende Quellen

Ein Nachtrag zur Grube Neue Silberhoffnung in Pöhla

Zum Kalksteinabbau am Fuß des Scheibenbergs

   

 
  
 

Zur Lage und regionalen Geschichte
 
Die erzgebirgischen Kalkstein- und Marmorlagerstätten konzentrieren sich in einem besonderem Maße in der Umgebung der „Schwarzenberger Kuppel“ im Westerzgebirge. Dieser westliche Teil des Erzgebirges wurde weniger stark herausgehoben, so daß hier große Bereiche des „Dachs“ über dem Erzgebirgsgneis noch nicht der Erosion anheimgefallen sind.

Der Metamorphose während der varistischen Gebirgsbildung sowie nachfolgenden, kontaktmetamorphen Umwandlungen geschuldet, liegen die – besonders in die Raschauer Folge eingeschalteten – Karbonate heute als Marmore und überwiegend als Dolomite*) vor. Sofern sie nicht bereits syngenetisch als Dolomit abgelagert wurden, muß die sekundäre Beeinflussung im Kontakthof der westerzgebirgischen Granite als dafür ursächlich angesehen werden. Teils sind diese Kalklager unmittelbar mit Eisen- und Buntmetall- Erzlagern verknüpft (Bildung von Skarnen), was die pneumatolytische bzw. hydrothermale Beeinflussung unterstreicht (allochem ablaufende Metasomatose).

*) Zum Dolomit siehe auch unseren  Beitrag zum südöstlichen Triebischtal. Zum Abbau des Plattendolomits bei  Geithain gibt es bei uns einen weiteren Beitrag.

In dieser Region haben das Schwarzwasser und seine Nebenflüsse ihre Täler in Quarzphyllit, Glimmerschiefer und Gneis eingetieft, im Zentrum der kuppelförmigen Struktur den grobflaserigen Augengneis freigelegt und eine sehr abwechslungsreiche Landschaft geschaffen.

Die markanteste Höhe im Osten ist der Scheibenberg mit seinen berühmten Basalt- Orgelpfeifen und im Süden liegen der Große und Kleine Hemmberg mit dem weithin sichtbaren Oberbecken des Pumpspeicherwerkes. Beide erreichen über 800 m Höhe. Über den Scheibenberg und den Richterberg bei Schwarzbach verläuft auch die Wasserscheide zwischen dem Schwarzwasser und der Zwickauer Mulde im Westen und der Zschopau im Osten.

Der Oswaldbach bei Haide hat sich bis auf etwa 480 m, der Schwarzbach bei St. Katharina auf 470 m, die Große Mittweida bei Grünstädtel auf 440 m eingeschnitten und das Schwarzwasser liegt in Schwarzenberg auf nur noch 415 m Seehöhe.

  


 Eine anschauliche Übersicht zur Topographie der Region östlich von Schwarzenberg vermitteln uns die hochauflösenden Karten vom Geoportal Sachsen.

      

Zur Frühgeschichte der Region um Schwarzenberg liefert uns der 1823 erschienene, 10. Band des „Vollständigen Staats- Post- und Zeitungs- Lexikons von Sachsen“ folgende Informationen: „Als ein Haupttheil des ungeheuern Miriquiduiwaldes, nachher die Böhmischen Wälder genannt, war der Bezirk in frühen Zeiten nur schwach bevölkert; nur hier und da mag ein Gasthof oder eine Köhlerhütte an den wenigen Straßen gestanden haben, welche durch den Wald nach Böhmen führten. Wälder achtete man aber damals wenig und so mag gar lange über diese Gegend kein Oberherr geboten haben; die wenigen Bewohner mögen Deutsche gewesen sein, welche sich den Verdrückungen der Serben*) entzogen hatten; wenigstens wurde die Gegend zu keinem serbischen Gau gerechnet. Nur einzelne Orte sind serbischen Ursprungs: Schwarzenberg (früher Czurnitz), Albernau, Bockau, Raschau, Sosa, wahrscheinlich auch Aue. … Im 10. Jahrh. aber, unter den Königen Heinrich I. und Otto I. kamen niedersächsische Familien auch hierher und eine derselben, nach Böckler, die der Grafen von Osterroda am Harz, baute bei Czurnitz ein festes Schloß und bildete eine Herrschaft, die östlich bis zur Pöhl; südlich ein Stück ins heutige Böhmen hinein (nämlich bis zum Hochgebirgskamm bei Abertham), westlich bis zur (Zwickauer) Mulde reichte; Burg und Herrschaft wurde nun häufig deutsch, folglich Schwarzenberg (denn czorny heißt schwarz) genannt. ... Das hiesige kathol. Decanat trans Muldam soll bereits im Jahr 968 errichtet worden sein.“

*) Gemeint sind hier natürlich nicht die heutigen „Serben“, sondern die „Sorben“ als Oberbegriff für die elbslawischen Stämme, in diesem Raum der Stamm der Chutizer. Die mittelalterliche Gaugrafschaft Chutizi mit Siedlungszentren bei Schkeuditz und Zwickau gelangte 974 durch Schenkung König Ottos, des II. an das Bistum Merseburg.

  

Die Region um Schwarzenberg wurde vermutlich schon vor 1200 durch fränkische Bauern besiedelt. Die Stadt Schwarzenberg wurde erstmals 1282 als „civitas Swartzenberg“ urkundlich erwähnt. Man geht aber davon aus, daß bereits deutlich früher eine Siedlung auf dem benannten Gebiet bestanden hat.

Bereits 1170 soll die Herrschaft Schwarzenberg in den Besitz von Kaiser Friedrich, des I., genannt Barbarossa, übergegangen sein, der es wiederum seinem Sohn Kaiser Heinrich, dem VI. vererbte. Die Herrschaft wurde damit zu einem Bestandteil des Pleißenlandes.

Die Stadt selbst entstand aus einer Befestigungsanlage, die vermutlich durch Herzog Heinrich II. von Österreich, den ersten urkundlich nachgewiesenen Besitzer der späteren Herrschaft Schwarzenberg, zum Schutz des wichtigen Handelsweges zwischen dem Pleißenland und Böhmen in dem bis dahin noch unbesiedelten Gebiet angelegt wurde.

Später wechselten die Besitzer mehrfach: 1334 ist die Familie Lobdeburg als meißnische Lehnsträger von Stadt und Herrschaft Schwarzenberg nachgewiesen, 1425 gelangten diese in den Besitz derer von Tettau, von denen wiederum der sächsische Kurfürst Johann Friedrich der Großmütige 1533 die Herrschaft für 126.000 Gulden erwarb. Schließlich ließ Kurfürst August, I. von 1555 bis 1558 die Burg zu einem kurfürstlichen Jagdschloß umbauen und erwarb im Jahr darauf das Dorf Sachsenfeld hinzu.  

   


Schloß Schwarzenberg auf einer zeitgenössischen Darstellung (um 1860). Bildquelle: Deutsche Fotothek, Poenicke, G.A. (Hrsg.): Album der Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen nach der Natur neu aufgenommen von F. Heise, Architect. IV. Section: Erzgebirgischer Kreis.

Link zur Originaldatei  http://www.deutschefotothek.de/documents/obj/90000004

   

Zur Bergbauverwaltung der Region um Schwarzenberg können wir wieder im 10. Band des „Vollständigen Staats- Post- und Zeitungs- Lexikons von Sachsen“ lesen: „Das Schneeberger Revier wurde gleich anfangs sehr bestimmt abgegrenzt, und auf den Radius einer großen Bannmeile gesetzt, so daß es noch Vielau, Zwönitz, Grünhain, Eibenstock, Kirchberg u. s. w. einschloß.

Aus diesem Cirkel fielen zwar in Folge des grimmaischen Machtspruches 1531 alle schönburgschen Orte hinweg; dagegen erweiterte dasselbe der Ankauf von Schwarzenberg 1553, von Ober-Hartenstein 1559 und von den Planitzer Gütern 1563. Nach einigem Zwist mit den Bergämtern Schwarzenberg und Eibenstock machte Kurfürst August das Schwarzwasser und die Griese bei Lauter, so wie die Straße von Sosa über Bockau nach Schwarzenberg zur Grenze. 1591 vereinigte man mit hiesigem Revier den neustädter und voigtländischen Kreis, bis letzterer 1676 wieder davon getrennt wurde. 1673 wurde der Mönchssteig bei Grünhayn und Raschau zur Grenze gegen die Bergämter Annaberg und Scheibenberg gewählt, wodurch Schneeberg bei Raschau treffliche Gebäude erwarb. 1819 wurden die beiden voigtländischen Bergamtsreviere Voigtsberg und Falkenstein mit dem Schneebergischen vereinigt, wodurch letzteres eines der weitläufigsten in Sachsen ward.“

Im Verlauf des 16. Jahrhunderts entwickelte sich Schwarzenberg zu einem Verwaltungszentrum. Die Stadt war Sitz des gleichnamigen kurfürstlichen Amtes und Mittelpunkt eines umfangreichen Eisen- und Zinnbergbaureviers mit eigenem Bergamt. 1579 wird erstmals eine Schwarzenberger Knappschaft erwähnt. Unter dem Stichwort des Amtes Schwarzenberg kann man im Postlexikon dazu lesen: „Schwarzenberg, und zwar das Kreisamt für das königl. sachs. Obererzgebirge, begreift eigentlich zwei Amtsbezirke: Schwarzenberg und Crottendorf, welche auch noch jetzt in Forst- und Jagdsachen getrennt sind, und durch die Pöhl voneinander geschieden werden… Dieser Bezirk, einer der größten und volkreichsten, der rauheste, waldigste und höchste, auch der städtereichste, aber dorfärmste in Sachsen, der südlichste im Erzgebirge, und überdem eine der interessantesten Gegenden Deutschlands, stößt westlich an die Aemter Voigtsberg und Plauen, nordwestlich an Wiesenburg, nördlich an Wildenfels, Stein, Hartenstein und Grünhayn, nordöstlich an Schlettau, östlich und südlich an Böhmen…“  

Und in derselben Quelle finden wir auch die „Producte des Mineralreichs“ aufgeführt, „…durch welche der Amtsbezirk ein vorzügliches Interesse erhält“: „Ohne allen Zweifel gehört dieser Amtsbezirk zu denjenigen Gegenden auf unserer Erde, welche die meisten Arten von Mineralien aufzuweisen haben. Ausgezeichnet ist schon die Manchfaltigkeit der Gebirgsarten, indem man außer Granit und Gneus, woraus die meisten Berge bestehen, auch Grünstein (in Nordwest), Grauwacke (am Fichtelberq), Sandstein (bei Aue), Glimmerschiefer, Basalt (bei Scheibenberg), Kalkstein und Marmor, Quarz u. s. w. findet…“  

Für das von uns näher betrachtete Gebiet werden u. a. aufgezählt: „…Braunsteinerz (bei Scheibenberg), gediegener Arsenik und Arsenikblüte, …natürlicher Vitriol (bei Markersbach), …Pinit (bei Schwarzenberg, wo auch Diopsid, Sahlit, Kolophonit und Allochroit zu erwähnen sind), …trefflicher Marmor bei Crottendorf, Bärenloh und Scheibenberg), u. s. w. …Das Eisen dagegen ist das Hauptproduct der Reviere Schwarzenberg , Eibenstock und Scheibenberg und ernährt in den Gruben und Waldungen, auf den Hammerwerken, Köhlereien, in den Stab-, Blech , Zain-, Drath- und Schaufelhämmern, auch durch das Bau- und Fuhrwesen mehrere tausend Familien.“   

Unter den „Fabriken für Mineralproducte“ im Amtsbezirk werden 1823 außerdem „…3 große königliche*) und mehrere kleine Kalköfen“ aufgeführt.  

*) Crottendorf und Oberscheibe waren „fiskalische“ Kalkwerke.

  

1215 wird östlich von Schwarzenberg die Burg Grünhain, spätestens 1233 auch das Zisterzienser-Kloster Grünhain gegründet – Keimzelle des späteren Amtes Grünhain, in dessen Verwaltung auch die gewerblichen Gruben standen.

1240 stattete der damalige Klosterstifter, der Burggraf Meinher von Meißen, das Kloster mit umfangreichen Ländereien aus, darunter einige der im Weiteren genannten Orte. Die Meinheringer stellten von 1199 bis zum Erlöschen der Linie 1425 über acht Generationen die Burggrafen von Meißen und bildeten als königliche Beamte gemeinsam mit dem Bistum gewissermaßen einen „Gegenpol“ zum markgräflichen Machtanspruch. In ihrem Besitz waren umfangreiche Ländereien, u. a. die spätere Grafschaft Hartenstein.

1267 wird Grünhain erstmals als Städtchen urkundlich genannt und bereits seit 1339 sind im Gebiet des Klosters auch Erzgruben aktenkundig. Seit der Leipziger Teilung 1485 gehörte Grünhain zur ernestinischen Linie der Wettiner. Nach der Reformation wurde das Kloster Grünhain 1533 aufgelöst. Im Jahr darauf taucht erstmals die Bezeichnung Klosteramt Grünhain auf. Nach der Niederlage der Ernestiner im Schmalkaldischen Krieg 1547 wurde das Amt Grünhain albertinisch. 1566 erhält Grünhain die Bergfreiheit, die 1694 vom Kurfürsten nochmals bestätigt wird.

Zum Amtsbezirk Grünhain gehörten auch die Dörfer Wildenau, Raschau, Waschleithe und Langenberg. Das Amt Grünhain bestand noch bis 1856 als eigenständiger Teil des Erzgebirgischen Kreises und ging danach in den Amtshauptmannschaften Schwarzenberg, Annaberg (Pflege Schlettau) und Chemnitz (Gebiete nördlich von Stollberg/Erzgeb.) auf.

  

Das Waldhufendorf Wildenau am Ostufer des Schwarzwassers unterhalb von Schloßberg und Bielberg gelegen, wurde 1240 erstmals als Wildenaw“ urkundlich erwähnt, als es mit neun anderen, umliegenden Dörfern an das Kloster Grünhain ging. Am 1. Januar 1920 wurde Wildenau nach Schwarzenberg eingemeindet, mit dessen Bebauung es längst vollständig verwachsen ist.

Der 1826 erschienene, 13. Band des „Vollständigen Staats- Post- und Zeitungs- Lexikon von Sachsen“ verrät uns zu diesem Ort: „Wildenau, vulgo auch Willenau, ein mäßig großes, jedoch ¼ Stunde lang ausgedehntes Dorf im königl. sächs. Amte Grünhayn des obern Erzgebirgs, ist dem Amte unmittelbar unterworfen und liegt dicht an der Schwarzenberger Amtsgränze,... Nach Leonhardi soll auch eine Vitriolbrennerei hier sein, die aber unsres Wissens nicht mehr betrieben wird. Im Silberemlergebirge bricht man einen marmorähnlichen Kalkstein, der bei Raschau gebrannt wird…“  Hiermit muß der später Facius’sche Kalkbruch auf dem heute einfach Emmler genannten Höhenrücken zwischen Schwarzbach und Mittweidatal gemeint sein.

  

Raschau ist heute mit Markersbach, Mittweida und Unterscheibe zu einem langgestreckten Ort verwachsen, bildete bereits einige Zeit eine Verwaltungsgemeinschaft und seit 2008 eine Gemeinde mit Markersbach. Oberscheibe gehört dagegen heute zur durch Wolf und Ernst von Schönburg am 4. Mai 1522 begründeten Stadt Scheibenberg.

Markersbach gehört zu den sogenannten „Ur-Pfarren im Erzgebirge. In der Chronik des Klosters Grünhain, niedergeschrieben vom Mönch Conrad Feiner am Ende des 15. Jahrhunderts, heißt es: Anno 1249 thaten die Böhmen große Wallfahrten ins Closter zum Heiligen Niclas (in Grünhain) und waren so freigiebig, daß aus ihren Geschenken die Closter-Kirchze erneuert und ausgemalet werden konnten. Um diese Zeit legte der Abt Henricus von Myla den Grundstein zur Peter & Paul Kirche in Markersbach und nach deren erfolgtem Aufbau wurde sie im Jahre 1250 in seiner und vieler Menschen Gegenwart von Bischof Engelhardt zu Naumburg... eingeweyhet, auch dem Abt und Convent das Patronats-Recht darüber gegeben. Dieses Gründungsdatum ist auch durch bauhistorische Untersuchungen an der Kirche belegbar. Allerdings ist davon auszugehen, daß es vor dem Steinbau schon einen schlichteren Vorgängerbau gegeben hat. Insbesondere wird dies durch die siedlungsgeschichtliche Besonderheit gestützt, daß zum Pfarrland hier eine ganze Hufe aus dem Siedlungsgebiet gehörte, so daß man davon ausgehen kann, daß die Gründung der ursprünglichen Kirche tatsächlich schon zusammen mit der Niederlassung fränkischer Bauern um 1200 erfolgt ist. Zu dieser Zeit war das Umland östlich und südlich überhaupt noch nicht besiedelt.

Beim Einfall der Hussiten 1429 wurde die ursprünglich romanische Kirche ihrer Ausstattung beraubt. Nach deren Vertreibung wurde die Kirche neu und nun der Heiligen Barbara geweiht. Dafür ist wohl der inzwischen entstandene Bergbau ausschlaggebend gewesen (Kirchgemeinde Markersbach, 2000).

Das Waldhufendorf Mittweida wird 1286 in einer fragmentarischen Matrikel des Bistums Naumburg erwähnt. Wahrscheinlich ist es aber zur gleichen Zeit wie die benachbarten, direkt an die Mittweidaer Dorffluren angrenzenden Dörfer Markersbach, Schwarzbach und Raschau auch um 1200 entstanden. Anders als die letztgenannten Dörfer wurde Mittweida 1240 jedoch nicht dem Kloster Grünhain verschenkt und gehörte nie zu dessen Besitz. Es war dagegen ein Bestandteil der Grafschaft Hartenstein und wurde als solches 1406 mit an die Schönburger verpfändet. Seit dem Verkauf des oberwäldischen Teils der Grafschaft an das Kurfürstentum Sachsen 1559 gehörte Mittweida danach zum Amt Crottendorf und später zum Amt Schwarzenberg. Besondere Bedeutung hatte das Dorf durch die hier betriebene Eisenerzeugung und Verarbeitung. Zeitweise wurden in Mittweida sieben Eisenhütten betrieben, darunter das noch bis 1860 aktive Nietzsche'sche Hammerwerk Obermittweida, der Pökelhammer sowie ein Drahtwerk.

Der Ortsteil Obermittweida ist weitgehend der Anlage des Unterbeckens des ab 1970 errichteten und 1979 in Betrieb gegangenen Pumpspeicherkraftwerkes zum Opfer gefallen. Mit einer Leistung von 1.050 Megawatt ist es das zweitgrößte seiner Art in Deutschland. Eine Besonderheit stellt seine Anlage als Kavernenkraftwerk (die Turbinen- und Generatoranlagen sowie die Wasserleitungen zwischen Ober- und Unterbecken liegen untertage) dar.

Im 1821 erschienenen Band 8 des „Vollständigen Staats- Post- und Zeitungs- Lexikons von Sachsen“ kann man zum Dorf Raschau lesen: „Raschau, auch vulgo die Rasch genannt, ein nicht gar großes, aber überaus bevölkertes und in vielen Beziehungen merkwürdiges Dorf des im erzgebirg. Kreise gelegenen Amtes Grünhayn des Königr. Sachsen, dem es unmittelbar unterworfen, und zu welchem es durch Säcularisirung der Grünhayner Abtei gekommen ist. Es liegt, meist vom Schwarzenberger Amtsgebiet umgeben, 2 Stunden südsüdöstlich von Grünhayn, … an der Mittweide, die sich am untern Ende des Orts mit der Pöhl vereinigt; längs der neuen Chaussee von Schwarzenberg nach Annaberg; in einem angenehmen Thale, welches nördlich vom steilen Raschauer Knochen, südöstlich vom sanftern Ziegenberg (an welchem vor 100 Jahren die Fundgr. Christian im Umtrieb war) begrenzt wird, südwestlich hingegen wegen des Zusammentreffens mit dem Pöhlthale zu einer weiten, anmuthigen und fruchtbaren Aue wird…

Auf dem Raschauer Knochen, der Knack, nordwestlich von der Kirche und etwa 100 Ellen über dem Dorfe, steht dicht bei der Allerheiligen Fundgrube (am Schwarzsteig; 1632 baute man daselbst auf Zinnzwitter) das Vitriolwerk, in welchem nicht allein Eisen- und Kupfervitriol, sondern auch Vitriolöl und Schwefel bereitet wird. …

Unter mehrern Eisengruben auf dem Dorfgebiet zeichnet sich die hinter der Allerheiligenzeche aus; ehehin waren deren mehr im Gange, als jetzt, und überhaupt ist der hiesige Bergbau gegen frühere Jahrhunderte gesunken, weshalb auch nur noch 2 Schichtmeister hier wohnen; der Bergbau gehört größtentheils ins Schneeberger Bergrevier; nur der Antoniusstolln am Silberemmlergebirge gehört zum Annaberger, und der Gesellschaftstolln zum Scheibenberger Specialrevier. …

Wichtiger als die genannten Gruben sind die am Graul gelegenen, welche ebenfalls zu Raschau gerechnet werden müssen, da sie im Umfang des großen Raschauer Communwaldes liegen; gleichwohl sind sie ¾ Stunde (nördlich) vom Dorfe entfernt, jenseits des Schwarzbachs nahe bei Wildenau, Langenberg und Waschleithe. In alten Schriften wird der Graul immer Kraul geschrieben, und er enthielt im J. 1433 eine eigne Schmiedegasse, war also wohl beträchtlicher, als jetzt. Hier ist besonders das uralte und immer noch überaus wichtige, aus mehrern Zechen bestehende Bergwerk „Stamm Aßer am Graul“ zu bemerken, welches eine große Menge von Bergleuten beschäftigt, und mit den Wohnungen derselben dem Ansehen nach ein ganzes Dörfchen bildet. Es gehört dem Besitzer des Beyerfelder Vitriol- und Schwefelwerkes, Herrn Köhler, und liefert diesem größten Werke seiner Art in Sachsen die meisten seiner benöthigten Kiese. Außerdem gewinnt man daraus eine Menge Arsenicalkiese, welche bis 1802 nach Geyer gesendet wurden; damals aber legte Herr Köhler neben dem Stamm Aßer ein besondres Arsenikwerk an, welches sehr rasch empor kam, treffliches Product liefert…

In der Nähe findet sich häufig schöner Wurststein (…?), und der Braunstein des Johannes (unweit der Katharina doch näher nach Langenberg hin) wird meist nach Böhmen verkauft.“

  


 Raschau, Grube Aller Heiligen am Knochen, Huthaus, Blick nach Osten zum Scheibenberg (rechts im Hintergrund, in den Wolken kaum zu erahnen), Foto: Paul Schulz, 1927, Bildquelle: Deutsche Fotothek.

Link zur Originaldatei  http://www.deutschefotothek.de/documents/obj/70002499

 

Auch Schwarzbach gehört zu den Dörfern, die am Ende des 12. Jahrhunderts durch planmäßige Besiedlung, vermutlich durch mainfränkische Bauern, angelegt wurden. Die erste urkundliche Erwähnung findet sich im Jahr 1240, als Schwarzbach (damals Swartzpach) mit einer Reihe umliegender Dörfer dem Kloster Grünhain geschenkt wurde.

Nach einer Feuersbrunst und der Zerstörung des Ortes im Jahre 1322 wurde durch die Unterstützung der Grünhainer Mönche, die dazu einen Ablaß von Papst Johannes XXII. erwirken konnten, Schwarzbach neu aufgebaut. Der Hammerherr Hans Klinger (im Hammergut Tännicht) wird auch in der Ablaßbulle als eine für die Ausstellung des Ablaßbriefes maßgebliche Persönlichkeit genannt.

Nach der Reformation und der damit verbundenen Säkularisierung des Klosterbesitzes kam Schwarzbach 1536 an das aus dem Kloster hervorgegangene Amt Grünhain. Nachdem Anfang der 1520er Jahre in den Dörfern des Klosters Grünhain der neue lutherische Glaube eingeführt worden war, verlief zwischen den nun evangelischen Klosterdörfern Raschau, Markersbach und Unterscheibe und dem katholisch gebliebenen, schönburgischen Dorf Mittweida nicht nur eine Herrschafts-, sondern auch eine Konfessionsgrenze.

Im Verlaufe des 16. Jahrhunderts verdingten sich immer mehr Einwohner im aufstrebenden Bergbau. Rings um das Dorf entstanden zu dieser Zeit Berg- und Hammerwerke, die die Lebensgrundlage der gesamten Region wurden. Bereits infolge des 30jährigen Krieges und erneut durch den Siebenjährigen Krieg 1756 bis 1763 kam der Bergbau immer wieder zum Erliegen. Am Ende des 19. Jahrhunderts verlor der Bergbau endgültig seine Bedeutung, so daß viele Schwarzbacher Einwohner nun ihren Lebensunterhalt in der Holz- und Blechindustrie bestreiten mußten.

Im 1825 erschienenen 10. Band des „Vollständigen Staats- Post- und Zeitungs- Lexikons von Sachsen“ kann man zum Dorf Schwarzbach lesen: „…Es liegt in weitschichtiger Bauart nahe bei Elterlein, welches eine Gasse in südlicher Richtung bis hierher vorschiebt, längs der Straße nach Raschau und Schwarzenberg, auch nach Scheibenberg - in einem oberwärts engen, unten aber freundlichern, tiefen, stark gewundenen, steil abfallenden Thale… Es treibt auf seiner starken, nur mäßig fruchtbaren und höchst bergigen Flur guten Flachsbau, hat nach Südost hin bedeutende Holzung, und nährt sich zum Theil von Holz- und Blecharbeit, Bergbau u. s. w. Zur Kirche geht der Ort nach Markersbach; nur das Tännicht (siehe diesen Artikel) am untern Ende des Dorfes ist nach Elterlein gepfarrt... Das oberste Haus ist die, sehr vortheilhaft bekannte, mit doppeltem Gezeug versehene, durch Blitzableiter gesicherte, schön gebaute Papiermühle; nächst bei ihr steigen einige Felsklippen an. Noch giebt es 2 Mahlmühlen, 1 Bretmühle, ein Erbgericht, welches 1803 auf 10.664 Thlr. (gewürdigt ?) wurde, und im Tännicht ein Hammergut nebst starker Kalkbrennerei.“  

Natürlich sehen wir uns auch den Artikel zum Tännicht an und schlagen dazu den 1826 gedruckten Band 11 des Postlexikons auf: „Tännicht, in ältern Zeiten Tennicht, ein Oertchen im erzgebirg. Amte Grünhayn, am Schwarzbache, zwischen Grünhayn und Scheibenberg, unweit Förstel und am westlichen Fuße des hohen Kräuselbergs in einem schönen tiefen Thale gelegen, wird zur Commun Schwarzbach gerechnet, welches weiter oben liegt, und begreift ein Hammergut mit einigen Häusern, die nach Elterlein gepfarrt sind. Das Gut legte 1500 als ein bedeutendes Hammerwerk der reiche Elterleiner, Caspar Klinger*), an, von welchem der Ablaßbrief in der Markersbacher Kirche herrührt, und dessen Ansehen 1525 die Bauernunruhen hiesiger Gegend dämpfte. Das Gut besitzt einen trefflichen Kalkbruch, wo das Lager 7 Ellen mächtig ist, dessen Product jedoch viel Holz beim Brennen, wozu hier ein Ofen steht, erfordert.“

*) Hier irrt der Verfasser: Zumindest das Hammerwerk Tännicht wurde bereits von dessen Vater Hans Klinger angelegt.  

Das benachbarte Förstelgut finden wir im zweiten Band anno 1815 nur kurz erwähnt: „Förstel, Förstelguth, das; ein amtssässiges Rittergut ohne Unterthanen im Erzgebirgschen Kreise, im Amte Grünhain, ¾ Stunden westl. von Scheibenberg gelegen. Es gehört zu demselben das Dorf Langenberg.“

Bereits 1909 wurden das Hammergut Tännigt und das 1540 gegründete Hammergut Förstel aus dem Nachbarort Mittweida nach Schwarzbach eingemeindet.

Am 1. April 1996 verlor Schwarzbach seinen Status als selbstständige Gemeinde und wurde Ortsteil der Stadt Elterlein.

Elterlein ist – nebenbei bemerkt – auch Stammsitz der gleichnamigen Adelsfamilie. Schon Heinrich von Elterlein (*1485, †1539) war selbst Berg- und Hammerherr in Elterlein und darüber hinaus Zehntner in Annaberg und Marienberg. Wohl das bekannteste Mitglied des Hauses Elterlein war zweifellos Heinrichs Tochter Barbara, verh. Uthmann, die – erst als Witwe – zu eigenem unternehmerischen Erfolg und hohem Ansehen, insbesondere durch die Einführung des Spitzenklöppelns in Annaberg, gelangte.

Auch Johann (Hans) von Elterlein war nicht nur Hammerherr in Elterlein, sondern auch Landvogt, Stadtvogt, Bergamtsverwalter sowie Richter in Annaberg. Er war es, der am 24. Mai 1514 vom Hofpfalzgrafen Wolfgang Steinberger den bürgerlichen Wappenbrief erhielt. Am 28. Oktober 1766 wurde mit Hans Heinrich von Elterlein, Konsistorialrat des Stiftes Meißen, das erste Familienmitglied auch in den Reichsadelstand erhoben.

Von 1997 bis 2008 bildeten dann Elterlein, Geyer und Tannenberg eine Verwaltungsgemeinschaft. Seit dem 01.01.2009 bildet Elterlein mit seinen Ortsteilen Schwarzbach und Hermannsdorf nun eine Verwaltungsgemeinschaft mit Zwönitz und Hormersdorf (erfüllende Gemeinde ist Zwönitz).

  

Zur Verarbeitung der Zinn- und Silbervorkommen im Grünhainer Klostergebiet wurde in der Nähe des Glaßberges eine Erzwäsche errichtet. Für die Arbeiter und ihre Familien entstanden in der Nähe Wohnhäuser. Daraus entwickelte sich der Ort Waschleithe und wird als „Waschleiden“ erstmals 1528 urkundlich bezeugt.  

Der Artikel im Postlexikon (Band 12, 1815) ist recht ausführlich: „Waschleithe, mit dem zugehörigen Oertchen Heide oder Heyde, ist ein unmittelbar königlich sächsisches Dorf des erzgebirgischen Amtes Orünhayn, und liegt ½ bis ¾ Stunde südöstlich von Grünhayn, ¾ Stunde von Schwarzenberg und Elterlein, am Wege zwischen diesen Orten, auch an der Straße von Grünhayn nach dem Dorfe Mittweyde… Waschleithe soll nach Oesfeld den Namen, welcher auch Waschleute geschrieben wird, daher haben, daß daselbst die Waschmägde des Orünhayner Klosters gewohnt hätten, wovon auch noch im Gerichtssiegel die Mägde mit dem Waschfasse stammten; dieß ist aber offenbar unwahr, und der Name kommt wohl von einem, schon in alten Zeiten gangbar gewesenen Erz- Waschwerke her, vielleicht von dem des Qsterlammes … welches die Grünhayner Mönche anlegten. Denn das Dorf kann nicht gar alt seyn, da es nicht unter den Dörfern genannt wird, womit das Kloster 1260 dotirt wurde… Jetzt ist die Bewohnerzahl gegen 250; gleichwohl giebt es hier nicht weniger als 3 Branntweinbrennereien. Dicht hinterm Dorfe beginnt der große königliche Wald, über dessen tiefen Gründen sich wildschöne Felsengruppen erheben, auf welchen man mit Schwindel in das Dorf hinabblickt… Im Walde giebt es eine, 1803 eröffnete Grube, Engelschaar-Erbstolln; bisher wurde sie nicht stark betrieben. Desto berühmter war in früherer Zeit die jetzt aufläßige Grube Osterlamm, über dem linken Ufer des Oswaldbaches; sie besaß ein eignes Poch- und Waschwerk, eine Schmelzhütte u. s. w. Der Bach schwillt hier oft sehr an, und besonders that die Fluth 1661 am 6. Aug. großen Schaden.  

Nur 1/8 Stunde unter Waschleithe liegt das Oertchen Heide, welches bloß 1 Gut und 5 Häuser begreift, und nicht sehr entfernt vom Arsenikwerke am Graul da liegt, wo der Oswaldbach einen westlichen Lauf annimmt… Es läßt sich übrigens wohl noch bezweifeln, daß der Bach den Namen von einem Oswald erhalten habe; vielleicht nannten die eingewanderten Sachsen den hiesigen Wald den Asenwald oder Aswald, d. i. Riesenwald, und daraus hat sich allmälig der Name Oswaldsbach gebildet… 

Unweit Waschlelthe, westlich von Heide, am südlichen Abhange des Fürstenberges (richtiger wohl Firstenberges) hat man auch am 8. July 1822 ein Denkmahl auf des Prinzen Albert Befreiung durch den Köhler Schmidt aus den Händen des Kunz v. Kaufungen gesetzt, indem man gewöhnlich annimmt, daß hier diese Befreiung erfolgt sey…

Die durch den Bergherrn Caspar Klinger für sich erbaute Oswaldskirche (oder anfänglich nur Capelle) soll eine Bußstiftung sein für eine Mordthat, die er und sein Bruder an dem Bergmeister Götterer in Elterlein verübt hatten, und wofür sie – ein charakteristischer Zug damaliger Justiz! – 12 silberne Schocke, 50 Harnische und Krebse, viele Büchsen und Bogen geben, Seelbäder stiften, und nach Rom (was alles gut machte) wallfahrten mußten.“

Waschleithe wurde 1999 nach Beierfeld eingemeindet und ist seit 2005 ein Ortsteil der Stadt Grünhain- Beierfeld.

  


Von der St. Oswald Kirche bzw.
mundartlich „Dudelskirche“ sind nach der Zerstörung während des Hussiteneinfalls 1429 heute nur Ruinen geblieben.

   


Auch Paul Schulz war von den Ruinen beeindruckt und fotografierte sie 1924, Bildquelle: Deutsche Fotothek.

Link zur Originaldatei  http://www.deutschefotothek.de/documents/obj/33116553 

  

Langenberg ist dagegen ein für erzgebirgische Verhältnisse sehr junges Dorf. Spätestens ab Anfang des 16. Jahrhunderts ging umfangreicher Bergbau auf Kalk- und Eisenstein in Gruben am Emmler, Hutstein und dem Langenberg um. Das Erz wurde laut dem 1559 aufgestellten Amtserbbuch für das Amt Crottendorf in den Hammerwerken im Mittweida- und Pöhlwassertal geschmolzen. Ausgangspunkt für die Entstehung des Ortes war der nördlich von Raschau gelegene Förstelhammer.

Der Hammerherr Rudolph von Schmertzing erhielt am 12. März 1619 in einem kurfürstlichen Privileg zwei als „Holzspitzen“ bezeichnete Waldstücke und die niedere Gerichtsbarkeit über alle seine Grundstücke verliehen sowie die Berechtigung eingeräumt, für die Hammerschmiede und Bergleute zwölf Häuser errichten zu dürfen. Diese bildeten den Ursprung des Parzellendorfs Langenberg, das sich in der Folge nur spärlich weiter entwickelte. Auch im Postlexikon finden wir nur eine Notiz (Band 5, 1818): „Langenberg, ein Dorf in dem Königr. Sachsen, in dem Erzgebirgischen Kreise, im Amte Grünhain, ½ Stunde westl. von Scheibenberg, auf dem Wege nach Grünhain gelegen. Es hat 15 Häuser und 190 Einwohner, gehört amtss. zu dem Rittergute Förstel, und ist nach Markersbach eingepfarrt.“  

Langenberg verlor bereits 1924 seine Eigenständigkeit und wurde nach Raschau eingemeindet.

   

 

 

Zur Geologie der Kalklager

  

Zu den bergrechtlichen Besonderheiten des ursprünglich grundeigenen Bergbaus auf Kalkstein und Marmor haben wir in unserem Beitrag zum Kalkbergbau im  Triebischtal schon Vieles aufgeführt.

Hinsichtlich des Abbaus der Marmore und Dolomite des Erzgebirges ist dazu zu ergänzen, daß sie (nicht immer, aber vor allem im Westerzgebirge sehr häufig) Skarne und Kalksilikatfelse darstellen, welche in ihrem Mineralbestand metasomatisch verändert wurden und daher auch oft in Verbindung mit Erzvorkommen (buntmetallführende Skarne und Eisenerzlager) entdeckt und abgebaut wurden. Daher überschneiden sich hier regalrechtlich geregelter (Erz-) Bergbau und grundherrschaftlicher Bergbau (auf Eisen, Kalk und Werkstein).

  


Übersichtskarte zu den darin beschriebenen Kalkstein- und Marmorvorkommen im Erzgebirge, aus: Bergbau in Sachsen, Bd. 16 der Bergbaumonographie „Marmore im Erzgebirge“, 2010, von uns ergänzt. Darin rot markiert die im Weiteren betrachteten Lagerstätten und Vorkommen Wildenau bei Schwarzenberg, Fürstenberg bei Waschleithe und am Emmler bei Raschau am Nordostrand der Schwarzenberger Kuppel.

  

Vorallem ab der Regierungszeit von Kurfürst August, I. (*1553, †1586) stieg der Bedarf an Dekorationssteinen für die repräsentativen Schloßbauten erheblich an, wohingegen der Marmorimport aber teuer war. Der Kurfürst hatte am „Marmelstein“ aus dem eigenen Lande folglich ganz besonderes Interesse und 1573 mußten thüringische Stuckateure und Steindrechsler versprechen, sich nach Marmorstein- und Kalkbrüchen im Lande umzusehen. 1574 hat Kurfürst August dann den Bildhauer Hans Walther beauftragt, „mit Fleiß nachzuforschen, ob er etwa beständige Anbrüche von Marmorstein… finden könne.“  In diese Zeit fällt auch die Ersterwähnung des Kalkvorkommens bei Wildenau. Im Jahre 1574 nämlich meldete: „der Bildhauer H. Walter … dem Kurfürsten, daß er im Amte Schwarzenberg beim Städtl daselbst einen schönen Marmorsteinbruch, roth und weiß geädert, angetroffen und entblößen lassen habe.“ (Bergbaumonographie, Bd. 16, 2010)

Wie auch von P. R. Beierlein (Jahrbuch d. staatl. Museums Mineralogie, Dresden 1963, S.163ff) richtig bemerkt wird, kann es sich bei diesem Fund nicht um die Marmorlager am Fürstenberg bei Waschleithe gehandelt haben. Nicht nur, daß der Marmor am Fürstenberg überwiegend reinweiß und nicht gefärbt ist, gehörte Waschleithe dazumal gar nicht nach Schwarzenberg, sondern zum Amt Grünhain. Auch handelte es sich bei den Gruben am Fürstenberg um Erzgruben, die ohnehin der Aufsicht durch die kurfürstlichen Bergämter unterlagen. Hier hätte Nosseni sein Privileg nur schwer durchsetzen können.

Im Jahr 1575 erhielt der aus dem Tessin stammende Steinmetz, Bildhauer und Architekt Giovanni (Johann) Maria Nosseni das kurfürstliche Privileg, im Lande nach Marmor zu suchen. Mit diesem Künstler beginnt die Nutzung der metamorphen Kalksteine Sachsens als Werksteine. Ab 1585 folgte Nosseni systematisch den Spuren Walthers und entdeckte wie Marmor polierfähige Kalksteine, Skarn- und Dolomitlager in den Kalkbrüchen bei Lengenfeld, Kalkgrün bei Wildenfels und in Crottendorf.

Zur Erschließung der Marmorvorkommen bei  Wildenfels und in  Crottendorf durch Nosseni und zu deren weiterer Nutzung haben wir inzwischen weitere Beiträge in unserem Fundus.

Nach einer ersten „Konjunktur“ dieser Materialien sorgte der Ausbruch des Dreißigjährigen Krieges jedoch dafür, daß diese Brüche, zumindest aber die Gewinnung edler Werksteine, wieder zum Erliegen kamen. 1620 verstarb G. M. Nosseni. Ein gleichartiges Privileg erhielt nach ihm kein anderer mehr, vielmehr wurden die noch genutzten Marmorbrüche nach dem Ende des Krieges unter fiskalische Aufsicht gestellt.

  

Im Jahre 1650 wurde dazu von Kurfürst Johann Georg, I. ein Marmorinspektor eingesetzt. Dazu findet man in den Akten des „geheimen Rates“ (Bestand 10024) unter Loc. 04514/07 noch Unterlagen zur „Wiederaufrichtung der Marmorsteinbrüche in den kurfürstlich sächsischen Landen und wie selbiger außerhalb des Landes auf der Elbe nach Hamburg zollfrei gebracht, auch dann ferner in England, Holland oder sonst gehandelt werden möge“.

1659 befahl Kurfürst Johann Georg, II. dem Architekten und Kunstkammerinspektor Oberstleutnant W. K. Klengel die bekannten „nunmehr über 40 Jahre erlegenen Marmorbrüche... in Augenschein zu nehmen“. Klengel lieferte daraufhin u. a. eine erste Beschreibung des Crottendorfer Marmors und auch Hinweise auf seine Verwendung als Bildhauerstein.

In den Akten des Bergamtes Schneeberg (Bestand 40015) unter Nr. 718 findet sich noch eine Anzeige des Johann Christoph Flemming über „Funde von weißem Marmor und anderen Mineralen auf der Gelbe Birke Fundgrube am Fürstenberg“, datiert auf 1716 bis 1719.

Eine weitere Intensivierung der Suche nach einheimischen Vorkommen erfolgte aufgrund des Werkstein- Bedarfes für die barocke Umgestaltung der Residenzstadt Dresden am Ende des 17. Jahrhunderts. In diesen Jahren wurde in vielen erzgebirgischen Marmorvorkommen der Abbau aufgenommen: So in Zaunhaus- Rehefeld 1625, in Oberscheibe 1630, in Grießbach vor 1675, in Neunzehnhain 1740, in Hammerunterwiesenthal 1741, in Heidelbach 1746, in Herold 1752.

Noch im Jahr 1798 erging (vgl. Bestand 10036, Loc. 35930, Rep. 08, Nr. 0014) ein „Befehl zur Untersuchung des Marmors von den Klostergrundstücken in Grünhain“.  

  


Topographischer Atlas des Königreichs Sachsen, Ausschnitte aus Section XIX: Schwarzenberg (unten) und XIV Zwickau (oben), J. A. H. Oberreit, datiert 1836 -1860. Während die Erzgruben eingetragen wurden, nahm man es mit den gewerblichen Gruben - die ja nur auf
„banale“ Rohstoffe, wie Kalk und Eisen bauten - nicht so genau. Westlich der Straße von Raschau nach Langenberg über den Emmler hinweg ist immerhin ein Steinbruch ohne nähere Bezeichnung, aber am Standort des später Facius'schen Kalkwerkes eingetragen.

    


Topographischer Atlas des Königreichs Sachsen, Ausschnitt aus der an die obige Grafik östlich angrenzenden Section XV: Elterlein, dat. 1836. Die Kalkbrüche am Tännicht sind schon eingezeichnet.

  

Mit der „Petrographischen Charte des Churfürstentums Sachsen“ legte Johann Friedrich Wilhelm von Charpentier dann 1778 erstmals eine Übersicht zur Geologie Sachsens vor. Wir entnehmen daraus folgenden Auszug:

Vorzüglich muß ich hier der vielen und verschiedenen Kalk- und Marmorlager gedenken, die an mehrern Orten in dieser Gegend, wie auf dem Hahnrücker Gebürge bey Ehrenfriedersdorf und einigen andern vorher schon genanntem angetroffen werden. Die bekanntesten Orte sind Bärenloh (Bärenstein ?) bey Wiesenthal, Rothe Sehma (Kretzscham-Rothensehma), Crodendorf, der südwestliche Abhang des Scheibenberger Hügels, in Ueberschaar bey Großpöhla, auf dem Emler Gebürge, in dem Neuenjahre bey Wildenau, bey Langenberg, bey Tannigt und Schwarzbach, auf dem Grauler Gebürge, über den Oswaldbach gegen Westen, in dem Fürstenberge, in der gelben Birke hinter Beyerfeld und auch noch einigen andern Orten des Gebürges gegen Norden und Westen.

