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Ein Beitrag von www.unbekannter-bergbau.de

Erstellt im August 2017, letzte Ergänzung im  April 2019. 

Für die Unterstützung bei unseren Recherchen bedanken wir uns bei

  • Herrn L. Müller, Crimmitschau,

  • Herrn M. Och, Meerane sowie

  • Herrn N. Peschke, Zwickau.

Sie können diesen Beitrag auf dem Recherchestand vom Juli 2017 vom Qucosa-Server der Sächsischen Landes- und Universitätsbibliothek Dresden im PDF-Format herunterladen.

http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bsz:14-qucosa2-161217

  

Zum Abbau des Plattendolomits in Geithain
Zum Abbau des Plattendolomits in der Mügelner Senke

Zur Lage und regionalen Geschichte
Zur Geologie
Zur Montangeschichte
Die Anfänge
Zum Dolomitabbau in Wahlen bei Crimmitschau Anfang des 19. Jahrhunderts
Zur von Arnim'schen Berg- und Hüttenverwaltung im 19. Jahrhundert
Zum Dolomitabbau durch die Königin Marienhütte in Wahlen 1887-1917
Zum Dolomitabbau in Crotenlaide bei Meerane 1864-1938
Zum Abbau in Meerane in jüngerer Zeit (1945-1971)
Zu den Abbauversuchen in Langenreinsdorf in jüngerer Zeit (1951-1956)
Zum Abbau bei Crimmitschau in jüngerer Zeit (1951-1977)

Erhaltene Zeugnisse
In Meerane
In Crimmitschau
In Rudelswalde und Langenreinsdorf bei Crimmitschau
Weiterführende Quellen

   

 

 

Zum Abbau des Plattendolomits zwischen Crimmitschau und Meerane

 

Wo wir gerade schon einmal beim Plattendolomit waren… Ganz im Westen unseres Freistaats greift auch die Zeitz- Schmölln‘er Mulde noch nach Südosten bis in das Erzgebirgische Becken hinein von Ostthüringen her nach Sachsen über. 

 


Ausschnitt aus der Geologischen Übersichtskarte der DDR, Känozoikum abgedeckt. Anhand der violetten Farben sind die triassischen und jungpaläozoischen Beckenfüllungen gekennzeichnet. Mit diesem Beitrag befinden wir uns auf dieser Karte links unten.

  

Auf die hier in Westsachsen zwischen Meerane und Crimmitschau vorhandenen und früher zeitweise auch intensiv abgebauten Ausstriche des Plattendolomits sind wir eigentlich zufällig bei den Recherchen für unseren Beitrag über den Kalkbergbau bei  Raschau gestoßen, wo die BHG Meerane 1964/1965 den Dolomitabbau im ehemaligen Facius'schen Kalkwerk am Emmler noch einmal aufnahm.

 

 

 

Zur Lage und regionalen Geschichte

 

Wir befinden uns am nordwestlichen Ende des Erzgebirgischen Beckens, dort wo es nach Norden in die Zeitz- Schmöllner Mulde übergeht. Noch ist das nach Nordwesten flach abfallende Gelände hügelig und liegt mehr als 200 m über dem Meer. Zwischen den Hügeln haben die Flüsse je nach anstehendem Gestein teils tiefe und enge Täler, teils weite Auen in breiten Sohlentälern geschaffen.

  


Die Lage der Region auf einem Reliefbild vom Geoportal Sachsen. Der Höhenrücken bei Dennheritz zwischen Glauchau und Meerane bildet zugleich eine regionale Wasserscheide zwischen den Flußsystemen der Mulde im Osten und der Saale im Westen, der die Pleiße über die Weiße Elster letztlich zufließt.

 

Die Region gehört heute zum Landkreis Zwickau. Nördlich grenzt der Thüringer Landkreis Altenburger Land an. Insbesondere die Flußauen waren wenigstens schon seit dem 6. Jahrhundert n. C. slawisch besiedelt. Crimmitschau und Meerane gehörten wie Altenburg im 12. Jahrhundert dem reichsunmittelbaren Pleißenland an.

Otto I., ab 936 Herzog von Sachsen und König des Ostfrankenreiches, ab 951 König von Italien und ab 962 bis zu seinem Tod 973 Kaiser des Heiligen Römischen Reiches, entschied im Jahr 936, Herrn Alban Schönburg in der Reichsdomäne Zwickau die Verteidigung des Landes gegen die Sorben zu übertragen. Die späteren Fürsten und Grafen von Schönburg leiten aus dieser Übertragung ihren Ursprung ab. Unter Kaiser Otto II. wurde im Jahr 976 das Pleißenland erstmals urkundlich als Besitz des Bistums Merseburg erwähnt.

Unter Friedrich I. Barbarossa (1122–1190) bekam das Territorium „Pleißnerland“ oder „terra plisnensis“ (lateinische Bezeichnung) unter den Staufern mehr Gewicht. Es umfaßte eine Region, deren Kern in etwa die Städte Zeitz, Schmölln, Altenburg, Werdau, Crimmitschau, Zwickau und Waldenburg beinhaltete und somit weit über das Flußgebiet der Pleiße hinaus reichte.

Nach dem Sieg der Markgrafen von Meißen in der Schlacht bei Lucka (1307) über Kaiser Albrecht I. nahm Markgraf Friedrich I. das Pleißenland mit den Städten Altenburg, Chemnitz, Zwickau als erobertes Land in Besitz. Mit dem nun zurückgehenden Einfluß verschiedener Grafengeschlechter, in deren Besitz jeweils Teile der Region „terra plisnensis“ waren, verlor sich bis ins 14. Jahrhundert die Regionsbezeichnung Pleißenland wieder (meerane.de).

Meerane geht auf die bereits 1174 als Witwensitz der Königin Judith von Böhmen genannte Burg Mer oder Mare unweit der Zwickauer Mulde zurück. In diesem Jahr starb der böhmische König Wladislaw II. nach nur viermonatigem Aufenthalt auf der Burg. Diesem Umstand verdankt Meerane seine erste urkundliche Erwähnung. Der heutige „Burgberg“ direkt in der Meeraner Innenstadt weist noch auf den früheren Standort einer Burg hin, auch wenn man sie heute dort vergeblich sucht.

Der Ursprung des Ortsnamens ist umstritten. In einem Buch über Meerane wird von den Autoren W. Krause und O. Phillip 1930 eine Ableitung aus dem Althochdeutschen vermutet, wo „Mer“ für „seichtes stehendes Gewässer“ (ein Teich oder eine Lache) steht. Wahrscheinlicher aber ist, daß um das Jahr 936 Meerane ein Grenzort zwischen den sorbischen Distrikten und dem schon unter Kaiser Heinrich I. erweiterten Reichsgebiet des Ostfrankenreiches gewesen ist. Das Wort „Mer“ steht im Slawischen auch für „Grenze“. Der Bachlauf durch die Stadt trägt noch heute den Namen „Meerchen“.

Die gleichnamige Herrschaft wurde um 1300 von den Herren von Schönburg als böhmisches Reichsafterlehen erworben und mit ihrer Herrschaft Glauchau vereinigt. Meerane wurde 1361 als Oppidum de Mare und 1405 als „Städtlein“ bezeugt. Viele verschiedene Schreibweisen gab es in der Folgezeit für den Namen der entstandenen Siedlung rund um die sagenhafte Burg Mare: Mehir, Mera, Mehrasa oder Mherann, bevor erst 1853 durch einen Stadtratsbeschluß die Schreibweise Meerane festgelegt wurde.

Die ordnungspolitisch bedeutsamen Statuten, die Georg I. von Schönburg der Stadt am 7. Mai 1565 gab, kennzeichnen das Abhängigkeitsverhältnis. Zwar ist zu jener Zeit die Ausprägung einer Ratsverfassung mit Bürgermeister und Ratskollegium nachgewiesen, die Kompetenzen des Rates erstreckten sich jedoch nur auf die niedere Finanz- und Polizeiverwaltung sowie die Ahndung von Bagatellsachen.

Nach einer Erbteilung in der Familienlinie Schönburg- Glauchau 1681 wurde das Stadtgebiet zu 5/9 dem Amt Forderglauchau und zu 4/9  dem Amt Hinterglauchau zugewiesen, was zu erheblichen administrativen Problemen führte und auch durch die Einrichtung eines alternierenden Direktorialamtes nicht entschärft werden konnte. Im Stadtareal bildeten außerdem die Pfarrdotalgerichte mit Zuständigkeit für etwa 20 auf dem Pfarrlehn erbaute Häuser einen eigenen Verwaltungs- und Gerichtsbezirk (32942). Bis ins 19. Jahrhundert übte der (Ober-) Pfarrer von Meerane grundherrliche Rechte einschließlich der niederen Gerichtsbarkeit über die auf dem Pfarrlehn errichteten Häuser sowie einige Bauerngüter im Dorf Waldsachsen aus. Damit zählten die Pfarrdotalgerichte zu den schönburgischen Vasallengerichten und unterstanden direkt der Gesamtregierung in Glauchau. Am 21. August 1848 schloß sich der Gerichtsbezirk mit der Stadtgemeinde Meerane zusammen (33269).

Der Ort Crotenlaide wurde bereits 1923 nach Meerane eingemeindet und 2011 als Gemeindeteil gänzlich gestrichen.

Die Schreibweise dieses Ortsnamens wechselte ebenfalls oft: 1525 schrieb man Krotendorff, 1534 erscheint der Ort als „auf der wustunge das Krottenholtz genanth“, 1567 dy Krottenleyde, 1683: dy Kroten Lehde, 1720: Grothenleite, 1745: Crudenlaide, 1791: Crottenlaide oder Crothenlaide, erst ab 1908 kam die heutige Schreibweise Crotenlaide in Gebrauch. Um 1720 bildete der Ort nur ein Vorwerk, 1750 wurde er Amtsdorf des Amtes Glauchau. 1875 bildete Crotenlaide ein Freigut innerhalb der schönburgischen Herrschaften (isgv.de).

 

Auch Crimmitschau entstand bereits in der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts im Zuge der deutschen Besiedelung des damaligen Reichslandes Pleißen. Schon um 1120 existierte hier nachweisbar eine überbaute Wasserburg mit Wall, Graben und Zugbrücke zum Schutz der Siedlungen Culten und Crimmitschau.

Auf den Grundmauern dieser alten Slawenburg, die Crematzowe genannt wurde, ist das spätere Schweinsburger Unterschloß errichtet worden. Dieses Schloß bildete das Zentrum der Herrschaft Crimmitschau. Im Jahre 1212 findet Henricus de Crematzowe (Heinrich von Crimmitschau, † um 1223) als Besitzer der Herrschaft Crimmitschau und 1221 als oberster Richter des Pleißenlandes die älteste urkundliche Erwähnung. Er war auch der Gründer des St. Martins-Kloster in Crimmitschau, der nachmaligen „Karthause“. Den Herren von Crimmitschau gelang es, sich innerhalb des Pleißenlandes zeitweise zu reichsunmittelbaren Dynasten zu erheben. Der Ort Crimmitschau wurde 1222 als civitas bezeichnet und später auch ummauert. Im selben Jahr wurde in einer Urkunde die Burg Crimmitschau als „vest huz Cremaschowe“ erwähnt.

  


Das spätere Rittergut Carthause auf einer Zeichnung aus G. A. Poenicke (Hrsg.): Album der Rittergüter und Schlösser des Königreichs Sachsen, IV. Section: Erzgebirgischer Kreis, Leipzig, um 1860

 

Im Jahre 1290 ist die Herrschaft Crimmitschau dann an die mit ihren bisherigen Besitzern schon verschwägerten Herren von Schönburg gefallen. 1413 war die Herrschaft Schweinsburg mit der Burg als offenes Lehn an die Markgrafen von Meißen übergegangen und hörte damit auf, eine selbständige Herrschaft zu sein. Markgraf Wilhelm II. verlieh Crimmitschau 1414 das Stadtrecht und setzte auf der Burg einen Lehnsherrn zum Verwalter ein. Bereits 1429 findet eine Tuchmacherordnung Erwähnung. (32923)

Nachdem Crimmitschau 1456 von den Wettinern verlehnt worden war, blieb es bis ins 19. Jahrhundert eine grundherrschaftliche Stadt. In der Folgezeit geht die Herrschaft in landesherrlichen Besitz über und ist nach unterschiedlichen Besitzerwechseln ab dem Jahre 1547 dem albertinischen Sachsen zugehörig.

Bis zum Jahre 1764 gehörte die Stadt Crimmitschau noch zur Grundherrschaft Schweinsburg und bildete danach eine eigene Grundherrschaft. G. A. Poenicke schreibt um die Mitte des 19. Jahrhunderts, daß das vormalige Schloß Crimmitzschau überhaupt erst ab dem Ende des 15. Jahrhunderts als „Schloß Schweinsburg“ bekannt sei und vermutet, daß die Herkunft dieses Namens wohl damit zusammenhänge, daß Schweinsburg damals fürstliches Amt war, wo der Landesherr in eigener Waldung häufig Jagden veranstaltete.

 


Rittergut Schweinsburg, Zeichnung aus G. A. Poenicke (Hrsg.): Album der Rittergüter und Schlösser des Königreichs Sachsen, IV. Section: Erzgebirgischer Kreis, Leipzig, um 1860

  

Im Jahre 1841 verloren die Besitzer des Schlosses Schweinsburg durch Verkauf an die Stadt Crimmitschau die Ober- und Erbgerichtsbarkeit über diese Untertanen, die sie als altschriftsässiges Rittergut seit dem 15. Jahrhundert innehatte. Im Jahre 1855 wird die Schweinsburger Gerichtsbarkeit gänzlich aufgehoben. (30614)

Überregionale Bedeutung erlangte die Stadt Crimmitschau erst mit der Industrialisierung des 19. Jahrhunderts als wichtiges Zentrum der Textilindustrie und der sozialdemokratischen Arbeiterbewegung. (12840)

Schon seit dem 1. Januar 1891 bildet der Ort Wahlen am Ostufer der Pleiße einen Ortsteil von Crimmitschau.

Zu Crimmitschau gehören heute auch die Ortsteile Rudelswalde und Langenreinsdorf. Wie oben schon erwähnt, ließ Heinrich von Crimmitschau 1222 unweit seines Schlosses, eine halbe Stunde südlich der Stadt, bei der alten Martinskirche, ein stattliches Kloster – die Karthause – errichten und schenkte ihm die ganze Flur ringsum. In diesem Zusammenhang wird der Ort Rudelswalde (Schreibweise 1351 Rudolpheswalde) erstmals erwähnt.

1950 wurde die Ortschaft Rudelswalde nach Crimmitschau eingemeindet. 

Langenreinsdorf wurde 1240 erstmals als Reynhartsdorf (später auch als Lengenrensdorf und Rehnsdorf) in einer Urkunde des Vogts Heinrich von Greiz erwähnt. Dieser schenkte den Ort dem im Jahre 1238 gegründeten Dominikaner-Nonnenkloster Cronschwitz im Elstertal.

Langenreinsdorf wurde 1994 nach Crimmtischau eingemeindet.

  

 
 
 

Zur Geologie

  

Im zweiten Heft seiner geognostischen Beschreibung des Königreiches Sachsen, erschienen 1845, beschreibt Carl Friedrich Naumann die Vorkommen des Plattendolomits (Naumann unterschied noch nicht zwischen Dolomit und Kalkstein) wie folgt.

  

Neuntes Capitel,
Zechstein, bunter Sandstein und Süßwasserquarz.

Formation des Zechsteines.

„Auf dem linken Muldenufer findet sich in den Gegenden des Pleißethales mehrfach ein System von Kalksteinschichten entblöst, welche in allen ihren Eigenschaften und Verhältnissen mit den bei Mügeln, Geithain, Frohburg und Gera vorkommenden Kalksteinen dermaaßen übereinstimmen, daß man sie unbedingt zu derselben Formation, d. h. zu der Formation des Zechsteines rechnen muß. Der Herausgeber, welcher die betreffenden Gegenden fast gar nicht durch eigene Anschauung kennt, entlehnt die Beschreibung der in diesem Capitel abgehandelten Formationen aus den Arbeiten von Prisch, Ullmann, Martini, besonders aber aus dem Revisionsberichte von Haupt, welcher diese Gegenden neuerdings, unter Berücksichtigung der Arbeiten seiner Vorgänger, genau untersucht hat.

Diese Kalksteinbildung erreicht ihre größte Mächtigkeit, soweit solche anstehend zu beobachten ist, in der Gegend von Grothenleithe, wo sie 12 bis 14 Ellen (also bis zu 7,8 m) stark ist, während sie gewöhnlich die Stärke von 6 Ellen (also höchstens 3,4 m) nicht übersteigt. Ein treuer Begleiter derselben ist der bunte Sandstein, welcher fast überall unmittelbar über den Kalksteinschichten angetroffen wird.

Der Kalkstein ist gewöhnlich von aschgrauer, gelblichgrauer und röthlichgrauer Farbe, welche einerseits in das Gelbe und Weiße, anderseits in das Rothe übergeht. Im Bruche ist er theils dicht, theils grob- und feinsplitterig, selten unvollkommen körnig. Hier und da wird er von Kalkspathadern durchzogen, und an manchen Orten, wie z. B. bei Wahlen zeigt er in den oberen Schichten Blasenräume und kleine Cavernositäten, auch drusige und zerfressene Stellen, wodurch er sich der Rauchwacke nähert, während er gewöhnlich mehr dem eigentlichen Zechsteine ähnlich ist. Auf den Klüften zeigt er oft sehr feine dendritische Zeichnungen, und im Innern kommen an einigen Orten ziemlich häufig Versteinerungen vor; meist kleine Bivalven, welche jedoch nur als Steinkerne und Abdrücke ausgebildet sind, und keine ganz sichere Bestimmung zulassen.

Von fremdartigen Beimengungen sind besonders Bleiglanz, Malachit und Kupferlasur zu bemerken, von denen der erstere meist eingesprengt, die beiden anderen mehr als Anflug vorzukommen pflegen. Doch sollen sich diese metallischen Beimengungen vorzüglich nur in den nördlicheren Theilen vorfinden, wo man selbst Spuren des Kupferschieferfiötzes gefunden haben will, während in den südlicheren Kalksteinparzellen namentlich die Kupfererze fast gänzlich vermißt werden.

Der Kalkstein ist immer deutlich geschichtet; seine Schichten sind von 1 Zoll bis über 1 Fuß mächtig, und gewöhnlich durch Zwischenlagen eines grauen mergligen Thones, zuweilen auch durch förmlichen Schieferthon voneinander abgesondert. In der Regel durchsetzen viele senkrechte Querklüfte den Kalkstein und bedingen dadurch eine tesserale (rechtwinklige) Absonderung seiner Schichten in viele größere und kleinere Parallelepipede; an einigen Puncten, wie bei Frankenhausen, bilden jedoch die Schichten ziemlich stetig ausgedehnte Platten, so daß das Gestein als Baustein brauchbar wird.

Dieser Kalkstein liegt immer fast horizontal auf den Massen des Rothliegenden, und wird in der Regel ebenso regelmäßig von Schichten des bunten Sandsteines bedeckt. Seine Verbreitung und die Orte seines Vorkommens sind aus der Charte zu ersehen. Aelteren Angaben zufolge soll auch bei Ponitz, Кöthel, Ober-Schindmaas und südlich von Mehrana Kalkstein vorkommen. Es ist jedoch bei aller Sorgfalt nicht gelungen, diese Vorkommnisse zu constatiren. In Köthel hat man früher vergeblich nach Kalkstein gebohrt; in Ponitz und Ober-Schindmaas gehen die Brunnen sämmtlich in Grus und Sand nieder, und bei Mehrana keilt sich der Grothenleither Kalkstein schon nördlich von dem Städtchen aus.

Speciellere Angaben über das Vorkommen des Zechsteines.

Kalkstein bei Wahlen.

An der von Gablenz nach Crimmitzschau führenden Straße findet sich ein grauer, hellroth gestreifter Kalkstein unter einer 8 Ellen mächtigen Ablagerung eines buntfarbigen, thonigen und glimmerreichen Sandsteines und Sandsteinschiefers, in welchem noch eine Schicht sehr sandigen gelben Kalksteines vorkommt. Einige 100 Schritte weiter nach Süden liegen mehre verlassene Kalkbrüche, wo der Kalkstein 3 bis 6 Ellen (also gerade mal zirka 1,7 m bis 3,4 m) mächtig, nach oben graulichgelb, löcherig und porös, auch versteinerungsführend, nach unten mehr grau und roth ist. Unmittelbar über dem Kalksteine liegt gewöhnlich ein bräunlichschwarzer bituminöser Thon. Die Auflagerung des bunten Sandsteines erscheint in einem dieser Kalkbrüche sehr unregelmäßig, indem der Kalkstein von oben herein tief ausgewaschen und dadurch eine trichter- oder sackförmige Vertiefung gebildet worden ist, welche die darauf folgenden Schichten dergestalt ausfüllen, daß sie sich den Conturen derselben regelmäßig anschmiegen. Endlich findet sich der Kalkstein auch noch im Höllengrunde bei Wahlen, und im Fahrwege von Wahlen nach Ungewiß.

Kalkstein bei Grothenleithe.

Die ersten Spuren von Kalkstein und buntem Sandstein findet man am Wege von Mehrana nach Schönberg und in der Nähe des Mehranaer Schießhauses. Von dort aus nach Grothenleithe hin nehmen beide Gebilde an Mächtigkeit zu, und senken sich kurz vor Grothenleithe bis in die Thalsohle, so daß in den Brunnen dieses Dorfes der Kalkstein erst in 9 bis 15 Ellen Tiefe erreicht worden ist. Eine ununterbrochene Reihe von Kalkbrüchen zieht sich von dem vorgedachten Schießhause bis nach Grothenleithe; jedoch sind die nördlichsten wegen der zu großen Festigkeit und Tiefe, die südlichsten wegen der unreinen Beschaffenheit des Kalksteines wiederum eingegangen. In den noch gangbaren Brüchen sieht man den Kalkstein unter einer, 15 bis 18 Ellen (also zirka 8,5 m bis 10,0 m) mächtigen Decke von buntem Sandstein anstehen, welcher ihm gleichformig und ziemlich regelmäßig aufgelagert ist. Der Kalkstein selbst soll eine Mächtigkeit von 12 bis 14 Ellen erreichen (also zirka 6,7 m bis 7,8 m). Die oberste, 15 Zoll starke Schicht ist röthlichweiß, dicht und splitterig; die folgenden Schichten sind grau, gelb und weiß, und zum Theil fast körnigblätterig im Bruche.

Außer diesem festen Kalksteine kommen in dem oberen, 6 Ellen mächtigen Schichtensysteme, welches man die erste Schicht nennt und bis jetzt allein abgebaut hat, auch noch 1 bis 2 Ellen starke Nieren eines gelben feinkörnigen, sandigen Kalksteines vor, welcher zum Brennen untauglich ist. Unter dem oberen Schichtensysteme soll ein zweites, von 6 bis 8 Ellen Stärke liegen, welches grauen, guten Kalkstein enthält und dem Rothliegenden aufruht.

Ullmann und Prisch beschreiben den Kalkstein von Grothenleithe genauer, wie folgt. Er zeigt sich von isabellgelber, gelblichgrauer, aschgrauer und rauchgrauer Farbe, welche durch den Einfluß der Atmosphärilien auf der Oberfläche in dunkles gelblichgrau und schmutzig ockergelb übergeht. Er ist zum Theil porös und löchrig, und auf den Wänden dieser kleinen Höhlungen mit Kalkspath oder mit Quarz überdrust; auch bildet Kalkspath bisweilen kleine Trümer und Einsprengungen. Die mittleren Schichten sind reich an kleinen Bivalven. Der Kalkstein ist durch schmale Klüfte in fuß- bis ellenmächtige Schichten getheilt, deren Absonderung durch grünliche Thonlagen vermittelt wird; außerdem ist er sehr zerklüftet, und besonders auf diesen Kluftflächen mit feinen dendritischen Zeichnungen geschmückt. Die weiteren Klüfte werden bisweilen von Kalksinter erfüllt, welcher auch die alten Steinbruchswände in mancherlei Gestalten überzieht. Die untersten Schichten sollen zum Theil ein, wie Stinkstein riechendes Gestein enthalten.“

Außerdem nennt Naumann noch Vorkommen „zwischen Gößnitz und Zürchau“ sowie bei Zehma und Frankenhausen.

 


Ausschnitte aus den geognostischen Karten, Blatt XIX (links) und XV (rechts). Dunkelblau sind die Ausstriche des Plattendolomits beiderseits des Pleiße-Tales eingezeichnet.

 

Die geologischen Beschreibungen des Plattendolomites aus dem 19. und vom Beginn des 20. Jahrhunderts entsprechen weitgehend denen aus dem nordöstlich benachbarten
 Geithain am Südostrand der Frohburg- Bornaer Mulde. In der ersten Auflage der Erläuterungen zum Geologischen Kartenblatt No. 93 aus dem Jahr 1882 schrieb der Geologe Thomas Siegert dazu:

  

„Section Meerane bringt diejenige Partie des erzgebirgischen Beckens fast vollständig zur Darstellung, welche mit nördlicher Richtung in die thüringische und nordsächsische Dyasbucht einmündet. Die von Osten her vordringenden limnischen Ablagerungen desselben werden hier allmählich von den marinen Schichten des oberen Zechsteines und den Strandbildungen der unteren Buntsandsteinformation bedeckt. Silurische und devonische Gesteine bilden die beiderseitigen Ränder, sowie die Unterlage der Dyas, während die Steinkohlenformation bis jetzt noch nirgends in diesem Gebiete nachgewiesen werden konnte…

Sämmtliche älteren Gebilde sind daher meist von einer mächtigen Decke tertiärer, diluvialer und alluvialer Bildungen verhüllt und treten fast nur an den steileren Thalgehängen frei zu Tage. Um den Bau dieses Untergrundes etwas deutlicher zur Anschauung zu bringen, sind jedoch bei der kartographischen Darstellung zuweilen die oft nur winzigen Aufschlüsse vergrössert und mit einander verbunden, somit die kuenozoischen Gebilde local vernachlässigt worden, sobald sie eine nur sehr geringe Mächtigkeit besassen…

III. Die obere Zechsteinformation.

Die obere Zechsteinfonnation lagert sich als eine verhältnissmässig schwache, höchstens 20 bis 25 m mächtige Decke der Stufe der dolomitischen Sandsteine concordant auf.

