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Ein Beitrag von www.unbekannter-bergbau.de

  

Teil 1: Bergbauzeugnisse zwischen Schmiedewalde und Miltitz 

Zu Lage und Regionalgeschichte
Zur Geologie
Zum Dolomit
Zur Bergbaugeschichte
Zu den Kalkwerken in Blankenstein (von Schönberg, Hahn und Faust, später Zschalig)
Zum Kalkwerk Steinbach (Beyrich & Kayser, später Kluge)
Zum Abbau bei Helbigsdorf (u. a. an der Kirsten- Mühle)
Zu den Kalkwerken bei Grumbach und Braunsdorf 
Die Anfänge und der Abbau im 18. Jahrhundert (Auenmüller, Seidewitz u. a.)
Der Abbau bis zum Ende des 19. Jahrhunderts (Krumbiegel und Wätzig)
Der Abbau im 20. Jahrhundert (
Vereinigte Braunsdorfer Dolomitwerke GmbH)
Zum Abbau nach 1945 (VEB im KWU des Landkreises Dresden)
Relikte und Bergbaufolgen
Erhaltene Zeugnisse
Blankenstein
Steinbach
Helbigsdorf
Grumbach und Braunsdorf
Quellenauswahl

Ein Nachtrag zum Kalkabbau in Tharandt 
Noch ein Nachtrag zum Kalkabbau in Blankenstein vor 1850

  

  

 

Zum Kalkbergbau im Nossen- Wilsdruffer Schiefergebirge: 
Teil 2: Von Blankenstein bis Braunsdorf

 

Erstellt Juni 2016, letzte Ergänzungen September 2019 .

Sie können diesen Beitrag vom Qucosa-Server der Sächsischen Landes- und Universitätsbibliothek Dresden im PDF-Format herunterladen.

http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bsz:14-qucosa2-78810 (Stand vom August 2016) oder
http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bsz:14-qucosa2-354695 (Neuausgabe 2019)

 

Wir bedanken uns für die Unterstützung bei unseren Recherchen zur Erstellung dieses Beitrages und für weitere Informationen und Ergänzungen bei

  • Herrn E. Richter in Munzig,

  • Herrn L. Wernecke in Blankenstein,

  • Herrn H. Zimmermann, Bergarchiv Freiberg,

  • Herrn M. Fischer, Grumbach, sowie bei

  • Herrn Torsten L., Dresden und Herrn A. Rüthrich, Freiberg, für Bildbeiträge.

   

Zur Lage und Regionalgeschichte des mittleren Triebischtals

 

Mit dem zweiten Teil unseres Beitrages wenden wir uns dem mittleren Abschnitt des Triebischtales zu. Es verläuft von Herzogswalde an der B 173 bis Rothschönberg in einem steilwandigen, teils recht engen und stark gewundenen Sohlental nach Nordwesten. Von Helbigsdorf bis zur Damm-Mühle unterhalb der Brücke der BAB 4 sind es zirka 6,4 km.

Am Ende dieses Beitrages verlassen wir das Triebisch- Tal und wechseln hinüber nach Grumbach und Braunsdorf, heute Stadtteile von Wilsdruff. Südwestlich von Grumbach entspringt in Pohrsdorf das Flüßchen mit dem schönen Namen Wilde Sau, das nach etwa 13 km Gesamtlänge nordöstlich von Klipphausen ebenfalls der Elbe zufließt. Südlich von Braunsdorf verläuft dabei eine lokale Wasserscheide. Der Schloitzbach unmittelbar südlich des ehemaligen Kalkwerkes fließt bereits nach Süden ab und mündet bei Tharandt in die Wilde Weißeritz.

Die Region des mittleren Triebischtales bildete schon immer eine Art „Zwickel“ am Rand der heutigen Landkreise Meißen, Mittelsachsen (Freiberg) und Sächsische Schweiz- Osterzgebirge (Freital). Sie gehörte im 19. Jahrhundert teils zur Amthauptmannschaft Meißen (der Abschnitt nördlich von Blankenstein), teils zur Amthauptmannschaft Freiberg (u. a. Steinbach), teils auch zur Amthauptmannschaft Dresden (Braunsdorf). Dies geht noch auf die unterschiedliche und sehr oft wechselnde Besitzzugehörigkeit im späten Mittelalter zurück. Die Dörfer gehörten verschiedenen Rittergütern an.

Unter den Besitzern spielte in dieser Region die Familie von Schönberg eine herausragende Rolle, doch begegnen wir noch anderen Namen, die Spuren in der sächsischen Montangeschichte hinterlassen haben.

Um die historischen Verhältnisse etwas aufzuklären, müssen wir mit Hilfe der Bestandserläuterungen des Sächsischen Staatsarchives zu den einzelnen Rittergütern sowie unter Nutzung der Informationen über die historischen Personen aus dem Internet weiter ausholen.

 


Zur Veranschaulichung der Lage der mittleren und oberen Triebischtäler sowie der Kalkwerke bei Grumbach und Braunsdorf nahe Wilsdruff nutzen wir wieder die Reliefkarten vom
www.geoportal.sachsen.de.

  

Wir beginnen im Norden: Der Ort Rothschönberg, gelegen auf einem Bergsporn nördlich der heutigen BAB 4, dort wo die Große Triebisch ihre Fließrichtung der Elbe zu nach Meißen wendet, gilt als der Stammsitz der Familie von Schönberg. Wenigstens seit 1254 und noch bis 1945 waren das Rittergut und das Schloß im Besitz der Familie. Viele der im weiteren Text genannten Orte kamen auf verschiedenen Wegen zumindest zeitweise an die von Schönberg, so daß wir hier näher auf diese in der sächsischen Geschichte bedeutsame Adelsfamilie eingehen wollen.

Die Familie von Schönberg, meißnischen Stammes, hat ihren Ursprungssitz auf der Feste Schönberg bei Naumburg. In den Urkunden der Bischöfe von Naumburg wurden Mitglieder der Familie von 1157 an als Edelfreie und als Ministeriale genannt. Die 1218 geweihte St. Michaelskapelle im Zisterzienserkloster Altzella bei Nossen gilt als die erste bekannte Grablege der Schönbergs. Mit dem 1282 bis 1284 wiederholt in Urkunden des Klosters Altzella genannten Sifrid von Schönberg beginnt die genealogisch gesicherte Stammreihe. Seit dieser Zeit waren die Schönbergs vor allem in der Mark Meißen und in der Lausitz ansässig und blieben es bis 1945.

Erste bekannte Besitze waren Rothschönberg und Zschochau, nach denen sich die beiden Hauptäste der Familie nennen. Im 14. Jahrhundert kamen die Herrschaften Sachsenburg (bis 1610) und Purschenstein hinzu. 1377 erwarben die Schönbergs Schloß Reinsberg. 1473 bis 1564 gehörte ihnen die Herrschaft Stollberg, danach fast 100 Jahre lang die Herrschaft Pulsnitz in der Lausitz. Noch 1945 sind die Schönbergs ansässig auf Rothschönberg, Purschenstein, Ober- und Niederreinsberg, Wilsdruff, Limbach, Herzogswalde, Niederzwönitz, Krummenhennersdorf, Thammenhain, Bornitz, Tanneberg, Reichstädt, Kreipitzsch mit der Rudelsburg, Pfaffroda, Dörnthal (seit 1917 im Besitz der Familie Diener von Schönberg) und Mockritz (seit 1916 im Besitz der Familie Camp von Schönberg).

    


Im Örtchen Rothschönberg steht noch immer das Schloß der Schönbergs.

   

Angehörige der Familie bekleideten über Jahrhunderte hinweg hohe Staats- und Verwaltungspositionen in verschiedenen Ländern. Zwischen 1542 und 1761 leiteten u. a. sechs Mitglieder der Familie von Schönberg die sächsische Bergbauverwaltung als Berghauptmann bzw. Oberberghauptmann, darunter:

  • Wolf von Schönberg (Amtszeit 1518 – 1584), Oberhauptmann,
  • Lorenz von Schönberg (1584 – 1588), Berghauptmann,
  • Heinrich von Schönberg (1588 – 1616), Oberhauptmann,
  • Caspar Rudolph von Schönberg (1616  – 1628), Berghauptmann,
  • Georg Friedrich von Schönberg (1628 – 1650), einer der Verteidiger Freibergs vor den Schweden im Dreißigjährigen Krieg,
  • Caspar von Schönberg (1650 – 1676), erbaute das Schloß in Pfaffroda und hinterließ die Grablege in der Annenkapelle in Freiberg,
  • Abraham von Schönberg (1676 – 1711) gilt als der bedeutendste unter den Oberberghauptleuten. 1693 erscheint seine „Ausführliche Berginformation“. Er war Initiator der Freiberger Stipendienkasse und gilt damit als einer der „geistigen Väter“ der Bergakademie Freiberg, deren Gründung 1765 er aber selbst nicht mehr erlebte. Den Gruß „Glück Auf“ führte er offiziell ein.
  • Curt Alexander von Schönberg (1734 – 1761), kursächsischer Kammerherr, Oberberghauptmann und russischer Generalbergdirektor.

  

Für Pfaffroda, südwestlich von Sayda gelegen, wurde erstmals 1512 ein Ritterhof und 1696 ein altschriftsässiges Rittergut erwähnt. Die Herrschaft übte Erb- und Obergerichtsbarkeit aus. Pfaffroda zählte seit 1696 zum Amt Freiberg. Ab 1856 unterstand der Ort dem Gerichtsamt Sayda und seit 1856 der Amtshauptmannschaft Freiberg. Das vom Zisterzienserkloster in Osseg (heute Osek in Tschechien) und deutschen Siedlern urbar gemachte Gebiet, in dem die Herrschaft Pfaffroda lag, gehörte seit 1307 endgültig zur Markgrafschaft Meißen und war seit 1332 im Besitz der Familie von Schönberg.

Bis 1650 war das Gut Pfaffroda Bestandteil der Herrschaft Purschenstein. Danach wurde aus Pfaffroda mit seinen Dörfern Dittmannsdorf, Schönfeld, Reukersdorf, Hallbach und den neu gegründeten Orten Nieder- und Oberneuschönberg eine selbständige Herrschaft unter Caspar von Schönberg aus der Linie Sachsenburg- Mittelfrohna gebildet. Der Erwerb des Rittergutes Dörnthal 1569 mit Helbigsdorf, Kleinneuschönberg und Hutha brachte dieser Herrschaft einen nicht unerheblichen Gebietszuwachs.

Für Dörnthal wiederum, westlich von Sayda gelegen, ist belegt, daß es 1551 zum Rittergut Frauenstein und anteilig zum Rittergut Großhartmannsdorf gehörte. Erst 1696 wurde es als schriftsässiges Rittergut erwähnt. Die Herrschaft übte Erb- und Obergerichtsbarkeit aus. Auch Dörnthal gehörte 1696 zum Bezirk des Amtes Freiberg. Seit 1856 unterstand es dem Gerichtsamt Sayda und ab 1875, wie Pfaffroda auch, der Amthauptmannschaft Freiberg.

Ursprünglich war das Rittergut Dörnthal jedoch im Besitz der Familie von Alnpeck, die im 15. Jahrhundert aus Regensburg eingewandert war, um sich am Bergbau zu beteiligen. Der Name begegnet uns im Weiteren noch öfter, so daß wir zu dieser Familie hier ebenfalls ein paar Informationen einfügen. Die Alnpecks waren vorher Regensburger Ministeriale und hatten ihren Stammsitz nachweisbar ab 1290 im heutigen Oberellenbach (Niederbayern) in der Gegend von Landshut.

Stephan von Alnpeck (der Ältere), Handelsherr zunächst in Landshut, dann in Passau und Regensburg, zog Mitte des 15. Jahrhunderts nach Freiberg in Sachsen und engagierte sich im Silberbergbau. Er war dort 37 Jahre lang Ratsherr und Bürgermeister.

Seine Nachkommen blieben im 16. Jahrhundert im Freiberger Raum ansässig und stellten mit Stephan Alnpeck (dem Jüngeren) im Zeitraum 1490 bis 1501 auch den Landeshauptmann zu Freiberg. Stephan Alnpeck war außerdem Besitzer von Lauenstein und Oberlockwitz.

Auch Peter Alnpeck wurde um 1529 Bürgermeister der Stadt  Freiberg und von 1546 bis 1556 folgte ihm Andreas Alnpeck (*1492, †1563) in der Funktion des Münzmeisters und des Bürgermeisters der Stadt Freiberg nach.

Den Alnpecks gehörte zeitweise auch das Rittergut Tanneberg südlich von Rothschönberg.

  


Das um 1500 erbaute, spätgotische Wohnhaus der Alnpecks mit seinen prächtigen Vorhangbogen-Fenstergewänden im ersten Obergeschoß steht noch heute in Freiberg. Standesgemäß wohnte man als Münzmeister und Ratsherr direkt an der südöstlichen Ecke des Obermarktes zur Korngasse.

  

Der Ort Helbigsdorf wird erstmals 1334 als Waldhufendorf Helwigsdorf erwähnt. Bereits 1411 kauft Caspar von Schönberg das Dorf von der Stadt Wilsdurf ab. Im Jahr 1569 ging das Gut Dörnthal in den Besitz der Familie von Schönberg über. Auf diesem Weg kam Helbigsdorf erneut an die Familie von Schönberg.

Im „Vollständigen Staats- Post- und Zeitungslexikon von Sachsen“, Band 3, Ausgabe 1816, liest man dann zu diesem Ort: Helbigsborf, in der Volkssprache Helsdorf, Dorf in dem Königr. Sachsen, im Meißner Kreise, im Kreisamte Meißen, unweit Herzogswalde, 1 Stunde südwestl. von Wilsdruf entfernt gelegen. Es hat 150 Einwohner mit 8 ½ Hufen, und eine Filialkirche von Plankenstein. Ein Theil der Einwohner ist auch nach Herzogswalde eingepfarrt. Die eine Hälfte des Dorfs gehört schrifts. zum Rittergute Weistropp, die andere zu dem Rittergute Roth-Schönberg. In der Gegend dieses Orts, so wie auch an andern Orten der meißnischen Pflege, findet man bergsaftige Alaunerde, Mergel und Erdschmalz.

Der hohe Anteil von Pyrit (Schwefelkies) in verschiedenen Schiefern und Kalksteinen ist bekannt und machte seine Verwendung zu Bau- oder Düngezwecken schwierig oder ganz unmöglich. Solche Schiefer stehen an mehreren Stellen im Triebischtal an. Ob diese Gesteine tatsächlich auch auf Alaun verarbeitet wurden, ist uns noch nicht bekannt. Was hier mit Erdschmalz gemeint ist, müssen wir auch noch ermitteln. Jedenfalls ist an dieser Stelle auch vom Mergel die Rede also kalkreichen, tonigen Gesteinen, die man wie Kalkstein zum Herstellen von Branntkalk verwenden kann. Leider sagt uns diese Quelle aber nichts darüber, ob der Mergel zu dieser Zeit auch abgebaut wurde und von wem...

Helbigsdorf wurde am 1. Januar 1974 mit Blankenstein (siehe unten) vereinigt und diese Gemeinde am 1. Dezember 1994 in Helbigsdorf- Blankenstein umbenannt. Seit 1994 gehörte die Doppelgemeinde zum Landkreis Meißen. Am 1. Januar 1996 wurde sie schließlich nach Wilsdruff eingemeindet.

  

Für Steinbach, südwestlich von Wilsdruff gelegen, wurde erstmals 1551 ein altschriftsässiges Rittergut erwähnt. Die Herrschaft übte Erb- und Obergerichtsbarkeit aus. Steinbach zählte seit 1547 zum Erbamt Meißen. Im Zuständigkeitsbereich des Amtes Meißen lag es 1843. Seit 1856 unterstand der Ort dem Gerichtsamt Wilsdruff und kam daher ab 1875 zur Amtshauptmannschaft Meißen.

Das Gut Steinbach war mehrmals mit dem Rittergut Neukirchen kombiniert. Für dieses Gut, südöstlich von Nossen gelegen, wurde erstmals 1465 ein Rittersitz, 1519 ein Vorwerk und 1696 ein altschriftsässiges Rittergut erwähnt. Die Herrschaft übte Erb- und Obergerichtsbarkeit aus. Es zählte nachweislich 1378 zum castrum Meißen und seit 1547 zum Erbamt Meißen. Ab 1856 unterstand der Ort dem Gerichtsamt Wilsdruff und seit 1875 der Amtshauptmannschaft Meißen.

Im 14. Jahrhundert gehörte das Gut zusammen mit dem Ort Steinbach der Familie von Born, dann der Familie von Brand und später der Familie von Maltitz. Im Jahr 1547, als es noch amtssässig war, gehörte es Peter von Alnpeck.

Zu Beginn des 17. Jahrhunderts war Wolf von Morgenthal Herr auf Neukirchen. Von 1670 bis 1680 war das Gut im Besitz der Familie von Pantzschmann. Dann gehörte es dem Kammerherrn Hans Otto von Ponikau. Anschließend erwarb es die Familie von Mörner. Durch Verheiratung der Tochter des Majors von Mörner ging Neukirchen 1759 in den Besitz der Familie von Schönberg auf Reinsberg über. Im 18. Jahrhundert gehörte es außerdem noch dem Hofmarschall von Erdmannsdorf und später der Familie von Zedwitz. Um 1860 war der Geheime Rat Ludwig Friedrich Ferdinand von Zedtwitz Herr auf Neukirchen.

Zu Beginn des 17. Jahrhunderts wurde Hans von Loß als Besitzer von Steinbach genannt. Die Familie von Erdmannsdorf, die auch mit Neukirchen beliehen war, besaß das Rittergut von der Mitte des 17. Jahrhunderts bis 1740. Anschließend erwarb es der dänische Generalmajor von Mörner, der es wiederum seinem Schwiegersohn, einem Herrn von Schönberg auf Reinsberg überließ. Dann ging das Gut in den Besitz der Familie von Miltitz über, die es der Familie von Gersdorf überließ. Anschließend erwarb es der Hofrat von Zedtwitz, dessen Familie es um 1860 noch besaß.

Zum Ort Steinbach liest man im „Vollständigen Staats- Post- und Zeitungslexikon von Sachsen“ im Band 11, Ausgabe 1824: „Steinbach, bei Herzogswalde, auf einigen Charten Obersteinbach (wahrscheinlich zum Unterschied von jenem bei Kesselsdorf) ein mäßiges Dorf im Kreisamte Meissen, gehört zum dasigen altschriftsässigen Rittergute, jetzt also denen v. Gersdorf, an welche es von denen v. Miltitz kam. Der Ort liegt 4 1/4 Stunden südlich von Meissen, 3 Stunden von Freiberg, 1 3/4 Stunden von Willsdruf, in einem flachen, dem Trübische- Thal in nördlicher Richtung zufallenden, kurzen Grunde, worin sich Steinbach, obgleich nur in 40 Häusern gegen 200 Bewohner fassend, doch ziemlich lang ausdehnt. Es besitzt 5 Hufen, auch eine kleine Mühle, und ist nach Neukirchen gepfarrt. Südlich steigt der Steinberg an ...und in Westen ist die Waldung des Sonnberges. ... Das Rittergut ... war 1547 noch amtsässig, und gehörte damals dem Peter Allnbeck, 1612 dem Hanns Loß, 1726 und noch 1740 dem Hofmarschall v. Erdmannsdorf auf Neukirchen, später dem dänischen Major v. Mörner, seit 1759 aber dessen Schwiegersohn von Schönberg auf Reinsberg.“

Steinbach wurde am 1. Juli 1950 nach Neukirchen eingemeindet, was der historischen Entwicklung folgte. Mit Wirkung vom 1. März 1994 wurde Neukirchen dann der Gemeinde Reinsberg angegliedert. Steinbach gehört somit dem heutigen Landkreis Mittelsachsen an.

 

Dagegen gehörte der unter den genannten am weitesten nördlich gelegene Ort Blankenstein früher immer zum Rittergut Rothschönberg, wie man u. a. wieder im „Vollständigen Staats- Post- und Zeitungslexikon von Sachsen“, jetzt aber im Band 8, Ausgabe 1821, unter „P  nachlesen kann: „Plankenstein, auf Schents K. Blankenstein, ein Dorf im Meißner Kreise des Königr. Sachsen, im Erbamt Meissen, 3 ½ Stunden südlich von Meissen, links von der Freiberger Straße nach Dresden, gelegen. Der Ort hat eine Mutterkirche und Schule, die unter der Insp. Meissen und Kollatur des Ritterguts Rothschönberg stehen. Eingepfarrt hieher sind Helbigsdorf (das sonst als Filial galt) zur Hälfte und Schmiedewalde. ... Das Dorf gehört schrifts. zum Ritterg. Rothschönberg. Die Einwohner besitzen 38 Hufen.

Die weitere Entwicklung im Zuge der letzten Gemeindegebietsreformen war dagegen nicht unkompliziert: Am 1. Januar 1974 wurde der Ort nach Helbigsdorf eingemeindet. Diese Gemeinde wurde dann am 1. Dezember 1994 in Helbigsdorf- Blankenstein umbenannt. Seit 1994 gehörte die Doppelgemeinde zum Landkreis Meißen. Am 1. Januar 1996 wurde der Ort schließlich nach Wilsdruff eingemeindet. 1998 wurden Wilsdruff und somit auch Helbigsdorf- Blankenstein in den Weißeritzkreis eingegliedert. 2008 kam Helbigsdorf- Blankenstein zum neugebildeten Landkreis Sächsische Schweiz- Osterzgebirge.

 

Last not least: Wieder ganz anders sah es im Südosten unseres Gebietes bei den heutigen Ortsteilen der Stadt Wilsdruff Grumbach und Braunsdorf aus.

Die Stadt Wilsdruff wurde erstmals 1281 als oppidum erwähnt. Ein altschriftsässiges Rittergut wurde zuerst 1551 genannt. Die Herrschaft übte Erb- und Obergerichtsbarkeit aus. Erster bekannter Besitzer von Wilsdruff war der 1260 genannte Meißner Domherr Wigand von Wilandesdorff. Im Jahr 1323 kam der Besitz schon einmal an die Herren von Schönberg. Im Jahr 1357 wurde der Ort an Nicol Monhaupt verkauft. Vom frühen 15. bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts waren Vertreter des Adelshauses von Schönberg Erb-, Lehn- und Gerichtsherren der Stadt. Wilsdruff zählte seit 1696 zum Amt Dresden. Ab 1856 unterstand der Ort dem Gerichtsamt Wilsdruff und seit 1875 der Amthauptmannschaft Meißen.

Der heutige Ortsteil Grumbach von Wilsdruff zieht sich über etwa zwei Kilometer südlich von Wilsdruff entlang des Tals der Wilden Sau. Grumbach bildet die flächengrößte Gemarkung der Stadt Wilsdruff und entstand in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts. In einer beschöflich- meißnischen Urkunde vom 9. Februar 1223 wird es als Villa Grombach erstmals urkundlich erwähnt. Grumbach war ursprünglich als Waldhufendorf angelegt und ist bis heute durch die Landwirtschaft geprägt. Einen eigenständigen Herrensitz gab es hier nie. Der Ort gehörte teils zum Amt Meißen, teils zum Amt Dresden und teils zum Amt Großenhain. Seit dem 9. Juli 1998 gehört Grumbach zur Stadt Wilsdruff.

Den Ort finden wir ebenfalls im „Vollständigen Staats- Post- und Zeitungslexikon von Sachsen“, im Band 3, Ausgabe 1816: „Grumbach. Dorf in dem Königr. Sachsen, in dem Meißner Kreise, im Erbamte Meißen, an der Hauptstraße von Dresden nach Frelberg, 3 westlich von ersterer Stadt entfernt gelegen. Der Name des Orts mag entweder aus krummer Bach, oder Grundbach entstanden seyn; er liegt in der That an einem Grunde, den ein Bach, die wilde Sau genannt, durchfließt. … Ackerbau und Viehzucht sind Hauptnahrungszweige; außer einigen Professionisten findet man hier auch eine Mahlmühle und 2 Kalkbrüche. Grumbach hatte, wie man aus Urkunden ersieht, einst Marktrecht, das aber nach und nach einging.

Unter den in diesem Teil unseres Beitrages betrachteten Orten ist dies der einzige eindeutige Verweis auf die Existenz von Kalkwerken aus dieser Quelle und aus dieser Zeit ! 

Der Stadtteil Braunsdorf befindet sich im Südosten des heutigen Wilsdruffer Stadtgebietes und stellt die flächenmäßig kleinste Gemarkung der Stadt dar. Braunsdorf soll 1210 der 1206 erstmals genannte Hermannus de Worganewiz im Auftrag des Meißner Bischofs Bruno II. von Porstendorf gegründet haben, nach dem der Ort als „Brunos Dorf auch benannt ist.

Braunsdorf wurde 1411 als zur Pflege Dresden gehörig beschrieben. Für die amtssässige Grundherrschaft Braunsdorf wurde erstmals 1515 ein Rittergut erwähnt. Die Herrschaft übte Erbgerichtsbarkeit aus. Der Ort gehörte ab 1551 zum Rittergut Limbach und ab 1764 zum Rittergut Wilsdorf sowie anteilig zum Hospitalamt Dresden. 1696 gehörte es zum Bezirk des Amtes Grillenburg. Die Zuständigkeit ging 1764 anteilig auf das Amt Dresden und das Hospitalamt Dresden sowie 1816 anteilig auf das Amt Grillenburg und das Amt Dresden über. Seit 1843 war allein das Amt Grillenburg zuständig, seit 1856 das Gerichtsamt Tharandt. Ab 1875 unterstand Braunsdorf dann der Amthauptmannschaft Dresden.

Im Postlexikon begegnen wir zwar den Ortsnamen Bräunsdorf und Braunsdorf mehrfach und finden das richtige auf Seite 481 des ersten Bandes, wo es heißt: Dorf im Meißnischen Kreise, im Amte Dresden, in Hinsicht des einen Theils, im Erzgebirgischen Kreise aber, und im Amte Grillenburg hinsichtlich des anderen Theils; 1 ½ Stunde westl. von Dresden, links ab von der Straße nach Freiberg gelegen... [Der] größere Theil des Dorfes gehört schriftsässig zum Rittergute Wilsdruff... Endlich gehört das hiesige amtsässige Rittergut ohne Hufen und Dorfunterthanen unter das erzgeb. Amt Grillenburg.“  Deshalb wird der Ort in dieser Quelle auch unter dem Stichwort Wilsdruff erwähnt: „Zubehör des hiesigen, sehr bedeutenden Rittergutes sind die Dörfer Porsdorf, Saalhausen, Lotzen, das Lohenvorwerk, und Antheile an Grumbach, Braunsdorf, Niederhermsdorf, so wie an den im Amte Meissen gelegenen Dörfern Birkenhayn, Herzogswalde und Röhrsdorf.“

Um die Mitte des 19. Jahrhunderts (wenigstens 1853 – 1855) war das Rittergut Braunsdorf im Besitz von Rudolph Woldemar von Seydwitz. Diese Familie ist im Staatsarchiv in Zusammenhang mit der Familie von Wiedebach zu finden. 

Braunsdorf wurde am 1. Januar 1973 den bis dahin eigenständigen Gemeinden Oberhermsdorf und Kleinopitz angegliedert und damit eine neue, größere Gemeinde Braunsdorf gegründet. Am 1. März 1994 wurde Braunsdorf zunächst nach Kesselsdorf eingemeindet. Kesselsdorf wiederum wurde am 1. August 2001 mit Wilsdruff vereinigt, wobei Braunsdorf, Oberhermsdorf und Kleinopitz wieder von Kesselsdorf losgelöst wurden und als drei eigenständige Ortsteile zu Wilsdruff eingemeindet wurden. Heute gehört Wilsdruff dem Landkreis Sächsische Schweiz- Osterzgebirge an.

  

  

 

Zur Geologie der Kalksteinvorkommen im mittleren Triebischtal

 

Wir befinden uns jetzt im südlichen Teil des Nossen- Wilsdruffer Schiefergebirges, welches hier nach Süden durch die Caldera des Tharandter Vulkans und nach Südosten durch das Döhlener Becken begrenzt wird. Einen Überblick zur Geologie haben wir bereits im ersten Teil dieses Beitrages gegeben. Im Weiteren konzentrieren wir uns nur auf die Kalksteinvorkommen.

Im Rahmen der geologischen Landesuntersuchung entstand um 1845 die Geognostische Karte des Kgr. Sachsen, auf deren Blatt X, Riesa bis Stolpen, auch dieses Gebiet zu finden ist. In dieser Karte wurden die damals bekannten Kalkvorkommen festgehalten.

  


Ausschnitt aus der geognostischen Karte, Blatt X, Ausgabe 1846.

 

K. Pietzsch bearbeitete 1914 bis 1916 u. a. das Blatt 64, Tanneberg- Deutschenbora, neu und ordnet in seinen „Erläuterungen zur geologischen Specialkarte des Königreichs Sachsen, 2. Auflage 1916, die hier vorhandenen Kalksteinvorkommen in folgende Kapitel und Alterstufen ein:

III. Die phyllitische Schichtengruppe ...

2. Die Abteilung der tonschieferartigen Phyllite ...

b) Kalkstein

„Einlagerungen von Kalkstein sind an zwei Stellen (auf dem Blatt Tanneberg) bekannt, sie liegen beide im tieferen Teile der Zone, im Hangenden des Chloritgneises. Das eine dieser Lager ist mit dem Rothschönberger Stollen bei etwa 320 m nordöstlicher Entfernung vom 1. Lichtloche übergefahren worden…

Das andere Lager liegt in der Nähe der Kirche von Blankenstein und wurde unterirdisch abgebaut, mit Hilfe eines etwa 35 m tiefen, bis zur Triebischtalsohle hinabreichenden Göpelschachtes, von dem aus ein meist in Chloritgneis stehender Querschlag in nördlicher Richtung nach dem 80 m entfernten Kalklager getrieben war. Die westlich von diesem Querschlag gelegenen Baue sind längst zu Bruch gegangen, was über Tage Anlaß zur Entstehung einer großen Pinge gegeben hat. Der zuletzt noch betriebene, gegenwärtig aber auch schon längere Zeit auflässige Bruch liegt etwa 60 m östlich vom Querschlag.

  


Ausschnitt aus der Geologischen Karte No. 64, Ausgabe 1916. Dunkelblau sind die Kalklager eingezeichnet.

 

Weiter bei Pietzsch: In ihm sah man dunkelbläulichgrauen, mitunter weiß oder lichtrötlich gebänderten Kalkstein teilweise bis 5 m hoch, rein und ohne Schieferzwischenlagen anstehen. Auch zwischen diesem Bruch und dem Querschlag hat man mehrfach inmitten von tonschieferartigem Phyllit Kalkstein angetroffen. Diese Vorkommen sind jedoch wahrscheinlich nur die durch Verwerfungen verschobenen Teile des im großen und ganzen ost-westlich streichenden Hauptlagers, zumal man überall in den Bauen des Kalkwerkes sehr verworrenen und gestörten Lagerungsverhältnissen begegnet ist. Ebenso dürfte der westlich vom Blankensteiner Friedhof durch einen alten auflässigen Bruch aufgeschlossene Kalkstein mit dem Hauptlager in unterirdischem Zusammenhang stehen.

Die chemische Zusammensetzung ergibt sich aus…folgender Analyse:  

  CaO MgO Fe2O3 und Al2O3 Unlösliches
Heller Kalkstein

44,0

0,7

3,4

16,2

Dunkler Kalkstein

52,6

Spuren

2,8

1,5

  

Die anderen Vorkommen weiter südöstlich im Triebischtal wurden von Pietzsch überwiegend dem Silur zugeordnet:

IV. Das Altpaläozoikum
1. Das Silur

d) Kalkstein

Hier liest man: Der als silurisch aufzufassende Kalkstein hat eine feinkristalline bis dichte Beschaffenheit und besitzt graue bis dunkelgraue Farbe. Häufig ist er auch infolge einer mehr oder minder dünnschichtigen Wechsellagerung von helleren und dunkleren Lagen grau und weiß gestreift. Die weiße Farbe und die z. T. grobkristalline marmorartige Beschaffenheit, durch die sich das Burkhardswalder Vorkommen auszeichnet, ist auf kontaktmetamorphische Beeinflussung von seiten des Meißener Syenits zurückzuführen. Sehr wechselnd ist die Beteiligung von grauen und schwarzen Tonschieferhäutchen und Flasern. Bald fehlen jene völlig, bald stellen sie sich in so beträchtlicher Menge ein, daß sich das Gestein nicht mehr zum Brennen eignet; insbesondere in dem großen Bruche bei Groitzsch lassen sich alle möglichen Übergänge von reinem Kalkstein bis zu einem Kalkschiefer (Kalktonschiefer) verfolgen.

Die …ausgeführten chemischen Analysen von Proben der verschiedenen silurischen Kalksteine des Blattes Tanneberg haben übereinstimmend ergeben, daß diese durchweg nur geringe Mengen Magnesia enthalten…

  CaO MgO Fe2O3 und Al2O3 Unlösliches
Steinbach

37,8

1,0

1,3

26,5

Groitzsch

52,7

0,6

0,5

3,9

Munzig

52,4

1,0

1,2

3,0

Schmiedewalde

53,3

1,0

0,9

1,5

  

Die Mächtigkeit des Kalksteins beträgt in der Regel nur wenige Meter, nur bei dem Groitzscher und Schmiedewalder Lager ist sie bedeutender. Über die Lagerungsverhältnisse und die Beschaffenheit der Kalksteinvorkommen im einzelnen läßt sich folgendes sagen: …

Endlich sind aus der Gegend zwischen Steinbach und Helbigsdorf noch eine Anzahl von Kalksteinlagern bekannt. Das bedeutendste ist dasjenige, welches nordwestlich von Steinbach am linken Gehänge des Triebischtales zutage tritt und sich hier 300 400 m weit am Hange entlang verfolgen läßt. Der Kalkstein ist von dunkelgrauer Farbe, dichtem Gefüge und enthält ziemlich viel schwarze Tonschieferhäutchen eingeschaltet, weshalb auch die chemische Analyse … nur 69% kohlensauren Kalk ergab. Der daraus gewonnene Ätzkalk eignet sich daher vorwiegend nur für Düngezwecke. In ziemlich ausgedehntem Maße hat früher der Kalkstein in den Freiberger Hütten als Zuschlagmittel bei dem Flammenofenprozesse Verwendung gefunden.