An der südlichen Seite des Scheibenberger Hügels (Oberscheibe) ist ein Marmorlager entblößt, das 200 und mehrere Fuß im Durchmesser haben kann. Der Marmor ist von einer halbgrauen Farbe und feinem Korne, außerdem aber durchgängig von keiner besondern Härte und überall sehr zerklüftet, daß bisher nur Kalk daraus gebrannt werden ist.

Von ganz gleicher Beschaffenheit und zu gleichem Gebrauch findet man große Brüche auf dem von Scheibenberg gegen Westen gelegenen Langenberger Gebürge; keiner aber von allen hier beschriebenen kommt an Schönheit und Güte dem bey, so ehedem auf dem Fürstenberge und zwar in der Grube Himmlisch Heer genannt, wovon man nur noch alte Schächte und Halden antrifft, ist gebrochen worden. Da die Schächte nicht mehr zu befahren sind, so muß ich mich mit der Erzählung, die man mir davon machte. begnügen.  

Man will hier den Marmor in einer Tiefe von 28 Fuß unter dem Gneuße (Gneis) erbrochen haben, als man einen Schacht zum Behuf der vorhin genannten Grube abgesunken hatte. Die Stärke des Lagers konnte man mir nicht angeben: als man es aber durchbrochen hat, soll man auf seiner Sohle Bleyglanz, 1 bis 2 Zoll stark, und wovon der Centner 8 Loth Silber gehalten, gewonnen haben. Aus den noch am Tage herum liegenden Stücken erkennt man seine natürliche Beschaffenheit. Er ist von dem allerfeinsten Korne, von der schönsten milchweißen Farbe und vorzüglicher Härte, an den Kanten halb durchscheinend, und kann allemal mit dem schönsten italienischen weißen Marmor um den Vorzug streiten. Es ist zu bedauern, daß das aufliegende Gneußgebürge eine genauere Untersuchung und die Vorrichtung eines ordentlichen Marmorbruches verhindert, der wegen seiner Schönheit gewiß gesuchet werden würde.“

  


Ausschnitt aus der Geognostischen Charte des Königreichs Sachsen, Blatt XV, Ausgabe 1836. Die „Urkalke“ sind hier dunkelblau, „Strahlstein-, Kies-, Erz- und Kalklager“ hellblau eingezeichnet. Die orangen Eintragungen bezeichnen Lager von Quarzbrockenfels, die häufig durch Brauneisen- und Mangan- Mulm- Vorkommen gekennzeichnet waren und besonders am Emmler auch in Abbau gestanden haben.

 


Der obere Sauerwiesengrund nordöstlich von Schwarzenberg und die Grube Gelbe Birke inmitten ihrer Halden, Blick nach Nordwesten, Foto: Paul Schulz, 1924

 http://www.deutschefotothek.de/documents/obj/70002048

  

Kalksteinbrüche in dieser Region werden 1788 auch von Prof. M. F. G. Leonhardi in der Erstauflage seiner „Erdbeschreibung der churfürstlich und herzoglich sächsischen Lande“ erwähnt: „…(In) dem Amtsd. Wildenau werden viel Spitzen geklöppelt, vorzüglich aber wohnen hier viel Klempner, Spohrer, Löffel- und Nagelschmiede, … bey Wildenau im Emlergebürge gute Kalk- und Marmorbrüche…“ 

Erwähnung findet bei Leonhardi auch im Band 3 der 3.Auflage von 1804: „Schwarzbach bey Elterlein, ein Amtsdorf von 375 Einwohnern, das von dem hier durchfließenden Schwarzbache, der bey den Kutten, einem Berggebäude, entspringt, seinen Namen erhalten hat. Von diesem Dorfe und an dem Schwarzbach liegt auch eine Papiermühle und zwei Mahlmühlen mit 3 Gängen, desgleichen ein ergiebiger Kalksteinbruch, das Tännigt genannt.“

Wenige Jahre später genügten diese Karten aber schon nicht mehr den Anforderungen der Ressourcenerkundung. Besonders die zunehmende Verknappung von Brennstoffen veranlaßte 1788 die sächsische Regierung, die Suche nach Steinkohle anzuordnen. Nachdem bereits 1786 vom Bergrat Abraham Gottlob Werner eine genaue Untersuchung der erzgebirgischen Erzlagerstätten gefordert worden war, erweiterte das Oberbergamt den Befehl auch auf mineralische Rohstoffe und organisierte eine geognostische Landesuntersuchung. Den offiziellen Auftrag für diese Aufgabe erhielt Werner im Jahre 1791. Zwanzig Jahre nach Beginn der Arbeiten wurde im September 1811 der von Werner gemeinsam mit Carl Amandus Kühn erarbeitete Hauptbericht vorgelegt.

Nach Werner's Tod wurde Bergkommissionsrat Kühn Direktor der Landesuntersuchung; er führte die geologische Erforschung bis 1835. Zu dieser Zeit erfolgte eine Überarbeitung der Karten durch Carl Friedrich Naumann und Bernhard Cotta. Im Ergebnis waren bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts alle erzgebirgischen Marmorvorkommen bekannt.

Im 1845 erschienenen, zweiten Heft der „Geognostischen Beschreibung des Königreiches Sachsen und der angränzenden Länderabtheilungen“ haben wir folgende Beschreibung gefunden:

  

Geognostische Skizze
der Gegend zwischen Gößnitz, Oederan, Sebastiansberg und Auerbach.

Bearbeitet von Dr. Carl Friedrich Naumann

(S. 200ff):

B) Untergeordnete Glieder des Glimmerschieferterrains.

Uebersicht derselben.  

Als untergeordnete Bildungen sollen hier nur die kleineren, meist lagerartigen, zuweilen auch wohl gangartigen Gebirgsglieder betrachtet werden, welche innerhalb des Glimmerschiefers auftreten, und dabei selbstständig genug erscheinen, um nicht als bloße Modificationen und untergeordnete Gesteins- Varietäten des Glimmerschiefers gelten zu können. …  

Von denjenigen Massen aber, welche in dem hier angedeuteten Sinne als untergeordnete Bildungen zu berücksichtigen wären, verdienen besonders der SchörlfeIs, der Quarz- Brockenfels, die Porphyrgänge, die Grünsteine, die aus Strahlstein, Kiesen, Erzen und Kalkstein zusammengesetzten Lager, sowie die reinen Kalkstein- und Dolomit- Lager eine etwas ausführlichere Erwähnung. …  

Strahlstein-, Kies-, Erz- und Kalklager der Gegend von Breitenbrunn
und Schwarzenberg

Grünsteingebilde mit körnigem Kalkstein und
Dolomit zusammen vorkommend.

d.) Die Lagergruppe am Fürstenberge.

Die Gruben Himmlisch-Heer, Familienglück und Frisch GIück am Fürstenberge im Oswaldsthale bauen auf Lagern, welche ebenfalls theils aus Hornblendgestein, theils aus körnigem Kalkstein bestehen. …  

Das Lager von Himmlisch-Heer besteht zum größeren Theile aus schönem, weißen, körnigen Kalksteine (oder Dolomit); doch bricht auch auf ihm Strahlstein, Tremolit, Steinmark, Quarz, Prasem, Flußspath, Blende und Bleiglanz. Sein Streichen ergiebt sich aus dem Pingenzuge ungefähr hor. 6.  

Auf Familienglück hat man besonders schönen Salit und Strahlstein mit Blende und etwas Bleiglanz, daneben aber auch reinen, körnigen Kalkstein gefunden. … 

Die Frischglücker Erze liegen in einer, der eben erwähnten ganz ähnlichen Lagermasse; doch paßt die Lage des Grubengebäudes nicht in die Streichrichtung des Pingenzuges von Familienglück. …

 

e.) Die Wildenauer Lagergruppe.  

Oestlich von Wildenau liegen die Gruben Zweiglers Fundgrube und Neujahr, welche beide auf erzhaltigem Grünstein und Flößlagern bauen, die denen von Unverhofft Glück in ihrer Zusammensetzung sehr ähnlich sind. Die einbrechenden Mineralien sind besonders: edler Serpentin, Jaspopal, Strahlstein, Diopsid, Vesuvian, Allochroit, Granat, Kupholith, Peponit, Faserkalk, Metaxit, Pikrolith, Schalstein, Gyps, Flußspath, Magneteisenerz, Kupferkies, Eisenkies, Blende und Bleiglanz, meist mit dem Grünsteine verwachsen. Der körnige Kalkstein ist sehr rein, enthält auf Zweiglers Fundgrube sehr scharfkantige Bruchstücke von Grünstein und wird auf Neujahr stark abgebaut.  

Das allgemeine Streichen dieser Lagergruppe ergiebt sich aus der Lage der Gruben und Halden (mit Einschluß eines südostlich gelegenen, längst verlassenen Pingenzuges) zu hor. 10 bis 11, mit östlichem Fallen. Das Lager von Neujahr streicht jedoch hor. 9, womit auch die Lage des, mit dem Treue Freundschaft Stollen etwa 400 Lachter vom Mundloche herein überfahrenen Kalksteinlagers übereinstimmt…

 

Körnige Kalksteine und Dolomite.

Obwohl der körnige Kalkstein und der Dolomit in der Schwarzenberger Gegend meist mit erzhaltigen Grünsteinen zusammen vorkommen, so finden sie sich doch auch selbständig ohne jene Begleiter, und zwar auch dann ziemlich parallel zwischen dem Glimmerschiefer eingelagert.

Das schönste Vorkommen der Art ist das im Nitzschisch'en Kalkbruche bei Raschau. Reiner, weißer, feinkörniger Kalkstein ist in dem Bruche gegen 5 Lachter mächtig aufgeschlossen, ohne daß man sein Liegendes erreicht hätte. Er scheint hor. 1,4 zu streichen und etwa 40° gegen Ost zu fallen; doch ist diese Beobachtung ziemlich unsicher, weil sie nicht an der Gränzfläche gegen den Glimmerschiefer, sondern nur an gewissen Parallelklüften des Kalksteines selbst angestellt werden konnte. …  

Unter dem Namen Fester Schlägel baut ferner südöstlich von Raschau eine Eigenlehnerzeche auf schönem, weißen, feinkörnigen bis dichten Kalkstein, welcher 1 bis 6 Fuß mächtig, im Ganzen parallel zwischen den Glimmerschiefer eingelagert ist, im Einzelnen aber so unregelmäßige Verzweigungen in denselben hinein bildet und so viele eckige Bruchstücke desselben einschließt, daß man hier, wie an einigen andern Orten, geneigt werden muß, an der Gleichzeitigkeit beider Gesteine zu zweifeln. Es liegt dieser Kalkstein, wie der Glimmerschiefer, beinahe horizontal, nur 5 bis 10° gegen SO. geneigt; da aber dieses geringe Fallen nach seiner Richtung sehr unsicher und schwankend ist, so läßt sich auch das Streichen des Lagers nicht genau und sicher bestimmen. Merkwürdig ist in dieser Grube noch eine eigenthümliche, schwarze, sehr glimmerreiche, auf den ersten Anblick einigermafsen an Basalt erinnernde, aber wohl eher mit Grünstein verwandte Masse, welche das Kalklager scharf abschneidet, bis jetzt aber noch nicht durchfahren worden ist…  

Außerdem sind noch in der Gegend von Schwarzenberg mehre andere Lager oder Stöcke von Kalkstein bekannt, auf denen z. Th. nicht unbedeutende Kalkbrüche betrieben werden. Dahin gehören z. B. Meiers Kalkbruch bei Schwarzbach, Jllings Kalkbruch zwischen Schwarzbach und Elterlein, der Kalkbruch bei Förstel und Tännigt, welche fast alle auf der Charte eingetragen worden sind…  

Aus diesem Allen geht hervor, daß das jüngere Alter der erzführenden Grünsteine im Vergleich zum Glimmerschiefer zwar nicht unmittelbar nachgewiesen werden kann, aber dennoch sehr wahrscheinlich ist, und daß man sonach die Grünstein- und Kalkgebilde dieser Gegend als ziemlich gleichzeitige Bildungen anzusehen habe, welche kurz und wechselnd aufeinanderfolgend, die im Glimmerschiefer der Schichtung parallel aufgerissenen Spalten erfüllten. Die Aufspaltungen erfolgten theils nur ein Mal im frischen Gesteine, theils zu wiederholten Malen an derselben Stelle. Man würde demnach diese plattenförmigen Gesteinsmassen ihrer Lagerung nach Lager, ihrer Natur nach Gänge, überhaupt also wohl am passendsten lagerförmige Gänge zu nennen haben. Nach Formationen unterscheiden sie sich, wie folgt:  

  1. Zinn- und andere Erze führende Grünsteine;

  2. Erzführende Grünsteine ohne Zinn, gewöhnlich mit scharf abgesonderten kalkigen Nebengliedern;

  3. Gemenge von Grünstein und Kalkstein, Erlan;

  4. Körniger Kalkstein und Dolomit; und

  5. Grünstein (Wacke) ohne Erze.

Auf einem angewachsenen Kenntnisstand behandeln die um 1900 gedruckten Geologischen Karten für das Königreich Sachsen auch unsere Region. In seinen Erläuterungen zum Blatt 137: Section Schwarzenberg-Aue, schreibt F. Schalch 1869:

Von der auf Blatt Schwarzenberg-Aue… (erlangt die) archäische Formationsgruppe die geringste oberflächliche Verbreitung. Sie beschränkt sich lediglich auf die nächste Umgebung der Stadt Schwarzenberg, wo sie ein flache, …und auf ihrer Westseite größtentheils durch den Granitstock des Rackelmannes unterbrochene Kuppel darstellt, um welche herum sich die Gesteine der Glimmerschieferformation concordant angelagert haben. …Sehr mächtig und reich an den verschiedenartigsten Einlagerungen ist die Glimmerschieferformation …entwickelt. Als das vorherrschende Gestein erscheint, wie gewöhnlich, der normale helle Glimmerschiefer oder Muscovitschiefer…

II. Die Glimmerschieferformation

Abgesehen von ihren an die Nähe des Contactes mit dem Granit gebundenen Umwandlungsproducten baut sich die Glimmerschieferformation …aus folgenden Gesteinen auf: normalem, hellem Glimmerschiefer (Muscovitschiefer) als Hauptgestein, Quarzglimmerschiefer und Quarzitschiefer, feldspathhaltigen …, biotitführenden, dunklen Gneissglimmerschiefern, grauen, rothen und dichten Gneissen, Amphiboliten, krystallinischen Kalksteinen und Dolomiten sowie eine grossen Anzahl theils mit Kalkstein, theils mit Pyroxen- und Hornblendegesteinen verknüpfter Erzlager…

Die bei den tektonischen Störungen in grosser Zahl aufgerissenen Spalten verrathen z. Th. ihre Entstehung durch die sie ausfüllenden Reibungsbreccien (Rother Kamm), z. Th. aber wurden sie durch tauben Quarz oder erzführende Gangmittel ausgeheilt. Die so entstandenen Erzgänge bildeten neben den Erzlagern der Glimmerschieferformation den Gegenstand des einst blühenden, jetzt leider nahezu erloschenen Bergbaus der Schwarzenberger Gegend.“

   


Der westliche Teil im Ausschnitt aus der Geologischen Karte No. 137 Section Schwarzenberg- Aue, Ausgabe 1896. Dunkelblau sind die Kalkstein- und Dolomit- Lager, dunkelgrün erzführende Skarne eingezeichnet. Die Eintragung eines Kalklagers an der Nordwestspitze des Knochens aus der Geognostischen Karte (Zweigler's Fundgrube) ist hierin verschwunden, stattdessen sind hier zwei parallele Gänge der BiCoNi- (grün) und der Eisen-Mangan-Formation (gelb) eingetragen.

  

Bergbau auf Kalkstein und Dolomit erwähnt Schalch gar nicht mehr. Das östlich angrenzende Blatt No. 138: Elterlein-Buchholz, hat A. Sauer bearbeitet. Dessen zweite Auflage wurde von C. Gäbert 1900 revidiert. Der Kartenausschnitt grenzt östlich bereits an die Annaberger Kuppel an. Gäbert ordnet die Kalksteine ebenfalls in die Glimmerschieferformation ein und beschreibt sie noch etwas ausführlicher wie folgt:

7. Krystallinischer Kalkstein

Im Glimmerschiefergebiete der Section Elterlein-Buchholz werden mächtigere Kalklager angetroffen bei Oberscheibe, am Zachensteine (zwischen Crottendorf und Scheibenberg) am Tännicht, sowie östlich und westlich vom Förstel bei Langenberg; ferner finden sich eine Reihe kleiner Kalkflötzchen im Walde südlich vom Pökelgute zwischen Mittweida und Raschau. …

c. Das Kalklager am Tännicht bei Schwarzbach

Das Hauptgestein dieses Lagers ist ein meist ziemlich feinkörnig-krystallinischer Kalkstein von graulich-weisser Farbe, mit nicht selten vollkommen ebener Schichtung und plattiger Absonderung. In Folge einer senkrecht zu letzterer stehenden Zerklüftung erhalten die Bruchstücke eine parallelepipedische*) Form. Spärliche Biotit- und Muscovitschüppchen, faserig-strahlige Tremolitaggregate erscheinen bisweilen auf den Spaltflächen. Die grössere Härte und Festigkeit, sowie das höhere specifische Gewicht dieses Kalksteins lassen von vornherein einen bedeutenden Magnesiagehalt vermuthen, den auch die chemische Analyse …bestätigt. Auf 100 Theile kommen 31,4 CaO; 20,8 MgO; 47,0 CO2; 0,5 Al2O3 und Fe2O3; 0,3 Unlösliches, wonach das Gestein aus einem Gemenge von 56% Calciumcarbonat und 43% Magnesiumcarbonat bestehen würde. Auch hier hat vielfach eine pseudomorphe Bildung von Speckstein, der außerdem noch von Quarzadern durchtrümert ist, stattgefunden. Seine bisweilen violblaue Färbung ist auf eine Imprägnation mit Flussspath zurückzuführen, der sich auch auf den Wänden von Hohlräumen in zierlichen Würfeln auskrystallisiert findet.

*) Ein Parallelepiped ist ein von sechs Parallelogrammen begrenzter Spaltkörper, quasi ein in aller Raumachsen verschobener Quader. Man sagt auch Rhomboeder dazu.

d. Die Kalklager beim Förstel nördlich von Langenberg

Dieselben sind jetzt nicht mehr aufgeschlossen. Nach Haldenbruchstücken zu schliessen, scheint der Kalk auch hier ziemlich feinkörnig und magnesiareich gewesen zu sein.

e. Die Kalklager im Walde südlich vom Pökelgute bei Mittweida-Markersbach

Eine Reihe kleiner Kalksteinflötzchen haben hier Veranlassung zu einem längst auflässigen Abbaue gegeben. Nach den Haldenbruchstücken zu schliessen, wird die Mächtigkeit des reinen Kalksteines nicht sehr bedeutend gewesen sein. Ja, es scheint fast, dass der Kalk hier nur kleine Schmitzen und Flasern im Gneisse gebildet habe, denn selten findet man Bruchstücke von Kalkstein, mit welchem nicht zugleich noch dessen Nebengestein zusammenhinge. Der Kalkstein der östlichen Flötzchen ist körnig-krystallinisch und weiss, oder fast dicht und von graulich-weisser Farbe, meist frei von accessorischen Mineralien, nur vereinzelt sind Muscovitschüppchen und Schwefelkiespartikel eingesprengt. … In einem der westlichen Flötzchen treten Strahlstein und Magnetit so massenhaft auf, dass der Kalkstein ganz in den Hintergund gedrängt wird. … Accessorische Zinkblende ist nicht selten. …

Von den Kalkeinlagerungen der Glimmerschieferformation giebt allein diejenige am Zachensteine Aufschluss über deren Verbandsverhältnisse zum Glimmerschiefer. Granatführender Glimmerschiefer, der hier ungefähr N. 80° W. streicht, mit 20-30° nach SW. einfällt, bildet das Hangende und Liegende des Kalklagers. Nur im Hangenden trennt eine etwa metermächtige Bank eines gneissähnlichen biotitreichen Gesteines den Kalkstein vom Glimmerschiefer. Nach seinen Grenzen zu wird ersterer durch parallele Einlagerung von Muscovitschüppchen deutlich geschichtet, so dass ein Kalkglimmerschiefer als Uebergangsglied entsteht.“ 

  


Der östlich an oben gezeigten Ausschnitt angrenzende Teil der Geologischen Karte No. 138 Section Elterlein-Buchholz, Ausgabe 1900. Auch hier sind dunkelblau die Kalkstein- und Dolomit-Lager eingezeichnet.
Die Grube Fester Schlägel war auch unter dem Namen ihres älteren Vorgängers Goldener Regenbogen Stolln aktenkundig.

  

Die Entstehung der Skarnlager war für die Vorfahren nicht einfach zu durchschauen und beschäftigte die Geologen sehr lange. Im Jahrbuch für das Bergwesen im Königreich Sachsen, Ausgabe 1902, widmete sich ein ausführlicher Bericht diesen Erzlagern, aus dem wir einige Auszüge bezüglich der mit ihnen verknüpften Kalk- und Marmorvorkommen entnehmen:

Über die Erzlager der Umgebung von Schwarzenberg im Erzgebirge.

Von Professor Dr. E. Beck in Freiberg i. S.

I. Theil.  

Eingehende Beschreibung von einzelnen Erzlagern.  ...

Die Lager am östlichen Gehänge des Fürstenberges. 

Am östlichen Gehänge des Fürstenberges trifft man in der Richtung von SW. nach NO. nacheinander auf die erzführenden Gesteinslager von Himmlisch Heer, Herkules mit Familien Glück und Frisch Glück.

Am eingehendsten bekannt sind die Verhältnisse von Frisch Glück Fdgr., die H. Müller untersucht hat. Dieses Lager streicht WNW. Und fällt unter 30° nach N. Es besitzt eine Mächtigkeit von 0,6—2 m. In seinem Hangenden, nur durch eine 0,5 m mächtige Glimmerschieferbank getrennt, folgt ein zweites Lager von 1 – 1,4 m Mächtigkeit. Die Lager von Frisch Glück bestehen nach F. Schalch ganz vorherrschend aus einem lichtberggrünen, stark seidenglänzenden, schmal- und divergentstrahligen bis krummfaserigen asbestartigen Strahlstein, der von Prasem und feinkörnigem Pistazit begleitet wird. Unter den Erzen walten braune Blende und Kupferkies vor, auch etwas Eisenkies und Bleiglanz sind betheiligt. Die Erze fanden sich nach H. Müller in abbauwürdiger Menge jedoch nur in einem Erzfall, dem man mit dem Schachte bis auf eine flache Tiefe von 100 m (bis auf den Frisch Glück Stolln) gefolgt ist. …  

Ganz ähnlich sind die Verhältnisse des auf der noch in letzter Zeit in Betrieb gewesenen Grube Herkules abgebauten etwa 0,5 m mächtigen Lagers. Wir besitzen von dort eine größere Anzahl von 1891 von F. Kolbeck gesammelten Probestücken, aus denen sich Folgendes ergiebt: Das Liegende des Erzlagers bildet ein Lager von lichtgrauem oder rein weißem krystallinen Kalkstein, der zahlreiche schmale parallele Lagen von Glimmer und Chlorit enthält. Unter dem Mikroskope zeigt sich der rein weiße Marmor aus polygonalen, in ihrer Größe ungleichen, nur wenig durch gegenseitige Ein- und Ausbuchtungen der Nachbarflächen untereinander verschränkten Körnern zusammengesetzt. …

Das Lager von Himmlisch Heer endlich hat bereits eine eingehende Beschreibung bei F. Schalch gefunden. Es besteht nach ihm aus einem ausgezeichnet reinen, feinkörnigen Kalkstein, über dessen Zusammensetzung folgende beiden von O. Herrmann mitgetheilten Analysen Aufschluß geben. I wurde von Wunder, II von K. Caspari ausgeführt.
  

  

  I II
Kalkerde 54,0 52,0
Magnesia 1,3 1,5
Kohlensäure 43,0 42,9
Eisenoxyd, Thonerde, Manganoxydul 0,3 0,1
Unlösliches  0,9 4,35

  

Anhangsweise möge hier das Kalksteinlager von Wildenau erwähnt werden, obwohl die Erzinprägnation hier nur eine sehr geringfügige ist. Es wurde schon vor längerer Zeit unter dem Namen Neujahr Fdgr. am Rautenstöcker Gebirge auf Kalkstein und Flösse gebaut und mit dem unterhalb von Wildenau im Schwarzwasserthal mündenden Treue Freundschaft Stolln überfahren. Der Kalkstein bildet nach F. Schalch eine Einlagerung im hellen Glimmerschiefer. Seine Masse besteht nach einer technischen Analyse aus einem stark dolomitischen Kalkstein von folgender Zusammensetzung:
 

 

Kieselsäure 2,93
Thonerde 2,25
Eisenoxydul 0,89
Kohlensaurer Kalk 55,65
Kohlensaure Magnesia 37,46
Kohlensaures Strontium 0,12
Alkalien 0,14

   

Anmerkung: Im Gegensatz zum magnesiumarmen Marmor vom Fürstenberg handelt es sich bei den Lagern am Schloßberg also um Dolomitmarmor.

Das Gestein enthält außer Glimmerschüppchen vielfach Tremolit, selten Vesuvian, eingesprengt. In gewissen Partien stellen sich serpentinartige Massen und solche von einem Pyrosklerit oder Pseudophit ähnlichen Mineral ein. Auch Talk und Chlorit sind zugegen.  

Als sekundäre Bildungen haben die von Schalch beschriebenen Ausscheidungen von grobspäthigem Calcit und die Trümer von feinfaserigem Strontianit zu gelten. Von dem letzteren wurden mehrere Zentner in den Handel gebracht. Von Erzen erwähnt Schalch nur vereinzelte Körnchen von Magnetkies und Eisenkies sowie Blende.

  

Das Lager am Graul nebst den Erzgängen daselbst
und den Mulmlagerstätten.

Das Gebirge am Graul setzt sich in der Hauptsache aus NS. streichenden und durchschnittlich unter 30 ° nach 0. einschießenden Muskovitschiefern, Gneißglimmerschiefern und aus Quarzglimmerschiefer zusammen. …

Den Glimmerschiefern concordant eingeschaltet sind erzführende Gesteinslager, die hauptsächlich auf Eisenkies und Arsenkies abgebaut worden sind. …

Die Mehrzahl der Erzgänge am Graul gehört der Kobalt-Silbererzformation an. Meist sind es Flache und Stehende, die meist steil nach 0. einschießen. Ihre Mächtigkeit geht nur selten über 0,9 m hinaus und erreicht dann bis 2 m. Die beiden bedeutendsten, der Gottes Geschick Steh. und der Teubner's Hoffnung Fl., sind auf über 400 m streichende Länge und bis etwa 200 m unter Tage verfolgt worden. Sie neigen sehr zur Trümerbildung. …

Die eigentümliche Vertheilung und Ausbildung der Kobalt und Wismuth haltenden Mulme am Graul geht am klarsten aus dem Profil im Tagebau von Gottes Geschick hervor, das wir nebenstehend abbilden und beschreiben (Textfigur 5).

  


  

Unter dem viele Blöcke von taubem Quarz (t) und Hornstein enthaltenden Haldenmaterial bemerkt man von oben nach unten:

  • l eine Schicht gelbbraunen Lehmes mit eckigen Bruchstücken eines kieseligen Gesteins (0,5 m),

  • em (darunter) deutlich geschichteter eisenschüssiger Mulm mit eckigen Fragmenten von taubem kieseligem Gestein (t) und solchen von kieseligem Wismuthocker (dunkel schraffirt, w) bis 0,5 m im Durchmesser,

  • mg (in Vertretung von em) dunkelbrauner kobalthaltender Manganmulm,

  • wm gelbbraune, sehr unregelmäßig verlaufende wismuthreiche (5 - 7 % Bi) Mulm- lagen mit Fragmenten von kieseligem Wismuthocker, zum Theil wechsellagernd mit em eisenschüssige wismutharme Mulme mit eckigen Fragmenten von taubem oder wismuthhaltigem kieseligem Gestein,

  • pa sogenannte „Wacke", ein stark zersetztes Quarz-Feldspathgestein (0,5 m),

  • kn größtenteils in Braun- und Rotheisenstein zersetztes Kieslager (1 - 2 m), auch mit Quarz- und Eisenkieselausscheidungen, sowie mit zellig-zerreiblichen quarzigen Zersetzungsrückständen,

  • k Kieslager (Eisenkies und Arsenkies) (1 - 2 m) mit ganz zersetztem Strahlstein (Abraham-Lager),

  • p sogenannte „Wacke", ein stark zersetztes Quarz- Feldspathgestein.

...

Ähnlich, wie im Nossen- Wilsdruffer Zwischengebirge sind auch hier mit den Skarnlagern Eisen-Mangan-Erzvorkommen verknüpft, die ab 1830 und in der Gründerzeit nochmals auch Gegenstand des Abbaus waren. Vom oben erwähnten Tagebau von Stamm Asser am Graul ist in der Deutschen Fotothek eine Fotographie erhalten geblieben.

  


  Stamm Asser Fundgrube, Alter Tagebau mit Schrägaufzug, Aufnahme P. Schulz, 1927  

Link zur Originaldatei:  http://www.deutschefotothek.de/documents/obj/70003418

  


Raschau, Grube Gottes Geschick am Graul, Huthaus auf der Höhe des Grauls über dem Alt Gottes Geschicker Kunst- und Treibeschacht, Foto: Paul Schulz, 1924

 http://www.deutschefotothek.de/documents/obj/70002500

  


Raschau, Grube Gottes Geschick. Treibehaus über dem neuen Kunstschacht (links) und die Erzwäsche im Schwarzbachtal, der spätere „Fröhliche Bergmann“. Blick nach Osten zum Emmler, rechts am Bildrand am nördlichen Hang des Emmlers der Riedelschacht, Foto: Paul Schulz, 1924

 http://www.deutschefotothek.de/documents/obj/70002046

Bis zum Neuen Kunstschacht von Gottes Geschick führt der Treue Freundschaft Stolln, Flügelörter wurden teils noch von der SAG/SDAG Wismut weiter vorgetrieben. Welche komplexe Technik einst unter dem Treibehaus zu finden war, haben wir in diesem Beitrag gezeigt.

 

Während der Kalkstein- und Marmorabbau in vielen kleineren Lagerstätten des Erzgebirgsvorlandes zumeist Anfang des 20. Jahrhunderts zum Erliegen kam, ging im Erzgebirge ein Konzentrationsprozeß vonstatten und setzte sich nach dem 2. Weltkrieg noch bis in die 1990er Jahre fort (Schließung des Kalkwerks Raschau- Langenberg 1965, in Crottendorf 1973, Schließung des Kalkwerks Herold 1985).

Nach 1990 war nur noch der Weiterbetrieb von drei Lagerstätten für die Produktion von hochwertigen karbonatischen Zuschlagstoffen (Dolomit) wirtschaftlich möglich, nämlich in Lengefeld, Hammerunterwiesenthal und in Hermsdorf (heute GEOMIN - Erzgebirgische Kalkwerke GmbH).

   

 

 

Zur Bergbaugeschichte

Kalkwerk Wildenau (Neujahr Fundgrube)

 

Wir beschreiben diese Grube zuerst, da sie nach unserer Kenntnis als erste der noch Folgenden aufgeschlossen wurde. Wie oben schon zu lesen war, fällt die Entdeckung vermutlich bereits auf das Jahr 1574, als „der Bildhauer Hans Walter … dem Kurfürsten (meldete), daß er im Amte Schwarzenberg beim Städtl daselbst einen schönen Marmorsteinbruch, roth und weiß geädert, angetroffen und entblößen lassen habe.“

In der Bergbaumonographie, Bd. 16: Marmor im Erzgebirge, wird dieses erloschene Vorkommen unter Nr. D 21 wie folgt beschrieben: Die Lager sind konkordant in die Schieferfolge eingebettet, die stratigraphisch im Grenzbereich der Raschau- Formation und den Gneisen der Niederschlag-Gruppe steht. In seinem Liegenden geht der Dolomit mit einer Wechsellagerung von Marmor und dolomitführendem, flasrigem, glimmerschieferartigem Gestein in den Glimmerschiefer über. Der hangende Teil ist in Grünstein umgewandelt. Daher gab es vermutlich zwei Dolomitvarietäten:

  1. Fast reinweißen bis weißgrauen, fein- bis kleinkörnigen, kristallinischen Dolomitmarmor mit sporadisch auftretenden Glimmerschüppchen und vereinzelten Tremolitfasern, sowie
  2. Grünlichweißer Dolomitmarmor, verworrenfilzig von Tremolit durchwachsen oder mit lagigen Tremolitpartien, diese oft in talk- oder specksteinartige Partien umgewandelt.

Für die chemische Zusammensetzung werden in der Bergbaumonographie folgende Werte (Auswahl) angeführt:

  Kalkwerk
Hempel
Haldenfunde Neujahrstollen Haldenfunde Neujahrstollen

CO2

45,1%

48,3%

44,0%

CaO

30,5%

29,4%

35,1%

MgO

19,0%

19,5%

16,2%

MnO

n. b.

0,03%

0,23%

Al2O3, Fe2O3

1,8%

1,3%

2,8%

SiO2

2,5%

1,5%

0,9%

Verkarstung ist nicht bekannt, nur gelegentlich fanden sich Schlotten. Stellenweise traten aber bis zollmächtige Trümer von feinfaserigem Strontianit auf, von denen mehrere Zentner gewonnen und verkauft wurden. Ferner war ein etwa 0,3 m mächtiger Gang der kiesig- blendigen Bleierzformation mit Sphalerit und Galenit Anlaß für die Mutung des Neujahr Stollns.

   


Geologische Situation der Kalklager (blau) bei Wildenau östlich von Schwarzenberg, nach Bergbaumonographie, Bd.16, 2010; darin: G... Augengneis, PTn... Gneise der Niederschlag- Gruppe (Neo- Proterozoikum), Era... Raschau- Formation (Unter- Kambrium), Eom... Gneis-Glimmerschiefer der Obermittweida- Formation, Efi... Quarzitschiefer und Muskovit- Glimmerschiefer der Fichtelberg- Formation, Ej... Glimmerschiefer der Jachymov- Gruppe (Mittel- Kambrium), Qp... Pleistozän, Qh... Holozän. 

    

Die früheste Erwähnung der Neujahr Fdgr. bei Wildenau in Bergamtsakten des Bergreviers Schwarzenberg haben wir bislang für das Jahr 1729 gefunden (40169, Nr. 1381). Im Aufstand auf das Quartal Luciae 1729 „von der Neuen Jahr Fundgrube und tiefen Erbstolln, auf Abraham Stiehler´s Erbguth und unter Schneebergischem Bergamts Revier gelegen…“, kann man lesen, daß in jenem Quartal nur ein Lachter aufgefahren worden sei, denn man sei schon „gegen die alten Gebäudte aufgefahren, in welchen ab 1716… man von oben wieder einen Versuch gethan…“  Die Grube ist also mit Sicherheit noch älter und vor 1716 aufgenommen worden.

Nach den Akten des Bergamtes Schneeberg (Bestand 40015, Nr. 1510) waren in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts (1776) die Gebrüder Reinhold auf dem Auerhammerwerk Eigenlehner der Neujahr Fundgrube. Nach Angaben in der Bergbaumonographie, Bd. 16: Marmor im Erzgebirge, ging der Abbau des Kalkes dagegen erst um 1780 nach Untertage.

Im Protokoll auf das Quartal Luciae anno 1834 (40169, Nr. 1381) liest man dann, daß die Neujahr Fdgr. wenigstens seit 1832 im Besitz von Carl Heinrich Nitzsche gewesen ist. C. H. Nitzsche war Hammerwerksbesitzer in Erla, konnte also den Kalk als Zuschlagstoff selbst gut gebrauchen. C. F. Naumann erwähnt dann 1845 einen Nitzschisch'en Kalkbruch bei Raschau. Möglicherweise hat sich der damalige Besitzer also auf den am Emmler noch im Tagebau und somit wesentlich einfacher zu gewinnenden Kalk verlegt, denn am 7. Januar 1846 sagt Nitzsche die Neujahr Fdgr. in Wildenau los.  

Am 3. Juli 1848 hält das Bergamt Schneeberg fest: „…daß von dem Eigenlöhner Heinrich August Zweigler zu Raschau mündlich angezeigt wurde, daß von einem gewissen Waigel, Eigenlehner der Neujahr Fundgrube neuerdings aus dieser Grube Kalkstein gewonnen und als Eisensteinzuschläge an das Erlaer Eisenhüttenwerk geliefert und verkauft worden sind. Da jedoch Neujahr Fdgr. dermalen im Freien liegt, …also von keinem mit Mannschaft beleget sein müßte, …jedoch weder Quatembergelder noch Zehnter und Erbgeld von diesen Flößen entrichtet worden“ und weil „folglich eine versuchte Hinterziehung dieser… Gefälle geräsoniert werden muß“, wurde der Berggeschworene Hoffmann sogleich am 5. Juli beauftragt, der Sache nachzugehen.

Leider endet die Akte mit dieser Beauftragung, so daß wir nicht erfahren, was dabei herausgekommen ist… Ein Herr Weigel wird aber auch von Wunder, Herbrig und Eulitz noch im Jahre 1867 als Besitzer dieses Kalksteinbruches erwähnt.

  

1845 führt C. F. Naumann Zweigler‘s Fundgrube und Neujahröstlich von Wildenau“ noch gemeinsam auf. Auf der geologischen Karte von 1896 entdeckt man Zweigler´s Fdgr. jedoch weiter südöstlich von Wildenau am Nordhang des Knochens am linken Gehänge des Schwarzbachtals.

Die geologische Karte enthält dann schon keine Eintragung eines Kalklagers östlich von Wildenau“ mehr, stattdessen von zwei parallelen Erzgängen der BiCoNi- und der Eisen-Mangan-Formation.

Unter dem Namen Zweigler’s Fundgrube wird diese Grube wenigstens schon 1840 aktenkundig (40169, Nr. 355), als sie zunächst unter dem Namen „Zweichlers Fundgrube“ von Friedrich August Zweigler gemutet wurde. Als Eigenlehner der Grube wird später Heinrich August Zweigler genannt. Aufgrund der vergleichsweise frühen Erwähnungen dieser Grubengebäude in den Bergamtsakten ist naheliegend, daß sie als Erzbergwerke verliehen wurden und Kalkstein nur als Nebenprodukt gewonnen wurde.

Die Zweigler’s scheinen auch ein Beispiel für eher spekulative Aktivitäten in der Zeit der beginnenden Gründerzeit zu sein. Bereits 1830 kaufte ein Herr Ernst Zweigler die Hausteins Hoffnung Fundgrube bei Langenberg (40169, Nr. 160). 1856 kaufte der Fabrikant Ernst Erdmann Zweigler außerdem die Grube Gott segne beständig Erbstolln bei Langenberg und 1860 darüber hinaus die Juno Fundgrube am Förstelgut bei Langenberg (40169, Nr.174); letztere konsolidierte später mit Riedel’s Fundgrube am Emmler.

Spätestens ab 1857 besitzt Zweigler‘s Fundgrube (die bei Langenberg ?) einen Oberen (Bernhard Stolln) und einen Tiefen Zweigler Stolln (Julius Stolln); letzterer war seit 1839 im Besitz der Gewerkschaft „Wilkauer vereinigt Feld bei Langenberg und am Tännigt“ (zu dieser Zeit im Besitz der Eisen- Aktien- Compagnie zu Wilkau), wurde 1859 aber losgesagt und um 1862 von Zweigler als Beilehn erneut gemutet. Aus dem Titel einer anderen Akte (40169, Nr. 173) geht ebenfalls hervor, daß zumindest das Grubengebäude Julius Stolln am Förstel bei Langenberg – also weit östlich und talaufwärts am Schwarzbach – gelegen hat. Dieses Grubengebäude wurde spätestens 1886 an die Frisch Glück Sächsische Gewerkschaft wieder veräußert.

Unklar ist somit, ob hier der Grubenname „Zweigler’s Fundgrube“ nicht an mindestens zwei verschiedenen Stellen – nämlich in Wildenau und am Tännicht bei Schwarzbach – mehrfach auftaucht.

Noch nicht recherchiert haben wir, ob die Zweigler’s das Kapital für ihre bergbaulichen Aktivitäten aus dem Bergbau (auf Kalkstein ?) in Wildenau erworben hatten und welche Absichten sie mit ihren bergbaulichen Aktivitäten in Langenberg verfolgten. Zwar wurde auch bei Förstel ein Kalklager abgebaut, aber die anderen, oben aufgeführten Gruben östlich am Emmler bauten sämtlich im Quarzbrockenfels auf Brauneisenstein und Manganerze.

Zugleich ließ sich 1858 Ernst Erdmann Zweigler außerdem noch die Rautenstock Fundgrube am Schloßberg bei Schwarzenberg verleihen, wo er aus den Grubenwässern den Eisenocker gewann (40169, Nr. 1513). Hier treffen auch die Zweigler’s und die Besitzer der höher am Talhang des Schwarzwassers angesetzten Neujahr Fundgrube wieder zusammen.

Die Ockerschlämmerei am Mundloch des unterhalb von Rautenstock am Hang angesetzten Treue Freundschaft Stolln wurde um 1906 an die Gewerkschaft Gottes Geschick vereinigt Feld am Graul (also ans feldwärtige Ende des Treue Freundschaft Stollns) verkauft. Von dort kam sie später aber wieder zurück an die jetzigen Besitzer des Kalkwerks am Schloßberg (ab Ende der 1880er Jahre die Familie Hempel), welche die Ockergewinnung vermutlich noch bis 1922 fortführten (30049, Nr. 4820).

Die Familie konnte es aber mit dem Bergbau einfach nicht lassen und 1873 ließ sich Ernst Erdmann Zweigler aus Wildenau die Eisenzeche am Wernsbach bei  Großpöhla verleihen ‒ auch dies aber ohne wirtschaftlich durchschlagenden Erfolg, denn schon zwei Jahre später wurde diese Akte wieder geschlossen... (40169, Nr. 590).

   

  

 

Der Hempel'sche Brennofen in Wildenau

  

Spätestens 1867 wurde auch ein „Kesselofen“ im Kalkwerk in Wildenau errichtet. Dieser Brennofen ist in seinen  Grundmauern erhalten geblieben, recht eigentümlich und nachdem wir ihn 2018 besichtigen durften, ist er uns folgende Ergänzungen wert.

Tatsächlich besitzt er die typische sechseckige Grundform eines Rumford'schen oder Rüdersdorfer Brennofens. Der erhaltene Teil besitzt nach den Umbauten ab dem Jahr 1905 heute allerdings nur noch etwa zwei Drittel seiner ursprünglichen Höhe. Unterhalb des teilweise auf den Ofen aufgesetzten Gebäudes ist er jedoch noch weitgehend erhalten geblieben.

Der ursprüngliche Brennschacht besitzt auf Höhe der damaligen Feuerungen ‒ im Niveau des Betriebshofes auf halber Höhe am Hang ‒ reichlich 2 m Durchmesser und ist mit Schamottesteinen ausgekleidet. Die Feueröffnungen wurden aber später zugemauert und nur einige Stoßlöcher zum Lösen verkeilter oder versinterter Kalksteinblöcke belassen.

