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Ein Beitrag von www.unbekannter-bergbau.de

  

Zur Lage und Regionalgeschichte
Zur Geologie
Zur Montangeschichte

Die Anfänge des Kalksteinbergbaus
Der Niedergang im 19. Jahrhundert
Zum Zweigwerk Crottendorf des VEB Obererzgebirgische Kalkwerke nach 1945
Nach der Stillegung 1973
Erhaltene Zeugnisse
Unter Wasser...
Weiterführende Quellen

  

Zum Kalksteinabbau im oberen Zschopautal:
Die Marmorbrüche bei Crottendorf

  

Erstellt im Mai 2018, letzte Ergänzung April 2019.

Sie können diesen Beitrag auf dem Recherchestand vom Dezember 2018 vom Qucosa-Server der Sächsischen Landes- und Universitätsbibliothek Dresden im PDF-Format herunterladen.

https://nbn-resolving.org/urn:nbn:de:bsz:14-qucosa2-354413

Die Beiträge zu den Zweigwerken des VEB Obererzgebirgische Kalkwerke und dem vorangegangenen fiskalischen und ‒ soweit bekannt ‒ grundeigenen Bergbau sind in Teamarbeit und dank der Mithilfe vieler Unterstützer entstanden. Wir bedanken uns für ihre umfangreiche Unterstützung bei der Erstellung dieses Beitrages aber insbesondere bei:

  • Herrn F. Schott und den „Crottentauchern“ sowie

  • den Eisenbahnfreunden in Crottendorf und Schlettau,
    namentlich bei Herrn O. Vogel und Herrn S. Bergelt, sowie

  • Frau M. Schulze und den Ortschronisten in Crottendorf.

Die folgenden zwei Beiträge stehen mit diesem historisch und regional in Zusammenhang. Man kann aber auch jeden einzeln lesen. Manche Literaturstellen haben wir deshalb in allen drei Beiträgen wiederholt zitiert.

Zum Kalksteinabbau am Fuß des Scheibenbergs
Zum Kalksteinabbau am Fuß des Fichtelbergs

 

 

 

Zur Lage und regionalen Geschichte

 

Wo wir einmal da sind, bleiben wir gleich hier: Von Oberscheibe aus ist es nämlich nur ein Katzensprung nach Crottendorf. Dieser Ort dürfte heute den meisten durch die Produktion von Räucherkerzchen bekannt sein. (Und nach unserem Geschmack: Die Crutendorfer sind die besten...) Aber auch hier ging Bergbau auf metamorphen Kalkstein, teils sogar mit Werksteinqualität um. 

Der Ort Crottendorf liegt an den nördlichen Ausläufern des Fichtelbergs im oberen Zschopautal. Das Siebensäurer Hochmoor am Nordhang des Fichtelberggebietes, südlich von Crottendorf gelegen, speist einige Quellbäche der Zschopau. Nach Süden steigt das Gelände dann schnell bis zum Fichtelberg (1.215 m) weiter an.

Umgeben von waldbedeckten Höhenzügen, die schon deutlich über 700 m aufragen, dehnt sich Crottendorf über fast 6 km Länge von Nord nach Süd entlang der Zschopau aus. Das flache Kerbtal liegt auf einer durchschnittlichen Höhe von etwa 650 m; im Osten wird es durch die Hänge des Schießbergs (795 m) und des Liebensteins (756 m), im Westen durch die flacher abfallenden Wiesen- und Heidegebiete am Fuße des Scheibenbergs (807 m) eingerahmt. Nördlich talabwärts schließt sich an der Straße nach Schlettau der Ort Walthersdorf an (wikipedia.de).

  


Übersichtskarte zur Lage Crottendorfs, Quelle der Hintergrundkarte: geoportal.sachsen.de

 

Ein genaues Gründungsjahr von Crottendorf ist nicht überliefert. Man geht auch bei diesem Dorf davon aus, daß es Mitte des 12. Jahrhunderts als bäuerliches Waldhufendorf mit ursprünglich wohl 16 Hufen angelegt wurde. Woher die ersten Siedler stammten, ist nicht mehr festzustellen. Aber auch in Oberfranken gibt es ein Crottendorf und fränkische Siedler haben noch weiter die Zschopau abwärts viele Spuren in den Ortsnamen hinterlassen.

Vielleicht fanden die Vorfahren bei ihrer Ankunft an der Zschopau mit ihren zahlreichen Sumpfgebieten auch viele Kröten vor ?  Im Sächsischen Staatsarchiv finden sich Urkunden, in denen tatsächlich die Schreibweise „Krötendorf“ für den heutigen Ortsnamen enthalten ist. Dazu paßt auch das Wappentier, die Schildkröte, obwohl das Klima für sie hier wohl eher zu rauh gewesen sein dürfte. Vielleicht war aber auch die Erdkröte dem Künstler, der das Wappen entwarf, nicht schön genug oder sie ließ sich grafisch schwierig gestalten. Nachweisbar sind das Wappen und das Siegel mit der Schildkröte jedenfalls schon seit 1563... (crottendorf.de)

Crottendorf bildete ursprünglich ein Erblehen der Meinheringer, der Burggrafen zu Meißen, innerhalb ihrer Grafschaft Hartenstein. Dieses Reichslehen wird 1157 erstmals bezeugt. Anno 1406 wurde die Grafschaft Hartenstein von den Meinheringern an Veit von Schönburg verpfändet. Wie das benachbarte Oberscheibe auch, findet Crottendorf in der Verpfändungsurkunde vom 2. Juli 1406 zum ersten Mal urkundliche Erwähnung.

