schließen

 

Ein Beitrag von www.unbekannter-bergbau.de

Erstellt im August 2017, letzte Ergänzung im  November 2018

Sie können diesen Beitrag auf dem Recherchestand vom Juli 2017 vom Qucosa-Server der Sächsischen Landes- und Universitätsbibliothek Dresden im PDF-Format herunterladen.

http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bsz:14-qucosa2-161217

 

Zum Abbau des Plattendolomits in Geithain
Zum Abbau des Plattendolomits in der Mügelner Senke

Zur Lage und regionalen Geschichte
Zur Geologie
Zur Montangeschichte
Abbau der Königin Marienhütte in Wahlen/Crimmitschau 
Abbau in Crotenlaide/Meerane
Abbau in jüngerer Zeit
Erhaltene Zeugnisse
Weiterführende Quellen

   

 

 

Zum Abbau des Plattendolomits zwischen Crimmitschau und Meerane

 

Wo wir gerade beim Plattendolomit waren… Ganz im Westen unseres Freistaats greift auch die Zeitz- Schmölln‘er Mulde noch nach Südosten bis in das Erzgebirgische Becken hinein von Ostthüringen her nach Sachsen über. 

 


Ausschnitt aus der Geologischen Übersichtskarte der DDR, Känozoikum abgedeckt. Anhand der violetten Farben sind die triassischen und jungpaläozoischen Beckenfüllungen gekennzeichnet. Mit diesem Beitrag befinden wir uns auf der Karte links unten.

  

Auf die hier in Westsachsen zwischen Meerane und Crimmitschau vorhandenen und früher zeitweise auch intensiv abgebauten Ausstriche des Plattendolomits sind wir eigentlich zufällig bei den Recherchen für unseren Beitrag über den Kalkbergbau bei  Raschau gestoßen, wo die BHG Meerane 1964/1965 das Dolomitwerk Raschau noch einmal aufnahm.

 

 

 

Zur Lage und regionalen Geschichte

 

Wir befinden uns am nordwestlichen Ende des Erzgebirgischen Beckens, dort wo es nach Norden in die Zeitz- Schmöllner Mulde übergeht. Noch ist das nach Nordwesten flach abfallende Gelände hügelig und liegt mehr als 200 m über dem Meer. Zwischen den Hügeln haben die Flüsse je nach anstehendem Gestein teils tiefe und enge Täler, teils weite Auen in breiten Sohlentälern geschaffen.

  


Die Lage der Region auf einem Reliefbild vom Geoportal Sachsen. Der Höhenrücken bei Dennheritz zwischen Glauchau und Meerane bildet zugleich eine regionale Wasserscheide zwischen den Flußsystemen der Mulde im Osten und der Saale im Westen, der die Pleiße über die Weiße Elster letztlich zufließt.

 

Die Region gehört heute zum Landkreis Zwickau. Nördlich grenzt der Thüringer Landkreis Altenburger Land an. Insbesondere die Flußauen waren wenigstens schon seit dem 6. Jahrhundert n. C. slawisch besiedelt. Crimmitschau und Meerane gehörten wie Altenburg im 12. Jahrhundert dem reichsunmittelbaren Pleißenland an.

Otto I., ab 936 Herzog von Sachsen und König des Ostfrankenreiches, ab 951 König von Italien und ab 962 bis zu seinem Tod 973 Kaiser des Heiligen Römischen Reiches, entschied im Jahr 936, Herrn Alban Schönburg in der Reichsdomäne Zwickau die Verteidigung des Landes gegen die Sorben zu übertragen. Die späteren Herren von Schönburg leiten aus dieser Übertragung ihren Ursprung ab. Unter Kaiser Otto II. wurde im Jahr 976 das Pleißenland erstmals urkundlich als Besitz des Bistums Merseburg erwähnt.

Unter Friedrich I. Barbarossa (1122–1190) bekam das Territorium „Pleißnerland“ oder „terra plisnensis“ (lateinische Bezeichnung) unter den Staufern mehr Gewicht. Es umfaßte eine Region, deren Kern in etwa die Städte Zeitz, Schmölln, Altenburg, Werdau, Crimmitschau, Zwickau und Waldenburg beinhaltete und somit weit über das Flußgebiet der Pleiße hinaus reichte.

Nach dem Sieg der Markgrafen von Meißen in der Schlacht bei Lucka (1307) über Kaiser Albrecht I. nahm Markgraf Friedrich I. das Pleißenland mit den Städten Altenburg, Chemnitz, Zwickau als erobertes Land in Besitz. Mit dem zurückgehenden Einfluß verschiedener Grafengeschlechter, in deren Besitz Teile der Region „terra plisnensis“ waren, verlor sich bis ins 14. Jahrhundert die Regionsbezeichnung Pleißenland wieder. (meerane.de)

Meerane geht auf die bereits 1174 als Witwensitz der Königin Judith von Böhmen genannte Burg Mer oder Mare unweit der Zwickauer Mulde zurück. In diesem Jahr starb der böhmische König Wladislaw II. nach nur viermonatigem Aufenthalt auf der Burg. Diesem Umstand verdankt Meerane seine erste urkundliche Erwähnung. Der heutige „Burgberg“ direkt in der Meeraner Innenstadt weist noch auf den früheren Standort einer Burg hin, auch wenn man sie heute dort vergeblich sucht.

Der Ursprung des Ortsnamens ist umstritten. In einem Buch über Meerane wird von den Autoren W. Krause und O. Phillip 1930 eine Ableitung aus dem Althochdeutschen vermutet, wo „Mer“ für „seichtes stehendes Gewässer“ (ein Teich oder eine Lache) steht. Wahrscheinlicher aber ist, daß um das Jahr 936 Meerane ein Grenzort zwischen den sorbischen Distrikten und dem schon unter Kaiser Heinrich I. erweiterten Reichsgebiet des Ostfrankenreiches gewesen ist. Das Wort „Mer“ steht im Slawischen auch für „Grenze“. Der Bachlauf durch die Stadt trägt noch heute den Namen „Meerchen“.

Die gleichnamige Herrschaft wurde um 1300 von den Herren von Schönburg als böhmisches Reichsafterlehen erworben und mit ihrer Herrschaft Glauchau vereinigt. Meerane wurde 1361 als Oppidum de Mare und 1405 als „Städtlein“ bezeugt. Viele verschiedene Schreibweisen gab es in der Folgezeit für den Namen der entstandenen Siedlung rund um die sagenhafte Burg Mare: Mehir, Mera, Mehrasa oder Mherann, bevor erst 1853 durch einen Stadtratsbeschluß die Schreibweise Meerane festgelegt wurde.

Die ordnungspolitisch bedeutsamen Statuten, die Georg I. von Schönburg der Stadt am 7. Mai 1565 gab, kennzeichnen das Abhängigkeitsverhältnis. Zwar ist zu jener Zeit die Ausprägung einer Ratsverfassung mit Bürgermeister und Ratskollegium nachgewiesen, die Kompetenzen des Rates erstreckten sich jedoch nur auf die niedere Finanz- und Polizeiverwaltung sowie die Ahndung von Bagatellsachen.

Nach einer Erbteilung in der Familienlinie Schönburg-Glauchau 1681 wurde das Stadtgebiet zu 5/9 dem Amt Forderglauchau und zu 4/9  dem Amt Hinterglauchau zugewiesen, was zu erheblichen administrativen Problemen führte und auch durch die Einrichtung eines alternierenden Direktorialamtes nicht entschärft werden konnte. Im Stadtareal bildeten außerdem die Pfarrdotalgerichte mit Zuständigkeit für etwa 20 auf dem Pfarrlehn erbaute Häuser einen eigenen Verwaltungs- und Gerichtsbezirk. (32942) Bis ins 19. Jahrhundert übte der (Ober-)Pfarrer von Meerane grundherrliche Rechte einschließlich der niederen Gerichtsbarkeit über die auf dem Pfarrlehn errichteten Häuser sowie einige Bauerngüter im Dorf Waldsachsen aus. Damit zählten die Pfarrdotalgerichte zu den schönburgischen Vasallengerichten und unterstanden direkt der Gesamtregierung in Glauchau. Am 21. August 1848 schloß sich der Gerichtsbezirk mit der Stadtgemeinde Meerane zusammen. (33269)

Der Ort Crotenlaide wurde bereits 1923 nach Meerane eingemeindet und 2011 als Gemeindeteil gänzlich gestrichen.

Die Schreibweise dieses Ortsnamens wechselte ebenfalls oft: 1525 schrieb man Krotendorff, 1534 erscheint der Ort als „auf der wustunge das Krottenholtz genanth“, 1567 dy Krottenleyde, 1683: dy Kroten Lehde, 1720: Grothenleite, 1745: Crudenlaide, 1791: Crottenlaide oder Crothenlaide, erst ab 1908 kam die heutige Schreibweise Crotenlaide in Gebrauch. Um 1720 bildete der Ort nur ein Vorwerk, 1750 wurde er Amtsdorf des Amtes Glauchau. 1875 bildete Crotenlaide ein Freigut innerhalb der schönburgischen Herrschaften (isgv.de).

 

Auch Crimmitschau entstand bereits in der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts im Zuge der deutschen Besiedelung des damaligen Reichslandes Pleißen. Schon um 1120 existierte hier nachweisbar eine überbaute Wasserburg mit Wall, Graben und Zugbrücke zum Schutz der Siedlungen Culten und Crimmitschau.

Auf den Grundmauern dieser alten Slawenburg, die Crematzowe genannt wurde, ist das spätere Schweinsburger Unterschloß errichtet worden. Dieses Schloß bildete das Zentrum der Herrschaft Crimmitschau. Im Jahre 1212 findet Henricus de Crematzowe (Heinrich von Crimmitschau, † um 1223) als Besitzer der Herrschaft Crimmitschau und 1221 als oberster Richter des Pleißenlandes die älteste urkundliche Erwähnung. Er war auch der Gründer des St. Martins-Kloster in Crimmitschau, der nachmaligen „Karthause“. Den Herren von Crimmitschau gelang es, sich innerhalb des Pleißenlandes zeitweise zu reichsunmittelbaren Dynasten zu erheben. Der Ort Crimmitschau wurde 1222 als civitas bezeichnet und später auch ummauert. Im selben Jahr wurde in einer Urkunde die Burg Crimmitschau als „vest huz Cremaschowe“ erwähnt.

  


Das spätere Rittergut Carthause auf einer Zeichnung aus G. A. Poenicke (Hrsg.): Album der Rittergüter und Schlösser des Königreichs Sachsen, IV. Section: Erzgebirgischer Kreis, Leipzig, um 1860

 

Im Jahre 1290 ist die Herrschaft Crimmitschau dann an die mit ihren bisherigen Besitzern schon verschwägerten Herren von Schönburg gefallen. 1413 war die Herrschaft Schweinsburg mit der Burg als offenes Lehn an die Markgrafen von Meißen übergegangen und hörte damit auf, eine selbständige Herrschaft zu sein. Markgraf Wilhelm II. verlieh Crimmitschau 1414 das Stadtrecht und setzte auf der Burg einen Lehnsherrn zum Verwalter ein. Bereits 1429 findet eine Tuchmacherordnung Erwähnung. (32923)

Nachdem Crimmitschau 1456 von den Wettinern verlehnt worden war, blieb es bis ins 19. Jahrhundert eine grundherrschaftliche Stadt. In der Folgezeit geht die Herrschaft in landesherrlichen Besitz über und ist nach unterschiedlichen Besitzerwechseln ab dem Jahre 1547 dem albertinischen Sachsen zugehörig.

Bis zum Jahre 1764 gehörte die Stadt Crimmitschau noch zur Grundherrschaft Schweinsburg und bildete danach eine eigene Grundherrschaft. G. A. Poenicke schreibt um die Mitte des 19. Jahrhunderts, daß das vormalige Schloß Crimmitzschau überhaupt erst ab dem Ende des 15. Jahrhunderts als „Schloß Schweinsburg“ bekannt sei und vermutet, daß die Herkunft dieses Namens wohl damit zusammenhänge, daß Schweinsburg damals fürstliches Amt war, wo der Landesherr in eigener Waldung häufig Jagden veranstaltete.

 


Rittergut Schweinsburg, Zeichnung aus G. A. Poenicke (Hrsg.): Album der Rittergüter und Schlösser des Königreichs Sachsen, IV. Section: Erzgebirgischer Kreis, Leipzig, um 1860

  

Im Jahre 1841 verloren die Besitzer des Schlosses Schweinsburg durch Verkauf an die Stadt Crimmitschau die Ober- und Erbgerichtsbarkeit über diese Untertanen, die sie als altschriftsässiges Rittergut seit dem 15. Jahrhundert innehatte. Im Jahre 1855 wird die Schweinsburger Gerichtsbarkeit gänzlich aufgehoben. (30614)

Überregionale Bedeutung erlangte die Stadt Crimmitschau erst mit der Industrialisierung des 19. Jahrhunderts als wichtiges Zentrum der Textilindustrie und der sozialdemokratischen Arbeiterbewegung. (12840)

Schon seit dem 1. Januar 1891 bildet der Ort Wahlen am Ostufer der Pleiße einen Ortsteil von Crimmitschau.

Zu Crimmitschau gehören heute auch die Ortsteile Rudelswalde und Langenreinsdorf. Wie oben schon erwähnt, ließ Heinrich von Crimmitschau 1222 unweit seines Schlosses, eine halbe Stunde südlich der Stadt, bei der alten Martinskirche, ein stattliches Kloster – die Karthause – errichten und schenkte ihm die ganze Flur ringsum. In diesem Zusammenhang wird der Ort Rudelswalde (Schreibweise 1351 Rudolpheswalde) erstmals erwähnt.

1950 wurde die Ortschaft Rudelswalde nach Crimmitschau eingemeindet. 

Langenreinsdorf wurde 1240 erstmals als Reynhartsdorf (später auch als Lengenrensdorf und Rehnsdorf) in einer Urkunde des Vogts Heinrich von Greiz erwähnt. Dieser schenkte den Ort dem im Jahre 1238 gegründeten Dominikaner-Nonnenkloster Cronschwitz im Elstertal.

Langenreinsdorf wurde 1994 nach Crimmtischau eingemeindet.

  

 
 
 

Zur Geologie

  

Im zweiten Heft seiner geognostischen Beschreibung des Königreiches Sachsen, erschienen 1845, beschreibt Carl Friedrich Naumann die Vorkommen des Plattendolomits (Naumann unterschied noch nicht zwischen Dolomit und Kalkstein) wie folgt.

  

Neuntes Capitel,
Zechstein, bunter Sandstein und Süßwasserquarz.

Formation des Zechsteines.

„Auf dem linken Muldenufer findet sich in den Gegenden des Pleißethales mehrfach ein System von Kalksteinschichten entblöst, welche in allen ihren Eigenschaften und Verhältnissen mit den bei Mügeln, Geithain, Frohburg und Gera vorkommenden Kalksteinen dermaaßen übereinstimmen, daß man sie unbedingt zu derselben Formation, d. h. zu der Formation des Zechsteines rechnen muß. Der Herausgeber, welcher die betreffenden Gegenden fast gar nicht durch eigene Anschauung kennt, entlehnt die Beschreibung der in diesem Capitel abgehandelten Formationen aus den Arbeiten von Prisch, Ullmann, Martini, besonders aber aus dem Revisionsberichte von Haupt, welcher diese Gegenden neuerdings, unter Berücksichtigung der Arbeiten seiner Vorgänger, genau untersucht hat.

Diese Kalksteinbildung erreicht ihre größte Mächtigkeit, soweit solche anstehend zu beobachten ist, in der Gegend von Grothenleithe, wo sie 12 bis 14 Ellen (also bis zu 7,8 m) stark ist, während sie gewöhnlich die Stärke von 6 Ellen (also höchstens 3,4 m) nicht übersteigt. Ein treuer Begleiter derselben ist der bunte Sandstein, welcher fast überall unmittelbar über den Kalksteinschichten angetroffen wird.

