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Ein Beitrag von www.unbekannter-bergbau.de

  

Zum Abbau des Plattendolomits in Geithain
Zum Abbau des Plattendolomits in der Mügelner Senke

Zur Lage und regionalen Geschichte
Zur Geologie
Zum Plattendolomit von Meerane als Fossilienfundpunkt
Zur Montangeschichte
Die Anfänge
Zum Dolomitabbau in Wahlen bei Crimmitschau Anfang des 19. Jahrhunderts
Zum Dolomitabbau in Rudelswalde bei Crimmitschau im 19. Jahrhundert
Zur von Arnim'schen Berg- und Hüttenverwaltung im 19. Jahrhundert
Zum Dolomitabbau durch die Königin Marienhütte in Wahlen 1887-1917
Zum Dolomitabbau in Crotenlaide bei Meerane 1864-1940
Zum Abbau in Meerane in jüngerer Zeit (1945-1971)
Zu den Abbauversuchen in Langenreinsdorf in jüngerer Zeit (1951-1956)
Zum Abbau bei Crimmitschau in jüngerer Zeit (1951-1977)
Erhaltene Zeugnisse
In Meerane
In Crimmitschau
In Rudelswalde und Langenreinsdorf bei Crimmitschau
Weiterführende Quellen

   

Zum Abbau des Plattendolomits zwischen Crimmitschau und Meerane

  

Dieser Artikel ist online seit August 2017,
letzte Ergänzungen erfolgten im
 Juli 2022.

Für die Unterstützung bei unseren Recherchen und umfangreiche Informationen, zum Teil auch aus privaten Sammlungen und Familienarchiven, bedanken wir uns bei

  • Herrn L. Müller, Crimmitschau,

  • Herrn M. Och, Meerane,

  • Herrn A. Molder, Crimmitschau,

  • Herrn N. Peschke, Zwickau sowie

  • bei den Mitarbeitern des Kreisarchives des Landkreises Zwickau.

Sie können diesen Beitrag vom Qucosa-Server der Sächsischen Landes- und Universitätsbibliothek Dresden im PDF-Format herunterladen.

http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bsz:14-qucosa2-161217 (Erstausgabe 2017),
http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bsz:14-qucosa2-354682 (Neuauflage 2019)
und
https://nbn-resolving.org/urn:nbn:de:bsz:14-qucosa2-761314 (3. Auflage 2021).

  

 

 

Wo wir gerade schon einmal beim Plattendolomit waren… Ganz im Westen unseres Freistaats greift auch die Zeitz- Schmölln‘er Mulde noch nach Südosten bis in das Erzgebirgische Becken hinein von Ostthüringen her nach Sachsen über. 

 


Ausschnitt aus der Geologischen Übersichtskarte der DDR, Känozoikum abgedeckt. Anhand der violetten Farben sind die triassischen und jungpaläozoischen Beckenfüllungen gekennzeichnet. Mit diesem Beitrag befinden wir uns auf dieser Karte links unten.

  

Auf die hier in Westsachsen zwischen Meerane und Crimmitschau vorhandenen und früher zeitweise auch intensiv abgebauten Ausstriche des Plattendolomits sind wir eigentlich zufällig bei den Recherchen für unseren Beitrag über den Kalkbergbau bei  Raschau gestoßen, wo die BHG Meerane 1964/1965 den Dolomitabbau im ehemaligen Facius'schen Kalkwerk am Emmler noch einmal aufnahm.

 

 

 

Zur Lage und regionalen Geschichte

 

Wir befinden uns am nordwestlichen Ende des Erzgebirgischen Beckens, dort wo es nach Norden in die Zeitz- Schmöllner Mulde übergeht. Noch ist das nach Nordwesten flach abfallende Gelände hügelig und liegt mehr als 200 m über dem Meer. Zwischen den Hügeln haben die Flüsse je nach anstehendem Gestein teils tiefe und enge Täler, teils weite Auen in breiten Sohlentälern geschaffen.

  


Die Lage der Region auf einem Reliefbild vom Geoportal Sachsen. Der Höhenrücken bei Dennheritz zwischen Glauchau und Meerane bildet zugleich eine regionale Wasserscheide zwischen den Flußsystemen der Mulde im Osten und der Saale im Westen, der die Pleiße über die Weiße Elster letztlich zufließt.

 

Die Region gehört heute zum Landkreis Zwickau. Nördlich grenzt der Thüringer Landkreis Altenburger Land an. Insbesondere die Flußauen waren wenigstens schon seit dem 6. Jahrhundert n. C. slawisch besiedelt. Crimmitschau und Meerane gehörten wie Altenburg im 12. Jahrhundert dem reichsunmittelbaren Pleißenland an.

Otto I., ab 936 Herzog von Sachsen und König des Ostfrankenreiches, ab 951 König von Italien und ab 962 bis zu seinem Tod 973 Kaiser des Heiligen Römischen Reiches, entschied im Jahr 936, Herrn Alban Schönburg in der Reichsdomäne Zwickau die Verteidigung des Landes gegen die Sorben zu übertragen. Die späteren Fürsten und Grafen von Schönburg leiten aus dieser Übertragung ihren Ursprung ab. Unter Kaiser Otto II. wurde im Jahr 976 das Pleißenland erstmals urkundlich als Besitz des Bistums Merseburg erwähnt.

Unter dem Stauffer Friedrich I. Barbarossa (1122–1190) bekamen die Territorien Vogtland, Egerland und das „Pleißnerland“ oder „terra plisnensis“ (lateinische Bezeichnung) als reichsunmittelbare Besitztümer mehr Gewicht. Das Pleißenland umfaßte jetzt eine Region, deren Kern in etwa die Städte Zeitz, Schmölln, Altenburg, Werdau, Crimmitschau, Zwickau und Waldenburg beinhaltete und somit weit über das Flußgebiet der Pleiße hinaus reichte.

Nach dem Sieg der Markgrafen von Meißen in der Schlacht bei Lucka (1307) über Kaiser Albrecht I. nahm Markgraf Friedrich I. das Pleißenland mit den Städten Altenburg, Chemnitz, Zwickau als erobertes Land in Besitz. Mit dem nun zurückgehenden Einfluß der verschiedenen Grafengeschlechter, die jeweils mit Teilen der Region „terra plisnensis“ belehnt waren, ging schon bald nach dem 14. Jahrhundert die Regionsbezeichnung Pleißenland wieder verloren (meerane.de).

  


Die westsächsische Stadt Meerane ist unter Radsportfreunden für diese Straße bekannt: Die „Steile Wand“. Sie liegt zwar in unserem Foto von 2019 etwas im Schatten der Morgensonne, aber am Versatz der Fensterreihen kann man trotzdem sicher erahnen, welche sportliche Herausforderung es ist, diese knapp 250 m lange „Wand“ mit 12% Steigung auf dem Fahrrad hoch zu fahren...

    

Meerane geht auf die bereits 1174 als Witwensitz der Königin Judith von Böhmen genannte Burg Mer oder Mare unweit der Zwickauer Mulde zurück. In diesem Jahr starb der böhmische König Wladislaw II. nach nur viermonatigem Aufenthalt auf der Burg. Diesem Umstand verdankt Meerane seine erste urkundliche Erwähnung. Der heutige „Burgberg“ direkt in der Meeraner Innenstadt weist noch auf den früheren Standort einer Burg hin, auch wenn man sie heute dort vergeblich sucht.

Der Ursprung des Ortsnamens ist umstritten. In einem Buch über Meerane wird von den Autoren W. Krause und O. Phillip 1930 eine Ableitung aus dem Althochdeutschen vermutet, wo „Mer“ für „seichtes stehendes Gewässer“ (ein Teich oder eine Lache) steht. Wahrscheinlicher aber ist, daß um das Jahr 936 Meerane ein Grenzort zwischen den sorbischen Distrikten und dem schon unter Kaiser Heinrich I. erweiterten Reichsgebiet des Ostfrankenreiches gewesen ist. Das Wort „Mer“ steht im Slawischen auch für „Grenze“. Der Bachlauf durch die Stadt trägt noch heute den Namen „Meerchen“.

Die gleichnamige Herrschaft wurde um 1300 von den Herren von Schönburg als böhmisches Reichsafterlehen erworben und mit ihrer Herrschaft Glauchau vereinigt. Meerane wurde 1361 als Oppidum de Mare und 1405 als „Städtlein“ bezeugt. Viele verschiedene Schreibweisen gab es in der Folgezeit für den Namen der entstandenen Siedlung rund um die sagenhafte Burg Mare: Mehir, Mera, Mehrasa oder Mherann, bevor erst 1853 durch einen Stadtratsbeschluß die Schreibweise Meerane festgelegt wurde.

Die ordnungspolitisch bedeutsamen Statuten, die Georg I. von Schönburg der Stadt am 7. Mai 1565 gab, kennzeichnen das Abhängigkeitsverhältnis. Zwar ist zu jener Zeit die Ausprägung einer Ratsverfassung mit Bürgermeister und Ratskollegium nachgewiesen, die Kompetenzen des Rates erstreckten sich jedoch nur auf die niedere Finanz- und Polizeiverwaltung sowie die Ahndung von Bagatellsachen.

Nach einer Erbteilung in der Familienlinie Schönburg- Glauchau 1681 wurde das Stadtgebiet zu 5/9 dem Amt Forderglauchau und zu 4/9 dem Amt Hinterglauchau zugewiesen, was zu erheblichen administrativen Problemen führte und auch durch die Einrichtung eines alternierenden Direktorialamtes nicht entschärft werden konnte. Im Stadtareal bildeten außerdem die Pfarrdotalgerichte mit Zuständigkeit für etwa 20 auf dem Pfarrlehn erbaute Häuser einen eigenen Verwaltungs- und Gerichtsbezirk (32942). Bis ins 19. Jahrhundert übte der (Ober-) Pfarrer von Meerane grundherrliche Rechte einschließlich der niederen Gerichtsbarkeit über die auf dem Pfarrlehn errichteten Häuser sowie einige Bauerngüter im Dorf Waldsachsen aus. Damit zählten die Pfarrdotalgerichte zu den schönburgischen Vasallengerichten und unterstanden direkt der Gesamtregierung in Glauchau. Am 21. August 1848 schloß sich der Gerichtsbezirk mit der Stadtgemeinde Meerane zusammen (33269).

Der Ort Crotenlaide wurde bereits 1923 nach Meerane eingemeindet und 2011 als Gemeindeteil gänzlich gestrichen. Der Meeraner Arzt J. Leopold vermutet in seiner 1863 gedruckten Chronik der Stadt Meerane, daß der Ortsname von Crotenlaide auf einen früheren slawischen Kultort zurückzuführen sei, welcher dem Gott Crodo, von ihm als Helfer der Kranken“ übersetzt, geweiht gewesen sein solle. Vor vielen Jahren“ habe man hier einen Opfertisch ausgegraben, welcher zur jetzigen Zeit (also nach 1860) im Wechselburger Park stünde.

Die Schreibweise dieses Ortsnamens wechselte ebenfalls oft: 1525 schrieb man Krotendorff, 1534 erscheint der Ort als „auf der wustunge das Krottenholtz genanth“, 1567 dy Krottenleyde, 1683: dy Kroten Lehde, 1720: Grothenleite, 1745: Crudenlaide, 1791: Crottenlaide oder Crothenlaide, erst ab 1908 kam die heutige Schreibweise Crotenlaide in Gebrauch.

Im 16. Jahrhundert war der Ort wohl zeitweise im Besitz der Familie von Ende, seinerzeit Hauptleute in der schönburgischen Verwaltung. 1596 aber „haben die Endischen Erben die Chrothenlaide zurückgeben müssen, daß sie wieder nun zu Erb- und Stadtguth kommen ist, damit also der Königl. Boden nicht ins Fürstenthum Sachsen vermenget würde.“ Als J. Leopold in seiner Chronik der Stadt Meerane 1863 diese Quelle zitierte, fügt er sicherheitshalber hinzu (Königlich Böhmisch), denn schließlich waren die schönburgischen Herrschaften seinerzeit böhmisches Lehen.

Um 1720 bildete der Ort nur ein Vorwerk, 1750 wurde er dann ein Amtsdorf des Amtes Glauchau. 1875 bildete Crotenlaide ein Freigut innerhalb der schönburgischen Herrschaften (isgv.de).

 

Auch Crimmitschau entstand bereits in der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts im Zuge der deutschen Besiedelung des damaligen Reichslandes Pleißen. Schon um 1120 existierte hier nachweisbar eine überbaute Wasserburg mit Wall, Graben und Zugbrücke zum Schutz der Siedlungen Culten und Crimmitschau.

Auf den Grundmauern dieser alten Slawenburg, die Crematzowe genannt wurde, ist das spätere Schweinsburger Unterschloß errichtet worden. Dieses Schloß bildete das Zentrum der Herrschaft Crimmitschau. Im Jahre 1212 findet Henricus de Crematzowe (Heinrich von Crimmitschau, † um 1223) als Besitzer der Herrschaft Crimmitschau und 1221 als oberster Richter des Pleißenlandes die älteste urkundliche Erwähnung. Er war auch der Gründer des St. Martins-Kloster in Crimmitschau, der nachmaligen „Karthause“. Den Herren von Crimmitschau gelang es, sich innerhalb des Pleißenlandes zeitweise zu reichsunmittelbaren Dynasten zu erheben. Der Ort Crimmitschau wurde 1222 als civitas bezeichnet und später auch ummauert. Im selben Jahr wurde in einer Urkunde die Burg Crimmitschau als „vest huz Cremaschowe“ erwähnt.

  


Das spätere Rittergut Carthause auf einer Zeichnung aus G. A. Poenicke (Hrsg.): Album der Rittergüter und Schlösser des Königreichs Sachsen, IV. Section: Erzgebirgischer Kreis, Leipzig, um 1860

 

Im Jahre 1290 ist die Herrschaft Crimmitschau dann an die mit ihren bisherigen Besitzern schon verschwägerten Herren von Schönburg gefallen. 1413 war die Herrschaft Schweinsburg mit der Burg als offenes Lehn an die Markgrafen von Meißen übergegangen und hörte damit auf, eine selbständige Herrschaft zu sein. Markgraf Wilhelm II. verlieh Crimmitschau 1414 das Stadtrecht und setzte auf der Burg einen Lehnsherrn zum Verwalter ein.

Bereits 1429 findet auch eine Tuchmacherordnung Erwähnung (32923).

Nachdem Crimmitschau 1456 von den Wettinern verlehnt worden war, blieb es bis ins 19. Jahrhundert eine grundherrschaftliche Stadt. In der Folgezeit geht die Herrschaft in landesherrlichen Besitz über und ist nach unterschiedlichen Besitzerwechseln ab dem Jahre 1547 dem albertinischen Sachsen zugehörig.

Bis zum Jahre 1764 gehörte die Stadt Crimmitschau jedoch noch zur Grundherrschaft Schweinsburg und bildete danach eine eigene Grundherrschaft. G. A. Poenicke schreibt um die Mitte des 19. Jahrhunderts, daß das vormalige Schloß Crimmitschau überhaupt erst ab dem Ende des 15. Jahrhunderts als „Schloß Schweinsburg“ bekannt sei und vermutet, daß die Herkunft dieses Namens wohl damit zusammenhänge, daß Schweinsburg damals fürstliches Amt war, wo der Landesherr in eigener Waldung häufig Jagden veranstaltete.

 


Rittergut Schweinsburg, Zeichnung aus G. A. Poenicke (Hrsg.): Album der Rittergüter und Schlösser des Königreichs Sachsen, IV. Section: Erzgebirgischer Kreis, Leipzig, um 1860

  

Im Jahre 1841 verloren die Besitzer des Schlosses Schweinsburg durch Verkauf an die Stadt Crimmitschau die Ober- und Erbgerichtsbarkeit über diese Untertanen, die sie als altschriftsässiges Rittergut seit dem 15. Jahrhundert innehatte. Im Jahre 1855 wird die Schweinsburger Gerichtsbarkeit gänzlich aufgehoben. (30614)

Überregionale Bedeutung erlangte die Stadt Crimmitschau erst mit der Industrialisierung des 19. Jahrhunderts als wichtiges Zentrum der Textilindustrie und der sozialdemokratischen Arbeiterbewegung. (12840)

Schon seit dem 1. Januar 1891 bildet der Ort Wahlen am Ostufer der Pleiße einen Ortsteil von Crimmitschau.

Zu Crimmitschau gehören heute auch die Ortsteile Rudelswalde und Langenreinsdorf. Wie oben schon erwähnt, ließ Heinrich von Crimmitschau 1222 unweit seines Schlosses, eine halbe Stunde südlich der Stadt, bei der alten Martinskirche, ein stattliches Kloster – die Karthause – errichten und schenkte ihm die ganze Flur ringsum. In diesem Zusammenhang wird der Ort Rudelswalde (Schreibweise 1351 Rudolpheswalde) erstmals erwähnt.

1950 wurde die Ortschaft Rudelswalde nach Crimmitschau eingemeindet. 

Langenreinsdorf wurde 1240 erstmals als Reynhartsdorf (später auch als Lengenrensdorf oder Rehnsdorf) in einer Urkunde des Vogts Heinrich von Greiz erwähnt. Dieser schenkte den Ort dem im Jahre 1238 gegründeten Dominikaner-Nonnenkloster Cronschwitz im Elstertal.

Langenreinsdorf wurde 1994 nach Crimmitschau eingemeindet.

  

 
 
 

Zur Geologie

  

Im Rahmen der ersten geognostischen Landesuntersuchung ab dem Ende des 18. Jahrhunderts wurde auch diese Region von an der Bergakademie zu Freiberg ausgebildeten Studenten befahren und systematisch geologisch dokumentiert. Ein erster Bericht hierzu stammt aus dem Jahr 1816 und wurde von Markscheider Carl Christian Martini, später als Markscheider in Altenberg tätig, verfaßt (40003, Nr. 50 und 304). Darin heißt es (ab Blatt 34b) unter:

§38. Lagerungsverhältnisse, Vorkommen und Verbreitung des Kalcksteins.

„Die jüngste, dem Rothliegenden untergeordnete Gebirgsart im besuchten District ist

c. Flötzkalckstein.

Er bildet in den Umgebungen von Crimmitschau bei Wahlen, Carthause, Langenreinsdorf, Rudelswalde, Frankenhausen 1 bis 2 Lachter mächtige Lager, die vorzüglich in den (Brüchen? – Schrift im Falz) bei Carthause und Frankenhausen mit 1 bis 3 Ltr. mächtigen, sehr thonigten und dünnschichtigen rothen Gestein, auf den Höhen z. Th. bei Wahlen und Rudelswalde aber blos mit Sand, rothem Lehm oder Dammerde bedeckt sind.

Am deutlichsten bemerkt man deren Lagerungsverhältnisse im (unleserlich…?) Steinbruche und im Höllengrunde bei Wahlen.

§39. Struktur und Schichtung.

Der Kalckstein, überall vom Sandstein scharf getrennt, und an keinem Punkte in ihn übergehend, kann gleichsam als ein Vorbothe der im Allgemeinen auf die erste Sandsteinformation folgenden Kalckgebilde betrachtet werden, und ist von gelblichweißer und gelblichgrauer Farbe, im Bruche dicht, dem splittrigen sich nähernd, mit einer Menge kleiner Drusenräume und zersetzten Stellen. In Carthause und Wahlen ist er am reichsten an Kalckgehalt, aber bei Frankenhausen mischen sich ihm so viele Quarztheile bei, daß er splittrig im Bruch mit sehr scharfkantigen Bruchstücken wird, und gar nicht zum Brennen, sondern blos als Baustein benutzt werden kann, wozu er sich vermöge seiner horizontalen Schichtung und Zerspaltung in 1 bis 6 Zoll dicke Platten vorzüglich eignet. In einem solchen Zustand enthält er auch auf den (Klüften?) etwas angeflogenes Kupfergrün. In den Kalckbrüchen bei Wahlen und Carthause, der übrigens noch an einigen Stellen durch besondere, rinnenförmige äußere Gestalt characterisirt wird, zeigen sich viele Muschelversteinerungen unter denen kleine glatte (unleserlich…?) am deutlichsten waren. Die horizontalen Schichten werden oft durch Klüfte und Spalten durchschnitten, die zum Theil mit einem braunem Amber ähnlichen fetten Thon oder Eisenocker ausgefüllt sind.“

Die von diesem Geognosten vorgenommene Einordnung des „Flötzkalks“ in das „Rothliegende“ ist, wie wir heute wissen, falsch. Der Plattendolomit gehört dem Zechstein, und in diesem der Stufe des Leine- Karbonats (z3), an. Rotliegendes und Zechstein sind zwei aufeinanderfolgende Abteilungen des Perms, der letzten Periode des Paläozoikums. Diese beiden Abteilungen wurden früher in Mitteleuropa auch als unterer und oberer „Dyas“ bezeichnet, der Zechstein ist dabei die jüngere Stufe und wird danach vom – bereits mesozoischen – Buntsandstein der Trias überlagert.

Dennoch ist aus diesen Berichten zu erfahren, daß die Plattendolomit- Vorkommen bei Crimmitschau auch den Geologen dieser Zeit bereits bekannt gewesen sind.

   


Petrographische Karte über einen Theil der Ämter Zwickau und Werdau, 1816. Bildquelle: Sächsisches Staatsarchiv, Bergarchiv Freiberg, Bestand 40003 (Geognostische Landesuntersuchungskommission beim Oberbergamt), Nr. 50, Blatt 48, Gesamtansicht.

Link zum Digitalisat:  archiv.sachsen.de/archiv

  


Ausschnittsvergrößerung aus obiger Karte mit dem Gebiet von Crimmitschau und Meerane, umgeben vom damaligen Herzogtum Sachsen- Altenburg im Westen und Norden und dem Fürstentum Schönburg- Glauchau im Osten. „Flötzkalk“- Vorkommen sind hier bei Thonhausen und Mannichswalde, bei Rudelswalde und Langenreinsdorf westlich von Crimmitschau, sowie bei Wahlen südöstlich von Crimmitschau verzeichnet. Seltsamerweise hat der Geognost weiter nördlich bei Meerane dagegen gar keine Kalksteinvorkommen dargestellt.

  

Einen Zwischenbericht mit Datum vom 20. August 1818 zur geognostischen Untersuchung des Königreiches Sachsen, namentlich über die dabei „aufgefundenen Lagerstätten gemeinnützlicher und besonders brennlicher Fossilien,“ verfaßte „auf allerhöchsten Befehl“ der damalige Obereinfahrer in Freiberg, Carl Amandus Kühn (40003, Nr. 59). Darin notierte er im vierten Kapitel über den westlich der Zwickauer und der mit dieser vereinigten Freiberger Mulde gelegenen Teil Sachsens (Rückseite Blatt 153ff), im Abschnitt D. über Lagerstätten nicht brennlicher nutzbarer Fossilien (Rückseite Blatt 176ff) seines Berichtes, unter Punkt 2 über die hiesigen Vorkommen des „Flötzkalkes“ (Rückseite Blatt 178):

§99.

a. Im Elsterthale bei Crimmitschau und im Seiferitzthale bei Merane.

Von Flötzkalkstein enthält der der Betrachtung unterworfene Theil Sachsens an mehrern Punkten ansehnliche Lager und Gebirgs (schwer leserlich ?).

So zieht sich von demselben erstens ein Lager von der Altenburgschen Grenze unterhalb Crimmitschau weg, obwohl unter mannigfacher Unterbrechung, bis in die Gegend von Langenhessen immer in dem Thale der Pleiße fort, indem es zu beiden Seiten von Sandstein oder auch von aufgeschwemmten Land bedeckt wird. Es tritt dasselbe, in der angegebenen Erstreckung, bei Frankenhausen, Crimmitschau, Wahlen, Carthause, Schweinsburg und Langenhessen hervor, bei Wahlen und Carthause soll es aber am reinsten seyn.

Auf ähnliche Weise kommt der Kalkstein aber auch bei Langenreinsdorf, Rudelswalde und Thonhausen westlich vom Pleißethale vor, sowie im Seiferitzthale bei Merane und in dem, von diesem Thale aus nach Köttel zu abgehenden Nebenthale. Er wird in beiden Gegenden in vielen Brüchen gewonnen und scheint eine ansehnliche Mächtigkeit zu haben.“

  

Auf Basis vieler solcher Untersuchungen wurden dann die Geognostischen Charten des Königreiches Sachsen zusammengestellt. Im zweiten Heft seiner Erläuterungshefte zu diesen Karten, erschienen 1845, beschrieb dann Carl Friedrich Naumann die Vorkommen des Plattendolomits (Naumann unterschied noch nicht zwischen Dolomit und Kalkstein) wie folgt.

  

Neuntes Capitel,
Zechstein, bunter Sandstein und Süßwasserquarz.

Formation des Zechsteines.

„Auf dem linken Muldenufer findet sich in den Gegenden des Pleißethales mehrfach ein System von Kalksteinschichten entblöst, welche in allen ihren Eigenschaften und Verhältnissen mit den bei Mügeln, Geithain, Frohburg und Gera vorkommenden Kalksteinen dermaaßen übereinstimmen, daß man sie unbedingt zu derselben Formation, d. h. zu der Formation des Zechsteines rechnen muß. Der Herausgeber, welcher die betreffenden Gegenden fast gar nicht durch eigene Anschauung kennt, entlehnt die Beschreibung der in diesem Capitel abgehandelten Formationen aus den Arbeiten von Prisch, Ullmann, Martini, besonders aber aus dem Revisionsberichte von Haupt, welcher diese Gegenden neuerdings, unter Berücksichtigung der Arbeiten seiner Vorgänger, genau untersucht hat.

Diese Kalksteinbildung erreicht ihre größte Mächtigkeit, soweit solche anstehend zu beobachten ist, in der Gegend von Grothenleithe, wo sie 12 bis 14 Ellen (also bis zu 7,8 m) stark ist, während sie gewöhnlich die Stärke von 6 Ellen (also höchstens 3,4 m) nicht übersteigt. Ein treuer Begleiter derselben ist der bunte Sandstein, welcher fast überall unmittelbar über den Kalksteinschichten angetroffen wird.

Der Kalkstein ist gewöhnlich von aschgrauer, gelblichgrauer und röthlichgrauer Farbe, welche einerseits in das Gelbe und Weiße, anderseits in das Rothe übergeht. Im Bruche ist er theils dicht, theils grob- und feinsplitterig, selten unvollkommen körnig. Hier und da wird er von Kalkspathadern durchzogen, und an manchen Orten, wie z. B. bei Wahlen zeigt er in den oberen Schichten Blasenräume und kleine Cavernositäten, auch drusige und zerfressene Stellen, wodurch er sich der Rauchwacke nähert, während er gewöhnlich mehr dem eigentlichen Zechsteine ähnlich ist. Auf den Klüften zeigt er oft sehr feine dendritische Zeichnungen, und im Innern kommen an einigen Orten ziemlich häufig Versteinerungen vor; meist kleine Bivalven, welche jedoch nur als Steinkerne und Abdrücke ausgebildet sind, und keine ganz sichere Bestimmung zulassen.

Von fremdartigen Beimengungen sind besonders Bleiglanz, Malachit und Kupferlasur zu bemerken, von denen der erstere meist eingesprengt, die beiden anderen mehr als Anflug vorzukommen pflegen. Doch sollen sich diese metallischen Beimengungen vorzüglich nur in den nördlicheren Theilen vorfinden, wo man selbst Spuren des Kupferschieferflötzes gefunden haben will, während in den südlicheren Kalksteinparzellen namentlich die Kupfererze fast gänzlich vermißt werden.

Der Kalkstein ist immer deutlich geschichtet; seine Schichten sind von 1 Zoll bis über 1 Fuß mächtig, und gewöhnlich durch Zwischenlagen eines grauen mergligen Thones, zuweilen auch durch förmlichen Schieferthon voneinander abgesondert. In der Regel durchsetzen viele senkrechte Querklüfte den Kalkstein und bedingen dadurch eine tesserale (rechtwinklige) Absonderung seiner Schichten in viele größere und kleinere Parallelepipede; an einigen Puncten, wie bei Frankenhausen, bilden jedoch die Schichten ziemlich stetig ausgedehnte Platten, so daß das Gestein als Baustein brauchbar wird.

Dieser Kalkstein liegt immer fast horizontal auf den Massen des Rothliegenden, und wird in der Regel ebenso regelmäßig von Schichten des bunten Sandsteines bedeckt. Seine Verbreitung und die Orte seines Vorkommens sind aus der Charte zu ersehen. Aelteren Angaben zufolge soll auch bei Ponitz, Кöthel, Ober- Schindmaas und südlich von Mehrana Kalkstein vorkommen. Es ist jedoch bei aller Sorgfalt nicht gelungen, diese Vorkommnisse zu constatiren. In Köthel hat man früher vergeblich nach Kalkstein gebohrt; in Ponitz und Ober- Schindmaas gehen die Brunnen sämmtlich in Grus und Sand nieder, und bei Mehrana keilt sich der Grothenleither Kalkstein schon nördlich von dem Städtchen aus.

Speciellere Angaben über das Vorkommen des Zechsteines.

Kalkstein bei Wahlen.

An der von Gablenz nach Crimmitzschau führenden Straße findet sich ein grauer, hellroth gestreifter Kalkstein unter einer 8 Ellen mächtigen Ablagerung eines buntfarbigen, thonigen und glimmerreichen Sandsteines und Sandsteinschiefers, in welchem noch eine Schicht sehr sandigen gelben Kalksteines vorkommt. Einige 100 Schritte weiter nach Süden liegen mehre verlassene Kalkbrüche, wo der Kalkstein 3 bis 6 Ellen (also gerade mal zirka 1,7 m bis 3,4 m) mächtig, nach oben graulichgelb, löcherig und porös, auch versteinerungs- führend, nach unten mehr grau und roth ist. Unmittelbar über dem Kalksteine liegt gewöhnlich ein bräunlichschwarzer bituminöser Thon. Die Auflagerung des bunten Sandsteines erscheint in einem dieser Kalkbrüche sehr unregelmäßig, indem der Kalkstein von oben herein tief ausgewaschen und dadurch eine trichter- oder sackförmige Vertiefung gebildet worden ist, welche die darauf folgenden Schichten dergestalt ausfüllen, daß sie sich den Conturen derselben regelmäßig anschmiegen. Endlich findet sich der Kalkstein auch noch im Höllengrunde bei Wahlen, und im Fahrwege von Wahlen nach Ungewiß.

Kalkstein bei Grothenleithe.

Die ersten Spuren von Kalkstein und buntem Sandstein findet man am Wege von Mehrana nach Schönberg und in der Nähe des Mehranaer Schießhauses. Von dort aus nach Grothenleithe hin nehmen beide Gebilde an Mächtigkeit zu, und senken sich kurz vor Grothenleithe bis in die Thalsohle, so daß in den Brunnen dieses Dorfes der Kalkstein erst in 9 bis 15 Ellen Tiefe erreicht worden ist. Eine ununterbrochene Reihe von Kalkbrüchen zieht sich von dem vorgedachten Schießhause bis nach Grothenleithe; jedoch sind die nördlichsten wegen der zu großen Festigkeit und Tiefe, die südlichsten wegen der unreinen Beschaffenheit des Kalksteines wiederum eingegangen. In den noch gangbaren Brüchen sieht man den Kalkstein unter einer, 15 bis 18 Ellen (also zirka 8,5 m bis 10,0 m) mächtigen Decke von buntem Sandstein anstehen, welcher ihm gleichförmig und ziemlich regelmäßig aufgelagert ist. Der Kalkstein selbst soll eine Mächtigkeit von 12 bis 14 Ellen erreichen (also zirka 6,7 m bis 7,8 m). Die oberste, 15 Zoll starke Schicht ist röthlichweiß, dicht und splitterig; die folgenden Schichten sind grau, gelb und weiß, und zum Theil fast körnigblätterig im Bruche.

Außer diesem festen Kalksteine kommen in dem oberen, 6 Ellen mächtigen Schichtensysteme, welches man die erste Schicht nennt und bis jetzt allein abgebaut hat, auch noch 1 bis 2 Ellen starke Nieren eines gelben feinkörnigen, sandigen Kalksteines vor, welcher zum Brennen untauglich ist. Unter dem oberen Schichtensysteme soll ein zweites, von 6 bis 8 Ellen Stärke liegen, welches grauen, guten Kalkstein enthält und dem Rothliegenden aufruht.

Ullmann und Prisch beschreiben den Kalkstein von Grothenleithe genauer, wie folgt. Er zeigt sich von isabellgelber, gelblichgrauer, aschgrauer und rauchgrauer Farbe, welche durch den Einfluß der Atmosphärilien auf der Oberfläche in dunkles gelblichgrau und schmutzig ockergelb übergeht. Er ist zum Theil porös und löchrig, und auf den Wänden dieser kleinen Höhlungen mit Kalkspath oder mit Quarz überdrust; auch bildet Kalkspath bisweilen kleine Trümer und Einsprengungen. Die mittleren Schichten sind reich an kleinen Bivalven. Der Kalkstein ist durch schmale Klüfte in fuß- bis ellenmächtige Schichten getheilt, deren Absonderung durch grünliche Thonlagen vermittelt wird; außerdem ist er sehr zerklüftet, und besonders auf diesen Kluftflächen mit feinen dendritischen Zeichnungen geschmückt. Die weiteren Klüfte werden bisweilen von Kalksinter erfüllt, welcher auch die alten Steinbruchswände in mancherlei Gestalten überzieht. Die untersten Schichten sollen zum Theil ein, wie Stinkstein riechendes Gestein enthalten.“

Außerdem nennt Naumann noch Vorkommen „zwischen Gößnitz und Zürchau“ sowie bei Zehma und Frankenhausen. Der Kalksinter, von dem Naumann spricht und den man vor allem als Tropfstein kennt, besteht überwiegend aus der leichtlöslichen, rhombisch kristallisierenden Modifikation des Kalkspats, dem Aragonit.

   


Ausschnitte aus den geognostischen Karten, Blatt XIX (links) und XV (rechts). Dunkelblau sind die Ausstriche des Plattendolomits beiderseits des Pleiße-Tales eingezeichnet. In den Flusstälern ist das darunter anstehende Rotliegende (braun dargestellt) durch die Erosion freigelegt.

   

Der Meeraner Arzt Julius Leopold verfaßte Anfang der 1860er Jahre eine Chronik der Stadt Meerane. Im Kapitel VI. Boden (S. 98) bezieht er sich auf eine Mitteilung des bekannten Geologen und Verfassers der Beschreibung von Sachsen aus dem Jahr 1845, Albert Schiffner, welche dieser ihm im Jahr 1850 auf seine diesbezügliche Anfrage habe zukommen lassen und zitiert daraus 1863 folgendermaßen: Der Boden sieht überall... roth aus, d. h. er besteht aus zersetztem... Rotliegendem... (Im gedruckten Text heißt es tatsächlich „Todtliegendem, aber das ist natürlich ein Mißverständnis und ein Druckfehler.) Auf diesem Rotliegendem... ruhen in der Meeranischen Pflege hier und da jüngere Gebirgsarten: ... bei Crotenlaide, Gosel, Frankenhausen u. s. f. ein sehr junger Kalk- oder Zechstein... auf dem Zechsteine aber, für den zwischen Meerane und Crotenlaide 4, bei Höckendorf 1 Kalkbrennerei besteht, ruht bunter (rother) junger Sandstein, dessen Platten zum Bauen verwendet werden. Zunächst dem Zechstein sind auch eingemengt dünne Platten Mergelschiefers und man soll denselben mitunter bituminös, jedoch ohne Kupfergehalt finden; ich selbst habe ihn aber niemals so gefunden und es könnte wohl eine Verwechslung mit dem durch Eisenocker nicht blos roth, sondern auch bis zum Schwarzen braun gefärbten Gestein obwalten, welches im östlichen Winkel der Crotenlaider Brüche häufig ist.“

Beim  Aushub einer Leitungsgrabens in den 1990er Jahren entlang der Crotenlaider Straße wurden übrigens Schichten aufgeschlossen, die dieser Beschreibung Schiffner's recht nahekommen. Aber weiter in dessen geologischer Beschreibung:

In der westlichen Parthie des hier ziemlich zerklüfteten Zechsteines giebt es viel hübschen Kalkspath, ingleichen Sinter, von den Arbeitern Steinmark genannt und aus schönem Faserkalk bestehend. Dieser Sinter dient auch, gepulvert, zu heilsamen Umschlägen, mindestens nach dem Glauben der Landleute. Der sehr harte und an Kalkgehalt reiche Kalkstein zeigt sehr viele Dendriten, auch Höhlungen wie von Conchylien, aber selten auch letztere selbst und dann immer sehr destruiert. Seine Mächtigkeit ist noch unerforscht, hinabgeworfene Bleikugeln hat man in den Klüften sehr lange rollen gehört. Jedenfalls ist also die Mächtigkeit sehr groß und das Lager für die Gegend ein wahrer Schatz.“

Mit dem Begriff Conchylien wurden von den Biologen früher Schneckengehäuse bezeichnet.

Als  Fossilfundpunkt wurden die Meeraner Kalkbrüche in den 1930er Jahren bekannt. Auch über den  Kalksteinabbau in Meerane haben wir in dieser Quelle noch einige neue interessante Fakten finden können.

  

Die meisten und schönsten Mineralstufen fanden sich in Meerane in den Karstzonen des mittleren Bruches sowie im Ziegeleibruch. In dem als wilder Kalkstein bezeichneten Horizont (konkretionsartige Kalkgebilde von wenigen Zentimetern bis zu einem Meter Größe) fand man auch kleine Kupferkies- und Dolomit- Kristalle sowie Anflüge von Malachit recht oft. Als untertage dieser Karstbereich des mittleren Bruchs angefahren wurde, fand man erneut viele schöne Stufen.

Der ehemalige Hauer Walter Bothe aus Meerane berichtete, daß beim Bohren einmal die Bohrstange verschwand und dann mit Presslufthämmern einfischförmiger Hohlraum freigelegt wurde: Er war etwa 1,5 Meter hoch, zirka 3 Meter lang und 0,5 Meter breit. Darinnen fand man eine Glitzerwelt aus Kalkspatkristallen, zum Teil lose auf dem Boden liegende große Bocken, nur aus Kristallen bestehend. Aber solche Dimensionen waren natürlich eine seltene Ausnahme.

Alles dies sind erloschene Fundpunkte. Heute sind in Meerane keine Funde mehr möglich. Alle auf den folgenden Fotos gezeigten Stufen wurden in der Zeit vor 1972 gefunden und stellen unwiederbringliche Unikate dar. Wir danken dem Sammler aus Meerane sehr, daß er sie aufbewahrt und daß wir sie für die Fotos sehen durften !

    


Von den - während der letzten Betriebszeit des Kalkwerkes in Meerane - tatsächlich noch recht häufigen Funden von Kalksinter- Bildungen gibt es heute nur noch wenige Belege in Privatsammlungen und dabei sehr sehenswerte Stufen. Dieser kleine, schlanke Tropfstein besitzt nur eine Länge von zirka 6 cm. Es wurden aber auch  Exemplare mit Größen von mehreren Dezimetern gefunden !!
Sammlung M. Och, Meerane.

  


Da sie heute kaum noch in Ausstellungen zu finden sind, zeigen wir hier gern noch mehr davon: Breite der Sichtfläche dieses Stückes zirka 5 cm x 4 cm. Sammlung M. Och, Meerane.

  


Plattendolomit mit aufsitzenden Tropfsteinen bis 4 cm Länge, Gesamtgröße des Stückes zirka 9 cm x 4 cm. Sammlung M. Och, Meerane.

  


Plattendolomit mit Sinterkrusten und aufsitzenden Tropfsteinen bis 2 cm Länge,
Größe des Stückes zirka 11 cm x 8 cm. Sammlung M. Och, Meerane.

  


Kalksinter auf Zwickelhohlraumflächen von Bruchstücken der typischen, dunkelroten oberen Letten. Größe des Stückes zirka 8 cm x 5 cm. Sammlung M. Och, Meerane.

  


Kalksinter auf Zwickelhohlraumflächen von Bruchstücken der typischen, dunkelroten oberen Letten. Größe der Stücke zirka 8 cm x 4 cm und 5 cm x 5 cm. Sammlung M. Och, Meerane.

 


Kalksinter auf der Oberfläche eines Bruchstückes der typischen, dunkelroten oberen Letten. Größe des Stückes zirka 9 cm x 5,5 cm. Sammlung M. Och, Meerane.

  


Stücke des sogenannten „Wilden Kalksteins“ im hangenden Horizont des Plattendolomits mit Kalksinter- Bildungen, Größe des größeren Stücks (unten) zirka 7 cm x 6 cm. Sammlung M. Och, Meerane.

  


Kalksinter- Bildungen in Auslaugungshohlräumen des Plattendolomits, Größe des größeren Stücks (oben) zirka 7 cm x 5 cm. Sammlung M. Och, Meerane.

  


Kalksinter- Bildungen in Auslaugungshohlräumen des Plattendolomits. Anhand der Bruchfläche ist der teils feinkörnige, teils radialstrahlige Aufbau der Sinterkrusten zu erkennen. Größe der Bruchfläche insgesamt zirka 8 cm x 5 cm. Sammlung M. Och, Meerane.

  


Dieses Stück hat der Besitzer aufgeschnitten: Anhand der Schnittfläche ist hier ein schaliger Aufbau der Sinterkrusten zu erkennen. Größe der Schnittfläche zirka 3,5 cm x 4 cm. Sammlung M. Och, Meerane.

  


In den oberen Letten fanden sich neben den Sinterkrusten oft auch Calzit- Kristallrasen (oben gut zu erkennen) mit manchmal mehrere Millimeter großen, skalenoedrischen Kriställchen. Größe dieser Stufen zirka 3 cm x 3 cm und 5 cm x 3 cm. Sammlung M. Och, Meerane.

  


Zwei weitere Stufen im Vergleich: Oben sind die Spitzen der kleinen Skalenoeder deutlich zu sehen. Größe dieser Stufen zirka 4 cm x 3 cm und 5 cm x 4 cm. Sammlung M. Och, Meerane.

  


Eine weitere Stufe mit Calzit- Kristallrasen in Zwickelhohlräumen der oberen Letten. Größe dieser Stufe zirka 7 cm x 4 cm. Sammlung M. Och, Meerane.

  


Bei dieser Stufe erscheinen die Skalenoeder wieder angelöst und die Kanten abgerundet. Größe dieser Stufe zirka 10 cm x 7 cm. Sammlung M. Och, Meerane.

  


Rasen kleiner, schneeweißer Calzit- Kristalle auf Kluftflächen im Plattendolomit. Größe der unteren Stufe zirka 8 cm x 5 cm. Sammlung M. Och, Meerane.

  


Rasen unterschiedlich großer Calzit- Kristalle auf Sinterkrusten. Wenn sie gleichmäßig orientiert sind, bilden sie hübsche „Igel“, wie unten gut zu sehen ist. Größe der unteren Stufe zirka 9 cm x 5 cm. Sammlung M. Och, Meerane.

  


Etwas wirr zu „Bäumchen“ angeordnete, weiße Calzitkristalle. Größe dieser Stufe zirka 5 cm x 5 cm.
Sammlung M. Och, Meerane.

  


Eher gelblich gefärbte Calzitkristalle. Größe dieser Stufe zirka 6 cm x 3,5 cm. Sammlung M. Och, Meerane.

  


Regellos zu einer dicken Kruste angeordneter Calzitkristalle. Größe dieser Stufe zirka 12 cm x 12 cm. Sammlung M. Och, Meerane.

  


Noch eine ähnliche Stufe wie oben mit Krusten von Calzitkristallen, die vormalige Kluftflächen fast gänzlich wieder ausfüllen. Größe dieser Stufe zirka 14 cm x 8 cm. Sammlung M. Och, Meerane.

  

Die geologischen Beschreibungen des Plattendolomites aus dem 19. und vom Beginn des 20. Jahrhunderts entsprechen weitgehend denen aus dem nordöstlich benachbarten
 Geithain am Südostrand der Frohburg- Bornaer Mulde. In der ersten Auflage der Erläuterungen zum Geologischen Kartenblatt No. 93 aus dem Jahr 1882 schrieb der Geologe Thomas Siegert dazu:

  

„Section Meerane bringt diejenige Partie des erzgebirgischen Beckens fast vollständig zur Darstellung, welche mit nördlicher Richtung in die thüringische und nordsächsische Dyasbucht einmündet. Die von Osten her vordringenden limnischen Ablagerungen desselben werden hier allmählich von den marinen Schichten des oberen Zechsteines und den Strandbildungen der unteren Buntsandsteinformation bedeckt. Silurische und devonische Gesteine bilden die beiderseitigen Ränder, sowie die Unterlage der Dyas, während die Steinkohlenformation bis jetzt noch nirgends in diesem Gebiete nachgewiesen werden konnte…

Sämmtliche älteren Gebilde sind daher meist von einer mächtigen Decke tertiärer, diluvialer und alluvialer Bildungen verhüllt und treten fast nur an den steileren Thalgehängen frei zu Tage. Um den Bau dieses Untergrundes etwas deutlicher zur Anschauung zu bringen, sind jedoch bei der kartographischen Darstellung zuweilen die oft nur winzigen Aufschlüsse vergrössert und mit einander verbunden, somit die kaenozoischen Gebilde local vernachlässigt worden, sobald sie eine nur sehr geringe Mächtigkeit besaßen…

III. Die obere Zechsteinformation.

Die obere Zechsteinfonnation lagert sich als eine verhältnissmässig schwache, höchstens 20 bis 25 m mächtige Decke der Stufe der dolomitischen Sandsteine concordant auf.

1. Die Stufe der Plattendolomite (z02).

Petrographischer Character. Die Stufe der Plattendolomite wird vorherrschend von Dolomiten, untergeordnet von Thonen gebildet. Die Dolomite sind meist gelblichgrau bis lichtbräunlich, seltener hell- bis dunkelgrau gefärbt. Die letzteren Varietäten riechen beim Zerschlagen bituminös und werden beim Glühen schwarz. Diese Dolomite sind in Platten abgesondert, deren Dicke meist zwischen 5 und 10 cm, schwankt, jedoch auch bis zu mehreren Decimetern steigen oder unter einen Centimeter sinken kann; ausserdem werden sie von zwei senkrechten und zu einander ziemlich rechtwinkligen Kluftsystemen durchsetzt, wodurch sie in parallelepipedische Stücke zerfallen. Ihre Structur ist meist eine dichte, aber auch fein- bis grobporöse oder löcherige bis schlackige; die Höhlungen sind erbsen- bis faustgross, haben unregelmässige Gestalten, rauhe Wände und sind theilweise von kleinen Bitterspathkrystallen und weissen Glimmerschüppchen incrustirt oder erfüllt. Die Vertheilung dieser Hohlränme ist eine unregelmässige; sie kommen stellenweise nur in den untersten, anderwärts nur in den oberen Bänken vor und können auch ganz fehlen.

Die chemische Analyse des Dolomites von Crotenlaide bei Meerane ergab 29,4 bis 31,2% Kalk - 20,9 bis 21,0% Magnesia - 45,9 bis 47,1% Kohlensäure - 0,6 bis 0,7% Eisenoxyd, Eisenoxydul und Thonerde und 0,4 bis 1,2% in Salzsäure Unlösliches. Die Zusammensetzung des Dolomites von Rudelswalde ist fast die gleiche, derselbe enthält 30,7% Kalk - 20,3% Magnesia - 45,5% Kohlensäure - 1,6% Eisenoxyd, Eisenoxydul und Thonerde und 1,6% Unlösliches (Wunder, Herbrig und Eulitz, 1867).

Als accessorische Bestandtheile kommen, wenn auch selten, Malachit und Bleiglanz, als secundäre Gebilde auf den Klüften Dendriten und Krusten von Eisen- und Manganhydroxyd, sowie und zwar auf Hohlräumen und Spalten Krystallgruppen von Kalkspath, sowie Ueberzüge und Stalaktiten von Kalksinter vor.

Durch Auslaugung haben sich zuweilen Höhlen von mehr als einem Meter Weite in dem Dolomit gebildet, an deren Wänden die Schichtenköpfe abgerundet und gewöhnlich mit Eisen- und Manganhydroxyd dick überzogen sind ; diese Höhlungen sind zum Theil noch offen, zum Theil durch die überlagernden bunten Letten mehr oder weniger erfüllt, deren Schichten sich sackartig in dieselben gesenkt haben… Zwischen die Dolomitplatten schalten sich oft dünne Häute oder dickere, stellenweise fast 1 Decimeter starke Lagen eines grauen bis grünlichgrauen, theils fetten, theils sandigen, meist glimmerreichen Thones oder Mergels ein.

An organischen Resten ist der Dolomit in der Regel sehr arm…
  

Aufbau. Die Stufe der Plattendolomite lässt sich nicht noch weiter in einzelne Unterabtheilungen gliedern. Die in den Kalkbrüchen gebräuchliche Unterscheidung von zwei oder drei Bänken (Oberbank und Unterbank – Oberbank, wilde Schicht oder Stock und Unterbank - Käsebank, dicke Bank und Schneckenhäuselbank) hat keine allgemeine Gültigkeit…

Die Mächtigkeit der Stufe beträgt meist nur 3 m, kann aber local bis zu 5 m. (zwischen Crimmitschau und Rudelswalde) anwachsen, und anderorts bis auf 0,5 m. und weniger (in der Nähe des Ausstreichens) herabsinken.

Zu dieser Untergliederung des Plattendolomits kann man auch im Heimatbuch der Stadt Meerane Näheres (ab S.6) nachlesen im Kapitel:

C. Der geologische Bau von Meeranes Umgebung.

Das unterste Glied dieser Gesteinsfolge wird von einer im unteren Bachmann'schen Bruche etwa 5 m mächtigen Stufe von Plattendolomit (hierorts einfach als Kalk oder Kalkstein bezeichnet) gebildet, die durch eine schmale Zwischenschicht, die ,versteinerten Letten´, in zwei zwei Bänke getrennt wird, die hier als ,Niederstein´(2 m) und ,Oberstein´(3 m) unterschieden werden. Diese Bänke, die seit alter Zeit Gegenstand intensiven Abbaus gewesen sind (ursprünglich baute man nur die als Baustein direkt verwertbare obere Bank ab), fallen nur ganz leicht nach Westen ein, nehmen nach Osten zu ständig an Mächtigkeit ab und keilen in dieser Richtung schließlich ganz aus. Durch das Meerchen und seine Nebentälchen... ist dieses Dolomitlager in einzelne Partien zerstückelt worden. Die östlichsten Fetzen wurden früher auf Höhe des Rotenberges abgebaut...

Vermutlich setzt sich dieser auf der Westseite des Meerchens und Seiferitzer Baches bis nach Crimmitschau fort... Schon in Crotenlaide taucht der Plattendolomit auf der Sohle des Meerchentales unter den Buntsandstein unter; infolge einer größeren Verwerfung aber, die durch den unteren Abschnitt des Kötheler Tales setzt, stehen die dolomitischen Sandsteine und der Dolomit noch einmal bei Hainichen in höheren Lagen an.

Nur selten wurden in den Bachmann'schen Brüchen kümmerliche organische Reste gefunden.

Dagegen trifft man wiederholt im Gestein auf Spalten, die von scheeweißem Kalksinter überzogen sind und an günstigen Stellen auch Anlaß zu Tropfsteinbildungen geben... Im oberen Bruche bei der Ziegelei und im Salzbrenner'schen Bruche am Schützenplatze zeigt die Oberfläche des Dolomits oft plötzliche Vertiefungen, den ,geologischen Orgeln´ vergleichbar; in diese sind die darüber liegenden Schichten mehr oder weniger tief nachgesackt, doch so, daß diese Einbrüche und Faltungen nach oben zu immer flacher werden, bis sie sich ganz ausgleichen. In Crimmitschau werden solche offenbar durch nachträgliche Auslaugung niedergehender Tageswässer gebildete Vertiefungen ,Dreckspunde´ genannt. Hier spricht man von ,Erdklüften´ oder ,Landklüften´...“

 


Zwei Profilausschnitte zur Lagerung des Plattendolomits südwestlich von Crimmitschau (oben) und beiderseits des Pleiße- Tales bei Crimmitschau (unten) aus der Geologischen Specialkarte des Königreichs Sachsen, Blatt 93, Section Meerane-Crimmitschau, aus dem Jahr 1904.

  


Ein Profilausschnitt aus dem südlich angrenzenden Kartenblatt No. 111, Section Zwickau- Werdau, Ausgabe vom Jahr 1900, südlich von Crimmitschau. Zwischen den Tälern ist nur auf den Höhenrücken noch der Plattendolomit erhalten geblieben; dazwischen dagegen gänzlich der Erosion anheimgefallen.

   


Profildarstellung zur Lagerung des Plattendolomits nördlich von Meerane aus dem Kartenblatt No. 93. Über dem braun dargestellten Rotliegenden sieht man überall das schmale, blaue Band des Plattendolomits.

 


Eine Schnittdarstellung des Dolomitlagers an der Basis der hier allgemein als „Schiefertone“ bezeichneten oberen Lettenschichten. Quelle: Bergschadenkundliche Analyse für die Dolomitgrube Meerane, Kamsdorf, 1972. Alte Farbkopie im Besitz von Herrn Och, Meerane.

    

Zurück zur geologischen Beschreibung durch Th. Siegert aus dem Jahr 1882:

Lagerung und Verbreitung. Die Stufe der Plattendolomite bildet innerhalb des Rothliegenden eine flach tellerförmige Mulde, deren äusserster Rand, also deren Muldenbucht etwas südlich von der Sectionsgrenze bei Langenreinsdorf und Neukirchen auf Section Zwickau liegt. Diese südlichste Partie der Zechsteinmulde ist jedoch durch Thalerosion, namentlich durch das Pleissen-, Langenreinsdorfer-, Rudelswalder- und Sahn-ThaI tief eingeschnitten, zerlappt und in isolirte Schollen zerstückelt worden. Der Ausstrich des rechten oder östlichen Muldenflügels zieht sich, jedoch grösstentheils verborgen unter mächtigem Schwemmland, von Wahlen aus etwa über Gablenz, Meerane, Crotenlaide und Hainichen nach Naundorf…

Eine in diesem Gebiete allein stehende Unregelmässigkeit der Lagerungsverhältnisse wird zwischen Crotenlaide und Hainichen durch eine Verwerfung, welcher das ThaI von Köthel zu entsprechen scheint, hervorgebracht, in Folge deren die nördlich von der Verwerfungskluft gelegene Partie der Plattendolomite über das Niveau der südlich angrenzenden Schichten gelangt ist, so dass letztere die erstere zu unterteufen scheinen. Auf dieser Ausstrichzone sind die z. Th. noch im lebhaften Betriebe stehenden Kalkbrüche von Meerane und Crotenlaide, ein paar kleinere, auflässige Brüche bei Hainichen und am nördlichen Gehänge des Naundorfer Thales angesetzt.

 


Ausschnitt aus Blatt 93 der Geologischen Specialkarten von Sachsen, Section Meerane-Crimmitschau, 2. Auflage 1904, mit der Lage der Dolomitausstriche bei Meerane und Crotenlaide. Auch in der 50 Jahre jüngeren Karte ist der Dolomit blau eingezeichnet. Das kleine Vorkommen beim Dörfchen Hainichen liegt bereits im Altenburger Land.

 

„Der Ausstrich des linken, westlichen Flügels liegt im Gebiete der westlich angrenzenden Section Ronneburg; nur bei Sommeritz und bei Schmölln treten kleinere Partien desselben auf die Section Meerane über und sind dicht an der Grenze des Blattes durch einen Steinbruch, sowie im Bette der Sprotte bei Schmölln aufgeschlossen. Dem Südrande und dem durch das Pleissenthal angeschnittenen centralen Theile der flachen Plattendolomit-Mulde gehören die zahlreichen, aber vielfach wieder verlassenen Kalkbrüche zwischen Langenreinsdorf und Rudelswalde, am linken Gehänge des Rudelswalder Thales, bei Crimmitschau und Wahlen an der linken, zumal aber an der rechten Seite des Pleissenthales, südwestlich von Mark Sahnau*), nördlich vom Sahnpark und östlich vom Sahnwald, in der Nähe von Leitelshain, südlich von Gösau, ferner die früheren, jetzt verschütteten Brüche in Obergrünberg, sowie endlich die meist nur undeutlichen Anbrüche bei Frankenhausen und Tempel an.“

*) Die Mark Sahnau besteht heute nur noch als Gemarkung fort und umfaßte nur einige wenige Gehöfte nördlich von Rudelswalde an der sächsisch- thüringischen Landesgrenze. Der winzige Ort ist schon lange nach Rudelswalde eingemeindet.

  


Ausschnitt aus Blatt 93 der Geologischen Specialkarten von Sachsen, Section Meerane-Crimmitschau, 2. Auflage 1904 (oben) und Blatt 111, Section Zwickau-Werdau, 2. Auflage 1900, mit der Lage der Dolomitausstriche zwischen Langenreinsdorf (im Südwesten), Rudelswalde, Wahlen (östlich von Crimmitschau), Leitelshain und Frankenhausen (im Norden)

 

Vom gleichen Verfasser wurde die 2. Auflage im Jahr 1905 revidiert. Der beschreibende Text zum Plattendolomit ist fast wörtlich identisch. Aber hinsichtlich des Abbaus des Dolomits lesen wir jetzt: „Auf dieser Ausstrichzone waren die jetzt meist verlassenen Kalkbrüche von Meerane und Crotenlaide… angesetzt…“ und: „Dem Südrande und dem durch das Pleissenthal angeschnittenen centralen Theile der flachen Plattendolomit- Mulde gehören die zahlreichen, aber fast sämtlich wieder verlassenen und z. Th. bereits wieder eingeebneten Kalkbrüche zwischen Langenreinsdorf und Rudelswalde, am linken Gehänge des Rudelswalder Thales, bei Crimmitschau und Wahlen an…“

In der Ausgabe des Kartenblattes von 1904 finden wir daher nur noch wenige Eintragungen von Kalköfen, diese insbesondere noch bei  Rudelswalde.

Die zahlreichen Ziegeleien haben aber zumeist in ihren Brennöfen ebenfalls Kalk gebrannt. Selbst aus dem noch einmal rund 12 km südlich von Crimmitschau liegenden Werdau ‒ wo definitiv kein Plattendolomit mehr zu finden ist ‒ ist überliefert, daß u. a. die Ziegeleien von Johann Gottfried Schneider und Gottfried Trömel im Ortsteil Leubnitz um die Mitte des 19. Jahrhunderts neben sechs Ziegel- auch zwei eigene Kalköfen betrieben haben (Hinweis von Herrn A. Molder, Crimmitschau auf Fritzsche, 1936).

 


Nördlich und südlich von Rudelswalde findet man auf diesem Ausschnitt der geologischen Karte von 1904 noch mehrere „K.O.“ und eine Reihe von kleinen Steinbrüchen auf dem Ausbiß des Plattendolomits. Da noch zu lesen sein wird, daß auch Ziegeleien den Dolomit gebrannt haben, markieren wir diese Standorte im Weiteren auch.

  


Man muß sich schon weit in das Kartenblatt hineinzoomen, um die kleinen Steinbrüche auf dem schmalen Ausstrich des Plattendolomits östlich von Crimmitschau bei Wahlen zu entdecken. Kalköfen sind nicht verzeichnet, allerdings gab es hier schon früher etliche Ziegeleien.

  

Zur chemischen Zusammensetzung der Plattendolomite in Meerane liegen verschiedene Analysenergebnisse vor (RdKG, Nr. 6696). Die älteste datiert auf den 17. April 1891 und wurde von der Firma Bachmann und Söhne bei Dr. A. Goldberg, Lehrer für Chemie an der Technischen Lehranstalt Chemnitz, eingeholt. Weitere chemische Untersuchungen wurden durch den Rat des Kreises Glauchau in Zusammenhang mit der Wiederaufnahme des Abbaus 1948 bei dem Dipl.-Ing. Seidel von der Materialprüfungsanstalt Chemnitz und beim Spinnstoffwerk Glauchau veranlaßt. Da alle etwas unterschiedlich gegliedert sind, führen wir nur die erste und die letzte (diese mit drei Proben) im Vergleich auf:

 

Analyse 1891

Analysen 1949

    Probe 1 Probe 2 Probe 3

CaCO3

56,12%

57,15%

59,01%

59,01%

MgCO3

39,31%

41,90%

39,12%

40,10%

Al2O3, Fe2O3, Fe(HCO3)2, SiO2

1,35%

0,68%

1,84%

0,90%

Unlösliches

0,21%

n. b.

n. b.

n. b.

   n. b. = nicht bestimmt.

Herr Dr. Seidel gab seine Analysenergebnisse dagegen wie damals üblich unter Bezug auf die Oxydgehalte folgendermaßen an: Die von ihm untersuchte Probe enthielt 30,1% CaO, 21,3% MgO und 48,0% CO2.

Nach dieser Analyse liegt die chemische Zusammensetzung des Meeraner Plattendolomits recht nah an der theoretischen Zusammensetzung des reinen Minerals Dolomit CaMg(CO3)2 mit 30,41% CaO und 21,68% MgO.

    

Für den Crimmitschau'er Dolomit haben wir bei O. Herrmann, 1899 folgende Analyseergebnisse aus dem Jahr 1896 gefunden:

 

R. Rothe's Kalkwerk, Rudelswalde
 

M. Polster's Kalkwerk, Crimmitschau- Wahlen
 
    Obere Schicht Untere Schicht

CaO

30,7%

31,4%

30,9%

MgO

20,3%

20,4%

19,7%

CO3

45,5% 45,7% 45,8%

Al2O3, Fe2O3,MnO

1,6%

n. b.

n. b.

Unlösliches

1,6%

0,5%

1,6%

   n. b. = nicht bestimmt.

  

Diesem Lehrbuch der Steinbruchindustrie und Geologie kann man ferner die folgende Beschreibung entnehmen:

Obere Zechsteinformation.

Der Plattendolomit der Gegenden von Ostrau, Mügeln, Geithain, Frohburg, Crimmitschau, Meerane.

Nahe der Oberfläche der Dolomitflötze und in der Nähe von breiteren Klüften… ist der Dolomit infolge von Auflösung durch kohlensäurehaltige Wässer oft porös und löcherig, „mehlig“, wie der Techniker sagt („wilder Stein“). Im Allgemeinen wird das Gestein nach der Tiefe zu fester und besser, der Abbau aber naturgemäß schwieriger…“  

„Die Flötze sind infolge des Einschneidens der Täler an vielen Stellen auf breite Streifen hin verschwunden, aber auch dort, wo sie im allgemeinen erhalten geblieben, durch Auflösung und Fortführung des Materials an vielen Stellen zerfressen und zerschlitzt, ja auf größeren Strecken gänzlich aufgezehrt, so daß im mutmaßlichen Verbreitungsgebiete eines Flötzes dasselbe an manchen Stellen mit Bohrungen nicht angetroffen worden ist (Frohburg etc.).“  

„Im Dolomit finden sich von der oberen Grenze ab Löcher, Kessel, Spalten und Schlote, in welche das Deckgebirge hineingebrochen ist, so daß jetzt mit Letten und Sanden ausgefüllte Säcke und Kanäle im Flötze erscheinen, die als „geologische Orgeln“, von den Steinbrechern als „Dreckspunde“ oder „Rußkessel“ bezeichnet werden. Diese den Abbau verteuernden Orgeln sah der Verfasser in jüngster Zeit besonders schön bei Rudelswalde und in der Ostrauer Gegend…“  

Solche geologischen Orgeln fotografierte auch Max Nowak noch in den 1920er Jahren.

  

Mehr zur Entstehung und Verwendung von Dolomit kann man auch in unserem Beitrag zum Abbau in  Braunsdorf lesen.