1559 verkauften die Brüder Hugo und Wolff aus Schönburg den östlichen Teil der Grafschaft Hartenstein, den so genannten „oberwäldischen Teil“, für 146.000 Gulden an die Wettiner (siehe 30584, Nr. 1638 und 10036, Loc. 37341, Rep. 22, Nr. 0011). Damit gelangten Crottendorf und die umliegenden Orte an das jetzt albertinische Kursachsen.

In der Folgezeit ist in den Quellen oft von dem Amt Crottendorf die Rede, das jedoch eigentlich kaum eigenständig war, sondern spätestens seit 1559 als Zubehör des Amtes Schwarzenberg anzusehen ist. Als Amtsdorf war Crottendorf daher der Gerichtsbarkeit des Schwarzenberger Amtmanns unmittelbar unterworfen. Allerdings blieben den Besitzern des Crottendorfer Erbgerichtsgutes altem Herkommen gemäß verschiedene Belange der freiwilligen Gerichtsbarkeit sowie die Ahndung von Bagatelldelikten überlassen (30630).

Nach einem Kaufvertrag, den wir im Bestand der Grundherrschaft Olbernhau gefunden haben, hatte im Jahr 1748 das Erbgericht Crottendorf ein Herr Johann Gottlob Otto käuflich erworben (30764, Nr. 295). Von dessen Sohn August Gotthelf Otto gelangten Gut und Amt 1798 an Christian Heinrich Süß, der es aber schon 1819 an den Gerichtsdirektor von Scheibenberg, Johann Friedrich Erasmus Landrock, wieder verkaufte. Von 1828 bis 1843 war das Erbgericht dann im Besitz von Johann Gottlieb Unger.

Am 2. Juli 1846 traten die meisten noch bestehenden, lokalen Erbgerichte ihre Jurisdiktionskompetenzen an das Kreisamt Schwarzenberg ab (30630). Das Crottendorfer Erbgericht wurde 1854 mit dem in Scheibenberg zusammengelegt. Der letzte als solcher amtierende Erbrichter war Herr Karl Gottlob Mäke, der das Gut 1843 erworben hatte.

Auch der Ortsteil Walthersdorf ist als Waldhufendorf entstanden. Es führt seinen Namen auf den des Lokators zurück. Walthersdorf wurde 2. Juni 1367 in einer Urkunde Kaiser von Karl IV. erwähnt, in der dieser als König von Böhmen den Untertanen des Besitzers der Pflege Schlettau mit den zugehörigen fünf Dörfern Sehma, Cranzahl, Cunersdorf, Walthersdorf und Königswalde (Amtsseite) die Ausfuhr von Vieh und Getreide aus Böhmen gestattete und ihnen die gleichen Rechte und Freiheiten wie den Tschechen zusicherte.

Zusammen mit der Pflege Schlettau war Walthersdorf an die Schönburger verliehen. Diese verkauften 1413 die Pflege an das Kloster Grünhain. 1536 wurde das Kloster im Zuge der Reformation aufgelöst (crottendorf.de).

Seit dem 1. Januar 1999 gehört die bis dahin eigenständige Gemeinde Walthersdorf als Ortsteil zu Crottendorf.

Die Gemeinde Crottendorf gehört heute zum Landkreis Erzgebirgskreis.

 

 
 
 

Zur Geologie

  

Eine erste geologische Beschreibung des Vorkommens fanden wir in J. F. W. Charpentier´s Mineralogischer Geographie der Chursächsischen Lande, gedruckt 1778. Dort heißt es:

Vierter Abschnitt:
Die Gegend zwischen dem Pöhlfluß, Tanneberger Wasser, Zwönitz, Grünhayn, Schwarzenberg, dem Kaffbach und der böhmischen Grenze.

 XXXVII. 

„Im Ganzen betrachtet, enthält (die Gegend) nicht nur fast durchgängig sehr hohe Gegenden unsers Erzgebürges, sondern auch zugleich den höchsten Punkt von ganz Sachsen, den Fichtelberg bey Wiesenthal. Verschiedene kleine Flüsse und Bäche, die auf dessen Höhe oder an seinem Gehänge entspringen, durchschneiden die Gebürge und nehmen ihren Lauf durch tiefe und breite Thäler…

Was aber diese Gegend. und die weiter in das Gebürge gehenden Aussichten. Theils vorzüglich malerisch macht, theils die Aufmerksamkeit eines Naturforschers besonders erregt, sind die, wegen ihrer ganz eigenen Gestalt bekannten drey Basaltberge: der Pöhlberg, der gleich bey der Stadt Annaberg gegen Osten liegt, der Bärenstein. welcher in ziemlich gerader Richtung zwey Stunden von Annaberg gegen Süden, und der Scheibenberger Hügel, der in fast gleicher Entfernung von diesem Orte gegen Südwest liegt…

XXXVIII.

„Ich komme nun von dem äußerlichen Ansehen dieses vorhin begrenzten Theiles unsers Erzgebürges auf die innere Beschaffenheit desselben. Das Gestein ist fast durchgängig Gneuß, denn von Granit habe ich nur einzelne Felsen im Thale bey Wiesenbad an den Seiten des Gebürges gefunden…  

Vorzüglich muß ich hier der vielen und verschiedenen Kalk- und Marmorlager gedenken, die an mehrern Orten in dieser Gegend, wie auf dem Hahnrücker Gebürge bey Ehrenfriedersdorf und einigen andern vorher schon genanntem angetroffen werden. Die bekanntesten Orte sind, Bärenloh bey Wiesenthal (nordwestlich von Unterwiesenthal), Rothe Sehm (Kretzscham- Rotensehma), Crodendorf, der südwestliche Abhang des Scheibenberger Hügels, in Ueberschaar bey Großpöhla„ auf dem Emler Gebürge, zu dem Neuenjahre bey Wildenau, bey Langenberg, bey Tannigt und Schwarzbach, auf dem Grauler Gebürge über den Oswaldbach gegen Westen,  in dem Fürstenberge, in der gelben Birke hinter Beyerfeld und auch noch einigen andern Orten des Gebürges gegen Norden und Westen, deren ich aber erst in der folgenden Beschreibung gedenken werde. Jetzt will ich den Marmor von einigen der vorhergenannten etwas genauer betrachten.