Seine Gewinnung erfolgte anfänglich im Tagebau, sodann durch einen umfangreichen Stollenbetrieb; gegenwärtig ist das Werk schon längst auflässig.

Der Kalkstein schneidet mit einer NNW streichenden Verwerfungskluft an Diabastuff ab. Zwischen beiden findet sich im südlichen Teile des Bruches eine Scholle von meist weichem, schwarzen, reichlich Eisenkies enthaltenden Alaunschiefer eingequetscht. ...  

  


Die geologische Struktur des nahezu parallel zur Triebisch in SO- NW- Richtung streichenden Steinbacher Lagers illustriert auch ein vom Markscheider Richard Heuchler im Jahr 1894 gezogener Grubenriß (Quelle: Sächsisches Staatsarchiv, Bergarchiv Freiberg, Bestand 40050 (Bergamt Dresden mit Vorgängern), Nr. 061: Kalksteinbruch von Carl Kluge in Steinbach bei Mohorn).
  


Am linken Bildrand ist darin ein Saigerriß quer zum Triebischtal (etwa in West-Ost-Richtung) enthalten. Das hier braun gezeichnete und mit „1894 zusammengebrochener alter Abbau" bezeichnete und, wie oben beschrieben, einige Meter mächtige Kalklager fällt mit steiler Neigung in westliche Richtung ein.

   

Südwestlich von Helbigsdorf trifft man in der Nähe von Böhm’s Mühle*) einen alten, ganz verwachsenen Kalksteinbruch, in dem …ein sehr feinkörniger, dunkelbläulich und schwärzlichgrauer, dickschiefriger, mit Lagen von Tonschiefer und Alaunschiefer durchzogener Kalkstein gebrochen worden ist. Auf der Südseite des Bruches, also im Liegenden des Kalksteinlagers steht schwarzer Alaunschiefer an, der mit etwa 40° nach NW einfällt und nordöstlich streicht; an der Nordseite des Bruches steht Diabastuff an. Dieses Kalksteinlager soll in westlicher Richtung unter der Talsohle fortsetzen und auch am gegenüberliegenden Triebischtalhange nachgewiesen worden sein.

Das letzte Kalksteinvorkommen weiter talaufwärts findet sich einige hundert Meter nordwestlich von der Semmelmühle am Wege von Mohorn nach Helbigsdorf im Hangenden eines Diabaslagers. Es ist fast völlig abgebaut, bestand aus dichtem, im unteren Teile des Lagers graulichweißen bis aschgrauen, von kleinen Eisenkieswürfeln durchsprengten, im oberen Teile dunkelaschgrauen bis schwärzlichgrauen und von dünnen Tonschiefer- und Alaunschieferlagen durchzogenen Kalkstein, dessen Schichten ein annähernd ost-westliches Streichen (hora 7) und 25° nördliches Fallen aufweisen…“

*) Der Name „Böhm’s Mühle“ begegnet uns auf den historischen Flurkarten nur Anfang des 20. Jahrhunderts (Meßtischblatt Nr. 64, Ausgabe 1911, Ausschnitt folgende Abbildung). Es handelt sich dabei um die heutige Leuthold- Mühle. Auf dieser Karte finden wir noch weiter südöstlich auch die Semmel- Mühle und zwischen beiden die Konturen kleiner Steinbrüche im östlichen Talhang.

  


Ausschnitt aus dem Meßtischblatt No. 64 Deutschenbora, Ausgabe 1911, mit der Lage der oben erwähnten Mühlen im Triebischtal.

  

Schließlich verweist Pietzsch noch auf ein weiteres Vorkommen, das er folgendem Kapitel zuordnet:

3. Der Kulm

„Kalkstein ist im Kulm (also im Karbon) des Blattes Tanneberg außer demjenigen, der als eine kalkreiche Abart der Kalkgrauwacken zu betrachten ist, noch in Form eines kaum mehr als 3 m mächtigen Lagers vorhanden, welches sich etwa 200 m westlich von der Kirsten-Mühle (westlich Helbigsdorf) am rechten Triebischtalhange dunklen kulmischen Schiefern einschaltet. Dieser lichtgraue Kalkstein ist vielfach von grünlichen Schieferflasern durchwachsen. Daneben ist auch noch dunkelgrauer dichter Kalkstein vorhanden, welcher weißlich oder auch ockerig anwittert und mehr in Form von langen flachen Linsen dem hangenden schwarzen Tonschiefer eingeschaltet ist. In diesem dunklen Kalkstein liegen zahlreiche bis 1 cm lange Mandeln von grobspätigem Kalkstein, welche nicht selten auch vollständig ausgewittert sind.“

  


Ausschnitt aus der Geologischen Karte No. 64, Ausgabe 1916. Auch das vormals Kayser’sche, dann Kluge’s Kalkwerk war zu dieser Zeit bereits eingestellt. 

  

Für den Bereich um Grumbach und Braunsdorf müssen wir das geologische Kartenblatt wechseln. Das östlich anschließende Kartenblatt No. 65, Wilsdruff, wurde in erster Auflage 1894 von K. Dalmer und R. Beck geologisch bearbeitet. Bei ihnen können wir folgende Bewertung dieses Kalksteinvorkommens nachlesen:

IV. Das Cambrium

„… Dem Cambrium dürfte höchst wahrscheinlich auch das nördlich des Keiles von erzgebirgischen Gneissen gelegene Braunsdorfer Kalklager angehören. Dasselbe wird durch zwei Kalkwerke, das Krumbiegel'sche und Wätzig'sche, unterirdisch abgebaut. Sein Gestein ist ein grauer bis röthlich oder gelblich grauer, meist feinkrystalliner, nur in kleineren Partien gröberes krystallines Korn aufweisender, dolomitischer Kalk, der bald ziemlich rein, bald mehr oder weniger kieselig oder mit Thonschiefersubstanz gemengt erscheint.

Die tektonischen Verhältnisse des Kalklagers sind höchst unregelmässige. Streichen und Fallen seiner Schichten wechseln rasch; zahlreiche Verwerfungsklüfte durchsetzen und dislociren die letzteren, so dass die abbauwürdigen Theile des Lagers höchst unregelmässige Form und gesetzlose Verbreitung erhalten, wodurch naturgemäss deren Abbau sehr erschwert wird. Auch die Grenzen des Kalksteinlagers werden von Verwerfungen gebildet, auf welchen dasselbe an cambrischen Thonschiefern abstösst. 

  


Di
e „höchst unregelmässige Form und gesetzlose Verbreitung“ illustriert sehr schön ein 1894 von Markscheider Richard Heuchler unter Benutzung älterer Risse gezeichneter und bis 1908 nachgebrachter Grund- und Saigerriß des Wätzig'schen Kalkwerkes. Quelle: Sächsisches Staatsarchiv, Bergarchiv Freiberg, Bestand 40050 (Bergamt Dresden mit Vorgängern), Nr. 046: Kalkwerk von Oskar Wätzig in Grumbach bei Wilsdruff
  


Der Saigerriß am unteren Rand des obigen Risses illustriert die Abbaumethodik im Tiefbau mit unregelmäßigem Weitungsbau: Grau sind die Abbaukammern dargestellt. Man versuchte dabei, die Pfeiler auf den Abbausohlen übereinander zu belassen, damit die Last des Hangenden nicht auf die Schweben über offenen Kammern darunterliegender Abbaue übertragen wurde. Zur verbrochenen
oberen Etage“ hielt man respektvoll Abstand.

  

Die zweite Auflage des Blattes 65 wurde 1914 bis 1916 ebenfalls durch K. Pietzsch neu bearbeitet. Die dolomitischen Kalkvorkommen südlich von Grumbach und südwestlich von Braunsdorf ordnet er nun wie folgt ein:

III. Das Altpaläozoikum

2. Das Devon

„Dem Devon gehört wahrscheinlich auch das Lager von Kalkstein an, welches südlich von Braunsdorf durch die jetzt (seit 1911) vereinigten, ehemals Krumbiegel’schen und Wätzig’schen Kalkwerke unterirdisch abgebaut wird. Das Gestein ist ein blaugrauer bis rötlich oder gelblichgrauer, meist sehr feinkristalliner, nur in kleineren Teilen gröberes Korn aufweisender dolomitischer Kalk, der bald ziemlich rein, bald mehr oder weniger kieselig oder mit Tonschiefersubstanz gemengt erscheint. Die chemische Analyse des Kalksteins ergab: ...“ 

  CaO MgO Fe2O3 und Al2O3 Unlösliches
Nach E. Mylius

32,54

18,26

0,85

3,09

Nach F. Mammen

30,89

15,62

3,66

7,97

Nach Wunder, Herbrig und Eulitz

28,40

18,73

2,43

7,27

Theoretische Zus. 
(nach Rößler) *
30,41 21,68 - -

*) Diese Angabe aus dem Lehrbuch für Mineralogie bezieht sich auf das reine Mineral Dolomit ohne Beimengungen von Eisen (Ankerit) oder Mangan (Kutnahorit). Der Rest der Prozentsumme entfällt jeweils auf das Karbonat. Doch weiter im Text von Pietzsch:  

Die tektonischen Verhältnisse des Kalklagers sind verwickelt. Streichen und Fallen seiner Schichten wechseln rasch; zahlreiche Klüfte durchsetzen und verwerfen sie, so daß die abbauwürdigen Teile des Lagers höchst unregelmäßige Form und gesetzlose Verbreitung erhalten, was naturgemäß den Abbau sehr erschwert.“

    


Ausschnitt aus der Geologischen Karte No. 65, Ausgabe 1916. Die Vorkommen von Dolomit bei Grumbach
bzw. Braunsdorf wurden um die Wende zum 20. Jahrhundert noch durch zwei Werke abgebaut. Südöstlich vom Krumbiegel’schen lagen aber noch die „Friebel’schen Abbaue“.

  

  

 

Zum Dolomit

 

Weil uns der Dolomit im  nördlichen Teil unserer Wanderungen im Triebischtal noch nicht begegnet ist, aber vielleicht nicht jeder Leser mineralogisch vorgebildet ist, sollen im Folgenden einige Anmerkungen zu diesem Gestein eingefügt werden.

Der Begriff „Dolomit“ bezeichnet sowohl das Gestein, als auch das Mineral, aus dem das Gestein Dolomit im Gegensatz zum Kalkstein vorwiegend aufgebaut ist.

Als eigenständiges Mineral wurde Dolomit 1792 durch den Schweizer Mineralogen Horace Bénédict de Saussure (*1740, †1799) erstmals beschrieben. Dieser benannte das Mineral 1796 nach dem französischen Geologen Déodat de Dolomieu. Früher verwandte man für das Mineral auch die Bezeichnung „Bitterspat“, dabei hat er gar keinen bitteren Geschmack.

Das Gestein hat der französische Geologe Déodat de Dolomieu (*1750, †1801) bei einer Reise durch die damals als „Bleiche Berge“ oder „monti pallidi“ bezeichneten Berge der Südalpen erstmals beschrieben. Er fand heraus, daß sich das Gestein dort eben nicht nur aus „Kalkerde“ (CaO), sondern zu gleichen Anteilen auch aus „Magnesiaerde“ (MgO) zusammensetzte. Auch wenn das Gestein von seinem äußeren Anschein und in seinen physikalischen Eigenschaften dem Kalkstein sehr ähnlich ist, ist doch leicht festzustellen, daß es sich, anders als der Kalkstein, in schwacher bzw. verdünnter Säure nur sehr langsam auflöst.

Dolomieu wollte das neue Gestein eigentlich nach seinem Lehrer, dem Mineralogen und Mont Blanc- Besteiger Horace- Bénédict de Saussure, benennen; aber bald darauf starb er selbst, und die Wissenschaftler benannten nun das Mineral und das Gestein nach ihm. Seitdem tragen auch die „Bleichen Berge“ der Südalpen den Namen „Dolomiten“. In älterer Literatur findet man gelegentlich auch noch den Namen „Saussurite“. Dabei muß man beachten, daß mit dieser Bezeichnung von den Mineralogen heute ein polymineralisches, metamorphes Umwandlungsprodukt von Plagioklas gemeint wird (wikipedia.de).

Während Kalkstein und Marmor gewöhnlich zum größten Teil aus dem Einfachkarbonat des Kalziums CaCO3 (dem Mineral Calzit) bestehen, besteht das Gestein Dolomit (man spricht bei metamorph überprägtem Gestein auch von Dolomit- Marmor“) überwiegend aus dem Doppelkarbonat mit den zwei Kationen des Kalziums und des Magnesiums CaMg(CO3)2. Man kann die chemische Formel des Minerals Dolomit auch CaCO3 • MgCO3 schreiben. Im Schichtgitter wechseln sich die beiden Kationen ab, wodurch die Symmetrie abnimmt. Im Gegensatz zu den trigonal- skalenoedrisch kristallisierenden Einfachkarbonaten tritt beim Dolomit deshalb vorwiegend trigonal- rhomboedrischer Habitus auf.

Aufgrund des kleineren Ionenradiusses des Magnesiumions gegenüber dem des Kalziumions ist die Packungsdichte im Gitter beim Dolomit etwas höher. Noch höher ist sie beim reinen Magnesiumkarbonat MgCO3, welches als natürliches Mineral den Namen Magnesit trägt. Demzufolge nehmen auch die Dichte (Calzit 2,7 g/cm³, Dolomit 2,85 g/cm³, Magnesit 3,0 g/cm³) und die Mohs'sche Ritzhärte (Calzit 3, Dolomit 3,5 bis 4, Magnesit 4) mit dem Magnesiumanteil zu.

Das Gestein Dolomit ist wie der Kalkstein im petrographischen Sinne ein Sedimentgestein, welches sowohl durch primäre Ausfällung des Doppelsalzes aus einer übersättigten Lösung, als auch durch eine sekundäre Dolomitisierung von Kalksedimenten entstehen kann. Es handelt sich also primär um ein chemisches Sedimentgestein, das sich unter ariden Klimabedingungen in abgeschlossenen Meeresbecken oder abflußlosen Beckenseen aufgrund der verdunstungsbewirkten Übersättigung des Wassers mit gelösten Mineralien absetzt.

Aufgrund seiner sehr niedrigen Löslichkeit (bei Abwesenheit von gelöstem Kohlendioxid gerade einmal 14 mg/l unter Normalbedingungen) fällt bei ansteigender Konzentration das Kalziumkarbonat stets als eine der ersten Verbindungen aus der Lösung aus. Da nun aber die meisten Magnesiumsalze demgegenüber sehr gut löslich sind, fallen sie eigentlich gar nicht zusammen mit dem Kalziumkarbonat aus der Lösung aus, sondern finden sich normalerweise erst später in Paragenese mit Steinsalz und Kalisalzen bei den echten Evaporiten (Eindampfungsgesteinen), z. B. als die Sulfate Kieserit und Epsomit oder als die Chloride Carnallit und Bischofit.

Es ist allseits bekannt, daß zahlreiche Kalkgesteine biogenen Ursprungs sind („Muschelkalk“, Kreide). Aktuelle Forschungen zeigten an rezenten Beispielen von Lagunen in Brasilien nun auch, daß für die Dolomitgenese Schwefelbakterien und Fäulnisprozesse von Bedeutung sein können. Durch die biologischen Abbauprozesse wird das leicht lösliche Magnesiumsulfat (Löslichkeit 300 Gramm pro Liter unter Normalbedingungen) dabei unter Bildung von Schwefelwasserstoff zum wesentlich schwerer löslichen Magnesiumkarbonat (Löslichkeit nur 106 Milligramm pro Liter) umgesetzt bzw. als Doppelkarbonat gebunden.
  

Der Prozeß läuft etwa so ab:

gelöstes Kalziumkarbonat und Magnesiumsulfat, Zersetzung organischen Materials 
  

 

Ausfällung von Dolomit und Ausgasung von Schwefelwasserstoff
 
 

Ca2+ + (CO3)2- + Mg2+ + (SO4)2- + CH4

 CaMg(CO3)2  + H2O + H2S

Methan (CH4) steht in dieser Gleichung stellvertretend für organische Substanzen. Der entstehende Schwefelwasserstoff führt daneben häufig zu einer syngenetischen Anreicherung solcher, unter euxinischen Bedingungen gebildeter Sedimentgesteine mit Schwermetallsulfiden.
  

Relativ häufig sind (ebenfalls biogene) Riffkalkgesteine sekundär dolomitisiert. Daß diese Gesteine dafür prädestiniert sind, mag teils an der hohen Porosität des Kalks der einstigen Korallenriffe liegen, wodurch selbst in größerer Versenkung (unter regionalmetamorphen Bedingungen) eine Zirkulation von Lösungen noch lange möglich bleibt; teilweise auch daran, daß überwiegend biogene Kalkgesteine nicht aus Calzit, sondern zum großen Teil aus dessen instabiler, rhombischer Modifikation (aus dem Mineral Aragonit) bestehen, wodurch deren sekundäre Umwandlung leichter vonstattengeht.

Ein weiterer Prozeß, der zu einer sekundären Dolomitisierung führen kann, ist die sogenannte Metasomatose (von griechisch: μετα (meta) ‚mit-, nach-, um-‘; und σῶμα (sóma) ‚Körper‘). Die Metasomatose stellt einen Grenzfall der Metamorphose dar, da sie nicht isochem abläuft. Im Unterschied zur isochemischen Metamorphose wird bei der Metasomatose die elementare chemische Zusammensetzung des Gesteins verändert (allochemische Metamorphose). Metasomatische Prozesse finden vor allem in der durch pneumatolytische und hydrothermale Prozesse geprägten Endphase der Magmendifferenzierung also gewöhnlich unter kontaktmetamorphen Bedingungen statt.

Die Mineralien im Gestein werden dabei durch heiße und unter hohem Druck stehende, aggressive und höchst mobile Fluide gelöst; sie reagieren mit den in den Fluiden gelösten Stoffen und es bilden sich neue Mineralen. Durch Zufuhr von gelösten Magnesiumionen kann es dabei u. a. auch zur Dolomitisierung von Kalksteinen kommen.
  

Bei diesem Prozeß findet einfach ein anteiliger Austausch der Kationen statt:

Magnesiumionen und Kalkspat
  

 

Dolomit und Kalziumionen
 

Mg2+ + 2 CaCO3 

 CaMg(CO3)2 + Ca2+  

Da diese heißen Lösungen natürlich nicht nur Magnesiumionen enthalten, können bei diesem Prozeß auch sogenannte Skarne gebildet werden, welche abbauwürdige Gehalte von Magnetit, Kupferkies, Zinkblende, Zinnstein und anderen Erzen aufweisen können. Solche Eisen- und Buntmetall-Komplexerze wurden besonders häufig im Westerzgebirge (Breitenbrunn, Pöhla u. a.), aber auch bei Munzig im unteren Triebischtal („Strahlsteinlager“) vorgefunden und auch abgebaut.

   


Dolomitkristalle mit rhomboedrischem Habitus. Die rötlich-braune Farbe der Kristalle bei dieser Stufe aus Paitzdorf/Thüringen kommt durch Schüppchen von Hämatit auf den Kristallflächen zustande. Bildbreite zirka 5 cm. (Sammlung Boeck)

Vergleich mit dem  Calzit.

   


Als Gestein sieht der Dolomit – hier der Plattendolomit aus Geithain – etwa so aus (Handstück aus einem ehemaligen Tagebau bei Geithain).

  

Dolomit wird im Vergleich zu anderen Karbonaten nur sehr schwer von Säuren angegriffen. Die Reaktionsgeschwindigkeit mit Säure beträgt weniger als ein Tausendstel der von Calzit. Als eigenständiges Mineral wurde Dolomit 1793 durch den Schweizer Mineralogen H. B. de Saussure erkannt, der ihn nach dem französischen Geologen D. de Dolomieu benannte. Früher gab es für den Dolomit auch die Bezeichnung Bitterspat, obwohl er überhaupt keinen bitteren Geschmack besitzt.

Anwendung findet Dolomitgestein in der Bauindustrie als Pflaster- und Mauerstein, für Bodenplatten, Mauerabdeckungen, Trittstufen, Gestaltungssteine, Wasserbausteine und Edelsplitte. Dolomit ist auch Zuschlagstoff für die Stahlherstellung und Rohstoff für die Glasindustrie. Darüber hinaus ist er ein Hauptbestandteil von Mineralwolle. Dolomit wird zur Bodenstabilisierung sowie als Düngekalk in der Landwirtschaft eingesetzt. Pulverisierter Dolomit wird als „Wiener Kalk“ bezeichnet und als Scheuermittel verkauft; da seine Härte gerade richtig ist, um Kalkbeläge abzukratzen, aber Glas und Porzellan unberührt zu lassen.
  

Außerdem ist es ein Ausgangsstoff für die Herstellung verschiedener Chemikalien. Dolomit kann dazu genau wie Kalkstein gebrannt werden. Bei langsamer Erhitzung von Dolomit wird aber zuerst nur das an Magnesium und erst danach – bei höherer Temperatur – auch das an Kalzium gebundene Kohlendioxid abgespalten. Das Produkt nach der Abspaltung von nur einem Molekül CO2 wird „Magno“ oder „halbgebrannter Dolomit“ genannt. Durch vollständige Kalzinierung entsteht gebrannter Dolomit.

Dolomit
  

 

Kalziumkarbonat, Magnesiumoxid und Kohlendioxid (halbgebrannter Dolomit)

CaCO3  MgCO3  

CaCO3 + MgO + CO2

   
Kalziumkarbonat und Magnesiumoxid
 

 

   
Kalziumoxid, Magnesiumoxid und Kohlendioxid (gebrannter Dolomit)

CaCO3 + MgO 

CaO + MgO + CO2

In der Trinkwasseraufbereitung ist Magno ein wichtiges Filtermaterial, das zur Entsäuerung (Kohlendioxid- bzw. Kohlensäurebindung als Hydrogenkarbonat) eingesetzt wird. Auch bei der Restaurierung von Büchern wird es zur Bindung von Säureresten im Papier verwendet.  Aus dem gebrannten Dolomit wird unter Verwendung von chloridhaltigen Restlaugen der Kalisalzaufbereitung das Magnesiumhydroxid (Brucit) hergestellt.

gebrannter Dolomit und  Magnesiumchloridlösung

 

Kalziumchlorid und Magnesium- hydroxidlösung

CaO + MgO + MgCl2 + 2 H2O  

CaCl2  + 2 Mg(OH)2

In Feuerfestwerkstoffen, wie Schamotte, erhöht sich durch Zusätze von Magnesiumoxid (Periklas) deren Temperaturwechselbeständigkeit. Es ist außerdem Bestandteil von besonders druckfesten Spezialzementen (z. B. Sorel-Zement), die u. a. für Estriche in Industrieanlagen und im Kalibergbau Verwendung finden. Deren Vorteil besteht im Salzbergbau darin, daß sie mit gesättigter MgCl2 - Lauge angemischt werden und dadurch keine Lösungsprozesse im Salzgestein provoziert werden. Das Abbinden des Sorel-Zements erfolgt laut Wikipedia durch Bildung des wasserhaltigen Oxychlorids:

Magnesiumoxid und 
Magnesiumchloridlösung

 

Magnesiumoxichlorid
 

5 MgO + MgCl2 + 13 H2O  

5 Mg(OH)2 MgCl2 8 H2O

Wo außerdem in Sachsen Dolomit abgebaut wurde, berichten wir u. a. in unserem Beitrag zu
 Geithain
.

  

 

 

Zur Geschichte des Abbaus

Zu den Kalkwerken Hahn und Faust (Zschalig) in Blankenstein

 

Über den Beginn des Kalksteinabbaus in Blankenstein kann man nur mutmaßen. Der Name des Ortes könnte darauf hinweisen, daß schon zu seiner Gründungszeit das Kalklager bekannt war, denn blankmeinte ursprünglich auch „hell“ oder weiß“. Zu beachten ist dabei aber, daß einerseits der hier anstehende Kalkstein überhaupt nicht weiß war, sondern grau und bunt gefärbt; und daß die Schreibweise des Ortsnamens auf historischen Karten oft „Planckenstein“ lautete. Der Ortsname könnte also durchaus auch einen ganz anderen Ursprung haben.

Nach Angaben in der bergschadenkundlichen Analyse (40073-1, Nr. 065) sei ein Kalkbergwerk in Blankenstein bereits 1723 erwähnt. Die bisher älteste, von uns recherchierte Nachricht über den Kalkbergbau in Blankenstein nennt den Bau eines Kalkofens durch Hans Dietrich von Schönberg, Besitzer des Ritterguts Rothschönberg und datiert auf das Jahr 1733 (20014, Nr. 4503).

Hans Dietrich von Schönberg baute um 1750 westlich der Kirche Kalkstein im Tagebau ab. Die noch heute offene Pinge ist, wenn man die Treppe hinter der Kirche zum Abstieg ins Triebischtal benutzt, rechter Hand gut einzusehen. Das bei der Förderung anfallende taube Gestein wurde neben dem Schloßberg abgekippt. Dieser Talhang wurde aus diesem Grund früher mit dem Flurnamen Haldensturz bezeichnet. Bis zur Wende wurde die Pinge als Müll- und Schuttloch zweckentfremdet. Die Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr Blankenstein beräumten 2002 den Müll und renaturierten das Gelände teilweise mit dem Aushub für die Bodenplatte des zu dieser Zeit errichteten neuen Gerätehauses.

Über einen Verkauf des Kalkhauses an Heinrich Wilhelm von Schönberg gibt es Akten aus dem Jahre 1793 (10527, Nr. 348). Abrechnungen des Kalkbruches und der Kalkbrennerei aus dem Zeitraum von 1801 bis 1812 haben wir im Nachlaß der Familie von Schönberg gefunden (12614, Nr. 341 und 342). Auf Grundlage dieser Quellen konnten wir einige Angaben zum frühen Bergbau durch die von Schönbergs in einem  Nachtrag präzisieren.

In der nach 1836 gedruckten Oberreith‘schen Karte von Sachsen ist bereits nur noch der Kalkofen beim Faust'schen Kalkwerk eingezeichnet. Ob die 1884 von Faktor Lorenz gelobte Schachtausmauerung im Faust'schen Kalkbruch bereits auf die von Schönberg’s zurückgeht, da diese Familie durch die Berufungen als sächsische Oberberghauptleute natürlich umfangreiche bergbautechnische Erfahrungen besaß, wissen wir nicht. Jedenfalls lag der erste urkundlich nachweisbare Kalksteinbergbau in Blankenstein im 18. Jahrhundert in den Händen der von Schönberg's.

  


Ausschnitt aus dem Meilenblatt, Berliner Exemplar, angelegt um 1790. Zu dieser Zeit ist nur der von Schönbergische Kalkbruch verzeichnet. Kalkofen und Kalkhaus standen nach den Forschungen der Heimatfrunde aus Blakenstein im Tal der Triebisch, nahe der heutigen Brücke an der Niedermühle.

 


Ausschnitt aus dem Meilenblatt, Freiberger Exemplar, angelegt um 1790, Nachtragungen bis 1870. Pinkert‘s Mühle im Triebischtal (die heutige Niedermühle) sowie Reif‘s Mühle (später Obermühle, heute Krille-Mühle) sind zu sehen. Der Faust‘sche „Kalk Bruch u. Ofen“ wurde hierin mit inzwischen verblaßtem Rotstift nachgetragen.

  

In den „Geognstischen Wanderungen“ von Bernhard Cotta aus dem Jahr 1836 findet sich eine kurze Beschreibung des Schönbergischen Kalkbruches. In der Zweiten Abtheilung: Geologische Wanderungen in die nähere und entferntere Umgegend von Tharandt liest man im §53. Körniger Kalkstein im Schiefer des Triebischthales: „Bei Herzogswalde kommen wir wieder in´s Gebiet des versteinerungsleeren Thonschiefers, der aber von vielen Grünsteinmassen und von Porphyr durchsetzt ist. … Bald hinter Herzogswalde zieht sich das Triebischthal von der Freiberger Straße gegen Nord hinab und in ihm wandern wir zunächst nach Plankenstein. Außer den Dioriten, die als kleine Felsen in das Thal hineinragen, enthält der Thonschiefer häufig Kalklager, welche hier und da abgebaut werden.

Unter den letzteren verdient besonders das bei Plankenstein eine nähere Betrachtung, weil es auf eine recht sehenswerte Weise unterirdisch bebaut wird. Ein hoher Pfeilerbau öffnet sich als weite Höhle in das Thal; man befährt ihn mit der größten Bequemlichkeit, denn man wandert darin umher wie in einer Säulenhalle, in welcher der Schein mitgenommener Fackeln eine ähnlich imposante Wirkung hervorbringt wie in den Höhlen der Dolomitberge. Der hiesige Kalkstein gehört auf ganz dieselbe Weise dem Thonschiefer an, wie der bei Tharandt, d. h. er ist gleichzeitig mit ihm fest geworden.“

  


Über den Blankensteiner Heimatverein gibt es gelegentlich noch die Möglichkeit, einen Teil der alten Weitungsbaue zu befahren. Foto: E. Richter, 2014.
   


Die „hohen Pfeilerbaue“ befährt man - im Vergleich zu anderem Altbergbau - tatsächlich mit „der größten Bequemlichkeit“, wie es B. Cotta 1836 beschrieb... Foto: E. Richter, 2014.
  


Und auch diese Flattertiere freuen sich über diese geräumige Wohnung. Foto: E. Richter, 2014.

    

A. Schiffner erwähnt den Ort 1845 in seiner „Beschreibung der sächsischen und ernestinischen Lande“, wo es heißt: „Das rechts über der Triebische gelegene reiche und lange Dorf Plankenstein (410 E.), Stammort eines alten Geschlechtes, hat 1 schöne Kirche, 1 Lehn - G., 2 Mühlen, Schiefer- und Kalkbrüche, 1 Kalkofen, auch 1 Burgstätte.

In den Erläuterungen zu den Geognostischen Karten von Sachsen, Heft 5, erschienen ebenfalls im Jahr 1845, beschreibt auch Carl Friedrich Naumann dieses Kalklager: „Bei Plankenstein liegt ein Kalksteinlager unmittelbar im Hangenden des dasigen Gneiskeiles. Der Kalkstein ist gewöhnlich dunkel aschgrau und bläulichgrau, auch dunkel röthlichgrau bis schmutzig fleischroth, feinkörnig bis dicht, bisweilen von Kalkspathadern durchtrümert oder mit Thonschieferlagen versehen. Der jetzt gangbare, an der Spitze des Gneiskeiles liegende Kalkbruch wird unterirdisch betrieben, wobei hier und da im Kalksteine Höhlungen mit einer Ausfüllung von gelbem Thone aufgefunden worden sind.

Der Thonschiefer im Hangenden des Kalksteines streicht hor. 6 und fallt 15 bis 20° in Nord. Etwa 400 Schritt westlich von diesem Kalksteinbruche liegt eine große Pinge im Thonschiefer, dessen Schichten dasselbe Streichen mit 30 bis 40° nördlichem Fallen zeigen; in der Tiefe dieser Pinge befindet sich ein alter verlassener Kalkbruch, wo ebenfalls theils grauer, theils violettbrauner Kalkstein gebrochen worden ist, in dessen Liegendem der Gneis ansteht.“ 

  


Das Farbspiel von dunkelgrau bis fleischrot kann man an den anstehenden Resten des Kalklagers noch heute gut beobachten. Foto: E. Richter, 2014.

   

Das Kalkwerk im südöstlichen Teil des Lagers war 1851 im Besitz von Carl Ernst Faust. Über die Familie Faust haben wir noch nicht viel herausbekommen können, zumal der Name auch im Staatsarchiv mehrfach auftritt und Namensgleichheiten nicht so einfach auszuschließen sind. Im Bestand der Grundherrschaft Rothschönberg (10527, Nr. 241) taucht jedenfalls ein Hans Georg Faust als Käufer eines Fünfviertelhufengutes im benachbarten Helbigsdorf 1747 auf. Einige Jahre später wird er als Gärtner in Helbigsdorf bezeichnet, ist aber verschuldet und seine Gartennahrung wird versteigert (10642, Grundherrschaft Weisstropp, Nr. 069 und Nr. 165). Die Familie scheint aber in Helbigsdorf ansässig geblieben zu sein, denn ein Johann Georg Faust in Helbigsdorf wird 1780 in einer weiteren Akte des Bestands 10642 (Nr. 145) genannt. Der Name Carl Ernst Faust in Helbigsdorf tritt erstmals 1844 in Erscheinung, als Parzellen seines Eineinviertelhufengutes verkauft wurden (10527, Nr. 016). Zur gleichen Zeit kauft auch ein Johann Gottlieb Faust in Helbigsdorf Parzellen des Erblehngerichtes (10642, Nr. 186).

Herr Faust betrieb den Kalkabbau offenbar mit großer Intensität. Neben dem Tagebau im Bereich des Lagerausstrichs auf der Talschulter legte auch er einen Stolln aus dem Triebischtal heraus an und errichtete zwei Brennöfen.