Der Kalkstein ist gewöhnlich von aschgrauer, gelblichgrauer und röthlichgrauer Farbe, welche einerseits in das Gelbe und Weiße, anderseits in das Rothe übergeht. Im Bruche ist er theils dicht, theils grob- und feinsplitterig, selten unvollkommen körnig. Hier und da wird er von Kalkspathadern durchzogen, und an manchen Orten, wie z. B. bei Wahlen zeigt er in den oberen Schichten Blasenräume und kleine Cavernositäten, auch drusige und zerfressene Stellen, wodurch er sich der Rauchwacke nähert, während er gewöhnlich mehr dem eigentlichen Zechsteine ähnlich ist. Auf den Klüften zeigt er oft sehr feine dendritische Zeichnungen, und im Innern kommen an einigen Orten ziemlich häufig Versteinerungen vor; meist kleine Bivalven, welche jedoch nur als Steinkerne und Abdrücke ausgebildet sind, und keine ganz sichere Bestimmung zulassen.

Von fremdartigen Beimengungen sind besonders Bleiglanz, Malachit und Kupferlasur zu bemerken, von denen der erstere meist eingesprengt, die beiden anderen mehr als Anflug vorzukommen pflegen. Doch sollen sich diese metallischen Beimengungen vorzüglich nur in den nördlicheren Theilen vorfinden, wo man selbst Spuren des Kupferschieferfiötzes gefunden haben will, während in den südlicheren Kalksteinparzellen namentlich die Kupfererze fast gänzlich vermißt werden.

Der Kalkstein ist immer deutlich geschichtet; seine Schichten sind von 1 Zoll bis über 1 Fuß mächtig, und gewöhnlich durch Zwischenlagen eines grauen mergligen Thones, zuweilen auch durch förmlichen Schieferthon voneinander abgesondert. In der Regel durchsetzen viele senkrechte Querklüfte den Kalkstein und bedingen dadurch eine tesserale (rechtwinklige) Absonderung seiner Schichten in viele größere und kleinere Parallelepipede; an einigen Puncten, wie bei Frankenhausen, bilden jedoch die Schichten ziemlich stetig ausgedehnte Platten, so daß das Gestein als Baustein brauchbar wird.

Dieser Kalkstein liegt immer fast horizontal auf den Massen des Rothliegenden, und wird in der Regel ebenso regelmäßig von Schichten des bunten Sandsteines bedeckt. Seine Verbreitung und die Orte seines Vorkommens sind aus der Charte zu ersehen. Aelteren Angaben zufolge soll auch bei Ponitz, Кöthel, Ober-Schindmaas und südlich von Mehrana Kalkstein vorkommen. Es ist jedoch bei aller Sorgfalt nicht gelungen, diese Vorkommnisse zu constatiren. In Köthel hat man früher vergeblich nach Kalkstein gebohrt; in Ponitz und Ober-Schindmaas gehen die Brunnen sämmtlich in Grus und Sand nieder, und bei Mehrana keilt sich der Grothenleither Kalkstein schon nördlich von dem Städtchen aus.

Speciellere Angaben über das Vorkommen des Zechsteines.

Kalkstein bei Wahlen.

An der von Gablenz nach Crimmitzschau führenden Straße findet sich ein grauer, hellroth gestreifter Kalkstein unter einer 8 Ellen mächtigen Ablagerung eines buntfarbigen, thonigen und glimmerreichen Sandsteines und Sandsteinschiefers, in welchem noch eine Schicht sehr sandigen gelben Kalksteines vorkommt. Einige 100 Schritte weiter nach Süden liegen mehre verlassene Kalkbrüche, wo der Kalkstein 3 bis 6 Ellen (also gerade mal zirka 1,7 m bis 3,4 m) mächtig, nach oben graulichgelb, löcherig und porös, auch versteinerungsführend, nach unten mehr grau und roth ist. Unmittelbar über dem Kalksteine liegt gewöhnlich ein bräunlichschwarzer bituminöser Thon. Die Auflagerung des bunten Sandsteines erscheint in einem dieser Kalkbrüche sehr unregelmäßig, indem der Kalkstein von oben herein tief ausgewaschen und dadurch eine trichter- oder sackförmige Vertiefung gebildet worden ist, welche die darauf folgenden Schichten dergestalt ausfüllen, daß sie sich den Conturen derselben regelmäßig anschmiegen. Endlich findet sich der Kalkstein auch noch im Höllengrunde bei Wahlen, und im Fahrwege von Wahlen nach Ungewiß.

Kalkstein bei Grothenleithe.

Die ersten Spuren von Kalkstein und buntem Sandstein findet man am Wege von Mehrana nach Schönberg und in der Nähe des Mehranaer Schießhauses. Von dort aus nach Grothenleithe hin nehmen beide Gebilde an Mächtigkeit zu, und senken sich kurz vor Grothenleithe bis in die Thalsohle, so daß in den Brunnen dieses Dorfes der Kalkstein erst in 9 bis 15 Ellen Tiefe erreicht worden ist. Eine ununterbrochene Reihe von Kalkbrüchen zieht sich von dem vorgedachten Schießhause bis nach Grothenleithe; jedoch sind die nördlichsten wegen der zu großen Festigkeit und Tiefe, die südlichsten wegen der unreinen Beschaffenheit des Kalksteines wiederum eingegangen. In den noch gangbaren Brüchen sieht man den Kalkstein unter einer, 15 bis 18 Ellen (also zirka 8,5 m bis 10,0 m) mächtigen Decke von buntem Sandstein anstehen, welcher ihm gleichformig und ziemlich regelmäßig aufgelagert ist. Der Kalkstein selbst soll eine Mächtigkeit von 12 bis 14 Ellen erreichen (also zirka 6,7 m bis 7,8 m). Die oberste, 15 Zoll starke Schicht ist röthlichweiß, dicht und splitterig; die folgenden Schichten sind grau, gelb und weiß, und zum Theil fast körnigblätterig im Bruche.

Außer diesem festen Kalksteine kommen in dem oberen, 6 Ellen mächtigen Schichtensysteme, welches man die erste Schicht nennt und bis jetzt allein abgebaut hat, auch noch 1 bis 2 Ellen starke Nieren eines gelben feinkörnigen, sandigen Kalksteines vor, welcher zum Brennen untauglich ist. Unter dem oberen Schichtensysteme soll ein zweites, von 6 bis 8 Ellen Stärke liegen, welches grauen, guten Kalkstein enthält und dem Rothliegenden aufruht.

Ullmann und Prisch beschreiben den Kalkstein von Grothenleithe genauer, wie folgt. Er zeigt sich von isabellgelber, gelblichgrauer, aschgrauer und rauchgrauer Farbe, welche durch den Einfluß der Atmosphärilien auf der Oberfläche in dunkles gelblichgrau und schmutzig ockergelb übergeht. Er ist zum Theil porös und löchrig, und auf den Wänden dieser kleinen Höhlungen mit Kalkspath oder mit Quarz überdrust; auch bildet Kalkspath bisweilen kleine Trümer und Einsprengungen. Die mittleren Schichten sind reich an kleinen Bivalven. Der Kalkstein ist durch schmale Klüfte in fuß- bis ellenmächtige Schichten getheilt, deren Absonderung durch grünliche Thonlagen vermittelt wird; außerdem ist er sehr zerklüftet, und besonders auf diesen Kluftflächen mit feinen dendritischen Zeichnungen geschmückt. Die weiteren Klüfte werden bisweilen von Kalksinter erfüllt, welcher auch die alten Steinbruchswände in mancherlei Gestalten überzieht. Die untersten Schichten sollen zum Theil ein, wie Stinkstein riechendes Gestein enthalten.“

Außerdem nennt Naumann noch Vorkommen „zwischen Gößnitz und Zürchau“ sowie bei Zehma und Frankenhausen.

 


Ausschnitte aus den geognostischen Karten, Blatt XIX (links) und XV (rechts). Dunkelblau sind die Ausstriche des Plattendolomits beiderseits des Pleiße-Tales eingezeichnet.

 

Die geologischen Beschreibungen des Plattendolomites aus dem 19. und vom Beginn des 20. Jahrhunderts entsprechen weitgehend denen aus dem nordöstlich benachbarten
 Geithain am Südostrand der Frohburg- Bornaer Mulde. In der ersten Auflage der Erläuterungen zum Geologischen Kartenblatt No. 93 aus dem Jahr 1882 schrieb der Geologe Thomas Siegert dazu:

  

„Section Meerane bringt diejenige Partie des erzgebirgischen Beckens fast vollständig zur Darstellung, welche mit nördlicher Richtung in die thüringische und nordsächsische Dyasbucht einmündet. Die von Osten her vordringenden limnischen Ablagerungen desselben werden hier allmählich von den marinen Schichten des oberen Zechsteines und den Strandbildungen der unteren Buntsandsteinformation bedeckt. Silurische und devonische Gesteine bilden die beiderseitigen Ränder, sowie die Unterlage der Dyas, während die Steinkohlenformation bis jetzt noch nirgends in diesem Gebiete nachgewiesen werden konnte…

Sämmtliche älteren Gebilde sind daher meist von einer mächtigen Decke tertiärer, diluvialer und alluvialer Bildungen verhüllt und treten fast nur an den steileren Thalgehängen frei zu Tage. Um den Bau dieses Untergrundes etwas deutlicher zur Anschauung zu bringen, sind jedoch bei der kartographischen Darstellung zuweilen die oft nur winzigen Aufschlüsse vergrössert und mit einander verbunden, somit die kuenozoischen Gebilde local vernachlässigt worden, sobald sie eine nur sehr geringe Mächtigkeit besassen…

III. Die obere Zechsteinformation.

Die obere Zechsteinfonnation lagert sich als eine verhältnissmässig schwache, höchstens 20 bis 25 m mächtige Decke der Stufe der dolomitischen Sandsteine concordant auf.

1. Die Stufe der Plattendolomite (z02).

Petrographischer Character. Die Stufe der Plattendolomite wird vorherrschend von Dolomiten, untergeordnet von Thonen gebildet. Die Dolomite sind meist gelblichgrau bis lichtbräunlich, seltener hell- bis dunkelgrau gefärbt. Die letzteren Varietäten riechen beim Zerschlagen bituminös und werden beim Glühen schwarz. Diese Dolomite sind in Platten abgesondert, deren Dicke meist zwischen 5 und 10 cm, schwankt, jedoch auch bis zu mehreren Decimetern steigen oder unter einen Centimeter sinken kann; ausserdem werden sie von zwei senkrechten und zu einander ziemlich rechtwinkligen Kluftsystemen durchsetzt, wodurch sie in parallelepipedische Stücke zerfallen. Ihre Structur ist meist eine dichte, aber auch fein- bis grobporöse oder löcherige bis schlackige; die Höhlungen sind erbsen- bis faustgross, haben unregelmässige Gestalten, rauhe Wände und sind theilweise von kleinen Bitterspathkrystallen und weissen Glimmerschüppchen incrustirt oder erfüllt. Die Vertheilung dieser Hohlränme ist eine unregelmässige; sie kommen stellenweise nur in den untersten, anderwärts nur in den oberen Bänken vor und können auch ganz fehlen.

Die chemische Analyse des Dolomites von Crotenlaide bei Meerane ergab 29,4 bis 31,2% Kalk - 20,9 bis 21,0% Magnesia - 45,9 bis 47,1% Kohlensäure - 0,6 bis 0,7% Eisenoxyd, Eisenoxydul und Thonerde und 0,4 bis 1,2% in Salzsäure Unlösliches. Die Zusammensetzung des Dolomites von Rudelswalde ist fast die gleiche, derselbe enthält 30,7% Kalk - 20,3% Magnesia - 45,5% Kohlensäure - 1,6% Eisenoxyd, Eisenoxydul und Thonerde und 1,6% Unlösliches (Wunder, Herbrig und Eulitz, 1867).

Als accessorische Bestandtheile kommen, wenn auch selten, Malachit und Bleiglanz, als secundäre Gebilde auf den Klüften Dendriten und Krusten von Eisen- und Manganhydroxyd, sowie und zwar auf Hohlräumen und Spalten Krystallgruppen von Kalkspath, sowie Ueberzüge und Stalaktiten von Kalksinter vor.

Durch Auslaugung haben sich zuweilen Höhlen von mehr als einem Meter Weite in dem Dolomit gebildet, an deren Wänden die Schichtenköpfe abgerundet und gewöhnlich mit Eisen- und Manganhydroxyd dick überzogen sind ; diese Höhlungen sind zum Theil noch offen, zum Theil durch die überlagernden bunten Letten mehr oder weniger erfüllt, deren Schichten sich sackartig in dieselben gesenkt haben… Zwischen die Dolomitplatten schalten sich oft dünne Häute oder dickere, stellenweise fast 1 Decimeter starke Lagen eines grauen bis grünlichgrauen, theils fetten, theils sandigen, meist glimmerreichen Thones oder Mergels ein.

An organischen Resten ist der Dolomit in der Regel sehr arm…

  


Das sind keine Fossilien, sondern Regentropfen- Abdrücke auf Schichtflächen im Buntsandstein von Crotenlaide bei Meerane, Foto: Nowak, Max, vor 1930.

http://www.deutschefotothek.de/documents/obj/72032299

 


Dies dagegen ist zwar ein echtes Fossil, stammt aber ebenfalls nicht aus dem Plattendolomit, sondern aus dem Buntsandstein darüber: Chirotherium*-Fährten aus dem hangenden Buntsandstein bei Crotenlaide. Foto: Geologisches Landesamt Leipzig.

*) Chirotherium ist eine Spurenfossilgattung fünffingeriger bzw. fünfzehiger (pentadactyler) Trittsiegel und entsprechender Fährten von Landwirbeltieren (Tetrapoda). Chirotherium ist typisch für terrestrische Sandsteine der Unter- und Mitteltrias und wurde vermutlich von rein landlebenden, kleinen Vorfahren der heutigen Krokodile verursacht. Chirotherium bzw. die Typusart Ch. barthii ist das erste nach Linné’scher Nomenklatur benannte Spurenfossil überhaupt.

http://www.deutschefotothek.de/documents/obj/72005588

  

Aufbau. Die Stufe der Plattendolomite lässt sich nicht noch weiter in einzelne Unterabtheilungen gliedern. Die in den Kalkbrüchen gebräuchliche Unterscheidung von zwei oder drei Bänken (Oberbank und Unterbank – Oberbank, wilde Schicht oder Stock und Unterbank - Käsebank, dicke Bank und Schneckenhäuselbank) hat keine allgemeine Gültigkeit…

Die Mächtigkeit der Stufe beträgt meist nur 3 m, kann aber local bis zu 5 m. (zwischen Crimmitschau und Rudelswalde) anwachsen, und anderorts bis auf 0,5 m. und weniger (in der Nähe des Ausstreichens) herabsinken.  

 


Zwei Profilausschnitte zur Lagerung des Plattendolomits südwestlich von Crimmitschau (oben) und beiderseits des Pleiße- Tales bei Crimmitschau (unten) aus der Geologischen Specialkarte des Königreichs Sachsen, Blatt 93, Section Meerane-Crimmitschau.

  


Profildarstellung zur Lagerung des Plattendolomits nördlich von Meerane aus demselben Kartenblatt. Über dem braun dargestellten Rotliegenden sieht man überall das schmale, blaue Band des Plattendolomits.