Bey Bärenloh hat man verschiedene Brüche darinnen angelegt, die an einigen Orten 30 bis 40 Fuß Tiefe haben, und in dieser Gegend unter dem Namen der Wiesenthaler Marmorbrüche bekannt sind. Man siehet hier den Marmor in Lagern, von 1 bis 2, selten mehrern Fuß stark, meistens horizontal liegen… Viele senkrechte Klüfte, die den Marmor nach allen Richtungen durchschneiden, verhindern, daß ganze Massen von einigen Ellen in der Länge gebrochen werden könnten. Der Marmor ist grobkörnig, (Lapis calcareus particulis granulatis), von schöner weißer Farbe, und hat zu einer guten Politur gnügliche Härte. Hin und wieder fand ich ihn mit Gneuß bedeckt, oder vielmehr in den obern Lagern damit verbunden… Das ganze Gebürge von Bärenloh bis nach rothe Sehm schien mit Marmor von dieser Art gemengt zu sein…  

Die Ausdehnung dieser Kalk- und Marmorlager ist wegen der ihn überall bedeckenden Wälder und Wiesen und wegen des an vielen Orten hochaufliegenden Torfs unmöglich zu bestimmen. Gewiß ist es, daß man an dem Abhange dieser Gebürge und in den Thälern allemal wieder Gneuß findet, und es folglich das Ansehen gewinnet, als ob er nur in den Lagern des Gesteins, so den Rücken des Gebürges ausmachen, angetroffen würde, ohngeachtet man nicht versichert ist, ob sich nicht in mehrerer Tiefe unter dem Gneuß wieder Marmor finden möchte. So bestehet der von Crodendorf gegen Nordwest sanft ansteigende bekannte Kalkberg, ehe man auf seinen Rücken kommt, überall aus Gneuß, oben aber aus lauter Marmor. Der Bau und die natürliche Beschaffenheit dieser Lager ist mit den vorher beschriebenen übereinstimmend, doch sind hier schon einige Lager von der Stärke, das ganze und vollkommne Stücken zu Statuen von gehöriger Größe daraus gebrochen werden können. An der schönen weißen Farbe kommt zwar dieser Crodendorfer dem bey Bärenloh und rothen Sehm nicht bey, desto mehr aber übertrifft er ihn an Härte und Feinheit des Korns.

Einige Orte zeigen hier und da röthlich gefärbte Stücken; auch ist er zuweilen mit dunkelgrauen Streifen durchzogen, und der Glimmer sowohl, als Schichten von Gneuß, in welchem Asbest und Schwefelkies eingemischt ist, sind nebst Stücken von weißem Quarz mit einigen Lagern desselben verbunden.

Man arbeitet in den verschiedenen Brüchen beynahe in eben der Tiefe als in den vorher genannten bey Bärenloh und bis jetzt ist der Kalkstein noch nirgends durchsunken worden.

An der südlichen Seite des Scheibenberger Hügels ist ein Marmorlager entblößt, das 200 und mehrere Fuß im Durchmesser haben kann. Der Marmor ist von einer halbgrauen Farbe und feinem Korne, außerdem aber durchgängig von keiner besondern Härte, und überall sehr zerklüftet, daß bisher nur Kalk daraus gebrannt worden ist...

Ich will von den Kalk- und Marmorbrüchen an den übrigen anfangs genannten Orten, nichts besonders gedenken. Er kommt mit dem vorher beschriebenen fast durchgängig überein. Nur dieses muß ich noch anführen, daß man in keinem derselben auch nicht die mindeste Spur einer Versteinerung wahrgenommen hat, und so sorgfältig ich bey diesen Untersuchungen gewesen bin, so fruchtlos sind sie auch alle abgelaufen.“

  

Anfang des 19. Jahrhunderts begann die systematische „geognostische“ Untersuchung des Landes. Die Resultate wurden erstmals in Kartenform mit ausführlichen Beschreibungen niedergelegt. An der Erarbeitung war neben vielen anderen der Geologe C. F. Naumann wesentlich beteiligt, der auch große Teile der geognostischen Beschreibungen zusammenfaßte. Im 1845 erschienenen Erläuterungsband zum betreffenden Kartenblatt heißt es bei Naumann:

Dolomit und Kalkstein im Gneissterrain.

Mitten im Gneisse finden sich Lager von Dolomit oder Kalkstein bei Memmendorf, Crottendorf, Schmalzgrube, Boden und Kretzscham...  

2) Kalkstein von Crottendorf.

Das südlich von Crottendorf liegende Kalksteinlager ist unstreitig eines der mächtigsten und interessantesten des ganzen Erzgebirges. Außer dem jetzt gangbaren bedeutenden Bruche, in welchem man bereits bis zu 12 Lachter niedergegangen ist, ohne das Ende des Kalksteines zu erreichen, befinden sich in einer Ausdehnung von 70 bis 80 Lachtern nach verschiedenen Richtungen hin mehre alte, ebenfalls nicht unbedeutende, aber jetzt größtentheils verschüttete Brüche. Das Hauptstreichen des ganzen Kalkstockes scheint hor. 11 zu sein.