Eine Akte, die im Jahre 1857 ergangen ist (40024-12, Nr. 020), lehrt uns weiterhin, daß zu diesem Zeitpunkt die Schulgemeinde zu Blankenstein bei der Kgl. Schulinspektion um Erlaubnis zur Veräußerung des unter dem Schulgrundstück befindlichen Kalksteinlagers anfragte: „Zum Schullehn in Blankenstein gehört der Garten, Flurbuch Nr. 49a, welcher nach Mitternacht (Norden) mit Herrn J. A. Hahn’s, nach Mittag (Süden) mit Herrn C. E. Faust’s Grundstücken, nach Abend mit der Schule und nach Morgen mit dem Dorfanger gränzt. Unter diesem Garten liegt, wie vorlängst und noch in den Jahren 1851 und 1852 durch eine beim Kgl. Gerichtsamte Wilsdruff anhängig gewesene Erörterung über die unterirdische Grenze des Schulgartens nach Hahn’s Kalkbruche zu, constatiert wurde, ein sehr bauwürdiger Kalkstein.

Es wäre unverantwortlich, diesen unterirdischen Besitz länger unausgebeutet im Schoße der Erde ruhen zu lassen, zumal sich einerseits durch die Kauflust der beiden unterirdischen Grenznachbarn Faust und Hahn zu seiner guten Verwerthung günstige Gelegenheit bietet und andererseits die Baufälligkeit der zum Schullehn gehörenden Gebäude die Erlangung eines Baukapitals in nicht zu großer Ferne recht wünschenswert machen dürfte.

Aus diesem Grunde erlaubt sich daher die Schulgemeinde den Verkauf des unter dem oben erwähnten Schulgarten unterirdisch liegenden Kalksteinlagers zu beantragen…“

Der Schulleiter war offenbar nicht dumm und versuchte, sich eröffnende Geldquellen zu nutzen, um sein Schulhaus auf Vordermann bringen zu lassen. Schon damals aber arbeiteten die Behörden ziemlich langsam, zumal zu dieser Zeit bergrechtliches und grundherrschaftliches Besitzrecht noch unzureichend voneinander abgegrenzt und miteinander verquickt war. So wanderte diese Anfrage bis vor das Kgl. Sächs. Ministerium für Kultus weiter.

Die muß sie am Ende doch positiv beschieden haben, denn um 1850 begann der damalige Guts- und Brauschänkenbesitzers Johann Adolph Hahn tatsächlich mit dem Abbau (40010, Nr. 2577). Da aufgrund des Einfallens des Lagers in östliche Richtung die Abraummächtigkeit bereits bei rund 25 m lag, konnte Hahn dabei nur untertägig abbauen. Sein Förderschacht erreicht zirka 34 m Teufe.

Bis zum Jahr 1858 ist nachweisbar, daß auch dieser östlichste Lagerstättenteil parallel durch das Kalkwerk des Herrn Hahn abgebaut wurde. In der Folge kam es aber zu einem Rechtsstreit zwischen dem Schullehn und Herrn Hahn um die Zahlung des Kalksteinabfindungs-Quantums.

Für Streitigkeiten sorgte insbesondere Hahns intensiver Abbau unter Tage, der auch nicht an den Grundstücksgrenzen halt machte. Zudem bestand die Sorge der Nachbarn, daß der Grundwasserspiegel sinken und anliegende Brunnen trocken fallen könnten. Deshalb mußte sich das Bergamt in Freiberg auf Veranlassung des zuständigen Gerichtes in Rothschönberg mit der Sache befassen. Dabei wurde festgestellt, daß Hahn das Schulgrundstück bereits auf zirka 150 m² und das seines Nachbarn Philipp auf zirka 100 m² unterminiert hatte. Ihm wurde ein Bußgeld von zweihundertfünfzig Talern auferlegt, mit dessen Bezahlung er sich jedoch ausgiebig Zeit ließ.

1861 gingen das Gut und die Grube an die Witwe von J. A. Hahn über, die offenbar aber das Bergbauabenteuer nicht mit der gleichen Intensität wie ihr verstorbener Gatte fortbetrieb. Die Grube wurde 1866 stillgelegt und der Schacht mit einem Gewölbe verschlossen.

Das Faust’sche Werk muß dagegen nach 1884 an den Gutsbesitzer Oscar Zschalig gekommen sein, der es – wie weiter unten zu lesen steht – aber höchstens bis zu seinem Tode 1896 betrieben haben kann.

 


Auf dem recht großformatigen Atlas von Sachsen, erstellt unter Leitung von Jakob Andreas Hermann Oberreit, Blatt 9, gedruckt 1843, ist nur der Faust'sche Kalkbruch südlich der Blankensteiner Kirche eingetragen.

 

Der von uns schon im Teil 1 mehrfach zitierte Faktor des Miltitzer Kalkwerks, Carl Heinrich Lorenz, befuhr Ende 1884 auch die südlicher liegenden Kalkwerke und gab bezüglich Blankenstein 1885 den folgenden Bericht ab:

„Kalkwerk Blankenstein, Besitzer C. E. Faust, daselbst, Befahrung am 27.12.1884.

Das hier im Glimmerschiefer aufsetzende, 8 bis 10 m mächtige Kalklager wird unterirdisch durch Streckenbetrieb in einer 27,4 m saiger unter der Hängebank des Förderschachts liegenden Grundstreckensohle abgebaut. Zur Abführung der Grundwasser ist dieses Kalkwerk durch einen Stollen gelöst.

Der vorbenannte Förderschacht ist nach den bergmännischen Regeln für Ausbaumauerung von Schächten auf seine ganze Teufe solide in Mauerung gestellt. Die Förderung in den Strecken erfolgt mittels Förderhunt und Grubenlaufbahn, die Schachtförderung mittels Kübel. Als Sprengmittel dient gewöhnliches Schwarzpulver.

Für den Kalkbrennereibetrieb sind 2 continuirliche, sogenannte Schneller vorhanden.

Die durchschnittliche Belegung beträgt 8 Mann.

Da bei diesem Kalkwerk über die Lage und Richtung der in Betrieb befindlichen  Abbaustrecken ein Grund- und Saigerriß gänzlich fehlt, ferner in unmittelbarer Nähe des Kalkbruchs alter zu Bruch gegangener Abbau vorhanden ist, so empfiehlt sich im Interesse der Sicherheit der Arbeiter die markscheiderische Aufnahme des neuen …und des alten Abbaus, insoweit derselbe noch zugänglich ist.“

Wie wir im Bergarchiv gesehen haben, wurden sowohl zum Hahn’schen, als auch zum Faust’schen, zuletzt Zschalig’schen Kalkwerk tatsächlich Risse angelegt.

Bereits 1876 kam es beim Faust’schen Werk zu einem Einbruch der untertägigen Weitungsbaue. Deshalb schreibt Lorenz auch: „insoweit derselbe noch zugänglich ist“. Wie man auf einer Informationstafel des Bergbaurundweges um Blankenstein lesen kann, wurde die Pinge noch bis in die 1990er Jahre als Schutthalde genutzt.

Einer der zwei von Lorenz noch gezählten Kalköfen des Faust'schen Kalkwerkes wurde 1903 abgebrochen.

Auch im Bereich des Schönberger Tagesschachtes ist ein Bauer mit seinem Gespann eingebrochen, zum Glück ohne Schaden davonzutragen. 1896 wurde daraufhin der Schönberger Schacht überwölbt und oberhalb des Gewölbes verfüllt.

  


Ausschnitt aus Blatt XXVI: Herzogswalde der C. W. Weinhold'schen Gangkarten, gedruckt 1872, Norden ist rechts. Hier sind die Kalkbrüche und Brennöfen bei Blankenstein und bei Steinbach (links unten) verzeichnet. Die Stolln und untertägiger Abbau sind hier leider nicht eingetragen.

  


Auf diesem Ausschnitt aus der gedruckten Äquidistantenkarte, Ausgabe 1881, ist zwar die „Pinker Mühle“, jedoch kein Stollen „rot bezeichnet“. Der ehemals Faust’sche, jetzt Zschalig’sche Kalkbruch und die Kalköofen nördlich des Neukirchen- Blankensteiner Weges sind hier eingetragen.

   

Wie die Bergbehörde in Sachsen schon vor hundert Jahren gearbeitet und die Sicherheit wieder hergestellt hat, darüber haben wir bei unseren Quellenrecherchen die folgende Geschichte gefunden:

Gelegentlich einer Dienstreise am 25. diesen Monats (im Juni 1904) entdeckte man in der Nähe des an der Großen Triebsche von Blankenstein nach Groitzsch führenden Fußweges durch Zufall das in seinem oberen Drittel noch offene Mundloch eines alten Stollns. Bei demselben aufgefundene kleine Kalksteinstücken sowie Angaben der geologischen Karte ließen einen alten Kalksteinbruch vermuten.

Durch den Besitzer Arno Busch der in der Nähe gelegenen Mühle, Brandkataster Nr. 53 von Blankenstein (auf der topographischen Karte Pinkert Mühle*) genannt), erfuhr man Folgendes:

Busch ist vor ungefähr 2 Wochen mit 3 Bekannten in den Stolln, welcher dicht hinter dem Mundloche wie man sich auch überzeugte normalen Querschnitt hat, gekrochen und weiter hinein gefahren. Die Länge des Stollens übersteige 100 m, links und rechts zweigen mehrere Strecken ab, die anfänglich nordnordöstliche Richtung des Stollns böge sich bald mehr nach Nord und Nordnordwest. Auf dem Stolln gelange man in zwei 20 bis 30 m lange und ebenso breite Räume (Weitungen), welche mit wunderschönen Tropfsteingebilden (Stalaktiten und Stalagmiten) erfüllt seien. Diese Weitungen seien unten zirka 4 m hoch, steigen aber an und besäßen an ihrem oberen Ende noch 2 m Höhe.

Der alte Kalksteinbruch soll, wie Busch früher gehört hat, in den 50er, vielleicht auch in den 60er Jahren des vorigen Jahrhunderts (also um 1860) in Betrieb gewesen sein und soll ebenso wie das Stollnmundloch auf Rothschönberger Rittergutsflur liegen.

Auf der (hinzugezogenen) Section 64 der topographischen Karte ist das Mundloch des Stollns rot bezeichnet, westlich und östlich des Kirchhofs von Blankenstein ist nach der geologischen Karte mit blauer Schraffur je ein Kalksteinlager eingezeichnet. Nach der Busch’schen Beschreibung führt der Stolln zu dem westlichen Lager. In den Erläuterungen zur geologischen Karte ist auf Seite 63, Absatz 3, dieses Kalksteinlager, nicht aber der Stolln erwähnt. Man drang gegen 20 m in den Stolln ein, sah aber von einem Weiterfahren ab, weil sich im Stolln, in welchem sich noch einige alte, morsche Stempel befinden, viele bruchgefährdete Stellen zeigten und die Stollnsohle gegen ein Fuß hoch mit außerordentlich kaltem Wasser bedeckt war.

Busch wurde gewarnt, in den Stollen wegen seiner Bruchgefahr nicht mehr hineinzukriechen und soweit möglich, andere Leute, die hineinkriechen wollen, davon abzuhalten.

Man schlägt dem Kgl. Bergamt vor, sowohl von der kgl. Amthauptmannschaft Meißen, als auch von dem Rittergutsbesitzer von Schönberg des Ritterguts Rothschönberg, etwaige Akten des alten Kalksteinbruches herbeizuziehen und die dauernde Verwahrung des Stollnmundloches dem betreffenden Grundbesitzer, dessen Person sich aus den amthauptmannschaftlichen Akten ergeben müßte, aufzugeben.

Berginspektion III, Freiberg, Roch, Berginspektor  

*) Anmerkung: Die bereits auf dem Meilenblatt von Sachsen (also um 1790) und auch noch auf der ersten Ausgabe der topographischen Karten von 1881 unter diesem Namen eingetragene „Pinkert“ oder „Pinker Mühle“ ist die heutige „Niedermühle“ westlich von Blankenstein.

Einmal ins Rollen gebracht, ist eine deutsche Behörde nicht aufzuhalten und so findet man noch heute in der betreffenden Akte (40024-12, Nr. 007) den nachfolgenden Schriftverkehr bis anno 1915. Bei Befahrungen 1905 wurde die Anwohnerschaft konsultiert und eruiert, daß der Stolln zu dem Kalkwerk des vor neun Jahren (demnach also 1896) verstorbenen Oscar Zschalig gehört habe und neben dem Stolln auch Tagesschächte vorhanden gewesen sind.

Daraufhin wurde von der Behörde (doch immerhin schon) im Jahre 1908 die Witwe des vormaligen Besitzers, Frau Anna Liddy Zschalig, in die Pflicht genommen. Während man bis 1910 aber zunächst noch festzustellen hatte, daß die Schachtkaue auf dem Zschalig’schen Tagesschacht noch „in gutem Zustande und die Türen vernagelt“ waren, folglich für den Moment keine Gefahr von ihm ausginge, entschied man sich dann 1911 doch, die Witwe zur dauerhaften Schachtverwahrung aufzufordern, weil Vandalen die Türen der Schachtkaue immer wieder aufbrächen und eine Wiederaufnahme des Kalksteinabbaus nicht zu erwarten sei.

Man fand 1911 anläßlich einer Schachtlotung den Schacht auf seiner vollen Teufe von 26,5 m offen und die schon von Lorenz gelobte, elliptische Mauerung „tadellos erhalten“. Die anderen, zum Teil einst zum Hahn’schen Kalkwerk gehörigen Schächte wurden „mit hölzernen Schranken eingefriedet“ vorgefunden.

Der Zschalig’sche, vormals Faust'sche Tagesschacht wurde schließlich 1912 überwölbt.

1915 wurde das Kalkwerk noch einmal näher betrachtet, wobei die Bewertung aber zu dem Schluß kommt, obwohl „die Tiefbaue zum Teil unter dem Neukirchen- Blankensteiner Weg lägen, (daß) bei einem maximalen Pfeilerabstand von 22 Ellen, sowie 46 Ellen Schwebe zwischen Firste und Oberfläche, welche theils aus Urkalkstein, theils aus Urtonschiefer besteht, zwei Gesteinen, die wegen ihrer Festigkeit ganz unwahrscheinlich erscheinen ließen, daß sich ein Bruch durch diese 46 Ellen fortpflanzen könne…“, daß also eigentlich nichts passieren könne.

Und da man nicht weiß, ob die Tropfsteine die Weitungen inzwischen gänzlich ausgefüllt haben, hat sich 1979 bis 1980 die damalige Bergsicherung Dresden, heute Bergsicherung Freital GmbH, im Auftrag der Bergbehörde der Schächte noch einmal angenommen. Das Mundloch des Faust'schen, ungefähr 235 m langen Stollns hat man geöffnet, zu dieser Zeit jedoch den Stolln nicht mehr bis zu den alten Weitungen befahren können.

In diesem Zusammenhang wurden auch der Faust'sche und der Schönberg’sche Schacht und Stolln überprüft, gesichert und verwahrt. Der Schönberger Stolln dient heute Fledermäusen als Winterquartier.

  


Ausschnitt aus der topographischen Karte, Ausgabe 1911. Die Konturen der Tagebaue südöstlich (Kalkwerk Faust, dann Zschalig) und westlich (ehemals von Schönbergischer Bruch) der Kirche sind noch deutlich zu sehen. In dieser Kartenausgabe wird die heutige Krille- Mühle (unterer Rand des Kartenausschnitts) als „Ober- M.“ bezeichnet.

   


Eine weitere historische Karte aus der Zeit um 1935. Hinterlegt ist das heutige Geländerelief. Wir haben noch einmal hervorgehoben, wo sich im Laufe der Geschichte die Kalksteinbrüche und Brennöfen befunden haben. Nur einer der einstigen Brennöfen des Faust'schen Kalkwerkes ist bis in unsere Tage erhalten geblieben. Kartengrundlage von Geoportal.Sachsen.de.

    


Der letzte noch vorhandene Kalkofen in Blankenstein auf einer Aufnahme von P. Schulz, 1944. Ein weiterer Abzug liegt auch im Sächsischen Staatsarchiv, Bergarchiv Freiberg (Bestand 40176, Nr. 662). Den heutigen Zustand zeigen wir hier.

Wir verwenden das Digitalisat aus der Deutschen Fotothek. Der Link zur Originaldatei:

http://www.deutschefotothek.de/documents/obj/87711090

  

 

 

Zum Kayser'schen (Kluge'schen) Kalkwerk zu Steinbach 

  

Bei der Erstellung der bergschadenkundlichen Analyse 1974 (40073-1, Nr. 065) scheint man nicht viel mehr herausgefunden zu haben, als daß erste urkundliche Nachweise des Kalkwerkes bei Steinbach auf das Jahr 1874 zu datieren seien.

Der Schlußstein im Gewölbe des Kalkofens trägt demgegenüber aber schon die Jahreszahl 1798. Auch auf den um 1790 gezeichneten, jedoch zum Teil noch bis in die 1870er Jahre nachgetragenen Meilenblättern ist das Kalkwerk schon dargestellt (und nicht mit Rotstift nachgetragen).

Auf der nach 1836 gedruckten Oberreith’schen Karte von Sachsen ist das Kalkwerk bei Steinbach ebenfalls eingezeichnet.

Carl Friedrich Naumann nennt es in den Erläuterungen zu den Geognostischen Karten, wieder Heft 5 von 1845: „Nordöstlich von Steinbach liegt am linken Gehänge des Triebischthales ein zu diesem Dorfe gehöriger, sehr sehenswerther Kalkbruch. Der Kalkstein soll an 40 Ellen mächtig nachgewiesen und desungeachtet noch nicht durchsunken worden sein; er ist meist dunkelgrau gestreift, höchst feinkörnig, dickschieferig und mit Schieferlagen durchflochten, sowie von weißen Kalkspathadern durchsetzt. Er scheint im dasigen Grünsteinschiefer einen fast horizontal liegenden, mächtigen, linsenförmigen Stock zu bilden, dessen obere Hälfte im Steinbruchstoße durchschnitten ist und in seinem Durchschnitte eine ganz flache Kuppel mit sanft wellenförmig gebogenen Schichten darstellt, welche in der Mitte horizontal liegen, nach den Seiten aber etwas abfallen.

Wie schon zwischen den Kalksteinschichten Lagen von stark glänzendem Alaunschiefer vorkommen, so wird der ganze Kalkstock nach oben durch ein bald bauchig angeschwollenes, bald fast verdrücktes und daher abwechselnd 1 bis 6 Ellen mächtiges, übrigens sehr verworren schieferiges Zwischenlager von glänzendem Alaunschiefer bedeckt und von dem überliegenden Grünsteinschiefer abgesondert. Kugeln und andere Concretionen von Eisenkies sind in dem Alaunschiefer nicht selten.“

 

Die Autoren des „Kalkwerksbetriebs in Sachsen“, Wunder, Herbrig und Eulitz, führten dann schließlich  1867 die damals bestehenden Kalkwerke im Gebiete des „Urthonschiefers“ entlang der Triebischtäler auf und erwähnen darin ein Kalkwerk „in Steinbach bei Nossen“ im Besitz der Herren von Zedtwitz.

Die Familie von Zedtwitz entstammt der Herrschaft Zedtwitz im Bayerischen Vogtland (Regnitzland). Zedtwitz ist heute ein Ortsteil von Feilitzsch im Landkreis Hof in Oberfranken. Die fränkische Adelsfamilie kam wahrscheinlich im Gefolge der Vögte von Weida während der Bildung reichseigener Territorien unter Friedrich Barbarossa nach Westsachsen. Als reichsfreie Ministeriale unterstanden sie damals unmittelbar dem Kaiser und gehörten der vogtländischen Reichsritterschaft an (wikipedia.de).

Mit einem Ritter Georg von Zedtwitz wurden die Zedtwitzer erstmals 1235 urkundlich erwähnt. Ein Konrad von Zedtwitz bezeugte im Jahr 1304 eine Urkunde der Vögte von Plauen über den Verkauf des Dorfes Loch an den Deutschen Orden (10001, Nr. 01756). Die ununterbrochene Stammreihe des Geschlechts begann 1377 mit dem Burggräflich Nürnbergschen Rat Peter von Zedtwitz auf Asch/Aš, Krugsreuth/Kopaniny, Grün/Doubrava, Schönbach/Krásná und Neuberg/Podhradí u Aše. Bekannt ist besonders ein Sittich von Zedtwitz, der ab 1481 das kurfürstlich- sächsische und herzögliche Hilfskorps der Brüder Ernst und Albrecht zu Sachsen im Krieg gegen die Ungarn und die Türken befehligte (siehe z. B. 10005, Loc. 4377/02, Bl. 244 und Loc. 4375/03, Bl. 081).

Anfang des 19. Jahrhunderts nahm ein Friedrich von Zedtwitz ‒ wohl als Student der Bergakademie ‒ an der geognostischen Untersuchung der Gegend zwischen Gera, Borna und Zeitz teil (40003, Nr. 100002). Um 1810 war derselbe dann Bergamtsassessor geworden, 1815 Bergmeister in Marienberg (40013, Nr. 1196), ab 1828 im benachbarten Bergamt Annaberg (40007, Nr. 619). Bereits als Bergkommissionsrat verkaufte er seine „zu besonderen oryktognostischen und geognostischen Vorkommnissen angelegte“ Mineraliensammlung, bevor er 1834 verstarb (40007, Nr. 780 und 861).

Etwa um 1826 hatte dann der Geheime Rat Ludwig Friedrich Ferdinand von Zedtwitz das Rittergut Neukirchen erworben (10409, sowie 10079, Loc. 14213/06). Die beiden benachbarten Güter Neukirchen und Steinbach waren in ihrer Geschichte mehrmals kombiniert und auch die Familie von Zedtwitz war gleichzeitig im Besitz des Rittergutes Steinbach (10577).

Ob es sich bei diesem Geheimen Rat um denselben Bergkommissionsrat und Bergmeister handelte, wissen wir nicht genau ‒ die weitverzweigte Adelsfamilie gliederte sich inzwischen in mehrere gräfliche und freiherrliche Linien. Besagter Ludwig Friedrich Ferdinand von Zedtwitz muß jedenfalls 1838 noch auf Steinbach gelebt haben (10057, Nr. 1815). Da die von Zedtwitz erst im ersten Viertel des 19. Jahrhunderts das Gut Steinbach erwarben, kommen sie auch nicht als die Erbauer des Schnellerofens am Kalkwerk in Steinbach (Baujahr nach dem Schlußstein 1798) infrage.

  

Genauer weiß man es also nicht, wer mit dem Abbau in Steinbau begonnen hat. Daher müssen wir unseren historischen Rückblick auch hier wieder mit der Zustandsbeschreibung von Faktor Lorenz aus dem Jahre 1884 fortsetzen:

„Kalkwerk Steinbach bei Mohorn, Besitzer Herr Leutnant Beyrich in Leipzig, Rittergutsbesitzer Hugo Kayser auf Neukirch(en), Befahrung am 27.12.1884.

Der unterirdische Abbau des auch hier im Thonschiefer aufsitzenden 6 bis 8 m mächtigen Kalksteinlagers erfolgt mittels Stollen- und Streckenbetrieb in einem … Bruch von cirka 120 m Ausdehnung in der Länge bei geringer Breite. Der alte Abbau ist zu Bruch gegangen. Über die Länge und Ausdehnung desselben ist nur eine Skizze vorhanden.

Die Förderung erfolgt von Hand... von den Abbauörtern nach dem (Lager-?) Platz vor dem Ofen.

Da sich der Abbau in unmittelbarer Nähe des alten Kalkbruches befindet, so ist die markscheiderische Aufnahme beider Brüche erforderlich.

Die Sprengarbeiten werden mit Natron-Sprengpulver vorgenommen.

Dieses Kalkwerk besitzt 2 continuirliche Kalköfen, welche sich wechselseitig in Betrieb befinden.

Die Belegung beträgt 4 Mann.“ 

  


Ausschnitt aus dem Meilenblatt, Berliner Exemplar mit der Eintragung von „Kalk Bruch“ und „Kalkofen“ am Osthang des Sonnenberges. Die heutige Dietrichmühle wird hier mit „Adlers M.“ benannt.

 

Nach Angaben in der bergschadenkundlichen Analyse soll Kayser das Bergwerk seit 1878 besessen, nach 1888 aber aufgegeben haben.

Im Jahrbuch für das Berg- und Hüttenwesen, Ausgabe 1901, wird als Besitzer dann Herr Kluge, C., Rittergutsbesitzer in Steinbach, genannt. Er soll es 1892 (40024-12, Nr. 401) wieder aufgenommen und noch bis 1907 – allerdings mit vielen Unterbrechungen – in Betrieb gehalten haben.

Im Jahr 1902 untersagte ihm die Bergbehörde (40050, Nr. 061) sogar die Betriebsaufnahme, weil kein Betriebsplan eingereicht sei. Bereits 1901 hatte sie nämlich die Wiederherstellung eines zweiten Fluchtweges gefordert: „Das Werk ist bereits früher im Besitz eines oberen Stollns gewesen. Dazu kommt, daß die Altungen des Werkes so ausgedehnt sind, daß plötzliche Gebirgsbewegungen nicht unmöglich sind, die bei Vorhandensein nur eines Fluchtweges verhängnisvoll werden könnten.“  Die Reparaturen des Mundlochs und der Einbau von Stahlausbau im Stolln dauerten aber ihre Zeit, da auch jetzt maximal drei Arbeiter beschäftigt wurden. Ein Riß aus dem Jahr 1894 weist zudem ein bereits damals weiter nördlich neu angeschlagenes Stollnmundloch aus (40050, Nr. 061). Erst im Dezember 1903 wurde von Herrn Kluge die Aufhebung dieses Betriebsverbotes beantragt, welchem 1904 auch stattgegeben wurde.

Im Dezember 1908 teilte der Betriebsleiter dem Bergamt dann aber mit: „…der Betrieb müsse eingestellt werden, wenn es nicht bald gelänge, abbauwürdigen Kalkstein zu gewinnen. An den jetzigen Abbaustößen habe sich Phyllit in derartiger Menge eingestellt, daß die Mulden-Hütten den Kalkstein – zumal er noch reichlich Schwefelkies enthalte – nicht mehr abnehmen wollen.“

Zur Verwendung des Kalkes in den Hüttenwerken lese man auch im folgenden Abschnitt über den Abbau der Vorkommen bei Helbigsdorf nach.

Am Rande einer anderen Akte (40024-12, Nr. 007) erfährt man nebenbei, daß das Kalkwerk in Steinbach im Jahre 1911 im Besitz eines Herrn Neuling gewesen ist. Bei der Nachsuche fanden wir heraus, daß Herr Kluge in Konkurs gegangen ist und der Rittergutsbesitzer Neuling aus Magdeburg das Rittergut mitsamt dem Kalkwerk aus der Konkursmasse erworben hat. Dieser scheint jedoch an einer Fortführung des Abbaus kein Interesse gehabt zu haben, denn bereits im März 1909 sei der Betrieb „bis auf Weiteres eingestellt“ gewesen und „gelegentlich einer am 18. November 1909 vorgenommenen Besichtigung bei (vormals) Kluge’s Kalkwerke traf man die Zugänge verschlossen an.“  

Im Juli 1911 teilte Herr Neuling schließlich dem Bergamt mit, daß er die Betriebseinstellung beabsichtige. Die Bergbehörde entließ daraufhin das Werk 1915 aus der bergpolizeilichen Aufsicht.

  


Auch auf diesem Ausschnitt der Äquidistantenkarte von 1881 ist der „Kalkbr.“ eingezeichnet.

 


Ausschnitt aus der topographischen Karte, Ausgabe 1911. Die Tagebaukonturen sowie einige Gebäude sind noch zu erkennen, jedoch ist nur noch die Mühle im Talgrund bezeichnet.

  

In einer Akte des nach dem Kriegsende schnell erst einmal gegründeten Technischen Büros des Bergbaus und der Brennstoffindustrie des Landes Sachsen (40064-1, Nr. 0143) findet sich Schriftverkehr über die Anlage von Luftschutzanlagen während des Krieges und deren Verwahrung nach Kriegsende. Als die alliierten Bomberverbände auch Sachsen erreichten, bekam man es vielerorts mit der Angst zu tun und verfiel in Aktionismus. Bezeichnend dafür ist ein Schreiben des Schwarzenberger Bürgermeisters, in dem er das (damals noch) Landesbergamt um Bereitstellung von Unterlagen bat, denn nach den Bombenangriffen vom März 1945 sei ...jetzt die ganze Stadt ... um Schaffung von Luftschutzräumen mobil geworden und schweben schon die verschiedensten Projekte wegen Aufmachung alter Bergwerksstolln...“

Dabei wurden tatsächlich die widersinnigsten Projekte geplant. Die Akte enthält eine längere Auflistung des Bergamtes Dresden vom 29. Juni 1945 über Anlagen der Untertageverlagerung und Luftschutzstollen, in der unter Nummer 17 auch das Kalkwerk Steinbach aufgeführt ist. Die hier vorgesehene Anlage wurde aber so überhastet geplant, daß nicht einmal mehr für einen der sonst üblichen Decknamen Zeit blieb. Im ehemaligen Kalkwerk sollten zirka 950 m² Fläche hergerichtet und durch die Maschinenfabrik Brückner, Kanis & Co. in Dresden genutzt werden. Zu Ausbauarbeiten kam es im Gegensatz zu Braunsdorf oder Miltitz jedoch nicht mehr. In einer Mitteilung des Bergamtes Dresden an das Oberbergamt vom 30.9.1946 heißt es dazu lakonisch: Die meisten dieser Luftschutzstolln sind nicht über den Baubeginn hinausgekommen.“  

 

 

 

Zum Kalksteinabbau an der Kirsten- Mühle bei Helbigsdorf 

  

Der Abbau an der Kirsten- Mühle muß in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts betrieben und wieder aufgelassen worden sein, sonst hätte ihn Herr Lorenz bei seinen Befahrungen 1884 noch erwähnt.

Die „Kirsten Mühle“ wird auf aktuellen Wanderkarten auch als „Baumann Mühle“ bezeichnet. Unter dem ersten Namen ist sie bereits auf dem Freiberger Exemplar der Meilenblätter von Sachsen (ab 1790) und in der Ausgabe der topographischen Karten von 1880 verzeichnet. Auf dem Berliner Exemplar der Meilenblätter findet sich außerdem der Name „Kinshaus Mühle“.

  


Ausschnitt aus dem Berliner Exemplar des Meilenblattes. Vor 1800 ist demnach kein Kalkabbau nordwestlich der hier als „Kinshaus M.“ bezeichneten Kirsten Mühle (am rechten Bildrand) bekannt gewesen.

 

Im 1845 erschienenen Heft 5 der Erläuterungen zu den Geognostischen Karten erwähnt Carl Friedrich Naumann den Kalkabbau in dieser Gegend noch: „Unweit Helbigsdorf liegt am rechten Triebischufer bei der Tümmelmühle ein Steinbruch in einem Kalklager, welches zwar unmittelbar von Thonschiefer getragen wird, außerdem aber von demselben lichtgrünlichgrauem weichen Grünsteinschiefer umgeben ist, der das Steinbacher Lager bedeckt. Der Kalkstein ist sehr feinkörnig, dunkel bläulich- und schwärzlichgrau, dickschieferig, mit Lagen von Thonschiefer und Alaunschiefer durchzogen, streicht sehr regelmäßig hor. 8 und fällt 70° in Nord.

Der Grünsteinschiefer, welcher etwas oberhalb der Tümmelmühle im Liegenden des Kalksteins ansteht, streicht anfangs hor 7 und fällt 70° in Süd, zeigt aber näher gegen den Kalkstein horizontale und nach Norden eingesenkte Schichten, worauf etwas Thonschiefer folgt; der Grünsteinschiefer im Hangenden des Kalksteins ist in zwei Steinbrüchen entblößt, streicht daselbst hor. 7,2 bis 7,4 und fällt im oberen Bruche 55°, im unteren Bruche 30° in Nord.

Am gegenüberliegenden Ufer der Triebisch steht im Grünsteinschiefer etwas lichter Kalkstein von gleicher Schichtenstellung (mit 30 bis 40° nördlichem Fallen) an.“  

Auch A. Schiffner erwähnt 1845 in seiner „Beschreibung der sächsischen und ernestinischen Lande“ den Ort und den Kalkmergelabbau: „Helbigsdorf (350 E.) mit 2 Mühlen an der Triebische, Gasthof, Märgel- und Alaunerdelagern, gehört, der Weißtropischen Hälfte nach, auch in's Amt Dresden.“

Daneben erwähnt Pietzsch 1916 auch noch erloschene Abbaue bei Böhm’s Mühle (heute Leuthold- Mühle) und „einige hundert Meter nördlich der Semmelmühle“. Dabei handelt es sich um zwei kleine Lager, die wohl bereits um 1830 vollständig abgebaut waren. Hier muß zumindest im Zeitraum der Erarbeitung der Oberreith’schen Karte von Sachsen um 1830 auch ein Kalkofen gestanden haben. Er ist aber weder vorher auf den Meilenblättern von Sachsen (ab 1790) noch später auf den Äquidistantenkarten (ab 1880) noch einmal verzeichnet.  

Auch diese werden schon von C. F. Naumann 1845 erwähnt: „Das letzte Kalksteinlager im Triebischthale befindet sich nahe bei Herzogswalde, unterhalb der Semmelmühle; es wird von grobkörnigem Diabas unterteuft und besteht ans dichtem (unter der Lupe feinkörnigem), im unteren Theile des Lagers graulichweißem bis licht aschgrauen, voп kleinen Eisenkies-Hexaedern durchsprengten, im obern Theile dunkel aschgrauen bis schwärzlichgrauen, von weißen Kalkspathadern durchsetzten und mit dünnen Lagen von Thonschiefer und Alaunschiefer durchzogenen, daher dickschieferigem Kalkstein, dessen Schichten hor. 7 streichen und 25° in Nord fallen. Über dem Kalkstein folgt violettgrauer Thonschiefer.“

In der bergschadenkundlichen Analyse der 1970er Jahre wurde der Abbau bei Helbigsdorf nicht mehr betrachtet.

  


Ausschnitt aus der Oberreith’schen Karte von 1836 mit dem „Kalk Br. und Ofen“ östlich von Steinbach (am linken Bildrand), sowie einem weiteren „K.O.“ im Triebischtal südlich der heutigen Leuthold- Mühle. Am Südhang des Heyneberges ist aber auch hier kein Kalkbruch eingetragen.