 

Lagerung und Verbreitung. Die Stufe der Plattendolomite bildet innerhalb des Rothliegenden eine flach tellerförmige Mulde, deren äusserster Rand, also deren Muldenbucht etwas südlich von der Sectionsgrenze bei Langenreinsdorf und Neukirchen auf Section Zwickau liegt. Diese südlichste Partie der Zechsteinmulde ist jedoch durch Thalerosion, namentlich durch das Pleissen-, Langenreinsdorfer-, Rudelswalder- und Sahn-ThaI tief eingeschnitten, zerlappt und in isolirte Schollen zerstückelt worden. Der Ausstrich des rechten oder östlichen Muldenflügels zieht sich, jedoch grösstentheils verborgen unter mächtigem Schwemmland, von Wahlen aus etwa über Gablenz, Meerane, Crotenlaide und Hainichen nach Naundorf…

Eine in diesem Gebiete allein stehende Unregelmässigkeit der Lagerungsverhältnisse wird zwischen Crotenlaide und Hainichen durch eine Verwerfung, welcher das ThaI von Köthel zu entsprechen scheint, hervorgebracht, in Folge deren die nördlich von der Verwerfungskluft gelegene Partie der Plattendolomite über das Niveau der südlich angrenzenden Schichten gelangt ist, so dass letztere die erstere zu unterteufen scheinen. Auf dieser Ausstrichzone sind die z. Th. noch im lebhaften Betriebe stehenden Kalkbrüche von Meerane und Crotenlaide, ein paar kleinere, auflässige Brüche bei Hainichen und am nördlichen Gehänge des Naundorfer Thales angesetzt.

 


Ausschnitt aus Blatt 93 der Geologischen Specialkarten von Sachsen, Section Meerane-Crimmitschau, 2. Auflage 1904, mit der Lage der Dolomitausstriche bei Meerane und Crotenlaide. Auch in der 50 Jahre jüngeren Karte ist der Dolomit blau eingezeichnet.

 

„Der Ausstrich des linken, westlichen Flügels liegt im Gebiete der westlich angrenzenden Section Ronneburg; nur bei Sommeritz und bei Schmölln treten kleinere Partien desselben auf die Section Meerane über und sind dicht an der Grenze des Blattes durch einen Steinbruch, sowie im Bette der Sprotte bei Schmölln aufgeschlossen. Dem Südrande und dem durch das Pleissenthal angeschnittenen centralen Theile der flachen Plattendolomit-Mulde gehören die zahlreichen, aber vielfach wieder verlassenen Kalkbrüche zwischen Langenreinsdorf und Rudelswalde, am linken Gehänge des Rudelswalder Thales, bei Crimmitschau und Wahlen an der linken, zumal aber an der rechten Seite des Pleissenthales, südwestlich von Mark Sahnau, nördlich vom Salmpark und östlich vom Sahnwald, in der Nähe von Leitelshain, südlich von Gösau, ferner die früheren, jetzt verschütteten Brüche in Obergrünberg, sowie endlich die meist nur undeutlichen Anbrüche bei Frankenhausen und Tempel an.“

  


Ausschnitt aus Blatt 93 der Geologischen Specialkarten von Sachsen, Section Meerane-Crimmitschau, 2. Auflage 1904 (oben) und Blatt 111, Section Zwickau-Werdau, 2. Auflage 1905, mit der Lage der Dolomitausstriche zwischen Langenreinsdorf (im Südwesten), Rudelswalde, Wahlen (östlich von Crimmitschau), Leitelshain und Frankenhausen (im Norden)

 

Vom gleichen Verfasser wurde die 2. Auflage im Jahr 1905 revidiert. Der beschreibende Text zum Plattendolomit ist fast wörtlich identisch. Aber hinsichtlich des Abbaus des Dolomits lesen wir jetzt: „Auf dieser Ausstrichzone waren die jetzt meist verlassenen Kalkbrüche von Meerane und Crotenlaide …angesetzt…“ und: „Dem Südrande und dem durch das Pleissenthal angeschnittenen centralen Theile der flachen Plattendolomit-Mulde gehören die zahlreichen, aber fast sämtlich wieder verlassenen und z. Th. bereits wieder eingeebneten Kalkbrüche zwischen Langenreinsdorf und Rudelswalde, am linken Gehänge des Rudelswalder Thales, bei Crimmitschau und Wahlen an…“

In der Ausgabe des Kartenblattes von 1904 finden wir daher nur noch wenige Eintragungen von Kalköfen, insbesondere bei Rudelswalde.

 


Nördlich und südlich von Rudelswalde findet man auf diesem Ausschnitt der geologischen Karte von 1904 noch mehrere „K.O.“ und eine Reihe von kleinen Steinbrüchen auf dem Ausbiß des Plattendolomits. Da noch zu lesen sein wird, daß auch Ziegeleien den Dolomit gebrannt haben, markieren wir diese Standorte im Weiteren auch.

  


Man muß sich schon weit in das Kartenblatt hineinzoomen, um die kleinen Steinbrüche auf dem schmalen Ausstrich des Plattendolomits östlich von Crimmitschau bei Wahlen zu entdecken. Kalköfen sind nicht verzeichnet, allerdings gab es hier schon früher etliche Ziegeleien.

  

 
 
 

Zur Montangeschichte

  

Die ältesten, von uns bisher aufgefundenen Hinweise auf einen Abbau des Plattendolomits in dieser Region datieren auf die erste Hälfte des 18. Jahrhunderts. Im Jahr 1713 klagte der Rat der Stadt Crimmitschau gegen Carl Friedrich von Bose auf Crimmitschau und Schweinsburg wegen der geplanten Errichtung eines Kalk- und Ziegelofens im Vorwerk Döbitz auf städtischer Flur. (30614, Nr. 0044)

Im Jahr 1733 klagten Rat und Bürgerschaft Crimmitschau gegen den Akzise- Inspektor Christian Schmidt aus Crimmitschau wegen Eröffnung einen Kalksteinbruches (30023, Nr. 2122).

Nur wenig später sind auch aus dem Umland Crimmitschaus Gesuche von Grundeigentümern um Konzession zum Bau von Kalköfen erhalten, so von Löscher, der 1743 bei Langenreinsdorf eine Kalkhütte errichten wollte (10036, Loc. 33565, Rep. 32, Nr. 0050), oder von Michael Große aus Rudelswalde (10036, Loc. 33565, Rep. 32, Nr. 0111).  

  


Ausschnitt aus den Meilenblättern von Sachsen, Berliner Exemplar, Blatt 100, entstanden 1795, mit der Einzeichnung einer ersten „Kalckhütte“ westlich (im Bild links oberhalb) von Rudelswalde.

 


Diese Kalkhütte sowie eine Ziegelei bei der Karthause sind auch auf der Oberreit’schen Karte von Sachsen, Section Zwickau, entstanden zwischen 1830 und 1850, dargestellt.

  

Auch bei Meerane muß schon im 18. Jahrhundert Abbau im Gange gewesen sein, denn von 1774 bis 1792 war dort ein Kalk- und Ziegelofen bereits verpachtet (30581, Nr. 1145).

 


Ausschnitt aus den Meilenblättern von Sachsen, Berliner Exemplar, Blatt 101, entstanden 1795, mit der Einzeichnung ausgedehnter Steinbrüche, jedoch noch keines Kalkofens südlich von Crotenlaide. Das nördlich angrenzende Herzogtum Sachsen-Altenburg ist hier nicht dargestellt.

  


Auf der Oberreit’schen Karte von Sachsen, Section Borna (oben) und Section Zwickau (unten), entstanden zwischen 1830 und 1850, ist südlich von Crotenlaide ein erster Kalkofen eingezeichnet. Auf dem südlichen Blatt wurde bereits die geplante Eisenbahnlinie rot nachgetragen.

 

In August Schumann‘s Vollständigem Staats-, Post- und Zeitungslexikon von Sachsen finden wir die Stadt Crimmitschau erst nach einigem Suchen im Band 5, Ausgabe 1818, unter „K“ wie „Krimmitschau“. Dort heißt es „Die Einwohner der Stadt nährten sich von alters her besonders vom Ackerbau und von dem Bierbrauen… Sehr alt ist hier auch das Gewerbe der Tuchmacher. Schon im J. 1452 gab es hier eine Tuchmacherinnung, welche damals, wie es scheint, zuerst in Sachsen ihre Tuche beschauen und die tüchtigen mit einem bleiernen Zeichen stempeln ließ…“  Über den Nachbarort Wahlen erfahren wir aus Band 12, erschienen 1825: „Wahlen, ein mäßig großes, nur gegen 2o Häuser enthaltendes, aber sich lang erstreckendes Dorf im erzgebirgischen Amte Zwickau (eigentlich im Amte Werdau) des Königreichs, gehört zur kleinern Hälfte, soweit nämlich sonst das Closter Carthause Besitzer war, unters Amt oder dessen Gerichtsstuhl zu Rudelswalde, zur größern Hälfte aber schriftsässig nach Schweinsburg; …“ Weder bei Langenreinsdorf oder Langen-Rehnsdorf, noch unter dem Stichwort Rudelswalde erfährt man aus dieser Quelle etwas über den Kalkabbau; nur, daß die Bewohner dazumal zumeist Bauern gewesen sind.

Auch bei Meerane finden wir in Schumann‘s Band 6, Ausgabe 1819, keinen einzigen Hinweis auf Kalkabbau und Kalkbrennerei. Grotenleithe (jetzt in dieser Schreibweise) wird überhaupt nur als in die Filialkirche zu Dennheritz eingepfarrt erwähnt. Vom Kalkbergbau ist Anfang des 19. Jahrhunderts bei Schumann in dieser Region jedenfalls keine Rede.

Die Gerichtsbücher (12613, Nr. 116) und Unterlagen der Grundherrschaft Planitz (30771, Mr. 147) weisen aus, daß bereits vor 1803 ein Kalksteinbruch in Wahlen wüst gelegen hat.

G. A. Poenicke schreibt dagegen um die Mitte des 19. Jahrhunderts über das frühere Kloster und jetzige Rittergut Carthause: „In dem schönsten Theile des herrlichen Pleissengrundes, eine halbe Stunde südlich von Crimmtzschau, liegt Carthause, bestehend aus fünfzehn Häusern, worunter eine Schmiede und ein Schenkhaus, das zugleich Chausseehaus ist, sowie einem ansehnlichen Rittergute mit dazugehöriger Mahlmühle, Ziegelscheune und einem Kalkofen. Die Einwohnerschaft besteht aus etwa hundertdreißig Personen…“

Beim selben Autor wird auch in der Beschreibung von Schweinsburg jetzt eine Kalkbrennerei erwähnt: „Zu dem Rittergute gehört die Fischerei in der Pleisse, die Collatur über Kirche und Schule zu Neukirchen und das Fililal Kleinbernsdorf. Es hat eine bedeutende Schäferei mit weit ausgedehnten Triften, eine Kalkhütte, bedeutende Waldung in der Harth und etwa 200 Scheffel Aussaat. Das Dorf besteht aus vierzig und einigen Wohnhäusern mit etwa 200 Bewohnern…“

  


Ausschnitt aus den Meilenblättern von Sachsen, Freiberger Exemplar, Blatt 61, entstanden 1795, mit der Einzeichnung der „Kalkhütte“ westlich (im Bild links oberhalb) von Rudelswalde, mit (zumeist rot) Nachtragungen bis 1876: Weiter talaufwärts sind ein weiterer Kalkofen und außerdem zwei Ziegeleien hinzugekommen.

 


Ausschnitt aus den Meilenblättern von Sachsen, Freiberger Exemplar, Blatt 61, entstanden 1795, mit (zumeist rot) Nachtragungen bis 1876: Zwischen Rudelswalde und Crimmitschau sind ein weiterer Kalkofen und das „Ziegel Guth“ am Stadtrand hinzugekommen.

 


Ausschnitt aus den Meilenblättern von Sachsen, Freiberger Exemplar, Blatt 61, entstanden 1795, mit (zumeist rot) Nachtragungen bis 1876: Die Ziegelscheune und der Kalkofen an der „Carthause“ sind noch mit schwarzer Tusche eingezeichnet, aber inzwischen wurde die Bahnlinie von Zwickau nach Gößnitz rot nachgetragen.

 


Ausschnitt aus den Meilenblättern von Sachsen, Freiberger Exemplar, Blatt 62, entstanden 1795, mit (zumeist rot) Nachtragungen bis 1876: Jetzt sind auch im Tal bei Crotenlaide drei Kalköfen rot nachgetragen.

 

Wunder, Herbrig und Eulitz notierten 1867, daß „in der Gegend von Crimmitzschau und Meerane“ im Jahre 1864 immerhin 22 einzelne Kalksteinbrüche in Betrieb gestanden hätten. Die Produktion dieser Region habe sich 1864 auf 1.844 Ruthen Rohdolomit belaufen (zirka 19.000 t). Die Menge von 1.844 Ruthen entsprach knapp 7% der Gesamtproduktion Sachsens im selben Jahr.

Davon wurden 1.044 Ruthen gebrannt (davon wiederum aber immerhin 324 Ruthen, also ein im Vergleich zu anderen Regionen sehr hoher Anteil von zirka 31%, gewissermaßen „nebenbei“ in Brennöfen der zahlreichen Ziegeleien, während demgegenüber 17 althergebrachte, periodische Öfen und nur ein einziger Kessel- oder Schneller-Ofen ausschließlich zum Kalkbrennen genutzt wurden. Die Branntkalkproduktion in der Region belief sich 1864 auf insgesamt 65.700 Scheffel (zirka 8.500 t). Weitere 800 Ruthen seien ungebrannt zum Hüttenbetrieb sowie für chemische Zwecke verkauft worden.

Auf den am Ende der Gründerzeit entstandenen Äquidistantenkarten des Königreiches Sachsen kann man dann eine Vielzahl von Kalköfen finden. Wie wir in den noch etwas jüngeren, geologischen Beschreibungen oben schon lesen konnten, war die überwiegende Mehrzahl der zumeist kleinen, wohl von den Grundeigentümern selbst und nur mit minimalem technischen Aufwand betriebenen Abbaue – sicherlich schon aufgrund der recht miserablen Lagerstättenverhältnisse – spätestens bis zum Ende des 19. Jahrhunderts jedoch wieder eingegangen.

 


Ausschnitt aus der Äquidistantenkarte von Sachsen, Section Meerane, erschienen 1878. Westlich von Crimmitschau, um Rudelswalde sind jetzt etliche Steinbrüche und Kalköfen („K.O.“) verzeichnet. Auch hier markieren wir zusätzlich die Ziegeleien.

 


Ausschnitt aus der Äquidistantenkarte von Sachsen, Section Meerane, erschienen 1878. Bei Wahlen sind einige kleine Steinbrüche eingezeichnet, jedoch kein einziger Kalkofen. Stattdessen sind in der Gründerzeit eine Vielzahl von Ziegeleien entstanden, die wahrscheinlich nebenbei auch Kalk gebrannt haben.

   


Auch auf diesem 1895 gedruckten Stadtplan ist der spätere Steinbruch der Königin Marienhütte noch nicht verzeichnet.  

  


Auf der Ausgabe des Meßtischblattes von 1938 sind vorallem nördlich von Langenreinsdorf noch immer einige Kalköfen, teils aber schon als „Ehem. K.O.“ bezeichnet, eingetragen.

  


Ausgabe des Meßtischblattes von 1938. Anstelle der Dolomitsteinbrüche ist östlich der Stadt Crimmitschau  jetzt der Zöffel- Park (später auch Sahn-Park) entstanden. Wenigstens vier Ziegeleien zwischen Crimmitschau und Gablenz existierten dagegen weiter.

 

Ein Exkurs am Rande: Der ursprüngliche Namensgeber des Stadtparkes, E. O. Zöffel, war Textilunternehmer in Crimmitschau. Die Familie Zöffel stammte wahrscheinlich aus dem Westerzgebirge, wo sie im 18. Jahrhundert eine Gerberei und Lohmühle betrieb (vgl. 10036, Loc. 33530, Nr. 0092). Nach der bürgerlichen Revolution von 1848 wurde gegen einen Herrn K. A. Zöffel wegen „Aufruhrs“ vor dem Königlichen Gericht zu Waldheim verhandelt (20076, Nr. 299). Bis etwa 1890 muß der obergebirgische Familienzweig in Schneeberg ansässig, danach aber ausgestorben sein (30143, Nr. 490). In dieser Zeit wird sich E. O. Zöffel dagegen in Crimmitschau niedergelassen und dort die Tuchfabrik E. O. Zöffel OHG begründet haben.