Stattdessen hat man den unteren, zirka 2,5 m breiten und im Scheitel des Gewölbes knapp 2,0 m hohen Umgang, wo sich eigentlich die Abzüge für den gar gebrannten Kalk befunden haben, zu einem Ringbrandofen umgebaut.

In der Gewölbedecke darüber findet man noch etliche der Schürlöcher, über die der Brennstoff vom oberen Umgang aus eingefüllt wurde. Auch im Untergeschoß wurden die Abzüge des älteren Schachtofens bis auf eine Revisionsöffnung vermauert und stattdessen im Sohlbereich fünf bzw. sechs Füchse für den Rauchabzug und die Steuerung des Brandes belassen. Der ursprüngliche Brennschacht diente zu dieser Zeit offenbar nur noch als Schornstein.

Glasige Silikatschmelzen an der Gewölbedecke im unteren Umgang belegen eindeutig, daß dieser Ringbrandofen wirklich in Betrieb gewesen sein muß. Auch das Natursteinmauerwerk weist ziemlich erhebliche Schäden auf, die nur auf die Hitzeeinwirkung während des Brennens zurückgeführt werden können.

Allerdings stellen wir uns das Beschicken dieses Ringbrandofens äußerst schwierig vor, denn er hatte ja nur sechs Zugänge von seinen Außenmauern, respektive auch nur sechs Brennkammern. Der Zwischenraum zwischen dem sechsten Zugang und der Hangseite war zudem spätestens 1905 beim Umbau zu einem Wohnhaus mit Abraum aufgefüllt worden. Die Arbeitsbedingungen der Kalkbrenner, die diesen Ofen beschicken und ausräumen mußten, sind kaum vorstellbar, denn der Umlauf des Feuers muß hier recht schnell gegangen sein, so daß das Mauerwerk und der gebrannte Kalk kaum Zeit zum Abkühlen hatten.

Wie uns die Rißunterlagen zum Kalkwerk verraten, muß es in späterer Zeit deshalb einen zweiten, größeren Brennofen gegeben haben, der im Gebäude des späteren Sägewerkes gestanden hat. Wie dieser Ofen ausgesehen hat und wie lange er überhaupt noch in Betrieb gewesen ist, konnten wir noch nicht herausfinden.

  


Grund- und Saigerriß über das Kalkwerk des Herrn E. Teichmann & Engler, später C. H. Hempel nebst Neujahr Stolln in Wildenau bei Schwarzenberg, aufgenommen im August 1885 durch L. Hünich, Markscheider, nachgebracht bis 26. Juni 1910, Bildquelle: Sächsisches Staatsarchiv, Bergarchiv Freiberg, Bestand 40054 (Bergamt Zwickau), Nr. 155 (Aktenbeilage); Ausschnitt mit dem Standort des Kalkwerkes, der „unteren Rolle“ des Bremsberges vom Kalksteinbruch (rechts) und dem Ansatzpunkt des Richard- Hempel- Stollns (links). Der sechseckige Brennofen vom Typ der Rumford- Öfen mit einer Abfangmauer oberhalb am Hang und einer Förderbrücke zur Ofengicht ist gut zu erkennen. Er wurde zu dieser Zeit aber offenbar schon nicht mehr genutzt, denn auf diesem Riß ist das spätere Sägewerk als „Kalkofen“ beschriftet.

   

Wahrscheinlich wurde das Kalkbrennen zumindest in dem älteren Ofen 1905 endgültig eingestellt, denn danach wurden die noch immer massiven Mauern des Ofens als Fundament des Wohnhauses benutzt. Die Zugänge zum Untergeschoß vom Niveau des früheren Betriebshofes aus wurden verfüllt und vergessen. Glücklicherweise hat dieses eigenartige Haus mit dem sehr interessanten Brennofen darunter heute einen fachkundigen und engagierten Besitzer gefunden, so daß wir guter Hoffnung sein dürfen, daß dieser Ofen auch für die nächsten Generationen erhalten bleibt.

 

Obwohl später auf Eisenerze neu verliehen, ist der Neujahr Stolln zu Wildenau in den Jahrbüchern für das Bergwesen in Sachsen zu dieser Zeit nie erwähnt.

Erst ab 1882 werden gesonderte Akten über die „Betriebsangelegenheiten bei dem Kalksteinbruch zu Wildenau“ geführt, die sich jetzt im Bestand Gewerbliche Gruben des Landesbergamtes finden (40024-12, Nr. 421). Nach der Umorganisation des Bergwesens im Königreich Sachsen führte etwa ab 1890 die Berginspektion Zwickau (noch später dann wieder die auch für die Kalksteinbrüche zuständige Berginspektion Freiberg III) Akten über „Hempel‘s Kalkwerk und Richard Hempel- Stolln in Wildenau“ (40054, Nr. 155). Parallel wurden aber – weil Neujahr Fdgr. ja immer noch als Erzgrube gemutet war – auch beim jetzigen Bergrevier Schwarzenberg weiterhin Akten über die „Betriebsangelegenheiten bei dem Berggebäude Neujahr Stolln bei Wildenau“ geführt (40169, Nr. 1382). Versuchen wir also, daraus die Geschichte der Grube in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts und bis zur endgültigen Einstellung Mitte der 1910er Jahren zu rekonstruieren…

Zunächst einmal ist festzuhalten, daß es sich beim Kalkwerk und beim Neujahr Stolln eigentlich um ein und dieselbe Grube handelte. Irgendwann in der Vorzeit hatte man beim Vortrieb des Stollens das Kalklager angefahren und seitdem wurde der Stolln als Zugang zum untertägigen Kalkbruch benutzt. Und zwar als der einzige ( !! ), denn alle späteren Versuche, das Kalklager von übertage aus im Tagebau aufzuschließen oder dauerhaft fahrbare Tagesschächte niederzubringen, gingen mehr oder weniger schnell und gründlich daneben.

Aus der Akte des Bergamtes (40169, Nr. 1382) erfahren wir zunächst, daß die Neujahr Fundgrube am 9. Januar 1884 auf dessen Mutung hin an Carl Friedrich Engler und gemeinsam mit diesem an Gottlieb Hermann Beyer, Kaufmann aus Wildenau, verliehen wurde und zwar insgesamt 10 Maßeinheiten mit 37.543 m² Grubenfeld „auf alle metallischen Mineralien“. Bei einer späteren Besichtigung notierte man, daß sich „in Höhlungen Ocker und möglicherweise Braunsteinmulm fänden“, von welchen „mindestens 100 bis 200 Zentner aufgefunden“ worden sei. Das Bergamt selbst bemerkt zur Mutung, daß „das Grubenfeld sich theilweise mit dem Abbaufeld des Kalksteinbruches zu Wildenau deckt, welches ebenfalls unter bergamtlicher Aufsicht steht“ – nämlich, weil es sich dabei um einen „untertägigen Kalkbruch“ handelte.

Anmerkung: Ein Herr Karl Friedrich Engler war schon ab 1857 auch in Oberberthelsdorf bei Hainichen im  Steinkohlenbergbau sowie ab 1858 auf der Robert Fdgr. bei Crimmitschau (40169, Nr. 1455 und 40024-10, Nr. 775) als Bergbautreibender aktenkundig.

    

Der Kalkbruch dagegen war zeitgleich und mindestens seit 1882 im Besitz von Heinrich Eduard Teichmann, seinerseits Gutsbesitzer in Wildenau, was man in den betreffenden Akten des Landesbergamtes (40012-12, Nr. 421) und der Berginspektion (40054, Nr. 155) nachlesen kann. Bis in die 1880er Jahre erfolgten die Revisionen der Kalkwerke noch durch die örtliche Gewerbeaufsicht, hier durch die Fabriken- und Dampfkesselinspektion zu Zwickau. In einem ausführlichen Bericht des Inspektors Harbrig vom 20. Mai 1882 wird der Kalkabbau folgendermaßen beschrieben: „Das Teichmann’sche Kalkwerk besteht aus einem unterirdischen Kalkbruche, auf den Fluren des Gemeindevorstands Stiehler gelegen… mit einer geneigten Förderbahn oder einem Bremsberge, einem Stolln (Neujahr), einem Flucht- und Wetterschacht und einem Kalkofen, der früher für Holz- und Torffeuerung, jetzt für Steinkohlenfeuerung als sogenannter Schüttofen (ein Trichter- oder Kesselofen) eingerichtet ist. Das Kalksteinlager streicht von Südost nach Nordwest bei einem Fallen von etwa 40° bis 45° nach Nordost.“  

Harbrig verweist ebenfalls darauf, daß es früher schon Abbau „im Tagebruch“ gegeben habe, tatsächlich ist dies aber anhand dieser Akten nicht belegbar. Auch der hier genannte Flucht- und Wetterschacht war nur einer von mehreren, die der Reihe nach zubruch gingen. Das Lager werde jedenfalls „jetzt durch den 242 m langen Stolln, der schon auf etwa 10 m Länge in ganzen Türstock gesetzt war, angefahren und in Abbau genommen. Dessen Mundloch liegt 35 m unterhalb der Mündung des Wetterschachtes und 60 m oberhalb der Thalsohle (des Schwarzwassers). Der Abbau erfolgte nur in der Stollnsohle und war etwa 40 m vom Liegenden zum Hangenden fortgeschritten, von dort im Steigen des Lagers weiter gebaut.“

Harbrig beschwert sich bereits damals: „Mangels Risses nicht bekannt ist, wie weit der gewöhnliche Weitungsbau, nicht mehr wie zeither in unregelmäßiger Weise, sondern planmäßig, noch höher und weiter getrieben werden darf. Der Riß ist sofort anzufertigen unter Angabe der stehengebliebenen Pfeiler, die nicht geschwächt werden dürfen…“  Das war eine einfache Erkenntnis angesichts eines vorgefundenen Weitungsbaus, der 55 m lang, 35 m breit und 8 m hoch gewesen und in der Mitte nur durch einen einzigen Pfeiler mit einem Querschnitt von 6 m x 2,5 m gestützt worden sein soll.

Folgerichtig kam es denn auch am 15. April 1884 zu einem ersten, dokumentierten Tagesbruch von rund 4 m Durchmesser und ebenso großer Tiefe auf Stiehler‘s Grund. Glücklicherweise war die Entschädigung des Grundbesitzers vorab vertraglich geregelt worden, auch die Einzäunung sei durch den Kalkwerksbesitzer umgehend erfolgt (40169, Nr. 1382). Danach wurde der Kalkwerksbesitzer aufgefordert, den naheliegenden Kommunikationsweg zu verlegen und „die leeren Räume des Abbaus durch Mauerpfeilerbau zu stützen“.

Doch zurück zu der Beschreibung des Kalkwerkes von Harbrig: Die Gewinnung erfolge durch Schießarbeit mittels Dynamit, welcher im Pulverhaus des Bauunternehmers Waigel gelagert werde. Ob es sich bei diesem um denselben, 1848 schon einmal erwähnten „gewissen Waigel“ handelte, wissen wir noch nicht. Der Zugang erfolge durch den Stolln, ein zweiter Fluchtweg bestehe seit dessen Aufgewältigung über einen „alten Tagesschacht“, mit einem Profil von 2 m x 1,14 m, in halber Schrotzimmerung ausgebaut. Allerdings fehle der Schachtdeckel.

Die Förderung im Stolln erfolge auf Eisenschienen mittels englischen Hunten, welche ein Fassungsvermögen von 12 bis 13 Liter (?) hätten, bis zu einer „oberen Rolle“; von da aus über einen etwa 8° geneigten, ebenfalls mit Eisenschienen belegten Bremsberg unmittelbar neben dem als Wirtschaftsweg von Stiehler und anderen Anwohnern benutzten, alten Grünhainer Kommunikationsweg. Die eisernen Förderwagen auf dem Bremsberg sind vierrädrig und fassen etwa 25 Liter (?). Die Bremsvorrichtung war in einem besonderen Häuschen untergebracht und bestand aus doppelten Bremsbacken mit Gegengewicht. Das Förderseil war ein Drahtseil aus 35 Drähten und in gutem Zustande.

Allerdings war negativ anzumerken, daß der Bremsberg – besonders ob seiner Nähe zum Wirtschaftsweg – nicht eingezäunt war, was umgehend nachzuholen sei. Auch fehlten Fangvorrichtungen an den Rädern der Förderwagen, Schlagbäume als Schutz sowie Signaleinrichtungen zwischen dem Anschlagpunkte und dem Bremshäuschen, weswegen ein Arbeiter ständig dafür zu sorgen hatte, daß der Weg frei ist. Auch der Brennofen sei mit einem neuen Ziegelfutter zu versehen, die obere Förderbrücke abzustützen und mit einem Geländer zu versehen.

Momentan sei die Grube jedenfalls mit 22 Mann, einem „Oberarbeiter“ Hilbert als Aufseher und dem Steiger Roth belegt, wovon „10 bei der Steingewinnung beschäftigt und 12 bei der Förderung im Schichtlohn“ stünden. Die tägliche Förderung betrage zur Zeit 700 bis 800 Liter. (Die hier von Harbrig mehrfach notierte Maßeinheit ist nicht besonders leserlich, es scheint aber tatsächlich „Liter“ zu heißen. Damit hätte die Tagesförderung gerade einmal 7 bis 8 Scheffel betragen. Bei 6 Arbeitstagen die Woche resultiert daraus eine jährliche Förderung von gerade mal rund 250 t.)

Ferner erfahren wir aber noch, daß nicht nur Beyer und Engler, sondern auch Teichmann und Engler verbandelt waren: Der erste nämlich besorgte die Leitung des Bruches, Engler dagegen wird von Harbrig als „Direktor“ bezeichnet. Harbrig notiert weiter, daß weder „der Steiger Roth ein Bergman ist und Engler ebenfalls nur ein praktisch gebildeter Bergmann (ist)…, weswegen eine regelmäßige Revision auch durch das Bergamt angeraten sei. Dem hat das Finanzministerium dann im März 1884 auch zugestimmt.

 

Aus den Fahrjournalen der Berginspektion Zwickau erfahren wir daraufhin etwas später, daß man im Sommer 1884 tatsächlich versucht hat, das Kalklager im Tagebau aufzuschließen und bereits einen Einschnitt von 30 m Länge und 6 m Breite angelegt habe. Man stehe aber in dessen Tiefstem immer noch wenigstens 5 m oberhalb des Kalklagers. Dieses Projekt blieb in der Folgezeit wieder liegen.

Ganz im Gegenteil zu den vielen Kritikpunkten des Fabrikinspektors notierte die Berginspektion am 5. Juli 1884, daß „der Betrieb nunmehr …wie bei der Befahrung constatiert wurde, umso rationeller und vorschriftsmäßiger ist, daß zu Erinnerungen eine Veranlassung nicht gefunden wurde. Auch hat man sich allenthalben so gesichert, daß die Beschaffung eines zweiten Fluchtweges nicht mehr dringlich erscheint…“ – dieser Satz aus der Feder der zuständigen Bergbehörde?!

Während man einerseits den technischen Betrieb lobte, notierte man andererseits, daß „im allgemeinen die rechtlichen Verhältnisse zwischen Engler und Beyer einerseits (die Eigner der Neujahr Fundgrube) und wieder zwischen diesen beiden und dem Grundbesitzer Stiehler von solcher Art seien, daß an eine baldige Lösung nicht zu denken ist…“  Tatsächlich scheint K. F. Engler auch bei seinen Bergbauunternehmungen in Schwarzenberg keine glückliche Hand gehabt zu haben. Die Akten geben nun Auskunft über einige Streitigkeiten zwischen Engler und seinem „Compagnon, Schuhmachermeister Hermann Gottlob Beyer aus Zwickau“ (Obwohl in der Inhaltsangabe dieser Akte jetzt anders bezeichnet, wird es aber wohl noch immer ein und derselbe Gottlob Hermann Beyer gewesen sein.)

Wie sich Engler dann 1884 beim Bergamt beschwert, habe nämlich dessen Bruder Eduard Beyer das Grundstück des Kalkwerkes bei einer Versteigerung erworben, nicht aber das Abbaurecht. Anschließend aber habe er seinem Bruder Gottlob Hermann Vollmacht „zum selbständigen unbeschränkten Betrieb“ erteilt, woraufhin die Gebrüder Beyer das Kalkwerk in eigene Regie übernahmen und „Beyer und seine Leute sich gewaltsam des mir persönlich verliehenen Neujahr Stollns und meines Inventars bemächtigt hätten.“

Aus diesen privatrechtlichen Streitigkeiten hielt sich die Bergbehörde aber heraus, der Inspektor notierte bei der Befahrung nur lakonisch, daß am 11. Juni 1885 das „Beyer’sche Kalkwerk von mir befahren wurde, dessen Betrieb aber durch den Besitzer bis auf Weiteres eingestellt worden ist.“ Ab November 1885 lief der Betrieb wieder, man versuchte nun erneut, einen neuen Tagesschacht (ein tonnlägiges „Fluchtüberhauen“) im Liegenden des Lagers von untertage aus hochzubrechen. Weiterer Kalksteinabbau fand nicht statt, nur die schon früher hereingeschossenen Massen wurden zutage gefördert.

Dieser „Raubbau“ war wohl nicht lange rentabel, denn schon ab 24. August 1887 hatte das Kalkwerk dann einen neuen Besitzer. Berginspektor Neukirch aus Zwickau notiert in seinem Fahrjournal vom Februar 1889 (40024, Nr. 421) über den „Kalkbruch von Franz Louis Matthes“, daß man in zwei Feldern baue, die aber Anfang der 1880er Jahre und am 30. Juli 1888 zu Bruch gegangen seien. Der am Ende der vorderen großen Weitung befindliche und nach Angabe des Besitzers schon vor 2 ½ Jahren (also um 1886/1887) zu Bruch gegangene Fluchtschacht war dadurch nicht mehr fahrbar.

  

Schon am 3. August 1889 teilte Matthes dann der Berginspektion Zwickau einen erneuten Besitzerwechsel mit, das Kalkwerk habe nunmehr Carl Heinrich Hempel erworben. Rund zwanzig Jahre früher (1868) haben wir im Rahmen anderer Recherchen einen „Kalkarbeiter Carl August Hempel in Crottendorf“ in einer Gerichtsamtsakte (33035, Nr. 9) gefunden. Ob es sich dabei um einen Vorfahren jenes Carl Heinrich Hempel handelt, wissen wir zwar nicht; eine gewisse familiäre Vorbelastung mag aber durchaus ein wahrscheinlicher Grund sein, warum man auf die Idee kommt, selbst ein Kalkwerk zu erwerben…

In dessen Betriebsplan auf die Jahre 1889 bis 1892 wird jedenfalls beschrieben, daß man entsprechend der Empfehlung der Bergbehörde nordöstlich des Neujahr Stollns in noch unverritztes Lager einschlagen und zu einem regelmäßigen Kammerpfeilerbau übergehen wolle, dabei Pfeiler von 4 m x 4 m Querschnitt stehenlassen und dazwischen bis 6 m breit den Kalk aushauen werde. Statt der Aufwältigung des Fluchtschachtes beschäftigte man sich mit der Auffahrung eines zweiten Fluchtweges auf der Stollnsohle, in Getriebezimmerung quer durch die Bruchmassen hindurch. Dieser war im November 1890 fertig.

Zugleich faßte man nun erstmals den Plan, das Kalklager von der Sohle des Rautenstock Stollns*), der sich seit 1858 aber im Besitz von Ernst Eduard Zweigler befand, auf tieferer Sohle anzufahren. Wie oben schon zu lesen war, betrieb Zweigler hier eine Ockerschlämmerei; erklärte 1891 jedoch seine Zustimmung zur Nutzung des Stollns unter einigen Bedingungen, u. a. war zu gewährleisten, daß der Wasserablauf bestehen bliebe.

*) Für den Rautenstock Stolln wird auch die Bezeichnung Oberer Treue Freundschaft Stolln verwendet, weil beide Stolln auf demselben Gang einschlugen.

Das Projekt war clever gedacht, hätte man bei Erfolg doch die Förderung über den Bremsberg sparen und komplett nach untertage verlegen können. Auch erschöpften sich die in der Neujahrstolln- Sohle anstehenden Vorräte. So nahm man es auch sofort in Angriff. Die Fahrjournale der Berginspektion berichten, daß der „Richard Hempel Stolln“ vom Kalkwerk unterhalb des Schloßberges aus angesetzt sei, da der Mundlochbereich des Rautenstock Stollns schon damals verbrochen war. Bereits 1891 habe er eine Länge von 70 m erreicht und werde auf den Rautenstock Stolln zu vorgetrieben. Parallel arbeiteten 9 Hauer und 2 Förderleute im Kalkbruch. Die tägliche Förderung läge bei etwa 5 Hunten.

Um 1893 ist das Kalkwerk dann auf den Sohn Heinrich Richard Hempel übergegangen. Im März 1893 hatte auch der Richard Hempel Stollen auf den Rautenstock Stollen durchgeschlagen. Dieser sei aber auch weiter östlich weitgehend verbrochen und vorerst nur auf 80 m Länge aufgewältigt. Man rechnete mit weiteren etwa 160 m Länge, die man auffahren müsse, um das Kalklager – etwa 55 m tiefer als die Neujahr Stollnsohle – zu erreichen. Wegen des hohen Aufwands dafür befuhr man nun auch den noch etwa 18 m tiefer ansetzenden (unteren) Treue Freundschaft Stolln, fand ihn „überwölbt und in gutem Zustande vor“ und wollte als zweiten Fluchtweg vom Richard Hempel Stolln aus einen Durchschnittsschacht zwischen dem Treue Freundschaft- und dem Rautenstock Stolln herstellen. Dieser Durchschlag wurde dann im dritten Quartal 1896 tatsächlich fertig.

Am 1. Juni 1894 wurden der Berginspektion Zwickau wieder einmal Senkungen „unmittelbar an dem öffentlichen Fußweg von Wildenau nach Grünhain“ gemeldet. Der Gemeindevorstand äußerte dazu die Vermutung, daß „im Hempel´schen Kalkwerk Raubbau getrieben würde.“ (40054, Nr. 155)

Bei einer Befahrung durch das Bergamt Schwarzenberg (40169, Nr. 1382) im Dezember 1895 liest man dann, „der ganze Betrieb zeuge von Planlosigkeit… Bei den Weitungsbauen wurde der Verdacht geweckt, daß behufs Kalksteingewinnung die Pfeiler geschwächt wurden… Auch die Tagesbrüche ließen ein Fortschreiten der Senkungen erkennen.“ Die begonnene Fallstrecke zwischen dem Neujahr und dem Rautenstock Stolln habe man wegen Wasserandrangs wieder aufgeben müssen.

Da über diese ganze Zeit K. F. Engler einerseits zwar formal noch immer das Abbaurecht an den „Eisenerzen“ im Neujahr Stolln innehatte, von denen freilich bis dahin noch gar nichts gefördert worden ist; andererseits das Kalkwerk inzwischen jedoch von anderen ausgebeutet wurde, mußte er schon 1887 erstmals Antrag auf Fristhaltung stellen. Dies wiederholte sich mehrfach, bis 1891 das Bergamt zur Mitteilung aufforderte, wann denn der Betrieb wieder fortgesetzt werden solle. Engler wies in seiner Antwort darauf hin, daß der Stollen vom Kalkwerk genutzt werde und somit gar nicht außer Betrieb gewesen wäre und das Bergamt ließ daraufhin weitere Fristhaltung zu.

Nachdem aber schon 1884 die Schwarzenberger Hütte den Betrieb eingestellt hatte, schloß zehn Jahre später auch noch die Königin Marienhütte in Cainsdorf. Bei erneuter Nachfrage nach der Wiederaufnahme der Grube konnte sich Engler nun herausreden, daß es ihm dadurch noch schwerer falle, das (freilich nach wie vor vollkommen fiktive) Erz zu verkaufen. Das mußte die Behörde einsehen und verlängerte die Betriebsfrist nochmals bis 1896.

Bei der nächsten Aufforderung zur Wiederaufnahme beruft sich Engler dann darauf, daß schließlich trotz seiner Beschwerde von 1884 das Bergamt ihn nicht in den ihm verliehenen Grubenbesitz versetzen konnte (oder wollte) – gibt aber dann schlußendlich am 26. Mai 1897 das Abbaurecht doch auf.

Das nun wieder bergfreie Grubengebäude sicherten sich umgehend jeweils anteilig William Zweigler und der Kalkwerksbesitzer Richard Hempel, der den Neujahr Stolln ja als Zugang und Förderstrecke brauchte. Letzterer ließ sich aber nur noch mit 2 der ursprünglich 10 Maßeinheiten und zusammen mit etwa 8.000 m² beleihen, was vom Bergamt am 16. Oktober 1897 bestätigt wurde. Weil Hempel den Stolln aber auch nur als Zugang zu seinem Kalkwerk brauchte, beantragte auch er sofort wieder Fristhaltung.

Da wegen Hochwassers der Untertagebetrieb 1897 ohnehin abgesoffen war, versuchte Richard Hempel es 1898 nochmals mit einem Aufschluß des Lagers im Tagebau, während man das Projekt des Anfahrens auf tieferer Sohle inzwischen wohl aus Kostengründen gänzlich aufgegeben hatte. Auf dem Richard Hempel Stolln befand sich jetzt ein eigenes Dynamitlager.

 

Im Jahre 1899 ging die Belegschaft von 7 Mann auf nur noch 3 untertage und einen am Kalkofen zurück. Auch verunglückte der als Betriebsleiter mitwirkende Bruder Heinrich Oswald Hempel, als „nach dem Bereißen der Firste noch eine Wand Kalkstein aus 3,5 m Höhe heruntergekommen ist.“

Inzwischen ist die Berginspektion Freiberg III als Aufsichtsbehörde für die gewerblichen Kalksteingruben gegründet worden. Der uns schon von anderen Orten bekannte Bergmeister Seemann notiert in seinem ersten Fahrbericht vom Juni 1900 über das Hempel’sche Kalkwerk, daß man in diesem Jahre hauptsächlich Strecke durch die alten Brüche getrieben habe, um östlich noch ziemlich unverritzt anstehendes Lager vorzurichten. „Die Brüche sind wohl durch Belassung einer zu geringen Anzahl von Pfeilern und zu großer Schwächung derselben entstanden… Den durch die Trümmermassen getriebenen Strecken ist, wenn sie auch in möglichster Anlehnung an die noch vorhandenen Pfeiler angelegt werden, kein allzu großes Vertrauen in Bezug auf die Sicherheit beizulegen, weil eine etwaige Bewegung in den Bruchmassen deren … Zimmerung bald zerdrücken würde. …Bei diesem Zustande muß es bedauerlich erscheinen, daß die unterirdischen Baue nur einen Tagesausgang besitzen.“

Die Forderung der Bergbehörde nach einem zweiten Zugang wird daraufhin eindringlicher und 1901 mit einem Beschluß der Bergbehörde aktenkundig, daß künftig „in jedem betreffenden Fahrbericht über die Fortschritte der Fluchtwegherstellung …eingehend zu berichten ist.“ Außerdem sei „der Fluchtweg zum Richard Hempel Stolln sofort in Angriff zu nehmen und bis spätestens 1. Oktober 1903 fertigzustellen.“  Im Gegenfall wird eine Geldstrafe von 100,- Mark angedroht.

Der Plan, vom Rautenstock Stolln aus das Lager anzufahren, wird daher von Richard Hempel nochmals aufgenommen, weil ein neuer Schacht in den Tagesbrüchen kaum billiger werden könnte. Einige Jahre später nämlich notiert Berginspektor Roch zum Zustand der Oberfläche, daß „das Tagesbruchgebiet bei dem jetzigen Ausgange des Fluchtweges umso mehr einer Einfriedung bedarf, als daselbst Öffnungen vorhanden sind, welche bis in die Grubenräume reichen.“ Daher fand auch der Bergmeister Seemann diesen Plan gut, denn „Hempel gewinnt dadurch 53 m Bauhöhe und hätte in einigen Jahren, wenn er in der jetzigen Bausohle keinen Kalkstein mehr antrifft, zu dieser Arbeit sowieso schreiten müssen…“

In der  Auflistung der aktiven, gewerblichen Gruben in der Jahrbuchausgabe 1901 wird das Kalkwerk Wildenau, allerdings noch angegeben im Besitz von Carl Heinrich Hempel, aufgeführt. Die statistischen Fragebögen geben dann Auskunft, daß Hempel in den Folgejahren mit 6 bis 8 Arbeitern mehr oder weniger kontinuierlich Kalk abgebaut habe. 1904 ruhte erstmals der Betrieb (40054, Nr. 155).  

  


Ein seltenes Bilddokument findet sich in der Bergamtsakte: Bildpostkarte mit der Ansicht des Kalkwerkes Wildenau aus der Zeit um 1900. Hinter dem Zaun ist der sechseckige Schachtofen noch zu erkennen. Er besaß zu dieser Zeit offenbar schon keinen Aufsatz mit Schornstein mehr, wie der vom Hoffmann’schen Typ in Raschau. Bildquelle: Sächsisches Staatsarchiv, Bergarchiv Freiberg, Bestand 40054 (Bergamt Zwickau), Nr. 155: Kalkwerk Wildenau, Aktenbeilage.

Der frühere Zustand.
Der heutige Zustand.

 

Je nach Witterungsbedingungen über- oder untertage war man bis 1908 damit beschäftigt, entweder „im Tagebruch“ zu arbeiten oder den Richard Hempel Stolln weiter voran zu bringen. Letzterer soll nach dem Fahrbericht vom November 1907 jetzt schon zirka 500 m lang sein, jedoch ohne das Kalklager angefahren zu haben. Der Durchschlag nach unten auf den Treue Freundschaft Stolln soll sich bei 450 m Länge vom Mundloch befinden. Aufgrund dieser Längenangabe ist zu vermuten, daß man den benötigten Querschlag nach Norden gar nicht begonnen, sondern in der Hoffnung, daß sich das Lager in der Tiefe ausdehne, den Rautenstock Stolln weiter nach Nordosten aufgewältigt hat.

Das alte Baufeld machte dabei immer wieder große Probleme, denn am 11. April 1907 und dann erneut am 24. März 1908 kam es zu schweren Verbrüchen der Weitungsbaue. Dabei wurden auch zwei Arbeiter verschüttet. Der Weg von Wildenau nach Grünhain wurde wieder einmal beeinträchtigt und mußte von der Amtshauptmannschaft Schwarzenberg gesperrt werden.

Berginspektor Bachmann trägt daraufhin am 2. April 1908 ins Zechenbuch ein: „Infolge des …erfolgten Zusammenbruchs einer Abbauweitung, wodurch der Fluchtweg mit verloren gegangen ist, wird hiermit der Betrieb des Tagebaus bis auf Weiteres und in der Grube auf solange untersagt, als bis ein zweiter Tagesausgang geschaffen worden ist.“

Diese Stillegung der gesamten Grube war eine fast beispiellose, aber endlich konsequente Maßnahme der Bergbehörde… Allerdings meinte man auch, daß die Senkungen „auf den Stiehler’schen Parzellen 94 und 95 zur Annahme etwaiger wesentlicher Vergrößerung keinen Anlaß geben, da unter ihnen Abbauweitungen nicht vorhanden sind und die seitlich davon gelegene Weitung, auf deren Einsturz die Senkung zurückzuführen ist, vollständig ausgerollt ist.“

Mit jetzt nur noch 3 Arbeitern hat R. Hempel im Laufe des Jahres 1908 den ebenfalls mehrfach bemängelten Neujahrstolln auf 20 m Länge „in Beton gesetzt“ (40024-12, Nr. 422) und versucht, einen neuen Fluchtweg über das schon von den Brüdern Beyer begonnene, tonnlägige „Fluchtüberhauen“ nach übertage herzustellen, als es, angeblich infolge eines Erdbebens, im Dezember 1908 zu neuerlichen, schweren Verbrüchen kam, bei denen auch der bisherige Fluchtweg durch die alten Baue wieder einmal verbrochen ist.

Im Aktenbestand 40054 (Bergamt Zwickau), Nr. 155 haben wir den schon von Harbrig geforderten Riß, 1885 vom Markscheider Hünich auf Leinwand gezeichnet und nachgebracht bis 1910, als Beilage der Akte gefunden.
 


Grund- und Saigerriß über das Kalkwerk des Herrn E. Teichmann & Engler, später C. H. Hempel nebst Neujahr Stolln in Wildenau bei Schwarzenberg, aufgenommen im August 1885 durch L. Hünich, Markscheider, nachgebracht bis 26. Juni 1910, Gesamtansicht. Bildquelle: Sächsisches Staatsarchiv, Bergarchiv Freiberg, Bestand 40037-1 (Deponierte Risse der Steine- und Erdenindustrie), Nr. K22939 (Kopie) sowie 40054, Nr. 155 (Original als Aktenbeilage)

  


Der Saigerriß aus obigem Grund- und Saigerriß über das Kalkwerk des Herrn E. Teichmann & Engler, später C. H. Hempel nebst Neujahr Stolln in Wildenau bei Schwarzenberg. Links der Abbau im Niveau des Neujahr Stollns, ganz links die begonnenen Kammerpfeilerbaue, rechts unten das Niveau des Rautenstock bzw. R. Hempel Stollns.

  


Ausschnitt aus obigem Grund- und Saigerriß über das Kalkwerk von C. H. Hempel nebst Neujahr Stolln in Wildenau bei Schwarzenberg. Die reichlich „wirren“ Weitungsbaue der Vorfahren sind gut zu erkennen. In der letzten Betriebsphase (die hellblau kolorierten Strecken im Norden) versuchte man es mit einem etwas systematischeren Kammerpfeilerbau. Rot: Verlauf des Neujahr Stollns; dunkelblaugrün: Niveau des Rautenstock bzw. R. Hempel Stollns. Wie man sieht, verlief letzterer mehr als 60 m südlich der alten Abbaue.

 


Ausschnitt aus obigem Grund- und Saigerriß über das Kalkwerk von C. H. Hempel nebst Neujahr Stolln in Wildenau bei Schwarzenberg mit der Lage des zirka 250 m langen Bremsberges zwischen Mundloch des Neujahr Stollns und Kalkwerk am Schwarzwasser (links am Bildrand).

  


Ausschnitt aus obigem Grund- und Saigerriß über das Kalkwerk von C. H. Hempel nebst Neujahr Stolln in Wildenau bei Schwarzenberg mit dem Mundloch des R. Hempel Stollns (dunkelblaugrün, links oben), dem Standort des Kalkwerkes und der „unteren Rolle“ des Bremsberges. Der sechseckige Brennofen vom Typ der Rumford-Öfen ist gut zu erkennen.

  

Inwieweit es in den nachfolgenden Jahren noch zu einem geregelten Betrieb kam, ist nicht mehr genau nachzuvollziehen. Die Bergbehörde hält dann jedenfalls am 6. November 1911 fest, daß man anläßlich der Befahrung „…den Kalkwerksbesitzer nicht angetroffen habe. Nach Angabe des Arbeiters Hahn, der allein übertage arbeitete, ruhe der Betrieb seit etwa 6 Monaten. Wie Frau Hempel erklärte, habe sich ihr Mann entschlossen, den Grubenbetrieb vorläufig, wenigstens jedenfalls den ganzen Winter über ruhen zu lassen.“ 1912 wurde von Hempel die Sistierung der Grube auch der Berginspektion angezeigt.

Im August 1913 stellt die Berginspektion fest, daß der Betrieb „in den nächsten Jahren nicht wieder aufgenommen wird“, weil inzwischen selbst Teile des Richard Hempel Stollens, der ja eigentlich im Quergestein steht, wieder verbrochen waren. Parallel tritt jetzt auch das Bergamt wieder an Hempel heran, der daraufhin am 29. Mai 1915 sein Grubenfeld auf der Neujahr Fundgrube lossagt. Damit endete auch der Kalkabbau in Wildenau.

Obwohl sich diese Darstellungen nicht nur topographisch, sondern auch inhaltlich mit jeder Ausgabe verändert haben, kann man die Entwicklung mit Hilfe historischen Kartenmaterials nachvollziehen, das wir wieder im Kartenforum der Deutschen Fotothek gefunden haben. 

  


Ausschnitt aus dem Meilenblatt (Freiberger Exemplar) Blatt 243: Schwartzenberg (Schwarzenberg/Erzgebirge), 1:12.000, Grundaufnahme 1790, Nachträge bis 1876. Der Maßstab ist fast viermal größer als bei der Aufnahme von 1840 oben. Im Oswaldtal ist das Huthaus der Erzgrube Treue Freundschaft Stolln (im Bereich des 1. Lichtlochs und des Carl Haidinger Stollns) rot nachgetragen, vom Kalkwerk nordöstlich von Wildenau findet man dagegen keine Spur.

 


Ausschnitt aus der Äquidistantenkarte von Sachsen, Blatt 137: Section Schwarzenberg, gedruckt in Leipzig von Giesecke & Devrient,1876. Gegenüber der ein Vierteljahrhundert älteren Karte hat sich inhaltlich kaum etwas verändert, nur den Namen Treue Freundschaft finden wir nun vor. Dieser Stolln wurde in den 1830er Jahren bis Gottes Geschick fortgebracht.

 


Dito, Ausgabe 1908. Nördlich des Hochbehälters sind jetzt erstmals die Konturen der Tagesbrüche des Hempel'schen Kalkbruchs und im Tal der Standort des Kalkofens (K.O.) eingezeichnet. Der Erzabbau im Grubenfeld von Neujahr Stolln ist schon wieder Geschichte und man hielt ihn den der Eintragung nicht für wert. Nur ein kleines Symbol nordwestlich des Hochbehälters verweist auf die Lage seines Mundloches und die Weiternutzung durch das Hempel’sche Kalkwerk.

 


Ausschnitt aus der Topographischen Karte Sachsen, Blatt 137: Schwarzenberg, Ausgabe 1925. Auch bei Treue Freundschaft wurde Schlägel und Eisen umgedreht, die Pingen des Hempel'schen Kalkbruch haben dagegen einige Ausdehnung gewonnen. Auch der alte „Kommunikationsweg nach Grünhain“ ist jetzt von dem Pingenzug unterbrochen. 

 


Dito, Ausgabe 1943, (Meßtischblatt 5542). Am Ort der Gelbe Birke Fdgr. (rechts oben) ist nur noch ein "Denkst." zu finden. Die Pingen an Hempel's Kalkbruch haben hier ihre heutige Ausdehnung erreicht.

  

Der Treue Freundschaft Stolln zählt mit etwa 2.600 m Länge vom Schwarzwassertal in Wildenau bis Gottes Geschick am Graul zu den großen Wasserlösestollen des Erzgebirges.

Er wurde von 2005 bis 2009 durch die Bergsicherung Sachsen GmbH im Auftrag des Sächsischen Oberbergamts aufwendig saniert. Dabei wurde mit einer Bohrung auch ein Wasserabflußweg zwischen Neujahr Stolln und Treue Freundschaft Stolln hergestellt, so daß die aus dem ehemaligen Kalkstein- Tagebau auf dem Neujahr Stolln zusitzenden Wässer nun ebenfalls über den Treue Freundschaft Stolln geordnet zum Schwarzwasser ablaufen können.

  

 

 

Zum Marmorbergbau am Fürstenberg bei Waschleithe

  

Als ausgebeutete Lagerstätte wird der Fürstenberg bei Waschleithe in der Bergbaumonographie Marmore im Erzgebirge unter Nummer D 52 aufgeführt. Auch hier werden zwei Marmor-Varietäten unterschieden:

  1. Ein reinweißer, feinkörniger, nahezu dolomitfreier Kalzitmarmor mit wenig Akzessorien und

  2. ein grau bis bräunlich gefärbter, oft gebänderter meist dolomitischer Marmor mit Akzessorien, vor allem Glimmer, Chlorit, Titanit u. a.

Die drei bis vier Lager streichen parallel annähernd in Ost- West- bis Südwest-Nordost-Richtung und fallen mit etwa 45° nach Norden ein. Besonders die nördlichen Lager bestehen dabei in erhöhtem Maße aus (verskarnten) Kalksilikatfelsen, Pyroxen-Skarnen und Epidot, Prasem und Pistazit führenden Strahlsteinen. In den Skarnen treten Sphalerit, Chalkopyrit, seltener Galenit, Pyrit und Arsenopyrit auf.

Für die chemische Zusammensetzung werden in der Bergbaumonographie folgende Werte (Auswahl) angeführt:
  

  Kalzitmarmor,
sehr rein
Kalzitmarmor,
grau gebändert
Kalzitmarmor,
grau, grobkörnig

CO2

43,0%

42,0%

40,8%

CaO

54,0%

54,3%

51,9%

MgO

1,3%

0,1%

0,4%

Al2O3, Fe2O3

0,3%

0,6%

0,2%

SiO2

0,9%

3,1%

6,6%

Im Gegensatz zum Lager bei Wildenau ist dieser Marmor also nahezu frei von dolomitischen Anteilen. Stratigraphisch wurden die Kalklager ursprünglich in die Obermittweida-Formation eingeordnet, anhand neuerer Untersuchungen jetzt aber den tieferen Schichten der Jachymov- Gruppe im Grenzbereich zur Fichtelberg- Formation zugeordnet, sie sind also etwas jünger, als die in Wildenau.

Die einzelnen Lager waren zwischen 2,2 m und bis zu 6 m mächtig. Zwischenmittel ist meist ein flaseriger, biotitführender Glimmerschiefer. Die metasomatische Beeinflussung wird hier auch durch einzelne Gänge der BiCoNi und der Eisen-Mangan-Formation deutlich. Bei Himmlisch Heer setzten als Besonderheit Gänge durch das Lager, die Quarz, Fluorit und Scheelit führten. Der Scheelit wurde 1869 auch gezielt abgebaut.

 

 


Geologische Situation der Kalklager (blau) bei Waschleithe östlich von Schwarzenberg, nach Bergbaumonographie, Bd.16, 2010; darin: Era... Raschau- Formation (Unter- Kambrium), Eom... Gneis-Glimmerschiefer der Obermittweida- Formation, Efi... Quarzitschiefer und Muskovit- Glimmerschiefer der Fichtelberg- Formation, Ej... Glimmerschiefer der Jachymov- Gruppe (Mittel- Kambrium), Qp... Pleistozän, Qh... Holozän. 

 

Der Bergbau um Waschleithe begann – wie man aus dem Ortsnamen schließen kann – vermutlich mit der Gewinnung von Zinnsteinseifen. Ältere Gruben wie Osterlamm bauten vorallem auf Eisen-, Kupfer- und Silbererze. Dabei wurden auch die Erzlager am Fürstenberg entdeckt. Eine sehr ausführliche Darstellung der Montangeschichte findet man in Hahn, J.: Herkules Frisch Glück und Co, 2007. Demnach ist anhand eines Antrags der „Gewerken vom Fürstenberg um Befreiung vom Zehnt wegen des Ungewitters“ wenigstens seit 1491 Bergbau in dieser Region urkundlich belegbar.

Die Grube Himmlisch Heer wird 1654 als Grünhainer Communzeche erstmals genannt. Schon zu dieser Zeit wird mit der Auffahrung des „Gemeinstollns“ (des späteren Khiesels Hoffnung Stolln) von den Gewerken begonnen. Zugleich erwirbt man die Grube Segen Gottes. 1667 wird mit der „Marmel-Zeche diesseits des Mönchsteigs“ erstmals auch Kalk- und Eisensteinabbau genannt. 1684 bleibt die Communzeche wegen Geldmangels liegen.

Bis 1734 hatte der Gemeinstolln bereits 90 Lachter Länge erreicht, ohne jedoch auf die Lager von Himmlisch Heer und Segen Gottes durchschlägig zu werden. 1756 wird ein eigenes Pochwerk im Ortsteil Haide errichtet.