1. Die Stufe der Plattendolomite (z02).

Petrographischer Character. Die Stufe der Plattendolomite wird vorherrschend von Dolomiten, untergeordnet von Thonen gebildet. Die Dolomite sind meist gelblichgrau bis lichtbräunlich, seltener hell- bis dunkelgrau gefärbt. Die letzteren Varietäten riechen beim Zerschlagen bituminös und werden beim Glühen schwarz. Diese Dolomite sind in Platten abgesondert, deren Dicke meist zwischen 5 und 10 cm, schwankt, jedoch auch bis zu mehreren Decimetern steigen oder unter einen Centimeter sinken kann; ausserdem werden sie von zwei senkrechten und zu einander ziemlich rechtwinkligen Kluftsystemen durchsetzt, wodurch sie in parallelepipedische Stücke zerfallen. Ihre Structur ist meist eine dichte, aber auch fein- bis grobporöse oder löcherige bis schlackige; die Höhlungen sind erbsen- bis faustgross, haben unregelmässige Gestalten, rauhe Wände und sind theilweise von kleinen Bitterspathkrystallen und weissen Glimmerschüppchen incrustirt oder erfüllt. Die Vertheilung dieser Hohlränme ist eine unregelmässige; sie kommen stellenweise nur in den untersten, anderwärts nur in den oberen Bänken vor und können auch ganz fehlen.

Die chemische Analyse des Dolomites von Crotenlaide bei Meerane ergab 29,4 bis 31,2% Kalk - 20,9 bis 21,0% Magnesia - 45,9 bis 47,1% Kohlensäure - 0,6 bis 0,7% Eisenoxyd, Eisenoxydul und Thonerde und 0,4 bis 1,2% in Salzsäure Unlösliches. Die Zusammensetzung des Dolomites von Rudelswalde ist fast die gleiche, derselbe enthält 30,7% Kalk - 20,3% Magnesia - 45,5% Kohlensäure - 1,6% Eisenoxyd, Eisenoxydul und Thonerde und 1,6% Unlösliches (Wunder, Herbrig und Eulitz, 1867).

Als accessorische Bestandtheile kommen, wenn auch selten, Malachit und Bleiglanz, als secundäre Gebilde auf den Klüften Dendriten und Krusten von Eisen- und Manganhydroxyd, sowie und zwar auf Hohlräumen und Spalten Krystallgruppen von Kalkspath, sowie Ueberzüge und Stalaktiten von Kalksinter vor.

Durch Auslaugung haben sich zuweilen Höhlen von mehr als einem Meter Weite in dem Dolomit gebildet, an deren Wänden die Schichtenköpfe abgerundet und gewöhnlich mit Eisen- und Manganhydroxyd dick überzogen sind ; diese Höhlungen sind zum Theil noch offen, zum Theil durch die überlagernden bunten Letten mehr oder weniger erfüllt, deren Schichten sich sackartig in dieselben gesenkt haben… Zwischen die Dolomitplatten schalten sich oft dünne Häute oder dickere, stellenweise fast 1 Decimeter starke Lagen eines grauen bis grünlichgrauen, theils fetten, theils sandigen, meist glimmerreichen Thones oder Mergels ein.

An organischen Resten ist der Dolomit in der Regel sehr arm…
  

Aufbau. Die Stufe der Plattendolomite lässt sich nicht noch weiter in einzelne Unterabtheilungen gliedern. Die in den Kalkbrüchen gebräuchliche Unterscheidung von zwei oder drei Bänken (Oberbank und Unterbank – Oberbank, wilde Schicht oder Stock und Unterbank - Käsebank, dicke Bank und Schneckenhäuselbank) hat keine allgemeine Gültigkeit…

Die Mächtigkeit der Stufe beträgt meist nur 3 m, kann aber local bis zu 5 m. (zwischen Crimmitschau und Rudelswalde) anwachsen, und anderorts bis auf 0,5 m. und weniger (in der Nähe des Ausstreichens) herabsinken.  

 


Zwei Profilausschnitte zur Lagerung des Plattendolomits südwestlich von Crimmitschau (oben) und beiderseits des Pleiße- Tales bei Crimmitschau (unten) aus der Geologischen Specialkarte des Königreichs Sachsen, Blatt 93, Section Meerane-Crimmitschau.

  


Profildarstellung zur Lagerung des Plattendolomits nördlich von Meerane aus demselben Kartenblatt. Über dem braun dargestellten Rotliegenden sieht man überall das schmale, blaue Band des Plattendolomits.

 

Lagerung und Verbreitung. Die Stufe der Plattendolomite bildet innerhalb des Rothliegenden eine flach tellerförmige Mulde, deren äusserster Rand, also deren Muldenbucht etwas südlich von der Sectionsgrenze bei Langenreinsdorf und Neukirchen auf Section Zwickau liegt. Diese südlichste Partie der Zechsteinmulde ist jedoch durch Thalerosion, namentlich durch das Pleissen-, Langenreinsdorfer-, Rudelswalder- und Sahn-ThaI tief eingeschnitten, zerlappt und in isolirte Schollen zerstückelt worden. Der Ausstrich des rechten oder östlichen Muldenflügels zieht sich, jedoch grösstentheils verborgen unter mächtigem Schwemmland, von Wahlen aus etwa über Gablenz, Meerane, Crotenlaide und Hainichen nach Naundorf…

Eine in diesem Gebiete allein stehende Unregelmässigkeit der Lagerungsverhältnisse wird zwischen Crotenlaide und Hainichen durch eine Verwerfung, welcher das ThaI von Köthel zu entsprechen scheint, hervorgebracht, in Folge deren die nördlich von der Verwerfungskluft gelegene Partie der Plattendolomite über das Niveau der südlich angrenzenden Schichten gelangt ist, so dass letztere die erstere zu unterteufen scheinen. Auf dieser Ausstrichzone sind die z. Th. noch im lebhaften Betriebe stehenden Kalkbrüche von Meerane und Crotenlaide, ein paar kleinere, auflässige Brüche bei Hainichen und am nördlichen Gehänge des Naundorfer Thales angesetzt.

 


Ausschnitt aus Blatt 93 der Geologischen Specialkarten von Sachsen, Section Meerane-Crimmitschau, 2. Auflage 1904, mit der Lage der Dolomitausstriche bei Meerane und Crotenlaide. Auch in der 50 Jahre jüngeren Karte ist der Dolomit blau eingezeichnet.

 

„Der Ausstrich des linken, westlichen Flügels liegt im Gebiete der westlich angrenzenden Section Ronneburg; nur bei Sommeritz und bei Schmölln treten kleinere Partien desselben auf die Section Meerane über und sind dicht an der Grenze des Blattes durch einen Steinbruch, sowie im Bette der Sprotte bei Schmölln aufgeschlossen. Dem Südrande und dem durch das Pleissenthal angeschnittenen centralen Theile der flachen Plattendolomit-Mulde gehören die zahlreichen, aber vielfach wieder verlassenen Kalkbrüche zwischen Langenreinsdorf und Rudelswalde, am linken Gehänge des Rudelswalder Thales, bei Crimmitschau und Wahlen an der linken, zumal aber an der rechten Seite des Pleissenthales, südwestlich von Mark Sahnau, nördlich vom Salmpark und östlich vom Sahnwald, in der Nähe von Leitelshain, südlich von Gösau, ferner die früheren, jetzt verschütteten Brüche in Obergrünberg, sowie endlich die meist nur undeutlichen Anbrüche bei Frankenhausen und Tempel an.“

  


Ausschnitt aus Blatt 93 der Geologischen Specialkarten von Sachsen, Section Meerane-Crimmitschau, 2. Auflage 1904 (oben) und Blatt 111, Section Zwickau-Werdau, 2. Auflage 1905, mit der Lage der Dolomitausstriche zwischen Langenreinsdorf (im Südwesten), Rudelswalde, Wahlen (östlich von Crimmitschau), Leitelshain und Frankenhausen (im Norden)

 

Vom gleichen Verfasser wurde die 2. Auflage im Jahr 1905 revidiert. Der beschreibende Text zum Plattendolomit ist fast wörtlich identisch. Aber hinsichtlich des Abbaus des Dolomits lesen wir jetzt: „Auf dieser Ausstrichzone waren die jetzt meist verlassenen Kalkbrüche von Meerane und Crotenlaide …angesetzt…“ und: „Dem Südrande und dem durch das Pleissenthal angeschnittenen centralen Theile der flachen Plattendolomit-Mulde gehören die zahlreichen, aber fast sämtlich wieder verlassenen und z. Th. bereits wieder eingeebneten Kalkbrüche zwischen Langenreinsdorf und Rudelswalde, am linken Gehänge des Rudelswalder Thales, bei Crimmitschau und Wahlen an…“

In der Ausgabe des Kartenblattes von 1904 finden wir daher nur noch wenige Eintragungen von Kalköfen, insbesondere bei Rudelswalde.

 


Nördlich und südlich von Rudelswalde findet man auf diesem Ausschnitt der geologischen Karte von 1904 noch mehrere „K.O.“ und eine Reihe von kleinen Steinbrüchen auf dem Ausbiß des Plattendolomits. Da noch zu lesen sein wird, daß auch Ziegeleien den Dolomit gebrannt haben, markieren wir diese Standorte im Weiteren auch.

  


Man muß sich schon weit in das Kartenblatt hineinzoomen, um die kleinen Steinbrüche auf dem schmalen Ausstrich des Plattendolomits östlich von Crimmitschau bei Wahlen zu entdecken. Kalköfen sind nicht verzeichnet, allerdings gab es hier schon früher etliche Ziegeleien.

  

Anfang der 1930er Jahre fanden im Unteren Bachmann'schen Bruch in Meerane durch Dr. Schuster, Halle, geologische Grabungen statt. Er wies für den oberen Zechstein bei diesen Untersuchungen in Meerane einige Muschelarten erstmals nach. Bei den Grabungen wurde der ehemalige Meeresboden freigelegt, so daß man eine Strandschüttung des Zechsteinmeeres mit regelrechten Muschelpflastern erkennen konnte. Schuster konnte auch nachweisen, daß die Schichten unter dem Dolomit noch kein Rotliegendes, sondern noch immer oberer Zechstein sind. In persönlichen Briefen bedankte sich Dr. Schuster bei den Eigentümern, den Herren Bachmann, die trotz der schwierigen Geschäftslage extra Sprengungen für die Grabungen durchführen ließen. Ein Zeitungsartikel aus der Zeit berichtete über diese aufsehenerregenden Funde in Meerane. Schon damals wurde die Unterschutzstellung der Ausgrabungsstelle gefordert. Aufgrund des späteren Abbaus sind heute allerdings keine Funde mehr möglich.

In Meerane sind heute insbesondere auch keine Stücke mit den berühmten Chirotherienfährten mehr vorhanden. Nur in anderen Museums- Depots dürften noch einige existieren. So bestellten Anfang der 1990er Jahre Paläontologen aus den USA Abgüsse dieser Fossilien in Dresden, weil solche in Meerane bereits im unteren Buntsandstein vorgekommen, sonst aber für den mittleren und oberen Buntsandstein typisch sind (Informationen von Herrn Och, Meerane).

 


Aufnahme vom Unteren Bachmannschen Bruch aus dem Jahr 1930 zum Zeitpunkt der Ausgrabungen von Dr. Schuster. Zu den Personen: Hinten stehend Dr. Alfred Schuster (Halle) vom geologischen Landesamt, links neben ihm der Meeraner Lehrer und verdiente Heimatforscher Studienrat Willibald Krause (Heimatbuch Meerane). Vorn stehend Arthur Bachmann, Komplementär der Firma mit Tochter Berthilde. Man sieht im Vordergrund die Sprenggrube, wo der ehem. Meeresboden an der Dolomitbasis freigelegt worden ist. Im Hintergrund die hier 5 m mächtige Stufe des Plattendolomits. Wo die drei Personen sitzen, zieht sich eine 15 cm bis 20 cm starke Lettenschicht durch den Dolomit. die sog. "versteinerten Letten". Sie trennt den Plattendolomit in zwei Bänke. den Oberstein und den Niederstein. Bildquelle: Fa. Bachmann & Söhne K. G., aus dem Nachlaß von Christine Bachmann, Gattin des Ehrhardt Bachmann, jetzt Sammlung M. Och, Meerane

  

Der Niederstein ist 2 Meter mächtig und oftmals von vielen Löchern und Hohlräumen durchsetzt. Qualitativ besser war der 3 Meter mächtige Oberstein; er war kompakt, massig und klotzig. Ganz früher baute man nur diesen ab und verwendete ihn auch als Baustein.

Über dem Dolomit (im Foto oben nicht mehr zu sehen) folgen die oberen bunten Letten von 5 m bis 15 m Mächtigkeit. Sie beginnen mit den 50 cm bis 75 cm dicken, blauen Letten, die oftmals kleine hübsche Calcitdrusen enthielten. Darüber dann die Konkretionen, Knollen und Klumpen des Wilden Kalksteins und darüber folgten die farbenfrohen oberen bunten Letten (von Dr. Schuster wurden sie als Oberer Zechstein- Sandstein bezeichnet).

Dieser Bruch mit den Ausgrabungen war auch die Fundstelle der Fährten von Chirotherium barthii. Ziemlich genau in dem Areal, nur eben in den obersten Schichten des Bruchs (Unterer Buntsandstein). Die Funde hörten nach 1912 etwa schlagartig auf, vermutlich war in der Buntsandsteinwüste nur eine schmale Strandzone eines Gewässers aufgeschlossen, was damals der Lebensraum dieser Tiere war. Belegt wird das auch durch "versteinerte Wellenrippeln", die hier neben sogenannten versteinerten Regentropfen gefunden wurden. Stücke der Fährten sind in Museen in Dresden, Leipzig (damaliges Geologisches Landesamt) und Chemnitz (Laut Meeraner Heimatbuch). Die Fährtenplatte in der Ausstellung im Zwickauer Museum soll auch von Crotenlaide sein. Im Garten des nahen Ritterguts Hainichen war auch eine sehr große Platte zu sehen, sie war aber schon vor dem Krieg nicht mehr auffindbar (Informationen von Herrn Och, Meerane).

  


Wellenfurchen im unteren Buntsandstein aus Crotenlaide bei Meerane.
Foto: früheres Geologisches Landesamt Leipzig, 1928.

http://www.deutschefotothek.de/documents/obj/72005579

 


Regentropfen- Abdrücke auf Schichtflächen im Buntsandstein von Crotenlaide bei Meerane.
Foto: Nowak, Max, vor 1930.

http://www.deutschefotothek.de/documents/obj/72032299

 


Dies dagegen ist zwar ein echtes Fossil, stammt aber ebenfalls nicht aus dem Plattendolomit, sondern aus dem Buntsandstein darüber: Chirotherium*-Fährten aus dem hangenden Buntsandstein bei Crotenlaide.
Foto: früheres Geologisches Landesamt Leipzig, undatiert.

*) Chirotherium ist eine Spurenfossilgattung fünffingeriger bzw. fünfzehiger (pentadactyler) Trittsiegel und entsprechender Fährten von Landwirbeltieren (Tetrapoda). Chirotherium ist typisch für terrestrische Sandsteine der Unter- und Mitteltrias und wurde vermutlich von rein landlebenden, kleinen Vorfahren der heutigen Krokodile verursacht. Chirotherium bzw. die Typusart Ch. barthii ist das erste nach Linné’scher Nomenklatur benannte Spurenfossil überhaupt.

http://www.deutschefotothek.de/documents/obj/72005588

  

Die meisten und schönsten Mineralstufen fanden sich in den Karstzonen des mittleren Bruches sowie im Ziegeleibruch in Meerane. In dem als wilder Kalkstein bezeichneten Horizont (konkretionsartige Kalkgebilde von wenigen Zentimetern bis zu einem Meter Größe) fand man auch kleine Kupferkies- und Dolomit-Kristalle und Anflüge von Malachit recht oft. Als untertage dieser Karstbereich des mittleren Bruchs angefahren wurde, fand man erneut viele schöne Stufen.

Der ehemalige Hauer Walter Bothe berichtete, daß beim Bohren einmal die Bohrstange verschwand und dann mit Presslufthämmern einfischförmiger Hohlraum freigelegt wurde: Er war etwa 1,5 Meter hoch, zirka 3 Meter lang und 0,5 Meter breit. Darinnen fand man eine Glitzerwelt aus Kalkspatkristallen, zum Teil lose auf dem Boden liegende große Bocken, nur aus Kristallen bestehend. Aber solche Dimensionen waren natürlich eine seltene Ausnahme.

Im unteren Bruch, in den obersten Schichten (im unteren Buntsandstein) fand man während der Betriebszeit auch Knollen von Brauneisen, zum Teil hohl, sowie bis walnußgroße Gebilde von Karneol. Mit der Stillegung des Abbaus und der Verfüllung der Brüche mit Abraum sind die Fundmöglichkeiten heute sämtlich erloschen.

Das Museum Meerane war schon viele Jahre vor der Wende geschlossen und die Mineraliensammlung in einem furchtbaren Zustand; viele Stufen hatte man gedankenlos einfach in Kisten geworfen, wodurch sie natürlich unrettbar kaputtgegangen sind. In den Höhlern von Meerane sind heute noch einzelne historische Fundstücke, die gerettet werden konnten, ausgestellt (Informationen von Herrn Och, Meerane).

  

Als man Anfang der 2000er Jahre parallel zum Meerchen, dem Bach im Tal, einen Vorfluter verrohrte, war das Dolomitlager noch einmal zwischen dem Beginn der Crotenlaider Straße und der Meerchenbrücke aufgeschlossen. In geringer Tiefe unter der Ackerkrume war an vielen Stellen der Dolomit zu sehen. An manchen Stellen fanden sich auch eingesackte Letten und deren lehmige Zersetzungsprodukte, die man in der Region ja auch zur Ziegelherstellung abgebaut hatte.

Der Graben war recht tief und der Dolomit war gut und gern 5 m mächtig, auch bis zu 6 m. Im Osten in Richtung Schönberg nahm die Mächtigkeit bis zur Grenze der Abbauwürdigkeit ab. Nach Norden, vor allem aber nach Westen hin wurde er dagegen immer mächtiger, verschwindet dabei aber mehr und mehr in der Tiefe. Jedenfalls fand sich hier ein massiver, grob-klotziger Plattendolomit vor von sehr heller Farbe (Informationen von Herrn Och, Meerane).

  


Ausschnitt aus der Geologischen Übersichtskarte der DDR, Känozoikum abgedeckt. Damit Sie nicht so viel blättern müssen, fügen wir sie an dieser Stelle noch einmal ein.

  

Ohne daß wir darüber bereits Unterlagen gefunden hätten, kursierte schon zu den Zeiten, als die Einstellung des Kalkabbaus in Crotenlaide absehbar war, die Meinung unter den Kalkwerkern, daß sich das Dolomitlager an der Westseite des Tales fortsetze. Nach der geologischen Übersichtskarte ist dem tatsächlich so und in Crimmitschau, wo die Südwestflanke der Zeitz- Schmölln'er Mulde wieder zutage kommt, streicht auch der Plattendolomit ja wieder aus. Der Abbau westlich von Meerane sei allerdings zu teuer, weil das Lager dort zu tief läge und zu viel Grundwasser gehoben werden müsse. Weil zudem der Abbau in Caaschwitz rentabler sei, wo der Dolomit in weit größeren Mächtigkeiten ansteht, galt die westliche Fortsetzung des Lagers bei Meerane aber nur als Staatsreserve (Informationen von Herrn Och, Meerane).

Die Wünschendorfer Dolomitwerke GmbH baut seit 1922 und bis heute in Caaschwitz, nördlich von Gera, den Plattendolomit ab (dolomitwerk-wuenschendorf.de).

 

 
 
 

Zur Montangeschichte

Die Anfänge

  

Die ältesten, von uns bisher aufgefundenen Hinweise auf einen Abbau des Plattendolomits in dieser Region datieren auf die erste Hälfte des 18. Jahrhunderts. Im Jahr 1713 klagte der Rat der Stadt Crimmitschau gegen Carl Friedrich von Bose auf Crimmitschau und Schweinsburg wegen der geplanten Errichtung eines Kalk- und Ziegelofens im Vorwerk Döbitz auf städtischer Flur (30614, Nr. 0044).

Im Jahr 1733 klagten Rat und Bürgerschaft Crimmitschau gegen den Akzise- Inspektor Christian Schmidt aus Crimmitschau wegen Eröffnung einen Kalksteinbruches (30023, Nr. 2122).

Nur wenig später sind auch aus dem Umland Crimmitschaus Gesuche von Grundeigentümern um Konzession zum Bau von Kalköfen erhalten, so von Löscher, der 1743 bei Langenreinsdorf eine Kalkhütte errichten wollte (10036, Loc. 33565, Rep. 32, Nr. 0050), oder von Michael Große aus Rudelswalde (10036, Loc. 33565, Rep. 32, Nr. 0111).  

  


Ausschnitt aus den Meilenblättern von Sachsen, Berliner Exemplar, Blatt 100, entstanden 1795, mit der Einzeichnung einer ersten „Kalckhütte“ westlich (im Bild links oberhalb) von Rudelswalde.

 


Diese Kalkhütte sowie eine Ziegelei bei der Karthause sind auch auf der Oberreit’schen Karte von Sachsen, Section Zwickau, entstanden zwischen 1830 und 1850, dargestellt.

  

Vermutlich wurde der Dolomit in Meerane schon zu Zeiten der Stadtgründung abgebaut. Das belegen die Reste der alten Stadtmauer an Bornberg und Badergasse. Anfang der 1990er Jahre fanden Ausgrabungen in der Meeraner Kirche statt. Im Bereich des Chorraums legte man dabei die Fundamentreste einer Apsis aus dem frühen 12. Jahrhundert frei. Die Mauerreste bestehen größtenteils aus Plattendolomit.

Die ersten Steinbrüche befanden sich am heutigen Pfarr- und Rotenberg, also mitten in der jetzigen Stadt. Heute kann man es nur noch an den steilen Hängen hinter manchen Häusern erahnen. Diese Stellen waren aber nicht so mächtig und ergiebig wie in Richtung Crotenlaide. Die erste urkundlich belegte Erwähnung stammt von 1521. Ein Teil der Meeraner Bürgerschaft hatte sich gegen die gnädige Herrschaft aufgelehnt (die Schönburger in Glauchau). Die Strafe bestand u. a. auch darin, daß sie zwei Ruten Kalkstein brechen oder brechen lassen und dem  Glauchauer Amt abzuliefern hatten (Informationen von Herrn Och, Meerane).

Im Dorf Crotenlaide bei Meerane waren sehr viele Einwohner in den Steinbrüchen beschäftigt. Man baute sehr wild und unvorsichtig ab. Man brach den Kalk einfach solange heraus, bis das Deckgebirge nachbrach. Dadurch gab es laut Chronik, Überlieferung und Kirchenbüchern viele schwere und auch tödliche Unfälle. Später wurden dann von der Stadt je ein Aufseher für die Oberen, die Mittleren und die Unteren Brüche eingesetzt. Es wurden strenge Unfallverhütungsmaßnahmen durchgesetzt. Die Oberen Brüche befanden sich in Richtung Meerane, die unteren Richtung Crotenlaide. Noch später gab es dann nur noch zwei Aufseher für die Oberen und Unteren Brüche.

Ein Teil der Kalkbrüche gehörte damals der von Schönburg'ischen Herrschaft in Glauchau. Frühere Steinbruchbesitzer waren aber auch Gutsbesitzer und Fabrikanten aus Meerane.

 


Ausschnitt aus den Meilenblättern von Sachsen, Berliner Exemplar, Blatt 101, entstanden 1795, mit der Einzeichnung ausgedehnter Steinbrüche, jedoch noch keines Kalkofens südlich von Crotenlaide. Das nördlich angrenzende Herzogtum Sachsen-Altenburg ist hier nicht dargestellt.

  


Auf der Oberreit’schen Karte von Sachsen, Section Borna (oben) und Section Zwickau (unten), entstanden zwischen 1830 und 1850, ist südlich von Crotenlaide ein erster Kalkofen eingezeichnet. Auf dem südlichen Blatt wurde bereits die geplante Eisenbahnlinie rot nachgetragen.

 

In August Schumann‘s Vollständigem Staats-, Post- und Zeitungslexikon von Sachsen finden wir die Stadt Crimmitschau erst nach einigem Suchen im Band 5, Ausgabe 1818, unter „K“ wie „Krimmitschau“. Dort heißt es „Die Einwohner der Stadt nährten sich von alters her besonders vom Ackerbau und von dem Bierbrauen… Sehr alt ist hier auch das Gewerbe der Tuchmacher. Schon im J. 1452 gab es hier eine Tuchmacherinnung, welche damals, wie es scheint, zuerst in Sachsen ihre Tuche beschauen und die tüchtigen mit einem bleiernen Zeichen stempeln ließ…“ 

Über den Nachbarort Wahlen erfahren wir aus Band 12, erschienen 1825: „Wahlen, ein mäßig großes, nur gegen 20 Häuser enthaltendes, aber sich lang erstreckendes Dorf im erzgebirgischen Amte Zwickau (eigentlich im Amte Werdau) des Königreichs, gehört zur kleinern Hälfte, soweit nämlich sonst das Closter Carthause Besitzer war, unters Amt oder dessen Gerichtsstuhl zu Rudelswalde, zur größern Hälfte aber schriftsässig nach Schweinsburg; …“

Weder bei Langenreinsdorf oder Langen- Rehnsdorf, noch unter dem Stichwort Rudelswalde erfährt man aus dieser Quelle etwas über den Kalkabbau; nur, daß die Bewohner dazumal zumeist Bauern gewesen sind.