In dem jetzt betriebenen Bruche streichen am südöstlichen Stoße die, daselbst fast ganz verticalen und ziemlich ebenen, oder doch nur schwach undulirten Schichten hor. 9 bis 10; in dem nordwestlichen Theile des Bruches aber schwankt das Streichen der Schichten zwischen hor. 10 und 12; dabei zeigen sie dort einen unbeschreiblichen Wirrwarr im Fallen, indem wellenförmige Biegungen, Schleifen, kleine Sattel und Mulden auf das Wunderbarste in einander geschlungen sind, so daß man sich kaum phantastischere Biegungen ersinnen könnte, als sie hier in der Wirklichkeit vorliegen.

Der Kalkstein ist schneeweiß bis graulich- und röthlichweiß, klein- und feinkörnig und nicht selten mit talkähnlichen Glimmerblättchen gemengt, welche, wenn sie häufiger werden, eine Art von Kalkschiefer bilden; auch Eisenkies findet sich mitunter, so wie Tremolith und Schieferspath. In der Mitte des Kalkbruches setzt ein 3 bis 4 Zoll mächtiger Flußspathgang in der Richtung hor. 2,4 senkrecht auf, welcher bisweilen schöne Drusen von Flußspath und Kalkspath fuhren soll...“

Außerdem weist Naumann noch auf ein weiteres Vorkommen im benachbarten Sehma- Tal hin, das aber wohl schon zu Naumann's Zeiten längst stillgelegen hat:

5) Bei Kretzscham liegt ein alter Marmorbruch, dessen Localität aus der betreffenden Militaircharte entnommen worden ist; wahrscheinlich ist es derselbe, welchen Charpentier S. 217 seiner mineralogischen Geographie erwähnt.“

  


Eine Darstellung des Crottendorfer Kalkbruchs aus der Zeit der ersten geognostischen Landesuntersuchung um 1834. Viel ist ihr nicht zu entnehmen, jedoch hat der Zeichner am Bruchstoß den oben erwähnten, steilstehenden Gang eingezeichnet. Bildquelle: Sächsisches Staatsarchiv, Bergarchiv Freiberg, Bestand 40003 (Unterlagen der geognostischen Landesuntersuchungskommission), Nr. 159, Blatt 26, Tab. III.

  


Ausschnitt aus der Geognostischen Karte des Königreichs Sachsen, Blatt XV, 1845, mit den in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts bekannten Kalksteinvorkommen südlich v
on Crottendorf und bei Kretzscham- Rothensehma (rechts unten). Den Crottendorfer „Marmorbruch“ haben wir markiert.

      

Auch der bekannte Geologe B. Cotta bereiste die Region und hielt in einem Reisenbericht aus dem Jahr 1852 (Ztschr. Dtsch. Geol. Gesellschaft, Bd. 4) fest: „Das Crottendorfer Kalksteinlager ist das bedeutendste im erzgebirgischen Gneissgebiet. Es scheint mehr als 70 Fuss mächtig zu sein. In einem der grossen, darin angelegten Steinbrüche zeigte es 1838 ganz ausserordentlich starke Windungen und Biegungen der Schichten, einen wahren Wirrwarr von Biegungen, Schleifen, Mulden und Sätteln. Der Kalkstein ist schneeweiß bis graulich- und röthlichweiss, klein- und feinkörnig und nicht selten mit talkähnlichen Glimmerblättchen gemengt, welche, wenn sie häufig werden, eine Art von Schieferung hervorbringen. Auch Eisenkies, Tremolith und Schieferspath kommen darin vor...

Alle Untersuchungen flossen schließlich in die geologische Landesuntersuchung und dann in die auf Basis der Äquidistantenkarten Ende des 19. Jahrhunderts in erster Auflage herausgegebenen geologischen Kartenblätter von Sachsen ein. Crottendorf ist auf dem Blatt 147: Section Wiesenthal- Weipert dieser Karteausgabe dargestellt.

  


Ausschnitt aus dem Blatt 147 der Geologischen Specialkarte des Königreichs Sachsen, 2. Auflage, 1914. In der Bildmitte, blau dargestellt und mit k markiert, die Kalklager am Kalkberg südlich von Crottendorf, ein weiteres kleineres ist jetzt nördlich davon verzeichnet.

  

Die Erläuterungen zu diesem Kartenblatt wurden in der ersten Ausgabe von dem Geologen A. Sauer verfaßt. Den Text zur zweiten Auflage dieser Erläuterungen, herausgegeben im Jahr 1917 und revidiert von R. Reinisch, haben wir in der Sächsischen Landes- und Universitätsbibliothek gefunden. Darin heißt es:

IV. Einlagerungen in den kristallinen Schiefern.

1. Kristalliner Kalkstein und Dolomit.

„Gegen 20 Lager von kristallinem, meist mehr oder weniger dolomitischem Kalkstein bis fast reinem Dolomit treten im Glimmerschiefergebiete des Blattes Wiesenthal auf…

2. Ein kleines, jetzt nicht mehr zugängliches Lager im Untergrunde des südlichsten Gehöftes von Crottendorf.

3. Das Kalklager von Crottendorf, eines der mächtigsten und geologisch interessantesten, seit langem berühmt und abgebaut (schon Charpentier gedenkt seiner und hebt die Feinheit des Korns und die Festigkeit des Gesteins hervor), gegenwärtig außer Betrieb.