Die Grube Frisch Glück am Fürstenberg ist im Bergamt Annaberg als Silber- und Schwefelkiesgrube seit 1688 aktenkundig und 1708 an das Schwarzenberger Bergrevier übergegangen (vgl. Bestand 40169, Nr. 79). 1711 wird ein Frisch Glück Erbstolln genannt. Die Gewerkschaft Frisch Glück wird 1720 aufgelöst, ohne daß ihr Stolln bis dahin ins Baufeld durchschlägig gemacht werden konnte.

Die Grube Herkules wird nach Hahn, 2007, erstmals 1711 genannt. Spätestens seit 1793 werden im Bergamt Schneeberg Akten zu dieser Grube geführt (Bestand 40169, Nr. 161).

  


Grube Herkules, Huthaus samt Frisch-Glück-Stolln auf einer Halde, Foto: Paul Schulz, 1924

 http://www.deutschefotothek.de/documents/obj/70002509

    

Der Siebenjährige Krieg führte auch hier zum völligen Erlöschen des Bergbaus. Erst 1770 nimmt eine neue Gewerkschaft die Grube Frisch Glück wieder auf. Bis 1778 wurde der Frisch Glück Stolln auf 137 Lachter fortgebracht und 1781 hatte er bereits 180 Lachter Länge erreicht. Abgebaut wurden Kieslager und die Erze an die Vitriolhütte in Lößnitz geliefert. Schon 1781 (Bestand 40169, Nr. 77) wurde erstmals vorgeschlagen, die beiden benachbarten Gruben Frisch Glück und Herkules zu konsolidieren.

Die einstige Communzeche Himmlisch Heer wurde dagegen 1783 durch Carl Heinrich von Elterlein, Hammerherr des Pfeilhammers in Pöhla, übernommen. Trotzdem fiel sie 1788 erneut ins Freie.

Von 1808 bis 1809 wird der Herkules Stolln von Eigenlehnern neu gemutet, auf 109 Lachter Länge aufgewältigt, danach aber doch wieder aufgegeben. Dagegen wird 1818 mit dem Frisch Glück Stolln endlich das erste tiefe Stollnort bei zirka 219 Lachter (zirka 438 m) Länge bis auf die Lager im Fürstenberg durchschlägig.  

In den Jahrbuchausgaben in der Auflistung der Gruben, denen gnädigst Grubenvorschüsse bewilligt wurden, ist auch Frisch Glück ab den 1830er Jahren zu finden. Das sächsische Fürstenhaus versuchte zu dieser Zeit, den westerzgebirgischen Bergbau neu zu beleben und investierte unter anderem in die Errichtung der König Antons- Hütte (Inbetriebnahme 1831) im heutigen Antonsthal südlich von Schwarzenberg. Damit sollte besonders kleineren Gruben der Verkauf der Erze erleichtert und deren Transportkosten gesenkt werden. Dies führte zu einem neuen Berggeschrei und in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts entstehen schnell nacheinander mehrere Gewerkschaften:

  • 1830 Familienglück gevierte Fdgr.,

  • 1830 Vier Geschwister Fdgr. samt Engelschar Stolln als Beilehn,

  • 1832 Fürstenberg Fdgr.,

  • 1833 Gute Hoffnung Fdgr. (nur bis 1841 im Feld),

  • 1834 Khiesels Hoffnung gevierte Fdgr.

  • 1834 Himmlisch Heer Fdgr. und Stolln,

  • 1846 Segen Gottes Fdgr.,

  • 1858 Richard III. Fdgr. (nur bis 1861).   

Unter dem Namen Khiesels Hoffnung wurde 1834 auch die einstige Grünhainer Kommunzeche Himmlisch Heer wieder aufgenommen. Der schon von den Vorfahren begonnene Gemeinstolln erhielt nun den Namen Khiesels Hoffnung Stolln.

Wie in der Jahrbuchausgabe 1844 zu lesen steht, versuchte man sich zu dieser Zeit erneut an den Kieslagern: „Der Grube Frisch Glück Erbst. am Fürstenberge wurde durch die neuerlich in Zwickau versuchte Zugutemachung der Zinkblende auf Zink eine neue Quelle zur Erzeinnahme in Aussicht gestellt, indem man über die Qualität der dahin abgelieferten Blende sich sehr günstig aussprach.“

Gleichzeitig gründete sich 1846 die Segen Gottes und Himmlisch Heer Marmor- und Kalkbruchsgesellschaft.

Bereits ab 1838 kam es sukzessive zu Zusammenlegungen, zunächst von Vier Geschwister und Segen Gottes samt Tiefer Engelschar Stolln, 1851 dann von Khiesels Hoffnung Geviert, Segen Gottes sowie Freude und Glück Stolln. Auch die schon früher empfohlene Konsolidation der beiden älteren Gruben erfolgt dann tatsächlich 1854 (Bestand 40024-12 Landesbergamt, gewerbliche Gruben, Nr. 0480) unter dem Namen Herkules Fdgr. samt Frisch Glück Stolln und Khiesels Hoffnung Erbstolln am Fürstenberg. Neben bergtechnischen Überlegungen für einen günstigeren Betrieb der Gruben waren jedoch vorallem das schwankende Ausbringen und die erhöhten Kosten für den Erztransport nach der Stillegung der Antonshütte im Jahr 1858 für dieses „Zechensterben ursächlich.

Wohl in diesem Zusammenhang legte auch die Kalkbruchgesellschaft Mutung auf Khiesels Hoffnung Stolln – jetzt unter dem Namen Himmlisch Heer Erbstolln – ein. Dies führte zu einem längeren Rechtsstreit, der erst 1860 durch einen Vergleich beendet wurde. Die Kalkbruchgesellschaft und die Gewerkschaft von Herkules samt Frisch Glück einigten sich auf eine gemeinsame Nutzung von Khiesels Hoffnung Stolln und auf die gegenseitige Belieferung mit den abgebauten Erzen bzw. dem Marmor.

Über den Fortgang bei Herkules samt Frisch Glück kann man dann in der Jahrbuchausgabe von 1859 nachlesen: Zunächst machten neue Anbrüche wieder Hoffnung – zugleich aber war jetzt mit der Stillegung der Antonshütte eine wichtige Grundlage für ein wirtschaftliches Arbeiten der kleineren Gruben im Westerzgebirge weggefallen:

XXI. Die wichtigsten neuen Anlagen, Ausführungen, Betriebspläne, Anbrüche und dergleichen im Jahre 1857.
A. In den verschiedenen Bergamtsrevieren.

„… Zu

C. der Scheibenberger, Hohensteiner und Oberwiesenthaler Revierabtheilung

ist zu erwähnen, daß …

3) Bei Hercules s. Frischglück Stolln am Fürstenberge wurde beim Ausschießen einer Hornstatt über dem Abteufen auf dem Frischglücker Lager in 196 Lachter Entfernung vom Stollnmundloche, das hangende Haupttrum dieses Lagers aufgeschlossen und solches 1,2 Lachter mächtig, meist aus Blende bestehend, bloßgelegt.

Mit dem Querschlage bei 118 Lachter vom Stollnmundloche, welcher 40 Lachter in West getrieben war, wurde bei 1,5 Lachter mehrerer Erlängung ein h. 8 streichendes, 30° bis 35° in NO. fallendes, 2 Fuß mächtiges Magnetkieslager, wahrscheinlich das Familienglücker, angefahren, von welchem eine erfreuliche Production, welche jedoch mit dem Betriebe der König Antonshütte leider sistirt werden mußte, erzielt worden ist.“  

Im gleichen Abschnitt der Ausgabe des Folgejahrs 1860 ist wieder Positives zu vermelden:

2) Bei Hercules sammt Frischglück Stolln am Fürstenberge wurde das mit dem 117 Lachter vom Stollnmundloche gegen West abgehenden, 40 Lachter langen Stollnflügel Querschlag überfahrene Lager etwas aufgeschlossen, dabei circa 1,5 Quadratlachter ausgehauen und 23,5 Centner Arsen-, ingleichen 108 Centner Magnetkies- Stufwerk gewonnen. Das Lager zeigte sich hierbei 0,5 Lachter mächtig, bestand aus compactem Magnet- und Arsen- Kies, hatte ein mittleres Streichen von h. 7 und ein durchschnittliches Fallen von 45° in Nord.“

1861 wird durch die Marmorbruchgesellschaft anstelle der 1756 errichteten Pochwäsche der Kommunzeche Himmlisch Heer eine Schmiede und eine Schleifwerkstatt errichtet, um den Marmor zu Werksteinen und Grabplatten verarbeiten zu können.

Und 1862 lesen wir:

XXI. Die wichtigsten neuen Anlagen, Ausführungen, Betriebspläne, Anbrüche und dergleichen im Jahre 1860.
A. In den verschiedenen Bergamtsrevieren.

Im Bergamtsrevier Schwarzenberg.

„Was

A. die Gruben der Scheibenberger, Hohensteiner und Oberwiesenthaler Revierabtheilungen

anlangt, so wurde…

2) bei Hercules sammt Frischglück Stolln am Fürstenberge wird in der Frischglücker Stollnsohle das bei 210 Lachter vom Mundloche angefahrene Kalksteinlager auf Kosten der Fürstenberger Marmor- und Kalkstein- Bruch- Gesellschaft, unter Leitung der Lindheimschen Grubenverwaltung abgebaut, und wurden aus 5,5 Quadratlachter Lagerfläche 10 Quadrat- Ruthen*) Kalkstein gewonnen.

Ferner wurde zur Entwässerung des Marmor- Abbaues am Fürstenberge, der Khiesels Hoffnung Stolln bis zu 88 Lachter vom Mundloche aufgewältigt und erweitert, auch der Khiesels Hoffnunger Tageschacht auf 14,4 Lachter Teufe regulirt und mit neuer Fahrung versehen.“ 

*) Hier begegnet uns noch eine weitere Variante der „Kalk-Ruthe“. Es ist allerdings  reichlich unklar, ob in diesem konkreten Fall tatsächlich eine Flächenangabe gemeint war, da man ja schrieb: „aus 5,5 Quadratlachter…“ des Kalklagers wären die „10 Quadrat-Ruthen“ Kalkstein gewonnen worden. Wieviel damit gemeint gewesen sein könnte, haben wir in unserem Beitrag zum  Triebischtal einmal abzuschätzen versucht.

Danach zieht aber wieder einmal Ruhe ein und auch Herkules Frisch Glück wird in Fristen gehalten. Die Frisch Glück Fdgr. wird währenddessen 1864 auf Erz neu gemutet (vgl. Croquis im Bestand 40040, Nr. K06850 und Bestand 40169, Nr. 162). Im Jahr 1877 wird sie als Gewerkschaft Herkules Fundgrube samt Frisch Glück Stolln und Khiesels Hoffnung Erbstolln am Fürstenberg neu formiert.

1889 wird die Kalkbruchsgesellschaft zunächst an C. O. Härtel, Besitzer des Kalkwerks Crottendorf (eigentlich bei  Walthersdorf gelegen), verkauft. Dieser beginnt umgehend mit dem Vortrieb des Marmor Stollns – dem heutigen „Ausgang“ des Besucherbergwerkes. Da der Stollnvortrieb jedoch nicht vorher bei der Bergbehörde und den Grundeigentümern angezeigt wurde, mußte Härtel schnell wieder aufgeben. Daraufhin gründet sich 1890 die Gesellschaft Marmorbruch und Kalkwerk Fürstenberg Reinhold & Co. im Besitz von Hugo Reinhold und Moritz Sarfert aus Zwickau und erwirbt die Abbaurechte.

Erst 1892 gibt es wieder etwas vom Erzbergbau am Fürstenberg in den Jahrbüchern zu vermelden, wobei man sich zunächst aber über die ausländische Konkurrenz zu beschweren hat:

VIII. Allgemeine Mittheilungen über den Bergbau.
(Auszug aus dem bergamtlichen Jahresberichte.)

A. Wirthschaftliche Lage des Bergbaues.

1. Erzbergbau  

Nur wenig ungünstiger fällt eine Vergleichung der Zinkpreise aus. Die fiskalischen Hüttenwerke erzielten für den Meterzentner Zink einen durchschnittlichen Verkaufspreis von 43,255 Mark gegen 45,89 Mark im Jahre 1890. In London wurde für den Meterzentner schlesischen Zinkes im Berichtsjahre 44,50 Mark als niedrigster, 46,287 Mark als mittlerer und 47,75 Mark als höchster (in deutsche Währung umgerechneter) Kurs verzeichnet. Im Handel wurde das Kilogramm chemisch reines Zink mit 0,50 – 0,60 Mark angeboten.  

Die Versuche, die auf den obergebirgischen Lagern auftretenden Zinkblenden durch die Aufbereitung lieferbar zu machen, haben in dem verflossenen Jahre bei der Grube Herkules sammt Frisch Glück am Fürstenberge bei Schwarzenberg zu günstigen Ergebnissen, nämlich zu einer Produktion von 1.170 Meterzentner Liefergut geführt. Die Erzbezahlung für den Meterzentner betrug ab Zinkhütte durchschnittlich 6,59 Mark, im Ganzen also 11.563,41 Mark, eine Einnahme, welche allerdings durch die Fracht bis zur Hütte, nämlich der Rosamundahütte in Oberschlesien, eine Abminderung in Höhe von fast 2.500 Mark erfahren hat.  

Daß aber das bei Herkules sammt Frisch Glück bis jetzt erzielte Resultat nicht gerade Entmuthigung hervorgerufen hat, beweist der Umstand, daß im verflossenen Jahre nicht nur große Grubenfelder hauptsächlich auf Zinkblende gemuthet und verliehen worden sind, sondern, daß auch die Besitzer der ebenfalls am Fürstenberge gelegenen und auf demselben Lager wie Herkules sammt Frisch Glück bauenden Grube Gelbe Birke behufs Gewinnung der dasigen Zinkblenden einen lebhaften Grubenbetrieb eröffnet und damit begonnen haben, betreffs Erbauung einer großen, nach den neuesten Erfahrungen eingerichteten Zinkblende-Aufbereitung das Erforderliche zu veranstalten. …“

 

IX. Wichtige Ausführungen, Betriebsvorgänge u. s. w. bei den Gruben im Jahre 1890.
(Auszug aus dem bergamtlichen Jahresbericht.)

A. Erzbergbau.

I. Neue Aufschlüsse, sowie geognostisch oder bergmännisch bemerkenswerthe Vorkommen und Betriebe.

Im Schwarzenberger Bergrevier ist von den verschiedenen Abtheilungen … Folgendes zu bemerken:

8) Endlich ist noch der bei der Grube Herkules sammt Frisch Glück am Fürstenberge bei Schwarzenberg unter Aufwendung bedeutender Kosten stattgehabten Veranstaltungen zur Gewinnung von Zinkblende auf dem dortigen Lager, beziehentlich der Erzeugung möglichst hochhaltigen zinkischen Lieferguts durch eine zweckmäßige Aufbereitung zu gedenken. Hat dieser Gegenstand bereits weiter oben bei der Besprechung der wirthschaftlichen Lage des Bergbaues im Allgemeinen Erwähnung gefunden, so sei dem hier nur noch Folgendes hinzugefügt. Bei der fraglichen Aufbereitungsmethode wird jetzt ein wesentlicher Vortheil gegen früher dadurch erzielt, daß das bei der Zerkleinerung des Stuffwerks fallende zinkreiche Mehl von jeder Behandlung mit Wasser ausgeschlossen bleibt und einfach abgesiebt zur Lieferung gebracht wird. Die gröberen Sorten gelangen auf Setzmaschinen zur Anreicherung.“   

Über die Entwicklung einer verlustarmen Aufbereitungsmethode für die obergebirgische Zinkblende durch Martin Neuerburg in Köln kann man in der Grubenakte von Herkules Fundgrube (40169, Nr. 161) oder in Hahn, Bergmännischer Pitaval nachlesen. Der Besitzer, Generaldirektor Rudolf Wiester aus Katowice (Kattowitz) suchte demnach um staatliche Unterstützung für den Bau einer Aufbereitungsanlage nach. Zur Umsetzung kam es aber nicht mehr, denn Rudolf Wiester verstarb 1896.

Inzwischen war auch der Marmor Stolln über zwei Querschläge mit dem Frisch Glück Stolln zum Durchschlag gebracht. Daraufhin wurde Herkules Fundgrube samt Frisch Glück Stolln auf die Erben von Rudolf Wiester in Swierklaniec (Neudeck) in Schlesien überschrieben und später sämtliche Kuxe an den nunmehrigen Besitzer des Marmor Stollns am Fürstenberg, die Marmorbruch und Kalkwerk Fürstenberg Reinhold & Co. verkauft.

Da zudem der Preis für Zinkerze im Keller war, schwenkte man um, wie 1899 zu lesen ist:

„7. Der Betrieb bei Herkules Fundgrube sammt Frischglück Stolin am Fürstenberge wurde in Hinsicht darauf, daß der Preis der Arsenikalien bedeutend gestiegen, wieder aufgenommen.“

Im Jahr 1905 wurde Reinhold & Co. in die neue Gesellschaft Marmorwerk Fürstenberg Kästner & (Rudolf) Sarfert umfirmiert. Nach einem Brand der Schachtkaue des Himmlisch Heer Tagschachtes 1906 wird dieser zwar nochmals gewältigt, danach kommt es 1907 aber endgültig zur Übernahme der Erzgrube Herkules & Frisch Glück durch das Marmorwerk. Daraufhin kann man (Jahrbuchausgabe 1911) nachlesen: 

III. Gewinnungsarbeiten.

„2. Die bei der Grube Herkules samt Frisch Glück Stolln und Khiesels Hoffnung Erbstolln am Fürstenberge im Jahre 1907 in Betrieb genommenen Preßluft- Handbohrhämmer haben sich im allgemeinen gut bewährt und die Untersuchungs- und Abbaukosten verbilligt….“  

IV. Betrieb der Baue. 

„3. Bei der Grube Herkules samt Frisch Glück Stolln und Khiesels Hoffnung Erbstolln am Fürstenberge wurden die Versuchsbaue auf Erz fortgesetzt. Abbauwürdige Erzlager wurden noch nicht angefahren….“  

VI. Förderung. 

„4. Bei der Grube Herkules samt Frisch Glück Stolln und Khiesels Hoffnung Erbstolln am Fürstenberge wurde zur Förderung aus dem Fallorte im Frisch Glücker Lager unter der Stollnsohle ein Zwillings-Lufthaspel aufgestellt und in Betrieb genommen. …“  

VII. Wasserhaltung. 

„Bei Grube Herkules samt Frisch Glück Stolln und Khiesels Hoffnung Erbstolln am Fürstenberge wurde eine durch Preßluft angetriebene Hülsenberg- Pumpe aufgestellt, die das den Bauen unter Stöllnsohle zusitzende Wasser bis zum Frisch Glück Stolln hebt.“   

Der Himmlisch Heer Schacht wurde 1907 ebenfalls bis zur Sohle von Khiesels Hoffnung Stolln verteuft. 1908 wurde das Kalkbrennen eingestellt, stattdessen wurden jetzt Edelsplitte, Terrazzokörnungen und Putzsand hergestellt. Mit einem weiteren Querschlag wurde 1909 auch noch die Verbindung zu Segen Gottes Tagschacht hergestellt.

Infolge der Einberufungen und des kriegsbedingten Materialmangels kam es bereits während des 1. Weltkrieges nahezu zur Einstellung des Abbaus. Im Kalkwerk wurde zeitweilig eine Stanzerei eingerichtet.

1919 erwarb die Schwarzenberger Eisenerz AG die Grube, hielt sie jedoch nur in Fristen, um sie anschließend an die Schulz & Sackur Eisenerz AG in Berlin weiter zu verkaufen. Noch versuchte man, neue Vorkommen an Kies und Marmor zu erschließen, wie in der Jahrbuchausgabe 1920 nachzulesen ist:

„11. Auf der Grube Herkules s. Frisch Glück am Fürstenberg wurde vom 1. Stollnflügelort in Nord ein Steigort zur weiteren Aufschließung des Khiesels Hoffnung und des Himmlisch Herr Lagers in Angriff genommen und außerdem auf dem Fürstenberg mit der Abteufung eines Versuchsschachtes zur Aufschließung dieser beiden Lager begonnen.“

Schließlich mußte in der Ausgabe 1921 aber doch das endgültige Aus verkündet werden:

„7. Der Betrieb der Grube Herkules samt Frisch Glück Stolln (Marmorwerk Fürstenberg) erstreckte sich, wie im vorhergehenden Jahre, in der Hauptsache auf die Gewinnung von Kalkstein und dessen Verarbeitung zu Düngemehl, Futterkalk, Terrazzo. Die Kalksteinlinsen wurden im Laufe des Jahres völlig ausgebaut und Aufschlußarbeiten auf neue Kalksteinmittel im größeren Umfange unternommen, die beträchtliche Kosten verursachten, aber leider bis zum Jahresschluß erfolglos blieben. Auf dem Fürstenberge wurde ein neuer Schacht bis 25 m Teufe niedergebracht, da man hoffte, hier ein neues abbauwürdiges Kalksteinmittel des Himmlisch Heerlagers in der verlängerten Streichrichtung in N. W. festzustellen. Eine Kalksteinlinse wurde bei 25 m Teufe mit etwa 25 cm Mächtigkeit angetroffen; es wurden dann Bohrversuche auf der Sohle des Schachtes einige Meter tiefer hinein ausgeführt, Kalkstein wurde dabei aber nicht festgestellt. Die Weiterverteufung des Schachtes mußte daher als aussichtslos eingestellt werden.  

Das Zinkblendelager bei Frisch Glück wurde 32 m im Streichenden weiter verfolgt, in der tiefsten Sohle wurde ein Querschlag ebenfalls bis zum Frisch Glücker Lager aufgefahren. Dabei wurde aber nur ganz spärliche Zinkblendeführung angetroffen, und da hiernach Aussicht auf Zinkblendegewinnung ebenfalls ziemlich aussichtslos erschien, wurden die Aufschlußarbeiten auf Zinkblende ebenfalls eingestellt.  

Unter diesen Umständen entschloß man sich, die Grube mit Ablauf des Jahres vorläufig gänzlich still zu legen. …“  

Wie uns die Nachbringung der Rißunterlagen (vgl. Bestand 40037-1 Landesbergamt, gewerbliche Gruben, Nr. K23018), die Akte Nr. 163 im Bestand 40169 sowie die Angaben in den Jahrbüchern verraten, währte der Abbau der erschlossenen Restvorräte durch die letztgenannte Gesellschaft bis 1921.

Nach der Stillegung der Gruben wurden sie für 1.650 Reichsmark an den Gemeindeverband „Erzgebirgsverkehr“ zur Hebung des Fremdenverkehrs verkauft, der jedoch ganz andere Pläne verfolgte...

  


Das Ausbringen der (Erz-) Grube Herkules Frisch Glück bis zu ihrer Einstellung 1921 nach Angaben in den Jahrbüchern für das Bergwesen in Sachsen und weiteren Quellen.

  

Wir machen noch mal dasselbe, wie schon oben und schauen uns den Ausschnitt in den historischen Kartenwerken an.

  


Ausschnitt aus dem Meilenblatt (Freiberger Exemplar) Blatt 243: Schwarzenberg, Grundaufnahme 1790, Nachträge bis 1876. Es sieht noch ziemlich „jungfräulich“ aus im Wald am Fürstenberg, lediglich „das frische Glück“ ist schon eingetragen... 

 


Ausschnitt aus der Äquidistantenkarte Sachsen Blatt 137: Section Schwarzenberg, bearbeitet im topographischen Bureau des Königlichen Generalstabes. Leipzig, Giesecke & Devrient, 1876. Die Gewerkschaft von Gottes Geschick am Graul hat inzwischen ein Arsenikwerk errichtet, wo die Kiese verarbeitet werden können.

 


Dito, Ausgabe 1908. Im Oswaldtal gegenüber der „Dudelskirche“ hat die Fürstenberger Marmorbruchsgesellschaft das Kalkwerk errichtet. Oben auf der Anhöhe sind ein paar Betriebsgebäude von Himmlisch Heer hinzugekommen. Am Graul neben der Straße von Waschleithe nach Langenberg ist jetzt die Kontur des Tagebaus eingezeichnet, von der wir oben bei Prof. Beck schon gelesen und ein Foto von Paul Schulz gesehen haben.

 


Ausschnitt aus der Topographische Karte Sachsen, Blatt 137: Schwarzenberg, Ausgabe 1925. Nördlich der Oswaldkirche ist hier das erste Mal der Grubenname Herkules eingetragen, dafür ist Frisch Glück wieder verschwunden. Bei Gottes Geschick und Stamm Asser haben die Halden und Tagebaue zwar noch erheblich zugenommen, jedoch wurden Schlägel und Eisen inzwischen umgekehrt eingezeichnet. 

 

Ab 1921 wurde der „Marmor Stolln“ nun als Besucherbergwerk ausgerüstet und 1926 eröffnet. Diese Art der Nachnutzung der Grube als museale Schauanlage war zu dieser Zeit noch etwas Neues und deshalb hielt man es in der Jahrbuchausgabe von 1926 für der Erwähnung wert, wenn auch nur unter:

X. Sonstiges.  

„Vom Gemeindeverband „Erzgebirgsverkehr" in Lauter wurde zum Zwecke der Zugänglichmachung der Kalksteinweitungen des ehemaligen Marmorwerkes Fürstenberg und der Zinkblendeabbaue des Berggebäudes Herkules Fundgrube samt Frisch Glück Stolin und Khiesels Hoffnung Erbstolln am Fürstenberge für den Fremdenverkehr der Marmorstolln in seinem vorderen Teile auf 40 m Länge vom Mundloch aufgewältigt und teils in Beton, teils in Zimmerung ausgebaut. Die Wasserseige des Marmorstollns wurde gründlich gesäubert und der Stofln auf seine ganze Länge mit Pfostentragewerk ausgerüstet. Tragewerk wurde auch im ersten Flügelort auf 30 m Länge, d. i. bis hinter die Kalksteinweitung, und im zweiten Flügelort gegen West bis hinter die Kalksteinweitungen und gegen Osten bis an den Frischglücker Tageschacht gelegt, so daß eine sichere Befahrung dieser Strecken gewährleistet ist. Mit dem Einbau einer elektrischen Beleuchtungsanlage zur Beleuchtung des Stollns und seiner Flügelörter sowie der Kalksteinweitungen und Zinkblendeabbaue wurde begonnen.“  

Im gleichen Abschnitt wird im Folgejahr 1927 berichtet:  

„In dem vom Gemeindeverband „Erzgebirgsverkehr" in Lauter im vorigen Jahre für den Fremdenverkehr zugänglich gemachten Marmorstolln des ehemaligen Marmorwerkes Fürstenberg und in den anschließenden Kalksteinweitungen sowie Abbauen und Strecken des Berggebäudes Herkules Fundgrube samt Frisch- Glück- Stolln und Khiesels- Hot'fnung-Erbstolln am Fürstenberg wurde elektrische Beleuchtung eingebaut, die nicht nur zur Hebung der Sicherheit der das Bergwerk besichtigenden Personen, sondern auch zur Erzeugung von malerischen Lichtwirkungen in den verlassenen Grubenbauen beiträgt.“  

Und auch noch 1928:  

„1. In dem vom Gemeindeverband „Erzgebirgsverkehr" in Lauter im Jahre 1926 für den Fremdenverkehr zugänglich gemachten Marmorstolln des ehemaligen Marmorwerkes Fürstenberg und in den anschließenden Kalksteinweitungen sowie Abbauen und Strecken des Berggebäudes Herkules Fundgrube samt Frisch Glück Stolln und Khiesels Hoffnung Erbstolln am Fürstenberg wurden weitere Abbauweitungen aufgewältigt und dadurch neue herrliche Wasserflächen mit wunderbaren Marmorwiderspiegelungen aufgeschlossen. Die elektrische Beleuchtungsanlage wurde weiterausgebaut.“  

Im Jahr 1929 ist Herkules Frisch Glück schließlich selbst unter „Sonstiges“ an die zweite Stelle gerückt: 

„2. In den für den Fremdenbesuch zugänglich gemachten Grubenbauen des ehemaligen Erzbergwerkes Herkules Frisch Glück am Fürstenberge bei Schwarzenberg wurden in den Wintermonaten, wo der Verkehr ruhte, Untersuchungs- und Sicherungsarbeiten ausgeführt und hölzerne Treppen, die der Fäulnis und Verstockung unterlagen, durch massive Betontreppen ersetzt. Ferner wurde durch Aufstellung von Maschinen und anderen ehemaligen Betriebseinrichtungen weiter dazu beigetragen, die Grube für den Besuch von Fremden lehrreich und sehenswürdig zu gestalten.“

Als amüsante Randbemerkung mag dabei gelten, daß sich der Berghauptmann Borchers und der Landesverband Sächsischer Heimatschutz damals genötigt sahen, zur Entfernung von Phantastereien und Kitsch, wie Terrakottazwergen aus dem Schaubergwerk aufzufordern… (vgl. Bestand 40169, Nr. 165).

    


Noch einmal die topographische Karte, jetzt die Ausgabe 1943 (Meßtischblatt 5542). Hier finden wir nun auch das „Schaubergwerk Herkules Frisch Glück“. 

 

1938 wurde der Besucherbetrieb ausgesetzt (vgl. Bestand 40028-1, Nr. 0655).

Nach 1945 und bis 1951 untersuchte die damalige SAG Wismut auch dieses Bergwerk auf Uranerzvorkommen, wurde hier jedoch glücklicherweise nicht fündig. Stattdessen wurde das Bergwerk von 1964 bis 1966 durch Berglehrlinge der Berufsschule der SDAG Wismut in Schlema rekonstruiert und konnte 1966 als Besucherbergwerk wiedereröffnet werden.

In der Deutschen Fotothek haben wir die folgenden Aufnahmen des Fotografen Reinicke aus den 1980er Jahren gefunden.

  


Impressionen aus dem Schaubergwerk Herkules & Frisch Glück“ aus den 1980er Jahren. (Foto: Hans Reinicke, 1983)

 Link zur Originaldatei:  http://www.deutschefotothek.de/documents/obj/70000392

 


Impressionen aus dem Schaubergwerk Herkules & Frisch Glück“ aus den 1980er Jahren. (Foto: Hans Reinicke, 1983)

 Link zur Originaldatei: http://www.deutschefotothek.de/documents/obj/70037620 

  


Impressionen aus dem Schaubergwerk Herkules & Frisch Glück“ aus den 1980er Jahren. (Foto: Hans Reinicke, 1983)

 Link zur Originaldatei: http://www.deutschefotothek.de/documents/obj/70037621 

  


Impressionen aus dem Schaubergwerk Herkules & Frisch Glück“ aus den 1980er Jahren. (Foto: Hans Reinicke, 1983)

 Link zur Originaldatei: http://www.deutschefotothek.de/documents/obj/70037619 

  


Impressionen aus dem Schaubergwerk Herkules & Frisch Glück“ aus den 1980er Jahren. (Foto: Hans Reinicke, 1983)

 Link zur Originaldatei: http://www.deutschefotothek.de/documents/obj/70001064

  


Impressionen aus dem Schaubergwerk Herkules & Frisch Glück“ aus den 1980er Jahren. (Foto: Hans Reinicke, 1983)

 Link zur Originaldatei: http://www.deutschefotothek.de/documents/obj/70001560 

Der heutige Zustand

  

Aus den früheren Übertageanlagen des Kalkwerks entstand dagegen mit Unterstützung der niederländischen Ambulanz 1926 das sogenannte „Hollandheim“ als Kinder-Erholungsheim. Nach der Wende zunächst geschlossen, konnte es 1997 als Familienerholungsstätte durch den Kreisverband Aue- Schwarzenberg des Deutschen Familienverbandes e.V. wiedereröffnet werden.  

  


Raschau, Marmorstolln, Hollandheim am ehemaligen Kalkwerk, Foto: Paul Schulz, 1927. Auch im Bestand des  Bergarchivs Freiberg, Bestand 40167 (Fotos bergmännischer Tagesgebäude), Nr. 557.

Bildquelle: Deutsche Fotothek, Originaldatei unter
 http://www.deutschefotothek.de/documents/obj/70002501

Der heutige Zustand  

  

 

 

Kalkwerk Raschau

  

In der Bergbaumonographie, Bd. 16: Marmor im Erzgebirge, wird das Vorkommen unter der Nummer D 14 wie folgt beschrieben: Bei dem am Emmler anstehenden Skarn handelt es sich um einen grauweißen bis grauen, nie streifigen, fein- bis kleinkörnigen Dolomitmarmor, der sehr rein und praktisch kalkfrei (vollständig dolomitisch) ist. Besonderheit ist eine intensive mesozoisch- känozoische Verkarstung mit Bildung von Auslaugungsrestlehmen bis in 25 m (max. 40 m) Tiefe unter Gelände. Im Liegenden steht ein stark lettig zersetzter, weicher, ganz in eine talkartige Substanz umgewandelter Schiefer an, der z. T. noch deutlich die wellig- flaserige Struktur des ursprünglichen Muskovit- Schiefers zeigt. Das Lager liegt konkordant im Glimmerschiefer.

Die Vergesellschaftung von „Raschau- Karbonat“ und „Emmler- Quarzit“ ist ein charakteristischer erzgebirgischer Litho- Leithorizont. Hier rund um diese Lagerstätte liegt das Typusgebiet der Raschau- Formation. Dabei handelt es sich um einen Gesteinsverband aus granatführenden Muskovit- bzw. Zweiglimmerschiefern, Quarzglimmerschiefern bis Quarzitschiefern und untergeordnet Feldspatglimmerschiefern, der der Keilberg- Gruppe des Kambriums zugeordnet wird. In diese Gesteinsfolge ist ein stellenweise bis zu 650 m mächtiger, z. T. stark aufgegliederter Karbonathorizont (vorwiegend Dolomitmarmor) eingelagert. In seiner geologischen Altersstellung ist er also dem Vorkommen in Wildenau gleichzusetzen.

Für die chemische Zusammensetzung werden in der Bergbaumonographie folgende Werte (Auswahl) angeführt:
   

 

Bruch Facius 

Bruch Ulbricht & Korb

CO2

46,1%

46,4%

CaO

30,7%

29,3%

MgO

21,1%

21,4%

Al2O3, Fe2O3

1,1%

1,2%

SiO2

1,0%

1,7%

    


Geologische Situation der Kalklager (blau) bei Wildenau östlich von Schwarzenberg, nach Bergbaumonographie, Bd.16, 2010; darin: Gm... hangender Glimmerschiefer, z. T. Granat- führend, Qe... Emmler- Quarzit, Gmm... Muskovit- Glimmerschiefer mit Karbonatlagern, Gmq... quarzitischer Glimmerschiefer im Liegenden des Emmler- Quarzits (alles Raschau- Formation, Unter- Kambrium), Qh... Holozän. Am Graul wurden einige wichtige Gänge der BiCoNiAg- Formation (grün, co) sowie die Kieslager am Knochen (blau, kb) eingetragen.

    

Nach Nachforschungen Raschauer Heimatfreunde gehörte der Kalksteinbruch am Waldrand zwischen Emmler und Schwarzbachtal zur einer Dreiviertelhufe Land, welches im 16. Jahrhundert der Familie Ficker gehörte. Als erster bekannter Eigentümer wird 1531 in einer Steuerfestsetzung Wolff Ficker genannt.

Sie haben auch eine Urkunde gefunden, die belegt, daß der Halbhüfner Donat Fischer im Jahr 1532 neben Eisenstein auch 50 Fuder Kalk zu den umliegenden Hütten transportiert habe. Seine halbe Hufe Land grenzte nun an die Flur der Familie Ficker unmittelbar an. Diese Nachricht kann daher als der älteste urkundliche Beleg dafür gelten, daß in Raschau Kalk gebrochen wurde. Sonst aber ist über den Kalksteinabbau vor dem Dreißigjährigen Krieg  kaum etwas bekannt.

Nach dem Ende des Dreißigjährigen Krieges war das Ficker'sche Bauerngut an den Schwiegersohn des Hannibal von Schmertzing auf Förstel und Oberrittersgrün, Daniel Schubert gekommen. Über dessen Feldbesitz wird 1672 gesagt, „welches von Berckwerk sehr ist eingenommen worden.“ Ob damit aber tatsächlich nur das Kalkwerk oder auch der Bergbau auf dem ja nur unweit westlich verlaufenden Allerheiligen Gangzug gemeint war, geht aus dieser Nachricht nicht hervor.

   

In seiner erst posthum anno 1699 erschienenen Beschreibung des Obererzgebirges erwähnt der Scheibenberger Pfarrer Christian Lehmann (*1611, †1688) als erster neben anderen Vorkommen ausdrücklich auch Kalkbergbau auf dem Emmler zwischen Langenberg und Raschau. Er schrieb dazu im Kapitel:

CAP. III. Von Kalck- Brüchen.

„… Auff dem alten Emler hats 3 Kalck- Brüche oder Flüsse. Wenn man diese Kalck- Art dem Eisenstein im Schmelzen zusetzet / wird das Eisen schmeltzig und flüssig / wie denn von Alters viel davon zum Zerrenn- Feuer verkauft worden und obgleich das Fuder nur 2 gr. gegolten / hat doch der Possessor (Besitzer) jede Woche davon 6 fl. eingenommen. Dieser Kalck- Fluß ist reich und kaum auszubauen / ist aber aus Mangel des Holzes / und weil harte Kohlen darzu erfordert werden / liegen blieben.“

Offenbar belieferten diese Kalkbrüche im 17. Jahrhundert also, wie die später noch zu beschreibenden Brüche am Tännigt auch, mit dem Kalkstein in erster Linie die umliegenden Hammerwerke und Eisenhütten.

Wenn ein ganzes Fuder für nur zwei Groschen verkauft wurde, der Kalkbruchbesitzer jedoch pro Woche sechs Gulden Einnahmen zu verzeichnen hatte, muß die Fördermenge schon zu dieser Zeit beachtlich gewesen sein. Nach dem Leipziger Münzfuß von 1687 hatte ein Gulden bzw. Floren einen Wert von einem halben Reichsthaler oder 12 Groschen, sechs Floren hielten demnach 72 Groschen. Folglich mußten wöchentlich wenigstens 36 Fuder Kalkstein ( !! ) gebrochen und verkauft worden sein.

 

Der nächste bekannte Besitzer des Bauerngutes, auf dem der Kalkbruch lag, Michael Weigel, stellte im Jahre 1719 den Antrag, einen Kalkofen auf steinernem Grund und Boden errichten zu dürfen. Wahrscheinlich ist es aber zum Bau damals nicht gekommen, da er kurz danach verstorben sein muß, denn 1721 war das Gut bereits Eigentum seiner Erben. Sein Sohn Johann Christoph Weigel (*1685, †1738) ist dann als langjähriger Ortsrichter in Raschau bekannt geworden.

Von den Weigel's kam das Gut mit dem Kalkbruch in den Besitz der Familie Jllig. Als ersten namentlich bekannten Besitzer haben die Raschauer Heimatfreunde Christoph Jllig gefunden. 1765 wird auch der Kalkbruch schon genannt. In einem Kaufvertrag von 1787 steht dann: Auch befindet sich auf dem Felde ein alter Kalkbruch mit seinen Halden, von dem Kalk wegen seiner geringen Qualität nur in dem daselbst schon bestandenen Ofen gebrannt wird...

Ein Kalkwerk am Emmler bei Langenberg wurde in der 1778 erschienenen „Mineralogischen Geographie der Chursächsischen Lande“ auch schon von Charpentier erwähnt.

Nach Christoph Jlligs Tod 1787 folgen Christoph Friedrich Jllig (*1759, †1827) und nach ihm Johann Benjamin Jllig im Besitz des Gutes. 1833 wurde das Gut mitsamt dem Kalkbruch an Johann August Klemm verkauft, von diesem gelangte es an Karl Gottlieb Klemm.

Unter dem Namen Jlling's Kalkbruch zwischen Schwarzbach und Elterlein findet dieser Familienname auch bei C. F. Naumann 1845 in seinen geognostischen Skizzen Erwähnung, allerdings weiter oberhalb im Schwarzbachtal. Naumann erwähnt an gleicher Stelle aber auch einen Nitzschisch'en Kalkbruche bei Raschau.

Ein Andreas Nietzsche wird nun wiederum im Jahr 1731 als Besitzer des seit 1588 von Elterlein’schen Hammerwerks in Obermittweida genannt (daher später auch „Nietzschhammer genannt).

Carl Heinrich Nitzsche war 1807 Hammerwerksbesitzer in Erla und nahm zu dieser Zeit die „Gnade Gottes Fundgrube am Mönchsteig bei Langenberg“ wieder auf. Möglicherweise handelt es sich um einen Nachfahren jenes Andreas Nietzsche. Von 1832 bis 1846 ist C. H. Nietzsche auch als Besitzer der Neujahr Fundgrube zu Wildenau aktenkundig (40169, Nr. 1381).

Vermutlich war der Kalkbruch von den Klemm's an den Herrn Heinrich Gotthold Nietzsche auf Obermittweida verpachtet worden. Jedenfalls haben die Raschauer Heimatfreunde eine Notiz im Grundzinsregister von 1840 gefunden, daß die Kalköfen ziemlich unbedeutend“ seien. Die Verwendung des Plurals weist nebenbei darauf hin, daß es zu dieser Zeit mehrere Brennöfen gegeben haben kann. Vermutlich wurde der Kalk damals aber noch in einfachen, periodischen Feldöfen gebrannt.

   


Auf dieser Skizze zur Lage des 1863 neu zu erbauenden Kalkofens geht hervor, daß ein
Alter Brennofen direkt an der Böschungskante zum Kalksteinbruch gestanden hat. Das Flurstück gehört noch immer den Klemm's, das östlich angrenzende der Familie Schmiedel. Bildquelle: Sächsisches Staatsarchiv, Staatsarchiv Chemnitz, Bestand 30049 (Amtshauptmannschaft Schwarzenberg), Nr. 2903, Blatt 17 (Ausschnitt, Norden ist oben).

   

 

 

Die Facius'schen Brennöfen in Raschau

  

1863 schließlich erwarben Otto Louis Facius und Rudolf Arthur Facius das Kalkwerk. Noch im gleichen Jahr beantragten sie bei der Amtshauptmannschaft in Schwarzenberg den Bau eines modernen Brennofens. Ein Jahr später ließen sie sogar noch einen zweiten errichten (30049, Nr. 2903) und beide Kalköfen haben bis  heute überdauert.

Die beiden fast gleichzeitig erbauten Öfen waren jedoch von ungleichem Bautyp: Der 1863 zuerst gebaute besaß eine achteckige Grundfläche und war umgeben von einem Einfeuerungshaus“; der ein Jahr später errichtete besaß dagegen einen quadratischen Grundriß.

Dieses Einfeuerungshaus war nicht nur ein Witterungsschutz für die Arbeiter: Zöge man den noch heißen Kalk aus dem Ofen einfach ins Freie ab, würde bei jedem Regenschauer sofort eine heftige chemische Reaktion eintreten, die als „Kalklöschen“ bekannt ist. Die entstehende Calziumhydroxid- Lauge will niemand im Gesicht haben. Der frisch gebrannte Kalk mußte also unbedingt im Trockenen abgekühlt und gelagert werden. Erst, wenn er abgekühlt ist, wird er bei reichlichem Wasserüberschuß zu Baukalk abgelöscht.

Außerdem ließen die Brüder Facius ein Wohnhaus erbauen und 1866 eine Kalkniederlage samt Pferdestall (30049, Nr. 2903). 1877 kam noch ein Kalkvorratsschuppen hinzu.