G. A. Poenicke schreibt dann um die Mitte des 19. Jahrhunderts über das frühere Kloster und jetzige Rittergut Carthause bei Crimmitschau: „In dem schönsten Theile des herrlichen Pleissengrundes, eine halbe Stunde südlich von Crimmtzschau, liegt Carthause, bestehend aus fünfzehn Häusern, worunter eine Schmiede und ein Schenkhaus, das zugleich Chausseehaus ist, sowie einem ansehnlichen Rittergute mit dazugehöriger Mahlmühle, Ziegelscheune und einem Kalkofen. Die Einwohnerschaft besteht aus etwa hundertdreißig Personen…“

Beim selben Autor wird auch in der Beschreibung von Schweinsburg jetzt eine Kalkbrennerei erwähnt: „Zu dem Rittergute gehört die Fischerei in der Pleisse, die Collatur über Kirche und Schule zu Neukirchen und das Fililal Kleinbernsdorf. Es hat eine bedeutende Schäferei mit weit ausgedehnten Triften, eine Kalkhütte, bedeutende Waldung in der Harth und etwa 200 Scheffel Aussaat. Das Dorf besteht aus vierzig und einigen Wohnhäusern mit etwa 200 Bewohnern…“

Die Gerichtsbücher (12613, Nr. 116) und Unterlagen der Grundherrschaft Planitz (30771, Mr. 147) weisen dagegen zuverlässig aus, daß bereits vor 1802 ein Kalksteinbruch in Wahlen wüst gelegen hat.

  

Auch bei Meerane finden wir in Schumann‘s Band 6 des Postlexikons, Ausgabe 1819, keinen einzigen Hinweis auf Kalkabbau und Kalkbrennerei. Grotenleithe (jetzt in dieser Schreibweise) wird überhaupt nur als in die Filialkirche zu Dennheritz eingepfarrt erwähnt. Vom Kalkbergbau ist Anfang des 19. Jahrhunderts bei Schumann in dieser Region jedenfalls keine Rede.

Dabei war bereits von 1774 bis 1792 in Meerane ein Kalk- und Ziegelofen verpachtet (30581, Nr. 1145). Kalk wurde in der Region also nachweislich schon im 18. Jahrhundert gebrannt; es ist aber anzunehmen, daß es auch schon viel früher geschah.

Erst A. Schiffner erwähnt 1845 in seiner „Beschreibung der sächsischen und ernestinischen Lande“ die Kalkbrennerei: „Merane, Meerana (ursprünglich Mer) unterliegt bis auf die 18 Pfarrdotalen dem jedesmaligen Directorialamte, liegt über'm rechten Ufer der Seiferitz (die unter der Stadt mit dem Mörichen zugleich dessen Namen annimmt), ¾ Meilen nordwestlich von Glauchau, an der Leipziger Straße, während die Flur durch die Leipzig- Zwickauer Hauptstraße vom Altenburgischen geschieden wird… zählte 1834 in 434 Häusern 4.172 Seelen, deren nun über 4.300 sind, und hat eine Postverwalterei, 3 Gasthöfe 2 Mühlen, 1 Ziegelei, 3 Kalköfen, 4 Färber, 5 – 6 Fabrikhandlungen, Wollzeug-, Westen-, Tuch- und Casimirweberei, eine schöne neue Schule, in der uralten und jüngst verneuten Wallfahrts- Kirche aber eine gute Orgel und sehenswerthe alte Kunstwerke…“

Bis um 1880 brannte man den Kalk in sogenannten altdeutschen Öfen, ab 1863 in Trichteröfen; der erste dieser Art in Meerane gehörte dem Chemiker Dietrich. 1886 kam schließlich der moderne Ringbrandofen der Kalkbrennerei Bachmann dazu (Informationen von Herrn Och, Meerane).

  


Ausschnitt aus den Meilenblättern von Sachsen, Freiberger Exemplar, Blatt 61, entstanden 1795, mit der Einzeichnung der „Kalkhütte“ westlich (im Bild links oberhalb) von Rudelswalde, mit (zumeist rot) Nachtragungen bis 1876: Weiter talaufwärts sind ein weiterer Kalkofen und außerdem zwei Ziegeleien hinzugekommen.

 


Ausschnitt aus den Meilenblättern von Sachsen, Freiberger Exemplar, Blatt 61, entstanden 1795, mit (zumeist rot) Nachtragungen bis 1876: Zwischen Rudelswalde und Crimmitschau sind ein weiterer Kalkofen und das „Ziegel Guth“ am Stadtrand hinzugekommen.

 


Ausschnitt aus den Meilenblättern von Sachsen, Freiberger Exemplar, Blatt 61, entstanden 1795, mit (zumeist rot) Nachtragungen bis 1876: Die Ziegelscheune und der Kalkofen an der „Carthause“ sind noch mit schwarzer Tusche eingezeichnet, aber inzwischen wurde die Bahnlinie von Zwickau nach Gößnitz rot nachgetragen.

 


Ausschnitt aus den Meilenblättern von Sachsen, Freiberger Exemplar, Blatt 62, entstanden 1795, mit (zumeist rot) Nachtragungen bis 1876: Jetzt sind auch im Tal bei Crotenlaide drei Kalköfen rot nachgetragen.

 

Wunder, Herbrig und Eulitz notierten 1867, daß „in der Gegend von Crimmitzschau und Meerane“ im Jahre 1864 immerhin 22 einzelne Kalksteinbrüche in Betrieb gestanden hätten. Die Produktion dieser Region habe sich 1864 auf 1.844 Ruthen Rohdolomit belaufen (zirka 19.000 t). Die Menge von 1.844 Ruthen entsprach knapp 7% der Gesamtproduktion Sachsens im selben Jahr.

Davon wurden 1.044 Ruthen gebrannt (davon wiederum aber immerhin 324 Ruthen, also ein im Vergleich zu anderen Regionen sehr hoher Anteil von zirka 31%, gewissermaßen „nebenbei“ in Brennöfen der zahlreichen Ziegeleien, während demgegenüber 17 althergebrachte, periodische Öfen und nur ein einziger Kessel- oder Schneller- Ofen ausschließlich zum Kalkbrennen genutzt wurden. Die Branntkalkproduktion in der Region belief sich 1864 auf insgesamt 65.700 Scheffel (zirka 8.500 t). Weitere 800 Ruthen seien ungebrannt zum Hüttenbetrieb sowie für chemische Zwecke verkauft worden.

 

Auf den am Ende der Gründerzeit entstandenen Äquidistantenkarten des Königreiches Sachsen kann man dann eine Vielzahl von Kalköfen finden. Wie wir in den noch etwas jüngeren, geologischen Beschreibungen oben schon lesen konnten, war die überwiegende Mehrzahl der zumeist kleinen, wohl von den Grundeigentümern selbst und nur mit minimalem technischen Aufwand betriebenen Abbaue – sicherlich schon aufgrund der recht miserablen Lagerstättenverhältnisse – spätestens bis zum Ende des 19. Jahrhunderts jedoch wieder eingegangen.

 


Ausschnitt aus der Äquidistantenkarte von Sachsen, Section Meerane, erschienen 1878. Westlich von Crimmitschau, besonders um Rudelswalde sind jetzt etliche Steinbrüche und Kalköfen („K.O.“) verzeichnet. Auch hier markieren wir zusätzlich die Ziegeleien.

 


Ausschnitt aus der Äquidistantenkarte von Sachsen, Section Meerane, erschienen 1878. Bei Wahlen sind einige kleine Steinbrüche eingezeichnet, jedoch kein einziger Kalkofen. Stattdessen sind in der Gründerzeit eine Vielzahl von Ziegeleien entstanden, die wahrscheinlich nebenbei auch Kalk gebrannt haben.

   


Auch auf diesem 1895 gedruckten Stadtplan ist der spätere Steinbruch der Königin Marienhütte noch nicht verzeichnet.  

  


Auf der Ausgabe des Meßtischblattes von 1938 sind vorallem nördlich von Langenreinsdorf noch immer einige Kalköfen, teils aber schon als „Ehem. K.O.“ bezeichnet, eingetragen.

  


Ausgabe des Meßtischblattes von 1938. Anstelle der Dolomitsteinbrüche ist östlich der Stadt Crimmitschau  jetzt der Zöffel- Park (später auch Sahn-Park) entstanden. Wenigstens vier Ziegeleien zwischen Crimmitschau und Gablenz existierten dagegen weiter.

 

Ein Exkurs am Rande: Der ursprüngliche Namensgeber des Stadtparkes, E. O. Zöffel, war Textilunternehmer in Crimmitschau. Die Familie Zöffel stammte wahrscheinlich aus dem Westerzgebirge, wo sie im 18. Jahrhundert eine Gerberei und Lohmühle betrieb (vgl. 10036, Loc. 33530, Nr. 0092). Nach der bürgerlichen Revolution von 1848 wurde gegen einen Herrn K. A. Zöffel wegen „Aufruhrs“ vor dem Königlichen Gericht zu Waldheim verhandelt (20076, Nr. 299).

Bis etwa 1890 muß der obergebirgische Familienzweig in Schneeberg ansässig, danach aber ausgestorben sein (30143, Nr. 490). In dieser Zeit wird sich E. O. Zöffel dagegen in Crimmitschau niedergelassen und dort die Tuchfabrik E. O. Zöffel OHG begründet haben.

1921 wurde daraus unter Übernahme und Fortbetrieb der bisherigen Tuchfabrik eine GmbH gebildet. Nach dem 2. Weltkrieg, Ende 1952 wurde ein Konkursverfahren, später auch ein Strafverfahren gegen die Inhaber eröffnet. 1956 erfolgte die Löschung der Firma im Handelsregister. Nachfolgebetriebe waren ab 1. Mai 1954 der VEB Tuchfabrik Crimmitschau und ab 1. Januar 1962 der VEB Volltuchwerke Crimmitschau (31199).

 

  
 
 

Zum Dolomitabbau in Wahlen bei Crimmitschau Anfang des 19. Jahrhunderts

  

In den Unterlagen der Grundherrschaft Planitz (30771, Mr. 147) haben wir gelesen, daß der vorher wüst liegende ‒ also unzweifelhaft schon ältere ‒ Kalksteinbruch in Wahlen vom Grundeigentümer, dem Bauern Johann David Hofmann auf dem Viertel- Lehngut zu Wahlen 1802 an den Domherrn Carl Christoph von Arnim auf Planitz verkauft wurde.

Herr von Planitz kam dazu nicht selbst, sondern schickte seinen Gerichtsdirektor August Traugott Leberecht Kretzschmar auf Planitz nach Wahlen, der am 21. Januar 1802 den Kauf tätigte. Am 25. Juni 1802 wurde der Verkauf vor dem von Berbisdorf'schen Gericht auf Schweinsburg von Amtes wegen beurkundet. Nach dieser Urkunde wechselten den Besitzer damals:

  •   1½ Mezzen Buschholzboden,

  • 10½ Mezzen wüster Kalksteinbruch und

  •   8½ Mezzen Feld, ss. also 20,5 Flächeneinheiten.

Anmerkung: Die Metze ist eigentlich ein Hohlmaß und wurde vorallem als Getreidemaß verwendet. Der Rauminhalt schwankte regional erheblich und reichte von knapp 15 bis fast 28 Litern, die entweder aus dem achten oder dem sechzehnten Teil eines Scheffels bzw. Malters resultierten (wikipedia.de). Hier wird es aber offenbar als Flächenmaß verwendet und erst auf dem Umweg über Meyers Großes Konversationslexikon war herauszufinden, das hier wohl ein Metzen Aussaat gemeint war, was (in Österreich) einem Drittel Joch Landes entsprach. In Deutschland verwandte man dagegen meist den Scheffel Aussaat als Flächenmaß.

Das Wiener Joch (bis Ende 1875 gültig) umfaßte nun eine Fläche von 1.600 Quadratklaster; was in heutigen Maßen reichlich 57,5 Ar bzw. 0,575 ha sind. Legen wir davon ein Drittel zugrunde und multiplizieren dies mit den 20,5 Einheiten, resultieren folglich knapp 4 Hektar für das angekaufte Abbaufeld.

Für diese, 1802 verkaufte Fläche war ein Preis von 300 Thalern ausgehandelt, wovon 200 sofort zu zahlen waren, der Rest an St. Michael (29. September) des laufenden Jahres. Außerdem vereinbarten die Parteien, daß jährlich 12 Groschen Beitrag zu den Erbzinsen des Gutes beizusteuern und je zwei Gulden Kalkhüttenzins jeweils zu Walburga (25. Februar) und zu Michaelis (29. September) zu entrichten waren. Dafür stimmte im Gegenzug Bauer Hofmannn dem Kalkbruchbetrieb und der Kalkbrennerei ausdrücklich zu und räumte ohne weitere Entschädigung auch Wegerecht über sein Land ein.

Bei der amtlichen „Berainung (Absteckung) der verkauften Fläche am 28. September 1802 waren auch die Besitzer der angrenzenden Fluren, die Bauern

  • Johann Michael Möckel
  • Gottfried Standen und
  • Gottlieb Freunds zugegen.

Der erste Rainstein wurde vom sogenannten Höllgraben nach Morgen Mittag (Südosten) gesetzt. Seitdem war die Familie von Arnim auf Planitz im Besitz eines Kalksteinbruches in Wahlen.

Noch im gleichen Jahr wurde mit dem Bau eines Kalkofens und eines Wohnhauses begonnen,  was bis 1803 auch alles fertig wurde und zusammen 827 Thaler und 19 Groschen kostete. Der Brennofen war auf Kohlenfeuerung ausgelegt, denn die Familie von Arnim besaß ja in Niederplanitz bei Zwickau Kohlengruben.

Noch im Jahr 1802 wurde der nagelneue Brennofen erstmals angefeuert und die ersten zwei Ofenbrände lieferten 140 Scheffel Kalk, der für 44 Thaler verkauft wurde. Für diese zwei Brände waren  nach der Aufstellung des Bergmeisters Tittel aber Lohn-, Transport- und Brennmaterialkosten von über 363 Thalern entstanden.

Ob der Domherr mit diesem noch keineswegs wirtschaftlichen Ergebnis schon zufrieden war und wie lange die Familie von Arnim diesen Bruch und die Kalkbrennerei danach betrieben hat, wissen wir noch nicht.

   

In einem Gerichtshandelsbuch aus dem Zeitraum 1828 bis 1840 ist jedenfalls ein erneuter Verkauf eines Kalksteinbruchs und Kalkofens in Wahlen vermerkt (12613, Gerichtsbücher Amtsgericht Crimmitschau, Nr. 118).

Aktenkundig ist dann wieder, daß zwischen 1892 und 1917 auf der Wahlen'er Seite der Pleiße die Königin Marienhütte AG den Dolomit als Zuschlagstoff für die Eisenhütte in Cainsdorf  abgebaut hat (40024-12, Nr. 100 und 40054, Nr. 137).

Der Standort wird als einziges aktives Kalkwerk in der Region zu dieser Zeit auch in der Auflistung der Kalkwerke im Jahrbuch für das Bergwesen im Königreich Sachsen, in den Ausgaben 1901 bis 1917, aufgeführt.

  

  
 
 

Zur von Arnim'schen Berg- und Hüttenverwaltung im 19. Jahrhundert

  

Weil uns dieses Unternehmen bei unseren Recherchen bereits an vielen Stellen im Erzgebirge und im Vogtland immer wieder begegnet ist, möchten wir an dieser Stelle einmal einige wenige Abschnitte zur Königin Marienhütte zu Cainsdorf im heutigen Zwickau und zu ihren Besitzern einfügen.

  

Der Name dieser berühmten Zwickauer Eisenhütte, der Königin Marienhütte, geht auf Maria Anna von Bayern (*1805, †1877), seit 1833 zweite Gattin König Friedrich Augusts, II. von Sachsen (*1797, †1854) zurück.

Die Gründung des Hüttenwerkes erfolgte durch die Sächsische Eisen- Compagnie im Jahr 1839 und markierte in der Eisenhüttenindustrie in Sachsen den Übergang von den einst zahlreichen kleinen, meist wasserkraftgetriebenen Hammerwerken zur modernen Eisen- und Stahlindustrie mit Koks und Steinkohle als Brennstoff. Der Standort der Hütte bei Zwickau, wo seit Jahrhunderten Steinkohle gefördert wurde, war somit klug gewählt (wikipedia.de).

Ursprünglich sollte das Hüttenwerk südlich von Zwickau in Wilkau erbaut werden. Am 21. April 1840 erfolgte dann aber die Grundsteinlegung auf dem sogenannten Mühlenfeld an der Zwickauer Mulde in Niedercainsdorf, welches zum Rittergut Planitz gehörte.

   


Ansicht der Königin Marienhütte in Zwickau-Cainsdorf, Tafelmalerei von Friedrich Wilhelm Tretau, um 1840, Original im Städtischen Museum Zwickau.

http://www.deutschefotothek.de/documents/obj/70012658

  

Das Rittergut Planitz befand sich seit 1812 im Besitz der damals noch minderjährigen Brüder Georg Heinrich Wolf von Arnim auf Planitz (*1800, †1855), Hans Carl von Arnim auf Planitz (*1802 †1857) und Friedrich Henning von Arnim auf Crossen (*1804 †1857). Es waren die Söhne des oben schon eunmal genannten Domherrn Carl Christoph von Arnim auf Planitz, der von 1772 bis zu seinem Ableben 1812 im Besitz des Gutes gewesen ist. Der älteste von ihnen, Georg Heinrich Wolf von Arnim, übernahm dann 1828 das Rittergut Planitz.

Planitz ist der Stammsitz des alten, weitverbreiteten und einst mächtigen Geschlechtes der Herren von der Planitz, denen im 15. und zu Anfang des 16. Jahrhunderts noch ein großer Teil des Obererzgebirges und des Vogtlandes gehörte. Die erste urkundliche Erwähnung finden die von Planitz im Jahre 1152, als Ludwig von der Planitz mit dem Kloster Bosau in Streit geriet. Das Rittergut war damals und bis zum Ende des 14. Jahrhunderts ein reußisches Lehen.

Der Amtshauptmann des Vogtlandes, Rudolph von der Planitz, wurde 1522 in den Edelstand erhoben und das Geschlecht schrieb sich von da an Edle von der Planitz. Dessen Enkel, Hans Rudolph und Georg Christoph von der Planitz, verkauften 1572 das Rittergut samt den schon damals bestehenden Kohlenwerken zunächst an Georg von Schönburg.

Nach vielen Besitzwechseln in rascher Folge gelangte es dann 1689 an die Familie von Arnim. Die von Arnim's hatten im Jahr 1698 das Rittergut Planitz nebst Neusorge gegen die Herrschaft Pretzsch bei Wittenberg mit dem sächsischen Fürstenhaus getauscht. Johann Georg von Arnim (*1655, †1721) erhielt daraufhin als erster aus der Familie der von Arnim's einen von Kurfürst Friedrich August ausgestellten Lehnbrief, in dem ihm neben dem Schloß, dem Ober- und Niederdorf und dem Kirchenlehen Planitz auch die damaligen Dörfer Cainsdorf, Rotzendorf, Voigtsgrün und Wilkau sowie das Kirchenlehen zu Ebersbrunn als Lehen zugesprochen wurden. Von nun an blieben diese Besitzungen fortwährend in den Händen der Familie von Arnim (L. Oeser, 1856).

Die Familie von Arnim engagierte sich anschließend sehr erfolgreich im Zwickauer Steinkohlenbergbau. Das Grubenfeld der von Arnim'schen  Steinkohlenwerke erstreckte sich über den alten Planitzer Kohlberg und auf das sich östlich und nördlich daran anschließende Grubenfeld. In der folgenden Zeit, während der die Familie von Arnim das Rittergut verwaltete, entwickelte sich ‒ wesentlich befördert durch die beginnende Industrialisierung ‒ auch der Steinkohlenbergbau in Planitz rasant. Zwar wurde den Planitzer Kohlenbergwerken aufgrund ihres Ertragsreichtums schon zu Lebzeiten Johann Georg von Arnims eine gewisse Bedeutung zugemessen, jedoch reichten damals noch fünf Bergleute aus, um die Kohlenförderung zu bewerkstelligen. Als Georg Heinrich Wolf, Hans Carl und Friedrich Henning von Arnim den Planitzer Kohlberg im Jahr 1812 erbten, waren schon etwa 30 Arbeiter dort beschäftigt.

Die Kohlenbergwerke lagen eigentlich nicht auf der Flur des Planitzer Rittergutes, sondern auf den sogenannten Pfarrfeldern. Im Jahre 1708 wurde Johann Georg von Arnim durch das Appellationsgericht zu Dresden zwar das alleinige Recht zugesprochen, auf den Pfarrfeldern zu Planitz Kohlen abzubauen, aber er mußte im Gegenzug einen Anteil der dort abgebauten Kohlen an die Planitzer Kirche abgeben. Ursächlich dafür war eine schon zu Beginn des 16. Jahrhunderts durch die Familie von Beust, die zwischen 1572 und 1689 auch eine Ueit lang zu den Besitzern des Rittergutes gehört hatte, initiierte Stiftung. Heinrich von Beust hatte damals entschieden, aus seinem Kohlenberg eine Stiftung zu machen und von jeder geförderten Wagenladung Kohlen einen bestimmten Teil an die Kirche abzutreten (40196).

Im Jahr 1824 verweigerte Georg Heinrich Wolf von Arnim (*1800, †1855) erstmals die Zahlung dieses Kohlenzehnten. Da er ab 1842 auch das Eisenhüttenwerk der Sächsischen Eisen- Compagnie auf der Rittergutsflur in Niedercainsdorf mit Kohlen aus seinen Schächten belieferte (vgl. u. a. 30771, Nr. 700, 10736, Nr. 17655, sowie 40024, Nr. 1-40), war strittig, ob auch auf die (zu diesem Zweck zu Koks verarbeiteten) Kohlen Abgaben an die Kirche zu zahlen waren oder ob diese unter den Privatbedarf an Kohlen fielen, der für die Rittergutsbesitzer nach der oben genannten Stiftungsurkunde abgabenfrei war.

In einer Beschreibung der Kohlenwerke aus dem Jahr 1856 heißt es dann, daß in den von Arnim'schen Steinkohlenwerke nun schon 400 Mann fortwährend beschäftigt seien (L. Oeser, 1856). Besonders die Lieferungen an das Hüttenwerk in Cainsdorf hatten natürlich auch in der Kohlenförderung zu einem weiteren Aufschwung geführt. Im Album der sächsischen Industrie heißt es dazu: „Bis zum Jahr 1840 überstieg die jährliche Kohlenförderung nie 7.000 Karren, von hier an aber hob sich dieselbe und schon 1845 wurden 61.600 Karren und 1850 bereits 136.000 Karren à 5 Dresdener Scheffel gefördert; im Jahre 1857 betrug die Kohlenförderung 192.637 Karren...“

Die Steinkohlenwerke verfügten über insgesamt 66 Koksöfen und die Koksproduktion belaufe sich auf „jährlich circa 150.000 Centner. Der größte Theil der geförderten Kohlen wird theils zur Marienhütte, theils zur Koksbereitungsanstalt geliefert, der übrige Theil wird nach Leipzig, Magdeburg und Baiern versendet.

Noch im Jahr 1895 wurde mit dem Neuen Alexanderschacht ein weiterer Förder- und Wetterschacht für die von Arnim'schen Steinkohlenwerke abgeteuft. Er erreichte über 228 m Teufe, erschloß drei Steinkohlenflöze und galt mit seiner elektrischen Turmförderanlage als der modernste Schacht seiner Zeit.

  


Diese kolorierte Lithographie aus dem Jahr 1856 zeigt die Übertageanlagen der von Arnim'schen Steinkohlenwerke in Planitz. Neben dem Anschlußgleisen im Hintergrund sind vermutlich der Himmelfahrt Schacht und (ganz rechts) der (alte) Alexanderschaht zu sehen, links im Vordergrund der Kunstschacht.
Aus: Album der Sächsischen Industrie, Band 1, Louis Oeser (Hrsg.), Neusalza 1856, Seite 253.

  


Kolorierte Lithographie mit einer Ansicht der Königin Marienhütte aus dem Jahr 1856.
Aus: Album der Sächsischen Industrie, Band 1, Louis Oeser (Hrsg.), Neusalza 1856, Seite 17.

  

Für die Oberleitung bei der Errichtung des Hüttenwerkes hatte die Sächsische Eisen- Compagnie ‒ deren Direktoriumsvorsitz übrigens Georg Heinrich Wolf von Arnim schon ab 1841 ebenfalls innehatte ‒ den Schweizer Ingenieur Johann Jakob Sulzberger (*1802, †1855) verpflichtet. Am 27. Juli 1840 fand dann auch die Grundsteinlegung für den ersten Hochofen statt. Schon im gleichen Jahr wurden die Mauerarbeiten für diesen ersten, 45 Fuß (zirka 12,75 m) hohen Hochofen vollendet, doch seine endgültige Fertigstellung verzögerte sich noch bis ins erste Halbjahr 1842. In diesem Jahr konnte der erste Hochofen angeblasen werden (Informationen von Herrn N. Peschke, Zwickau).

Einer der wichtigsten Abnehmer der Erzeugnisse waren die Königlich Sächsischen Staatseisenbahnen. In den folgenden Jahrzehnten entwickelte sich bekanntlich in Sachsen eines der dichtesten Schienennetze der Welt.

Von wesentlicher Bedeutung für den Betrieb war natürlich eine kontinuierliche Versorgung mit Rohstoffen. Den Brennstoff für die Hochöfen lieferten die von Arnim'schen Steinkohlenwerke auf kurzem Wege. Noch aber mußte fast alles mittels Pferdefuhrwerk ‒ mindestens bis zum nächstliegenden Bahnhof ‒ antransportiert werden. Daher war die Hüttenverwaltung natürlich daran interessiert, vorrangig nahe liegende Rohstoffquellen im Westerzgebirge und im Vogtland zu nutzen. Dazu hatte die Königin Marienhütte nach und nach vielerorts Abbaurechte auf Eisenerz erworben, u. a. die Grube Neusilberhoffnung in  Pöhla, das Abbaufeld von Wilkauer Vereinigt Feld am Tännigt bei  Langenberg, die Heinrich Fundgrube in Cunsdorf bei Reichenbach/V. sowie an zahlreichen weiteren Standorten.