  


Ausschnitt aus Blatt XXVI: Herzogswalde der C. W. Weinhold'schen Gangkarten, gedruckt 1872, Norden rechts. Hier ist ebenfalls noch ein Kalkofen nördlich der Semmel-Mühle, aber kein Kalkbruch an der Kirsten-Mühle mehr verzeichnet.

 

Auf der Informationstafel des Geologischen Wanderweges „Oberes Triebisch-Tal“ des Fördervereins Geologie im Tharandter Wald e.V. am Kalksteinbruch westlich der Kirsten- Mühle haben wir gelesen, daß nach einem Bericht von Kersten (in Karsten, 1832) im Zeitraum zwischen 1815 und 1831 der hier abgebaute Kalkmergel für den Bau von Treibeherdsohlen in den Freiberger Hütten verwendet worden sei. Gemeint ist damit die Bodenauskleidung der Saigerherde, in denen das Silber aus dem Werkblei abgetrieben wurde.

In diesem Bericht des Herrn C. M. Kersten zu Freiberg in dem in Berlin herausgegebenen „Archiv für Mineralogie, Geognosie, Bergbau und Hüttenkunde“, Band 5 von 1832, heißt es dazu: „....fast allgemein wurde die Erzielung reinerer Werke als zuvor eine Aufgabe, deren Lösung die Verbesserung der bleiischen Treibeprodukte und durch diese wieder Vervollkommnung der Schmelzprozesse zur Folge hatte. …so ist denn schon jetzt die Erfindung von Tutschnack, zuletzt Hüttenverwalter auf der Kupfersaigerhütte zu Tajova, welcher das Mergeltreiben in den Jahren 1796 bis 1798 zuerst versuchte, sehr allgemein verbreitet, und in Ungarn, Siebenbürgen, Schlesien, Sachsen und selbst am Altai vollständig in die currenten Arbeiten aufgenommen worden.Nachdem die günstigen Resultate des Abtreibens auf Mergelsohlen auf den niederungarischen Hütten, Schernowitz, Neusohl und Kemnitz, in Sachsen bekannt geworden waren, beauftragte die höchste Behörde im Jahre 1814 einen Officianten und einen Schmelzer, welche eine metallurgische Reise nach Ungarn unternahmen, diesen Prozeß kennen zu lernen, und sich mit seiner Einrichtung und Leitung genau bekannt zu machen. …Sehr bald nach Zurückkunft der gedachten Personen wurde daher im October 1815 auf der Halsbrückner Hütte zur Anstellung von Versuchen, auf Mergelsohlen zu treiben, geschritten. Man wendete zu dem ersten Versuch eine Heerdsohle an, welche aus

  • 5 Theilen Kalktuff aus Robschütz (ach, schau an !) und
  • 1 Theile Thon aus Löthhayn

geschlagen worden war.“

Bis dahin wurden die Herdsohlen aus ausgelaugter Holzasche und Löschkalk hergestellt. Die Versuche erwiesen sich jedoch als nicht von vornherein erfolgreich und jede Mischung besaß ihre Vor- und Nachteile. Die Hüttenarbeiter schilderten u. a. als Probleme „…dass es sich auf einer Aschsohle sicherer, als auf einer Mergelsohle abtreiben ließe, indem bei Letzterer, wegen des auf selbiger oft stattfindenden Kochens vorzüglich in der Nähe der Glättgasse, das Vordringen der Werke in dieselbe, und das Anreichern derselben in Silber nicht gut verhindert werden könnte.“

Deshalb ist der oben pauschal benannte Zeitraum von 1815 bis 1831 so nicht korrekt, denn man begann überhaupt erst 1825 Kalkmergel aus dem oberen Triebischtal zu verwenden: „Im July 1825 machte man den ersten Versuch, die Treibeheerdsohle mit Kalkmergel (Kalkthonschiefer) aus den Kalkbrüchen von Steinbach, ohnweit Freyberg zu schlagen, und es ergab sich auf beiden Hütten, daß dieser Mergel dem früheren von Strehla, welcher der Plänerformation angehört, bei weitem vorzuziehen sey, indem er zu Ende des Treibens in der Glättgasse die beim Wegtreiben der Glätte hinderlichen und das Treiben sehr aufhaltenden Blasen, nicht verursachte.“

Bis zu Anfang 1829 wurde nun auf der Halsbrückner Hütte fortwährend auf Heerdsohlen von Steinbacher Mergel getrieben. In letztgedachter Zeit nahm jedoch der Gehalt desselben an eingesprengtem Schwefelkies so sehr zu, daß man sich genöthigt sah, von seiner ferneren Anwendung abzustehen.

Dieses war schon früher auf der Muldner Hütte geschehen. Auf beiden Hütten wurde daher Kalkmergel von einem Lager bei Helbigsdorf, welches in geringer Entfernung von dem vorigen liegt, mit vielem Erfolg angewendet; allein bald trat der früher bei dem Steinbacher Mergel eingetretene Uebelstand, der Gehalt an Schwefelkies, ein, und auf beiden Hütten sah man sich in die Notwendigkeit versetzt, den Kalkmergel von Helbigsdorf zu verlassen. … Auf der Muldner Hütte kehrte man daher wieder zur Anwendung des Mergels von Steinbach zurück. In demselben findet sich zwar zuweilen auch Schwefelkies, aber in grösseren derben Massen und in Kugeln, so dass er mit Leichtigkeit ausgeschieden werden kann.“

Wie wir oben schon festgehalten haben, klagte dann im Jahre 1908 der Betriebsleiter des (jetzt) Kluge’schen Kalkwerkes bei Steinbach erneut, daß man bei den Muldenhütten den Kalk des hohen Schwefelkies-Gehaltes wegen nicht mehr abnehmen wolle.

Herr Kersten hinterließ uns bei seinem Unterfangen, die Vor- und Nachteile der Verwendung der verschiedenen Baumaterialien darzulegen, noch eine chemische Analyse der Kalksteine und Mergel aus dem südlichen Teil der Region, die wir der Vollständigkeit halber hier noch anführen wollen:

  Kohlensaurer Kalk (CaCO3)   Thonerde (Al2O3) Eisenoxid (Fe2O3) Manganoxid (MnO2)
Helbigsdorf

79,10

19,14

1,70

0,06

Steinbach

82,12

16,61

1,20

0,04

Blankenstein

83,40

13,97

1,72

0,91

Wie man sieht, weist der Kalkmergel von Helbigsdorf unter den hier untersuchten Gesteinen den höchsten Gehalt an Tonmineralen auf.

An der Halsbrückner Hütte wendet man seit dem Ende des Jahres 1830, da man die Erfahrung gemacht hat, daß der Kalkmergel von Helbigsdorf für sich allein zu thonreich ist, bis dato zur Darstellung der Treibesohlenmasse ein Gemenge … eines thonärmeren Kalkmergels von Blankenstein und Kalkmergel von Helbigsdorf an.“

Fakt ist somit, daß der belegbare Abbauzeitraum an der Kirsten- Mühle wahrscheinlich nur zwei bis drei Jahre (nämlich von 1829 bis 1831) umfaßt hat, wohingegen Steinbacher Kalk noch bis 1908 an die Hüttenwerke geliefert wurde. Anhand der heutigen Aufschlußkontur, namentlich des aufgefahrenen kleinen „Stollens“, kann man grob abschätzen, daß bei dessen Profil von rund 3 m x 3 m und höchstens 15 m Länge insgesamt gerade einmal rund 135 m³ Material gebrochen wurden, respektive (bei einer Dichte von 2,6 t/m³) etwa 350 Tonnen. Diese Menge dürfte für die von Kersten beschriebenen Versuche bei weitem ausgereicht haben.

Dieses Helbigsdorfer Vorkommen steht somit in keinem wirtschaftlichen Vergleich zu den anderen Abbaugebieten im Triebischtal. Es handelte sich wohl eher um eine Art Versuchsabbau in Ermanglung anderer Vorkommen gleichartigen Materials in der näheren Umgebung der Hüttenstandorte bei Freiberg.

  

 

 

Zu den Kalkwerken bei Grumbach und Braunsdorf

Die Anfänge und der Abbau im 18. Jahrhundert

  

Die erste Erwähnung des Kalkabbaus bei Grumbach soll schon auf das Jahr 1611 zurückgehen, in dem ein zum Gut Braunsdorf gehöriger Kalkbrennofen genannt wurde. Aus dem Jahr 1621 sei der Verkauf eines Kalkofens überliefert. Zunächst erfolgte der Abbau im Tagebau, später ging man zum Tiefbau über (Informationstafel am Wanderweg). In dieser Zeit um 1610 wurde auch die Grumbacher Kirche umgebaut, dazu brauchte es natürlich Kalk und Mörtel.

Über diesen frühen Bergbau ist kaum etwas bekannt. Möglicherweise war durch den kleinen Taleinschnitt des Schloitzbaches das Kalklager freigelegt, so daß es dort zuerst entdeckt und durch die Grundeigentümer für den Eigenbedarf genutzt wurde. Während des 30jährigen Krieges kamen dann auch die Kalkbrüche und Brennereien zum Erliegen und verloren an Bedeutung. Über die Jahrhunderte hat es sicherlich zunächst viele kleinere Kalksteinbrüche gegeben, die erst nach und nach zu größeren Bergbauunternehmen vereinigt wurden. Manche Quellen sprechen daher auch von vier Kalksteinbrüchen (Informationen von Herrn M. Fischer).

Das nächste Mal werden die Kalköfen erst Anfang des 18. Jahrhunderts (1712) erwähnt, als sich George Rauffuß aus Braunsdorf und Peter Börner aus Grumbach wegen eines gewissen Stücke Feldes und Grasfleckens zu Braunsdorf, insgemein der alte Kalkofen genannt stritten und eine rechtliche Entscheidung herbeigeführt werden mußte (Hinweis von Herrn M. Fischer auf 10025, Loc. 05296/08 und 10084, Nr. 8087). Der Streit zog sich bis vor das Geheime Konsilium und das Appellationsgericht in Dresden, was nahelegt, daß auch das wettinische Fürstenhaus großes Interesse an der Kalkbrennerei in Braunsdorf hegte, wurde doch in dieser Zeit die Residenzstadt Dresden im Stil des Barock umgebaut.

Der erstgenannte Herr Rauffuß war dazumal örtlicher Erb- und Gerichtsherr sowie Steuereinnehmer des Amtes Grillenburg. Verheiratet war er mit Johanna Sophia, geb. Schuster. Aus dieser Ehe ging auch Catharina Sophie Rauffuß hervor, die wiederum einen Johann Seyffert heiratete. Deren gemeinsame Tochter Sophie Catharina Seyffert kaufte 1764 der Erbengemeinschaft ihrer verstorbenen Mutter das Rittergut Braunsdorf ab. Möglicherweise hieß sie zu diesem Zeitpunkt schon Auenmüller, belehnt wurde sie aber laut Urkunde noch unter ihrem Geburtsnamen Seyffert (Hinweis von Herr M. Fischer auf gw.geneanet.org und auf 10161, Nr. 16 und Nr. 17).

Dabei fällt auf, daß über lange Zeit zumeist Frauen Erben oder Käufer des Braunsdorfer Ritterguts waren. Üblicherweise traten dann die angeheirateten Ehemänner im Sinne eines Vormunds auf. So kam wohl auch der in Meißen von 1740 bis 1764 als Porzellaninspektor in kurfürstlichen Diensten stehende Friedrich Gottlob Auenmüller (10026, Loc. 01347/07) durch Heirat zum Rittergut, als er nämlich Sophie Catharina Seyffert ehelichte. Auenmüller war 1711 in Bischofswerda geboren, der Vater war dort Rechtskonsulent und zuletzt Bürgermeister (Hinweis von Herrn M. Fischer auf: Lebensbilder aus der Oberlausitz: 60 Biografien aus Bautzen, Bischofswerda...).

Nachdem zunächst also lange Zeit seine Frau Lehnsträger war, muß das Braunsdorfer Lehen irgendwann auf Auenmüller selbst übergegangen sein. Wir haben noch nicht nachgeforscht, welche Aufgaben denn ein Porzellaninspektor gehabt hat, aber wir wissen, daß die Meißener Manufaktur seit 1765 in Seilitz bei Löthain eine staatseigene Grube zur Gewinnung von Kaolin betrieben hat und bis heute betreibt. F. G. Auenmüller hat mit Sicherheit Bergbauerfahrung mitgebracht, denn mit seinem Erscheinen gewinnen die Braunsdorfer Kalkbrüche wieder an Bedeutung: J. C. Freiesleben beschrieb sie 1791 als „sehr gut vorgerichtet“ (vergleiche: Beobachtungen auf einer Reise durch einen Theil des meißner und erzgebirgischen Kreises zu Anfange des 1791. Jahres). Es liegt auch nahe, daß Auenmüller wegen des Meißner Porzellans nach Braunsdorf kam, denn schon Georg Rauffuß hatte im Schloitzbachtal zwischen Grumbach und Tharandt einen Petunsebruch betrieben.

Die Bezeichnung Petunse (oder Petuntse) war uns nicht geläufig. Man findet sie in der Ausgabe von Meyer's Konversationslexikon aus dem Jahr 1888 als ein aus dem Chinesischen entlehntes Synonym für Feldspat. Der Zusammenhang mit der Porzellanfabrikation erschließt sich leicht. Es heißt zu diesem Stichwort nämlich dort im Text: „Die Wichtigkeit der Feldspate und ihrer Zersetzungsprodukte für den Ackerbau, überhaupt die Bodenbeschaffenheit und Ertragsfähigkeit, ist sehr groß und beruht auf dem Gehalt an Kali und der Bildung eines thonreichen Bodens bei der Verwitterung. Technisch sind sie in hohem Grad für Töpferei, besonders Porzellanfabrikation, als Material für Glasuren, Emailles, Glasflüsse, weniger in vereinzelten Fällen (Adular, Labrador u. dgl.) als Schmucksteine von Belang.“ (peter-hug.ch)

  

Seit der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts also war die Familie Auenmüller im Besitz des Rittergutes Braunsdorf, was ihre Abbaurechte zunächst auf Braunsdorfer Flur begrenzen mußte, sofern sie nicht weitere Hufen hinzugekauft haben.

Herr Auenmüller war zu dieser Zeit nicht nur Porzellaninspektor und Besitzer des Gutes Braunsdorf samt des zugehörigen Kalksteinbruches, sondern auch noch selbst Bergbautreibender auf einer Wunderbare Schickung Gottes Fundgrube bei Braunsdorf, (40174, Nr. 847). Nach den erhalten gebliebenen Einlegeregistern muß diese Grube Herrn Auenmüller Anfang 1767 verliehen worden sein.

Im Frühjahr 1767 ‒ also eigentlich von Anfang an ‒ stritt sich Herr Auenmüller jedenfalls nach dem Inhalt dieser Akte mit seinen damaligen Nachbarn, zuvörderst dem Richter Johann Gottlob Kohlsdorf und dem Amtsrichter Johann Gottlob Glöckner, sowie einem Herrn Gottlob Bormann, alle Grundbesitzer in Braunsdorf, sowie vier weiteren Grundbesitzern aus Oberhermsdorf (das östlich von Braunsdorf gelegene Nachbardorf) um die Zuleitung von Aufschlagwasser zu einem Kunstgezeug in seinem Bergwerk (40174, Nr. 847). Schaut man sich die topographische Lage an, wird schnell klar, daß es tatsächlich völlig unmöglich war, Fluss Wasser“ zu einer Grube bei Braunsdorf umzuleiten und daß Herr Auenmüller folglich Quellwasser nutzen mußte ‒ vermutlich das des oberen Schloitzbaches, denn es waren ja auch Grundbesitzer aus Oberhermsdorf in den Streit involviert. Daß ein Kunstgezeug schon existierte, verweist darauf, daß Herr Auenmüller damit seinen Kalksteinbruch wasserfrei gehalten haben könnte.

Besagter Herr Kohlsdorf nun weigerte sich, den Bau und die Unterhaltung von Kunstgräben sowie eines Aufschlagwasserteichs auf seinen Wiesen zuzulassen. Daraufhin wandte sich Herr Auenmüller an das Bergamt in Freiberg, welches am 4. Juli 1767 zunächst einmal den Vize- Geschworenen Johann Gottfried Göbelt in das auswärtige Refier sandte, um den Bauern Kohlsdorf zu bewegen, die Aushebung der Gräben nicht zu hindern.“

Der aber sah überhaupt nicht ein, warum er das hätte zulassen sollen. Infolge seiner fortbestehenden Weigerung begaben sich am 6. August 1767 der amtierende Freiberger Bergmeister Johann Andreas Scheidhauer, Bergamtsassessor Richter und der Vizegeschworene Göbelt erneut zu einem Ortstermin nach Braunsdorf. Dabei wurde konstatiert, daß in des Herrn Auenmüller´s Kalkbruche die Wasser sechs Ellen aufgegangen sind, und dahero auch (auf den) im Kalkbruch entblösten Gängen kein Versuch gethan werden könne...“ Die versammelte Kompetenz des hochwohllöblichen Bergamtes wies Herrn Kohlsdorf darauf hin, daß er die Führung eines Aufschlagegrabens zum Bergwerk nicht verweigern dürfe, zumal er auch auf die vom Lehnsträger erschrotenen Wasser gar keinen Anspruch habe. Andererseits habe Herr Auenmüller ihn für die ihm entstehenden Schäden zu entschädigen. Wie groß der Schaden eigentlich sei, habe das zuständige Landgericht zu befinden, worauf man sich an diesem Tage einigen konnte.

Nach verschiedenem Schriftverkehr zwischen den Ämtern wurde endlich am 3. Juni 1768 eine neue Localerörterung angesetzt. Im Protokoll des Amtmannes Christian Wilhelm Haberland vom Amt Grillenburg zu diesem Termin steht zu lesen, daß man sich auf dem von mir angewiesenen Grund und Boden, welchen der von dem Herrn Eigenlehner anzulegende Teich und die Wasserleitung einnimmt, versammelt habe, um gemeinsam den Boden auszumessen und zu bewerten. Das geschah dann Stück für Stück: Herrn Kohlsdorf's Wiese wurde als erste durch Ausschreitung als 174 Schritt lang und 54 ½ Schritt breit befunden, was etwa 2 Scheffel Aussaat entspräche. Der Amtmann taxierte diesen Grund nach hiesigem Landwerth auf einen Preis von 80 Thalern.

An dieser Stelle des Verfahrens bot Herr Kohlsdorf einen Tausch von Ländereien an, was nun aber Herr Auenmüller ablehnte. Nachdem alles taxiert war, waren für den Amtmann seine Geschäfte erledigt. Das letzte Schriftstück in der Akte ist ein Schreiben vom Bergamt an Herrn Auenmüller, in dem es um Bescheid bittet, ob das Vorhaben denn nun mit Erfolg umgesetzt sei (40174, Nr. 847). Wir wissen es auch nicht.

 

Wie oben schon erwähnt, existieren zu der Grube Wunderbare Schickung Gottes noch Einlegeregister in den Akten des Bergreviers Freiberg, womit sich deren Betriebszeit, von Reminiscere 1767 beginnend, bis Crucis 1770 belegen läßt (40186, Nr. 138658 ff).

Die Register wurden fast alle von Herrn Auenmüller selbst geschrieben. Auf dem Einband des ersten vom Quartal Trinitatis 1767 ist vermerkt, daß die Muthung sehr optimistisch „eine Fundgrube mit einem 1. bis 6. oberen und einem 1. und 2. unteren Maß auf einem Spatgange, eine zweite Fundgrube mit dem 1. bis 5. oberen Maß auf'm Stehenden, Sophia Catharina genannt, sowie ein Rad Wasser auf'm Kunstgezeug“ umfaßte. Dem Stehenden Gang hat Friedrich Gottlob Auenmüller den Namen seiner Gattin Sophia Catharina gegeben. Der Morgengang erhielt den Namen Wunderbare Schickung Gottes Mgg. und alles lag im „auswärtigen Refier, II. Abtheilung, zu Braunsdorf“. Auswärtig deshalb, weil Braunsdorf eigentlich schon außerhalb des Freiberger Bergreviers gelegen hat. Aber in Altenberg oder in Glashütte fühlte sich wohl auch niemand für diesen Erzfund in einem Kalksteinbruch zuständig.

Von den üblichen 128 Kuxen hielt Herr Auenmüller 124 selbst. Er war also im Wortsinne ein Eigenlehner, der vollkommen auf eigene Rechnung zu bauen versuchte. Die übrigen vier Kuxe verteilten sich nach Gewohnheitsrecht auf „1 Erbtheil, 2 die Gemeine Stadt, 1 die Knappschaft.“

Der erste Aufstand und Grubenbericht aus dem Frühjahr 1767 berichtet, um was es eigentlich ging: In meinem, des Eigenlöhners Kalkbruch setzt ein Morgengang hora 4 gegen Morgen hin, besteht in verschiedenen parallel streichenden Klüften, so zusammen 15 bis 20 Zoll mächtig sind. Dieser Gang liegt im Kalk Gebürge und dessen Art ist ...von Spath, Quarz mit erhärteten Letten, auf deren Klüften bricht Glas, Rothgülden und Fahlertz nieder mit grünem Beschlag, gegen Abend aber spürt man noch nichts von diesem Gang und muß nach unten im Kalkflötz brechen, die Tiefe von Tage nieder ist 1 ½ Fahrten, wozu in diesem Quartal ½ Lachter abgeteuft worden...“ Also gerade einmal 1 m tief.

Mit Glaserz ist Argentit (Ag2S) gemeint. Rotgültigerz ist der deutsche Name der Mineralgruppe Proustit (Lichtes Rotgültigerz) ‒ Pyrargyrit (Dunkles Rotgültigerz), welche sich durch ihren Gehalt an Arsen bzw. Antimon unterscheiden: Ag3AsS3 bzw. Ag3SbS3. Die Fahlerze schließlich bilden ebenfalls eine Mineralgruppe, deren Hauptglieder der Tetraedrit (Cu10(Fe,Zn)2Sb4S13) und der Tennantit (Cu10(Fe,Zn)2As4S13) sind. Wo kupferreiche Erze verwittern, erklärt sich leicht auch der grüne Beschlag“. Nach dieser Beschreibung gehörte die kleine Trümerzone vermutlich der Edlen Braunspatformation an. Daß Herr Auenmüller die Vererzung als solche erkannt hatte, zeugt von seinem bergbaulichen Fachwissen.

Um diese Erzgänge näher zu untersuchen, ließ Herr Auenmüller also einen Schacht in seinem Steinbruch absenken, wozu er den Bergknecht George Pohl angestellt hatte. Der hatte allerdings nicht sofort wirklich viel zu tun, denn aus der anderen Akte wissen wir ja schon (und hier erfahren wir´s auch), daß die winzige Grube samt dem Kalksteinbruch im dritten Quartal 1767 mangels Aufschlagwasser erst einmal abgesoffen war. Ende 1767 vermeldet dann der Grubenbericht, daß man zur Erbauung eines neuen Teiches 1.530 Ellen Gräben (also über 800 m !!) ausgehoben habe. Auch im Winter (Reminiscere) 1768 liest man im Grubenbericht, hat man gar nichts thun können, da die Grube unter Wasser gestanden“ hat.

Ende 1768 (Luciae) hatte Herr Auenmüller 5 Thaler Gnadensteuer für das Schachtverteufen erhalten. Die restlichen Kosten zahlte Herr Auenmüller aus eigener Tasche, auch das Quatembergeld (den Abbauzins an den Fiskus) in Höhe von 20 Groschen im Quartal. Herr Pohl war inzwischen schon Lehrhäuer geworden und verdiente jetzt 3 Thaler 12 Groschen nach verfahrenen Schichten im Quartal. Anfang 1769 hatte Herr Auenmüller außerdem einen Herrn Johann Christoph Bünning (der Name ist jedoch schwer zu lesen) als Steigerdienst-Versorger angestellt, wofür dieser 9 Groschen pro Woche erhielt.

So richtig ging es aber nicht voran: Im Sommer 1769 wurden gerade einmal 10 Schichten verfahren, wofür der Häuer Pohl einen Lohn von 1 Thaler, 16 Groschen erhalten hat. Hinzu kamen noch 1 Thaler 12 Groschen für einen zweiten Mann namens Gottfried Burkert, der im Gedingelohn das Kunstrad zu versorgen hatte. Auch aus der Gnadensteuerkasse gab es noch einmal einen Zuschuß von 11 Thalern, um das Kunstrad zu erhalten. So war der Schacht jetzt ½ Fahrt und ¾ Lachter“ tief geworden.

Die Fahrt war ein sächsisches Längenmaß in Bergwerken, besonders im Erzgebirge. Das Maß leitete sich von den gewöhnlich 12 Ellen langen und mit 24 Sprossen gebauten Leitern ab. Eine halbe Fahrt hatte 6 Ellen, also 12 Sprossen (wikipedia.de). Unter Bezug auf eine Leipziger Elle hat also eine ganze Fahrt zirka 6,79 m, eine halbe zirka 3,4 m Teufe bedeutet. Hinzu kommt noch der Dreiviertellachter von zirka 1,5 m. Insgesamt war das Auenmüller's Schächtchen nun also rund 4,9 m tief.

   

Dabei hatte man aber leider auch bemerken müssen, daß der Wunderbare Schickung Gottes Mgg. von einem faulen Flötz“ verworfen wurde ‒ einer Störung, die sich von Mitternacht (Norden) hereinzog und für nur „einbrechenden Mulm“ enthaltend befunden wurde. Die Hoffnung auf ein reiche Erzmittel führendes Scharkreuz hatte sich also nicht erfüllt.

Einnahmen aus dem Verkauf von Erzen wiesen die Einlegeregister nie aus. Natürlich versuchte man deshalb nun, Kosten einzusparen. Ab Luciae 1769 erhielt der neue Steiger Johann Gottlob Uhlig nur noch 3 Groschen Wochenlohn. Ab dem Winter 1770 schrieb Herr Auenmüller auch die Einlegeregister nicht mehr selbst, stattdessen zeichnete sie ein Herr Johann Gottlob Müller in seinem Auftrage. Auch die Zuschüsse des Lehnsträgers zu den Betriebskosten verringerten sich stetig. Das Ganze war letztlich ein Abenteuer, das nur Kosten verursacht hatte. Die Gesamtkosten seit der Verleihung 1767 hatten sich im letzten erhaltenen Einlegeregister vom Herbst (Crucis) 1770 auf  218 Thaler, 7 Groschen, 11 Pfennige summiert.

Oder hatte Herr Auenmüller ganz andere Pläne mit dieser Fundgrube ?  Ob er in der nachfolgenden Zeit stattdessen einen Stolln zur Wasserlösung für seine Erzgrube ‒ und eigentlich für seinen Kalkbruch ‒ vortreiben ließ, verraten diese Akten nicht. Die Verleihung einer Erzgrube hätte ihm aber zumindest einen gewissen Vorrang gegenüber den anderen Grundbesitzern eingeräumt, um ein solches Vorhaben leichter umsetzen zu können. Wir erinnern uns, daß Auenmüller das Gut Braunsdorf besaß ‒ der spätere Vorläufer Erbstolln jedoch setzte auf Grumbacher Flur an.

   


Wenn wir die Einlegeregister der Grube Wunderbare Schickung Gottes Fdgr. zu Braunsdorf schon in der Hand haben, schreiben wir doch auch ein paar Zahlen heraus: Man erkennt an der Höhe der fast ausschließlich vom Lehnsträger F. G. Auenmüller aufgebrachten Betriebskosten gut, daß sein Interesse an der Erzgrube im Laufe dieser vier Jahre sichtbar nachgelassen hatte.

   

Weitere Hinweise über die Fundgrube und den Kalksteinabbau gibt die zeitgenössische Literatur: Der Dresdner Arzt Christian Friedrich Schulze (*1730, †1775) gab 1769 „Nachricht von den in der dreßdnischen Gegend vorhandenen Mineralien und Foßilien“ (Quellenhinweis von Herrn M. Fischer, Grumbach). C. F. Schulze besuchte auch die Braunsdorfer Kalkbrüche und sein Bericht zeichnet ein recht ausführliches Bild über deren bergbaulichen Betrieb und die Wasserhaltung vor 250 Jahren:

Wir kommen nunmehro zu den bey Braunsdorf befindlichen Kalkbrüchen, welche in Ansehung verschiedener Ursachen eine besondere Betrachtung verdienen. In diesen Brüchen wird ein sehr guter weißgrauer Kalkstein, auf welchem sich bisweilen baumförmige schwarze und bräunliche Zeichnungen befinden, und zwar in einem beynahe zwanzig Ellen mächtigen Flötze, gebrochen. Dieses Flötz, welches im Umfange etliche hundert Schritte beträgt, lieget in einem röthlichen schiefrichten Gebirge. Da nun die Lage dieses Flötzes so beschaffen ist, daß man weder eine Tagerösche, noch einen Stollen anzubringen im Stande gewesen; so hat man sich genöthiget gesehen, das zufließende Wasser aus dem Tiefsten dieses Bruches vermittelst eines angelegten Kunstrades zu gewältigen, und ob dasselbe gleich nicht allzeit das nöthige Aufschlagewasser hat, so leistet es doch in so weit gute Dienste, daß man die an diesem Orte vorhandene Kalksteine noch so ziemlich ungehindert gewinnen kann, welche alsdenn in einem Göpel, durch ein Maulthier vermittelst zweyer kleinen Wagen, die sich auf einer schiefliegenden Fläche wechselsweise auf und ab bewegen, ausgefördert werden.“

Offenbar wurde also schon vor der Verleihung der Wunderbare Schickung Gottes Fdgr. das Wasser aus den Steinbrüchen ( !! ) durch das besagte Kunstrad gehoben. Antriebswasser dafür kann nur der kleine Schloitzbach geliefert haben, bei dem es durchaus vorstellbar ist, daß er nicht immer ausreichend Wasser führte. Die Förderung dagegen erfolgte mittels eines Göpels über eine Rampe. Und Schulze schrieb weiter:

In diesen Kalkbrüchen hat man ohngefähr im Quartale Trinitatis 1767 zwey bauwürdige Gänge entblößt. Der erstere, so für einen stehenden Gang gehalten wird, und nunmehro den Namen Sophia Catharina zur wunderlichen Schickung Gottes führet, bestehet aus verschiedenen Klüften, auf welche sich Glaserz, Kupfergrün, ein feiner Spat, ein braunrother, halb durchsichtiger Hornstein, nebst etwas Arsenikalkies einleget. Dieser Gang ist von ohngefähr, und zwar beym Wegschießen der Kalksteine entdeckt worden, und man will anfänglich auf denselben auch rothgülden Erz und Spuren von gewachsenen Silber bemerket haben. Der andere ist ein flacher Gang, bey welchem sich gleichfalls verschiedene Klüfte zeigen, auf welchen Glaserz, Kupfergrün, Arsenikal- und Kupferkies befindlich ist.

In dem ohnweit diesen Kalkbrüchen vorhandenen Thale hat man vor kurzer Zeit einen Stollen, in das daselbst befindliche schiefrichte Gebirge, und zwar gegen Mitternacht und Morgen zu treiben angefangen. Der Gang, auf welchem dieser Stollen getrieben wird, ist ohngefähr zehn bis zwölf Zoll mächtig, und führet einen weißen Quarz nebst einem fleischfarbnen, milden Spate bey sich, in welchem ein weißer Glimmer bricht.“

Die letzte Bemerkung kann darauf hinweisen, daß der spätere Vorläufer Erbstolln tatsächlich schon vor der (in den Akten nicht dokumentierten) Aufgabe der Wunderbare Schickung Gottes Fdgr. durch Auenmüller vorzutreiben begonnen worden ist.

Der spätere sächsische Oberberghauptmann Johann Carl Freiesleben (1774-1846) war von 1790 bis 1792 Student an der Bergakademie Freiberg. Er wurde von Abraham Gottlob Werner gefördert und freundete sich dort mit Leopold von Buch und Alexander von Humboldt an. In dieser Zeit, noch vor dem Beginn der geologischen Landesuntersuchung in Sachsen, veröffentlichte Freiesleben einen Bericht „Mineralogisch-bergmännische Beobachtungen auf einer Reise durch einen Theil des meißner und erzgebirgischen Kreises zu Anfange des 1791. Jahres“. Freiesleben gibt sich darin als Reisebeschreiber zu erkennen und er schreibt in der „Wir-Form“. Es ist deshalb recht wahrscheinlich, daß er zusammen mit Leopold von Buch nach Braunsdorf kam. In seinem Bericht liest man über Braunsdorf:

Von Tharand setzten wir unsere Reise nach Braunsdorf fort, um die dortigen Kalkbrüche zu besuchen; zwischen Tharand und Braunsdorf aber in dem dortigen Walde, vom Wege (rechter Hand) gegen O, fanden wir einen Petunsebruch, der gegenwärtig zum Erliegen gekommen ist. Das dortige, ohngefähr 4 Ellen starke, im Gneise ziemlich söhlig aufsetzende Lager, (oder ist es vielleicht außerordentlich grobkörniger Granat, der mit Gneiße bedeckt ist) besteht aus Fettquarze, fleischrothem Feldspathe und silberweißem Glimmer, so daß der Quarz dermalen vor dem Feldspathe prävalirte; dieser Umstand möchte wohl auch die Ursache seyn, warum man den Bruch jetzt verlassen hatte. Zu Untersuchung dieses Lagers in die Länge ist ein Stolln getrieben, den wir aber nicht befahren konnten.