 


Skizze im Bauantrag vom 4. September 1863 für den neu zu erbauenden Kalkofen, welcher hier noch dreizählig- symmetrisch und somit sechseckig dargestellt ist. Bildquelle: Sächsisches Staatsarchiv, Staatsarchiv Chemnitz, Bestand 30049 (Amtshauptmannschaft Schwarzenberg), Nr. 2903, Blatt 1.

  


Zeichnung zur Genehmigung des Bauantrages vom 1. Oktober 1863. Jetzt ist der Brennofen tatsächlich achteckig und damit vierzählig- symmetrisch dargestellt; so wie er auch 1867 beschrieben wurde. Die Gewölbedecke mit dem Schornstein wurde zu späterer Zeit durch einen kegelförmigen Aufsatz ersetzt. Der Schornstein stand - sicher aus statischen Gründen - seitlich versetzt. Bildquelle: Sächsisches Staatsarchiv, Staatsarchiv Chemnitz, Bestand 30049 (Amtshauptmannschaft Schwarzenberg), Nr. 2903, Blatt 17 (Ausschnitt).

  

Wie uns die Akte (30049, Nr. 2903) verrät, hatten es die Gebrüder Facius etwas zu eilig, den Ofen zu errichten und in Betrieb zu nehmen. Bei der am 17. September 1863 behufs der Genehmigung des Bauantrages durchgeführten Localerörterung“ ergab sich zwar einerseits, daß der beabsichtigte Bau ... mit Gefahren ... oder nicht zu duldenden Nachtheilen nicht verbunden“ sei; andererseits aber stellte der Beamte fest, daß man ja mit der Gründung bereits begonnen hatte, ohne daß eine Baugenehmigung schon vorläge...

Die Erstellung der Konstruktionszeichnung, deren baupolizeiliche Prüfung und die Einholung der Zustimmung der Anrainer Klemm und Schmiedel ging für ein deutsches Amt dann trotz allem erstaunlich schnell: Die Baugenehmigung wurde am 24. Oktober ausgestellt.

Am 24. April 1864 vermeldete der Kalkinspector“ Louis Facius dem Bauamt dann die Fertigstellung und erbat die Abnahme. Dabei gab es aber wieder eine neue Diskussion mit dem Bauamt, denn das stellte nun fest, daß die Lage von Ofen und Wohnhaus nicht mit dem Situationsplan im Bauantrag übereinstimmte. Das macht man doch aber auch nicht...

Obige Zeichnung ist mit einem Maßstab in Ellen versehen, so daß wir überschlagen können, daß dieser Ofen bei zirka 8,5 m Außendurchmesser eine Höhe von etwas über 9 m besitzen sollte. Obenauf kam noch der Schornstein mit weiteren etwa 10,2 m Höhe; das Bauwerk hatte also eine Gesamthöhe von knapp 20 m. Der leicht trichterförmige Brennschacht sollte oben 3,4 m lichte Weite besitzen und auf Höhe der Abzüge auf 1,9 m Durchmesser einziehen. Die Höhe des Brennschachtes von der Gicht bis zu den Abzügen betrug nach der Zeichnung zirka 6,2 m, woraus man ein Fassungsvermögen von knapp 68 m³ errechnen kann.

Kaum war der erste fertig, wurde noch ein Bauantrag für einen zweiten Brennofen eingereicht und nach Prüfung durch den Brand- Inspektor Dieze am 6. Juni 1864 bedingungsweise auch genehmigt. Auch diese, unten wiedergegebene Zeichnung hat Maurermeister Fr. A. Jlling aus Raschau, der auch die Bauausführung übernahm, mit einem Maßstab in Ellen versehen. Demnach betrug die Seitenlänge am Fuß des Bauwerkes etwa 10,5 m, d. h. daß die Grundfläche des Ofenbauwerkes über 100 m² betrug. Die Höhe der Ofengicht lag bei 6,2 m über Gelände.

Der Brennschacht im Inneren des Gebäudes war aber deutlich kleiner, als beim ersten Brennofen und besaß nach der Zeichnung auf Höhe der Gicht 2,8 m lichte Weite und über den Abzügen noch 1,2 m Durchmesser. Die Höhe dieses Brennschachtes von der Gicht bis zu den Abzügen betrug zirka 4,3 m, woraus man auf ein weit geringeres Fassungsvermögen von nur etwa 26,5 m³ kommt. Offenbar war dieser Brennofen für die absatzschwächere Zeit im Winterhalbjahr gedacht.

Schon am 24. November 1864 war auch der zweite Ofen fertiggestellt, wurde mit einem Bau- Revisionsprotocoll“ baupolizeilich abgenommen und seine Ingebrauchnahme“ gestattet. Interessant ist daran, daß auf diesem Protokoll für die Besitzer des Kalkwerkes nun aber die beiden Kaufleute Johann Rudolph Facius und Ernst Anton Facius unterzeichneten. Es handelte sich offenkundig um eine weitverzweigte Familie...

 


Entwurf zu einem Kalkofen für das Kalkwerk Raschau, gezeichnet von Maurermeister Friedrich August Jllig aus Raschau im Jahre 1864. Zu sehen ist ein quadratischer Niederschachtofen (auch
Kesselofen oder „Schneller genannt) mit zweiseitig angeordneten Abzügen. Bei dem heute noch erhaltenen Ofengebäude ist nur noch ein Abzug an seiner Nordseite sichtbar; wenn es einen zweiten gab, liegt dieser unter der Halde dahinter. Bildquelle: Sächsisches Staatsarchiv, Staatsarchiv Chemnitz, Bestand 30049 (Amtshauptmannschaft Schwarzenberg), Nr. 2903, Blatt 39.

  


Auch zu diesem Entwurf gibt es einen Situationsplan, der uns verrät, daß der zweite Ofen tatsächlich der ist, der noch heute an der Nordwestseite des Kalkbruches steht, wo einst die Förderhaspel endete. Außerdem sieht man, daß der Hofmann'sche Ofen inzwischen die Umbauung mit dem
Einfeuerungshaus erhalten hat. Grün markiert hat der Zeichner die Flurstücksgrenzen: Links (östlich) Schmiedel, rechts (westlich) jetzt Hähnel. Bildquelle: Sächsisches Staatsarchiv, Staatsarchiv Chemnitz, Bestand 30049 (Amtshauptmannschaft Schwarzenberg), Nr. 2903, Blatt 41, Norden ist unten.

 

Auch nach den Angaben in der Bergbaumonographie Marmor im Erzgebirge sei der Abbau am Emmler nördlich von Raschau ab 1860 als Facius’sches Kalkwerk bekannt. Hier sei 1864 ein „Hoffmann'scher Ofen“ errichtet worden. 

Die Beschreibung dieses Ofens in der Bergbaumonographie als: „Schachtofen mit großer Flamme für kontinuierlichen Betrieb“ ist auf den ersten Blick nicht ganz klar, denn als Hoffmann’sche Öfen sind in erster Linie tatsächlich Brennöfen mit einem liegendem, umlaufenden Ofenkanal ‒ sogenannte Ringbrandöfen besonders bekannt, deren Konstruktion sich vorallem bei Ziegeleiöfen bewährt hat (Loeff, 1873).

Wie diese Öfen aussahen und funktionierten, beschreiben wir in unserem Beitrag zum Dolomitbergbau bei  Geithain.

Genau genommen sagt der Bauantrag aus dem Jahre 1863 sogar wörtlich aus, daß die Aufführung dieses Brennofens von einem Maurermeister F. Hofmann aus Döbeln geleitet werden und daß der Ofen nach der dort (in Döbeln) schon bewährten Konstruktion erbaut werden solle (30049, Nr. 2903). Noch eine Möglichkeit, den einen, hier errichteten Ofentyp mit den Ringbrandöfen des Ingenieurs F. E. Hoffman aus Berlin zu verwechseln...

In dem zeitgenössischen Bericht über den Kalkwerksbetrieb in Sachsen (Wunder, Herbrig, Eulitz, 1867) haben wir dann aber die Beschreibung just dieses Brennofens gefunden, auf den auch mit der Bemerkung in der Bergbaumonographie Bezug genommen wird. Die Autoren beschreiben nämlich im Abschnitt:

IV. Oefen zu continuirlichem Betriebe mit großer Flamme

a) den Rüdersdorfer Ofen;
b) den Hoffmann'schen Ofen;
c) den Siemens'schen Gasofen...

Unter b) liest man dort: Der Hoffmann'sche Ofen ist als eine Modification des ersteren (des Rüdersdorfer) anzusehen. Er wurde, dem Hofmann'schen Patente genau entsprechend, nur einmal (in ganz Sachsen) angetroffen, nämlich bei Facius in Raschau, welcher von den Leistungen des Ofens im Jahre 1864, kurz nach der Aufstellung desselben, durchaus unbefriedigt war. Einige unbedeutende Abänderungen am Ofen, namentlich die Ersetzung des auf der Ofensohle angebrachten Kreuzes durch eine stumpfe Pyramide, haben jedoch bewirkt, daß die Leistungen des Ofens den Besitzer neuerdings mehr befriedigen. Ohne Zweifel dürfte durch das Hoffmann'sche Patent eine Richtung angedeutet sein, nach welcher der Rüdersdorfer Ofen eine zweckmäßige, den hiesigen Verhältnissen entsprechende Abänderung erfahren kann.

Der Hoffmann'sche Ofen unterscheidet sich nämlich hauptsächlich in zwei Punkten von dem Rüdersdorfer:
1) dadurch, daß die Feuerungen und Ziehöffnungen, deren je vier vorhanden sind, in einem Niveau liegen;
2) dadurch, daß die Gicht des Ofens, um Steinkohlenfeuerung möglich zu machen
, überwölbt und die Überwölbung mit einer hohen, den Zug wesentlich befördernden Esse in Verbindung gesetzt ist.“

Weiter heißt es in der Beschreibung von Wunder, Herbrig und Eulitz: Der Vorteil der ersten Abänderung dürfte zweifelhaft erscheinen. Sie gestattet zwar, den Ofen etwas zu verkürzen und somit etwas billiger herzustellen, verhindert aber, daß der gebrannte Kalk im Ofen selbst zur Abkühlung gelangt. Dieser muß vielmehr in glühend heißem Zustande gezogen werden und zwar in demselben Raume, von welchem aus die Bedienung der Feuerungen erfolgt, und wird dadurch die Operation des Kalkziehens zu einem für die Arbeiter sehr lästigen Geschäft.

Die durch das Anbringen einer Esse ermöglichte ausschließliche Steinkohlenfeuerung dürfte indessen für die sächsischen Verhältnisse ‒ die des Erzgebirges nicht ausgeschlossen ‒ einen ganz erheblichen Vortheil gewähren. Dies beweisen die ... in Grießbach gemachten Erfahrungen, wo man wirklich den Rüdersdorfer Ofen mit einer Esse, wie sie sich am Hoffmann'schen Ofen findet, versehen hat... Facius in Raschau gewann (im Jahre 1866) im Hofmann'schen Ofen 47 Scheffel Kalk unter Verbrauch von 28 Scheffeln Kohlen, was genau dasselbe Verhältnis von gebranntem Kalk und verwendetem Brennmaterial ergiebt. Der Vortheil der mit Esse versehenen und auf Steinkohlenfeuer berechneten Cylinderöfen gegenüber den auf Holzbrand berechneten ohne Esse liegt also auf der Hand.“

Bei den beiden auf dem Emmler bis heute erhalten gebliebenen Kalköfen handelt es sich also einerseits um einen „normalen“ Niederschachtofen bzw. einen „Schnellerofen“ mit quadratischem Grundriß, andererseits um einen achteckigen Schachtofen vom Grundtyp der Rumford'schen Öfen.

Diese Ofentypen haben wir in unserem Beitrag zum Kalkabbau im  Triebischtal ausführlich beschrieben.

Wie wir nun wissen, ist der erste Kalkofem tatsächlich auch nach einem Hoffmann’schem Patent errichtet und gegenüber den gewöhnlichen Rüdersdorfer Öfen eben durch die Esse modifiziert, die man später auch noch dem anderen Ofen aufgesetzt hat. Der Zusatz „mit großer Flamme“ bezieht sich dabei auf die Art der Feuerung – nämlich mit Steinkohle, die wohl aus dem unweit liegenden Zwickau herangeschafft wurde. Es handelt sich bei diesem aber nicht um einen Ringbrandofen, wie es in heimatkundlicher Literatur gelegentlich kolportiert wird.

   


Etwas besser zu erkennen ist der damalige Ofenaufbau auf dieser Kopie eines Gemäldes aus dem Jahr 1920. Rechts im Vordergrund das Wohnhaus. Ziemlich gut sichtbar ist hier besonders die Fachwerk- Konstruktion des Einfeuerungshauses. In diesem Bau hat sich definitiv kein Ringbrandofen befunden. Kopie des Gemäldes abfotografiert am Tag des offenen Denkmals 2018; des Sonnenscheins wegen ließen sich Reflexionen auf der laminierten Kopie leider nicht ganz vermeiden.

     

Da der Name Facius doch reichlich ungewöhnlich und nicht so häufig scheint, bestanden ganz gute Chancen, mehr über diese Besitzer des Kalkwerkes herauszufinden. Ob dieser Familienname auf eine Verballhornung des lateinischen Verbs facio = etwas tun, machen oder herstellen, oder der Substantive facies = Form, Gestalt, Gesicht oder gar facinus = Untat, Verbrechen  zurückgeht, werden wir wohl nicht herausbekommen. Bei unserer Nachsuche sind wir aber bereits im 17. Jahrhundert auf einen schönburgischen Amtmann zu Hartenstein namens Joh. Philipp Facius gestoßen, welcher sich anno 1662 um die „Abflößung von Marmor auf der Mulde durch das schönburgische Gebiet“ Gedanken machte (30593, Nr. 1134).

Im 18. Jahrhundert haben wir dann einen Pastor Johann Christian Facius in Niederzwönitz gefunden (10024, Loc. 09928/08). Den Namen Eduard Christian Facius findet man ferner 1825 in Weißbach (30861, Nr. 1476). Noch ein wenig später ist ein Rechtsstreit mit einem Ferdinand Christian Facius in Zwönitz in den Akten überliefert (32966, Nr. 29). Als Eigentümer des Kalkwerkes tauchen dann 1863 Rudolf Arthur Facius und Otto Louis Facius in den Akten auf (Bestand 30049, Nr. 2903). Den Namen Louis Facius haben wir in der Zeit vor 1900 außerdem als Besitzer des Kalk- und Marmorwerkes Tharandt (später P. Zschille) gefunden (40024-12, Nr. 405 ff).

Außerdem fanden wir die Initialen des Ernst Anton Facius 1879 in Annaberg als Begründer der Metallwarenfabrik Facius & Schober, später Kupferring- Dichtungswerk Annaberg, wieder (30099, Nr. 343 und Nr. 474 sowie 31050, Nr. 7911).

Wenigstens ein Zweig der Familie Facius hatte sich jedenfalls im 19. Jahrhundert in Lugau ‒ wie schon der erste dieses Namens in der ja ebenfalls schönburgischen Herrschaft Stollberg ‒ niedergelassen. Hier findet man Leberecht Rudolf Facius zusammen mit Constantin Johannes Facius 1878 auch als Geschäftsführer der Kammgarnspinnerei in Lugau wieder (Bestand 33215, 30137, Nr. 445 und 518).

Aus den betreffenden Ausgaben der Jahrbücher für das Berg- und Hüttenwesen im Königreich Sachsen geht dann noch hervor, daß der Kaufmann Leberecht Rudolf Facius im Mai 1878 den dazumal gerade in Liquidation befindlichen Niederwürschnitz- Kirchberger Steinkohlen- Aktienverein erwarb (vgl. auch 40024-21, Nr. 469). In den drei Folgejahren firmierte dieses Kohlenwerk dann unter dem Namen R. Facius'sches Steinkohlenwerk in Niederwürschnitz und baute noch Restvorräte an Steinkohle ab (40024-21, Nr. 762).

Ob es sich bei allen diesen um Nachfahren des erstgenannten handelt, wissen wir noch nicht. Versuchen wir aber zumindest in die letzten dieses Namens eine Reihenfolge zu bringen:

Das Kapital für alle diese Erwerbungen entstammte der unternehmerischen Tätigkeit des Vaters Rudolph Arthur Facius, welcher bereits 1858, zunächst gemeinsam mit Otto Mühlberg, ab 1860 dann gemeinsam mit Johann Rudolph Facius in Lugau ein „Handelsgeschäft für Spezialartikel für den Bergbau, verbunden mit dem Handel von Kolonialwaren und Landesprodukten“ begründet hatte. In den folgenden Jahren verlagerte sich dessen Tätigkeitsschwerpunkt auf den Vertrieb von Sprengstoffen. Auf dem Briefkopf des Unternehmens heißt es im Jahr 1899: „Rudolph Facius, Lugau i. S. – Sprengstoffe, Eisen-, Stahl- und Kohlenhandlung, Artikel für Bergwerke und Eisenbahnen“. Diese Firma war Generalvertreter der Dynamit Aktiengesellschaft, vormals Dynamit Nobel zu Hamburg, für das Königreich Sachsen, für Oberfranken und für Thüringen. Außerdem vertrat es die Vereinigten Köln- Rottweiler Pulverfabriken und die Sprengkapselfabrik J. Paulus zu Küppersberg.

Zwar nicht anhand von Unterlagen zu belegen, aber doch mehr als nur wahrscheinlich ist, daß es Herrn R. A. Facius bei dem Erwerb des Niederwürschnitz- Kirchberger Steinkohlen- Aktienvereins 1878 gar nicht um Gewinn aus dem Kohlenbergbau ging, als vielmehr um das abseits gelegene Grundstück am Ostrand von Lugau und nördlich von Niederwürschnitz, das zudem noch über einen Stichbahnanschluß zur Bahnlinie Oelsnitz ‒ Wüstenbrand ‒ Chemnitz verfügte. Genau dort richtete er nach 1878 seine Niederlage für den Sprengstoffhandel ein (30137, Nr. 52). Die Sprengstoffgenehmigungen der königlichen Amtshauptmannschaft Stollberg für die Firma Rudolph Facius (30050, Nr. 609) umfaßten 1899 Lagermengen von:

  • 10.000 kg Sprengstoffe (Dynamit u. a.),

  •   7.500 kg Sprengpulver,

  •   5.000 kg Schießpulver,

  • sowie verschiedene Zündmittel.

Seit 1858 belieferte die Firma Rudolph Facius zahlreiche Bergbaubetriebe in Westsachsen mit Sprengstoffen. Neben nur wenigen Konkurrenten, wie etwa der A. v. Herderschen Pulverfabrik in Forchheim, war die Firma Facius seinerzeit wohl der wichtigste Lieferant von Sprengmitteln in Sachsen; nicht nur für den Bergbau, sondern auch für den Eisenbahn- und Straßenbau und andere Zwecke.

Nach dem Tod von Johann Rudolph Facius 1886 wurde die Firma unter dem Namen Rudolf Facius Söhne durch dessen Söhne Leberecht Rudolph Facius und Constantin Johannes Facius (bis 1893 als Kommanditgesellschaft) weitergeführt. Im Jahr 1900 schied die Witwe Erdmuthe Wilhelmine Facius aus der Geschäftsführung aus, woraufhin Johann Arthur Facius, ein Enkel des Firmengründers, das Unternehmen übernahm und bis 1931 fortführte. 1932 verstarb auch Constantin Johannes Facius; an seiner Stelle trat nun Johann Arthur Facius‘ Sohn Rudolph Arthur Facius in die Nachfolge ein (30050, Nr. 609, 30137, Nr. 518).

Nach dem 2. Weltkrieg wurde das Unternehmen zwar zunächst enteignet und von Dezember 1945 bis Juli 1946 treuhänderisch verwaltet (30410, Nr. 563). Auch nach dem Volksentscheid in Sachsen 1946 wurde es aufgrund seiner Bedeutung für zahlreiche Bergbaubetriebe in Sachsen jedoch nicht verstaatlicht, sondern an die Erben zurückgegeben. Diese führten es noch bis 1953. Der letzte Inhaber war Rudolph Hans Joachim Facius. Nach dessen Ableben kam es dann aber doch zur Liquidation, da es im Hoheitsgebiet der DDR keine anderen, lebenden Nachfahren mehr gab. (Ein Zweig der Familie lebte schon vor dem Krieg und noch bis 2006 in Bielefeld.) Mit Wirkung vom 31.12.1956 ist die Firma daraufhin formal  erloschen.

Zu den Nachfolgebetrieben des Sprengstoffvertriebs in der DDR konnten noch keine freigegebenen Akten recherchiert werden. Heute wird das Gelände aber noch immer durch die SSE Deutschland GmbH mit Sitz in Troisdorf als Kundenservicecenter 3: KSC Sachsen/Thüringen/Harz als Sprengstoffniederlage genutzt (sse-deutschland.de).

  

Jedenfalls engagierte sich die Familie Facius seit 1863 nun auch im Kalkwerksbetrieb.

Als Geschäftsführer des Raschauer Kalkwerkes wurde ‒ nun schon durch die Söhne der Firmengründer ‒ 1886 Max Heßler angestellt. Dieser hatte schon bei der Firma Facius in Lugau gelernt, danach aber zuerst auf dem Kalkwerk Lengefeld gearbeitet. Im gleichen Jahr wurde in Raschau ein Pulverturm und eine Dynamitniederlage errichtet, welche zeitweise auch als Vertriebslager der Firma Facius diente. Da später aber kaum noch Schießpulver für Sprengungen verwendet wurde, wurde der Pulverturm wieder abgerissen.

Im Bergarchiv findet sich (im Bestand 40037-1, Nr. K23067) ein Grubenriß mit der Bezeichnung „Kalkwerk Facius Schacht, Langenberg bei Raschau“. Dieser Riß wurde 1875 von Markscheider H. M. Reichelt aufgenommen und nachgebracht bis 1893. Er zeigt im Gelände des Kalkwerks ein Lichtloch auf einem Flügel des Jung Katharina Stolln, welches als „Facius Schacht“ auch Eingang in spätere Aufzeichnungen gefunden hat. Dieser Stolln seinerseits setzte südöstlich der Fundgrube Katharina und südlich der Straße nach Langenberg an und war schon bis auf Höhe des Tagebaus nach Südosten vorgetrieben, verlief jedoch eigentlich deutlich weiter nördlich am Tagebau vorbei. Das Auffahren eines Flügelortes bis zum Bruch hätte dem Kalkwerk auf lange Zeit Wasserlösung verschaffen können. Umgesetzt wurde dieser Plan jedoch nicht.

Auch in der Auflistung der gewerblichen Gruben in der Jahrbuchausgabe des Jahres 1901 (vgl. unseren Beitrag zum Kalkbergbau im  Triebischtal) ist die Grube nicht aufgeführt. Trotz des Heranbringens des Flügelortes vom Jung Katharina Stolln kann also davon ausgegangen werden, daß es hier nie untertägigen Kalksteinabbau gegeben hat.

 


Grundriß über Facius Schacht, aufgenommen im Jahre 1875 von H. M. Reichelt, Markscheider, nachgebracht bis August 1893, Gesamtansicht. Bildquelle: Sächsisches Staatsarchiv, Bergarchiv Freiberg, Bestand 40037-1 (Deponierte Risse der Steine- und Erdenindustrie), Nr. K23067. Diese Darstellung entspricht vollkommen der in einem Grund- und Saigerriß über das Berggebäude Riedels Fundgrube aus dem Jahr 1875 im Bestand 40040 (Fiskalische Erzrisse), Nr. L8310.

  


Ausschnitt aus dem Grundriß über Facius Schacht, aufgenommen im Jahre 1875 von H. M. Reichelt, Markscheider, nachgebracht bis August 1893, mit den Anlagen des Facius’schen Kalkwerkes. Wie man sieht, verliefen Ende des 19. Jahrhunderts die Feldgrenzen der Erzgruben Gottes Geschick am Graul und Riedels Fundgrube mitten durch den Kalksteinbruch hindurch… Charakteristisch ist auch hier wieder die achteckige Form des Hoffmann’schen Ofens nach dem Typ der Rumford-Öfen.

  

Nachdem sich Louis Facius um 1890 aus dem Kalkwerksbetrieb in Raschau zurückgezogen und sich (in Tharandt wieder in einem Kalkwerk ?) neu engagiert hatte, übernahm Max Heßler in Raschau die Geschäftsführung.

Nach 1900 scheint die Gewerkschaft Wettin (eine Tochtergesellschaft von Wilkauer Vereinigt Feld) in diesem Bereich auch noch einmal auf Mangan gemutet zu haben. In der Akte Nr. 144 im Bestand 40169 (Grubenakten des Bergreviers Schwarzenberg) ist dann aber erwähnt, daß die Gewerkschaft Wettin später an die Oldenburgische Eisenhüttengesellschaft zu Augustfehn verkauft wurde, diese wiederum zwischenzeitlich aber auch Heßler’s Kalkwerk in Raschau erworben hätte. Zwischen 1908 und 1920 wurden von dieser Grubengesellschaft noch die Vereinigten Braunsteinzechen im Schwarzbachtal bei Langenberg hinzugekauft, schließlich aber das Bergbaurecht entzogen.

Im Bestand gewerbliche Gruben (40024-12) findet man, datiert von 1920 bis 1922, unter Nr. 355 ebenfalls eine Akte unter dem Titel „Kalkwerk Raschau, vormals Heßler. Aus dieser geht jedoch nur hervor, daß 1920 bei Heßler schon gar kein Betrieb mehr umgegangen und nur noch ein Mann angestellt gewesen sei. Spätestens 1922 war der Abbau ganz erloschen.

  


Raschau, St. Catharina Fundgrube, Neue Wäsche im Schwarzbachtal, Blick nach Südwesten zum Kalkwerk, Foto: Paul Schulz, 1929. Kopie auch im Bestand des Bergarchivs Freiberg, Bestand 40167 (Fotos bergmännischer Tagesgebäude), Nr. 550.  

http://www.deutschefotothek.de/documents/obj/70005583

 


Ausschnittsvergrößerung aus obiger Fotographie mit den Kalkwerksanlagen auf der gegenüberliegenden Anhöhe des Emmler. Der Hoffmann'sche Schachtofen ist anhand des damals noch höheren Schornsteins gut erkennbar, links die Abraumhalde. Der zweite Brennofen ist von der Kalkniederlage verdeckt.

  


Das Kalkwerk auf einer historischen Ansichtskarte von Max Mennicke, Raschau, aufgenommen 1927 vom Südwestrand des Tagebaus in Richtung Nordosten, im Besitz der Raschauer Heimatfreunde. Links im Bild ist der Haspelberg gut zu sehen, im Hintergrund das Werksgelände mit dem Wohnhaus rechts und der Kalkniederlage links hinter dem Brennofen. Kopie abfotografiert am Tag des offenen Denkmals 2018.

     

Weil das ganz anschaulich ist, halten wir auch hier einen Rückblick anhand des historischen Kartenmaterials.

   


Ausschnitt aus dem Meilenblatt (Freiberger Exemplar) Blatt 243: Schwarzenberg/Erzgebirge, Grundaufnahme 1790, Nachträge bis 1876. Im Gegensatz zu den anderen Kalkwerken oben ist ein Tagebau auf der Höhe zwischen Knochen und Emmler Höhenzug schon in dieser Ausgabe angedeutet (unterer Bildrand). Wie wir oben gelesen haben, erwähnte ihn auch Charpentier bereits 1778.

 


Ausschnitt aus der Äquidistantenkarte, Blatt 137: Section Schwarzenberg, bearbeitet im topographischen Bureau des Königlichen Generalstabes, 1876. Einen Tagebau sehen wir zwar nicht, dafür aber steht jetzt explizit „Kalkwerk“ dran.

 


Dito, Ausgabe 1908. Jetzt sieht man auch deutlich die Tagebau- und Haldenkonturen und ein abseits errichtetes Pulverhaus. Im Zentrum der Kalkwerksgebäude fällt der kreisrund dargestellte Hoffmann'sche Ofen auf. Aus dem ehemaligen Pochwerk von Gottes Geschick ist bereits die Ausflugsgaststätte „Fröhlicher Bergmann“ geworden.

 


Ausschnitt aus der Topographische Karte, Blatt 137: Schwarzenberg, Ausgabe 1925. Jetzt ist auch bei Allerheiligen am Knochen Schlägel und Eisen umgekehrt. Der Kalkbruch hat seine größte Ausdehnung erreicht und auch der Gebäudekomplex des Kalkwerkes hat sich nochmals vergrößert.

 


Dito (Meßtischblatt 5542), jetzt die Ausgabe von 1943. Jetzt müssen wir „ehem. Kalkw.“ lesen. Auf der Bruchsohle hat ein Wassertümpel offenbar schon dauernden Bestand, so daß er Eingang in die Kartenunterlagen fand.

 

Nach 1934 hat die staatliche Lagerstättenforschungsstelle beim Oberbergamt Freiberg auch die Kalkvorkommen im Erzgebirge, darunter auch den „Kalkbruch Facius bei Raschau“, neu bewertet (vgl. Bestand 40030, Nr. 1-1063). Die Bewertung erläutert die schon bekannte Geschichte und die geologische Struktur, führt  daneben noch an, daß sich im Liegenden Zwischenschichten von Glimmerschiefer mehren und daß „der Kalk in früheren Zeiten vorallem als Zuschlag an die Eisenhütten in Schwarzenberg und Erla verkauft“ worden sei.  Außerdem finden wir noch folgende „ältere Analysen“:
  

CaCO3

53,85% bis 54,73%

MgCO3

42,0% bis 41,38%

Al2O3

0,82% bis 1,36%

Fe2O3

1,25% bis 1,37%

SiO2

0,79% bis 0,81%

Obwohl man bei Bohrungen bei Riedels Fundgrube in der Nachbarschaft schon 1883 (vgl. 40044-1, Nr. H17628) auch auf (mit) gewinnbare Eisenerze im Liegenden gestoßen sei, würde sich ein Abbau aber nicht lohnen, da der Kalk zwar frei von Übergemengteilen, aber sehr dolomitisch und somit nicht hochwertig sei; umso weniger, als trotz der stark geförderten Bautätigkeit in den 1930er Jahren die Ausnutzung der Erzeugungsmöglichkeiten für Baukalk in Deutschland nur bei 30% bis 35% läge.

Stattdessen interessierte man sich nun wieder für die Eisen-Manganerze. Die geologische Beschreibung des Erzvorkommens nennt Wad (Manganomelan), Hartmanganerz (Psilomelan) und Weichmanganerz (Pyrolusit, veraltet Polianit) als vorkommende Mangan-Erzminerale und Limonit und Hämatit als Eisen-Minerale. Das Erz sei überwiegend in taschenförmigen Einmuldungen in der Oberfläche des Quarzbrockenfelses, aber auch lagerförmig direkt im Glimmerschiefer vorgekommen; stets jedoch mit nur geringer lateraler Erstreckung. Durch die Bergwirtschaftsstelle wurden daher 1938 noch einmal neue Erkundungsbohrungen veranlaßt (40028, Nr. 344). Durch Versuche am damaligen Institut für Aufbereitung der Bergakademie hatte man nämlich herausgefunden, daß es möglich sei, die Erze durch einfaches Klassieren auf mittlere Gehalte von 14% Mangan und 34% Eisen anzureichern. Tatsächlich sind noch einmal zwei, etwa 50 m tiefe Bohrungen niedergebracht worden, welche die früheren Resultate bestätigten; danach wurde die Erkundung jedoch eingestellt.

Gegen Ende des 2. Weltkrieges findet sich die Firma Rudolph Facius Söhne, Lugau, übrigens auch in einer Liste zur „Kriegsbedingten Auslagerung“ wieder (31050, Nr. 2370). Dabei ist aber noch zu klären, ob die Facius’sche Sprengmittelhandlung aus Lugau verlagert werden sollte, oder (entsprechend des Aktentitels liegt diese Vermutung näher) ob die Auto Union AG in Chemnitz an das ehemalige Facius’sche Kalkwerk in Raschau als möglichen Standort für eine Untertageverlagerung dachte.

   

Nach dem 2. Weltkrieg versuchte sich 1946 zunächst die Ulbricht & Korb KG an der Wiederaufnahme (vgl. Bestand 40064-1, Nr. 0435). Diese Firma war im Besitz von Arno Fritz Ulbricht und Fritz Korb und hatte (zumindest einen) Sitz in Schwarzenberg. Nach eigenen Angaben erzeugte man allerhand „Keramische Rohstoffe“, aber auch „Bleiprodukte“ und anderes. Am 5. Dezember 1946 zeigte sie der Technischen Bergbauinspektion (TBBI) Zwickau die Wiederinbetriebnahme des „seit 1926 stillgelegten Kalkwerks“ an.

Anmerkung: Diese KG war zu dieser Zeit auch in  Groitzsch im Kalksteinbergbau aktiv.

1947 genehmigt das Landratsamt den Bau einer Mahlanlage. Aus einem Fragebogen geht hervor, daß Ulbricht und Korb in diesem Jahr in Langenberg 14 Angestellte und 2 technische Leiter beschäftigten und etwa 20 t Rohdolomit pro Woche förderten. Die Förderung aus dem Bruch erfolgte über zwei Bremsberge.

Nach den oben schon erwähnten, alten Bohraufzeichnungen von 1883 (40044-1, Nr. H17628 und 40171, Nr. 439) betrage die Mächtigkeit des Dolomits hier 14 m. (Wie aus einer Skizze aus dem Jahr 1962 hervorgeht, lag die Abbausohle des Tagebaus jedoch zu dieser Zeit schon etwa 28 m unter der Geländeoberfläche.) Der Lichtschacht auf dem Jung Katharina Stolln war verbrochen, solle jedoch aufgewältigt werden, um den Stollen zur Wasserlösung unter den Tagebau forttreiben zu können. Auch war ein neuer Schachtofen, 14 m hoch und mit Gasfeuerung, geplant. Zur Umsetzung dieser Pläne ist es offenbar aber nur teilweise gekommen.

1949 beantragten die Inhaber bei der Geologischen Landesanstalt einen Zuschuß für die Ausführung neuer Erkundungsbohrungen in Höhe von 25.000,- Mark. Zur Begründung verwiesen sie einerseits auf den Bedarf der Volkswirtschaft, denn der Kalk werde u. a. für den Bau der wichtigen Talsperre Sosa gebraucht. Zum anderen erläuterten sie, daß ein Übergang zum Tiefbau aufgrund der kurzbrüchigen Beschaffenheit“ des Gesteins nicht möglich sei, die aufwendigen Abraumarbeiten aber genauere Kenntnisse über die Fortsetzung des Kalklagers voraussetzten. Ein Herr Dr. Reh verfaßte daraufhin eine Stellungnahme, in der die Ausführung der Bohrungen befürwortet wurde (11384, Nr. 2081).

Dieser Stellungnahme sind noch einige Details zum vorangegangenen Abbau zu entnehmen: So sei in der Mitte des Bruchs“ ein Stolln in östliche Richtung getrieben gewesen, mit welchem bei 52 m Auffahrungslänge die Hangendgrenze des Lagers noch nicht durchfahren worden sei. Allerdings versteile sich die Schichtung im Lager von zirka 20° in östliche Richtung auf zirka 45°. Der Stolln sei gegenwärtig aber verbrochen und nicht mehr befahrbar. Auch im Junge Katharina Stolln habe man von Norden her ein 12 m mächtiges und mit 3ß° bis 40° nach Ost fallendes Lager überfahren. An der Nordseite des Tagebaus stünden freilich gegenwärtig die Werksanlagen, so daß nur eine Abbaufortführung in östliche oder südliche Richtung infrage komme. Daher seien die Erkundungsbohrungen südlich vom Tagebau sehr begrüßenswert. Ob es damals zur Ausführung dieser Bohrungen gekommen ist, verrät die Akte leider nicht.

Erst im Ergebnis der  Uranerzerkundung durch die SDAG Wismut wurde in den 1950er Jahren die beträchtliche Ausdehnung des Dolomitlagers in Richtung Süden festgestellt.

   

Schon 1949 bemängelte die Bergbauinspektion, daß die Bremsberge ohne Signal- und Sicherungseinrichtungen seien und daß am „neu erstellten und noch nicht benutzten Kalkofen“ die Beschickungstüren unverriegelt seien. Schließlich notiert die TBBI in einem Fahrbericht vom Dezember 1955, daß „der Bruch, in dem 2 Mann arbeiten, vollständig ersoffen ist. Die Förderung soll nach dem Abpumpen im Januar 1956 wieder aufgenommen werden.

Weil aussagekräftige Unterlagen dazu fehlen, ist anzunehmen, daß Ulbricht & Korb den Abbau nicht in die Höhe bringen konnten. Stattdessen wurde im Zuge des Verstaatlichung der Privatunternehmen in der DDR das Kalkwerk ab 1. Januar 1958 vom VEB Bau (K) Schwarzenberg, Betriebsteil des VEB Tiefbau Union Karl-Marx-Stadt, zunächst pachtweise übernommen (vgl. Bestand 40069, Nr. 590 und 591).

Weil die übergeordnete VVB (B) Baustoffe aber keine weiteren Baustoffbetriebe übernehmen wollte, zeigte der Baubetrieb Schwarzenberg erst am 13. April 1961 der Bergbehörde tatsächlich die Wiederaufnahme des Abbaus an. Obwohl man die Vorräte noch auf wenigstens 150.000 t schätzte, wurde aber schon am 22. Oktober 1963 erneut die Stillegung beantragt, da „die weitere Produktion unökonomisch sei.“

Aus dem noch vorliegenden Betriebsplan für 1964 geht zumindest hervor, daß „die Produktion im Jahr 1963 planmäßig, ohne besondere Schwierigkeiten“ abgelaufen sei, jedoch Ende 1963 eingestellt werden mußte, da es „Absatzschwierigkeiten gab.“

Aus diesem Betriebsplan erfahren wir auch, daß der Abraum mittels Bagger „Greifer T170“ abgeräumt, mittels LKW zum Parkplatz Langenberg gebracht und dort aufgehaldet wurde. Die Gewinnung des Kalkes erfolgte durch Schießen in der Bruchsohle und händische Verladung in Loren. Das Schießen erfolgte durch die Niederlassung Schneeberg des Straßenbaubetriebs Karl-Marx-Stadt, ein eigenes Sprengmittellager besaß man nicht, Sprengstoffe wurden aus Lugau geliefert. Für die Wasserhaltung stand eine Pumpe in einem Sumpfloch in der Bruchsohle, das gehobene Wasser wurde „auf´s freie Feld“ abgeschlagen.

Insgesamt hatte das Kalkwerk damals 8 Angestellte, darunter 4 Hauer, 1 Fördermann und 3 „Müller“ für die Mahlanlage. Für das Sommerhalbjahr 1964 war der Abbau von etwa 5.000 t Rohdolomit geplant. Die Brennöfen waren schon seit den 1950er Jahren nicht mehr in Betrieb.

 

Da es der DDR bekanntlich fast immer und an allem mangelte, bekundete – nachdem man von der beabsichtigten Stillegung erfahren hatte – die Vereinigung der gegenseitigen Bauernhilfe, Bäuerliche Handelsgenossenschaft e. G. zu Meerane mit Schreiben vom 14. Mai 1964, daß „unsere Organisation das Kalkwerk zu übernehmen gewillt ist,“ um den Kalk als Düngemittel zu vertreiben. Tatsächlich kam es dann mit Wirkung vom 1. Juni 1964 zu einem Rechtsträgerwechsel.

Der neue Betreiber stürzte sich zunächst auch mit frischem Eifer auf den Abbau und gründete einen eigenen Betriebsteil „Kalkwerk Raschau“. In dem für 1965 eingereichten Betriebsplan kann man lesen, daß die Tagesproduktion von rund 30 t Anfang des Jahres 1964 auf jetzt 50 t gesteigert wurde. Zur Verladung auf der Bruchsohle wurde jetzt ebenfalls ein „Kran T157/2“ eingesetzt. Zur gestiegenen Förderung trugen wohl auch zwei Großbohrlochsprengungen am 10. und 17. August 1964 bei, die vom VEB Spezialbaukombinat Verkehrsbau, Betriebsteil Bohr- und Sprengtechnik Dresden, ausgeführt wurden. Allerdings fand es bei der Bergbehörde wenig Anklang, daß man – wohl einfach aus Unkenntnis – versäumt hatte, diese Sprengungen derselben vorher anzuzeigen.

Für das Jahr 1965 beabsichtigte man, mit 11 Arbeitskräften inklusive Betriebsleiter eine Förderung von 12.000 t zu erreichen.

Dazu ist es aber nicht gekommen. Schon am 22. Februar 1965 wurde der Betrieb „auf Grund der außerordentlich großen Schneefälle“ wieder eingestellt. Mit Wirkung vom 31. Juli des Jahres wurde der Betrieb dann liquidiert und das Gelände am 25. August 1965 an die Gemeinde Raschau rückübertragen. Daraufhin erfolgte am 9. September die Entlassung aus der bergbehördlichen Aufsicht.

Die Mahlmühlentechnik wurde 1970 für 800,- Mark an das Kalkwerk Oberscheibe verkauft. Haspel und Brecheranlage wurden verschrottet. Auch die Brennöfen sollten abgerissen werden, wozu es Dank des Einsatzes des damaligen stellvertretenden Raschauer Bürgermeisters M. Hetzel aber nicht gekommen ist. Im Jahr 1972 wurden sie unter Denkmalschutz gestellt.

Das Wohnhaus und die Kalkniederlage waren noch lange Zeit bewohnt. Die Ruine des Mahlmühlengebäudes und das frühere Wohnhaus mußten dann Anfang der 1990er Jahre wegen Baufälligkeit abgerissen werden.

Die Gemeinde Raschau wollte den stilliegenden Tagebau 1966 eigentlich als Deponiefläche nachnutzen, wozu es glücklicherweise jedoch auch nicht gekommen ist. Den Teich im Tagebau nutzt heute der Anglerverband und seit 2006 ist das Tagebaurestloch des vormals Facius’schen Kalkbruchs auch als Geotop registriert.

 


Ausschnitt aus der Topographischen Karte der DDR, Ausgabe für die Volkswirtschaft, um 1970. Das Kalkwerk ist längst auflässig; Die Bezeichnung „Lgr.“ weist darauf hin, daß man die Gebäude als „Lager“ genutzt hat. Jedenfalls standen damals noch einige Gebäude des früheren Kalkwerks, die heute längst dem Zahn der Zeit zum Opfer gefallen sind.

  


Bereits 1984 waren die technischen Anlagen stark verfallen, wie dieses Foto des Werksgeländes mit der ehemaligen Kalkmühle zeigt. Sie wurde 1991 abgerissen. Historisches Foto abfotografiert am Tag des offenen Denkmals 2018.

 

Der oben schon erwähnten Bohrungen von 1883 wegen schauen wir vom Kalksteinbruch noch nach Osten auf die Nachbargrube. „Im Raschauer Pfarrwald am Schwarzbach unterhalb von Langenberg“ wird zuerst Johann Gottfried Reppel und Co. mit Reppels gevierte Fundgrube ab 1815 aktenkundig (40169, Nr. 274). Allerdings ist diese Akte mit Streitigkeiten mit dem Pfarramt angefüllt und spätestens 1850 ist Reppels Fundgrube „wegen unbezahlter Quatembergelder“ wieder ins Bergfreie gefallen.

Das Landesbergamt registriert dann 1857 eine neue Verleihung von Riedels Fundgrube (40024-10, Nr. 788). Ein Herr August Friedrich Riedel aus Raschau wurde schon in vorgenannter Quelle „wegen rückständiger Gesellenbeiträge“ erwähnt.