Der Kalkstein ist fein-, mittel- bis grobkörnig, oft blendend weiß, bisweilen schwach fleischfarben, durch staubartige Chloritbeimischung grünlich gefärbt oder mit einem talkartigen, grünlichen Glimmer, seltener mit Biotit oder Muscovit vermengt. Recht häufig sind auch Imprägnationen mit Pyrit in Körnern und Kriställchen bis zu Erbsengröße, besonders innerhalb der grünlichen Lagen. Der in parallelen Streifen erfolgende Wechsel in der Struktur und der durch obige Beimengungen bedingten verschiedenen Zusammensetzung verleihen dem an sich fast massig-körnigen Kalkstein eine ausgezeichnete Schichtung, die besonders unter dem Einflusse der Verwitterung hervortritt und oft eine plattige Absonderung zur Folge hat. Weiterhin tragen auch …Einlagerungen von Amphiboliten und glimmerreichen Schiefern nicht wenig dazu bei, die Schichtung deutlich zum Ausdruck zu bringen.“

  


  

„Das Kalklager bildet, wie sich besonders in dem seit 1900 auflässigen Hauptbruche feststellen läßt, im wesentlichen eine große, nach SW überliegende Falte mit WNW-Streichen (N 15° W) und 12-15° südöstlichem Fallen der Hauptfaltenachse. An der oberen Hälfte im mittleren Teile der südwestlichen Steinbruchwand treten kleinere Nebenfalten hervor (siehe Fig. 1). Im einzelnen sind die Schichten in überaus mannigfacher Kleinfaltung zusammengestaucht, wie dies besonders gut an dem mitten im Bruche stehengebliebenen Felssporn zu beobachten ist (siehe Fig. 2).“

  


  

Nach Naumann war seinerzeit ein 3-4 Zoll mächtiger, Stunde 2,4 streichender, saigerer Flußspatgang in der Mitte des Kalklagers angebrochen, in dem sich schöne Drusen von Flußspat und Kalkspat fanden. Gegenwärtig sind mehrere, bis 10 cm starke Quarzadern bloßgelegt. Die absolute Mächtigkeit des Kalklagers ist infolge der starken Schichtenstörungen nicht sicher zu bestimmen. Im Ausgehenden besitzt es eine größte Breite von etwa 60 m, während es im Streichen, wie die an den großen Bruch sich anschließenden Halden und verfallenen Brüche anzeigen, jedenfalls 300 m mißt.

Die Zusammensetzung des zur Verwendung gelangenden Kalksteines zeigt Analyse a, die des unreinen, „wilden“ Steins Analyse b.“
 

  CaO MgO CO2 Fe2O3, Al2O3, MnO Unlösliches
a: 49,3 4,9 43,0 0,6 2,0
b: 14,5 1,3 11,0 0,5 71,4

 
Die von Reinisch hier angeführten Zahlen stimmen mit den von Wunder, Herbrig und Eulitz im „Kalkwerksbetrieb Sachsens“ schon 1867 angeführten Analysen exakt überein.

  


Kalksteinvorkommen im Erzgebirge, von uns rot markiert das Vorkommen am Kalkberg. Kartengrundlage aus Hoth et al.: Bergbaumonographie, Band 16, 2010.

  

In der Bergbaumonographie, Band 16, ist die Lagerstätte Crottendorf unter Nummer D43 aufgeführt.

Die Vorkommen südlich von Crottendorf gehören demnach im Gegensatz zu denen am Scheibenberg nicht der Raschau- Formation, sondern wie die bei Kretzscham- Rothensehma und Hammerunterwiesenthal der Obermittweida- Formation in der Keilberg- Gruppe des oberen Unter- Kambriums an. Weiter nordwestlich sind diese Horizonte von jüngeren Gesteinen überdeckt und ragen nur lokal (am Nordwesthang des  Pökelberges das Vorkommen Goldener Regenbogen) und dann wieder am Ostrand der Schwarzenberger Kuppel (das frühere Kalkwerk Hempel in  Wildenau) bis in Tagesnähe auf.

Als Nebengesteine treten hier geschieferte Gneise und in größerem Abstand plattige Muskovit- führende Zweifeldspatgneise auf. Im Wesentlichen treten zwei Varietäten auf:

1. Calzitmarmor, grauweiß bis weiß, gelegentlich auch hellgrau, schwach rosa oder gelblichweiß, klein- bis mittelkristallin (0,2 mm bis 2 mm Korngröße), manchmal auch grobkristallin, glimmerarm, dolomitfrei bis dolomitarm, gelegentlich verfältelt, granoblastisches Implikationsgefüge.

2. Glimmer- führender Calzitmarmor (kristalliner Glimmerkalkstein) weißgrau bis grau und grünlichgrau, z. T. auch bräunlich, selten schwach rosa, mittelkristallin, Dolomit- führend, von zahlreichen mm- bis cm-mächtigen Glimmerlagen durchzogen, auch wolkig- schlierige Glimmerverteilung, oft gefältelt. Als Einlagerungen treten Amphibolit- und Muskovitgneislagen auf.

Eher untergeordnet trat als dritte Varietät auch Dolomitmarmor auf, hellgrau bis graubraun, auch weißgrau, graurosa oder schwach rosa, z. T. auch mikrokristallin bis gänzlich dicht, selten blaugrau, fein- bis kleinkristallin (0,1 mm bis 0,5 mm Korngröße), in der Regel Pflastergefüge; wenn er mittelkristallin auftrat, erwiesen sich solche Partien gewöhnlich als sekundär umgebildet.

 


Schematischer geologischer Schnitt von SW nach NO durch das Kalklager Crottendorf. Nach Hoth et al.: Bergbaumonographie, Band 16, 2010, Interpretation der Bohrergebnisse nach Leonhardt, 1999; darin sind
Eom.. Muskovit- führende Zweifeldspatgneise der Obermittweida- Formation, Am.. Metabasite, Qh.. holozäne Solifluktionsdecken, weiße, punktierte Linien.. Erkundungsbohrungen, Tiefbaue sind nur angedeutet.  