1921 wurde daraus unter Übernahme und Fortbetrieb der bisherigen Tuchfabrik eine GmbH gebildet. Nach dem 2. Weltkrieg, Ende 1952 wurde ein Konkursverfahren, später auch ein Strafverfahren gegen die Inhaber eröffnet. 1956 erfolgte die Löschung der Firma im Handelsregister. Nachfolgebetriebe waren ab 1. Mai 1954 der VEB Tuchfabrik Crimmitschau und ab 1. Januar 1962 der VEB Volltuchwerke Crimmitschau (31199).

 

  
 
 

Abbau der Königin Marienhütte in Wahlen/Crimmitschau

  

In den oben schon erwähnten Unterlagen der Grundherrschaft Planitz (30771, Mr. 147) haben wir gelesen, daß der vorher wüst liegende ‒ also unzweifelhaft schon ältere ‒ Kalksteinbruch in Wahlen vom Grundeigentümer, dem Bauern Johann David Hofmann auf dem Viertel Lehngut zu Wahlen bereits 1802 an den Domherrn Carl Christoph von Arnim auf Planitz verkauft wurde.

Herr von Planitz kam dazu nicht selbst, sondern schickte seinen Gerichtsdirektor August Traugott Leberecht Kretzschmar auf Planitz nach Wahlen, der am 21. Januar 1802 den Kauf tätigte. Am 25. Juni 1802 wurde der Verkauf vor dem von Berbisdorf'schen Gericht auf Schweinsburg von Amtes wegen beurkundet. Nach dieser Urkunde wechselten den Besitzer damals:

  •   1½ Mezzen Buschholzboden,

  • 10½ Mezzen wüster Kalksteinbruch und

  •   8½ Mezzen Feld, ss. also 20,5 Flächeneinheiten.

Anmerkung: Die Metze ist eigentlich ein Hohlmaß und wurde vorallem als Getreidemaß verwendet. Der Rauminhalt schwankte regional erheblich und reichte von knapp 15 bis fast 28 Liter, die entweder aus dem achten oder dem sechzehnten Teil eines Scheffels bzw. Malters resultierten (wikipedia.de). Hier wird es aber offenbar als Flächenmaß verwendet und erst auf dem Umweg über Meyers Großes Konversationslexikon war herauszufinden, das hier wohl ein Metzen Aussaat gemeint war, was (in Österreich) einem Drittel Joch Landes entsprach. Das Wiener Joch (bis Ende 1875 gültig) umfaßte eine Fläche von 1.600 Quadratklaster; in heutigen Maßen sind das reichlich 57,5 Ar bzw. 0,575 ha. Legen wir davon ein Drittel zugrunde und multiplizieren dies mit den 20,5 Einheiten, resultieren folglich knapp 4 Hektar.

Für die verkaufte Fläche war ein Preis von 300 Thalern ausgehandelt, wovon 200 sofort zu zahlen waren, der Rest an St. Michael (29. September) des laufenden Jahres. Außerdem vereinbarten die Parteien, daß jährlich 12 Groschen Beitrag zu den Erbzinsen des Gutes beizusteuern und je zwei Gulden Kalkhüttenzins jeweils zu Walburga (25. Februar) und zu Michaelis (29. September) zu entrichten waren. Dafür stimmte im Gegenzug Bauer Hofmannn dem Kalkbruchbetrieb und der Kalkbrennerei ausdrücklich zu und räumte ohne weitere Entschädigung auch Wegerecht über sein Land ein.

Bei der amtlichen „Berainung (Absteckung) der verkauften Fläche am 28. September 1802 waren auch die Besitzer der angrenzenden Fluren, die Bauern

  • Johann Michael Möckel
  • Gottfried Standen und
  • Gottlieb Freunds zugegen.

Der erste Rainstein wurde vom sogenannten Höllgraben nach Morgen Mittag (Südosten) gesetzt. Seitdem war die Familie von Arnim auf Planitz im Besitz eines Kalksteinbruches in Wahlen.

   

Noch im gleichen Jahr wurde mit dem Bau eines Kalkofens und eines Wohnhauses begonnen,  was bis 1803 auch alles fertig wurde und zusammen 827 Thaler und 19 Groschen kostete. Der Brennofen war auf Kohlenfeuerung ausgelegt, denn die Familie von Arnim besaß ja in Niederplanitz bei Zwickau Kohlengruben.

Noch im Jahr 1802 wurde der nagelneue Brennofen erstmals angefeuert und die ersten zwei Ofenbrände lieferten 140 Scheffel Kalk, der für 44 Thaler verkauft wurde. Für diese zwei Brände waren  nach der Aufstellung des Bergmeisters Tittel aber Lohn-, Transport- und Brennmaterialkosten von über 363 Thalern entstanden.

Ob der Domherr mit diesem noch keineswegs wirtschaftlichen Ergebnis schon zufrieden war und wie lange die Familie von Arnim diesen Bruch und die Kalkbrennerei danach betrieben hat, wissen wir noch nicht.

  

Aktenkundig ist dann wieder, daß zwischen 1892 und 1917 auf der Wahlen'er Seite der Pleiße die Königin Marienhütte AG zu Cainsdorf ‒ im Besitz der Familie von Arnim auf Planitz ‒  Dolomit als Zuschlagstoff für die Eisenhütte abgebaut hat (40024-12, Nr. 100 und 40054, Nr. 137). Dieser Standort wird als einziges aktives Kalkwerk in der Region zu dieser Zeit auch in der Auflistung der Kalkwerke im Jahrbuch für das Bergwesen im Königreich Sachsen, in den Ausgaben 1901 bis 1917, aufgeführt.

Der Name dieser Zwickauer Eisenhütte geht auf Maria Anna von Bayern (*1805, †1877), seit 1833 zweite Gattin König Friedrich Augusts, II. von Sachsen (*1797, †1854) zurück.

Die Gründung des Werkes 1839 durch die Sächsische Eisen- Compagnie markiert in der Eisenhüttenindustrie in Sachsen einen Übergang von den einst zahlreichen kleinen, meist wasserkraftgetriebenen Hammerwerken zur modernen Eisen- und Stahlindustrie mit Koks und Steinkohle als Brennstoff. Der Standort bei Zwickau war somit ideal gewählt. Die ersten vier Hochöfen wurden 1842 angeblasen (wikipedia).

  


Ansicht der Königin Marienhütte in Zwickau-Cainsdorf, Tafelmalerei von Friedrich Wilhelm Tretau, um 1840, heute im Städtischen Museum Zwickau.

http://www.deutschefotothek.de/documents/obj/70012658

  

Die Königin Marienhütte im heutigen Zwickauer Ortsteil Cainsdorf befand sich ab 1824 im Besitz der Brüder Georg Heinrich Wolf (*1800, †1855), Friedrich Henning (*1804 †1857) und Hans Carl von Arnim (*1802 †1857) auf Planitz.

Johann Georg von Arnim (*1655, †1721) war der erste Eigentümer des Rittergutes Planitz aus der Familie der von Arnims. Im Jahr 1698 erhielt Johann Georg von Arnim einen von Kurfürst Friedrich August ausgestellten Lehnsbrief, mit dem ihm neben dem Schloß, dem Ober- und Niederdorf und dem Kirchenlehen Planitz auch die Dörfer Cainsdorf, Rotzendorf, Voigtsgrün und Wilckau sowie das Kirchenlehen zu Ebersbrunn als Lehen zugesprochen wurden.

Die Familie von Arnim engagierte sich anschließend sehr erfolgreich im Zwickauer Steinkohlenbergbau. Das Grubenfeld der Steinkohlenwerke der Familie von Arnim erstreckte sich über den alten Planitzer Kohlberg und auf das sich östlich und nördlich daran anschließende Grubenfeld. In der Zeit, während der die Familie von Arnim das Rittergut verwaltete, entwickelte sich der Steinkohlenbergbau in Planitz rasant. Zwar wurde den Planitzer Kohlenbergwerken aufgrund ihres Ertragsreichtums schon zu Lebzeiten Johann Georg von Arnims eine gewisse Bedeutung zugemessen, jedoch reichten damals noch fünf Bergleute aus, um die Kohlenförderung zu bewältigen. Als Georg Heinrich Wolf, Hans Carl und Friedrich Henning von Arnim den Planitzer Kohlberg im Jahr 1812 erbten, waren schon etwa 30 Arbeiter dort beschäftigt.

Im Jahr 1824 verweigerte Georg Heinrich Wolf von Arnim (*1800, †1855) die Zahlung dieses Kohlenzehnten. Er hatte kurz zuvor der Sächsischen Eisen- Compagnie das Eisenhüttenwerk Königin- Marienhütte abgekauft und belieferte dieses nun mit Kohlen aus seinen Schächten (vgl. u. a. 30771, Nr. 700, 10736, Nr. 17655, sowie 40024, Nr. 1-40). Strittig war daraufhin, ob nicht auch für die im eigenen Eisenhüttenwerk zu Koks verarbeiteten Kohlen Abgaben an die Kirche zu zahlen waren oder ob diese unter den Privatbedarf an Kohlen fielen, der für die Rittergutsbesitzer laut der oben genannten Stiftungsurkunde abgabenfrei war.

Die Kohlenbergwerke lagen aber nicht auf der Flur des Planitzer Rittergutes, sondern auf den Pfarrfeldern. Im Jahre 1708 wurde Johann Georg von Arnim durch das Appellationsgericht zu Dresden zwar das alleinige Recht zugesprochen, auf den Pfarrfeldern zu Planitz Kohlen abzubauen, aber er mußte im Gegenzug einen Anteil der dort abgebauten Kohlen an die Planitzer Kirche abgeben. Ursächlich dafür war eine schon zu Beginn des 16. Jahrhunderts durch die Familie von Beust initiierte Stiftung. Heinrich von Beust hatte damals entschieden, aus seinem Kohlenberg eine Stiftung zu machen und von jeder geförderten Wagenladung Kohlen einen bestimmten Teil an die Kirche abzutreten (40196).

  


Diese Lithographie einer Ansicht der Königin Marienhütte stammt aus dem Jahr 1856.
Aus: Album der Sächsischen Industrie, Band 1, Louis Oeser (Hrsg.), Neusalza 1856, Seite 17.

  

Nach dem Ende des ersten Weltkrieges waren die Steinkohlenvorräte unter den Pfarrfeldern fast gänzlich abgebaut und die veränderten gesetzlichen Rahmenbedingungen bewirkten die Übernahme der von Arnim'schen Steinkohlenwerke durch den Erzgebirgischen Steinkohlen- Aktienverein. Zu diesem Zeitpunkt war die Belegschaft der Arnim’schen Werke auf 766 Mann angewachsen. Die Stillegung der Schächte erfolgte schließlich 1925 (40190, Nr. 1-1189).

Erst ab 1877 trägt das Hüttenwerk den Namen der sächsischen Königin. O. Neubert erläutert 1894 in seiner Beschreibung des Werkes, daß der (dazumal nur noch eine) Hochofen 18 m Höhe und 5,5 m Durchmesser besäße und seit dem August 1893 nicht mehr im Gange sei, „…weil die Eisensteine aus den Gruben der Hütte nicht ergiebig genug waren, die fremden Eisensteine aber zu viel Fracht kosten und der Preis für Roheisen jetzt ein sehr niedriger ist.“

Neben Roheisen wurde auch Walz- und Schmiedestahl erzeugt. Außerdem verfügte das Werk über eine „Maschinenbauwerkstätte“, in der unter anderem Ausrüstungen für den Steinkohlenbergbau gefertigt wurden, sowie über eine „Brückenbauwerkstätte“. Dort wurden zum Beispiel die Riesaer und die Schandauer Elbbrücke konstruiert, aber auch „…Bahnsteigüberdachungen, Schachtgestänge, Bohr- und Aussichtstürme und andere Eisenkonstruktionen“ vorgefertigt. Ferner verfügte das Hüttenwerk über eine eigene Ziegelei, eine Gasanstalt, die auch Bockwa und Wilkau mit Leuchtgas versorgte, über 28 Koksöfen und insgesamt 90 Dampfmaschinen, dazu über eine eigene Werkbahn mit drei Lokomotiven, die den Transport bis zu den Gleisen der Kgl. Sächs. Staatsbahn besorgten.

1894 habe man in allen Teilbetrieben zusammengenommen etwa 1.800 Arbeiter beschäftigt (O. Neubert, 1894).

In der Ausgabe des Jahrbuches von 1901 wird im Kapitel Statistische Mittheilungen über das Hüttenwesen, Abschnitt Eisenhüttenwerke, die Königin Marienhütte zu Cainsdorf als das einzige, derzeit noch in Betrieb stehende Werk zur Erzeugung von Roheisen in Sachsen angeführt. Im Jahre 1900 habe die Hütte der Aktiengesellschaft mit 157 Arbeitern in Cainsdorf 68.065 Tonnen Erz und 14.149 Tonnen Zuschläge in einem ganzjährig in Betrieb befindlichen Hochofen verhüttet und dabei 10.351 Tonnen Roheisen, 3.068 Tonnen „Bessemer- Roheisen“ (Konverter-Stahl) und 12.251 Tonnen „Puddel- Eisen“ hergestellt.

Das sogenannte Puddel- Verfahren (aus dem Englischen: puddle… zerdrücken, anmachen, umrühren) ergibt ein Schweißeisen, bzw. einen Schweißstahl. Dabei wird das Roheisen in einem Flammenofen unter Luftzutritt umgeschmolzen, wobei der Kohlenstoff verbrennt, das Eisen immer ärmer an Kohlenstoff wird und dadurch an Schmelzbarkeit verliert. In dem zunächst noch flüssigen Roheisen bilden sich dabei teigige Massen von kohlenstoffarmem Eisen. Diese Massen werden durch die Rührer (die „Puddler“) zusammengehäuft, dadurch aneinandergeschweißt und der erhaltene Klumpen, „Luppe“ genannt, kommt sofort unter Dampfhammer oder Walzen, um die eingeschlossene Schlacke auszuschmieden (alte-technologie.de).

 


Zeichnung der Königin Marienhütte aus O. Neubert, 1894. Etwa in der Bildmitte ist der Hochofen zu sehen.

  

Bereits vor 1803 erwarb die Grundherrschaft Planitz, welche die von Arnim ja innehatten, auch ein Grundstück mit Kalksteinbruch in Wahlen und planten den Bau eines Kalkofens (30771, Nr. 147).

Nach dem ersten überlieferten Fahrbericht des Berginspektors Seemann aus dem Jahr 1900 besaß die Cainsdorfer Hütte den Wahlener Steinbruch bereits seit 1890. Mit dem Grundbesitzer Carl Ludwig Baumgärtel hatte man 1887 einen Kalkbauvertrag über ein Abbaufeld von 1 Acker zu 300 Quadratruthen oder 55,34 Ar = 5.534 m² geschlossen. Das Baufeld befand sich im späteren Stadtpark zwischen zwei anderen, zuletzt Herrn  Polster gehörigen Steinbrüchen am Nordhang eines kleinen Seitentälchens des Pleiße- Tales. Der Grundbesitzer erhielt für das Abbaurecht einen Betrag von 3.000,- Mark, der je nach Fortgang der Arbeiten in zwei Raten entsprechend einer abgebauten Fläche von je einem Scheffel Saat zu zahlen waren. Der Transport des geförderten Kalkes zum Bahnhof wurde dem Grundeigentümer zugesichert, so lange er wohlfeile Preise biete.

Im Vertrag war auch festgelegt, daß der Abbau so zu führen sei, daß der Bewirtschaftung möglichst wenig Fläche entzogen werde. Nach Beendigung des Abbaus sollten die beanspruchten Flächen baldmöglichst wieder in einen nutzbaren Zustand versetzt werden. Da die Vertragspartner hier nicht definiert haben, wie „ein nutzbarer Zustand“ denn aussehen solle, folgten daraus später einige Streitereien…

Als Betriebsleiter hatte die Königin Marienhütte den Bergbauingenieur Albin (oder Alwin) Hartung sen. aus Cainsdorf eingesetzt. Der Steiger Carl Heinrich Viertel war vorher schon Aufseher im Rother Adler Stolln in Rittersgrün. Die Arbeitszeiten sind ordnungsgemäß in einer Arbeitsordnung festgehalten (enthalten in der Akte 40024-12, Nr. 100) und entsprachen dem damals Üblichen: Im Sommer von früh 5 Uhr bis abends 7 Uhr bei zwei halbstündigen Frühstücks- und Vesperpausen und einer ganzstündigen Mittagspause – effektiv also 12 Stunden.