Nach Norden ist die Lagerstätte in Meerane- Crotenlaide durch eine Verwerfung mit etwa 20 m Sprunghöhe begrenzt. Schon auf einer Seehöhe von +224 m wurde der Dolomit hier in den 1960er Jahren wasserführend angetroffen, was zusätzliche Gewinnungskosten verursachte.

  

 
 
 

Zum Plattendolomit von Meerane als Fossilienfundpunkt

  

Die Dolomitsteinbrüche von Meerane sind Fachleuten auch als Fossilienfundpunkt bekannt. Bereits 1851 berichtete der Paläontologe Hans Bruno Geinitz über aufgefundenen Tierfährtenabdrücke (R. Müller, 1934). Die Platten aus der Sammlung der damaligen Geologischen Landesanstalt in Leipzig (siehe Fotos unten) wurden zwischen 1880 und 1890 von Richard Müller in dem Steinbruch „neben dem Eichler’schen Gute“ gefunden. Nach seiner Beschreibung aus dem Jahr 1934 hatten die größten Fußabdrücke etwa 14 mm Breite und 3 mm Tiefe im Sediment. Genau genommen handelt es sich bei diesen Fährtenplatten nicht um die Spurabdrücke selbst, sondern um deren Ausfüllungen mit den hangenden Sedimentschichten. Sie sind also nicht „eingedrückt“, sondern „erhaben“ als Fossil überliefert.

Ähnliche Funde sind auch aus dem Rotliegenden bei Friedrichroda in Thüringen bekannt, wobei jedoch fraglich ist, ob es sich dabei um dieselbe Tierart handelt.

Die Funde hörten nach 1912 schlagartig auf, weil vermutlich in der Buntsandsteinwüste nur eine schmale Strandzone eines Gewässers aufgeschlossen war, welche damals der Lebensraum dieser Tiere gewesen ist. Belegt wird das auch durch „versteinerte Wellenrippeln“, die hier neben sogenannten „versteinerten Regentropfen“ gefunden wurden.

Anfang der 1930er Jahre fanden im Unteren Bachmann'schen Bruch in Meerane durch Dr. Alfred Schuster, Halle, erneut geologische Grabungen statt. Er wies für den oberen Zechstein bei diesen Untersuchungen in Meerane einige Muschelarten erstmals nach. Bei den Grabungen wurde der ehemalige Meeresboden freigelegt, so daß man eine Strandschüttung des Zechsteinmeeres mit regelrechten Muschelpflastern erkennen konnte. Schuster konnte auch nachweisen, daß die Schichten unter dem Dolomit noch kein Rotliegendes, sondern noch immer oberer Zechstein sind.

 


Aufnahme vom Unteren Bachmannschen Bruch aus dem Jahr 1930 zum Zeitpunkt der Ausgrabungen von Dr. Schuster. Zu den Personen: Hinten stehend Dr. Alfred Schuster (Halle) vom geologischen Landesamt, links neben ihm der Meeraner Lehrer und verdiente Heimatforscher Studienrat Willibald Krause (Heimatbuch Meerane). Vorn stehend Arthur Bachmann, Komplementär der Firma mit Tochter Berthilde. Man sieht im Vordergrund die Sprenggrube, wo der ehem. Meeresboden an der Dolomitbasis freigelegt worden ist. Im Hintergrund die hier 5 m mächtige Stufe des Plattendolomits. Bildquelle: Fa. Bachmann & Söhne K. G., aus dem Nachlaß von Christine Bachmann, Gattin des Ehrhardt Bachmann, jetzt Sammlung M. Och, Meerane.

  

Wo die drei Personen im Bildhintergrund im Foto oben stehen, zieht sich eine 15 cm bis 20 cm starke Lettenschicht durch den Dolomit, die sogenannten „versteinerten Letten“. Sie trennt den Plattendolomit in zwei Bänke. den Oberstein und den Niederstein. Der Niederstein ist 2 Meter mächtig und oftmals von vielen Löchern und Hohlräumen durchsetzt. Qualitativ besser war der 3 Meter mächtige Oberstein; er war kompakt, massig und klotzig. Ganz früher baute man nur diesen ab und verwendete ihn auch als Baustein.

Über dem Dolomit (im Foto oben nicht mehr zu sehen) folgen die oberen bunten Letten von 5 m bis 15 m Mächtigkeit. Sie beginnen mit den 50 cm bis 75 cm dicken, blauen Letten, die oftmals kleine hübsche Calcitdrusen enthielten. Darüber dann die Konkretionen, Knollen und Klumpen des Wilden Kalksteins und darüber folgten die farbenfrohen oberen bunten Letten (von Dr. Schuster wurden sie als Oberer Zechstein- Sandstein bezeichnet).

Dieser Bruch mit den Ausgrabungen war auch die Fundstelle der Fährten von Chirotherium barthii und lag ziemlich genau in dem Areal, nur eben in den obersten Schichten des Bruchs (Unterer Buntsandstein).

Auch dieser Fossilienfundpunkt ist heute wieder verschüttet und neue Funde sind nicht mehr möglich.

  


Wellenfurchen im unteren Buntsandstein aus Crotenlaide bei Meerane.
Foto: früheres Geologisches Landesamt Leipzig, 1928.

http://www.deutschefotothek.de/documents/obj/72005579

 


Regentropfen- Abdrücke auf Schichtflächen im Buntsandstein von Crotenlaide bei Meerane.
Foto: Max Nowak, vor 1930.

http://www.deutschefotothek.de/documents/obj/72032299

 


Dies dagegen ist zwar ein echtes Fossil, stammt aber ebenfalls nicht aus dem Plattendolomit, sondern aus dem Buntsandstein darüber: Chirotherium*-Fährten aus dem hangenden Buntsandstein bei Crotenlaide.
Foto: früheres Geologisches Landesamt Leipzig, undatiert.

*) Chirotherium ist eine Spurenfossilgattung fünffingeriger bzw. fünfzehiger (pentadactyler) Trittsiegel und entsprechender Fährten von Landwirbeltieren (Tetrapoda). Chirotherium ist typisch für terrestrische Sandsteine der Unter- und Mitteltrias und wurde vermutlich von rein landlebenden, kleinen Vorfahren der heutigen Krokodile verursacht. Chirotherium bzw. die Typusart Ch. barthii ist das erste nach Linné’scher Nomenklatur benannte Spurenfossil überhaupt.

http://www.deutschefotothek.de/documents/obj/72005588

  


Muschelpflaster und Abdrücke von kleinen, unbestimmten Pflanzenfossilien, Breite der Sichtfläche des Stückes zirka 13 cm x 7 cm. Sammlung M. Och, Meerane.

  


Muschelpflaster und Abdrücke von kleinen, unbestimmten Pflanzenfossilien. Sammlung M. Och, Meerane.

  


Faksimile einer Zeitungsmeldung über die Fossilienfunde in Meerane. Bildquelle: Fa. Bachmann & Söhne K. G., aus dem Nachlaß von Christine Bachmann, Gattin des letzten Eigentümers Ehrhard Bachmann, jetzt Sammlung M. Och, Meerane.

  

In persönlichen Briefen bedankte sich nicht nur Dr. Schuster bei den Eigentümern, den Herren Bachmann, die trotz der schwierigen Geschäftslage extra Sprengungen für die Grabungen durchführen ließen. Auch Prof. Kurt Pietzsch, der als Herausgeber der „Geologie von Sachsen“ bekannt ist und damals an der Geologischen Landesanstalt in Leipzig tätig war, sprach den Brüdern Bachmann seinen Dank aus. Der oben zu sehende Zeitungsartikel aus dieser Zeit berichtete über diese aufsehenerregenden Funde in Meerane. Schon damals wurde auch eine Unterschutzstellung der Ausgrabungsstelle gefordert.

Aufgrund des später wieder umgegangenen Abbaus sind heute allerdings keine Funde mehr möglich.

Belegstücke der Fährten befinden sich heute noch in Museen in Dresden, Leipzig (damaliges Geologisches Landesamt) und Chemnitz (laut Meeraner Heimatbuch). Die Fährtenplatte in der Ausstellung im Zwickauer Albert- Museum soll ebenfalls von Crotenlaide stammen. Ferner soll im Garten des nahen Ritterguts Hainichen auch eine sehr große Platte zu sehen gewesen sein, die aber schon vor dem Krieg nicht mehr auffindbar war (Informationen von Herrn Och, Meerane).

In Meerane sind heute keine Stücke mit den berühmten Chirotherien- Fährten mehr vorhanden. Nur in anderen Museums- Depots dürften noch einige existieren. So bestellten Anfang der 1990er Jahre Paläontologen aus den USA Abgüsse dieser Fossilien in Dresden, weil solche in Meerane bereits im unteren Buntsandstein vorgekommen, sonst aber nur für den mittleren und oberen Buntsandstein typisch sind (Informationen von Herrn Och, Meerane).

  



Postkarte des Geologischen Landesamtes in Leipzig zur Veröffentlichung Dr. A. Schusters über die Fossilienfunde in Meerane. Bildquelle: Fa. Bachmann & Söhne K. G., aus dem Nachlaß von Christine Bachmann, Gattin des letzten Eigentümers Ehrhard Bachmann, jetzt Sammlung M. Och, Meerane.

  

Im unteren Bruch, in den obersten Schichten (im unteren Buntsandstein) fand man während der Betriebszeit auch Knollen von Brauneisen, zum Teil hohl, sowie bis zu walnußgroße Gebilde von Karneol. Mit der Stillegung des Abbaus und der Verfüllung der Brüche mit Abraum sind die Fundmöglichkeiten heute sämtlich erloschen.

Das Museum Meerane war schon viele Jahre vor der Wende geschlossen und die Mineraliensammlung in einem furchtbaren Zustand; viele Stufen hatte man gedankenlos einfach in Kisten geworfen, wodurch sie natürlich unrettbar kaputtgegangen sind. In den Höhlern von Meerane sind heute noch einzelne historische Fundstücke, die gerettet werden konnten, ausgestellt (Informationen von Herrn Och, Meerane).

   


Etwas matter, brauner Glaskopf (Limonit) aus den hangenden Letten, Größe des Stückes zirka 8 cm x 8 cm. Sammlung M. Och, Meerane.

   


Erdig- dichter, hellgelbbrauner Limonit, zum Teil mit Übergängen zu derbem dunkelschwarzbraunem Brauneisenstein aus den hangenden Letten, Größe der Stücke zirka 7 cm x 6 cm und 10 cm x 6 cm.
Sammlung M. Och, Meerane.

   

Als man aber in den 1990er Jahren parallel zum Meerchen, dem Bach im Tal, einen Vorfluter verrohrte, wurde dabei das Dolomitlager temporär noch einmal zwischen dem Beginn der Crotenlaider Straße und der Meerchenbrücke aufgeschlossen. In geringer Tiefe unter der Ackerkrume war an vielen Stellen der Dolomit zu sehen. An manchen Stellen fanden sich auch eingesackte Letten und deren lehmige Zersetzungsprodukte, die man in der Region ja auch zur Ziegelherstellung abgebaut hatte.

Der Graben war recht tief und der Dolomit war gut und gern 5 m mächtig, auch bis zu 6 m. Im Osten in Richtung Schönberg nahm die Mächtigkeit bis zur Grenze der Abbauwürdigkeit ab. Nach Norden, vor allem aber nach Westen hin wurde er dagegen immer mächtiger, verschwindet dabei aber mehr und mehr in der Tiefe. Jedenfalls fand sich hier ein massiver, grob klotziger Plattendolomit von sehr heller Farbe (Informationen von Herrn Och, Meerane).

  


Der Verlegegraben des Abwasserkanals im Jahr 1996: Im Stoß steht unter einer Auflage aus Lößlehm und Oberboden der Plattendolomit an. Foto: M. Och.

   


Auffällig, aber unklaren Ursprungs war diese intensiv blau gefärbte, etwa 10 cm starke Lage innerhalb der Dolomitbank. An der Hangendgrenze fand sich außerdem eine tiefschwarze Lage. Foto: M. Och.

   


Detailaufnahme der schwarzen Einlagerung an der Hangendgrenze des Dolomits. Foto: M Och.

   


Ein seltener Beleg für sekundär gebildete, hier bläulich gefärbte Gips- Kriställchen aus Meerane. Diese Stufe stammt nicht aus dem Aufschluß in den Fotos oben; eine ähnliche Mineralisation könnte aber auch dort aufgetreten sein. Das Auftreten von Bleiglanz, Malachit und Kupferlasur im Plattendolomit wurde jedenfalls schon von den alten Geologen immer wieder erwähnt. Größe dieser Stufe zirka 4 cm x 3 cm. Sammlung M. Och, Meerane.

  


Ausschnitt aus der Geologischen Übersichtskarte der DDR, Känozoikum abgedeckt. Damit Sie nicht so viel blättern müssen, fügen wir sie an dieser Stelle noch einmal ein.

  

Ohne daß wir darüber bereits Unterlagen gefunden hätten, kursierte schon zu den Zeiten, als die Einstellung des Kalkabbaus in Crotenlaide absehbar war, die Meinung unter den Kalkwerkern, daß sich das Dolomitlager an der Westseite des Tales fortsetze. Nach der geologischen Übersichtskarte (siehe oben) ist dem tatsächlich so und in Crimmitschau, wo die Südwestflanke der Zeitz- Schmölln'er Mulde wieder zutage kommt, streicht auch der Plattendolomit ja wieder aus. Der Abbau westlich von Meerane sei allerdings zu teuer, weil das Lager dort zu tief läge und zu viel Grundwasser gehoben werden müsse. Weil zudem der Abbau in Caaschwitz rentabler sei, wo der Dolomit in weit größeren Mächtigkeiten ansteht, galt die westliche Fortsetzung des Lagers bei Meerane deshalb nur als Staatsreserve (Informationen von Herrn Och, Meerane).

Die Wünschendorfer Dolomitwerke GmbH baut seit 1922 und noch bis heute in Caaschwitz, nördlich von Gera, den Plattendolomit ab (dolomitwerk-wuenschendorf.de).

 

 
 
 

Zur Montangeschichte

Die Anfänge

  

Die ältesten, von uns bisher aufgefundenen Hinweise auf einen Abbau des Plattendolomits in dieser Region datieren auf die erste Hälfte des 18. Jahrhunderts. Im Jahr 1713 klagte der Rat der Stadt Crimmitschau gegen Carl Friedrich von Bose auf Crimmitschau und Schweinsburg wegen der geplanten Errichtung eines Kalk- und Ziegelofens im Vorwerk Döbitz auf städtischer Flur (30614, Nr. 0044). Abschriften des 1713 geschlossenen Vertrages sind in den Akten der Grundherrschaft Schweinsburg erhalten geblieben (30813, Nr. 870).

Im Jahr 1733 klagten Rat und Bürgerschaft Crimmitschau gegen den Akzise- Inspektor Christian Schmidt aus Crimmitschau wegen Eröffnung einen Kalksteinbruches (30023, Nr. 2122).

Erneut im Jahr 1736 kam es zu einem Rechtsstreit um die Errichtung einer neuen Kalkhütte“ zwischen dem Stadtrat und einem Herrn Isaac Mönnich, daselbst (10084, Nr. 07389).

Nur wenig später sind auch aus dem Umland Crimmitschaus Gesuche von Grundeigentümern um Konzession zum Bau von Kalköfen erhalten, so von Löscher, der 1743 bei Langenreinsdorf eine Kalkhütte errichten wollte (10036, Loc. 33565, Rep. 32, Nr. 0050), oder von Michael Große aus Rudelswalde (10036, Loc. 33565, Rep. 32, Nr. 0111).

Auch aus dem Jahr 1795 sind Gerichtsakten erhalten geblieben, die von einem Streit zwischen dem damaligen Besitzer des Döbitzgutes bei Crimmitschau, einem Herrn J. Chr. Kößler, gegen die Herrschaft von Berbisdorf auf Schweinsburg wegen der Nutzung eines Kalksteinbruches“ berichten (10084, Nr. 11397).

Offenbar war die Nutzung des Plattendolomits für die Branntkalkerzeugung also schon im 18. Jahrhundert ein durchaus recht „umkämpfter Markt“.

    


Ausschnitt aus den Meilenblättern von Sachsen, Berliner Exemplar, Blatt 100, entstanden 1795, mit der Einzeichnung einer ersten „Kalckhütte“ westlich (im Bild links oberhalb) von Rudelswalde.

 


Diese Kalkhütte sowie eine Ziegelei bei der Karthause sind auch auf der Oberreit’schen Karte von Sachsen, Section Zwickau, entstanden zwischen 1830 und 1850, dargestellt.

  

Vermutlich wurde der Dolomit auch unmittelbar in Meerane schon zu Zeiten der Stadtgründung entdeckt und genutzt. Das belegen die Reste der alten Stadtmauer an Bornberg und Badergasse. Anfang der 1990er Jahre fanden Ausgrabungen in der Meeraner Kirche statt. Im Bereich des Chorraums legte man dabei die Fundamentreste einer Apsis aus dem frühen 12. Jahrhundert frei. Deren Mauerreste bestehen größtenteils aus Plattendolomit.

Die ersten Steinbrüche befanden sich am heutigen Pfarr- und Rotenberg, also mitten in der jetzigen Stadt. Heute kann man es nur noch an den steilen Hängen hinter manchen Häusern erahnen. Diese Stellen waren aber nicht so mächtig und ergiebig wie der Ausstrich des Plattendolomits nördlich der Stadt in Richtung Crotenlaide. Im 1930 erschienenen Heimatbuch der Stadt Meerane (S. 304f) heißt es dazu im Kapitel:

B. Der Abbau von Kalkstein, Sand und Lehm.
nach Mitteilungen von Karl Bachmann.

Treibt Meerane auch keinen Bergbau, so bergen doch die oberen Bodenschichten manch nutzbares Gestein. Schon seit Jahrhunderten wird der Kalkstein als Rohstein, zum Brennen und als Düngemittel abgebaut... Ein Teil der Kalkhütten gehörte einst der Glauchau'er Herrschaft (denen von Schönburg- Glauchau). Größere und kleinere Kalksteinbrüche waren am Nordosthange von Crotenlaide bis zum Pfarrberg angesetzt. Früher wurde sehr unvorsichtig abgebaut, so daß erschrecklich viel Unglücksfälle vorkamen. Daher traf die Stadt 1856 strenge Verhütungsmaßnahmen... Vorübergehend (um 1880) ward der Kalkstein auch durch einen Stollen unter Tage abgebaut, was aber bald polizeilich untersagt wurde. Der Kalkstein wurde noch bis in die 1880er Jahre in altdeutschen Öfen gebrannt. Daneben wurden seit 1863 Trichteröfen gebaut, der erste von Chemiker Dietrich und 1886 der erste Ringofen für Kalkbrennerei von Fr. Bachmann. Auch ward der Rohstein an hiesige und auswärtige Ziegeleien verkauft und in diesen gebrannt...“

Der Chronik der Stadt Meerane von J. Leopold aus dem Jahr 1863 ist zu entnehmen, daß am 30. November 1853 ein Gottlob Bachmann in den Crotenlaider Steinbrüchen verschüttet und verstorben sei.

Dieser Zeit nach 1850 widmet sich noch ein umfangreiches Kapitel weiter unten im Text. Das Heimatbuch von 1930 verrät uns an dieser Stelle aber auch die Namen noch weiterer, früherer Steinbruchbesitzer:

Frühere Besitzer der Kalksteinbrüche waren Gutsbesitzer Müller in Götzenthal, Freigutsbesitzer Wagner und Eichler in Crotenlaide, Gottlieb Diener, Friedr. Erdmann, Ludwig Reich, ...auch Fabrikant Hermann Friedrich Gräfe. Anfang der 1860er Jahre erwarb Carl Friedrich Bachmann das erste Steinbruchgelände...

  


Die Gartenmauer an der Rückseite des Pfarrhauses im Zentrum von Meerane zum Beispiel bildet einen kleinen geologischen Lehrpfad zu den rings um Meerane vorkommenden und als Baustein nutzbaren Gesteinen...

    


Hier findet man - natürlich - große Brocken des hellen Plattendolomits aus dem Zechstein, aber auch dunkelrote Sandsteine und Konglomerate aus dem unteren Buntsandstein...

  

Aus dem Heimatbuch der Stadt Meerane (S. 4ff) können wir noch andere, interessante Angaben zur Nutzung der im Untergrund anstehenden Gesteine entnehmen. So heißt es im Kapitel:

C. Der geologische Bau von Meeranes Umgebung.

Der Untergrund der Stadt Meerane wird von der oberen Stufe des Oberrotliegenden gebildet, die aber nach Osten und Südosten zu ausstreicht, ... Die Sandsteine der oberen Stufe lassen sich zwar mit der Spitzhacke und dem Grabscheit leicht bearbeiten, halten aber andrerseits doch so fest zusammen, daß man in alten Zeiten gern in ihnen die sicheren Kellerräume und Gänge anlegte, die auch für Meerane so kennzeichnend sind... Sie gaben trotz der oft starken Unterkellerung wegen ihrer Festigkeit und geringen Wasserführung noch nie Anlaß, daß die darüber stehenden Häuser einbrachen, wie dies bei ähnlichen Fällen in einigen Nachbarstädten (Glauchau, Altenburg) wiederholt geschehen ist.“

Natürlich besaßen unsere Großväter noch keine Kühlschränke, so daß das Anlegen von Kühl- und Vorratskellern besonders für die Stadtbewohner schon von Anfang an von großer Bedeutung gewesen ist. Dies könnte auch ein Grund mehr für die Entdeckung der Plattendolomit- Vorkommen im Stadtgebiet gewesen sein. Diese Höhler unter der Stadt sind uns aber bei Gelegenheit noch einen separaten Beitrag wert...

  

Als man 1825 die Kirche in Meerane umbaute, fand sich im Turmknauf eine Urkunde aus dem Jahre 1718. Diese Urkunde zitierte J. Leopold 1863 als Quelle zur Geschichte der Stadt Meerane wörtlich, zählte sie doch alle damaligen Gerechtigkeiten der Stadt auf. Unter anderem heißt es darin: „Es wird viel Kalch hier gebrannt von Kalchsteinen und wird Kalch auf das Feld gethan zur Düngung, so schönes Getraidte darnach wachset... Ob sich diese Angabe noch auf das engere Stadtgebiet oder schon auf das nördlich gelegene Crotenlaide bezieht, geht daraus leider nicht hervor.

Der Autor des Heimatbuches der Stadt Meerane, Willibald Krause, aus Freiberg stammend und profunder Kenner der Meeraner Geschichte, zitiert aus dem Kirchenbuch und bemerkt, „Dies ist die erste Erwähnung der Crotenlaider Kalksteinbrüche, denn 1521 werden nur Kalksteine genannt.“ Damit verweist er auf einen Streitfall von 1521, über den in den Lehn- und Gerichtsbüchern der Herrschaft Schönburg zu lesen steht: „4. Sie sollen zwei (zcwue) Ruten Kalkstein brechen oder brechen lassen…“ Ein Teil der Meeraner Bürgerschaft hatte sich damals gegen die gnädige Herrschaft aufgelehnt (die Schönburger in Glauchau). Ihre Strafe bestand u. a. auch darin, daß sie besagte zwei Ruten Kalkstein brechen oder brechen lassen und dem Glauchauer Amt abzuliefern hatten (Informationen von Herrn Och, Meerane und Herrn A. Eckhardt, Berlin).

Leider ist darin tatsächlich nicht ausdrücklich zu Papier gebracht, wo denn diese Kalksteine im 16. Jahrhundert gebrochen werden sollten. Diese bislang früheste urkundliche Erwähnung des Kalksteinabbaus ‒ ob nun noch in Meerane, oder auch schon in Crotenlaide, muß dahingestellt bleiben ‒ stammt jedenfalls schon aus dem Jahr 1521. Aber wie so oft, ist wohl auch hier der Abbau weit älter, als archivalisch sicher belegbar ist.

  

Aus dem Jahr 1744 stammen Akten über einen Streitfall zwischen der amtierenden Grundherrin Wilhelmine Johanne Louise von Schönburg und einem Herrn Johann Georg Nözoldt, seinerzeit Oberförster in Glauchau, wegen Pachtdifferenzen in Bezug auf die Nutzung einer „Meeranischen Kalkhütte“ (30581, Nr. 1144 und 30572, Nr. 3332).

In dem 1930 erschienenen Heimatbuch der Stadt Meerane kann man lesen: Am 5. April 1755 starb Michael Diener, Einwohner in Crotenlaide, welcher Tages vorher nebst anderen in den Steinbrüchen in seiner Arbeit beschäftigt war, und durch ein trauriges Verhängnis stürzte ein Stück Land über ihn herab, daß er seinen Geist (hat) aufgeben müssen.“

1768 werden Kalk- und Ziegelöfen in Crotenlaide nördlich von Meerane erneut urkundlich erwähnt. Der damalige Erbrichter und Besitzer des Gutes Crotenlaide, Johann Heinicke, klagte damals gegen einen Herrn Georg Kittel „wegen verweigerter Zwangsarbeit, besonders zum Dreschen sowie Ziegel- und Kalkbrennen (30572, Nr. 6727). Das Gut Crotenlaide befand sich noch bis 1784 im Besitz von Frau Sabine Heinicke, kam danach aber unter Zwangsverwaltung (10084, Nr. 10996ff).

Ein Teil der Kalkbrüche gehörte damals unmittelbar der von Schönburg'ischen Herrschaft in Glauchau. Ab 1774 und bis 1792 hatte die Herrschaft Hinterglauchau den Kalk- und Ziegelofen in Crotenlaide verpachtet (30581, Nr. 1145). Auch in Gerichtsbüchern des Amtsgerichtes Meerane finden sich Hinweise, daß ein Kalksteinbruch noch zwischen 1823 und 1846 verpachtet gewesen ist (12613, AG Meerane, Nr. 79). Steinbruchbesitzer wurden allmählich zunehmend aber auch Gutsbesitzer und Fabrikanten aus Meerane.

Sehr viele Einwohner des Dorfes Crotenlaide bei Meerane waren in den Steinbrüchen beschäftigt. Man baute damals sehr wild und unvorsichtig ab. Man brach den Kalk einfach solange heraus, bis das Deckgebirge nachbrach. Dadurch gab es laut Chronik, Überlieferung und Kirchenbüchern viele schwere und auch tödliche Unfälle. Später wurden deshalb dann von der Stadt je ein Aufseher für die Oberen, die Mittleren und die Unteren Brüche eingesetzt und es wurden strenge Unfallverhütungsmaßnahmen durchgesetzt. Die Oberen Brüche befanden sich in Richtung Meerane, die unteren Richtung Crotenlaide. Noch später gab es dann nur noch zwei Aufseher für die Oberen und Unteren Brüche.

   

Noch im Jahr 1899 beschreibt O. Herrmann die Abbaumethodik des Plattendolomits in der Region von Crimmitschau und Meerane noch als äußerst einfach und fast ganz ohne maschinelle Hilfsmittel:

Der Abbau geschieht, nachdem die auflagernden Abraummassen entfernt sind, dergestalt, daß der Arbeiter mit der Spitzhacke oder aber mit einer am unteren Ende knieförmig gebogenen Brechstange die Gesteinsbruchstücke los zu machen sucht. Lokal werden von mehreren Arbeitern unter die Platte in Schichtfugen mehrere Brechstangen nebeneinander eingeschoben und erstere dann, nachdem an jeder Brechstange noch eine dicke, der „Druckbaum“, befestigt worden ist, durch gemeinsame Kraftanstrengung losgebrochen…

Die größeren Bruchstücke erfahren dann eine geeignete Zerkleinerung und werden meist auf Lowries*), oft mit Hilfe von Pferdegöpelwerk… zum oberen Rande des Bruches gezogen. Aus dem kleinstückigen Material wird, meist durch Frauen, mit Hilfe eines langzinkigen, schmalen Rechens, der „Krille“ **), das als Brenngut Verwertbare auf eine eiserne Mulde (die „Muhle“ genannt) ausgerecht, so daß ein klarer Schutt, der „Beidreck“ oder „Krillenschutt“, zurückbleibt.“

*) Anmerkung: Mit diesem Begriff meint Herrmann wohl allgemein eine „Lore“ bzw. die in der Region typischen „Dreieck- Kipploren“ ‒ übliche Transportwagen für Schüttgüter in Tagebauen.

**) Noch eine Anmerkung: Vergleichbare Werkzeuge wurden früher auch als „Crähl“ bezeichnet (siehe Schmid, 1800). Im Prinzip stellten sie eine lange Holzstange dar, an deren einem Ende zwei abgewinkelte Spitzen angebracht sind. Auch in den Hüttenbetrieben waren sie gebräuchlich.

 


Ausschnitt aus den Meilenblättern von Sachsen, Berliner Exemplar, Blatt 101, entstanden 1795, mit der Einzeichnung ausgedehnter Steinbrüche, jedoch noch keines Kalkofens südlich von Crotenlaide. Das nördlich angrenzende Herzogtum Sachsen-Altenburg ist hier nicht dargestellt.

  


Auf der Oberreit’schen Karte von Sachsen, Section Borna (oben) und Section Zwickau (unten), entstanden zwischen 1830 und 1850, ist südlich von Crotenlaide ein erster Kalkofen eingezeichnet. Auf dem südlichen Blatt wurde bereits die geplante Eisenbahnlinie rot nachgetragen.

 

In August Schumann‘s Vollständigem Staats-, Post- und Zeitungslexikon von Sachsen finden wir die Stadt Crimmitschau erst nach einigem Suchen im Band 5, Ausgabe 1818, unter „K“ wie „Krimmitschau“. Dort heißt es „Die Einwohner der Stadt nährten sich von alters her besonders vom Ackerbau und von dem Bierbrauen… Sehr alt ist hier auch das Gewerbe der Tuchmacher. Schon im J. 1452 gab es hier eine Tuchmacherinnung, welche damals, wie es scheint, zuerst in Sachsen ihre Tuche beschauen und die tüchtigen mit einem bleiernen Zeichen stempeln ließ…“ 

Über den Nachbarort Wahlen erfahren wir aus Band 12, erschienen 1825: „Wahlen, ein mäßig großes, nur gegen 20 Häuser enthaltendes, aber sich lang erstreckendes Dorf im erzgebirgischen Amte Zwickau (eigentlich im Amte Werdau) des Königreichs, gehört zur kleinern Hälfte, soweit nämlich sonst das Closter Carthause Besitzer war, unters Amt oder dessen Gerichtsstuhl zu Rudelswalde, zur größern Hälfte aber schriftsässig nach Schweinsburg; …“

Weder bei Langenreinsdorf oder Langen- Rehnsdorf, noch unter dem Stichwort Rudelswalde erfährt man aus dieser Quelle dagegen etwas über den Kalkabbau; man liest nur, daß die Bewohner dazumal zumeist Bauern gewesen sind. Die Gerichtsbücher (12613, AG Crimitschau, Nr. 116) und Unterlagen der Grundherrschaft Planitz (30771, Mr. 147) weisen dagegen zuverlässig aus, daß bereits vor 1802 ein Kalksteinbruch in Wahlen wüst gelegen hat.

G. A. Poenicke schreibt dann um die Mitte des 19. Jahrhunderts über das frühere Kloster und jetzige Rittergut Carthause bei Crimmitschau: „In dem schönsten Theile des herrlichen Pleissengrundes, eine halbe Stunde südlich von Crimmtzschau, liegt Carthause, bestehend aus fünfzehn Häusern, worunter eine Schmiede und ein Schenkhaus, das zugleich Chausseehaus ist, sowie einem ansehnlichen Rittergute mit dazugehöriger Mahlmühle, Ziegelscheune und einem Kalkofen. Die Einwohnerschaft besteht aus etwa hundertdreißig Personen…“

Beim selben Autor wird auch in der Beschreibung von Schweinsburg jetzt eine Kalkbrennerei erwähnt: „Zu dem Rittergute gehört die Fischerei in der Pleisse, die Collatur über Kirche und Schule zu Neukirchen und das Fililal Kleinbernsdorf. Es hat eine bedeutende Schäferei mit weit ausgedehnten Triften, eine Kalkhütte, bedeutende Waldung in der Harth und etwa 200 Scheffel Aussaat. Das Dorf besteht aus vierzig und einigen Wohnhäusern mit etwa 200 Bewohnern…“

  


Ausschnitt aus den Meilenblättern von Sachsen, Freiberger Exemplar, Blatt 61, entstanden 1795, mit der Einzeichnung der „Kalkhütte“ westlich (im Bild links oberhalb) von Rudelswalde, mit (zumeist rot) Nachtragungen bis 1876: Weiter talaufwärts sind ein weiterer Kalkofen und außerdem zwei Ziegeleien hinzugekommen.

 


Ausschnitt aus den Meilenblättern von Sachsen, Freiberger Exemplar, Blatt 61, entstanden 1795, mit (zumeist rot) Nachtragungen bis 1876: Zwischen Rudelswalde und Crimmitschau sind ein weiterer Kalkofen und das „Ziegel Guth“ am Stadtrand hinzugekommen.

 


Ausschnitt aus den Meilenblättern von Sachsen, Freiberger Exemplar, Blatt 61, entstanden 1795, mit (zumeist rot) Nachtragungen bis 1876: Die Ziegelscheune und der Kalkofen an der „Carthause“ sind noch mit schwarzer Tusche eingezeichnet, aber inzwischen wurde die Bahnlinie von Zwickau nach Gößnitz rot nachgetragen.

 

Auch bei Meerane finden wir in Schumann‘s Band 6 des Postlexikons, Ausgabe 1819, keinen einzigen Hinweis auf Kalkabbau und Kalkbrennerei. Grotenleithe (jetzt in dieser Schreibweise) wird überhaupt nur als in die Filialkirche zu Dennheritz eingepfarrt erwähnt. Vom Kalkbergbau ist Anfang des 19. Jahrhunderts bei Schumann in dieser Region jedenfalls keine Rede.

Dabei war, wie oben schon zu lesen stand, wenigstens seit 1768 in Crotenlaide bei Meerane ein Kalk- und Ziegelofen vorhanden (30572, Nr. 6727 und 30581, Nr. 1145). Kalk wurde in der Region also nachweislich schon im 18. Jahrhundert gebrannt; es ist aber anzunehmen, daß es auch schon viel früher geschah.

Erst A. Schiffner erwähnt 1845 in seiner „Beschreibung der sächsischen und ernestinischen Lande“ die Kalkbrennerei: „Merane, Meerana (ursprünglich Mer) unterliegt bis auf die 18 Pfarrdotalen dem jedesmaligen Directorialamte, liegt über'm rechten Ufer der Seiferitz (die unter der Stadt mit dem Mörichen zugleich dessen Namen annimmt), ¾ Meilen nordwestlich von Glauchau, an der Leipziger Straße, während die Flur durch die Leipzig- Zwickauer Hauptstraße vom Altenburgischen geschieden wird… zählte 1834 in 434 Häusern 4.172 Seelen, deren nun über 4.300 sind, und hat eine Postverwalterei, 3 Gasthöfe 2 Mühlen, 1 Ziegelei, 3 Kalköfen, 4 Färber, 5 – 6 Fabrikhandlungen, Wollzeug-, Westen-, Tuch- und Casimirweberei, eine schöne neue Schule, in der uralten und jüngst verneuten Wallfahrts- Kirche aber eine gute Orgel und sehenswerthe alte Kunstwerke…“

Bis um 1880 brannte man den Kalk in sogenannten altdeutschen Öfen, ab 1863 in Trichteröfen; der erste dieser Art in Meerane gehörte dem Chemiker Dietrich. 1886 kam schließlich der moderne Ringbrandofen der Kalkbrennerei Bachmann dazu (siehe das Kapitel weiter  unten).

  


Ausschnitt aus den Meilenblättern von Sachsen, Freiberger Exemplar, Blatt 62, entstanden 1795, mit (zumeist rot) Nachtragungen bis 1876: Jetzt sind auch im Tal bei Crotenlaide drei Kalköfen rot nachgetragen.

 

Wunder, Herbrig und Eulitz notierten 1867, daß „in der Gegend von Crimmitzschau und Meerane“ im Jahre 1864 immerhin 22 einzelne Kalksteinbrüche in Betrieb gestanden hätten. Die Produktion dieser Region habe sich 1864 auf 1.844 Ruthen Rohdolomit belaufen (zirka 19.000 t). Die Menge von 1.844 Ruthen entsprach knapp 7% der Gesamtproduktion Sachsens im selben Jahr.

Davon wurden 1.044 Ruthen gebrannt (davon wiederum aber immerhin 324 Ruthen, also ein im Vergleich zu anderen Regionen sehr hoher Anteil von zirka 31%, gewissermaßen „nebenbei“ in Brennöfen der zahlreichen Ziegeleien, während demgegenüber 17 althergebrachte, periodische Öfen und nur ein einziger Kessel- oder Schneller- Ofen ausschließlich zum Kalkbrennen genutzt wurden. Die Branntkalkproduktion in der Region belief sich 1864 auf insgesamt 65.700 Scheffel (zirka 8.500 t). Weitere 800 Ruthen seien ungebrannt zum Hüttenbetrieb sowie für chemische Zwecke verkauft worden.

 

Auf den am Ende der Gründerzeit entstandenen Äquidistantenkarten des Königreiches Sachsen kann man dann eine Vielzahl von Kalköfen finden. Wie wir in den noch etwas jüngeren, geologischen Beschreibungen oben schon lesen konnten, war die überwiegende Mehrzahl der zumeist kleinen, wohl von den Grundeigentümern selbst und nur mit minimalem technischen Aufwand betriebenen Abbaue – sicherlich schon aufgrund der recht miserablen Lagerstättenverhältnisse – spätestens bis zum Ende des 19. Jahrhunderts jedoch wieder eingegangen.

 


Ausschnitt aus der Äquidistantenkarte von Sachsen, Section Meerane, erschienen 1878. Westlich von Crimmitschau, besonders um Rudelswalde sind jetzt etliche Steinbrüche und Kalköfen („K.O.“) verzeichnet. Auch hier markieren wir zusätzlich die Ziegeleien.

 


Ausschnitt aus der Äquidistantenkarte von Sachsen, Section Meerane, erschienen 1878. Bei Wahlen sind einige kleine Steinbrüche eingezeichnet, jedoch kein einziger Kalkofen. Stattdessen sind in der Gründerzeit eine Vielzahl von Ziegeleien entstanden, die wahrscheinlich nebenbei auch Kalk gebrannt haben.

   


Auch auf diesem 1895 gedruckten Stadtplan ist der spätere Steinbruch der Königin Marienhütte noch nicht verzeichnet.  

  


Auf der Ausgabe des Meßtischblattes von 1938 sind vorallem nördlich von Langenreinsdorf noch immer einige Kalköfen, teils aber schon als „Ehem. K.O.“ bezeichnet, eingetragen.

  


Ausgabe des Meßtischblattes von 1938. Anstelle der Dolomitsteinbrüche ist östlich der Stadt Crimmitschau  jetzt der Zöffel- Park (später auch Sahn-Park) entstanden. Wenigstens vier Ziegeleien zwischen Crimmitschau und Gablenz existierten dagegen weiter.

 

Ein Exkurs am Rande: Der ursprüngliche Namensgeber des Stadtparkes, E. O. Zöffel, war Textilunternehmer in Crimmitschau. Die Familie Zöffel stammte wahrscheinlich aus dem Westerzgebirge, wo sie im 18. Jahrhundert eine Gerberei und Lohmühle betrieb (vgl. 10036, Loc. 33530, Nr. 0092). Nach der bürgerlichen Revolution von 1848 wurde gegen einen Herrn K. A. Zöffel wegen „Aufruhrs“ vor dem Königlichen Gericht zu Waldheim verhandelt (20076, Nr. 299).

Bis etwa 1890 muß der obergebirgische Familienzweig in Schneeberg ansässig, danach aber ausgestorben sein (30143, Nr. 490). In dieser Zeit wird sich E. O. Zöffel dagegen in Crimmitschau niedergelassen und dort die Tuchfabrik E. O. Zöffel OHG begründet haben.

1921 wurde daraus unter Übernahme und Fortbetrieb der bisherigen Tuchfabrik eine GmbH gebildet. Nach dem 2. Weltkrieg, Ende 1952 wurde ein Konkursverfahren, später auch ein Strafverfahren gegen die Inhaber eröffnet. 1956 erfolgte die Löschung der Firma im Handelsregister. Nachfolgebetriebe waren ab 1. Mai 1954 der VEB Tuchfabrik Crimmitschau und ab 1. Januar 1962 der VEB Volltuchwerke Crimmitschau (31199).

 

  
 
 

Zum Dolomitabbau in Wahlen bei Crimmitschau Anfang des 19. Jahrhunderts

  

In den Unterlagen der Grundherrschaft Planitz (30771, Mr. 147) haben wir gelesen, daß der vorher wüst liegende ‒ also unzweifelhaft schon ältere ‒ Kalksteinbruch in Wahlen vom Grundeigentümer, dem Bauern Johann David Hofmann auf einem Viertel- Lehngut zu Wahlen, im Jahr 1802 an den Domherrn des Merseburger Stiftes Carl Christoph von Arnim auf Planitz (*1768, †1812) verkauft wurde.

Herr von Arnim kam dazu nicht selbst, sondern schickte seinen Gerichtsdirektor August Traugott Leberecht Kretzschmar auf Planitz nach Wahlen, der am 21. Januar 1802 den Kauf tätigte. Am 25. Juni 1802 wurde der Verkauf vor dem von Berbisdorf'schen Gericht auf Schweinsburg von Amtes wegen beurkundet. Nach dieser Urkunde sowie nach der über die drei Monate später erfolgte, amtliche Ausmessung ausgestellten Urkunde (12613, AG Crimitschau, Nr. 116, Blatt 318ff) wurden damals:

  •   „1½ Mezzen Buschholzboden,

  • 10½ Mezzen wüster Kalksteinbruch und

  •   8½ Mezzen Feld“, ss. also 20,5 Flächeneinheiten.

von dem „zwei Vierthel Lehngut“ des Johann David Hofmann in Wahlen abgetrennt.

Anmerkung: Die Metze ist eigentlich ein Hohlmaß und wurde vorallem als Getreidemaß verwendet. Der Rauminhalt schwankte regional erheblich und reichte von knapp 15 bis fast 28 Litern, die entweder aus dem achten oder dem sechzehnten Teil eines Scheffels bzw. Malters resultierten (wikipedia.de). Hier wird es aber offenbar als Flächenmaß verwendet und erst auf dem Umweg über Meyers Großes Konversationslexikon war herauszufinden, das hier wohl ein Metzen Aussaat gemeint war, was (in Österreich) einem Drittel Joch Landes entsprach. In Deutschland verwandte man dagegen meist den Scheffel Aussaat als Flächenmaß.

Das Wiener Joch (bis Ende 1875 gültig) umfaßte nun eine Fläche von 1.600 Quadratklaster; was in heutigen Maßen reichlich 57,5 Ar bzw. 0,575 ha sind. Legen wir davon ein Drittel zugrunde und multiplizieren dies mit den 20,5 Einheiten, resultieren folglich knapp 4 Hektar für das angekaufte Abbaufeld.

Für diese, 1802 verkaufte Fläche war ein Preis von 300 Thalern ausgehandelt, wovon 200 sofort zu zahlen waren, der Rest an St. Michael (29. September) des laufenden Jahres. Außerdem vereinbarten die Parteien, daß jährlich 12 Groschen Beitrag zu den Erbzinsen des Gutes beizusteuern und je zwei Gulden Kalkhüttenzins jeweils zu Walburga (25. Februar) und zu Michaelis (29. September) zu entrichten waren. Dafür stimmte im Gegenzug Bauer Hofmann dem Kalkbruchbetrieb und der Kalkbrennerei ausdrücklich zu und räumte ohne weitere Entschädigung auch Wegerecht über sein Land ein.

Bei der amtlichen „Berainung“ (Absteckung) der verkauften Fläche am 28. September 1802 war dann auch der Domherr Carl Christoph von Arnim auf Planitz selbst zugegen, sowie dessen Rechtsbeistand, Herr „Gerichts Directoris“ August Traugott Leberecht Kretzschmar, natürlich auch der Verkäufer Johann David Hofmann, Bauer in Wahlen, Besitzer des Stammgutes, von dem die Fläche abgeteilt wurde, sowie die Besitzer der unmittelbar angrenzenden Fluren, die Bauern

  • Johann Michael Möckel

  • Gottfried Standen und

  • Gottlieb Freunds.

Der erste Rainstein wurde „vom sogenannten Höllgraben nach Morgen Mittag“ (Südosten) gesetzt. Daß auch alles seine Richtigkeit hatte, beurkundeten schließlich Gottlieb Streicher, Richter zu Leitelshayn, Christian Fäustel, Richter in Wahlen und Gottlieb Heymann, Gerichtsschöppe daselbst (12613, AG Crimitschau, Nr. 116, Blatt 318ff). Seitdem war die Familie von Arnim auf Planitz also im Besitz eines Kalksteinbruches in Wahlen.

  

Noch im gleichen Jahr wurde mit dem Bau eines Kalkofens und eines Wohnhauses begonnen, was bis 1803 auch alles fertig wurde und zusammen 827 Thaler und 19 Groschen kostete. Der Brennofen war auf Kohlenfeuerung ausgelegt, denn die Familie von Arnim besaß ja in Niederplanitz bei Zwickau Kohlengruben.

Noch im Jahr 1802 wurde der nagelneue Brennofen erstmals angefeuert und die ersten zwei Ofenbrände lieferten 140 Scheffel Kalk, der für 44 Thaler verkauft wurde. Für diese zwei Brände waren nach der Aufstellung des Bergmeisters Tittel aber Lohn-, Transport- und Brennmaterialkosten von über 363 Thalern entstanden.

Ob der Domherr mit diesem noch keineswegs wirtschaftlichen Ergebnis schon zufrieden war, wissen wir noch nicht.

   

Eine Beschreibung dieses Brennofens haben wir im Neuen Bergmännischen Journal und zwar im 4. Band, erschienen im Jahr 1816, gefunden. Ein Herr Lattermann steuerte diesem Band einen Aufsatz über die Verwendung der Steinkohlen bei, in welchem er unter anderem berichtete:

§.9.

„Zwar ist die gewöhnliche Gestalt der Kalköfen kubisch oder parallelepipedalisch; allein zum Brennen mit Steinkohlen müssen sie trichterförmig oder kegelförmig gestaltet seyn, so, daß unten die engere und oben die weitere Öffnung ist, und müssen so beschaffen seyn, daß man die genug gebrannten Kalksteine unten herausnehmen kann*).“  

In der Fußnote heißt es: *) Diese Art Öfen werden ,Stichöfen' genannt.

§.10.

„Zu Planitz ohnweit Zwickau wird in solchen trichterförmigen Englischen Öfen sehr viel Flözkalkstein gebrannt, und mit gutem Erfolge abgesetzt. Diesen Ofen ließ der Herr Domherr von Arnim, der Besitzer der meisten dasigen Steinkohlengruben, erbauen, und bedient sich dazu der Schieferkohle. Der Ofen ist ohngefähr 16 Fuß hoch, und in seinem größten Durchmesser 6 bis 7 Fuß weit. Er ist von Bruchsteinen, welches daselbst Thonschiefer ist, aufgeführt, und inwendig mit Backsteinen ausgefüttert. Man füllt ihn ganz voll, so dass eine Schicht zerkleinerter Steinkohlen mit einer Schicht zerschlagenem Kalksteine abwechselt...“

Der hier beschriebene Kalkofen besaß also eine Höhe von etwa 4,5 m und sein Ofenschacht einen größten Durchmesser von knapp 2 m.

Da diese Beschreibung nur wenige Jahre nach der Erbauung des Ofens in Wahlen entstand, gehen wir davon aus, daß der Verfasser nicht einen Brennofen in Planitz, sondern tatsächlich den Wahlen'er Ofen beschrieben hat und daß mit dem Flözkalkstein der Crimmitschau'er Dolomit gemeint war. Zumindest kann man mit einiger Gewißheit davon ausgehen, daß Herr von Planitz dort einen baugleichen Ofen, wie hier beschrieben, errichten ließ.

Die von dem Autoren hier angeführte Bezeichnung Stichofen ist wohl auf den Betrieb der Hüttenwerke zurückzuführen, wo man das Abziehen des flüssigen Metalls bis heute als Abstechen bezeichnet.

     


Auf dem 1831 gedruckten Blatt Lauenhain-Schweinsburg-Wahlen der Bergamtskopie der Sächsischen Meilenblätter haben wir einen möglichen Standort dieses Kalkofens im oberen Tal d
es „Höllengraben“. gefunden. Kartenquelle: Sächsisches Staatsarchiv, Bergarchiv Freiberg, Bestand 40044 (Generalrisse), Nr. 4-I164, Ausschnitt.

Link zum Digitalisat:  archiv.sachsen.de/archiv

   


Ausschnittsvergrößerung aus obiger Karte. Rechts der Kalkbruch und Ofen
am „Höllengraben“. Auch im Pleißetal bei Carthause (ganz links, mit sehr kleiner Schrift) sind noch Kalköfen verzeichnet.

  

Nach der Eintragung in einem Gerichtshandelsbuch aus dem Zeitraum 1828 bis 1840 ist der Kalksteinbruch und Kalkofen in Wahlen im Jahr 1830 von den von Arnim’s wieder verkauft worden (12613, Nr. 118). Inzwischen war nicht mehr die Familie von Berbisdorf Besitzer des Gutes Schweinsburg und deshalb heißt es in der Verkaufsurkunde:

Johann Gottlieb Lists aus Wahlen Kauf um Herrn Kammerjunker Georg Heinrich Wolf von Arnim auf Planitz und conf. sogenannten Kalkofen in Wahlen.

„Wir, die Herrlich Meinhold‘schen Gerichte zu Schweinsburg urkunden und fügen zu wissen, daß … vor uns an Gerichtsstelle allhier erschienen sind:

Herr Kammerjunker Georg Heinrich Wolf von Arnim auf Planitz,

Herr Hans Carl von Arnim auf Kriebstein,

Herr Friedrich Hennig von Arnim auf Crossen

allerseits per actorum legitimatum,

Herr Bergmeister Friedrich August Cramer aus Planitz, und Lehnträger

der Richter Johann Michael Möckel in Wahlen

Verkäufer

der Guthsbesitzer Johann Gottlieb List aus Wahlen

Käufer

und haben folgendes auch zur gerichtlichen Confirmation vorgetragen.

Es verkaufen die Herrn Arnim durch den Herrn Generalbevollmächtigten den laut Gesamtlehnschein vom 26ten Nov. 1823, Gerichtsbuch 1811, Folio 415, besitzenden sogenannten Kalkofen zu Wahlen, an Gebäuden, Feld, Holz, Kalkbruch und Zubehör, mit allen Rechten und Gerechtigkeiten, Ablassen und Beschwerden an den anwesenden Johann Gottlieb List, Wiederkaufsberechtigten und Besitzer des Stammguthes, von dem die fragliche Besitzung abgebaut ist, für

Dreihundert Thaler - -

und quittiren über den Empfang dieser ganzen Kaufsumme mit Entsagung der Ausflucht nicht baar erhaltenen Geldes wegen, der Käufer, den Kauf ietzlich acceptirt, auf Abtretung der Abgaben von dem adquiriten Besitzthum angelobet.

Da beide Theile hierauf handgebend angelobt haben, so ist im Mangel Bedenkens

Gerichtswegens

Dieser Kauf … confirmirt und Käufern, gegen Erlegung von 5 procent Lehngeld die fragliche Besitzung mit allem Zubehör (unleserlich…?). Die Herrn Verkäufer durch den Lehnträger ohne Vorbehalt die Lehn aufgelassen, im Lehn gereicht und auf dem Grund des darüber aufgenommenen Protocolls diese

Kaufurkunde

ausgefertiget, unter Gerichtssiegel vollzogen, ausgestellt und darin beglaubte Abschrift zum Gerichtsbuch de ao. 1828 Fol. 78b, genommen worden.

So geschehen im Beisein des Richters Johann Michael Möckel und des Richters Johann Friedrich Rothe, Schweinsburg, den 21ten April 1830.

Herrlich Meinhold‘sche Gerichte daselbst.“

Damit hatten die von Arnim ihren Besitz in Wahlen also wieder aufgegeben. Auch der Besitzer des Bauerngutes war nicht mehr, wie noch 1802, Johann David Hofmann, sondern inzwischen ein Johann Gottlieb List geworden. Aber da das zurückerworbene Grundstück von dem des Vorbesitzers abgetrennt worden ist, blieb das „Wiederkaufsrecht“ auch für den neuen Besitzer des Bauerngutes bestehen.

   

Als in den 1830er Jahren Albert Schiffner sein „Handbuch der Geographie, Statistik und Topographie des Königreiches Sachsen“, und zwar die „Erste Lieferung, den Zwickauer Kreisdirektionsbezirk enthaltend“, erarbeitete, erwähnte er darin unter dem Stichwort Stadt Crimmitschau (im Amt Zwickau, S. 121ff) keinen Kalkbergbau und Brennereien. Auch in den Vororten Wahlen, Schweinsburg und Langenreinsdorf erwähnte Schiffner keinen Kalkbergbau. Lediglich bei einem der umgebenden Dörfer heißt es (S. 142): „74) Rudelswalde (vom Namen Rudolf, … 1834 = 43 H., wobei 1 Schule, und 233 E.) liegt 3/8 Std. westlich von Crimmitzschau, zum Theil am Forellenbache, nächst der Altenburger Gränze, hat einen hohen Thurm, 1 kleine Mühle, 1 Kalkofen und ist seit den Bränden vor 34 Jahren grossentheils neu gebaut…“

Etwas mehr findet man in dieser Quelle zum Kalkabbau bei  Meerane.

Danach schweigen die Quellen wieder eine Zeitlang zum Abbau des Dolomits bei Crimmitschau. Aktenkundig ist dann erst wieder, daß zwischen 1890 und 1917 auf der Wahlen'er Seite der Pleiße die Königin Marien- Hütte den Dolomit als Zuschlagstoff für die Eisenhütte in Cainsdorf abgebaut hat (siehe 40024-12, Nr. 100 und 40054, Nr. 137 und nachfolgende Kapitel).

  

  
 
 

Zum Dolomitabbau in Rudelswalde bei Crimmitschau im 19. Jahrhundert

  

Westlich von Crimmitschau liegen die Dörfer Rudelswalde und Langenreinsdorf, heute Ortsteile der Stadt. Über die Anfänge der Nutzung des Plattendolomits steht in Beiträgen zur Geschichte von Rudelswalde, verfaßt vom damaligen Lehrer in der Gemeinde, Arno Fischer, im Jahr 1920, zu lesen (S. 55 ff):

Die Rudelswalder Gemeindeflur.

„Die ganze Flur der Gemeinde, einschließlich des Ortsteiles Mark Sahnau, umfaßt 473,41 ha. Der Boden, teils auf Lehm- und Kalkuntergrund, teils auf kiesiger, sandiger Unterlage gewährt durchschnittlich gute Erträge.

Der kalkhaltige Untergrund veranlaßte einige hiesige Grundstücksbesitzer schon in den Jahren 1742 bis 1744 Kalksteinbrüche und Kalkbrennereien (Kalköfen) anzulegen. (Akten des Hauptstaatsarchives: Die Kalkhütten in Rudelswalde 1742-1744, Rudelswalder Gerichtsbuch J. Blatt 525: Die Concession für Gottfried Kirchhoff in Rudelswalde zum Kalkbrennen bei der zum Gute gehörigen Kalkhütte gegen jährl. Zins von 1 Thlr., 1743) Ebenso entstanden Lehmgruben und Ziegeleien im Orte. Leider sind beide Arten des Unternehmens seit etwa 25 Jahren stillgelegt worden. Nur noch die Kies- und Sandgewinnung steht in guter Blüte.“

Bei den hier vom Lehrer Fischer angeführten Quellen aus dem Sächsischen Hauptstaatsarchiv handelt es sich vermutlich um Akten des Königl. Sächs. Finanzministeriums (10036, Loc. 33565, Rep. 32, Zwickau, Nr. 0050 und Nr. 0111), welches zu dieser Zeit in höchster Instanz über die Vergabe von Abbaukonzessionen zu entscheiden hatte, sofern sie nicht von vornherein unter die Aufsicht der Bergbehörde fielen. Demnach hatten 1743 ein Herr Löscher aus Langenreinsdorf um Konzession zum Bau einer Kalkhütte und im Jahr 1744 ein Herr Michael Große aus Rudelswalde ebenfalls um die Konzession zur Anlegung einer neuen Kalkhütte nachgesucht. Das oben außerdem angeführte Gerichtsbuch gehört sicherlich in den Bestand des späteren Amtsgerichtes Crimmitschau, aber bisher konnten wir es in der Datenbank des Sächsischen Staatsarchives noch nicht auffinden.

Auf den Ende des 18. Jahrhunderts entstandenen Meilenblättern von Sachsen ist immerhin schon eine Kalckhütte westlich der Ortslage Rudelswalde im Tal südlich der Straße nach Mannichswalde verzeichnet.

Mit seiner Angabe „seit etwa 25 Jahren...“ war Herr Fischer allerdings nicht ganz genau, denn das wäre ja noch vor der Jahrhundertwende gewesen. Wie wir gleich erfahren werden, wurde aber mindestens eines der Kalkwerke bei Rudelswalde noch bis 1908 betrieben.

    


Noch einmal ein Ausschnitt aus dem Blatt 100 des Berliner Exemplars der Meilenblätter von Sachsen. Unsere Markierungen zeigen rechts zwei Steinbrüche, in denen vermutlich schon damals Dolomit gebrochen worden ist, denn hier streicht der Plattendolomit aus. Links oben südlich der Straße nach Mannigswalde ist bereits damals eine Kalkhütte verzeichnet...

   


Ausschnittsvergrößerung aus obigem Meilenblatt. Diese Kalkhütte gab es offenbar schon vor 1795, als dieses Blatt erschienen ist.

  

Aus dem Jahr 1844 stammt dann der folgende „Concessions Schein“ für ein weiteres Kalkwerk in Langenreinsdorf (12613, AG Crimitschau, Nr. 236, Blatt 43):

Concessions- Schein.

„Das königliche Justizamt zu Werdau und das Königliche Rentamt zu Zwickau urkunden und fügen hiermit zu wissen, daß

Der Guthsbesitzer Gottfried Wolf in Langenreinsdorf

Seine Absicht, auf einem ihm zugehörigen Stücken Feld eine Kalkbrennerei anzulegen, angezeigt und um Ertheilung gnädigster Concession hierfür gebeten hat.

Bei Besichtigung des fraglichen Feldgrundstückes hat sich ergeben, daß solches in der südlichen Dorfflur gelegen ist, an den von dem oberen Dorfe nach der Werdau- Crimmitschauer Chaussee führenden Communicationsweg anstößt, im Flurbuch unter Nummer 779 aufgeführt ist und der anzulegende Kalkofen 50 Ellen von besagtem Wege und ¼ Stunde vom nächsten Gebäude seine Platz erhalten soll, daher aber gegen Anlegung einer Kalkbrennerei auf diesem Platze ein Bedenken in bau- und feuerpolizeilicher Hinsicht sich nicht herausgestellt hat.

Wenn nun von dem Königlichen Hohen Ministerium der Finanzen die gebetene Erlaubnis gegen den von dem unterzeichneten Königlichen Rentamte in Vorschlag gebrachten, mit dem Monat October 1844 praenumerando zu entrichtenden jährlichen Canon an

1 Thl. 24 Ngr.

gnädigst eingewilligt worden ist, so wird gedachtem Wolf die Erlaubnis zur Aufführung vorerwähnter Kalkbrennerei hiermit ertheilt, hierüber aber gegenwärtiger

Concessions- Schein

gehörig vollzogen ausgefertigt, und dem Langenreinsdorfer Amtshandelsbuche de ao. 1841, Folio 46, in beweisender Form einverleibt werden.

Werdau und Zwickau, den 2. November 1844.

Das Königliche Justizamt und das Königliche Rentamt daselbst.“

Ludwig Wolf    
Franz Eduard Krumbiegel    

„Mit dem Originale verglichen und für richtig befunden.“

   

Dem Familiennamen Wolf begegnen wir gleich noch wieder: Richard Robert Rothe‘s Großvater nämlich erwarb etwa um dieselbe Zeit – im Jahr 1841 – im Nachbardorf Rudelswalde ein Bauerngut von einem Johann Christian Heinrich Wolf. Ob zu diesem Bauerngut bereits damals auch schon eine Kalkbrennerei gehörte, ist in der Chronik der Familie Rothe nicht explizit erwähnt. Jedoch lagen die späteren Rothe’schen Kalkbrüche just an jenem Standort, wo schon auf den Meilenblättern eine „Kalkhütte“ verzeichnet war.

   

Über den in Rudelswalde und in den Nachbardörfern am Westufer der Pleiße früher umgegangenen Dolomitabbau haben wir in O. Herrmann's Lehrbuch der Steinbruchindustrie und Steinbruchgeologie aus dem Jahr 1899 die folgenden Angaben aus der Zeit kurz vor der Jahrhundertwende gefunden:

Bei Crimmitschau wird das durch die Thäler der Gegend zerstückelte, 3 – 5 ½ m mächtige Flötz an seinen Ausstrichen östlich vom Bahnhof jener Stadt, sowie an dem Rücken nördlich von Langenreinsdorf und bei Rudelswalde ausschließlich in Tagebrüchen abgebaut.

Da infolge der Anlage in allen Brüchen der Abraum an Mächtigkeit zunimmt, je weiter der Abbau vorwärts, in den Berg hinein, vorschreitet, so muß schließlich für jeden Bruch ein Zeitpunkt eintreten, an welchem die Beseitigung des Abraumes im Vergleich zum Ertrag zu kostspielig wird. Diese Grenze scheint bei den gegenwärtigen Absatz-, Preis- und Konkurrenzverhältnissen für die kleineren Betriebe bei 3 – 5 m, für die größeren Betriebe bei 5 – 10 m Abraum erreicht zu sein. Falls man dann nicht zum unterirdischen Betrieb übergehen will oder sich dieser nicht lohnt, ist das Ende des Bruches gekommen. Aus diesen Verhältnissen erklärt sich das Eingehen so vieler Kalksteinbrüche und das Eröffnen von neuen an benachbarten Stellen, die dann unter den jetzigen Betriebsverhältnissen ebenfalls nur eine beschränkte Lebensfähigkeit besitzen.“

Weiter heißt es dort: „Bei Rudelswalde, Langenreinsdorf und Neukirchen erfolgt das Brennen durchweg in kleinen, von Grundbesitzern oder Pächtern betriebenen Werken, von denen jedes nur ein oder zwei alte deutsche Brennöfen, die 200 – 300 hl fassen und teils mit Langfeuerung, teils – und das sind auch hier die neueren – mit Kurzfeuerung oder Stichflamme versehen sind, besitzt.

Ihre Zahl schmilzt immer mehr zusammen, da sie mit ihren primitiven und teuren Betriebseinrichtungen den Wettbewerb mit den größeren nicht aushalten können…“

    

Für das Jahr 1897 werden an gleicher Stelle aber immerhin noch die folgenden zehn, damals noch in Betrieb stehende Kleinbetriebe angeführt, und zwar:
  • Richard Robert Rothe an der Straße von Rudelswalde nach Mannigswalde,
  • Ernst Meister am Südende von Rudelswalde,
  • Donath- Franke in Neukirchen,
  • Friedrich Friedrich,
  • Julius Neumaerker,
  • Friedrich Baumgärtel,
  • Julius Kirchhof und
  • Christian Biehler, sämtlich in Langenreinsdorf, sowie
  • Emil Rehm und
  • Fr. Trombelt in Kleinhessen.