  

Das von Sauer und Reinisch noch angeführtekleine, jetzt nicht mehr zugängliche Lager im Untergrunde des südlichsten Gehöftes von Crottendorf findet man in aktuellen Beschreibungen nicht mehr.

Dafür wird in der Bergbaumonographie noch ein weiteres Vorkommen (unter D42) am Morgenberg bei Siebensäure im Anhang kurz beschrieben. Bei diesem handele es sich um den höchstens 200 m breiten Ausstrich eines kleinen Lagers, etwa 350 m ostnordöstlich des Morgenberges bei Siebensäure. In dem KartierungsschurfOberwiesenthal 10/1965“ und in zwei Flachbohrungen fanden Geologen 1965 „Marmor- Bomben führenden Tuff“. Nach den Bohrkernen zu urteilen, handelt es sich hier um schmale, höchstens 5 m mächtige Lager von Dolomit oder stark dolomitischen Marmor, eingeschaltet in Zweiglimmerschiefer und Schiefergneise.

Dieses Vorkommen wird wohl am ehesten dem am Pökelberg bei Raschau vergleichbar sein.

  

Von den Vorkommen südwestlich von Kretzscham- Rothensehma schrieb bereits Naumann 1845, daß „...dessen Localität aus der betreffenden Militaircharte entnommen worden ist; wahrscheinlich ist es dasselbe, welches Charpentier S. 217 seiner mineralogischen Geographie erwähnt.“

Auch in der 1914 gedruckten 2. Auflage der Erläuterungen zur geologischen Karte erwähnte Reinisch nur am Rande unter: „4. Bei Kretzscham- Rothensehma zwei kleine Kalklager, deren Gestein mittel- bis grobkörnig, in manchen Lagen vollkommen rein, in anderen stark von Glimmerschichten und gneisartigen Streifen durchzogen ist“ noch weitere Vorkommen zwischen Crottendorf und Hammerunterwiesenthal.

Möglicherweise hat der Geologe  Reinisch 1914 in diesen „...zwei kleinen Kalklagern...“ aber auch das an der Flöß- und Eisensteinzeche südwestlich von Kretzscham- Rothensehma mit eingeschlossen.

  


Ausschnitt aus Blatt 292 des Freiberger Exemplars der Meilenblätter von Sachsen, aufgenommen und gezeichnet nach 1780, zum Teil mit Nachtragungen bis 1870. Südlich von Kretzscham- Rothensehma ist ferner ein „Fluß Bruch“ unweit der Eisensteinzeche zu sehen. Nordwestlich unterhalb der Häuser von Kretzscham- Rothensehma im Sehma- Tal ist hier ein „alter Marmor Bruch“ eingezeichnet.

   

In der Bergbaumonographie wird dieses Vorkommen unter der Nummer D40 aufgeführt. Demnach hat die SDAG Wismut im Rahmen der Uranerzprospektion mit dem Schurf Oberwiesenthal 45/1965“ die Verfüllung dieses Steinbruches vorgefunden. Auch im südöstlich von Rothensehma gelegenen Schurf Oberwiesenthal 43/1965“ habe man Marmor angetroffen, der jedoch bis in mindestens 3 m Tiefe durch Auslaugung stark zersetzt war.

Die geologische Aufnahme der Sohle des Schurfes im Bereich des ehemaligen Steinbruches zeigte mittelsteil bis flach gelagerte und konkordant in Zweiglimmerschiefer und Zweiglimmer- Gneise der Obermittweida- Formation eingebettete, wahrscheinlich nur wenige Meter mächtige Marmor- Lager. Die einzelnen Lager sind durch Zwischenmittel getrennt, so daß weißer Calzitmarmor mit deutlich gestreiftem oder gebändertem, glimmerreichem Marmor abwechselte. Daneben wurde metasomatisch gebildeter Dolomitmarmor vorgefunden. Weitere Arbeiten zur Erkundung dieses Marmorlagers im Tal der Sehma wurden aber auf Anweisung der VVB Feste Minerale Berlin im August 1965 eingestellt.

Der alte Steinbruch sei schon 1965 unerkennbar verfüllt“ gewesen. Daher verzichten wir im Weiteren auf die Nachsuche im Gelände.

 

 
 
 

Zur Montangeschichte

Die Anfänge des Kalksteinbergbaus

  

Neben den Silbervorkommen waren in dieser Region auch Eisen, Vitriol und Arsenikkies sowie Kalk und Torf wichtige Abbaugegenstände. Die Wahrnehmung der Bergbaurechte in dieser Region gestaltete sich aber schwierig, da sowohl der sächsische Herzog und spätere Kurfürst in seiner Eigenschaft als Lehnsherr und Inhaber des Bergregals auf edle Metalle, als auch die Schönburger als Landesherren und Besitzer des Bergregals auf unedle Metalle Bergbaurechte innehatten, deren Art und Umfang freilich von jeder Seite unterschiedlich ausgelegt wurden.

Deutlich wird diese Gemengelage auch an der Entwicklung der Bergämter. Nach Auffinden von Silber bei Elterlein um 1460 statteten die Schönburgischen Landesherren die Siedlung 1489 mit Stadtrechten aus und richteten wenig später ein eigenständiges Bergamt ein, dem weitere Bergämter in Hohenstein (vermutlich um 1529), in Oberwiesenthal (kurz vor 1530) und schließlich in Scheibenberg (1530) folgten, wohin dann das Bergamt Elterlein verlegt wurde (40014).