Insgesamt zählte Berginspektor Seemann im Jahr 1900 eine Belegschaft von 14 Arbeitern. Aufgrund der wirtschaftlichen Zusammengehörigkeit mit der Hütte waren die Arbeiter auch – anders als sonst in Steinbruchbetrieben – hier in der Thüringischen Eisen & Stahl-Berufsgenossenschaft versichert. Alle Arbeiten wurden nach Stundenlohn vergütet, wobei der Einzelne im Schnitt bei voller Arbeitszeit auf 2,30 Mark täglich kam. Auch eine beheizbare Mannschaftsstube war vorhanden.

Im Jahr 1899 habe man 2.496 m³ Rohdolomit gefördert, der sämtlich ungebrannt als Zuschlagstoff an die Hütte in Cainsdorf geliefert worden ist. Zur Geologie schreibt Seemann, daß das Lager, „soweit sich übersehen läßt, gleichbleibende Mächtigkeit von zirka 6 m besitzt und fast söhlig“ gelagert sei. Man unterscheide eine Ober- und eine Unterbank, wobei das Kalkwerk derzeit nur in der Oberbank abbaue. „Dieser Kalkstein ist von lichtbrauner Farbe und von dichter Struktur, er ist plattenförmig abgesondert und von saigeren Klüften durchsetzt…“  Im Liegenden stehe „dolomitischer Thonstein“ des Rotliegenden (wohl die unteren Letten), im Hangenden wie üblich die oberen bunten Letten und darüber „thonige Sandsteine“ des Buntsandsteins an. Die wohl überwiegend pleistozänen Kiessande auf der Hochfläche ordnete Seemann dem Oligozän zu…

In den ersten Jahren“ schreibt Seemann, also von 1890 bis 1900, sei „nur Tagebaubetrieb“ erfolgt. Mit zunehmender Abraummächtigkeit gehe man jetzt zum Tiefbau über, sei gerade aber noch mit Vorrichtung zum Abbau beschäftigt. Dazu habe man zwei söhlige Strecken von Tage herein (aus dem Tagebau heraus) bis zur Feldesgrenze und von diesen senkrecht ausgehend, im Abstand von etwa 7 m „Flügelstrecken“ vorgetrieben. Aufgrund des gebrächen Hangenden sei fast überall Firstverzimmerung erforderlich. Die Strecken hatten einen Querschnitt von etwa 3 m Höhe und 2 m Breite. Gewöhnlich erfolge der Einbruch oben und anschließend nehme man auch die Sohle nach.

Ins Moderne übersetzt: Der in Cainsdorf bei Zwickau ansässige Hüttenbetrieb brachte gewissermaßen aus dem „eigenen Revier“ vom Steinkohlenbergbau viele Erfahrungen mit und führte hier einen recht systematischen Kammerpfeilerbau durch. Der Sohn von A. Hartung war selbst konzessionierter Markscheider und zeichnete die Grubenrisse, von denen einer erhalten geblieben ist (als Aktenbeilage in 40054, Nr. 137).

Der Abbau erfolgte durch Bohr- und Schießarbeit. Sprenglöcher wurden 0,75 m tief gebohrt und mit Dynamit besetzt, das man von  Facius aus Lugau bezog. Da man auf städtischem Grund abbaute, erteilte hier der Stadtrat die Genehmigungen zur Sprengmittellagerung, wofür das Werk 1900 einen „Pulverthurm“ besaß. Das gelöste Gestein wurde von Hand (mit der Schaufel) in die ½ m³ fassenden Förderwagen verladen, in diesen „zutage gestoßen“ und anschließend mittels Hängeseilbahn direkt bis zum Bahnhof befördert. Einer Wasserhaltung bedurfte es nicht, da zulaufendes Tropfwasser über die Tagesstrecken ablaufen oder im porösen Liegenden versickern konnte.

Diese Hängeseilbahn war schon sehr modern: Die Verladekästen der Loren wurden einfach vom Untergestell gelöst und eingehängt. Die Seilbahn war wie ein Bremsberg gebaut, wobei der volle Ladekasten immer den unten ausgeleerten wieder mit nach oben zog. Die Entladung am Bahnhof erfolgte selbsttätig in einen Silo, den sogenannten „Füllrumpf“; und von dort direkt weiter in die Eisenbahnwagen. Die entleerten Kästen wurden oben wieder auf die Untergestelle gesetzt und zum Beladen auf´s Neue in den Steinbruch geschoben… Der Förderweg der Seilbahn war bei einem Gefälle von 21 m bis zum Bahnhof im Pleiße-Tal zirka 160 m lang und erlaubte es, bis zu 40 Wagen pro Stunde zum Bahnhof zu befördern – bei 0,5 m³ Inhalt also etwa 20 m³ pro Stunde. Die Anlage arbeitete bis zur Einstellung des Bergbaubetriebes weitgehend fehlerfrei.

Von dem vertraglich gebundenen Baufeld von 300 Quadratruthen Fläche hatte man bis 1900 etwa 210 Quadratruthen abgebaut oder für die Betriebsanlagen in Anspruch genommen.

  

Der untertägige Abbau kam jedoch nicht so richtig in die Gänge und noch zwei Jahre später notierte Berginspektor Seemann, daß der „unterirdische Betrieb ruhe“.

Erst 1903 „befuhr man mit Steiger Viertel die gangbaren Grubenbaue.“ Dabei fand der inzwischen zuständige Berginspektor Roch6 Arbeiter an 4 Streckenörtern und in 1 Abbau je nach Bedarf während eines Theils ihrer Schicht beschäftigt, die übrige Zeit wurde zum Verfüllen des Tagebaus im Osten des Grubenfeldes verwendet.“ Ab 1903 war außerdem Obersteiger Haugk als Schichtmeister auf der Grube angestellt.

Die Gewerbeaufsicht der Stadt hatte 1903 bei einer Kontrolle festgestellt, daß über die vereinbarte Arbeitszeit hinaus gearbeitet werde. Haugk konnte gegenüber der Berginspektion aber schlüssig erklären, daß die Überstunden nur „bei sich einstellender Bedarfserhöhung“ geleistet werden, um umgekehrt in schlechteren Zeiten keine Arbeiter entlassen zu müssen; zumal auch kein Platz vorhanden sei, um geförderte Massen „auf Vorrat zu stürzen“.

Die Tagesstrecken der Grube setzten jeweils in den beiden Tagebauen an und waren von Ost nach West mit „Stolln I“ bis „Stolln III“ bezeichnet. Der Abbau wurde praktisch nur – wie oben von Seemann beschrieben – als Örterbau geführt. Inzwischen hatte man auch noch einen vierten Stollen begonnen, in dem – da er nämlich auf eine breite Erosionsrinne im Dolomitlager traf und von dort aus kein Abbau erfolgte – später das Sprengstofflager eingerichtet wurde. Die Stollnmundlöcher der Stollen III und IV waren mittels eines kurzen Durchiebs bei Stolln II – dem „Tunnel“ – mit dem Haspelberg von Stolln I und mit der Hängeseilbahn verbunden.

1904 zeigte man der Bergbehörde an, daß man die Betriebsweise verändern wolle, weil „sich in neuerer Zeit in der Oberbank viele Einlagerungen gezeigt hätten“. Diese Auswaschungen machten das Anstehende wertlos und deshalb wolle man den Abbau in die Unterbank verlagern und die Sohle der Abbaustrecken bis auf das Liegende nachstrossen.

Eine Beschreibung dieses Vorgehens fanden wir einige Zeit später im Fahrjournal von 1915, wo es heißt: „Der Betrieb wird auf dem 7 m bis 8 m mächtigen Lager so geführt, daß man in etwa 5 m Abstand voneinander parallele, weite Strecken treibt, die dann wieder in je 5 m Entfernung voneinander durch senkrecht darauf stehende Strecken verbunden werden. In letzteren wird dann die Sohle bis zum Liegenden des Lagers noch um 2 m nachgenommen. Das Dach von ungefähr 3 m Mächtigkeit bleibt, um Tagesbrüche zu vermeiden, stehen.“

Aufgrund dieses Vorgehens kam es in der Folgezeit auch zu Standwasseransammlungen in der Grube. Die Beschreibung sagt uns nebenbei auch, daß man die Pfeilerstärke gegenüber der Beschreibung Seemann’s aus dem Jahr 1900 von 7 m auf 5 m Breite reduziert hatte…

 


Skizze in der Akte 40024-12, Nr. 100 zur Lage der Grubenbau der Königin Marienhütte in Wahlen/Crimmitschau, etwa aus dem Zeitraum 1904/1905, Norden ist links. Der begonnene, recht regelmäßige Kammerpfeilerbau ist gut erkennbar. Nach Nordwesten begrenzte eine „Auswaschung im Dolomitlager“ das Baufeld
. Aus dieser Skizze geht die Bezeichnung der Stollen als „Stolln I“ bis „Stolln IV“ von Süden nach Norden hervor.

 


Ein Grund und Saigerriß der Kalksteingrube Wahlen bei Crimmitschau, nachgebracht bis 1909. Wir haben die Bezeichnung der vier Stollen aus d
er Skizze oben übertragen. Ein recht regelmäßiger Kammerpfeilerbau in den bauwürdigen Bereichen ist gut zu erkennen. Nordöstlich der „Auswaschung“ wird der Abbau bereits fortgesetzt. Bildquelle: Sächsisches Staatsarchiv, Bergarchiv Freiberg, Bestand 40054 (Bergbehörde Zwickau), Nr. 137: Kalksteinbruch der Königin Marienhütte in Wahlen bei Crimmitschau (Aktenbeilage), Gesamtansicht, Norden ist links.

 


Die Kammerpfeilerbaue aus dieser Zeit waren „netzartig“ angelegt.
  


    Die Pfeiler zwischen den Abbauen erscheinen recht ausgedünnt...
 


In diesem Abschnitt hat man nirgends ins Hangende durchgeschlagen, die roten, lehmigen Massen scheinen Abraum aus späterer Zeit zu sein, den man hier untertage verkippt hat.
   


   Noch eines von den „Pfeilerchen“...
 


Das Streckenprofil liegt kaum bei einer lichten Weite über 2 m x 3 m.
  


Bei manchen Abbauen scheint die rote Masse auch aus der Firste zu kommen. Hier bestanden bestimmt Tagesbrüche, die man mit den bunten Letten aus dem Hangenden verfüllt hat.
   


Die Massehaufen markieren die von der Hauptstrecke abgehenden Querschläge zwischen den Pfeilern.
   


Hier ist Schluß...
    


Der Dolomit erscheint eher massig, als bankig.
   


Lokal gibt es auch Auslaugungsklüfte, die sich mit Letten aus dem Hangenden wieder gefüllt haben.

  

Im Jahr 1905 wurde erstmals ein Tagesbruch über dem Baufeld – etwa 2 m neben einem Feldweg – festgestellt. Inzwischen hatte der Kantor Henßge (oder Henssge) aus Crimmitschau die Grundstücke von Baumgärtel erworben, dabei auch den Abbauvertrag übernommen und klagte nun bei der Bergbehörde auf Wiederherstellung der Nutzbarkeit der Fläche. Bei der Befahrung wurde festgestellt, daß ein Abbau auf der Tagesstrecke II (dem Stolln II) verbrochen war und dessen vollständige Verfüllung mit Abraum angeordnet.

Im Jahr 1906 wird dann festgehalten, daß im Vorjahr „der Betrieb etwas lebhafter“ umgegangen sei, da das König Albert Werk der Maximilian Hütte in Lichtenstein größere Mengen Kalk bestellt habe. Wie Haugk der Berginspektion mitteilte, versuchte sich dieselbe 1906 mit mehreren kleinen Schurfschächten in unmittelbarer Nachbarschaft selbst an der Erkundung und Aufsuchung von bauwürdigen Dolomitlagern, stellte diese Versuche mangels Erfolg aber noch im selben Jahr wieder ein.

Mit nach wie vor 11 Arbeitern ist die Beschäftigtenzahl gegenüber der ersten Befahrung 1900 nahezu konstant geblieben. Jedoch kam es in diesem Jahr offenbar zu einer dreieinhalbwöchigen Arbeitsniederlegung, in deren Folge der Stundenlohn um drei Pfennige aufgebessert wurde.

Außerdem begann nun, wohl nach dem Ableben des Kantors Henssge, ein gerichtlicher Streit mit der Frau Henssge um die Feldesgrenzen und angeblich festgestellte Bodensenkungen. In diesem Zusammenhang hält die Bergbehörde 1910 fest, daß „ein neues Bruchfeld nicht in Frage“ käme, da „keine Weitungsbaue hergestellt werden. Da die Oberfläche sich nicht im Besitz der Königin Marienhütte befindet, erfolgt der Abbau, um die Tagesoberfläche zu schützen, nur durch das Auffahren von Strecken.“ Dadurch sei zugleich aber auch festzustellen: „Schätzungsweise wird sich der gewonnene nur auf 30 bis 40% des anstehenden Kalksteins belaufen.“

Darüber hinaus kam es 1906 auch noch zu einem Verbruch im Stolln I. Dieser wurde daraufhin abgeworfen und ein neuer, etwa 13 m langer Haspelberg aus dem Tagebau heraus eingerichtet. Alles in allem kein gutes Jahr…

In den Jahren 1907 und 1908 fand die Berginspektion dann aber „zu Ausstellungen keinen Anlaß“. Durch den gesicherten Absatz hielt sich auch in den Folgejahren die Beschäftigtenzahl ziemlich konstant zwischen 10 und 12 Arbeitern.

Den Jahrbüchern ist zu entnehmen, daß A. Hartung nach wie vor als Betriebsleiter – de facto auf allen unterirdischen Gruben im Besitz der Aktiengesellschaft – tätig gewesen ist. Er war z. B. auch für das Eisenerzbergwerk in  Pöhla zuständig. Als Vertreter des Besitzers werden 1907 die Herren A. Finke, Generaldirektor in Bockwa, sowie H. Halfter, kaufmännischer Direktor in Cainsdorf in den Jahrbüchern angeführt. Im Jahr 1912 ist A. Hartung verstorben. Die Stelle des Betriebsleiters übernahm daraufhin kommissarisch der Obersteiger Haugk.

Am Beginn des 1. Weltkrieges notierte die Berginspektion in ihrem Fahrbericht von 1915, daß die Belegschaft immer noch bei 9 Mann läge. Im Folgejahr 1916 teilte man der Bergbehörde jedoch mit, daß man den Tiefbau beenden und wieder zum Tagebau übergehen wolle, denn „die …Untersuchung stellte heraus, daß der im Abbau befindliche Dolomit kein fester, krystallinisch- körniger ist, sondern ein mürber solcher… Über den Bauen steht meist ein Dach von 3 m starkem Kalkstein an, das stellenweise jedoch gänzlich fehlt, weil das überlagernde Gebirge (An dieser Stelle ist jetzt von Alaunschiefer und dolomitischem Sandstein die Rede – jedenfalls nichts Standfestes.), in den Kalk hineinragt und faule Lagen bildet, deren Beschaffenheit eine sehr brüchige ist…“ Die Bergbehörde empfahl, lieber „in östlicher Richtung Feld zu erwerben und in diesem dann wegen der schwächeren Überdeckung …Tagebau zu treiben, wo das Lager nur 5 m bis 8 m unter der Rasensohle liegt…“

Dazu ist es aber nicht mehr gekommen, denn die Königin Marienhütte stellte ihren Betrieb in den Kriegsjahren ganz ein. Danach wurde die Hütte in Cainsdorf an die Sächsische Gußstahlfabrik in Döhlen verkauft. Da die wenig Interesse an der Belebung der Konkurrenz hatte und somit der Absatz für den Dolomit einbrach, teilte man schließlich der Bergbehörde am 20. November 1916 mit, daß man den Betrieb des Wahlen‘er Kalksteinbruches eingestellt habe. Auch in den Jahrbüchern für das Bergwesen im Königreich Sachsen wird 1917 festgehalten, daß der Betrieb „im Oktober 1916 endgültig eingestellt“ worden sei.