Die beiden letztgenannten besaßen jedoch nur Brennereibetriebe, in denen sie den in den Nachbarorten gebrochenen Dolomit zu Branntkalk weiterverarbeiteten. Einige der Namen, wie etwa Neumärker, Baumgärtel, Friedrich, Donath-Franke oder Kirchhof sind uns schon begegnet und auch in den Beständen des Staatsarchives zu finden ‒ leider nur eben nicht mit Unterlagen zum Dolomitabbau; andere der hier von O. Herrmann genannten Namen dagegen fanden wir bisher gar nicht. Vielleicht können uns die örtlichen Heimatforscher ja noch weiter helfen, die Lücken in unseren Kenntnissen zu schließen.

  


Hier noch einmal montierte Ausschnitte aus den Sektionen 93: Meerane- Crimmitschau (Ausgabe von 1904, oben) und 111: Zwickau- Werdau (Ausgabe von 1900, unten) der Geologischen Spezialkarten des Königreichs Sachsen. Sie illustrieren, daß auf den Höhenrücken unter jüngeren Ablagerungen der Plattendolomit (blau) von der Erosion verschont, in den Tälern dazwischen aber gänzlich abgetragen ist. An den Ausbißlinien des Dolomits, die entlang der Talhänge die Hügel umlaufen, sind hier noch zahlreiche Steinbrüche und auch mehrere Kalköfen (mit KO. bezeichnet) eingezeichnet.

    


Ausschnitt aus der 1871 erschienenen Karte des Königreiches Sachsen im Maßstab 1:100.000, Section 15: Glauchau (rechts). Nordwestlich von Rudelswalde sind hier nun schon zwei Kalköfen (K.O.) eingezeichnet, ein weiterer am Westende des Ortes nahe Karthause und auch an den Steinbrüchen östlich von Langenreinsdorf sind bei den oben schon markierten Steinbrüchen nun Kalköfen vermerkt.

    


Etwas detailreicher sind dann schon die Äquidistantenkarten von Sachsen im Maßstab 1:25.000, hier (oberer Bildteil) die Sektion 93: Meerane, Ausgabe 1878. Nordwestlich von Rudelswalde sind inzwischen drei Kalkbrenöfen eingezeichnet... Wie wir gleich lesen können, waren diese drei Brennöfen wahrscheinlich die des Kalkwerkes von Richard Robert Rothe, welches an ja
an der Straße von Rudelswalde nach Mannigswalde gelegen haben muß.

Die gleiche geographische Darstellung 30 Jahre  später.

   

Anfang des Jahres 2021 las Herr A. Molder aus Crimmitschau unseren Beitrag zur Geschichte des Dolomitbergbaus in der Region. Dies erwies sich für uns gleich in mehrfacher Hinsicht als Glücksfall, denn Herr Molder ist ein Urenkel von Richard Robert Rothe (*1857, †1918), der auch bei O. Herrmann 1897 noch als Kalkwerksbesitzer in Rudelswalde genannt wurde. Sein Urgroßvater hat über seine Lebenszeit (bis 1910) eine handschriftliche Chronik geführt, die glücklicherweise alle Kriegsjahre überlebt hat, in der Familie aufbewahrt worden ist und die sicherlich nicht nur für uns, sondern für viele Heimatforscher, nicht nur in Rudelswalde, von großem Interesse sein dürfte. Wir sind sehr dankbar, daß wir sie lesen durften und die folgenden Auszüge, die uns hinsichtlich des Dolomitabbaus und der Kalkbrennerei in Rudelswalde von besonderem montangeschichtlichem Interesse erscheinen, hier wiedergeben dürfen.

Die Familie Rothe stammte ursprünglich aus dem Dorf Lauenhain ‒ inzwischen ebenfalls ein Ortsteil von Crimmitschau ‒ wo sie sich bis ins Jahr 1675 zurückverfolgen läßt. Als erster aus der Familie wurde Christoph Rothe (*1706, †1786) in Rudelswalde ansässig. Etwa zur gleichen Zeit (1709) fanden wir auch einen Constantin Rothe als Amtmann von Schweinsburg und Crimmitschau sowie Gerichtsverwalter von Bosenhof in den Akten des Staatsarchives (30813, Nr. 374) und nur wenig später (1717) wurde ein Salomon Rothe ‒ vermutlich der Sohn des Erstgenannten ‒ zum Amtmann von Schweinsburg und Crimmitschau bestellt (30813, Nr. 375). Ob zu diesen ebenfalls verwandtschaftliche Beziehungen bestehen, wird sich freilich nur noch sehr schwer herausfinden lassen.

Jedenfalls erwarb dann drei weitere Generationen später Herr Christian Gottlieb Rothe (*1820, †1868) jenes Bauerngut mit Kalkbrennerei in Rudelswalde, über das im Folgenden ausführlich berichtet wird.

   


Der Autor der Chronik, Richard Robert Rothe (Bildmitte) und die Ehefrau Selma Rothe, geb. Zill (links im Bild), mit ihren Kindern und der Mutter und Großmutter Christliebe Rothe, geb. Schreiter (rechts im Bild). Vorn der "Nesthocker" Eugenie Wally Rothe, das 1898 letztgeborene der Kinder. Foto um 1905, aus dem Familiennachlaß, bereitgestellt von Herrn A. Molder, Crimmitschau.

   

Die Chronik beginnt mit den Worten: Ich als Niederschreiber dieser Chronik bin geboren am 2. April 1857 früh 2 Uhr, mein Vater hieß Christian Gottlieb Rothe und meine Mutter Christliebe Rothe, geborene Schreiter. Der Vater führte den Namen ,Der Kalk- Rothe' oder auch ,der Rothen's Christlieb', dies kam daher, weil der Vater neben dem Bauerngut noch eine Kalkbrennerei betrieb.

Der Vater kaufte dieses Gut im Jahre 1854 von seinem Vater, meinem Großvater, für den Preis von 4.500 Thalern, nach jetzigem Geld 14.850,- Mark. Der Großvater kaufte dieses Gut im Jahre 1841 von Johann Christian Heinrich Wolf für den Preis von 4.000 Thalern. Das Gut war an drei Viertel Lehngut, enthielt 20 Acker, 79 Quadratruthen mit 429,87 Einheiten. Die Gebäude waren schon damals sämtlich mit harter Bedachung versehen und die Stallung gewölbt.

Der Vater hatte anfänglich zum Betrieb seiner Kalkbrennerei ein Pferd und einen Ochsen, damit wurde die Kohle zu- und der Kalk abgefahren. Als Aufenthalt zum Schutz gegen Witterung für den Brenner diente ein Kastenbrett, welches vor die Feuerung gelehnt wurde. Das Brennen selbst versorgte der Vater, wobei ihn die Mutter unterstützte. Hohe Ansprüche an das Leben wurden nicht gestellt. So begannen die Eltern ihren ersten Anfang in einer armseligen Wiese. Mühevoll und nichts scheuend suchten sie sich trotz Zwischenfällen und sonstigen Heimsuchungen Bahn zu brechen auf dem Weg des Vorwärtskommens.

Die erste Tochter Wilhelmine Rothe wurde im Jahr 1854 geboren... Als viertes Kind kam ich an die Reihe, nach mit folgten noch drei Knaben und zwei Mädchen, welche aber alle fünf im 1.Geburtsjahr starben...“

Einer Eintragung im Kundenbuch (siehe weiter unten) zufolge handelte es sich bei dem Stammgut der Familie in Rudelswalde um das unter der damaligen Nummer 26 im Flurbuch eingetragene Grundstück. 1888 wurde es auf einen Wert von 30.000,- Mark taxiert.

Der folgende Abschnitt der Chronik widmet sich einem 1858/1859 in Rudelswalde gegründeten  Kohlenbohrverein, auf den wir aber erst weiter unten in entsprechendem Zusammenhang eingehen wollen.

  


Das Rothe'sche Bauerngut im Ort auf einem Aquarell aus dem Jahr 1946, aus dem Familiennachlaß, bereitgestellt von Herrn A. Molder, Crimmitschau.

   


Ausschnitt aus einer Flurkarte im Maßstab 1:5.000 aus dem Jahr 1936. Die Flurstücksnummer 26 ist zwar hier nicht zu finden, jedoch die kleinen Teiche mitten im Ort, die auch auf dem Aquarell oben zu sehen sind. Vermutlich stand der Rothe'sche Bauernhof zu dieser Zeit auf dem hier mit der Nummer 28 versehenen Flurstück, laut Geoportal.Sachsen heute die Hausnummer 79 in der Westbergstraße.

    

Lesen wir weiter in der Rothe'schen Chronik: Die Wirtschaftsjahre der Eltern gingen langsam, aber stetig vorwärts. Der Vater erbaute zuerst im Jahr 1856 eine kleine Hütte mit Wohnung und auch einen zweiten Kalkofen und betrieb auch einen kleinen Kohlenhandel. Im Jahre 1860 baute der Vater eine Kohlenniederlage und zwei Jahre später, 1862, kaufte er die zum Abbruch kommende Bohrhütte (des o. g. Kohlenbohrvereins) und richtete sich im Jahr 1863 mit Kohlenniederlage, Wohnhaus und Pferdestall ein. Brunnen und ein guter Keller waren mit vorhanden. Als erster Kalkbrenner war Michel Ginnold von hier tätig. Im Hause selbst betrieb man Bier- und Schnapsausschank, wo auch ich als 10jähriger Junge einmal den Oberkellner machte und beim Auswaschen der Gläser die Neigen austrank, so daß ich in kurzer Zeit meine Stellung nicht mehr behaupten konnte und mich ... in die elterliche Wohnung zurückzog, wo ich von Mutter meine Schelte bekam.

Später, im Jahr 1866, baute der Vater noch eine hohe Esse und einen dritten Kalkofen. Das Geschäft hatte sich mehr und mehr ausgedehnt und mit großen Entbehrungen mancher Geselligkeiten arbeitete man Tag und Nacht. Der Kalk wurde per Wagen nach Zwickau, Glauchau etc. gefahren und auch die Kohlen wurden so per Wagen von Zwickau mitgebracht. Der Vater hatte schon zu dieser Zeit vier Pferde...“

Diese drei Kalköfen sind auf der Karte aus dem Jahr 1878 oben, westlich von Rudelswalde und südlich der Straße nach Mannigswalde, eingezeichnet.

Die Steine wurden auf dem Grundstück gewonnen. Bruch 1 auf dem so genannten ,Auberg' waren schöne Steine, mußte aber ‒ weil zuviel Abraum, d. h. viel Oberschicht ‒ eingestellt werden. Dies geschah im Jahr 1869. Bruch 2 war auf dem Grundstück von der ,Seute' nach dem ,Sahn' zu, wo heute noch die Stellen zu sehen sind. Als Steinbrecher waren tätig auf Bruch 1 ein gewisser Becker, Friedrich, ein Schlesier. Auf Bruch 2 Christian Schmidt und sein Sohn Traugottt Schmidt. Ein weiterer Bruch wurde eröffnet, später hinten nach Mark Sanau zu neben Zill's Holz ‒ in diesem arbeiteten Friedrich Scheuberg und David Liebold, später Christian Bachmann, sämtlich aus Mannichswalde. Das Kalkgeschäft ging schon damals ziemlich flott.

Der Scheffel kostete ab Kalkofen 14 und 15 Neugroschen. Die Kohlen kosteten ab Zwickau der Karren gute Schacht- Rußkohle 1 Thaler, 5 Neugroschen. Verkauft wurden die Kohlen, der Kübel mit 12 Neugroschen. 8 Kübel waren gleich einem Karren. Die Geschirre luden nicht mehr wie 3 bis 3,5 Karren und dabei erhielt der Geschirrführer als Zugabe einen Sack Kohlen für sich oder zum Weiterverkauf...“

   

Es folgen Beschreibungen der Kriegsjahre 1866 bis 1868 mit Einquartierungen auch in Rudelswalde und Bemerkungen zur Gründung des Norddeutschen Bundes unter Führung Preußens, Kaiser Wilhelm, I. und den ersten Reichstag unter Leitung von Otto von Bismark. Im Februar 1868 verstarb Richard Robert's Vater. Dazu schrieb er in seiner Chronik nieder: Bestürzung und Sorgen brachten die Mutter fast zum Verzweifeln, zumal die Kinder noch unmündig waren. Es fanden sich aber Männer, die Trost zusprachen und Gott im Himmel gab Mut und Kraft, daß die Mutter sich bald beruhigt hatte und das Gut mit Kalkbrennerei selbst übernahm...“

Am 24. April 1868 wurde vom Beamten Eduard Beger des Gerichtsamtes der Erbschein ausgestellt und die Vererbung am Folgetag in das Grund- und Hypothekenbuch für Rudelswalde, Blatt 103b und folgendes, eingetragen. Dazu war eine Taxation des Wertes der Erbmasse erforderlich, die durch den hierzu amtlich bestellten Gerichtsschätzer, David Leuthold aus Rudelwalde, vorgenommen wurde. Diese Taxation ist im Familienarchiv erhalten geblieben und Herr Leuthold bewertete darin zunächst das Bauerngut und schließlich auch die Kalksteinbrüche und Brennöfen wie folgt:

Die landwirtschaftlichen Grundstücke, nach der Landesvermessung 20 Acker, 79 Quadratruthen groß, mit Ausschluß einiger kleinen sumpfigen Wiesengrundstücke, von mittel guter Qualität, jedoch einigermaßen im Werthe geschädigt durch große Löcher, die zu Gewinnung von Kalksteinen darin gegraben sind.

An der Mannichswalder Straße, welche diese Grundstücke durchschneidet, befindet sich ein zum Gute gehöriges Kalkofenetablissement, bestehend aus drei im Betrieb befindlichen Kalköfen und einem Hause, in dessen Parterre sich eine Stube mit Kammer und ein Pferdestall, im oberen Stock die Wohnung des Zieglers befinden.

Der Sachverständige, zu ungefährer Taxation dieser Grundstücke aufgefordert, würdigte dieselben auf

9.180 Thaler,

zu welcher Taxe er dadurch gelangte, daß er die Gutsgebäude auf 2.180 Thaler, als wie hoch solche in der Landes- Immobilien- und Brandversicherungsanstalt versichert sind, das Kalkofenetablissement auf 1.000 Thaler, die Felder und Wiesen auf 6.000 Thaler würdigte...

Der Brennereibetrieb allein ‒ die eigenen Rohstoffvorräte auf den eher nicht werthaltigen, kleinen sumpfigen Wiesen blieben dabei unbeachtet ‒ machte damals nach der Bewertung des Sachverständigen also knapp 11 % des Immobilienwertes des Bauerngutes oder etwas weniger als ein Drittel der Wertsumme sämtlicher zugehöriger Baulichkeiten aus.

Der Berechnung der Aktiva und Passiva in der Taxation ist ferner zu entnehmen, daß die Witwe auch 1.535 Thaler an Geschäftsaußenständen“ ‒ rund die Hälfte der verfügbaren Geldmittel bestanden also aus noch einzufordernden Rechnungen ‒ zu verkraften hatte. Sorgen und Verzweiflung waren also wahrlich nicht unbegründet...

  

Zurück zur Rothe'schen Chronik: Die Mutter übernahm das Gut für 10.000 Thaler. Wir Kinder erhielten je für zwei einen Vormund... Die Mutter betrieb das Geschäft weiter und wurde damals von ihrem Bruder Wilhelm Schreiter, welcher als Knecht hier diente, unterstützt. Wir Kinder wurden auch größer und vernünftiger. Die älteste Schwester Wilhelmine konnte schon die ganze Buchführung verwalten. Ich selbst besuchte auf eigene Veranlassung von Ostern 1868 an die erste mittlere Bürgerschule zu Crimmitschau...

Bald richtete sich das Geschäft so wieder ein wie früher. Die alten Arbeiter blieben fast alle in ihrer Stellung. Als Kalkbrenner wurde Robert Busch bei mir tätig. Das Geschäft ging flott und der Verdienst war auch kein schlechter. Sommer wie Winter wurde gebrannt...

Letzteres erscheint uns recht ungewöhnlich: Gerade in den bäuerlichen Nebenerwerbs- Betrieben wurde gewöhnlich im Sommer das Gut bewirtschaftet und nur im Winter Kalk auf Vorrat gebrochen, der dann im Frühjahr ‒ zur Zeit des besten Absatzes ‒ gebrannt wurde. Aber dazu verraten uns zwei erhalten gebliebene Kassenbücher der Kalkbrennerei aus den Jahren 1900 und 1905 später noch mehr.

   

Einmal angefangen, kann man die Lektüre dieser sehr persönlichen Erinnerungen einfach nicht zur Seite legen: „Nach Vaters Tod glaubten andere, auch en Geschäft machen zu können. Zuerst baute der Gutsbesitzer Karl Künzel zwei Kalköfen. Dann auch Gutsbesitzer Christoph Zill einen Kalkofen. Eine Konkurrenz machten sie uns aber damit nicht. Das Hauptgeschäft fiel immer auf uns. Die Preise waren auch nicht zurückgegangen. Der Scheffel Kalk kostete immer noch 15 Neugroschen. Die Kohlen waren auch nicht teurer geworden und so versprachen schon die ersten Jahre ein Bestehen der Wirtschaft durch die Mutter eine gute Rente...“

Das Jahr 1870 brachte den Deutsch- Französischen Krieg, den Bauern eine schwere Mißernte und einen strengen Winter mit Temperaturen unter -20°. Mit der Gründung des Deutschen Reiches unter Wilhelm, I. sowie den Reparationszahlungen Frankreichs an Deutschland begann im Folgejahr 1871 die Gründerzeit. Darüber schrieb Robert Rothe nieder: Von dieser Zeit an begann in allen deutschen Städten eine Zeit des Aufschwungs. Handel und Industrie gingen wie nie zuvor. Arbeiter aller Art verdienten sehr viel Geld, während Betriebsunternehmer es in kürzester Zeit zu reichen Leuten gebracht hatten. Manche aber... sind bettelarm geworden. Auch die Landwirtschaft hatte an Aufschwung gewonnen...

Kurz nach meiner Schulentlassung mußte ich ein Paar Pferde mit übernehmen und da das Geschäft sehr flott ging, fuhren wir fast täglich mit Kalk nach Zwickau, mußten aber auch die Kohlen mit herunter nehmen. Es wurde immer frühzeitig um 3 Uhr, später um 4 Uhr weggefahren... Hielt man sich nun recht dazu und die Vorspannung in Mosel war sogleich zur Stelle, so konnte man im günstigsten Fall abends 8 Uhr im Stall sein !

So ging es fort, Tag für Tag und Woche für Woche... Außerdem mußte ich noch... die ganze Feldwirtschaft mit versorgen.

Außer unseren Kalköfen waren noch vorhanden und wurden flott betrieben die Ziegeleien von Lannius in Crimmitschau, früher unserem Großvater gehörend. Lannius war ein Schwager von meinem Vater und hatte die Ziegelei vom Großvater käuflich übernommen. Auch die Ziegelei von Gottlieb Lenke, später August Lenke und die Ziegelei von Schuh, Heinrich. Dieser starb aber schon im Jahr 1868.“

Wie u. a. auch in unserem Kapitel zur Geologie schon zu lesen stand, haben auch die umliegenden Ziegeleien oftmals Kalk in ihren Brennöfen gebrannt.

  

Im Jahr 1873 ging das Kalkgewerbe sehr gut und der Preis war auch gut. 16 Neugroschen ab Kalkhütte, bis Zwickau und Glauchau 20 Neugroschen per Scheffel. Der meiste Kalk wurde nach dem Brückenhausschacht Zwickau gefahren, wo ein dritter, vierter und fünfter Schacht gebaut wurde. Die Kohlen wurden ebenfalls mit Geschirr von Zwickau mit herunter genommen.

Auch in der Wirtschaft (der bäuerlichen) hatten wir in diesem Jahr wenig Verlust erlitten, so daß am Ende des Jahres ein kleiner Reingewinn erzielt werden konnte...

Anfang 1874 wurde meine große Schwester Wilhelmine Rothe mit dem Sohn des Gutsbesitzers Linus Zill von hier getraut. Derselbe kaufte später ein Bauerngut von 50 Morgen in Friedmannsdorf, Kulmitzsch. Sie zogen im April 1875 nach Friedmannsdorf... Die Schwester hatte zuhause die Geschäftsbücher geführt, die ich nun selbst übernahm. Ich konnte die Eintragungen aber nur sonntags vornehmen, weil ich in der Woche tagtäglich mit den Pferden nach Zwickau und Glauchau fahren mußte. Die Kohlen kamen zum großen Teil jetzt mit der Bahn, da das Abfahren vom Werk nicht mehr lohnte...“

Nach seinem Militärdienst heiratete Richard Robert Rothe 1880 die einzige Tochter des Gutsbesitzers Christoph Zill aus Rudelswalde, Selma Zill: In ganz einfacher Weise ließ ich mich gleich nach dem Frühgottesdienst trauen... Von der ganzen Hochzeit war nichts zu sehen, denn meine Frau mußte gleich wieder nach der Kirche in den Stall gehen, um das Vieh zu versorgen. Zu Mittag gab es Nudeln mit Rindfleisch... Bier gab es bei dieser einfachen Festlichkeit nicht. Der Männergesangsverein brachte uns trotzdem ein Ständchen, hierfür gab ich ihnen später ein Faß Bier...

Ich blieb bei meiner Mutter und leitete die ganze Wirtschaft sowie auch das Geschäft, während meine Frau bei ihrem Vater die Wirtschaft versorgte... Im Jahr 1884 zog meine Frau zu mir. Am 1. März 1884 übernahm ich die ganze Wirtschaft und das Kalkgeschäft in eigener Selbstverwaltung. Schon im ersten Jahr mußte ich einen neuen Kalkofen bauen. Die Baukosten beliefen sich auf ca. 700,- Mark. Weiter mußte ich mich, da ich nur vier ältere Pferde hatte, mit dem Pferdehandel befassen...

Das Kalkgeschäft betrieb ich sehr flott. Die Geschirre mußten früh, täglich nach Zwickau und Glauchau, wo ich die größte Kundschaft hatte, fahren. Öfter kam es vor, daß die Geschirre an einem Tag nach Zwickau und nach Glauchau zu fahren hatten. Es wurde dann immer frühzeitig, noch früher als 4 Uhr, abgefahren... Auch fuhren wir Kalk mit dem Geschirr nach Remse, Waldenburg, auch nach Wilkau- Haßlau usw. ... Zum Kohle- und Kalkfahren mußte ich außer meinen Geschirren noch Lohngespanne nehmen, z. B. fuhren Hauschild, Neumerkel, Leuthold sowie (Rothe's Nachbar) Lenke öfter mit.

Das Geschäft in den Jahren 1885/1886 ging sehr flott. Ich machte mit drei Kalköfen jährlich 44 Brände, so daß eine Summe von über 11.000 Scheffeln Kalk pro Jahr erzielt wurde. Als Kalkbrenner war Karl Bauer tätig, derselbe bekam wöchentlich bei freier Wohnung und Feuerung 18,- Mark für Tag- und Nachtschicht...

Der Brennmeister bekam damals also noch einen Zeitlohn.

  

Hier haben wir nun aber auch einmal eine Angabe, wieviel ein solcher Betrieb (und es steht nach den eben gelesenen Beschreibungen ja zu vermuten, daß die übrigen in der Region eher noch kleinere Betriebe gewesen sind) eigentlich pro Jahr produzierte. Nehmen wir einmal an, daß alle drei Öfen ständig sukzessive in Betrieb waren, so wäre jeder Ofen also im Schnitt 15 bis 16 mal pro Jahr angefeuert worden und das Beschicken, Befeuern und Abkühlen des Ofens und das Austragen des fertigen Branntkalkes würde demnach pro Brand etwa 3 bis 3½ Wochen in Anspruch genommen haben. Sehr wahrscheinlich aber hat auch Herr Rothe saisonal mal mehr oder mal weniger Absatz gehabt und bei starker Nachfrage alle drei Öfen, bei geringerer Nachfrage nur einen oder zwei in Betrieb gesetzt.

Zeitgenössischen Quellen zufolge hat ein Brand in einem solchen Brennofen nämlich nur etwa eine Woche erfordert. Die üblichen Brennöfen diesen Typs faßten um die 250 hl Rohkalk, respektive bis zu 25 Kubikmeter, nur selten waren noch größere Öfen mit bis zu 500 hl Fassungsvermögen. Eine Produktionsmenge von 11.000 Scheffeln würde folglich tatsächlich genau 44 Brände erfordern.

Der zu dieser Zeit übliche Dresdner Scheffel hielt etwa 107 Liter Rauminhalt, das entspricht also etwas mehr als ein Hektoliter oder rund 0,1 m³ gebrannten Kalks. (Anmerkung: Da es auf den Kalkwerken üblich war, das Raummaß gehäuft zu verkaufen, weil zwischen den Stücken der gebrannten Kalks natürlich ziemlich viele Lücken blieben, verwenden wir bei unseren Umrechnungen in heute übliche Maße und Gewichte immer dieses Volumenmaß, auch wenn es zeitgleich eine Unzahl verschiedener Scheffelmaße für unterschiedliche Güter gegeben hat.)

Rechnen wir es also damit genauer um, so erzeugte das Rothe'sche Kalkwerk in den 1880er Jahren also zirka 1.175 m³ oder ‒ je nach Stückgröße und Schüttdichte ‒ zwischen 1.030 t und 1.410 t Branntkalk. Um diese Menge (verlustfrei) zu erzeugen, hätte R. Rothe wenigstens 2.000 t bis 2.800 t Rohdolomit jährlich brechen müssen. Letzteres entspräche, bei einer Dichte des kompakten Dolomits von bis zu 2,8 t/m³, gerade einem abgebauten Volumen von 1.000 m³ pro Jahr. Bei einer hoch angenommenen Flözmächtigkeit von 5 m müßte er folglich wenigstens 200 m² Flözfläche pro Jahr abbauen.

Das summiert sich natürlich über die Zeit recht schnell und erklärt, warum der ‒ gewöhnlich ja an die Grenzen der Güter gebundene ‒ Abbau in diesen privaten Steinbruchbetrieben oftmals nur so kurze Lebensdauer hatte.

Auch R. Rothe kaufte 1888 deshalb das Bauerngut von Franz Schenk in Langenreinsdorf hinzu. Wie uns seine Chronik verrät, war dasselbe gebäudemäßig zwar liederlich, aber der Grund und Boden umso besser, auch war ein ausreichendes Kalklager vorhanden...“

Nach einer Eintragung im Kundenbuch (siehe weiter unten) handelte es sich dabei um das Flurstück mit der damaligen Flurbuchnummer 96. Es umfaßte eine Fläche von 9 Acker und 10 Quadratruthen und kostete 21.000,- Mark (Blatt 4 des Kundenbuches). Auf der oben schon gezeigten Flurkarte im Maßstab 1:5.000 von Crimmitschau aus dem Jahr 1936 haben wir leider diese Flurstücksnummer nicht finden können ‒ nach dem Lauf der Nummern könnte es aber im Südwesten von Langenreinsdorf gelegen haben. Durch die Eingemeindungen der Landgemeinden nach Crimmitschau haben sich die heutigen Flurstücksnummern demgegenüber völlig verändert.

Das Gut selbst verpachtete R. Rothe allerdings; zunächst „an den jungen Schenk,“ aber weil der wohl noch zu jung und unerfahren war und die Pacht nicht aufbringen konnte, dann nur ein halbes Jahr später an Julius Gold.

   

Den Dolomitabbau hingegen betrieb er selbst: Die Gewinnung von Kalkstein wurde von mir flott betrieben, es waren immer 2 bis 3 Steinbrecher beschäftigt. Die Steine fuhren zum Teil ich selbst, sowie auch (der Schwager) Vollstädt aus Crimmitschau. Außerdem ließ ich einen Kanal legen, da im Bruch sehr viel Wasser vorhanden war. Die gesamten Kosten dieser Baumaßnahme betrugen 187,22 Mark...

Im Jahr 1892 war ein flotter Geschäftsgang im Kalkgeschäft zu verzeichnen; aber die auswärtige Konkurrenz hatte die Preise herabgedrückt, während die Arbeitslöhne teurer wurden, so daß nur ein ganz geringer Verdienst verblieb. Zumal auch noch durch das Reichsgesetz vom 5. Mai 1886, betreffs der Kranken- und Unfallversicherung, deren Kosten ich mit zu tragen hatte, sowie der Steinbruchs- Berufsgenossenschaft, welche, nach Gefahren taxiert, alljährlich höhere Beiträge erhoben, so daß ich mit 3 bis 4 Arbeitern jährlich 100,- Mark und mehr zu zahlen hatte...“

Auch im Jahr 1893 ging das Geschäft ohne wesentliche Verluste rüstig weiter. Der Kalk wurde nun wie früher zum größten Teil selbst abgefahren nach Zwickau, Glauchau und Crimmitschau. Trotzdem die Preise für Rohmaterialien, Steine, Kohlen etc. sowie die Arbeitslöhne immer höher wurden, gingen die Preise für Kalk mehr und mehr zurück, so daß der Verdienst immer weniger wurde.

Im Jahr 1896 trat bei uns im Kalkgeschäft ein Wechsel ein. Der alte Kalkbrenner wurde abgelohnt und an seine Stelle kam der Brenner Emil Hering aus Gera, der zunächst freie Wohnung und Feuerung erhielt. Außerdem bekam er für jeden Brand 21,- Mark und erhielt noch einen Teil Kartoffelfeld, sowie einige Gartenbeete am Haus..

Vom festen Wochenlohn für den Brennmeister wurde auch hier nun zu einem Stücklohn ‒ pro Brand, respektive für eine erzeugte Kalkmenge ‒ übergegangen.

Auch für dieses und die folgenden Jahre beklagt der Chronist aber trotz guten Absatzes steigende Kosten bei fallenden Erträgen aus der Kalkbrennerei.

  

Im Jahr 1901 wurde mit Herrn Jung aus Gera wieder ein neuer Kalkbrenner eingestellt. Über das Folgejahr heißt es in der Chronik: 1902 ging das Kalkgeschäft ziemlich gut doch die Preise waren sehr niedrig und ich hielt mich etwas zurück. In Zwickau und Glauchau hatte ich schon Kundschaft aufgegeben...“

1903 notierte er: Die Kalkbrennerei wurde nur noch wenig genutzt.“

Und zum Jahr 1905 war erwähnenswert: 1905 war ein Jubeljahr für unser Haus, denn am 11. April feierten wir die Silberne Hochzeit... Ich und meine Frau machten... eine Hochzeitsreise nach Dresden und in die Sächsische Schweiz...“

Der Absatz schließt mit dem Satz: „Die Kalkbrennerei ging mehr und mehr zurück.“

Aus dem Zeitraum von Ende 1900 bis 1905 gibt es im Familienarchiv noch ein Abrechnungsbuch des Kalkwerkes. Anfangs dieses Zeitraumes belieferte Herr Rothe nach diesem immerhin noch etwa 20 bis 30 Kunden, u. a. verschiedene Maurermeister und Baubetriebe in der Umgebung, mit Bau- und Weißkalk.

  


Der Einband des Kundenregisters von R. R. Rothe aus dem Jahr 1900,
aus dem Familiennachlaß, bereitgestellt von Herrn A. Molder, Crimmitschau.

  


Schlagen wir es auf: Faksimile einer Doppelseite aus dem Kassenbuch.

   

Eine solch detaillierte Abrechnung bekommt man nur ganz selten in der Hand. Da die Kalkwerke bei Crimmitschau ‒ außer dem der Königin Marienhütte in Wahlen am Ostufer der Pleiße ‒ zu dieser Zeit stets im Tagebau und nie bergmännisch (untertägig) abgebaut haben, wurden sie in den Statistiken der Jahrbücher des Berg- und Hüttenwesens im Königreich Sachsen zu den gewerblichen Gruben ja nie beachtet.

Natürlich interessieren wir uns deshalb sehr dafür, wie eigentlich die wirtschaftlichen Daten einer solchen, nicht sehr großen und privat im Nebengewerbe betriebenen Kalkbrennerei ausgesehen haben. Die Auswertung der umfangreichen Angaben hat einige Wochenenden in Anspruch genommen, aber die Zeit haben wir gern investiert; sind doch die Ergebnisse so interessant und in dieser Detailliertheit wohl nahezu einzigartig und gehören deshalb ganz unbedingt zu diesem Beitrag dazu.

Der in diesem Buch dokumentierte Zeitraum fällt nun gerade in die Zeit des Endes der Verarbeitung des Plattendolomits zu Branntkalk bei Crimmitschau. Dementsprechend ist es nicht verwunderlich, daß auch anhand der enthaltenen Zahlen dieser allmähliche Niedergang dokumentiert ist.

 

Die Eintragungen in diesem Buch sind nach den jeweils in der Kopfzeile vermerkten Kunden geordnet. Aus diesem Grund ist es eigentlich eine Art Abrechnungsbuch für regelmäßig immer wiederkehrende Kunden und wir werden es daher Kundenregister nennen ‒ zumal im Ergebnis weiterer Nachsuche noch ein zweites Kassenbuch aufgetaucht ist... Doch dazu später im Text.

Auf der linken Seite sind im Kundenregister jeweils die gelieferten Mengen notiert, auf der rechten Seite der Zahlungseingang. War eine Doppelseite voll, gab es manchmal noch eine weitere für denselben Kunden weiter hinten im Buch.

Die insgesamt 94 Seiten des Abrechnungsbuches benennen uns für die Jahre 1900 bis 1911 die folgenden Abnehmer des gebrannten Kalks. Wir führen sie zunächst einmal ungeordnet so auf, wie sie der Reihe nach auch im Kundenregister enthalten sind:

  • die Gaswerke in Zwickau (Blatt 2),

  • der Erzgebirgischen Steinkohlen- Aktienverein zu Zwickau- Schedewitz (Blatt 5 und 82),

  • Herrn Fr. Chr. Fikenntscher*) in Zwickau (Blatt 6),

  • Herrn Paulus Kramer, später Paul. Kramer & Comp., Baugeschäft, Crimmitschau (Blatt 7 und 70),

  • Herrn Franz Friedrich, ebenfalls Baumeister in Crimmitschau (Blatt 8 und 81),

  • Herrn Franz Wolf, Baumeister in Zwickau (Blatt 10),

  • Herrn Volkmar Döring, Baumeister, Crimmitschau (Blatt 11 und 83),

  • die Herren Gebr. Bräutigam, Baumeister, Crimmitschau (Blatt 12 und 65),

  • Herrn Arno Mummert, Brauerei Crimmitschau (Blatt 13), sowie

  • Herrn Oswald Mummert, Rittergut Carthause (Blatt 40), und die

  • Vereinsbrauerei Grünberg (Blatt 50), und noch eine:

  • Herrn Oscar Wagner, Brauerei Jonaswalde, (Blatt 53), dann auch der

  • Bauhof der Stadtgemeinde Zwickau (Blatt 15),

  • Herrn A. L. Thomas, Baumeister (Blatt 16),

  • Herrn Anton Schulze, Baumeister, Thonhausen (Blatt 17),

  • Herrn Hermann Zill, Gutsbesitzer, Lauenhain (Blatt 47),

  • Herrn Albert Zill, Rudelswalde (Blatt 26),

  • Herrn Ferd. Zill, Feldschlößchen, allhier (Blatt 18), die Familie Zill ist uns als Nachbarn und Schwiegerleute der Rothe's aus Rudelswalde bereits bekannt und die spätere Gaststätte Feldschlößchen war das westlichste Gehöft in Rudelswalde,

  • Herrn Wolf Müller, Baumeister Crimmitschau (Blatt 19),

  • Herrn Albin Hoffmann, Baumeister, Neukirchen (Blatt 20),

  • Herrn Albin Schwalbe, Baumeister, Crimmitschau (Blatt 21),

  • Herrn Hermann Schubert, Baugeschäft, Eckersbach (Blatt 22),

  • Herrn Louis Fritsche, Baugeschäft, Mannichswalde (Blatt 23),

  • Herrn Hans Münch, Färber, Blankenhain (Blatt 24),

  • Herrn Moritz Wallrath, Baumeister, Zwickau (Blatt 27),

  • Herrn Julius Neumärker, Langenreinsdorf (Blatt 28),

  • Herrn Theodor Pilz, Bahnunternehmer, Crimmitschau (Blatt 32),

  • Herrn Gustav Wolf, Zimmermeister, Crimmmitschau (Blatt 35),

  • Herrn Emil Birkner, Baumeister, Crimmitschau (Blatt 36),

  • Herrn M. Arnold, Rittergut Mannichswalde (Blatt 37),

  • Herrn Louis Mehlhorn, Vollmershain (Blatt 38), auch diesen Familiennamen gibt es noch einmal:

  • Herrn Richard Mehlhorn, Händler, Crimmitschau (Blatt 51),

  • Herrn Arno Klotz, Baumeister, Grünberg (Blatt 39),

  • Herrn Klaus Theilig, Neukirchen (Blatt 40),

  • Herrn Louis Knorr, Zimmermeister, Wettelswalde (Blatt 41),

  • Herrn Schädel, Gutsbesitzer, Thonhausen (Blatt 42),

  • Herrn Eduard Köhler, Dachdeckermeister, Crimmitschau (Blatt 43),

  • Herrn Paul Pippig, Fahrradfabrik Crimmitschau (Blatt 44),

  • Herrn Emil Schönfeld, Crimmitschau (Blatt 45),

  • Herrn Ernst Seifert, Gastwirt, Neukirchen (Blatt 46),

  • Herrn Max Molder, Baumeister, Gablenz (So steht es im Kassenbuch, Blatt 48, er war aber Zimmerermeister und außerdem der Urgroßvater väterlicherseits von Herrn A. Molder),

  • Herrn Adolf Müller, Baumeister, Crimmitschau (Blatt 52 und 79),

  • Herrn Hermann Leutzsch, Thonhausen (Blatt 54),

  • Herrn Iwan Kahlert, Gutsbesitzer, Heyersdorf (Blatt 55),

  • Herrn Hühnerfürst, Dachdeckermeister, Crimmitschau (Blatt 56),

  • Herrn Anton Schulze, Baumeister, Thonhausen (Blatt 57),

  • Herrn Martin Köhler, Wettelswalde (Blatt 58),

  • Herrn Adolf Müller, Baumeister, Crimmitschau (Blatt 61),

  • Herrn Gustav Vetterlein, Crimmitschau (Blatt 64),

  • Herrn Edward Meister, Gutsbesitzer, Jonaswalde (Blatt 66),

  • Herrn Hermann Metzner, Gutsbesitzer, Rudelswalde (Blatt 67),

  • Herrn Albin Bachmann, Thonhausen (Blatt 68),

  • Herrn Richard Hauschild, Gutsbesitzer, Rudelswalde (Blatt 69),

  • Herrn Gottl. Lindner, Crimmitschau (Blatt 71),

  • Herrn Hermann Donath, Crimmitschau (Blatt 72),

  • Herrn William Hößelbarth, Gutsbesitzer, Heyersdorf (Blatt 73),

  • die Herren Schulze & Platzner, Thonhausen (Blatt 75),

  • Herrn Albin Friedel, Gutsbesitzer, Heyersdorf (Blatt 80),

  • Herrn Paul Jllgen, Crimmitschau (Blatt 84),

  • Herrn Robert Reichardt, Schiedel (Blatt 85).

Die Angaben für die vorausgegangenen Jahre sind leider nur exemplarisch angerissen (etwa einige Zahlungseingänge im Jahr 1901 für Lieferungen, die schon im Jahr 1900 erfolgt sind). Ganz gewiß gab es zu diesem, erhalten gebliebenen Kundenregister noch weitere Vorgänger, in denen Kundennamen und Kalklieferungen aus den Jahren vor 1900 sowie weitere im Jahr 1901 belieferte Kunden erfaßt sind, denn es wäre sonst auch unerklärlich, warum die Zahl der belieferten Kunden von 1901 auf 1902 zunächst angestiegen sein sollte. Leider sind die älteren Kassenbücher aber nicht auch auf unsere Zeiten überkommen.

*) Anmerkung zu dem Namen Fikenntscher: Insbesondere das schwungvoll geschriebene Initial dieses Namens war für uns nicht auf Anhieb eindeutig zu lesen und Herr Rothe hat ihn, so wie hier wiedergegeben, auch mit doppeltem ,N' geschrieben. Herr A. Molder machte uns dankenswerterweise auf unseren Fehler aufmerksam und zugleich auf die Steinzeug- und Tonwarenfabrik Fr. Chr. Fikentscher GmbH in Zwickau. Nach Angaben in einer Preisliste dieses Unternehmens aus dem Jahr 1914 handelte es sich dabei um einen ziemlich großen Betrieb, der damals 360 Arbeiter beschäftigte, der über 71 Brennöfen mit überschlagender Flamme, 1 Kanalofen, System Bock, 3 Dampfkessel, 2 Dampfmaschinen und 4 elektrische Generatoren“ verfügte und der allein rund 5 Millionen Stück Mauerziegel pro Jahr produzierte. Da Herr Fikentscher nur im Jahr 1901, dafür jedoch über dieses Jahr verteilt 17 Lieferungen mit insgesamt über 45 t Branntkalk bei R. Rothe kaufte, wurde der aus dem Plattendolomit erzeugte, Magnesiumoxyd enthaltende Branntkalk vermutlich nicht für spezielle Tonwaren, sondern eher bei einer Erneuerung der Ofenausmauerungen verwendet.

Interessanterweise ist uns der Name Friedrich Christian Fikentscher, Fabrikant aus Zwickau, auch schon in Zusammenhang mit Bergbau begegnet: Selbiger nämlich besaß schon vor 1850 den Eisensumpf Stolln und Fundgrube bei Ehrenzipfel (40169, Nr. 64), erwarb wohl um 1853 Häcker's gevierte Fundgrube ebendort (40169, Nr. 148) und muthete im Jahr 1855 auch noch die Laurentius gevierte Fundgrube bei Langenberg auf Eisenerze (40169, Nr. 199). In Anbetracht dieser wenig ertragreichen, nur kleinen Gruben im obersten Erzgebirge dürfte dieses Engagement aber kaum von Erfolg gekrönt gewesen sein.

  


Titelblatt der oben erwähnten Preisliste aus dem Jahr 1914,
aus der Sammlung von Herrn A. Molder, Crimmitschau.

   

Für den Zeitraum ab 1902 und bis 1907 ergibt sich aus dieser Quelle jedenfalls eine sehr umfangreiche Übersicht über R. Rothe's Handelspartner. Insgesamt sind hier die oben angeführten 58 Abnehmer des gebrannten Kalkes aufgeführt. Die kauften natürlich nicht alle zur gleichen Zeit bei R. Rothe ein. Wenn wir also zusammenzählen, wer in welchem Jahr bei R. Rothe Kalk eingekauft hat, entsteht die folgende, erste Übersicht.

  


Hinsichtlich der Kunden pro Jahr ergibt sich das erwartete Bild: Die Anzahl der laut Kundenregister zwischen 1901 und 1909 belieferten Kunden sank in dieser Zeit - spätestens aber ab 1904 - stetig ab. Wahrscheinlich sind in den Vorgängern des erhalten gebliebenen Kassenbuches noch weitere Kundenlieferungen aus dem Jahr 1901 enthalten, denn es wäre sonst unerklärlich, warum die Zahl der belieferten Kunden von 1901 auf 1902 erst einmal deutlich angestiegen wäre.

   

1908 hat R. Rothe den eigenen Brennereibetrieb eingestellt. Bei dem für die Jahre 1909 und 1911 in unserer Grafik oben vermerkten, noch einen Kunden in diesem Zeitraum handelte es sich um den Erzgebirgischen Steinkohlenaktienverein zu Zwickau- Schedewitz. Zu dieser Zeit betätigte sich Herr Rothe aber wohl nur noch als Zwischenhändler für den guten, langjährigen Kunden.

Aus dem Kundenregister erfahren wir diesbezüglich auch, daß Herr Rothe schon im Jahr 1904 den Absatz zumindest zeitweise nicht aus der eigenen Produktion decken konnte. Daher kaufte er bei einem eigenen Absatz von 3.609½ hl (zirka 396 t) zwischen März und November 1904 im gleichen Zeitraum vom Kalkwerk Franz Schaller in Langenreinsdorf insgesamt 1.284 hl Kalk (zirka 137 t bzw. fast 35 % des Absatzes) hinzu (Blatt 60 und 76). Der Einkaufspreis war für ihn mit 1,00 Mark bis 1,04 Mark pro Hektoliter sehr günstig, denn in dieser Zeit verkaufte er den Kalk für einen Preis zwischen 1,20 Mark und 1,30 Mark pro Hektoliter bzw. Scheffel weiter.

Den Namen dieses Kalkwerkes findet man in O. Hermann's Aufstellung der 1897 bei Crimmitschau noch betriebenen Kalkwerke allerdings nicht.

Im Jahr 1909 kaufte R. Rothe dann auch zweimal beim Verkaufsverein Gera'er Kalkwerke ein (Blatt 91), um seinen alten Kunden noch beliefern zu können.

  

Schauen wir uns als nächstes einmal die im Kundenregister dokumentierte Zusammensetzung des Kundenstammes etwas genauer an. Die obige Auflistung nennt uns:

  • 22 Bauunternehmer und Bauhandwerker,

  • 18 Gutsbesitzer bzw. Dorfbewohner (bäuerliche Betriebe), sowie

  •   3 Rittergüter (Karthause, Blankenhain und Mannichswalde),

  •   5 größere gewerbliche Unternehmen (Gaswerke und städtischer Bauhof in Zwickau,
      Fahrradfabrik Pippig, Tonwarenfabrik Fikentscher sowie der Steinkohlenbauverein),

  •   4 Stadtbewohner aus Crimmitschau ohne Angaben zum ausgeübten Beruf,

  •   3 Brauereien und

  •   1 Gastwirt, sowie

  •   2 andere Zwischenhändler.

Natürlich richtete sich der Bedarf der zahlreichen Bauhandwerker in erster Linie nach deren Auftragslage. Auch die Bauern und Gutsangestellten kauften natürlich nur dann Baukalk, wenn sie ihn für Gebäudereparaturen o. dsgl. auch brauchten ‒ also eher ziemlich sporadisch. Das gleiche gilt sicherlich für die Stadtbewohner, die wohl zumeist kleinere Baumaßnahmen selbst ausgeführt haben.

   


In dieser Säulengrafik haben wir einmal (für die auf den ersten 20 Seiten des
Kundenregisters genannten Kunden) darzustellen versucht, wie unterschiedlich die von den einzelnen Kunden pro Jahr abgenommenen Kalkmengen gewesen sind: Sie sind nach den im Jahr 1901 gekauften Mengen (rückseitige Achse) geordnet: Die Großabnehmer links. Großkunden waren 1901 zum einen der Erzgebirgische Steinkohlen- Aktienverein in Zwickau- Schedewitz, der regelmäßig größere Mengen bei R. Rothe kaufte. Der Bauhof der Stadtgemeinde Zwickau nahm in diesem Zeitraum nur einmalig - allerdings eine besonders große Menge - Baukalk ab und steht deshalb ganz links außen. Neben diesen wenigen Großkunden gab es zahlreiche Kleinabnehmer, die entweder kontinuierlich geringe Mengen kauften (wie etwa die Gaswerke in Zwickau) oder eben die Bauhandwerker, die je nach eigener Auftragslage zwar sporadisch, aber dann gelegentlich auch größere Mengen Baukalk einkauften.

  

Unter den Kunden nahm der Erzgebirgische Steinkohlenaktienverein ausschließlich Eisenbahnwaggon- Ladungen zu 8,6 t bis 10,0 t Kalk ab. Letzteres entsprach nach unserer Gegenrechnung knapp 94 Scheffeln Kalk (in seinem Kassenbuch hat Herr Rothe dafür jeweils 120 Scheffel veranschlagt). Dafür wurde 1901 noch 16,00 Mark pro Tonne (zirka 1,71 Mark pro Scheffel), ab 1902 dann nur noch 15,00 Mark für die Tonne (zirka 1,61 Mark  pro Scheffel) bezahlt. Bestellt wurde oftmals auch schon im Januar oder Februar des jeweiligen Jahres. Das ist schnell zu erklären, denn untertage stört kein Frost beim Mauern ‒ etwa in einem Füllort oder einer wichtigen Förder- und Wetterstrecke.

Die Gaswerke in Zwickau nahmen zwar immer nur kleine Mengen von 25 bis 75 Scheffeln Branntkalk über das gesamte Jahr hinweg ab, zahlten dafür jedoch über den ganzen Fünfjahreszeitraum auch immer einen vergleichsweise hohen Preis von 2,00 Mark bis 1,80 Mark pro Scheffel. Der Steinkohlenaktienverein gehörte damit (neben dem Bauhof der Stadtgemeinde Zwickau) zu Rothe's wenigen „Großabnehmern“.

Seine „Privatkunden“, vor allem die zahlreichen Maurermeister in der Umgebung, zahlten den Baukalk dagegen immer nach Scheffeln bzw. Hektolitern und mit 1,30 Mark bis maximal 2,00 Mark pro Scheffel (letzteres frei Baustelle inklusive Fuhrlohn) meist deutlich weniger. Bei Selbstabholung kleinerer Mengen im Kalkwerk in Rudelswalde waren oft nur 1,15 Mark bis 1,20 Mark für den Scheffel fällig. Seltsam ist, daß in den Abrechnungen dieser Lieferungen manchmal noch der Scheffel, meist aber der ‒ nur annähernd gleich große und genau genommen etwas kleinere ‒ Hektoliter verwendet wird. Vielleicht haben sich einige Kunden ja einen etwas besseren Preis verschafft, indem sie auf dem etwas größeren Volumen für denselben Preis bestanden haben...

Weißkalk wurde (und nur in den Jahren 1903 und 1904) deutlich teurer gehandelt ‒ wohl, weil Herr Rothe diesen aus dem Dolomit nicht selbst herstellen konnte und ihn daher ein- und weiterkaufen mußte. Der Scheffel kostete 1903 zwischen 2,40 Mark und 3,00 Mark. Weißkalk wurde aber auch nur in kleinen Mengen zwischen ¼ und maximal 8 Scheffeln verkauft.

Zum Teil ‒ gewöhnlich dann, wenn die Lieferung direkt zum Bauplatz erfolgte ‒ verrät uns das Kundenregister auch, wo die betreffenden Baumeister seinerzeit gerade den Kalk verarbeiteten. So etwa arbeitete Herr P. Kramer 1901 an Bauvorhaben in der Jakobsgasse und in der Zeitzer Straße, Herr F. Friedrich am Gablenzer Berg und Baumeister A. L. Thomas in der Schröderfabrik“. Im Jahr 1902 hatte der Baumeister V. Döring einen Bauauftrag in der Kaiserstraße, Herr A. Müller hingegen am Hospital, im Lutherhof“ und in der Mühlgasse. Herr M. Molder errichtete 1902 sein neues Werkstattgebäude. Im Jahr 1904 schließlich ist für zahlreiche Lieferungen an den Baumeister A. Müller und an den Dachdeckermeister E. Köhler vermerkt, daß diese am Amtsgerichtsgebäude gearbeitet haben. Ortskundige Crimmitschau'er wissen bestimmt, um welche Gebäude es sich dabei handelt...

  


Eine Postkartenansicht des Lutherhofes in Crimmitschau; eingeweiht wurde er am 25. Juni 1903,
aus der Sammlung von Herrn A. Molder, Crimmitschau.

   


Eine Postkartenansicht des Neuen Königlich- Sächsischen Amtsgerichtes in Crimmitschau; die Übergabe dieses Gebäudes erfolgte am 30. September 1905, aus der Sammlung von Herrn A. Molder, Crimmitschau.

   

Bei anderen Lieferungen ist zwar der Auftraggeber vermerkt, nicht aber der Bauort, oder es steht nur da: Bauplatz“. Interessant ist dabei auch, daß R. Rothe nicht nur an Baumeister“, Bauunternehmer“ und Baugeschäfte“ Kalk geliefert hat, sondern daß auch andere Bauhandwerker, wie etwa Zimmerermeister und Dachdeckermeister den Baukalk direkt abgenommen haben.

Bevor wir uns noch weiter in die Zahlen vertiefen, müssen wir für einen weiteren Glücksfall dankbar sein: Als nämlich das Rothe'sche Bauerngut in Rudelswalde vor einigen Jahren an einen neuen Besitzer kam, fand dieser auf dem Dachboden ein weiteres Abrechnungsbuch des Kalkwerkes und übergab es an die Nachfahren der Vorbesitzer. Wir bedanken uns erneut bei Herrn A. Molder, daß wir auch auf dieses Material zurückgreifen dürfen.

   


    Der Einband ist mit „Kalkbuch. 1905 / 1907.“ beschriftet.
Aus dem Familiennachlaß, bereitgestellt von Herrn A. Molder, Crimmitschau.

   


Schlagen wir auch dieses auf: Die erste Doppelseite aus dem Rechnungsbuch. Links oben kann m
an lesen: „1905. Der 1. Brand, kl. Ofen“. Auf der rechten Seite, vierte Zeile, folgt dann „Der 2. Brand, großer Ofen“.

   

Dieses Buch überdeckt im Wesentlichen den Kalkverkauf im Zeitraum von 1905 bis 1908 und ist für uns besonders deswegen von Interesse, weil die Verkaufszahlen darin den einzelnen Ofenbränden zugeordnet sind. In diesem Buch sind die Eintragungen der Verkaufsmengen und Geldeingänge nicht so detailliert erfolgt, wie im zuerst vorgestellten Kundenregister, dafür aber in der chronologischen Reihenfolge; so wie halt der Kalk auf den Wagen und das Geld in die Kasse wanderte... Deshalb kann man dieses mit gutem Gewissen als „Kassenbuch“ bezeichnen.

Der Art des Buches und seinem Alter, aber auch der manchmal etwas gedrängten Handschrift ‒ um alles auf eine Zeile zu bekommen ‒ oder auch verblichener Tinte geschuldet, können wir besonders bei den Personen- und Ortsnamen heute nicht mehr alles sicher lesen. Weil wir unleserliche Namen weggelassen haben, ist unsere nachfolgende Zählung sicher nicht absolut genau. Auch gelegentlichen Eigenbedarf der Familie Rothe, der ebenfalls im Kassenbuch enthalten ist, haben wir nicht mitgezählt. Aber die Anzahl der Käufer überrascht auch so und deshalb müssen wir unsere Grafik von oben um eine weitere Kurve ergänzen, auch wenn diese leider nur einen Teil des Zeitraumes überdeckt, der im Kundenregister enthalten ist.

Bei vielen der hier aufgeführten Kunden dürfte es sich um „Laufkundschaft“ handeln, die auf anderen Wegen in Rudelswalde vorbeigefahren ist und schnell einen Halt eingelegt hat, um dort noch einen halben Scheffel Kalk einzukaufen. Aber es sind auch viele der oben schon genannten Baumeister und Großkunden enthalten. Bei einigen Kunden ‒ in den meisten Fällen waren es wohl Nachbarn aus dem Dorf und auch nur kleine Mengen von mal einen halben oder einem ganzen Scheffel ‒ fehlt ein Zahlungsvermerk. Herr Rothe hatte bestimmt ein gutes Herz und gab auch manchmal etwas kostenlos ab.

Auch beim Abgleich der beiden Quellen untereinander haben wir ein paar Diskrepanzen festgestellt: Einige der Buchungen im Kundenregister tauchen nämlich im Kassenbuch nicht auf und umgekehrt ist es ohnehin so, daß in jenem nicht alle enthalten sind, die in diesem aufgeführt sind. An einigen Stellen differieren auch die Maßangaben zwischen Scheffel (durchgehend im Kassenbuch verwendet) und Hektoliter (teilweise im Kundenregister verwendet) für gleiche Buchungen an dieselben Kunden um bis zu 10%. Besonders auffällig aber ist das Fehlen einiger großer Lieferungen (wie etwa an den Steinkohlenbauverein in Schedewitz mit jeweils gleich 120 Scheffeln) in den verzeichneten Abgabemengen aus den eigenen Ofenbränden. Ob Herr Rothe hierfür schon früher Kalk von anderen Lieferanten zukaufen mußte, oder ob er einzelne Brände, die ohnehin für solche Großkunden reserviert und nicht für den lokalen Verkauf gedacht waren, im Kassenbuch nicht aufgeführt hat, können wir heute wohl nicht mehr herausbekommen.

   


Das Kassenbuch nennt uns für den Zeitraum von 1905 bis 1909 noch bedeutend mehr Einzelkunden, als das Kundenregister...

  

Auf jeden Fall schließt dieses Kassenbuch einige der Lücken, die das Kundenregister aufgrund der Unvollständigkeit der Kundenliste besonders in den letzten Betriebsjahren haben muß.

Schauen wir uns als nächstes einmal die Preisentwicklung für den Branntkalkverkauf über den im Kundenregister und im Kassenbuch dokumentierten Zeitraum an.

  


Über den Zeitraum von 1901 bis 1911 blieben die Preise für den Baukalk aus Rudelswalde vergleichsweise stabil und nahmen zwischendurch nur tendenziell leicht ab. Zum Ende des Zeitraumes nahmen sie dann wieder leicht zu, weil der Erzgebirgische Steinkohlenaktienverein als Abnehmer größerer Mengen und für den Bahntransport stets einen etwas besseren Preis zahlte, wodurch die Angaben für 1909 und 1911 wieder im oberen Niveau liegen. Auch hat Herr Rothe gestiegene Kosten zumindest zum Teil auf den Abgabepreis umgelegt. Wir haben hier zu Vergleichszwecken alle Preise in Mark pro Tonne angegeben.

   

Der Kaufpreis wurde gewöhnlich sofort beglichen, denn zumeist steht im Kundenregister beim Zahlungseingang zu lesen: an baarer Casse erhalten zzgl. Porto.“ In den nachfolgenden Jahren liest man dann auch immer öfter: „an bar und Coupons“ oder: an 2 Rimessen laut Wechselbuch“.

Bei diesem Begriff mußten wir nachschlagen und erfahren aus dem Wirtschaftslexikon, daß es sich bei einer „Rimesse“ um eine alte Bezeichnung für einen als Zahlungsmittel weitergegebenen Wechsel oder allgemein um einen Scheck, den der Kunde seiner Bank zum Einzug bzw. zur Gutschrift auf sein Konto einreichen kann, gehandelt hat.

Für seine langjährigen Kunden gab Herr Rothe zuletzt auch noch 2% Skonto. Dagegen wurde der Verkaufspreis für die Kleinabnehmer von vorher 1,30 Mark pro Scheffel 1907 auf 1,40 Mark und 1908 noch auf 1,50 Mark pro Scheffel angehoben, um einen Teil der angestiegenen Kosten decken zu können.

Aus dem benachbarten Meerane haben wir bisher nur eine Angabe für den Verkaufspreis des gebrannten Baukalks gefunden, die sich ‒ allerdings erst im Jahr 1926 ‒ dann schon auf rund das Doppelte belief.

  

Damit kommen wir nun zum Gesamtabsatz des Rothe'schen Kalkwerkes im betreffenden Zeitraum. Da wir hier zwei unheimlich ausführliche Quellen zur Verfügung gestellt bekommen haben, können wir nicht nur die jährlich produzierten Mengen aufaddieren, sondern schlüsseln die Absatzmengen gleich einmal monatsweise auf. Eine Maximalproduktion von fast 80 t im Monat (im Juli 1901) ist dabei für die Art des Betriebes schon sehr beachtlich und setzte einen nahezu durchgehenden Brennofenbetrieb über die Saison voraus.

Darüber hinaus ergibt sich in dieser Grafik das zu erwartende Auf und Ab“, das aus dem jahreszeitlich stark schwankenden Bedarf resultierte.

   


Weil diese Quellen so detailliert sind, können wir den Absatz auch monatlich (wenn wir wollten, sogar arbeitstäglich) aufschlüsseln. Wie man hier sieht, schwankte der Absatz stets sehr stark, erreichte aber in den Jahren 1901 bis 1905 zwischen über 50 t und mehr als 75 t in den Monaten mit dem höchsten Absatz. Zeitweise (und vollständig ab Mai 1908, als er den eigenen Brennereibetrieb eingestellt hatte) mußte R. Rothe sogar Kalk aus anderen Werken zukaufen, um die Nachfrage zu decken.

   


Wir machen diese Rechnung nur einmal für das Jahr 1901: Unter Zugrundelegung einer maximalen Zuladung von 2,5 t bis 2,6 t (zirka 25 bis 30 Scheffel) auf dem Gespann erforderte allein die Auslieferung des gebrannten Kalkes an seine Kunden in diesem Jahr 181 Fahrten. Hinzu kamen 103 Fahrten für den Herantransport der Brennstoffe, was zumindest im Jahr 1901 nicht als Rückladung möglich gewesen ist, da die Briketts zu dieser Zeit von einem Händler in Seelingstädt bezogen wurden. Wie die fast durchgehende Linie von roten Punkten in unserer Grafik schön illustriert, war R. Rothe damit tatsächlich fast täglich unterwegs und hätte den Herantransport von weiteren 255 ¼ Fudern Rohdolomit aus dem Steinbruch in Langenreinsdorf zu seinen Brennöfen in diesem Jahr keinesfalls auch noch selbst erledigen können. Deshalb hatte er seinen Verwandten W. Schreiter damit beauftragt (siehe dazu weiter unten im Text).

   


Die im Kundenregister notierten Wohnorte der Kunden bzw. Zielorte der Kalk- Lieferungen haben wir hier einmal grob in einer Karte dargestellt. Strecken von 12 km bis zu 22 km einschließlich Ladezeiten an einem Tag mit dem Gespann hin und zurück zu fahren, war sicher gerade noch möglich und umgrenzte den bedienbaren Nahmarkt. Nach Zwickau wurde der Kalk - zumindest an einige Großkunden - auch schon mit der Eisenbahn versandt.

  


Weil wir wissen wollten, welche Monate denn die Spitzen in der obigen Grafik ausmachen, legen wir die in beiden Büchern genannten Absatzzahlen in dieser Säulengrafik einmal in Jahresscheiben monatsweise hintereinander. Was auf den ersten Blick deutlich wird: Natürlich beginnt niemand in den Wintermonaten mit einem größeren Bauvorhaben und auch die Bauern benötigen im Winter keinen Düngekalk. Die absatzstärksten Monate lagen demzufolge auch hier gewöhnlich zwischen April und Oktober.

   

Obwohl die Bauhandwerker unter Rothe's Kunden rein zahlenmäßig überwiegen (wir könnten auch den Bauhof Zwickau als Baubetrieb noch hinzuzählen), folgten diesen doch mit 18 Gutsbesitzern und Landbewohnern sowie mit den drei Rittergütern Karthause, Blankenhain und Mannichswalde fast genauso viele Landwirtschaftsbetriebe.

Leider ist der Verwendungszweck zu diesen Lieferungen niemals festgehalten worden, so daß wir nicht wissen, in welchem Umfang der Kalk ‒ außer für Bauzwecke ‒ auch als Düngekalk für die Feldflächen Verwendung gefunden hat. Gebrannter Kalk wurde ‒ abgesehen von Baumaßnahmen oder Gebäudereparaturen, die natürlich auch auf Bauernhöfen immer mal notwendig waren ‒ in den Landwirtschaftsbetrieben jedenfalls zu sehr vielfältigen Zwecken benötigt, etwa in der Zuckerraffination oder zur Desinfektion in den Ställen.

Wohl aus ähnlichen Gründen sind auch die drei Brauereien unter R. Rothe's Kunden für Branntkalk gewesen.

Auch die Bauern bezogen sehr unterschiedliche Mengen, die meist bei wenigen Tonnen pro Jahr lagen. So etwa kaufte Herr Ferdinand Zill im Jahr 1900 rund 3,3 t, Herr Albert Zill, ebenfalls aus Rudelswalde, 1,28 t gebrannten Kalk. Das Rittergut Blankenhain bezog im gleichen Zeitraum mit fast 5,9 t etwa die doppelte Menge, was natürlich durch die unterschiedliche Größe der bewirtschafteten Güter leicht erklärbar ist.