Der Kalkbrüche in Braunsdorf sind zwey. Sie liegen gleich neben einander. Der Kalkstein, der hier gewonnen wird, ist kaum erkennbar feinkörnig, und geht also schon in dichten Kalkstein über; er ist meist graulichweiß, doch auch häufig röthlich, bräunlich und gelblich gefärbt, aber von keiner angenehmen und ausgezeichneten, sondern vielmehr von schmutzigen Farben. Seine Zerklüftung ist ziemlich beträchtlich und für die Gewinnung vortheilhaft.*) Ueber dem sehr mächtigen Kalksteine liegt eine sehr schöne Abänderung von Thonschiefer, die von einer Mittelfarbe zwischen kirsch- und bräunlichroth, dabey etwas ins violblaue fallend, vollkommen und geradschiefrig und stark seidenartig schimmernd ist. Dieser Thonschiefer ist ohngefähr 6 Ellen mächtig, und fällt 55° gegen SO; am deutlichsten ist er in dem großen Bruche zu sehen, woselbst sich auch ein ziemlich mächtiger Keil von ihm in den Kalkstein hineingezogen hat.

Beyde Kalkbrüche sind sehr gut vorgerichtet, besonders der große, in welchem sich aber, weil er ziemlich tief ist, (ohngefähr 1 ½ bis 2 Fahrten) viel Wasser gesammelt haben, welche durch ein Kunstgezeug, an dem 2 Sätze hängen, gehalten werden. Die Art der Gewinnung des Kalksteins ist Steinbruchbau, doch aber im Gedinge, und zwar die Ruthe zu 15 Gr. Der Stein selbst wird sehr gesucht, und in ebensolchen Steinkohlenöfen gebrannt, als der Tharander.

Nach Freiesleben's Bericht standen 1791 also nur noch zwei größere Steinbrüche in Betrieb, möglicherweise sind aber auch mehrere kleinere inzwischen „zusammengewachsen“. Vielleicht wußte Herr Freiesleben aber auch, daß der dritte Steinbruch auf Grumbacher Flur gelegen hat ?  Einen Stolln erwähnt Freiesleben dagegen nur in Zusammenhang mit dem Felspatabbau.

Als längere Fußnote vermerkt Freiesleben zu seinem Bericht noch:
*) Sehr merkwürdig wäre es, wenn das, was man uns versicherte, seine Richtigkeit hätte, daß nämlich mitten in diesem Kalksteine, ganz ohne Regel, derb eingesprengt und dendritisch angeflogen, Rothgiltig- und Glaserz, zuweilen innen läge, ohne Spur von einem Gange, oder dergleichen zu haben. Dies ist ein neuer auffallender Beweis für das interessante Phänomen, welches die Kalksteingebirge (sowohl Flötz als uranfängliche) in Ansehung ihrer Metallführung, zeigen. Die mir bekannten Erze, welche nierenweise im Kalksteine einbrechen, sind vorzüglich Bleyglanz, Schwefelkies, (Zink-) Blende, Magnet-Eisenstein, Kupferkies, Kupferglas u. a. m. Bleyglanz findet sich im Kalksteine auf die bemerkte Art, in Sachsen sehr häufig... Von Rothgiltigerz ist mir aber nur noch ein Beyspiel bekannt von dem Kalksteinlager auf der Grube Kühschacht zu Bräunsdorf ohnweit Freyberg; doch soll man am letztern Orte auch Spuren von einem durchsetzenden Gange wahrgenommen haben.“

Sicherheitshalber schreibt Freiesleben hier dazu „Bräunsdorf ohnweit Freyberg“, damit spätere Leser das eine Bräunsdorf nicht mit dem anderen Braunsdorf verwechseln.

  

Nach Friedrich Gottlob Auenmüller's Ableben 1774 war das Rittergut Braunsdorf zunächst im Besitz seiner Witwe Sophie Catharina Auenmüller (10161, Nr. 17), dann von Herrn Karl Friedrich Auenmüller (10052, Nr. 7). Schon ab 1810 geriet jedoch K. F. Auenmüller in finanzielle Schwierigkeiten und beabsichtigte den Verkauf des Rittergutes (10052, Nr. 550). Das Rittergut wurde schon nicht mehr selbst bewirtschaftet, sondern war verpachtet (10079, Loc. 13802/06). Im Jahr 1816 muß er verstorben sein, denn nun werden in den Akten die „auenmüllerschen Erben Christiane Louise Concordia Auenmüller und Konsorten“ genannt (10079, Loc. 13808/02 und 13808/03). Das Rittergut war ‒ wohl auch infolge von Kriegseinwirkungen während der Napoleonischen Feldzüge ‒ hoch verschuldet und sollte 1817 versteigert werden (10047, Nr. 1347).

Auf diesem Weg gelangte es zunächst an Karl Friedrich Kurth von Seidewitz, welcher später auch um die Belehnung mit dem Gut nachsuchte (Hinweis von Herrn M. Fischer auf 10365, Nr. 2823).

  


Ausschnitt aus dem Berliner Exemplar der Meilenblätter von Sachsen. Es enthält nur wenige Nachtragungen bis 1880 und  zeigt uns gegenüber den anderen beiden Exemplaren wohl am wahrscheinlichsten den Geländezustand um 1790. Der hier als „Fürsten Weg“ bezeichnete Weg von Braunsdorf nach der Chaussee zwischen Wilsdruff und Mohorm verläuft zu dieser Zeit noch zwischen den mindestens drei Tagebauen hindurch. Er mußte infolge des Tagebruches von 1869 und später noch mehrmals verlegt werden.

  


Ausschnittsvergrößerung aus dem Meilenblatt oben. Ob der im Schloitzbachtal aufgestaute Teich damals eine Betriebsfunktion für die Kalkwerke hatte, geht aus den uns bekannten Akten nicht hervor. Vielleicht haben sich Auenmüller und Kohlsdorf ja doch geeinigt. Diese Ausschnittsvergrößerung aus dem Meilenblatt zeigt uns aber, daß die damaligen Steinbrüche von Ficke und Auenmüller mitten im Schloitzbachtal lagen, den man damals offenkundig oberhalb der Brüche angestaut und dann südlich um die Tagebaue herum geleitet hatte. Der dritte große Steinbruch nördlich des „Fürsten Wegs“ lag schon auf Braunsdorfer Flur.

 

Im Jahr 1803 wird wieder ein Kalkbruch (Man unterschied ja noch immer nicht zwischen Kalkstein und Dolomit) am Tharandter Grundbach oder Schloitzbach im Besitz eines Herrn Johann Gottfried Pfützner (oder Fitzner, so ist der Kalkbruch auf dem Grundriß bezeichnet), Anderthalbhüfner in Grumbach, in Zusammenhang mit der Eigenlehnerzeche Vorläufer Erbstolln aktenkundig. Letzterer löste offenbar nun auch den Kalkbruch vom Grundwasser, wobei es aber zu Streitigkeiten zwischen dem Besitzern des Kalkbruches und dem Lehnsträger des Stollens, Herrn Carl Heinrich Ficke, kam (40010, Nr. 3718). Der vom Eigner gewählte Name deutet darauf hin, daß dieser Stolln bereits einen Vorgängerbau hatte, vielleicht den Wasserlösestolln des Herrn Auenmüller ?

In einer losen Liste mit regionalen Bergwerksnamen, die der Wilsdruffer Lehrer und Heimatforscher Arthur Kühne verfaßte, findet sich auch der Name „Vorläufiger Erbstolln“. Ob dies wohl derselbe gewesen ist ?  Natürlich ist es durchaus auch möglich, daß es mehrere Versuche gegeben hat, an die vermeintlichen Erzvorkommen zu gelangen.

Herr Ficke hatte jedenfalls gegen Pfützner Anzeige „wegen unbergmännischen Betriebes“ des Kalkbruches erstattet, da sein Stolln von Durchschlägen des Kalkbruches geschädigt worden sei. Tatsächlich ist in dem Grundriß, der offenbar auf Veranlassung des Oberbergamtes angefertigt wurde, um die Rechtslage zu klären, auch ein Tagesbruch in Pfützner´s Kalklager im Bereich des Stollens eingezeichnet. Pfützner baute offenbar schon damals untertägig ab, denn hier sind keine Tagebaukonturen, sondern ist ein Schacht im Grundriß eingetragen.

Der Vorläufer Erbstolln wurde durch Carl Heinrich Ficke nach einigen Quartalen Frist Ende 1808 wieder losgesagt (40010, Nr. 3844). Der Stolln führte nach dem Grundriß unter Umgehung von Auenmüller's Bruch weiter bis zu Ficke’s Bruch. Aus diesem Grund erscheint es wieder unwahrscheinlich, daß es sich um derselben Stollen handeln könnte, den vielleicht schon Auenmüller für die Wunderbare Schickung Gottes Fundgrube begonnen haben könnte. Den hätte er natürlich auf kürzestem Wege auf seinen eigenen Bruch zu vortreiben lassen.

Nach den Eintragungen auf dem Grundriß war der Stolln mittels dreier Lichtlöcher inzwischen auf eine Gesamtlänge von zirka 451 m vom Mundloch an gebracht. Bei zirka 415 m hatte man noch einen Querschlag von zirka 15 m nach Westen getrieben; mit diesem erneut das Kalklager angefahren ‒ jedoch nirgendwo einen Erzgang.

Sowohl Ficke, als auch Pfützner waren jedenfalls Bauernfamilien aus Grumbach (Information von Herrn M. Fischer). Ihre Steinbrüche können demnach eigentlich nur auf Grumbacher Flur nordwestlich des Schloitzbaches gelegen haben. Anders könnte es aber mit einem Stolln gewesen sein, der zum Zweck des Erzabbaus angelegt worden ist. Der Umstand, daß es über die Streitigkeiten zwischen den beiden eine Akte des Oberbergamtes gibt, weist jedenfalls darauf hin, daß dies der Fall gewesen war. Ganz genau wissen wir es aber nicht...

 

Der Grundriß des Vorläufer Erbstollns zeigt uns ferner, daß neben Herr Ficke – unmittelbar südlich angrenzend – auch Herr Auenmüller um 1800 noch immer einen Kalksteinbruch besessen hat (Auf dem Riß steht fälschlicherweise Aue-r-müller; aber auch Markscheider sind nur Menschen und verschreiben sich manchmal...). Zu dieser Zeit dürfte der Besitzer noch Karl Friedrich Auenmüller gewesen sein.

  


Grundriß über Vorläufer Erbstolln zu Grumbach, Bildquelle: Sächsisches Staatsarchiv, Bergarchiv Freiberg, Bestand 40010 (Bergamt Freiberg), Nr. 3718: Klage von Carl Heinrich Ficke, Lehnträger der Eigenlöhnerzeche Vorläufer Erbstolln bei Grumbach, gegen Johann Gottfried Pfützner, Anderthalbhüfner in Grumbach wegen geforderter Stollnhilfe oder Wassereinfallgeld von dem durch den Stolln gelösten Pfützner’schen Kalkbruch, dat. 1803-1806, darin Blatt 41, Gesamtansicht, Norden ist links unten.

  


Unser aktueller Versuch einer Zulage dieses Risses unter der Voraussetzung, daß er „zu Grumbach“ angesetzt war, also westlich vom Schloitzbach. Alle drei Kalkbrüche, die in diesem Riß eingetragen sind, haben demnach auf Braunsdorfer Flur gelegen! Die Gemarkungsgrenze ist violett markiert, dem Geoportal.Sachsen entnommen und mindestens seit 1869 unverändert, denn das Wätzig'sche Grubenfeld im Norden endete damals exakt an dieser Linie.

Nachsuche im  Gelände 2019.

 


Vergleicht man diese Zulage mit dem Ausschnitt aus dem Berliner Exemplar des Meilenblattes, kann man einige Übereinstimmungen finden: Auch darin waren zwei Steinbrüche auf Braunsdorfer Flur verzeichnet. Pfützner hat entweder zur Zeit der Entstehung der Meilenblätter (also um 1780) noch gar nicht, oder aber schon untertage abgebaut. Der im Meilenblatt verzeichnete, dritte Steinbruch dagegen lag weiter nördlich auf Grumbacher Flur. Über dessen Eigentümer gibt der alte Riß leider keine Auskunft.

  


Im Freiberger Exemplar der Meilenblätter können wir sehen, wie „zerpflückt“ die territoriale Zugehörigkeit just dieses Gebietes zwischen 1780 und 1880 gewesen ist: Die alte Hufen markierenden „Zipfel“ und der südöstliche Teil unterstanden der Verwaltung durch das Amt Dresden, der südwestliche dem Amt Grillenburg, der nördliche dem Amt Meißen. Das macht bis heute Recherchen keinesfalls einfacher… Wenigstens zwei Tagebaue südlich und einer nördlich der Flurgrenze wurden aber auch hier schon damals eingezeichnet.

   

   

 

Zum Abbau in Grumbach und Braunsdorf bis zum Ende des 19. Jahrhunderts

  

Der erste Band von A. Schumann's Postlexikon aus dem Jahre 1814 erwähnt unter dem Stichwort Braunsdorf, das Dorf habe mehrere gute Kalksteinbrüche...“ Auch fände man hier „schönen schwarzen Pechstein mit inneliegendem Feldspath.“ 

Dieser Pechstein ist auf der  Geologischen Karte als orangerote Flecken im nordöstlichen Hangenden des dunkelblau dargestellten Kalklagers zu finden.

Auch der Dresdner Arzt Christian Friedrich Schulze führt 1796 in einem Artikel für eine Zeitschrift unter dem Titel Nachricht von den in der dreßdnischen Gegend vorhandenen Mineralien und Foßilien diese Gesteine auf und beschreibt sie sehr ausführlich: Auf den um Krummbach und Braunsdorf befindlichen Anhöhen und Feldern trifft man ziemliche große, abgerundete Geschiebe an, welche von dunkler schwarzgrauer Farbe, und hin und wieder mit erhabnen rothen Flecken bezeichnet sind.

Wenn man einen solchen Stein zerschlägt, so ist derselbe in seinem innersten Theile einem schwarzen, derben, glänzenden Peche gleich, und mit kleinen und größern rothen Körnern angefüllet. Betrachtet man die Beschaffenheit desselben etwas genauer, so findet man, daß die schwarze, glänzende Masse in einem derben Glase bestehet, von welchem die gemeldeten rothen Körner eingeschlossen und umgeben sind; da hingegen diese Körner in ihrem inneren Theile einen weißgrauen verhärteten Letten enthalten. Ueberdieses entdeckt man , vermittelst des Vergrößerungsglases, in der schwarzen Masse eines solchen Steins, Stücken und kleine Brocken von einem halb durchsichtigen Quarze, und zwar unter ihrer natürlichen glasartigen Beschaffenheit. Diese Geschiebe sind durchgängig von beträchtlicher Härte und Festigkeit, indem sie beym Zerschlagen nicht nur viele Gewalt erfordern, sondern man trifft such an denselben gar keine Löcher, Höhlen, Spalten und Klüfte an, wie sie denn überdieses am Stahle helle Funken von sich streuen, welches jedoch nur von der schwarzen glasartigen Masse zu verstehen ist.

Wenn man von diesen Steinen dünne Platten abschneiden und dieselben poliren läßt, so erlanget die schwarze Masse einen feinen Glanz, da hingegen die rothen Körner insgemein etwas matter bleiben. Hält man eine solche Platte gegen ein Licht, so zeiget sich an der schwarzen Masse die Farbe eines dunkeln Rauchtopases , wie denn die beym Zerschlagen eines solchen Steines losgesprungenen dünnen Splitter, in Betrachtung ihrer Farbe und Durchsichtigkeit , einem reinen Colophonium gleichen.

Dieses alles könnte uns auf die Gedanken bringen, daß diese Steine im Feuer erzeuget worden, und daß sowohl die Eisenkörner, als auch die Quarzbrocken in dieselben gelanget, da die schwarze, glasartige Masse durch das Feuer flüßig und weich gemacht worden ist. So wahrscheinlich dieses ist, mit so weniger Gewißheit läßt sich bestimmen, ob dieselben bey einem entstandenen Erdbrande zusammen geschmolzen, oder, ob sie, bey der Entzündung eines feuerspeyenden Berges, ausgeworfen worden. So viel ist gewiß, daß sich in dem Bezirke derjenigen Gegend , wo man diese Steine findet, die deutlichsten Merkmaale von verschiedenen, in den ältesten Zeiten daselbst vorgefallenen Zerrüttungen von Erdbeben zu erkennen geben. 

Herr Dr. Schulze hat hier völlig Recht: Die Pechsteine sind vulkanische Bildungen und in der Region u. a. auch aus Garsebach im unteren Triebischtal oder als Kugelpechsteine von Spechtshausen bekannt.

    

Unter dem Stichwort Grumbach werden im Postlexikon, im Band 3 aus dem Jahr 1816, ebenfalls zwei Kalkbrüche erwähnt. Letzteres ist aber nicht so ganz korrekt: Einerseits lag nur einer, nämlich das zuletzt Wätzig’sche Werk, tatsächlich auf Grumbacher Flur. Andererseits lagen, wie wir schon wissen, südöstlich vom Krumbiegel’schen Kalkwerk am südlichen Gehänge des oberen Schloitzbach- Tales noch wenigstens zwei weitere Kalkwerke, die zum Rittergut Braunsdorf oder auch Bauern aus Grumbach gehört haben.

Anmerkung: Der Familienname Wätzig ist uns später auch in  Kaltofen als Kalkwerksbesitzer wieder begegnet.

Auf Rissen und in einigen Akten aus späterer Zeit findet sich in diesem Bereich, ganz im Osten des Kalklagers, außerdem noch die Bezeichnung „Friebel’scher Abbau“. Zu diesem Werk haben wir bislang aber im Staatsarchiv keine weiteren Erwähnungen finden können. Nach dem Grubenriß (40069, Nr. 576) war dieses Friebel’sche Baufeld durch einen südlich davon angesetzten und als „Berger- Schacht“ bezeichneten Schacht erschlossen; baute also wie schon Pfützner vorher nur untertage ab.

Auch die Braunsdorfer Ortschronik nennt ein Berger'sches Kalkwerk (Information von Herrn M. Fischer, Grumbach). In einer Sammlung von Schriftstücken des Kammerrats Karl Friedrich August Dathe von Burgk ist außerdem ein Darlehensgesuch eines Carl Friedrich Berger aus Braunsdorf bei Tharandt aus dem Jahre 1867 aufgetaucht (10168, Nr. 1649). Dieser habe seinerzeit „6 Mann praktische Bergleute... gesucht auf das Kalkwerk Braunsdorf.“

Eine indirekte Erwähnung eines dritten Kalkwerkes findet sich ferner im Jahr 1812, als der damalige Lehrer für Naturkunde an der forstlichen Lehranstalt, Dr. Carl Lang, in seiner Beschreibung des Plauenschen Grundes notierte: „Ein anderer Ausflug geht nach Braunsdorf, das drei Viertelstunden von Tharant entfernt liegt. Der Weg ist sehr anmuthig, besonders der untere, der fast ganz über Wiesen unmittelbar zu den drei Kalksteinbrüchen von Braunsdorf führt. Üeberraschend ist die ungehuere Ausdehnung der offenen Schlünde, wo der Kalkstein gewonnen wird…“  Lang spricht hier ausdrücklich von drei Kalkbrüchen und verlegt sie damals allesamt nach Braunsdorf.

 

In seiner „Beschreibung der sächsischen und ernestinischen Lande“ erwähnt A. Schiffner 1845 unter dem Ortsnamen: „Braunsdorf (550 E.), welches ½ Meile nördlich von Tharandt sehr coupirt liegt, 3 wichtige Kalköfen, 1 Silberzeche, Kalk- und Pechsteinbrüche hat, auch zum Theil in's Dresdener Amt und dem Dresdener Rathe, sowie unter's Rittergut Willsdruf gehört…“

Auch L. Fritzsche nennt im Jahr 1866 noch immer drei Kalkwerke: „Außerdem befinden sich in dem nahegelegenen Braunsdorf drei Kalkwerke, welche den Hrn. von Seidewitz, dem Gutsbesitzer Winkler und dem Dresdner Vorschussvereine zugehören.“  Herr von Seidewitz (oder Seydewitz) war also 1866 noch immer Gutsbesitzer in Braunsdorf. Das dritte Werk aber war vermutlich zu dieser Zeit schon aufgegeben oder vielleicht in Konkurs geraten, so daß es ein Bankverein aus Dresden erworben hatte.

Ein Gutsbesitzer Carl Traugott Winkler aus Grumbach wiederum taucht bereits 1834 in einem Streitfall mit dem Gutsbesitzer Claus aus Kohlsdorf auf. Letzterer beabsichtigte damals, einen Querschlag von dem zu Winkler's Kalkbruch gehörigen Stolln aus zu treiben und hatte dazu Mutung auf Eisensteinflöße*) eingelegt (40010, Nr. 3431). Vermutlich handelte es sich bei dem jetzt zum Kalkbruch gehörigen Stolln um den früheren Vorläufer Erbstolln des Herrn C. H. Ficke und bei Winkler's Kalkbruch um den nördlichen auf Grumbacher Flur.

*) In dem Aktentitel steht „Eisensteinflöze“; sicher sind aber in diesem Zusammenhang die „Flüsse“ oder „Flöße“ gemeint, also Zuschlagstoffe für die Verhüttungsprozesse, namentlich Kalkstein. Schon in oben genannter Akte zum Vorläufer Erbstolln sind Protokolle über „Erörterungen wegen des angeblichen Stollnbetriebes zur Aufschließung des Gebirges auf Metalle und Minerale“ enthalten (40010, Nr. 3718). Eine Mutung auf Erze war nicht an die Grundstücksgrenzen gebunden, denn sie bildete ja gewissermaßen ein eigenständiges Lehen. Eine solche erleichterte daher auch die Unterfahrung der (übertägigen) Flurstücksgrenzen. Es ist also durchaus nicht auszuschließen, daß die Stollnbetreiber tatsächlich ganz andere Absichten verfolgten, als Erz zu fördern...

 

Die frühesten geologischen Beschreibungen dieser Kalksteinbrüche stammen von B. Cotta, der 1836 ebenfalls nur noch zwei große Tagebrüche erwähnt.

Die geologische Beschreibung Cotta’s ist in die Erläuterungen zur Geognostischen Karte von C. F. Naumann 1845 eingeflossen, wo es heißt: „Bei Braunsdorf, nördlich von Tharandt, liegt ein durch mehre Brüche aufgeschlossener Kalkstock, dessen Gestein sich von jenem aller bisher beschriebenen Kalklager auffallend unterscheidet. Es ist ein theils röthlichgrauer und licht fleischrother, theils grünlichgrauer, höchst feinkörniger bis dichter, harter und schwerer (Cotta vermuthete bereits, daß der Braunsdorfer Kalkstein Dolomit sei), daher jedenfalls dolomitischer, bisweilen von Kalkspathadern durchzogener Kalkstein, welcher nur selten eine Spur von Schichtung erkennen läßt.

Gewöhnlich, und namentlich im südlichen Bruche, ist er durchaus massig und nur ganz regellos zerklüftet; die im nördlichen Bruche stellenweise angedeuteten Schichten scheinen hor. 11 bis 1 zu streichen und 30° in Ost zu fallen. Im südwestlichen Theile des alten Bruches setzt ein 12 bis 16 Zoll mächtiger Gang von porphyrartigem (aus braunrothem Thonstein und Quarzpyramiden bestehendem) Gesteine auf, welcher hor. 10,4 streicht, 45° in Südwest fällt, und wahrscheinlich mit dem, ganz in der Nähe, nordwestlich von demselben Kalkbruche liegenden und durch einen kleinen Steinbruch aufgeschlossenen, hellrothen bis ölgrünen, sehr harten und quarzreichen Porphyr zusammenhängt.“

  


Auf dem auf 1836 datierten Blatt 10: Section Dresden, des Topographischen Atlas‘ von Oberreit sind dann nur noch zwei Tagebaue nördlich des Schloitzbaches dargestellt.

 

Im Jahr 1847 kommt es im Seidewitz'schen Kalkwerk zu einem Unfall, bei dem der Kalkbrecher Karl Gottlieb Büttner aus Fördergersdorf „durch einen herabfallenden Kübel“ tödlich verletzt wurde. Der Unfallhergang  wurde vom damals zuständigen Amt Grillenburg untersucht (10052, Nr. 647).

Die Akten des Landesbergamtes (40024-12, Nr. 011) nennen als Besitzer dieses Kalkwerks auch um 1870 noch immer den Rittergutsbesitzer von Seydewitz auf Braunsdorf; allerdings dürfte es sich inzwischen um einen Nachfahren gehandelt haben. Als solcher ist im Jahr 1854 ein Herr Rudolph Woldemar von Seydwitz in den Akten des Amtes Grillenburg zu finden (10052, Nr. 1015). Dieses Werk hat dann im Jahr 1877 Franz Ludwig Krumbiegel erworben.

Durch Zufall haben wir in einem Forum der Ahnenforscher den Bergmann Karl Gottlieb Pahlitzsch (oder Pahlisch) gefunden, geboren am 14.2.1794 in Großopitz und Vater von acht Kindern, die ihrerseits zumeist in Cainsdorf und Bockwa bei Zwickau geboren sind. Vermutlich hat ihr Vater also in den Zwickauer Steinkohlenwerken als Bergmann gearbeitet. Warum er danach aber noch im hohen Alter von 65 Jahren wieder im Kalkwerk in Braunsdorf (also wohl auf dem später Krumbiegel'schen) angefahren ist und dabei am 4. März 1859 verschüttet wurde, wissen wir nicht. Man hat den Verunglückten aber offenbar bergen können und am 9. März 1859 in Kesselsdorf beigesetzt.

Zu einem erneuten, besonders folgenschweren Tagesbruch kam es im Wätzig'schen Kalkbruch am 25. Februar 1869. Da es dazu eine sehr ausführliche Akte der Kreishauptmannschaft Dresden gibt (10747, Nr. 2219), können wir dieses Ereignis detailliert nachvollziehen. Der Gendarm Gottlieb Rintzschkus schildert uns in seiner Anzeige über den stattgefundenen Unglücksfall an das Gerichtsamt Wilsdruff vom 27. Februar als erster den Hergang. Demnach hat sich der Tagesbruch früh zwischen Acht und halb Neun Uhr ereignet, bei dem der Kalkmüller Carl August Winkler, 59 Jahre alt und Vater von drei Kindern, verschüttet wurde: Diesen Morgen 8 Uhr stürzte ein alter Kalkschacht im Kalkwerk des Gutsbesitzers Wätzig zu Grumbach zusammen, worauf ein Kalkhaus, das vom vorbenannten Winkler nebst Familie bewohnt war, stand und mit in die Tiefe eingestürzt ist. Man hat den Bruch schon heut gegen 5 Uhr bemerkt und besagtes Haus geräumt, aber die beiden Kühe und zwei Schweine noch im Stall gelassen. Der Winkler hat nun in dem Augenblicke, in dem der Sturz geschehen, das Vieh herausholen wollen und ist mitsamt besagtem Vieh verschüttet. Man glaubt sicher, daß Winkler und das Vieh tot sind. Behufs Rettung des Winkler arbeiten Bergleute von oben herein und zunächst durch die Trümmer des Hauses durch... Trotz ununterbrochener Arbeit bei Tag und Nacht ist noch keine Spur von ihm zu finden.“

Das Kalkhaus sei bereits seit 23 Jahren von Winkler bewohnt worden, also seit 1846. Er könnte daher durchaus ein Nachfahre des 1834 als Kalkwerksbesitzer genannten Carl Traugott Winkler gewesen sein.

Der zur dieser Zeit amtierende Kreisdirektor und Wirkliche Geheime Rath von Könneritz beschied am 28. Februar, daß die Rettungsarbeiten eine Staatsangelegenheit und zu befördern seien und entsandte dazu umgehend den Bergrat Schmiedel aus Zaukeroda nach Grumbach, um sich ...von der technischen Gesetzmäßigkeit der Rettungsarbeiten in Grumbach an Ort und Stelle selbst (zu) überzeugen, auch soweit nöthig deren Leitung und Anordnung in die Hand zu nehmen...“  Eine erste Skizze der Unglücksstelle vom 28. Februar stellt einen Bruchtrichter dar, der zu dieser Zeit etwa doppelt so breit und viermal so lag wie das Wohnhaus war.

Am 1. März nahm von Könneritz die Unglücksstelle selbst in Augenschein und billigte die von Bergrat Schmiedel getroffenen Anordnungen. Jedoch haben sich die Arbeiten zunächst „...auf die Abtreibung gefahrdrohender Bergwände“ beschränken müssen. Insbesondere für die Förderarbeiten wurden zirka 30 Mann in Schichten zu sechs Stunden zusätzlich zu den Bergarbeitern von der Gemeinde Grumbach gestellt.

Am 1. März berichtet auch der Gendarm erneut und schreibt, daß durch schlechtes Wetter und schlüpfriges Gestein die Arbeiten behindert und weitere Nachbrüche befürchtet werden: Dringend anzurathen ist der Kgl. Kreisdirection, die Rettungsarbeiten müßten eingestellt werden... Der Unglücksfall von Winkler, der bereits tot ist, ...hat bereits über die Grenzen des Amtsbezirkes Aufsehen erregt, welches Unglück aber noch geschehen kann, läßt sich unter den vorerwähnten Umständen nicht sagen.“

Noch am 4. März wurde von Bergrat Schmiedel zusätzlich der Steiger Zimmermann aus Zaukeroda abgesandt. Am 5. März berichtet dann aber ein Leutnant Leonhardi an die Kreisdirektion, daß die Arbeiten für die Arbeiter offenbar mit Lebensgefahr verbunden sind... und Schmiedel deshalb „die gänzliche Einstellung der Rettungsarbeiten zur Vermeidung größeren Unglücks für geboten erachtet und die erforderlichen Anordnungen getroffen hat. Es folgt ein langer Bericht von Bergrat Schmiedel, der auch eine weitere Skizze enthält. Inzwischen hatte sich demnach die Pinge deutlich vergrößert und östlich und westlich der noch stehenden Scheune sind zwei kleinere Bruchtrichter hinzugekommen.

Wie man dann in einem weiteren Bericht an die Kreisdirektion vom 9. März lesen kann, hatte man schon seit einiger Zeit befürchtet, daß ein Einsturz des sich unter dem von Winkler bewohnten Hauses befindlichen Schachtes erfolgen könne, da sich bereits am 22. des Monats im Haus Risse gezeigt hätten, welche auf eine allmähliche Senkung schließen ließen. Wätzig habe deshalb Winkler aufgefordert, das Haus unverzüglich zu verlassen, sonst hätte es wohl noch mehr Todesopfer gegeben.

Am 9. März hatte auch das Kgl. Sächs. Ministerium des Innern schriftlich die Übernahme der Kosten für die Rettungsarbeiten zugesagt.

Ein weiterer Bericht vom 15. März enthält eine großformatige Zeichnung, aus der ersichtlich ist, daß sich jetzt noch zwei weitere Einsturztrichter gebildet haben. Die Senkungen haben sich inzwischen weit nach Osten und Süden ausgedehnt und sowohl den Standort der Scheune, als auch Teile der Zuwegung zum Wätzig'schen Kalkwerk erfaßt. Dieses Schadensbild deutet unseres Erachtens keinesfalls darauf hin, daß nur ein alter Tagesschacht zu Bruch gegangen ist.

Als Betreiber des Bergwerks wurde selbstverständlich auch Herr Wätzig befragt, der eine lange Stellungnahme verfaßte, in welcher er schreibt: „....daß bei diesem Unglücksfalle mich auch nicht die geringste Schuld trifft. Zur Begründung führt Wätzig an, daß unter dem fraglichen Bereich seit Dezember 1868 nicht mehr gearbeitet wurde und überhaupt schon seit langer Zeit vorher nur noch auf der zweiten Abteufung (der 2. Sohle) gebaut worden wäre. Folglich könne der Einsturz nicht durch den Abbau ausgelöst sein... Nebenbei wird hierin von Wätzig ausführlich aufgerechnet, welche Kosten ihm durch die Entlohnung der Arbeiter während der Rettungsarbeiten entstanden sind und er stellt gleich noch den Antrag auf Kostenübernahme für die Neuerrichtung der durch die Senkungen beschädigten Gebäude seines Kalkwerkes. Am 1. August beschied das Ministerium des Innern, daß man wohl die Lohnkosten in Höhe von 386 Mark, 5 Groschen, auch von weiteren 60 Mark für Steiger Zimmermann übernähme, der Vorschußantrag aber abzulehnen sei. Mit den Quittungen endet die Aktenlage. Für die Behörde war der Vorgang damit abgeschlossen.

Bereits im Juni 1869 hatte Wätzig einen neuen Kalkmeister eingestellt. Was aus der Witwe und den Kindern des Winkler geworden ist, besagt die Akte nicht.

Ob diese Ereignisse die zur gleichen Zeit erfolgenden Neuregelungen des  Bergrechts mit beeinflußt haben, wissen wir nicht. Jedenfalls waren seit den 1870er Jahren auch die gewerblichen Kalkwerke in regelmäßige Fabrikrevisionen einzubeziehen. Mit einer Verordnung von 1877 wurden die Amthauptmannschaften beauftragt, „sich von Zeit zu Zeit Kenntnis über Betrieb und Besitzer der Thongruben, Kalkwerke und anderen Gräbereien…“ zu verschaffen (40024-12, Nr. 011). Die Verordnung erging wohl auch vor dem Hintergrund zunehmender technischer Probleme. Auch infolge der Inkraftsetzung des Allgemeinen Berggesetzes für das Königreich Sachsen ab 1869 wurde nun dem grundeigenen Bergbau zunehmend behördliche Aufmerksamkeit zuteil.