Die Behörde verfügte noch die Einebnung des westlichen Tagebaus vor dem Stolln III und das Verfüllen der anderen Zugänge, nachdem der Grubenriß nachgebracht sei. Am 7. August 1817 wurde die Kalksteingrube aus der Bergaufsicht entlassen.  

In den Bildbeschreibungen zu zwei Fotografien vom Ende der 1920er Jahre vermerkt der Fotograf Max Nowak einen Herrn Polster als Besitzer eines Kalkbruchs östlich von Crimmitschau, also auf der Wahlen'er Seite der Pleiße (siehe unten).

Bezüglich dieses Herrn Polster wird von der Berginspektion anläßlich einer Befahrung des Kalksteinbruches der  Königin Marienhütte in Wahlen 1906 erwähnt, daß er in diesem Jahr „einen der bergbehördlichen Aufsicht nicht unterstehenden Tagebau“, etwa 100 m nordwestlich des Wahlen‘er Bruches der Königin Marienhütte gelegen, begonnen habe. Ein zweiter, ungefähr 60 m nordwestlich des letzteren gelegener, älterer Steinbruch befände sich ebenfalls in Polster’s Besitz, sei jedoch außer Betrieb.

 

Da uns dieser Bildautor bei unseren Recherchen noch öfter begegnet ist, seien hier einige biographische Angaben aus der Deutschen Fotothek zu seiner Person wiedergegeben: Max Franz P. Nowak wurde am 21. Mai 1881 in Liegnitz im damaligen Schlesien geboren. Nach einer Steindruckerlehre in Dresden arbeitete er in diesem Beruf bei der Firma Meinhold und Söhne.

Das Fotografieren war zunächst nur ein Hobby, das er, vom Erfolg seiner Aufnahmen ermutigt (schon vor dem Ersten Weltkrieg wurden einige Motive bei der Postkartenherstellung verwendet) schließlich zu seinem Beruf machte. 1920 erschienen erstmals in den „Mitteilungen des Landesvereins Sächsischer Heimatschutz“ Fotografien unter seinem Namen. Im Jahre 1925 wurde er beim Verein als hauptamtlicher Fotograf angestellt. Rund 180 der berühmten grünen Hefte enthalten seine Fotografien – bis die Reihe 1941 kriegsbedingt eingestellt werden mußte.

Nach 1945 wirkte er als freischaffender Lichtbildner, zudem hielt er Lichtbildervorträge, für die er die 13x18-Glasplatten handkolorierte und auf 6x6 umkopierte. Bemerkenswert sind die Aufnahmen für Paul Wagners Buch „Erdgeschichtliche Natururkunden aus dem Sachsenlande“ von 1930.

Max Nowak wohnte zunächst in Dresden-Tolkewitz, später zog er nach Dresden-Strehlen. Am 25. November 1956 ist Max Nowak hier gestorben.

Größere Teile seines Bildarchives sind heute in der Deutschen Fotothek öffentlich zugänglich, weitere befinden sich noch im Familienbesitz.

  


Crimmitschau, Plattendolomit und obere bunte Letten in Polster’s Steinbruch östlich der Stadt, also vermutlich in Wahlen. Foto: M. Nowak um 1928.

http://www.deutschefotothek.de/documents/obj/70004773

  


Crimmitschau, Letten in Polster’s Steinbruch östlich der Stadt, Foto: M. Nowak um 1928.

http://www.deutschefotothek.de/documents/obj/70004774

  


Neben der Kalkerzeugung bestanden zahlreiche Ziegeleien bei Crimmitschau. Hier ein Foto des Aufschlusses von pleistozänem Lößlehm über tertiären (oligozänen) Sanden in einer Ziegelei- Grube bei Crimmitschau,
Aufnahme: Max Nowak, vor 1930.

http://www.deutschefotothek.de/documents/obj/70024591

  

  
 
 

Abbau in Crotenlaide/Meerane

  

In Crotenlaide bei Meerane wurde der Dolomitabbau in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts von der Firma Dampfziegelei und Kalkbrennerei Bachmann & Söhne Kommanditgesellschaft fortgeführt. Wie auch in Geithain wurde in der Neuzeit der Kalkabbau mit der Gewinnung von Ziegeleirohstoffen kombiniert, um die Förderung wirtschaftlicher gestalten zu können.

Dieses Unternehmen existierte bis hinein in die 1940er Jahre (11384, Nr. 3265). In den Jahrbuchausgaben ist die Firma nie als Bergbaubetrieb aufgeführt, jedoch besagen die Unterlagen des Landesbergamtes Freiberg (40024-12, Nr. 10, sowie 40027, Nr. 1161), daß ein untertägiger Dolomitabbau im Zeitraum nach 1938 zumindest schon vorgesehen war.

Am 28. März 1938 nämlich, so hält das Landesbergamt fest, habe die Ziegelei und Kalkbrennerei Bachmann & Söhne dem Bergamt angezeigt, daß sie beabsichtige, den früher im Tagebau gebrochenen Dolomit nun unterirdisch abbauen zu wollen, weil über dem nur 5 m mächtigen Kalksteinlager nun schon 15 m mächtiger Abraum anstehe. Man schränkte jedoch gleich ein, daß dieser Beschluß keineswegs endgültig sei und man sich zunächst durch den früheren Betriebsleiter des Kalkwerks in Herold, Neubauer, beraten lassen wolle. Anläßlich eines Vorortbesuches hielt die Behörde am 16. Juli des Jahres lakonisch fest, daß der Betrieb des Steinbruches zur Zeit ruhe.

Im Folgejahr findet sich noch eine Mitteilung an das Oberbergamt in Freiberg, daß der Dolomitabbau durch die Firma Bachmann & Söhne noch nicht wieder aufgenommen worden sei. Viel mehr war bislang anhand der Akten des Staatsarchives zum Dolomitabbau vor dem 2. Weltkrieg in Meerane noch nicht herauszubekommen…

 


Ausschnitt aus der Äquidistantenkarte von Sachsen, Section Meerane, erschienen 1878. Anstelle der früheren Kalkwerkstandorte sind auch hier jetzt oft Ziegeleien entstanden, ein „KO.“ bei Crotenlaide ist aber noch verzeichnet.

 


Auf dem Meßtischblatt von 1938 ist dagegen nur noch eine Ziegelei zwischen Meerane und Crotenlaide zu finden – wohl das Bachmann’sche Unternehmen.

 


Steinbruch in Crotenlaide nordwestlich Meerane (ehem. Bachmann‘s Kalkbruch). Gehängelehm und Flußkiese über roten Letten, schiefrigem Kalk und Plattendolomit, Foto: M. Nowak, vor 1930.

http://www.deutschefotothek.de/documents/obj/72032298

 


Meerane-Crotenlaide. Bachmann‘sche Ziegeleigrube. „Geologische Orgel“ (mit diesem bildhaften Begriff wurden Auslaugungstrichter im Plattendolomit bezeichnet) in den oberen Letten des Zechsteins und den obligozänen Tonen und Kiesen; darüber ungestörtes Pleistozän, Foto: M. Nowak, 1928.

http://www.deutschefotothek.de/documents/obj/72032595

 


Meerane-Crotenlaide. Bachmann'sche Ziegeleigrube. Lager von bunten Letten (Zechstein) unter Schichten von Kies und Ton (Oligozän), dunklen eisenschüssigen Kiesen (Altpleistozän) und Löß, Foto: M. Nowak, um 1928

http://www.deutschefotothek.de/documents/obj/72032594

  

  
 
 

Abbau in jüngerer Zeit

  

Nach dem 2. Weltkrieg wurde der VEB Dolomit-Kalkwerk Meerane im Verband Kommunaler Wirtschaftsunternehmen (KWU) gebildet. Bis 1965 gab es offenbar eine Zusammenarbeit mit anderen gleichartigen, örtlichen volkseigenen Betrieben, insbesondere mit dem VEB (B) Vereinigte Obererzgebirgische Kalkwerke. Wie genau diese Zusammenarbeit organisiert war, geht aus den uns bisher zugänglich gewordenen Unterlagen nicht klar hervor. In einer Akte der Bergbehörde Zwickau zum VEB Vereinigte Obererzgebirgische Kalkwerke (40072, Nr. 770) fanden wir aber einen Fahrbericht zum Kalkwerk Meerane vom 7. August 1951. Die Behörde beanstandete darin u. a., daß „der neu hergestellte und nach dem alten Kalkbruch führende Fluchtweg besser fahrbar“ zu machen sei, außerdem ist „der innerhalb der an sich vorschriftsmäßig abgesperrten Bruchfeldes Anfang August des Jahres entstandene, größere Tagesbruch ...noch besonders abzusperren und seine Ränder... nachzunehmen“ und die Staubbelastung für den Bediener der Kugelmühle sei zu groß. Am 9. Mai 1952 vermeldete der Betrieb in Meerane der Bergbehörde dann die Beseitigung der beanstandeten Mängel. Wegen Beschaffungsproblemen sei zwar die Entstaubungsanlage an der „Staubverladung der Kugelmühle“ noch nicht eingebaut, immerhin aber sei „der Kugelmüller durch Einbau eines Förderbandes der Staubentwicklung nicht mehr ausgesetzt.“ Ob diese Akten nur zufällig versehentlich in den Ordner der Behörde über den anderen Betrieb gelangt sind, wissen wir nicht.

Im Jahr 1965 wurden in Meerane von 39 Arbeitskräften, davon 22 „in direkter Produktion“ noch 29.600 t Rohdolomit gefördert und daraus 8.900 t Branntkalk, 8.200 t Stückkalk für die Stahlwerke, sowie Split erzeugt. Der Planentwurf für 1966 sah noch eine Förderung von 21.600 t Dolomit und eine Produktion von 2.200 t Branntkalk vor. Zirka 4.500 t zu feinkörniges Material (der sogenannte „Split“) wären jedoch nicht absetzbar und müßten aufgehaldet werden. Der VEB Vereinigte Kalkwerke rechnete daher mit einem „planmäßigen Verlust“ von bis zu 439.000,- Mark im Jahr 1966 und beantragte folgerichtig die Stillegung des Abbaus. Da damit jedoch auch Lieferverträge erloschen wären, wurde über die Stillegung vor dem Chemnitzer Landgericht verhandelt (40137-1, Nr. 47).

In der Folge wurden 1967 die noch vorhandenen Dolomitvorräte im sogenannten Südfeld – an der Grenze zum früher Bachmann’schen Tagebau – anhand einer Bohrerkundung durch BUS Welzow bei einer mittleren Dolomitmächtigkeit von 3,8 m im erkundeten Bereich noch auf 175.000 Tonnen berechnet. Das Gutachten dazu wies aber bereits darauf hin, daß an der Basis und nach Osten Übergänge zu sandiger Fazies mit dolomitischem Bindemittel bestehen, die als Zuschlagstoff für die Hüttenwerke unbrauchbar seien. Außerdem seien aufgrund von Karsterscheinungen die Abbauverluste mit rund 40% recht hoch, so daß die tatsächlichen Vorräte bestenfalls bei 105.000 Tonnen lägen. Ein wichtiger Kostenfaktor sei ferner der erforderliche Sicherungsausbau, der mittels Holz-Türstöcken hergestellt wurde. Der Holzbedarf dafür läge mit 0,01 Festmeter pro Tonne Dolomit vergleichsweise hoch (40137-1, Nr. 47).

Trotzdem hatte im November 1965 das damalige Bergbau- und Hüttenkombinat Maxhütte Unterwellenborn den Grubenbetrieb übernommen und begann 1968 mit den Aus- und Vorrichtungsbauen für das Südfeld. Zugleich kam es aber 1969 auch schon zu ersten Tagesbrüchen, was Verhandlungen über Flächenaustausch und Nutzungsausfall- Entschädigung an die betroffene LPG „Vorwärts“ Schönberg nach sich zog. Aus ursprünglich 0,8 ha wurden dabei schließlich 2,36 ha und eine Zahlung von 316.000,- Mark… (40137-1, Nr. 47)  

Der letzte Planentwurf der Maxhütte für 1971/1972 sah mit 37 Arbeitskräften noch einmal eine Förderung von 6.900 t Rohdolomit vor. Davon waren aber nur 2.350 t stückiges Material, das direkt an die Maxhütte geliefert werden konnte. Aus den kleineren Körnungen sollten 700 t Branntkalk und 1.750 t Split erzeugt werden. Der Abbau durch die Maxhütte wurde am 31. März 1971 eingestellt (40137-1, Nr. 47)

Ein weiterer Abbau in Meerane, ab 1977 als Zweigbetrieb des VEB Nickelhütte St. Egidien, wurde wohl noch eine Zeitlang versucht, da man auch dort den Dolomit als Zuschlagstoff für die Verhüttung benötigte (40137, Nr. I212 bis I214).

  


Abbaugrundriß der Dolomitgrube Meerane, Blatt 2. Bildquelle: Sächsisches Staatsarchiv, Bergarchiv Freiberg, Bestand 40137-2 (Risse des VEB Nickelhütte St Egidien), Nr. I214, angelegt 1949, nachgebracht bis 1960, Gesamtansicht, Norden oben. Das nördlich anschließende Blatt 1 des Rißwerks konnten wir noch nicht finden. Die dunkelgrün strichpunktierte Linie ist die Gemarkungsgrenze zwischen Meerane (südlich) und Crotenlaide (nördlich). Die systematische Abbauführung und ein regelmäßiger Kammerpfeilerbau sind gut zu erkennen; leider sind die Auffahrungen nicht mit Jahreszahlen bezeichnet.

 


Ausschnitt aus obigem Riß mit dem Standort der Übertageablagen. Aus dem früheren Bachmann'schen Tagebau heraus führte offenbar eine Rampe zur Brecheranlage. Der Standort des Brennofens ist leider nicht explizit  verzeichnet.

 


Ausschnitt aus der Topographischen Karte der DDR, Ausgabe für den Staat, 1988. Zwar wurde Schlägel und Eisen schon umgedreht (rot markiert), das ehemalige Bergbaugebiet östlich von Crotenlaide ist jedoch durch die vertikale Schraffur noch gekennzeichnet. Zu dieser Zeit war es noch waldfrei.

 

Da nun aber die Versorgung der Stahlwerke der Maxhütte mit Zuschlägen trotzdem irgendwie gesichert werden mußte, entsann man sich auch noch einmal der Vorkommen in Crimmitschau. Am 30. März 1973 wurde die Entscheidung über die Wiederaufnahme des Abbaus nördlich und östlich des früheren Baufeldes der Königin Marienhütte in Wahlen getroffen, nachdem großtechnische Versuche mit Crimmitschauer Dolomit in den Jahren 1971/1972 dessen Eignung für die Maxhütte bestätigt hatten. Insbesondere verbessere sich die Haltbarkeit der Böden und Wandungen der Konverter-Öfen (40137-1, Nr. 50).

Um das nötige Material für diese Versuche zu gewinnen, hatte man schon 1971 bis 1972 zirka 640 m Strecken – „bis zum Polster’schen Bruch“ – neu aufgefahren und dabei 14.442 t Rohdolmit gewonnen. Die berechneten Bilanzvorräte lagen bei insgesamt 16,8 Millionen Tonnen Dolomit, woraus sich bei einer vorgesehenen jährlichen Förderung von 40.000 t eine Betriebszeit von 47 Jahren ergeben hätte… Tatsächlich erfolgte am 18. Juni 1973 die Wiederaufnahme des Bergbaus. Für 1973 war mit 35 Arbeitskräften, davon 21 Hauer, eigentlich eine Förderung von 18.000 t Dolomit vorgesehen – tatsächlich wurden aber nur noch etwa 2.000 t „ofenfähiges Gestein“ zutage gebracht (40137-1, Nr. 50).