Im Jahr 1901 kaufte F. Zill erneut knapp 2,8 t und diesmal Herr Hermann Zill aus Lauenhain rund 1,8 t. In diesem Jahr bestellte das Rittergut Blankenhain nicht bei R. Rothe, stattdessen aber das Rittergut Mannigswalde (13,9 t) und das Rittergut Carthause (7,5 t). An zwei weitere Bauerngüter (L. Mehlhorn in Vollmershain und Schädel in Thonhausen) wurden mit 18,2 t und 12,6 t ebenfalls ziemlich große Mengen verkauft.

Abgesehen von der mit der Familie Rothe verwandten Familie Zill wechselten die Käufer fast jedes Jahr, was sicherlich mit dem Fruchtwechsel auf den Feldflächen zusammenhängt, die nicht jedes Jahr in gleichem Umfang gedüngt werden mußten.

  


Dieselbe grafische Auswertung wie oben für die ersten fünf Jahre (ohne das Kassenbuch, in dem die Berufe der Käufer nur selten notiert wurden) noch einmal; nun a
ber ausschließlich für die Landwirtschaftsbetriebe, die von R. Rothe mit gebranntem Kalk beliefert wurden. Die Saisonabhängigkeit im „Kalkgeschäft“ wird darin noch deutlicher: Die Landwirte nahmen fast nur in den Monaten März bis August Kalk ab und der maximale Absatz lag immer im April und Mai, was nicht zuletzt auch dafür spricht, daß der Großteil des Branntkalkes tatsächlich als Düngekalk Verwendung fand. Der eine deutliche „Ausreißer“ im Oktober 1904 ist nicht so richtig zu erklären: Wäre es nämlich nur einer oder zumindest nur wenige Kunden gewesen, könnte man leicht annehmen, daß bei denen größere Gebäudereparaturen oder Neubauten im Bauernhof nötig gewesen sind - dem ist jedoch nicht so; diese Menge wurde an sechs verschiedene Kunden verkauft.

   

Schließlich geben uns die Blätter 14 und 63 sowie 30 und 77 des Kundenregisters auch darüber Auskunft, daß die Herren

  • Wilhelm Schreiter, Rudelswalde (Blatt 14 und 63) sowie

  • Louis Jung, ab 1901 Brenner auf dem Rothe'schen Kalkwerk (Blätter 30 und 77),

in den Jahren 1901 bis 1906 per Fuhrwerk den Dolomit aus den Steinbrüchen bei Langenreinsdorf zur Brennerei bei Rudelswalde transportiert haben. Die Familie Schreiter ist uns auch schon namentlich bekannt, war doch R. Rothe's Mutter eine geborene Schreiter.

Der Fuhrlohn war mit beiden gleich vereinbart und blieb über diese Jahre bei gewöhnlich 2,10 Mark pro Fuder annähernd konstant. Diese Transportkosten summierten sich für Herrn Rothe auf über 700,- Mark pro Jahr.

Nach eigener Angabe in seiner Chronik hatte R. Rothe im Jahr 1885 noch etwa 11.000 Scheffel Kalk verkauft, was wenigstens 1.030 t Branntkalk entsprochen hat. Wie wir oben schon abgeschätzt hatten, mußten, um diese Menge zu erzeugen, über 2.000 t Rohdolomit zu den Brennöfen transportiert werden.

Den Abrechnungen für die Gespannfahrten aus dem (eigenen) Steinbruch beim Langenreinsdorfer Gut hinüber zum Rudelswalder Kalkwerk kann man nun entnehmen, daß zwischen 1901 und 1903 praktisch täglich wenigstens ein Gespann mit Rohdolomit aus Langenreinsdorf nach Rudelswalde gefahren ist, denn die Abrechnungen aus dieser Zeit summieren sich auf bis zu 357½ Fuder jährlich. Im Jahr 1905 wurden dann noch 243½ Fuder und im Jahr 1906 nur noch 120¼ Fuder nach Rudelswalde gefahren.

Mit diesen Angaben können wir nun auch die zu dieser Zeit noch abgebaute Menge an Rohdolomit etwas genauer einschätzen. Weil die starke Streuung der Monatszahlen in dem Diagramm oben doch ziemlich unübersichtlich ist, fassen wir in der folgenden Grafik den Absatz jahresweise zusammen und fügen dem die aus Langenreinsdorf herantransportierten Mengen an Rohdolomit dazu.

  

Da nun leider das Fuder eine noch schlechter bestimmte Mengeneinheit ist, als etwa eine Ruthe Kalksteine oder ein Scheffel Kalk, gehen wir vereinfachend davon aus, daß ein Fuhrwerk, das reichlich 2,5 t gebrannten Kalk laden konnte, auch genauso viel Rohdolomit transportiert hat. Damit wären bei vollem Betrieb jährlich bis zu 950 t Rohsteine auf diesem Weg in die Brennöfen nach Rudelswalde gewandert.

Diese Menge paßt nun sehr gut zu den anhand des Kundenbuches aufaddierten Absatzmengen an gebranntem Kalk von 350 t bis 400 t und spricht dafür, daß zu dieser Zeit wohl nur noch in den Langenreinsdorfer Steinbrüchen Abbau stattgefunden hat (für welche die Transportrechnungen im Kassenbuch vorliegen).

Gegenüber der Angabe in der Chronik für das Jahr 1885 mit 11.000 Scheffeln oder über 1.000 t Branntkalk im Jahr waren die Abbau- wie die Produktionsmengen um die Jahrhundertwende schon deutlich auf etwa 400 t pro Jahr abgesunken. Bis 1905 schwankten sie aber etwa um dieses Niveau; erst ab 1906 hat Herr Rothe die Produktion dann „heruntergefahren“.

   


Die Kurve der Absatzzahlen jahresweise zusammengefaßt ist etwas übersichtlicher und illustriert, wie auch schon die Anzahl der Kunden oben, recht deutlich den Rückgang der Branntkalkproduktion im Rothe'schen Kalkwerk zu Rudelswalde ab 1906. Die Rohdolomitmenge ist im Schnitt dieser Jahre meist etwas mehr als doppelt so hoch, als die erzeugte Branntkalkmenge, was nach den chemischen Gesetzen natürlich auch in etwa so sein sollte. Herr Rothe produzierte folglich ausschließlich auf der eigenen Rohstoffbasis und die hier erfaßten Rohstein- Mengen deckten seinen Bedarf für die eigene Brennerei vollständig ab.

   

Das waren natürlich nicht die einzigen Betriebskosten, die für den Brennereibetrieb notwendig waren. Auch dazu verrät uns das Kundenregister mehr: Der für die Kalköfen benötigte Brennstoff ‒ und zwar verwendete R. Rothe in den ersten Jahren überwiegend Industrie Briketts No. 27719“  wurde in den Jahren 1900 bis 1907 bezogen von:

  • Herrn H. Fröhlich, Kohlengeschäft in Seelingstädt (Blatt 9)

  • Herrn Carl Pichler, Werdau (Blatt 25),

  • Herrn Richard Walther, Crimmitschau (Blatt 34 und  62), später notierte R. Rothe zu diesem den Wohnort Leitelshain (Blatt 89), sowie von

  • Herrn Paul Schönfeld, Crimmitschau (Blatt 59 und 86).

Die Einkaufspreise für die Briketts schwankten trotz der unterschiedlichen Lieferanten nicht sehr stark und lagen zwischen 10,54 Mark und 8,65 Mark pro Tonne. Bei einem Verbrauch von 230 t bis 300 t summierten sich allein die Brennstoffkosten für die Kalköfen für R. Rothe jedoch auf über 2.000,- Mark pro Jahr.

Um diese Kosten zu senken, begann R. Rothe in den letzten Jahren damit, verstärkt Zwickauer Rußkohle und Böhmische Braunkohle einzukaufen. Die Steinkohle gab es schon für 5,- Mark bis 5,60 Mark die Tonne und Rohbraunkohle wurde auch schon für 2,43 Mark bis 2,72 Mark pro Tonne angeboten. Die (meist recht weiche) Braunkohle war zwar für Schütt- bzw. Schachtöfen ungeeignet. Für die Feuerungen der Kammeröfen, die R. Rothe besaß, konnte sie jedoch eingesetzt werden. Da der Brennwert der Rohbraunkohle gewöhnlich etwas niedriger liegt, kaufte R. Rothe dennoch auch weiterhin immer Briketts hinzu.

Da wir im Vergleich mit dem Kundenregister festgestellt haben, daß gelegentlich Kalk- Lieferungen an den Steinkohlenbauverein nur im Kundenregister, nicht aber im Kassenbuch aufgeführt sind, könnte es sein, daß Herr Rothe auch Steinkohle als Bezahlung für den gelieferten Kalk angenommen hat. Das wäre natürlich dahingehend besonders ökonomisch gewesen, da er dann mit dem Fuhrwerk nicht leer zurückfahren mußte...

  


Noch einmal die Absatzzahlen jahresweise zusammengefaßt, diesmal aber die uns vorliegenden Angaben zum Brennstoffverbrauch und zu den hinzugekauften Kalkmengen gegenübergestellt. Warum R. Rothe schon ab 1904 (fertigen) Branntkalk hinzukaufen mußte, wissen wir noch nicht - jedenfalls war das Jahr 1904 hinsichtlich der verkauften Mengen noch nicht wesentlich besser oder schlechter, als die Vorjahre.

   


In diesem Diagramm stellen wir nun noch die Kostenentwicklung für Brennstoff und Branntkalk- Zukäufe (ab 1904) der Entwicklung der Verkaufspreise für den Branntkalk gegenüber. Der geringe, tendenzielle Rückgang der durchschnittlichen Kohlenpreise ist auf den in den letzten Jahren zunehmenden Einsatz von Rohkohle statt der teureren Briketts zurückzuführen. Die Einkaufspreise für gebrannten Kalk stiegen dagegen doch deutlich an und wurden von R. Rothe an die Kunden weitergegeben.

   

Wenn man erst einmal anfängt, den Dachboden aufzuräumen... Herr A. Molder hat im Laufe des Jahres 2021 noch weitere Abrechnungsbücher des Rothe'schen Guts finden können und uns auch daraus dankenswerterweise Material zur Verfügung gestellt.

  


Dieses ist mit „Buchführung 1901/1902“ bezeichnet und beinhaltet Ausgaben und Einnahmen, welche im Zeitraum zwischen Anfang Juli 1901 und Ende Juni 1902 beim Rothe'schen Gut in Rudelswalde angefallen sind.

  


Die erste Doppelseite: Links sind Einnahmen, rechts Ausgaben aufgelistet.

    

In diesem Abrechnungsbuch sind jede Menge Einkäufe und Verkäufe landwirtschaftlicher Güter und Materialien aufgeführt, deren man auf dem Bauerngut halt bedurfte oder durch deren Verkauf man den Lebensunterhalt sicherte. Es finden sich auch Angaben zu Steuern und Versicherungen und vieles mehr, was auf einem Bauerngut anfiel und das sicher auch für andere Heimatfreunde von Interesse sein  könnte.

Und es sind auch hier wieder Einnahmen aus Kalkverkäufen und andere Kosten für den Brennereibetrieb aufgeführt. Im Vergleich mit dem Kundenregister und dem anderen Kassenbuch müssen wir allerdings wieder konstatieren, daß kaum eine Buchung in diesem Buch ein Pendant in den anderen Büchern findet und wenn, dann sind unterschiedliche (und in diesem Buch meist höhere) Preise aufgeführt. Wir vermuten daher, daß Herr Rothe zum Teil auf Kredit geliefert oder für den Brennereibetrieb eine separate Kasse geführt und hierin die tatsächlichen Zahlungseingänge vergebucht hat.

Ziehen wir nur die den Kalkofenbetrieb und den Kalkverkauf betreffenden Angaben heraus, dann kommen wir nach den hierin enthaltenen Angaben zu dem Schluß, daß im Zeitraum von ungefähr einem Jahr der Betrieb der Brennerei Kosten in Höhe von 2.389,80 Mark verursacht hat, denen Einnahmen von 4.948,70 Mark gegenüberstehen. Das erscheint uns als eine gute Gewinnquote, ist aber wie immer nur die halbe Wahrheit ‒ aber das versuchen wir im Folgenden noch einmal zusammenzufassen.

Dieses Buch schließt dabei noch eine weitere Lücke in den bisherigen Kenntnissen, indem hier (und nur hier) die Löhne des Kalkbrenners Louis Jung aufgeführt und zum Teil sogar einzelnen Ofenbränden zugeordnet sind. Er wurde offenbar monatlich entlohnt, wobei der  Bauart der Brennöfen entsprechend, während der Saison pro Monat gewöhnlich zwei Brände erfolgt sind. Da die Beträge zwischen 134,00 Mark und 54,00 Mark recht deutlich differieren, kann man annehmen, daß Herr Jung nicht nur nach Arbeitszeit bezahlt wurde, sondern auch einen zusätzlichen Anteil nach dem Ausbringen erhielt. Im Einzelnen ist diesbezüglich vermerkt:

Buchungsdatum Brennerlohn
14.07.1901 71,85 Mark
25.08.1901 79,00 Mark
22.09.1901 73,75 Mark
13.10.1901 63,45 Mark
03.11.1901 61,70 Mark
10.12.1901 „für den 25. & 26. Brand“ 68,80 Mark
31.01.1902 100,00 Mark
20.04.1902 134,00 Mark
04.05.1902 „6. & 7. Brand“ 54,00 Mark
07.06.1902 „8. & 9. Brand“ 54,00 Mark

  

Nebenbei erfahren wir hieraus noch, daß die Brennöfen im Jahr 1901 insgesamt sechsundzwanzigmal angefeuert wurden.

Nur einmalig ist in diesem Abrechnungsbuch eine Ausgabe in Höhe von 200,- Mark für „Steinbrecher“ vermerkt. Außerdem hatte R. Rothe im Dezember 1901 an Herrn Fröhlich 877,75 Mark für Kohlen zu zahlen und ss. 383,30 Mark Fuhrlöhne für deren Antransport.

 

Da wir nun so viele Zahlen zur Verfügung haben, erlauben wir uns abschließend auch noch, die Frage nach dem Ertrag des Kalkwerksbetriebes zu stellen.

Dazu stellen wir in den folgenden Grafiken einmal die Jahressummen der Verkaufserlöse den im gleichen Zeitraum angefallenen Kosten für Brennstoff, Transport des gebrochenen Dolomits von Langenreinsdorf nach Rudelswalde sowie für den Hinzukauf von gebranntem Kalk einander gegenüber. Einleuchtenderweise bildeten die Brennstoffkosten bei der Art des Betriebes den größten Faktor.

Diese Gegenüberstellung ist freilich im Hinblick auf die tatsächlichen Gestehungskosten sehr unvollständig, denn im Rechnungsbuch sind leider die Löhne der (auf den früher drei Steinbrüchen bis zu fünf) Steinbrecher sowie des Kalkbrenners Louis Jung nicht enthalten. Diesbezüglich wissen wir aus dem dritten Abrechnungsbuch nur, daß diese Posten sich im Zeitraum vom Juli 1901 bis Juni 1902 auf einen Betrag von 1.128,75 Mark summiert haben.  Dennoch gibt uns die folgende Darstellung einen Anhaltspunkt dafür, was denn ein solcher Betrieb in dieser Zeit abgeworfen haben könnte.

 


Einleuchtenderweise erkennt man in unserer Einnahme- Kosten- Gegenrechnung eine gewisse Parallelität der Kurvenverläufe...

   


...was sich auch im Saldo widerspiegelt, der ab 1906 allmählich in die "roten Zahlen" rutschte. Ein solcher Betrieb ist nur dann rentabel, wenn eine gewisse Mindestmenge an Erzeugnissen produziert und abgesetzt werden kann.

   

Der in der letzten Grafik oben dargestellte Ertrag von fast 3.000,- Mark in den Jahren 1901 und 1905 stellte für diese Zeit und die Art des Unternehmens sicherlich eine recht beachtliche Summe dar; sie ist jedoch deutlich übergeschätzt, weil ‒ wie oben schon angeführt ‒ die Lohnkosten der Arbeiter, aber auch die eigenen Transportleistungen für die Auslieferung an die Kunden, darin fehlen. Tatsächlich dürften die Erträge also weitaus niedriger gelegen haben.

Mit gewisser Sicherheit kann man zumindest aber sagen, daß dieser Nebenbetrieb in den Jahren von 1841 bis 1905 ‒ zusammen mit dem eigenen Bauerngut in Rudelswalde und später mit den Pachteinnahmen aus dem Gut in Langenreinsdorf ‒ der Familie den Lebensunterhalt mit gesichert hat. Manchmal zahlt sich unermüdliche Arbeit eben doch aus...

  

Folgerichtig kam nach 1906 deshalb auch in Rudelswalde das endgültige Ende des Dolomitabbaus: Die Kalkbrennerei wurde eingestellt und der Kalkbrenner Jung abgelohnt. 1907 wurden nur noch wenige Brände fertiggestellt... Im Jahr 1908... machte (ich) noch einige Brände für die Landwirtschafts- Genossenschaft. Ein Geschäft im Baugewerbe machte ich nicht mehr,“ schrieb Herr Rothe darüber in seiner Chronik.

Die hier genannten Verkäufe im Jahr 1908 wurden im Kundenregister nicht mehr festgehalten. Tatsächlich erfolgte nach dem Kassenbuch der letzte Ofenbrand (und der einzige in diesem Jahr) im März 1908.

Die Chronik des Richard Robert Rothe endet mit dem Tod seiner Mutter im Jahr 1910. Die Handschrift gelangte über seinen zweiten Sohn Georg Rothe, der in Crimmitschau das Maurerhandwerk erlernt hatte und noch bis zu seinem Tod in den 1950er Jahren in Crimmitschau als Baumeister tätig war, an die Nachfahren. Sie gibt uns heute einen Einblick in die Betriebsabläufe eines der Kalkwerke in Rudelswalde zwischen 1860 und 1907, wie ihn kein Geschichtsbuch besser und persönlicher geben kann.

  


Der Autor der Chronik, Richard Robert Rothe und seine Ehefrau Selma Rothe, geb. Zill (Bildmitte), im Kreis ihrer insgesamt acht Kinder. Foto um 1905, aus dem Familiennachlaß, bereitgestellt von Herrn A. Molder, Crimmitschau.

     


  Ausschnitt aus den Meßtischblättern von Sachsen, Ausgabe 1908, (oben) Blatt 93: Meerane- Gößnitz. Inzwischen sind nun zwar auch mehrere Kalkbrennereien bei Langenreinsdorf entstanden. Bei Rudelswalde dagegen ist zu dieser Zeit nur noch ein einziger von den rund 30 Jahre vorher noch zahlreichen Kalkofen verzeichnet - vermutlich ist das der 1884 für 700,- Mark von R. Rothe neu errichtete Brennofen... 

Wir schauen natürlich auch einmal nach , was davon geblieben ist...

   


Ausschnittvergrößerung aus demselben Meßtischblatt, nun jedoch die Ausgabe 1920: Der Standort des Kalkofens ist hier noch verzeichnet...

  


Etwa gleicher Ausschnitt aus einer Flurkarte von Crimmitschau aus dem Jahr 1936: Zumindest ein Gebäude des Kalkwerkes ist auch hier noch immer eingezeichnet - hat also zu dieser Zeit offenbar noch gestanden.

   


...und so hat er damals ausgesehen: Eine zeichnerische Darstellung des Rothe'schen Kalkwerkes aus der Zeit um die Einstellung des Kalkbrennens im Jahr 1907, aus dem Familiennachlaß, bereitgestellt von Herrn A. Molder, Crimmitschau.

   

Der obigen Zeichnung nach zu urteilen, hat es sich bei den Brennöfen des Rothe'schen Kalkwerkes um Kammeröfen vom  Geithainer Typ mit obenliegenden Rauchkanälen gehandelt. Auch die Formulierung R. Rothe's, er habe noch einige Brände“ gemacht, zeigt deutlich, daß es sich bei seinen Brennöfen um periodisch arbeitende Öfen gehandelt hat, die man beschickte, durchbrannte, abkühlen ließ und dann das fertige Brenngut, in dem Falle eben den gargebrannten Kalk, austrug.

Derartige Brennöfen wurden von einigen Autoren auch als „Altdeutsche Öfen“ oder auch als „Harzer Öfen“ bezeichnet. In dem oben schon angeführten Lehrbuch der Steinbruchindustrie von O. Herrmann aus dem Jahr 1899 findet sich folgende Beschreibung solcher Öfen, in der interessanterweise auch die Gegend um Crimmitschau wieder erwähnt wird, wo derartige Kammeröfen damals offensichtlich noch in Betrieb gewesen sind:

Derselbe ist ein Kammerofen mit periodischem Betriebe und großer Flamme. Er enthält eine in ein vierflächiges Rauhgemäuer eingeschlossene Kammer mit rechteckiger Grundfläche und ellipsoidischem Gewölbe, die etwa 3 m Höhe und eine Fassung für 200 bis 300 hl, bisweilen auch 500 hl Kalkstein aufweist. Ein Brand erfordert mit Füll- und Entleerungszeit in der Regel eine Woche.

Die ältere Konstruktion stellen die Öfen mit Langfeuerung dar, welche am Boden von einer Seite aus eine oder mehrere parallele, fast bis zur gegenüberliegenden Wand reichende Feuerungen mit Rosten aus gusseisernen Längsstäben besitzen. Im Anfang entließen diese Öfen die Feuerungsgase durch ein im Deckengewölbe ausgespartes, kreisrundes Koch in die Luft (Wiesen bei Zwickau), später erhielten sie einen 5 m bis 15 m hohen Schornstein (Langenreinsdorf bei Crimmitschau)…  

Die Öfen neuerer Konstruktion sind diejenigen mit Kurzfeuerung oder Stichflamme, welche in Sachsen gern als Geithainer oder Cylinderöfen bezeichnet werden. Bei ihnen sind am Boden in der Wandung zwei oder drei kurze Rostfeuerungen vorhanden, von denen aus die Flamme in die Ofenfüllung hineinschlägt. Diese Öfen tragen eine größere Anzahl, meist 13, niedriger Essen (Geithain, Crimmitschau), neuerdings neben denselben noch einen ca. 10 m hohen Schornstein (Geithain, Ostrau), welcher die Gase der verschließbaren, kurzen Essen sammelt und abführt.

In beiden Konstruktionen wird von einer, in halber Höhe des Ofens angebrachten Zutrittsöffnung aus über der Feuergasse oder deren Verlängerung zunächst aus 20 bis 30 cm langen Kalksteinen ein Kanal gewölbt, auf welche Kanäle dann die grobe (ca. 20 cm lange Stücke), darauf die mittlere (10 cm) und endlich die „klare“ Füllung geschichtet werden. Als Brennmaterial dient Braunkohle…“

...oder eben Braunkohlenbriketts. Auch einen wahrscheinlich um die 15 m hohen Schornstein finden wir auf der Zeichnung oben wieder.

Das Kassenbuch des Kalkwerkes erlaubt uns nun auch hierzu noch eine Nachrechnung: Dem Kassenbuch ist zunächst zu entnehmen, daß Herr Rothe einen „kleinen“ und einen großen“ Brennofen besaß ‒ deren Fassungsvermögen sich aber gar nicht so sehr unterschied: Der erstgenannte nämlich produzierte im Mittel über den Zeitraum von 1905 bis 1908 knapp 220 Scheffel oder knapp 24 t Kalk (maximal rund 29,5 t); bei dem größeren dagegen lag der mittlere Ausstoß pro Ofenbrand bei 265 Scheffel oder rund 28 t Kalk (maximal rund 31,5 t). Dabei überschneiden sich die Wertebereiche recht deutlich (siehe folgende Grafik).

Die aus diesen Abrechnungen ermittelte Menge paßt auch gut zur Angabe O. Herrmann's, daß solche Öfen gewöhnlich zwischen 200 und 300 Hektoliter gefaßt haben.

   


Die erzeugten Kalkmengen pro Ofenbrand im Zeitraum 1905 bis 1908. Die Lücken über die Wintermonate, wenn die Öfen nicht mehr angefeuert worden sind, sind recht gut zu sehen.

   

Für ein noch „normales“ Betriebsjahr, wie 1905, mit einer Erzeugung von rund 456 t Branntkalk, waren insgesamt 17 Ofenbrände erforderlich. 1906 wurden die Brennöfen noch vierzehnmal und 1907 nur noch zweimal angefeuert. Wie wir oben gelesen haben, wurden sie dagegen im Jahr 1895 noch 44 mal angeheizt.

Dabei wurde in allen vier Jahren, für die diese Angaben aus dem Kassenbuch vorliegen, im März stets zuerst der „kleine“ Ofen angefeuert. Weil die Öfen ja vor dem Austragen des gebrannten Kalkes auskühlen mußten, wurden sie danach über das Frühjahr stets alternierend betrieben. Der kleinste Zeitraum zwischen zwei Bränden lag dabei bei etwa einer Woche ‒ folglich benötigte man etwa diese Zeit, bis der eine Ofen wieder neu beschickt war und erneut angefeuert werden konnte, während man im anderen zeitgleich schon wieder neuen Kalk brannte.

Im Zeitraum Anfang Juli bis Anfang September 1905 wurde allerdings auch viermal hintereinander nur der kleinere Ofen gefeuert. Vielleicht waren am anderen ja Reparaturen erforderlich... Dabei waren die Abstände zwischen zwei Bränden dann mit zwei bis vier Wochen aber deutlich länger. Anschließend wurde in diesem Jahr noch zweimal hintereinander der größere Ofen in Betrieb gesetzt und auch da lag die Zeitdifferenz zwischen diesen beiden Bränden bei 15 Tagen.

Bei den wenigen Bränden der letzten zwei Betriebsjahre kam dann nur noch der „kleine“ Ofen zum Einsatz.

 

Mit dem letzten Ofenbrand im März 1908 ist nicht nur die Kalkbrennerei in Rudelswalde zu Ende gegangen, sondern auch ein wenigstens 60 Jahre ‒ vielleicht aber auch weit über 160 Jahre währendes ‒ Kapitel der Montangeschichte. Anfang der 1920er Jahre wurde der Ofen abgetragen.

Erst nach 1945 stießen die Vorkommen des Plattendolomits am Westufer der Pleiße dann erneut auf das Interesse der Geologen.

Wir bedanken uns an dieser Stelle noch einmal bei den Nachfahren der Familie Rothe in Crimmitschau, daß sie dieses einzigartige Material aus der Geschichte ihrer Familie nicht nur bewahrt, sondern uns auch für diesen Beitrag zur Verfügung gestellt haben. Ähnlich detaillierte Unterlagen über den grundeigenen Bergbau findet man nur sehr selten und nur nach langem Suchen meist zufällig in ganz anderen Beständen der Archive. Mit dem Erlöschen des aktiven Bergbaus wandern sie dann leider allzu oft auch in das Altpapier. Ein wenig konnten wir hoffentlich dazu beitragen, daß dieser kleine Teil der Montangeschichte nicht dem Vergessen anheimfällt.

   

  
 
 

Zur von Arnim'schen Berg- und Hüttenverwaltung im 19. Jahrhundert

  

Weil uns dieses Unternehmen bei unseren Recherchen bereits an vielen Stellen im Erzgebirge und im Vogtland immer wieder begegnet ist, möchten wir an dieser Stelle einige Abschnitte zur Königin Marienhütte zu Cainsdorf im heutigen Zwickau und zu ihren Besitzern einfügen.

    

Daß die Königin Marienhütte ausgerechnet auf die Nutzung des Crimmitschau‘er Dolomits verfallen ist, hängt möglicherweise auch damit zusammen, daß in der dazwischenliegenden Zeit – nämlich Ende der 1850er Jahre – hier auch nach Eisenerz gesucht worden ist.

So wurde 1857 in Wahlen bei Crimmitschau eine Alte Hoffnung Fundgrube verliehen (40040, Nr. I6344). Fast gleichzeitig folgten eine Christine Fundgrube (40024-10, Nr. 142) und eine Kaspar Fundgrube am Höllengrund bei Wahlen (40024-10, Nr. 144). Zur gleichen Zeit konstituierte sich außerdem eine Gewerkschaft unter dem Namen Magdalena Fundgrube im Raum Ober- und Niederschindmaß, Schönbörnchen und Dennheritz (nördlich von Zwickau, 40169, Nr. 230), welche neben Kaspar und Christine außerdem noch eine Weintraube Fundgrube bei Carthause im Alleinbesitz hielt. Aus den Grubenakten der Christine Fundgrube (40169, Nr. 520) und der Weintraube Fundgrube (40169, Nr. 325) erfahren wir, daß diese Gruben zur Gewinnung von Raseneisenstein verliehen worden sind. Die Christine Fundgrube habe „auf dem Feld des Landwirtes Gottlob Pötzsch… an der Waldsachsener Straße“ gelegen (40169, Nr. 520). Der Grundeigentümer hatte sich beim Bergamt „wegen der Eisensteingräberei“ beschwert und eine Kaution vom Betreiber gefordert, als dessen Vertreter in der Akte ein Herr Cäsalpin (oder Casalpin) Bauer aus Zwickau genannt wird.

Bei einem solch ungewöhnlichen Namen suchten wir selbstverständlich weiter und fanden Herrn Civilingenieur Casalpin Bauer zur gleichen Zeit auch in Zusammenhang mit einem Kohlenabbauvertrag mit Grundeigentümern in Niederschindmaß wieder (33040, Nr. 51 und Nr. 52). Vermutlich also war die Magdalena Fundgrube eigentlich eine Steinkohlenbau- Gesellschaft, die aber fern des Nordrandes der Zwickauer Mulde auch damit scheitern mußte.

   

Wie aus der Familienchronik von Richard Robert Rothe, Kalkbrenner in  Rudelswalde, zu erfahren ist, hatten Gemeindemitglieder aus Rudelswalde anno 1855 auch dort einen Kohlebohrverein gegründet. Aus dieser Chronik dürfen wir dazu zitieren:

In den Jahren 1858 und 1859 hatten sich viele Gemeindemitglieder vereinigt und gründeten den Kohlenbohrverein. Es wurde auf dem Grundstück des Herrn David Künzel in der so genannten ,Seute' ein Bohrhaus errichtet und mit einem auswärtigen Bohrmeister ‒ dem die Arbeiter Christian Schmidt und Carl Ahnert beigegeben ‒ die Bohrungen vorgenommen. Nicht lange aber sollte es dauern, schon im Jahre 1862 wurde die Bohrhütte wieder zum Abbruch verkauft. Es hatte sich ergeben, daß bei einer Tiefe von über 800 Ellen (also über 400 m !) der Bohrer festsitzen blieb und das Sachverständigen- Gutachten Urgebirge konstatierte, was aber zu Bedenken Veranlassung gegeben hat. Ein neues Bohrloch zu errichten war ‒ weil der Bohrer nicht gehoben werden konnte ‒ zu kostspielig und man entschloß sich deshalb zum Verkauf der Bohrhütte mit sämtlichem Inventar.“

Viele ähnliche, oft privat finanzierte, jedoch gescheiterte Erkundungsvorhaben trugen letztlich auch zu den geologischen Grundlagen des Steinkohlenbergbaus in Sachsen bei.

   


Faksimile der Crimmitschau'er Heimatblätter, Heft Nr. 1, 5. Jahrgang, 1925. Man beachte den Artikel unten.
Kopie bereitgestellt von Herrn A. Molder, Crimmitschau.

       

Der Autor obigen Artikels in der Beilage des Crimmitschau'er Anzeiger und Tageblatts, Herr Rudolf Dämmrich, berichtete im Jahr 1925 unter der Überschrift Crimmitschau als Kohlenstadt ebenfalls über diese Bohrversuche, und schreibt, er habe bei der Durchsicht alter Chroniken die folgenden bemerkenswerten Notizen darüber gefunden:

So heißt es in der vom damaligen Schuldirektor und Kirchner G. A. Pechstein für das Jahr 1855 herausgegebenen Chronik unter vermischten Nachrichten: Den 14. Mai konstituierte sich der Ceimmitschau- Rudelswalder Steinkohlen- Bohr- Verein, und der Anfang zum ersten Bohrversuche auf dem zu diesem Behufe acquirierten Grundstücke der Rudelswalder und Sahnauer Fluren wurde den 21. Juli gemacht. Das Bohrloch ist zur Zeit 125 Ellen (ca. 71 m) tief, und obwohl noch keine Kohlen gefunden sind, so geben doch nach der Versicherung Sachverständiger die hier aufeinander lagernden Erdschichten zur Auffindung derselben die gegründetste Hoffnung, weshalb auch die Aktien, auf welche 2 Thlr. eingezahlt sind, mit 5 und 6 Thlr. gern gekauft werden.“

Die Bohrung ist drei Jahre lang fortgesetzt und verteuft worden. Mangels Erfolg nahm der Optimismus dann jedoch wieder ab und Herr Dämmrich fand in besagter Chronik für das Jahr 1858 dazu nur die Bemerkung: Die Tiefe des Bohrlochs des ... Steinkohlen- Bohrvereins beträgt gegenwärtig 720 Ellen (408 m).“

Im Folgejahr wurde das Stammkapital von 10 auf 15 Thlr. je Aktie erhöht, um die für diese Zeit sehr aufwendige Tiefbohrung fortsetzen zu können. Die Tiefe des Bohrlochs hatte zum Ende immerhin 800 Ellen (gegen 450 m) erreicht. Da jedoch der erhoffte Erfolg nicht eintrat, heißt es schließlich im Jahre 1864: Im Februar ist der Crimmitschau- Rudelswalder Steinkohlen- Bohrverein, nachdem man seitens desselben Jahres hindurch vergeblich nach Kohlen gesucht, wieder aufgelöst und darauf der Bohrturm sowie das daneben befindliche Haus abgetragen worden.“

Das Bohrloch ist als wertvoller Aufschluß auf der geologischen Karte verzeichnet und liegt ca. 300 m nördlich des vor einigen Jahren abgebrochenen, an der Straße von Rudelwalde nach Mannichswalde gelegenen Kalkofens, notierte Herr Dämmrich weiter.

Daraus erfahren wir nebenbei noch, daß der Rothe'sche  Brennofen Anfang der 1920er Jahre aus der Landschaft verschwunden ist.

   


Da schauen wir natürlich nach und finden tatsächlich die Eintragung dieses Bohrloches auf dem betreffenden Kartenblatt No. 93 aus dem Jahr 1904 nördlich des damals noch bestehenden Rothe'schen Brennofens wieder. Die Angabe PO2 unter dem Dreieck, das den Ansatzpunkt der Bohrung markiert, bedeutet, daß in dessen Tiefstem das Oberrotliegende (untere Abteilung des Perm, daher ,P´), und zwar nach der Kartenlegende
die „Stufe der kleinstückigen Conglomerate“ erbohrt wurde.

   

Weitere Bohrversuche erfolgten zur gleichen Zeit auch in Obergrünberg und bei Meerane und 1894 nochmals in Dänkritz, alle blieben jedoch ‒ hinsichtlich des Auffindens von Steinkohlen ‒ erfolglos. Herr Dämmrich schrieb dazu 1925: Auch anläßlich der im vergangenen Jahre (1924) von der Stadtverwaltung im Bismarckhain unternommenen Bohrungen nach Wasseradern wurde wiederholt ... die Frage erörtert, ob nicht wohl auch Kohlen unter Crimmitschau zu finden seien. Wenn wir die oberflächlichen Bodenverhältnisse unserer Heimat mit denen des Zwickauer Steinkohlenbeckens vergleichen, so entbehrt diese Frage keineswegs der Berechtigung.

In dem Viereck Zwickau- Werdau- Crimmitschau- Glauchau finden wir unter den oberflächlichen Schichten von Lehm, Sand Ton und Kalk mächtige Lager eines durch Eisenverbindungen rot- oder gelbgefärbten, mit Kalk und Ton verkitteten Gesteins, vom Geologen ,Rotliegendes´ genannt. In unserer engeren Heimat tritt es besonders schön zutage an dem Nordhang der Gottesackerhöhle, an der Haltestelle Schweinsburg- Culten und in Werdau am ,Roten Berg´.

Das Rotliegende ist überaus mächtig. So mußte man im Bürgerschacht bei Zwickau 374 m, im Bahnhofsschacht sogar 599 m tief eindringen, um es zu durchstoßen. Auf Grund des Vergleiches mit den Zwickauer Verhältnissen werden die in der Chronik erwähnten Sachverständigen eben dieses Rotliegende als ,bestes Kohlengebirge´ angesprochen haben. Trotz der Tiefe von 450 m konnte in Rudelswalde das Rotliegende nicht durchstoßen werden. Andere Ergebnisse zeigte jedoch der Bohrversuch in Obergrünberg. In einer Tiefe von rund 350 m hörten die Gesteine des Rotliegenden auf. Unter ihnen lagen Kiesel- und Alaunschiefer, die der Geologe ihrem Alter nach als silurische Schichten bezeichnet.

Fern des Westrands der Zwickauer Teilmulde sind also ‒ sofern hier in der Vorzeit karbonische Sedimente abgelagert worden sind ‒ diese später wieder von der Erosion abgetragen worden. Das große Erzgebirgische Becken wurde danach mit den Sedimenten des Rotliegenden wieder ausgefüllt, die hier den prävaristischen Schiefergesteinen direkt aufliegen. Der Autor kam deshalb 1925 am Ende seines Berichts zu dem Schlusse: Trotzdem besteht natürlich die Möglichkeit, daß unter dem Harthwalde schwache Kohlenflöze liegen, deren Feststellung wohl im Interesse der Wissenschaft liegen würde, kaum aber von wirtschaftlicher Bedeutung sein dürfte.“

  


Auch die Bohrung bei Obergrünberg, noch weiter nordöstlich von Crimmitschau gelegen, ist auf dem Kartenblatt vermerkt und in eine Profildarstellung am Rand des Kartenblattes eingeflossen. Unter den (rotbraun dargestellten) Schichten des Rotliegenden stieß die Bohrung nicht in das - bei ungestörter Schichtenfolge üblicherweise - darunterliegende Karbon, sondern direkt in viel ältere Gesteinesschichten.

   

Doch damit wollen wir unseren Abstecher zu den hiesigen Kohlenbohrversuchen jedoch beenden und kehren nun wieder zum Ausgangspunkt dieses Kapitels zurück.

Weil nun jedenfalls auch die Gewerkschaft der Magdalena Fundgrube zu Oberschindmaß die Kaution für den Bauern Gottlob Pötzsch nicht stellen wollte oder konnte, untersagte die Bergbehörde schließlich den weiteren Grubenbetrieb auch bei Christine Fundgrube.

Die Gewerkschaft hatte freilich auch wirklich nicht viel vorzuweisen. Wahrscheinlich erfolgten bei Crimmitschau tatsächlich nur bei Christine Fundgrube einige Versuchsarbeiten, in deren Ergebnis aber keine bauwürdigen Eisenerzvorkommen aufgefunden wurden. Nur diese Grube nämlich taucht in einer Oberbergamtsakte zur Verwahrung alter Schächte nach 1859 noch einmal auf (40001, Nr. 3006), während über die anderen oben angeführten Gruben nur deren „Auflässigkeit“ bzw. der „Freifall nach Auflösung der Gewerkschaft“ ab 1860 in den Akten vermerkt sind.

Bis 1861 kam es daraufhin nicht nur zum Rücktritt des Vorstandes der Gewerkschaft Magdalena Fundgrube, sondern auch zur Beschlagnahme der Kaue und der Steigerwohnung in Oberschindmaß, weil die Gewerkschaft nämlich auch die Bergamtsgebühren nicht beglichen hatte, und schließlich zur Zwangsversteigerung und zur Auflösung der Gewerkschaft (40169, Nr. 230 sowie 40057, Nr. 1).

Danach war aber in Crimmitschau noch nicht gleich Schluß: Ein Herr Karl Friedrich Engler nämlich hat 1858 die Abbaurechte der Alten Hoffnung Fundgrube übernommen und sie unter dem Namen Robert Fundgrube neu eintragen lassen (40024-10, Nr. 775). Besagter Herr Engler ist uns unter anderem auch schon aus dem Steinkohlenbergbau in  Berthelsdorf bei Hainichen und danach von der Neujahr Fundgrube in  Wildenau bei Schwarzenberg bekannt geworden. Aber auch er spekulierte wohl auf wachsende Nachfrage nach Eisenerz und steigende Preise, hielt die Robert Fundgrube nur in Fristen und sagte sie 1862 wieder los (40169, Nr. 1455).

  

Doch zurück zur Königin Marienhütte: Der Name dieser berühmten Zwickauer Eisenhütte geht auf Maria Anna von Bayern (*1805, †1877), seit 1833 zweite Gattin König Friedrich Augusts, II. von Sachsen (*1797, †1854) zurück.

Die Gründung des Hüttenwerkes erfolgte durch die Sächsische Eisen- Compagnie im Jahr 1839 und markierte in der Eisenhüttenindustrie in Sachsen den Übergang von den einst zahlreichen kleinen, meist wasserkraftgetriebenen Hammerwerken zur modernen Eisen- und Stahlindustrie mit Koks und Steinkohle als Brennstoff. Der Standort der Hütte bei Zwickau, wo seit Jahrhunderten Steinkohle gefördert wurde, war somit klug gewählt (wikipedia.de).

Ursprünglich sollte das Hüttenwerk südlich von Zwickau in Wilkau erbaut werden. Am 21. April 1840 erfolgte dann aber die Grundsteinlegung auf dem sogenannten Mühlenfeld an der Zwickauer Mulde in Niedercainsdorf, welches zum Rittergut Planitz gehörte.

   

Das Rittergut Planitz befand sich seit 1812 im Besitz der damals noch minderjährigen Brüder Georg Heinrich Wolf von Arnim auf Planitz (*1800, †1855), Hans Carl von Arnim auf Planitz (*1802 †1857) und Friedrich Henning von Arnim auf Crossen (*1804 †1857). Es waren die Söhne des oben schon einmal genannten Domherrn Carl Christoph von Arnim auf Planitz, der von 1772 bis zu seinem Ableben 1812 im Besitz des Gutes gewesen ist. Der älteste von ihnen, Georg Heinrich Wolf von Arnim (*1800, †1855), übernahm dann 1828 das Rittergut Planitz.

Planitz ist der Stammsitz des alten, weitverbreiteten und einst mächtigen Geschlechtes der Herren von der Planitz, denen im 15. und zu Anfang des 16. Jahrhunderts noch ein großer Teil des Obererzgebirges und des Vogtlandes gehörte. Die erste urkundliche Erwähnung finden die von Planitz im Jahre 1152, als Ludwig von der Planitz mit dem Kloster Bosau in Streit geriet. Das Rittergut war damals und bis zum Ende des 14. Jahrhunderts ein reußisches Lehen.

Der Amtshauptmann des Vogtlandes, Rudolph von der Planitz, wurde 1522 in den Edelstand erhoben und das Geschlecht schrieb sich von da an Edle von der Planitz. Dessen Enkel, Hans Rudolph und Georg Christoph von der Planitz, verkauften 1572 das Rittergut samt den schon damals bestehenden Kohlenwerken zunächst an Georg von Schönburg.

  

Nach vielen Besitzwechseln in rascher Folge gelangte Planitz schließlich an die Familie von Arnim. Der jagdbegeisterte Kurfürst Johann Georg II. (*1613, 1680) hatte mit den drei Brüdern von Arnim das Rittergut Pretzsch bei Wittenberg aus deren Besitz (wegen der besseren Jagdbedingungen) gegen Planitz eingetauscht. Das Rittergut Planitz schloß die Dörfer Ober- und Unterheinsdorf, Cainsdorf, Wilkau mit Hammerwerk und Mühle, Walda bei Hain, Neusorge bei Mittweida, Rottmannsdorf, Voigtsgrün und Irfersgrün ein. Der älteste der Brüder, Johann Georg von Arnim (*1655, †1721), zahlte seine Brüder mit  51.000 Gulden aus und übernahm die Herrschaft Planitz (planitz-sachsen.de).

Am 18. März 1698 unterzeichnete Kurfürst Friedrich August (*1670, †1733), genannt der Starke und später als August der I. König von Polen auch eine Lehnsurkunde für Johann Georg von Arnim. Von nun an blieben diese Besitzungen fortwährend in den Händen der Familie von Arnim (L. Oeser, 1856). Nach dem Tod seines Vaters übernahm der spätere Königlich- Polnische und Kurfürstlich- Sächsische Kammerherr Christoph Heinrich von Arnim (*1699, †1767) im Jahr 1721 die Planitzer Herrschaft. Er lebte jedoch meist in Gröba. Der älteste Sohn aus der zweiten Ehe des Christoph Heinrich von Arnim, Hans Christoph von Arnim (*1736, †1772), erbte Planitz und Voigtsgrün. Er erwählte sich 1768 als erster der Familie von Arnim Planitz als ständigen Wohnsitz (planitz-sachsen.de).

  


Ansicht der Königin Marienhütte in Zwickau-Cainsdorf, Tafelmalerei von Friedrich Wilhelm Tretau, um 1840, Original im Städtischen Museum Zwickau.

http://www.deutschefotothek.de/documents/obj/70012658

  

Die Familie von Arnim engagierte sich anschließend sehr erfolgreich im Zwickauer Steinkohlenbergbau. Das Grubenfeld der von Arnim'schen  Steinkohlenwerke erstreckte sich über den alten Planitzer Kohlberg und auf die sich östlich und nördlich daran anschließenden Felder. In der folgenden Zeit, während der die Familie von Arnim das Rittergut verwaltete, entwickelte sich ‒ wesentlich befördert durch die beginnende Industrialisierung ‒ auch der Steinkohlenbergbau in Planitz rasant. Zwar wurde den Planitzer Kohlenbergwerken aufgrund ihres Ertragsreichtums schon zu Lebzeiten Johann Georg von Arnims eine gewisse Bedeutung zugemessen, jedoch reichten damals noch fünf Bergleute aus, um die Kohlenförderung zu bewerkstelligen.

Als die Brüder Georg Heinrich Wolf, Hans Carl und Friedrich Henning von Arnim den Planitzer Kohlberg im Jahr 1812 erbten, waren schon etwa 30 Arbeiter dort beschäftigt. Georg Heinrich Wolf von Arnim (*1800, †1855) fand seine Brüder 1828 mit 166.503 Talern ab und übernahm die alleinige Herrschaft auf Planitz mit Voigtsgrün und Irfersgrün, ab 1835 auch das dazugehörige Steinkohlenrevier (planitz-sachsen.de).

Die Kohlenbergwerke lagen eigentlich nicht auf der Flur des Planitzer Rittergutes, sondern auf den sogenannten Pfarrfeldern. Im Jahre 1708 wurde Johann Georg von Arnim durch das Appellationsgericht zu Dresden zwar das alleinige Recht zugesprochen, auf den Pfarrfeldern zu Planitz Kohlen abzubauen, aber er mußte im Gegenzug einen Anteil der dort abgebauten Kohlen an die Planitzer Kirche abgeben. Ursächlich dafür war eine schon zu Beginn des 16. Jahrhunderts durch die Familie von Beust, die zwischen 1572 und 1689 auch eine Zeit lang zu den Besitzern des Rittergutes gehört hatte, initiierte Stiftung. Heinrich von Beust hatte damals entschieden, aus seinem Kohlenberg eine Stiftung zu machen und von jeder geförderten Wagenladung Kohlen einen bestimmten Teil an die Kirche abzutreten (40196).

Im Jahr 1824 verweigerte Georg Heinrich Wolf von Arnim erstmals die Zahlung dieses Kohlenzehnten. Da er ab 1842 auch das Eisenhüttenwerk der Sächsischen Eisen- Compagnie auf der Rittergutsflur in Niedercainsdorf mit Kohlen aus seinen Schächten belieferte (vgl. u. a. 30771, Nr. 700, 10736, Nr. 17655, sowie 40024, Nr. 1-40), war strittig, ob auch auf die (zu diesem Zweck zu Koks verarbeiteten) Kohlen Abgaben an die Kirche zu zahlen waren oder ob diese unter den Privatbedarf an Kohlen fielen, der für die Rittergutsbesitzer nach der oben genannten Stiftungsurkunde abgabenfrei war.

In einer Beschreibung der Kohlenwerke aus dem Jahr 1856 heißt es dann, daß in den von Arnim'schen Steinkohlenwerke nun schon 400 Mann fortwährend beschäftigt seien (L. Oeser, 1856). Besonders die Lieferungen an das Hüttenwerk in Cainsdorf hatten natürlich auch in der Kohlenförderung zu einem weiteren Aufschwung geführt. In Oeser's Album der sächsischen Industrie heißt es dazu: „Bis zum Jahr 1840 überstieg die jährliche Kohlenförderung nie 7.000 Karren, von hier an aber hob sich dieselbe und schon 1845 wurden 61.600 Karren und 1850 bereits 136.000 Karren à 5 Dresdener Scheffel gefördert; im Jahre 1857 betrug die Kohlenförderung 192.637 Karren...“

Die Steinkohlenwerke verfügten über insgesamt 66 Koksöfen und die Koksproduktion belaufe sich auf „jährlich circa 150.000 Centner. Der größte Theil der geförderten Kohlen wird theils zur Marienhütte, theils zur Koksbereitungsanstalt geliefert, der übrige Theil wird nach Leipzig, Magdeburg und Baiern versendet.

Noch im Jahr 1895 wurde mit dem Neuen Alexanderschacht ein weiterer Förder- und Wetterschacht für die von Arnim'schen Steinkohlenwerke abgeteuft. Er erreichte über 228 m Teufe, erschloß drei Steinkohlenflöze und galt mit seiner elektrischen Turmförderanlage als der modernste Schacht seiner Zeit.

  


Diese kolorierte Lithographie aus dem Jahr 1856 zeigt die Übertageanlagen der von Arnim'schen Steinkohlenwerke in Planitz. Neben dem Anschlußgleisen im Hintergrund sind vermutlich der Himmelfahrt Schacht und (ganz rechts) der (alte) Alexanderschaht zu sehen, links im Vordergrund der Kunstschacht.
Aus: Album der Sächsischen Industrie, Band 1, Louis Oeser (Hrsg.), Neusalza 1856, Seite 253.

  


Kolorierte Lithographie mit einer Ansicht der Königin Marienhütte aus dem Jahr 1856.
Aus: Album der Sächsischen Industrie, Band 1, Louis Oeser (Hrsg.), Neusalza 1856, Seite 17.

  

Für die Oberleitung bei der Errichtung des Hüttenwerkes hatte die Sächsische Eisen- Compagnie ‒ deren Direktoriumsvorsitz übrigens Georg Heinrich Wolf von Arnim schon ab 1841 ebenfalls innehatte ‒ den Schweizer Ingenieur Johann Jakob Sulzberger (*1802, †1855) verpflichtet. Am 27. Juli 1840 fand dann auch die Grundsteinlegung für den ersten Hochofen statt. Schon im gleichen Jahr wurden die Mauerarbeiten für diesen ersten, 45 Fuß (zirka 12,75 m) hohen Hochofen vollendet, doch seine endgültige Fertigstellung verzögerte sich noch bis ins erste Halbjahr 1842. In diesem Jahr konnte der erste Hochofen angeblasen werden (Informationen von Herrn N. Peschke, Zwickau).

Einer der wichtigsten Abnehmer der Erzeugnisse waren die Königlich Sächsischen Staatseisenbahnen. In den folgenden Jahrzehnten entwickelte sich bekanntlich in Sachsen eines der dichtesten Schienennetze der Welt.

Von wesentlicher Bedeutung für den Betrieb war natürlich eine kontinuierliche Versorgung mit Rohstoffen. Den Brennstoff für die Hochöfen lieferten die von Arnim'schen Steinkohlenwerke auf kurzem Wege. Noch aber mußte fast alles mittels Pferdefuhrwerk ‒ mindestens bis zum nächstliegenden Bahnhof ‒ antransportiert werden. Daher war die Hüttenverwaltung natürlich daran interessiert, vorrangig nahe liegende Rohstoffquellen im Westerzgebirge und im Vogtland zu nutzen. Dazu hatte die Königin Marienhütte nach und nach vielerorts Abbaurechte auf Eisenerz erworben, u. a. die Grube Neusilberhoffnung in  Pöhla, das Abbaufeld von Wilkauer Vereinigt Feld am Tännigt bei  Langenberg, die Heinrich Fundgrube in Cunsdorf bei  Reichenbach im Vogtland sowie an zahlreichen weiteren Standorten.

Von Anfang an war daher auch unter den Offizianten der Hüttenverwaltung ein Schichtmeister, der für sämtliche der Königin Marienhütte gehörigen Bergbaubetriebe, namentlich der Eisenerzgruben, aber auch anderer Bergbaubetriebe, wie etwa in Wahlen bei Crimmitschau, zuständig war. Als erster in dieser Funktion war seit 1841 der Bergingenieur Ernst Julius Richter (*1808, †1868) eingesetzt. Er wurde von Bergrat Friedrich Constantin von Beust im April 1839 an die Sächsische Eisen- Compagnie vermittelt. Nach einjähriger Einarbeitung wurde er am 1. April 1840 als Bergmännischer Bevollmächtigter der Sächsischen Eisen- Compagnie fest eingestellt. Um 1860 verließ er aber die Gesellschaft und wurde Direktor des Zwickauer Brückenberg Steinkohlenbauvereins (Informationen von Herrn N. Peschke, Zwickau).

Danach übernahm diese Funktion bei der Königin Marienhütte der Bergingenieur Albin (oder AlwinHartung sen. aus Cainsdorf.

  

Obwohl die Königin Marienhütte im gesamten Westerzgebirge und im sächsischen Vogtland sehr intensiv und fast schon verzweifelt nach immer neuen Rohstoffquellen suchte, mußte aufgrund des allmählichen Versiegens der eigenen Eisenerzvorräte 1893 die Roheisenproduktion eingestellt werden (wikipedia.de).

O. Neubert erläutert in seiner Beschreibung der Königin Marienhütte 1894, daß der (dazumal schon nur noch eine) Hochofen 18 m Höhe und 5,5 m Durchmesser besäße und seit dem August 1893 nicht mehr im Gange sei, „…weil die Eisensteine aus den Gruben der Hütte nicht ergiebig genug waren, die fremden Eisensteine aber zu viel Fracht kosten und der Preis für Roheisen jetzt ein sehr niedriger ist.“

Neben Roheisen wurde auch Walz- und Schmiedestahl erzeugt. Außerdem verfügte das Werk über eine „Maschinenbauwerkstätte“, in der unter anderem Ausrüstungen für den Steinkohlenbergbau gefertigt wurden, sowie über eine „Brückenbauwerkstätte“. Dort wurden zum Beispiel die Riesaer und die Schandauer Elbbrücke konstruiert, aber auch „Bahnsteigüberdachungen, Schachtgestänge, Bohr- und Aussichtstürme und andere Eisenkonstruktionen“ vorgefertigt (O. Neubert, 1894).

Auch die unter dem Namen „Blaues Wunder“ bekannte, Loschwitzer Elbbrücke in Dresden wurde hier in Zwickau von den Ingenieuren der Königin Marienhütte konstruiert, vorgefertigt und 1893 als die inzwischen schon 1.500. Stahlbau- Brücke ( !! ) durch das Unternehmen errichtet. Diese Brücke gilt heute als eines der Wahrzeichen der Stadt Dresden (wikipedia.de).

Ferner verfügte das Hüttenwerk über eine eigene Ziegelei, eine Gasanstalt, die auch die Orte Bockwa und Wilkau mit Leuchtgas versorgte, über 28 eigene Koksöfen und insgesamt 90 Dampfmaschinen; dazu über eine eigene Werkbahn mit drei Lokomotiven, die den Transport bis zu den Gleisen der Kgl. Sächs. Staatsbahn besorgten. 1894 habe man in allen Teilbetrieben zusammengenommen etwa 1.800 Arbeiter beschäftigt (O. Neubert, 1894).

   


Zeichnung der Königin Marienhütte aus O. Neubert, 1894. Etwa in der Bildmitte sind die Hochöfen zu sehen.

  

Dennoch wird in der Ausgabe des Jahrbuches von 1901 im Kapitel Statistische Mittheilungen über das Hüttenwesen, Abschnitt Eisenhüttenwerke, die Königin Marienhütte zu Cainsdorf noch als das einzige, derzeit in Betrieb stehende Werk zur Erzeugung von Roheisen in Sachsen angeführt. Im Jahre 1900 habe die Hütte der Aktiengesellschaft mit 157 Arbeitern in Cainsdorf 68.065 Tonnen Erz und 14.149 Tonnen Zuschläge in einem ganzjährig in Betrieb befindlichen Hochofen verhüttet und dabei 10.351 Tonnen Roheisen, 3.068 Tonnen „Bessemer- Roheisen“ (Konverter-Stahl) und 12.251 Tonnen „Puddel- Eisen“ hergestellt.

Das sogenannte Puddel- Verfahren (aus dem Englischen: puddle… zerdrücken, anmachen, umrühren) ergibt ein Schweißeisen, bzw. einen Schweißstahl. Dabei wird das Roheisen in einem Flammenofen unter Luftzutritt umgeschmolzen, wobei der Kohlenstoff verbrennt, das Eisen immer ärmer an Kohlenstoff wird und dadurch an Schmelzbarkeit verliert. In dem zunächst noch flüssigen Roheisen bilden sich dabei teigige Massen von kohlenstoffarmem Eisen. Diese Massen werden durch die Rührer (die „Puddler“) zusammengehäuft, dadurch aneinandergeschweißt und der erhaltene Klumpen, „Luppe“ genannt, kommt sofort unter Dampfhammer oder Walzen, um die eingeschlossene Schlacke auszuschmieden (alte-technologie.de).

    

Nach dem Ende des ersten Weltkrieges waren die Steinkohlenvorräte unter den Pfarrfeldern fast gänzlich abgebaut. Die von Arnim'schen Steinkohlenwerke wurden durch den Erzgebirgischen Steinkohlen- Aktienverein übernommen. Zu diesem Zeitpunkt war die Belegschaft der Arnim’schen Kohlenwerke auf ihren Höchststand von 766 Mann angewachsen. Die Stillegung der Kohlenförderung in den von Arnim'schen Schächten erfolgte schließlich 1925 (40190-1, Nr. 1189).

Die Schächte wurden vom neuen Besitzer noch eine Zeitlang als Wetterschächte genutzt und dabei auch Restvorräte in den Sicherheitspfeilern abgebaut. In den 1930er Jahren wurden sie endgültig stillgelegt und mit Haldenbergen verfüllt.

  

Auch das Hüttenwerk wurde schon 1873 an die Deutsche Reichs- und Continental- Eisenbahnbau- Gesellschaft verkauft. 1877 wurde das Werk in eine neue Aktiengesellschaft umgebildet.

Nach dem Ende des 1. Weltkrieges entstand 1920 schließlich die Deutsche Reichsbahn und löste die bisherigen, regionalen Bahnverwaltungen ab. Dieses länderübergreifende Großunternehmen konnte natürlich beliebig auch von anderen Herstellern Stahl für Schienen und Brücken kaufen, so daß der Konkurrenzdruck wuchs und der Absatz solcher Erzeugnisse bei der Königin Marienhütte weiter sank.

Schon ab 1916 war die Königin Marienhütte in den Besitz der Sächsischen Gußstahlwerke Döhlen AG übergegangen. Noch immer stellte man Schienen für die Eisenbahn her. Zu dieser Zeit waren aber nur noch 50 Arbeiter in Cainsdorf beschäftigt. Hauptprodukt waren Gleisweichen (wikipedia.de).

Paradoxerweise hat also einer der einstmals wichtigsten Abnehmer der Königin Marienhütte ‒ die Eisenbahn ‒ letztlich dafür gesorgt, daß dem Untenehmen dauerhafter wirtschaftlicher Erfolg versagt blieb. Die Eisenbahn machte es möglich, daß Erz, Roheisen und Stahl aus anderen Regionen der Welt, wo es weit billiger als im Erzgebirge gefördert oder produziert wurde, auch in großen Mengen zu jedem Standort in Deutschland gebracht werden konnte.

  

Nach 1945 und noch bis zur politischen Wende 1990 war die ehemalige Königin Marienhütte als Betrieb 536 ein Teil der SAG / SDAG Wismut. Von 1968 an produzierte man unter dem Namen SDAG Wismut BAC (Betrieb für Bergbau und Aufbereitungsanlagen Cainsdorf). Bekanntlich befand sich in Crossen, nördlich von Zwickau, auch eines der Aufbereitungswerke der SDAG Wismut für Uranerze.

Mit der Auflösung der SDAG Wismut ging der Betrieb 1990 in den Besitz des Bundeswirtschaftsministeriums über und wurde 1993 als Teilbetrieb der DFA GmbH (Deutsche Fertigungs- und Anlagenbau) ausgegliedert. Produziert wurde nun im Stahl- und Behälterbau, Fördertechnik, Baustoffmaschinen, Raumcontainer und in der Industriemontage. Mit der Privatisierung 1995 bis zu deren Insolvenz im Jahre 2004 firmierte die Firma als SAM GmbH (Sächsischer Anlagen- und Maschinenbau). 2005 übernahm die ZSB GmbH (Zwickauer Sonderstahlbau) die Produktionsanlagen der SAM. Heute sind hier wieder zirka 60 Mitarbeiter beschäftigt (wikipedia.de).

  

   
 
 

Zum Dolomitabbau durch die Königin Marienhütte in Wahlen 1887-1917

 

Wie oben schon zu lesen war, hatte der Domherr Carl Christoph von Arnim auf Planitz, also schon 1802 einen Kalksteinbruch in Wahlen erworben und dort einen Kalkbrennofen errichten lassen (30771, Nr. 147).

Aus dem Zeitraum nach dem Verkauf dieses Brennofens 1828 und bis 1887 konnten wir bisher keine weiteren Quellen über einen Fortgang des Dolomitabbaus auffinden, obwohl er sicher von privaten Eigentümern mehr oder weniger intensiv fortgeführt worden ist. Stattdessen versuchten sich zwischen 1857 und 1862 einige Unternehmer mit der Gewinnung von Eisenerzen in der Region, womit sie allerdings – sicher aufgrund nicht vorhandener bauwürdiger Lagerstätten – gescheitert sind (siehe voranstehende Kapitel).

Ein Kalkwerk betrieb die Familie von Arnim auf Planitz auch in Planitz selbst.

Nun also stießen die Dolomitlagerstätten bei Crimmitschau auf das Interesse der Königin Marienhütte. Nach dem ersten überlieferten Fahrbericht des Bergverwalter Seemann aus dem Jahr 1900 besaß die Cainsdorfer Königin Marienhütte den Wahlener Kalksteinbruch wenigstens seit 1890. Mit dem Grundbesitzer Carl Ludwig Baumgärtel hatte man bereits 1887 einen Kalkbauvertrag über ein Abbaufeld von 1 Acker zu 300 Quadratruthen oder 55,34 Ar = 5.534 m² geschlossen.

  

Die Funktion des Betriebsleiters hatte nach 1860 auch hier in Wahlen der Bergingenieur Albin (oder AlwinHartung sen. aus Cainsdorf inne. Als Steiger war Carl Heinrich Viertel tätig, der zuvor Aufseher im Rother Adler Stolln in Rittersgrün gewesen ist.

Das 1887 erworbene Baufeld befand sich im späteren Stadtpark zwischen zwei anderen, zuletzt dem Herrn  Polster gehörigen Steinbrüchen am Nordhang eines kleinen Seitentälchens des Pleiße- Tales. Der Grundbesitzer erhielt für das Abbaurecht einen Betrag von 3.000,- Mark, der je nach Fortgang der Arbeiten in zwei Raten entsprechend einer abgebauten Fläche von je einem Scheffel Saat zu zahlen waren. Der Transport des geförderten Kalkes zum Bahnhof wurde dem Grundeigentümer zugesichert, so lange er wohlfeile Preise biete.