Wann genau der Kalksteinbergbau bei Crottendorf nun begonnen hat, ist unbekannt. Der Abbau des Kalksteins fiel bekanntermaßen nicht unter das höhere Bergregal. In seiner Anfangsphase lag dieser grundeigene Bergbau daher auch hier in den Rechten der Landbesitzer, also begüterter Bürger oder Bauern und natürlich der jeweiligen Grundherrschaft selbst.

Eine Sage berichtet, daß das Kalksteinvorkommen in Crottendorf von einem mit einem Tanzbären umherziehenden Zigeuner entdeckt worden sei. Als dieser nach einer Rast auf einer Lichtung oberhalb von Crottendorf sein Lagerfeuer mit Wasser löschte, begannen die umherliegenden Steine, die das Feuer erhitzt hatte, zu zischen, zu zerspringen und sich in ein weißes Mehl aufzulösen. Ohne eine Vorstellung von einer möglichen Ursache dieser Erscheinung zu haben, erzählte er später im Dorf von diesem eindrücklichen Moment. Einige Crottendorfer Bauern aber gingen dem nach und merkten, daß es sich hier um Kalkstein handelte... (Ortschronik Crottendorf, Kap.18).

 

Der Scheibenberger Pfarrer Christian Lehmann hinterließ uns in seinem 1699 erst posthum gedruckten Historischen Schauplatz derer natürlichen Merckwürdigkeiten in dem Meißnischen Ober- Ertzgebirge die folgende Beschreibung der Kalksteinbrüche, die etwa in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhundert entstanden sein mag:

Achte Eintheilung.
Von allerhand Steinen.

CAP. III.
Von Kalck-Brüchen.

Derer findet man unterschiedliche im Gebirge. Am Tzschoper- Bach sind die zwey fürnehmsten zu Crotendorſf und Wiesenthal, welche ihr Streichen haben vom Brünnlas in der Scheibenberger Holtz und ziehen sich zwischen dem Dorff Scheibe und dem Berg nach Crotendorff, allda machen zwey Kalck- Berge einen ganzen Berg biß an das obere Hauß und ist dieser so starck, daß man ihn in 100 Jahren vermuthlich nicht völlig gewältigen und brennen kann. Von dannen langet er nach Neudorff und über die Höhe nachdem sogenannten kalten Kretschmar die rothe Sehma, und ferner an den Wiesenthaler Wald an einen ganzen Berg, welcher letztere aber über dem Kretschmar meist zu Marmolstücken gesparet wird, der zu Crotendorff ist je tieffer je klüfftiger und schöner.

Vor 100 Jahren (also nach Lehmann um die Mitte des 16. Jahrhunderts) haben sie diesen Kalck- Bruch nicht zu brauchen gewußt. Erstlich hat ihn der gar alte Hütten- Wirth Leonhard Schmied bey der Schönburgischen Herrschafft aufgenommen, solchen versucht und erfahren, daß er guten Kalck gebe, darvon sich hernachmahls das halbe Gebirge herum erholet. Von jedem Brand auf 50 Faß bekommt der Churfürst 4 Rthlr. vor Holz, und 3 Rthlr. Zehenden. Ein Faß Kalck gilt einen Thl. und ist darüber ein besonderer Inspector verordnet...“

Über den von Lehmann hier genannten Hütten- Wirth Leonhard Schmied, der den Bruch um 1550 aufgenommen haben soll, haben wir noch nichts herausfinden können. Immerhin fanden wir mehr als 100 Jahre später einen Herrn Schmiedel in den Akten des Staatsarchives, welcher 1794 zum Berggeschworenen im Bergamt Scheibenberg bestellt wurde (30572, Nr. 5363). Auch die Crottendorfer Heimatforscher haben an dieser Darstellung Chr. Lehmann's über die Erschließung der Kalksteinvorkommen ihre Zweifel, denn dieser Name taucht in anderen Quellen nicht wieder auf.

  

Petrus Albinus schreibt in seiner Meißnischen Bergchronica, gedruckt 1540, im XXII. Titel: Von den Werckstücken und andern Felsen und etlichen Arten von mancherley Steinen im Lande zu Meißen (S. 166ff), zwar: „Kalcksteins haben wir in Meißen auch keinen Mangel…“, erwähnt dabei aber Kalksteinabbau im obererzgebirgischen Kreis überhaupt noch noch nicht.

Nur wenig später (1546) wird Georg Agricola‘s De natura fossilium gedruckt. Agricola nennt darin (im Siebenten Buch) fast dieselben Vorkommen in Sachsen, wie vor ihm Albinus, nämlich Rabenstein „am zweiten Meilenstein von Chemnitz nach Waldenburg“, Auerswalde bei Chemnitz, die „…Berge an der Saale“ sowie „in der Nähe der Müglitz nicht weit von Pirna“, womit wohl die Kalkbrüche um Maxen, Nenntmannsdorf und Borna im Elbtal- Schiefergebirge gemeint sind. Die Marmor- Vorkommen in Crottendorf und im benachbarten Oberscheibe werden dagegen in beiden Quellen noch nicht genannt.

Die erste gesicherte urkundliche Erwähnung des Kalksteinvorkommens bei Crottendorf fällt auf das Jahr 1559. In der Verkaufsurkunde des oberwäldischen Teils der Herrschaft Hartenstein an den Kurfürsten wird es angeführt.

Nach Angaben in der Bergbaumonographie (Hoth et al., 2010) habe es zu dieser Zeit hier bereits Schnelleröfen zum Kalkbrennen gegeben.