Von Anfang an war daher auch unter den Offizianten der Hüttenverwaltung ein Schichtmeister, der für sämtliche der Königin Marienhütte gehörigen Bergbaubetriebe, namentlich der Eisenerzgruben, aber auch anderer Bergbaubetriebe, wie etwa in Wahlen bei Crimmitschau, zuständig war. Als erster in dieser Funktion war seit 1841 der Bergingenieur Ernst Julius Richter (*1808, †1868) eingesetzt. Er wurde von Bergrat Friedrich Constantin von Beust im April 1839 an die Sächsische Eisen- Compagnie vermittelt. Nach einjähriger Einarbeitung wurde er am 1. April 1840 als Bergmännischer Bevollmächtigter der Sächsischen Eisen- Compagnie fest eingestellt. Um 1860 verließ er aber die Gesellschaft und wurde Direktor des Zwickauer Brückenberg Steinkohlenbauvereins (Informationen von Herrn N. Peschke, Zwickau).

Danach übernahm diese Funktion bei der Königin Marienhütte der Bergingenieur Albin (oder AlwinHartung sen. aus Cainsdorf.

  

Obwohl die Königin Marienhütte im gesamten Westerzgebirge und im sächsischen Vogtland sehr intensiv und fast schon verzweifelt nach immer neuen Rohstoffquellen suchte, mußte aufgrund des allmählichen Versiegens der eigenen Eisenerzvorräte 1893 die Roheisenproduktion eingestellt werden (wikipedia.de).

O. Neubert erläutert in seiner Beschreibung der Königin Marienhütte 1894, daß der (dazumal schon nur noch eine) Hochofen 18 m Höhe und 5,5 m Durchmesser besäße und seit dem August 1893 nicht mehr im Gange sei, „…weil die Eisensteine aus den Gruben der Hütte nicht ergiebig genug waren, die fremden Eisensteine aber zu viel Fracht kosten und der Preis für Roheisen jetzt ein sehr niedriger ist.“

Neben Roheisen wurde auch Walz- und Schmiedestahl erzeugt. Außerdem verfügte das Werk über eine „Maschinenbauwerkstätte“, in der unter anderem Ausrüstungen für den Steinkohlenbergbau gefertigt wurden, sowie über eine „Brückenbauwerkstätte“. Dort wurden zum Beispiel die Riesaer und die Schandauer Elbbrücke konstruiert, aber auch „…Bahnsteigüberdachungen, Schachtgestänge, Bohr- und Aussichtstürme und andere Eisenkonstruktionen“ vorgefertigt (O. Neubert, 1894).

Auch die unter dem Namen „Blaues Wunder“ bekannte, Loschwitzer Elbbrücke in Dresden wurde hier in Zwickau von den Ingenieuren der Königin Marienhütte konstruiert, vorgefertigt und 1893 als die inzwischen schon 1.500. Stahlbau- Brücke ( !! ) durch das Unternehmen errichtet. Diese Brücke gilt heute als eines der Wahrzeichen der Stadt Dresden (wikipedia.de).

Ferner verfügte das Hüttenwerk über eine eigene Ziegelei, eine Gasanstalt, die auch die Orte Bockwa und Wilkau mit Leuchtgas versorgte, über 28 eigene Koksöfen und insgesamt 90 Dampfmaschinen; dazu über eine eigene Werkbahn mit drei Lokomotiven, die den Transport bis zu den Gleisen der Kgl. Sächs. Staatsbahn besorgten. 1894 habe man in allen Teilbetrieben zusammengenommen etwa 1.800 Arbeiter beschäftigt (O. Neubert, 1894).

   


Zeichnung der Königin Marienhütte aus O. Neubert, 1894. Etwa in der Bildmitte sind die Hochöfen zu sehen.

  

Dennoch wird in der Ausgabe des Jahrbuches von 1901 im Kapitel Statistische Mittheilungen über das Hüttenwesen, Abschnitt Eisenhüttenwerke, die Königin Marienhütte zu Cainsdorf noch als das einzige, derzeit in Betrieb stehende Werk zur Erzeugung von Roheisen in Sachsen angeführt. Im Jahre 1900 habe die Hütte der Aktiengesellschaft mit 157 Arbeitern in Cainsdorf 68.065 Tonnen Erz und 14.149 Tonnen Zuschläge in einem ganzjährig in Betrieb befindlichen Hochofen verhüttet und dabei 10.351 Tonnen Roheisen, 3.068 Tonnen „Bessemer- Roheisen“ (Konverter-Stahl) und 12.251 Tonnen „Puddel- Eisen“ hergestellt.

Das sogenannte Puddel- Verfahren (aus dem Englischen: puddle… zerdrücken, anmachen, umrühren) ergibt ein Schweißeisen, bzw. einen Schweißstahl. Dabei wird das Roheisen in einem Flammenofen unter Luftzutritt umgeschmolzen, wobei der Kohlenstoff verbrennt, das Eisen immer ärmer an Kohlenstoff wird und dadurch an Schmelzbarkeit verliert. In dem zunächst noch flüssigen Roheisen bilden sich dabei teigige Massen von kohlenstoffarmem Eisen. Diese Massen werden durch die Rührer (die „Puddler“) zusammengehäuft, dadurch aneinandergeschweißt und der erhaltene Klumpen, „Luppe“ genannt, kommt sofort unter Dampfhammer oder Walzen, um die eingeschlossene Schlacke auszuschmieden (alte-technologie.de).

    

Nach dem Ende des ersten Weltkrieges waren die Steinkohlenvorräte unter den Pfarrfeldern fast gänzlich abgebaut. Die von Arnim'schen Steinkohlenwerke wurden durch den Erzgebirgischen Steinkohlen- Aktienverein übernommen. Zu diesem Zeitpunkt war die Belegschaft der Arnim’schen Kohlenwerke auf ihren Höchststand von 766 Mann angewachsen. Die Stillegung der Kohlenförderung in den von Arnim'schen Schächten erfolgte schließlich 1925 (40190-1, Nr. 1189).

Sie wurden vom neuen Besitzer noch eine Zeitlang als Wetterschächte genutzt und dabei auch Restvorräte in den Sicherheitspfeilern abgebaut. In den 1930er Jahren wurden sie endgültig stillgelegt und mit Haldenbergen verfüllt.

  

Auch das Hüttenwerk wurde schon 1873 an die Deutsche Reichs- und Continental- Eisenbahnbau- Gesellschaft verkauft. 1877 wurde das Werk in eine neue Aktiengesellschaft umgebildet.

Nach dem Ende des 1. Weltkrieges entstand 1920 schließlich die Deutsche Reichsbahn und löste die bisherigen, regionalen Bahnverwaltungen ab. Dieses länderübergreifende Großunternehmen konnte natürlich beliebig auch von anderen Herstellern Stahl für Schienen und Brücken kaufen, so daß der Konkurrenzdruck wuchs und der Absatz solcher Erzeugnisse bei der Königin Marienhütte weiter sank.

Schon ab 1916 war die Königin Marienhütte in den Besitz der Sächsischen Gußstahlwerke Döhlen AG übergegangen. Noch immer stellte man Schienen für die Eisenbahn her. Zu dieser Zeit waren aber nur noch 50 Arbeiter in Cainsdorf beschäftigt. Hauptprodukt waren Gleisweichen (wikipedia.de).

Paradoxerweise hat also einer der einstmals wichtigsten Abnehmer der Königin Marienhütte ‒ die Eisenbahn ‒ letztlich dafür gesorgt, daß dem Untenehmen dauerhafter wirtschaftlicher Erfolg versagt blieb. Die Eisenbahn machte es möglich, daß Eisenerz aus anderen Regionen der Welt, wo es weit billiger als im Erzgebirge gefördert wurde, auch in großen Mengen zu jedem Hüttenstandort in Deutschland gebracht werden konnte.

  

Nach 1945 und noch bis zur politischen Wende 1990 war die ehemalige Königin Marienhütte als Betrieb 536 ein Teil der SAG/SDAG Wismut. Von 1968 an produzierte man unter dem Namen SDAG Wismut BAC (Betrieb für Bergbau und Aufbereitungsanlagen Cainsdorf). Bekanntlich befand sich in Crossen, nördlich von Zwickau, auch eines der Aufbereitungswerke der SDAG Wismut für Uranerze.

Mit der Auflösung der SDAG Wismut ging der Betrieb 1990 in den Besitz des Bundeswirtschaftsministeriums über und wurde 1993 als DFA GmbH (Deutsche Fertigungs- und Anlagenbau) ausgegliedert. Produziert wurde nun im Stahl- und Behälterbau, Fördertechnik, Baustoffmaschinen, Raumcontainer und in der Industriemontage. Mit der Privatisierung 1995 bis zu deren Insolvenz im Jahre 2004 firmierte die Firma als SAM GmbH (Sächsische Anlagen- und Maschinenbau). 2005 übernahm die ZSB GmbH (Zwickauer Sonderstahlbau) die Produktionsanlagen der SAM. Heute sind hier wieder zirka 60 Mitarbeiter beschäftigt (wikipedia.de).

  

   
 
 

Zum Dolomitabbau durch die Königin Marienhütte in Wahlen 1887-1917

 

Wie oben schon zu lesen war, hatte der Domherr Carl Christoph von Arnim auf Planitz, also schon 1802 einen Kalksteinbruch in Wahlen erworben und dort einen Kalkbrennofen errichten lassen (30771, Nr. 147).

Die Funktion des Betriebsleiters hatte auch hier in Wahlen der Bergingenieur Albin (oder AlwinHartung sen. aus Cainsdorf inne. Als Steiger war Carl Heinrich Viertel tätig, der zuvor Aufseher im Rother Adler Stolln in Rittersgrün gewesen ist.

Nach dem ersten überlieferten Fahrbericht des Bergverwalter Seemann aus dem Jahr 1900 besaß die Cainsdorfer Königin Marienhütte den Wahlener Kalksteinbruch wenigstens seit 1890. Mit dem Grundbesitzer Carl Ludwig Baumgärtel hatte man 1887 einen Kalkbauvertrag über ein Abbaufeld von 1 Acker zu 300 Quadratruthen oder 55,34 Ar = 5.534 m² geschlossen.

Das erworbene Baufeld befand sich im späteren Stadtpark zwischen zwei anderen, zuletzt dem Herrn  Polster gehörigen Steinbrüchen am Nordhang eines kleinen Seitentälchens des Pleiße- Tales. Der Grundbesitzer erhielt für das Abbaurecht einen Betrag von 3.000,- Mark, der je nach Fortgang der Arbeiten in zwei Raten entsprechend einer abgebauten Fläche von je einem Scheffel Saat zu zahlen waren. Der Transport des geförderten Kalkes zum Bahnhof wurde dem Grundeigentümer zugesichert, so lange er wohlfeile Preise biete.

Im Vertrag war auch festgelegt, daß der Abbau so zu führen sei, daß der Bewirtschaftung möglichst wenig Fläche entzogen werde. Nach Beendigung des Abbaus sollten die beanspruchten Flächen baldmöglichst wieder in einen nutzbaren Zustand versetzt werden. Da die Vertragspartner hier nicht definiert haben, wie „ein nutzbarer Zustand“ denn aussehen solle, folgten daraus später unvermeidlich einige Streitereien…

Die Arbeitszeiten sind ordnungsgemäß in einer Arbeitsordnung festgehalten (enthalten in der Akte 40024-12, Nr. 100) und entsprachen dem damals Üblichen: Im Sommer von früh 5 Uhr bis abends 7 Uhr bei zwei halbstündigen Frühstücks- und Vesperpausen und einer ganzstündigen Mittagspause – effektiv also 12 Stunden.

Insgesamt zählte Bergverwalter Seemann im Jahr 1900 eine Belegschaft von 14 Arbeitern. Aufgrund der wirtschaftlichen Zusammengehörigkeit mit der Hütte waren die Arbeiter auch – anders als sonst in Steinbruchbetrieben – hier in der Thüringischen Eisen & Stahl-Berufsgenossenschaft versichert. Alle Arbeiten wurden nach Stundenlohn vergütet, wobei der Einzelne im Schnitt bei voller Arbeitszeit auf 2,30 Mark täglich kam. Auch eine beheizbare Mannschaftsstube war vorhanden.

Im Jahr 1899 habe man 2.496 m³ Rohdolomit gefördert, der sämtlich ungebrannt als Zuschlagstoff an die Hütte in Cainsdorf geliefert worden ist. Zur Geologie schreibt Seemann, daß das Lager, „soweit sich übersehen läßt, gleichbleibende Mächtigkeit von zirka 6 m besitzt und fast söhlig“ gelagert sei. Man unterscheide eine Ober- und eine Unterbank, wobei das Kalkwerk derzeit nur in der Oberbank abbaue. „Dieser Kalkstein ist von lichtbrauner Farbe und von dichter Struktur, er ist plattenförmig abgesondert und von saigeren Klüften durchsetzt…“  Im Liegenden stehe „dolomitischer Thonstein“ des Rotliegenden (wohl die unteren Letten), im Hangenden wie üblich die oberen bunten Letten und darüber „thonige Sandsteine“ des Buntsandsteins an. Die wohl überwiegend pleistozänen Kiessande auf der Hochfläche ordnete Seemann dem Oligozän zu…

In den ersten Jahren“ schreibt Seemann, also von 1890 bis 1900, sei „nur Tagebaubetrieb“ erfolgt. Mit zunehmender Abraummächtigkeit gehe man jetzt zum Tiefbau über, sei gerade aber noch mit Vorrichtung zum Abbau beschäftigt. Dazu habe man zwei söhlige Strecken von Tage herein (aus dem Tagebau heraus) bis zur Feldesgrenze und von diesen senkrecht ausgehend, im Abstand von etwa 7 m „Flügelstrecken“ vorgetrieben. Aufgrund des gebrächen Hangenden sei fast überall Firstverzimmerung erforderlich. Die Strecken hatten einen Querschnitt von etwa 3 m Höhe und 2 m Breite. Gewöhnlich erfolge der Einbruch oben und anschließend nehme man auch die Sohle nach.

Ins Moderne übersetzt: Der in Cainsdorf bei Zwickau ansässige Hüttenbetrieb brachte gewissermaßen aus dem „eigenen Revier“ ‒ natürlich vor allem aus dem Planitzer Steinkohlenbergbau, aber auch aus zahlreichen Eisenerzbergwerken, wie etwa in  Pöhla ‒ viele Erfahrungen mit und führte hier einen recht systematischen Kammerpfeilerbau durch. Der Sohn von A. Hartung war selbst konzessionierter Markscheider und zeichnete die Grubenrisse, von denen einer erhalten geblieben ist (als Aktenbeilage in 40054, Nr. 137).

Der Abbau erfolgte durch Bohr- und Schießarbeit. Sprenglöcher wurden 0,75 m tief gebohrt und mit Dynamit besetzt, das man von  Facius aus Lugau bezog. Da man auf städtischem Grund abbaute, erteilte hier der Stadtrat die Genehmigungen zur Sprengmittellagerung, wofür das Werk 1900 einen „Pulverthurm“ besaß. Das gelöste Gestein wurde von Hand (mit der Schaufel) in die ½ m³ fassenden Förderwagen verladen, in diesen „zutage gestoßen“ und anschließend mittels Hängeseilbahn direkt bis zum Bahnhof befördert. Einer Wasserhaltung bedurfte es nicht, da zulaufendes Tropfwasser über die Tagesstrecken ablaufen oder im porösen Liegenden versickern konnte.

Diese Hängeseilbahn war schon sehr modern: Die Verladekästen der Loren wurden einfach vom Untergestell gelöst und eingehängt. Die Seilbahn war wie ein Bremsberg gebaut, wobei der volle Ladekasten immer den unten ausgeleerten wieder mit nach oben zog. Die Entladung am Bahnhof erfolgte selbsttätig in einen Silo, den sogenannten „Füllrumpf“; und von dort direkt weiter in die Eisenbahnwagen. Die entleerten Kästen wurden oben wieder auf die Untergestelle gesetzt und zum Beladen auf´s Neue in den Steinbruch geschoben… Der Förderweg dieser Seilbahn war bei einem Gefälle von 21 m bis zum Bahnhof im Pleiße- Tal zirka 160 m lang und erlaubte es, bis zu 40 Wagen pro Stunde zum Bahnhof zu befördern – bei 0,5 m³ Inhalt also etwa 20 m³ pro Stunde. Die Anlage arbeitete bis zur Einstellung des Bergbaubetriebes weitgehend fehlerfrei.

Von dem vertraglich gebundenen Baufeld von 300 Quadratruthen Fläche hatte man bis 1900 etwa 210 Quadratruthen abgebaut oder für die Betriebsanlagen in Anspruch genommen.

  

Der untertägige Abbau kam jedoch nicht so richtig in die Gänge und noch zwei Jahre später notierte Bergverwalter Seemann, daß der „unterirdische Betrieb ruhe“.

Erst 1903 „befuhr man mit Steiger Viertel die gangbaren Grubenbaue.“ Dabei fand der inzwischen zuständige Berginspektor Roch6 Arbeiter an 4 Streckenörtern und in 1 Abbau je nach Bedarf während eines Theils ihrer Schicht beschäftigt, die übrige Zeit wurde zum Verfüllen des Tagebaus im Osten des Grubenfeldes verwendet.“ Ab 1903 war außerdem Obersteiger Haugk als Schichtmeister auf der Grube angestellt.

Die Gewerbeaufsicht der Stadt hatte 1903 bei einer Kontrolle festgestellt, daß über die vereinbarte Arbeitszeit hinaus gearbeitet werde. Haugk konnte gegenüber der Berginspektion aber schlüssig erklären, daß die Überstunden nur „bei sich einstellender Bedarfserhöhung“ geleistet werden, um umgekehrt in schlechteren Zeiten keine Arbeiter entlassen zu müssen; zumal auch kein Platz vorhanden sei, um geförderte Massen „auf Vorrat zu stürzen“.

Die Tagesstrecken der Grube setzten jeweils in den beiden Tagebauen an und waren von Ost nach West mit „Stolln I“ bis „Stolln III“ bezeichnet. Der Abbau wurde praktisch nur – wie oben von Seemann beschrieben – als Örterbau geführt. Inzwischen hatte man auch noch einen vierten Stollen begonnen, in dem – da er nämlich auf eine breite Erosionsrinne im Dolomitlager traf und von dort aus kein Abbau erfolgte – später das Sprengstofflager eingerichtet wurde. Die Stollnmundlöcher der Stollen III und IV waren mittels eines kurzen Durchiebs bei Stolln II – dem „Tunnel“ – mit dem Haspelberg von Stolln I und mit der Hängeseilbahn verbunden.

1904 zeigte man der Bergbehörde an, daß man die Betriebsweise verändern wolle, weil „sich in neuerer Zeit in der Oberbank viele Einlagerungen gezeigt hätten“. Diese Auswaschungen machten das Anstehende wertlos und deshalb wolle man den Abbau in die Unterbank verlagern und die Sohle der Abbaustrecken bis auf das Liegende nachstrossen.

Eine Beschreibung dieses Vorgehens fanden wir einige Zeit später im Fahrjournal von 1915, wo es heißt: „Der Betrieb wird auf dem 7 m bis 8 m mächtigen Lager so geführt, daß man in etwa 5 m Abstand voneinander parallele, weite Strecken treibt, die dann wieder in je 5 m Entfernung voneinander durch senkrecht darauf stehende Strecken verbunden werden. In letzteren wird dann die Sohle bis zum Liegenden des Lagers noch um 2 m nachgenommen. Das Dach von ungefähr 3 m Mächtigkeit bleibt, um Tagesbrüche zu vermeiden, stehen.“

Aufgrund dieses Vorgehens kam es in der Folgezeit auch zu Standwasseransammlungen in der Grube. Die Beschreibung sagt uns nebenbei auch, daß man die Pfeilerstärke gegenüber der Beschreibung Seemann’s aus dem Jahr 1900 von 7 m auf 5 m Breite reduziert hatte…

 


Skizze in der Akte 40024-12, Nr. 100 zur Lage der Grubenbau der Königin Marienhütte in Wahlen/Crimmitschau, etwa aus dem Zeitraum 1904/1905, Norden ist links. Der begonnene, recht regelmäßige Kammerpfeilerbau ist gut erkennbar. Nach Nordwesten begrenzte eine „Auswaschung im Dolomitlager“ das Baufeld
. Aus dieser Skizze geht die Bezeichnung der Stollen als „Stolln I“ bis „Stolln IV“ von Süden nach Norden hervor.

 


Ein Grund und Saigerriß der Kalksteingrube Wahlen bei Crimmitschau, nachgebracht bis 1909. Wir haben die Bezeichnung der vier Stollen aus d
er Skizze oben übertragen. Ein recht regelmäßiger Kammerpfeilerbau in den bauwürdigen Bereichen ist gut zu erkennen. Nordöstlich der „Auswaschung“ wird der Abbau bereits fortgesetzt. Bildquelle: Sächsisches Staatsarchiv, Bergarchiv Freiberg, Bestand 40054 (Bergbehörde Zwickau), Nr. 137: Kalksteinbruch der Königin Marienhütte in Wahlen bei Crimmitschau (Aktenbeilage), Gesamtansicht, Norden ist links.

 


Die Kammerpfeilerbaue aus dieser Zeit waren „netzartig“ angelegt.
  


    Die Pfeiler zwischen den Abbauen erscheinen recht ausgedünnt...
 


In diesem Abschnitt hat man nirgends ins Hangende durchgeschlagen, die roten, lehmigen Massen scheinen Abraum aus späterer Zeit zu sein, den man hier untertage verkippt hat.
   


   Noch eines von den „Pfeilerchen“...
 


Das Streckenprofil liegt kaum bei einer lichten Weite über 2 m x 3 m.
  


Bei manchen Abbauen scheint die rote Masse auch aus der Firste zu kommen. Hier bestanden bestimmt Tagesbrüche, die man mit den bunten Letten aus dem Hangenden verfüllt hat.
   


Die Massehaufen markieren die von der Hauptstrecke abgehenden Querschläge zwischen den Pfeilern.
   


Hier ist Schluß...
    


Der Dolomit erscheint eher massig, als bankig.
   


Lokal gibt es auch Auslaugungsklüfte, die sich mit Letten aus dem Hangenden wieder gefüllt haben.

  

Im Jahr 1905 wurde erstmals ein Tagesbruch über dem Baufeld – etwa 2 m neben einem Feldweg – festgestellt. Inzwischen hatte der Kantor Henßge (oder Henssge) aus Crimmitschau die Grundstücke von Baumgärtel erworben, dabei auch den Abbauvertrag übernommen und klagte nun bei der Bergbehörde auf Wiederherstellung der Nutzbarkeit der Fläche. Bei der Befahrung wurde festgestellt, daß ein Abbau auf der Tagesstrecke II (dem Stolln II) verbrochen war und dessen vollständige Verfüllung mit Abraum angeordnet.

Im Jahr 1906 wird dann festgehalten, daß im Vorjahr „der Betrieb etwas lebhafter“ umgegangen sei, da das zur Maximilianshütte in Sulzbach- Rosenberg gehörige und 1898 gegründete König Albert Werk, ein Stahlwerk in Lichtentanne bei Zwickau, größere Mengen Kalk bestellt habe. Wie Haugk der Berginspektion mitteilte, versuchte sich diese Firma 1906 mit mehreren kleinen Schurfschächten in unmittelbarer Nachbarschaft selbst an der Erkundung und Aufsuchung von bauwürdigen Dolomitlagern, stellte diese Versuche mangels Erfolg aber noch im selben Jahr wieder ein.

Mit nach wie vor 11 Arbeitern ist die Beschäftigtenzahl gegenüber der ersten Befahrung 1900 nahezu konstant geblieben. Jedoch kam es in diesem Jahr offenbar zu einer dreieinhalbwöchigen Arbeitsniederlegung, in deren Folge der Stundenlohn um drei Pfennige aufgebessert wurde.

Außerdem begann nun, wohl nach dem Ableben des Kantors Henssge, ein gerichtlicher Streit mit der Frau Henssge um die Feldesgrenzen und angeblich festgestellte Bodensenkungen. In diesem Zusammenhang hält die Bergbehörde 1910 fest, daß „ein neues Bruchfeld nicht in Frage“ käme, da „keine Weitungsbaue hergestellt werden. Da die Oberfläche sich nicht im Besitz der Königin Marienhütte befindet, erfolgt der Abbau, um die Tagesoberfläche zu schützen, nur durch das Auffahren von Strecken.“ Dadurch sei zugleich aber auch festzustellen: „Schätzungsweise wird sich der gewonnene nur auf 30 bis 40% des anstehenden Kalksteins belaufen.“

Darüber hinaus kam es 1906 auch noch zu einem Verbruch im Stolln I. Dieser wurde daraufhin abgeworfen und ein neuer, etwa 13 m langer Haspelberg aus dem Tagebau heraus eingerichtet. Alles in allem kein gutes Jahr…

In den Jahren 1907 und 1908 fand die Berginspektion dann aber „zu Ausstellungen keinen Anlaß“. Durch den gesicherten Absatz hielt sich auch in den Folgejahren die Beschäftigtenzahl ziemlich konstant zwischen 10 und 12 Arbeitern.

Den Jahrbüchern ist zu entnehmen, daß A. Hartung nach wie vor als Betriebsleiter – de facto auf allen unterirdischen Gruben im Besitz der Aktiengesellschaft – tätig gewesen ist. Er war z. B. auch für das Eisenerzbergwerk in  Pöhla zuständig. Als Vertreter des Besitzers werden 1907 die Herren A. Finke, Generaldirektor in Bockwa, sowie H. Halfter, kaufmännischer Direktor in Cainsdorf in den Jahrbüchern angeführt. Im Jahr 1912 ist A. Hartung verstorben. Die Stelle des Betriebsleiters übernahm daraufhin kommissarisch der Obersteiger Haugk.