Im Vertrag war auch festgelegt, daß der Abbau so zu führen sei, daß der Bewirtschaftung möglichst wenig Fläche entzogen werde. Nach Beendigung des Abbaus sollten die in Anspruch genommenen Flächen baldmöglichst wieder in einen nutzbaren Zustand versetzt werden. Da die Vertragspartner hier nicht definiert hatten, wie „ein nutzbarer Zustand“ denn aussehen solle, folgten daraus später unvermeidlich einige Streitereien…

Die Arbeitszeiten sind ordnungsgemäß in einer Arbeitsordnung festgehalten (enthalten in der Akte 40024-12, Nr. 100) und entsprachen dem damals Üblichen: Im Sommer von früh 5 Uhr bis abends 7 Uhr bei zwei halbstündigen Frühstücks- und Vesperpausen und einer ganzstündigen Mittagspause – effektiv also 12 Stunden.

Insgesamt zählte bei seiner ersten Inspektion des Kalkbruches der (so unterschrieb er hier) Bergverwalter Seemann von der Berginspektion III zu Freiberg im Jahr 1900 eine Belegschaft von 14 Arbeitern. Aufgrund der wirtschaftlichen Zusammengehörigkeit mit der Hütte waren die Arbeiter auch – anders als sonst in Steinbruchbetrieben – hier in der Thüringischen Eisen & Stahl-Berufsgenossenschaft versichert. Alle Arbeiten wurden nach Stundenlohn vergütet, wobei der Einzelne im Schnitt bei voller Arbeitszeit auf 2,30 Mark täglich kam. Auch eine beheizbare Mannschaftsstube war vorhanden.

Im Jahr 1899 habe man 2.496 m³ Rohdolomit gefördert, der sämtlich ungebrannt als Zuschlagstoff an die Hütte in Cainsdorf geliefert worden ist.

Zur Geologie schreibt Seemann, daß das Lager, „soweit sich übersehen läßt, gleichbleibende Mächtigkeit von zirka 6 m besitzt und fast söhlig“ gelagert sei. Man unterscheide eine Ober- und eine Unterbank, wobei das Kalkwerk derzeit nur in der Oberbank abbaue. „Dieser Kalkstein ist von lichtbrauner Farbe und von dichter Struktur, er ist plattenförmig abgesondert und von saigeren Klüften durchsetzt…“  Im Liegenden stehe „dolomitischer Thonstein“ des Rotliegenden (wohl die unteren Letten), im Hangenden wie üblich die oberen bunten Letten und darüber „thonige Sandsteine“ des Buntsandsteins an. Die wohl überwiegend pleistozänen Kiessande auf der Hochfläche ordnete Seemann dem Oligozän zu.

In den ersten Jahren“ schreibt Seemann, also von 1890 bis 1900, sei „nur Tagebaubetrieb“ erfolgt. Mit zunehmender Abraummächtigkeit gehe man jetzt zum Tiefbau über, sei gerade aber noch mit Vorrichtung zum Abbau beschäftigt. Dazu habe man zwei söhlige Strecken von Tage herein (aus dem Tagebau heraus) bis zur Feldesgrenze und von diesen senkrecht ausgehend, im Abstand von etwa 7 m „Flügelstrecken“ vorgetrieben. Aufgrund des gebrächen Hangenden sei fast überall Firstverzimmerung erforderlich. Die Strecken hatten einen Querschnitt von etwa 3 m Höhe und 2 m Breite. Gewöhnlich erfolge der Einbruch oben und anschließend nehme man auch die Sohle nach.

Ins Moderne übersetzt: Der in Cainsdorf bei Zwickau ansässige Hüttenbetrieb brachte gewissermaßen aus dem „eigenen Revier“ ‒ natürlich vor allem aus dem Planitzer Steinkohlenbergbau, aber auch aus zahlreichen Eisenerzbergwerken, wie etwa in  Pöhla ‒ viele Erfahrungen mit und führte hier einen recht systematischen Kammerpfeilerbau durch. Der Sohn von A. Hartung war selbst konzessionierter Markscheider und zeichnete die Grubenrisse, von denen einer erhalten geblieben ist (als Aktenbeilage in 40054, Nr. 137).  

Der Abbau erfolgte durch Bohr- und Schießarbeit. Sprenglöcher wurden 0,75 m tief gebohrt und mit Dynamit besetzt, das man von  Facius aus Lugau bezog. Da man auf städtischem Grund abbaute, erteilte hier der Stadtrat die Genehmigungen zur Sprengmittellagerung, wofür das Werk 1900 einen „Pulverthurm“ besaß. Das gelöste Gestein wurde von Hand (mit der Schaufel) in die ½ m³ fassenden Förderwagen verladen, in diesen „zutage gestoßen“ und anschließend mittels einer Hängeseilbahn direkt bis zum Bahnhof befördert. Einer Wasserhaltung bedurfte es nicht, da zulaufendes Tropfwasser über die Tagesstrecken ablaufen oder im porösen Liegenden versickern konnte.

Diese Hängeseilbahn war schon sehr modern: Die Verladekästen der Loren wurden einfach vom Untergestell gelöst und eingehängt. Die Seilbahn war wie ein Bremsberg gebaut, wobei der volle Ladekasten immer den unten ausgeleerten wieder mit nach oben zog. Die Entladung am Bahnhof erfolgte selbsttätig in einen Silo, den sogenannten „Füllrumpf“; und von dort direkt weiter in die Eisenbahnwagen. Die entleerten Kästen wurden oben wieder auf die Untergestelle gesetzt und zum Beladen auf´s Neue in den Steinbruch geschoben… Der Förderweg dieser Seilbahn war bei einem Gefälle von 21 m bis zum Bahnhof im Pleiße- Tal zirka 160 m lang und erlaubte es, bis zu 40 Wagen pro Stunde zum Bahnhof zu befördern – bei 0,5 m³ Inhalt also etwa 20 m³ pro Stunde. Die Anlage arbeitete bis zur Einstellung des Bergbaubetriebes weitgehend fehlerfrei.

  


Eine kolorierte Postkarte der Stadt Crimmitschau, mit der Ansicht des Wahlener Steinbruches (links) und der Verladeanlage (rechts) am oberen Ende der Hängeseilbahn. Sammlung von Herrn A. Molder, Crimmitschau.

   


Eine weitere Ansichtskarte der Stadt Crimmitschau aus früherer Zeit und von ähnlichem Standpunkt - etwas weiter nördlich am Hang. Am rechten Bildrand erkennt man noch das Gebäude der Verladestation, von der Seilbahn ist nichts mehr zu sehen und auch die Abraumhalde in der Bildmitte ist schon mit Buschwerk bewachsen. Sammlung von Herrn A. Molder, Crimmitschau.

  

Von dem vertraglich gebundenen Baufeld von 300 Quadratruthen Fläche hatte man bis 1900 schon etwa 210 Quadratruthen abgebaut oder für die Betriebsanlagen in Anspruch genommen.

Da man ja 1893 den Hochofen in Cainsdorf ausgeblasen hatte, stockte der Absatz und der untertägige Abbau kam nie so richtig in die Gänge. Nur zwei Jahre später (1902) notierte Bergverwalter Seemann, daß der „unterirdische Betrieb ruhe“. Der Standort Wahlen wird – und zwar als das einzige aktive Kalkwerk in der Region um Crimmitschau zu dieser Zeit – aber auch in der Auflistung der gewerblichen Kalkwerke in den Ausgaben 1901 bis 1917 der Jahrbücher für das Berg- und Hüttenwesen im Königreich Sachsen aufgeführt.

Aus einer nur teilweise veröffentlichten Zusammenstellung der Berginspektion III für die Jahrbuchausgaben von 1902 und 1903 ist zu entnehmen, daß in den genannten Jahren für die Königin Marienhütte in Wahlen noch 2.573 t bzw. 2.442 t Dolomit gefördert worden sind (40024-12, Nr. 15).

Erst wieder im Jahr 1903 „befuhr man mit Steiger Viertel die gangbaren Grubenbaue.“ Dabei fand der inzwischen hier zuständige Berginspektor Roch6 Arbeiter an 4 Streckenörtern und in 1 Abbau je nach Bedarf während eines Theils ihrer Schicht beschäftigt, die übrige Zeit wurde zum Verfüllen des Tagebaus im Osten des Grubenfeldes verwendet.“ Ab 1903 war außerdem Obersteiger Haugk als Schichtmeister auf der Grube angestellt.

Die Gewerbeaufsicht der Stadt hatte 1903 bei einer Kontrolle festgestellt, daß über die vereinbarte Arbeitszeit hinaus gearbeitet werde. Haugk konnte gegenüber der Berginspektion aber schlüssig erklären, daß die Überstunden nur „bei sich einstellender Bedarfserhöhung“ geleistet werden, um umgekehrt in schlechteren Zeiten keine Arbeiter entlassen zu müssen; zumal auch kein Platz vorhanden sei, um geförderte Massen „auf Vorrat zu stürzen“.

Die Tagesstrecken der Grube setzten jeweils in den beiden Tagebauen an und waren von Ost nach West mit „Stolln I“ bis „Stolln III“ bezeichnet. Der Abbau wurde praktisch nur – wie oben von Seemann beschrieben – als Örterbau geführt. Inzwischen hatte man auch noch einen vierten Stollen begonnen, in dem – da er nämlich auf eine breite Erosionsrinne im Dolomitlager traf und von dort aus zunächst kein Abbau erfolgte – später das Sprengstofflager eingerichtet wurde. Die Stollnmundlöcher der Stollen III und IV waren mittels eines kurzen Durchhiebs bei Stolln II – dem „Tunnel“ – mit dem Haspelberg von Stolln I und mit der Hängeseilbahn verbunden.

1904 zeigte man der Bergbehörde an, daß man die Betriebsweise verändern wolle, weil „sich in neuerer Zeit in der Oberbank viele Einlagerungen gezeigt hätten“. Diese Auswaschungen machten das Anstehende wertlos und deshalb wolle man den Abbau in die Unterbank verlagern und die Sohle der Abbaustrecken bis auf das Liegende nachstrossen.

Eine Beschreibung dieses Vorgehens fanden wir einige Zeit später im Fahrjournal von 1915, wo es heißt: „Der Betrieb wird auf dem 7 m bis 8 m mächtigen Lager so geführt, daß man in etwa 5 m Abstand voneinander parallele, weite Strecken treibt, die dann wieder in je 5 m Entfernung voneinander durch senkrecht darauf stehende Strecken verbunden werden. In letzteren wird dann die Sohle bis zum Liegenden des Lagers noch um 2 m nachgenommen. Das Dach von ungefähr 3 m Mächtigkeit bleibt, um Tagesbrüche zu vermeiden, stehen.“

Aufgrund dieses Vorgehens kam es in der Folgezeit auch zu Standwasseransammlungen in der Grube. Die Beschreibung sagt uns nebenbei auch, daß man die Pfeilerstärke gegenüber der Beschreibung Seemann’s aus dem Jahr 1900 von 7 m auf 5 m Breite reduziert hatte…

 


Skizze in der Akte 40024-12, Nr. 100 zur Lage der Grubenbau der Königin Marienhütte in Wahlen/Crimmitschau, etwa aus dem Zeitraum 1904/1905, Norden ist links. Der begonnene, recht regelmäßige Kammerpfeilerbau ist gut erkennbar. Nach Nordwesten begrenzte eine „Auswaschung im Dolomitlager“ das Baufeld. Aus dieser Skizze geht die Bezeichnung der Stollen als „Stolln
I“ bis „Stolln IV“ von Süden nach Norden hervor.

 


Ein Grund und Saigerriß der Kalksteingrube Wahlen bei Crimmitschau, nachgebracht bis 1909. Wir haben die Bezeichnung der vier Stollen aus der Skizze oben übertragen. Ein recht regelmäßiger Kammerpfeilerbau in den bauwürdigen Bereichen ist gut zu erkennen. Nordöstlich der „Auswaschung“ wird der Abbau bereits fortgesetzt. Bildquelle: Sächsisches Staatsarchiv, Bergarchiv Freiberg, Bestand 40054 (Bergbehörde Zwickau), Nr. 137: Kalksteinbruch der Königin Marienhütte in Wahlen bei Crimmitschau (Aktenbeilage), Gesamtansicht, Norden ist links.

 


Die Kammerpfeilerbaue aus dieser Zeit waren „netzartig“ angelegt.
  


Die Pfeiler zwischen den Abbauen erscheinen recht ausgedünnt...
 


In diesem Abschnitt hat man nirgends ins Hangende durchgeschlagen, die roten, lehmigen Massen scheinen Abraum aus späterer Zeit zu sein, den man hier untertage verkippt hat.
   


Noch eines von den „Pfeilerchen“...
 


Das Streckenprofil liegt kaum bei einer lichten Weite über 2 m x 3 m.
  


Bei manchen Abbauen scheint die rote Masse auch aus der Firste zu kommen. Hier bestanden bestimmt Tagesbrüche, die man mit den bunten Letten aus dem Hangenden verfüllt hat.
   


Die Massehaufen markieren die von der Hauptstrecke abgehenden Querschläge zwischen den Pfeilern.
   


Hier ist Schluß...
    


Der Dolomit erscheint eher massig, als bankig.
   


Lokal gibt es auch Auslaugungsklüfte, die sich mit Letten aus dem Hangenden wieder gefüllt haben.

  

Im Jahr 1905 wurde erstmals ein Tagesbruch über dem Baufeld – etwa 2 m neben einem Feldweg – festgestellt. Inzwischen hatte der Kantor Henßge (oder Henssge) aus Crimmitschau die Grundstücke von Baumgärtel erworben, dabei auch den Abbauvertrag übernommen und klagte nun bei der Bergbehörde auf Wiederherstellung der Nutzbarkeit der Fläche. Bei der Befahrung wurde festgestellt, daß ein Abbau auf der Tagesstrecke II (dem Stolln II) verbrochen war und dessen vollständige Verfüllung mit Abraum angeordnet.

Im Jahr 1906 wird dann festgehalten, daß im Vorjahr „der Betrieb etwas lebhafter“ umgegangen sei, da das zur Maximilianshütte in Sulzbach- Rosenberg gehörige und 1898 gegründete König Albert Werk, ein Stahlwerk in Lichtentanne bei Zwickau, größere Mengen Kalk bestellt habe. Wie Haugk der Berginspektion mitteilte, versuchte sich diese Firma 1906 mit mehreren kleinen Schurfschächten in unmittelbarer Nachbarschaft selbst an der Erkundung und Aufsuchung von bauwürdigen Dolomitlagern, stellte diese Versuche mangels Erfolg aber noch im selben Jahr wieder ein.

Mit nach wie vor 11 Arbeitern ist die Beschäftigtenzahl gegenüber der ersten Befahrung 1900 nahezu konstant geblieben. Jedoch kam es in diesem Jahr zu einer dreieinhalbwöchigen Arbeitsniederlegung, in deren Folge der Stundenlohn um drei Pfennige aufgebessert wurde.

Außerdem begann nun, wohl nach dem Ableben des Kantors Henssge, ein gerichtlicher Streit mit der Frau Henssge um die Feldesgrenzen und angeblich festgestellte Bodensenkungen. In diesem Zusammenhang hält die Bergbehörde 1910 fest, daß „ein neues Bruchfeld nicht in Frage“ käme, da „keine Weitungsbaue hergestellt werden. Da die Oberfläche sich nicht im Besitz der Königin Marienhütte befindet, erfolgt der Abbau, um die Tagesoberfläche zu schützen, nur durch das Auffahren von Strecken.“ Dadurch sei zugleich aber auch festzustellen: „Schätzungsweise wird sich der gewonnene nur auf 30 bis 40% des anstehenden Kalksteins belaufen.“

Darüber hinaus kam es 1906 auch noch zu einem Verbruch im Stolln I. Dieser wurde daraufhin abgeworfen und ein neuer, etwa 13 m langer Haspelberg aus dem Tagebau heraus eingerichtet. Alles in allem kein gutes Jahr…

In den Jahren 1907 und 1908 fand die Berginspektion dann aber „zu Ausstellungen keinen Anlaß“. Durch den noch immer einigermaßen gesicherten Absatz hielt sich auch in den Folgejahren die Beschäftigtenzahl ziemlich konstant zwischen 10 und 12 Arbeitern.

Den Jahrbüchern ist zu entnehmen, daß A. Hartung nach wie vor als Betriebsleiter – de facto auf allen unterirdischen Gruben im Besitz der Aktiengesellschaft – tätig gewesen ist. Er war z. B. auch für das Eisenerzbergwerk in  Pöhla zuständig. Als Vertreter des Besitzers werden 1907 die Herren A. Finke, Generaldirektor in Bockwa, sowie H. Halfter, kaufmännischer Direktor in Cainsdorf in den Jahrbüchern angeführt. Im Jahr 1912 ist A. Hartung verstorben. Die Stelle des Betriebsleiters übernahm daraufhin kommissarisch der Obersteiger Haugk.

Am Beginn des 1. Weltkrieges notierte die Berginspektion in ihrem Fahrbericht von 1915, daß die Belegschaft noch bei 9 Mann läge. Im Folgejahr 1916 teilte man der Bergbehörde jedoch mit, daß man den Tiefbau beenden und wieder zum Tagebau übergehen wolle, denn „die …Untersuchung stellte heraus, daß der im Abbau befindliche Dolomit kein fester, krystallinisch- körniger ist, sondern ein mürber solcher… Über den Bauen steht meist ein Dach von 3 m starkem Kalkstein an, das stellenweise jedoch gänzlich fehlt, weil das überlagernde Gebirge (An dieser Stelle ist jetzt von Alaunschiefer und dolomitischem Sandstein die Rede – jedenfalls nichts Standfestes.), in den Kalk hineinragt und faule Lagen bildet, deren Beschaffenheit eine sehr brüchige ist…“ Die Bergbehörde empfahl, lieber „in östlicher Richtung Feld zu erwerben und in diesem dann wegen der schwächeren Überdeckung …Tagebau zu treiben, wo das Lager nur 5 m bis 8 m unter der Rasensohle liegt…“

Dazu ist es aber nicht mehr gekommen, denn die Königin Marienhütte in Cainsdorf stellte ihren Betrieb in den Kriegsjahren ganz ein. 1916 wurde sie an die Sächsische Gußstahlfabrik AG in Döhlen im heutigen Freital bei Dresden verkauft. Da die wenig Interesse an der Belebung der Konkurrenz hatte und somit auch der Absatz für den Dolomit einbrach, teilte man schließlich der Bergbehörde am 20. November 1916 mit, daß man den Betrieb des Wahlen‘er Kalksteinbruches eingestellt habe. Auch in den Jahrbüchern für das Bergwesen im Königreich Sachsen wird 1917 festgehalten, daß der Betrieb „im Oktober 1916 endgültig eingestellt“ worden sei.

Die Behörde verfügte noch die Einebnung des westlichen Tagebaus vor dem Stolln III und das Verfüllen der anderen Zugänge, nachdem der Grubenriß nachgebracht sei. Am 7. August 1917 wurde die Kalksteingrube aus der Bergaufsicht entlassen.  

In den Bildbeschreibungen zu zwei Fotografien vom Ende der 1920er Jahre vermerkte der Fotograf Max Nowak einen Herrn Polster als Besitzer eines Kalkbruchs östlich von Crimmitschau, also auf der Wahlen'er Seite der Pleiße (siehe unten).

 

Da uns dieser Bildautor bei unseren Recherchen noch öfter begegnet ist, seien hier einige biographische Angaben aus der Deutschen Fotothek zu seiner Person wiedergegeben: Max Franz P. Nowak wurde am 21. Mai 1881 in Liegnitz im damaligen Schlesien geboren. Nach einer Steindruckerlehre in Dresden arbeitete er in diesem Beruf bei der Firma Meinhold und Söhne.

Das Fotografieren war zunächst nur ein Hobby, das er, vom Erfolg seiner Aufnahmen ermutigt (schon vor dem Ersten Weltkrieg wurden einige Motive bei der Postkartenherstellung verwendet) schließlich zu seinem Beruf machte. 1920 erschienen erstmals in den „Mitteilungen des Landesvereins Sächsischer Heimatschutz“ Fotografien unter seinem Namen. Im Jahre 1925 wurde er beim Verein als hauptamtlicher Fotograf angestellt. Rund 180 der berühmten grünen Hefte enthalten seine Fotografien – bis die Reihe 1941 kriegsbedingt eingestellt werden mußte.

Nach 1945 wirkte er als freischaffender Lichtbildner, zudem hielt er Lichtbildervorträge, für die er die 13x18-Glasplatten handkolorierte und auf 6x6 umkopierte. Bemerkenswert sind die Aufnahmen für Paul Wagners Buch „Erdgeschichtliche Natururkunden aus dem Sachsenlande“ von 1930.

Max Nowak wohnte zunächst in Dresden- Tolkewitz, später zog er nach Dresden- Strehlen. Am 25. November 1956 ist Max Nowak hier gestorben.

Größere Teile seines Bildarchives sind heute in der Deutschen Fotothek öffentlich zugänglich, weitere befinden sich noch im Familienbesitz.

  


Crimmitschau, Plattendolomit und obere bunte Letten in Polster’s Steinbruch östlich der Stadt, also vermutlich in Wahlen. Foto: M. Nowak um 1928.

http://www.deutschefotothek.de/documents/obj/70004773

  


Crimmitschau, Letten in Polster’s Steinbruch östlich der Stadt, Foto: M. Nowak um 1928. Man sieht hier sehr schön eine Auslaugungszone in den hellen Schichten des Plattendolomits, die mit hereingebrochenen, hangenden Letten wieder angefüllt ist. Solche Strukturen wurden auch als geologische Orgel bezeichnet.

http://www.deutschefotothek.de/documents/obj/70004774

      


Neben der Kalkerzeugung bestanden zahlreiche Ziegeleien bei Crimmitschau. Hier ein Foto des Aufschlusses von pleistozänem Lößlehm über tertiären (oligozänen) Sanden in einer Ziegelei- Grube bei Crimmitschau. Gut zu sehen sind die typischen Dreieck-Kipploren auf der Tagebausohle. Aufnahme: Max Nowak, vor 1930.

http://www.deutschefotothek.de/documents/obj/70024591

  

Bezüglich des oben genannten Herrn Polster wurde von der Berginspektion anläßlich einer Befahrung des Kalksteinbruches der  Königin Marienhütte in Wahlen 1906 erwähnt, daß derselbe in diesem Jahr „einen der bergbehördlichen Aufsicht nicht unterstehenden Tagebau“, etwa 100 m nordwestlich des Wahlen‘er Bruches der Königin Marienhütte gelegen, begonnen habe. Ein zweiter, ungefähr 60 m nordwestlich des letzteren gelegener, älterer Steinbruch befände sich ebenfalls in Polster’s Besitz, sei jedoch derzeit außer Betrieb.

Weil sich die Bergbehörde damals für Tagebaubetriebe noch nicht weiter interessierte, haben wir bislang keinerlei weiteren Unterlagen zu diesem Betrieb finden können. Zumindest den Namen des Besitzers haben wir aber in den Adressbüchern der Stadt Crimmitschau gefunden: In der ersten Ausgabe aus dem Jahre 1884 fehlt eine Eintragung unter diesem Namen noch; in der zweiten Ausgabe aus dem Jahr 1889 ist dagegen dann Polster's Ziegelei“ vermerkt (S. 127), welche sich damals am Gablenzer Berg, Cat.- Nr. 375, befunden hat. Während der fünf Jahre zwischen diesen beiden Ausgaben muß besagter Herr Polster folglich nach Crimmitschau gekommen sein.

Die beiden nächsten Ausgaben aus den Jahren 1907 (S. 205) und 1913 (S. 215) vermerkten Herrn Max Moritz Polster dann schon als Kalksteinbruch- und Ziegeleibesitzer“, wohnhaft in der Glauchauer Chaussee Nr. 8a. Er scheint also, wie oben im Bericht der Berginspektion erwähnt, spätestens um 1906 die zwei Kalksteinbrüche erworben und den Abbau zumindest in einem der beiden wieder aufgenommen zu haben.

Bei dem zweiten, 1906 stilliegenden und vermutlich schon älteren Bruch des Herrn Max Polster wird es sich wohl auch um jenen Bruch handeln, der bereits in O. Herrmann's Lehrbuch der Steinbruchindustrie aus dem Jahr 1899 erwähnt wurde. Nach den in diesem Lehrbuch angeführten  Analysen hat Herr Polster in Wahlen schon einige Jahre zuvor einen recht guten, sehr reinen Dolomit abgebaut, den er auch selbst brannte. Er benutze sogar zum Brennen des Kalkes vier zu einem System verbundene, für kontinuierlichen Betrieb eingerichtete, größere Öfen eigener Konstruktion mit Langrostfeuerung.“  Letzteres würde uns natürlich sehr interessieren, aber auch hierzu fehlen bislang jegliche Archivquellen...

Es folgten noch zwei weitere Ausgaben dieser Adressbücher aus den Jahren 1923 (S. 216) und 1925 (S. 229), worin Herr Max Polster dann als Architekt und Kalksteinbruchbesitzer“, nun wohnhaft in der Glauchauer Chaussee Nr. 33, aufgeführt worden ist.

    

Außer den Angaben in den Adressbüchern haben wir bislang so gut wie keine weiteren Aktenüberlieferungen auffinden können. Auch im Archiv des Landkreises Zwickau finden sich hierzu keine weiteren Unterlagen (Schreiben vom 13. Januar 2022). Gerade mal einen Treffer zum Suchbegriff „Max Polster“ in der fraglichen Zeit gab es noch im Bestand 32810 (Sächsisches Krankenhaus Rodewisch) des Sächsischen Staatsarchives in Chemnitz, Nr. 3733, wonach ein Herr dieses Namens aus Crimmitschau damals in dieser Psychiatrischen Klinik aufgenommen war und am 5. Oktober 1929 wieder entlassen worden ist. Ob dies aber wirklich derselbe gewesen ist, haben wir noch nicht ermitteln können.

Vermutlich ist Max Polster wenig später aber ohnehin verstorben, denn aus dem Inhalt einer Akte der Ortsbodenkommission aus dem Zeitraum 1947-1950 (30411, Nr. 1148) ist zu entnehmen, daß einer seiner Söhne, und zwar Gerhard Werner Polster, das landwirtschaftliche Gut – zusammen mit den Steinbrüchen – bereits 1923 übernommen habe. Dessen Bruder Helmut Walter Polster dagegen war Kaufmann in Crimmitschau und habe sich um die Landwirtschaft nie gekümmert, obwohl die Witwe Helene Marianne Johanne Polster, geb. Meyer, diesen testamentarisch als Alleinerben eingesetzt hatte. Die Nutzflächen hatte er im Erbfall allerdings mit seinem Bruder zu teilen. Für den Hausbesitz der Familie sind 1947 die Adressen Glauchauer Landstraße 33 (wohl das Wohnhaus der Witwe), 37 und 42b sowie die Goethestraße 1 in Crimmitschau genannt.

Um den Grundbesitz gab es nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges längere Diskussionen, denn mit fast 17 ha entsprach die von Gerhard Polster bewirtschaftete Fläche nicht den Maßgaben für das Bodenreformland. Diesem Umstand verdanken wir einige weitere Informationen zum Abbau des Dolomits. Zuvor sei aber noch erwähnt, daß der Bruder Helmut Polster seit 1930 Mitglied der NSDAP gewesen und nach Kriegsende in die westlichen Besatzungszonen umgesiedelt ist – dabei allerdings seine Gattin, Gertrud Polster, geb. Fritzsche, in Crimmitschau zurückgelassen hatte. Als solcher wurde sein Grundbesitz schon im Zuge der Bodenreform 1946 enteignet und sollte einem Neubauern zugeteilt werden.

Über seinen Bruder Gerhard Polster dagegen hieß es zunächst in den Sitzungsprotokollen der örtlichen Bodenreformkommission, ihm sei 1934 ein Arbeitsverbot für sein Fuhrunternehmen durch den damaligen Oberbürgermeister der Stadt ausgesprochen und die Lastkraftwagen sukzessive konfisziert worden, zuletzt 1942 durch die Wehrmacht. 1940 sei er „wegen Zersetzung der Wehrkraft“ sogar inhaftiert, mithin offenbar kein Anhänger der Nazis gewesen, so daß sein Grundbesitz nicht unter das Bodenreformgesetz falle. Die Kommission hatte dabei aber nicht unterschieden, was ihm selbst gehörte und was er nach dem Tod der Mutter Helene Marianne Polster (am 1. Oktober 1945) ererbt hatte – daher die mit deutlich über 10 ha nicht gesetzeskonforme Nutzfläche und der folgende Einspruch des Kreistages Zwickau sowie der Landesregierung Sachsen gegen die vorgenommene Übertragung der Flächen an ihn.

Diese Frage war wohl so einfach nicht zu lösen, denn in der Akte (30411, Nr. 1148) finden sich lange Sitzungsprotokolle der Bodenkommission vom September 1948, in denen es nun heißt, er habe vor seiner Einberufung 1940 bis 1942 auch französische Kriegsgefangene im Steinbruch beschäftigt und deren Behandlung und Verpflegung „hatte allgemein zur Beanstandung Anlaß gegeben.“ Die Kommission zog sich am Ende damit aus der Affäre, daß dies ein Gericht zu entscheiden habe. Wie immer dies wirklich gewesen ist, können wir nur anhand der Befragungsprotokolle seiner Angestellten in diesen Protokollen natürlich heute nicht mehr herausbekommen. Letztlich wurde auch dieser Grundbesitz jedenfalls enteignet und landarmen Bauern aus Crimmitschau zugesprochen.

Hinsichtlich des Dolomitabbaus durch Gerhard Polster ist für unser Thema aber von Interesse, daß der Abbau – wenn auch mit bescheidener Ausdehnung – auch in der davorliegenden Zeit kontinuierlich fortbetrieben worden ist. Es waren gerade einmal fünf französische Kriegsgefangene, welche in den 1940er Jahren als Arbeiter im Steinbruch beschäftigt worden sind – der Abbau kann also schon zu dieser Zeit keinen bedeutenden Umfang mehr gehabt haben.

Danach selbst befragt, gab Gerhard Polster an, daß er den Steinbruch zusammen mit der Landwirtschaft seit 1923 auf eigene Kosten betrieben habe. Der Steinbruch sei nach Kriegsende völlig verschlammt und verfallen gewesen, auch das Gezähe war gestohlen. Auf Aufforderung durch die Stadtverwaltung habe er den Abbau nach seiner Rückkehr aus der Kriegsgefangenschaft ab Frühjahr 1948 mit den ihm verbliebenen Mitteln und auf eigene Kosten wieder in Gang gesetzt. Als Arbeiter waren nun drei Umsiedler aus Ungarn beschäftigt. „Zurzeit (September 1948) ruht er wieder, da in der Kalkbrennerei Absatzschwierigkeiten eingetreten sind.“ Aha – die Kalkbrennerei hatte also ebenfalls noch immer Bestand.

Der Kalk werde an das städtische Bauamt geliefert, zum Teil auch mit eigenem Geschirr zum Bahnhof gebracht. Da er aber nur noch ein Fuhrwerk besäße, welches natürlich auch auf dem Gut benötigt wurde, würden gegenwärtig „die Kalksteine von den Bauern und Betrieben, welche ihn benötigen, selbst weggefahren.“ Auch Landrat Braune aus Zwickau bestätigte laut dem Sitzungsprotokoll, daß in dem Kalkbruch „in Schönau Schwierigkeiten aufträten;“ das Protokoll sagt uns leider aber nicht, welche Schwierigkeiten das waren und wieso an dieser Stelle einmal von Schönau, statt von Wahlen, die Rede ist.

Der Landrat Braune äußerte etwas später namens des Kreisrates auch, daß man in Zwickau kein Interesse an der Übernahme eines solchen Kleinbetriebes habe. Der Betrieb solle doch besser als ein KWU (Kommunales Wirtschaftsunternehmen) der Stadt Crimmitschau übertragen werden. Die könne den Abbau zeitnah wieder aufnehmen und „in dem Umfange Kalk liefern, daß wir unsere Pachtziegelei (Kalkbrennerei) in vollem Umfange arbeiten lassen können.“ Eine Ziegelei hatte der Landkreis also selbst in Betrieb und dort wurde jetzt offenbar der Kalkstein zu Bau- und Düngekalk verarbeitet. Die Übereignung an die Stadt sollte dabei allerdings auch unter der Voraussetzung erfolgen, daß der Kalkstein nur gegen Erstattung der Steinbrecherlöhne geliefert werde, weil sonst der Preis zu hoch wäre.

Die Bodenkommission sprach sich im Ergebnis ihrer langen Sitzungen schließlich auch dafür aus, daß der Kalksteinbruch der Stadt Crimmitschau übereignet werden solle. Im Weiteren erfahren wir nun noch, daß dieser in jener Zeit eine Fläche von nur 0,85 ha umfaßt und auf dem Flurstück 1553 gelegen hat. Man grenzte nun eine Fläche von insgesamt 2,0 ha unter der Flurstücksnummer 1553a aus den Polster’schen Grundstücken aus, damit man genügend Abbaufläche für die Zukunft zur Verfügung habe.

  


Auf einer Flurkarte der Stadt Crimmitschau im Maßstab 1:5.000 aus dem Jahr 1936 sind zwar die Flurstücksnummern bezeichnet, diese reichen aber im Südosten der Gemarkung Crimmitschau nur bis zur Nummer 1284. Der anhand einiger Höhenlinien noch ganz gut sichtbare, längst stilliegende Steinbruch der Königin Marienhütte hat demnach auf den Flurstücken Nr. 1280 und 1281 östlich oberhalb des Bahnhofs gelegen. Südlich der Gemarkungsgrenze nach Wahlen ging es mit der Nummer 99a weiter. Die langgestreckten Gebäude im rechten oberen Bildausschnitt, südlich der Glauchauer Landstraße in Richtung Gablenz, sind sämtlich Trockenschuppen von Ziegeleien gewesen - eine davon vielleicht die Polster'sche ?

   


Die Polster'sche Ziegelei könnte einst aber auch hier gestanden haben: Eine weitere Bildpostkarte mit einem Blick vom Lauenhainer Berg in Richtung Stadtzentrum, gestempelt im März 1900. Das Gebäude mit dem Schornstein am rechten Bildrand könnte durchaus eine Ziegelei gewesen sein, aber auch hier ist noch unsicher, wem diese seinerzeit gehört hat. Aus der
Sammlung von Herrn A. Molder, Crimmitschau.

   

Unter heutigen Gesichtspunkten wären gerade einmal zwei Hektar Abbaufläche in Anbetracht der Flözmächtigkeit des Dolomits natürlich völlig unwirtschaftlich. Diese Überlegung hatte man wohl auch im Stadtrat, denn obwohl die Übertragung an die Stadt im Dezember 1948 formal vorgenommen worden ist, trat man dort alsbald wieder davon zurück. Stattdessen solle er nun von der Vereinigung der gegenseitigen Bauernhilfe (VdgB) weiterbetrieben werden.

Gegen die Enteignung des Steinbruchs erhob Gerhard Polster wiederholt Einspruch aus den oben von ihm schon angeführten Gründen. Der Einspruch wurde vom Kreisrat abgewiesen, weil es sich doch nur um einen Kleinbetrieb handele.

Am 29. Januar 1949 sprach dann aber ein Vertreter der VVB Eisen und Stahl aus Leipzig in Crimmitschau vor und erklärte, es handele sich doch gar nicht um Kalkstein, sondern um Dolomit und dieser sei zur Verwendung als Bau- und Düngekalk zu hochwertig und werde in der Eisen- und Stahlindustrie zudem dringend benötigt. Auch in den zurückliegenden Wochen habe die Maxhütte Unterwellenborn „laufend Kalksteine aus dem Polster’schen Steinbruch“ bezogen. Die VVB schrieb auch gleich noch an das sächsische Innenministerium, um ihrem Einspruch Nachdruck zu verleihen. Letzteres entschied am 11. März 1949, daß die angemeldeten Interessen der VVB tatsächlich für die Volkswirtschaft vorrangige Bedeutung besäßen und forderte daher den Kreisrat auf, die ganze Geschichte wieder rückgängig zu machen. Daraufhin wurde im Januar 1950 die VVB VESTA der Eisen- und Stahlindustrie mit Sitz in Leipzig als neuer Eigentümer der Steinbruchfläche auch im Grundbuch eingetragen.

Die Akte enthält noch Schriftverkehr um die Begleichung der Rechnung des Vermessungsbüros Rößler aus Crimmitschau für die Vornahme der Grundstücksteilung in Höhe von eigentlich läppischen 60,25 Mark, welche aber weder die Stadt, noch die VVB bezahlen wollte. Leider endet damit auch der Inhalt dieser Akte, weil zumindest für die Ortsbodenkommission der Vorgang damit ja abgeschlossen war (30411, Nr. 1148).

Sonst ist in der Folgezeit hinsichtlich der Fortführung des Abbaus zunächst nichts weiter passiert. Erst in den 1970er Jahren kam es dann auch in Crimmitschau noch einmal zur Wiederaufnahme des Dolomitabbaus.

   

  
 
 

Zum Dolomitabbau in Crotenlaide bei Meerane 1864-1940

  

In Albert Schiffner's „Handbuch der Geographie, Statistik und Topographie des Königreiches Sachsen“, und zwar in der „Erste Lieferung, den Zwickauer Kreisdirektionsbezirk enthaltend“, welche 1839 gedruckt wurde, findet man die Stadt Meerane erst ziemlich weit hinten unter den Schönburgischen Rezeßherrschaften (S. 480ff). Zur Stadt „Merane, auch Meerana, Meerane…“ heißt es erst ganz am Ende des Textes: „Von den Kalkbrüchen s. unter Götzenthal.“

Am gleichen Ort heißt es auch bei den ländlichen Orten der Herrschaft (S. 488) unter Nummer „4) Crothen, Grothen- oder Crodenlaide… am Gebirgshänge östlich überm Mörichen, in anmuthiger und ziemlich fruchtbarer Gegend, auf herrschaftl. Grund und Boden, weshalb es auch fast nur Fabrikarbeit, Tagelöhnerei und Kalkbrecherei treibt; vgl. Götzenthal…“

Also blättern wir weiter und finden dann endlich auf Seite 498f die Nummer „8) Götzenthal… liegt westwärts gegenüber von Crothenlaide am linken Ufer des Mörichens, über einem hübschen Wiesengrunde, hat Güter mit starkem Obstbau, besonders aber guten Nutzen aus dem hierher gerechneten Kalkbrüchen, die jedoch nach Merane genannt werden. Diese SOlich vom Orte am Crotenberg gelegenen Brüche bilden eine, bei Crothenlaide beginnende, 600 Schritte lange Reihe, welche unter rothem Thonboden sich SOwärts fortzieht. Unter dem Todtliegenden*, welches man zum Häuserbau weithin verhandelt, so wie unter dünnen Lagen eines bröckligen Kalksteines und eines grauen Thones, beginnt 16 bis 20 Ellen unter Tage das 10 Ellen mächtige Flötz, welches sich jedoch durch dünne Schichten verhärteten Thones in 5 Bänke sondert, davon jetzt nur die beiden oberen abgebaut werden. Dieser überaus harte, feinkörnige, graue Kalkstein zeigt viele Dendriten, und in seinen senkrechten Klüften giebt es viel milchweissen Kalkspath, nicht selten in grossen Partien, die man für die Mineralliensammler zurücklegt. Auch sieht man faserigen Kalkstein als sinterartigen Überzug.

Die meisten Brüche gehören den Bauern zu Ponitz und Götzenthal, einige der hinteren und einer der vorderen Herrschaft; an letzten sind auch alle vorderherrschaftlichen Dörfer gewiesen. Südlich von Götzenthal stehen die beiden Kalköfen, welche 1814 in Folge des Glauchauischen Hauptbrandes, nachdem sie 30 Jahre zuvor eingegangen, von Hrn. Müller auf Gablenz wieder angerichtet wurden. Ein doppelter Brand, wobei man gegen 50 Karren Zwickauer Steinkohlen verbraucht, liefert gegen 340 Scheffel Kalk.

Übrigens lagert bei Obergötzenthal auch weisser Thion nach Art des Gesau'ischen.“

*) Anmerkung: Schiffner meint hier ganz gewiß das Rotliegende und nicht ein Todtliegendes...

   

Am 11. Mai 1858 wurde vor dem Gräflich- Schönburgischen Justizamt zu Glauchau der Verkauf eines Haus- und Gartengrundstücks in Crotenlaide „mit darauf erbauten Wohnhaus, Scheune und Schweineställen und mit allem sonstigen Ein- und Zubehör, ingleichen mit allen darauf haftenden Rechten und Gerechtigkeiten“ vom 24. April 1858 von Johann Michael Werner, Hausbesitzer daselbst, an Karl Friedrich Wilhelm Bachmann für den Preis 300 Thalern notariell bestätigt. Dieses Grundstück war im damaligen Flurbuch von Crotenlaide unter den Nummern 32a, 32b und 34 verzeichnet und umfaßte das nachmalige Bachmann’sche Gut (Kopie der Urkunde in der Sammlung M. Och, Meerane). Das Gut lag nur wenige Meter nördlich des späteren Bachmann’schen Kalkwerkes an der Crotenlaider Straße und unterhalb des mittleren Kalkbruchs. Es steht noch heute, bis auf eine nach der Wende abgerissene Scheune, und ist nach wie vor bewohnt.

Die Familie Bachmann stammte eigentlich aus Vollmershain, etwa 8 km südöstlich von Crimmitschau und schon im Thüringischen gelegen. Dieser Notiz aus dem Jahr 1863 zufolge arbeiteten zumindest einige Mitglieder der Familie Bachmann aber schon in den 1850er Jahren in den Kalksteinbrüchen bei Meerane.

Am 19. Januar 1864 bestätigte dann das Stadtgericht Meerane den Verkauf eines großen „Holzgrundstückes von 3 Acker und 158 Quadratruthen“ Fläche, unter den damaligen Flurbuchnummern 806, 807, 808 und 809 eingetragen, von Frau Christiane Friedericke, verwitwete Döhler, geb. Horn, als Alleinerbin ihres verstorbenen Gattens, sowie von Franz Ludwig Oehmig, Fabrikant und Stadtrat zu Meerane, für 1.250 Thalern an „den Steinbrecher“ Karl Friedrich Wilhelm Bachmann zu Crotenlaide vom 30. August 1863 (Kopie der Urkunde in der Sammlung M. Och, Meerane). Damit hatte Karl Friedrich Bachmann das erste Steinbruchgelände in Meerane erworben. Da er in dieser Kaufurkunde ausdrücklich als Steinbrecher bezeichnet wird, ist davon auszugehen, daß Karl Friedrich Bachmann zu dieser Zeit – neben seiner landwirtschaftlichen Tätigkeit auf dem 1858 erworbenen Bauerngut – bereits in den Dolomit- Steinbrüchen gearbeitet hatte.

Nach Leopold's Chronik von Meerane aus dem Jahr 1863 bestanden zu dieser Zeit noch zwischen Meerane und Crotenlaide 4, bei Höckendorf 1 Kalkbrennerei" (S. 99). Nach und nach wurden in der Folgezeit alle bei Meerane und Crotenlaide bestehenden Kalkbrüche von Karl Friedrich Bachmann übernommen und zunächst die „Firma Bachmann, Kalkbrennerei“ gegründet.

  

In den Steinbrüchen baute man damals den Dolomit im sogenannten „Bruchsturzverfahren“ ab. Man durchörterte dazu mit Strecken den Dolomit, ließ im Hangenden nur etwas davon stehen, da das überlagernde Gestein extrem brüchig ist. Dies tat man so lange, bis das Hangende irgendwann nachbrach. Im Winter räumte man dann den Abraum weg, damals natürlich noch mit Pferdefuhrwerken. In die stillgelegten Steinbruchteile schüttete man den Abraum, zum Teil zuunterst auch Müll, Abfall, Asche und Schutt. Darüber kam dann den Abraum und etwas Mutterboden, der vorher im Bruch abgetragen worden ist. In diesen ausgebeuteten und rekultivierten Steinbruchteilen wurde von den Bachmann's dann Landwirtschaft betrieben.

Der Hang hinter der Einfahrt zum Kalkwerk ‒ wo heute der Wismuthunt an der Crotenlaider Straße steht ‒ hieß der Apfelberg, weil Bachmann's dort auf der Abraumhalde des mittleren Bruchs eine Plantage mit Apfelbäumen angelegt hatten. Daran erinnern sich heute aber selbst alteingesessene Meeraner kaum noch.

  


Landwirtschaft auf dem Apfelberg“, im Bildhintergrund links das Kalkwerk. Der höhere Schornstein links davon gehörte damals zur Chemischen Fabrik an der Crotenlaider Straße gegenüber. Bildquelle: Fa. Bachmann & Söhne K. G., aus dem Nachlaß von Christine Bachmann, Gattin des letzten Eigentümers Ehrhard Bachmann, jetzt Sammlung M. Och, Meerane.

  

Die Kalkwerke bei Crotenlaide erfahren in Leopold's Chronik (auf S. 208ff) folgende, recht ausführliche Beschreibung: In dem benachbarten Dorfe Crotenlaide sind viele Männer, so lange es die Witterung erlaubt, in den dabei befindlichen Kalksteinbrüchen beschäftigt. Diese Arbeit lohnt gut, setzt aber oft genug Gesundheit und Leben als Gegenpreis aus. Das Gestein, das gebrochen wird, ist oft noch 20 bis gegen 40 Ellen von Erde (meist Rothliegendem) bedeckt. Diese von oben abzugraben und dann den Stein von oben abzuhauen, würde die Kosten nicht tragen. Daher wird der Stein unterminiert und gesprengt und es werden große Höhlen in das Gestein gehauen, damit das darüber hängende Erdreich durch die eigene Schwere von selbst herabstürze. Gewisse Zeichen lassen das beginnende Herabrutschen schon Tage vorher merken, doch nicht immer, oder sie werden übersehen und ich selbst habe gewiß mehr denn 10 mal erlebt, daß ein oder der andere gerade darunter beschäftigte Arbeiter von dem jählings herabstürzenden Erdreich getroffen zerschmettert und todt oder mit gebrochenen Armen und Beinen oder anderen Verletzungen von dem gefährlichen Schauplatze seiner Thätigkeit weggeschafft wurde. Im Winter beschäftigen sich jene Steinbrecher mit Korbmachen und Tagelöhnerarbeit.“

Das oben schon genannteBruchsturzverfahren“ erscheint auch aus heutiger Sicht als reichlich riskant: Schwere Unglücksfälle in den Kalk-, Lehm- und Sandgruben waren folgerichtig damals an der Tagesordnung. Allein für den Zeitraum zwischen 1847 und 1863 zählte der in Meerane als Arzt tätige J. Leopold in seiner Chronik folgende auf (S. 84):

  • 1851 wurde M. Fritzsche in der Gerber'schen Sandgrube durch eine Lehmwand verschüttet und getötet.

  • 1853 wurde außer G. Bachmann auch Chr. F. Köhler durch eine Lehmwand verschüttet und getötet.

  • 1854 ist H. Weidner in den Crotenlaider Steinbrüchen und ein Herr Gottfried in der Flehmig'schen Sandgrube tödlich verunglückt.

  • 1858 wurde G. Taubert in dern Crotenlaider Steinbrüchen verschüttet und getötet.

  • 1859 ist C. H. Wilhelm auf ebensolche Weise ums Leben gekommen.

Bei Leopold heißt es weiter: Jene Unglücksfälle mußten endlich mit Recht die Aufmerksamkeit der Behörden auf sich ziehen und so wurde denn den Steinbruchsbesitzern die Erlaubnis zum ferneren Abbau nur unter der Bedingung  gegeben, daß sie einen beständigen Aufseher der Kalksteinbrüche in Crotenlaide wählten und anstellten. Die demselben gegebene, von dem Stadtrathe zu Meerane am 9. April 1856 entworfene und von den Hohen vorgesetzten Behörden genehmigte Instruction verlangt, daß der Aufseher jeden in Betrieb befindlichen Steinbruch täglich einmal begehe, um sich zu überzeugen, ob die Beschaffenheit des einen oder des anderen Steinbruches nicht einen Ein- oder Nachsturz der oberen Erd- oder Steinschicht besorgen lasse; daß er bei irgend einer Gefahr den Abbau untersage, bis die Gefahr beseitigt; daß er in seiner Stellung ein obrigkeitlicher Diener sei; daß er bei Ungehorsam der Arbeiter sofort Anzeige mache und in Fällen, der Gefahr das Nöthige selbst anordne; und endlich, daß für etwaige nicht zu verhütende Unglücksfälle von den Steinbruchsbesitzern und Arbeitern eine Unterstützungskasse für Letztere errichtet werde.

Nachdem nun anfänglich Johann Gottlieb Dörr aus Crotenlaide als Aufseher über alle Steinbrüche von dem Stadtrathe verpflichtet worden war, übernahm er im September 1856 nur die der niederen Steinbrüche, während als Aufseher der oberen der Bürger und Ziegeleibesitzer Johann Gottlieb Gerber in Meerane eingesetzt, beiden aber die Einnahme der Unterstützungsgelder zur Pflicht gemacht wurde.

Seitdem seien nur noch zwei tödliche Unglücksfälle vorgekommen, was sich genau genommen freilich aber nur auf den Zeitraum bis zum Erscheinen der Chronik im Jahr 1863 beziehen kann.

Spätestens ab 1885 waren die Steinbrucharbeiter jedenfalls dann in der Steinbruchs- Berufsgenossenschaft für den Fall von Arbeitsunfällen pflichtversichert. Diese BG bestand noch bis zum Jahr 2010 als selbstständiger Versicherungsträger, dann kam es ‒ ganz ähnlich wie bei den Gewerkschaften ‒ zu einem Zusammenschluß zur BG Rohstoffe und Chemische Industrie.

  


Aufschluß des Plattendolomits im mittleren Bachmann'schen Bruch östlich des Kalkwerkes. Bildquelle: Fa. Bachmann & Söhne K. G., aus dem Nachlaß von Christine Bachmann, Gattin des letzten Eigentümers Ehrhard Bachmann, jetzt Sammlung M. Och, Meerane.

  


Abbaustoß eines Kalksteinbruchs in Crotenlaide. Flache Lagerung von Gehängelehm und Flusskiesen über roten Letten, schiefrigem Kalk und bankigem Plattendolomit, Foto: M. Nowak, vor 1930.

http://www.deutschefotothek.de/documents/obj/72032298

 


Abbaustoß des Kalkbruches mit gut zu erkennenden Schichtverbiegungen der hangenden Sedimente über einer Auslaugungszone im Plattendolomit. Bildquelle: Fa. Bachmann & Söhne K. G., aus dem Nachlaß von Christine Bachmann, Gattin des letzten Eigentümers Ehrhard Bachmann, jetzt Sammlung M. Och, Meerane.

   


Meerane- Crotenlaide, Kalksteinbruch. Aufschluß von Buntsandstein auf Zechstein (Plattendolomit) im Abbaustoß, Foto W. Bergt, 1934

http://www.deutschefotothek.de/documents/obj/72019783

   

Schon um 1880 baute Bachmann auch schon einmal untertage in einem Stolln ab, was aber dann polizeilich verboten wurde. Beim späteren Untertageabbau fand man diesen Alten Mann wieder. Auf nennenswerte offen gebliebene Hohlräume stieß man aber damals schon nicht mehr.

Als Sprengstoff für das Lösen des Plattendolomits wurden 1885 Dynamit und Sprengpulver verwendet. 1913 bezog man von der bekannten  Firma Rudolph Facius in Lugau 50 kg Astralit und 1915 kaufte man ebenda 20 kg Gesteins- Koronit mit den dazugehörigen Sprengkapseln (Kopien der Unbedenklichkeitsbestätigungen des Meeraner Stadtrates aus den genannten Jahren in Besitz von Herrn M. Och, Meerane).

Gefördert wurde mit den typischen Ziegelei- Dreiecksloren zum Kippen, wie sie z. B. auch in dem Foto oben aus den 1930er Jahren in einer Ziegeleigrube bei  Crimmitschau zu sehen waren. Nur ganz selten kamen auch „huntähnliche“ Loren zum Einsatz. Eine solche, einem Hunt ähnliche Lore steht noch in den Höhlern von Meerane. Bis zur Wende standen auch diese Dreieckloren noch in größerer Zahl herum und wurden von Anliegern und Bauern meist als Kuhtränke benutzt. Leider sind inzwischen nahezu alle im Schrott verschwunden.

Bachmann's verkauften den gebrochenen Rohkalk auch an auswärtige Brennereien. Bekannt ist eine Brennerei in Höckendorf bei Glauchau gewesen. Auch in der Salzbrenner'schen Ziegelei in Seiferitz (heute befindet sich ein Gewerbegebiet auf diesem Gelände in Meerane) wurde Bachmann's Kalk gebrannt. Nach Erinnerungen des letzten Besitzers der Firma, Erhard Bachmann, habe bei Salzbrenner's ein furchtbarer Ringofen gestanden, der sehr eng und niedrig gewesen sei, so daß man sich darin kaum bewegen konnte. Aber von diesen Brennereien in Höckendorf und Seiferitz ist heute nichts mehr erhalten (Informationen von Herrn Och, Meerane).

 


Vermutlich als Muster für Kunden - vielleicht aber auch nur als Dekorationsstück für den Büro- Schreibtisch - wurde dieses Standglas mit ofenfertigem Dolomitbruch gefüllt. Es stammt aus dem Nachlaß der Familie Bachmann. Heute Sammlung M. Och, Meerane.

  


Bei etwa 9 cm Außendurchmesser ist das Schliffstopfen- Glasfläschchen etwa 19 cm hoch.
Sammlung M. Och, Meerane.

  

Schon früh hatte Karl Friedrich Bachmann auch die Weitergabe des neu begründeten Familienunternehmens geregelt. Schon in alten Akten liest man auch den Firmennamen „Bachmann & Söhne offene Handelsgesellschaft (oHG)“. Ab1891 firmierte das Unternehmen dann unter dem Namen „Bachmann & Söhne Kommanditgesellschaft“. Als erste Kommandisten waren die beiden Söhne Karl Friedrich Wilhelm Bachmann's, Gustav Adolph und Franz Ludwig Bachmann eingetragen. Sie findet man auch im Adressbuch der Stadt Meerane, Ausgabe 1888, als „Kalkbrenner“ eingetragen, wohnhaft in der Crotenlaider Straße, wie auch ihren Vater Karl Friedrich Bachmann, „Kalkbrenner und Oeconom“. Im Jahr 1902 findet man unter dem Namen Carl Friedrich Wilhelm Bachmann im Adressbuch die Eintragung „Mitinhaber der Fa. Bachmann & Söhne“. Auch die beiden genannten Söhne werden 1902 als „Kalkbrenner, Mitinhaber der Fa. Bachmann & Söhne“ aufgeführt. Die Benennung „...und Oeconom“ ist dagegen 1902 an Gustav Adolph Bachmann übergegangen, welcher folglich in jener Zeit das Bachmann'sche Gut vom Vater übernommen haben muß.

Auch nach der Adressbuch- Ausgabe des Jahres 1907 ist es bis dahin noch bei diesen drei Inhabern geblieben. Nach späteren Quellen sollen aber bis zu 16 Kommandisten Mitglieder der Unternehmensleitung gewesen sein, welche sich überwiegend aus den Angehörigen der inzwischen sehr verzweigten Familie Bachmann zusammengesetzt habe.

Das Unternehmen blieb über die gesamte Dauer seines Bestehens bis zur Verstaatlichung 1956 in Familienbesitz: Aus der Ehe von Gustav Adolph Bachmann und dessen Gattin Bertha Louise, geb. Dreißel, ging der Sohn Max Arthur Bachmann hervor (* 31. Oktober 1878, † 1. März 1964). Im Adressbuch der Stadt Meerane wird er 1897 als Maschinenbauer, im Jahr 1907 dann als Buchhalter“, wohnhaft jeweils in der Crotenlaider Straße, aufgeführt.

Max Arthur Bachmann ehelichte am 29. Juni 1920 Frau Rosa Gertrud, geb. Weber (* 14. März 1892, † 21. November 1969). Dieser Ehe wiederum entstammte der Sohn Erhard Bachmann (* 2. Februar 1921, † 27. Januar 1990). Als Urenkel des Firmengründers war er also in der vierten Generation ‒ gemeinsam mit Ehefrau Christine Bachmann, geb. Möschler ‒ der letzte private Eigentümer des Familienunternehmens (Information von Herrn Och, Meerane).

Während der Firmengründer wohl noch durch eigene praktische Tätigkeit Erfahrungen und die nötige Fachkenntnis erwerben mußte, legten seine Nachfahren auf eine solide Fachausbildung ihrer potentiellen Nachfolger in der Firmenleitung Wert. Ehrhard Bachmann mußte nicht nur Praktika im väterlichen Unternehmen, sondern auch in anderen Firmen, etwa dem Ziegelwerk Hainichen-Gößnitz, absolvieren. Außerdem wurde er 1946 zur damaligen Zieglerschule in Zwickau geschickt, um sein Handwerk zu erlernen.

  


Original des Zeugnisses von Ehrhard Bachmann aus dem Jahr 1947. Bildquelle: Fa. Bachmann & Söhne K. G., aus dem Nachlaß von Christine Bachmann, Gattin des letzten Eigentümers Ehrhard Bachmann, jetzt Sammlung M. Och, Meerane.

  

1886 wurde für das Kalkwerk ein Ringbrandofen errichtet. Es ist einer der ganz wenigen Ringbrandöfen, die ausschließlich zum Kalkbrennen verwendet wurden. Solche bautechnisch aufwendigen Brennöfen wurden sonst zumeist dann errichtet, wenn sie alternativ auch zum Brennen von Ziegeln genutzt werden konnten.

Am 24. Juli 1891 erteilte der Stadtrat Meerane außerdem die Genehmigung zur Inbetriebnahme eines zweiten, kleineren „Cylinderofens“, womit das Kalkwerk nun über zwei Brennöfen unterschiedlichen Typs verfügte und auf Anforderungen der Kunden und Schwankungen des Absatzes leichter reagieren konnte.

Außerdem gehörte der Firma Bachmann schon im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts eine Ziegelei, die am Anfang der Crotenlaider Straße von Meerane her gestanden hat, dort, wo schon vorher auch der Ziegeleibruch gewesen ist. Auch der heutige Gondelteich im Schillerpark war früher eine Lehmgrube.

Der Chronik der Stadt Meerane von J. Leopold ist zu entnehmen, daß im Jahre 1862 in Meerane 21 Ziegeleien mit gegen 40 Öfen produziert hätten (S. 206).

Die Firma Bachmann und Söhne KG. hatte damit nun drei Standbeine: die Landwirtschaft, die Ziegelei und das Kalkwerk. Die Ziegelei verfügte über einen weiteren, großen Ringbrandofen allein für die Ziegelherstellung, welcher ab 1898 errichtet wurde und im Jahr 1900 in Betrieb ging. Zu dieser Zeit besaß die Ziegelei schon eine Dampfmaschine mit Cornvall- Kessel“ und von dieser angetriebene Preß- und Schneidmaschinen für die Ziegelformung (Informationen von Herrn Och, Meerane).

Das erweiterte Unternehmensprofil führte in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts zur Umbenennung in Dampfziegelei und Kalkbrennerei Bachmann & Söhne K. G.

  


Die Zeichnung des Dampfkessels aus dem Bauantrag von 1898 zeigt uns einen liegenden Kessel mit zwei innenliegenden Feuerbüchsen. Bildquelle: Fa. Bachmann & Söhne K. G., aus dem Nachlaß von Christine Bachmann, Gattin des letzten Eigentümers Ehrhard Bachmann, jetzt Sammlung M. Och, Meerane.

   

Die Ziegelei der Bachmann's am Beginn der Crotenlaider Straße brannte übrigens nicht nur den in unmittelbarer Nähe im Ziegeleibruch anstehenden Lößlehm zu Ziegeln; man verwendete ‒ allerdings in geringerem Umfang ‒ auch Teile der oberen bunten Letten, die ja ohnehin als Abraum des Kalkwerks anfielen (Informationen von Herrn Och, Meerane). Wie auch in Geithain wurde in der Neuzeit der Kalkabbau ‒ wo es die Lagerstättenbedingungen zuließen ‒ häufig mit der Gewinnung von Ziegeleirohstoffen kombiniert, um die Förderung wirtschaftlicher gestalten zu können.

Für die Ziegelei hatten die Bachmann's zunächst Ziegelmeister angestellt. Nach und nach erwarben sie aber auch selbst die zum Brennen von Ziegeln erforderlichen Kenntnisse. Die erhaltenen Anstellungsverträge der Ziegelmeister verraten uns heute noch viel über die damalige Arbeitsweise und über die Produkte der Ziegeleien. Deshalb zitieren wir hier ausführlich aus dem folgenden Vertrag, dessen erhaltene Ausfertigung leider nicht unterzeichnet und datiert ist, aber vermutlich aus den 1870er Jahren nach der Reichsgründung stammen muß, da die Bezahlung schon in Mark vereinbart wurde.

Zwischen den Herren Bachmann & Söhne, Kalkwerk und Ziegelei in Meerane einerseits und den Herren Albert und Hugo Kertscher andrerseits ist am heutigen Tage folgender Vertrag abgeschlossen worden.

§1. Die Herren Bachmann & Söhne stellen für ihre Dampfziegelei genannte Herren Albert Kertscher und Hugo Kertscher als Ziegelmeister an.

§2. Die Ziegelmeister verpflichten sich in dieser Ziegelei, unter Benutzung der darin befindlichen Betriebsmittel und aus dem, von ihnen auf den daselbst befindlichen Fluren gewonnenen Material alle Sorten Mauerziegel (nach Bedarf auch Wölbziegel, Spitzziegel, Achteckziegel, Pflasterziegel und Formziegel) von guter brauchbarer Beschaffenheit herzustellen und in gleichmäßiger Farbe zu brennen. Sie bestreiten den dabei entstehenden Aufwand an Arbeitslöhnen und verpflichten sich, mit den ihnen zur Verfügung stehenden Betriebsmitteln aufs Sorgfältigste umzugehen.

§3. Die in der Ziegelei beschäftigten Arbeiter sind in der Krankenkasse, Alters- und Invaliditätsversicherung und zur Unfallversicherung den gesetzlichen … Bestimmungen gemäß bei den zuständigen Verwaltungsbehörden rechtzeitig an- und abzumelden. Die Ziegelmeister werden als Betriebsleiter angemeldet, übernehmen die gesetzliche Haftpflicht für die gesamte Ziegelei- Anlage, einschließlich der Lehmgrube und sind verpflichtet, den Bestimmungen der Gewerbeordnung über die Beschäftigung von Arbeiterinnen und jugendlichen Arbeitern in Ziegeleien pp. auf das Strengste nachzukommen. Sie tragen für alle Übertretungen gegen diese und sonst noch vorhandenen gesetzlichen Bestimmungen die volle Verantwortung.

§4. Die Ziegelmeister sind verpflichtet, für Alters- und Invaliditäts- sowie Unfallversicherung und Krankenkasse besondere Bücher zu führen, aus welchen die ordnungsgemäße An- und Abmeldung jederzeit zu ersehen ist… Die Beiträge für oben erwähnte Versicherungen, ausschließlich Unfallversicherung werden von den Werksbesitzern verlagsweise bezahlt und den Ziegelmeistern bei entsprechenden Lohnzahlungen in Abzug gebracht.

§5. Den Anordnungen der Inhaber der Firma Bachmann & Söhne und deren Stellvertreter ist unweigerlich nachzukommen.

$6. Die Herren Bachmann & Söhne haben die zum Betriebe der Dampfanlage und zum Brennen der Ziegel erforderlichen Kohlen bis an die Ziegelei und das zum Oelen der Maschine erforderliche Oel zu liefern. Brennoel und Putzwolle haben die Ziegelmeister aus ihren Mitteln zu beschaffen.