   


Ausschnitt aus dem oben schon gezeigten Gru
ndriß aus dem Jahre 1894 mit der Lage der Pinge dieses verheerenden Tagesbruches. Die Beschriftung lautet: „Im Jahre 1869 zusammengebrochener alter Abbau, woselbst der Kalkbrenner mit dem Wohnhaus, 2 Kühen und einem Schwein mit versunken ist.“  In dem wirklich reichlich groß geratenen Weitungsbau der „I. Etage scheint man überhaupt nur drei Pfeiler stehen gelassen zu haben, just den dünnsten davon im Zentrum des späteren Bruchtrichters. Dazu kommt dann noch, daß  man die Pfeiler mit der (rot schraffierten) Strecke auf der III. Sohle unterfahren hat... Der braun dargestellte Wirtschaftsweg zwischen dem Werk und Braunsdorf (im Ausschnitt links und unten) holt jetzt nach Süden - in respektvollem Abstand um die Bruchpinge herum - aus.

   

 

 

Zum Abbau in Grumbach und Braunsdorf im 20. Jahrhundert

  

Das nordwestliche und auf Grumbacher Flur gelegene Werk befand sich also in den 1880er Jahren im Eigentum von Carl August Franz Wätzig, um die Jahrhundertwende dann seines Nachfahren Franz Oskar Wätzig. Es wird in den Akten als „Kalkwerk von Oskar Wätzig in Grumbach“ geführt. Zu diesem Werk gibt es eine technische Beschreibung des uns schon bekannten Faktors Lorenz vom Kalkwerk in Miltitz aus dem Jahr 1885: „IV. Kalkwerk in Grumbach, Besitzer Carl August Franz Wätzig, daselbst. Befahrung 27. Dezember 1884.

Der unterirdische Abbau dieses in Thonschiefer aufsitzenden, 40 m mächtigen und durch einen saigeren 54,68 m tiefen Kunst- und Treibeschacht erschlossenen Kalksteinlagers findet als Etagen- und Pfeilerbau sowohl in der zweiten, 43,94 m tiefen, als auch in der dritten, 54,68 m tiefen Abbaustrecke statt.

In östlicher Richtung vom Schachttiefsten aus ist das 40 m mächtige Kalksteinlager in den vorgenannten Sohlen ausgerichtet, ohne daß man weiß, wie weit es sich noch in die Tiefe erstreckt. Das aus Thonschiefer bestehende Deckgebirge zeigt sich auch hier sehr gebräch und wird durch Stehenlassen einer entsprechend starken Kalksteinfirste unter genauer Beobachtung der richtigen Lage der Abbaufelder in beiden Etagen übereinander sichergestellt.

Bei ca. 90 m südöstlicher Entfernung vom Kunst- und Treibeschacht ist der Abbau vom Tage nieder bis in die zweite Abbaustrecke und von da bis in die dritte dergleichen mit einem Wetterschacht, welcher zugleich als Fluchtweg für die Arbeiter dient, in Verbindung gebracht.“

Dieser Wetterschacht war direkt im Tagebau angesetzt und daher nur 26 m tief. Auf der zweiten Sohle setzte er ab und wurde durch ein Gesenk zur dritten weitergeführt. Doch weiter im Text:

„Die Streckenförderung erfolgt mittels Förderhunten und Grubeneisenbahn, während die Schachtförderung hiermit in Verbindung stehend für Gestell- und Gerüstförderung eingerichtet ist. Die im Kalkbruche vorhandenen Grubenwässer werden zutage gehoben, wozu als Antriebsmaschine für Förderung und Wasserhaltung eine zwölfpferdige stationäre Dampfmaschine dient. Zur Ladung der Sprenglöcher wird auch hier wie bei den meisten Kalkwerken das Natronsprengpulver benutzt.

Die Lage des in der Nähe befindlichen, früher zu Bruche gegangenen alten Abbaus ist aus dem vorhandenen und vollständig nachgebrachten Grund- und Saigerriß ersichtlich.

Das Kalkbrennen erfolgt in drei continuierlichen oder „Schneller“- Öfen. Die  durchschnittliche Belegung beträgt 9 Mann.“

Lorenz befuhr 1884 nur dieses eine Kalkwerk. Er betont den unterirdischen Abbau im besonderen Hinblick auf die bergrechtliche Zuständigkeit.

Nach einem Grundriß aus dem Jahr 1955 (40069, Nr. 576) befand sich das Grundstück des Bergwerksfeldes zu dieser Zeit im Eigentum von Georg Gerhard Wätzig. Sofern das Internet Recht hat, ist eine Familie Wätzig bis heute in Grumbach ansässig.

Da das Krumbiegel'sche Werk dagegen bereits auf Braunsdorfer Flur und damit im Zuständigkeitsbereich der Kreisdirektion Dresden lag, gibt es leider keinen gleichartigen Bericht von Lorenz zu diesem Werk.

Den Namen Wätzig haben wir auch in Zusammenhang mit Untersuchungsarbeiten im Kalkvorkommen bei Kaltofen- Berbersdorf gefunden. Um 1899 sei dort einer der Kalksteinbrüche im Besitz eines Herrn Wätzig gewesen. Auf diesen soll ein 58 m tiefer, neuer Schacht zurückgehen, mit dem ein „3. Horizont“ unterhalb der alten Baue erschlossen werden sollte (11384, Nr. 2081).

  

Das zweite Werk gehörte kurz vor der Jahrhundertwende der Witwe des Franz Ludwig Krumbiegel, Amalie Krumbiegel, welche es dann 1902 auf ihre Nachfahren, die Gebrüder Johannes Franz und Franz Max Krumbiegel übertrug. Die Akten aus dieser Zeit benennen es aber noch als „Kalkwerk Amalie Krumbiegel… in Braunsdorf“. Dieses Krumbiegel’sche Werk war folglich das südöstliche, bereits auf Braunsdorfer Flur gelegene, das zuvor im Besitz des Herrn von Seidewitz gewesen ist.

Ab 1900 führte dann die Berginspektion III in Freiberg Akten über die Kalkwerke, die wir heute – da deren Betrieb noch bis Anfang der 1960er Jahre andauerte – im Bestand des Bergamts Dresden und Vorgänger wiederfinden (40050, Nr. 041 und 046). Demnach baute Wätzig um 1900 bereits auf der 3. Sohle ab.

Aufgrund der üblen Erfahrungen mit schweren Tagesbrüchen (der nächste ist dann im Jahr 1902 dokumentiert und erfaßte den Wätzig’schen Flucht- und Wetterschacht) schrieb die Bergbehörde in der Betriebsplanzulassung für 1906 vor, daß Abbauhöhen über 5 m nicht mehr zulässig sind, daß zu Gebäuden übertage ein Sicherheitsabstand der Baugrenzen von mindestens 10 m einzuhalten sei und daß Weitungen zu versetzen sind „soweit durch sie die darüber stehenden Pfeiler unterhöhlt worden sind.“  Der Abbau erfolgte – wie uns der Grubenriß zeigt – auf der 2. und 3. Sohle nämlich in einem ziemlich unregelmäßigen Weitungsbau, wobei maximale Spannweiten zwischen den Pfeilern von 15 m bis 22 m erreicht wurden. Der Abbau war in diesem Niveau der Lagerstätte bereits bis an die Bauwürdigkeitsgrenzen vorgedrungen. Daher plante Wätzig schon im Jahr 1904, eine vierte Sohle vorzurichten.

Das Wätzig'sche Werk beschäftigte 1900 17 Arbeiter, davon 10 untertage. Im Jahr 1910 waren es noch 11, davon 5 untertage. Mit Wirkung vom 1.1.1911 verkaufte er das Werk an seinen Nachbarn Krumbiegel.

 

Auch dem Krumbiegel’schen Werk wurde infolge des erneuten Tagesbruches mit der Betriebsplanzulassung für 1903 vorgeschrieben, daß die Hohlräume der 2. Sohle abzustreben und auszufüllen seien, „soweit sie unter Weitungen der 1. Sohle liegen und künftig zur Vermeidung ähnlicher Unzuträglichkeiten …die Pfeiler genau unter denen der 1. Sohle zu erhalten sind.“  Falls der Besitzer sich nicht daran halte, wurde ihm eine Strafe von 100 Mark angedroht. Auch er erhielt die Auflage, 10 m breite Sicherheitspfeiler an allen öffentlichen Wegen unverritzt zu lassen.

Die Gebrüder Krumbiegel beschäftigten 1905 17 Arbeiter, 1908 noch 11.

Im Jahr 1909 wurde die Braunsdorfer Dolomit- Cement Kalkwerks- Gesellschaft gegründet, beim Amtsgericht Tharandt ins Handelsregister eingetragen (11101, Nr. 0222) und einiges in neue Technik investiert. So entstand schon 1909 eine neue Aufbereitungsanlage, über die wir im Jahrbuch für das Berg- und Hüttenwesen in Sachsen, Ausgabe von 1910, im Kapitel

Vl. Wichtige Ausführungen und Betriebsvorgänge bei den gewerblichen Gruben...

1. Neue Lagerstättenaufschlüsse und geognostisch oder bergmännisch bemerkenswerte Vorkommnisse.

folgende Notiz gefunden haben: „4. Neue Kalkaufbereitungsanlagen, in denen größere Maschinen zur Aufstellung gelangten, sind bei Böhmes Kalkwerke Herold in Herold und bei den Braunsdorfer Dolomit-Zement-Kalkwerken, vorm. F. Krumbiegel, in Braunsdorf errichtet worden. In erstgenannter Anlage werden aus dem daselbst gewonnenen sehr reinen weißen Marmor Terrazzokörner von verschiedener Größe hergestellt, in letzgenannter Anlage wird feinster Zementkalk aus dem Rohkalksteine gemahlen, der sowohl als Düngemittel als auch als Baukalk guten Absatz findet. In Herold ist eine Sauggasanlage zur Aufstellung gelangt, in Braunsdorf dagegen eine elektrische Kraft- und Lichtanlage errichtet worden.“

Über das hier genannte Werk in  Herold gibt es bei uns inzwischen auch einen Bericht.

In den Jahrbüchern wird der Kalk- bzw. Dolomitabbau von 1901 an und bis zu den Bergwerksverzeichnissen 1939 bis 1942 durchgehend als in Betrieb stehend aufgeführt. In der gleichen Ausgabe von 1910 liest man noch im Abschnitt:

5. Schießarbeit.

1. Bei den Braunsdorfer Dolomit-Zement-Kalkwerken in Braunsdorf ist ein kleiner Kompressor aufgestellt worden, der die zur Betätigung der neu eingeführten Bohrhämmer aus der Fabrik Ingersoll-Rand, G. m. b. H. in Düsseldorf nötige Preßluft liefert.“

Auch in der Ausgabe aus dem Jahr 1914 findet sich eine Notiz im Abschnitt

2. Schacht- und Maschinenanlagen.

4. Bei den Vereinigten Braunsdorfer Dolomitwerken in Braunsdorf, die sich neuerdings hauptsächlich mit der Herstellung von Dolomit- Edelputz befassen, wurde eine von der Maschinenfabrik Karl Ningelgen in Stuttgart gelieferte Kalkhydratisationsanlage in Betrieb genommen. Auch hierbei ist elektrischer Antrieb gewählt worden.“

Außerdem wurde ein neuer Kalkofen errichtet und es wurden Generatoren mit zusammen 8,2 kW Leistung angeschafft, um auch die Beleuchtung zu elektrifizieren. Vorgesehen war ferner die Anschaffung elektrisch betriebener Bohrmaschinen. Anstelle von Dynamit und Schwarzpulver ging man zu den Sprengstoffen „Ammon- Karbonit“ und Donarit über.

Auch die Belegschaft stieg bereits 1909 wieder auf 14 Arbeiter an, durch die Übernahme des Wätzig’schen Werkes 1911 sogar auf 24 Beschäftigte, davon 8 untertage. Krumbiegel hatte offenbar die komplette Belegschaft des Nachbarwerkes mit übernommen. Man verkaufte Gasstückkalk, Düngekalk, hydraulischen Weißkalk und Rohdolomit.

Allerdings hatte die Berginspektion auch einiges zu bemängeln: So wurde 1910 geschimpft, daß der Grubenriß „…nicht allenthalben den Bestimmungen …der Verordnung über die Markscheider und das Rißwesen entspricht, indem bei mangelnder Übersichtlichkeit namentlich die Übertagesituation sowie die Grubenfeldgrenzen nicht zur Darstellung gebracht sind.“  Wie im bergrechtlichen Kapitel unseres ersten Beitragsteils beschrieben, steht auch hier die Führung eines „Steigerrisses“ zu vermuten. 1911 forderte die Bergbehörde zum Gesundheitsschutz der Arbeiter den Einbau einer Entstaubungsanlage am Kalkbrecher.

  


Ausschnitt aus der Äquidistantenkarte, Ausgabe 1881, noch mit zwei getrennten Tagebauen.

  


Ausschnitt aus der Äquidistantenkarte, Ausgabe 1904. Die Straße an der Südostseite der Kalksteinbrüche hat man jetzt ebenfalls verlegt.

  


Ausschnitt aus der ersten Ausgabe der topographischen Karten von 1913. Nach einer Zuschrift eines Lesers sind auch uns hierin drei „Windmühlen“ aufgefallen, eine davon direkt im Kalkwerksgelände. In früheren Kartenausgaben waren sie noch nicht verzeichnet.

  

Bei den Windmühlen“ im Kartenausschnitt oben handelte es sich jedoch nicht um Mahlmühlen, sondern um damals sogenannte „Windmotoren“, wie auch am Kalkwerk in  Groitzsch einer gestanden hatte. Der an der Straße von Grumbach nach Tharandt (links im Kartenausschnitt) wurde 1909 errichtet, diente der Wasserversorgung der Gemeinde Braunsdorf und ist bis heute erhalten. Der südlich von Braunsdorf am Schloitzbach gelegene diente vermutlich der Wasserversorgung des Rittergutes und steht heute nicht mehr (Mitteilung von Herr M. Fischer). Zum Zweck des dritten, unmittelbar am Kalkwerk eingezeichneten Windrad, haben wir bisher in den Bergamtsakten leider noch keine Hinweise finden können.

Einem Artikel in Dingler's Polytechnischem Journal aus dem Jahr 1901 kann man zu diesen Anlagen entnehmen, daß: „die in den Luftströmungen unserer Erde sich äussernden ungeheuren Energiemengen an, mehr und mehr Beachtung ... finden, und wenn auch das Bestreben, Teile dieser Energiemengen auszulösen und in motorische Kraft umzusetzen, bereits vor 500 Jahren eine praktische Lösung im Baue der Bockwindmühlen gefunden hat, so blieb es doch erst der neuesten Zeit vorbehalten, einen Windmotor zu erzeugen, der weitergehenden Ansprüchen Rechnung trägt. – Seit auf der Weltausstellung in Philadelphia (Diese fand im Jahre 1876 statt.) der amerikanische Windmotor auf dem Weltmarkt erschien, haben die Bemühungen der Konstrukteure um Vervollkommnung dieser Motorgattung nicht mehr geruht... (E. Lufft, Band 316, S.246ff)

Tatsächlich wurden schon 1880/1881 in dieser Zeitschrift zahlreiche Patente vorgestellt, die sich der Verbesserung der Windturbinen und deren breiterer Anwendung widmen. Unter den Patentinhabern finden sich auch sächsische Ingenieure und Maschinenbauer, etwa K. Reinsch in Dresden (ebenfalls in Dingler's Polytechnischem Journal, anonyme Zusammenstellung, Teil 2, Band 241, 1881, S.81ff). Einige Jahre später liest man dann in einem ebenfalls anonymen Beitrag über „Stahlwindturbinen: „Während sich in Amerika Tausende von Windrädern in Thätigkeit befinden, und ihre Kraft nicht nur zum Wasserpumpen, sondern auch zum Betrieb von Mahlmühlen, Dreschmaschinen, Futterschneiden, Steinbrechern u.s.w. vortheilhaft Verwendung findet, wird bei uns die Kraft der Luftbewegung, von den Windmühlen, deren Zahl ebenfalls keine grosse ist, abgesehen, noch sehr wenig ausgenutzt. Es sind früher bei uns Windmotoren gebaut worden, die aber wenig Gutes boten, da sie aus Holz und wenig vortheilhaft construirt waren und daher nur wenig leisteten und leicht reparaturbedürftig wurden. In neuerer Zeit machen sich die Stahlwindturbinen der Deutschen Windturbinenwerke Heinrich Rother in Dresden vortheilhaft bemerkbar.

Dieselben sind gänzlich aus Stahl und schmiedbarem Eisenguss hergestellt, die Flügel aus Wellblech und schraubenförmig gebogen. Eine vollkommene Ausnutzung der Windkraft wird unterstützt durch Vermeidung aller Reibung, indem sämmtliche Lager auf Rollen und Kugeln laufen; man gewinnt das Zutrauen, dass der Motor wirklich die angegebene grosse Kraft leistet. Für Maschinenbetrieb scheint dies der einzige verwendbare Windmotor zu sein, da durch eine selbstthätige successive Regulirung der Flügel je nach Windstärke ein gleichmässiger Gang herbeigeführt wird, während bei allen anderen Windmotoren die Zahl der Umdrehungen fortwährend je nach Stärke des Windes wechselt und nur die Einrichtung getroffen ist, dass bei zu starkem Wind die Flügel plötzlich ausgeschaltet werden und der Motor dann ganz stehen bleibt. Durch Verschiebung der Regulirung lässt sich der Rother'sche Motor auf eine bestimmte Tourenzahl einstellen, in der er dann constant verharrt. Der Vortheil des Windmotors liegt in dem kosten- und concessionslosen Betriebe, der keinerlei Wartung bedarf, und wird deshalb derselbe vorzüglich zum Wasserheben benutzt; die Rother'sche Windturbine eignet sich ausserdem noch sehr gut zum Betrieb vieler anderer Maschinen. Es dürfte bei dem leichten Gang dieser Windturbine, die auch bei schwachem Winde arbeitet, selten vorkommen, dass die Arbeit wegen Mangel an Wind nicht geleistet werden könnte...

Die Stahlwindturbine „Germania“ wird in 18 Grössen von 4 bis 15 m Raddurchmesser mit Leistung von 3 bis 40 PS gebaut, und zwar System A mit Windfahne für Pumpenbetrieb und System B mit Windrose für Maschinenbetrieb. Für kleine Anlagen zum Wasserpumpen baut diese Firma den Stahlwindmotor „Komet“, dessen Flügel feststehend sind. Diese Räder, auch durchweg aus Stahl und Eisen hergestellt, werden in Grossen von 2 ½ bis 4 m Raddurchmesser mit einer Leistung von 1 ½ bis 3 PS gebaut. Auf der Wanderausstellung der Deutschen Landwirthschaftsgesellschaft zu Dresden 1898 stellte die Firma eine solche Windturbine von 7 ½ m Raddurchmesser für Maschinenbetrieb, System B Nr. 26, mit einer Leistung von 10 PS aus. Dieselbe war auf einem eisernen Thurmgerüst von 22 m Höhe aufgestellt und betrieb gleichzeitig eine Rohrpumpe von 400 mm Cylinderdurchmesser mit einer Förderung von 80.000 Litern in 1 Stunde, eine doppelt wirkende Saug- und Druckpumpe von 120 mm Cylinderdurchmesser mit einer Förderung von 10.000 Litern in 1 Stunde auf 120 m Höhe, ferner eine Futterschneidemaschine.“ (Miszelle, anonym, Band 309, S. 179, 1898)

Heimatfreunde, die sich für die Geschichte dieser Anlagen interessieren, haben herausgefunden, daß der Windmotor am Kalkwerk bereits im Jahr 1904 gebaut worden sein muß. Er fand Erwähnung in einem Artikel, worin es dazu hieß: „Zur Entwässerung von tiefen Steinbrüchen, Tongruben wird der Windmotor oben aufgestellt und mittels geeigneten Gestänges, etwa eines Kunstkreuzes, Drahtseiles oder dgl. mit der Pumpe verbunden; diese wird so tief aufgestellt, daß ihre Saughöhe nur etwa 6 m beträgt. Auf dem Kalkwerk in Grumbach bei Wilsdruff fördert ein 6,5 m- Rad 2 cbm Wasser bei 4 m Wind ...[und] 5 cbm Wasser bei 7 m Wind aus 60 m Tiefe, wobei gegen die frühere Dampfpumpenanlage ein Mann Bedienung und die Kohlen gespart werden.“ (Regierungsrat W. Gentsch: Die Windkraftmaschinen und ihre wirtschaftliche Bedeutung, in: Verhandlungen des Vereins zur Beförderung des Gewerbfleißes. Dreiundachtzigster Jahrgang, 1904, Mitteilung von Herr M. Fischer)

Noch im frühen 20. Jahrhundert galt die Windkraft als die billigste Energiequelle, wenngleich sie nicht immer stetig zur Verfügung steht. Auch im Kalkwerk Groitzsch wurde deshalb parallel zur Windkraftanlage auch eine Dampfmaschine für die Förderung und für die Wasserhaltung bei unzureichendem Wind betrieben. Wo immer möglich, wurde dennoch darauf gesetzt. Noch im Jahr 1931 hieß es in einem weiteren Artikel in Dingler's Polytechnischem Journal: „Die Frage, ob Windmotoren gegenüber anderen Kraftmaschinen wettbewerbsfähig sind, ist im Prinzip durchaus zu bejahen. In der althistorischen Windmühle sieht man gewissermaßen den technischen Grundgedanken verkörpert, der in seinem weiteren Ausbau zu den heutigen recht leistungsfähigen Windmotoren geführt hat, die auch gelegentlich als Windturbinen bezeichnet werden. Wenn auch der Windmotor in der Großindustrie kein eigentliches Betätigungsfeld hat, so steht ihm anderseits im Kleingewerbe und vornehmlich in der Landwirtschaft ein großes Arbeitsfeld offen, das er sich mit immer größerem Erfolge erobert...

Windmotoren pflegen eine mittlere Leistungsfähigkeit bei 4–5 m Wind in der Sekunde zu entwickeln; die Höchstleistung tritt bei 8 m Wind ein. Ein stärkerer Wind wird durch die Selbsttätigkeit des Windrades ausgeschaltet. Für Windmotoren guter Bauart lassen sich einige Grundsätze für den Beginn der Tätigkeit aufstellen, und zwar gilt für Pumpenbetrieb gewöhnlich 1 ½ bis 2 m Windgeschwindigkeit in der Sekunde, für elektrische Stromerzeugung 3 m, für Kraftbetrieb 3 bis 4 m, für Dreschbetrieb 4 bis 5 m. Für die Wasserversorgung von Gütern, Dörfern, Gemeinden ist der Windmotor für den Betrieb der Pumpenanlage ausgezeichnet geeignet und haben sich derartige Anlagen überall bewährt... (L. Arndt, Band 346, S. 150ff, 1931)

Erst der flächendeckende Ausbau der Stromnetze ab den 1920er und 1930er Jahren drängte diese Windkraftanlagen damals wieder zurück. So hat man im Jahrbuch  für das Berg- und Hüttenwesen in Sachsen, Ausgabe von 1918, im Kapitel

Vl. Wichtige Ausführungen und Betriebsvorgänge bei den gewerblichen Gruben...

2. Schacht- und Maschinenanlagen

auch über diese Anlage notiert, daß „3. Eine der Wasserhaltung im Grumbacher Schacht der Vereinigten Braunsdorfer Dolomitwerke in Braunsdorf bei Tharandt... dienende Windturbine... außer Betrieb gestellt und durch elektrischen Antrieb ersetzt wurde.

Heute kehren modernere Windkraftanlagen ‒ zur Erzeugung von Elektroenergie ‒ allerorts in der Landschaft wieder zurück. Die Grumbacher Heimatfreunde bemühen sich um den Erhalt des imposanten und ziemlich einzigartigen  Technischen Denkmals in ihrem Ort.

    


Windturbine Braunsdorf. Foto: Klaus Dreßler, um 1986.

 http://www.deutschefotothek.de/documents/obj/90100734

  


Braunsdorf, Pumpwerk mit Windturbinenantrieb, Foto: B. Einert, 1999.

 http://www.deutschefotothek.de/documents/obj/70011601

  

Im Jahr 1912 hatte man erneut finanzkräftige Investoren gefunden und teilte dem Bergamt mit, daß man gemeinsam mit der „Interessengemeinschaft Wünschmann & Rosenthal mbH zu Rabenau“ die Vereinigten Braunsdorfer Dolomitwerke mbH gegründet habe. Die neue Firma ist ebenfalls beim Amtsgericht in Tharandt ins Handelsregister eingetragen worden (11101, Nr. 0166). Zusätzliches Kapital war auch nötig, denn noch in einem Betriebsplan auf das Jahr 1921 liest man, daß das Werk immer noch auf der 2. Sohle baue, obwohl sowohl Wätzig, als auch Friebel schon tiefer gewesen wären. Nach der Zulassung dieses Betriebsplans durch die Bergbehörde begann nun auch das vormals Krumbiegel‘sche Werk zwischen den beiden ehemaligen Nachbarn, weiter in die Tiefe zu gehen.

Wir erfahren aus der Jahrbuchausgabe 1925 im nun schon mehrfach erwähnten Kapitel

Vl. Wichtige Ausführungen und Betriebsvorgänge auf den gewerblichen Gruben...

2. Schacht- und Maschinenanlagen.

3. Bei den Vereinigten Braunsdorfer Dolomit- Werken in Braunsdorf wurde zu Anfang des Jahres 1924 der Ende 1922 von 2. bis 3. Sohle abgeteufte und später ersoffene Schacht endgültig ausgebaut. Das Füllort wurde ausgehauen und der anschließende Querschlag von 45 m Länge aufgefahren, so daß nunmehr die 3. Sohle aufgeschlossen ist.“

Die Konsolidation der beiden letzten Werke 1911 und die technische Modernisierung von Abbau und Verarbeitung schützte im weiteren Verlauf jedoch nicht vor neuen Unglücksfällen. So wird in der Jahrbuchausgabe von 1927, wieder im Kapitel

Vl. Wichtige Ausführungen und Betriebsvorgänge auf den gewerblichen Gruben...

7. Wasserhaltung.

mitgeteilt, daß „...durch die anhaltenden und besonders infolge der plötzlich niedergehenden heftigen Niederschläge im Laufe des Sommers am 15. Juni die 3. Abbausohle vollständig (ersoffen ist). Erst am 12. September gelang die völlige Gewältigung des in die Grubenbaue eingedrungenen Wassers.“

Und im Jahre 1933 liest man im gleichen Kapitel, wieder im Abschnitt

2. Schacht- und Maschinenanlagen

Am 28. Mai 1932 ging der bisher als Fahr- und Fluchtschacht verwendete saigere Fluchtschacht infolge anhaltenden Regenwetters zu Bruch. Unweit dieses Schachtes wurde ein neuer flacher Fahr- und Fluchtschacht hergestellt.“

  

In der Zwischenzeit ist Herr Krumbiegel als Betriebsleiter ausgeschieden. Diese Funktion nahm ab 1931 F. G. Leonhardt wahr, ab 1933 war er auch Geschäftsführer.

In diese Zeit fällt auch ein Bericht der Lagerstättenforschungsstelle (40030-1, Nr. 1082) über die Dolomitvorkommen in Sachsen vom 5.10.1934. Aus diesem erfahren wir, daß die oberste und mittlere (die 2.) Sohle jetzt „schon lange verlassen“ sind und nur noch die 3. Sohle in Betrieb stehe. Insbesondere sei „…im früheren Wätzig’schen Werk der Dolomit so gründlich abgebaut worden, daß in den meisten Bauen der 2. Sohle nur noch Schiefer anstand.“  Der Abbau „schreite in Rundgängen vor“ (wohl um die Pfeiler herum), zur Zeit sei jedoch nur ein Betriebsort untertage mit zwei Mann belegt. Insgesamt habe das Werk 17 Beschäftigte. Die tiefsten Baue hätten schon 70 m Teufe erreicht.

Zum Gestein notierte man, daß zur Zeit ein feinkörniger, kristalliner Dolomit abgebaut werde, der im allgemeinen grau gefärbt, hart und kompakt sei. Partienweise treten Kalkspat mit idiomorphen Kristallen sowie Lagen von Ocker auf. Die Förderung habe 1933 45.000 Zentner (also 2.250 t pro Jahr oder bei 250 Arbeitstagen etwa 9 t/Tag) betragen. Der Bericht kommt auch zu der Einschätzung, daß eine Förderung von 150 t/d keinesfalls geleistet werden könne ohne eine baldige Erschöpfung der Lagerstätte. Er enthält ferner eine weitere chemische Analyse, die wir den früheren aus der Zeit bis zur Konsolidation gegenüberstellen:
    

  CaO MgO Fe2O3 und Al2O3 Unlösliches
Theoretische Zus. 
(nach Rößler) *)
30,41 21,68 - -
Angaben im Firmen-prospekt 1909

26,20

19,90

keine Angabe 

keine Angabe 

Mittelwert nach Pietzsch 1916

30,61

17,54

2,31

6,11

Rohdolomit- Analyse
1934

29,00

15,00

3,90

11,50

*) Angabe für das Mineral Dolomit. Aus der zeitlichen Aufeinanderfolge der Analysen scheint anhand der Abnahme der Magnesia-Gehalte von knapp 20 % auf jetzt nur noch 15 % und der Zunahme der störenden Bestandteile eine Qualitätsabnahme ablesbar zu sein.

  

Ab 1937 befindet sich das Werk im alleinigen Eigentum des vormaligen Investors der Wünschmann & Rosenthal mbH, Karl Wünschmann, Baumaterialien- Händler in Rabenau, welcher offenbar aber dann 1939 verstorben ist, denn jetzt werden K. Wünschmann’s Erben in Rabenau“ als Eigentümer genannt.

Im Bergwerksverzeichnis 1941-1942 wird schließlich als Eigentümer die Girozentrale Sachsen benannt. Das Werk besaß zu diesem Zeitpunkt „1 Förder- und 1 Fahrschacht, sowie 3 Kalkbrennöfen“. Nach einem Bericht der Lagerstättenforschungsstelle des Oberbergamtes aus dem Jahr 1944 besaß das Werk tatsächlich sogar fünf Brennöfen, von denen jedoch nur drei in Betrieb standen (40030-1, Nr. 1061). Die Beschickung der als veraltet bewerteten Öfen erfolge noch von Hand. Bereits zu dieser Zeit erging die Empfehlung, die Brennöfen durch einen neuen, effizienteren zu ersetzen.

  


Ausschnitt aus der topographischen Karte, Ausgabe 1926, mit der größten Ausdehnung des Werksgeländes. Teile der Kalkstein-Tagebaue sind inzwischen rückverfüllt und die Straße südöstlich hat man sicherheitshalber noch weiter nach Osten verlegt.
 


Ausschnitt aus der topographischen Karte, Ausgabe 1938. Während in der Ausgabe von 1926 noch alle drei Windkraftanlagen enthalten sind, ist die dritte am Kalkwerk ja schon 1918 außer Betrieb gesetzt worden und nun auch nicht mehr in der Karte dargestellt.

    

In den Bergwerksverzeichnissen auf die Jahre 1939 bis 1942 sind auch Angaben zum Ausbringen vor dem 2. Weltkrieg enthalten. Demnach hatte man die Förderung zeitweise noch deutlich gesteigert. Mit dem Beginn des Weltkrieges fiel die Produktion aber infolge der Einberufungen und des Personalmangels wieder. Die Angaben für das Jahr 1943 haben wir in dem o. g. Bericht der Lagerstättenforschungsstelle gefunden.
 

  1937 1938 1939 1940 1941 1943
mit einer Gesamt-
belegschaft von (Mann)
21 18 15 14 14 k. A.
Förderung Rohdolomit, t 8.519 10.070 7.644 6.615 5.760 4.790
Rohdolomitverkauf, t 294 147 71 107 0 126
Produktion Branntkalk, t 6.141 6.538 5.418 4.536 3.588 3.653

   

In der Zeit vor dem 2. Weltkrieg wurden gelegentlich auch Besucher in das Braunsdorfer Kalkwerk geführt. Als besonderer Spaß für die Gäste fanden dabei auf einem kleinen See untertage Kahnfahrten statt (Information von Herrn M. Fischer).

 

Auch für das Dolomitwerk bei Braunsdorf plante die Organisation Todt Untertageverlagerungen kriegswichtiger Produktionsanlagen. Auf zirka 20.000 m² Fläche der drei Sohlen sollten u. a. die Zeiss-Ikon A.G. Dresden, die Anschütz & Co. GmbH Kiel (Kreiselgeräte) sowie die HASAG (Hersteller von Panzerfäusten) Platz finden.

Unter dem Decknamen „Schill“  begannen ab 1943 die Ausbauarbeiten. In diesem Zusammenhang wurde 1944 sogar ein schmalspuriges Anschlußgleis vom Bahnhof in Kesselsdorf aus gebaut, 1947 aber wieder komplett demontiert.

Bis Kriegsende konnten die Ausbauarbeiten nicht mehr beendet werden. Tatsächlich wurden nur etwa 3.000 m² realisiert, auf denen schließlich ab 1944 Anteile der Reifenproduktion der Continental A.G. Hannover untertage Platz fanden, wie man u. a. in der oben schon erwähnten Akte (40064-1, Nr. 0143) nachlesen kann.

  

 

 

Zum Abbau in Grumbach und Braunsdorf nach 1945

  

Nach dem Weltkrieg sollte der Abbau gemäß Befehl Nr. 9 der SMAD eigentlich bis 15.8.1945 wieder aufgenommen werden. Bereits am 9. August 1945 fand eine erste Grubenbefahrung durch das neugebildete Bergamt Dresden als die jetzt zuständige Bergbehörde statt. Unmittelbar nach Kriegsende herrschte jedoch an allem Mangel, wie unsere Leser auch über das Neue Kalkwerk in Miltitz im ersten Teil unseres Beitrags lesen konnten: Es gab kein Karbid für die Lampen. Es gab kein Ausbauholz. Nach Maßgabe des Gesetzes Nr. 2 des Alliierten Kontrollrates vom 10.10.1945 waren alle ehemaligen Organisation- Todt- Anlagen beschlagnahmt. Die vorhandenen Sprengstoffe hatte schon vorher die sowjetische Kommandantur beschlagnahmt. Die inzwischen ausgerichtete 4. Sohle war abgesoffen, die Pumpen aber defekt…

Unter diesen Umständen hatte der letzte Geschäftsführer, Herr Leonhardt, trotzdem den Mut, die Produktion wieder aufzunehmen. Immerhin war am 27.8.1945 ein dritter Wagen Koks angekommen, so daß man die Kalköfen wieder befeuern konnte. Für die Jahre 1946 und 1947 wurde der neue Betriebsplan genehmigt.