Am Beginn des 1. Weltkrieges notierte die Berginspektion in ihrem Fahrbericht von 1915, daß die Belegschaft noch bei 9 Mann läge. Im Folgejahr 1916 teilte man der Bergbehörde jedoch mit, daß man den Tiefbau beenden und wieder zum Tagebau übergehen wolle, denn „die …Untersuchung stellte heraus, daß der im Abbau befindliche Dolomit kein fester, krystallinisch- körniger ist, sondern ein mürber solcher… Über den Bauen steht meist ein Dach von 3 m starkem Kalkstein an, das stellenweise jedoch gänzlich fehlt, weil das überlagernde Gebirge (An dieser Stelle ist jetzt von Alaunschiefer und dolomitischem Sandstein die Rede – jedenfalls nichts Standfestes.), in den Kalk hineinragt und faule Lagen bildet, deren Beschaffenheit eine sehr brüchige ist…“ Die Bergbehörde empfahl, lieber „in östlicher Richtung Feld zu erwerben und in diesem dann wegen der schwächeren Überdeckung …Tagebau zu treiben, wo das Lager nur 5 m bis 8 m unter der Rasensohle liegt…“

Dazu ist es aber nicht mehr gekommen, denn die Königin Marienhütte in Cainsdorf stellte ihren Betrieb in den Kriegsjahren ganz ein. 1916 wurde sie an die Sächsische Gußstahlfabrik AG in Döhlen im heutigen Freital bei Dresden verkauft. Da die wenig Interesse an der Belebung der Konkurrenz hatte und somit der Absatz für den Dolomit einbrach, teilte man schließlich der Bergbehörde am 20. November 1916 mit, daß man auch den Betrieb des Wahlen‘er Kalksteinbruches eingestellt habe. Auch in den Jahrbüchern für das Bergwesen im Königreich Sachsen wird 1917 festgehalten, daß der Betrieb „im Oktober 1916 endgültig eingestellt“ worden sei.

Die Behörde verfügte noch die Einebnung des westlichen Tagebaus vor dem Stolln III und das Verfüllen der anderen Zugänge, nachdem der Grubenriß nachgebracht sei. Am 7. August 1917 wurde die Kalksteingrube aus der Bergaufsicht entlassen.  

In den Bildbeschreibungen zu zwei Fotografien vom Ende der 1920er Jahre vermerkt der Fotograf Max Nowak einen Herrn Polster als Besitzer eines Kalkbruchs östlich von Crimmitschau, also auf der Wahlen'er Seite der Pleiße (siehe unten).

Bezüglich dieses Herrn Polster wird von der Berginspektion anläßlich einer Befahrung des Kalksteinbruches der  Königin Marienhütte in Wahlen 1906 erwähnt, daß er in diesem Jahr „einen der bergbehördlichen Aufsicht nicht unterstehenden Tagebau“, etwa 100 m nordwestlich des Wahlen‘er Bruches der Königin Marienhütte gelegen, begonnen habe. Ein zweiter, ungefähr 60 m nordwestlich des letzteren gelegener, älterer Steinbruch befände sich ebenfalls in Polster’s Besitz, sei jedoch außer Betrieb.

 

Da uns dieser Bildautor bei unseren Recherchen noch öfter begegnet ist, seien hier einige biographische Angaben aus der Deutschen Fotothek zu seiner Person wiedergegeben: Max Franz P. Nowak wurde am 21. Mai 1881 in Liegnitz im damaligen Schlesien geboren. Nach einer Steindruckerlehre in Dresden arbeitete er in diesem Beruf bei der Firma Meinhold und Söhne.

Das Fotografieren war zunächst nur ein Hobby, das er, vom Erfolg seiner Aufnahmen ermutigt (schon vor dem Ersten Weltkrieg wurden einige Motive bei der Postkartenherstellung verwendet) schließlich zu seinem Beruf machte. 1920 erschienen erstmals in den „Mitteilungen des Landesvereins Sächsischer Heimatschutz“ Fotografien unter seinem Namen. Im Jahre 1925 wurde er beim Verein als hauptamtlicher Fotograf angestellt. Rund 180 der berühmten grünen Hefte enthalten seine Fotografien – bis die Reihe 1941 kriegsbedingt eingestellt werden mußte.

Nach 1945 wirkte er als freischaffender Lichtbildner, zudem hielt er Lichtbildervorträge, für die er die 13x18-Glasplatten handkolorierte und auf 6x6 umkopierte. Bemerkenswert sind die Aufnahmen für Paul Wagners Buch „Erdgeschichtliche Natururkunden aus dem Sachsenlande“ von 1930.

Max Nowak wohnte zunächst in Dresden-Tolkewitz, später zog er nach Dresden-Strehlen. Am 25. November 1956 ist Max Nowak hier gestorben.

Größere Teile seines Bildarchives sind heute in der Deutschen Fotothek öffentlich zugänglich, weitere befinden sich noch im Familienbesitz.

  


Crimmitschau, Plattendolomit und obere bunte Letten in Polster’s Steinbruch östlich der Stadt, also vermutlich in Wahlen. Foto: M. Nowak um 1928.

http://www.deutschefotothek.de/documents/obj/70004773

  


Crimmitschau, Letten in Polster’s Steinbruch östlich der Stadt, Foto: M. Nowak um 1928.

http://www.deutschefotothek.de/documents/obj/70004774

  


Neben der Kalkerzeugung bestanden zahlreiche Ziegeleien bei Crimmitschau. Hier ein Foto des Aufschlusses von pleistozänem Lößlehm über tertiären (oligozänen) Sanden in einer Ziegelei- Grube bei Crimmitschau. Gut zu sehen sind die typischen Dreieck-Kipploren auf der Tagebausohle. Aufnahme: Max Nowak, vor 1930.

http://www.deutschefotothek.de/documents/obj/70024591

  

  
 
 

Zum Dolomitabbau in Crotenlaide bei Meerane 1864-1938

  

Die Ära Bachmann begann 1864. Damals erwarb Carl Bachmann das erste Steinbruchgelände. Nach und nach wurden alle noch bestehenden Brüche übernommen und die Firma Bachmann, Kalkbrennerei, gegründet. Ab1891 firmierte das Unternehmen unter dem neuen Namen Bachmann und Söhne Kommanditgesellschaft.

Bachmann's verkauften auch Rohkalk an auswärtige Brennereien. Bekannt ist eine Brennerei in Höckendorf bei Glauchau gewesen. Auch in der Salzbrenner'schen Ziegelei Seiferitz (heute befindet sich ein Gewerbegebiet auf dem Gelände in Meerane) wurde Bachmann's Kalk gebrannt. Nach Erinnerungen des letzten Besitzers der Firma, Erhard Bachmann, habe bei Salzbrenner's ein furchtbarer Ringofen gestanden, der sehr eng und niedrig gewesen sei, so daß man sich darin kaum bewegen konnte. Aber von diesen Brennereien in Höckendorf und Seiferitz ist heute nichts mehr erhalten.

Schon um 1880 baute Bachmann auch untertage in einem Stolln ab, was aber dann polizeilich verboten wurde.  Im späteren Untertageabbau stieß man dann auf diesen Alten Mann. Auf nennenswerte offen gebliebene Hohlräume stieß man aber schon damals nicht mehr.

 

1900 ging die ab 1898 errichtete Ziegelei in Betrieb. Das erweiterte Unternehmensprofil führte in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts zur Umbenennung in Dampfziegelei und Kalkbrennerei Bachmann & Söhne K. G. fortgeführt. Die Ziegelei der Bachmann's am Beginn der Crotenlaider Straße brannte übrigens nicht nur den hier im Ziegeleibruch anstehenden Lößlehm zu Ziegeln; man verwendete ‒ allerdings in geringerem Umfang ‒ auch Teile der oberen bunten Letten, die ja ohnehin als Abraum anfielen (Informationen von Herrn Och, Meerane). Wie auch in Geithain wurde in der Neuzeit der Kalkabbau ‒ wo es die Lagerstättenbedingungen zuließen ‒ häufig mit der Gewinnung von Ziegeleirohstoffen kombiniert, um die Förderung wirtschaftlicher gestalten zu können.

Die Firma Bachmann und Söhne KG. hatte nunmehr also drei Standbeine: Landwirtschaft, Ziegelei und Kalkwerk. Das Gut steht noch heute, bis auf eine nach der Wende abgerissene Scheune.

In den Steinbrüchen baute man damals den Dolomit im sogenannten Bruchsturzverfahren ab. Man durchörterte dazu mit Strecken den Dolomit, ließ im Hangenden nur etwas davon stehen, da das überlagernde Gestein extrem brüchig ist. Dies tat es so lange, bis das Hangende irgendwann nachbrach. Im Winter räumte man dann den Abraum weg, zumeist noch mit Pferdefuhrwerken. In die stillgelegten Steinbruchteile schüttete man den Abraum, zum Teil zuunterst Müll, Abfall, Asche und Schutt. Darüber dann den Abraum und etwas Mutterboden, der vorher im Bruch abgetragen worden ist. In diesen ausgebeuteten und rekultivierten Steinbruchteilen wurde von den Bachmann's dann Landwirtschaft betrieben.

Der Hang hinter dem Wismuthunt an der Crotenlaider Straße war der Apfelberg, weil Bachmann's dort eine Plantage mit Apfelbäumen hatten. Daran erinnern sich heute selbst alteingesessene Meeraner kaum noch.

Gefördert wurde mit den  typischen Ziegelei- Dreiecksloren zum Kippen, wie sie im Foto aus den 1930er Jahren in einer Ziegeleigrube bei Crimmitschau zu sehen sind. Nur ganz selten kamen auch huntähnliche Loren zum Einsatz. Eine solche huntähnliche Lore steht noch in den  Höhlern von Meerane. Bis zur Wende standen auch diese Dreieckloren noch in größerer Zahl herum und wurden von Anliegern und Bauern meist als Kuhtränke benutzt. Leider sind inzwischen alle im Schrott verschwunden.

Das Kalkwerk verfügte über zwei Brennöfen: Zum ersten einen älteren Zylinderofen und ab 1886 noch zusätzlich einen Ringbrandofen. Ein Gutachten von Otfried Wagenbreth von 1991 bescheinigte insbesondere dem Ringofen damals noch einen guten Erhaltungszustand und stufte ihn als unbedingt erhaltenswert ein. Nach seinem Kenntnisstand sei es der einzige original und vollständig erhaltene Kalkwerks- Ringofen in Sachsen. Die heutigen Eigentümer lassen ihn leider völlig verrotten und auch das davor stehende Verwaltungsgebäude ist im Dachbereich 2018 eingestürzt.

Das dritte Standbein der Bachmann's war die Ziegelei. Diese stand am Anfang der Crotenlaider Straße von Meerane her, dort, wo vorher auch der Ziegeleibruch war. 1898 wurde sie gebaut, um 1900 ging sie in Betrieb. Sie verfügte über einen weiteren Ringbrandofen für die Ziegelherstellung (Informationen von Herrn Och, Meerane).

   

Aus einem Wertgutachten des Baurats Staude aus Glauchau aus dem Jahr 1949 über das Kalkwerk erfährt man einige technische Details zu den Brennöfen: Bei dem Ringbrandofen handelte es sich um einen Parallelringofen ‒ also mit ovalem Brennkanal ‒ mit 14 Kammern nebst Bedienungs- und Beschickungsaufbau. Der Schornstein war 36 m hoch. Mit einer Länge von 75,5 m, einer Breite von 9,6 m und einer Höhe von durchschnittlich 5,6 m war es ein schon ziemlich großer Ofen seiner Bauart. Er war aus Ziegelmauerwerk aufgeführt; nur der 1949 nach den Brandschäden wieder errichtete Oberbau bestand aus Holz. In diesem Ofen wurden ausschließlich Steine ‒ also grobstückiges Material, das wie Ziegel von Hand eingesetzt wurde ‒ gebrannt.

Daneben gab es noch einen Feinkalkbrennofen mit 10 m Länge und Breite der Grundfläche und zirka 10 m Höhe. Dabei handelte es sich vermutlich um einen klassischen Kesselofen, in dem nur kleinstückiger Schotter ‒ hier Klares genannt ‒ verarbeitet wurde.

Nach den genannten Abmessungen dürfte es sich bei diesem um das Bauwerk handeln, welches auf dem  Foto aus dem Jahr 1993 noch zu sehen ist.

   

Das Unternehmen existierte bis in die 1940er Jahre (11384, Nr. 3265). Den Dolomitabbau hatten die Bachmann's aber 1935 eingestellt. Danach waren Teile des Kalkwerkes verpachtet. Die Pächter stellten im früheren Zylinderofen Feueranzünder her. Dazu wurde in den Ofen ein eiserner Kessel eingebaut, in dem man die Brennmittel verflüssigte und dann in handliche Päckchen gießen konnte (Informationen von Herrn Och, Meerane). Das Verfahren allerdings scheint nicht gerade sicher gewesen zu sein, denn noch vor dem 2. Weltkrieg gab es massive Beanstandungen von der Gewerbeaufsicht und der Feuerwehr. Tatsächlich kam es dann auch zu einer Verpuffung, der Kesselinhalt ergoß sich über die angrenzenden Gebäude und setzte auch den Oberbau des Ringofens in Brand.

In den Jahrbuchausgaben ist die Firma Bachmann & Söhne nie als Bergbaubetrieb aufgeführt, jedoch besagen die Unterlagen des Landesbergamtes Freiberg (40024-12, Nr. 10, sowie 40027, Nr. 1161), daß ein untertägiger Dolomitabbau im Zeitraum nach 1938 zumindest erneut vorgesehen war.

Am 28. März 1938 nämlich, so hält das Landesbergamt fest, habe die Ziegelei und Kalkbrennerei Bachmann & Söhne dem Bergamt angezeigt, daß sie beabsichtige, den früher im Tagebau gebrochenen Dolomit nun unterirdisch abbauen zu wollen, weil über dem nur 5 m mächtigen Kalksteinlager nun schon 15 m mächtiger Abraum anstehe. Man schränkte jedoch gleich ein, daß dieser Beschluß keineswegs endgültig sei und man sich zunächst durch den früheren Betriebsleiter des Kalkwerks in  Herold, Arthur Rudolf Neubauer, beraten lassen wolle. Anläßlich eines Vorortbesuches hielt die Behörde am 16. Juli des Jahres lakonisch fest, daß der Betrieb des Steinbruches zur Zeit ruhe.

Im Folgejahr findet sich noch eine Mitteilung an das Oberbergamt in Freiberg, daß der Dolomitabbau durch die Firma Bachmann & Söhne noch nicht wieder aufgenommen worden sei. Viel mehr war bislang anhand der Akten des Staatsarchives zum Dolomitabbau vor dem 2. Weltkrieg in Meerane noch nicht herauszubekommen…

    


Dieses historische Foto zeigt den Hoffmannschen Ringbrandofen des Kalkwerkes im Jahr 1912, dahinter der hohe Schornstein. Dahinter, leider etwas undeutlich, sieht man den Trichterofen und an der linken Bildseite, nur schemenhaft, den Bereich des Mittleren Bachmann'schen Kalkbruches. Bildquelle: Fa. Bachmann & Söhne K. G., aus dem Nachlaß von Christine Bachmann, Gattin des letzten Eigentümers Ehrhard Bachmann, jetzt Sammlung M. Och, Meerane.

  


Firmenpostkarte von Bachmann & Söhne K. G., Mitte der 1930er Jahre. Bildquelle: Nachlaß von Christine Bachmann, Gattin des Ehrhard Bachmann, jetzt Sammlung M. Och, Meerane

   

Auch im Ortsteil Hainichen von Gößnitz hat der damalige Rittergutsbesitzer denselben Dolomit abgebaut. Er brauchte seinerzeit Steine zum Ausbessern seiner Gebäude. Dabei fand er den Dolomit in einem alten Bruch ‒ es hatte also auch schon vorher jemand dort Dolomit gebrochen ‒ und ließ ihn dafür abbauen.

An dieser Stelle fand sich sehr viel Sinter und Calcit. Diese Steine ließ der Rittergutsbesitzer beiseite legen und nach  Ausbeutung und Verfüllung des kleinen Bruches ließ er einen kleinen Turm bauen, mit einem kleinen Anbau. Der Turm war außen vollkommen mit Dolomit mit Sinter und Calcit verkleidet und soll deshalb schneeweiß in der Sonne geglänzt haben. Nach alten Beschreibungen soll er eine Art Lusttempel gewesen sein. Wer sich's leisten konnte...

Sein Nachfolger hatte dagegen keinen Sinn dafür; er machte eine Pflaumendörre draus. Danach verfiel das Gebäude, vom weißen Calcit und Sinter ist bis auf winzige Reste nichts mehr zu sehen. Im Volksmund heißt der kleine Turm Sorbenturm. Er liegt unmittelbar , vielleicht 200 m bis 300 m Luftlinie vom Nordstollen in Crotenlaide entfernt, schon auf Thüringer Gebiet. Unmittelbar hinter dem Nordstolln verläuft ja die Grenze zu Thüringen (Informationen von Herrn Och, Meerane).

 


Ausschnitt aus der Äquidistantenkarte von Sachsen, Section Meerane, erschienen 1878. Anstelle der früheren Kalkwerkstandorte sind auch hier jetzt oft Ziegeleien entstanden, ein „KO.“ bei Crotenlaide ist aber noch verzeichnet.

 


Auf dem Meßtischblatt von 1938 ist dagegen nur noch eine Ziegelei zwischen Meerane und Crotenlaide zu finden – wohl das Bachmann’sche Unternehmen.

 


Steinbruch in Crotenlaide nordwestlich Meerane (ehem. Bachmann‘s Kalkbruch). Gehängelehm und Flußkiese über roten Letten, schiefrigem Kalk und Plattendolomit, Foto: M. Nowak, vor 1930.

http://www.deutschefotothek.de/documents/obj/72032298

 


Meerane- Crotenlaide. Bachmann‘sche Ziegeleigrube. „Geologische Orgel“ (mit diesem bildhaften Begriff wurden Auslaugungstrichter im Plattendolomit bezeichnet) in den oberen Letten des Zechsteins und den obligozänen Tonen und Kiesen; darüber ungestörtes Pleistozän, Foto: M. Nowak, 1928.

http://www.deutschefotothek.de/documents/obj/72032595

 


Meerane- Crotenlaide. Bachmann'sche Ziegeleigrube. Lager von bunten Letten (Zechstein) unter Schichten von Kies und Ton (Oligozän), dunklen eisenschüssigen Kiesen (Altpleistozän) und Löß, Foto: M. Nowak, um 1928

http://www.deutschefotothek.de/documents/obj/72032594

  


Meerane- Crotenlaide. Steinbruch. Buntsandstein auf Zechstein (Plattendolomit), Foto W. Bergt, 1934

http://www.deutschefotothek.de/documents/obj/72019783

   

  
 
 

Zum Abbau in Meerane in jüngerer Zeit (1945-1971)

  

Nach dem 2. Weltkrieg wollten die beiden Brüder Bachmann den Betrieb des Kalkwerkes und der Ziegeleien selbst wieder aufnehmen. Einer der Brüder und letzten Komplementäre war Arthur Bachmann. Sein Sohn Erhard Bachmann war der letzte private Eigentümer der Firma und verstarb Anfang der 1990er Jahre (Informationen von Herrn Och, Meerane).

Am 1. April 1948 teilten sie diese Absicht auch der Technischen Bezirks- Bergbauinspektion (TBBI) Zwickau mit, weil sie „für den Befehl 209 eingesetzt“ seien (40072, Nr. 779). Dieser Befehl der Sowjetischen Militäradministration in Deutschland (SMAD) vom 9. September 1947 beinhaltete im Wesentlichen den Aufbau der Neubauernhöfe im Ergebnis der Bodenreform. Einher ging damit auch die Zerstörung und Beseitigung von kleineren Adelssitzen innerhalb der sowjetischen Besatzungszone. Es sollten ehemalige Herrenhäuser und Gutsgebäude zur Gewinnung von Baumaterialien für neue Wohn- und Wirtschaftsgebäude für die im Zuge der Bodenreform entstandenen Neubauernwirtschaften abgebrochen werden. Weil das natürlich für allein rund 5.000 Gebäude im Land Sachsen nicht reichte, legte Befehl 209 auch fest, erforderliche Maßnahmen zur Erweiterung der Erzeugung örtlicher Baumaterialien zu ergreifen und für den Bau von Häusern in den neuen Bauernwirtschaften Ziegelsteine, Dachziegel, Kalk, Gips, Schnittholz und andere Baumaterialien auszusondern (wikipedia.de).

Bei einer Besichtigung des „Kalksteinbruchs der Firma Bachmann und Söhne“ noch am 26. Juni 1948 hielt der Inspektor fest, daß der Kalkstein hier früher im Tagebau gewonnen worden sei, wofür nun aber der Abraum mit etwa 14 m zu mächtig sei. Deshalb hätten die Besitzer die Absicht, einen unterirdischen Betrieb einzuleiten. Weil aber der dabei gebrochene Kalk zum Brennen zu kleinstückig sei, hätten sie den Stollnvortrieb zunächst wieder aufgegeben (40072, Nr. 779).

Jedenfalls hatten Erhard Bachmann und sein Vater bereits 1945 begonnen, am alten, stillgelegten Oberen Bachmann'schen Bruch quasi von Hand ( !! ) wieder Dolomit abzubauen. Mit Brechstange und Vorschlaghammer wurden die Bohrlöcher geschlagen. Aus Gößnitz kam freitags dann der Sprengmeister mit dem Fahrrad. Um den Lenker die Zündschnüre, auf dem Gepäckträger die Zündkapseln. Das ist dann natürlich  polizeilich verboten worden. Auf diese Weise brauchten sie den ganzen Winter, um den Ringofen mit Kalk zu besetzen (Informationen von Herrn Och, Meerane).

 


Lageplan von dem Kalksteinbruch der Firma Bachmann und Söhne bei Meerane, jetzt kreiseigener Betrieb, angefertigt im Februar 1949 vom konzess. Markscheider W. Schmidt aus Altenburg. Bildquelle: Sächsisches Staatsarchiv, Bergarchiv Freiberg, Bestand 40072 (Bergbehörde Zwickau), Nr. 779: Kreiskalkwerk Meerane, Aktenbeilage, Gesamtansicht.

 


Ausschnittsvergrößerung aus obigem Riß. Grundriß der Werksanlagen an der Crotenlaider Straße (links unten) und des begonnenen Stollnvortriebs (rechts oben).

 

Ab November 1948 beabsichtigte der Kreisrat, den Besitzern das Abbaurecht abzukaufen. Die Besitzer fragten deshalb mit Schreiben vom 1. November 1948 bei Oberbergrat Knotte in Zwickau an: Wir sollen den auf unseren Grundstücken vorkommenden Kalkstein dem Kreisrat Glauchau zur Verarbeitung überlassen. Der Kreisrat will den Kalkstein selbst brechen, mahlen, brennen usw. Wir sollen ihm ... nur das Abbaurecht überlassen und hätten gern gewußt, welchen Preis wir dafür ... fordern können.“ Bergrat Knotte antwortete auch, daß vor dem Kriege ein Grundzins von 4 Pfennigen pro Tonne, bei Mügeln aber auch bis zu 0,60 Mark pro Tonne üblich gewesen seien (40072, Nr. 779).

Wie uns eine andere Akte verriet, hatte man sich zunächst auf eine Verpachtung geeinigt, wobei für den abgebauten Kubikmeter Dolomit ein Zins von 20 Pfennigen vom Kreis Glauchau an die Besitzer gezahlt wurde. Dieser Pachtvertrag war aber bis zum 31. Oktober 1949 befristet (11384, Nr. 2081).

Jedenfalls wurde nun das Kreiskalkwerk Meerane, vormals Bachmann und Söhne, später der VEB Dolomit- Kalkwerk Meerane im Verband Kommunaler Wirtschaftsunternehmen (KWU) gebildet. Zu diesen kreiseigenen Betrieben in Glauchau gehörte außerdem auch der Kleinbetrieb“ des Kreishilfsschachtes“ zur Braunkohlenförderung in Tettau (40073-1, Nr. 81).

 

Bei Tettau wurde 1860 beginnend und noch bis 1957 Braunkohle untertage abgebaut. Nicht sehr tief, nur etwa 20 Meter unter dem Rasen. Darüber ist bekannt, daß es ursprünglich grundeigener Bergbau gewesen ist, der etwa bis 1910 andauerte.

Nach 1945 erfolgten neue Erkundungsbohrungen und um 1947 begann man erneut mit dem Abbau. Wie schon gesagt, war auch dieser Betrieb dem Verband KWU im Kreis Glauchau angegliedert. Vor einigen Jahren berichtete Herr Walther Bothe, der eigentlich in Meerane als Hauer tätig war, daß neben dem Kalkwerk Meerane und dem Braunkohlenschacht Tettau auch noch der Steinbruch Kaufungen (Waldeinsamkeit hinter dem Bahnhof) zum KWU gehört habe und daß er ein paar Mal in Tettau und Kaufungen aushelfen mußte (Informationen von Herrn Och, Meerane).

 

Der erstgenannte Betrieb zeigte dann am 25. Mai 1949 der TBBI an, daß das frühere Kalkwerk der Firma Bachmann und Söhne nun wieder in Betrieb genommen werde. Am 25. Februar 1949 hatte die TBBI schon die Einsetzung des Herrn Otto Erler jr. aus Pfaffroda (bei Tettau) als Betriebsleiter des Werkes bestätigt. 1950 wurde ein untertägiges Sprengmittellager eingerichtet und die Lagerung von bis zu 750 kgbrisanter Sprengstoffe“ genehmigt. Wie der Betriebsplan vom Jahr 1951 rückblickend verrät, habe Erler schon im September 1948 einen untertägigen Abbau vorgeschlagen, weil der hangende Abraum mit 15 m bis 20 m bei einer Mächtigkeit des Dolomits von nur 4 m bis 6 m einfach zu mächtig und ein Tagebau unwirtschaftlich sei. Daraufhin hatte man im ersten Betriebsjahr die Hauptförderstrecke 1“ bereits etwa 140 m weit vorgetrieben und einen Wetterschacht geteuft (40072, Nr. 779).

Schon am 15. Oktober 1949 hatten sich die Besitzer bereit erklärt, das Abbaufeld zu verkaufen. In ihrem Schreiben heißt es dazu, daß: ...wir in den kommunalen Wirtschaftsunternehmen eine Körperschaft sehen, die unsere Anlage neuzeitlich ausbauen kann und die Kalkgewinnung weitgehender als wir der Allgemeinheit nutzbar machen wird.“ Zum Verkaufspreis hatten die Bachmann's ein Wertgutachten des Baurats Staude aus Glauchau eingeholt, in welchem eine Summe von 49.500,- Mark ermittelt wurde.