Von der „Flügelstrecke 1/2“ aus, welche die (neuen) Stollen 1, 2 und 3 in nordwestlicher Richtung verbindet, hatte man die Querschläge 1 und 2 aufgefahren, zwischen denen ein Feld von etwa einem halben Hektar Fläche im Kammerpfeilerbau abgebaut wurde. Dazu kamen alles in allem weitere neun Kammern zwischen den Querschlägen 2 und 3 sowie zwischen den Querschlägen 3 und 4. Im Ostteil ist es gar nicht mehr zu einem Abbau aus den Vorrichtungsstrecken 2/2 und 3/2 heraus gekommen.

Auch hier begrenzten wirtschaftliche Faktoren den Abbau. Nach dem Versuchsabbau 1971/1972 war der Abbau zunächst gestundet und schon ein Jahr später stellte man fest, daß der Holzausbau stockt. Folgerichtig kam es zu Verbrüchen im Stollen 1, der zudem teilweise den Altbergbau der Königin Marienhütte durchfuhr.

Mangels Verarbeitungskapazitäten in Crimmitschau war vorgesehen, den Rohdolomit per LKW zur vorhandenen Brech- und Siebanlage in Meerane zu transportieren, von dort sollte das klassierte Material zu den Wünschendorfer Dolomitwerken gebracht, dort zu Sinterdolomit verarbeitet und anschließend weiter zur Maxhütte gefahren werden (40137-1, Nr. 50). So etwas gab´s nur in der DDR und konnte natürlich nicht funktionieren…

  


Abbaugrundriß der Dolomitgrube Crimmitschau. Bildquelle: Sächsisches Staatsarchiv, Bergarchiv Freiberg, Bestand 40137-2 (Risse des VEB Nickelhütte St Egidien), Nr. K209, dat. 1975, Gesamtansicht, Norden oben.

 


Ausschnittsvergößerung aus obigem Riß. Im Süden ist das alte Baufeld der Königin Marien-Hütte zu sehen. Der neue Stolln 1 (unten) überfuhr diesen Altbergbau. Die recht systematische Aus- und Vorrichtung ist gut zu erkennen, auch der quasi abgebrochene Abbau. Nach Osten wurde das Bergwerksfeld übrigens durch ein Bergbauschutzgebiet für den Abbau von Ziegeleilehm begrenzt.

  


Wenn wir uns diese Auffahrungen genauer anschauen und mit dem älteren Riß von 1909 oben vergleichen, stellen wir fest, daß sich der Abbau durch die Königin Marien-Hütte in seiner letzten Betriebsperiode nordöstlich hinter der „Auswaschungszone“ noch deutlich weiter ausgedehnt hat.

  


Man muß den alten Riß in die richtige Richtung drehen, aber dann bekommt man die beiden Karten schon mal ganz gut übereinandergelegt... Rot der Vermessungsstand von 1909.

 

Über den Termin der Stillegung gibt diese Akte keine Auskunft, die vorhandenen Risse weisen jedoch aus, daß die drei neu aufgefahrenen Stollen durch Abmauerung und Zubruchschießen – wo sie nicht schon verbrochen waren – verwahrt wurden (40137-2, Nr. I29, I209 und I210). Die markscheiderische Endaufnahme der Dolomitgrube ist auf den Stand 1985 datiert (40137-2, Nr. H215).

Schon 1971 zog man das Fazit, daß sich „…der verlorene Investitionsaufwand für Crimmitschau auf zirka 2,6 Millionen Mark beläuft. Darüber hinaus können im Jahr 1971 noch weitere Regreßforderungen auftreten…“ (40137-1, Nr. 47). Das war selbst für DDR-Verhältnisse unwirtschaftlich.

  


Ausschnitt aus der Topographischen Karte der DDR, Ausgabe für den Staat, 1988. Vom früheren Dolomitabbau zeugen keinerlei Eintragungen mehr. Das letzte Baufeld war noch waldfrei. Östlich wird noch heute Lehm für die Ziegelherstellung abgebaut.

 

 
 
 

Erhaltene Zeugnisse

  

Weil das bisher überall recht gut funktioniert hat, orientieren wir uns auch hier zuerst anhand der ALS-Daten des Geoportals über mögliche Zeugnisse des einstigen Abbaus und beginnen in Meerane.

  


Eine Darstellung mit Hinterlegung der Hohlraumverdachtsflächen für das Stadtgebiet von Meerane mit Crotenlaide im Norden. Der Untergrund des historischen Stadtkerns von Meerane ist auch durch eine Anzahl von Berg- und Tiefkellern gekennzeichnet. Die Fläche östlich von Crotenlaide müssen wir uns noch mal genauer anschauen…

 


…denn das sieht doch aus, wie ein Pingenfeld über früherem Pfeilerbruchbau. Bei den geringen Lager- Mächtigkeiten und seiner Überdeckung mit Lockersedimenten ist das untertägige Abbaufeld des ehemaligen VEB Dolomit-Kalkwerk offensichtlich trotz des angewandten Kammerpfeilerbau- Verfahrens heute durch etliche Einbruchtrichter im Gelände markiert.

 


Mit Hilfe der orange eingetragenen Gemarkungsgrenze und der wenigen, im Riß verzeichneten Gebäude gelingt es, den Riß von 1960 mit gewisser Genauigkeit in die heutige Topographie einzupassen. Dabei stellt man erwartungsgemäß fest, daß sich das Pingenfeld weitgehend mit de
r durch den untertägigen Abbau beeinflußten Fläche deckt. Nur im Südosten finden sich außerhalb der bis 1960 im Sohlengrundriß dargestellten Abbaufläche weitere kleine Pingen.

 

In der Fotothek haben wir noch ein einziges Foto gefunden, das den mittelhohen Schachtofen des Kalkwerks in Meerane zeigt. Das weckt nun unsere Neugier und wir wollen selber mal schauen, was noch zu finden ist...

  


Meerane, Crotenlaider Straße, Rest eines Kalkofens, Foto: S. Fillinger, 1993

http://www.deutschefotothek.de/documents/obj/70024724

  


In der Crotenlaider Straße in Meerane angekommen, suchen wir uns einen Parkplatz am Gondelteich unterhalb des Schillerparks und finden zunächst eine Hinweistafel auf den Naturlehrpfad im Schiller-Park. Die verrät uns, daß sich hier der Gornzigbach in den Talhang eingeschnitten hat.

 


Wir folgen heute aber anderen Spuren und finden ein paar Schritte weiter diesen Hund an der Einfahrt zum früheren Kalkwerk.

 


Der Hunt ist mit typischen Brocken des Plattendolomits noch gut gefüllt.

 


Ein paar Gebäude stehen auch noch, freilich in ziemlich verkommenem Zustand.

 


Hier saß früher bestimmt der Pförtner.

 


Dahinter kommt man aber nicht weiter, denn das Gelände wird heute als Zwischenlager für Bauabfälle genutzt.

 


Die ungefähr 550 m in NW-SO-Richtung messende Bergschadensfläche oberhalb wird auf der Tafel am Eingang zum Schiller-Park als Dolomitgebiet“ bezeichnet und ist - wie uns Google Earth verrät - heute fast geschlossen bewaldet.

 


Wir laufen einmal den Posernweg bergauf. Dort findet man am Waldrand diese Einzäunung...

 


...aus hunderten alter Bahnschwellen.

  


An deren Rand spazieren wir mal ein Stück über die Wiese und werfen einen Blick von oben auf den Einschnitt im Talhang, wo früher das Kalkwerk stand.

 


Auch von hier aus stellt man aber fest, daß vom einstigen Kalkwerk heute leider nur noch Bauschutt übriggeblieben ist.

 


Deshalb schauen wir oben am Waldrand weiter nach und finden diesen Einschnitt...

 


...mit einer ziemlich ordentlichen Pinge am Ende. Vermutlich eines der Stollenmundlöcher, das man nach der Stillegung zubruchgeschossen hat.

 


Ein paar Schritte weiter nördlich führt ein nur noch wenig benutzter Wirtschaftsweg in das ehemalige Tagebaugelände.

 


An dieser Klippe steht im Hangenden gelbbrauner Löß
und darunter die rötlichen oberen Letten an. Die Bruchwand scheint uns aber nicht mehr sonderlich vertrauenerweckend. Vom Dolomit ist nichts zu sehen und daher drehen wir hier lieber um.

 


Dieser Hunt ist wohl das letzte Zeugnis des Dolomitabbaus in Meerane. Bewahrt ihn gut!

 

   
 
 

Um das Bruchfeld in Meerane noch zu besuchen, ist es nicht die richtige Jahreszeit - das Unterholz ist zu dicht. Und mal ehrlich: Löcher im Wald haben wir schon viele gesehen... Deshalb fahren wir lieber gleich die 8 km nach Crimmitschau hinüber und schauen uns dort nach Bergbauzeugnissen um. Auch hier nutzen wir als erstes wieder die ALS-Daten des Geoportals.

 


In der aktuellen Reliefkarte vom Geoportal.sachsen.de entdeckt man auf den ersten Blick keine Zeugnisse des Dolomitabbbaus mehr. Wie schon Th. Siegert anmerkte, wurden viele der kleinen grundeigenen Gruben westlich von Crimmitschau nach ihrer Aufgabe wieder verfüllt und eingeebnet. Nur mit Hilfe der Hohlraumverdachtsflächen (hellbraune Markierungen) des Sächsischen Oberbergamtes findet man noch die letzten Abbauflächen bei Wahlen östlich der Pleiße wieder. Auch im Stadtgebiet von Crimmitschau befinden sich außerdem einige Höhler.

 


Da wir zwei Abschnitte der Gemarkungsgrenze in den Altrissen und sogar noch eine Scheune aus dem Riß von 1909 in der aktuellen Topographie wiedergefunden haben, können wir auch hier alles übereinander legen... Nebenbei stellen wir überrascht fest, daß das Abbaufeld der Königin Marienhütte schon auf Crimmitschauer Flur lag und gar nicht mehr zur Gemarkung Wahlen (südlich der orange eingezeichneten Gemarkungsgrenze) gehört hat. Weniger überraschend ist, daß es auch hier in Crimmitschau über dem Kammerpfeilerbau der 1970er Jahre inzwischen zu Einsenkungen gekommen ist.

  


Bei Google Earth findet man dann auch noch leicht heraus, daß auch hier das einstige Bergwerksfeld heute überwiegend mit Wald bedeckt ist.

 


Wir parken am ehemaligen Güterbahnhof. Wo früher neben den alten Güterschuppen noch Verladegleise verliefen, hat sich heute anderes Gewerbe angesiedelt.

 


Ob dieses, an den Haldenfuß gebaute Gebäude mit dem massiven Untergeschoß früher der „Füllrumpf“ des Kalkwerkes ge
wesen ist, kann man ihm nicht mehr ansehen.

  


Deshalb klettern wir nun den Lauenhainer Berg hinauf. Die Anliegerstraße führt schräg an den recht beachtlichen Abraumhalden des Wahlener Kalkwerkes hinauf.

 


Aha. Um Winterdienst müssen wir uns jetzt gerade eher keine Sorgen machen.

 


Auf halber Höhe zweigt hier die Zufahrt zum eh
emaligen Kalkwerk der Königin Marienhütte ab...

 


Auf den Hinweis unten folgen an diesem Abzweig aber neue Hinweistafeln, die uns belehren, daß dieses Gelände heute in Privatbesitz ist und Neugierige hier unerwünscht sind. Okay, dann respektieren wir das.

 


Gehen wir also die Anliegerstraße weiter bergauf. Dort finden wir gegenüber der Gartenanlage diese Einzäunung aus alten Schienen und rostigem Stahlseil.

 


Die Einzäunung wurde lange nicht erneuert - das Bruchfeld dahinter kann hier also nicht gefährlich sein...

 


Ganz im Gegenteil: Es wird offenbar fleißig als Deponie für Gartenabfälle und sonstigen Unrat genutzt.

 


Wohl aus diesem Grund fallen die teilweise fast aufgefüllten Pingen in den ALS-Daten hier nicht gleichermaßen ins Auge, wie die in Meerane. Die schief stehenden Bäume zeigen, daß noch Bewegungen im Boden ablaufen… Respekt ist hier angebracht!

 


Wo wir einmal da sind, schauen wir uns auch um...

 


...und entdecken noch eine ganze Menge solcher „Löcher“. Das Bruchfeld hat hier etwa 120 m Ausdehnung in Nord-Süd-Richtung bei etwa 50 m Breite.

 


Einige besitzen ganz beachtliche Ausmaße. Hier geht noch was rein - die Abfallentsorgung der Anwohner ist also noch eine Weile gesichert.

  


Weil es dort mehr nicht zu sehen gibt, drehen wir um, suchen uns einen neuen Parkplatz in der Rosegger Straße und laufen einmal zum eigentlichen Stadtpark hinauf.

 


Schau an: Auch hier ist Luther einmal entlang gewandert...

 


Die Wege sind gut ausgebaut, aber weil es fast ständig bergauf geht, kommt man ganz schön ins Schwitzen...

 


Hier ist auch dem Stifter des Stadtparkes ein Denkmal gesetzt.

 


Unweit der Wanderwege findet man noch ein paar Geländeeinschnitte, die zu den zuletzt Polster'schen Kalkbrüchen gehört haben müssen.

  


Die Geländestufen sind kaum mehr als etwa 5 m tief und heute stark verwachsen.

  


Etwas oberhalb liegen noch mehr, noch flachere Geländestufen. Ob es sich hier um den Abraumschnitt handelte, oder ob man hier als Nebenrohstoff die hangenden Lehme für die Ziegeleien abbaute, ist heute nicht mehr so einfach zu erkennen.

 


Dort, wo an der Rückseite der Grundstücke an der Roseggerstraße entlang der Wanderweg wieder hinunter zu unserem Parkplatz führt, finden wir noch einen weiteren Bruch.

 


Der Geländeeinschnitt erreicht hier an die 10 m Tiefe und wird heute als Bolzplatz nachgenutzt.

 


Da wir einmal den ganzen Hang hinauf gestiefelt sind, freuen wir uns auf dem Rückweg natürlich auch noch an dem Ausblick nach Süden über das Pleißetal...

 


...und hinunter auf die Stadt Crimmitschau.

 

   
 
 

Da auch hier nicht mehr wirklich viel vom einstigen Dolomitbergbau zu finden ist, nutzen wir das schöne Wetter, fahren auch noch auf die andere Seite des Tales hinüber und machen dort als erstes am westlichen Ende vom heutigen Ortsteil Crimmitschau´s, in Rudelswalde Station.

 


Hier führt uns die Anliegerstraße Am Feldschlößchen nach Westen (oben links im Bild), wo schon auf dem Meilenblatt eine Kalckhütte verzeichnet war und noch heute in den ALS-Daten vom Geoportal Geländeeinschnitte zu finden sind. Recht gut ins Gelände integriert, führt heute die neue S290 entlang des Tals des Döbitzbachs von Crimmitschau nach Schmölln.

 


Gleich oberhalb der Ortslage Rudelswalde (links im Bild) lohnt es sich, an einer Wanderschutzhütte anzuhalten. Von hier aus hat man bei klarer Sicht einen weiten Fernblick, sieht den Rochlitzer Berg im Nordosten und den Erzgebirgskamm vom Fichtelberg im Südosten bis zum Auersberg im Süden.

 


Gegenüber schaut hinter dem flachen Kerbtal des Döbitzbachs der Kirchturm von Langenreinsdorf herüber.

 


Wir unterqueren aber die S290 und suchen uns einen Parkplatz am Feldrand. Rechts im Bild das einsame Gehöft des früheren Feldschlößchens.