1949 förderte das Werk mit 37 Mann Belegschaft, davon 10 untertage, bereits wieder bis zu 50 t pro Tag (das wären also bei rund 250 Arbeitstagen etwa 12.500 t im Jahr und damit mehr als 1938!), woraus etwa 25 t gebrannter Dolomit pro Tag hergestellt werden konnten. Dazu waren vier Kalköfen wieder in Betrieb. Auf der 3. Sohle erfolgte noch Abbau von Restvorräten, unter anderem durch Hereingewinnung von einigen Schweben zwischen der 2. und 3. Sohle. Die 4. Sohle war noch immer gestundet. Mangels einer Brecheranlage mußte der Rohdolomit von Hand zerkleinert und anschließend mittels Schalenförderung nach Übertage gezogen werden. Die Bergbehörde bekundete 1949 in ihrem Fahrbericht aber auch: „Beanstandungen in technischer Hinsicht waren nicht erforderlich.“

1949 ließ man unter Hinweis darauf, daß die stilliegenden, vormals Friebel’schen Baue östlich noch 10 m mehr Teufe erreicht hätten, als die 3. Sohle – folglich noch Dolomit anstehen müsse – fünf Erkundungsbohrungen von der Abbausohle aus niederbringen, welche bis in 80 m Tiefe das Liegende des Dolomits noch nicht erreichten. Obwohl stark tektonisch gestört und allseitig durch steilstehende Störungen scharf begrenzt, reicht der Dolomit also offensichtlich noch weit in die Tiefe.

 


Ein Blick nach untertage, der regelmäßigen Pfeilerabstände wegen vermutlich auf der 5. Sohle. Bildquelle: Abfotografiert von der Informationstafel des Bergbaupfades Oberhermsdorf- Braunsdorf- Kleinopitz.
 

Noch ein Blick nach untertage. Die Helme sind schon recht neuzeitlich und das Foto stammt daher wohl vom Ende der 1950er Jahre kurz vor der Einstellung. Bildquelle: Informationstafel des Bergbaupfades Oberhermsdorf- Braunsdorf- Kleinopitz.
 

Die Werksanlagen, vorn links ein Verladebunker. Bildquelle: Informationstafel des Bergbaupfades Oberhermsdorf- Braunsdorf- Kleinopitz.
  

Ein Blick über die Förderbrücke zu den Gichtbühnen der drei kleineren Brennöfen. Bildquelle: Informationstafel des Bergbaupfades Oberhermsdorf- Braunsdorf- Kleinopitz.
  

Die Werksanlagen aus der anderen Blickrichtung, am unteren rechten Bildrand die Schrägförderanlage. Bildquelle: Informationstafel des Bergbaupfades Oberhermsdorf- Braunsdorf- Kleinopitz.

  

Mit Wirkung vom 15.7.1950 wurde das Werk verstaatlicht und als VEB dem Verband KWU (Kommunale Wirtschaftsunternehmen) des Landkreises Dresden angegliedert. Die neue Betriebsführung hatte von Bergbau offenbar keine Ahnung und erste Vorschläge zur technischen Modernisierung, wie etwa der vorgeschlagene „Trichterkammerbau“ wurden von der TBBI abgeschmettert. Auch die Prognose, daß die Vorräte noch mindestens 60 Jahre reichen würden, erwies sich in Anbetracht der Gestehungskosten als falsch.

Aber die neue Betriebsleitung war „linientreu“ und man beschwerte sich sogleich bitterlich über die mangelhafte Arbeit des vorangegangenen Betriebsleiters Leonhardt. Im Protokoll einer Befahrung am 24.7.1950 kann man lesen, man habe „das Werk in einem unglaublich verlotterten Zustand vorgefunden. Der Schacht ist stellenweise so stark ausgebrochen, daß die Zimmerung nur noch von den Spurlatten gehalten wird. …Einen Betriebsplan gab es nicht…“  Diese Aussagen stehen in krassem Widerspruch zum oben Zitierten und in den vorhandenen Unterlagen noch heute Nachlesbaren.

Immerhin kam es nun zu Investitionen. Auf der 1. Sohle wurden ein Steinbrecher und ein Rohkalkbunker errichtet, der über einen 25° geneigten Fahr- und Förderberg von der 4. Sohle aus beschickt wurde. Von der Rolle an dessen Fußpunkt auf der 2. Sohle führte der „50°-Skipberg“ direkt weiter zu dem nun tatsächlich errichteten neuen, 22 m hohen Kalkofen.

Diesen Ofen wollte man zunächst in den 1943 von der Organisation Todt geteuften Schacht untertage einbauen, entschied sich aber dann aus Standsicherheitsgründen doch für eine komplette Neuanlage. Der Brennofen wurde daraufhin im Niveau zwischen der Tagesoberfläche neben dem Pingenrand und einem Zugangs- und Gebläsestolln an seinem Fußpunkt im Niveau der Tagebausohle errichtet. Von diesem aus führte eine dritte Schräge mit Trogkettenförderer nach Übertage zu der in die drei alten Kalköfen jetzt eingebauten Bunker-Anlage.

Die Sohlenhöhen betrugen (nach Rissunterlagen von 1955) bei einer übertägigen Geländehöhe zwischen 292 und 301 m NN:

  • Tagebausohle: zirka 276 m NN,
  • 1. Sohle: zirka 257 m NN,
  • 2. Sohle: zirka 249 m NN,
  • 3. Sohle: zirka 239 m NN,
  • 4. Sohle: zirka 226 m NN (Schachtsumpf zirka 216 m NN).

Eine 5. Sohle war 1955 noch geplant, wozu der 25°-Fahr und Förderberg nach Südosten verteuft wurde. Von dort aus war eine Erkundungsstrecke in nordwestliche Richtung vorgesehen. Sie wurde aber aufgrund der Betriebseinstellung nicht mehr aufgefahren (40069, Nr. 576).

In Anbetracht des notwendigen Gefälles paßt das Höhenniveau der Tagebausohle von zirka 276 m NN interessanterweise recht gut zum Höhenniveau, in dem der einstige Vorläufer Erbstolln um 1800 in diesem Bereich einkam (Höhe des Mundloches etwa bei 273 m NN)...

   


Veranschaulichung der Förderwege auf dem Stand von 1952. Die zweite Sohle haben wir der Übersichtlichkeit halber weggelassen und die Sohlenabstände wurden überhöht dargestellt (Nach Rissunterlagen von 1908 bis 1955).

  

Angestrebt wurde zunächst eine Monatsleistung von 650 t, respektive 7.800 t pro Jahr. Die hatte man 1951 mit 7.845 t sogar knapp überboten, was zu dieser Zeit aber sogleich dazu führte, daß die Planvorgabe für das folgende Jahr auf 11.000 t und für 1953 sogar auf 12.500 t angehoben wurde.

Aber Reparaturen und unumgängliche Sicherungsarbeiten untertage hielten die Produktion immer wieder auf, so daß man 1952 mit 43 Mann Belegschaft, davon 15 untertage, nur 8.469 t Rohdolomit förderte. Unter Einsatz von 1.361 t Koks wurden daraus 5.637 t gebrannter Dolomit erzeugt, die als Stückkalk, (ungelöschter) Zementkalk, Hydraulkalk und Düngekalk, nach wie vor neben einer kleineren Menge Rohdolomit, verkauft wurden.

Die Gestehungskosten lagen 1952 bei 50,68 DM je Tonne gebranntem Dolomit bei einem durchschnittlichen Verkaufserlös von 36,50 DM je Tonne...

Alle Maßnahmen zur Modernisierung führten letztendlich nur dazu, daß die schon im Bericht von 1934 getroffene Einschätzung, daß die wirtschaftlich gewinnbaren Vorräte zu Ende gehen würden, nur schneller erreicht wurde. Da die Aus- und Vorrichtung der 4. Sohle noch andauerte, erfolgte weiterhin Abbau von Restvorräten, sogar noch einmal auf der 2. Sohle, denn auch auf der 3. Sohle waren inzwischen die Grenzen des Lagers erreicht.

Die 4. Sohle wurde schließlich auf einer Fläche von knapp 5.000 m² im Kammerpfeilerbau- Verfahren mit regelmäßig in einem schachbrettartigen Muster angeordneten, quadratischen und 2,6 m breiten Pfeilern zwischen ebenso breiten Kammern noch abgebaut. Die Ausrichtung der 5. Sohle hatte man zwar noch begonnen; zu einem nennenswerten Abbau kam es hier jedoch nicht mehr. Zuletzt wurde nur noch aus Abfällen der Branntkalkproduktion Düngekalk hergestellt.

Als der weitere Abbau der ausgerichteten Lagerstättenbereiche endgültig unwirtschaftlich wurde, wurde mit Wirkung vom 31.12.1964 die Produktion eingestellt.

 

 

 

Relikte und Bergbaufolgen in Grumbach und Braunsdorf

  

Das Restloch des Krumbiegel’schen Tagebaus war etwa 20 m tief, darunter lagen die alten Tiefbaue aus der Zeit bis 1900 (z. T. als „0. Sohle“ bezeichnet). Danach folgten in etwa 5 m bis 11 m Abstand die insgesamt fünf Sohlen der Nachfolgebetriebe. Im Mittel lag die 5. Sohle 78 m unter Gelände. Die alten, saigeren Schächte wurden schon vor 1964 sukzessive mit Abraum verfüllt und 1964 mit Betonbühnen abgedeckt. Da das Versatzmaterial nicht ausreichte, wurde der 50°-Skipberg zu Bruch geschossen und schließlich das gesamte Gelände weiträumig eingezäunt.

Weil insbesondere der das Lager umgrenzende Phyllit äußerst unbeständig gegenüber der Verwitterung und sehr bruchgefährdet war, kam schon 1964 ein Gutachten des damaligen Instituts für Grubensicherheit in Leipzig zu dem Ergebnis, daß Tagesbrüche auch zukünftig nicht ausschließbar seien, zumal man bis Anfang 1965 alle Tagesöffnungen verschlossen habe und somit eine Kontrolle der Abbaufirsten nicht mehr möglich sei. Im Ergebnis der Berechnungen fielen mehrere Wohnhäuser in den unmittelbar bruchgefährdeten Bereich und insgesamt acht Familien mußten umziehen. Das war zu dieser Zeit ein fast unlösbares Problem, denn die „wohnraumlenkenden Organe“ der DDR hatten einfach keinen Ersatz... Die behördliche Abnahme der Schließung ist dann mit Datum vom 13.6.1967 erfolgt.

Unter Mineralogen war das Werk besonders durch Kalkspatkristalle mit skalenoedrischem Habitus, die bis über 10 cm groß waren, bekannt. Bis in die 1990er Jahre hinein war das Bergwerk noch auflässig, so daß kleinere Funde noch möglich waren.

  


Calzit xx, Braunsdorf, Fund aus den 1980er Jahren im Tagebau, Bildbreite zirka 4,5 cm,
Sammlung und Foto: Torsten L., Dresden.

  


Auf der topographischen Karte der DDR war das Restloch des Tagebaus in den 1980er Jahren noch verzeichnet, das Gebiet jedoch schon als Bergschadensgebiet ausgewiesen und eingezäunt.

  


Einen letzten Blick in den Tagebau in seinem damaligen Zustand erlaubt uns eine Fotographie von B. Einert aus dem Jahr 1991, die wir in der Fotothek gefunden haben. Der Link zur Originaldatei:

 http://www.deutschefotothek.de/documents/obj/70002612

  

Seit 1993 wurde das Gelände als Erdstoffdeponie genutzt. Dabei wurde auch der frühere Tagebau komplett aufgefüllt.

Die folgenden Fotos aus dieser Zeit stellte uns Herr Dipl.- Ind. Arch. A. Rüthrich vom Freiberger Institut für Industriearchäologie, Wissenschafts- und Technikgeschichte 2017 zur Verfügung. Die ersten Bilder sind 1993 entstanden, als man mit der „Sanierung“ (respektive Verfüllung) des Tagebaus begann. Zu dieser Zeit waren im Tagebau noch einige kleinere Hohlräume befahrbar.

  


Impressionen aus dem Tagebau in Grumbach. Foto: A. Rüthrich, 1993.
  


Impressionen aus dem Tagebau in Grumbach. Foto: A. Rüthrich, 1993.
  


Impressionen aus den noch fahrbaren Grubenbereichen in Grumbach. Foto: A. Rüthrich, 1993.
  


Impressionen aus den noch fahrbaren Grubenbereichen in Grumbach. Foto: A. Rüthrich, 1993.
 


Impressionen aus den noch fahrbaren Grubenbereichen in Grumbach. Foto: A. Rüthrich, 1993.
  


Impressionen aus den noch fahrbaren Grubenbereichen in Grumbach. Foto: A. Rüthrich, 1993.
 


Impressionen aus den noch fahrbaren Grubenbereichen in Grumbach. Foto: A. Rüthrich, 1993.
   


Impressionen aus den noch fahrbaren Grubenbereichen in Grumbach. Foto: A. Rüthrich, 1993. Wahrscheinlich der Zugang zum Abzug des untertage eingebauten Kalkofens.
  


Vermutlich der untertägige Abzug des Kalkofens. Foto: A. Rüthrich, 1993.
   


Vermutlich der untertägige Abzug des Kalkofens. Foto: A. Rüthrich, 1993.

  

32 Jahre nach der Stilllegung des Kalkwerkes kam es im Jahr 1996 erneut zu einem großen Tagesbruch. Dabei brach die ganze Verfüllmasse auf die unteren Sohlen durch. Der Einsturztrichter erreichte einen Durchmesser von etwa 40 Metern. Daraufhin wurden alle noch verbliebenen Hohlräume verfüllt und das Gelände renaturiert.

Von einem weiteren, kleineren Tagesbruch konnte man in der Sächsischen Zeitung noch im Mai 2011 lesen.

Wo außerdem in Sachsen Dolomit abgebaut wurde, berichten wir zum Beispiel in unserem Beitrag über den Plattendolomitabbau in  Geithain.

   


Der große Tagebruch von 1996. Foto: A. Rüthrich.
  


Da staunen selbst alteingesessene Grumbacher... Foto: A. Rüthrich.
  


Noch einmal der große Tagebruch von 1996. Foto: A. Rüthrich.
  


Noch einmal der große Tagebruch von 1996 mit einem Größenvergleich. Foto: A. Rüthrich.

  

 

 

Erhaltene Zeugnisse 

Blankenstein

  

Wir beginnen unsere Wanderung in Blankenstein. Hinter der Kirche auf dem Schloßberg gibt es nämlich einen geeigneten Wanderparkplatz. Die Zufahrt dorthin ist zwar ziemlich eng, dafür entdecken wir gleich nach dem Aussteigen die ersten Hinweistafeln auf die Bergbaugeschichte…

 


In der aktuellen Topographie in Blankenstein sind anhand der hochauflösenden Reliefkarten vom geoportal.sachsen.de die Reste der Tagebaue in Blankenstein noch zu entdecken.

         


Zunächst genießen wir aber die Aussicht: Die reicht gleich vom Wanderparkplatz hinter der Dorfkirche auf dem Schloßberg aus nach Norden bis zur Autobahnbrücke bei Tanneberg.
  


Direkt hinter der Informationstafel blickt man in das Restloch des Schönberg’schen Tagebaus.
  


Nach wenigen Schritten um die Friedhofsmauer herum erreicht man die „Blankensteiner Aussicht“, gebaut auf Initiative des ehemaligen Lehrers Alfred Wetzig.
 


Die kann man sich nicht entgehen lassen: Hier der Blick nach Süden das Triebisch-Tal aufwärts…
  


…und der Blick „nach unten“ zur heutigen Niedermühle, der einstigen Pinkert- Mühle, von der in unserem bergbaugeschichtlichen Abschnitt schon die Rede war.
  


Wir sind natürlich aber wegen der Zeugnisse des Kalksteinbergbaus hier. Ein steiler Steig führt uns direkt hinab in die Pinge des Schönberg’schen Abbaus.
 


Obwohl die Bruchkanten heute mit Hangschutt überrollt sind, sind die Dimensionen noch ganz eindrucksvoll. Die Informationstafeln hat der Blankensteiner Heimatverein mit Unterstützung des Fördervereins Montanregion Erzgebirge aufgestellt.
 


Durch diesen Einschnitt im Fels führte einst vermutlich eine Transportbahn oder eine Rutsche zum Schönberg’schen Kalkofen, der unten im Triebischtal gestanden hat.
  


Wir klettern auch bergab und haben dann zunächst die Qual der Wahl… Um unseren Lesern die Übersicht zu erleichtern, bleiben wir mit unserer Bildergalerie aber bei der Reihenfolge und umrunden zuerst Blankenstein.
  


Am Weg flußauf finden sich auch Pingen des Faust’schen Abbaus...
  


…und die nächste Hinweistafel am ehemaligen Mundloch des Faust’schen Wasserlösestollns.
  


Genau: Den Kalkofen wollten wir sehen. Gar nicht so weit, aber es geht den Schloßberg jetzt wieder hinauf!
  


Das Kalkhaus des Faust'schen Werkes ist bewohnt und frisch saniert. (Privatgrundstück !)
  


Auf diesem Foto von J. Kugler, Kleinvoigtsberg, sieht man den Zustand vor der Sanierung und rechts den erhaltenen Kalkofen. (Bildquelle: google.maps)  
  


Dies ist etwa der Blick auf die Ofenfront, den P. Schulz schon einmal im Jahr 1944 fotografiert hat.

Zum Vergleich zurück zum alten Foto.
  


Die Bauweise des Brennofens mit den massigen Eckpfeilern und den überwölbtem Zugängen zu den Abzügen der Brennkammer entspricht der uns aus Groitzsch oder Burkhardswalde bereits bekannten Konstruktion eines Trichter-Ofens, regionaltypisch auch „Kalk-Schneller“ genannt.
 


Die Beschickung erfolgte über die Rampe an der Rückseite des Brennofens. Die Arbeitsplattform auf der Höhe der Beschickungsöffnung war auch bei diesem Ofen offen und nicht überdacht, wie man es im Gegensatz dazu aus dem Kalkwerk Niederrabenstein bei Chemnitz kennt.
 


Die nächste Hinweistafel oberhalb des Brennofens verweist auf den Standort des Faust’schen, zuletzt Zschalig’schen Tagesschachts und die inzwischen mit Schutt aufgefüllte Pinge des Tagesbruches von 1876.
 


Der Rückblick auf das eben umrundete Ensemble: In der Bildmitte auf der Wiese der Tagesschacht, direkt vor dem darüber hinausragenden Satteldach des Kalkhauses der Brennofen, rechts im Wald die früheren Tagebaue. Der Standort erlaubte dem Faust’schen Kalkwerk, alle Förderwege vom Tagebau und vom Göpelschacht bis zur Beschickungsbühne des Brennofens in einer Ebene anzulegen.
 


Und noch ein Blick nach vorn wieder hinauf zum Parkplatz an der Kirche. Das hell verputzte Haus mit dem Walmdach hinter dem neuen Feuerwehrgerätehaus könnte nach der Beschreibung des Lehrers von 1857 die ehemalige Schule gewesen sein.
  


Am Abzweig des Mühlwegs vom Kirchweg steht heute ein Brunnenhäuschen, daß wir bei unserem ersten Besuch völlig übersehen haben, weil es so neu erscheint. Das Brunnenwasser stammt aber aus dem Hahn'schen Tagesschacht.
  


Fährt man Richtung Tanneberg talwärts, fallen beim zweiten Mal auch diese Gewölbereste an den Zugängen einstiger Bergkeller auf. Hier muß das Kalkhaus von J. A. Hahn gestanden haben.
  


Der Standort des Brennofens des Hahn'schen Kalkwerkes könnte sich hier im Bereich dieser Geländestufe befunden haben. Mehr als diese Stufe im Hangprofil und ein alter Zufahrtsweg sind aber nicht erhalten geblieben.
 


Auf dem Rückweg von Helbigsdorf haben wir uns aus Neugier und ein bißchen aus Versehen für einen anderen Weg entschieden und dabei noch dieses fast ganz verschüttete Mundloch entdeckt (Waldgrundstück in
Privatbesitz!). Ob dieses ebenfalls mit früherem Kalkabbau in Verbindung steht, ist uns aber nicht bekannt.
  


Man kann ein Stück weit über den Massehaufen hineinschauen. Weil aber zu sehen ist, daß auch hier - wie in der Beschreibung des Berginspektors Roch anno 1904
...die Stollnsohle gegen ein Fuß hoch mit außerordentlich kaltem Wasser bedeckt war" (oder noch höher) - sahen wir von einer Befahrung ab.

  

 

 

Steinbach

  

Man kann unsere den drei Orten zugeordnete Bildabfolge sehr gut zu einer längeren Wanderung verbinden, so wie wir es natürlich auch getan haben. Wer dies auch tun will, biege also vor dem (Wieder-) Aufstieg zum Parkplatz auf dem Schloßberg zunächst im Triebischtal in Richtung der Hotelpension „Krille- Mühle“ ab. Immer östlich entlang des Flusses erreicht man recht bequem und mit nur wenig auf und ab die „Dietrich- Mühle“, heute Bauernhof- und Reittouristik- Hotel.

Wer diese Tour zur selben Jahreszeit macht wie wir, dem sei allerdings wasserfestes Schuhwerk nahegelegt, denn stellenweise sind nicht nur die Talauen, sondern auch Abschnitte des Wanderwegs recht sumpfig und werden außerdem von den Huftieren benutzt...

  


Unser nächstes Wanderziel: Die Lage der Kalksteinbrüche östlich von Steinbach ist im Relief des südwestlichen Triebisch-Talhanges noch heute gut auszumachen.

 


Auch im zeitigen Frühjahr hält das Triebischtal für den Wanderer so manches Fotomotiv parat…
  

…und schöne Ausblicke auf die in ihrem breiten Sohlental fröhlich mäandrierende Große Triebisch.
  

Zwei Kilometer weiter und kurz vor der Dietrich- Mühle lesen wir erfreut: Noch einer ist es bis zum nächsten Kalkofen.
  

Dazu geht es einmal quer durch die Talaue und am anderen Ufer in Richtung Steinbach bergauf.
 

Dabei entdeckt man noch eine Informationstafel des Geopfades Oberes Triebischtal.
  

Dahinter muß man etwas aufpassen, daß man den richtigen Weg nimmt. Dieses Schild ist im Gegensatz zur sonst ganz ausgezeichneten Wanderweg-Beschilderung etwas verblaßt und aus unserer Richtung eigentlich nicht zu sehen. Aber das werden die Vereine sicher bald noch verbessern.
  

Am anderen Triebisch- Ufer führt uns ein Wanderweg in teils steiler Hanglage wieder in Richtung Norden.
 

Aus der Höhe erhascht man wieder schöne Blicke auf den naturbelassenen Flußlauf.
  

Aber man findet um diese Jahreszeit auch prächtige Bestände des den kalkhaltigen Boden bevorzugenden Hohlen Lerchensporns (Corydalis cava)…
 

…oder die in Weichholzauen und auf kalkhaltigem Boden in Buchenwäldern beheimatete Gewöhnliche Schuppenwurz (Lathraea squamaria).
  

Dann ist er erreicht. Vor uns liegt der eine erhaltene Schneller-Ofen des Kayser’schen Kalkwerkes.
 

Wir haben zunächst das obere Wegniveau genommen und gelangen deshalb zur Beschickungsöffnung.
 

Nach den schematischen Darstellungen auf der Informationstafel unten soll das „Obergeschoß“ des Kalkofens nur mittels Erdstoffen aufgefüllt gewesen sein, die natürlich in den letzten 100 Jahren wieder weggespült wurden. So schaut man jetzt an der Spitze der Rampe direkt in die Ofen- Röhre…
  

Wo wir also schon mal hier oben sind, beachten wir die Einzäunungen der Privatgrundstücke und klettern ein wenig bergauf.
 

Der Aufstieg ist nicht gesichert und man kann eigentlich nur den Wildwechseln und den Trampelpfaden einheimischer Pilzsammler folgen, um sich eine Übersicht über die einstigen Tagebaue zu verschaffen. Das ist ohne geeignetes Schuhwerk überhaupt nicht und auch nur bei trockener Witterung zu empfehlen.
  

Steht man dann aber einigermaßen oben, ist man doch von den Dimensionen des Steinbruchs recht beeindruckt.
  

Noch der Blick in den nördlichen Tagebau oder was heute davon noch zu sehen ist. Der langgestreckte Einschnitt entspricht der Ausbißlinie des Kalklagers im Talhang.
  

Doch zurück zur unteren Arbeitsebene am Kalkofen: Im Vergleich mit anderen besichtigten Anlagen – zum Beispiel in Blankenstein, Burkhardswalde oder Groitzsch – fällt die Kegelform des „Obergeschosses“ auf. Da es sicher früher auch schon geregnet hat und eine aufgeweichte Lehmaufschüttung dann nicht nur rutschig, sondern auch plastisch wird und abrutscht, erscheint mir die auf die Informationstafel übernommene Idee zur Rekonstruktion von Professor Wagenbreth, man hätte das Oberteil nur aus Erdstoffen errichtet und planiert, nicht nur unter heutigen Arbeitsschutzaspekten reichlich unwahrscheinlich. Die Außenmauern waren gewiß höher aufgeführt, was auch die Funktion der sehr massigen Eckpfeiler als Schwergewichtsstützen erklären würde. Vielleicht hat also einfach ein Häuslebauer der Umgegend in den vergangenen 100 Jahren Bruchsteine benötigt und sie sich hier geholt.

  


Vermutlich hat man zuerst den zylinderförmigen Brennschacht vor der Rampe errichtet, ...
 

... anschließend die Außenmauern und die Gewölbe der „Windkanäle“ aufgezogen und zum Schluß den nicht benötigten Zwischenraum – dies sicherlich des geringeren Aufwands wegen – mit gestampftem Lehm und Abraum aufgefüllt.
 

Wahrscheinlich hat deshalb auch dieser Kalkofen einmal so wir in unserer Skizze und damit ganz ähnlich wie die anderen erhalten gebliebenen Kalköfen in der Region ausgesehen.

Wie die Öfen funktioniert haben, erklären wir im  1.Teil unseres Beitrages.

  


Unsere Interpretation wird auch von älteren Quellen unterstützt: Am unteren Rand des oben in unserem geologischen Kapitel schon gezeigten Risses und schon halb verdeckt vom Saigerriß hat der Markscheider Richard Heuchler hier nämlich den Kalkofen dargestellt und zwar mit drei umlaufenden Außenmauern. Leider geht aus diesem Grundriss nicht hervor, wie hoch die Mauern waren.

  


Der Schlußstein im Gewölbe der Ofenfront ist noch gut erhalten. Die geschwungenen Initialen vom Ende des 18. Jahrhunderts könnte man als F V L lesen, was aber zu keinem der uns aus den Akten bekannten Eigentümern des Kalkwerkes oder des Ritterguts Steinbach paßt.
  

Der gesamte Innenausbau ist zwar schon ziemlich gebräch und deshalb zurecht mit den Bauzaunfeldern abgesperrt, aber im Gegensatz zu den anderen bisher besichtigten und zumeist nachgenutzten Öfen insgesamt noch gut erhalten. Von vorn schaut man auf den Boden der mit Ziegelmauerung ausgekleideten Brennkammer, der zu den beiden seitlich liegenden Abzugsöffnungen hin gewölbt ist. Darunter wurde die Asche abgezogen.
  

Die Westseite des Ofens geht in die Anböschung zu den oberhalb liegenden Tagebauen über, von der aus wir vorhin schon hinunter geschaut haben.
  

Der Blick durch den Bauzaun zeigt uns hier die halb eingestürzte Ziegel-Ausmauerung der Brennkammer oberhalb der Abzugsöffnung. Wozu die äußerst schmalen Durchgänge (hier rechts im Bild) dienten, erschließt sich nicht.
  

Die der Triebisch zugewandte Ostseite des Kalkofens.
  

Auch hier gibt es einen äußerst schmalen Durchgang zur Frontseite (links im Bild). Die Öffnung der Abzugsöffnung ist hier besser erhalten, dafür stimmt der Zustand des Gewölbes bedenklich. 

 

 

 

Helbigsdorf

  

Es wäre sicher wünschenswert, dieses Denkmal zu restaurieren, um es auch für die nächsten Generationen noch zu erhalten. Aber allein die Zuwegung wird das zu einer Herausforderung machen. Man kann heute eigentlich nur in trockenen Sommern von den gegenüberliegenden Weideflächen durch die Triebisch hindurch Baumaterial heranschaffen…

Deshalb wenden wir uns nun dem dritten Abschnitt unserer Tour zu. Der Rückweg auf dem linken Triebischufer ist ohnehin entweder über Steinbach ziemlich lang oder am steilen Hang entlang völlig unwegsam. Deshalb kehren wir um, überqueren an der Dietrich- Mühle wieder die Triebisch und wandern am Ostufer weiter in Richtung Helbigsdorf.

  


Bei Helbigsdorf sind in den Reliefkarten keine Reste früheren Kalkmergel-Abbaus östlich der Kirsten-Mühle mehr zu entdecken. In dem im Relief noch gut sichtbaren Steinbruch an der Leuthold- Mühle wurde dagegen – vermutlich noch zur Zeit des Schmalspurbahnbaus um 1899 – Diabas gebrochen.

  


Ein Fußweg verläuft entlang des Abzugsgrabens der Kirsten Mühle mitten in der Talsohle.
  

Etwa einen Kilometer hin und schon kurz vor der Kirsten Mühle erreicht man diesen unscheinbaren Steinbruch, der uns wieder durch die Informationstafel des Geopfads Oberes Triebischtal ins Auge fällt.
 

In der nördlichen Bruchwand stehen Tonschiefer und Grauwacken an. Das eingeschaltete Kalkmergelflöz ist weitgehend abgebaut.
  

An der Südseite des Tagebaus haben sich die Vorfahren im Flözstreichen in den Berg gegraben.
  

Der kleine Abbau ist höchstens 15 m lang.
  

Im Hangenden des Abbaus stehen stark durchbewegte Schiefer an, die von den Geologen heute als Olistostrome – also untermeerisch am Schelfrand abgerutschte und daher schon syngenetisch so stark wie hier im Bild „durchgeknetete“ Sedimente – interpretiert werden. Vertrauen in die Standsicherheit der Firste gibt das Gestein nicht.
  

Ein von vielen Füßen inzwischen blankpolierter, graublauer Kalkmergel-Block liegt noch im Zugangsbereich zum Steinbruch.
 

Wir sind jetzt also 3,5 km südlich von Blankenstein. Des herrlichen Frühlingswetters wegen entscheiden wir uns dafür, noch eine Runde in Richtung Herzogswalde zu drehen…
  

…und wählen dazu die alte Schmalpurbahntrasse.
  

Gegenüber der einstigen Leutholdmühle informiert uns wieder eine Tafel des Geopfads Oberes Triebischtal über die durch den Bahnbau bewirkten Veränderungen der Auenlandschaft.
  

An der nächsten Brücke wechseln wir das Ufer, laufen wieder in Richtung Helbigsdorf und schauen nach, ob von dem auf der Oberreith’schen Karte eingezeichneten Kalkofen noch Reste geblieben sind; entdecken aber nur noch ein paar kleinere Steinbrüche im Talhang. Links der Straße nach Helbigsdorf im Bild die Leuthold Mühle.
  

In den in der Reliefkarte hier noch sichtbaren Steinbrüchen wurde jedoch Diabas abgebaut. Wie die langen und dicken Bohrpfeifen in der Steinbruchwand verraten, noch in jüngerer Zeit – vermutlich beim Bau der Schmalspurbahn. (Privatgelände !)
 

Aha, Die Straße entlang sind es nur zwei Kilometer. Der Weg durch´s Tal zurück gefällt uns trotzdem besser…
  

Der Bequemlichkeit und der Abwechslung halber nehmen wir diesmal die Straße am anderen Talhang.
 

Gleich links hinter der Triebischbrücke finden wir noch einen kleinen Steinbruch mit hübschen Quarz-Bändern im Schiefer.
  

Ein Rückblick zur Kirsten- Mühle...

 

 

 

Grumbach und Braunsdorf

  

Der folgende Abschnitt läßt sich eher schlecht zu Fuß an den oben vorgestellten anknüpfen – liegen Grumbach und Braunsdorf doch einige Kilometer weiter südöstlich. Also haben auch wir an einem passenden Tag das Auto genommen und uns die verbliebenen Zeugnisse des einstigen Dolomitwerks Braunsdorf angeschaut…

  


Heutige Topographie südwestlich von Braunsdorf. Im Bereich des Kalkwerkes ist nach der Sanierung nur noch die ebene Fläche der verfüllten Tagebaurestlöcher und der heutigen Erdstoffdeponie zu finden. Links der Straße von Grumbach nach Kesselsdorf sieht man die heutige Ausdehnung der Lehmgrube.

 


Wir haben einmal versucht, die Grubenrisse in die heutige Topographie einzupassen: Braun unterbrochen: ehemalige Straßen, violett: Außenkontur der Auffahrungen der 4. Sohle, darin weiß: Pfeiler (Stand 1955), grün: 3. Sohle, blau: „1. Etage“ des Wätzig’schen Bruches. Schwarz: Oberer Pingenrand 1955. Interessanterweise ist die Pinge des Bruches von 1869 (im Bild links oben) noch heute in den Reliefkonturen wiederzufinden.