Der Kreisrat hingegen hatte ein Gutachten von Herrn Dr. O. Oelsner von der Zweigstelle der geologischen Landesanstalt in Freiberg eingeholt. Dieser schickte auch am 27. August 1949 seine Bewertung, in der es u. a. heißt, daß der verhältnismäßig niedrige Anfall gewinnbaren Kalksteins einen raschen Abbaufortschritt (bedingt). Es ist zu empfehlen, die Produktion des Kalkwerkes nicht zu hoch anzusetzen, da sonst der unterirdische Betrieb zu rasch ins Feld schreiten würde und erhebliche Förderschwierigkeiten die Folge wären. Wir halten 50 bis 60 Tonnen pro Tag für die obere Grenze des Vertretbaren.“ In jedem Falle seien die Gestehungskosten in Meerane höher, als in anderen Lagerstätten, wo massige Kalksteine anstehen.

Am 27. Oktober 1949 folgte darauf ein Ortstermin, bei dem Betriebsleiter Erler ausführte, daß das Werk gegenwärtig völlig unrentabel arbeite und erhebliche Investitionen erforderlich seien. Es gäbe keine LKW für den Transport bis zum Bahnhof, ein Bunker müsse neu errichtet werden, die Bohrhämmer seien verschlissen und würden versagen und sogar das einzige Förderseil sei gerissen. Neben dem Kaufpreis würden daher zirka 100.000,- Mark weitere Investitionskosten auf den Kreis Glauchau zukommen.

Daraufhin lehnte der Kreisrat ab, den Pachtvertrag zu verlängern, weiter einen Abbauzins von 0,20 M pro Kubikmeter Dolomit zu zahlen und verlangte eine Nachverhandlung des Kaufpreises. In der Begründung heißt es, daß für ...die unter der Erdoberfläche liegenden Werte, die bergbaumäßig abgebaut werden und dem Volke gehören... kein privater Betrieb das Recht habe... Bezahlung zu fordern.“ So war das damals. Außerdem heißt es noch, daß „Boden Einbrüche durch den Abbau ... und etwa damit in Zusammenhang stehende Schädigungen der landwirtschaftlich genutzten Flächen ... nicht entstanden und auch künftig nicht zu befürchten“ seien (11384, Nr. 2081). Aha. Inzwischen wissen wir es besser.

Insbesondere lehnte man es ab, für die alten Kalköfen zu zahlen, obwohl die Bachmann's selbst nach den Brandschäden vor 1945 den Ringbrandofen mit einem Aufwand von zirka 7.000,- Mark bereits wieder betriebsfertig hergerichtet hatten.

Da das Ministerium für Industrie, Hauptabteilung Steine und Erden, in Berlin für 1950 aber schon Investitionsmittel für die Kalkwerke in  Groitzsch und  Raschau bereitgestellt hatte, war das Geld zunächst alle und der Investitionsplan in Meerane mußte gekürzt werden. Immerhin sei aber die neue Kugelmühle schon in Betrieb gegangen und ein 30 t-Schachtofen mit Mischfeuerung sollte dann im Folgejahr errichtet werden. Dazu erfolgte schon im Juli 1949 eine Besichtigung des Baugeländes mit Ingenieuren der MIOBA (11384, Nr. 2081).

  

Der Betriebsplan für 1951 sah eine Förderung von 80 bis 100 t Dolomit pro Tag und eine voraussichtliche Betriebsdauer des Abbaus von 60 Jahren vor. Man plante eine 2. Wetterstrecke und begann mit der Abbauvorrichtung durch querschlägige Abbaustrecken von etwa 5 m Breite und 2,5 m Höhe. Grubenwasser hatte man nicht zu besorgen, hielt aber für den Notfall eine Kreiselpumpe bereit. Gebohrt wurde trocken mit Preßluft. Die Förderung erfolgte mittels Haspel auf schiefer Ebene bis zum Vorratsbunker des Hochofens“. Die Betriebsleitung konnte allerdings die Vorgabe der TBBI zur Dimensionierung der Abbaustrecken nicht umsetzen und schrieb am 6. März 1952 nach Zwickau, daß man „durch die ablösenden Lettenschichten ... das Hangende soweit abbauen (müsse), bis wir tatsächlich festes Gebirge erreichen. Der Kalkstein liegt im Mittel 5 m mächtig und es stellen sich somit teilweise die Strecken bis 3,5 - 4 m (Höhe). Die alten Bruchstrecken werden laufend abgeworfen und das Holz geraubt.“ Insgesamt kam man dabei auf ein Ausbringen von etwa 60 % des anstehenden Dolomits (40072, Nr. 779).

Die betreffende Akte enthält ferner noch Schriftverkehr in Vorbereitung des nachfolgenden Betriebsplanes. Diesem ist zu entnehmen, daß Erler zur Erhöhung des Ausbringens eine Gewinnung im Bruchbau unter Anwendung von Wanderpfeilern“ plante. Die Arbeitsweise dafür sei im Betriebsplan für 1952 noch genauer festzulegen; bis zu dessen Zulassung sei vom Abbau im Streckenvortrieb aber nicht abzuweichen, legte die TBBI fest. Etwas näher ist dieses ziemlich aufwendige und rigorose Gewinnungsverfahren in den Nebenbestimmungen der Zulassung beschrieben: Der Bruchbau hat von der Feldgrenze aus (also rückschreitend) zu erfolgen. Das Hangende ist durch das Aufführen von Wanderkästen zu unterstützen. Falls keine Schienen zur Verfügung stehen, dürfen ausnahmsweise auch mindestens 1 m lange Holzschwellen für die Pfeiler verwendet werden. Der Abstand der Kästen darf 1 m nicht überschreiten... Die Kästen sind beim Schlagen der Brüche in einem Zündgang wegzuschießen. Das Bruchgelände ist übertage sorgfältig abzusperren...“ Durch dieses Vorgehen machte man einerseits die Tagesoberfläche bewußt auf Jahrzehnte unbrauchbar, konnte aber andererseits den Plattendolomit in seiner ganzen Mächtigkeit und ohne Pfeiler stehen zu lassen, aushauen (40072, Nr. 779).

Zwischen 1954 und 1956 wurde vom damaligen VEB Schachtofenbau MIOBA für das Kalkwerk dann der hochmoderne Schachtofen errichtet. Als MIOBA Mitteldeutscher Industrieofenbau GmbH & Co. KG mit Sitz in Böhringen (Gemeinde Striegistal) bestand dieses Unternehmen übrigens noch bis 2017, befindet sich nach unserer Kenntnis gegenwärtig aber in Insolvenz.

Ende der 50er Jahre gab es in der Ziegelei eine heftige Explosion und sie brannte fast vollständig ab. Auch der große Ringofen wurde dabei stark beschädigt. Danach wurde die Ziegelei stillgelegt und alles abgerissen (Informationen von Herrn Och, Meerane).

 

Bis 1966 gab es offenbar eine Zusammenarbeit mit anderen gleichartigen, örtlichen volkseigenen Betrieben, insbesondere mit dem VEB (B) Vereinigte Obererzgebirgische Kalkwerke. Wie genau diese Zusammenarbeit organisiert war, geht aus den uns bisher zugänglich gewordenen Unterlagen allerdings nicht klar hervor. Auch in einer Akte aus dem Kreisarchiv des Landkreises Zwickau heißt es, daß das Bergbau- und Hüttenkombinat Maxhütte Unterwellenborn die Dolomitkalkwerke Meerane ab dem Jahr 1966 vom VEB Vereinigte Kalkwerke Oberscheibe übernommen habe (RDKW, Nr. 05854).

Witzigerweise versuchte just um diese Zeit, nämlich 1964, die Bäuerliche Handelsgenossenschaft e. G. (BHG) aus Meerane, im ehemaligen Facius'schen Kalkwerk am Emmler bei  Raschau ‒ nur ein paar Kilometer westlich von Oberscheibe ‒ selbst Dolomit abzubauen. Das Dolomitwerk in Meerane konnte wohl den Bedarf an Düngekalk schon damals nicht mehr decken.

In der Akte der Bergbehörde Zwickau zum VEB Vereinigte Obererzgebirgische Kalkwerke (40072, Nr. 770) fanden wir jedenfalls einen Fahrbericht zum Kalkwerk Meerane vom 7. August 1951. Ob diese Akten nur zufällig versehentlich in den Ordner der Behörde über den anderen Betrieb im erzgebirgischen Oberscheibe gelangt sind, wissen wir nicht. Die Behörde beanstandete darin u. a., daß „der neu hergestellte und nach dem alten Kalkbruch führende Fluchtweg besser fahrbar“ zu machen sei, außerdem ist „der innerhalb der an sich vorschriftsmäßig abgesperrten Bruchfeldes Anfang August des Jahres entstandene, größere Tagesbruch ...noch besonders abzusperren und seine Ränder... nachzunehmen“ und die Staubbelastung für den Bediener der Kugelmühle sei zu groß.

Die Arbeit in der Kugelmühle, wo der gebrannte Kalk gemahlen wurde, war nach Erinnerungen des Hauers W. Bothe eine Drecksarbeit, man konnte sie nur zirka 14 Tage machen. Dann bekam man erstmal eine andere Tätigkeit zugewiesen. So war ständiger Wechsel. Es soll extrem gestaubt haben und der Kalkstaub wirkte äußerst aggressiv auf Haut und Atemwege (Informationen von Herrn Och, Meerane).

Am 9. Mai 1952 vermeldete der Betrieb in Meerane der Bergbehörde dann die Beseitigung der beanstandeten Mängel. Wegen Beschaffungsproblemen sei zwar die Entstaubungsanlage an der „Staubverladung der Kugelmühle“ noch nicht eingebaut, immerhin aber sei „der Kugelmüller durch Einbau eines Förderbandes der Staubentwicklung nicht mehr ausgesetzt.“ (40072, Nr. 770)

Im Jahr 1965 wurden in Meerane von 39 Arbeitskräften, davon 22 „in direkter Produktion“ noch 29.600 t Rohdolomit gefördert und daraus 8.900 t Branntkalk, 8.200 t Stückkalk für die Stahlwerke, sowie Split erzeugt. Der Planentwurf für 1966 sah noch eine Förderung von 21.600 t Dolomit und eine Produktion von 2.200 t Branntkalk vor. Zirka 4.500 t zu feinkörniges Material (der sogenannte „Split“) wären jedoch nicht absetzbar und müßten aufgehaldet werden. Der VEB Vereinigte Kalkwerke rechnete daher mit einem „planmäßigen Verlust“ von bis zu 439.000,- Mark im Jahr 1966 und beantragte folgerichtig die Stillegung des Abbaus. Da damit jedoch auch Lieferverträge erloschen wären, wurde über die Stillegung vor dem Chemnitzer Landgericht verhandelt (40137-1, Nr. 47).

In der Folge wurden 1967 die noch vorhandenen Dolomitvorräte im sogenannten Südfeld – an der Grenze zum früher Bachmann’schen Tagebau – anhand einer Bohrerkundung durch BUS Welzow bei einer mittleren Dolomitmächtigkeit von 3,8 m im erkundeten Bereich noch auf 175.000 Tonnen berechnet. Das Gutachten dazu wies aber bereits darauf hin, daß an der Basis und nach Osten Übergänge zu sandiger Fazies mit dolomitischem Bindemittel bestehen, die als Zuschlagstoff für die Hüttenwerke unbrauchbar seien. Außerdem seien aufgrund von Karsterscheinungen die Abbauverluste mit rund 40% recht hoch, so daß die tatsächlichen Vorräte bestenfalls bei 105.000 Tonnen lägen. Ein wichtiger Kostenfaktor sei ferner der erforderliche Sicherungsausbau, der mittels Holz-Türstöcken hergestellt wurde. Der Holzbedarf dafür läge mit 0,01 Festmeter pro Tonne Dolomit vergleichsweise hoch (40137-1, Nr. 47).

Trotzdem hatte im November 1965 das damalige Bergbau- und Hüttenkombinat Maxhütte Unterwellenborn den Grubenbetrieb übernommen und begann 1968 mit den Aus- und Vorrichtungsbauen für das Südfeld. Zugleich kam es aber 1969 auch schon zu ersten Tagesbrüchen, was Verhandlungen über Flächenaustausch und Nutzungsausfall- Entschädigung an die betroffene LPG „Vorwärts“ Schönberg nach sich zog. Aus ursprünglich 0,8 ha wurden dabei schließlich 2,36 ha und eine Zahlung von 316.000,- Mark… (40137-1, Nr. 47)  

Der letzte Planentwurf der Maxhütte für 1971/1972 sah mit 37 Arbeitskräften noch einmal eine Förderung von 6.900 t Rohdolomit vor. Davon waren aber nur 2.350 t stückiges Material, das direkt an die Maxhütte geliefert werden konnte. Aus den kleineren Körnungen sollten 700 t Branntkalk und 1.750 t Split erzeugt werden. Der Abbau durch die Maxhütte wurde nach den Bergamtsakten am 31. März 1971 eingestellt (40137-1, Nr. 47). Nach einer anderen Quelle erfolgte die endgültige Einstellung des Abbaus im Südfeld am 23. April 1971 (RDKW, Nr. 05854).

Ein weiterer Abbau in den zeitweilig zu den Dolomitwerken Meerane/Crimmitschau zusammengefaßten Bergbaubetrieben als Zweigbetrieb des VEB Nickelhütte St. Egidien, war wohl nach 1977 noch eine Zeitlang geplant, da man auch dort den Dolomit als Zuschlagstoff für die Verhüttung benötigte (40137, Nr. I212 bis I214). Ob es aber überhaupt dazu gekommen ist, ist fraglich und nicht anhand von Quellen zu belegen. Sehr wahrscheinlich begrenzten sich Restarbeiten nach 1977 nur noch auf Crimmitschau.

  


Abbaugrundriß der Dolomitgrube Meerane, Blatt 2. Bildquelle: Sächsisches Staatsarchiv, Bergarchiv Freiberg, Bestand 40137-2 (Risse des VEB Nickelhütte St Egidien), Nr. I214, angelegt 1949, nachgebracht bis 1960, Gesamtansicht, Norden oben. Das nördlich anschließende Blatt 1 des Rißwerks konnten wir noch nicht finden. Die dunkelgrün strichpunktierte Linie ist die Gemarkungsgrenze zwischen Meerane (südlich) und Crotenlaide (nördlich). Die systematische Abbauführung und ein regelmäßiger Kammerpfeilerbau sind gut zu erkennen; leider sind die Auffahrungen nicht mit Jahreszahlen bezeichnet.

 


Ausschnitt aus obigem Riß mit dem Standort der Übertageablagen. Aus dem früheren Bachmann'schen Tagebau heraus führte offenbar eine Rampe zur Brecheranlage. Der Standort des Brennofens ist leider nicht explizit  verzeichnet.

 


Ausschnitt aus der Topographischen Karte der DDR, Ausgabe für den Staat, 1988. Zwar wurde Schlägel und Eisen schon umgedreht (rot markiert), das ehemalige Bergbaugebiet östlich von Crotenlaide ist jedoch durch die vertikale Schraffur noch gekennzeichnet. Zu dieser Zeit war es noch waldfrei.

 

Nach der Stillegung des Untertagebetriebes sind 1,8 Hektar Pingengelände (im Norden des Grubenfeldes, oberhalb des gesprengten Nordstollns mit dem Kalkbunker) rekultiviert worden. Das hieß zu DDR- Zeiten, daß das Ascheauto auf das Feld gefahren ist und Pinge für Pinge verfüllt hat. Danach soll es dort buchstäblich saumäßig ausgesehen haben. Deshalb holte man nach einigen Wochen eine Raupe vom Baubetrieb Medicke aus Glauchau und planierte alles ein. Dabei rutschte aber die Raupe halb in eine Pinge und mußte herausgezogen werden. Der Fahrer hatte verständlicherweise die Schnauze voll und fuhr gleich auf der Raupe zurück nach Glauchau.

Auch im noch heute vorhandenen Pingengelände wollte man in den 70er Jahren Müll ablagern. Man begann direkt hinter dem einstigen Freigut Eichler. Aber auch hier brach das Müllauto ein und man ließ es lieber bleiben.

Der Schachtofen wurde 1984 vom damaligen Autobahnkombinat gesprengt (Informationen von Herrn Och, Meerane).

Bedingt durch das Abbauverfahren ist das untertägige Baufeld bis heute nicht wieder nutzbar, mehr oder weniger eingezäunt und bleibt der Natur überlassen.

 

  
 
 

Zu den Abbauversuchen in Langenreinsdorf in jüngerer Zeit (1951-1956)

  

Westlich von Crimmitschau liegt Langenreinsdorf, heute ein Ortsteil der Stadt. Bereits 1951 verfolgte der damalige VEB Dolomitwerke Wünschendorf den Plan, wieder Dolomit bei Crimmitschau abzubauen. Dieser VEB gehörte bis 1951 dem VVB VESTA mit Sitz in Leipzig, danach dem Maxhütte Bergbau- und Hüttenkombinat Unterwellenborn an und belieferte natürlich auch dieses Stahlwerk mit Zuschlagstoffen und Feuerfestwerkstoffen (Sinterdolomit).

Anfangs hatten die Wünschendorfer Dolomitwerke sowohl die Ostseite des Pleißentals bei Wahlen, als auch dessen Westseite bei Langenreinsdorf und Neukirchen im Auge: Auf einer Beratung am 5. Mai 1951 wurde dazu besprochen, einerseits ein Dolomitwerk auf dem Vorortgelände in Crimmitschau, andererseits ein zweites auf dem Neukirchener Gelände zu errichten. In Langenreinsdorf sollte ein Tagebau für zirka 13 bis 15 Jahre betrieben werden, während man im Bereich des Zöffelparks im Stollenbau Dolomit gewinnen wollte. Damals erwartete man die größeren Vorräte von zirka 3,5 Mio t noch in Langenreinsdorf, während man in Wahlen mit etwa 1,5 Mio t gewinnbarem Dolomitvorrat rechnete. Auch Kalkbrennöfen waren vorgesehen. Die zu erwartenden Beschwerden der Anwohner über entstehende Abgase könnten durch Anordnung eines hohen Schornsteins behoben werden“ heißt es im Beratungsprotokoll. Nach einem etwas späteren Sitzungsprotokoll hatte man für den Schornstein schon die Höhe von wenigstens 70 m berechnet.

Man sah vor, bereits 1952 bis zu 193 Arbeitskräfte im Abbau und im Dolomitwerk zu beschäftigen und meldete für das Jahr 1955 einen Bedarf von sogar bis zu 466 Angestellten an. Dabei wußte man aber gar nicht, wie man diesen Bedarf decken sollte und plante deshalb schon damals die Errichtung von Neubauwohnungen (RDKW, Nr. 01208).

  


Ausschnittsvergrößerung aus dem Meßtischblatt Meerane, Ausgabe 1935. Allein am Nordhang des Langenreinsdorfer Tals sind hier tatsächlich noch vier Kalkbrennöfen und mehrere, mehr oder weniger große Steinbrüche eingetragen, ein weiterer existierte an der Südseite des Tales.

        

Namens des Geologischen Dienstes der DDR, Zweigstelle Sachsen in Freiberg, wandte sich in einem Schreiben vom 8. März 1951 Herr Prof. Pietzsch an den damaligen Bürgermeister der Gemeinde Langenreinsdorf, um den davon Betroffenen mitzuteilen, daß die dortigen Dolomitvorkommen mit größter Beschleunigung zu untersuchen“ seien. Vorgesehen war zunächst, in alten Brüchen eine Wand von 2 m bis 3 m Breite zur Gewinnung von Proben freizulegen sowie auf dem Plateau 10 Schächtchen bis 10 m Tiefe“ anzulegen, außerdem wolle man aus dem östlichsten der alten Brüche, Besitzer Albert Piehler, ca. 100 t für einen Großversuch entnehmen (LRD II, Nr. 132). Aus einem Beratungsprotokoll vom April 1961 in einer anderen Akte des Zwickauer Kreisarchives erfährt man dazu noch, daß es zu dieser Zeit noch 9 auflässige Dolomitsteinbrüche in Langenreinsdorf gegeben hat (RDKW, Nr. 05854).

Bei diesem Prof. Pietzsch handelte es sich tatsächlich um keinen Geringeren, als den uns bis heute als Verfasser und Herausgeber der Geologie von Sachsen bekannten Geologen, Albin Kurt Pietzsch (*1884, †1964).

Am 11. Oktober 1951 fand zur Information der Einwohner eine Bauernversammlung in Langenreinsdorf statt. Im Protokoll heißt es: Der Kollege Müller vom Ministerium... gab in seinen Ausführungen klar und deutlich zu verstehen, daß sowohl an dem Beschluß, in Langenreinsdorf das Dolomitvorkommen abzubauen, als auch daran, daß eben zum Teil viele Bauern von dieser Härte betroffen werden, ihre Äcker und Wiesenflächen ganz oder für ein paar Jahre zum Abbau des Dolomits ... frei machen müssen, nichts mehr zu ändern ist. Kollege Müller fand die passenden Worte, so daß gleich von Anfang an zu merken war, daß die Regierung den größten Wert darauf legt, daß nur in bestem Einvernehmen das Werk erstellt werden soll...“ So war das damals.

Die Sache wurde zunächst einmal tatsächlich sehr zügig angegangen. Für die ausgeführten Untersuchungsarbeiten gab es insgesamt 225,- Mark Entschädigung an die betroffenen 13 Eigentümer. Bei einer Geländebegehung wurden dann die Standorte der Anlagen festgelegt. Für die Werksanlagen war zunächst eine Fläche von 1.650 m² auf den Flurstücken 3a und 3c vorgesehen, die zu dieser Zeit im Besitz von Walther Kirchhof waren. Die Zufahrtsstraße sollte von der Straße Neukirchen- Langenreinsdorf- Mannichswalde aus über drei weitere Flurstücke, u. a. die Nummer 193, verlaufen. 1952 wird sogar schon mit dem Aufbau einer Transportseilbahn zum Bahnhof begonnen.

Schon 1953 aber wird der weitere Aufbau des Werkes vorläufig zurückgestellt.“ Bis dahin hatte man ein Magazingebäude, eine Büro- Baracke, ein Pumpenhaus sowie eine Trafostation zumindest rohbaufertig.

Der VEB Wünschendorfer Dolomitwerke scheint dieses Vorhaben danach völlig aufgegeben zu haben, denn schon 1956 werden Teile des Transformatorenhauses wieder demontiert, 1957 werden vom Dolomitkalkwerk Meerane die Stahltüren abgeschraubt. Im gleichen Jahr wird sogar die Grunddienstbarkeit für Stromleitung und Seilbahn wieder gelöscht. Verständlicherweise wollte nun der Eigentümer sein Grundstück wieder zurück, was jedoch vom Rat der Gemeinde 1957 abgelehnt wurde (LRD II, Nr. 132).

  

Weil es das Geoportal uns heute einfach macht, haben wir natürlich nachgesehen, wo denn die besagten Flurstücke gelegen haben. Die in der oben angeführten Akte im Einzelnen benannten Flurstücksnummern bestehen so heute allerdings nicht mehr. Die Nummerierung der Flurstücke in Langenreinsdorf beginnt heute am Ortseingang von Neukirchen her (wo auch die Nummer 3 zu finden ist, was immerhin die Beschreibung auf dem Neukirchener Gelände erklären könnte, aber nicht mehr zutreffend ist), läuft dann an der Südseite des Ortes aufsteigend bis zur westlichen Flurgrenze und von dort an der Nordseite wieder zurück.

Die Nummer 193 dagegen gibt es noch und bildete ursprünglich wohl die vierte Hufe nördlich der Straße von Osten her und das Flurstück 3b bildete das dritte Gehöft. Mit Hilfe des Kartenforums der Deutschen Fotothek haben wir es herausgefunden, wo das Dolomitwerk damals wahrscheinlich gebaut werden sollte...

   


Wie uns eine Flurkarte aus dem Jahr 1936, die wir im Kartenforum der Deutschen Fotothek gefunden haben, nämlich verrät, war die Flurstücksnummerierung vor dem 2. Weltkrieg anders: Die Nummerierung begann damals nördlich der Straße nach Mannichswalde mit den einstelligen Flurstücksnummern. Sogar ein Kalkofen am Hang nördlich oberhalb vom ersten Haus und unterhalb eines Kalksteinbruchs ist in dieser Karte noch bezeichnet.

  


Vergleicht man dies mit der heutigen Flurstückslage und der topographischen Karte der DDR (Ausgabe 1988), so fällt an genau einer Stelle eine Veränderung auf: Westlich des vierten Hofes hat man eine Straße, wie oben beschrieben: über drei Flurstücke, in nordöstliche Richtung gebaut und dort aus dem Flurstück 193 ein annähernd rechteckiges Flurstück mit der neuen Nummer 191 ausgegrenzt. Wir denken, daß genau dort das Dolomitwerk des VEB Wünschendorfer Dolomitwerke 1952 errichtet werden sollte. Die Fläche dieses Flurstücks (ohne die Zufahrtsstraße) beträgt allerdings mit knapp 9.000 m² deutlich mehr als die im Text genannten 1.650 m².

  

Nachdem dieser Versuch schon fast in Vergessenheit geraten war, machte der Rat der Gemeinde den VEB Wünschendorfer Dolomitwerke wieder auf die Altlast aufmerksam und schrieb am 10. Oktober 1972: Das von Ihnen 1953 bis 1956 geplante und zum Teil errichtete Zweigwerk in Langenreinsdorf ist heute der Gegenstand vieler Eingaben der Bürger... Das errichtete Bauwerk für die geplante Seilbahn ist zu einer akuten Gefahrenquelle geworden. Dieses Objekt ist einsturzgefährdet...“ Leider erfahren wir aus dieser Quelle nicht, ob der VEB sich in der Folgezeit um die Sicherung bzw. um den Abriß der nicht mehr benötigten Anlagen gekümmert hat (LRD II, Nr. 132). Das Luftbild von Google Earth verrät uns jedenfalls, daß die Anlagen irgendwann wirklich abgerissen wurden. Heute ist dort wieder bestellte Ackerfläche.