 


Wir interessieren uns für die drei Baumgruppen hier mitten auf dem Feld, das zum Glück gerade neu bestellt ist, so daß wir keinen Schaden anrichten, wenn wir mal das Stück hinüberlaufen.

 


Die erste entpuppt sich tatsächlich als ehemaliger - freilich winziger - Stein
bruch. Der Anschnitt wurde auf gerade einmal etwa 80 m Breite etwa 30 m weit in den Ausbiß des Dolomits hinein vorgetrieben.

 


Der Anschnitt mag etwa 10 m tief sein, ist aber heute völlig verwachsen.

 


Am oberen Rand des Steinbruchs findet man auf Lesesteinhaufen leicht den typischen Plattendolomit.

 


Die zweite, langgestreckte Baumgruppe markiert eine flache Geländestufe - wohl eine alte Flurgrenze. Dahinter sieht man aber den nächsten Steinbruch - auch hier ist die Bruchkante nur etwa 60 m breit. Offenbar hatte jeder Bauer auf seiner Flur einen Bruch auf dem Dolomitausstrich angefangen, aber schnell wieder liegen gelassen, sobald der Abraum zu mächtig wurde...

 


Auch beim zweiten hat der Einschnitt zirka 10 m Tiefe erreicht - der Abraum muß also schon etwa genauso mächtig gewesen sein, wie das selten mehr als 6 m starke Dolomitlager.

 


Die dicken Baumstämme zeigen, daß der Bruch schon lange auflässig sein muß.

 


Unten hat sich - geplant oder auch einfach so - Streuobst angesiedelt.

 


Unter den Kirschbäumen kann man zur Bruchsohle hindurch krauchen und stellt entsetzt fest, daß auch hier - obwohl dieser Steinbruch weit jenseits jeder Siedlung und fast einen halben Kilometer von der nächsten Straße entfernt mitten auf dem Acker liegt - doch immer wieder einer einen Weg findet, darinnen seinen Müll zu entsorgen...

 


Aus dem Hangenden ist natürlich längst der Lehm heruntergerutscht, so daß vom Dolomit hier heute nichts mehr zu sehen ist. Die Dimensionen sind ähnlich wie beim ersten: Auf etwa 50 m Breite hat man sich zirka 30 m weit in den Ausbiß hineingegraben…

 

   
 
 


Also drehen wir um und fahren nach Langenreinsdorf. Gleich am ersten der Vierseitenhöfe rechts der Straße kann man einmal am Feldrain entlang bergauf laufen...

  


...wo oberhalb des Grundstücks dieser Einschnitt zur Sohle des Tagebaus führte. Noch auf den Meßtischblättern aus dem Jahr 1938 war an dieser Stelle ein Kalkofen“ eingezeichnet.

 


Wir hoffen mal, daß uns keiner übelnimmt, wenn wir auf der Wiese einmal um den Bruch herumgelaufen sind, um hinein zu schauen. Gerade gegenüber im Bild kommt die Zufahrt auf der Bruchsohle ein...

 


Und links davon...

 


...wie rechts davon dehnte sich der Tagebau aus. Auch dieser Tagebau war mit knapp 100 m Breite nicht wirklich groß. Die Tiefe, bei der die Abraummächtigkeit zu groß für eine „Bauern-Grube“ wurde, entspricht der bei den beiden bereits besuchten Restlöchern in Rudelswalde.

  


So mancher säbelartig geschwungene Stamm zeigt, daß der Hang in Bewegung ist und sich das Restloch wohl allmählich quasi „von selbst“ wieder einebnen wird...

 


Die Baumgruppe daneben markiert die Flurgrenze, an der sich ähnlich, wie wir´s gerade in Rudelswalde gesehen haben, auch eine Geländestufe findet.

 


Diese Geländestufe erreicht in der Mitte durchaus um die 5 m Höhe. Ob hier auch der Nachbar auf seiner Flur nach Dolomit gegraben hat, bleibt dessen Geheimnis.

 

Damit wären wir herum. Leider sind von diesem Kapitel der sächsischen Montangeschichte kaum noch Sachzeugen erhalten geblieben. Wir hoffen aber, daß wir mit unserem Beitrag dazu beitragen können, die Erinnerung an dieses Kapitel der Geschichte zu erhalten.

Glück Auf!

J. B.

   

 
 
 

Weiterführende Quellen

  

          Allgemeine Quellen

  1. meerane.de

  2. crimmitschau.de

  3. wikipedia.de

  4. alte-technologie.de

  5. geoportal.sachsen.de

  6. Digitales historisches Ortsverzeichnis von Sachsen (hov.isgv.de)

  7. Sächsische Landes- und Universitätsbibliothek (SLUB), Kartenforum der Deutschen Fotothek, u. a.:
    - Meilenblätter von Sachsen, Berliner Exemplar, Blätter 100 (Rudelswalde), 101 (Crothenleithe) und 115 (Schweinsburg), sowie Freiberger Exemplar, Blätter 61 (Rudelswalde), 62 (Wahlen) und 85 (Crothenleithe)
    - Geognostische Charte des Königreichs Sachsen, Blatt XIX (Crimmitschau) und Blatt XV (Meerane)
    - G. Wunder, A. Herbrig und A. Eulitz: Der Kalkwerksbetrieb Sachsens und die Ursachen der verschiedenen Kalkpreise in Sachsen, Verlag W. Engelmann Leipzig, 1867
    - Geologische Karten No. 93: Section Meerane- Crimmitschau, 2. Auflage 1904 und No. 111: Section Zwickau-Werdau, 2. Auflage 1900
    - Th. Siegert: Erläuterungen zur Geologischen Karte No. 93: Section Meerane- Crimmitschau, 1. Auflage 1882, 2. Auflage 1905
    - Äquidistantenkarten und Meßtischblätter in Sachsen, Ausgaben 1878 bis 1938
    - C. F. Naumann: Geognostische Skizze der Gegend zwischen Gößnitz, Oederan, Sebastiansberg und Auerbach, 2.Auflage 1845, in: Geognostische Beschreibung des Königreiches Sachsen und der angränzenden Länderabtheilungen, 2. Heft
    - G. A. Poenicke (Hrsg.): Album der Rittergüter und Schlösser des Königreichs Sachsen, Leipzig, um 1860
    - O. Neubert: Die Königin-Marienhütte in Cainsdorf, in: Bunte Bilder aus dem Sachsenlande, Band 2, Hrsg.: Sächsischer Pestalozzi-Verein, Leipzig, 1894, S. 385-389

  8. Louis Oeser (Hrsg.): Album der Sächsischen Industrie, Band 1, Neusalza 1856

  9. Kalender für den Berg- und Hüttenmann bzw. Jahrbücher für das Bergwesen in Sachsen, Onlineausgaben der Bibliothek der TU BAF, 1827-1938

  10. Bergwerksverzeichnisse, Onlineausgaben der TU BAF, 1939-1942
     
     
    Sächsisches Hauptstaatsarchiv
     

  11. Bestand 12840 (Stadt Crimmitschau), Bestanderläuterungen

  12. Bestand 10736 (Ministerium des Innern), Nr. 17655: Sächsische Eisencompagnie Königin Marienhütte Aktiengesellschaft, Cainsdorf, dat. 1851-1900

  13. Ebenda, Nr. 02087 und ff. bis 02089b: Königin Marienhütte in Cainsdorf, Hammerinspektion Zwickau, dat 1860-1867

  14. Bestand 10036 (Finanzarchiv), Loc. 33565, Rep. 32, Zwickau, Nr. 0050: Gesuch Löschers aus Langenreinsdorf um Konzession zum Bau einer Kalkhütte (Faszikel), dat. 1743

  15. Ebenda, Loc. 33565, Rep. 32, Zwickau, Nr. 0111: Gesuch von Michael Große aus Rudelswalde um die Konzession zur Anlegung einer Kalkhütte, dat. 1744

  16. Ebenda, Loc. 33530, Rep. 32, Schwarzenberg, Nr. 0092: Konzession für Zöffel in Hammerunterwiesenthal zum Bau einer Lohmühle (Faszikel), dat. 1765

  17. Bestand 11168 (Ministerium für Wirtschaft), Nr. 2167: Kalk, dat. 1919-1926

  18. Bestand 11384 (Landesregierung Sachsen, Ministerium für Wirtschaft), Nr. 2081: Kalk- und Schieferwerke, dat. 1946-1952
    Enthält u. a.: Kalkwerk Meerane

  19. Ebenda, Nr. 3265: Firma Bachmann & Söhne in Meerane - Ziegelei und Kalkbrennerei, dat. 1945-1946

  20. Bestand 12613 (Gerichtsbücher), Nr. GB AG Crimmitschau, Nr. 116: Gerichtshandelsbuch, dat. 1795-1811, darin: Verkauf eines Kalksteinbruches in Wahlen.

  21. Ebenda, GB AG Crimmitschau, Nr. 118: Gerichtshandelsbuch, dat. 1828-1840, darin: Kalksteinbruch- und Kalkofenverkauf in Wahlen.
     
     
    Staatsarchiv Chemnitz
     

  22. Bestand 30023 (Amt Zwickau), Nr. 2122: Rat und Bürgerschaft aus Crimmitschau gegen den Akzise-Inspektor Christian Schmidt aus Crimmitschau wegen Eröffnung eines Kalksteinbruchs, dat. 1733-1735

  23. Bestand 30581 (Herrschaft Hinterglauchau), Nr. 1145: Verpachtung des Kalk- und Ziegelofens in Meerane, dat. 1774-1792

  24. Bestand 30614 (Grundherrschaft Bosenhof und Schweinsburg), Bestanderläuterungen

  25. Ebenda, Nr. 0044: Rat der Stadt Crimmitschau gegen Carl Friedrich von Bose auf Crimmitschau und Schweinsburg wegen der geplanten Errichtung eines Kalk- und Ziegelofens im Vorwerk Döbitz auf städtischer Flur, dat. 1713

  26. Bestand 30040 (Kreishauptmannschaft Zwickau), Nr. 1858: Anlegung von Kalk- und Ziegelbrennereien, dat. 1837-1864

  27. Bestand 30629 (Grundherrschaft Crotenlaide), Bestanderläuterungen

  28. Bestand 32923 (Stadt Crimmitschau), Bestanderläuterungen

  29. Bestand 32942 (Stadtrat und Stadtgerichte Meerane), Bestanderläuterungen

  30. Bestand 33269 (Pfarrdotalgerichte Meerane), Bestanderläuterungen

  31. Bestand 30051 (Amtshauptmannschaft Zwickau), Nr. 533: Vereinigung der Landgemeinde Wahlen mit der Stadtgemeinde Crimmitschau, dat. 1875

  32. Bestand 30771 (Grundherrschaft Planitz), Nr. 700: Schriftwechsel Heinrich von Arnims zu Angelegenheiten der Sächsischen Eisencompagnie, dat. 1833-1839

  33. Ebenda, Nr. 147: Privatacten, den Kauf, Bereinung und die Lehnscheine über den Kalkofen zu Wahlen enthaltend, dat. 1795-1803

  34. Bestand 31199 (E. O. Zöffel GmbH, Crimmitschau und Nachfolger), Gesamtbestand dat. 1892-1960, Bestandserläuterungen

  35. Bestand 30105 (Amtsgericht Crimmitschau), Nr. 63: E. O. Zöffel GmbH, Crimmitschau, dat. 1891-1956

  36. Bestand 30143 (Amtsgericht Schneeberg), Nr. 490: Nachlaßsachen 1876-1901, enthält u.a.: 1890, Zöffel, Schneeberg
     
     
    Staatsarchiv Leipzig
     

  37. Bestand 20076 (Kgl. Gericht Waldheim), Nr. 299: Untersuchung gegen den Tuchmachergesellen Karl August Zöffel in Waldheim wegen Teilnahme am Aufruhr, dat. 1849-1852 
     
     
    Bergarchiv Freiberg
     

  38. Bestand 40196 (Familienarchiv von Armin), Bestandserläuterungen

  39. Ebenda, Nr. 490: Repartition der Activia und Passiva der von Arnimschen Berg- und Hüttenverwaltung zur Königin Marienhütte, dat um 1830

  40. Ebenda, Nr. 150: Schreiben an die Sächsische Eisen- Compagnie betreffend die Begutachtung der Königin Marienhütte durch einen Sachverständigen, dat. 1850-1880

  41. Ebenda, Nr. 272: Schreiben der Administration der von Arnim’schen Steinkohlenwerke an die von Arnim’sche Berg- und Hüttenverwaltung zu Königin Marienhütte…, dat. 1857

  42. Bestand 40190 (Erzgebirgischer Steinkohlen-Aktienverein), Nr. 1-1189: Vereinigung mit dem Steinkohlenwerk von Arnim, dat. 1851-1924

  43. Bestand 40024 (Landesbergamt Freiberg), Nr. 1-39: Königin Marienhütte in Cainsdorf, später Abteilung der Sächsische Gußstahlwerke Döhlen A.G. Dresden, dat. 1878-1920

  44. Ebenda, Nr. 1-40: Sächsische Eisencompagnie zu Wilkau bei Zwickau und deren Bergbau, dat. 1839-1877

  45. Bestand 40054 (Bergamt Zwickau), Nr. 137: Kalksteinbruch der Königin Marienhütte in Wahlen bei Crimmitschau, dat. 1900-1917

  46. Bestand 40024 (Landesbergamt Freiberg, gewerbliche Gruben), Nr. 12-100 und 12-101: Kalkwerk der Königin Marienhütte (Wahlener Kalksteinbruch), dat. 1892 und 1901

  47. Ebenda, Nr. 12-10: Unterirdische gewerbliche Gruben im Allgemeinen, dat. 1922-1938; enthält u. a.: Unterirdischer Kalksteinabbau der Ziegelei und Kalkbrennerei Bachmann und Söhne in Meerane

  48. Bestand 40027 (Oberbergamt Freiberg), Nr. 1161: Unterirdische gewerbliche Gruben der Steine und Erden in Sachsen, dat. 1939-1947; enthält u. a.: Betrieb der Dampfziegelei und Kalkbrennerei Bachmann und Söhne in Meerane.

  49. Bestand 40028 (Staatliche Bergwirtschaftsstelle), Nr. 3-1274: Crotenlaide bei Meerane, Dolomitwerk, undatiert (20. Jhd.)

  50. Bestand 40030 (Staatliche Lagerstättenforschungsstelle), Nr. 1-1063: Kalkvorkommen, dat. 1934-1949

  51. Bestand 40072 (Bergbehörde Zwickau), Nr. 770: Kalkwerke Oberscheibe und Hammerunterwiesenthal sowie Dolomitkalkwerk Meerane, dat. 1951-1952

  52. Ebenda, Nr. 779: Meerane, Kreiskalkwerk, vorm. Bachmann & Söhne, später Dolomitkalkwerk Meerane der örtlichen Volkeigenen Industrie des Kreises Glauchau, dat. 1949-1952

  53. Bestand 40137 (VEB Nickelhütte St. Egidien), Nr. 1-47: Wiederaufbau des Dolomitwerks Meerane und Erschließung des dortigen Südfeldes, dat. 1965-1969

  54. Ebenda, Nr. 2-I211 bis I214: Abbaugrundrisse und Grubenbildriß der Kalksteingrube VEB Dolomit-Kalkwerk Meerane, dat. 1949-1965

  55. Ebenda, Nr. 2-I29: Tagebauriß Dolomitgrube Crimmitschau, dat. 1964

  56. Ebenda, Nr. 1-50: Grundsatzentscheidung über die Versorgung des Stahlwerks Maxhütte mit Dolomit, dat. 1972-1973

  57. Ebenda, Nr. 2-K209: Abbauriß Dolomitgrube Crimmitschau, dat 1974-1975

  58. Ebenda, Nr. 2-K210: Abbau- und Streckengrundriß Dolomitgrube Crimmitschau, dat. 1974-1975

  59. Ebenda, Nr. 2-H215: Endaufnahme der Dolomitgrube Crimmitschau, dat. 1985