Der Eisen- und Manganerzbergbau scheint generell nicht sonderlich einträglich gewesen zu sein, denn der Neuverleihung ging schon eine Zwangsversteigerung „wegen rückständiger Gebühren und Beiträge“ voraus (40169, Nr. 286). Auch besagter Riedel betrieb die Grube als Eigenlehner offenbar mit kleinstmöglichem Aufwand, wobei es so weit kam, daß sich der Berggeschworene Theodor Wilhelm Tröger weigerte, auf der Grube anzufahren, bevor nicht die Fahrten ersetzt worden seien. Die Steigerfunktion wurde daraufhin gemeinschaftlich auf den kleinen Eigenlehnergruben Riedels Fundgrube, Hausteins Hoffnung und Friedrich Fundgrube einem Freiberger Bergschüler übertragen. Offenbar mangelte es dem Betreiber dennoch an jeglichem Gewinn, um selbst wichtiges Material anschaffen zu können, denn der Grubenverwalter Fritzsche von Riedels Fundgrube mußte sich schließlich sogar „wegen der Herausreißung von Fahrten aus dem Kalkschacht beim Facius’schen Kalkwerk“ vor dem Bergamt Schwarzenberg verantworten (40169, Nr. 758).

In diesem Zeitraum wurde aber auch der Jung Katharina Stolln von Nordwesten her in Richtung auf das westliche Grubenfeld von Facius Schacht (hier taucht dieser Name erstmals auf) vorgetrieben. 1876 wird dann schon vom „Facius Stolln“ gesprochen (40036, Nr. C11936). Beabsichtigt war, diesen Stolln bis zu Riedels Fundgrube fortzubringen. Inwieweit Facius als Eigner des Kalkbruches selbst am Stollnvortrieb beteiligt war, ist nicht bekannt.

Anschließend gelangte die Grube durch Verkauf an den uns schon bekannten Ernst Erdmann Zweigler aus Wildenau, von diesem wiederum an Hermann Gruson aus Buckau, schließlich an die Societé anonyme des Mines et Usines de Hof-Pilsen-Schwarzenberg. Auf demselben Weg wechselte auch die Grube Gott segne beständig Erbstolln am Roten Hahn bei Langenberg den Besitzer, diese wurde anschließend aber an Gustav Zschierlich aus Geyer veräußert und von diesem wiederum man die Gewerkschaft Wilkauer Vereinigt Feld verkauft (40169, Nr. 135).

Da die Bohrergebnisse keine Hoffnung auf einträglichen (Erz-) Bergbau machten, erfolgte im April 1885 die Lossagung von Riedels Fundgrube (40040, Nr. B8311). 1885 hat G. Zschierlich dann auch Riedels Fundgrube erworben (40169, Nr. 287). Die Rißnachbringungen enden um 1893 (40036, Nr. D12400 und 40040, Nr. L8310).

   

Von 1957 beginnend, zuerst durch die SDAG Wismut, danach bis 1978 durch das GFE Freiberg (40131-1, Nr. 27), erfolgte in der Umgebung von Raschau eine umfangreiche Bohrerkundung. Bei der Uranprospektion im Gebiet Pöhla und Raschau war durch den Geologischen Betrieb (GB) der SDAG Wismut nämlich festgestellt worden, daß der bei Raschau in den skarnführenden Gesteinshorizont eingelagerte Karbonatgesteinskörper wesentlich größer ist, als das aus den älteren geologischen Karten hervorging. Gleichzeitig wurde erkannt, daß das Gestein evtl. die Qualitätskonditionen von Werksteinmarmor erfüllen könne.

Anfang 1977 wurde der Generaldirektor des Kombinats Elbe-Naturstein in Dresden von diesem Sachverhalt informiert. Noch im November 1977 erfolgte daraufhin der Auftrag des Kombinats an den VEB Geologische Forschung und Erkundung (GFE) Freiberg zur Vorerkundung des Raschauer Vorkommens. Das GFE beauftragte seinerseits wieder den GB der SDAG Wismut mit den dafür erforderlichen Bohrarbeiten. Der Auftrag umfaßte noch weitere 11 Bohrungen mit einem Gesamtumfang von 4.342 m (Chronik der Wismut). Dabei wurde das Raschau- Karbonat südlich der Ortslage mit NNO-SSW- Streichen und mit 20° bis 25° Einfallen nach SO nachgewiesen.

   


Geologische Situation der Kalklagerstätte (blau) bei Raschau östlich von Schwarzenberg, nach Bergbaumonographie, Bd.16, 2010; darin: Gm... hangender Glimmerschiefer, z. T. Granat- führend, Am... Amphibolit, Qe... Emmler- Quarzit, Gmm... Muskovit- Glimmerschiefer mit Karbonatlagern, Gmq... quarzitischer Glimmerschiefer im Liegenden des Emmler- Quarzits (alles Raschau- Formation, Unter- Kambrium), Qh... Holozän. In der südlichen Fortsetzung wurde von der Grube Neusilberhoffnung bei Pöhla ein weiteres kleines Kalklager abgebaut.

   


Geologischer Schnitt von West nach Ost durch die Dolomit-Lagerstätte; darin: weiße, unterbrochene Linien... Bohrungen, PTn... Zweiglimmergneise der Niederschlag- Gruppe (Neo- Proterozoikum), Gn... Augengneis von Schwarzenberg, Gr... Eibenstocker Granit, blaue und rote Linien... Lamprophyr- und Rhyolitgänge, Gm... hangender Glimmerschiefer, z. T. Granat- führend, Am... Amphibolit, Qe... Emmler- Quarzit, Gmq... quarzitischer Glimmerschiefer im Liegenden des Emmler- Quarzits (alles Raschau- Formation, Unter- Kambrium), Qh... Holozän.

  

Schon aufgrund der Größe des erkundeten Gesteinskörpers ließen sich hier mehrere Dolomitvarietäten unterscheiden:

  • Grauer Dolomit-Marmor, häufig mit mylonitischem Gefüge, geringe Mengen Muskovit, kaum Quarz, nur verinzelt Sulfidbeimengungen.

  • Rosa Dolomit-Marmor, granoblastisch und ungleichkörnig, wechselnde Mengen Quarz und Muskovit, manchmal drusig-kavernös.

  • Metasomatischer Dolomit-Marmor, braun, vielfach drusig-kavernös, wechselnde Anteile von Quarz und Muskovit, häufig parallel verlaufende Mikrosuturen.

Insgesamt ist der Lageraufbau aber sehr homogen, der Gehalt an Magnesiumoxyd schwankt nur zwischen 19,6% und 20,9%. Der graue Dolomitmarmor ist überwiegend im hangenden Teil des Lagerstättenkörpers zu finden, zum Liegenden hin schließen sich roasfarbene und braune Varietäten an. Im Hangenden ist auch mesozoische Verkarstung mit Bildung von Talk und Auslaugungslehmen durch Bohrungen nachgewiesen. Im Liegenden sind dagegen metasomatische Imprägnationen von Silikaten und Magnetit zu finden, auf Klüften auch Chalkopyrit, Chlorit und Quarz.

Die weitere geologische Bearbeitung erfolgte durch Geologen des GFE Freiberg, die dann auch im Juni 1979 den Ergebnisbericht vorlegten. Der hier bis zu 200 m nächtige Dolomithorizont streicht im Bereich der Tallage zutage aus und erreicht nach Süden bis zu 450 m Tiefenlage. Er enthält zirka 131 Mio t Bilanzvorräte und weitere 93,4 Mio t prognostische Vorräte, bei zu erwartenden Abbauverlusten durch Kammerpfeilerbau und Sicherheitspfeiler zu Verwerfungen von bis zu 60%. Aus ökonomischen Gründen wurde diese Lagerstätte dann aber nicht aufgeschlossen (Bergbaumonographie, 2010).

  

 

 

Kalkwerke am Tännigt

  

Weiter hinauf im Schwarzbachtal in Richtung Elterlein haben wir sowohl auf der geologischen Karte die Kalksteinvorkommen, als auch im Geoportal Sachsen weitere Tagebaurestlöcher gefunden, die unser Interesse geweckt haben.

Nach der geologischen Beschreibung des historischen Vorkommens in der Bergbaumonographie unter Nr. D 23  finden sich die letzten Spuren des Raschau- Karbonats im Norden und Nordosten westlich der Kirche von Schwarzbach und am nordwestlichen Hang des Richterberges 300 m bis 700 m nordöstlich des Roten Baches. Auch die begleitenden, mächtigen Quarzglimmerschiefer keilen in Nordostrichtung aus. Bis in die Nähe des Zinn- Grubenfeldes von Ehrenfriedersdorf sind bei stark verminderter Mächtigkeit der Raschau- Formation auf 12 km streichender Länge keine Marmore oder Marmorabkömmlinge mehr bekannt. Sie setzten erst östlich der Bundesstraße 95 mit Kalksilikatfelsen wieder ein und sind im Gebiet südlich und nordöstlich des Sauberges dann wieder häufig.

Der am Tännigt abgebaute Dolomitmarmor sei grauweiß und feinkörnig gewesen, nicht selten mit plattiger Absonderung. Der Gehalt an akzessorischen Mineralen war gering und umfaßte Glimmer und etwas Tremolit. Die in der Monographie angeführten Analysenergebnisse belegen eine sehr wechselhafte Zusammensetzung, teils dolomitisch, teils eher arm an Dolomitanteilen:
  

CO2

47,0%

22,5%

CaO

31,4%

35,9%

MgO

20,8%

9,3%

MnO

n. b.

0,26%

Al2O3, Fe2O3

0,5%

6,6%

  

Während aber über den Eisenerzbergbau auch hier zahlreiche Akten vorliegen, beginnen die Aufzeichnungen über den Kalksteinabbau wieder erst Anfang des 20. Jahrhunderts. Nach der Bergbaumonographie Marmor im Erzgebirge soll die Ersterwähnung des Kalksteinabbaus am Tännigt immerhin bereits auf 1731 datieren. Sowohl im Postlexikon als auch in Leonhardi‘s „Erdbeschreibung der churfürstlich und herzoglich sächsischen Lande“ wird der Kalksteinabbau bei Schwarzbach am Beginn des 19. Jahrhunderts zumindest erwähnt.

Der Bergbau im Schwarzbachtal südwestlich des „Bergfleckens Elterlein“ ist untrennbar mit den Mittweidaer Hammerwerken verknüpft.

Neben dem Eisenhammer in Erla im Schwarzwassertal, der bereits 1380 erstmals erwähnt wurde, zählt auch der „Raschauer Hammer“ im Mittweidatal zu den ältesten urkundlich nachweisbaren Standorten der Eisenverhüttung. Er wird zum ersten Mal in einem am 3. Advent 1401 ausgestellten Gunstbrief des Abtes Johannes von Lukau aus dem Zisterzienserkloster Grünhain für Veit von Schönburg urkundlich erwähnt (Richter, Frank). Ein zweites Mal findet ein Hammerwerk bei Raschau in einem Kaufvertrag zwischen dem Burggrafen Heinrich von Meißen als Verkäufer und dem Abt Nicolaus des Klosters Grünhain im Jahre 1402 Erwähnung (30570, Nr. 4).

Wahrscheinlich waren die Hammerwerksbesitzer, wo sie nicht selbst Eigner der Berg- und Kalkwerke waren, auch die wichtigsten Kunden der Kalkwerksbesitzer und Abnehmer für ungebrannten Kalk. Zum einen kamen hier in dieser Region Eisenerze und Kalkstein nahe beieinander vor, so daß der Handel „auf kurzem Wege“ abgewickelt werden konnte – in Zeiten, da als Transportmittel nur das Pferdefuhrwerk zur Verfügung stand, ein wichtiger Standortvorteil. Zum anderen wurde der Kalk als Zuschlagstoff bei der Verhüttung von Eisenerzen (nämlich als Schlackebildner) unbedingt benötigt.

Die Bezeichnung „Schlacke“ wird sprachgeschichtlich vom Vorgang des „Ausschlagens“ bzw. Ausschmiedens der „Luppe“ abgeleitet, durch den die nichtmetallischen Rückstände nach dem Rennofenprozeß vom reinen Metall getrennt werden mußten.

Durch den Zusatz von Kalk zur Schmelze und die resultierende Schlackebildung wurden störende Anteile (vor allem nicht schmelzende Silikate) gebunden und vom Eisen getrennt. Außerdem verringert sich die Viskosität der Schmelze. Die Hochofenschlacke ist deutlich leichter als das Roheisen, sammelt sich daher im Hochofen oberhalb des schmelzflüssigen Bereiches an und kann getrennt abgestochen werden.

In Pierer's Universal-Lexikon, 4. Auflage 1857–1865, kann man zu dem Stichwort lesen: „Schlacke, glasartige spröde Masse, welche bes. beim Schmelzen der Erze u. beim Frischen des Eisens (Frischschlacken) abfällt u. aus erdigen u. steinigen Theilen der Erze, aus den Zuschlägen u. aus oxydirtem Metalle besteht. Die S. schützt das glühende Metall vor dem oxydirenden Einflusse der Luft u. wirkt ganz bes. auch als Flußmittel. Aus der Beschaffenheit der S. kann man auf den richtigen od. schlechten Verlauf der Schmelzarbeit schließen. Beim Schmelzen der Metalle schwimmt die S. als ein Schaum oben auf u. läuft entweder ab, od. wird mit einem eisernen Haken (Schlackenhaken) abgezogen u. in das Schlackenbett geworfen...“

  

Ab dem 16. Jahrhundert machte sich die Familie von Elterlein auch durch den Betrieb von mehreren Hammerwerken in der Region einen Namen. Die von Elterlein vereinigten u. a. die beiden bedeutenden Pöhlaer Hammerwerke Siegelhof und Pfeilhammer sowie in Rittersgrün den Arnoldshammer mit dem Rothenhammer. Im 18. Jahrhundert erreichten diese Eisenhämmer unter denen von Einsiedel ihre größte wirtschaftliche Blüte. Gleich gegenüber vom  Pfeilhammer auf der Großpöhlaer Seite war Carl Ludwig von Elterlein auf der Grube Neusilberhoffnung auch im Bergbau selbst aktiv und förderte Eisenerz und Kalkstein.

Das Hammerwerk Obermittweida befand sich unterhalb der Vereinigung von Kleiner Mittweida und Großer Mittweida und ist als Eisenhütte mit einem Zerrennfeuer erstmals 1546 urkundlich erwähnt. Dem ersten bekannten Besitzer Matthes Schumann gehörte außerdem noch eine weitere Eisenhütte, die sich flußabwärts, an der Mündung des Roßbachs in die Große Mittweida, befand. Wolf von Elterlein übernahm 1588 die dazumal gerade abgebrannte Hütte, für die er 1594 die Konzession zur Errichtung eines Hochofens erhielt (10036, Loc. 36278, Rep. 09, Sect. 1, Nr. 3802). Ihm verdankt der Hammer seine Beinamen „Wolfshammer“ oder „Hammer Löwenthal“, denn die Familie von Elterlein führt einen Löwen in ihrem Wappen.

Den umfangreichen Besitzungen geschuldet, kam es natürlich auch zu Streitigkeiten mit den Grundbesitzern, z. B. anno 1798, als der Hammerwerksbesitzer Carl Heinrich von Elterlein aus deren Grund und Boden „Marmor und Kalkstein holte“ (40001, Nr. 2072). Die von Einsiedel waren also offenbar auch selbst im Kalkbergbau aktiv.

Nachdem das Hammerwerk Obermittweida mehrfach durch Hochwasser (u. a. 1661) und Brände (u. a. 1613, 1667, 1673 und 1724) zerstört worden war, erwarb es 1731 Andreas Nietzsche. Daraufhin kam bald die bis heute gebräuchliche Bezeichnung „Nietzschhammer“ auf. 1788 bestanden in Obermittweida ein Hochofen, zwei Frisch- und Stabfeuer, ein Blechfeuer und ein Zinnhaus. Dieses Eisenwerk war noch bis 1860 in Betrieb.

  


Der einstige Nietzschhammer bei Markersbach-Obermittweida. Foto: Walter Möbius, 1929.
Bildquelle: Deutsche Fotothek.

 http://www.deutschefotothek.de/documents/obj/72004060

 


Pöhla, Eisenhammer Pfeilhammer, stark umgebautes Produktionsgebäude des ehemaligen Hammerwerks.
Foto: Hans Reinecke, Zustand 1986.

 http://www.deutschefotothek.de/documents/obj/70061045

 

Auch das Hammergut am Tännigt wird bereits Ende des 15. Jahrhunderts urkundlich genannt. Zu dieser Zeit ist Johann (oder kurz Hans) Klinger aus Elterlein der Besitzer. Der Tännigthammer war mehr als ein Jahrhundert im Besitz der Klinger’s. Auch die Familie Klinger war offenkundig sehr unternehmungsfreudig und im Bergbau der ganzen weiteren Umgebung aktiv. Das Hammergut Tännigt fiel nach dem Tod von Hans Klinger an dessen Sohn Caspar Klinger, für den Hans außerdem 1540 den benachbarten Förstelhammer einrichtete. Für seinen um 1551 geborenen, ältesten Sohn Nikolaus (oder kurz Nicol) Klinger erwarb Caspar Klinger 1569 den Pfeilhammer in Pöhla. Den Tännigthammer vererbte Caspar nach seinem Tod 1546 dagegen seinem Sohn Wolfgang (oder kurz Wolff) Klinger.

Nach 1580 wird Michael Klinger als Hammerherr „am Emmler“ genannt. Auch der bekannte Annaberger Bergamtsverwalter Markus Röhling war hier an den Eisenhämmern beteiligt (10036, Loc. 36278, Rep. 09, Nr. 3809).

Für Nicol erwies sich insbesondere seine Heirat 1583 mit Anna von Elterlein als vorteilhaft, denn mit Hilfe der Kontakte der (seit 1514) adligen Familie konnte er seinen Besitz fortan stetig erweitern. 1586 erwarb er zusammen mit Carl Frey (oder Freier) den Brennerhammer in Hammerunterwiesenthal, um 1590 den Kugelhammer zu Schwarzenberg, 1593 den Sachsenfelder Hammer, 1597 den Eisenhammer Erla und den Höllhammer in Voigtsberg. Auf dem Obermittweidaer Hammer war er Pächter. Daneben betrieb er das Eisenbergwerk St. Sebastian in Böhmen, außerdem Holzflößerei auf dem Pöhlbach. Für das Werk in Hammerunterwiesenthal wenden sich die die Hammermeister Carl Freier und Caspar Klinger, der Jüngere 1586 in einem Schreiben an den Kurfürsten, worin sie unter Bezug auf ihren Nachbarn, den Hammermeister Hans Röhling zu Unterwiesenthal, um ein gleiches Privileg nachsuchten. Dem wurde offenbar stattgegeben, denn zwischen 1586 und 1592 wurde hier der erste Hochofen in der Annaberger Region errichtet.

Der Schwiegersohn des Wolff Klinger, Melchior Siegel, verheiratet mit Barbara Klinger, ist 1591 Bergwerksbesitzer auf der Unruh bei Eibenstock.

1587 übernahm Wolfgangs Sohn Hans Klinger den Tännigthammer, der zu dieser Zeit nur ein Rennfeuer besaß. Das Rennwerk konnte jedoch nicht mehr betrieben werden, da seine Bergwerke „fast kein weichschmelziges Eisenstein, so man zum Zerrennfeuer haben muß“ mehr lieferten. 1613 erhielt auch er deshalb die Konzession für den Bau eines „Hohen Ofens“ und die Zuteilung der benötigten Kohlehölzer (10036, Loc. 32278, Rep. 09, Nr. 3815). Trotzdem ging es wirtschaftlich weiter bergab.

Nach Wolfgangs Tod 1616 verkaufte die Witwe den Hammer schließlich an Samuel Weigel, selbst Hammermeister in Markersbach, welcher sich damit zumindest unliebsame Konkurrenz vom Halse schaffte. Zunächst wurde das Tännigter Hammerwerk aber noch weitergeführt, denn 1624 wird Samuel Weigel als Hammermeister im Tännigt noch genannt (10036, Loc.36070).

Das Förstelgut fiel dagegen nach dem Tod Nikol Klingers, des Jüngeren im Jahr 1610 durch Heirat 1611 an die Familie von Schmertzing. Rudolph von Schmertzing begründete auf kurfürstliches Privileg vom 12. März 1619 den Ort Langenberg als Wohnsiedlung für die Hammerwerksarbeiter. Unter ihm wurde Förstel in den Rang eines Rittergutes erhoben. Im Jahr 1622 ließ er einen Hochofen mit Frischfeuer errichten (10036, Loc. 36071, Nr. 0458).

Infolge des 30jährigen Krieges kamen Hammerwerke und Bergbau zum Erliegen. Der Tännigthammer  wurde wahrscheinlich 1632 oder 1633 durch die kaiserlichen Söldner des berüchtigten Generals Heinrich Holk zerstört. Danach wechselten die Besitzer des Gutes häufig. 1790 kaufte es der Annaberger Bürgermeister Johann Querfurth.

In der oben schon einmal zitierten, 1699 erschienenen Beschreibung des Obererzgebirges erwähnt der Scheibenberger Pfarrer Christian Lehmann neben anderen Vorkommen auch den Kalksteinabbau am „Dennicht“. In seinem Kapitel Von Kalck- Brüchen schrieb er dazu:

„… Am Schwarzwasser und seinen Einfällen (Zuflüssen) liegen 2 Kalck Brüche / der eine über dem Ursprung und Quell des Marcker Bachs auff der Ober Scheibner / welcher aber nur ein Trum vom Crotendörffer Hauptgang ist / und wegen Mangel des Holtzes liegenblieben / soll zu Marmor versparet werden. Der andere ist am Schwarzbach unter dem Dennicht zu finden / ist grau / und liegt flötzweiß nur 2 Lachtern tieff / hält fester am Wetter als der weiße. Er färbet nicht weiß / sondern dienet nur das rauche zu bewerffen / dahero er auch selten wird gebrant / dieweil man zu iedem Brand muß 10 Schragen Holtz haben / und gilt ein Faß nur 18 gr. …“

In der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts muß das Hammergut Tännicht dann an Johann Ernst Häßler gekommen sein (10036, Loc. 36071, Rep. 09, Nr. 0437). Auch zwischen 1711 und 1720 wird dieser noch als „Hammerherr im Tännicht“ erwähnt (30008, Nr. 909).

Im Jahre 1762 wird schließlich erstmals ein Herr Joh. Gottlieb Meyer als Besitzer des Hammergutes Tännicht genannt (10084, Nr. 05468). Im Besitz der Familie Meyer ist das Gut dann wenigstens bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts geblieben.

Bis nach dem Siebenjährigen Krieg mit Preußen (1756 bis 1763) lag dann der Bergbau weitgehend brach. Erst 1763 wurde mit dem „Johannes Reicher Segen am Roten Bach“ eine Eisenerzgrube in Schwarzbach wieder aufgenommen. Zwischen 1797 und 1806 soll sie 370 Zentner Brauneisen und 748 Zentner Eisenstein ausgebracht haben.

  


Ausschnitt aus dem Blatt 250: Elterlein, Scheibenberg, Schwarzbach, Waschleithe, Schlettau, des Berliner Exemplars der Meilenblätter von Sachsen, datiert 1789. Am Förstelgut in Langenberg (linker Bildrand) und auch am Tännigt sind Kalkbrüche eingezeichnet.

  


Etwa gleicher Ausschnitt aus dem Freiberger Exemplar der Meilenblätter von Sachsen, hierin Blatt 244: Elterlein, Grundaufnahme 1789, Nachträge bis 1876. Auch hier sind die Kalkbrüche bei Schwarzbach verzeichnet, rot nachgetragen die Grube Gnade Gottes westlich des Förstelgutes bei Langenberg. 

  

Wie wir im 1826 gedruckten Band 11 von A. Schumanns Postlexikon eingangs schon gelesen haben, besaß „…das Gut einen trefflichen Kalkbruch, wo das Lager 7 Ellen mächtig ist, dessen Product jedoch viel Holz beim Brennen, wozu hier ein Ofen steht, erfordert.“  Der Kalkabbau erfolgte hier im Tännicht also wohl schon immer durch die Hammerwerksbesitzer selbst.

Im Jahre 1836 erwarb Karl Friedrich Horn aus Ehrenfriedersdorf das Dreiviertel-Hufen-Gut von Christian August Seltmann zu Schwarzbach und stellte daraufhin am 28. Oktober dieses Jahres einen Bauantrag an das Königliche Justizamt Grünhain, da „auf dem zu diesem Gute gehörigen Felde Kalksteine lagern, einen Kalkofen zu erbauen und Kalk zum Verkauf zu brennen...“ (30041, Nr. 4154)

Bergleute namens Horn ‒ laut Akten allerdings aus Naundorf gebürtig ‒ betrieben um 1820 auch das Kalkwerk Herold nördlich von Thum. Die Namensgleichheit ist sicher nur Zufall.

Das Gerichtsamt Schwarzenberg bescheinigte K. F. Horn im November 1836, daß ein Brennofen auf seinem Gut von allen benachbarten Gebäuden, vom Meyer'schen Tännichtgut wie dem „Communischen Derrhaus“, wenigstens 400 Ellen entfernt stünde. Dem Schreiben ist ferner zu entnehmen, daß Horn einen „Cylinderofen“ erbauen wolle, der mit Torf befeuert werden solle. Außerdem vermerkt das Amt positiv, daß Horn nicht in der Lage sei, alle Kalk- und Brennstoffuhren selbst zu übernehmen, so daß sich „...mancher Begüterte im Orte etwas hinzuverdienen könne.“

Phillip von Schleinitz im Justizamt in Grünhain sah die Sache auch positiv, wollte den Bau auch genehmigen, legte aber dann noch fest, daß Horn für den Abbau einen „jährlichen Canon“ von 8 Thalern zu entrichten habe. Das wiederum paßte Herrn Horn natürlich gar nicht und er beschwerte sich daraufhin am 28. November 1836 bitterlich, daß das Kalklager schließlich als Zubehör des von ihm erkauften Grundstücks zu betrachten sei, für das er ja schon die ordentlichen und außerordentlichen Abgaben entrichten müsse. Den Widerspruch selbst zu entscheiden, wagte das Justizamt nicht und wandte sich mit dem Fall an das Königliche Finanzministerium in Dresden.

Am 2. März 1837 hatte man dort entschieden, daß die Konzession an Horn zu erteilen sei, allerdings nur bei Übernahme des vom Justizamt veranschlagten jährlichen Kanons. Außerdem aber sei auch noch das Quatembergeld in Höhe von 1 Groschen, 6 Pfennigen an die Staatskasse abzuführen. Horn's Widerspruch ging also nach hinten los...

Er ließ aber nicht gleich locker, sondern widersprach am 14. April 1837 erneut und begründete seinen Widerspruch unter anderem mit den hohen Kosten, die er schon für den Erwerb des Gutes aufbringen mußte und nur durch eine Hypothek habe decken können. Auch sei sein geplanter Kalkofen doch von großem gemeinschaftlichen Bedürfnisse, lägen doch die fiskalischen Kalköfen zu weit entfernt, um die Bauern in Schwarzenberg, Lößnitz oder Stollberg mit Düngekalk versorgen zu können. Deshalb hätten auch die fiskalischen Werke keine Einbußen zu befürchten.

Und außerdem bezahle der sogenante „Tännicht- Kalkofen“ schließlich nur 1 Thaler jährlichen Kanons.

Im Mai 1837 lehnte das Finanzministerium jedoch erneut eine Herabsetzung der Jahresgebühr ab. Nachdem sich am 20. Juni 1837 Horn dann vor dem Justizamt Grünhain doch bereit erklärt hatte, die geforderten Abgaben zu übernehmen und auch der Amthauptmann zu Schwarzenberg im August des Jahres bestätigte, daß der von Horn „...beabsichtigten Erbauung eines Kalkofens ein Bedenken nicht begehrt,“ wurde ihm die Konzessionsurkunde ausgestellt. Leider endet damit der Akteninhalt, so daß wir nicht erfahren, ob K. F. Horn den Brennofen dann wirklich erbaut hat und welchen wirtschaftlichen Erfolg er damit hatte.

Wunder, Herbrig und Eulitz nennen in ihrer Auflistung der im Jahr 1864 bestehenden Kalkwerke dann einen Herrn Landgraf als Besitzer des Kalkbruches am Tännicht.

 

1806 nahm Karl Gottlieb Meyer im Tännicht unter dem Namen „Meyers Hoffnung gevierte Fundgrube“ auch den Eisenerzbergbau wieder auf (40169, Nr. 244). Das Hammergut Tännicht gehörte 1835 Erdmann Friedrich Meyer (40014, Nr. 292). 1877 erwarb Oskar Meyer auch das Förstelgut.

1807 folgte die Wiederaufnahme der „Gnade Gottes Fundgrube am Mönchsteig bei Langenberg“ durch den Hammerwerksbesitzer Carl Heinrich Nitzsche aus Erla, möglicherweise ein Nachfahre jenes Andreas Nietzsche, der uns bereits ab 1731 als Hammerwerksbesitzer in Obermittweida bekannt geworden ist.

Ab 1874 war diese Grube unter dem Namen „Gnade Gottes vereinigt Feld am Rittergut Förstel“ an Gustav Zschierlich verliehen. Sie konsolidierte schließlich mit der Gewerkschaft Wilkauer Vereinigt Feld, im Besitz der Königin Marien- Hütte zu Cainsdorf, welche schon westlich am Emmler den Eisensteinbergbau an sich gebracht hatte (40169, Nr. 143).

Wie etwas später auch am Fürstenberg folgte eine „Gründerzeit“ mit einer Reihe von Neugründungen, die aber sämtlich keinen längeren Bestand hatten:

  • 1807 Kraus gevierte Fundgrube am Hasengut (zwischen Schwarzbach und Langenberg gelegen),

  • 1807 – 1840 Kästners Neue Hoffnung gevierte Fundgrube im Tännichtwald, ab 1835 mit einer oberen, ersten südlichen gevierten Maß,

  • 1807 – 1859 Friedlicher Vertrag gevierte Fundgrube (ab 1841 konsolidiert mit Kästners Neue Hoffnung gev. Fdgr.)

  • 1817 Trommlers gevierte Fundgrube im Tännichtwald,

  • 1824 – 1852 Gabe Gottes gevierte Fundgrube im Tännicht,

  • 1832 – 1846 Distlers gevierte Fundgrube am Hammergut Tännicht,

  • 1835 – 1839 Großzeche gevierte Fundgrube im Tännicht, mit den unteren 1. und 2. gevierten Maßen,

  • 1835 – 1843 Beschert Glück gevierte Fundgrube im Tännicht,

  • 1839 – 1855 Roter Stolln bei Schwarzbach.

Unter dem Namen „Rote Fundgrube bei Schwarzbach“ wird letztgenannte Grube durch den Hammerwerksbesitzer Eduard Wilhelm Breitfeld aus Erla 1856 übernommen und noch bis 1864 fortgeführt.  

Die Lage der auf demselben Lager bauenden Gruben dicht beieinander führte schon immer fast unweigerlich zu Streitigkeiten, sowohl untereinander wegen „Raubbaus“ im jeweils angrenzenden Grubenfeld, als auch mit den Mühlen- und Hammerwerksbesitzern um die Nutzung des Schwarzbachwassers (vgl. z. B. 10036, Loc. 36070).

Auch wegen der bergrechtlichen Vorrangstellung der Flächennutzung und einer Enteignung von Flächen des Gutes kam es zu Streitigkeiten zwischen der Königin Marien- Hütte als Bergwerkseigentümer und dem jetzigen Grundeigentümer des Tännichtgutes, Carl Louis Stengel (40169, Nr. 143).

  


Ausschnitt aus der Äquidistantenkarte, Blatt 138, Section Elterlein, Datierung: 1875. Die Kalkbrüche am Tännigt sind gut zu erkennen, südwestlich des Förstelguts ist die Grube Gnade Gottes eingetragen
, die Eisensteinzechen sind offenbar schon wieder erloschen.

  

Das Förstelgut erwarb schließlich der Leipziger Pharmazeut, Stadtrat und Vorsitzender der Krankenkasse Dr. Willmar Schwabe und ließ es als „Heimstätte für Genesende“ ausbauen, welche 1889 eröffnet wurde. In nationalsozialistischer Zeit wurde Förstel zum Müttererholungsheim umprofiliert. Zu einer Zufluchtsstätte für Frauen und Kinder wurde das Heim ab 1943, als infolge anglo-amerikanischer Bombenangriffe viele Menschen aus den westlichen Landesteilen nach dem Osten evakuiert wurden. Im Sommer 1945 war Förstel überfüllt mit Flüchtlingen aus den Ostgebieten. Im Besitz der Schwabe’schen Heimstättenstiftung blieb das Heim bis 1959. Am 01.09.1992 konnte die Dr. Willmar Schwabe‘sche Heimstättenstiftung ihre Rechte wiedererlangen und das Förstelgut als Alterswohnsitz ab 1998 noch weiter ausbauen.

Das Hammerwerk Tännigt samt Meyers Hoffnung Fdgr. gelangte dann 1901 durch Erbfall an die Frau des Zittauer Oberbürgermeisters Herrmann Johannes Oertel, Emilie Thekla Oertel, geb. Stengel. Letztere war offenbar eine Tochter des vorherigen Besitzers des Tännichtgutes, Carl Louis Stengel (40169, Nr. 143).

Schon 1901 hatte jener H. J. Oertel ein Gesuch an das Bergamt Schwarzenberg gerichtet, eine Halde einebnen zu dürfen, um mit dem Material „einen alten Stollen“ am Hammergut Tännigt zu verfüllen, der vermutlich zum südlich an das Tännichtgut angrenzenden Abbaufeld von Meyer´s Hoffnung Fundgrube gehört hat (40169, Nr. 143).

Im Jahre 1906 hatte sich dann Ernst Oswald Dietrich, Fabrikant aus Obermittweida, entschlossen, den „Marmorbruch im Tännichtwald“ aufzugewältigen (40024-12, Nr. 296). Dietrich besaß (Angabe im Jahr 1915) eine Holzschleiferei in Wiesa bei Annaberg. Der Pachtvertrag mit Herrn Oertel über das Abbaufeld war ausschließlich auf den Kalksteinabbau geschlossen und bei einem Grundzins von 5,- Mark täglich auf zehn Jahre befristet; das Abbaurecht kostete also über die Laufzeit rund 18.000,- Mark. Das Abbaufeld lag unmittelbar an der östlichen Feldesgrenze von Wilkauer Vereinigt Feld.

Den Betrieb leitete zuerst ein Herr Rett, später die Herren Ralf Haider und Max Wilhelm Siefert aus Grünhain. Der neue Besitzer stürzte sich auch mit großem Eifer in sein Ansinnen und kaufte Maschinen für eine „Marmor-Zerkleinerungsanlage“ (30049, Nr. 3002) vom Gruson Werk der Friedrich Krupp AG in Magdeburg. Der Walzenbrecher mit Elevator und Siebanlage wurde in einem zuvor als Mahlmühle genutzten, füheren Stallgebäude des Tännichtgutes aufgestellt und zunächst mittels Wasserrad über Transmissionsriemen angetrieben, erst 1912 erhielt die Anlage einen elektrischen Antrieb.

  


Da wir die Bauzeichnungen in den Akten gefunden haben, können wir diese Anlage hier vorstellen: Grundriß der Marmorzerkleinerungsanlage. Bildquelle: Sächsisches Staatsarchiv, Bergarchiv Freiberg, Bestand 40024 (Landesbergamt, gewerbliche Gruben), Nr. 12-296: Dietrich´s Marmorbruch im Tännicht, Seite 25. Links neben dem Gebäude ist das oberschlächtige Wasserrad dargestellt, im Inneren des Gebäudegrundrisses das Vorgelege und die Antriebsscheide der Transmission. Im Erdgeschoß des Gebäudes der Walzenbrecher und der Elevator.

  


Längsschnitt der Brech- und Siebanlage, Bildquelle wie oben, S. 20 der Akte. Am unteren Bildrand ist das sehr tief liegende, oberschlächtige Wasserrad dargestellt. Von links wurde der Rohstein im Erdgeschoß auf den unter dem Fußbodenniveau des Erdgeschosses aufgestellten Brecher aufgegeben, danach mit dem Elevator nach oben befördert und dort der Siebanlage zugeführt.

  


Noch ein Schnitt quer zum Gebäude, Bildquelle wie oben, S. 21 der Akte. Links ist wieder die obere Hälfte des Wasserrades zu erkennen, daneben die Antriebsscheibe der Transmission. Mittig im Gebäude ist die zweistufige Siebanlage mit zwei schrägliegenden, rotierenden Siebtrommeln und den Silos für die einzelnen Körnungen zu sehen.

   

Zugleich setzte man westlich des Tännichtgutes einen Stollen an, um dem Steinbruch Wasserlösung und für die Kalkmühle einen bequemen Förderweg unter der Straße hindurch zu schaffen. Stollen und Grube waren mit insgesamt 4 Mann belegt und bis 1907 hatte man den Stollen schon 102 m weit vorgetrieben; 1908 hatte er bereits 185 m Länge erreicht und das Kalklager angefahren. Allerdings sei der im Liegenden des Lagers angefahrene Kalkstein von grauer Farbe – enthalte also mehr Beimengungen – während der im Steinbruch anstehende Kalk „von ziemlich weißer Farbe“ sei (40169, Nr. 245 und 40024-12, Nr. 296). Fast von Anfang an klagte der Betriebsleiter Rett gegenüber dem Landesbergamt über Arbeitskräftemangel, obwohl der von ihm genannte Verdienst von 4,- Mark pro Schicht tatsächlich vergleichsweise hoch war.

Allerdings kam es schon 1907 infolge von Starkniederschlägen auch zu einem ersten großen Tagesbruch mit rund 7 m Durchmesser und 4 m Tiefe im Bereich der Unterfahrung des Schwarzbaches auf dem Stolln. Der wurde bis Dezember 1907 wieder verfüllt und im Stollen mittels Getriebezimmerung unterfahren. Trotzdem scheint sich die anfängliche Euphorie des neuen Betreibers schnell wieder gelegt zu haben, denn schon 1909 notierte die Berginspektion, daß sich der Besitzer mit Verkaufsabsichten trage und daher auch um Aufschub hinsichtlich der Erstellung eines Grubenrisses bitte, vielmehr die Grube in ihrem jetzigen Zustand belassen wolle.

1914 notierte die Bergbehörde, daß „der Verkauf noch nicht gelungen“ und „wegen der ungünstigen Lage des Werkes zur Eisenbahn“ auch unwahrscheinlich sei. Der Betrieb ruhe „nun schon seit einigen Jahren“. Stattdessen wurde 1915 ein neuer Tagesbruch an das Bergamt gemeldet.

Damit begann auch ein Streit um die Sanierungskosten, der letztlich bis in die 1920er Jahre andauerte; denn E. O. Dietrich erklärte, daß er „in Geldschwierigkeiten“ sei und deshalb die Sanierung des Bergschadens nicht gleich und nicht im vollen Umfang übernehmen könne. Herr Oertel dagegen war der Meinung, daß „Dietrich ein fauler Zahler sei und ohne behördlichen Zwang nichts unternehmen werde…“ und daß er „seine pekuniären Verhältnisse schwärzer darstelle, als sie seien…“; woraufhin wiederum aber die Behörde Herrn Oertel erklärte, daß sie sich in den privatrechtlichen Pachtvertrag und die daraus resultierenden Verbindlichkeiten nicht einmischen werde. Jedenfalls wurde der Stollenausbau im verbrochenen Abschnitt und unter der Straße noch einmal erneuert, jedoch nur mit Holztürstöcken.

Die hatten natürlich keine lange Lebensdauer und so trat 1917 der nächste Verbruch des Stollens – diesmal nur 4 m bis 5 m hinter dem Mundloch – ein. Jetzt berief sich Dietrich aber auf den abgelaufenen Pachtvertag. Da auch H. J. Oertel inzwischen verstorben war, kaufte schließlich dessen Witwe per 4. Dezember 1917 „die gesamte Anlage, wie es steht und liegt“.

  

Von 1918 bis 1932 liegen dann im Bestand gewerbliche Gruben des Landesbergamtes weitere Akten vor (40024-12, Nr. 374 und 375), aus denen hervorgeht, daß die Kalksteingrube 1918 an die uns vom Marmorwerk Fürstenberg schon bekannte Firma Schulz & Sackur Eisenerz AG, Berlin, übergegangen ist, welche das Abbaurecht, einschließlich des Wasserlösestollens und der 1906 errichteten Mahlanlage, befristet bis 1925 vom Grundeigentümer, jetzt also von Frau Oertel gepachtet hatte.

Zumindest im Jahr 1922 fand aber „nur im Saison- und Gelegenheitsbetrieb“ und nur in Abhängigkeit von eingehenden Bestellungen ein schwacher Abbau statt. Die Eisenerz AG Schwarzenberg, vertreten durch Direktor Keiner, fragte in diesem Jahr bezüglich einer eventuellen Übernahme an, wirklich dazu gekommen ist es jedoch offenbar nicht.

Stattdessen entbrannte in den folgenden Jahren ein erneuter Streit zwischen dem Pächter des Abbaus und dem Gutsinspektor Böhme vom Hammergut um den Unterhalt des Wasserlösestollens, insbesondere dort, wo er die Schwarzenberg- Elterleiner Straße unterquerte. Allein der Schriftverkehr dazu füllt in der Akte 40024-12, Nr. 374 mehr als hundert Seiten…

Im Ergebnis einer bergbehördlichen Befahrung am 4. Juli 1923 wurde jedenfalls entschieden, daß dieser Stollenabschnitt dauerhaft standsicher auszubauen sei, „damit nicht derselbe Zustand eintritt, wie nach der Einstellung des Abbaus durch den Vorbesitzer Dietrich im Jahre 1909 und ständig …Einbruchgefahr besteht.“ Aus dem Protokoll einer weiteren amtlichen Befahrung am 6. November 1924 erfährt man noch, daß ein Stollnschacht von 6,20 m Tiefe sowie der Stolln selbst zu diesem Zeitpunkt fahrbar gewesen sind, der Türstockausbau im Stolln noch gut, nur der Verzug faulig sei. Das Gebirge hinter dem Verzug sei aber gebräch und rollig.

Die Sicherung erfolgte dann gemäß der Empfehlung des Berginspektors Sarfert durch Ausschalung mit Stampfbeton und Verlegung von Rohren in der Rösche Ende des Jahres 1924. Die Arbeiten wurden unter Leitung von M. Hellig durch vier Bergleute der Grube Stamm Asser ausgeführt, welche aufgrund der Stillegung dieser Grube ohnehin freigestellt waren. Das Baumaterial lieferte Baumeister W. Ring aus Schwarzenberg. Da das Bergamt jedoch den Grundbesitzer in der Sicherungspflicht sah und jegliche Kostenübernahme für die Stollnsicherung grundsätzlich ablehnte, zog sich der Rechtsstreit um die Finanzierung der Sicherungsmaßnahmen hin.

Nachdem infolge eines Wolkenbruchs im Juli 1927 erneut Senkungen im Stollnverlauf eintraten, empfahl schließlich selbst das Bergamt, von weiteren Verwahrungsmaßnahmen abzusehen, da durch die Einsenkungen ein Verschluß eingetreten, der Stolln nicht mehr fahrbar und weitere Senkungen nun nicht mehr zu befürchten seien.

Schon der 1. Weltkrieg und schließlich die Wirtschaftskrise 1929 hatten den Abbau vollständig zum Erliegen gebracht. In dieser wirren Zeit hatte auch die Grundbesitzerin Witwe Oertel übersehen, um eine neue Fristhaltung der Erzgrube Meyer’s Hoffnung Fdgr. beim Bergamt nachzusuchen und hatte auch der Aufforderung, den Betrieb wieder aufzunehmen, nicht Folge geleistet. Die Bergbehörde drohte daher den Entzug des Bergbaurechts an. Da auch auf diese Androhung hin seitens Oertel nichts geschah, wurde am 24. Januar 1930 die Entziehung des Bergbaurechts rechtskräftig.