§7. Die Ziegelmeister erhalten für jedes Tausend gebrannter Mauerziegel von guter Beschaffenheit bis auf den Wagen fertig geladen

7,25 Mark, Sieben Mark, 25 Pfennige,

für die vorhandenen lufttrockenen Ziegel, fertig zum Brennen, erhalten die Ziegelmeister für das Tausend

3,00 Mark, Drei Mark, - Pfennige.

Der Lehm ist für die Preissätze mit (einzurechnen - leider unleserlich).

§8. Es wird eine Normalbetriebszeit vom 15. Mai bis 1. Oktober festgesetzt. Sollten jedoch vor oder nach diesen Terminen Ziegel angefertigt werden, ist hierzu besondere Erlaubnis der Herren Bachmann & Söhne einzuholen… Erfrieren die Ziegel, so ist der Schaden vom Unternehmer und vom Ziegelmeister zu gleichen Theilen zu tragen.  

§9. Sollte der Betrieb auf Anordnung der Herren Bachmann & Söhne während der Zeit vom 15. Mai bis 1. Oktober ganz oder theilweise eingestellt werden, so erhalten die Ziegelmeister Beschäftigung im Steinbruch der Ziegeleibesitzer gegen ortüblichen Wochenlohn.

§10. Die Ziegelmeister haben ein Lohn-, Tage- und Lagerbuch zu führen. Aus dem letzteren muß der Bestand an nassen, lufttrockenen und gebrannten Ziegeln jederzeit zu ersehen sein.

§11. In jeder Woche jedesmal sonnabends haben die Ziegelmeister Albert & Hugo Kertscher abzurechnen und genau Lohnliste über ihren zu verausgabenden Lohn einzureichen. Dieselben erhalten auf die von ihnen hergestellten Ziegeln an jedem Sonnabend Vorschüsse, deren Höhe die Herren Bachmann & Söhne bestimmen. Die Hauptabrechnung findet am Schlusse jeden Jahres statt.

§12. Die Ziegelmeister haften für jeden Schaden, der an den ihnen anvertrauten Betriebsmitteln entsteht, sofern geringe oder grobe Fahrlässigkeiten oder ein absichtliches oder unabsichtliches Verschulden ihrerseits vorhanden ist. Sie stellen eine Caution von 500,- Mark. Dieser Betrag soll in einem Sparkassenbuch niedergelegt werden...“ (vollständige Kopie im Besitz von M. Och, Meerane)

Wie das bis heute üblich ist, enthält auch dieser Anstellungsvertrag abschließend noch Regelungen über seine Kündigung. Außerdem gibt es einen Paragraphen darüber, daß der beim Abräumen der Lehmlagerstätte anfallende Mutterboden aufzuladen und an einen von den Besitzern gewünschten Ort zu schaffen war, wofür es eine zusätzliche, wenn auch geringe Vergütung nach der Anzahl der Fuhren gab.

Wie man sieht, erhielten die Ziegelbrennmeister, die ja eigentlich den gesamten Betrieb vom Abbau bis zum Verladen der fertigen Ziegel zu leiten hatten, ihre Bezahlung nach der produzierten Menge an Ziegeln und zwar solange, wie die Brennerei jedes Jahr betrieben werden konnte. Im Winterhalbjahr waren sie dagegen wieder einfache Arbeiter. In der Zeit, während der sie als Betriebsleiter fungierten, waren sie aber auch „für alles“ im Betriebsablauf verantwortlich, selbst für die Lohnauszahlung an die Arbeiter. Dafür gab es wöchentlich einen Vorschuß. Nur die Versicherungsbeiträge zahlte das Unternehmen direkt, verrechnete sie danach aber wieder mit den auszuzahlenden Arbeitslöhnen.

   

Ein weiterer, erhalten gebliebener Anstellungsvertrag stammt aus dem Jahr 1906 und lautet wie folgt:

Zwischen der Firma Bachmann & Söhne, Kalkwerks- und Ziegeleibesitzer einerseits und Herrn Johann Sacher, Ziegel- und Brennmeister in Sehma andererseits ist am heutigen Tage nachstehendes abgeschlossen worden.

§1. Die Herren Bachmann & Söhne stellen am 1. April 1906 für Ihre Ziegelei Herrn Johann Sacher bis auf Weiteres als Brenn- und Zigelemeister an gegen eine wöchentliche (Brenn- Honoration - leider unleserlich) von 25 Mark.

§2. Herr Sacher verpflichtet sich, neben den Besitzern, in dieser Ziegelei unter sachgemäßer Benutzung der daselbst vorhandenen Betriebsmittel, Maschinen etc. aus dem, der Lehmgrube entnommenen Material alle Sorten Ziegel, als da sind: Mauerziegel, Wölbziegel, Spitzziegel, Achteckziegel, Pflasterziegel (glatte und geriefte) sowie diverse Formziegel nach Bedarf von guter und brauchbarer Beschaffenheit herzustellen und dabei sämtliche zur Verfügung stehenden Betriebsmittel mit größter Sorgfalt zu behandeln.

§3. Für das Brennen des Materials übernimmt Herr Sacher die volle Verantwortung und verpflichtet sich derselbe, Ziegel von gleichmäßiger guter Farbe zu brennen. Dazu werde ich selbst einen Brenner bestimmen, welcher unter Oberaufsicht des ersteren steht und den Ofen abwechselnd mit demselben bedient.

§4. Gleichzeitig hat Herr Sacher auf Ordnung und Reinhaltung im ganzen Betrieb zu sehen und etwaige Verstöße oder Störungen den Besitzern vorzutragen. In Abwesenheit der Besitzer haben sich die Leute den Anordnungen des Ziegelmeisters zu fügen.

§5. Über die Abfuhr von Ziegeln, Sand und Kies hat Herr Sacher in Abwesenheit der Besitzer ebenfalls gewissenhaft zu wachen, alles genau zu buchen und ganz besonders darauf zu sehen, daß den Wünschen der Kundschaft entsprochen und die Lieferung der Bestellung entsprechend ausgeführt wird.

§6. Die zum Brennen der Ziegel und zum Heizen des Dampfkessels nötigen Brennmaterialien sowie die für die Maschinen nötigen Schmiermittel werden von der Firma Bachmann & Söhne selbst beschafft. Herr Sacher hat aber darauf zu sehen, daß mit denselben so sparsam als möglich umgegangen wird.

§7. Das Ein- und Ausfahren der Ziegel hat Herr Sacher dergestalt zu überwachen, daß die einzufahrenden Ziegel genügend lufttrocken sind und vorschriftsmäßig gesetzt werden. Bei dem auszufahrenden Material hat er in erster Linie darauf zu sehen, daß die Ziegel gut sortiert werden, jede Sorte (nach dem Härtegrade geordnet) für sich und die weißen Ziegel nur an geschützten Orten aufgestellt werden. Für etwaige durch Verstöße gegen diesen Paragraphen entstandene Unkosten muß Herr Sacher als Ziegelmeister aufkommen.

§8. Irgendwelche an den Maschinen oder sonst wo sich nötig machende Reparaturen dürfen nur mit Wissen und Zustimmung der Besitzer ausgeführt werden.

§9. Jeden Freitag wird abgerechnet bzw. die jedesmalige Warenproduktion festgestellt, sofern sich durch etwaige dazwischen fallende Feiertage keine Verschiebung nötig macht.

§10. Die Dauer der Produktionszeit wird von den Besitzern bestimmt. Während der Zeit wo der Ziegeleibetrieb ruht, kann Herr Sacher gegen ortsüblichen Tagelohn anderweitige Beschäftigung im Ziegelei- oder Kalkwerksbetriebe der Firma Bachmann & Söhne erhalten.

§11. Der vorliegende Vertrag wird ungültig:
1) nach beiden Teilen freistehender vierteljährlicher Aufkündigung, dieselbe hat am 1. oder 15. eines Monats zu erfolgen.
2) ohne Kündigung, wenn Herr Sacher durch Unachtsamkeit die Besitzer schädigt, indem er unbrauchbare Ware brennt, sich den Anordnungen der Chefs widersetzt, grober
Fahrlässigkeiten zu Schulden kommen läßt oder als untreu erweist.

Mit vorstehendem Vertrage sind beide Teile vollkommen einverstanden, nehmen gegenseitig die abzugebenden Erklärungen an und unterzeichnen, zur Beurkundung dessen, diesen Vertrag, welcher in zwei Exemplaren ausgefertigt ist, mit ihrer eigenhändigen Unterschrift.

Meerane, den 15. März 1906.“ (Kopie im Besitz von M. Och, Meerane)

Wie man im Vergleich zum älteren Vertrag sieht, erfolgte die Bezahlung von Herrn J. Sacher nicht mehr, wie früher, nach der produzierten Menge, sondern in Form eines wöchentlichen, festen Gehaltes. Noch immer galt dieses aber nur für die Betriebszeit der Ziegelei, im Winter durfte auch dieser Brennmeister als Tagelöhner im Kalkbruch arbeiten... Nach wie vor aber hatte der angestellte Betriebsleiter die volle Verantwortung für alle Abläufe im Brennereibetrieb.

Die Produktpalette der Ziegelei hatte sich noch nicht wesentlich erweitert und umfaßte: „Mauerziegel, Wölbziegel, Spitzziegel, Achteckziegel, Pflasterziegel (glatte und geriefte) sowie diverse Formziegel.“ Was mit „weißen Ziegeln“ gemeint ist, ist uns noch nicht klar ‒ es muß sich aber um besonders empfindliche Ziegel gehandelt haben, da sie nur an witterungsgeschützten Orten gelagert werden durften.

Vielleicht wäre dieser Arbeitsvertrag gar nicht aufbewahrt worden, aber Herr Sacher war mit der Art und Weise der Betriebsführung offenbar nicht einverstanden und kündigte schon im darauffolgenden Jahr wieder. Der Vollständigkeit halber wollen wir deshalb hier auch die Klageschrift des Rechtsanwaltes zitieren:

An die geehrte Firma Bachmann & Söhne, Kalkwerk & Dampfziegelei in Meerane.

Im Auftrage Ihres Brenn- und Ziegelmeisters, Herrn Johann Sacher habe ich Ihnen folgendes mitzuteilen: Laut Vertrag vom 15. März 1906 haben Sie Herrn Sacher als Brenn- und Ziegelmeister ab 1. April 1906 angestellt.

Der Vertrag legt demselben aber nur Pflichten und Verantwortung auf. Seine Rechte bestehen nur darin:

  1. 25 Mark wöchentliche (Brenn- Honoration - auch an dieser Stelle leider unleserlich) zu fordern,
  2. Beim Ruhen des Ziegeleibetriebes gegen ortsüblichen Tagelohn sich in Ihrer Ziegelei oder Kalkwerksbetriebe beschäftigen zu lassen und
  3. Am 1. oder 15. eines Monats einvierteljährlich zu kündigen.

Der Vertrag ist also einseitig und demnach rechtsungültig. Trotzdem derselbe laut Vertrag als Betriebsleiter angestellt war und die Verantwortung hatte, sind seine Anordnungen vonseiten der Herren Chefs nicht beachtet worden.

Wegen Vertragsbruchs sieht sich Herr Sacher genötigt, seine weitere Tätigkeit in Ihrem Betrieb einzustellen und beantragt demgemäß die ihm zustehende Entschädigung nebst 50 Mark Reisevergütung. Sie wollen Herrn Sacher binnen 24 Stunden Ihre Entschließung gefälligst mitteilen, da im anderen Falle das Gewerbegericht entscheiden soll.

Mit voller Hochachtung

Richard Steiter, Rechtsanwalt,

Meerane, 16. Juni 1907.“ (Kopie im Besitz von M. Och, Meerane)

Wie dieser Streit ausgegangen ist, verraten die Schriftstücke nicht.

  

Wie auch schon aus dem ersten Arbeitsvertrag oben hervorgeht, waren die einfachen Arbeiter in den Ortskrankenkassen und in der Steinbruchs- Berufsgenossenschaft versichert; aufgrund einer Neugliederung der Genossenschaft kam es ab 1896 allerdings für eine kurze Zeit zum Austritt des Unternehmens. Bis zum Jahr 1908 war der Kalksteinbruch von der Berufsgenossenschaft mit der „Gefahrenziffer 20,30“ bewertet, was im Vergleich mit dem damals gültigen Gefahrentarif der Berufsgenossenschaft, A. Hauptbetriebe, zweite Gruppe: „Steinbrüche und Gräbereien über Tage, Bagger- und Bohrwerke“, schon ein recht hoher, aber für die in dieser Gruppe zusammengefaßten, vergleichbaren Unternehmen, nämlich „Nr. 19: Kalk-, Dolomit-, Marmor-, Kalktuff-, Gips-, Kreide-, Flußspat-, Feldspat- und Schwerspat- Steinbrüche, Kreide- und Mergelgräbereien“ der normale Durchschnittswert gewesen ist.

Ab 1908 wurde die Gefahrenziffer für den Bachmann‘schen Kalkbruch dann wegen „gefahrdrohenden Abraumes“ aber um 2 Punkte auf nunmehr 22,30 angehoben. Nur (übertägige) Basaltsteinbrüche waren damals von der Berufsgenossenschaft mit einem Wert von 22,80 in dieser zweiten Gruppe von Betrieben als noch gefährlicher für die Arbeiter eingestuft. Dementsprechend dürften auch die Beiträge gestiegen sein.

Die Kalkbrennerei wurde 1908 von der Steinbruchs- Berufsgenossenschaft, in der übrigens auch die Ziegeleiarbeiter versichert waren, mit einer gleich gebliebenen Gefahrenziffer von 8,51 bewertet, was dem Durchschnitt für ähnliche Unternehmen im Abschnitt A. Hauptbetriebe, erste Gruppe: „Fabrikbetriebe ohne Bruch- oder Grubenbetrieb, Aufbereitungsanstalten“, Nr. 7: „Kalkbrennereien und Kalklöschereien“ des damaligen Gefahrentarifs entsprochen hat.

Franz Bachmann war außerdem selbst wenigstens noch bis 1913 als Vertrauensmann der Berufsgenossenschaft für den Bereich der Amtshauptmannschaft Glauchau mit Hohenstein-Ernstthal, Lichtenstein, Meerane und Waldenburg tätig.

Die Firma war auch Mitglied des Industrie- Vereins Meerane e. V. und des Verkehrsvereins Meerane. Zur Förderung des Ausbaus des Fernsprechnetzes in Crotenlaide trugen die Inhaber 1920 mit einer Vorauszahlung in Höhe von 1.000,- Mark bei.

  


Meerane- Crotenlaide, Bachmann'sche Ziegeleigrube. Flache Lagerung von bunten Letten (Zechstein) unter Schichten von Kies und Ton (Oligozän), dunklen eisenschüssigen Kiesen (Altpleistozän) und Löß, Foto: M. Nowak, um 1928

http://www.deutschefotothek.de/documents/obj/72032594

  


Meerane- Crotenlaide,. Bachmann‘sche Ziegeleigrube. „Geologische Orgel“ (mit diesem bildhaften Begriff wurden Auslaugungszonen im Plattendolomit bezeichnet, über denen die hangenden Schichten Einsenkungstrichter bildeten) in den oberen Letten des Zechsteins und den oligozänen Tonen und Kiesen; darüber ungestörtes (wieder horizontal gelagertes) Pleistozän (Lößlehm), Foto: M. Nowak, 1928.

http://www.deutschefotothek.de/documents/obj/72032595

 


Eine historische Übersichtsaufnahme der Ziegeleigrube, auch die
Lehmgrube“ genannt, Aufnahmedatum nicht bekannt. Bildquelle: Fa. Bachmann & Söhne K. G., aus dem Nachlaß von Christine Bachmann, Gattin des letzten Eigentümers Ehrhard Bachmann, jetzt Sammlung M. Och, Meerane.

  


Historische Aufnahme der Ziegeleigrube mit dem schienengeführten Schaufelkettenbagger vor dem Abbaustoß, Aufnahmedatum nicht bekannt. Bildquelle: Fa. Bachmann & Söhne K. G., aus dem Nachlaß von Christine Bachmann, Gattin des letzten Eigentümers Ehrhard Bachmann, jetzt Sammlung M. Och, Meerane.

  


Das Verrücken der Gleise des Baggers erfolgte mit geballter Muskelkraft, Aufnahmedatum nicht bekannt. Bildquelle: Fa. Bachmann & Söhne K. G., aus dem Nachlaß von Christine Bachmann, Gattin des letzten Eigentümers Ehrhard Bachmann, jetzt Sammlung M. Och, Meerane.

  


Der Schaufelkettenbagger mit den typischen
Dreiecks-Kipploren“ unter dem Verladeschacht rechts, Aufnahmedatum nicht bekannt. Bildquelle: Fa. Bachmann & Söhne K. G., aus dem Nachlaß von Christine Bachmann, Gattin des letzten Eigentümers Ehrhard Bachmann, jetzt Sammlung M. Och, Meerane.

  


Der
Führerstand“ des Schaufelkettenbaggers, Aufnahmedatum nicht bekannt. Bildquelle: Fa. Bachmann & Söhne K. G., aus dem Nachlaß von Christine Bachmann, Gattin des letzten Eigentümers Ehrhard Bachmann, jetzt Sammlung M. Och, Meerane.

   


Ladeschacht des Schaufelkettenbaggers mit einer typischen Dreiecks-Kipplore“ darunter, Aufnahmedatum nicht bekannt. Bildquelle: Fa. Bachmann & Söhne K. G., aus dem Nachlaß von Christine Bachmann, Gattin des letzten Eigentümers Ehrhard Bachmann, jetzt Sammlung M. Och, Meerane.

  


Die Kipploren wurden „Schwerkaft- betrieben“ im Gefälle der Gleise zur Ziegelei befördert. Aufnahmedatum der Fotografie nicht bekannt, aber vermutlich Ende der 1940er Jahre: Der Anschieber auf der Lore links ist der Enkel des Firmengründers und letzte Inhaber, Ehrhard Bachmann. Bildquelle: Fa. Bachmann & Söhne K. G., aus dem Nachlaß von Christine Bachmann, Gattin des letzten Eigentümers Ehrhard Bachmann, jetzt Sammlung M. Och, Meerane.

  


Entladung der Loren in der Ziegelei. Bildquelle: Fa. Bachmann & Söhne K. G., aus dem Nachlaß von Christine Bachmann, Gattin des letzten Eigentümers Ehrhard Bachmann, jetzt Sammlung M. Och, Meerane.

  


Transport der Ziegelrohlinge zum Trockenraum über dem Ziegeleibrennofen, alles erfolgte mit Muskelkraft. Bildquelle: Fa. Bachmann & Söhne K. G., aus dem Nachlaß von Christine Bachmann, Gattin des letzten Eigentümers Ehrhard Bachmann, jetzt Sammlung M. Och, Meerane.

  


Aufschlichten der Ziegelrohlinge zum Trocknen und Verladung der getrockneten Rohlinge für den Transport zum Brennofen; diese Arbeiten verrichteten häufig auch Frauen. Bildquelle: Fa. Bachmann & Söhne K. G., aus dem Nachlaß von Christine Bachmann, Gattin des letzten Eigentümers Ehrhard Bachmann, jetzt Sammlung M. Och, Meerane.

  


Einkarren der getrockneten Rohlinge in den Brennofen. Bildquelle: Fa. Bachmann & Söhne K. G., aus dem Nachlaß von Christine Bachmann, Gattin des letzten Eigentümers Ehrhard Bachmann, jetzt Sammlung M. Och, Meerane.

  


 Die Arbeit in der Ziegelei war unzweifelhaft eine wirklich schwere körperliche Tätigkeit: Auskarren der gebrannten Ziegel aus dem Ofen. Bildquelle: Fa. Bachmann & Söhne K. G., aus dem Nachlaß von Christine Bachmann, Gattin des letzten Eigentümers Ehrhard Bachmann, jetzt Sammlung M. Och, Meerane.

  


Übersicht über die Ziegelei um die Wende zum 20. Jahrhundert, links im Bild, mit dem Schornstein dahinter, der große Ringbrandofen mit den angesetzten Trockenböden auf der Schürebene. Bildquelle: Fa. Bachmann & Söhne K. G., aus dem Nachlaß von Christine Bachmann, Gattin des letzten Eigentümers Ehrhard Bachmann, jetzt Sammlung M. Och, Meerane.

  


Die Ziegelei um die Wende zum 20. Jahrhundert. Bildquelle: Fa. Bachmann & Söhne K. G., aus dem Nachlaß von Christine Bachmann, Gattin des letzten Eigentümers Ehrhard Bachmann, jetzt Sammlung M. Och, Meerane.

  


Arbeiter und Arbeiterinnen der Ziegelei, Aufnahmedatum leider nicht bekannt. Bildquelle: Fa. Bachmann & Söhne K. G., aus dem Nachlaß von Christine Bachmann, Gattin des letzten Eigentümers Ehrhard Bachmann, jetzt Sammlung M. Och, Meerane.

  

Die Bachmann's bemühten sich immer auch darum, Ihren Kunden stets gute Produkte anzubieten. Die Qualitätskontrolle stand offenkundig genauso in ihrem Blickpunkt, wie die Verbesserung der Erzeugnisse bei der bestmöglichen Ausnutzung der ihnen gehörigen Rohstofflagerstätten.

   


Diese gestempelten „Mini- Ziegel“ von etwa 5 cm x 2 cm Größe aus der Bachmann'schen Ziegelei wurden in den 1930er und 1940er Jahren hergestellt und dienten möglicherweise als Prüfkörper und zur Qualitätskontrolle. Sammlung M. Och, Meerane.

  


Es gibt davon auch etwas größere von etwa 7 cm x 3 cm Größe und offensichtlich aus ganz unterschiedlichen Materialien. Sammlung M. Och, Meerane.

  


Diese hier bestehen wieder aus einem ganz anderem Ausgangsstoff - vermutlich führten die Bachmann's damals Versuche mit dem lehmigem Zersatz der oberen Letten durch. Sammlung M. Och, Meerane.

  


Daß einige zerbrochen sind, könnte die Annahme stützen, daß sie tatsächlich nur für Prüfzwecke hergestellt wurden. Sammlung M. Och, Meerane.

  


An den Stirnseiten finden sich manchmal technische Angaben, wie hier eine Brenntemperatur. Das war offenkundig nicht als Kinderspielzeug gedacht... Sammlung M. Och, Meerane.

  


Bei diesen - auch nur wenige Zentimeter großen - Exemplaren handelt es sich dagegen vermutlich um Anschauungsmuster der sogenannten „Vielloch- Ziegel“ für potentielle Kunden. Auf ähnliche Hohlziegel erhielten die Bachmann's im März 1937 sogar eine „ministerielle Zulassung“ durch das Sächsische Ministerium des Innern nach deren Prüfung durch den „Sachverständigen- Ausschuß für einheitliche Prüfung von Baustoffen und Bauarten“. Sammlung M. Och, Meerane.

  


Zeichnung des 1937 zugelassenen „Vielloch- Ziegels mit 78 Lochungen“. Quelle: Anlage des Gutachtens des Sachverständigenausschusses vom März 1937. Sammlung M. Och, Meerane.

  

Der zum Kalkbrennen genutzte Ringbrandofen war etwas kleiner als der der Ziegelei, jedoch hinsichtlich des Ofens selbst von identischer Bauweise. Für den rund zwölf Jahre jüngeren Ringofen der Ziegelei sind die folgenden Architektenzeichnungen aus dem Bauantrag erhalten geblieben; die für die beiden Kalköfen dagegen leider nicht bzw. nur in Form kleinformatiger Fotokopien mit schlechter Bildqualität.

  


Zeichnung über Erbauung eines Cylinderofens zum Kalkbrennen für Herrn Kalkbrennermeister C. F. W. Bachmann & Söhne zu Meerane, leider undatiert. Kopie einer Bauzeichnung um 1890. Die leicht konisch nach unten verengte Zylinderform des Brennschachtes im Schnitt links ist gut zu erkennen. Unter dem Schacht lag ein keilförmiger Rost, zwei seitliche Abzüge für den Stückkalk und an der Frontseite der Abzug des Aschenfalls. Bildquelle: Fa. Bachmann & Söhne K. G., aus dem Nachlaß von Christine Bachmann, Gattin des letzten Eigentümers Ehrhard Bachmann, jetzt Sammlung M. Och, Meerane.

 


Kopie einer Bauzeichnung für den Wiederaufbau der Holzverkleidung des Ringbrandofens des Kalkwerkes von 1948. Querschnitt des Ofens mit den nebeneinander umlaufenden Brennkanäle, einem
Fuchs“ unter dem rechts liegenden Abschnitt und einem Frischluftkanal über dem links dargestellten Abschnitt des Brennkanals. In der Mitte oberhalb der Brennkanäle sind der zentrale Rauchkanal und eine Rauchglocke zum Öffnen bzw. Verschließen der Abzugsöffnung zu sehen. Bildquelle: Fa. Bachmann & Söhne K. G., aus dem Nachlaß von Christine Bachmann, Gattin des letzten Eigentümers Ehrhard Bachmann, jetzt Sammlung M. Och, Meerane.

 


Zeichnung zum Ringofenbau der Herren Bachmann und Söhne, Kalkwerksbesitzer in Meerane i. S. vom Architekten Görlitz, datiert auf den 15. April 1898. Oben: verschiedene Längsschnitte, Mitte und unten: Grundrisse, rechts: ein Querschnitt, rechts oben: Legende zu den farblich gekennzeichneten, verschiedenen Baumaterialien. Kolorierte Tuschezeichnung auf gelackter Leinwand, Größe zirka 88 cm x 132 cm (!!), Gesamtansicht. Bildquelle: Fa. Bachmann & Söhne K. G., aus dem Nachlaß von Christine Bachmann, Gattin des letzten Eigentümers Ehrhard Bachmann, jetzt Sammlung M. Och, Meerane.

  


Ausschnitt aus obiger Bauzeichnung: Die Legende zu den verschiedenen Baumaterialien illustriert bereits, wie komplex ein solches Ofenbauwerk aufgebaut war.

  


Ausschnitt aus obiger Bauzeichnung mit dem Querschnitt der beiden nebeneinander liegenden Brennkanäle und dem oben dazwischen liegenden, zentralen Rauchkanal.

  


Ausschnitt aus obiger Bauzeichnung mit mehreren aneinandergefügten, vertikalen Längsschnittebenen. Im Mittelteil sind die Schüröffnungen über dem Brennkanal und die „Füchse“ unterhalb des Brennkanals zu sehen; im linken Bildteil die Rauchglocken zur Steuerung des Zuges im oberen Rauchkanal; im rechten Bildteil sind die Rauchglocken, mit denen der Luftzug durch die untenliegenden Füchse zum zentral gelegenen Rauchkanal und weiter zum Schornstein gesteuert wurde, zu erkennen. Unmittelbar links vom Schornsteinsockel sieht man den Brennkanal, der an dieser Stelle die beiden längeren, nebeneinander errichteten Abschnitte verbindet, so daß ein umlaufender Kanal entsteht. Der Rauchkanal mußte an dieser Stelle den Brennkanal überqueren und ist dazu nach oben verlegt.

  


Ausschnitt aus obiger Bauzeichnung mit mehreren verschiedenen, aneinandergefügten horizontalen Schnittebenen (Grundrissen in verschiedenen Bauhöhen). Im linken Teil der Zeichnung ist die unterste Schnittebene mit der Anordnung der „Füchse“ unterhalb des Brennkanals dargestellt. Im Mittelteil sieht man zwei gegenüberliegende Abschnitte des Brennkanals und die Anordnung der Schüröffnungen in der Firste des Brennkanalüberwölbung. Der daran rechts angrenzende Schnitt zeigt dann die Anordnung der oberen Rauchkanäle unterhalb der Schürebene. Im rechten Bildteil ist schließlich die Schürebene selbst, der Durchbruch im Boden der Schürebene für die Verbindung des zentralen Rauchkanals mit dem Schornstein (ganz rechts) über den hier umlaufenden Brennkanal hinweg zu sehen.

    

Aus einem Wertgutachten des Baurats Staude aus Glauchau aus dem Jahr 1949 über das Kalkwerk erfährt man einige technische Details zu den Brennöfen: Bei dem Ringbrandofen des Kalkwerkes handelte es sich um einen Parallelringofen ‒ also mit ovalem Brennkanal ‒ mit 14 Kammern nebst Bedienungs- und Beschickungsaufbau. Der Schornstein war 36 m hoch. Mit einer Länge von 75,5 m, einer Breite von 9,6 m und einer Höhe von durchschnittlich 5,6 m war es ein schon ziemlich großer Ofen seiner Bauart. Er war aus Ziegelmauerwerk aufgeführt; nur der 1949 nach den Brandschäden wieder errichtete Oberbau bestand aus Holz. In diesem Ofen wurden ausschließlich Steine ‒ also grobstückiger Plattendolomit, der wie Ziegel von Hand eingesetzt wurde ‒ gebrannt.

Der Zylinderofen wird zu dieser Zeit als Feinkalkbrennofen bezeichnet. Er besaß bei 10 m Länge und Breite der Grundfläche zirka 10 m Höhe. Dabei handelte es sich um einen klassischen Kesselofen, in dem nur kleinstückiger Schotter ‒ hier Klares genannt ‒ verarbeitet wurde. Nach den genannten Abmessungen dürfte es sich bei diesem um das Bauwerk handeln, welches auf dem  Foto aus dem Jahr 1993 noch zu sehen ist.

   

Der Ziegeleiofen erhielt ‒ anders als der Kalkofen ‒ eine großflächige Umbauung, welche als Trockenraum für die Ziegelrohlinge genutzt wurde und so die an die Umgebung abgegebene Restwärme des Ofens ausnutzte. Sonst begrenzte nämlich die Jahreszeit auch die mögliche Betriebszeit der Ziegeleien: Würden die Ziegelrohlinge nur an der Luft oder in ungeheizten Schuppen getrocknet, würde der winterliche Frost zum Reißen der Rohlinge führen. Mit dieser Konstruktion konnte die Betriebszeit der Bachmann'schen Ziegelei nun alljährlich um einige Wochen verlängert werden.

Die Architektenzeichnungen aus dem Bauantrag für die Umbauung des Ziegeleiofens sind ebenfalls erhalten geblieben.

  


Holzkonstruktionszeichnung für die Herren Bachmann und Söhne, Kalkwerksbesitzer in Meerane i. S. vom Architekten Görlitz, datiert auf den 16. Juli 1898. Oben: verschiedene Längsschnitte, unten: Grundriß, rechts: ein Querschnitt. Kolorierte Tuschezeichnung auf gelackter Leinwand, Größe zirka 88 cm x 132 cm (!!), Gesamtansicht. Bildquelle: Fa. Bachmann & Söhne K. G., aus dem Nachlaß von Christine Bachmann, Gattin des letzten Eigentümers Ehrhard Bachmann, jetzt Sammlung M. Och, Meerane.

  


Ausschnitt aus obiger Bauzeichnung mit mehreren aneinandergefügten, vertikalen Längsschnittebenen. Ganz rechts ist der innenliegende Ofenkörper und der Schornsteinsockel dargestellt. im Mittelteil sieht man die Außenansicht des Brennöfens mit den Toren zum Beschicken der Brennkammern, ganz links die Außenansicht der Umbauung mit den Trockenböden.

  


Nicht ganz gelungene Fotokopie mit einem Ausschnitt aus obiger Bauzeichnung mit dem Querschnitt der Holzkonstruktion der Trockenböden über dem eigentlichen Brennofen in der Mitte unten (rot ausgefüllt).

  


Und so sah der Ringbrandofen des Kalkwerkes um 1890 aus: Bildquelle: Fa. Bachmann & Söhne K. G., aus dem Nachlaß von Christine Bachmann, Gattin des letzten Eigentümers Ehrhard Bachmann, jetzt Sammlung M. Och, Meerane.

  


Ansicht des Kalkwerkes an der östlichen Giebelseite unterhalb des Schornsteins um 1900; in der Bildmitte die drei Inhaber: Zweiter von links Arthur, dritter Franz, dritter Karl Friedrich Bachmann. Bildquelle: Fa. Bachmann & Söhne K. G., aus dem Nachlaß von Christine Bachmann, Gattin des letzten Eigentümers Ehrhard Bachmann, jetzt Sammlung M. Och, Meerane.

  


Weitere Ansicht des Kalkwerkes mit dem an der westlichen Giebelseite angebauten Kontor um 1900; davor Mitarbeiter des Kalkwerkes. Bildquelle: Fa. Bachmann & Söhne K. G., aus dem Nachlaß von Christine Bachmann, Gattin des letzten Eigentümers Ehrhard Bachmann, jetzt Sammlung M. Och, Meerane.

  


Dieses historische Foto gibt einen Gesamteindruck des Hoffmann'schen Ringbrandofens des Kalkwerkes und stammt aus dem Jahr 1912, auch der hohe Schornstein ist fast in seiner ganzen Größe zu sehen. Dahinter, leider nur noch undeutlich, sieht man den Trichterofen und an der linken Bildseite, nur schemenhaft, den Bereich des mittleren Bachmann'schen Kalkbruches. Bildquelle: Fa. Bachmann & Söhne K. G., aus dem Nachlaß von Christine Bachmann, Gattin des letzten Eigentümers Ehrhard Bachmann, jetzt Sammlung M. Och, Meerane.

  


Entlang der Crotenlaider Straße ließen die Bachmann's Ende des 19. Jahrhunderts einige repräsentative Wohngebäude errichten. Das Haus Nr. 15 war auch der Wohnsitz der Familie Bachmann und wurde 1905 gebaut. Bildquelle: Fa. Bachmann & Söhne K. G., aus dem Nachlaß von Christine Bachmann, Gattin des letzten Eigentümers Ehrhard Bachmann, jetzt Sammlung M. Och, Meerane.

Diese Häuser stehen noch  heute.

  


Rechts neben dem Wohnhaus hatte man sich einen kleinen Garten angebaut, in dem man bei schönem Wetter andere Honoratioren empfangen konnte. Hier stand etwa ab 1914 auch die dekorative  Sinter- Stufe aus dem Bachmann'schen Kalkbruch. Bildquelle: Fa. Bachmann & Söhne K. G., aus dem Nachlaß von Christine Bachmann, Gattin des letzten Eigentümers Ehrhard Bachmann, jetzt Sammlung M. Och, Meerane.

  


Undatiertes Foto der Belegschaft des Kalkwerkes; in der Mitte der Firmengründer Karl Friedrich Bachmann und seine beiden Söhne Franz und Arthur. Bildquelle: Fa. Bachmann & Söhne K. G., aus dem Nachlaß von Christine Bachmann, Gattin des letzten Eigentümers Ehrhard Bachmann, jetzt Sammlung M. Och, Meerane.

  


Firmenpostkarte von Bachmann & Söhne K. G., Mitte der 1930er Jahre. Bildquelle: Fa. Bachmann & Söhne K. G., aus dem Nachlaß von Christine Bachmann, Gattin des letzten Eigentümers Ehrhard Bachmann, jetzt Sammlung M. Och, Meerane.

   


Eine Quittung über eine Kalklieferung aus dem Jahr 1926. Der Hektoliter Stückkalk kostete damals bei Bachmann's 3,50 Mark. Bildquelle: Fa. Bachmann & Söhne K. G., aus dem Nachlaß von Christine Bachmann, Gattin des letzten Eigentümers Ehrhard Bachmann, jetzt Sammlung M. Och, Meerane.

  

Der aus der Quittung ersichtliche Verkaufspreis für gebrannten Stückkalk (also für Maurerzwecke) von 3,50 Mark für den Hektoliter (der etwa dem alten Scheffelmaß entsprach) erscheint auf den ersten Blick recht hoch. 1908 lag der Kalkpreis in Rudelswalde beim benachbarten Crimmitschau jedenfalls noch zwischen 1,30 und 1,50 Mark pro Scheffel.

Natürlich aber muß man dabei bedenken, daß zum einen kaum noch „Konkurrenz“ durch andere Kalkwerke in der näheren Umgegend bestand und zum anderen gerade die Wirtschaft auf die Krisen der 1920er Jahre zusteuerte. Die Inflation und Geldentwertung wird zu den höheren Preisen einen großen Anteil beigetragen haben. Nach Erinnerungen E. Bachmann's war spätestens Ende der 1920er Jahre auch die Abraummächtigkeit ‒ und damit natürlich die Gewinnungskosten im Tagebaubetrieb ‒ so angestiegen, daß das Kalkwerk schon damals ein „Verlustgeschäft“ geworden ist. Deshalb wurde 1935 der letzte Kalksteinbruch stillgelegt, während die Ziegelei und der Landwirtschaftsbetrieb der Familie die Einnahmen weiter sicherten (siehe auch 11384, Nr. 3265 und RdKG, Nr. 6696).

Einen Teil der nicht mehr benötigten Flächen hatten die Bachmann's schon 1912 der Stadt Meerane geschenkt, mit der Auflage, dort Rosen zu pflanzen. Sie sind später in den Schillerpark integriert worden. Andere Flächen am Apfelberg wurden nach der Verfüllung mit Abraum als Bauland verkauft.

   

Danach waren Teile des Kalkwerkes verpachtet. Die Pächter stellten im früheren Zylinderofen Feueranzünder her. Dazu wurde in den Ofen ein eiserner Kessel eingebaut, in dem man die Brennmittel verflüssigte und dann in handliche Päckchen gießen konnte (Informationen von Herrn Och, Meerane). Das Verfahren allerdings scheint nicht gerade sicher gewesen zu sein, denn noch vor dem 2. Weltkrieg gab es massive Beanstandungen vonseiten der Gewerbeaufsicht und der Feuerwehr. Tatsächlich kam es dann auch zu einer Verpuffung; der Kesselinhalt ergoß sich über die angrenzenden Gebäude und setzte auch den Oberbau des Ringofens in Brand.

In den Jahrbuchausgaben ist die Firma Bachmann & Söhne nie als Bergbaubetrieb aufgeführt, jedoch besagen die Unterlagen des Landesbergamtes Freiberg (40024-12, Nr. 10, sowie 40027, Nr. 1161), daß im Zeitraum nach 1938 ein untertägiger Dolomitabbau zumindest erneut vorgesehen war.

Am 28. März 1938 nämlich, so hält das Landesbergamt fest, habe die Ziegelei und Kalkbrennerei Bachmann & Söhne dem Bergamt angezeigt, daß sie beabsichtige, den früher im Tagebau gebrochenen Dolomit nun unterirdisch abbauen zu wollen, weil über dem nur 5 m mächtigen Kalksteinlager nun schon 15 m mächtiger Abraum anstehe. Man schränkte jedoch gleich ein, daß dieser Beschluß keineswegs endgültig sei und man sich zunächst durch den früheren Betriebsleiter des Kalkwerks in  Herold, Arthur Rudolf Neubauer, beraten lassen wolle. Anläßlich eines Vorortbesuches hielt die Behörde am 16. Juli des Jahres lakonisch fest, daß der Betrieb des Steinbruches zur Zeit ruhe.

Im Folgejahr findet sich noch eine Mitteilung an das Oberbergamt in Freiberg, daß der Dolomitabbau durch die Firma Bachmann & Söhne noch nicht wieder aufgenommen worden sei.

    

Auch im Ortsteil Hainichen von Gößnitz, nördlich von Meerane und schon in Thüringen gelegen, hat der damalige Rittergutsbesitzer denselben Dolomit abgebaut. Er brauchte seinerzeit Steine zum Ausbessern seiner Gebäude. Dabei fand er den Dolomit in einem alten Bruch ‒ es hatte also auch dort schon vorher jemand Dolomit gebrochen ‒ und ließ ihn dafür wieder abbauen.

An dieser Stelle fand sich besonders viel Sinter und Calcit. Diese Steine ließ der Rittergutsbesitzer beiseite legen und nach Ausbeutung und Verfüllung des kleinen Bruches ließ er einen kleinen Turm erbauen, mit einem kleinen Anbau. Dieser Turm war außen vollkommen mit Dolomit mit Sinter und Calcit verkleidet und soll deshalb schneeweiß in der Sonne geglänzt haben. Nach alten Beschreibungen sei er eine Art Lusttempel gewesen. Wer sich's leisten konnte...

Sein Nachfolger hatte dagegen keinen Sinn dafür; er machte eine Pflaumendörre draus. Danach verfiel das Gebäude, vom weißen Calcit und Sinter ist bis auf winzige Reste nichts mehr zu sehen. Im Volksmund heißt der kleine Turm Sorbenturm. Er liegt unmittelbar, vielleicht 200 m bis 300 m Luftlinie vom Nordstollen in Crotenlaide entfernt. Unmittelbar hinter dem Nordstolln verläuft ja die Grenze zu Thüringen (Informationen von Herrn Och, Meerane).

Der Sohn von Arthur Bachmann, Erhard Bachmann war als Enkel des Firmengründers der letzte private Eigentümer der Firma und verstarb Anfang der 1990er Jahre (Informationen von Herrn Och, Meerane). Auch die Familie Bachmann bewahrte das eine oder andere, attraktive Fundstück dieser Kalksinter aus den Steinbrüchen auf.  

 


Dieses Stück Kalksinter ist reichlich einen halben Meter hoch und von Hand kaum zu bewegen... Es stammt aus dem Nachlaß der Familie Bachmann und stand seit 1914 in deren Garten in der  Crotenlaider Straße 15. Heute Sammlung M. Och, Meerane.

  


Dasselbe Stück von oben: Das durchscheinende Sonnenlicht macht die konzentrische Struktur des Tropfsteins sichtbar. Sammlung M. Och, Meerane.

  


Dieses Foto ist nicht besonders gelungen, zeigt aber zwei Platten mit rippenförmigen Sinterbildungen ganz beachtlicher Größe, rechts leicht rötlich gefärbt. Sammlung M. Och, Meerane.

  


Sinterkrusten auf Bruchstücken der oberen Letten. Auch dieses Stück beeindruckt durch seine Dimension. Sammlung M. Och, Meerane.

  


Zwei weitere Großstufen aus der Sammlung von M. Och, Meerane.

  


Diese Sinterkrusten haben sich auf dem Plattendolomit gebildet. Sammlung M. Och, Meerane.

  


Obwohl sie alle sehenswert sind, sollen das die letzten Beispiele sein.
Ebenfalls aus der Sammlung von M. Och, Meerane.

Weitere Beispiele der in Meerane gefundenen Minerale zeigen wir in unserem Kapitel zur  Geologie.

  


Ausschnitt aus der Äquidistantenkarte von Sachsen, Section Meerane, erschienen 1878. Anstelle der früheren Kalkwerkstandorte sind auch hier jetzt oft Ziegeleien entstanden, ein „KO.“ bei Crotenlaide ist aber noch verzeichnet - das Bachmann'sche Kalkwerk.

 


Auf dem Meßtischblatt von 1938 ist dann nur noch eine Ziegelei (Zgl.) zwischen Meerane und Crotenlaide zu finden – es handelte sich um die Bachmann’sche Ziegelei.

 

  
 
 

Zum Abbau in Meerane in jüngerer Zeit (1945-1971)

  

Nach dem 2. Weltkrieg kam es nicht zu einer Enteignung des Unternehmens, obwohl Arthur Bachmann auch Rottenführer beim „Sturm 2/183“ der SA gewesen ist, also von der neuen Staatsmacht durchaus in die Kategorie der „Kriegsverbrecher“ hätte eingeordnet werden können.

Stattdessen wollten die beiden Brüder Franz und Arthur Bachmann den Betrieb des Kalkwerkes und der Ziegeleien wieder aufnehmen, weil sie „für den Befehl 209 eingesetzt“ seien (40072, Nr. 779). Dieser Befehl der Sowjetischen Militäradministration in Deutschland (SMAD) vom 9. September 1947 beinhaltete im Wesentlichen den Aufbau der Neubauernhöfe im Ergebnis der Bodenreform. Einher ging damit auch die Zerstörung und Beseitigung von kleineren Adelssitzen innerhalb der sowjetischen Besatzungszone. Es sollten ehemalige Herrenhäuser und Gutsgebäude zur Gewinnung von Baumaterialien für neue Wohn- und Wirtschaftsgebäude für die im Zuge der Bodenreform entstandenen Neubauernwirtschaften abgebrochen werden. Weil das natürlich für allein rund 5.000 Gebäude im Land Sachsen nicht reichte, legte Befehl 209 auch fest, erforderliche Maßnahmen zur Erweiterung der Erzeugung örtlicher Baumaterialien zu ergreifen und für den Bau von Häusern in den neuen Bauernwirtschaften Ziegelsteine, Dachziegel, Kalk, Gips, Schnittholz und andere Baumaterialien auszusondern (wikipedia.de).

Am 1. April 1948 teilten die Brüder Bachmann die Absicht der Wiederaufnahme des Abbaus auch der Technischen Bezirks- Bergbauinspektion (TBBI) Zwickau mit. Bei einer darauf folgenden Besichtigung des „Kalksteinbruchs der Firma Bachmann und Söhne“ am 26. Juni 1948 hielt der Inspektor fest, daß der Kalkstein hier früher im Tagebau gewonnen worden sei, wofür nun aber der Abraum mit etwa 14 m zu mächtig sei. Deshalb hätten die Besitzer die Absicht, einen unterirdischen Betrieb einzuleiten. Weil aber der dabei gebrochene Kalk zum Brennen zu kleinstückig sei, hätten sie den Vortrieb eines Stollns zunächst wieder aufgegeben (40072, Nr. 779).

Jedenfalls hatten Erhard Bachmann und sein Vater Arthur bereits 1945 begonnen, am alten, stillgelegten Oberen Bachmann'schen Bruch quasi von Hand ( !! ) wieder Dolomit abzubauen. Mit Brechstange und Vorschlaghammer wurden die Bohrlöcher geschlagen. Aus Gößnitz kam freitags dann der Sprengmeister mit dem Fahrrad. Um den Lenker die Zündschnüre, auf dem Gepäckträger die Zündkapseln. Das ist natürlich bald polizeilich verboten worden. Auf diese Weise brauchten sie den ganzen Winter, um den Ringofen mit Kalk zu besetzen (Informationen von Herrn Och, Meerane).

 


Lageplan von dem Kalksteinbruch der Firma Bachmann und Söhne bei Meerane, jetzt kreiseigener Betrieb, angefertigt im Februar 1949 vom konzess. Markscheider W. Schmidt aus Altenburg. Bildquelle: Sächsisches Staatsarchiv, Bergarchiv Freiberg, Bestand 40072 (Bergbehörde Zwickau), Nr. 779: Kreiskalkwerk Meerane, Aktenbeilage, Gesamtansicht.

 


Ausschnittsvergrößerung aus obigem Riß. Grundriß der Werksanlagen an der Crotenlaider Straße (links unten) und des begonnenen Stollnvortriebs (rechts oben, blau unterlegt).

 

Unter Bezug auf denselben Befehl Nr. 209 der SMAD hatte der Kreistag Glauchau am 2. Juli 1948 die Übernahme des bis dahin noch Bachmann'schen Kalkwerks in kommunale Verwaltung beschlossen (RdKG, Nr. 6696).

Zunächst beabsichtigte der Kreisrat, den Besitzern das Abbaurecht abzukaufen. Die Besitzer fragten deshalb mit Schreiben vom 1. November 1948 bei Oberbergrat Knotte in Zwickau an: Wir sollen den auf unseren Grundstücken vorkommenden Kalkstein dem Kreisrat Glauchau zur Verarbeitung überlassen. Der Kreisrat will den Kalkstein selbst brechen, mahlen, brennen usw. Wir sollen ihm... nur das Abbaurecht überlassen und hätten gern gewußt, welchen Preis wir dafür... fordern können.“ Bergrat Knotte antwortete auch, daß vor dem Kriege ein Grundzins von 4 Pfennigen pro Tonne, bei Mügeln aber auch bis zu 0,60 Mark pro Tonne üblich gewesen seien (40072, Nr. 779).

Wie uns eine andere Akte verriet, hatte man sich ab 1. September 1948 zunächst auf eine Verpachtung geeinigt, wobei für den abgebauten Kubikmeter Dolomit ein Zins von 20 Pfennigen vom Kreis Glauchau an die Besitzer gezahlt wurde. Dieser Pachtvertrag war aber nur bis zum 31. Oktober 1949 befristet (11384, Nr. 2081).

Jedenfalls wurde dann am 1. Januar 1949 das Kreiskalkwerk Meerane, vormals Bachmann und Söhne, später unter dem Namen VEB Dolomit- Kalkwerk Meerane im Verband Kommunale Wirtschaftsunternehmen (KWU) des Landkreises Glauchau gebildet (RdKG, Nr. 6696).

   

Zu diesen kreiseigenen Betrieben in Glauchau gehörte außerdem zu dieser Zeit auch der Kleinbetrieb“ des Kreishilfsschachtes“ zur Braunkohlenförderung in  Tettau (40073-1, Nr. 81). Bei dem kleinen Dörfchen Tettau, welches zur Gemeinde Schönberg gehörte, die inzwischen eine Verwaltungsgemeinschaft mit der Stadt Meerane bildet, und das unweit nördlich von Glauchau an der thüringischen Landesgrenze liegt, wurde vermutlich um 1850 beginnend Braunkohle untertage abgebaut. Nicht sehr tief, nur etwa 20 Meter unter dem Rasen. Darüber ist bekannt, daß es ursprünglich grundeigener Bergbau gewesen ist, der etwa bis 1910 andauerte. Besitzer der wichtigsten Grube war zwischen 1862 und 1887 Hermann Thieme (40041, Nr. I15888).

Nach 1945 erfolgten in Tettau neue Erkundungsbohrungen und um 1947 begann man wieder mit dem Abbau. Wie schon gesagt, war auch dieser Betrieb dem Verband der örtlichen Industrie im Kreis Glauchau angegliedert. Die Braunkohle wurde vor allem für Heizzwecke benötigt; kam dagegen nie im Kalkwerk Meerane als Brennstoff zum Einsatz. Bereits 1957 wurde der Abbau in Tettau wegen Erschöpfung der Vorräte stillgelegt (RdKG, Nr. 12327).

Vor einigen Jahren berichtete Herr Walther Bothe, der eigentlich in Meerane als Hauer tätig war, daß neben dem Kalkwerk Meerane und dem Braunkohlenschacht Tettau auch noch der Steinbruch Kaufungen (Waldeinsamkeit hinter dem Bahnhof) zum KWU gehört habe und daß er ein paar Mal in Tettau und Kaufungen aushelfen mußte (Informationen von Herrn Och, Meerane). Der VEB Hartsteinwerk Kaufungen wurde 1959 gegründet und durch das Dolomitkalkwerk mit verwaltet (RdKG, Nr. 12327).

   

Schon am 15. Oktober 1949 hatten sich die Bachmann's bereit erklärt, das Abbaufeld zu verkaufen. In ihrem Schreiben heißt es dazu, daß: ...wir in den kommunalen Wirtschaftsunternehmen eine Körperschaft sehen, die unsere Anlage neuzeitlich ausbauen kann und die Kalkgewinnung weitgehender als wir der Allgemeinheit nutzbar machen wird.“ Zum Verkaufspreis hatten die Bachmann's das oben schon einmal angeführte Wertgutachten des Baurats Staude aus Glauchau eingeholt, in welchem eine Summe von 49.500,- Mark ermittelt wurde.

Der Kreisrat hingegen hatte sich schon 1948 an die Sonderabteilung bei der Verwaltung der Kohlenindustrie mit der Bitte um Auskunft über die Gewinnungsmöglichkeiten des Plattendolomits gewandt. Diese antwortete am 12. Juli des Jahres, daß der in Meerane vorhandene Kalkstein eigentlich zu den Plattendolomiten gehöre und einen hohen Magnesiumkarbonatanteil aufweise, daher nur als Bau- und Düngekalk, nicht aber für chemische Zwecke verwendbar sei (RdKG, Nr. 6696).

Außerdem wurde ein Gutachten von Herrn Dr. O. Oelsner von der Zweigstelle der geologischen Landesanstalt in Freiberg eingeholt. Dieser schickte auch am 27. August 1949 seine Bewertung, in der es u. a. heißt, daß der verhältnismäßig niedrige Anfall gewinnbaren Kalksteins einen raschen Abbaufortschritt (bedingt). Es ist zu empfehlen, die Produktion des Kalkwerkes nicht zu hoch anzusetzen, da sonst der unterirdische Betrieb zu rasch ins Feld schreiten würde und erhebliche Förderschwierigkeiten die Folge wären. Wir halten 50 bis 60 Tonnen pro Tag für die obere Grenze des Vertretbaren.“ In jedem Falle seien die Gestehungskosten in Meerane höher, als in anderen Lagerstätten, wo massige Kalksteine anstehen, was bedeutend weniger Ausbau erfordere (11384, Nr. 2081).

Am 25. Februar 1949 hatte die TBBI die Einsetzung des Herrn Otto Georg Erler jr., Architekt aus Pfaffroda (bei Tettau), als Betriebsleiter des Werkes bestätigt. Er war kurze Zeit vorher schon zum Betriebsleiter der Braunkohlengrube in  Tettau bestellt worden. Mit der kaufmännischen Leitung des Dolomitwerkes in Meerane wurde Herr Ernst Louis Vogel betraut.

Am 27. Oktober 1949 folgte darauf ein Ortstermin, bei dem Betriebsleiter Otto Erler ausführte, daß das Werk gegenwärtig völlig unrentabel arbeite und erhebliche Investitionen erforderlich seien. Es gäbe keine LKW für den Transport bis zum Bahnhof, ein Bunker müsse neu errichtet werden, die Bohrhämmer seien verschlissen und würden versagen und sogar das einzige Förderseil sei gerissen. Neben dem Kaufpreis würden daher zirka 100.000,- Mark weitere Investitionskosten auf den Kreis Glauchau zukommen.

Daraufhin lehnte der Kreisrat ab, den Pachtvertrag zu verlängern, weiter einen Abbauzins von 0,20 M pro Kubikmeter Dolomit zu zahlen und verlangte eine Nachverhandlung des Kaufpreises. In der Begründung heißt es, daß für ...die unter der Erdoberfläche liegenden Werte, die bergbaumäßig abgebaut werden und dem Volke gehören... kein privater Betrieb das Recht habe... Bezahlung zu fordern.“ So war das damals.

Außerdem heißt es an dieser Stelle noch, daß „Bodeneinbrüche durch den Abbau ... und etwa damit in Zusammenhang stehende Schädigungen der landwirtschaftlich genutzten Flächen ... nicht entstanden und auch künftig nicht zu befürchten“ seien (11384, Nr. 2081). Aha. Inzwischen wissen wir auch das besser.

Insbesondere lehnte der Kreisrat es ab, für die alten Kalköfen zu zahlen, obwohl die Bachmann's selbst nach den Brandschäden vor 1945 den Ringbrandofen mit einem Aufwand von mehr als 7.000,- Mark bereits wieder betriebsfertig hergerichtet hatten.

  

Jedenfalls zeigte das Kreiskalkwerk Meerane dann am 25. Mai 1949 der TBBI an, daß das frühere Kalkwerk der Firma Bachmann und Söhne nun wieder in Betrieb genommen werde.

Da das Ministerium für Industrie, Hauptabteilung Steine und Erden, in Berlin für 1950 aber schon Investitionsmittel für die Kalkwerke in  Groitzsch und  Raschau bereitgestellt hatte, war das Geld zunächst alle und schon der erste Investitionsplan in Meerane mußte gekürzt werden. Immerhin sei aber die neue Kugelmühle schon in Betrieb gegangen und ein 30 t-Schachtofen mit Mischfeuerung sollte dann im Folgejahr errichtet werden. Dazu erfolgte im Juli 1949 eine Besichtigung des Baugeländes mit Ingenieuren der MIOBA (11384, Nr. 2081).

Bei der Mahlanlage handelte es sich um eine Fallkugelmühle“ vom Typ G14, erbaut 1949 vom Thuringiawerk in Sonneberg. Die einzelnen Mahlkugel hatten ein Gewicht von rund 400 kg. Bei Zwei-Schicht-Betrieb konnte damit ein Durchsatz von 1,25 t/h erreicht werden (RdKG, Nr. 12327). 1950 wurde ein untertägiges Sprengmittellager eingerichtet und die Lagerung von bis zu 750 kgbrisanter Sprengstoffe“ genehmigt.

Wie der Betriebsplan vom Jahr 1951 rückblickend verrät, hatte Erler schon im September 1948 einen untertägigen Abbau vorgeschlagen, weil der hangende Abraum mit 15 m bis 20 m bei einer Mächtigkeit des Dolomits von nur 4 m bis 6 m einfach zu mächtig und ein Tagebau unwirtschaftlich sei. Daraufhin hatte man im ersten Betriebsjahr die Hauptförderstrecke 1“ bereits etwa 140 m weit vorgetrieben und einen Wetterschacht geteuft (40072, Nr. 779).

  

Auch die Ziegelei der Bachmann's wurde am 15. Februar 1956 verstaatlicht und als kommunales Wirtschaftsunternehmen vom Rat des Kreises Glauchau weitergeführt. Damit die Belegschaft dieses Jahr optimistisch ihren Planzielen entgegensehen“ könne, stellte der Rat des Bezirkes für einen Generalreparaturplan für das Werk 100.000,- Mark zur Verfügung. Um die Ziegelwerker in ihren Anstrengungen, unserem Staat mehr und bessere Baustoffe für den Wohnungsbau zu verschaffen, zu unterstützen, verpflichtete sich auch der FDJ- Kreisverband, 1.500 freiwillige Arbeitsstunden in der Ziegelei zu leisten.

Die sozialistische Presse wetterte damals über die früheren Eigentümer, sie hätten den Betrieb verlottern lassen: Da waren nicht nur sämtliche Ringöfen in einem lebensgefährdenden Zustand, sondern auch in der Lehmgrube war im Raubbau gearbeitet worden. Vor allem fehlte es an dem nötigen Gleismaterial, für das bei den alten Besitzern ebensowenig Geld wie für die üblichen sanitären und sozialen Einrichtungen da war. Das, was für die Arbeiter in unseren volkseigenen Betrieben zur Selbstverständlichkeit geworden ist, nämlich Umkleide-, Speise-, Dusch- oder Waschräume, mußte erst geschaffen werden...“ heißt es in einem Zeitungsartikel.

 


Faksimile des oben zitierten Zeitungsartikels. Bildquelle: Fa. Bachmann & Söhne K. G., aus dem Nachlaß von Christine Bachmann, Gattin des letzten Eigentümers Ehrhard Bachmann, jetzt Sammlung M. Och, Meerane.

 


Tatsächlich erfolgte die Arbeit auch zehn Jahre nach Kriegsende noch immer mit einfachsten Mitteln. Für den Transport der fertigen Ziegel gab es zwar schon einen alten Trecker und ein paar LKW's... Bildquelle: Fa. Bachmann & Söhne K. G., aus dem Nachlaß von Christine Bachmann, Gattin des letzten Eigentümers Ehrhard Bachmann, jetzt Sammlung M. Och, Meerane.

  


...die Beladung der LKW's erfolgte aber noch immer „Ziegelstein für Ziegelstein“ mit der Hand !  Bildquelle: Fa. Bachmann & Söhne K. G., aus dem Nachlaß von Christine Bachmann, Gattin des letzten Eigentümers Ehrhard Bachmann, jetzt Sammlung M. Och, Meerane.

  


Rechts im Hintergrund ist die Verkleidung der Trockenböden am Ringbrandofen zu sehen. Bildquelle: Fa. Bachmann & Söhne K. G., aus dem Nachlaß von Christine Bachmann, Gattin des letzten Eigentümers Ehrhard Bachmann, jetzt Sammlung M. Och, Meerane.

  


Das Ganze wiederholte sich dann noch einmal am Bahnhof in Meerane: Hier wurde erneut jeder einzelne Ziegelstein mit der Hand von der LKW- Ladefläche auf den Güterwagen umgestapelt... Und beim Entladen der Güterwagen wahrscheinlich das nächste Mal !  Bildquelle: Fa. Bachmann & Söhne K. G., aus dem Nachlaß von Christine Bachmann, Gattin des letzten Eigentümers Ehrhard Bachmann, jetzt Sammlung M. Och, Meerane.

  


Wie man sieht, waren mit dieser Knochenarbeit Frauen beschäftigt. Bildquelle: Fa. Bachmann & Söhne K. G., aus dem Nachlaß von Christine Bachmann, Gattin des letzten Eigentümers Ehrhard Bachmann, jetzt Sammlung M. Och, Meerane.

  

Der Betriebsplan des Kalkwerkes für 1951 sah eine Förderung von 80 bis 100 t Dolomit pro Tag und eine voraussichtliche Betriebsdauer des Abbaus von 60 Jahren vor. Man plante eine 2. Wetterstrecke und begann mit der Abbauvorrichtung durch querschlägige Abbaustrecken von etwa 5 m Breite und 2,5 m Höhe. Grubenwasser hatte man nicht zu besorgen, hielt aber für den Notfall eine Kreiselpumpe bereit. Gebohrt wurde trocken mit Preßluft. Die Förderung erfolgte mittels Haspel auf schiefer Ebene bis zum Vorratsbunker des Hochofens“. Die Betriebsleitung konnte allerdings die Vorgabe der TBBI zur Dimensionierung der Abbaustrecken nicht umsetzen und schrieb am 6. März 1952 nach Zwickau, daß man „durch die ablösenden Lettenschichten ... das Hangende soweit abbauen (müsse), bis wir tatsächlich festes Gebirge erreichen. Der Kalkstein liegt im Mittel 5 m mächtig und es stellen sich somit teilweise die Strecken bis 3,5 - 4 m (Höhe). Die alten Bruchstrecken werden laufend abgeworfen und das Holz geraubt.“ Insgesamt kam man dabei auf ein Ausbringen von etwa 60 % des anstehenden Dolomits (40072, Nr. 779).

Die betreffende Akte enthält ferner noch Schriftverkehr in Vorbereitung des nachfolgenden Betriebsplanes. Diesem ist zu entnehmen, daß Erler zur Erhöhung des Ausbringens eine Gewinnung im Bruchbau unter Anwendung von Wanderpfeilern“ plante. Die Arbeitsweise dafür sei im Betriebsplan für 1952 noch genauer festzulegen; bis zu dessen Zulassung sei vom Abbau im Streckenvortrieb aber nicht abzuweichen, legte die TBBI fest. Etwas näher ist dieses ziemlich aufwendige und rigorose Gewinnungsverfahren in den Nebenbestimmungen der Zulassung beschrieben: Der Bruchbau hat von der Feldgrenze aus (also rückschreitend) zu erfolgen. Das Hangende ist durch das Aufführen von Wanderkästen zu unterstützen. Falls keine Schienen zur Verfügung stehen, dürfen ausnahmsweise auch mindestens 1 m lange Holzschwellen für die Pfeiler verwendet werden. Der Abstand der Kästen darf 1 m nicht überschreiten... Die Kästen sind beim Schlagen der Brüche in einem Zündgang wegzuschießen. Das Bruchgelände ist übertage sorgfältig abzusperren...“ Durch dieses Vorgehen machte man einerseits die Tagesoberfläche bewußt auf Jahrzehnte unbrauchbar, konnte aber andererseits den Plattendolomit in seiner ganzen Mächtigkeit und ohne Pfeiler stehen zu lassen, aushauen (40072, Nr. 779).

Probleme bereitete aber schon 1951 auch die technische Ausstattung: Die Bohrhämmer der Typen Flöttmann A18 (Sitz Herne) und Irmer & Eltze (Sitz Bad Oeynhausen) stammten ja noch aus den Jahren 1938 und 1940 und erforderten immer mehr Ersatzteile, die nach Gründung der DDR nur noch schwer zu beschaffen waren. Auch die vorhandene Mischfeueranlage benötigte eine Generalreparatur, für die allein 1952 15.900,- Mark veranschlagt werden mußten.

Noch bis 1959 holte man den benötigten Sprengstoff selbst mit einem alten 1,2-Liter-Opel aus Lugau ab. In diesem Jahr wurde ein Beschaffungsantrag ausgelöst, um als Ersatz für den nunmehr irreparabel defekten PKW einen neuen P70 Kombi oder einen Framo mit ½ Tonne Ladekapazität erhalten zu können.