In einer Stellungnahme der Bezirksstelle für Geologie beim Bezirk Karl-Marx-Stadt aus dem Jahr 1971, bezugnehmend auf den Antrag der Maxhütte Unterwellenborn auf Feststellung eines Bergbauschutzgebietes (also der Vorrangstellung einer eventuellen Rohstoffgewinnung) vom 15. Juni dieses Jahres, heißt es, daß im Westteil des betreffenden Gebietes (also bei Langenreinsdorf) immerhin 2,5 Mio. t Dolomit als C1- Vorräte, weitere 0,4 Mio. t als C2- Vorräte bestätigt seien. Erheblich größer freilich seien die Vorräte östlich von Crimmitschau im Raum Wahlen und bis hinüber Gablenz, wo die Vorratskommission der DDR im Jahr 1964 C1- Vorräte von 4,1 Mio t und C2- Vorräte von 9,8 Mio t bestätigt hatte (RDKW, Nr. 17315). In Anbetracht der 1970 beabsichtigten Fördermengen von bis zu einer halben Million Tonnen jährlich kann man allerdings schnell überschlagen, daß die Vorräte in Langenreinsdorf nicht wirklich lange gereicht hätten (RDKW, Nr. 05854).

Seitdem hat es keine neuen Versuche gegeben, den Abbau der Dolomitvorkommen am Westufer der Pleiße wieder aufzunehmen. Die heutige Wünschendorfer Dolomitwerk GmbH baut dagegen den Plattendolomit in Caaschwitz nördlich von Gera noch immer ab. Auch dort ist man in den letzten Jahren vom Tagebau zum Tiefbau übergegangen (dolomitwerk-wuenschendorf.de).

   

  
 
 

Zum Abbau in Crimmitschau in jüngerer Zeit (1959-1977)

  

Bereits im Mai 1959 hatte der Betriebsleiter Erler der Dolomitgrube in Meerane erstmals darauf hingewiesen, daß die Lagerstätte in Meerane- Crotenlaide bald gänzlich abgebaut sein würde. Damals rechnete er noch mit drei Jahren Betriebszeit; tatsächlich währte der Abbau im Südfeld aber doch noch bis zum 23. April 1971 (RDKW, Nr. 05854).

Ab 1966 hatte das Maxhütte Bergbau- und Hüttenkombinat Unterwellenborn schon den VEB Dolomitkalkwerke Meerane vom VEB Vereinigte Kalkwerke Oberscheibe übernommen, der seinerseits aber wohl nur kurzzeitig das Unternehmen von der KWU des Landkreises Glauchau übernommen hatte. Da nun die Versorgung der Stahlwerke der Maxhütte mit Zuschlägen und Feuerfestwerkstoffen (Sinterdolomit) irgendwie gesichert werden mußte, entsann man sich auch wieder der Vorkommen in Crimmitschau.

Obwohl es eigentlich dasselbe geologische Material ist, hatten schon 1961 Untersuchungen am Eisenhütteninstitut in Freiberg ergeben, daß Konverterauskleidungen mit Plattendolomit aus Meerane bis zu 50 Chargen (Ofenfüllungen) länger halten können, als eine Auskleidung mit Wünschendorfer Plattendolomit. Auch Versuche in der Maxhütte zeigten, daß Ofenböden aus Meeraner Dolomit wenigstens 7 Chargen länger, als solche aus Wünschendorfer Dolomit haltbar waren. Daraufhin wurde bei der staatlichen Plankommission eine Arbeitsgruppe Dolomit“ gebildet. Die beauftragte zwei Fernstudenten namens Riedel und Körner von der Bergingenieurschule in Zwickau im Rahmen einer Qualifikationsarbeit mit der Projektierung von zwei Schurfschächten zur Gewinnung von 1.000 t Dolomit für einen technologischen Großversuch und mit einer Untersuchung zum zweckmäßigsten Abbauverfahren im Crimmitschauer Dolomitvorkommen (RDKW, Nr. 05854).

Darüber hinaus hatte der Ministerrat der DDR im März 1963 den weiteren Ausbau des Eisenhüttenkombinats (EKO) in Eisenhüttenstadt an der Oder beschlossen. Auch dort wurde Dolomit dringend benötigt und so gewann das Vorhaben des Dolomitabbaus in Crimmitschau wieder an Bedeutung. Das Dolomitkalkwerk Meerane erhielt nun den Auftrag, das Staatsplanobjekt Rohdolomitforschung in Crimmitschau“ voranzubringen. 1963 wurde außerdem der VEB Geologische Forschung und Erkundung (GFE) in Freiberg mit weiteren geologischen Untersuchungen beauftragt (RDKW, Nr. 05854). Die etwa 30 neuen Erkundungsbohrungen hat dann aber die Niederlassung des GFE in Halle auf einer Gesamtfläche von 90 ha zwischen Crimmitschau und Gablenz ausgeführt (RDKW, Nr. 17294). Mit der Erstellung der Plan- und Genehmigungsunterlagen wurde 1965 der VEB Forschung und Projektierung Erzbergbau in Leipzig beauftragt. 1968 wird in den Akten dann der VEB Schwarzmetallurgie Projektierung (mepro) in Berlin als beauftragtes Planungsunternehmen genannt (RDKW, Nr. 17315).

Schon die ersten Pläne von 1965 sahen eine 68 m lange und 3,4 m breite Bandbrücke vom Tagebau zum Bahnhof in Crimmitschau vor, wo ein 18 m hoher Verladebunker, ursprünglich mit 1.500 t, 1971 dann sogar mit 4.700 t Fassungsvermögen errichtet werden sollte (RDKW, Nr. 15654).

Parallel plante man auch jetzt wieder, für die Angestellten des künftigen Dolomitwerkes Neubauwohnungen zu errichten, u. a. waren 32 Wohneinheiten in der Straße der Jugend und bis zu 64 weitere Wohnungen in der Wilhelm- Stolle- Straße in Crimmitschau vorgesehen (RDKW, Nr. 5775 und Nr. 9268). Schließlich rechnet man auch 1971 mit wenigstens 150 Mitarbeitern für einen Dreischichtbetrieb. Davon könne man nur 25 aus der stillgelegten Grube in Meerane holen, weitere 10 von der Maxhütte; die Mehrzahl hingegen sollte aus der Region kommen (RDKW, Nr. 15654).

Bei der geologischen Erkundung hatte man nebenbei auch nachgewiesen, daß im Hangenden des Dolomits hochwertige Ziegelrohstoffe anstehen. Die Bergbehörde forderte daher die Maxhütte auf, sich bei den weiteren Planungen mit dem VEB Ziegelkombinat Karl- Marx- Stadt abzustimmen, damit nicht durch den Abbau des einen Rohstoffes der des anderen unmöglich gemacht werde. 1971 beantragte die Maxhütte die Festlegung eines Bergbauschutzgebietes zwischen Crimmitschau und Gablenz von 215 ha Größe (RDKW, Nr. 5854).

  


  VEB Maxhütte, Dolomitwerk Crimmitschau: Tageriß der geplanten Anlagen des zukünftigen Dolomitwerkes, gefertigt in Kamsdorf im Juni 1964, unterzeichnet von Markscheider Liebohr am 9.1.1965, Gesamtansicht. Bildquelle: Kreisarchiv Zwickau, Bestand RDKW (Rat des Kreises Werdau), Nr.15654, Aktenbeilage. Bedauerlicherweise verfügte das Kreisarchiv 2019 noch nicht an allen Standorten auch über A0-Scanner, so daß wir A3-Farbkopien am PC wieder montieren mußten, was uns diesmal nicht so ganz perfekt gelungen ist.

  


  Ausschnitt aus obigem Lageplan mit der Darstellung der 1965 geplanten Betriebsanlagen in Crimmitschau: Links der Vorrats- und Verladebunker am Güterbahnhof, am rechten Ende der Bandbrücke die Brecheranlage, dahinter angedeutet die parallel ansetzenden Stollen, die 1965 geplant waren. Rechts von der Zufahrtsstraße Werkstatt und Magazin, links Kaue, Verwaltungs- und Sozialgebäude.

  

Im Jahr 1968 wurde dann mit der Auffahrung der Doppel- Stollnanlage“ gemäß dem Projekt der beiden Studenten aus Zwickau begonnen. Aber es klemmte überall: Da man den alten Abbau überfuhr, konnte 1969 nicht einmal die Anschlußstraße des Werks fertiggestellt werden, weil „in unmittelbarer Nähe eine Pinge eingebrochen“ sei (RDKW, Nr. 9276).

Wie es im Protokoll einer Beratung der Bezirkstelle für Geologie in Karl-Marx-Stadt mit dem Vorhabensträger, der Maxhütte Unterwellenborn, Ende 1971 heißt, habe man diese Versuchsbaue „infolge Unterstrukturierung“ daher noch im selben Jahr (1968) wieder gestundet. Bei der Bezirksstelle für Geologie hatte man zu diesem Zeitpunkt noch nicht einmal Angaben darüber, welcher Bergbaubetrieb den Abbau denn durchführen solle ( !! ) (RDKW, Nr. 05854).

Auch in einem Schreiben der Maxhütte vom 19. Februar 1969 heißt es, daß man noch keinen Hauptprojektanten für die Planung des Abbaus benannt habe. In der Diskussion war auch, einen Auftragnehmer aus der VR Polen über das Außenhandels- Unternehmen LIMEX“ für die bergmännischen Auffahrungen zu binden. Alles in allem seien die erforderlichen Gutachten und Genehmigungen doch recht zeitaufwendig.“  Die Maxhütte hatte jedenfalls neben ihrem Grubenleiter, Herrn Jacob, sowie dem Haupttechnologen für die Grubenbetriebe, Herrn Eckardt, zusätzlich noch einen Sonderbeauftragten Kästner mit der Projektleitung für Crimmitschau betraut (RDKW, Nr. 15654).

Als Abbauverfahren für Crimmitschau war ein Kammerpfeilerbau mit planmäßigem Zubruchwerfen der Stützpfeiler“ vorgesehen. Aufgrund der Überdeckung von zirka 30 m Mächtigkeit würden dadurch relativ gleichmäßige Absenkungen der Oberfläche um 3 m bis 4 m eintreten, was freilich zeitweilig eine Nutzung der betroffenen Flächen ausschließt. Man nahm aber an, daß „nach dem Abklingen der Senkungen“ eine landwirtschaftliche Nutzung wieder möglich sein werde. Wie lange das dauert, sagte man nicht (RDKW, Nr. 05854).

Verständlicherweise rief das die Eigentümer und Pächter der Flurstücke auf den Plan. Schließlich mußte auch zu DDR-Zeiten die Maxhütte die betroffenen Flächen ja pachten oder kaufen. Ein Gutachten des Kreislandwirtschaftsrates Werdau kam im Jahr 1967 zu dem Urteil, daß neben dem Kaufpreis auch Entschädigungen für Wirtschaftserschwernisse, wie etwa einem erforderlichen Neubau anders verlaufender Wirtschaftswege, und nicht zuletzt Ausgleichszahlungen für Produktionsausfälle über den geplanten Abbauzeitraum von etwa 10 Jahren an die damalige LPG Neues Leben in Gablenz zu zahlen sei. Insgesamt kamen die Gutachter auf eine Summe von über einer Million Mark.

Diese Summe schreckte wohl sogar das Bergbau- und Hüttenkombinat ab, weshalb man die vorgesehene Abbaufläche zunächst einmal drastisch reduzierte. Tatsächlich zahlte die Maxhütte 1969 nur 97.430,- Mark für den Geländeerwerb (RDKW, Nr. 9276). Der Vertrag zwischen der Maxhütte und der jetzigen Kooperativen Abteilung Pflanzenproduktion (KAP) Werdau- Mitte, Sitz in Langenhessen, vom 16.12.1975 war vorläufig auch nur auf die folgenden fünf Jahre bis zum 31.12.1980 begrenzt. Die Maxhütte verpflichtete sich darin ausdrücklich, die in Anspruch genommenen Flächen nach Beendigung des Abbaus wieder urbar zu machen (RDKW, Nr. 05564).

Erst 1971 wurde dann der Stollnvortrieb fortgesetzt, mit dem Ziel, nun endlich etwa 12.000 t Dolomit für die Versuchsproduktion in Unterwellenborn abzubauen. Um das nötige Material für diese Versuche zu gewinnen, hat man von 1971 bis 1972 zirka 640 m Strecken – „bis zum Polster’schen Bruch“ – aufgefahren und dabei 14.442 t Rohdolomit gewonnen.

  

Am 30. März 1973 wurde dann erneut eine Entscheidung für die Wiederaufnahme des Abbaus nördlich und östlich des früheren Baufeldes der Königin Marienhütte in Wahlen getroffen, nachdem man die großtechnischen Versuche mit Crimmitschauer Dolomit 1972 ausgeführt hatte und diese dessen Eignung für die Maxhütte bestätigt hatten. Insbesondere verbessere sich die Haltbarkeit der Böden und Wandungen der Konverter-Öfen (40137-1, Nr. 50).

Die auf Grundlage der neuen Untersuchungen des GFE 1969 berechneten Bilanzvorräte lagen nun bei insgesamt 16,8 Millionen Tonnen Dolomit, woraus sich bei einer vorgesehenen jährlichen Förderung von 40.000 t eine Betriebszeit von 47 Jahren ergeben hätte (40137-1, Nr. 50).

Die Pläne waren allerdings sehr viel weitreichender: Schon 1974 wollte man die Förderung in Crimmitschau von 30.000 t auf bis zu 200.000 t erhöhen und 1975 eine Jahresförderung von 540.000 t bis 750.000 t ( !! ) erreichen, um die gesamte Stahlindustrie der DDR mit dem Dolomit aus Crimmitschau versorgen zu können (RDKW, Nr. 5854).

  

Am 18. Juni 1973 erfolgte offiziell die Wiederaufnahme des Bergbaus. Die Bergleute hatte man aus Meerane geholt, wo sie nach der Stillegung des Abbaus ja nicht mehr gebraucht wurden. Für das zweite Halbjahr 1973 war mit 35 Arbeitskräften, davon 21 Häuern, eigentlich eine Förderung von 18.000 t Dolomit vorgesehen – tatsächlich wurden aber nur etwa 2.000 t „ofenfähiges Gestein“ zutage gebracht (40137-1, Nr. 50).

Von der „Flügelstrecke 1/2“ aus, welche die (neuen) Stollen 1, 2 und 3 in nordwestlicher Richtung verbindet, hatte man dazu mit den Querschlägen 1 und 2 die Lagerstätte zum Abbau vorgerichtet. Zwischen den Querschlägen war ein Feld von etwa einem halben Hektar Fläche im Kammerpfeilerbau in Abbau genommen worden. Dazu kamen alles in allem weitere neun Kammern zwischen den Querschlägen 2 und 3 sowie zwischen den Querschlägen 3 und 4. Im Ostteil ist es noch nicht zu einem Abbau aus den Vorrichtungsstrecken 2/2 und 3/2 heraus gekommen.

Mangels Verarbeitungskapazitäten in Crimmitschau maußte man vorsehen, den Rohdolomit per LKW zur damals ja noch vorhandenen Brech- und Siebanlage in Meerane zu transportieren; von dort aus sollte das klassierte Material zu den Wünschendorfer Dolomitwerken gebracht, dort zu Sinterdolomit verarbeitet und anschließend weiter zur Maxhütte gefahren werden (40137-1, Nr. 50). So etwas gab´s nur in der DDR und konnte natürlich nicht funktionieren…

Wirtschaftliche Faktoren begrenzten letztlich den Abbau. Nach der Fortsetzung der Versuchsbaue von 1971 wurde der Abbau schon Ende 1973 erneut gestundet und ein Jahr später stellte man fest, daß der Holzausbau stockt. Folgerichtig kam es zu Verbrüchen im Stollen 1, der zudem ja abschnittsweise auch den Altbergbau der Königin Marienhütte durchfuhr (40137-1, Nr. 50).

Außerdem liest man 1973 in den Akten, daß der Abbau in Crimmitschau sehr aufwendig sei und die Produktivität daher nur 14% des Dolomitabbaus im Tagebau Caaschwitz erreiche. Auch seidie Erhöhung der Chargenhaltbarkeit“ dann doch nicht wie erwartet eingetreten (RDKW, Nr. 5854).

  


Abbaugrundriß der Dolomitgrube Crimmitschau. Bildquelle: Sächsisches Staatsarchiv, Bergarchiv Freiberg, Bestand 40137-2 (Risse des VEB Nickelhütte St Egidien), Nr. K209, dat. 1975, Gesamtansicht, Norden oben.

 


Ausschnittsvergößerung aus obigem Riß. Im Süden ist das alte Baufeld der Königin Marien-Hütte zu sehen. Der neue Stolln 1 (unten) überfuhr diesen Altbergbau. Die recht systematische Aus- und Vorrichtung ist gut zu erkennen, auch der quasi abgebrochene Abbau. Nach Osten wurde das Bergwerksfeld übrigens durch ein Bergbauschutzgebiet für den Abbau von Ziegeleilehm begrenzt.

  


Wenn wir uns diese Auffahrungen genauer anschauen und mit dem älteren Riß von 1909 oben vergleichen, stellen wir fest, daß sich der Abbau durch die Königin Marien-Hütte in seiner letzten Betriebsperiode nordöstlich hinter der „Auswaschungszone“ noch deutlich weiter ausgedehnt hat.

  


Man muß den alten Riß in die richtige Richtung drehen, aber dann bekommt man die beiden Karten schon mal ganz gut übereinandergelegt... Rot hinterlegt der Aufmaßstand von 1909.

 

In einem Schreiben an den Rat des Kreises in Werdau vom 21.12.1976 teilte das Dolomitwerk Wünschendorf schließlich mit, daß man die Stillegung der Produktion mit Wirkung vom 1. Januar 1976 beschlossen habe. Das Dolomitwerk in Crimmitschau habe man aus dem Verband des Bergbau- und Hüttenkombinates Unterwellenborn ausgegliedert. Es sei ab 1. Januar 1977 dem Ferrolegierungswerk Lippendorf, Zweigbetrieb VEB Nickelhütte St. Egidien, angehörig.

Ob unter der Leitung der Nickelhütte tatsächlich der Abbau wieder aufgenommen wurde, erscheint zweifelhaft. Die Bergleute zumindest konnte die Nickelhütte für ihre eigenen Tagebaue in Callenberg auch ganz gut gebrauchen. 1979 habe man auch eine Bergschadenkundliche Analyse (BSA) für das stillgelegte Abbaufeld erstellt, in welcher man zu dem Schluß kam, daß zirka 2,5 ha des Grubenfeldes als akut tagesbruchgefährdet einzustufen seien und vorläufig nicht wieder für eine Nutzung freigegeben werden können (RDKW, Nr. 05815). In der Datenbank des Sächsischen Staatsarchivs haben wir diese BSA allerdings nicht finden können, sie muß sicherlich noch Sperrfristen abwarten und liegt bis dahin im Oberbergamtsarchiv unter Verschluß.

Über den tatsächlichen Termin der endgültigen Stillegung geben die Bergamtsakten keine Auskunft, die vorhandenen Risse weisen jedoch aus, daß die drei neu aufgefahrenen Stollen durch Abmauerung und Zubruchschießen – wo sie nicht schon verbrochen waren – verwahrt wurden (40137-2, Nr. I29, I209 und I210). Die markscheiderische Endaufnahme der Dolomitgrube ist auf das Jahr 1985 datiert (40137-2, Nr. H215).

Schon 1971 hatte man das Fazit gezogen, daß sich „…der verlorene Investitionsaufwand für Crimmitschau auf zirka 2,6 Millionen Mark beläuft. Darüber hinaus können im Jahr 1971 noch weitere Regressforderungen auftreten…“ (40137-1, Nr. 47). Das war selbst für DDR-Verhältnisse unwirtschaftlich.

  

Aufgrund der nicht stattfindenden Flächenrückgabe forderte die Landwirtschaftsabteilung beim Rat des Kreises Werdau eine Überprüfung der zur Verwahrung und Wiederurbarmachung vorgenommenen Maßnahmen. Daraufhin teilte am 4. Dezember 1981 die Abteilung für Wismutangelegenheiten beim Rat des Bezirks Karl- Marx- Stadt dem Rat des Kreises mit, daß die Verwahrung so erfolgt sei, daß eine Wiederaufnahme des Abbaus jederzeit möglich wäre.“ 

Vor allem aber sei es viel zu aufwendig, alle Grubenhohlräume vollständig zu verfüllen. Deshalb müsse auch das Bergbauschutzgebiet bestehen bleiben. Die Wiederurbarmachung der darüber hinaus genutzten Flächen sei 1983 beendet worden. Da sich für dieses Gelände aber kein neuer Nutzer finden wolle, war nach damals geltendem Recht der Rat des Kreises zur Rücknahme der Flächen verpflichtet.

Schon im Jahr 1981 wurden auch Unrat- Ablagerungen im Restloch des ehemaligen Steinbruchs auf dem Flurstück 1553/1 festgestellt... (RDKW, Nr. 05815).

Der Tagebau der Königin Marienhütte bildet heute allerdings das Flurstück 1281/5 der Gemarkung Crimmitschau und kann folglich nicht gemeint gewesen sein. Die hier benannte Flurstücksnummer 1553/1 haben wir im Geoportal nicht wiedergefunden, jedoch taucht die Nummer 1553 in mehrfacher Unterteilung zwischen dem Lauenhainer Berg und der Herderstraße ‒ also im Bereich des Bruchfeldes ‒ auf Crimmitschauer Flur auf (geoportal.sachsen.de). Nach eigener Anschauung können wir bestätigen, daß an dieser Stelle auch heute allerlei Unrat herumliegt...

  


Ausschnitt aus der Topographischen Karte der DDR, Ausgabe für den Staat, 1988. Vom früheren Dolomitabbau zeugen keinerlei Eintragungen mehr. Das letzte Baufeld war noch waldfrei. Östlich wird noch heute Lehm für die Ziegelherstellung abgebaut.

 

 
 
 

Erhaltene Zeugnisse

In Meerane- Crotenlaide

  

Weil das bisher überall recht gut funktioniert hat, orientieren wir uns auch hier zuerst anhand der ALS-Daten des Geoportals über mögliche Zeugnisse des einstigen Abbaus und beginnen in Meerane.

  


Eine Darstellung mit Hinterlegung der Hohlraumverdachtsflächen für das Stadtgebiet von Meerane mit Crotenlaide im Norden. Der Untergrund des historischen Stadtkerns von Meerane ist auch durch eine Anzahl von Berg- und Tiefkellern gekennzeichnet. Die Fläche östlich von Crotenlaide müssen wir uns noch mal genauer anschauen…

 


…denn das sieht doch aus, wie ein Pingenfeld über früherem Pfeilerbruchbau. Bei den geringen Lager- Mächtigkeiten und seiner Überdeckung mit Lockersedimenten ist das untertägige Abbaufeld des ehemaligen VEB Dolomit-Kalkwerk offensichtlich trotz des angewandten Kammerpfeilerbau- Verfahrens heute durch etliche Einbruchtrichter im Gelände markiert.

 


Mit Hilfe der orange eingetragenen Gemarkungsgrenze und der wenigen, im Riß verzeichneten Gebäude gelingt es, den Riß von 1960 mit gewisser Genauigkeit in die heutige Topographie einzupassen. Dabei stellt man erwartungsgemäß fest, daß sich das Pingenfeld weitgehend mit de
r durch den untertägigen Abbau beeinflußten Fläche deckt. Nur im Südosten finden sich außerhalb der bis 1960 im Sohlengrundriß dargestellten Abbaufläche weitere kleine Pingen.

 

In der Fotothek haben wir noch ein einziges Foto gefunden, das den alten Kesselofen des Kalkwerks in Meerane zeigt. Das weckte unsere Neugier und wir wollten selber einmal schauen, was noch zu finden ist...

  


Meerane, Crotenlaider Straße, Rest eines Kalkofens, vermutlich des  Feinkalkbrennofens.
Foto: S. Fillinger, 1993.

http://www.deutschefotothek.de/documents/obj/70024724

  


Zustand des Hoffmann'schen Ringbrandofens des Bachmann'schen Kalkwerkes im Jahr 1991. Der obere Teil (Holzaufbau) bildete die Schürebene und wurde nach der Stillegung des Ofens u. a. als Kulturraum und als Lager für das Kalkwerk genutzt. Aufnahme: M. Och, Meerane

   


In der Crotenlaider Straße in Meerane angekommen, suchen wir uns einen Parkplatz am Gondelteich unterhalb des Schillerparks und finden zunächst eine Hinweistafel auf den Naturlehrpfad im Schiller-Park. Die verrät uns, daß sich hier der Gornzigbach in den Talhang eingeschnitten hat.

 


Wir folgen heute aber anderen Spuren und finden ein paar Schritte weiter diesen Hunt an der Einfahrt zum früheren Kalkwerk. Es ist allerdings einer aus dem Nachlaß der SDAG Wismut aus dem Ronneburger Raum, wo diese 1 m³ Hunte üblich waren. Bergbauinteressierte Einwohner ließen ihn erst vor einigen Jahren hier aufstellen.

 


Der Hunt ist mit typischen Brocken des Plattendolomits gefüllt. Auch diese stammen jedoch nicht mehr aus den Meeraner Steinbrüchen, sondern von der Wünschendorfer Dolomitwerke GmbH aus Caaschwitz in Ostthüringen. Es erwies sich bei der Aufstellung des Huntes als einfacher, die Ladung dort zu beschaffen, als den Hunt aus dem Bruchgelände in Crotenlaide zu befüllen.

 


Ein paar Gebäude stehen auch noch, freilich in ziemlich verkommenem Zustand.

 


Hier saß früher bestimmt der Pförtner.

 


Dahinter kommt man aber nicht weiter, denn das Gelände wird heute offenbar als Zwischenlager für Bauabfälle genutzt.

 


Die ungefähr 550 m in NW-SO-Richtung messende Bergschadensfläche oberhalb wird auf der Tafel am Eingang zum Schiller-Park als Dolomitgebiet“ bezeichnet und ist - wie uns Google Earth verrät - heute fast geschlossen bewaldet.

 


Wir laufen einmal den Posernweg bergauf. Dort findet man am Waldrand diese Einzäunung...

 


...aus hunderten alter Bahnschwellen.

  


An deren Rand spazieren wir mal ein Stück über die Wiese und werfen einen Blick von oben auf den Einschnitt im Talhang, wo früher das Kalkwerk
stand. Der Schornstein ist noch vom Ringofen übrig und war einst mehr als doppelt so hoch. Von dieser Perspektive aus (vom Mittleren Bruch, Ansatzpunkt des späteren Südstollns) gesehen, stand links davon der 1984 gesprengte Schachtofen (Informationen Hr. Och).

 


Auch von hier aus stellt man aber fest, daß vom einstigen Kalkwerk heute leider fast nur noch Bauschutt übriggeblieben ist.