  


Aha! Das schauen wir uns doch mal an. Die Anhöhe im Bildhintergrund bildet die Wasserscheide zwischen Wilder Sau und Schloitzbach. Dort liegt links der Straßé die Tongrube Grumbach.
  

Der Straßenname bewahrt die Erinnerung an das Kalkwerk. Im Hintergrund am Waldrand der Standort des einstigen Dolomitwerkes.
  

Kommt man von Tharandt die Straße im Schloitzbachtal bergauf, fällt hier rechterhand zuerst der noch immer imposante Mast der
 Windkraftanlage ins Auge. Foto: M. Fischer.

   


Heimatfreunde bemühen sich um den Erhalt des Technischen Denkmals. Derzeit liegen der Rotor und der "Schwanz", der den Rotor in den Wind drehte, zu Rekonstruktionszwecken unten. Foto: M. Fischer.

   


Wir marschieren weiter die Straße hinauf. Die Werksanlagen wurden nach 1964 sämtlich abgerissen. Heute stehen hier überwiegend Wohn- und Gartenhäuser.
  

Hinter den Wohnhäusern liegt die Erdstoffdeponie. Weil das Gelände aus der Bergaufsicht entlassen ist, muß sich die Stadt Wilsdruff um die Absperrung und Beschilderung kümmern. Die Anlage erregte mediale Aufmerksamkeit, als sich eine Bürgerinitiative dagegen wehrte, daß hier Abrißschutt niedersächsischer Kernkraftanlagen deponiert werden sollte. Wie aus anderen Quellen zu erfahren war, war der zwar freigemessen und hatte weniger radioaktive Strahlung als der Meißner Granit, aber man wehre den Anfängen und dem Müll-Tourismus.
  

Die Heimatfreunde Braunsdorf haben sich ihrer Bergbautradition erinnert.
   

Der Bergbaulehrpfad verbindet das ehemalige Kalkwerk mit zwei alten Silb
erbergbaugebieten östlich und westlich von Kleinopitz. Und auch hier erfüllt noch ein alter Wismut-Hunt einen guten Zweck. Im Niederwald im Bildhintergrund lag die Pinge des Tagesbruches von 1869.
  

Folgt man vom Standort der Informationstafel des Bergbaulehrpfades aus wieder südwärts dem
„Mittelweg“, gelangt man ins Tal des Schloitzbaches.
  

Hier entdecken wir das letzte authentische Bergbauzeugnis: Das untere Mundloch des Schloitzbach-Stollens.
  

Da die Einzäunung ohnehin schon niedergetreten ist, gehen auch wir
mal ein paar Meter näher heran...
  

...und halten mal unser
„Kamera-Auge“ hinein: Man sieht eine elliptische Ziegelmauerung, die eher an einen Abwasserkanal erinnert. Da wir aber nicht wissen, wieviel Wasser am anderen Ende angestaut ist, sehen wir vom weiteren Hineinschauen lieber ab.
  

Der Mittelweg endet zwar am Südufer des Schloitzbaches, aber weil die Felder noch nicht bestellt sind und auch kein Großvieh auf der Weide steht, laufen wir mal am Waldrand um das Deponiegelände herum. Im Bild vor uns der östliche Teil des Schloitzbachtales und dahinter auf der Anhöhe die Häuser von Braunsdorf.
 

Hier entdecken wir noch einige schon sehr verwitterte Warntafeln, auf denen man noch „Kalkwerk Borna“ (bei Pirna) lesen kann, das mit den Verwahrungsarbeiten in den 1960er Jahren beauftragt war. Im Hintergrund der stark verlandete Teich oberhalb der Halden des einstigen Kalkwerkes. Den oberen Einlauf des Schloitzbach-Stollens haben wir hier nicht entdecken können.

  


Im Frühjahr 2019 sind wir gemeinsam mit Herrn M. Fischer, Grumbach, einmal das Schloitzbachtal hinunter gelaufen, um nach Überresten des
 Vorläufer Erbstollns zu suchen. Hier stehen wir am Zusammenfluß mit dem namenlosen Bachlauf, der von Westen her eimündet. Das linke Ufer des von rechts kommenden Schloitzbachs ist noch Grumbacher, das rechte Ufer schon Braunsdorfer Flur.
   

In obigem Foto im Hintergrund schon zu erahnen, mündet hier eine Drainage in den Schloitzbach. Heute liegt hier zwar ein Betonrohr drin, aber darüber hat man eckig zugerichtete Sandsteinblöcke aufgeschlichtet, obwohl wir aus den alten Kartenwerken wissen, daß hier unten nie ein Gebäude gestanden hat. Dahinter deutet eine Baumreihe einen alten Graben an.
 

Rechterhand von diesem Graben steigt das Gelände in Richtung der Kalksteinbrüche schnell an. Diese alte, aber vielfach zurückgeschnittene Esche steht in einer kleinen Einsenkung am Fuß des Höhenrückens...
  

...und schaut man sich das von Nahem an, so klemmt doch auch hinter diesem Stamm ein behauener Sandsteinblock. Ob hier das Mundloch des Vorläufer Erbstollns gelegen hat? Wir wissen es nicht.
  

Nur wenige Schritte oberhalb am Grumbacher Hang des Shloutzbachs findet man diesen alten, schon umgefahrenen Grenzstein. Der trägt die Jahreszahl 1802 - ein Datum, kurz bevor es zum Streit um den Betrieb des Vorläufer Erbstollns gekommen ist...
  

Die Gegenseite des Steins trägt ein schön geschweiftes
T, dessen Bedeutung wir noch nicht klären
konnten... Vielleicht handelt es sich bei diesem Grenzstein auch um einen „Lochstein“, der einst die Grubenfeldgrenze markierte.

  

Wir hoffen, daß wir unseren Lesern auch dieses Kapitel der Montangeschichte näher bringen und mit unserem Beitrag Interesse für die Erhaltung der noch verbliebenen Sachzeugen wecken konnten. Wir würden uns darüber hinaus sehr freuen, wenn sich unsere Leser an uns wenden, falls sie weiteres Material zur Geschichte oder historisches Bildmaterial finden.

Wer es nicht schon gelesen hat, kann diese Wanderung Triebisch- abwärts fortsetzen: Wir haben dazu bereits einen Beitrag zu den Kalkwerken zwischen Schmiedewalde und Miltitz verfaßt. Darin finden unsere Leser auch weitere Angaben zu den bergrechtlichen Besonderheiten des (grundeigenen) Kalksteinabbaus, zur Geologie des Nossen- Wilsdruffer Schiefergebirges sowie zu Verarbeitung, Produktionsmengen und Absatz der Produkte.

Einen haben wir dabei aber vergessen: Das Nossen- Wilsdruffer Schiefergebirge reicht nach Süden über die Wasserscheide zu Weißeritz hinweg. Bei Tharandt gab es ebenfalls Kalkwerke, die schon Gegenstand einer Publikation sind (Gürtler, 2006). Inzwischen gibt es dazu bei uns einen Nachtrag.

Zum Dolomitabbau im Erzgebirgsvorland gibt es bei uns noch weitere Beiträge.

Glück Auf!

J. B.

     

 

Quellenauswahl

  

Allgemeine Quellen  

  1. wilsdruff.de

  2. reinsberg.de

  3. mineralienatlas.de

  4. sz-online.de

  5. wikipedia.de

  6. peter-hug.ch (historische Lexikonausgaben)

  7. books.google.de, u. a.:
    C. N. Kersten, Uebersicht der Versuche und Erfahrungen bei Einführung der Kalkmergelsohlen bei dem Abtreibeprozeß, auf den Königl. Freyberger Hütten, vom Jahre 1815 bis 1831, in: Archiv für Mineralogie, Geognosie, Bergbau und Hüttenkunde, Hrsgbr. C. J. B. Karsten, Band 5, Berlin, 1832
    - A. Schiffner: Beschreibung von Sachsen und der Ernestinischen, Reußischen und Schwarzburgischen Lande, 2. Auflage, Verlag von H. H. Grimm, Dresden, 1845

  8. ahnen-forscher.de

  9. gw.geneanet.org, dort u. a. Stammbaum der Familien Stoltze und Werner

  10. sachsenschiene.net

  11. Dingler's Polytechnisches Journal (Digitalisate unter polytechnischesjournal.de), darin u. a.:
    - Anonym: Über Neuerungen an Windrädern, Band 235, S. 249ff, Druck und Verlag  J. G. Cotta'sche Buchhandlung, Augsburg, 1880
    - Anonym: Über Neuerungen an Windrädern (Patentklasse 88. Fortsetzung des Berichtes S. 249, Bd. 235), Band 241, S. 81ff, Druck und Verlag  J. G. Cotta'sche Buchhandlung, Augsburg, 1881
    - Anonym: Über Neuerungen an Windrädern (Patentklasse 88. Fortsetzung des Berichtes S. 81 des Bandes), Band 241, S. 413ff, Druck und Verlag  J. G. Cotta'sche Buchhandlung, Augsburg, 1881
    - Anonym: Stahlwindturbine, Miszelle 1, Band 309, S. 179, Arnold Bergsträsser Verlagsbuchhandlung, Stuttgart, 1898
    - E. Lufft: Windmotoren auf der Pariser Weltausstellung, Band 316, S. 246ff, Arnold Bergsträsser Verlagsbuchhandlung, Stuttgart, 1901
    - L. Arndt: Windmotoren, Band 346, S. 150ff, Verlagsbuchhandlung Richard Dietze, Berlin, 1931

  12. Deutsche Fotothek, u. a.:
    - Geologische Karten:
    Blatt No. 64: Section Tannenberg- Deutschenbora, bearbeitet 1914-1916 durch K. Pietzsch und Blatt No. 65: Section Wilsdruff, geologische Bearbeitung bis 1894 durch K. Dalmer und R. Beck, bis 1916 durch K. Pietzsch.
    - Meilenblätter von Sachsen:
    Hier: Berliner Exemplar, aufgenommen vom Sächs. Ing.-Korps 1780-1806 unter Ltg. von Friedrich Ludwig Aster, Blatt 234: Wilsdruff, Grumbach, Braunsdorf, Herzogswalde, Pohrsdorf, Fördergersdorf und Blatt 208: Neukirchen, Dittmannsdorf, Tanneberg, Hirschfeld, Steinbach, Reinsberg sowie Freiberger Exemplar, Blatt 198: Taubenheim, Grundaufnahme 1786, Nachträge bis 1876, Blatt 197: Neukirchen, Grundaufnahme 1786, Nachträge bis 1876 und Blatt 225: Herzogswalde
    sowie Dresdner Exemplar, Blatt 250: Taubenheim, Handzeichnung, 1786, Nachträge und Ergänzungen bis in das letzte Viertel des 19. Jahrhunderts und Blatt 249: Neukirchen, 1786.
    - Topographische Karten / Äquidistantenkarten, zuerst bearbeitet im topographischen Bureau des Königlichen Generalstabes, Ausgabe von 1881, Abteilung für Landesaufnahme des sächs. Generalstabes, Reichsamt für Landesaufnahme, zuletzt Landesaufnahme Sachsen. Blatt 64: Tanneberg, Deutschenbora (MTB 4946) und Nr. 65: Wilsdruff (MTB 4947), Ausgaben 1887 bis 1938 
    - Topographischer Atlas des Königreichs Sachsen: Auf Befehl Weiland Sr. Majestät Des Königs Friedrich August aus der grossen topographischen Landes-Aufnahme reducirt und bearbeitet bei der Königlichen Militair-Plankammer, bearbeitet von Oberreit, gestochen von Bach, Krille, Knoebel, Köhler, Hofmann und Trendelenburg seit dem Jahre 1821. Blatt 10: Section Dresden, 1836
    - A. Schumann: Vollständiges Staats-, Post- und Zeitungslexikon von Sachsen, Gesamtausgabe, 13 Bände und 5 Ergänzungsbände von 1814 bis 1833

  13. C. F. Schulze: Nachricht von den in der dreßdnischen Gegend vorhandenen Mineralien und Foßilien, in: Neues Hamburgisches Magazin oder gesammlete Schriften aus der Naturforschung der allgemeinen Stadt- und Land- Oekonomie und den angenehmen Wissenschaften überhaupt, Hrsg.: Hermann Heinrich Holle, Hamburg und Leipzig, im Verlag bey Adam Heinrich Hollens Witwe, Nr. 6, Dreyunddreyßigstes Stück, 1769, u. a. S. 195–232

  14. J. C. Freiesleben: Mineralogisch-bergmännische Beobachtungen auf einer Reise durch einen Theil des meißner und erzgebirgischen Kreises zu Anfange des 1791. Jahres, in: Bergmännisches Journal, Nr. 5, Achtes Stück, August 1792, S.122-156

  15. C. Lang: Beschreibung des Plauenschen Grundes, des Badeorts Tharant und seiner Umgebungen, Dresden, 1812

  16. L. Fritzsche: Tharand. Ein Führer durch seine Umgebungen, ein Abriss seinerGeschichte und eine Beschreibung seines gegenwärtigen Zustandes, Dresden, 1866

  17. B. Cotta: Geognostische Wanderungen, I. Geognostische Beschreibung der Gegend von Tharandt, Arnoldische Buchhandlung Dresden und Leipzig, 1836

  18. C. F. Naumann: Geognostische Beschreibung des Königreiches Sachsen und der angränzenden Länderabtheilungen, Fünftes Heft: Geognostische Skizze der Umgegend von Dresden und Meißen, Arnoldische Buchhandlung Dresden und Leipzig, 1845

  19. Kalender für den Berg- und Hüttenmann bzw. Jahrbücher für das Bergwesen in Sachsen, Onlineausgaben der Bibliothek der TU BAF, 1827-1938

  20. Bergwerksverzeichnisse, Onlineausgaben der TU BAF, 1939-1942

  21. H.-J. Rößler: Lehrbuch der Mineralogie, Deutscher Verlag für Grundstoffindustrie, Leipzig, 1980

  22. W. Schanze: Vom frühen Kalkabbau im Triebischtal, mehrteilige Fortsetzungsreihe in: Triebischtal- Bote, Hrsg. Gemeinde Triebischtal, 1994 - 2003.

  23. W. Schanze: Längst ist die letzte Schicht gefahren - Altbergbau zwischen Triebisch- und Elbtal, Hrsg. Gemeinde Klipphausen, 2013.


    Sächsisches Staatsarchiv, Hauptstaatsarchiv Dresden
     

  24. Bestand 10001 (Ältere Urkunden), Nr. 01756: Heinrich [III.] und Heinrich [II. Reuß], Vögte von Plauen (Plawe), verkaufen den Brüdern des Deutschen Ordens in Plauen das Dorf Loch, das Johannes de Marchneye und dessen Vorfahren von ihnen und ihren Vorgängern zu Lehen hatten und das durch den Tod des Johannes heimgefallen war (per fata quondam Johannis de Marchneye vacantem). Bezuegt von von Naulitz (Nulitz); Konrad von Zedtwitz (Czedewitz) und Luppold der Böhme, dat. 18. Mai 1304

  25. Bestand 10005 (Hof- und Zentralverwaltung, Wittenberger Archiv), Loc. 4377/02, Bl. 244: Bestallungsbrief Kurfürst Ernsts zu Sachsen, des Administrators Ernst zu Magdeburg und Herzog Albrechts zu Sachsen für Sittich von Zedtwitz wegen eines dem Kaiser zustehenden Hilfskorps. Dresden, dat. 2. April 1481

  26. Ebenda, Loc. 4375/03, Bl. 081: Schreiben des Kaisers an Herzog Albrecht, worin er bittet, dem ihm zu Hilfe gesandten Sittich von Zedtwitz zu befehlen, dass er nicht weniger gegen den König von Ungarn als gegen die Türken helfe, indem die Bekämpfung des Königs von Ungarn für den Kaiser dringender als der Krieg mit den Türken sei. Wien, dat. 27. Mai 1481

  27. Bestand 10025 (Geheimes Konsilium), Loc. 05296/08: Die zwischen George Rauffuß zu Braunsdorf und Peter Börnern zu Grumbach wegen eines gewissen Stücke Feldes und Grasfleckes zu Braunsdorf, insgemein der alte Kalkofen genannt, entstandene Streitsache und deren rechtliche Entscheidung, dat. 1712-1729

  28. Bestand 10084 (Appellationsgericht), Nr. 08087: Peter Börner zu Grumbach gegen den Amtssteuereinnehmer zu Grillenburg wegen eines streitigen Grundstücks, dat. 1718

  29. Bestand 10161 (Grundherrschaft Braunsdof), Bestandserläuterungen

  30. Ebenda, Nr. 17: Verkauf des beim Rittergut Liebstadt zu Lehn gehenden Guts Braunsdorf an Sophie Catharina Auenmüller, geb. Seyffert, dat. 1767-1771

  31. Ebenda, Nr. 18: Gesuch von Sophie Catharina Auenmüller, geb. Seyffert, Besitzerin des Erb- und Allodialguts Braunsdorf, um Bewilligung eines Konsenses, dat. 1773-1811

  32. Bestand 10052 (Amt Grillenburg), Nr. 7: Bauer Johann Friedrich Pfützner aus Grumbach [s. Wilsdruff] gegen Carl Friedrich Auenmüller, Besitzer des Rittergutes Braunsdorf, wegen eines strittigen Fahrweges bei Fördergersdorf, dat. 1803-1810

  33. Ebenda, Nr. 550: Klärung der Lehnsverhältnisse des Rittergutes Braunsdorf hinsichtlich des Rittergutes Liebstadt [nw. Gottleuba] wegen des geplanten Verkaufs des Rittergutes Braundorf durch den Besitzer Karl Friedrich Auenmüller, dat. 1810-1841

  34. Ebenda, Nr. 647: Untersuchung des von einem herabfallenden Kübel verursachten tödlichen Unfalls des Kalkbrechers Karl Gottlieb Büttner aus Fördergersdorf im Kalksteinbruch Braunsdorf des Rittergutsbesitzers Seidewitz, dat. 1847-1848

  35. Ebenda, Nr. 1015: Zinsablösung beim Rittergut Braunsdorf, Enthält u. a.: Rezess zwischen Rudolph Woldemar von Seydwitz und Grundstücksbesitzern in Braunsdorf über die Ablösung von Lehngeldern und Erbzinsen, dat. 1853-1855

  36. Bestand 10079 (Landesregierung), Loc. 13807/02 und 13807/03: Die auenmüllerschen Erben, Christiane Louise Concordia verwitwete Auenmüller und Konsorten, gegen Johann Gottlieb Hellmuth und den mitbeklagten Johann Gottlieb Schuberth wegen Pachtdifferenzen und Differenzen um Kriegsschäden bezüglich des Ritterguts Braunsdorf (Kanzleiakten), dat. 1816

  37. Ebenda, Loc. 13802/06: Die Ökonomiepächter des Ritterguts Braunsdorf, Johann Gottlieb Hellmuth und Konsorten, gegen die Besitzer des besagten Ritterguts, Christiane Louise Concordia verwitwete Auenmüller und Konsorten, wegen Pacht- und Kriegsschädendifferenzen (Kanzleiakten), dat. 1814-1817

  38. Bestand 10047 (Amt Dresden), Nr. 1347: Schätzung und Versteigerung des Rittergutes Braunsdorf zur Schuldenregulierung des verstorbenen Carl Friedrich Auenmüller (Kommissionsakte), dat 1817-1841

  39. Bestand 10057 (Kreisamt Meißen), Nr. 1815: Ablösung der Holz- und Wilddeputate sowie der Frondienste bei den Rittergütern Neukirchen und Steinbach, Enthält u. a.: Rezess zwischen Ludwig Friedrich Ferdinand von Zedtwitz und Grundstücksbesitzern aus Neukirchen über die Ablösung von Frondiensten und Naturalzinsen vom 31.8.1838, dat 1838-1840

  40. Bestand 10079 (Landesregierung), Loc. 14213/06: Die Gerichtsherrschaft in Neukirchen, der Hofrat und Justizrat Ludwig Friedrich Ferdinand von Zedtwitz, gegen die dortigen Untertanen und Anspanner, Gottfried Teichmann und Konsorten, wegen der Baufrondienste (Vorbeschiedskanzleiakte), dat. 1826-1827

  41. Bestand 10168 (Grundherrschaft Burgk), Nr. 1649: Sammlung von Schriftsätzen, Privatangelegenheiten des Kammerrats Karl Friedrich August Dathe von Burgk, Besitzfolge des Rittergutes Burgk von 1699 an, dat. 1699-1867

  42. Bestand 10201 (Grundherrschaft Dörnthal), Bestandserläuterungen

  43. Bestand 10409 (Grundherrschaft Neukirchen bei Wilsdruff), Bestandserläuterungen

  44. Bestand 10475 (Grundherrschaft Pfaffroda bei Sayda), Bestandserläuterungen

  45. Bestand 10527 (Grundherrschaft Rothschönberg), darin u. a. Nr. 348: Verkauf des Kalkhauses bei Blankenstein von Johann Gottfried Clauß, Pächter des Rittergutes Rothschönberg, an Heinrich Wilhelm von Schönberg und Berufung von Christian Küntzschner gegen seine Räumung aus dem Haus, dat. 1793-1795

  46. Ebenda, Nr. 016: Verkauf von Parzellen vom Eineinviertelhufengut von Karl Ernst Faust in Helbigsdorf an Karl Samuel Lorenz, dat. 1844

  47. Ebenda, Nr. 241: Verkauf des Fünfviertelhufengutes von Hans Porsdorf in Helbigsdorf an Georg Faust, dat. 1747

  48. Bestand 10577 (Grundherrschaft Steinbach bei Meißen), Bestandserläuterungen

  49. Bestand 10588 (Grundherrschaft Tanneberg bei Meißen), Bestandserläuterungen

  50. Bestand 10642 (Grundherrschaft Weistropp), Nr. 069: Schulden von Hans Georg Faust, Gärtner in Helbigsdorf , dat. 1750-1763

  51. Ebenda, Nr. 165: Versteigerung der Gartennahrung von Hans Georg Faust in Helbigsdorf, dat. 1750-1751

  52. Ebenda, Nr. 145: Johann Georg Faust in Helbigsdorf gegen Johann Gottlieb Kleber als Vormund der von dem dortigen Mahlmüller Gottlieb Dietrich hinterlassenen Kinder wegen einer Schuldforderung, dat. 1780

  53. Ebenda, Nr. 186: Kauf einer Parzelle des Erblehngerichtes von Johann Gottlieb Faust in Helbigsdorf, dat. 1844-1849

  54. Bestand 10655 (Grundherrschaft Wilsdruff)

  55. Bestand 10026 (Geheimes Kabinett), Loc. 01347/07: Des gewesenen Inspektors der Porzellanmanufaktur zu Meißen, Auenmüllers Porzellanmanufaktur Rechnungswerk auf die Jahre 1760 bis mit Juni 1764, dat. 1774

  56. Bestand 10365 (Grundherrschaft Liebstadt), Nr. 2823: Hypotheken von Karl Friedrich Auenmüller, Besitzer des Rittergutes Braunsdorf, und Gesuch von Karl Friedrich Kurth von Seidewitz um Belehnung mit dem Rittergut Braunsdorf, dat. 1811-1849

  57. Bestand 10747 (Kreishauptmannschaft Dresden), Nr. 2219: Acta, den am 25. Februar 1869 erfolgten Einsturz eines Theiles des Wetzigschen Kalkbruchs nebst Huthaus zu Grumbach, ingleichen die Verschüttung des Kalkmellers Winkler betreffend, dat. 1869

  58. Bestand 12614 (Familiennachlaß von Schönberg), Bestandserläuterungen

  59. Ebenda, Nr. 341: Kalkbücher, geführt von Johann Gottlieb Pappert, Rechnungen.- Aus- und Eingaben beim Schönberger Kalkbruch, dat. 1801-1811

  60. Ebenda, Nr. 342: 11 Kalkbücher, Rechnungen über Einnahmen und Ausgaben des Schönberger Kalkofens, dat. 1801-1812

  61. Bestand 11384 (Ministerium für Wirtschaft und Arbeit), Nr. 2081: Kalk- und Schieferwerke, dat. 1946-1952

  62. Bestand 13522 (Familiennachlaß von Wiedebach), Bestandserläuterungen

  63. Bestand 12849 (Gemeinde Grumbach), Bestandserläuterungen


    Staatsarchiv Leipzig
     

  64. Bestand 20014 (Amt Nossen), Nr. 4503: Bau eines Kalkofens in Blankenstein durch Hans Dietrich von Schönberg, Besitzer des Ritterguts Rothschönberg, dat. 1733


    Bergarchiv Freiberg
     

  65. Bestand 40003 (Geognostische Gang- und Landesuntersuchungskommission), Nr. 100002: Geognostische Untersuchung der Gegend zwischen Gera, Borna, Zeitz und Leipzig (durch Georg Philipp Friedrich Freiherr von Hardenberg, in Begleitung von F. T. M. Haupt und Friedrich von Zedtwitz), dat. 1800

  66. Bestand 40007 (Bergamt Annaberg), Nr. 619: Wiederbesetzung der Stelle des Bergmeisters nach der Versetzung des bisherigen Bergmeisters Johann Carl Schütz zum Bergamt Schneeberg durch Bergmeister Friedrich von Zedtwitz aus Marienberg sowie dessen Einweisung in das Amt, dat. 1828

  67. Ebenda, Nr. 780: Tod von Friedrich von Zedtwitz, Bergkommissionsrat und Bergmeister, am 4. Februar 1834, dat 1834

  68. Ebenda, Nr. 861: Zu besonderen oryktognostischen und geognostischen Vorkommnisse angelegte Sammlungen, einzusendende Minerale und Stufenhandel, Enthält u. a.: Ankauf der Mineraliensammlung des Bergkommissionsrates v. Zedtwitz., dat. 1831-1853

  69. Bestand 40044 (Generalrisse), Nr. 2-K18: Neukirchen, Steinbach, Tanneberg, Blankenstein, Helbigsdorf, Herzogswalde, Mohorn, Grund, Herrndorf, Hetzdorf, Haida, Erlicht, Niederschöna, Oberschaar, undatiert 

  70. Ebenda, Nr. 3-I083: Seeligstadt, Taubenheim, Lampersdorf, Sora, Lotzen, Limbach, Helbigsdorf, Blankenstein, Schmiedewalde, Burkhardswalde, Groitzsch, dat. 1825

  71. Ebenda, Nr. 4-I193: Seeligstadt, Taubenheim, Lampersdorf, Sora, Lotzen, Limbach, Helbigsdorf, Blankenstein, Schmiedewalde, Burkhardswalde, Groitzsch, dat. 1826

  72. Ebenda, Nr. 1-I17267: Kalksteinbruch Hahn bei Blankenstein, dat. 1858

  73. Ebenda, Nr. 1-K17592: Kalkwerk von Frau Zschalig, ehemals Carl Ernst Faust, in Blankenstein, dat. 1869-1886

  74. Bestand 40168 (Grubenakten des Bergreviers Marienberg), Nr. 910: Vater Abraham Fundgrube am Stadtberg bei Marienberg, Enthält u. a.: Vorschussgesuche.- Zubußanschläge.-  Vortrag des Bergamtsassessors von Zedtwitz über den Vortrieb des nördlichen 60-Lachter-Streckenorts auf dem David Flachen zur Lösung des alten Lautaer Bergbaus…, adt 1807-1814

  75. Bestand 40174 (Grubenakten des Bergreviers Freiberg), Nr. 847: Acta, das Berggebäude Wunderbare Schickung Gottes Fundgrube zu Braunsdorf gelegen, samt was dem anhängig, betreffend, dat. 1767-1768

  76. Bestand 40186 (Zechenregister sächsischer Bergrevier), Nr. 138658 bis 138660: Wunderbare Schickung Gottes bei Braunsdorf, Einlegeregister und Zechenregister von Trinitatis (April) bis Luciae (Dezember) 1767

  77. Ebenda, Nr. 138661 bis 138664: Wunderbare Schickung Gottes bei Braunsdorf, Einlegeregister von Reminiscere bis Luciae 1768

  78. Ebenda, Nr. 138665, 138666, 139625 und 139626: Wunderbare Schickung Gottes bei Braunsdorf, Einlegeregister von Reminiscere bis Luciae 1769

  79. Ebenda, Nr. 138667 bis 138669: Wunderbare Schickung Gottes bei Braunsdorf, Einlegeregister von Reminiscere bis Crucis (Oktober)1770

  80. Bestand 40010 (Bergamt Freiberg), Nr. 3718: Klage von Carl Heinrich Ficke, Lehnträger der Eigenlöhnerzeche Vorläufer Erbstolln bei Grumbach, gegen Johann Gottfried Pfützner, Anderthalbhüfner in Grumbach wegen geforderter Stollnhilfe oder Wassereinfallgeld von dem durch den Stolln gelösten Pfützner’schen Kalkbruch, dat. 1803-1806

  81. Ebenda, Nr. 3431: Beschwerde von Carl Traugott Winkler, Gutsbesitzer aus Grumbach, gegen die vom Gutsbesitzer Claus aus Kohlsdorf eingelegte Mutung auf einen Stolln und den daraus unternommenen Querschlag nach Winklers Kalkbruch, dat. 1834

  82. Ebenda, Nr. 2577: Dienstadministrationes und andere Sachen über die keine besonderen Akten geführt werden, dat. 1847-1856, darin u. a.: Kalkschacht des Brauschänkengutsbesitzers Jahn zu Blankenstein, Stolln bei dem Kalksteinbruch in Burkhardswalde.

  83. Ebenda, Nr. 3844 (Akte noch unverzeichnet), Bl. 17, Nachricht von H. Zimmermann, Bergarchiv Freiberg

  84. Bestand 40024 (Landesbergamt Freiberg, Gewerbliche Gruben), Nr. 12-020: Gesuch der Schulgemeinde zu Blankenstein um Erlaubnis zur Veräußerung des unter dem Schulgrundstück befindlichen Kalksteinlagers, dat. 1857-1912  

  85. Ebenda, Nr. 12-011: Kalksteinbrüche, dat. 1858-1884

  86. Ebenda, Nr. 12-017: Überwachung des Kalkwerkbetriebes, dat. 1876-1899

  87. Ebenda, Nr. 12-095: Braunsdorf bei Tharandt, Braunsdorfer Dolomit-Zement-Kalkwerke vorm. Krumbiegel GmbH, dat. 1868-1909

  88. Ebenda, Nr. 12-096 und 12-097: Braunsdorf bei Tharandt, Braunsdorfer Dolomit-Cement-Kalkwerke, vorm. Krumbiegel GmbH, dat 1909-1920

  89. Ebenda, Nr. 12-098: Braunsdorf bei Tharandt, Berechtigungsangelegenheiten der Braunsdorfer Dolomit-Zement-Kalkwerke vorm. Krumbiegel GmbH, dat. 1901-1948

  90. Ebenda, Nr. 12-452: Steinbrüche im Bezirk der Amtshauptmannschaft Meißen, dat. 1890-1899

  91. Ebenda, Nr. 12-401: Steinbach bei Mohorn, Kalkwerk des Rittergutsbesitzers Carl Kluge, dat. 1892-1915

  92. Ebenda, Nr. 12-143: Grumbach bei Wilsdruff, Kalkwerk des Herrn Oscar Wätzig, früher C. A. F. Wätzig, dat. 1893-1910

  93. Ebenda, Nr. 12-007: Acten, außer Betrieb befindliche unterirdische Gruben und Brüche sowie Schachtverwahrungen im Allgemeinen betreffend, dat. 1900-1912

  94. Ebenda, Nr. 12-461: Verschiedene Tongruben und Kalksteinbrüche sowie Bohrungen, dat. 1900-1931

  95. Bestand 40050 (Bergamt Dresden mit Vorgängern), Nr. 046: Kalkwerk von Oskar Wätzig in Grumbach bei Wilsdruff, dat. 1900-1911

  96. Ebenda, Nr. 041: Kalkwerk Amalie Krumbiegel, später Braunsdorfer Dolomit-Cement-Kalkwerke GmbH, dann Vereinigte Braunsdorfer Dolomitwerke GmbH, in Braunsdorf, dat. 1900-1913

  97. Ebenda, Nr. 061: Kalksteinbruch von Carl Kluge in Steinbach bei Mohorn, dat. 1900-1915

  98. Bestand 40037 (Deponierte Risse der Steine- und Erdenindustrie),
    Nr. 1-I22824: Grumbach bei Wilsdruff; Kalkwerk des Gutsbesitzers Wätzig, Baue in der 2. und 3. Sohle, dat. 1894-1908

  99. Ebenda, Nr. 1-I22938: Braunsdorf bei Tharandt; Vereinigte Dolomitwerke mbH (Tageriss), undat.

  100. Bestand 40030 (Oberbergamt, Lagerstättenforschungsstelle), Nr. 1-1082:  Dolomitvorkommen, dat. 1934-1951

  101. Ebenda, Nr. 1-1061: Kalkwerke, gutachterliche Bewertung, dat. 1943-1944

  102. Bestand 40064 (Techn. Büro des Bergbaus… des Landes Sachsen),
    Nr. 1-0143: Nutzung alter Stolln zu Luftschutzzwecken und Errichtung unterirdischer Verlagerungsbetriebe, dat. 1945-1946

  103. Bestand 40069 (Bergbehörde Freiberg), Nr. 568 bis 571: VEB Kalkwerk Braunsdorf, Betriebspläne und Werksakten, dat. 1945-1953

  104. Ebenda, Nr. 575 bis 578: VEB Kalkwerk Braunsdorf, Schließungsmaßnahmen, dat. 1963-1967

  105. Bestand 40073 (Bergschadenkundliche Analysen), Nr. 1-065: Kalk- u. Eisensteinabbau in den Kreisen Meißen, Freital und Freiberg (Messtischblatt Mohorn Nr. 4946), dat. 1975-1977, zugehörige Risse: 40073-2, Nr. 1553-1565

  106. Bestand 40176 (Sammlungen des Bergarchivs), Nr. 662: Blankenstein, alter Kalkofen, Foto, dat. 1944