  


Das Schwarzbachtal unterhalb Schwarzbach, Wilkauer Vereingt Feld, Blick über das Tal nach Norden, rechts im Hintergrund Elterlein. Foto: Paul Schulz, 1927.

http://www.deutschefotothek.de/documents/obj/70002052

 


Schwarzbach, Grube Wilkauer Vereinigt Feld, Huthaus an der Straße nach Schwarzenberg, Foto: Paul Schulz, 1927. Ein Abzug befindet sich auch im Bestand 40167 (Fotos bergmännischer Tagegebäude) des Bergarchivs, unter der Nr. 657.

 http://www.deutschefotothek.de/documents/obj/70002508

  

Frau Oertel ist am 12. 2. 1932 verstorben (400024-12, Nr.375). Der nächste Besitzer des Hammerguts Tännigt, Richard Conrad Böhme, legte zwischen 1928 und 1930 noch einmal eine neue Mutung auf Meyers Hoffnung Fdgr. ein, die jedoch abgewiesen wurde (40027, Nr. 0715).

Die staatliche Lagerstättenforschungsstelle hat in den 1930er Jahren alle Vorkommen nutzbarer Erze und Minerale begutachtet (40030-1, Nr. 0726), interessierte sich hier aber nur für die Eisen- und Manganerze. 1937 wurden die Abbaurechte auf das Land Sachsen übertragen; zu einer Wiederaufnahme des Erzabbaus kam es jedoch auch jetzt nicht (40028-1, Nr. 0762).

 


Ausschnitt aus der Topographischen Karte, Blatt 138, Section Elterlein, Ausgabe 1911. Das Förstelgut ist bereits „Genesungsheim“ geworden und die Bahnlinie von Schwarzenberg nach Annaberg umrundet jetzt den Krähenhübel oberhalb des Tännigtwaldes.

  


Etwa gleicher Ausschnitt aus der Topographischen Karte, Ausgabe 1924. Die Tagebaue sind noch eingezeichnet. Auch der oben mehrfach erwähnte Rote Bach ist hierin bezeichnet.

  

 

 

Fester Schlägel Fundgrube am Pökelwald bei Markersbach

  

Die Geognostische Charte des Königreichs Sachsen, Blatt XV, Ausgabe 1836, weist noch ein weiteres Vorkommen von metamorphem Kalkstein, südlich des Mittweidatales  am Pökelwald aus; die geologische Karte No. 138, Section Elterlein- Buchholz, Ausgabe 1900 jedoch nicht mehr.

In der Bergbaumonographie Marmor im Erzgebirge wird es als „Vorkommen Goldener Regenbogen am Pökelgut“ bezeichnet (Nr. D 44/45). Das Gestein wird als Kalzitmarmor, „Kalkgneis“ oder „Kalkglimmerschiefer“ angesprochen, der Marmor sei meist weiß bis grau, körnig bis dicht, frei von akzessorischen Mineralen, aber Haldenfundstücke stets mit Nebengestein verknüpft gewesen. Chemische Analysen sind nicht bekannt.

Im westlichen Teil dieses Lagers gehen die Kalkskarne in grobblättrigen bis feinfaserigen Strahlstein über, welcher Magnetit, akzessorisch Galenit, Pyrit, Arsenopyrit und Sphalerit führte. Die Lager waren konkordant in körnige bis flaserige, granatführende Gneise und Glimmerschiefer eingebettet.

Die Kartierer der geognostischen Landesuntersuchung und späterer Zeiten haben mehrere schmale und maximal 150 m lange „Marmor-Linsen“ ausgehalten, die zu einem oder bis zu drei verschiedenen Lagerzügen zusammengefaßt wurden. Die Kalkskarne werden stratigraphisch dem Grenzbereich zwischen Obermittweida- und Raschau- Formation zugeordnet.

 

Allerdings hatte auch diese Grube schon Vorläufer und es hat fließende Übergänge gegeben; auch gab es zeitweise parallelen Betrieb mehrerer Gruben im Pökelwald.

So baute am Pökelwald bereits zwischen 1776 und 1794 die „Getreue Brüder Fundgrube“ auf Eisensteinflöße (Grimm, 2015).

Als „Flöße“ wurden dazumal Flußmittel und Schlackebildner, wie auch der Kalkstein, bezeichnet, es handelte sich also nicht ‒ wie manchmal in der Literatur ungenau beschrieben wird ‒ um Eisensteinzechen. Eisen- und Manganerze wurden dagegen vorwiegend nördlich von Markersbach und Raschau am Emmler und am Tännicht in den Quarzbrockenfelsen sowie in den Roteisenstein-Gängen am Graul oder bei Erla und Crandorf abgebaut.

Um den Begriff der Flöße“ oder auch Flüsse“ zu erläutern, zitieren wir an dieser Stelle einige zeitgenössische Quellen. Das Rinmann'sche Allgemeine Bergwerkslexikon z. B. erläutert den Begriff 1808 so: Fluß oder Flüsse werden diejenigen Substanzen genannt, welche beym Schmelzen strengflüssiger Erze zugesetzt werden, um dadurch das Schmelzen derselben zu befördern. Diese Flüsse sind entweder rohe Fossilien, z. B. Flußspath, Kalk, Thon etc. oder vom vorhergehenden Schmelzen gefallne Produkte, z. B. Schlacken. Durch die gehörige Anwendung von Flüssen beym Schmelzen strengflüssiger Erze wird die Arbeit außerordentlich erleichtert, und dadurch vorzüglich an Zeit und Brennmaterial erspart, und ein gutes Metallausbringen bewirkt. … Unter den Flußmitteln ist der Flußspath das beste Flußmittel und schon seit langer Zeit dafür bekannt… Der Kalk ist auch ein sehr gutes Flußmittel, und vorzüglich bey Verschmelzung thoniger und kieseliger Erze anzuwenden, theils wegen seiner auflösenden Kaft, theils weil er mehrere Säuren absorbirt. Auf allen Eisenwerken, wo thon- und kieselhaltiger Eisenstein verschmelzt wird, wird der Kalkstein mit großem Nutzen angewendet…  

Auch die Koryphäe der Hüttentechnik ihrer Zeit, Professor Wilhelm August Lampadius aus Freiberg, widmet sich in seinen Lehrbüchern der Hüttenkunde 1801 und 1827 ausführlich den Zuschlägen beim Schmelzprozeß: „Ich komme nun zu der nähern Bestimmung der Eigenschaften und des Verhaltens der Zuschläge... Zuschläge überhaupt nennt der Hüttenmann diejenigen Substanzen, welche in der Regel nicht mit den Erzen brechen (Es gibt allerdings einige vortheilhafte Ausnahmen dieser Art, wie z. B. das Brechen der Silbererze mit Flußspath oder der thonigen Eisensteine mit Kalk, die jedoch im Ganzen genommen selten sind.), sondern die während der Bearbeitung der letzten erst hinzugesetzt werden müssen… Die Absicht, warum man sich dieser Zuschläge bedient, ist mehrfach. Mit einigen wenigen Ausnahmen können wir sie auf folgende viere zurückführen:

1.) Um das Schmelzen strenger Erze zu befördern. In diesem Falle nennt man die Zuschläge auch Flußmittel. Hierher gehört der Kalk, der Flußspath und andere…

2.) um das Ausbringen der Hüttenware durch Auflösung oder Absonderung zu befördern. Hierher gehört das Kochsalz bey dem Rösten der Amalgamirerze, das metallische Eisen beym Verschmelzen roher Bleyerze…

3.) um die auszubringende Substanz reiner darzustellen. So absorbirt der Kalk bey dem Schmelzen der Erzes manche Säuren, und geht mit ihnen in die Schlacke über. Endlich

4.) wird ein großer Theil der Zuschlage, welcher in Hüttenabfallen besteht, nur um des darin vorhandenen Gehaltes willen wieder mit zugesetzt…

Die kalkigen Zuschläge sind sehr beliebt, und ihr Gebrauch in neueren Zeiten immer mehr ausgebreitet worden, theils weil sie das Schmelzen thoniger und kieseliger Erze sehr befördern, theils weil sie auch zur Absorbirung vieler Sauren auf dem trocknen und nassen Wege vorzüglich geschickt sind. Jedoch gilt das Letztere nur von den kohlensauren Kalkgattungen… Unter den kohlensauren Kalkgattungen kann man die verschiedenen Arten des dichten und körnigen Kalksteins, sowie die Kreide da anwenden, wo es auf einen ziemlich reinen Kalkgehalt ankommt… (Lampadius, 1801). 

Und: „Die am häufigsten theils als Mischungstheile, theils als Gemenge in den zu verschmelzenden Eisenerzen vorkommenden Erden sind: Kiesel, Thon, Kalk und Talk und verschiedene Gemische derselben. Hier muß berücksichtigt werden, daß, wo eine dieser Erden vorwaltend sich einfindet, der Schmelzgang strenge wird, … Es müssen daher bei dem Eisenschmelzproceß alle die schon mehrmals aufgestellten Regeln… in Ausübung gebracht werden, um eine gut geflossene Schlacke… zu erhalten; Kalkspath, Kalkstein, Mergel, Erlan, Thon, Thonschiefer, Schieferthon, Wacke und andere thonige Fossilien, seltener die kieselreichen, sind die gebräuchlichen Zuschläge. Sind sie wie Basalt, Granat, Ferrocalcit selbst eisenhaltig, umso besser. (Lampadius, 1827).

  

Aktenkundig ist am Pökelwald der „Goldener Regenbogen Stolln“ am „Münzerberg im Pöckelwald bei Mittweida“ von 1791 bis 1807. Zu dieser Zeit baute er auf Skarnerze (mit Bleiglanz, Schwefelkies, Arsenkies) sowie auf Kalkstein (Grimm, 2015 sowie 40169, Nr. 121 und 40040, Nr. I07244). Bis etwa 1811 war die Grube zusammen mit Junger Himmelsfürst im Besitz des Kommerzienrates Pflugbeil aus Chemnitz.

Der Goldener Regenbogen Stolln setzte nach dem Riß des Markscheiders Johann Gottfried Schnick von 1806 (40040, Nr. I07244) ziemlich weit unten im Mittweidatal an und wurde bis zur letzten Nachbringung 1812 wenigstens 167 m weit in den Berg vorgetrieben, wobei drei erzführende Trümer und bei 146 m Stollnlänge zwei Lager im Abstand von 0,7 m angetroffen wurden. Etwa bei 80 m Länge war der Stolln auf einen Tageschacht durchschlägig, von dort aus dann noch weiter ins Feld getrieben. Neben dem Tageschacht ist auch schon eine „alte Pinge“ eingezeichnet.

Die beiden, hier angefahrenen Skarnlager waren zirka 30 cm und zirka 12 cm mächtig und führten neben Letten und Quarz etwas Braunspat, Schwerspat, Bleiglanz und Kiese. Der beibrechende Kalkstein wurde als Zuschlagstoff an die umliegenden Hammerwerke verkauft. Die Belegschaft ist von 12 Mann im Jahr 1791 auf nur noch 3 im Jahr 1803 zurückgegangen, da die angefahrenen Gänge und Lager nicht den erhofften Erfolg brachten.

 


Ausschnitt aus dem Blatt 249: Schwarzenberg, Pöhla, Raschau, Langenberg, Bermsgrün, Erla, des Berliner Exemplars der Meilenblätter von Sachsen, datiert 1790. Rechts unten im Bildausschnitt ist die Grube Goldener Regenbogen eingetragen.

 


Ausschnitt aus dem Blatt 243: Schwarzenberg/Erzgebirge, des Freiberger Exemplars der Meilenblätter von Sachsen, datiert 1790, noch etwas vergrößert gegenüber dem vorigen Ausschnitt. Südwestlich des hier als Päcke Guth bezeichneten Hofes ist der Grubenname Goldener Regenbogen am Nordwestabhang des Pökelwalds gut lesbar eingezeichnet.

  

Der „Junger Himmelsfürst Stolln“ setzte nach dem auch vom Markscheider Schnick 1806 gezeichneten Riß (40040, Nr. I07759) ebenfalls tief unten im MIttweidatal an, jedenfalls noch unterhalb der Straße von Mittweida nach Raschau, und zielte südwärts auf zwei Schürfe am Hang des Pökelwaldes, oberhalb „des Fußsteigs von Mittweida nach Großpöhla.“  Die letzte Nachbringung dieses Risses erfolgte 1814; bis dahin hatte der Stolln etwa 55 Lachter Länge erreicht, ohne jedoch die Schürfe zu unterfahren.

Ebenfalls am Pökelwald und ganz im Süden des Ausbisses des Kalklagers hat der „Grüne Wiese Stolln“ angesetzt (Grimm, 2015 und 40040, Nr. K06951). Dieser Stolln stand von 1830 bis 1834 belegbar in Betrieb. Man beabsichtigte die Erschließung eines „Bleiwackenlagers“ – wohl desselben, das schon der Goldener Regenbogen Stolln angefahren hatte – und verfolgte einen Gang mit Spuren von gediegen Silber. In der Jahrbuchausgabe von 1836 ist dieser Stolln als einzige Grube dieser Region und nur einmalig, nämlich mit 100 Thaler Zuschuß erwähnt.

 

Unter der Bezeichnung „Fester Schlägel gevierte Fundgrube im Pöckelwald bei Raschau“ (Mittweida und Markersbach sind längst mit Raschau zu einem Ort verwachsen) ist diese Grube dann seit 1838 aktenkundig. Der Name geht auf das besonders harte Gestein zurück (vgl. Hahn, 2014). Die Grube lag am östlichen Ende des nördlichen Ausstrichs des Kalklagers am Pökelwald (und 40040, Nr. I06952).

In diesem Jahr teilte der Obersteiger Schubert dem Bergamt Scheibenberg mit, daß „der Berghäuer David Heinrich Schenk (Familienname aber unleserlich) in Raschau schon länger als drei Jahre in Fester Schlägel geviertem Felde am nördlichen Abhange des Gebirges Eisenflöße abgebaut und an die Hammerwerke Obermittweida, Pöhla und Rittersgrün abgeliefert hat.“ Der Besitzer des Pökelgutes habe jedoch weiteren Abbau untersagt und verlange für einen Weiterbetrieb 6 Groschen Grundzins. Bis dahin seien für 18 Groschen je Fuder jährlich 5 bis 6 Fuder Flöße verkauft worden (40169, Nr. 87).

Daraufhin erfolgte am 25. April 1840 eine bergamtliche Befahrung durch Bergschreiber Friedrich Wilhelm Lange, über die wir nachlesen können, daß der „Hauptgang“ 4 Zoll (etwa 10 cm) mächtig sei und aus schwarzen Letten bestehe, er streiche hora 12 und fällt mit 45° in Morgen, im Hangenden stehe Glimmerschiefer an. Der Eigenlöhner wolle das Ort aber nicht verfolgen, sondern einen „alten Stollen“ (von denen es – nach dem Riß zu urteilen – hier schon einige gab) aufgewältigen, wo noch bedeutende Flöße anstehen.

Eine weitere Befahrung erfolgte am 30. Januar 1845. Jetzt sei „das Fester Schlägel Eisensteinflößlager mit dem Grüne Wiese Stolln in 15,7 Lachter mittagsmorgendlicher Entfernung vom Mundloche überfahren worden.“ Offenbar hatte der Eigenlehner tatsächlich an ganz anderer Stelle weiter gemacht. „Das wenig mächtige Lager ist vor dem Orte 3 Ellen mächtig, besteht aus grauem Quarz, gelben Letten und 6 Zoll bis 1 Elle (zirka 0,6 m) mächtigen Kalksteinen, das Streichen ist hora 1, das Fallen 25° in Morgen.“

Im Juni 1845 kam es zu einem Schießunfall, infolgedessen der Bergarbeiter Carl Heinrich Krauß erblindete. Den folgenden Rechtsstreit um die Bezahlung der Arztrechnungen hat J. Hahn (Bergmännischer Pitaval, 2014) literarisch aufgearbeitet.

Tatsächlich war die Rechtslage in diesem Fall nicht so ganz eindeutig, denn erst am 23. Juli 1845 war die bergamtliche Bestätigung der Verleihung dieser Grube an Carl Ludwig von Elterlein auf Pfeilhammer erfolgt. Der Hammerherr baute natürlich nicht selber ab, sondern hatte den Abbau offenbar schon vorher, nämlich im Juni 1845 an den Eigenlehner C. H. Krauß für 25 Tlr. verkauft oder verpachtet und der Unfall „habe sich bei dessen eigener Arbeit ereignet“, wie Herr von Elterlein argumentierte.

Eine weitere bergamtliche Befahrung erfolgte am 9. November 1846. Danach sei „das obere Stollnort (das von Fester Schlägel?) zur Anfahrung des dasigen Eisensteinflößlagers“ mit 2 Mann belegt, 18 Lachter vom Mundloch getrieben und brachte 4 Lachter Teufe ein. „Das Liegende des Lagers wurde bei 14 Lachter vom Mundloche in der Firste des Ortes erreicht und zieht sich jetzt bis auf 0,3 Lachter über Stollnsohle herein, wobei es durchbrochen wurde, weil es ja nur 3 Ellen mächtig ist. Es besteht aus weißem und blauem Kalkstein mit inliegendem Gneis.“

Zwischen 1841 und 1843 versuchte es außerdem eine Gewerkschaft mit einer weiteren Grube unter dem Namen „Neuer Fester Schlägel“. In diesem Zeitraum habe man allein auf dieser Grube 143 Fuder Eisensteinflöße abgebaut (Grimm, 2015).

Nach Aktenlage (40169, Nr. 87) hatte das Bergamt Annaberg allerdings erst am 4. November 1846 die Mutung des Hammerwerksbesitzers Porst auf Pfeilhammer auf die Neuer Fester Schlägel gevierte Fundgrube bestätigt. Das Grubenfeld umfaßte das 3., 4. und 5. obere Maß sowie zwei nächstuntere Maße zu je 28 Lachter im Quadrat auf dem schon bekannten Eisensteinflößlager.

Porst sagte am 7. Februar 1852 diese Grube aber wieder los und reichte stattdessen einen neuen Betriebsplan für die Grube Fester Schlägel, jetzt zusammen mit Grüne Wiese Stolln, beim Bergamt ein. Dieses Grubenfeld besaß nunmehr 6 Maßeinheiten (zirka 6.400 Quadrat-Lachter). Mit 3 Mann Belegung baute man auf einem „5 Fuß (zirka 1,5 m) mächtigen und mit Glimmerschiefer durchsetztem Kalksteinlager, hora 3 bis 4 streichend und 5° bis 10° nach Südost fallend.“ Der Stolln habe inzwischen eine Länge von 29 Lachter (58 m) erreicht. Auch der Grüne Wiese Stolln war jetzt 27 Lachter ins Feld getrieben, aber nicht belegt. Allein in diesem Jahr hatte man eine Zubuße von insgesamt 315 Thaler verbaut.

Eine amtliche Befahrung vom 30. April 1857 sagt uns, daß das Flößlager inzwischen „6,5 Lachter lang, 4,5 Lachter breit und 1,5 Lachter hoch abgebaut und mit Bergen versetzt“ worden sei. Mit 4 Mann Belegung habe man 181 Fuder gewonnen und ans Hammerwerk Pfeilhammer verkauft. Trotzdem wurde im Juli 1857 um Friststellung nachgesucht, da „wegen der mehrfachen Unglücksfälle keine Arbeiter zu bekommen sind.“ (Im Jahr 1858 verunglückte auf dieser Grube nämlich auch noch Krauß’es Sohn Carl August Krauß.)

Obwohl dem so war, holte sich Porst im November desselben Jahres noch einmal 2.610 Quadratlachter Grubenfeld hinzu, so daß es jetzt 8.294 Quadratlachter (etwa 33.180 m²) umfaßte. Die zugehörige Croquis ist erhalten geblieben (40040, Nr. I06952).

 


Grundriß von Fester Schlägel Stolln, nachgebracht im August 1859 von H. M. Reichelt, Markscheider, Teilansicht. Bildquelle: Sächsisches Staatsarchiv, Bergarchiv Freiberg, Bestand 40040 (Fiskalische Risse zum Erzbergbau), Nr. K06951 Grundriß von Fester Schlägel Stolln, nachgebracht im August 1859 von H. M. Reichelt, Markscheider, Gesamtansicht. Bildquelle: Sächsisches Staatsarchiv, Bergarchiv Freiberg, Bestand 40040 (Fiskalische Risse zum Erzbergbau), Nr. K06951

  


Ausschnitt aus dem Grundriß von Fester Schlägel Stolln, nachgebracht im August 1859, Bildquelle wie oben. Die am Stollen angeschlagenen, unregelmäßig bauwürdigen Abschnitten des Lagers folgenden Weitungsbaue sind grau dargestellt. Nach Reichelt´s Vermessung lag das Mundloch 9,262 Lachter oberhalb von Grüne Wiese Stolln. Die Schachtpinge in der Haldenreihe, die wir im Gelände noch gefunden haben, lag demnach 12,509 Lachter höher. Das Fallen des Lagers ist mit 40° nach Südost angegeben, der Abbau erfolgte also nur oberhalb der Stollnsohle (im Nordwesten des Querschlages).

 


Ausschnitt aus dem Grundriß von Fester Schlägel Stolln, nachgebracht im August 1859, Bildquelle wie oben. Hier der Verlauf des Grüne Wiese Stollens – ein Hoffnungsbau ohne ersichtliche Abbauflächen im Lager… Sein Mundloch diente als Höhenbezug für die übrigen Angaben im Grundriß (hier mit „0.“ bezeichnet).

  

Schon im Jahr 1858 aber war die Grube nicht mehr belegt. Porst´s Sohn sagte dann am 1. Juni 1859 die Grube endgültig los und verlegte sich auf die Grube Neusilberhoffnung in Pöhla.

Über die vom Bergamt veranlaßte, letzte Befahrung bei Fester Schlägel berichtet Berggeschworener Theodor William Tröger am 22. September 1859: „Das Lager ist jetzt vom Hauptstolln nach Nordost bis 3 Lachter Höhe abgebaut, bis zu 1 Lachter (zirka 2 m) mächtig, besteht aus Gneis und ist nur von Kalkstein- Trümern durchzogen. Es besitzt große Festigkeit und ist daher kostspielig abzubauen.“ Der Steiger Hartmann wurde beauftragt, das Mundloch auf 2 Lachter Länge zuzusetzen. Die Grubenakten schließen endgültig 1863 (40169, Nr. 87).

  

Im Zeitraum von 1824 bis 1850 habe die Grube Fester Schlägel 1.142 Fuder Eisensteinflöße geliefert und sei damit wohl die bedeutsamste südlich des Mittweida-Tales gewesen (vgl. Grimm, 2015). Da alle diese Gewerkschaften aber eben keine Erze, sondern „Flöße“ förderten, sind sie in diesem gesamten Zeitraum nie in den Jahrbüchern für den Berg- und Hüttenmann erwähnt (mit der o. a. einmaligen Ausnahme).

  


Ausschnitt aus der Äquidistantenkarte, Blatt 138, Section Elterlein, Datierung: 1875. Das Pökelgut gibt es noch immer, Gruben am Pökelwald sind jedoch nicht mehr eingezeichnet.

  

 

 

Bergbauzeugnisse Übertage

  

Nachdem wir so viel gelesen haben, wollen wir auch mal schauen, was noch erhalten geblieben ist. Unsere Rundfahrt beginnen wir im Ortsteil Wildenau bei Schwarzenberg...

  


Die hochauflösenden Reliefkarten vom Geoportal Sachsen erlauben uns einen Blick auf die heutige topographische Situation. Das Restloch des zuletzt Hempel'schen Kalkbruchs ist noch gut zu erkennen. Von einem Zweigler’schen Kalkwerk an der Nordwestspitze des Knochens ist nichts zu sehen, vielleicht ein paar winzige Pingen auf der Höhe des Knochens im Streichen der Erzlager nach Südosten.

  


Am Schloßwald haben Bergbaufreunde einen Bergbaulehrpfad angelegt. Den nehmen wir auch…
  


Von hier oben hat man einen schönen Ausblick: Nach Westen auf Schwarzenberg…
 


… und nach Süden ins untere Schwarzbachtal.
 


Am Bergbaulehrpfad finden wir am oberen Ende des Klempnerwegs zuerst das Mundloch des Neujahr Stollns.
 


Der tagesnahe Stollnabschnitt ist aufgrund der geringen Bergefeste und Tagesbruchgefahr voll versetzt, das Mundloch aber denkmalgerecht saniert.
  


Einen alten Hohlweg hinauf erreicht man von hier aus das Restloch des Hempel’schen Dolomitbruchs.
  


Die Pingen des einstigen Kalkwerks sind stark verwachsen und heute eher ein Biotop.
 


Die ersten stehen auch schon – es ist eigentlich die falsche Jahreszeit für solche Wanderungen…
(Foto J. Weidner) 
 


Im Geröll findet man vereinzelt auch noch Stücke des dichten bis feinkörnigen, hellgrauen Dolomitmarmors.
  

Noch ein Blick vom Südostrand der Pinge, dann drehen wir um. Mehr gibt es nicht mehr zu sehen…
  

Wieder in Wildenau findet man in der Straße am Schloßwald noch das Fundament des einstigen Kalkofens, über das später das Obergeschoß dieser Villa „geschoben“ wurde (Privatgrundstück). Der frühere Betriebshof befand sich oberhalb der im Foto rechts zu sehenden Abfangmauer, dort wo heute das Gewächshaus herüberschaut.

Der Zustand um 1900.
  


Das im Vergleich zu anderen Öfen gleicher Bauart ziemlich mächtig erscheinende, sechseckige Fundament des Kalkofens bildet das Untergeschoß des um 1905 aufgesetzten Gebäudes. Die auskragenden Ecken der Obergeschosse ruhen auf Stahlträgern und Stützen. Der Brennofen war ursprünglich noch etwa ein Drittel höher und die Gichtebene lag etwa im Niveau der seitlichen Dachtraufen.
  

Weil die Welt doch ein Dorf ist, haben wir eines Tages im Staatsarchiv Chemnitz den heutigen Besitzer dieses auch als „Hempel- Villa“ bekannten Gebäudes kennengelernt und seine Einladung zu einem Besuch natürlich gern angenommen. Unsere Besichtigung des Inneren des Brennofens beginnen wir auf halber Höhe im Niveau des früheren Betriebshofes - dort, wo heute die oben halbrunden Fenster eingebaut sind. (Die folgenden Fotos entstanden im Juni 2018.)
 

Natürlich dient dieser Gebäudeteil inzwischen ganz anderen Zwecken... Aber der sechseckige Umgang ist in seiner Bauform noch heute gut zu erkennen. Der Fliesenboden stammt aus der Zeit des Umbaus um 1905.
 

Diese später zugemauerten Durchgänge an der Innenseite müssen die einstigen Feuerungen des Rumford'schen Brennofens markieren. Sie ähneln denen des Hoffmann'schen Schachtofens bei Raschau, sind jedoch deutlich größer, als bei jenem.
 

Im Gegensatz zur lotrecht aufgeführten Außenwand des Brennofenschachtes ist die Außenmauer des Ofenbauwerkes leicht nach außen geneigt, so daß die Gewölbedecke bei genauem Hinsehen eine asymmetrische Form bekommen hat.
 

Um genügend Frischluft für die Feuerungen zuführen zu können, waren die Fenster früher größer.
  

Einer der vermauerten Zugänge ist - zumindest heute wieder - offen und man kann in den einstigen Ofenschacht hineinschauen...
 

Obenauf liegen Betonplatten als Unterbau des Fußbodens des Obergeschosses des Wohnhauses. Auf den ersten Blick sieht die Schamotte- Auskleidung noch ganz gut aus...
 

Am Durchbruch durch die Außenmauer des Ofenschachtes sieht man aber genau, daß hinter der Schamotteauskleidung der Mörtel zu einer glasigen Masse geschmolzen ist.
 

Auch innen, etwas weiter oben, sieht man deutlich Hitzeschäden in der Auskleidung...
 

...und an einigen Stellen findet man sogar kleine Stalaktiten geschmolzener Silikate.
 

In den Brennschacht wurde irgendwann, als man ihn nicht mehr benutzte, diese Gewölbekuppel eingesetzt. Knapp darüber sieht man eines der Stoßlöcher.
 

Gegenüber befindet noch eines der kleinen Stoßlöcher.
 

Begeben wir uns zum Ofensockel. Vor uns liegt die einstige Außenmauer des Brennofens.
 

Die Zugänge wurden vom heutigen Besitzer vom Schutt beräumt und wieder instandgesetzt.
 

Der erste Blick in den unteren Umgang...
 

...und nach der anderen Seite. Am Gewölbe kann man noch rippenförmige Spuren der beim Brennen eingesetzten Trennmauern erkennen.
 

Wenn man etwas genauer hinschaut, dann findet man in der Gewölbedecke nach und nach immer mehr dieser Schüröffnungen. Auch sind glasige Silikatsinter gut zu sehen - dieser Raum ist also tatsächlich als ein Ringbrandofen betrieben worden.
 

Da ist noch eine...
 

...und hier sind gleich zwei dicht nebeneinander.
 

Ein Blick zurück durch den Ofenumgang. Wie schon im mittleren Niveau fällt auch hier die asymmetrische Gewölbeform auf, die durch die sich nach oben konisch verjüngenden Außenmauern bewirkt ist.
  

An allen Außenmauern haben sich früher Zugänge befunden, die heute bis auf den einen an der Frontseite alle zugemauert sind.
 

An der Rückseite liegt hinter dem Zugang das Füllmaterial unter dem ehemaligen Betriebshof.
 

Zur Mitte hin sieht man die zugemauerten Zugänge zu den Abzügen für den gar gebrannten Kalk. Nur schmale Rauchkanäle hat man offen gelassen. Bei einem von vornherein als solchem gebauten Ringbrandofen haben diese „Füchse“ gewöhnlich unmittelbar auf oder sogar unter der Sohle des Brennraumes gelegen.
 

Dieser hier ist noch besser erhalten. Alle Öffnungen zum Brennraum liegen bei diesem Ofen etwa einen halben Meter über der Ofensohle und sind zum Schornstein hin geneigt.
 

Der Blick hindurch zum Innenraum des früheren Schachtofens, der nun als Schornstein genutzt wurde.
 

Oberhalb entdeckt man jeweils einen weiteren, schmalen, gemauerten Schacht, dessen Zweck nicht auf den ersten Blick klar wird.
 

Die Konstruktion wiederholt sich an den Innenmauern des Ofens... An dieser Stelle sieht man im Mauersockel beiderseits des Fuchses gut die infolge der Hitzeeinwirkung ausgebrochenen Stellen.
 

Auch hier führt ein Schacht nach oben. Für eine Schüröffnung ist er aber zu groß...
 

Zwar verjüngt sich der Schacht nach oben. Nach ein wenig Kopfkratzen leuchtet es uns dann ein: Natürlich brauchten die Füchse Regelmechanismen, die man von der Schürebene aus bedienen konnte. Wahrscheinlich führten hier also Schieberstangen hindurch, mit denen man die Füchse öffnen oder schließen konnte, um den Ofenzug und damit den Brand zu steuern.
 

An der sechsten Innenseite gibt es einen Revisionszugang zum inneren Ofenschacht. Hier unten wurde früher der gar gebrannte Kalk aus dem Rumford'schen Schachtofen abgezogen. Im Vergleich mit ähnlichen Rumford'schen Öfen dürften ursprünglich wenigstens drei solche Zugänge vorhanden gewesen sein. Wie man rechts am Rand noch erahnen kann, wurden diese beim Umbau zum Ringbrandofen wahrscheinlich vermauert und dann nur gelegentlich aufgebrochen, um Ruß und Asche aus dem Schornsteinschacht zu entfernen.
 

Aber schauen wir hinein...
 

An der Innenseite sieht man noch die Gewölbe über den zugemauerten Abzugsöffnungen.
 

Diese ist besonders gut zu erkennen und ganz unten...
 

...sieht man die Einmündungen der Füchse in den Schornsteinschacht.
 

Hier die auf der anderen Seite. Manche Ziegel sind noch heute schwarz vom Ruß.
 

Nun sind wir herum und verlassen den Ofen unten wieder.
 

Hinter dem Gebäude findet sich noch diese schon mehrfach reparierte und schließlich durch eine neue vorgesetzte Abfangmauer gestützte Geländestufe am Hang. Dort oben dürfte einst eine Brücke hinüber zur Ofengicht auflegen haben, über die man die Hunte der Feldbahn zur Ofengicht schieben konnte.
 

Das Gebäude des Sägewerkes steht heute bereits im Nachbargrundstück (
Privatgrundstück). Auf der Postkarte aus dem Jahr 1900 war es schon zu sehen. 2016 haben wir einmal einen Blick hineinwerfen dürfen...
(Foto: J. Weidner)
 

Auch dieses alte Fabrikgebäude wäre es wert, als Technisches Denkmal erhalten zu bleiben
(Foto: J. Weidner).

  

Unmittelbar hinter dem Sägewerk setzte der Richard Hempel Stolln an. Dieser Stolln wurde während der Sanierung des Treue Freundschaft Stollns zwischen 2005 und 2009 als Zugang zum Oberen Treue Freundschaft oder Rautenstock Stolln genutzt und wurde dazu aufgewältigt und saniert.
   

Der bruchgefährdete, tagesnahe Abschnitt erhielt dabei eine Betonschale, um diesen Zugang auf das Grubengebäude dauerhaft zu sichern.
  

Das Mundloch des schon in den 1960er Jahren verbrochenen und daraufhin verwahrten Rautenstock oder auch Oberen Treue Freundschaft Stollns im gleichen Niveau ist entlang des Bergbaulehrpfades ebenfalls zu finden…
  

…steht aber nicht mehr am originalen Platz, sondern heute als Nachbildung hangaufwärts oberhalb des Wanderweges.
  

Wo wir schon einmal da sind, schauen wir natürlich auch am Mundloch des Tiefen oder Unteren Treue Freundschaft Stollns vorbei...
  

…wo heute neben dem Grubenwasser von Gottes Geschick in Langenberg auch das über den Neujahr Stolln eingeleitete Wasser aus dem Hempel’schen Kalkbruch geordnet in das Schwarzwasser abläuft.
  

Etwas bedauerlich erscheint aber der von uns im Mai 2016 beobachtete Zustand der Außenanlagen, welche nach der Stollnsanierung erst 2009 unter musealen Gesichtspunkten wieder hergerichtet wurden.
  

Das damals ebenfalls erneuerte Ocker-Schlämmbecken neben dem Mundloch ist völlig verwildert und sein hölzernes Geländer höchst wacklig geworden. Vermutlich ist längst auch die „Stollnwasserumleitung“ verschlammt, denn das Becken ist trockengefallen und deshalb natürlich auch nichts mehr vom Eisenocker zu sehen…
  

Zum Vergleich Impressionen des Zustands von 2009: Die Zuwegung war frisch geschottert...
  

Das Stollnmundloch war freigeschnitten...
  


...und in dem Schlämmbecken hatte sich knallgelber Eisen-Ocker abgesetzt.

  


Schwarzenberg, Absetzbecken für „Goldocker“ am Mundloch des Treue Freundschaft Stollns.
Foto: Siegfried Bregulla, 1999. Auch damals war der Zustand noch erheblich besser gepflegt...

 http://www.deutschefotothek.de/documents/obj/70006087

  

 

 

Natürlich gibt es in Schwarzenberg noch mehr zu sehen, wir interessieren uns heute aber für den Kalkstein- und Marmorabbau und fahren deshalb von Wildenau aus zunächst das Schwarzbachtal hinauf. An der heutigen Gaststätte St. Catharina südöstlich des Grauls biegt die Staatsstraße in Richtung Langenberg ab. Gleich hinter den ersten Häusern führt spitzwinklig rechts die Straße über den Emmler hinüber nach Raschau ab. Oben auf dem Höhenzug in der Doppelkurve gibt es einen Wanderparkplatz...

   


Neben dem Tagebaurestloch des Kalkwerkes auf dem Höhenzug des Emmlers fallen uns besonders die Pingenzüge von Johannes und Allerheiligen am Knochen im Reliefbild auf. Auf dem Höhenzug des Emmler sieht man die verstreuten kleinen Halden einiger Braunsteingruben. Die großen Halden am Talhang nördlich von Grünstädtel entstammen der Zeit der Uranerzerkundung durch die SAG Wismut.

  


Die Zufahrt zum einstigen Kalkwerk von der Straße zwischen Raschau und Langenberg aus.
  


Hier stehen noch zwei recht gut erhaltene Brennöfen unterschiedlicher Bauart.
 


Von den einstigen Betriebsgebäuden ist dagegen nur noch die ehemalige Kalkniederlage auf unsere Zeiten überkommen.
  


Schauen wir uns zunächst den freistehenden Brennofen vom Typ der Rumford-Öfen näher an…
  


Oberhalb der Feuerungen kragen einige größere Steine und eiserne Anker aus dem Mauerwerk aus, auf denen früher die Holzkonstruktion des Dachs des Einfeuerungshauses aufgelegen hat.
 


An den acht Seiten des Unterbaus findet man abwechselnd Feuerungen …
  


… und Abzugsöffnungen für den fertiggebrannten Kalk. (Foto J. Weidner)
  


Rundherum also je vier Stück, fast alle aber vermauert. Oberhalb der Feuerung ist hier noch gut ein Zug- und Stoßloch zu sehen. Mit diesen konnte man einerseits den Ofenzug regulieren, andererseits verkeilte Kalkblöcke mit Stangen losschlagen.
  


Nur in einem der Gewölbe ist der Abzug noch vorhanden…
 


…und man kann die Kamera hindurchschieben und einen Blick in den einstigen Brennraum erhaschen. Oben sorgen außer der Schornsteinöffnung die beiden seitlichen Zugänge zur Aufgabe des Rohkalks für Tageslicht. Diese kegelförmigen Aufsätze sind wahrscheinlich erst in den 1950er Jahren gebaut worden.
  


Bauweise eines vergleichbaren Schachtofens vom Typ der Rumford-Öfen im Grundriß und Schnitt nach Otto, 1840. Der Ofen auf dem Emmler besitzt zusätzlich noch Rauchfang und Schornstein mit seitlichen Zugängen von der Gichtbühne. Nach dem Hoffmann’schem Patent kam noch eine Esse obenauf, um den Zug zu erhöhen und dadurch eine Feuerung mit Steinkohle zu ermöglichen.

Bauzeichnungen dieser  Brennöfen sind oben im Textteil erläutert.

  


Der andere Ofen steht neben einem Privatgrundstück und ist an seiner Rückseite mit dem einstigen Haspelstandort zur Bruchsohle durch eine Rampe verbunden. Auch diesem Ofen hat man einen Rauchfang und Schornstein aufgesetzt. (Zustand 2016)
  


Das mächtige Fundament hat quadratischen Grundriß und entspricht auf den ersten Blick in seiner Bauweise tatsächlich den aus dem  Erzgebirgsvorland bekannten Trichter- oder „Schneller-Öfen“.
  

Über dem Abzug entdeckt man auch hier Zug- und Stoßlöcher im Mauerwerk.
  

Beim genauen Hinsehen sieht man am Mauerwerk auch, daß das Fundament mindestens einmal aufgesattelt wurde.
  

Bauweise eines Ofens vom Typ der Schneller-Öfen im Schnittbild nach Otto, 1840. Auch der quadratische Ofen auf dem Emmler bekam spätestens in den 1950er Jahren zusätzlich noch Rauchfang und Schornstein mit seitlichen Zugängen im Niveau der Gichtbühne.

  


Aus Anlaß des Tags des offenen Denkmals wurde 2018 der Bewuchs auf der Gichtbühne dieses Ofens entfernt.
 

Einen Besucherzugang herzurichten hatten die Heimatfreunde, die zur Besichtigung eingeladen hatten, noch nicht geschafft. Aber mit ein bißchen Klettern kam man von der Feldseite her schon hinauf...
 

Die Gichtebene mit dem Schornsteinaufsatz im Jahr 2018. Die seitlichen Sockelmauern waren zwar noch vom Gestrüpp verdeckt, aber dort haben wir keinen Gewölbebogen entdeckt, der auf weitere Abzugsöffnungen hingewiesen hätte. Dieser Ofen hatte also nur eine an seiner Frontseite.
 

Alles Gestrüpp ist auch noch nicht weg. Die Wurzeln werden weiter am Mauerwerk nagen...
 

Aber an der Ostseite kommt man noch ganz gut heran...
  

...und kann in den etwa 3 m Durchmesser aufweisenden Brennschacht hineinschauen. Die Schamotte- Auskleidung ist noch ganz gut und wurde sicher immer wieder erneuert.
  

Auf den ersten Blick sieht auch das Ziegel- Mauerwerk der Esse noch ganz gut aus.
  

Auf den zweiten Blick sieht man dann doch schwere Schäden.
 

Der eiserne Ringanker ist glatt durchgerissen und auch der durchgehende Riss im Mauerwerk ist offensichtlich.
 

Zwischen der äußeren Umfassungsmauer und dem Brennschacht klafft eine riesige Lücke. Das Füllmaterial ist wohl durch den Zusammenbruch des Gewölbes über dem Abzug unten hinausgerutscht und verstopft die Abzugsöffnung.
  

Auch das Gebäude der ehemaligen Kalkniederlage - das als einziges der früheren Betriebsgebäude noch steht - sieht trotz vergangener Renovierungsbemühungen ziemlich schlecht aus.
 

Jedenfalls haben die örtlichen Vereine und die Gemeindeverwaltung noch eine Menge Arbeit vor der Brust, um das Gelände wieder in einen vorzeigbaren Zustand zu versetzen.
 

Schauen wir noch in den Kalksteinbruch: Das Gelände ist zwar privat, aber so geht es doch auch…
  

Das Restloch wird offenbar vom Anglerverband genutzt, ist als Geotop aber öffentlich zugänglich. Nur trittsicheres Schuhwerk ist – besonders bei feuchtem Wetter – tatsächlich angeraten, aber das haben Angler selbstverständlich…
  

Der Fußpfad folgt dem oberen Bremsberg und führt hinunter zum Angelteich. Irgendwo hier setzte der untere Bremsberg an, der bis auf die Bruchsohle hinab führte...
 

…wo man einen Überblick über das heute wassergefüllte Tagebaurestloch bekommen kann.
  

Die meisten Bruchstöße sind noch immer sehr steil, mit losem Hangschutt überrollt und dicht bewachsen.
  

Aber an einigen Stellen stehen noch Restklippen des einst hier geförderten Dolomits an.
  

Die schauen auch wir uns genauer an und stellen fest, daß die Bankung des Lagers mit etwa 30° nach Osten einfällt.
  

Der Dolomit an dieser Klippe ist von fast weißer Farbe und von dünnen Schiefer-Bändern durchzogen. Unser Handstück reagierte recht heftig mit verdünnter Salzsäure, was auf einen hohen Kalkanteil hinweist.

  

 

 

Noch ein Stück weiter in Richtung Elterlein erreicht man Schwarzbach. Hier finden sich ebenfalls noch einige Zeugnisse des ehemaligen Bergbaus, nur mit Parkplätzen sieht es schlecht aus. Wer will, kann aber auch von unserem letzten Parkplatz aus den Wanderweg entlang des Höhenrückens auf dem Emmler den Wanderweg nehmen. 

   


Im Schwarzbachtal aufwärts Richtung Elterlein: Während am einstigen Förstelhammer in den Reliefkarten des Geoportals keine Relikte des Bergbaus mehr zu erkennen sind, fallen uns weiter nordöstlich die vglw. großen Tagebaurestlöcher am Tännigt bei Schwarzbach ins Auge. In den Waldstücken zwischen Schwarzbach und Langenberg finden sich außerdem zahlreiche kleine Halden und Pingen des Braunsteinbergbaus.