 


Deshalb schauen wir oben am Waldrand weiter nach und finden diesen Einschnitt...

 


...mit einer ziemlich ordentlichen Pinge am Ende. Vermutlich eines der Stollenmundlöcher, das man nach der Stillegung zubruchgeschossen hat.

 


Ein paar Schritte weiter nördlich führt ein nur noch wenig benutzter Wirtschaftsweg in das ehemalige Tagebaugelände.

 


An dieser Klippe steht im Hangenden gelbbrauner Löß
und darunter die rötlichen oberen Letten an. Die Bruchwand scheint uns aber nicht mehr sonderlich vertrauenerweckend. Vom Dolomit ist nichts zu sehen und daher drehen wir hier lieber um.

 


Dieser Hunt ist wahrscheinlich das letzte Denkmal am Ort des Dolomitabbaus in Meerane. Bewahrt ihn gut!

 

   
 
 

In Crimmitschau- Wahlen

  

Um das Bruchfeld in Meerane noch zu besuchen, ist es nicht die richtige Jahreszeit - das Unterholz ist zu dicht. Und mal ehrlich: Löcher im Wald haben wir schon viele gesehen... Deshalb fahren wir lieber gleich die 8 km nach Crimmitschau hinüber und schauen uns dort nach Bergbauzeugnissen um. Auch hier nutzen wir als erstes wieder die ALS-Daten des Geoportals.

 


In der aktuellen Reliefkarte vom Geoportal.sachsen.de entdeckt man auf den ersten Blick keine Zeugnisse des Dolomitabbbaus mehr. Wie schon Th. Siegert anmerkte, wurden viele der kleinen grundeigenen Gruben westlich von Crimmitschau nach ihrer Aufgabe wieder verfüllt und eingeebnet. Nur mit Hilfe der Hohlraumverdachtsflächen (hellbraune Markierungen) des Sächsischen Oberbergamtes findet man noch die letzten Abbauflächen bei Wahlen östlich der Pleiße wieder. Auch im Stadtgebiet von Crimmitschau befinden sich außerdem einige Höhler.

 


Da wir zwei Abschnitte der Gemarkungsgrenze in den Altrissen und sogar noch eine Scheune aus dem Riß von 1909 in der aktuellen Topographie wiedergefunden haben, können wir auch hier alles übereinander legen... Nebenbei stellen wir überrascht fest, daß das Abbaufeld der Königin Marienhütte schon auf Crimmitschauer Flur lag und gar nicht mehr zur Gemarkung Wahlen (südlich der orange eingezeichneten Gemarkungsgrenze) gehört hat. Weniger überraschend ist, daß es auch hier in Crimmitschau über dem Kammerpfeilerbau der 1970er Jahre inzwischen zu Tagesbrüchen gekommen ist.

  


Bei Google Earth findet man dann auch noch leicht heraus, daß auch hier das einstige Bergwerksfeld heute überwiegend mit Wald bedeckt ist.

 


Wir parken am ehemaligen Güterbahnhof. Wo früher neben den alten Güterschuppen noch Verladegleise verliefen, hat sich heute anderes Gewerbe angesiedelt.

 


Ob dieses, an den Haldenfuß gebaute Gebäude mit dem massiven Untergeschoß früher der „Füllrumpf“ des Kalkwerkes ge
wesen ist, kann man ihm nicht mehr ansehen.

  


Deshalb klettern wir nun den Lauenhainer Berg hinauf. Die Anliegerstraße führt schräg an den recht beachtlichen Abraumhalden des Wahlener Kalkwerkes hinauf.

 


Aha. Um Winterdienst müssen wir uns jetzt gerade eher keine Sorgen machen.

 


Auf halber Höhe zweigt hier die Zufahrt zum eh
emaligen Kalkwerk der Königin Marienhütte ab...

 


Auf den Hinweis unten folgen an diesem Abzweig aber neue Hinweistafeln, die uns belehren, daß dieses Gelände heute in Privatbesitz ist und Neugierige hier unerwünscht sind. Okay, dann respektieren wir das.

 


Gehen wir also die Anliegerstraße weiter bergauf. Dort finden wir gegenüber der Gartenanlage diese Einzäunung aus alten Schienen und rostigem Stahlseil.

 


Die Einzäunung wurde lange nicht erneuert - das Bruchfeld dahinter kann hier also nicht gefährlich sein...

 


Ganz im Gegenteil: Es wird offenbar fleißig als Deponie für Gartenabfälle und sonstigen Unrat genutzt.

 


Wohl aus diesem Grund fallen die teilweise fast aufgefüllten Pingen in den ALS-Daten hier nicht gleichermaßen ins Auge, wie die in Meerane. Die schief stehenden Bäume zeigen aber, daß noch immer Bewegungen im Boden ablaufen… Respekt ist hier angebracht!

 


Wo wir einmal da sind, schauen wir uns auch um...

 


...und entdecken noch eine ganze Menge solcher „Löcher“. Das Bruchfeld hatte hier etwa 120 m Ausdehnung in Nord-Süd-Richtung bei etwa 50 m Breite.

 


Einige Pingen besitzen ganz beachtliche Ausmaße. Hier geht noch was rein - die Abfallentsorgung der Anwohner ist also noch eine Weile gesichert.

  


Weil es dort mehr nicht zu sehen gibt, drehen wir um, suchen uns einen neuen Parkplatz in der Rosegger Straße und laufen einmal zum eigentlichen Stadtpark hinauf.

 


Schau an: Auch hier ist Luther einmal entlang gewandert...

 


Die Wege sind gut ausgebaut, aber weil es fast ständig bergauf geht, kommt man ganz schön ins Schwitzen...

 


Hier ist auch dem Stifter des Stadtparkes ein Denkmal gesetzt.

 


Unweit der Wanderwege findet man noch ein paar Geländeeinschnitte, die zu den zuletzt Polster'schen Kalkbrüchen gehört haben müssen.

  


Die Geländestufen sind kaum mehr als etwa 5 m tief und heute stark verwachsen.

  


Etwas oberhalb liegen noch mehr, noch flachere Geländestufen. Ob es sich hier um den Abraumschnitt handelte, oder ob man hier als Nebenrohstoff die hangenden Lehme für die Ziegeleien abbaute, ist heute nicht mehr so einfach zu erkennen.

 


Dort, wo an der Rückseite der Grundstücke an der Roseggerstraße entlang der Wanderweg wieder hinunter zu unserem Parkplatz führt, finden wir noch einen weiteren Bruch.

 


Der Geländeeinschnitt erreicht hier an die 10 m Tiefe und wird heute als Bolzplatz nachgenutzt.

 


Da wir einmal den ganzen Hang hinauf gestiefelt sind, freuen wir uns auf dem Rückweg natürlich auch noch an dem Ausblick nach Süden über das Pleißetal...

 


...und hinunter auf die Stadt Crimmitschau.

 

   
 
 

In Rudelswalde und Langenreinsdorf bei Crimmitschau

  

Da auch hier nicht mehr wirklich viel vom einstigen Dolomitbergbau zu finden ist, nutzen wir das schöne Wetter, fahren auch noch auf die andere Seite des Tales hinüber und machen dort als erstes am westlichen Ende vom heutigen Ortsteil Crimmitschau´s, in Rudelswalde Station.

 


Hier führt uns die Anliegerstraße Am Feldschlößchen nach Westen (oben links im Bild), wo schon auf dem Meilenblatt eine Kalckhütte verzeichnet war und noch heute in den ALS-Daten vom Geoportal Geländeeinschnitte zu finden sind. Recht gut ins Gelände integriert, führt heute die neue S290 entlang des Tals des Döbitzbachs von Crimmitschau nach Schmölln.

 


Gleich oberhalb der Ortslage Rudelswalde (links im Bild) lohnt es sich, an einer Wanderschutzhütte anzuhalten. Von hier aus hat man bei klarer Sicht einen weiten Fernblick, sieht den Rochlitzer Berg im Nordosten und den Erzgebirgskamm vom Fichtelberg im Südosten bis zum Auersberg im Süden.

 


Gegenüber schaut hinter dem flachen Kerbtal des Döbitzbachs der Kirchturm von Langenreinsdorf herüber.

 


Wir unterqueren aber die S290 und suchen uns einen Parkplatz am Feldrand. Rechts im Bild das einsame Gehöft des früheren Feldschlößchens.

 


Wir interessieren uns für die drei Baumgruppen hier mitten auf dem Feld, das zum Glück gerade neu bestellt ist, so daß wir keinen Schaden anrichten, wenn wir mal das Stück hinüberlaufen.

 


Die erste entpuppt sich tatsächlich als ehemaliger - freilich winziger - Stein
bruch. Der Anschnitt wurde auf gerade einmal etwa 80 m Breite etwa 30 m weit in den Ausbiß des Dolomits hinein vorgetrieben.

 


Der Anschnitt mag etwa 10 m tief sein, ist aber heute völlig verwachsen.

 


Am oberen Rand des Steinbruchs findet man auf Lesesteinhaufen leicht den typischen Plattendolomit.

 


Die zweite, langgestreckte Baumgruppe markiert eine flache Geländestufe - wohl eine alte Flurgrenze. Dahinter sieht man aber den nächsten Steinbruch - auch hier ist die Bruchkante nur etwa 60 m breit. Offenbar hatte jeder Bauer auf seiner Flur einen Bruch auf dem Dolomitausstrich angefangen, aber schnell wieder liegen gelassen, sobald der Abraum zu mächtig wurde...

 


Auch beim zweiten hat der Einschnitt zirka 10 m Tiefe erreicht - der Abraum muß also schon etwa genauso mächtig gewesen sein, wie das selten mehr als 6 m starke Dolomitlager.

 


Die dicken Baumstämme zeigen, daß der Bruch schon lange auflässig sein muß.

 


Unten hat sich - geplant oder auch einfach so - Streuobst angesiedelt.

 


Unter den Kirschbäumen kann man zur Bruchsohle hindurch krauchen und stellt entsetzt fest, daß auch hier - obwohl dieser Steinbruch weit jenseits jeder Siedlung und fast einen halben Kilometer von der nächsten Straße entfernt mitten auf dem Acker liegt - doch immer wieder einer einen Weg findet, darinnen seinen Müll zu entsorgen...

 


Aus dem Hangenden ist natürlich längst der Lehm heruntergerutscht, so daß vom Dolomit hier heute nichts mehr zu sehen ist. Die Dimensionen sind ähnlich wie beim ersten: Auf etwa 50 m Breite hat man sich zirka 30 m weit in den Ausbiß hineingegraben…

 

   
 
 


Also drehen wir um und fahren nach Langenreinsdorf. Gleich am ersten der Vierseitenhöfe rechts der Straße kann man einmal am Feldrain entlang bergauf laufen...

  


...wo oberhalb des Grundstücks dieser Einschnitt zur Sohle des Tagebaus führte. Noch auf den Meßtischblättern aus dem Jahr 1938 war an dieser Stelle ein Kalkofen“ eingezeichnet.

 


Wir hoffen mal, daß uns keiner übelnimmt, wenn wir auf der Wiese einmal um den Bruch herumgelaufen sind, um hinein zu schauen. Gerade gegenüber im Bild kommt die Zufahrt auf der Bruchsohle ein...

 


Und links davon...

 


...wie rechts davon dehnte sich der Tagebau aus. Auch dieser Tagebau war mit knapp 100 m Breite nicht wirklich groß. Die Tiefe, bei der die Abraummächtigkeit zu groß für eine „Bauern-Grube“ wurde, entspricht der bei den beiden bereits besuchten Restlöchern in Rudelswalde.

  


So mancher säbelartig geschwungene Stamm zeigt, daß der Hang in Bewegung ist und sich das Restloch wohl allmählich quasi „von selbst“ wieder einebnen wird...

 


Die Baumgruppe daneben markiert die Flurgrenze, an der sich ähnlich, wie wir´s gerade in Rudelswalde gesehen haben, auch eine Geländestufe findet.

 


Diese Geländestufe erreicht in der Mitte durchaus um die 5 m Höhe. Ob hier auch der Nachbar auf seiner Flur nach Dolomit gegraben hat, bleibt dessen Geheimnis.

 

Damit wären wir herum. Leider sind von diesem Kapitel der sächsischen Montangeschichte kaum noch Sachzeugen erhalten geblieben. Wir hoffen aber, daß wir mit unserem Beitrag dazu beitragen können, die Erinnerung an dieses Kapitel der Geschichte zu erhalten.

Glück Auf!

J. B.

   

 
 
 

Weiterführende Quellen

  

          Allgemeine Quellen

  1. meerane.de

  2. crimmitschau.de

  3. wikipedia.de

  4. alte-technologie.de

  5. dolomitwerk-wuenschendorf.de

  6. geoportal.sachsen.de

  7. Digitales historisches Ortsverzeichnis von Sachsen (hov.isgv.de)

  8. Sächsische Landes- und Universitätsbibliothek (SLUB), Kartenforum der Deutschen Fotothek, u. a.:
    - Meilenblätter von Sachsen, Berliner Exemplar, Blätter 100 (Rudelswalde), 101 (Crothenleithe) und 115 (Schweinsburg), sowie Freiberger Exemplar, Blätter 61 (Rudelswalde), 62 (Wahlen) und 85 (Crothenleithe)
    - Geognostische Charte des Königreichs Sachsen, Blatt XIX (Crimmitschau) und Blatt XV (Meerane)
    - G. Wunder, A. Herbrig und A. Eulitz: Der Kalkwerksbetrieb Sachsens und die Ursachen der verschiedenen Kalkpreise in Sachsen, Verlag W. Engelmann Leipzig, 1867
    - Geologische Karten No. 93: Section Meerane- Crimmitschau, 2. Auflage 1904 und No. 111: Section Zwickau-Werdau, 2. Auflage 1900
    - Th. Siegert: Erläuterungen zur Geologischen Karte No. 93: Section Meerane- Crimmitschau, 1. Auflage 1882, 2. Auflage 1905
    - Äquidistantenkarten und Meßtischblätter in Sachsen, Ausgaben 1878 bis 1938
    - C. F. Naumann: Geognostische Skizze der Gegend zwischen Gößnitz, Oederan, Sebastiansberg und Auerbach, 2.Auflage 1845, in: Geognostische Beschreibung des Königreiches Sachsen und der angränzenden Länderabtheilungen, 2. Heft
    - G. A. Poenicke (Hrsg.): Album der Rittergüter und Schlösser des Königreichs Sachsen, Leipzig, um 1860
    - O. Neubert: Die Königin-Marienhütte in Cainsdorf, in: Bunte Bilder aus dem Sachsenlande, Band 2, Hrsg.: Sächsischer Pestalozzi-Verein, Leipzig, 1894, S. 385-389

  9. A. Schiffner: Beschreibung von Sachsen und der Ernestinischen, Reußischen und Schwarzburgischen Lande, 2. Auflage, Verlag von H. H. Grimm, Dresden, 1845

  10. Louis Oeser (Hrsg.): Album der Sächsischen Industrie, Band 1, Neusalza 1856

  11. Kalender für den Berg- und Hüttenmann bzw. Jahrbücher für das Bergwesen in Sachsen, Onlineausgaben der Bibliothek der TU BAF, 1827-1938

  12. Bergwerksverzeichnisse, Onlineausgaben der TU BAF, 1939-1942
     
     
    Sächsisches Hauptstaatsarchiv
     

  13. Bestand 12840 (Stadt Crimmitschau), Bestanderläuterungen

  14. Bestand 10736 (Ministerium des Innern), Nr. 17655: Sächsische Eisencompagnie Königin Marienhütte Aktiengesellschaft, Cainsdorf, dat. 1851-1900

  15. Ebenda, Nr. 02087 und ff. bis 02089b: Königin Marienhütte in Cainsdorf, Hammerinspektion Zwickau, dat 1860-1867

  16. Bestand 10036 (Finanzarchiv), Loc. 33565, Rep. 32, Zwickau, Nr. 0050: Gesuch Löschers aus Langenreinsdorf um Konzession zum Bau einer Kalkhütte (Faszikel), dat. 1743

  17. Ebenda, Loc. 33565, Rep. 32, Zwickau, Nr. 0111: Gesuch von Michael Große aus Rudelswalde um die Konzession zur Anlegung einer Kalkhütte, dat. 1744

  18. Ebenda, Loc. 33530, Rep. 32, Schwarzenberg, Nr. 0092: Konzession für Zöffel in Hammerunterwiesenthal zum Bau einer Lohmühle (Faszikel), dat. 1765

  19. Bestand 11168 (Ministerium für Wirtschaft), Nr. 2167: Kalk, dat. 1919-1926

  20. Bestand 11384 (Landesregierung Sachsen, Ministerium für Wirtschaft), Nr. 2081: Kalk- und Schieferwerke, dat. 1946-1952, enthält u. a.: Kalkwerk Meerane

  21. Ebenda, Nr. 3265: Firma Bachmann & Söhne in Meerane - Ziegelei und Kalkbrennerei, dat. 1945-1946

  22. Bestand 12613 (Gerichtsbücher), Nr. GB AG Crimmitschau, Nr. 116: Gerichtshandelsbuch, dat. 1795-1811, darin: Verkauf eines Kalksteinbruches in Wahlen.

  23. Ebenda, GB AG Crimmitschau, Nr. 118: Gerichtshandelsbuch, dat. 1828-1840, darin: Kalksteinbruch- und Kalkofenverkauf in Wahlen.
     
     
    Staatsarchiv Chemnitz
     

  24. Bestand 30023 (Amt Zwickau), Nr. 2122: Rat und Bürgerschaft aus Crimmitschau gegen den Akzise-Inspektor Christian Schmidt aus Crimmitschau wegen Eröffnung eines Kalksteinbruchs, dat. 1733-1735

  25. Bestand 30581 (Herrschaft Hinterglauchau), Nr. 1145: Verpachtung des Kalk- und Ziegelofens in Meerane, dat. 1774-1792

  26. Bestand 30614 (Grundherrschaft Bosenhof und Schweinsburg), Bestanderläuterungen

  27. Ebenda, Nr. 0044: Rat der Stadt Crimmitschau gegen Carl Friedrich von Bose auf Crimmitschau und Schweinsburg wegen der geplanten Errichtung eines Kalk- und Ziegelofens im Vorwerk Döbitz auf städtischer Flur, dat. 1713

  28. Bestand 30040 (Kreishauptmannschaft Zwickau), Nr. 1858: Anlegung von Kalk- und Ziegelbrennereien, dat. 1837-1864

  29. Bestand 30629 (Grundherrschaft Crotenlaide), Bestanderläuterungen

  30. Bestand 32923 (Stadt Crimmitschau), Bestanderläuterungen

  31. Bestand 32942 (Stadtrat und Stadtgerichte Meerane), Bestanderläuterungen

  32. Bestand 33269 (Pfarrdotalgerichte Meerane), Bestanderläuterungen

  33. Bestand 30051 (Amtshauptmannschaft Zwickau), Nr. 533: Vereinigung der Landgemeinde Wahlen mit der Stadtgemeinde Crimmitschau, dat. 1875

  34. Bestand 30771 (Grundherrschaft Planitz), Nr. 700: Schriftwechsel Heinrich von Arnims zu Angelegenheiten der Sächsischen Eisencompagnie, dat. 1833-1839

  35. Ebenda, Nr. 147: Privatacten, den Kauf, Bereinung und die Lehnscheine über den Kalkofen zu Wahlen enthaltend, dat. 1795-1803

  36. Bestand 31199 (E. O. Zöffel GmbH, Crimmitschau und Nachfolger), Gesamtbestand dat. 1892-1960, Bestandserläuterungen

  37. Bestand 30105 (Amtsgericht Crimmitschau), Nr. 63: E. O. Zöffel GmbH, Crimmitschau, dat. 1891-1956

  38. Bestand 30143 (Amtsgericht Schneeberg), Nr. 490: Nachlaßsachen 1876-1901, enthält u.a.: 1890, Zöffel, Schneeberg
     
     
    Staatsarchiv Leipzig
     

  39. Bestand 20076 (Kgl. Gericht Waldheim), Nr. 299: Untersuchung gegen den Tuchmachergesellen Karl August Zöffel in Waldheim wegen Teilnahme am Aufruhr, dat. 1849-1852 
     
     
    Bergarchiv Freiberg
     

  40. Bestand 40196 (Familienarchiv von Armin), Bestandserläuterungen

  41. Ebenda, Nr. 490: Repartition der Activia und Passiva der von Arnimschen Berg- und Hüttenverwaltung zur Königin Marienhütte, dat um 1830

  42. Ebenda, Nr. 150: Schreiben an die Sächsische Eisen- Compagnie betreffend die Begutachtung der Königin Marienhütte durch einen Sachverständigen, dat. 1850-1880

  43. Ebenda, Nr. 272: Schreiben der Administration der von Arnim’schen Steinkohlenwerke an die von Arnim’sche Berg- und Hüttenverwaltung zu Königin Marienhütte…, dat. 1857

  44. Bestand 40190 (Erzgebirgischer Steinkohlen-Aktienverein), Nr. 1-1189: Vereinigung mit dem Steinkohlenwerk von Arnim, dat. 1851-1924

  45. Bestand 40024 (Landesbergamt Freiberg), Nr. 1-39: Königin Marienhütte in Cainsdorf, später Abteilung der Sächsische Gußstahlwerke Döhlen A.G. Dresden, dat. 1878-1920

  46. Ebenda, Nr. 1-40: Sächsische Eisencompagnie zu Wilkau bei Zwickau und deren Bergbau, dat. 1839-1877

  47. Bestand 40054 (Bergamt Zwickau), Nr. 137: Kalksteinbruch der Königin Marienhütte in Wahlen bei Crimmitschau, dat. 1900-1917

  48. Bestand 40024 (Landesbergamt Freiberg, gewerbliche Gruben), Nr. 12-100 und 12-101: Kalkwerk der Königin Marienhütte (Wahlener Kalksteinbruch), dat. 1892 und 1901

  49. Ebenda, Nr. 12-10: Unterirdische gewerbliche Gruben im Allgemeinen, dat. 1922-1938; enthält u. a.: Unterirdischer Kalksteinabbau der Ziegelei und Kalkbrennerei Bachmann und Söhne in Meerane

  50. Bestand 40027 (Oberbergamt Freiberg), Nr. 1161: Unterirdische gewerbliche Gruben der Steine und Erden in Sachsen, dat. 1939-1947; enthält u. a.: Betrieb der Dampfziegelei und Kalkbrennerei Bachmann und Söhne in Meerane.

  51. Bestand 40028 (Staatliche Bergwirtschaftsstelle), Nr. 3-1274: Crotenlaide bei Meerane, Dolomitwerk, undatiert (20. Jhd.)

  52. Bestand 40030 (Staatliche Lagerstättenforschungsstelle), Nr. 1-1063: Kalkvorkommen, dat. 1934-1949

  53. Bestand 40072 (Bergbehörde Zwickau), Nr. 770: Kalkwerke Oberscheibe und Hammerunterwiesenthal sowie Dolomitkalkwerk Meerane, dat. 1951-1952

  54. Ebenda, Nr. 779: Meerane, Kreiskalkwerk, vorm. Bachmann & Söhne, später Dolomitkalkwerk Meerane der örtlichen Volkeigenen Industrie des Kreises Glauchau, dat. 1949-1952

  55. Bestand 40137 (VEB Nickelhütte St. Egidien), Nr. 1-47: Wiederaufbau des Dolomitwerks Meerane und Erschließung des dortigen Südfeldes, dat. 1965-1969

  56. Ebenda, Nr. 2-I211 bis I214: Abbaugrundrisse und Grubenbildriß der Kalksteingrube VEB Dolomit-Kalkwerk Meerane, dat. 1949-1965

  57. Ebenda, Nr. 2-I29: Tagebauriß Dolomitgrube Crimmitschau, dat. 1964

  58. Ebenda, Nr. 1-50: Grundsatzentscheidung über die Versorgung des Stahlwerks Maxhütte mit Dolomit, dat. 1972-1973

  59. Ebenda, Nr. 2-K209: Abbauriß Dolomitgrube Crimmitschau, dat 1974-1975

  60. Ebenda, Nr. 2-K210: Abbau- und Streckengrundriß Dolomitgrube Crimmitschau, dat. 1974-1975

  61. Ebenda, Nr. 2-H215: Endaufnahme der Dolomitgrube Crimmitschau, dat. 1985

  62. Bestand 40073-1 (Bergschadenkundliche Analysen), Nr. 81: Tettau bei Meerane, Braunkohle, dat. 1984-1985
     
     
    Kreisarchiv des Landkreises Zwickau
     

  63. Bestand LRD II (Gemeinde Langenreinsdorf, Archivaußenstelle in Werdau), Nr. 132: Wiederschriften und Protokolle über den Bau eines Dolomitwerkes in Langenreinsdorf, dat. 1951-1972

  64. Bestand RDKW (Rat des Kreises Werdau, Archivaußenstelle in Werdau), Nr. 01208: Industrie und Verkehr, dat. 1953, darin u. a.: Bau eines Dolomitwerkes in Neukirchen bei Langenreinsdorf

  65. Ebenda, Nr. 05564: Verträge über zeitweilige... Nutzung landwirtschaftlicher Bodenflächen durch nichtlandwirtschaftliche Nutzer, dat. 1968-1987

  66. Ebenda, Nr. 05775: Standortgenehmigungen der Plankommission, dat. 1965-1966

  67. Ebenda, Nr. 05815: Eingaben, Neuerervorschläge, Sonstiges, dat. 1981-1988

  68. Ebenda, Nr. 05854: Dolomitaufschluß Crimmitschau, dat. 1962-1981

  69. Ebenda, Nr. 09268: Flächenabsetzung für Wohnungsbau, Werdau, Crimmitschau, dat. 1967-1971

  70. Ebenda, Nr. 09276: Entzug landwirtschaftlicher Nutzfläche für Dolomitgrube Crimmitschau, dat. 1966-1974

  71. Ebenda, Nr. 15654: Dolomitaufschluß des VEB Maxhütte Unterwellenborn, dat. 1967-1985

  72. Ebenda, Nr. 17294: Schriftverkehr zu wasserwirtschaftlichen Maßnahmen, dat. 1962-1976

  73. Ebenda, Nr. 17315: wasserrechtliche Nutzungsgenehmigungen, dat. 1963-1987