Im Durchschnitt errechnete man für das Jahr 1956 einen Verbrauch von 0,31 kg Sprengstoff je geförderte Tonne Dolomit. Man schoß gestreckte Ladungen und zündete sie mit Zündschnur (RdKG, Nr. 12327).

  



 Lieferanweisungen der LPG in Falken an das Kalkwerk Meerane aus den 1950er Jahren, oben Vorder- unten Rückseiten. Bildquelle: Sammlung M. Och, Meerane.

     

Am 21. Juni 1951 gab es im Kalkwerk einen schweren Schießunfall, bei dem der Sprengmeister Karl-Heinz Schiefer tödlich und die beiden Hauer Milde und Auerswald schwer verletzt wurden. Vermutlich hatte ein abgesprengter Brocken eine der Zündschnüre gequetscht, so daß diese langsamer glimmte. Mit mehr als 15 Minuten Verzögerung ging dann der letzte der acht Schüsse des Abschlags los (Kreisarchiv Zwickau, Bestand Zeitungsartikel zur Heimatgeschichte, Nr. 8, veröffentlicht am 11. Oktober 1995).

Auch in der Ziegelei gab es 1959 eine heftige Explosion, woraufhin sie fast vollständig abbrannte. Der große Ringofen wurde dabei stark beschädigt. Möglicherweise hatte man mit dem wohlgemeinten Ansinnen, die Produktion zu steigern, zu schnell zu viel Kohle nachgefüllt, so daß diese unvollständig verbrannte und es zu einer Verpuffung von Kohlenmonoxid gekommen ist. Danach wurde die Ziegelei stillgelegt und fast alles abgerissen (Informationen von Herrn Och, Meerane).

 


Das frühere Kontor der Ziegelei stand am Anfang der Crotenlaider Straße in Meerane, Aufnahme vermutlich im Winter 1948. Bildquelle: Fa. Bachmann & Söhne K. G., aus dem Nachlaß von Christine Bachmann, Gattin des letzten Eigentümers Ehrhard Bachmann, jetzt Sammlung M. Och, Meerane.

Als einziges Gebäude der Ziegelei steht es noch 2019.

  


Ansicht der Ziegelei vermutlich im Winter 1948. Bildquelle: Fa. Bachmann & Söhne K. G., aus dem Nachlaß von Christine Bachmann, Gattin des letzten Eigentümers Ehrhard Bachmann, jetzt Sammlung M. Och, Meerane.

  


Ansicht der Ziegelei von der Zufahrt zur Ziegeleigrube aus, vermutlich im Winter 1948. Bildquelle: Fa. Bachmann & Söhne K. G., aus dem Nachlaß von Christine Bachmann, Gattin des letzten Eigentümers Ehrhard Bachmann, jetzt Sammlung M. Och, Meerane.

   


Die Ruinen der Ziegelei nach dem Brand 1959. Bildquelle: Fa. Bachmann & Söhne K. G., aus dem Nachlaß von Christine Bachmann, Gattin des letzten Eigentümers Ehrhard Bachmann, jetzt Sammlung M. Och, Meerane.

  


Die Ruinen der Ziegelei nach dem Brand 1959. Bildquelle: Fa. Bachmann & Söhne K. G., aus dem Nachlaß von Christine Bachmann, Gattin des letzten Eigentümers Ehrhard Bachmann, jetzt Sammlung M. Och, Meerane.

  


Die Ruinen der Ziegelei nach dem Brand 1959. Bildquelle: Fa. Bachmann & Söhne K. G., aus dem Nachlaß von Christine Bachmann, Gattin des letzten Eigentümers Ehrhard Bachmann, jetzt Sammlung M. Och, Meerane.

  

Der Betriebsleiter des Kalkwerkes erwies sich als umsichtiger Mann, der sehr bemüht gewesen ist, die Selbstkosten zu senken und die Produktion des Kalkwerkes wirtschaftlich zu gestalten. Allein für den Brennofen benötigte man zirka 120 t Koks pro Monat (RdKG, Nr. 7094). Für das Jahr 1952 summierte sich der Verbrauch des Kalkwerkes auf 2.726 t Koks und 65 t Braunkohle (RdKG, Nr. 7092).

Da der Gaskoks natürlich ein sehr teurer Brennstoff war, versuchte man, auf diesen mehr und mehr zu verzichten und führte schon 1953 Versuche mit billigeren Brennstoffen im Kalkwerk Fortschritt Pulsitz in Münchhof bei  Ostrau durch (RdKG, Nr. 7094).

Zwischen 1954 und 1956 wurde deshalb vom damaligen VEB Schachtofenbau MIOBA für das Kalkwerk dann ein hochmoderner Schachtofen errichtet. Als MIOBA Mitteldeutscher Industrieofenbau GmbH & Co. KG mit Sitz in Böhringen (Gemeinde Striegistal) bestand dieses Unternehmen übrigens noch bis 2017, befindet sich nach unserer Kenntnis gegenwärtig aber in Insolvenz.

In einer anderen Akte wird erwähnt, daß man in Meerane nun ein Schnell- Brennverfahren“ anwende, wobei der Gaskoks durch „Ersatz- Brennstoffe“ substituiert werden sollte (RdKG, Nr. 12667). Als solche setzte man Rohbraunkohle aus Borna ein. Aus dem Projekt- und Betriebsplan für den Zeitraum 1952-1954 kann man erfahren, daß sich schon 1954 der Brennstoffverbrauch gegenüber den oben genannten Mengen auf 1.860 t Koks und 2.295 t Braunkohle verändert hatte (RdKG, Nr. 7065).

Sofort nach der Umstellung auf Braunkohlenfeuerung kam es daraufhin im Jahr 1956 zu Beschwerden der Anwohner über die Verschlechterung der Luft in Crotenlaide durch die Abgase des Brennofens. Man könne kaum noch die Fenster öffnen und die Wäsche nicht mehr im Freien trocknen, leitete der Rat des Stadt Meerane die Beschwerden an den Rat des Kreises als Betreiber des Kalkwerkes weiter (RdKG, Nr. 12327).

Die Branntkalkerzeugung erreichte 1952 mit 12.566 t (RdKG, 7092) bzw. 11.453 t (nach RdKG, Nr. 6696) ihren Höhepunkt. Später nahm der Anteil dieses Produkte immer mehr ab, während insbesondere das Bergbau- und Hüttenkombinat Maxhütte Unterwellenborn zum größten Abnehmer des Rohdolomits wurde. Rohdolomit wurde daneben über die DHZ (Deutsche Handelszentrale) Chemie in Berlin- Karlshorst vertrieben.

  


Leider schlecht erhaltene Kopie eines Fotos des 1956 errichteten Schachtofens, Aufnahme kurz vor seiner Sprengung 1984. Bildquelle: Sammlung M. Och, Meerane.

  

1953 hatte das Kalkwerk insgesamt 52 Angestellte, davon 41 Produktionsarbeiter. Unter diesen waren 17 Bergleute für den untertägigen Abbau (RdKG, Nr. 7094). 1954 werden im einzelnen aufgeführt (RdKG, Nr. 7065):
  •   2 Hauer,

  •   7 Bohrhauer,

  •   1 Schachtzimmerhauer,

  •   2 Hilfszimmerhauer,

  •   4 Förderleute,

  • 11 Lader und

  •   3 Kalkbrenner.

Unter den 50 Angestellten waren auch 5 Frauen. Mit dieser Belegschaft erzeugte das Kalkwerk im Jahr 1953 (RdKG, Nr. 7091):

  • bei einer Förderung von 27.172 t Dolomit

  • 10.443 t Branntkalk,

  •   3.831 t sogenannten Mischkalk, der zum Brennen ungeeignet und daher als Düngekalk (Wiesenkalk“) verkauft wurde, teilweise wurde dabei durch Beimengung von Branntkalkmehl der CaO- Anteil erhöht, sowie

  •   3.662 t Rohkalk (13,5% der Förderung) als Split oder Kalkmehl.

Bis 1953 gab es in den Kalkwerken, auch wenn diese untertägig abbauten, keinen steuerfreien Trinkbranntwein. Darüber beschwerte sich die Betriebsleitung am 26. Juni 1953 schriftlich beim Ministerium für Handel und Versorgung in Berlin (RdKG, Nr. 7094).

Das Ministerium für Arbeit bei der Regierung der DDR hatte dann 1954 festgelegt, daß für die Produktionsarbeiter in den Kalkwerken die Lohntafel Kali über Tage“ anzuwenden sei. Mitte der 1950er Jahre lag der Durchschnittslohn der Arbeiter im Gruppenleistungslohn“ zwischen 1,80 DM und 2,18 DM je Arbeitsstunde (RdKG, Nr. 12667). Der Betriebsleiter Erler erhielt 1955 ein Monatsgehalt von 630,- Mark. Erst 1956 wurde eine eigene Lohntabelle I/3: Kalkbergwerke untertage“ eingeführt (RdKG, Nr. 12327).

Aufgrund einer erforderlich gewordenen Generalreparatur“ am Brennofen ging der Abbau im Jahr 1958 auf nur 10.505 t zurück. Da die Ofenauskleidung nach recht kurzer Betriebszeit schon „durchgebrannt“ gewesen sei, erwies sich die Reparatur als sehr aufwendig. Aus dem stillgelegten Kalkwerk Klotzsche im Kreis Plauen mußte man einen ganzen Ofenstuhl umsetzen... Die ständigen Reparaturen waren auch ein Grund dafür, daß das Kalkwerk unter dem Strich immer wieder Verluste machte, obwohl der Plan für die Warenproduktion fast immer erfüllt oder übererfüllt wurde. Bei einem Umsatz des Kalkwerkes von zirka 500.000,- Mark pro Jahr erreichte man z. B. 1951 24.654,- Mark (4,9%) Gewinn, 1953 dagegen entstanden 16.628,- Mark (-3,3%) Verlust.

Die Förderkosten lagen 1952 noch bei 4,91 DM je Tonne Rohdolomit, waren aber binnen der folgenden vier Jahre auf bis zu 12,84 DM je Tonne angestiegen. Die Abgabepreise für die Produkte an die Bevölkerung mußten daher schon 1959 mit mehr als 4,- Mark je Tonne gestützt werden !

  

Bis zum Jahr 1960 hatte sich das Produktionsprofil dahingehend gewandelt, daß der Rohdolomitverkauf an die Maxhütte in verschiedenen Körnungen nun den bei weitem überwiegenden Hauptanteil ausmachte. In diesem Jahr wurden erzeugt (RdKG, Nr. 12327):
  • bei einer Förderung von 38.752 t Dolomit

  •   5.743 t Branntkalk,

  •   8.229 t Rohdolomit“ als stückiges Material, das zur Herstellung von Sinterdolomit für Ofenauskleidungen im Stahlwerk verwendet wurde,

  • 15.192 t Splitt als Zuschlagstoff für die Verhüttung im Stahlwerk (zusammen 60,4% der Förderung) und

  •   6.723 t Mischkalk.

1963 erzeugte das Kalkwerk dann nur noch 850 t Branntkalk, während der direkte Absatz“ von ungebranntem Rohdolomit in verschiedenen Körnungen nun schon 23.400 t oder 64,5% der Gesamtförderung von 36.300 t ausmachte. Da zumindest für die Brennerei entsprechend weniger Arbeitskräfte benötigt wurden, war auch deren Gesamtzahl bereits auf nur noch 34 zurückgegangen.

Wohl deswegen, weil der Bedarf der Landwirtschaftsbetriebe in den umliegenden Dörfern an gebranntem Düngekalk durch das Kalkwerk in Meerane nicht mehr gedeckt werden konnte, versuchte genau um diese Zeit, nämlich 1964, die aus den Vereinigungen der gegenseitigen Bauernhilfe hervorgegangene Bäuerliche Handelsgenossenschaft e. G. (BHG) aus Meerane, im ehemaligen Facius'schen Kalkwerk bei  Raschau ‒ nur ein paar Kilometer westlich von Oberscheibe am Emmler ‒ selbst Dolomit abzubauen.

  

Der VEB Vereinigte Obererzgebirgische Kalkwerke mit seinen Standorten in Oberscheibe, Crottendorf und Hammerunterwiesenthal wurde ‒ wie der Rat des Bezirkes dem Kreistag mit Schreiben vom 12. November 1958 mitteilte ‒ durch die VVB Zement und Beton Dessau als Leitbetrieb“ mit der kontinuierlichen monatlichen Probenahme für eine Güteprüfung der Kalkerzeugnisse beauftragt. Dies betraf neben Meerane auch die Kalkwerke in Herold und in Lengefeld (damals schon VEB Kalk- und Marmorwerke Zöblitz).

Ob es darüber hinaus eine Zusammenarbeit der Kalkwerksbetriebe in Meerane und Oberscheibe gegeben hat, geht aus den uns bisher zugänglich gewordenen Unterlagen allerdings nicht hervor. Insbesondere haben wir noch keinen eindeutigen Hinweis auf eine Übernahme des einen durch das andere Werk finden können. Auch in einer Akte aus dem Kreisarchiv des Landkreises Zwickau heißt es dann aber, daß das Bergbau- und Hüttenkombinat Maxhütte Unterwellenborn im Jahr 1966 die Dolomitkalkwerke Meerane vom VEB Vereinigte Kalkwerke Oberscheibe übernommen habe (RdKW, Nr. 05854).

In einer Akte der Bergbehörde Zwickau zum VEB Vereinigte Obererzgebirgische Kalkwerke (40072, Nr. 770) fanden wir jedenfalls einen Fahrbericht zum Kalkwerk Meerane, der schon auf den 7. August 1951 datiert ist. Ob diese Akten nur zufällig versehentlich in den Ordner der Behörde über den anderen Betrieb im erzgebirgischen Oberscheibe gelangt sind, wissen wir nicht. Die Behörde beanstandete darin u. a., daß „der neu hergestellte und nach dem alten Kalkbruch führende Fluchtweg besser fahrbar“ zu machen sei, außerdem ist „der innerhalb der an sich vorschriftsmäßig abgesperrten Bruchfeldes Anfang August des Jahres entstandene, größere Tagesbruch ...noch besonders abzusperren und seine Ränder... nachzunehmen“ und die Staubbelastung für den Bediener der Kugelmühle sei zu groß.

Die Arbeit in der Kugelmühle, wo der gebrannte Kalk gemahlen wurde, war nach Erinnerungen des Hauers W. Bothe eine Drecksarbeit, man konnte sie nur zirka 14 Tage machen. Dann bekam man erstmal eine andere Tätigkeit zugewiesen. So war ständiger Wechsel. Es soll extrem gestaubt haben und der Kalkstaub wirkte äußerst aggressiv auf Haut und Atemwege (Informationen von Herrn Och, Meerane).

Am 9. Mai 1952 vermeldete der Betrieb in Meerane der Bergbehörde dann die Beseitigung der beanstandeten Mängel. Wegen Beschaffungsproblemen sei zwar die Entstaubungsanlage an der „Staubverladung der Kugelmühle“ noch nicht eingebaut, immerhin aber sei „der Kugelmüller durch Einbau eines Förderbandes der Staubentwicklung nicht mehr ausgesetzt.“ (40072, Nr. 770)

  

Im Jahr 1965 wurden in Meerane von 39 Arbeitskräften, davon 22 „in direkter Produktion“ noch 29.600 t Rohdolomit gefördert und daraus wieder 8.900 t Branntkalk, 8.200 t Stückkalk für die Stahlwerke, sowie Split erzeugt.

Der Planentwurf für 1966 sah noch eine Förderung von 21.600 t Dolomit und eine Produktion von 2.200 t Branntkalk vor. Zirka 4.500 t zu feinkörniges Material (der sogenannte „Split“) wäre jedoch nicht absetzbar und müßte aufgehaldet werden. Der VEB Vereinigte Erzgebirgische Kalkwerke (und nur zu diesem Zeitpunkt ist dieser tatsächlich in der Verantwortung für die Grube in Meerane in einer Akte der Nickelhütte angeführt) rechnete deshalb mit einem „planmäßigen Verlust“ von bis zu 439.000,- Mark im Jahr 1966 und beantragte folgerichtig die Stillegung des Abbaus.

Da damit jedoch auch Lieferverträge mit der Maxhütte erloschen wären, mußte über die Stillegung vor dem Chemnitzer Landgericht verhandelt werden (40137-1, Nr. 47).

  


Abbaugrundriß der Dolomitgrube Meerane, Blatt 2. Bildquelle: Sächsisches Staatsarchiv, Bergarchiv Freiberg, Bestand 40137-2 (Risse des VEB Nickelhütte St Egidien), Nr. I214, angelegt 1949, nachgebracht bis 1960, Gesamtansicht, Norden ist oben, wie man das von aktuellen Karten gewohnt ist. Das nördlich anschließende Blatt 1 dieses Risswerks konnten wir leider noch nicht finden. Die dunkelgrün strichpunktierte Linie, die in SW-NO-Richtung quer durch das Abbaufeld führt, ist die Gemarkungsgrenze zwischen Meerane (südlich) und Crotenlaide (nördlich). Die systematische Abbauführung und ein ziemlich regelmäßiger Kammerpfeilerbau sind gut zu erkennen.

  


Leider nur punktuell sind auf dem Rissblatt einige Orte auch mit Jahreszahlen bezeichnet. Wir haben sie hervorgehoben, um den Abbaufortschritt, so gut es halt geht, sichtbar zu machen. Die Farbgebung entspricht demnach nicht den Jahresscheiben, sondern bezieht sich auf die Hauptstrecken, die hier teilweise als
Sohlen bezeichnet sind, obwohl sie natürlich alle im Einfallen desselben Flözes und annähernd in derselben Höhe liegen.

  


Ausschnitt aus obigem Riß mit dem Standort der Übertageablagen. Aus dem früheren Bachmann'schen Tagebau heraus führte offenbar eine Rampe zur Brecheranlage. Der Standort des 1954 neu errichteten Brennofens ist hier leider nicht verzeichnet.

 

In der Folgezeit ab 1966 wurden die noch vorhandenen Dolomitvorräte im sogenannten Südfeld – an der Grenze zum früher Bachmann’schen Tagebau – anhand einer Bohrerkundung durch BUS Welzow bei einer mittleren Dolomitmächtigkeit von 3,8 m im erkundeten Bereich noch auf 175.000 Tonnen berechnet. Das Gutachten dazu wies aber bereits darauf hin, daß an der Basis und nach Osten Übergänge zu sandiger Fazies mit dolomitischem Bindemittel bestehen, die als Zuschlagstoff für die Hüttenwerke unbrauchbar seien. Außerdem seien aufgrund von Karsterscheinungen die Abbauverluste mit rund 40% recht hoch, so daß die tatsächlichen Vorräte bestenfalls bei 105.000 Tonnen lägen. Ein wichtiger Kostenfaktor sei ferner der erforderliche Sicherungsausbau, der mittels Holz-Türstöcken hergestellt wurde. Der Holzbedarf dafür läge mit 0,01 Festmeter pro Tonne Dolomit vergleichsweise hoch (40137-1, Nr. 47).

Trotzdem hatte im November 1965 hatte das Maxhütte Bergbau- und Hüttenkombinat Unterwellenborn den VEB Dolomitkalkwerke Meerane übernommen; wie es in der Akte heißt (RdKW, Nr. 05854): vom VEB Vereinigte Kalkwerke Oberscheibe. Die Art der Zusammenarbeit (über die Probennahme hinaus) mit dem Betrieb in Oberscheibe ist uns noch unklar, jedenfalls findet sich in den uns bislang zugänglich gewordenen Unterlagen kein Hinweis auf eine Übernahme des Kalkwerks Meerane durch die Obererzgebirgischen Kalkwerke.

1968 begann die Maxhütte dann mit den Aus- und Vorrichtungsbauen für das Südfeld. Schon ab 1966 wurde auch ganz im Norden weiter abgebaut, obwohl in diesem Bereich das ja nach Norden flach einfallende Dolomitlager grundwasserführend angetroffen wurde, was den Abbau natürlich weiter verteuerte.

In einer Akte der Stadtverwaltung Meerane zur Beendigung der bergbaulichen Nutzung (Meer II, Nr. 2007) heißt es darüber, daß die Maxhütte 1966 das Abbauverfahren geändert habe, um „die Oberfläche bruchlos abzusenken.“ Weiter heißt es aber: „Dies ist zum Teil gelungen. Trotz Sprengung der Stützpfeiler können Hohlräume offen bleiben, die zu einem späteren, nicht vorhersehbaren Zeitpunkt plötzlich zu Bruch gehen können...“  Die Maxhütte wandte offenbar nun das schon von Erler vorgeschlagene Abbauverfahren in abgewandelter Form an, während sie sich über den VEB Vereinigte Erzgebirgische Kalkwerke beschwerte, dieser habe die Pfeiler stehen gelassen, was unvermeidlich zu einem unregelmäßigem Zubruchgehen führen müsse.

Zugleich kam es aber 1969 auch schon zu ersten Tagesbrüchen, was Verhandlungen über Flächenaustausch und Nutzungsausfall- Entschädigung an die betroffene LPG „Vorwärts“ Schönberg nach sich zog. Aus ursprünglich 0,8 ha wurden dabei schließlich 2,36 ha und eine Zahlung von 316.000,- Mark… (40137-1, Nr. 47)

   


Schematische Darstellung zur Durchführung des Kammerpfeilerbaus durch die Maxhütte: In den schraffierten Bereichen wurden zuletzt auch die zunächst stehengelassenen Pfeiler gesprengt. Quelle: Bergschadenkundliche Analyse für die Dolomitgrube Meerane, Kamsdorf, 1972. Alte Farbkopie im Besitz von Herrn Och, Meerane.

   

Der letzte Planentwurf der Maxhütte für 1971/1972 sah mit 37 Arbeitskräften noch einmal eine Förderung von 6.900 t Rohdolomit vor. Davon waren aber nur 2.350 t stückiges Material, das direkt an die Maxhütte geliefert werden konnte. Aus den kleineren Körnungen sollten 700 t Branntkalk und 1.750 t Split erzeugt werden. Der Abbau durch die Maxhütte wurde nach den Bergamtsakten am 31. März 1971 eingestellt (40137-1, Nr. 47). Nach einer anderen Quelle erfolgte die endgültige Einstellung des Abbaus im Südfeld erst am 23. April 1971 (RdKW, Nr. 05854).

Schon in einem Schreiben der Maxhütte an die Stadtverwaltung Meerane vom 23. November 1970 weist erstere darauf hin, daß entsprechend dem am 12. Mai 1969 in Kraft getretenen Berggesetzes der DDR die Anlagen an die örtliche Staatsmacht übergehen“ und die Rechtsträgerschaft der Maxhütte mit Einstellung des Abbaus erlöschen werde (Meer II, Nr. 2007).

    


Der im Risswerksblatt oben fehlende Nordteil auf einem späteren Tageriß mit den Grubenfeldgrenzen (das Bergbauschutzgebiet). Gelb markiert ist hier auch die unten noch erwähnte, frühere Sandgrube. Bildquelle: Kreisarchiv Zwickau, Bestand Meer 
II (Stadtverwaltung Meerane), Nr. 2007, Aktenbeilagen, Anlage 1, datiert 1970, Gesamtansicht des Blattes; Norden ist oben.

   


Die Abbauführung durch die Maxhütte im Nordfeld weist ebenfalls einen systematischen Kammerpfeilerbau aus. Nach den Beschreibungen wurden die Pfeiler – sofern sie nicht schneller selbst zubruchgingen – nach dem Abbau gezielt zu Bruch geschossen. Quelle: Bergschadenkundliche Analyse für die Dolomitgrube Meerane, Kamsdorf, 1972. Alte Farbkopie im Besitz von Herrn Och, Meerane.

  


In unserer Montage der beiden zusammengehörigen Rissblätter (Anlage 1 und Anlage 2) aus dieser Quelle wird ersichtlich, daß die Maxhütte Unterwellenborn außer im oben schon erwähnten Südfeld auch noch eine Teilfläche ganz im Norden abgebaut hat. Diese wurde mit dem
Nordstolln erschlossen und an der Straße vor dessen Mundloch ein Verladebunker errichtet.

  


Weil es uns der Computer heute einfach macht, haben wir in dieser Grafik auch den oben schon gezeigten Grubenriß von 1966 in die 1970 dargestellten Grubenfeldgrenzen eingepaßt.

  


Ausschnitt aus der Anlage 2: In diesem Tageriß sind auch die Mahl- und Klassieranlagen (
Aufbereitung“) sowie der 1954 neu errichtete Schachtofen (Kalkofen“) eingezeichnet.

   


Die Abbauführung durch die Maxhütte im Südfeld erfolgte in gleichartiger Weise als Kammerpfeilerbau. Allerdings mußte man dabei hier eine Verkarstungszone (als „Erdfallgebiet“ bezeichnet) umfahren. Quelle: Bergschadenkundliche Analyse für die Dolomitgrube Meerane, Kamsdorf, 1972. Alte Farbkopie im Besitz von Herrn Och, Meerane.

  


In den verschiedenen Unterlagen vorliegende, leider lückenhafte Angaben über Gesamtförderung und Belegschaftsstärke des Kalkwerkes in Meerane in seinem letzten Betriebszeitraum von 1948 bis 1971 (vorwiegend Kreisarchiv Zwickau, Bestand RdKG). Eine stetige Abnahme der Förderung ab Beginn der 1960er Jahren ist sichtbar. 

   


Ausbringen und Produktion verschiedener Erzeugnisse des VEB Dolomitkalkwerkes in Meerane im Betriebszeitraum von 1948 bis 1971 aus den gleichen Quellen. Die Produktionsmengen des sogenannten „Mischkalks“ bzw. „Wiesenkalks“ (Düngekalk aus Rohkalk und Branntkalkmehl) sind hier nicht erfasst. Durch die Steigerung des Rohkalkabsatzes an die Maxhütte Unterwellenborn ab Mitte der 1950er Jahre nimmt umgekehrt die Produktion von gebranntem Kalk ab. Das erklärt uns nebenbei auch, warum die BHG Meerane in den 1960er Jahren nach neuen Quellen für Düngekalk suchte und sich zeitweise an einer Wiederaufnahme des Dolomitabbaus in Raschau versuchte.

   

Ein weiterer Abbau in den beiden, zeitweilig als Dolomitwerke Meerane / Crimmitschau zusammengefaßten Bergbaubetrieben als Betriebsteil des VEB Nickelhütte des Ferrolegierungswerks Lippendorf, mit Sitz in  St. Egidien, war wohl nach 1971 noch eine Zeitlang geplant, da man natürlich auch dort den Dolomit als Zuschlagstoff für die Verhüttung benötigte (40137, Nr. I212 bis I214). Ob es aber überhaupt noch einmal zu einer Wiederaufnahme in Meerane gekommen ist, ist fraglich und nicht anhand von Quellen zu belegen. Sehr wahrscheinlich begrenzten sich bergmännische Arbeiten der Nickelhütte nach 1971 auf den Standort  Crimmitschau.

In Meerane dagegen wurden von der Nickelhütte nur noch Sanierungsarbeiten durchgeführt (Kreisarchiv Zwickau, RdKG, Nr. 10612, Meer II, Nr. 2007 und Bestand Zeitungsartikel zur Heimatgeschichte, Nr. 9, veröffentlicht am 29. Juli 1999). Insbesondere sollte die Nickelhütte hier die Kontrollen und Reparaturen an der Absperrung des Bruchgeländes durchführen. Die Beräumung von restlichem Schutt sollte die LPG (P) Waldenburg ausführen, wofür die Nickelhütte aber die Kosten trage.

Überhaupt sollte die LPG (P) Waldenburg, Sitz Remse, die in Anspruch genommenen Flächen wieder übernehmen. Bei einer gemeinsamen Begehung im Januar 1982 schlug die Abteilung für Wismutangelegenheiten, Sektor Bergbau, beim Rat des Bezirkes allen Ernstes vor, aufgrund des nicht abgeschlossenen Bruchgeschehens das Gelände nur als Schafweide zu nutzen. Wer sich noch erinnert, was das (P) bedeutet, sieht schnell, daß die LPG Pflanzenproduktion über diesen Vorschlag nur lachen konnte ‒ die hatten nämlich weder Schafe noch anderes Nutzvieh.

   

Ein weiterer Vorschlag für die Weiternutzung des Geländes beinhaltete, die auflässige Sandgrube im Norden nun wieder in Betrieb zu nehmen, wobei man das aufgehende Grundwasser in den Grubenbauen günstig als Waschwasser nutzen könne. Der ehemalige Bachmann'sche Tagebau dagegen könne aufgrund der prekären Lage bezüglich des Vorhandenseins geeigneter Müllablagerungsplätze“ als Deponie genutzt werden.

Immerhin war man anhand von durchgeführten Setzungsmessungen nun auch der Ansicht, daß zumindest in Teilflächen das Bruchgeschehen bereits zum Abschluß gekommen sei. Diese Flächen umfaßten von den zirka 16,4 Hektar der für den Abbau genutzten Gesamtfläche aber gerade einmal 4,2 ha ganz im Norden des Baufeldes. Auf den übrigen zirka 12,2 ha sei dagegen für wenigstens 15 Jahre jegliche Nutzung ausgeschlossen, so daß man für diese nur eine Aufforstung empfehlen könne (Meer II, Nr. 2007).

  


In dem oben zitierten Bericht ist dieser Tageriß enthalten. Die unterbrochene schwarze Linie markiert den Abbaustand 1965, bei dem die Maxhütte den Fortbetrieb selbst übernahm. Die unterbrochene grüne Linie umgrenzt die Flächenanteile, welche wieder einer landwirtschaftlichen Nutzung zugeführt werden sollten. Bildquelle: Kreisarchiv Zwickau, Bestand RdKG (Rat des Kreises Glauchau), Nr. 10612, Aktenbeilage, datiert 1970, Gesamtansicht; Norden ist oben.

   


Ausschnitt aus dem Tageriß oben. Hier sind Gesamtsetzungsbeträge für alles in allem gerade einmal 52 Setzungs- Messpunkte verzeichnet, anhand derer man die oben genannte Einschätzung traf. Von diesen sind allerdings 22 Punkte rot markiert, was nach der Kartenlegende bedeutet:
Höhenpunkt mit Teilsenkungsangabe; vorzeitiger Verlust des Punktes. Manche dieser Punkte standen offensichtlich am Rand oder sogar in Tagesbrüchen, andere - nördlich außerhalb des Bergwerkseigentums - hat vielleicht auch die LPG versehentlich umgepflügt...

  


Nehmen wir mal an, daß die im Riß angegebenen Zahlen die mindestens zwischen 1966 und 1972 abgelaufenen Oberflächensenkungen enthalten und stellen diese Beträge einmal farblich abgestuft (weiß: 0 m, blauviolett: Maximalwert der Absenkung) dar. Mal abgesehen davon, daß sich ein Spitzenwert von 1,50 m Setzung binnen weniger Jahre nicht gerade so anhört, wie „das Bruchgeschehen (ist) bereits zum Abschluß gekommen“, findet man auch kein systematisches Bild vor, sondern ziemlich unregelmäßige „Löcher“ und Buckel“.

   


Ausschnitt aus der Topographischen Karte der DDR, Ausgabe für den Staat, 1988. Zwar wurde Schlägel und Eisen schon umgedreht (rot markiert), das ehemalige Bergbaugebiet östlich von Crotenlaide ist jedoch durch die vertikale Schraffur noch gekennzeichnet. Zu dieser Zeit war es noch waldfrei.

 

Nach der Stillegung des Untertagebetriebes sind etwa 1,8 Hektar des  Pingengeländes (im Norden des Grubenfeldes, oberhalb des gesprengten Nordstollns mit dem Kalkbunker) rekultiviert worden. Das hieß zu DDR- Zeiten freilich nichts anderes, als daß man den Vorschlag einer Nutzung als Deponie aufgegriffen hat. Das Ascheauto ist auf das Feld gefahren und hat Pinge für Pinge verfüllt. Danach soll es dort buchstäblich saumäßig ausgesehen haben. Deshalb holte man nach einigen Wochen eine Raupe vom Baubetrieb Medicke aus Glauchau und wollte alles planieren. Dabei aber rutschte die Raupe halb in eine Pinge und mußte herausgezogen werden. Der Fahrer hatte verständlicherweise die Schnauze voll und fuhr gleich auf der Raupe zurück nach Glauchau.

Wie es heute hier ausschaut, zeigen wir auch...

Schon in den 1970er Jahren wollte man im noch heute vorhandenen Pingengelände Müll ablagern. Man begann direkt hinter dem einstigen Freigut Eichler. Aber auch hier brach das Müllauto ein und man ließ es lieber bleiben (Informationen von Herrn Och, Meerane).

Ein Herr Dr. Ludwig (Der Name taucht später als Revisor in den Betriebsprüfungen des Kalkwerkes wieder auf; ob es sich dabei freilich um ein und dieselbe Person handelt, entzieht sich unserer Kenntnis.) notierte bereits am 4. Februar 1953, er habe schon 1949 behauptet, daß Bergschäden eintreten werden, während die Betriebsleitung der Meinung gewesen sei, das Rotliegende im Hangenden sei ausreichend tragfähig (RdKG, Nr. 7094). Bedingt durch das Abbauverfahren ist das untertägige Baufeld bis heute nicht wieder nutzbar, mehr oder weniger eingezäunt und bleibt der Natur überlassen.

 

Das Werksgelände an der Straße in Crotenlaide wurde nach der Betriebseinstellung vom VEB Baumwolle nachgenutzt. Wegen des Platzbedarfes für neue Betriebsanlagen wurde der 1954 erbaute Schachtofen 1984 vom damaligen Autobahnkombinat gesprengt (Informationen von Herrn Och, Meerane). Der alte Kesselofen des Bachmann'schen Kalkwerkes sei dagegen denkmalgeschützt (Kreisarchiv Zwickau, Bestand Zeitungsartikel zur Heimatgeschichte, Nr. 9, veröffentlicht am 29. Juli 1999).

Im Oktober 2001 berichtete die Presse, daß das Werksgelände von der Treuhandgesellschaft an einen neuen Eigentümer aus Meerane verkauft worden sei, welcher jedoch anonym bleiben wolle. Die Stadtverwaltung wollte die beiden Brennöfen noch immer erhalten und den Eigentümer dabei in geeigneter Weise unterstützen (Kreisarchiv Zwickau, Bestand Zeitungsartikel zur Heimatgeschichte, Nr. 10, veröffentlicht am 25. Oktober 2001).

In einem Gutachten von 1991 für die Direktorin des Städtischen Museums und die Stadtverwaltung in Meerane bescheinigte Prof. Otfried Wagenbreth, damals Institut für Wissenschafts-, Technik- und Wirtschaftsgeschichte bei der Technischen Universität zu Dresden, insbesondere dem Ringofen ‒ damals noch ‒ einen guten Erhaltungszustand und stufte nach seiner Besichtigung vom Juli 1991 beide Brennöfen als unbedingt erhaltenswert ein. In seinem Schreiben heißt es dazu wörtlich: „Die in meinem Brief vom 16.01.1991 angedeutete Denkmalwürdigkeit kann hiermit bestätigt werden, und zwar aus zwei Gründen:

1. Der Schachtofenblock… Gleichartige Beispiele dieses Kalkofentyps gibt es in Sachsen verhältnismäßig selten. Sein Erhaltungszustand und der auf Grund seiner Bauweise relativ geringe Erhaltungsaufwand rechtfertigen deshalb den Denkmalschutz. Der danebenstehende Hoffmann’sche Ringofen ist nach jetziger Kenntnis der einzige in Sachsen vollständig erhaltene Kalkwerks- Ringofen. Der Ringofen vom Kalkwerk Hermsdorf, Krs. Dippoldiswalde, ist nur in Fragmenten erhalten. Der Ringofen von Meerane ist deshalb unbedingt erhaltungswürdig, zumal beide Kalköfen zusammen einen Entwicklungsabschnitt der Kalk-Brenntechnik repräsentieren.

2. In Sachsen gibt es verhältnismäßig wenig technisch nutzbare Kalkvorkommen… Die Kalkproduktion von Meerane hatte für Westsachsen also regionalhistorische Bedeutung. Die Kalköfen von Meerane sind dafür die einzigen erhaltenen Sachzeugen…“

Die heutigen Eigentümer lassen das Gelände mitsamt der Brennöfen leider weitgehend ungenutzt brach liegen und ergreifen keinerlei Erhaltungsmaßnahmen. So ist inzwischen auch das davorstehende Verwaltungsgebäude ist im Dachbereich 2018 eingestürzt.

  


Zustand des Hoffmann'schen Ringbrandofens des Bachmann'schen Kalkwerkes im Jahr 1991. Der obere Teil (Holzaufbau) bildete die Schürebene und wurde nach der Stillegung des Ofens u. a. als Kulturraum und als Lager für das Kalkwerk genutzt. Aufnahme: M. Och, Meerane.

  

  
 
 

Zu den Abbauversuchen in Langenreinsdorf in jüngerer Zeit (1951-1956)

  

Zur Vorgeschichte des Dolomitabbaus in Langenreinsdorf und  Rudelswalde siehe unser Kapitel oben im Text.

Im Jahr 1951 verfolgte der damalige VEB Dolomitwerke Wünschendorf den Plan, wieder Dolomit bei Crimmitschau abzubauen. Dieser VEB gehörte bis 1951 dem VVB VESTA mit Sitz in Leipzig, danach dem Maxhütte Bergbau- und Hüttenkombinat Unterwellenborn an und belieferte natürlich auch dieses Stahlwerk mit Zuschlagstoffen und Feuerfestwerkstoffen (Sinterdolomit).

Anfangs hatten die Wünschendorfer Dolomitwerke sowohl die Ostseite des Pleißentals bei Wahlen, als auch dessen Westseite bei Langenreinsdorf und Neukirchen im Auge: Auf einer Beratung am 5. Mai 1951 wurde dazu besprochen, einerseits ein Dolomitwerk auf dem Vorortgelände in Crimmitschau, andererseits ein zweites auf dem Neukirchener Gelände zu errichten. In Langenreinsdorf sollte ein Tagebau für zirka 13 bis 15 Jahre betrieben werden, während man im Bereich des Zöffelparks im Stollenbau Dolomit gewinnen wollte. Damals erwartete man die größeren Vorräte von zirka 3,5 Mio t noch in Langenreinsdorf, während man in Wahlen mit etwa 1,5 Mio t gewinnbarem Dolomitvorrat rechnete.

Auch Kalkbrennöfen waren vorgesehen. Die zu erwartenden Beschwerden der Anwohner über entstehende Abgase könnten durch Anordnung eines hohen Schornsteins behoben werden“ heißt es im Beratungsprotokoll. Nach einem etwas späteren Sitzungsprotokoll hatte man für den Schornstein schon die Höhe von wenigstens 70 m berechnet.

Man sah vor, bereits 1952 bis zu 193 Arbeitskräfte im Abbau und im Dolomitwerk zu beschäftigen und meldete für das Jahr 1955 einen Bedarf von sogar bis zu 466 Angestellten an. Dabei wußte man aber gar nicht, wie man diesen Bedarf decken sollte und plante deshalb schon damals die Errichtung von Neubauwohnungen (RDKW, Nr. 01208).

  

Namens des Geologischen Dienstes der DDR, Zweigstelle Sachsen in Freiberg, wandte sich in einem Schreiben vom 8. März 1951 Herr Prof. Pietzsch an den damaligen Bürgermeister der Gemeinde Langenreinsdorf, um den davon Betroffenen mitzuteilen, daß die dortigen Dolomitvorkommen mit größter Beschleunigung zu untersuchen“ seien. Vorgesehen war zunächst, in alten Brüchen eine Wand von 2 m bis 3 m Breite zur Gewinnung von Proben freizulegen sowie auf dem Plateau 10 Schächtchen bis 10 m Tiefe“ anzulegen, außerdem wolle man aus dem östlichsten der alten Brüche, Besitzer Albert Piehler, ca. 100 t für einen Großversuch entnehmen (LRD II, Nr. 132).

Bei diesem Prof. Pietzsch handelte es sich tatsächlich um keinen Geringeren, als den uns bis heute als Verfasser und Herausgeber der Geologie von Sachsen bekannten Geologen, Albin Kurt Pietzsch (*1884, †1964). Er ist uns auch bei den geologischen Grabungen in Meerane als Mitarbeiter der damaligen Geologischen Landesanstalt in Leipzig schon begegnet. Ob die Geologen der früheren Landesanstalt wohl wieder auf aufsehenerregende Fossilfunde hofften ?  Man weiß es nicht…

Aus einem Beratungsprotokoll vom April 1961 in einer anderen Akte des Zwickauer Kreisarchives erfährt man dazu noch, daß es zu dieser Zeit tatsächlich noch neun auflässige Dolomitsteinbrüche in Langenreinsdorf gegeben hat (RDKW, Nr. 05854).

   


Ausschnittsvergrößerung aus dem Meßtischblatt Meerane, Ausgabe 1935. Allein am Nordhang des Langenreinsdorfer Tals sind hier tatsächlich noch vier Kalkbrennöfen und mehrere, mehr oder weniger große Steinbrüche eingetragen, ein weiterer existierte an der Südseite des Tales.

        

Am 11. Oktober 1951 fand zur Information der Einwohner eine Bauernversammlung in Langenreinsdorf statt. Im Protokoll heißt es: Der Kollege Müller vom Ministerium... gab in seinen Ausführungen klar und deutlich zu verstehen, daß sowohl an dem Beschluß, in Langenreinsdorf das Dolomitvorkommen abzubauen, als auch daran, daß eben zum Teil viele Bauern von dieser Härte betroffen werden, ihre Äcker und Wiesenflächen ganz oder für ein paar Jahre zum Abbau des Dolomits ... frei machen müssen, nichts mehr zu ändern ist. Kollege Müller fand die passenden Worte, so daß gleich von Anfang an zu merken war, daß die Regierung den größten Wert darauf legt, daß nur in bestem Einvernehmen das Werk erstellt werden soll...“ So war das damals.

Die Sache wurde zunächst einmal tatsächlich sehr zügig angegangen. Für die ausgeführten Untersuchungsarbeiten gab es insgesamt 225,- Mark Entschädigung an die betroffenen 13 Eigentümer. Bei einer Geländebegehung wurden dann die Standorte der Anlagen festgelegt. Für die Werksanlagen war zunächst eine Fläche von 1.650 m² auf den Flurstücken 3a und 3c vorgesehen, die zu dieser Zeit im Besitz von Walther Kirchhof waren. Die Zufahrtsstraße sollte von der Straße Neukirchen- Langenreinsdorf- Mannichswalde aus über drei weitere Flurstücke, u. a. die Nummer 193, verlaufen. 1952 wird sogar schon mit dem Aufbau einer Transportseilbahn zum Bahnhof begonnen.

Bereits 1953 aber wurde der weitere Aufbau des Werkes vorläufig zurückgestellt.“ Bis dahin hatte man ein Magazingebäude, eine Büro- Baracke, ein Pumpenhaus sowie eine Trafostation zumindest rohbaufertig.

Der VEB Wünschendorfer Dolomitwerke scheint dieses Vorhaben danach völlig aufgegeben zu haben, denn schon 1956 wurden Teile des Transformatorenhauses wieder demontiert; 1957 wurden durch das Dolomitkalkwerk Meerane die Stahltüren abgeschraubt. Im gleichen Jahr wird sogar die Grunddienstbarkeit für Stromleitung und Seilbahn wieder gelöscht. Verständlicherweise wollte nun der Eigentümer sein Grundstück wieder zurück, was jedoch vom Rat der Gemeinde 1957 abgelehnt wurde (LRD II, Nr. 132).

  

Weil es das Geoportal uns heute einfach macht, haben wir natürlich nachgesehen, wo denn die besagten Flurstücke gelegen haben. Die in der oben angeführten Akte im Einzelnen benannten Flurstücksnummern bestehen so heute allerdings nicht mehr. Die Nummerierung der Flurstücke in Langenreinsdorf beginnt heute am Ortseingang von Neukirchen her (wo auch die Nummer 3 zu finden ist, was immerhin die Beschreibung auf dem Neukirchener Gelände erklären könnte, aber eben nicht mehr zutreffend ist), läuft dann an der Südseite des Ortes aufsteigend bis zur westlichen Flurgrenze und von dort an der Nordseite wieder zurück.

Die Nummer 193 dagegen gibt es noch und bildete ursprünglich wohl die vierte Hufe nördlich der Straße von Osten her; das Flurstück 3b bildete das dritte Gehöft. Mit Hilfe des Kartenforums der Deutschen Fotothek haben wir es herausgefunden, wo das Dolomitwerk damals wahrscheinlich gebaut werden sollte...

   


Wie uns eine Flurkarte aus dem Jahr 1936, die wir im Kartenforum der Deutschen Fotothek gefunden haben, nämlich verrät, war die Flurstücksnummerierung vor dem 2. Weltkrieg anders: Die Nummerierung begann damals nördlich der Straße nach Mannichswalde mit den einstelligen Flurstücksnummern. Sogar ein Kalkofen am Hang nördlich oberhalb vom ersten Haus und unterhalb eines Kalksteinbruchs ist in dieser Karte noch bezeichnet.

  


Vergleicht man dies mit der heutigen Flurstückslage und der topographischen Karte der DDR (Ausgabe 1988), so fällt an genau einer Stelle eine Veränderung auf: Westlich des vierten Hofes hat man eine Straße, wie oben beschrieben: über drei Flurstücke, in nordöstliche Richtung gebaut und dort aus dem Flurstück 193 ein annähernd rechteckiges Flurstück mit der neuen Nummer 191 ausgegrenzt. Wir denken, daß genau dort das Dolomitwerk des VEB Wünschendorfer Dolomitwerke 1952 errichtet werden sollte. Die Fläche dieses Flurstücks (ohne die Zufahrtsstraße) beträgt allerdings mit knapp 9.000 m² deutlich mehr als die in der Akte genannten 1.650 m².

  

Nachdem dieser Versuch schon fast in Vergessenheit geraten war, machte der Rat der Gemeinde den VEB Wünschendorfer Dolomitwerke wieder auf die Altlast aufmerksam und schrieb am 10. Oktober 1972: Das von Ihnen 1953 bis 1956 geplante und zum Teil errichtete Zweigwerk in Langenreinsdorf ist heute der Gegenstand vieler Eingaben der Bürger... Das errichtete Bauwerk für die geplante Seilbahn ist zu einer akuten Gefahrenquelle geworden. Dieses Objekt ist einsturzgefährdet...“ Leider erfahren wir aus dieser Quelle nicht, ob der VEB sich in der Folgezeit um die Sicherung bzw. um den Abriß der nicht mehr benötigten Anlagen gekümmert hat (LRD II, Nr. 132). Das Luftbild von Google Earth verrät uns jedenfalls, daß die Anlagen irgendwann wirklich abgerissen wurden. Heute ist dort wieder bestellte Ackerfläche.

In einer Stellungnahme der Bezirksstelle für Geologie beim Bezirk Karl-Marx-Stadt aus dem Jahr 1971, bezugnehmend auf den Antrag der Maxhütte Unterwellenborn auf Feststellung eines Bergbauschutzgebietes (also der Vorrangstellung einer eventuellen Rohstoffgewinnung) vom 15. Juni dieses Jahres, heißt es, daß im Westteil des betreffenden Gebietes (also bei Langenreinsdorf) immerhin 2,5 Mio. t Dolomit als C1- Vorräte, weitere 0,4 Mio. t als C2- Vorräte bestätigt seien. Erheblich größer freilich seien die Vorräte östlich von Crimmitschau im Raum Wahlen und bis hinüber nach Gablenz, wo die Vorratskommission der DDR im Jahr 1964 C1- Vorräte von 4,1 Mio t und C2- Vorräte von 9,8 Mio t bestätigt hatte (RdKW, Nr. 17315). In Anbetracht der 1970 beabsichtigten Fördermengen von bis zu einer halben Million Tonnen jährlich (RdKW, Nr. 05854) kann man allerdings schnell überschlagen, daß die Vorräte in Langenreinsdorf nicht wirklich lange gereicht hätten.

Seitdem hat es keine neuen Versuche gegeben, den Abbau der Dolomitvorkommen am Westufer der Pleiße wieder aufzunehmen. Die heutige Wünschendorfer Dolomitwerk GmbH baut dagegen den Plattendolomit in Caaschwitz nördlich von Gera noch immer ab. Auch dort ist man in den letzten Jahren vom Tagebau zum Tiefbau übergegangen (dolomitwerk-wuenschendorf.de).

   

  
 
 

Zum Abbau in Crimmitschau in jüngerer Zeit (1959-1977)

  

Von Anfang an ging ein Großteil der Produktion an Rohdolomit (ungebranntem Kalk) aus Meerane an das Maxhütte Bergbau- und Hüttenkombinat Unterwellenborn. Schon Ende 1954 wollte das Stahlwerk die Lieferungen aus Meerane um rund 8.000 t verdoppeln. Das lehnte der Betriebsleiter Erler vom Dolomitkalkwerk in Meerane aufgrund fehlender Kapazitäten aber ab und wies stattdessen bereits damals auf die Möglichkeit der Wiederaufnahme des Abbaus in Crimmitschau hin (RdKG, Nr. 7094).

Erneut im Mai 1959 hatte der Betriebsleiter Erler auch darauf hingewiesen, daß die Lagerstätte in Meerane- Crotenlaide bald gänzlich abgebaut sein würde. Damals rechnete er gerade einmal noch mit drei Jahren Betriebszeit; tatsächlich währte der Abbau im Südfeld, der zuletzt noch unter direkter Leitung durch die Maxhütte durchgeführt wurde, aber dann doch noch bis zum 23. April 1971 (RdKW, Nr. 05854).

Laut dem Protokoll einer Besprechung beim Rat des Bezirkes Karl- Marx- Stadt hatte die Maxhütte Unterwellenborn am 10. Februar 1956 wieder einmal auf Schwierigkeiten bei der Versorgung mit Rohdolomit hingewiesen (RdKG, Nr. 12327). Da nun die Versorgung des Stahlwerks der Maxhütte mit Zuschlägen und Feuerfestwerkstoffen (Sinterdolomit) irgendwie gesichert werden mußte, entsann man sich nun wieder der Vorkommen in Crimmitschau. Wie weiter oben schon zu lesen stand, hatte die VVB VESTA dort bereits seit der Enteignung der Polster'schen Steinbrüche 1949 ja selbst Grundbesitz. In dem o. g. Protokoll wurde auch festgelegt, daß das Dolomitkalkwerk Meerane vom Rat des Bezirkes, Abteilung Aufbau, über die staatliche Plankommission nunmehr mit konkreten Erkundungs- und Aufschlußarbeiten in Crimmitschau beauftragt werden solle. Das Kalkwerk dagegen solle einen Vertrag mit der Maxhütte über die langfristige Lieferung von Dolomit abschließen.

  

Obwohl es eigentlich dasselbe geologische Material ist, hatten 1961 Untersuchungen am Eisenhütteninstitut in Freiberg ergeben, daß Konverterauskleidungen mit Plattendolomit aus Meerane bis zu 50 Chargen (Ofenfüllungen) länger halten können, als eine Auskleidung mit Wünschendorfer Plattendolomit. Auch Versuche in der Maxhütte zeigten, daß Ofenböden aus Meeraner Dolomit wenigstens 7 Chargen länger, als solche aus Wünschendorfer Dolomit haltbar waren. Daraufhin wurde bei der staatlichen Plankommission eine Arbeitsgruppe Dolomit“ gebildet. Die beauftragte zwei Fernstudenten namens Riedel und Körner von der Bergingenieurschule in Zwickau im Rahmen einer Qualifikationsarbeit mit der Projektierung von zwei Schurfschächten zur Gewinnung von 1.000 t Dolomit für einen technologischen Großversuch und mit einer Untersuchung zum zweckmäßigsten Abbauverfahren im Crimmitschauer Dolomitvorkommen (RdKW, Nr. 05854).

Darüber hinaus hatte der Ministerrat der DDR im März 1963 den weiteren Ausbau des Eisenhüttenkombinats (EKO) in Eisenhüttenstadt an der Oder beschlossen. Auch dort wurde Dolomit dringend benötigt und so gewann das Vorhaben des Dolomitabbaus in Crimmitschau wieder an Bedeutung. Das Dolomitkalkwerk Meerane erhielt nun den Auftrag, das Staatsplanobjekt Rohdolomitforschung in Crimmitschau“ voranzubringen. 1963 wurde außerdem der VEB Geologische Forschung und Erkundung (GFE) in Freiberg mit weiteren geologischen Untersuchungen beauftragt (RDKW, Nr. 05854). Die etwa 30 neuen Erkundungsbohrungen hat dann aber die Niederlassung des GFE in Halle auf einer Gesamtfläche von 90 ha zwischen Crimmitschau und Gablenz ausgeführt (RDKW, Nr. 17294). Mit der Erstellung der Plan- und Genehmigungsunterlagen wurde 1965 der VEB Forschung und Projektierung Erzbergbau in Leipzig beauftragt. 1968 wird in den Akten dann der VEB Schwarzmetallurgie Projektierung (mepro) in Berlin als beauftragtes Planungsunternehmen genannt (RDKW, Nr. 17315).

Schon die ersten Pläne von 1965 sahen eine 68 m lange und 3,4 m breite Bandbrücke vom Tagebau zum Bahnhof in Crimmitschau vor, wo ein 18 m hoher Verladebunker, ursprünglich mit 1.500 t, 1971 dann sogar mit 4.700 t Fassungsvermögen errichtet werden sollte (RDKW, Nr. 15654).

Parallel plante man auch jetzt wieder, für die Angestellten des künftigen Dolomitwerkes Neubauwohnungen zu errichten, u. a. waren 32 Wohneinheiten in der Straße der Jugend und bis zu 64 weitere Wohnungen in der Wilhelm- Stolle- Straße in Crimmitschau vorgesehen (RDKW, Nr. 5775 und Nr. 9268). Schließlich rechnet man auch 1971 mit wenigstens 150 Mitarbeitern für einen Dreischichtbetrieb. Davon könne man nur 25 aus der demnächst stillgelegten Grube in Meerane holen, weitere 10 von der Maxhütte; die Mehrzahl hingegen sollte aus der Region kommen (RDKW, Nr. 15654).

Bei der geologischen Erkundung hatte man nebenbei auch nachgewiesen, daß im Hangenden des Dolomits hochwertige Ziegelrohstoffe anstehen. Die Bergbehörde forderte daher die Maxhütte auf, sich bei den weiteren Planungen mit dem VEB Ziegelkombinat Karl- Marx- Stadt abzustimmen, damit nicht durch den Abbau des einen Rohstoffes der des anderen unmöglich gemacht werde. 1971 beantragte die Maxhütte die Festlegung eines Bergbauschutzgebietes zwischen Crimmitschau und Gablenz von 215 ha Größe (RDKW, Nr. 5854).

  


  VEB Maxhütte, Dolomitwerk Crimmitschau: Tageriß der geplanten Anlagen des zukünftigen Dolomitwerkes, gefertigt in Kamsdorf im Juni 1964, unterzeichnet von Markscheider Liebohr am 9.1.1965, Gesamtansicht. Bildquelle: Kreisarchiv Zwickau, Bestand RDKW (Rat des Kreises Werdau), Nr.15654, Aktenbeilage. Bedauerlicherweise verfügte das Kreisarchiv 2019 noch nicht an allen Standorten auch über A0-Scanner, so daß wir A3-Farbkopien am PC wieder montieren mußten, was uns diesmal nicht so ganz perfekt gelungen ist.

  


  Ausschnitt aus obigem Lageplan mit der Darstellung der 1965 geplanten Betriebsanlagen in Crimmitschau: Links der Vorrats- und Verladebunker am Güterbahnhof, am rechten Ende der Bandbrücke die Brecheranlage, dahinter angedeutet die parallel ansetzenden Stollen, die 1965 geplant waren. Rechts von der Zufahrtsstraße Werkstatt und Magazin, links Kaue, Verwaltungs- und Sozialgebäude.

  

Im Jahr 1968 wurde dann mit der Auffahrung der Doppel- Stollnanlage“ gemäß dem Projekt der beiden Studenten aus Zwickau begonnen. Aber es klemmte überall: Da man den alten Abbau überfuhr, konnte 1969 nicht einmal die Anschlußstraße des Werks fertiggestellt werden, weil „in unmittelbarer Nähe eine Pinge eingebrochen“ sei (RdKW, Nr. 9276). Für diese Arbeiten wurden 9 Kollegen aus Meerane abgezogen (RdKG, Nr. 12327).

Wie es im Protokoll einer Beratung der Bezirkstelle für Geologie in Karl-Marx-Stadt mit dem Vorhabensträger, der Maxhütte Unterwellenborn, Ende 1971 heißt, habe man diese Versuchsbaue „infolge Unterstrukturierung“ noch im selben Jahr (1968) wieder gestundet. Bei der Bezirksstelle für Geologie hatte man zu diesem Zeitpunkt noch nicht einmal Angaben darüber, welcher Bergbaubetrieb den Abbau denn durchführen solle ( !! ) (RdKW, Nr. 05854).

Auch in einem Schreiben der Maxhütte vom 19. Februar 1969 heißt es, daß man noch keinen Hauptprojektanten für die Planung des Abbaus benannt habe. In der Diskussion war auch, einen Auftragnehmer aus der VR Polen über das Außenhandels- Unternehmen LIMEX“ für die bergmännischen Auffahrungen zu binden. Alles in allem seien die erforderlichen Gutachten und Genehmigungen doch recht zeitaufwendig.“  Die Maxhütte hatte jedenfalls neben ihrem Grubenleiter, Herrn Jacob, sowie dem Haupttechnologen für die Grubenbetriebe, Herrn Eckardt, zusätzlich noch einen Sonderbeauftragten Kästner mit der Projektleitung für Crimmitschau betraut (RdKW, Nr. 15654).

Als Abbauverfahren für Crimmitschau war ein Kammerpfeilerbau mit planmäßigem Zubruchwerfen der Stützpfeiler“ vorgesehen. Aufgrund der Überdeckung von zirka 30 m Mächtigkeit würden dadurch relativ gleichmäßige Absenkungen der Oberfläche um 3 m bis 4 m eintreten, was freilich zeitweilig eine Nutzung der betroffenen Flächen ausschließt. Man nahm aber an, daß „nach dem Abklingen der Senkungen“ eine landwirtschaftliche Nutzung wieder möglich sein werde. Wie lange das dauert, sagte man nicht (RdKW, Nr. 05854).

Verständlicherweise rief das die Eigentümer und Pächter der Flurstücke auf den Plan. Schließlich mußte auch zu DDR-Zeiten die Maxhütte die betroffenen Flächen ja pachten oder kaufen. Ein Gutachten des Kreislandwirtschaftsrates Werdau kam im Jahr 1967 zu dem Urteil, daß neben dem Kaufpreis auch Entschädigungen für Wirtschaftserschwernisse, wie etwa einem erforderlichen Neubau anders verlaufender Wirtschaftswege, und nicht zuletzt Ausgleichszahlungen für Produktionsausfälle über den geplanten Abbauzeitraum von etwa 10 Jahren an die damalige LPG Neues Leben in Gablenz zu zahlen sei. Insgesamt kamen die Gutachter auf eine Summe von über einer Million Mark.

Diese Summe schreckte wohl sogar das Bergbau- und Hüttenkombinat ab, weshalb man die vorgesehene Abbaufläche zunächst einmal drastisch reduzierte. Tatsächlich zahlte die Maxhütte 1969 nur 97.430,- Mark für den Geländeerwerb (RdKW, Nr. 9276). Der Vertrag zwischen der Maxhütte und der jetzigen Kooperativen Abteilung Pflanzenproduktion (KAP) Werdau- Mitte, Sitz in Langenhessen, vom 16.12.1975 war vorläufig auch nur auf die folgenden fünf Jahre bis zum 31.12.1980 begrenzt. Die Maxhütte verpflichtete sich darin ausdrücklich, die in Anspruch genommenen Flächen nach Beendigung des Abbaus wieder urbar zu machen (RdKW, Nr. 05564).

Erst 1971 wurde dann der Stollnvortrieb fortgesetzt, mit dem Ziel, nun endlich etwa 12.000 t Dolomit für die Versuchsproduktion in Unterwellenborn abzubauen. Um das Material für diese Versuche zu gewinnen, hat man von 1971 bis 1972 zirka 640 m Strecken – „bis zum Polster’schen Bruch“ – aufgefahren und dabei 14.442 t Rohdolomit gewonnen.

  

Am 30. März 1973 wurde dann erneut eine Entscheidung für die Wiederaufnahme des Abbaus nördlich und östlich des früheren Baufeldes der Königin Marienhütte in Wahlen getroffen, nachdem man die großtechnischen Versuche mit Crimmitschauer Dolomit 1972 ausgeführt hatte und diese dessen Eignung für die Maxhütte bestätigt hatten. Insbesondere verbessere sich die Haltbarkeit der Böden und Wandungen der Konverter-Öfen (40137-1, Nr. 50).

Die auf Grundlage der neuen Untersuchungen des GFE 1969 berechneten Bilanzvorräte lagen nun schon bei insgesamt 16,8 Millionen Tonnen Dolomit, woraus sich bei einer vorgesehenen jährlichen Förderung von 40.000 t eine Betriebszeit von 47 Jahren ergeben hätte (40137-1, Nr. 50).

Die Pläne waren allerdings sehr viel weitreichender: Schon 1974 wollte man die Förderung in Crimmitschau von 30.000 t auf bis zu 200.000 t erhöhen und 1975 eine Jahresförderung von 540.000 t bis 750.000 t ( !! ) erreichen, um die gesamte Stahlindustrie der DDR mit dem Dolomit aus Crimmitschau versorgen zu können (RdKW, Nr. 5854).

  

Am 18. Juni 1973 erfolgte offiziell die Wiederaufnahme des Bergbaus. Die Bergleute hatte man aus Meerane geholt, wo sie nach der Stillegung des Abbaus ja nicht mehr gebraucht wurden. Für das zweite Halbjahr 1973 war mit 35 Arbeitskräften, davon 21 Häuern, eigentlich eine Förderung von 18.000 t Dolomit vorgesehen – tatsächlich wurden aber nur etwa 2.000 t „ofenfähiges Gestein“ zutage gebracht (40137-1, Nr. 50).

Von der „Flügelstrecke 1/2“ aus, welche die (neuen) Stollen 1, 2 und 3 in nordwestlicher Richtung verbindet, hatte man dazu mit den Querschlägen 1 und 2 die Lagerstätte zum Abbau vorgerichtet. Zwischen den Querschlägen war ein Feld von etwa einem halben Hektar Fläche im Kammerpfeilerbau in Abbau genommen worden. Dazu kamen alles in allem weitere neun Kammern zwischen den Querschlägen 2 und 3 sowie zwischen den Querschlägen 3 und 4. Im Ostteil ist es noch nicht zu einem Abbau aus den Vorrichtungsstrecken 2/2 und 3/2 heraus gekommen.

Mangels Verarbeitungskapazitäten in Crimmitschau mußte man vorsehen, den Rohdolomit per LKW zur damals ja noch vorhandenen Brech- und Siebanlage in Meerane zu transportieren; von dort aus sollte das klassierte Material zu den Wünschendorfer Dolomitwerken gebracht, dort zu Sinterdolomit verarbeitet und anschließend weiter zur Maxhütte gefahren werden (40137-1, Nr. 50). So etwas gab´s nur in der DDR und konnte natürlich nicht funktionieren…

Diese wirtschaftlichen Faktoren begrenzten folgerichtig den Abbau. Nach der Fortsetzung der Versuchsbaue von 1971 wurde der Abbau schon Ende 1973 erneut gestundet und ein Jahr später stellte man fest, daß der Holzausbau stockt. Infolgedessen kam es auch zu Verbrüchen im Stollen 1, der zudem ja abschnittsweise auch den Altbergbau der Königin Marienhütte durchfuhr (40137-1, Nr. 50).