  


Der Blick vom Wanderweg ins Schwarzbachtal Richtung Westen – unterhalb des Ortes Schwarzbach beginnt sich im flachen Kerbtal eine breitere Talsohle auszubilden. Am Horizont grüßt schon der Auersberg.
  


Beim Blick talauf ragt in der Ferne schon die Kirchturmspitze von Elterlein über den Wald.
  


Neben dem Wanderweg fallen uns im Waldstück die ersten kleinen Abraumhalden auf…
  


Und dahinter kann man in das westliche Tagebaurestloch hinunterschauen.
 


Die einstigen Kalkbrüche sind stark verwachsen und die Konturen nur noch in den Reliefbildern des Geoportals zu erkennen. Die beiden östlichen Tagebaue liegen in eingezäunten Privatgrundstücken. Deshalb drehen wir um…
  


…nehmen an der Weggabelung den anderen Feldweg nach Südwesten und erreichen im Wald das Pingenfeld der einstigen Eisen- und Braunsteingruben.
  


Durch die zahlreichen kleinen Halden und Pingen erinnert das Geländerelief an Raithalden. Es handelt sich aber um zahlreiche kleine Schurfschächte, die auf dem Quarzbrockenfels-Lager bauten.
  


Auf Lesesteinhaufen und am Wegrand findet man noch das typische Material des "Quarzbrockenfelses" mit zelligem Quarz…
  


…und gelegentlich auch noch den Schwarzen Glaskopf (Kryptomelan).
  


Unter Mineralsammlern waren besonders die Quarzstufen bekannt…
 


…meist milchweiß, nur sehr selten auch als blaßblauer Amethyst.

   

 

 

Auf dem Rückweg biegen wir in Langenberg noch einmal rechts ab, überqueren den Emmler und fahren zum Freibad hinauf. Hier gibt es unmittelbar an der B 101 wieder einen Parkplatz.

   


Am südlichen Hang des Mittweida-Tales, an der Ostseite des Pökelwaldes baute im 19. Jahrhundert die Grube Fester Schlägel auf Kalkstein und Marmor. Nach der Eintragung im Meilenblatt hat der Goldener Regenbogen Stolln ungefähr an der Westspitze des Gehänges angesetzt. Im Ausbißbereich des Lagers findet man beim Pilzesammeln noch heute zahlreiche Pingen.

 


Am Freibad östlich vorbei führt der Wiesenweg bergan und oberhalb des Weges neben einem verwilderten Forstweg im Wald beginnt die Pingenreihe. Ganz am südlichen Ende des Pingenzuges muß der Grüne Wiese Stolln gelegen haben.
 

Offenbar haben die Vorfahren an vielen Stellen in der Ausbißlinie des Skarnlagers kleine Schurfschächte und Stolln angelegt.
  

Die Pingenreihe zieht sich in nördlicher Richtung am Hang des Pökelwaldes bergauf.
  

Zumindest Füchse passen noch in einige der verbrochenen Stollnmundlöcher hinein.
  

Auf den kleinen Stollnhalden findet man noch gelegentlich Stücke des (schlecht verwendbaren, weil meist mit Glimmerschiefer verwachsenen) dichten bis feinkörnigen und meist weißen, seltener grauen Marmors. Auch diese Stücke reagierten recht heftig mit verdünnter Salzsäure, weisen also keinen besonders hohen Dolomitanteil auf.
   

Die Pingenreihe zieht sich immer am Berghang entlang…
 

Die meisten Stollnmundlöcher sind jedoch völlig verbrochen.
  

Nur an der Nordwestspitze des Hanges ist noch ein ganz kleiner Hoffnungsbau offen...
  

…besitzt aber auch nur wenige Meter Tiefe (Foto: J. Weidner).
  

Immerhin stehen an der Firste noch Reste des hier nur geringmächtigen Kalkskarns an…
  

…und wenn man ganz genau hinschaut, entdeckt man sogar noch ein Bohrloch.
  

Um die Bergspitze herum…
  

…setzt sich die Pingenreihe immer weiter fort.
  

Die meisten Pingen besitzen keine große Ausdehnung.
  

Schon weit östlich macht ein Blick zurück am Nordhang des Pökelwalds entlang die vor die Mundlöcher verstürzten Bergehalden im Geländerelief sichtbar.
  

Die östlichste Pinge, die wir gefunden haben. Allerdings ist auch hier nicht eindeutig zuzuordnen, welche einst zur Grube „Fester Schlägel“ gehört haben mag.
  

Auch diese ist nur noch ein „Fuchsbau“…
   

… und heute längst nicht mehr fahrbar.
 

2008 fiel unmittelbar auf dem Wiesenweg, gleich neben dem Freibad, bei Forstarbeiten ein Tagesbruch. Bei der Sicherung und Verwahrung fand man einen nicht risskundigen, im Glimmerschiefer in Schlägelarbeit aufgefahrenen Stolln vor (vielleicht der Junger Himmelsfürst Stolln?), dessen rechteckiges und zirka zwei Meter hohes Profil den Normen des 18. Jahrhunderts entsprach.
  

Er folgte zusammen mit einer etwa 3 m höher liegenden Abbaugasse einer eisenschüssigen Kluft etwa 50 m weit in östliche Richtung. Ob damit bereits in früherer Zeit eine Unterfahrung der Stolln am Hang zur Wasserlösung im Kalklager beabsichtigt war, ist nicht bekannt. In diesem Stolln stand nirgends Skarn an.

  

 

 

Untertage im Besucherbergwerk Herkules & Frisch Glück 

  

Wo wir schon mal da sind, fahren wir natürlich auch auf Herkules & Frisch Glück mal wieder an... Dieses Bergwerk gehört zu den ältesten Bergbauschauanlagen Sachsens, feierte im Jahr 2016 bereits sein 90. Jubiläum der Eröffnung als  Schaubergwerk und immerhin 60 Jahre durchgehenden Besucherbetrieb, nachdem die damalige SDAG Wismut die zuletzt als Lehrbergwerk genutzte Grube 1966 wieder an die Gemeinde übergeben hatte.

  


Besonders an der Ostspitze des Grauls ist noch ein ausgedehntes, halb verfülltes Pingengelände verblieben. Am Südosthang des Fürstenbergs erkennt man das ausgedehnte Abbaufeld anhand einer Unzahl meist winziger Halden und Pingen. 

   


Schematisches Raumbild des heutigen Besucherbergwerkes: Für die Besucher wurden der Frisch Glücker Tagesschacht und die beeindruckendsten Baue der Marmor Stolln-Sohle erschlossen. Über den Marmor Stolln fährt man aus.  

 


Der heutige Eingangsbereich neben der alten Bergschmiede auf Höhe des längst verbrochenen Mundlochs des Herkules Stollns.
    


Den eigentlichen Zugang zum Besucherbergwerk bildet der oben am Hang tonnlägig im Fallen eines Eisenerzganges geteufte Frisch Glücker Tagesschacht.
  


Die rund 250 Betonstufen bis in etwa 90 m Tiefe haben in den 1960er Jahren die Lehrlinge der damaligen SDAG Wismut eingebaut.
  

Im Füllort des Schachtes auf der Sohle des Marmorstollns. (Foto: J. Weidner)
  

Unterhalb der Stollnsohle wurde der Schacht verfüllt und ist heute wie alle tieferen Baue abgesoffen.
(Foto: J. Weidner)
 

Natürlich gibt es für die Besucher von heute auch Technik von damals zu sehen… (Foto: J. Weidner)
 

Dem Flair der Untertagewelt kann man sich als Besucher nicht entziehen… (Foto: J. Weidner)
  

Kleinere Abbaue unterhalb der Stollnsohle mit winzigen „Pfeilern“… (Foto: J. Weidner)
  

…stehen heute sämtlich unter Wasser. (Foto: J. Weidner)
 

Weihnachtsdekoration im „Großen Marmorsaal“ (Foto: J. Weidner)
  


Stimmungsvolle Beleuchtung… (Foto: J. Weidner)
  


Aber natürlich fasziniert auch der strahlendweiße, allerdings hier etwas rissige Marmor. (Foto: J. Weidner)
  


…besonders im Kontrast zu mehrfach aufgeschlossenen, schwarzen Skarnerzen oder zum rotbraunen Eisenerz.
(Foto: J. Weidner)
  

Hier erfolgte offenbar die Lehrlingsausbildung mit dem Bohrgerät…
  

Den umfangreichen Holzausbau im Marmor Stolln zu unterhalten, wird dem Betreiber, der Gemeinde Beierfeld, einige Arbeit machen…
  


Den Ausgang bildet der einstige Marmorstolln der Fürstenberger Kalk- und Marmorbruchsgesellschaft (Foto: J. Weidner). Von hier muß man nun aber wieder bergauf bis zum Parkplatz…  

  


Auf dem Rückweg halten wir noch einmal kurz am Parkplatz an der Dudelskirche und laufen ein paar Schritte talabwärts. Unterhalb des Besucherbergwerkes im Oswaldtal steht heute auf den Fundamenten des früheren Kalkwerkes das Hollandheim.
  


Auf dem heute völlig mit Efeu umrankten, einstigen Brennofen steht dieser Anbau.
 


Bei unserem Besuch stand die Tür gerade offen...
  


...und da wir ganz nett gefragt haben, durften wir auch mal hineinschauen. Hinter der engen Tür verbergen sich heute aber nur noch Abstellräume. Die niedrigen, überwölbten Umgänge, in deren Mitte der einstige Niederschachtofen stand, vermitteln noch einen kleinen Eindruck von der Ofenanlage.   

Der frühere Zustand  

  

Neben dem viel berühmteren Erzbergbau sind auch eine ganze Reihe von Zeugnissen der Steine-, Erden- und Bindemittelindustrie im Erzgebirge auf unsere Zeiten überkommen. Mit unserem Beitrag wollen wir an dieses Kapitel der Montangeschichte Sachsens erinnern.

Wenn wir uns in diesem Beitrag auch wieder auf eine begrenzte Region beschränken, so ist es doch fast unmöglich, alle Quellen wiederzufinden, zu sichten und auszuwerten. Die nachstehende Liste wurde überwiegend online recherchiert und nur einen Teil der darin aufgeführten Quellen haben wir bisher selbst eingesehen. Wenn Sie also mehr wissen, als wir, schreiben Sie uns bitte! 

Wenn wir Sie neugierig machen konnten, finden Sie bei uns Sie noch weitere Beiträge zum Bergbau auf Kalkstein, Dolomit und Marmor im Erzgebirgsvorland.

Glück Auf!

J. B.

  



 

Quellenauswahl

  

         Allgemeine Quellen  

  1. beierfeld.de

  2. waschleithe.de

  3. schaubergwerk-waschleithe.de

  4. elterlein-stadt.de

  5. gutfoerstel.de

  6. arzgebirgskumpel.de

  7. wikipedia.de

  8. litholex.bgr.de

  9. geomin.de

  10. sse-deutschland.de

  11. Chr. Lehmann: Historischer Schauplatz derer natürlichen Merckwürdigkeiten in dem Meißnischen Ober- Ertzgebirge, Leipzig, 1699 (Digitalisat: Universitäts- und Landesbibliothek Sachsen-Anhalt)

  12. books.google.de, u. a.:
    - D. J. H. Jung: Versuch eines Lehrbuchs der Fabrikwissenschaft…, Nürnberg, 1785;
    - Dr. F. J. Otto: Lehrbuch der rationellen Praxis der landwirthschaftlichen Gewerbe, Braunschweig, 1840;
    - P. Loeff: Entwürfe zum Bau von Kalk-, Cement-, Gyps- und Ziegelbrennereien…, Leipzig, 1873
    - W. A. Lampadius: Handbuch der allgemeinen Hüttenkunde in theoretischer und praktischer Hinsicht, Erster präparativer Theil, Göttingen, 1801,
    - Swen Rinmann’s Allgemeines Bergwerkslexikon, nach dem schwedischen Original bearbeitet und vermehrt, Zweyter Theil, Leipzig 1808,
    - W. A. Lampadius: Grundriß einer allgemeinen Hüttenkunde, Göttingen, 1827

  13. Jahrbücher für den Berg- und Hüttenmann bzw. für das Bergwesen in Sachsen, Onlineausgaben der Bibliothek der TU BAF, 1827 - 1938

  14. Bergwerksverzeichnisse, Onlineausgaben der TU BAF, 1939 - 1942

  15. Deutsche Fotothek, historisches Bildmaterial sowie Ausschnitte aus dem Kartenmaterial:
    - Topographischer Atlas des Königreichs Sachsen 1:57.600, Section XIX: Schwarzenberg und Section XIV: Zwickau, auf Befehl weiland Sr. Majestät des Königs Friedrich August aus der großen topographischen Landes-Aufnahme reducirt und bearb. bei der Königlichen Militair-Plankammer von Jakob Andreas Hermann Oberreit, sächsischer Offizier und Kartograph (*1777, †1856), gestochen von Bach in Dresden, dat. 1836  bis 1860;
    - Meilenblatt (Freiberger Exemplar) 1:12.000, Blatt 243: Schwartzenberg (Schwarzenberg/Erzgebirge), Grundaufnahme 1790, Nachträge bis 1876
    - Äquidistantenkarte Sachsen 1:25.000, Blatt 137: Section Schwarzenberg, bearbeitet im topographischen Bureau des Königlichen Generalstabes, Leipzig, Giesecke & Devrient, Ausgabe 1876 und
    Ausgabe 1908
    - Topographische Karte (Meßtischblätter) Sachsen, 1:25.000, Blatt 137: Schwarzenberg, Hrsg. wechselnd: Abteilung für Landesaufnahme des sächs. Generalstabes; Reichsamt für Landesaufnahme, Landesaufnahme Sachsen, Ausgabe 1925 und Ausgabe 1943, (Blatt 5542)
    - Geognostische Charte des Königreichs Sachsen, Blatt XV, Ausgabe 1836
    und Blatt No. 138: Section Elterlein-Buchholz, Ausgabe 1900 einschließlich der Erläuterungen
    - Geologische Karte No. 137: Section Schwarzenberg-Aue, Ausgabe 1896
    - G. Wunder, A. Herbrig und A. Eulitz: Der Kalkwerksbetrieb Sachsens und die Ursachen der verschiedenen Kalkpreise in Sachsen, Verlag W. Engelmann Leipzig, 1867

  16. P. R. Beierlein: Geschichte der erzgebirgischen Marmorbrüche, insbesondere des Schwarzen Bruches zu Kalkgrün bei Wildenfels, in: Jahrbuch des staatlichen Museums für Mineralogie und Geologie zu Dresden, Verlag Theodor Steinkopff, Dresden und Leipzig, 1963, S.163-248

  17. Wagenbreth, O., Wächtler, E. (Hrsgbr.): Bergbau im Erzgebirge - Technische Denkmale und Geschichte, Deutscher Verlag für Grundstoffindustrie Leipzig, 1989, ISBN 3-342-00509-2

  18. Kirchgemeinde Markersbach (Hrg.), Chronik der Kirche zu Markersbach, aus Anlaß des 750. Jubiläums, Eigenverlag, Markersbach, 2000

  19. Wismut GmbH: Chronik der Wismut, digitale Ausgabe, 2002

  20. Jens Hahn: Herkules  Frisch Glück und Co. - Berggeschrei am Fürstenberg, Eigenverlag Obererzgebirgischer Silberspiegel Zwönitz, 2007, ISBN 978-3-00-020069-4

  21. Klaus Hoth, Norbert Krutský, Wolfgang Schilka: Marmore im Erzgebirge, in: Bergbau in Sachsen, Bd. 16, Herausgeber: Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie und Sächsisches Oberbergamt, Dresden 2010, ISBN 978-3-9812792-2-1

  22. Stadt Lugau (Hrsg.): Vor 80 Jahren: Führungswechsel bei Firma Facius, in: Lugauer Anzeiger, Amtsblatt für Lugau und Erlbach-Kirchberg, Nr. 01, 2011, S. 36

  23. Jens Hahn: Bergmännischer Pitaval aus dem sächsischen Erzgebirge - Sagenhaftes aus 1001 Bergmannsschicht, Eigenverlag Obererzgebirgischer Silberspiegel Zwönitz, 2014, ISBN 978-3-00-047712-6

  24. Gerd Grimm: Markersbach - Die Geschichte eines Dorfes von 1240 bis 2015, Band 1, 6. Auflage 2015 anläßlich der 775-Jahr-Feier

  25. Karsten Richter (Chemnitz), Toni Frank (München): Der Wasserstreit im Mittweidatal – ein Kampf um Wasser, Macht und den rechten Glauben, TU Chemnitz, Onlinepublikation als PDF
     
     
    Sächsisches Staatsarchiv, Hauptstaatsarchiv Dresden
     

  26. Bestand 10036 (Finanzarchiv), Loc. 36278, Rep. 09, Sect. 1, Nr. 3809: Privileg für den Bergamtsverwalter Marcus Röling zum Bau eines Hochofens im Amt Schwarzenberg unterhalb des Hammerwerkes von Michael Klinger am Emler sowie Konzession zur Umsetzung von Klingers Hochofen nach Rittersgrün an den Cunnersbach, dat. 1580-1669

  27. Ebenda, Loc. 36278, Rep. 09, Sect. 1, Nr. 3798: Privileg für den Bergamtsverwalter Marcus Röling zum Bau eines Hochofens im Amt Schwarzenberg auf drei Jahre, dat. 1580

  28. Ebenda, Loc. 36278, Rep. 09, Sect. 1, Nr. 3797: Privilegien und Lehnbriefe für die Hammergüter im Amt Schwarzenberg, Privileg für Karl Goldstein und den Kammermeister Roligk über das Hammerwerk Pöhla sowie Bergeisenordnungen, dat. 1575-1597

  29. Ebenda, Loc. 36278, Rep. 09, Sect. 1, Nr. 3802: Konzession für Wolf von Elterlein aus Elterlein zum Bau eines Zainhammers sowie eines Hochofens, dat. 1592-1628

  30. Ebenda, Loc. 36063, Rep. 09, Sect. 1, Nr. 0230: Verzeichnis der ungefähren Wochenproduktion an geschmiedetem Eisen aus den Hammerwerken der Ämter Grünhain und Schwarzenberg, dat. 16. Jhdt.

  31. Ebenda, Loc. 36278, ep. 09, Sect. 1, Nr. 3815: Konzession für Hans Klinger zum Bau eines Hochofens anstelle eines Zerrenwerkes bei seiner Hammerhütte Tännicht im Amt Schwarzenberg, dat. 1613-1736

  32. Ebenda, Loc. 36071, Rep. 09, Sect. 1, Nr. 0458: Bau eines Hochofens und Frischfeuers in Förstel, Amt Grünhain, durch Rudolf von Schmerzing (Faszikel) , dat. 1622

  33. Ebenda, Loc. 36070, Rep. 09, Sect. 1, Nr. 0430: Streitigkeiten zwischen Samuel Weigel, Hammermeister im Tännicht, und Andreas Kreusel, Erbrichter in Schwarzbach wegen eines Wasserwehres, dat. 1624

  34. Ebenda, Loc. 36135, Rep. 09, Sect. 1, Nr. 2072: Konzessionen für die Hammermeister in Mittweida, Obermittweida, Tännicht und beim Kugelhammer zum eisernen Ofentopfen- und Kesselgießen (Faszikel), dat. 1676

  35. Ebenda, Loc. 36071, Rep. 09, Sect. 1, Nr. 0437: Schreiben von Johann Ernst Häßler, Besitzer des Hammerwerkes Tännicht im Schwarzenberger Revier wegen der Verlegung seiner beiden Frischfeuer bei Kleinolbersdorf am Schwarzwasser im Amt Chemnitz wegen Holzmangels, dat. 1688-1690

  36. Bestand 10024 (Geheimer Rat), Loc. 04514/07: Kanzleiacta: Wiederaufrichtung der Marmorsteinbrüche in den kurfürstlich sächsischen Landen und wie selbiger außerhalb des Landes auf der Elbe nach Hamburg zollfrei gebracht, auch dann ferner in England, Holland [Niederlande] oder sonst gehandelt werden möge, dat. 1650-1673

  37. Ebenda, Loc. 09928/08: Am 21. April 1779 bei Johann Friedrich Günther, Bauern in Niederzwönitz, entstandene gählige [schnelle] Feuersbrunst mit abgebrannter Kirche, Pfarrwohnung, Wirtschaftsgebäude und Schule, sowohl des Herrn Pastors, Magister Johann Christian Facius', und Schulmeister Carl G. Bauers dabei erlittene mobiliarische Verluste (1881 von der Amtshauptmannschaft Chemnitz abgegeben)

  38. Bestand 10084 (Appellationsgericht), Nr. 04149: Lic. Joh. Philipp Facius, Schönburgischer Amtmann zu Hartenstein gegen die Untertanen zu Wildbach und Langenbach wegen einiger gegen ihn erhobener Beschwerden, dat. 1675

  39. Ebenda, Nr. 05469: Johann Gottfried Krafft zu Schwarzbach b. Schwarzenberg gegen Joh. Gottlieb Meyer, Besitzer des Hammergutes Tännicht, wegen Wegestreitigkeiten, dat. 1762

  40. Bestand 10036 (Finanzarchiv), Loc. 35930, Rep. 08, Grünhain, Nr. 0014: Befehl zur Untersuchung des Marmors von den Klostergrundstücken in Grünhain, dat. 1798

  41. Bestand 11384 (Landesregierung Sachsen, Ministerium für Wirtschaft), Nr. 2081: Kalk- und Schieferwerke, dat. 1946-1952
     

     
    Staatsarchiv Chemnitz
     

  42. Bestand 30570 (Urkunden der Hauptlinie Schönburg- Glauchau), Nr. 4: Kaufvertrag zwischen Burggraf Heinrich von Meißen als Verkäufer sowie Abt Nicolaus und dem Kloster St. Nikolaus in Grünhain über einige Güter im Dorf und der Flur Scheibe, den Hammer im Dorf Raschau und das Dorf Glasberg mit Zubehörungen, dat. 17. Dezember 1402

  43. Bestand 30593 (Herrschaft Waldenburg, zusammengefaßter Bestand),
    Nr. 1134: Abflößung von Marmor auf der Mulde durch das schönburgische Gebiet, dat. (1607, 1625) 1662

  44. Bestand 30049 (Amtshauptmannschaft Schwarzenberg), Nr. 2903:
    Bau eines Kalkofens durch Rudolph Facius auf den Grund und Boden des Gutsbesitzers Schmiedel & Klemm in Raschau, dat. 1863-1867

  45. Ebenda, Nr. 3002: Marmorzerkleinerungsanlage im Tännichtgut (Hammergut Tännicht), dat. 1906-1907

  46. Ebenda, Nr. 4820: Verunreinigung des Schwarzwassers durch das Ockerwerk Hempel in Wildenau, dat. 1913-1922

  47. Bestand 30008 (Justiz- und Rentamt Chemnitz), Nr. 909: Johann Ernst Häßler, Hammerherr in Tännicht gegen Christian Hunger, Lehnrichter in Olbersdorf wegen Verunreinigung des Fischbaches, dat. 1711-1720

  48. Bestand 30861 (Standesherrschaft Wildenfels), Nr. 1476: Kammersekretär Eduard Christian Facius gegen Branntweinbrenner und Gastwirt Johann Christian Tautenhahn zu Weißbach wegen Entrichtung des Branntweinblasenzinses, dat. 1825-1826

  49. Bestand 32966 (Stadt Zwönitz), Nr. 29: Ferdinand Christian Facius gegen Friedrich Wilhelm Tauscher, beide zu Zwönitz, wegen Abdämmung eines Wassergrabens, dat. 1838-1841

  50. Bestand 30041 (Amtshauptmannschaft Annaberg), Nr. 4154: Kalkofen unter Kat.-Nr. 56 für Schwarzbach, dat. 1836-1837

  51. Bestand 33259 (Gerichtsamt Schwarzenberg), Nr. 12: Vermessung eines Grubenfeldes für die Fundgrube Fester Schlägel bei Raschau, dat. 1857 

  52. Bestand 33035 (Gerichtsamt Scheibenberg), Nr. 9: Immobilienbrandschaden beim Kalkarbeiter Carl August Hempel in Crottendorf, dat. 1868

  53. Bestand 30137 (Antsgericht Stollberg), Nr. 52: Justizrat Advokat Böhmig, Chemnitz als Aktor des Staatsfiskus gegen Kaufmann Johann Rudolph Facius, Lugau wegen Dynamittransport, dat. 1879-1880

  54. Ebenda, Nr. 445: Firma Rudolph Facius, Lugau, dat. 1862-1951

  55. Ebenda, Nr. 518: Firma Rudolph Facius Söhne, Lugau, dat. 1893-1963

  56. Bestand 30050 (Amthauptmannschaft Stollberg), Nr. 609: Sprengstofflager der Firma Rudolf Facius in Lugau, dat. 1910-1932

  57. Bestand 31050 (Auto Union AG, Chemnitz), Nr. 2370: Kriegsbedingte Auslagerung von Produktionszweigen (nach Orten: L - P), dat. 1944-1945 

  58. Bestand 30410 (Kreistag / Kreisrat Stollberg), Nr. 563: Treuhandverwaltung der Firma Rudolf Facius (Inhaber Arthur Facius), Großhandel mit Sprengstoffen und Baumaterialien, in Lugau, dat. 1945-1946

  59. Ebenda, Nr. 523: Rückgabe der nicht durch Volksentscheid enteigneten Betriebe („B- Liste“), dat. 1946-1948

  60. Ebenda, Nr. 1001: Rittergut Oelsnitz und landwirtschaftlicher Besitz der Fa. Arthur Facius, Lugau, dat 1945-1948 

  61. Bestand 33215: Firma Rudolf Facius Söhne, Lugau / Erzgeb. 
     

     
    Bergarchiv Freiberg
     

  62. Bestand 40169 (Grubenakten des Bergreviers Schwarzenberg mit Eibenstock, Hohenstein, Johanngeorgenstadt, Oberwiesenthal, Scheibenberg, Schneeberg und Voigtsberg), Nr. 79: Frisch Glück Fundgrube am Fürstenberg unterhalb von Waschleithe, dat. 1708-1709

  63. Ebenda, Nr. 78: Frisch Glück Erbstolln am Fürstenberg unterhalb von Waschleithe, dat. 1711-1718

  64. Ebenda, Nr. 1381: Neujahr Fundgrube bei Wildenau (Schwarzenberg), dat. 1729-1848

  65. Bestand 40015 (Bergamt Schneeberg), Nr. 718: Funde von weißem Marmor und anderen Mineralen auf der Gelbe Birke Fundgrube am Fürstenberg durch Johann Christoph Flemming, dat. 1716-1719 

  66. Bestand 40040 (Fiskalische Risse zum Erzbergbau), Nr. K06847: Frisch Glück Stolln und Herkules Fundgrube am Fürstenberg bei Waschleithe, dat. 1754

  67. Ebenda, Nr. K09122: Zweigler Fundgrube bei Wildenau (Schwarzenberg), dat. 1857-1858

  68. Ebenda, Nr. I07922: Grubenfeld von Meyers Hoffnung, Friedlicher Vertrag und Wilkauer Vereinigt Feld Fundgrube bei Schwarzbach, dat. 1851

  69. Ebenda, Nr. I07759: Junger Himmelsfürst und Goldener Regenbogen Stolln über Raschau, dat. 1806-1814

  70. Ebenda, Nr. I07244: Goldener Regenbogen Stolln über Raschau, dat. 1806-1812

  71. Ebenda, Nr. I06952: Grubenfeld von Fester Schlägel Fundgrube bei Raschau, dat. 1857

  72. Ebenda, Nr. K06951: Fester Schlägel Fundgrube und Grüne Wiese Stolln bei Raschau, dat. 1855-1859

  73. Ebenda, Nr. H9711: Tagegegend von Riedels gevierte Fundgrube, Bau auf Gott Fundgrube, Köhlers Fundgrube und Neujahr gevierte Fundgrube bei Langenberg, dat. 1851

  74. Ebenda, Nr. K8299 und K8300: Riedels Fundgrube bei Langenberg, dat. 1859-1867

  75. Ebenda, Nr. L8310: Riedels Fundgrube bei Langenberg, dat. 1875-1893

  76. Ebenda, Nr. B8311: Grubenfeld von Riedels Fundgrube bei Langenberg, dat. 1885

  77. Bestand 40036 (Deponierte Risse zum Erzbergbau), Nr. C11936: Gelber Zweig, Riedels und Gott segne Beständig Fundgrube bei Langenberg, dat. 1876, enthält u.a.: Karl, Köhler, Riedel, Friedrich und Facius Stolln

  78. Ebenda, Nr. D12400: Riedels Fundgrube bei Langenberg (Raschau) sowie das Gebirge östlich des Faciusschen Kalkwerkes, dat. 1875-1893

  79. Bestand 40044-1 (Generalrisse), Nr. K18595: Mangan- und Eisenerz führende Quarzbrockenfelsbildungen bei Langenberg und Schwarzbach, Waschleithe, Elterlein und Unterscheibe, dat. 1866

  80. Ebenda, Nr. H17628: Kalkwerk Facius am Schwarzbach, Gebirge östlich des Werkes entsprechend der Bohrungen von 1883, dat. 1940

  81. Bestand 40171 (Grubenvorstände und Mannschaftsbücher verschiedener Gewerkschaften), Nr. 439: Bergwerksangelegenheiten, darin: Bohrungen bei Riedels Fundgrube, später Gott segne beständig am Roten Hahn, dat. 1883

  82. Bestand 40169 (Grubenakten des Bergreviers Schwarzenberg), Nr. 77: Frisch Glück Erbstolln am Fürstenberg unterhalb von Waschleithe, dat. 1781-1856

  83. Ebenda, Nr. 161: Herkules Fundgrube, ab 1855 Herkules samt Frisch Glück Stolln, ab 1860 Herkules Fundgrube samt Frisch Glück Stolln und Khiesels Hoffnung Erbstolln am Fürstenberg unweit der Oswaldkirche bei Waschleithe, dat. 1793-1890

  84. Bestand 40003 Oberbergamt - Geognostische Gang- und Landesuntersuchungskomission, Nr. 217: Geognostische Untersuchung des Gebirgsteils zwischen Aue, Grünhain, Elterlein, Schlettau, Crottendorf, Pöhla und Schwarzenberg, dat. 1818

  85. Bestand 40169 (Grubenakten des Bergreviers Schwarzenberg), Nr. 121: Goldener Regenbogen Stolln am Münzerberg im Pöckelwald bei Mittweida (Markersbach), dat. 1791-1811

  86. Ebenda, Nr. 87: Fester Schlägel gevierte Fundgrube im Pöckelwald bei Raschau, dat. 1838-1863

  87. Ebenda, Nr. 274: Reppels gevierte Fundgrube im Raschauer Pfarrwald am Schwarzbach unterhalb von Langenberg, dat. 1815-1850

  88. Ebenda, Nr. 286: Riedels Fundgrube im Raschauer Kommun- und Pfarrwald bei Langenberg, dat. 1820-1883

  89. Ebenda, Nr. 758: Gottes Geschick vereinigt Feld am Graul bei Raschau, dat. 1871-1883

  90. Ebenda, Nr. 143: Wilkauer vereinigt Feld bei Langenberg und Tännicht, dat. 1859-1901

  91. Ebenda, Nr. 135: Gott segne beständig Erbstolln am Roten Hahn bei Langenberg, dat 1851-1909

  92. Ebenda, Nr. 244: Meyers Hoffnung Fundgrube im Tännichtwald bei Schwarzbach (Elterlein), dat. 1806-1901

  93. Ebenda, Nr. 128: Gnade Gottes Fundgrube am Mönchsteig bei Langenberg, ab 1808 Gnade Gottes obere Maßen sowie Gnade Gottes Fundgrube samt untere Maßen und Stolln, ab 1819 Gnade Gottes gevierte Fundgrube, ab 1874 Gnade Gottes vereinigt Feld am Rittergut Förstel bei Langenberg (Raschau), dat. 1807-1895

  94. Ebenda, Nr. 196: Kraus gevierte Fundgrube am Hasengut bei Schwarzbach (Elterlein), dat. 1807

  95. Ebenda, Nr. 186: Kästners Neue Hoffnung gevierte Fundgrube im Tännichtwald bei Schwarzbach, dat. 1807-1840

  96. Ebenda, Nr. 185: Kästners Hoffnung obere 1. südliche gevierte Maß im Tännicht bei Schwarzbach, dat. 1835-1840

  97. Ebenda, Nr. 86: Friedlicher Vertrag gevierte Fundgrube, ab 1841 Friedlicher Vertrag samt Kästners Neue Hoffnung gevierte Fundgrube, im Tännichtwald bei Schwarzbach, dat. 1807-1859

  98. Ebenda, Nr. 307: Trommlers gevierte Fundgrube im Tännichtwald bei Schwarzbach (Elterlein), dat. 1817

  99. Ebenda, Nr. 119: Gabe Gottes gevierte Fundgrube im Tännicht bei Schwarzbach, dat. 1824-1852

  100. Ebenda, Nr. 42: Distlers Freundschaft gevierte Fundgrube am Hammergut Tännicht bei Schwarzbach (Elterlein), dat. 1832-1846

  101. Ebenda, Nr. 100: Großzeche gevierte Fundgrube im Tännicht bei Schwarzbach, dat. 1835-1839

  102. Ebenda, Nr. 101: Großzeche untere 1.-2. gevierte Maßen, ab 1838 Großzeche untere 1. Maß, im Tännicht bei Schwarzbach, dat. 1835-1839

  103. Ebenda, Nr. 23: Beschert Glück gevierte Fundgrube im Tännicht bei Schwarzbach (Elterlein), dat. 1835-1843

  104. Ebenda, Nr. 272: Roter Stolln bei Schwarzbach (Elterlein), dat. 1839-1855

  105. Ebenda, Nr. 1459: Rote Fundgrube bei Schwarzbach (Elterlein), dat. 1856-1864

  106. Ebenda, Nr. 84: Familienglück gevierte Fundgrube, bis 1834 samt Vier Geschwister Fundgrube, am Fürstenberg bei Waschleithe, dat. 1830-1846

  107. Ebenda, Nr. 180: Vier Geschwister Fundgrube samt Engelschar Stolln am Fürstenberg bei Waschleithe, Beilehn von Familienglück gevierte Fundgrube, dat. 1830

  108. Ebenda, Nr. 648: Fürstenberg Fundgrube unweit des Fürstenbrunnens am Fürstenberg bei Waschleithe, dat. 1832-1864

  109. Ebenda, Nr. 96: Gute Hoffnung Fundgrube und Maßen am Oswaldbach bei Waschleithe, dat. 1833-1841

  110. Ebenda, Nr. 192: Khiesels Hoffnung gevierte Fundgrube am Fürstenberg bei Waschleithe, dat. 1834-1846

  111. Ebenda, Nr. 151: Himmlisch Heer Fundgrube und Stolln am Fürstenberg bei Waschleithe, dat. 1834-1835

  112. Ebenda, Nr. 60: Engelschar Stolln samt Vier Geschwister Fundgrube, ab 1838 Segen Gottes samt Tiefer Engelschar Stolln und Vier Geschwister Fundgrube, ab 1851 Tiefer Engelschar Stolln, am Oswaldbach oberhalb Waschleithe, dat. 1836-1895

  113. Ebenda, Nr. 296: Segen Gottes Fundgrube am Fürstenberg bei Waschleithe, dat. 1846-1855

  114. Ebenda, Nr. 1491: Richard III. Fundgrube am Fürstenberg bei Waschleithe, dat. 1858-1861

  115. Ebenda, Nr. 160: Hausteins Hoffnung Fundgrube bei Langenberg, dat. 1830-1925

  116. Ebenda, Nr. 135: Gott segne beständig Erbstolln am Roten Hahn bei Langenberg (Raschau), dat. 1851-1909

  117. Ebenda, Nr. 174: Juno Fundgrube bei Langenberg (Raschau), dat. 1860-1897

  118. Ebenda, Nr. 173: Julius Erbstolln an der Förstelschänke bei Langenberg (Raschau), dat. 1862-1865

  119. Ebenda, Nr. 355: Zweigler Fundgrube, ab 1857 samt Julius Erbstolln, am linken Hang des Schwarzbachtales bei Wildenau (Schwarzenberg), dat. 1840-1886

  120. Ebenda, Nr. 1513: Rautenstock Fundgrube am Schwarzwasser bei Wildenau (Schwarzenberg), dat. 1868-1906

  121. Ebenda, Nr. 162, 163, 164 und 165: Herkules Fundgrube samt Frisch Glück Stolln und Khiesels Hoffnung Erbstolln am Fürstenberg bei Waschleithe, dat. 1890-1938

  122. Ebenda, Nr. 1382: Neujahr Stolln bei Wildenau (Schwarzenberg), dat. 1884-1929 

  123. Ebenda, Nr. 144: Wilkauer vereinigt Feld bei Langenberg und Tännicht, dat. 1901-1920

  124. Ebenda, Nr. 245: Meyers Hoffnung Fundgrube im Tännichtwald bei Schwarzbach (Elterlein), dat. 1901-1930

  125. Ebenda, Nr. 590: Eisenzeche am Wernsbach [Wernitzbächel] und Friedrichsbach bei Großpöhla , dat. 1873-1875

  126. Ebenda, Nr. 1455: Robert Fundgrube bei Wahlen (Crimmitschau), dat. 1859-1962

  127. Bestand 40014 (Bergamt Scheibenberg mit Hohenstein, Oberwiesenthal und Elterlein), Nr. 292: Klage von Erdmann Friedrich Meyer, Besitzer des Hammerguts Tännicht bei Schwarzbach, gegen einige auf seinem Grund und Boden Eisen- und Braunstein abbauende Eigenlöhner wegen dadurch entstandenen schweren Schäden an seinen Waldungen und Äckern, dat. 1835-1836

  128. Bestand 40024 (Landesbergamt Freiberg), Nr. 10-0480 und 10-0482: Herkules Fundgrube samt Frisch Glück Stolln und Khiesels Hoffnung Erbstolln am Fürstenberg bei Waschleithe -  Berechtigungs- Angelegenheiten, dat. 1857-1951

  129. Ebenda, Nr. 10-788: Riedels Fundgrube bei Langenberg, Verleihung der Grube, dat. 1857-1893

  130. Ebenda, Nr. 21-469: Niederwürschnitz-Kirchberger Steinkohlen-Aktienverein, (späterer Besitzer: Rudolph Facius, Niederwürschnitz), dat. 1869-1892

  131. Ebenda, Nr. 21-762: Lugau-Niederwürschnitzer Steinkohlenbauverein, ab 1896 Gewerkschaft Carlschacht, Berechtigungsangelegenheiten, dat. 1883-1900

  132. Ebenda, Nr. 12-405 bis 12-407: Tharandt, Kalk- und Marmorwerk des Herrn Paul Zschille vormals Scholz und Facius, dat. 1900-1912

  133. Ebenda, Nr. 10-775: Robert Fundgrube bei Wahlen, dat. 1858-1862

  134. Ebenda, Nr. 12-421: Wildenau bei Schwarzenberg, Kalkwerk Wildenau, dat. 1882-1908

  135. Ebenda, Nr. 12-422: Wildenau bei Schwarzenberg, Kalkwerk Wildenau des Besitzers Heinrich Richard Hempel, dat. 1908-1919

  136. Ebenda, Nr. 12-355: Raschau, Kalkwerk Raschau vormals Hessler, dat. 1920-1922 

  137. Ebenda, Nr. 12-296: Akten, Betriebsangelegenheiten bei Dietrich’s Marmorbruch im Tännicht betr., dat. 1906-1922

  138. Ebenda, Nr. 12-374 und 375: Schwarzbach, Kalksteingrube des Hammergutes Tännicht der Eisenerz-Aktiengesellschaft in Schwarzenberg später Firma Schulz & Sackur Eisenerz Aktiengesellschaft in Berlin, dat. 1918-1932

  139. Bestand 40037 (Deponierte Risse der Steine- und Erdenindustrie), Nr. 1-K22939: Wildenau bei Schwarzenberg; Kalkwerk von C. H. Hempel, früher H. E. Teichmann und Engler, einschließlich Neujahr Stolln, dat. 1882-1910

  140. Ebenda, Nr. 1-K23067: Langenberg bei Raschau; Kalkwerk Facius Schacht, dat. 1875-1893, kopiert 1948

  141. Ebenda, Nr. K12981 Zweigler Fundgrube bei Wildenau (Schwarzenberg), dat. 1857

  142. Bestand 40052 (Bergamt Schwarzenberg), Nr. 362: Mutung von Wasser des Schwarzbaches für Zweigler Fundgrube bei Wildenau, dat. 1856-1868

  143. Bestand 40054 (Bergamt Zwickau und Vorgänger), Nr. 139: Kalkwerk Fürstenberg in Grünhain, dat. 1903-1908

  144. Ebenda, Nr. 051: Herkules Fundgrube, Frisch Glück- und Kiesels Hoffnungs Stolln am Fürstenberg bei Grünhain, dat 1923-1938

  145. Ebenda, Nr. 155: Kalkwerk C. Heinrich Hempel, vormals H. C. Teichmann und Engler in Wildenau bei Schwarzenberg, dat. 1900-1914

  146. Bestand 40167 (Fotos bergmännischer Tagegebäude), Nr. 557: Raschau, Huthaus am Marmorstolln, dat. 1927

  147. Ebenda, Nr. 550: Raschau, neue Wäsche der Grube Katharina mit Gebäude vom Kalkwerk im Hintergrund

  148. Ebenda, Nr. 657: Schwarzbach; Huthaus der Grube Wilkauer Vereinigt Feld, dat. 1927

  149. Ebenda, Nr. 656: Schwarzbach/Langenberg; Tagegebäude (Bergschmiede) der Grube Wilkauer Vereinigt Feld, dat. 1927

  150. Bestand 40027 (Oberbergamt Freiberg), Nr. 0715: Zurückgenommene und abgewiesene Mutungen, dat. 1928-1930

  151. Bestand 40028 (Oberbergamt, Bergwirtschaftsstelle), Nr. 1-0344: Bodenforschungsarbeiten in Langenberg, dat. 1938-1939

  152. Ebenda, Nr. 1-0655: Herkules Fundgrube samt Frisch Glück Stolln und Khiesels Hoffnung Erbstolln am Fürstenberg bei Waschleithe, Berechtsamswesen, dat. 1938

  153. Ebenda, Nr. 1-0762: Meyers Hoffnung Fundgrube bei Schwarzbach, dat. 1937

  154. Bestand 40030 (Oberbergamt, Lagerstättenforschungsstelle), Nr. 1-0719: Raschau-Langenberg, Stamm Asser, Gottes Geschick Vereinigt Feld am Graul, Eisenerzlager, dat. 1942-1947

  155. Ebenda, Nr. 1-1063: Kalkvorkommen, dat. 1934-1949

  156. Ebenda, Nr. 1-0726: Schwarzbach bei Elterlein, Meyers Hoffnung Fundgrube, Hammergut Tännicht, Eisenerzlager

  157. Ebenda, Nr. 1-0344: Sachstandsberichte über den Stand der Bodenforschungsarbeiten, Bodenforschungsarbeiten in Langenberg, dat. 1938-1940

  158. Bestand 40064 (Technisches Büro des Bergbaus und der Brennstoffindustrie des Landes Sachsen), Nr. 1-0435: Kalkwerk Raschau-Langenberg, Inhaber Ulbricht & Korb, dat. 1946

  159. Bestand 40069 (Bergbehörde Freiberg), Nr. 590 und 591: VEB Kalkwerk Raschau, Betriebsplan und Werksakte, dat. 1946- 1965 

  160. Bestand 40131 (VEB GFE), Nr. 1-27: Raschau, bei Schwarzenberg, Kalk- und Dolomitvorkommen, dat. 1952-1957