Außerdem liest man 1973 in den Akten, daß der Abbau in Crimmitschau sehr aufwendig sei und die Produktivität daher nur 14% des Dolomitabbaus im Tagebau Caaschwitz erreiche. Auch seidie Erhöhung der Chargenhaltbarkeit“ dann doch nicht wie erwartet eingetreten (RdKW, Nr. 5854).

  


Abbaugrundriß der Dolomitgrube Crimmitschau. Bildquelle: Sächsisches Staatsarchiv, Bergarchiv Freiberg, Bestand 40137-2 (Risse des VEB Nickelhütte St Egidien), Nr. K209, dat. 1975, Gesamtansicht, Norden ist oben.

 


Ausschnittsvergrößerung aus obigem Riß. Im Süden ist das alte Baufeld der Königin Marien-Hütte zu sehen. Der neue Stolln 1 (unten) überfuhr diesen Altbergbau. Die recht systematische Aus- und Vorrichtung ist gut zu erkennen, auch der quasi abgebrochene Abbau. Nach Osten wurde das Bergwerksfeld übrigens durch ein Bergbauschutzgebiet für den Abbau von Ziegeleilehm begrenzt.

  


Wenn wir uns diese Auffahrungen genauer anschauen und mit dem älteren Riß von 1909 oben vergleichen, stellen wir fest, daß sich der Abbau durch die Königin Marien-Hütte in seiner letzten Betriebsperiode nordöstlich hinter der „Auswaschungszone“ noch deutlich weiter ausgedehnt hat.

  


Man muß den alten Riß in die richtige Richtung drehen, aber dann bekommt man die beiden Karten schon mal ganz gut übereinandergelegt... Rot hinterlegt der Aufmaßstand von 1909.

 

In einem Schreiben an den Rat des Kreises in Werdau vom 21.12.1976 teilte das Dolomitwerk Wünschendorf schließlich mit, daß man die Stillegung der Produktion mit Wirkung vom 1. Januar 1976 beschlossen habe. Das Dolomitwerk in Crimmitschau habe man aus dem Verband des Bergbau- und Hüttenkombinates Unterwellenborn ausgegliedert. Es sei ab 1. Januar 1977 dem Ferrolegierungswerk Lippendorf, Zweigbetrieb VEB Nickelhütte St. Egidien, angehörig.

Ob unter der Leitung der Nickelhütte tatsächlich der Abbau wieder aufgenommen wurde, erscheint zweifelhaft. Die Bergleute zumindest konnte die Nickelhütte für ihre eigenen Tagebaue in Callenberg auch ganz gut gebrauchen. 1979 habe man auch eine Bergschadenkundliche Analyse (BSA) für das stillgelegte Abbaufeld erstellt, in welcher man zu dem Schluß kam, daß zirka 2,5 ha des Grubenfeldes als akut tagesbruchgefährdet einzustufen seien und vorläufig nicht wieder für eine Nutzung freigegeben werden können (RdKW, Nr. 05815). In der Datenbank des Sächsischen Staatsarchivs haben wir diese BSA allerdings nicht finden können, sie muß sicherlich noch Sperrfristen abwarten und liegt bis dahin im Oberbergamtsarchiv unter Verschluß.

Über den tatsächlichen Termin der endgültigen Stillegung geben die Bergamtsakten keine Auskunft, die vorhandenen Risse weisen jedoch aus, daß die drei neu aufgefahrenen Stollen durch Abmauerung und Zubruchschießen – wo sie nicht schon verbrochen waren – verwahrt wurden (40137-2, Nr. I29, I209 und I210). Die markscheiderische Endaufnahme der Dolomitgrube ist auf das Jahr 1985 datiert (40137-2, Nr. H215).

Schon 1971 hatte man das Fazit gezogen, daß sich „…der verlorene Investitionsaufwand für Crimmitschau auf zirka 2,6 Millionen Mark beläuft. Darüber hinaus können im Jahr 1971 noch weitere Regressforderungen auftreten…“ (40137-1, Nr. 47). Das war selbst für DDR-Verhältnisse unwirtschaftlich.

  

Aufgrund der nicht stattfindenden Flächenrückgabe forderte die Landwirtschaftsabteilung beim Rat des Kreises Werdau eine Überprüfung der zur Verwahrung und Wiederurbarmachung vorgenommenen Maßnahmen. Daraufhin teilte am 4. Dezember 1981 die Abteilung für Wismutangelegenheiten beim Rat des Bezirks Karl- Marx- Stadt dem Rat des Kreises mit, daß die Verwahrung so erfolgt sei, daß eine Wiederaufnahme des Abbaus jederzeit möglich wäre.“ 

Vor allem aber sei es viel zu aufwendig, alle Grubenhohlräume vollständig zu verfüllen. Deshalb müsse auch das Bergbauschutzgebiet bestehen bleiben. Die Wiederurbarmachung der darüber hinaus genutzten Flächen sei 1983 beendet worden. Da sich für dieses Gelände aber kein neuer Nutzer finden wolle, war nach damals geltendem Recht der Rat des Kreises zur Rücknahme der Flächen verpflichtet.

Schon im Jahr 1981 wurden auch Unrat- Ablagerungen im Restloch des ehemaligen Steinbruchs auf dem Flurstück 1553/1 festgestellt... (RdKW, Nr. 05815).

Der ehemalige Tagebau der Königin Marienhütte bildet heute allerdings das Flurstück 1281/5 der Gemarkung Crimmitschau und kann mit dieser Bemerkung in den Akten folglich nicht gemeint gewesen sein. Die hier benannte Flurstücksnummer 1553/1 haben wir im Geoportal nicht wiedergefunden, jedoch taucht die Nummer 1553 in mehrfacher Unterteilung zwischen dem Lauenhainer Berg und der Herderstraße ‒ also im Bereich des Bruchfeldes ‒ auf Crimmitschauer Flur auf (geoportal.sachsen.de). Nach eigener Anschauung können wir bestätigen, daß an dieser Stelle auch heute allerlei Unrat herumliegt...

  


Ausschnitt aus der Topographischen Karte der DDR, Ausgabe für den Staat, 1988. Vom früheren Dolomitabbau zeugen keinerlei Eintragungen mehr. Das letzte Baufeld war noch waldfrei. Östlich wird noch heute Lehm für die Ziegelherstellung abgebaut.

 

 
 
 

Erhaltene Zeugnisse

In Meerane- Crotenlaide

  

Bei unseren ersten Recherchen zum Thema hatten wir gerade einmal ein einziges  Foto in der Fotothek gefunden, welches den Zylinderofen des früheren Bachmann'schen Kalkwerks in Meerane Anfang der 1990er Jahre zeigt. Das weckte unsere Neugier und wir wollten selber einmal schauen, was denn eigentlich noch zu finden ist... Die folgenden Aufnahmen entstammen unseren Besuchen in den Jahren 2018 und 2019, sowie älteren Quellen.

Weil das bisher überall recht gut funktioniert hat, orientieren wir uns auch hier zuerst anhand der ALS-Daten des Geoportals über mögliche Zeugnisse des einstigen Abbaus und beginnen in Meerane.

    


Eine Darstellung mit Hinterlegung der Hohlraumverdachtsflächen für das Stadtgebiet von Meerane mit Crotenlaide im Norden. Der Untergrund des historischen Stadtkerns von Meerane ist auch durch eine Anzahl von Berg- und Tiefkellern gekennzeichnet. Die Fläche östlich von Crotenlaide müssen wir uns noch mal genauer anschauen…

 


…denn das sieht doch aus, wie ein Pingenfeld über früherem Pfeilerbruchbau. Bei den geringen Lager- Mächtigkeiten und seiner Überdeckung mit Lockersedimenten ist das untertägige Abbaufeld des ehemaligen VEB Dolomit-Kalkwerk offensichtlich trotz des angewandten Kammerpfeilerbau- Verfahrens heute durch etliche Einbruchtrichter im Gelände markiert.

 


Mit Hilfe der orange eingetragenen Gemarkungsgrenze und der wenigen, im Riß verzeichneten Gebäude gelingt es, den Riß von 1960 mit gewisser Genauigkeit in die heutige Topographie einzupassen. Dabei stellt man erwartungsgemäß fest, daß sich das Pingenfeld weitgehend mit der durch den untertägigen Abbau beeinflußten Fläche deckt. Nur im Südosten finden sich außerhalb der bis 1960 im Sohlengrundriß dargestellten Abbaufläche weitere kleine Pingen. Dort lag das Südfeld, in dem ganz zuletzt noch Abbau umgegangen ist.

   


Auf dem Weg von Meerane nach Norden kommt man gleich am Anfang der Crotenlaider Straße zunächst hier vorbei: Das ehemalige Kontor der Bachmann'schen Ziegelei steht noch heute in der Crotenlaider Straße 2 und ist an seiner charakteristischen Giebelform leicht zu erkennen.

Historische Aufnahme um 1948.

  


Ein wenig weiter findet man an der Ostseite der Straße noch die bis 1905 von den Bachmann's hier errichteten Wohnhäuser, Crotenlaider Straße 7 bis 15. In dem nördlichsten haben die letzten hier ansässigen Mitglieder der Familie Bachmann, Ehrhardt und Christine Bachmann, bis zuletzt noch gelebt.

Historische Aufnahme um 1905.

 


Rechts neben dem Wohnhaus befand sich 1950 noch der Garten und dort stand auch die  Großstufe aus Sinterkalk. Bildquelle: Fa. Bachmann & Söhne K. G., aus dem Nachlaß von Christine Bachmann, Gattin des letzten Eigentümers Ehrhard Bachmann, jetzt Sammlung M. Och, Meerane.

  


An der großen, dekorativen Gaube auf dem Dach des ersten Hauses in dieser Reihe...

   


...findet man noch die Initialen A. B. des Arthur Bachmann.

 


Ein Stück weiter nordwärts, die Crotenlaider Straße unterhalb des Schillerparks entlang, findet man eine Hinweistafel auf den Naturlehrpfad im Schiller-Park. Die verrät uns, daß sich hier der Gornzigbach in den Talhang eingeschnitten hat.

 


Wir folgen heute aber anderen Spuren und finden nur ein paar Schritte weiter diesen Hunt an der Einfahrt zum früheren Kalkwerk. Dieser ist allerdings einer aus dem Nachlaß der SDAG Wismut aus dem Ronneburger Raum, wo diese 1 m³ Hunte üblich waren. Bergbauinteressierte Einwohner ließen ihn erst vor einigen Jahren hier aufstellen.

 


Der Hunt ist mit typischen Brocken des Plattendolomits gefüllt. Auch diese stammen jedoch nicht mehr aus den Meeraner Steinbrüchen, sondern von der Wünschendorfer Dolomitwerke GmbH aus Caaschwitz in Ostthüringen. Es erwies sich bei der Aufstellung des Huntes als einfacher, die Ladung dort zu beschaffen, als den Hunt aus dem Bruchgelände in Crotenlaide zu befüllen.

 


Ein paar Gebäude stehen auch noch, freilich in ziemlich verkommenem Zustand. Über dieses ehemalige Verwaltungsgebäude, dessen Dach 2018 eingestürzt ist, ragt der Schornstein des Ringbrandofens.

 


Hier saß früher bestimmt der Pförtner.

 


Dahinter kommt man aber nicht weiter, denn das Gelände wird heute offenbar von den Besitzern als Abstellfläche für Baumaschinen und als Zwischenlager für Bauabfälle genutzt.

 


Faksimile einer Mitteilung in der Presse von 1991, worin man bereits damals lesen konnte, daß das frühere Werksgelände offensichtlich „von der Natur zurückerobert“ werde. Bildquelle: Sammlung M. Och, Meerane.

 


Etwa dieselbe Perspektive, wie im Zeitungsfoto oben, Ende der 1990er Jahre. Aufnahme: M. Och, Meerane.

   


Zustand des Ringbrandofens Ende der 1990er Jahre. Aufnahme: M. Och, Meerane.

  


Der Brennkanal an der Südseite des Ofens war bereits in den 1990ern mit Bauschutt vermüllt.

Aufnahme: M. Och, Meerane.

  


Schüröffnung und Verglasung der Ziegel durch die Hitze in der Gewölbedecke.
Aufnahme: M. Och, Meerane.

  


Eine kleinere, mit einem Tonrohr ausgebaute und mit einem Ziegel verstopfte Öffnung in der Gewölbedecke, die sicherlich zum Frischluftkanal geführt hat. Aufnahme: M. Och, Meerane.

   


Zwei große Schüröffnungen in der Gewölbedecke. Aufnahme: M. Och, Meerane.

   


Die intensive Verglasung der Ziegel durch die Hitze in der Gewölbedecke hat hier zu Vorhang- Sinter- ähnlichen Gebilden geführt. Aufnahme: M. Och, Meerane.

  


Durch diese schon ziemlich ausgebrochene Schüröffnung in der Gewölbedecke kann man von unten sehen, daß der Schürboden beim Umbau in den 1950ern einen Boden aus Hohldielen bekommen hat.
Aufnahme: M. Och, Meerane.

  


Ein gestempelter Klinker im Ausbau einer der Schüröffnungen. Aufnahme: M. Och, Meerane.

  


Der kurze Verbindungskanal an der östlichen Stirnseite des Brennofens. Aufnahme: M. Och, Meerane.

 


Blick hinüber zum Brennkanal an der nördlichen Seite des Ofens. Hier hat ebenfalls irgendjemand seine Bauabfälle sehr kostengünstig „entsorgt“... Aufnahme: M. Och, Meerane.

  


Hinter dem Haufen Dämmwolle liegt das erste, hier aber noch vermauerte Ofentor an der Nordseite, darüber zwei große Schüröffnungen. Aufnahme: M. Och, Meerane.

  


Auch hier bewirkte die Hitze ein oberflächliches Schmelzen und eine Verglasung der Ziegel.
Aufnahme: M. Och, Meerane.

   


Auffällig ist die dunkle, fast flaschengrüne Farbe dieser Silikatgläser. Aufnahme: M. Och, Meerane.

  


Noch ein Blick um die Ecke in den Brennkanal an der Nordseite, der sich freilich schon zu dieser Zeit in keinem besseren Zustand befand... Aufnahme: M. Och, Meerane.

  


...dann geht es zurück und durch eines der offenstehenden Ofentore an der Südseite wieder hinaus.
Aufnahme: M. Och, Meerane.

    

Ob dieser Brennofen als Technisches Denkmal erhalten bleiben wird, ist noch fraglich. Erfreulicherweise regt sich aber gerade in  Grünau im Wildenfelser Zwischengebirge das Interesse an einem ähnlichen, eher weit schlechter erhaltenen gebliebenen Objekt.

    


Meerane, Crotenlaider Straße, Rest eines Kalkofens. Foto: S. Fillinger, 1993.
Es handelt sich um den  Feinkalkbrennofen, den die Bachmann's 1891 errichten ließen.

http://www.deutschefotothek.de/documents/obj/70024724

    


Schon Ende der 1990er Jahre präsentierte sich auch der Bachmann'sche Zylinderofen als gänzlich zugewuchert. Von der Hoffläche aus, wie noch wenige Jahre früher im Foto oben, sieht man ihn fast nicht mehr.
Aufnahme: M. Och, Meerane.

  


Die Westseite des Bachmann'schen Zylinderofens. Aufnahme: M. Och, Meerane.

  


Unter dem Gestrüpp an der Frontseite ist einer der ursprünglich drei Zugänge zu den Abzügen zu finden.
Aufnahme: M. Och, Meerane.

  


Das Holztor hatte schon lange das Zeitliche gesegnet und nur ein Flügel versperrte noch den Blick hinein...
Aufnahme: M. Och, Meerane.

  


Am Ende des kurzen Zugangs steht man unter dem Brennschacht. Hier befand sich ursprünglich der Aschefall unter dem Rost. In den 1930er Jahren wurde in den Brennschacht ein eiserner „Kochkessel“ eingebaut, in dem die damaligen Pächter das Brennmaterial für Feueranzünder zusammenrührten. Hier unten konnte man dann das verflüssigte Gemisch über die Rohrleitungen abziehen und in Formen gießen. Aufnahme: M. Och, Meerane.

  


Die Gichtbühne des Kesselofens Ende der 1990er Jahre. Auch hier hat sich Ruderalbewuchs inzwischen zu lichten Wäldchen entwickelt. Aufnahme: M. Och, Meerane.

  


Zwischendurch muß jemand mal versucht haben, die Ofengicht von Bewuchs zu befreien. Leider hat derjenige den Grünschnitt und anderen Schutt einfach in den alten Eisenkessel geworfen. Vielleicht aber war es auch einer der umliegenden Anwohner, der hier seine Gartenabfälle entsorgt hat ‒ wir wissen es nicht, nur die Parallelität zu vergleichbaren Objekten anderenorts überrascht immer wieder...

Aufnahme: M. Och, Meerane.

  


Seinerzeit lagen auch noch einige der Dreiecksloren hier herum ‒ man müßte einmal nachschauen, ob man nicht die eine oder andere noch für museale Zwecke retten könnte... Aufnahme: M. Och, Meerane.

   


Zehn Jahre später, im Oktober 2001, teilte die Regionalpresse mit, daß man nun das Gelände an einen privaten Investor verkauft habe. Völlig wertfrei kann man dazu nur sagen: Hat nix gebracht... Bildquelle: Sammlung M. Och, Meerane.

 


Die ungefähr 550 m in NW-SO-Richtung messende Bergschadensfläche oberhalb des früheren Kalkwerkes wird auf der Tafel am Eingang zum Schiller-Park als „Dolomitgebiet“ bezeichnet und ist ‒ wie uns Google Earth schnell verrät ‒ heute fast geschlossen bewaldet.

 


Wir laufen einmal den Posernweg bergauf. Dort findet man am Waldrand diese Einzäunung...

 


...aus hunderten alter Bahnschwellen. Die stammen von der Nickelbahn zwischen Callenberg und St. Egidien und wurden von der Nickelhütte ab 1972 hier in den Boden gerammt.

  


An deren Rand spazieren wir mal ein Stück über die Wiese und werfen einen Blick von oben auf den Einschnitt im Talhang, wo früher das Kalkwerk stand. Der Schornstein ist der von der einstigen chemischen Fabrik in der Crotenlaider Straße gegenüber, der vom Ringofen muß einmal eingekürzt worden sein und ragt kaum noch über die Bäume. Von dieser Perspektive aus (vom Mittleren Bruch, Ansatzpunkt des späteren Südstollns) gesehen, stand im rechten Bilddrittel auch der 1984 gesprengte Schachtofen (Informationen Hr. Och).

 


Auch von hier aus stellt man aber fest, daß vom einstigen Kalkwerk heute leider fast nur noch Bauschutt übriggeblieben ist. Der hier sichtbare Schornstein gehörte zum Ringbrandofen. Da es sich um Privatgrund handelt, drehen wir hier um, auch wenn uns auf dieser Seite kein Zaun den Weg versperrt.

 


Deshalb kehren wir zurück zum Waldrand oben und finden diesen Einschnitt...

 


...mit einer ziemlich ordentlichen Pinge am Ende. Vermutlich das Stollenmundloch des Südstollns, das man nach der Stillegung zubruchgeschossen hat.

 


Ein paar Schritte weiter nördlich führt ein nur noch wenig benutzter Wirtschaftsweg in das ehemalige Tagebaugelände des mittleren Bachmann'schen Kalkbruches.

 


An dieser Klippe steht im Hangenden gelbbrauner Löß und darunter die rötlichen oberen Letten an. Die Bruchwand scheint uns aber schon von weitem nicht mehr sonderlich vertrauenerweckend.

 


Unterhalb der Letten kann man noch das „Wilde Gebirge“ erahnen. Außerdem weist uns die Senke am Fuß der Wand aber auf einen verschütteten Wetterschacht hin und deshalb drehen wir auch hier lieber um.

 


Wo wir einmal da sind, schauen wir natürlich auch noch zumindest für einen kurzen Blick in das Bruchgelände über dem Untertagebaufeld hinein. Obwohl es von weitem als recht naturbelassener, schöner Wald erscheint, tun sich hier ziemlich beeindruckende Krater auf...

  


An manchen Stellen erscheinen die Pingen regellos zwischen den längst hochgewachsenen Bäumen verteilt, an anderen Stellen reihen sie sich kettenförmig über den darunterliegenden Stollen und Strecken auf...

  


Einige hat man noch einmal mit einer gesonderten Einzäunung versehen.

  


In den Bruchstößen steht der hangende Löß an. Ihre fast senkrechte Form weist uns darauf hin, daß sich der Boden noch immer bewegt und man lieber einen Meter mehr Abstand wahren sollte!

  


Ein bißchen Zoom und Bildbearbeitung zeigt uns dann auch, warum: Hier lag wohl ebenfalls ein alter Wetterschacht. Der Bruch kesselt nach unten breit aus und der Boden, auf dem wir hier stehen, hängt eher in der Luft... Genug gesehen - außerdem erweist sich diese Landschaft als Zecken- Brutgebiet.
Wir raten jedenfalls von einem Besuch ab!

  


Mit den folgenden Aufnahmen ergänzen wir unsere Dokumentation noch um den Zustand des früheren Nordstollns. Sie entstanden im Frühjahr 2021. Wir befinden uns hier nördlich vom Bruchfeld (das Waldstück im Hintergrund) in Richtung des Örtchens Köthel: Auf diesem Feld soll einstmals der Raupenfahrer bei der Begradigung der Flächen eingebrochen sein, daraufhin die Arbeit abgebrochen haben und gleich mit der Raupe zurück nach Meerane gefahren sein... (Foto: M. Och) Die Hintergründe hierzu...

  


Unterhalb des Feldrains hat sich hier das Mundloch des Nordstollns befunden. (Foto: M. Och)

   


Nach Erinnerungen älterer Anlieger wurde es nach der Stillegung zugeschüttet und der Verladebunker gesprengt. Jedenfalls ist von den technischen Anlagen heute nichts mehr übrig. (Foto: M. Och)

   


Der Einschnitt vor dem Stollnmundloch in südliche Richtung zum einstigen Mundloch hin gesehen.
(Foto: M. Och)

  


Der Einschnitt vor dem Mundloch ist längst mit Gestrüpp und Niederholz verwachsen; wer sich noch an ihn erinnert, kann seine Konturen jedoch noch finden und verfolgen. (Foto: M. Och)

  


Der nördliche Anfang des Geländeeinschnittes nahe beim Parkplatz vor der Gartenanlage "Luftige Höhe".
(Foto: M. Och)

  


Wir sind wieder an der Straße... (Foto: M. Och)

   


Gegenüber liegt hier die Kleingartenanlage. Über diese ziemlich schmale Straße fuhr man seinerzeit mit schweren Kippern den geförderten Dolomit ab.

   


Hinter den Büschen liegt hier auch die Kläranlage... (Foto: M. Och)

  


Dieses Rohr hat mit jener aber nichts zu tun. (Foto: M. Och)

  


Es gehörte zur Wasserhaltung der Dolomitgrube und führte von hier bis zum Meerchenbach. Dort kommt heute allerdings kein Grubenwasser mehr heraus... (Foto: M. Och)

   


Dieser Hunt vor dem Tor des einstigen Bachmann'schen Bruchs ist wahrscheinlich das letzte Denkmal am Ort des Dolomitabbaus in Meerane. Bewahrt ihn gut!

 

   
 
 

In Crimmitschau- Wahlen

  

Nachdem wir dem Bruchfeld in Meerane einen Besuch abgestattet haben, fahren wir lieber die 8 km nach Crimmitschau hinüber und schauen uns dort nach Bergbauzeugnissen um. Außerdem: Löcher im Wald haben wir schon viele gesehen...

Auch hier nutzen wir als erstes wieder die ALS-Daten des Geoportals.

 


In der aktuellen Reliefkarte vom Geoportal.sachsen.de entdeckt man auf den ersten Blick keine Zeugnisse des Dolomitabbbaus mehr. Wie schon Th. Siegert anmerkte, wurden viele der kleinen grundeigenen Gruben westlich von Crimmitschau nach ihrer Aufgabe wieder verfüllt und eingeebnet. Nur mit Hilfe der Hohlraumverdachtsflächen (hellbraune Markierungen) des Sächsischen Oberbergamtes findet man noch die letzten Abbauflächen bei Wahlen östlich der Pleiße wieder. Auch im Stadtgebiet von Crimmitschau befinden sich außerdem einige Höhler.

 


Da wir zwei Abschnitte der Gemarkungsgrenze in den Altrissen und sogar noch eine Scheune aus dem Riß von 1909 in der aktuellen Topographie wiedergefunden haben, können wir auch hier alles übereinander legen... Nebenbei stellen wir überrascht fest, daß das Abbaufeld der Königin Marienhütte schon auf Crimmitschauer Flur lag und gar nicht mehr zur Gemarkung Wahlen (südlich der orange eingezeichneten Gemarkungsgrenze) gehört hat. Weniger überraschend ist, daß es auch hier in Crimmitschau über dem Kammerpfeilerbau der 1970er Jahre inzwischen zu Tagesbrüchen gekommen ist.

  


Bei Google Earth findet man dann auch noch leicht heraus, daß auch hier das einstige Bergwerksfeld heute überwiegend mit Wald bedeckt ist.

 


Wir parken am ehemaligen Güterbahnhof. Wo früher neben den alten Güterschuppen noch Verladegleise verliefen, hat sich heute anderes Gewerbe angesiedelt.

 


Ob dieses, an den Haldenfuß gebaute Gebäude mit dem massiven Untergeschoß früher der „Füllrumpf“ des Kalkwerkes gewesen ist, kann man ihm nicht mehr ansehen.

  


Deshalb klettern wir nun den Lauenhainer Berg hinauf. Die Anliegerstraße führt schräg an den recht beachtlichen Abraumhalden des Wahlener Kalkwerkes hinauf.

 


Aha. Um Winterdienst müssen wir uns jetzt gerade eher keine Sorgen machen.

 


Auf halber Höhe zweigt hier die Zufahrt zum ehemaligen Kalkwerk der Königin Marienhütte ab...

 


Auf den Hinweis unten folgen an diesem Abzweig aber neue Hinweistafeln, die uns belehren, daß dieses Gelände heute in Privatbesitz ist und Neugierige hier unerwünscht sind. Okay, dann respektieren wir das.

 


Gehen wir also die Anliegerstraße weiter bergauf. Dort finden wir gegenüber der Gartenanlage diese Einzäunung aus alten Schienen und rostigem Stahlseil.

 


Die Einzäunung wurde lange nicht erneuert - das Bruchfeld dahinter kann hier also nicht gefährlich sein...

 


Ganz im Gegenteil: Es wird offenbar fleißig als Deponie für Gartenabfälle und sonstigen Unrat genutzt.

 


Wohl aus diesem Grund fallen die teilweise fast aufgefüllten Pingen in den ALS-Daten hier nicht gleichermaßen ins Auge, wie die in Meerane. Die schief stehenden Bäume zeigen aber, daß nach wie vor Bewegungen im Boden ablaufen… Respekt ist hier angebracht!

 


Wo wir einmal da sind, schauen wir uns auch um...

 


...und entdecken noch eine ganze Menge solcher „Löcher“. Das Bruchfeld hat hier etwa 120 m Ausdehnung in Nord-Süd-Richtung bei etwa 50 m Breite.

 


Einige Pingen besitzen ganz beachtliche Ausmaße. Hier geht noch was rein - die Abfallentsorgung der Anwohner ist also noch eine Weile gesichert.

  


Weil es dort mehr nicht zu sehen gibt, drehen wir um, suchen uns einen neuen Parkplatz in der Rosegger Straße und laufen einmal zum Stadtpark hinauf.

 


Schau an: Auch hier ist Luther einmal entlang gewandert...

 


Die Wege sind gut ausgebaut, aber weil es fast ständig bergauf geht, kommt man ganz schön ins Schwitzen...

 


Hier ist auch dem Stifter des Stadtparkes ein Denkmal gesetzt.

 


Unweit der Wanderwege findet man noch ein paar Geländeeinschnitte, die zu den zuletzt Polster'schen Kalkbrüchen gehört haben müssen.

  


Die Geländestufen sind kaum noch mehr als etwa 5 m tief und heute stark verwachsen.

  


Etwas oberhalb liegen noch mehr, noch flachere Geländestufen. Ob es sich hier um den Abraumschnitt handelte, oder ob man hier als Nebenrohstoff die hangenden Lehme für die Ziegeleien abgebaut hat, ist heute nicht mehr so einfach zu erkennen.

 


Dort, wo an der Rückseite der Grundstücke an der Roseggerstraße entlang, der Wanderweg wieder hinunter zu unserem Parkplatz führt, finden wir noch einen weiteren Bruch.

 


Der Geländeeinschnitt erreicht hier an die 10 m Tiefe und wird heute als Bolzplatz nachgenutzt.

 


Da wir einmal den ganzen Hang hinauf gestiefelt sind, freuen wir uns auf dem Rückweg natürlich auch noch an dem Ausblick nach Süden über das Pleißetal...

 


...und hinunter auf die Stadt Crimmitschau.

 

   
 
 

In Rudelswalde und Langenreinsdorf bei Crimmitschau

  

Da auch hier nicht mehr wirklich viel vom einstigen Dolomitbergbau zu finden ist, nutzen wir das schöne Wetter, fahren auch noch auf die andere Seite des Tales hinüber und machen dort als erstes in Rudelswalde, am nordwestlichen Ende der heutigen Stadt Crimmitschau, Station.

 


Hier führt uns die Anliegerstraße Am Feldschlößchen nach Westen (oben links im Bild), wo schon auf dem Meilenblatt eine Kalckhütte verzeichnet war und noch heute in den ALS-Daten vom Geoportal Geländeeinschnitte zu finden sind. Recht gut ins Gelände integriert, führt heute die neue S290 entlang des Tals des Döbitzbachs von Crimmitschau nach Schmölln.

 


Gleich oberhalb der Ortslage Rudelswalde (links im Bild) lohnt es sich, an einer Wanderschutzhütte anzuhalten. Von hier aus hat man bei klarer Sicht einen weiten Fernblick, sieht den Rochlitzer Berg im Nordosten und den Erzgebirgskamm vom Fichtelberg im Südosten bis zum Auersberg im Süden.

 


Gegenüber schaut hinter dem flachen Kerbtal des Döbitzbachs der Kirchturm von Langenreinsdorf herüber.

 


Wir unterqueren aber die S290 und suchen uns einen Parkplatz am Feldrand. Rechts im Bild das einsame Gehöft des früheren Feldschlößchens.

 


Wir interessieren uns für die drei Baumgruppen hier mitten auf dem Feld, das zum Glück gerade neu bestellt ist, so daß wir keinen Schaden anrichten, wenn wir mal das Stück hinüberlaufen.

 


Die erste entpuppt sich tatsächlich als ehemaliger - freilich winziger - Steinbruch. Der Anschnitt wurde auf gerade einmal etwa 80 m Breite etwa 30 m weit in den Ausbiß des Dolomits hinein vorgetrieben. Es handelt sich hier um einen der R. Rothe'schen Steinbrüche.

 


Der Anschnitt mag etwa 10 m tief sein, ist aber heute völlig verwachsen.

 


Am oberen Rand des Steinbruchs findet man auf Lesesteinhaufen leicht den typischen Plattendolomit.

 


Die zweite, langgestreckte Baumgruppe markiert eine flache Geländestufe - wohl eine alte Flurgrenze. Dahinter sieht man aber den nächsten Steinbruch - auch hier ist die Bruchkante nur etwa 50 m breit. Offenbar hatte jeder Bauer auf seiner Flur einen Bruch auf dem Dolomitausstrich angefangen, aber schnell wieder liegen gelassen, sobald der Abraum zu mächtig wurde...

 


Auch beim zweiten hat der Einschnitt zirka 10 m Tiefe erreicht - der Abraum muß also schon etwa genauso mächtig gewesen sein, wie das selten mehr als 6 m starke Dolomitlager.

 


Die dicken Baumstämme auf der Böschung zeigen, daß der Bruch schon lange auflässig sein muß. Wie wir ja inzwischen wissen, vermutlich schon seit mehr als hundert Jahren...

 


Unten hat sich - geplant oder auch einfach so - Streuobst angesiedelt.

 


Unter den Kirschbäumen kann man zur Bruchsohle hindurch krauchen und stellt entsetzt fest, daß auch hier - obwohl dieser Steinbruch weit jenseits jeder Siedlung und fast einen halben Kilometer von der nächsten Straße entfernt mitten auf dem Acker liegt - doch immer wieder einer einen Weg findet, darinnen seinen Müll zu entsorgen...

 


Aus dem Hangenden ist natürlich längst der Lehm heruntergerutscht, so daß vom Dolomit hier heute nichts mehr zu sehen ist. Die Dimensionen sind ähnlich wie beim ersten: Auf etwa 50 m Breite hat man sich zirka 30 m weit in den Ausbiß hineingegraben…

 

   
 
 


Also drehen wir um und fahren nach Langenreinsdorf. Gleich am ersten der alten Vierseitenhöfe rechts der Straße kann man einmal am Feldrain entlang bergauf laufen...

  


...wo oberhalb des Grundstücks dieser Einschnitt zur Sohle des Tagebaus führte. Noch auf den Meßtischblättern aus dem Jahr 1938 war an dieser Stelle ein Kalkofen“ eingezeichnet.

 


Wir hoffen mal, daß uns keiner übelnimmt, wenn wir auf der Wiese einmal um den Bruch herumgelaufen sind, um hinein zu schauen. Gerade gegenüber im Bild kommt die Zufahrt auf der Bruchsohle ein...

 


Und links davon...

 


...wie rechts davon dehnte sich der Tagebau aus. Auch dieser Tagebau war mit knapp 100 m Breite nicht wirklich groß. Die Tiefe, bei der die Abraummächtigkeit zu groß für eine „Bauern-Grube“ wurde, entspricht mit reichlich 10 m der bei den beiden bereits besuchten Restlöchern in Rudelswalde.

  


So mancher säbelartig geschwungene Stamm zeigt, daß der Hang in Bewegung ist und sich das Restloch wohl allmählich quasi „von selbst“ wieder einebnen wird...

 


Die Baumgruppe daneben markiert die Flurgrenze, an der sich ähnlich, wie wir´s gerade in Rudelswalde gesehen haben, auch eine Geländestufe findet.

 


Diese Geländestufe erreicht in der Mitte durchaus um die 5 m Höhe. Ob hier auch der Nachbar auf seiner Flur nach Dolomit gegraben hat, bleibt dessen Geheimnis.

 

Damit wären wir herum. Leider sind von diesem Kapitel der sächsischen Montangeschichte kaum noch Sachzeugen erhalten geblieben. Wir hoffen aber, daß wir mit unserem Beitrag dazu beitragen können, die Erinnerung an dieses Kapitel der Geschichte zu erhalten.

Glück Auf!

J. B.

   

 
 
 

Weiterführende Quellen

  

Wo wir außerdem schon nach der Geschichte des Kalkbergbaus und der Kalkverarbeitung recherchiert haben, haben wir einmal in einem  Sammelband zusammengestellt. Sie finden diesen auch in unserer Rubrik Technik unter Baudenkmale.

Hinweis: Die verwendeten Digitalisate des Sächsischen Staatsarchives stehen unter einer
 Creative Commons Namensnennung 3.0 Deutschland Lizenz.

  

          Allgemeine Quellen

  1. meerane.de

  2. crimmitschau.de

  3. planitz-sachsen.de

  4. wikipedia.de

  5. alte-technologie.de

  6. dolomitwerk-wuenschendorf.de

  7. geoportal.sachsen.de

  8. Digitales historisches Ortsverzeichnis von Sachsen (hov.isgv.de)

  9. Sächsische Landes- und Universitätsbibliothek (SLUB), Kartenforum der Deutschen Fotothek, u. a.:
    - Meilenblätter von Sachsen, Berliner Exemplar, Blätter 100 (Rudelswalde), 101 (Crothenleithe) und 115 (Schweinsburg), sowie Freiberger Exemplar, Blätter 61 (Rudelswalde), 62 (Wahlen) und 85 (Crothenleithe)
    - Geognostische Charte des Königreichs Sachsen, Blatt XIX (Crimmitschau) und Blatt XV (Meerane)
    - G. Wunder, A. Herbrig und A. Eulitz: Der Kalkwerksbetrieb Sachsens und die Ursachen der verschiedenen Kalkpreise in Sachsen, Verlag W. Engelmann Leipzig, 1867
    - Geologische Karten No. 93: Section Meerane- Crimmitschau, 2. Auflage 1904 und No. 111: Section Zwickau-Werdau, 2. Auflage 1900
    - Th. Siegert: Erläuterungen zur Geologischen Karte No. 93: Section Meerane- Crimmitschau, 1. Auflage 1882, 2. Auflage 1905
    - Äquidistantenkarten und Meßtischblätter in Sachsen, Ausgaben 1878 bis 1938
    - C. F. Naumann: Geognostische Skizze der Gegend zwischen Gößnitz, Oederan, Sebastiansberg und Auerbach, 2.Auflage 1845, in: Geognostische Beschreibung des Königreiches Sachsen und der angränzenden Länderabtheilungen, 2. Heft
    - F. Kluge: Die Crimmitschau-Rudelswalder Kohlenberge: ein Traum im Sommer 1851; bei Gelegenheit des nun wirklichen Bohrversuchs, Verlag Koch, Reichenbach, 1856
    - G. A. Poenicke (Hrsg.): Album der Rittergüter und Schlösser des Königreichs Sachsen, Leipzig, um 1860
    - J. H. Leopold: Chronik und Beschreibung der Fabrik- und Handelsstadt Meerane... Verlag von Louis Geucke, Meerane, 1863
    - O. Neubert: Die Königin-Marienhütte in Cainsdorf, in: Bunte Bilder aus dem Sachsenlande, Band 2, Hrsg.: Sächsischer Pestalozzi-Verein, Leipzig, 1894, S. 385-389
    -
    Adressbuch der Stadt Meerane nebst Geschäftsanzeiger, im Auftrage des Gewerbevereins ... zusammengestellt von H. Roth, Verlag des Gewerbevereins Meerane, Ausgaben 1888 und 1893, Auf Grund amtlicher Unterlagen herausgegeben von P. Schulz, 1897
    - Adressbuch der Fabrik- und Handelsstadt Meerane sowie der Gemeinden Seiferitz und Crotenlaide nebst Geschäftsanzeiger, Auf Grund amtlicher Unterlagen herausgegeben von A. Laue und J. Schulze,1902
    - Adressbuch der Stadt Meerane i. S. mit Anschluß der Gemeinden Seiferitz, Crotenlaide, Schönberg, Hainichen, bearbeitet unter teilweiser Benutzung amtlicher Quellen, Verlag von A. Send's Buchhandlung, 1907
    -
    Adressbuch der Fabrikstadt Crimmitschau nebst Geschäftsanzeiger, aufgestellt auf Grund amtlicher Unterlagen von Robert Rosenfeld und Carl Simonis, Commissions- Verlag von Otto Große, Crimmitschau, 1884
    -
    Adressbuch für die Stadt Crimmitschau und die Gemeinden Wahlen und Leitelshain nebst Geschäftsanzeiger, auf Grund amtlicher Unterlagen bearbeitet und herausgegeben von Robert Raab, Verlag von Robert Raab, Crimmitschau, 1889
    - Adressbuch für die Stadt Crimmitschau und sämtliche Gemeinden im Amtsgerichtsbezirk Crimmitschau, auf Grund amtlicher und eigener Unterlagen bearbeitet und herausgegeben von Robert Raab, Verlag von Robert Raab, Crimmitschau, 19
    07
    -
    Adressbuch für die Stadt Crimmitschau und sämtliche Gemeinden im Amtsgerichtsbezirk Crimmitschau, auf Grund amtlicher und eigener Unterlagen herausgegeben von Robert Raab, Verlag von Robert Raab, Crimmitschau, April 1913
    - Adressbuch für die Stadt Crimmitschau und sämtliche Gemeinden im Amtsgerichtsbezirk Crimmitschau, auf Grund amtlicher und eigener Unterlagen herausgegeben von Robert Raab, Verlag von Robert Raab, Crimmitschau, Mai 1923

    - Adressbuch für die Stadt Crimmitschau und sämtliche Gemeinden im Amtsgerichtsbezirk Crimmitschau, auf Grund amtlicher und eigener Unterlagen herausgegeben von
    Robert Raab, Verlag von Robert Raab, Crimmitschau, Juni 1925

  10. F. A. Schmid: Beschreibung des Technischen in verschiedenen Stein- und Kalkbrüchen, gefertigt bey einer geognostischen Reise nach Chemnitz, Penig, Mittweide, Handschrift, Freiberg, 1800

  11. C. A. S. Hoffmann (Hrsg.): Neues Bergmännisches Journal, 4ten Bandes 3tes und 4tes Stück, im Verlage der Graz- und Gerlachischen Buchhandlung, Freiberg, 1816

  12. A. Schiffner: Handbuch der Geographie, Statistik und Topographie des Königreiches Sachsen, Erste Lieferung, den Zwickauer Kreisdirektionsbezirk enthaltend, Verlag Friedrich Fleischer, Leipzig, 1839

  13. A. Schiffner: Beschreibung von Sachsen und der Ernestinischen, Reußischen und Schwarzburgischen Lande, 2. Auflage, Verlag von H. H. Grimm, Dresden, 1845

  14. Louis Oeser (Hrsg.): Album der Sächsischen Industrie, Band 1, Neusalza 1856

  15. Gunther Rothe: Die Chronik von Richard Robert Rothe, Abschrift der von meinem Urgroßvater geschriebenen Chronik, Handschrift in Familienbesitz, u. a. von A. Molder, Crimmitschau

  16. Dr. O. Herrmann, Lehrer der Technischen Staatslehranstalten zu Chemnitz: Steinbruchindustrie und Steinbruchgeologie – Technische Geologie nebst praktischen Winken für die Verwertung von Gesteinen unter eingehender Berücksichtigung der Steinindustrie des Königreiches Sachsen, Verlag Gebr. Borntraeger, Berlin, 1899

  17. A. Fischer: Beiträge zur Geschichte von Rudelswalde, in: Schriften für Heimatkunde, Graphische Kunstanstalt Böttcher & Neumerkel, Crimmitschau, 1920

  18. W. Krause, O. Philipp (Hrsg. Festausschuß des Heimatfestes): Heimatbuch der Stadt Meerane, unter Mitarbeit von Fachleuten, Druck von E. R. Herzog, Meerane,1930

  19. R. Müller, Rochlitz: Tierfährten aus dem unteren Buntsandstein von Crotenlaide bei Meerane, E. Schweitzerbartsche Verlagsbuchhandlung Erwin Nägele GmbH, Stuttgart, 1934

  20. R. Fritzsche: Werdau und seine Industrie, im Auftrage des Werdauer Industrievereins, Verlag O. Meister, Werdau, 1936

  21. Kalender für den Berg- und Hüttenmann bzw. Jahrbücher für das Bergwesen in Sachsen, Onlineausgaben der Bibliothek der TU BAF, 1827-1938

  22. Bergwerksverzeichnisse, Onlineausgaben der TU BAF, 1939-1942

  23. E. Frankhänel, H. Taubert: Aufschluß einer Dolomitlagerstätte unter bes. Berücksichtigung der Zusammenhänge von bergbaulicher Technologie und Qualität des Endproduktes, in: Bergbautechnik - techn.- wiss. Zeitschr. für d. Kohlen-, Erz- und Salzbergbau, für Aufbereitung und Brikettierung, Band 19, Verlag für Grundstoffindustrie, Leipzig, 1967
     
     
    Sächsisches Hauptstaatsarchiv
     

  24. Bestand 10036 (Finanzarchiv), Loc. 33565, Rep. 32, Zwickau, Nr. 0050: Gesuch Löschers aus Langenreinsdorf um Konzession zum Bau einer Kalkhütte (Faszikel), dat. 1743

  25. Ebenda, Loc. 33565, Rep. 32, Zwickau, Nr. 0111: Gesuch von Michael Große aus Rudelswalde um die Konzession zur Anlegung einer Kalkhütte, dat. 1744

  26. Ebenda, Loc. 33530, Rep. 32, Schwarzenberg, Nr. 0092: Konzession für Zöffel in Hammerunterwiesenthal zum Bau einer Lohmühle (Faszikel), dat. 1765

  27. Bestand 10084 (Appelationsgericht), Nr. 07389: Der Rat zu Crimmitschau gegen Isaac Mönnich daselbst wegen Errichtung einer neuen Kalkhütte, dat. 1736

  28. Ebenda, Nr. 11397: Der Besitzer des Döbitzgutes bei Crimmitschau, J. Chr. Kößler gegen v. Berbisdorf auf Schweinsburg wegen der Nutzung eines Kalksteinbruches, dat. 1795

  29. Ebenda Nr. 10996 bis Nr. 10998: Sabine Heinicke gegen den Kreditwesenverwalter der Johanne Charlotte v. Einsiedel wegen Sequestration des Gutes Crotenlaide, dat 1784

  30. Bestand 10736 (Ministerium des Innern), Nr. 17655: Sächsische Eisencompagnie Königin Marienhütte Aktiengesellschaft, Cainsdorf, dat. 1851-1900

  31. Ebenda, Nr. 02087 und ff. bis 02089b: Königin Marienhütte in Cainsdorf, Hammerinspektion Zwickau, dat. 1860-1867

  32. Bestand 11168 (Ministerium für Wirtschaft), Nr. 2167: Kalk, dat. 1919-1926

  33. Bestand 11384 (Landesregierung Sachsen, Ministerium für Wirtschaft), Nr. 2081: Kalk- und Schieferwerke, dat. 1946-1952, enthält u. a.: Kalkwerk Meerane

  34. Ebenda, Nr. 3265: Firma Bachmann & Söhne in Meerane - Ziegelei und Kalkbrennerei, dat. 1945-1946

  35. Bestand 12613 (Gerichtsbücher des Amtsgerichtes Crimmitschau), Nr. 116: Gerichtshandelsbuch, dat. 1795-1811, darin: Verkauf eines Kalksteinbruches in Wahlen.

  36. Ebenda, Nr. 118: Gerichtshandelsbuch, dat. 1828-1840, darin: Kalksteinbruch- und Kalkofenverkauf in Wahlen.

  37. Ebenda, Nr. 79: Gerichtshandelsbuch, Freigut Crotenlaide, dat. 1823-1846, darin: Verpachtung eines Kalksteinbruchs.

  38. Bestand 12840 (Stadt Crimmitschau), Bestanderläuterungen


  39.  
     
    Staatsarchiv Chemnitz
     

  40. Bestand 30023 (Amt Zwickau), Nr. 2122: Rat und Bürgerschaft aus Crimmitschau gegen den Akzise-Inspektor Christian Schmidt aus Crimmitschau wegen Eröffnung eines Kalksteinbruchs, dat. 1733-1735

  41. Bestand 30040 (Kreishauptmannschaft Zwickau), Nr. 1858: Anlegung von Kalk- und Ziegelbrennereien, dat. 1837-1864

  42. Bestand 30051 (Amtshauptmannschaft Zwickau), Nr. 533: Vereinigung der Landgemeinde Wahlen mit der Stadtgemeinde Crimmitschau, dat. 1875

  43. Bestand 30143 (Amtsgericht Schneeberg), Nr. 490: Nachlaßsachen 1876-1901, enthält u. a.: 1890, Zöffel, Schneeberg

  44. Bestand 30406 (Kreistag/Kreisrat Glauchau), Nr. 1523: Berichte der örtlichen volkseigenen Industrie (Kontrollblätter), dat. 1951

  45. Bestand 30411 (Kreistag/Kreisrat Zwickau), Nr. 1148: Enteignung des Bodenreformlandes der Grundstücke und des Kalksteinbruches der Familie Polster in Crimmitschau, dat. 1945-1951

  46. Bestand 30572 (Schönburgische Gesamtregierung Glauchau), Nr. 3332: Eingewandte Appellation in Sachen: Johann Georg Nötzold, Oberförster aus Glauchau, gegen Comtesse Wilhelmine Johanna Louise Gräfin von Schönburg wegen Pachtdifferenzen in Bezug auf die Meeranische Kalkhütte, dat. 1744-1746

  47. Ebenda, Nr. 6727: Die Heinickschen Erbgerichte von Crotenlaide sowie der Besitzer des Gutes Crotenlaide, Johann Heinicke, gegen Georg Kittel u. a. wegen verweigerter Zwangsarbeit, besonders zum Dreschen sowie Ziegel- und Kalkbrennen, dat. 1768-1773

  48. Bestand 30581 (Herrschaft Hinterglauchau), Nr. 1144: Wilhelmine Johanne Louise von Schönburg contra Johann Georg Nözoldt wegen der Nutzung der Meeraner Kalkhütte, dat. 1744-1746

  49. Ebenda, Nr. 1145: Verpachtung des Kalk- und Ziegelofens in Meerane, dat. 1774-1792

  50. Bestand 30614 (Grundherrschaft Bosenhof und Schweinsburg), Bestanderläuterungen

  51. Ebenda, Nr. 0044: Rat der Stadt Crimmitschau gegen Carl Friedrich von Bose auf Crimmitschau und Schweinsburg wegen der geplanten Errichtung eines Kalk- und Ziegelofens im Vorwerk Döbitz auf städtischer Flur, dat. 1713

  52. Bestand 30771 (Grundherrschaft Planitz), Nr. 700: Schriftwechsel Heinrich von Arnims zu Angelegenheiten der Sächsischen Eisencompagnie, dat. 1833-1839

  53. Ebenda, Nr. 147: Privatacten, den Kauf, Bereinung und die Lehnscheine über den Kalkofen zu Wahlen enthaltend, dat. 1795-1803

  54. Bestand 30813 (Grundherrschaft Schweinsburg), Nr. 374: Bestallung von Constantin Rothe zum Amtmann von Schweinsburg und Crimmitschau sowie zum Gerichtsverwalter von Bosenhof , dat. 1709

  55. Ebenda, Nr. 375: Bestallung von Salomon Rothe zum Amtmann von Schweinsburg und Crimmitschau, dat. 1717-1729

  56. Bestand 30629 (Grundherrschaft Crotenlaide), Bestanderläuterungen

  57. Bestand 31199 (E. O. Zöffel GmbH, Crimmitschau und Nachfolger), Gesamtbestand dat. 1892-1960, Bestandserläuterungen

  58. Bestand 30105 (Amtsgericht Crimmitschau), Nr. 63: E. O. Zöffel GmbH, Crimmitschau, dat. 1891-1956

  59. Bestand 32810 (Sächsisches Krankenhaus Rodewisch), Nr. 3733: Max Polster, entlassen am 05.10.1929

  60. Bestand 32923 (Stadt Crimmitschau), Bestanderläuterungen

  61. Bestand 32942 (Stadtrat und Stadtgerichte Meerane), Bestanderläuterungen

  62. Bestand 33040 (Gerichtsamt Zwickau), Nr. 51: Kohlenabbauvertrag zwischen Grundstücksbesitzern in Niederschindmaas und dem Civilingenieur Casalpin Bauer, Zwickau, dat. 1857-1859

  63. Ebenda, Nr. 52: Einspruch des Civilingenieurs Casalpin Bauer, Zwickau gegen jedwede Verfügung über das Kohlenunterirdische der Grundstücke von Christian Friedrich Kretzschmar und Genossen zu Niederschindmaas, dat. 1857-1872

  64. Bestand 30813 (Grundherrschaft Schweinsburg), Nr. 870: Verhältnisse des Döbitzgutes , dat. 1690-1718

  65. Bestand 33269 (Pfarrdotalgerichte Meerane), Bestanderläuterungen
     

     
    Staatsarchiv Leipzig
     

  66. Bestand 20076 (Kgl. Gericht Waldheim), Nr. 299: Untersuchung gegen den Tuchmachergesellen Karl August Zöffel in Waldheim wegen Teilnahme am Aufruhr, dat. 1849-1852 
     
     
    Bergarchiv Freiberg
     

  67. Bestand 40001 (Oberbergamt Freiberg), Nr. 3006: Verwahrung offener alter Pingen und Schächte, dat. 1859-1868

  68. Bestand 40003 (Geognostische Gang- und Landesuntersuchungskommission), Nr. 50: Geognostische Untersuchung eines Teiles des Amtes Zwickau und Werdau, dat. 1816

  69. Ebenda, Nr. 59: Zusammenstellung sämmtlicher, in dem Königreiche Sachsen bei dessen geognostischer Untersuchung aufgefundener Lagerstätte gemeinnützlicher und besonders brennlicher Fossilien, auf allerhöchsten Befehl entworfen von C. A. Kühn, Obereinfahrer, dat. 20. August 1818

  70. Ebenda, Nr. 304: Geognostische Untersuchung eines Teiles des Amtes Zwickau und Werdau, dat. 1816

  71. Bestand 40024 (Landesbergamt Freiberg), Nr. 1-39: Königin Marienhütte in Cainsdorf, später Abteilung der Sächsische Gußstahlwerke Döhlen A.G. Dresden, dat. 1878-1920

  72. Ebenda, Nr. 1-40: Sächsische Eisencompagnie zu Wilkau bei Zwickau und deren Bergbau, dat. 1839-1877

  73. Ebenda, Nr. 10-142: Christine Fundgrube bei Crimmitschau, Verleihung, dat. 1857-1858

  74. Ebenda, Nr. 10-144: Kaspar Fundgrube am Höllengrund bei Wahlen, Verleihung, dat. 1857-1860

  75. Ebenda, Nr. 10-982: Weintraube Fundgrube bei Carthause, Verleihung, dat. 1858-1860

  76. Ebenda, Nr. 10-775: Robert Fundgrube bei Wahlen (vormals Alte Hoffnung Fundgrube), Verleihung, dat. 1859-1862

  77. Ebenda, Nr. 12-100 und 12-101: Kalkwerk der Königin Marienhütte (Wahlener Kalksteinbruch), dat. 1892 und 1901

  78. Ebenda, Nr. 12-10: Unterirdische gewerbliche Gruben im Allgemeinen, dat. 1922-1938; enthält u. a.: Unterirdischer Kalksteinabbau der Ziegelei und Kalkbrennerei Bachmann und Söhne in Meerane

  79. Ebenda, Nr. 12-15: Kalksteinbrüche, Ton-, Kaolin- und sonstige Gruben, dat. 1901-1905

  80. Bestand 40027 (Oberbergamt Freiberg), Nr. 1161: Unterirdische gewerbliche Gruben der Steine und Erden in Sachsen, dat. 1939-1947; enthält u. a.: Betrieb der Dampfziegelei und Kalkbrennerei Bachmann und Söhne in Meerane.

  81. Bestand 40028 (Staatliche Bergwirtschaftsstelle), Nr. 3-1274: Crotenlaide bei Meerane, Dolomitwerk, undatiert (20. Jhd.)

  82. Bestand 40030 (Staatliche Lagerstättenforschungsstelle), Nr. 1-1063: Kalkvorkommen, dat. 1934-1949

  83. Bestand 40040 (Risse zum fiskalischen Erzbergbau), Nr. I6344: Grubenfeld von Alte Hoffnung Fundgrube bei Wahlen, dat. 1858-1860

  84. Ebenda, Nr. I6581: Grubenfeld von Christine Fundgrube bei Crimmitschau, dat. 1857

  85. Bestand 40041 (Fiskalische Risse zum Braunkohlenbergbau), Nr. I15888: Braunkohlengrube H. Thieme, Tettau bei Meerane, dat. 1862-1887

  86. Bestand 40054 (Bergamt Zwickau), Nr. 137: Kalksteinbruch der Königin Marienhütte in Wahlen bei Crimmitschau, dat. 1900-1917

  87. Bestand 40057 (Zehntenamt Schwarzenberg), Nr. 1: Erinnerungen wegen rückständiger landesherrlicher Gefälle, dat. 1857-1860

  88. Bestand 40072 (Bergbehörde Zwickau), Nr. 770: Kalkwerke Oberscheibe und Hammerunterwiesenthal sowie Dolomitkalkwerk Meerane, dat. 1951-1952

  89. Ebenda, Nr. 779: Meerane, Kreiskalkwerk, vorm. Bachmann & Söhne, später Dolomitkalkwerk Meerane der örtlichen Volkeigenen Industrie des Kreises Glauchau, dat. 1949-1952

  90. Bestand 40073 (Bergschadenkundliche Analysen), Nr. 1-81: Tettau bei Meerane, Braunkohle, dat. 1984-1985

  91. Bestand 40137 (VEB Nickelhütte St. Egidien), Nr. 1-47: Wiederaufbau des Dolomitwerks Meerane und Erschließung des dortigen Südfeldes, dat. 1965-1969

  92. Ebenda, Nr. 2-I211 bis I214: Abbaugrundrisse und Grubenbildriß der Kalksteingrube VEB Dolomit-Kalkwerk Meerane, dat. 1949-1965

  93. Ebenda, Nr. 2-I29: Tagebauriß Dolomitgrube Crimmitschau, dat. 1964

  94. Ebenda, Nr. 1-50: Grundsatzentscheidung über die Versorgung des Stahlwerks Maxhütte mit Dolomit, dat. 1972-1973

  95. Ebenda, Nr. 2-K209: Abbauriß Dolomitgrube Crimmitschau, dat 1974-1975

  96. Ebenda, Nr. 2-K210: Abbau- und Streckengrundriß Dolomitgrube Crimmitschau, dat. 1974-1975

  97. Ebenda, Nr. 2-H215: Endaufnahme der Dolomitgrube Crimmitschau, dat. 1985

  98. Bestand 40169 (Bergamt Schwarzenberg), Nr. 230: Magdalena Fundgrube bei Oberschindmaas, dat. 1857-1861

  99. Ebenda, Nr. 325: Weintraube Fundgrube bei Carthause, dat. 1858-1860

  100. Ebenda, Nr. 519: Kaspar Fundgrube am Höllengrund bei Wahlen, dat. 1858-1860

  101. Ebenda, Nr. 520: Christine Fundgrube bei Crimmitschau, dat. 1858-1861

  102. Ebenda, Nr. 1455: Robert Fundgrube bei Wahlen, dat. 1859-1862

  103. Ebenda, Nr. 64: Eisensumpf Stolln und Fundgrube, ab 1856 Oberer Eisensumpf Stolln, an der Burkhardtsleite im Ehrenzipfel bei Oberrittersgrün, dat. 1837-1862

  104. Ebenda, Nr. 148: Häckers gevierte Fundgrube und Maßen, ab 1857 Häcker Fundgrube, an der Burkhardtsleite im Ehrenzipfel bei Rittersgrün, dat. 1853-1869

  105. Ebenda, Nr. 199: Laurentius gevierte Fundgrube und Maßen im Sudelgehau zwischen Waschleithe und Langenberg, dat. 1855-1857

  106. Bestand 40190 (Erzgebirgischer Steinkohlen-Aktienverein), Nr. 1-1189: Vereinigung mit dem Steinkohlenwerk von Arnim, dat. 1851-1924

  107. Bestand 40196 (Familienarchiv von Armin), Bestandserläuterungen

  108. Ebenda, Nr. 490: Repartition der Activia und Passiva der von Arnimschen Berg- und Hüttenverwaltung zur Königin Marienhütte, dat um 1830

  109. Ebenda, Nr. 150: Schreiben an die Sächsische Eisen- Compagnie betreffend die Begutachtung der Königin Marienhütte durch einen Sachverständigen, dat. 1850-1880

  110. Ebenda, Nr. 272: Schreiben der Administration der von Arnim’schen Steinkohlenwerke an die von Arnim’sche Berg- und Hüttenverwaltung zu Königin Marienhütte…, dat. 1857
     
     
    Kreisarchiv des Landkreises Zwickau
     

  111. Bestand LRD II (Gemeinde Langenreinsdorf, Archivaußenstelle in Werdau), Nr. 132: Niederschriften und Protokolle über den Bau eines Dolomitwerkes in Langenreinsdorf, dat. 1951-1972

  112. Bestand RdKW (Rat des Kreises Werdau, Archivaußenstelle in Werdau), Nr. 01208: Industrie und Verkehr, dat. 1953, darin u. a.: Bau eines Dolomitwerkes in Neukirchen bei Langenreinsdorf

  113. Ebenda, Nr. 05564: Verträge über zeitweilige... Nutzung landwirtschaftlicher Bodenflächen durch nichtlandwirtschaftliche Nutzer, dat. 1968-1987

  114. Ebenda, Nr. 05775: Standortgenehmigungen der Plankommission, dat. 1965-1966

  115. Ebenda, Nr. 05815: Eingaben, Neuerervorschläge, Sonstiges, dat. 1981-1988

  116. Ebenda, Nr. 05854: Dolomitaufschluß Crimmitschau, dat. 1962-1981

  117. Ebenda, Nr. 09268: Flächenabsetzung für Wohnungsbau, Werdau, Crimmitschau, dat. 1967-1971

  118. Ebenda, Nr. 09276: Entzug landwirtschaftlicher Nutzfläche für Dolomitgrube Crimmitschau, dat. 1966-1974

  119. Ebenda, Nr. 15654: Dolomitaufschluß des VEB Maxhütte Unterwellenborn, dat. 1967-1985

  120. Ebenda, Nr. 17294: Schriftverkehr zu wasserwirtschaftlichen Maßnahmen, dat. 1962-1976

  121. Ebenda, Nr. 17315: wasserrechtliche Nutzungsgenehmigungen, dat. 1963-1987

  122. Bestand Meer II (Stadt Meerane, Archivaußenstelle in Glauchau), Nr. 2007: Beendigung bergbaulicher Nutzung / Stillegung Dolomitgrube Meerane, dat. 1966-1972

  123. Bestand RdKG (Rat des Kreises Glauchau, Archivaußenstelle in Glauchau), Nr. 6696: Örtliche Industrie des Kreises Glauchau, Dolomitkalkwerk Meerane, dat. 1950-1952

  124. Ebenda, Nr. 7045: Betriebsabrechnung VEB Dolomitkalkwerk Meerane, Örtliche Industrie des Kreises Glauchau, dat. 1951-1954

  125. Ebenda, Nr. 7065: Projekt- und Betriebsplan, VEB Dolomitkalkwerk Meerane, dat. 1952-1954

  126. Ebenda, Nr. 7091: VEB Dolomitkalkwerk Meerane, dat. 1951-1954

  127. Ebenda, Nr. 7092: VEB Dolomitkalkwerk Meerane, Projektbetriebsplan 1953

  128. Ebenda, Nr. 7093: VEB Dolomitkalkwerk Meerane, Betriebsplan 1952

  129. Ebenda, Nr. 7094: Planung und Schriftverkehr, VEB Dolomitkalkwerk Meerane, dat. 1951-1954

  130. Ebenda, Nr. 7150: Volkswirtschaftsplan 1955, VEB Dolomitkalkwerk Meerane, dat. 1954-1955

  131. Ebenda, Nr. 10157: Schriftverkehr und Planung VEB Dolomitkalkwerk Meerane, dat. 1953-1954

  132. Ebenda, Nr. 12317: Planung Bauindustrie, Beauflagungen, Staatliche Aufgaben, dat. 1961-1964

  133. Ebenda, Nr. 12327: Schriftwechsel mit Dolomitkalkwerk Meerane, dat. 1951-1963

  134. Ebenda, Nr. 10612: Rekultivierung, dat. 1982-1990

  135. Ebenda, Nr. 12667: Betriebsakten, örtliche Industrie, darin u. a. VEB Dolomitkalkwerk Meerane, dat. 1950-1956

  136. Bestand Zeitungsartikel zur Heimatgeschichte, Nr. 8: Zeitraum 1995-1997

  137. Ebenda, Nr. 9: Zeitraum 1998-1999

  138. Ebenda, Nr. 10: Zeitraum 2000-2001

  139. Landratsamt, Amt für Service und Informationstechnik (Kreisarchiv Zwickau): Schreiben vom 13.01.2022: Zur Familie Polster und deren Dolomitabbau liegen a. a. O. keine Archivunterlagen vor.