 

Unter Kurfürst August I. (*1553, †1586) stieg der Bedarf an Dekorationssteinen für die repräsentativen Schloßbauten erheblich an, wohingegen der Import von edlen Werksteinen, wie Marmor, natürlich sehr teuer war. Daher hatte der Kurfürst am „Marmelstein“ aus dem eigenen Lande verständlicherweise besonderes Interesse und 1573 mußten thüringische Stuckateure und Steindrechsler versprechen, sich nach Marmor- und Kalksteinbrüchen im Lande umzusehen. August I. beauftragte 1574 außerdem den Bildhauer Hans Walther, „…mit Fleiß nachzuforschen, ob er etwa beständige Anbrüche von Marmorstein... finden könne.“ (Beierlein, 1963)

Nun wurde auch im Erzgebirge überall nach wirtschaftlich verwertbaren Dekorationsgesteinen gesucht. Bei dieser Suche wurde in dem südlich des Ortes gelegenen Kalckbergk die Qualität des weißen Marmors bemerkt. Ein mehr oder weniger planmäßiger Abbau im Tagebau setzte aber erst 1587 ein, nachdem auch der aus dem Tessin stammende Steinmetz, Bildhauer und Architekt Giovanni Maria Nosseni (*1544, †1620) auf das Lager aufmerksam geworden war. Von einer eigentlichen Entdeckung dieser Brüche durch Nosseni kann freilich keinesfalls die Rede sein. So lieferten die Steinbrüche in Lengefeld und Crottendorf bereits zwischen 1568 und 1573 den Kalk für den Bau der Augustusburg. Die Brüche waren also auch vorher schon lange bekannt und standen in mehr oder weniger regelmäßiger Nutzung, ohne daß die Besitzer dabei die Verwendungsmöglichkeit als Werk- und Dekorationsstein erkannten. Dies ist das eigentliche Verdienst G. M. Nosseni's.

Nosseni hatte im Jahr 1575 das kurfürstliche Privileg erhalten, im Lande nach Marmor zu suchen (vgl. u. a. 10024, Loc. 04514/06). Bei seinen Reisen durch das Erzgebirge in den Jahren 1586 und 1587 fand Nosseni daraufhin in bereits bestehenden Kalkbrüchen schwarzen Marmor bei Kalkgrün, roten Marmor am Schießhaus bei Wildenfels sowie den weißen Marmor bei Crottendorf.

Am 5. Mai 1585 wurde ihm erstmals eine „Befreiung  für den Kalksteinbruch bei Lengefeld im Erzgebirge auf 20 Jahre verschrieben. Da Nosseni aber bald erkannte, daß in Lengefeld kein Kalkstein, sondern härterer Dolomit gebrochen wurde, der für Bildhauerarbeiten nur schlecht zu verwenden war, hat er auch in Wildenfels und Crottendorf selbst Grundstücke für den Marmorabbau erworben. In Crottendorf ließ Nosseni die erste Steinmetzhütte errichten.

Seine Privilegien wurden Nosseni 1609 vom jetzigen Kurfürsten, Christian II. zum zweiten Mal und jetzt auf Lebenszeit verlängert. Nachdem Nosseni 1620 verstarb, erlosch auch sein Privileg.

Es wurde nach seinem Tod keinem anderen erneut verliehen, vielmehr erließ der inzwischen in Dresden residierende Kurfürst Johann Georg noch im selben Jahr 1620 Befehl, worin es heißt: Ihr wollet alsbalden in alle Ämter, da bisher Marmor gebrochen, Befehl abgehen lassen, das menniglichen bey einer namhaften Straf verboten werde, etwas ohne unser Vorbewußt oder Einwilligung aus solchen Steinbrüchen von Marmor hinweg zu führen, die Schösser auch ein fleißiges Aufsehen darüber haben sollen...“ (Beierlein, 1963)

Dies war der Beginn eines staatlichen Marmorbergbaus in Sachsen. Zum ersten Marmor- Inspektor wurde der Dresdner Architekt Sebastian Walther vom Kurfürsten berufen.

  

Auch nach Nossenis Tod fertigten Künstler aus Crottendorfer Marmor zahlreiche Schmuckstücke. So befindet sich u. a. in der Sammlung des Grünen Gewölbes eine Marmordose, die der Goldschmied Paul Ingermann um 1723 in vergoldetes Silber gefaßt hat (wikipedia). Aber natürlich steht auch in der Kirche in Crottendorf ein Taufstein, der aus weißem Crottendorfer Marmor gefertigt wurde (crottendorf.de).

In der Crottendorfer Ortschronik haben wir folgende historische Beschreibung der Steinbrech- Arbeit gefunden: Wenn der Marmor gewonnen werden sollte, so haueten die Steinbrecher um das Stück, welches sie herauszunehmen gewillt waren, eine Spur; in dieselbe setzten sie erstlich kleine und schwache, hernach große und dicke eiserne Keile, von dem besten Eisen gemacht; und gaben gute Achtung, daß sie mit denen Fäusteln alle zugleich auf einmahl auf die Keile schlugen und trafen. Und wenn sie nun zugleich offte geschlagen, so lösete sich das Stück ganz und gar ab und zersprang nicht. Alsdann schafften sie ein solches Stück auf Waltzen aus dem Bruch heraus...“

Abfälle der Werksteingewinnung wurden parallel schon immer zu Branntkalk verarbeitet, der als Bindemittel im Bauwesen und als Düngemittel in der Landwirtschaft Verwendung fand.

In der Bergbaumonographie (Hoth et al., 2010) steht zur weiteren Geschichte zu lesen, daß 1619  ein privater Kalkofen genannt werde. 1628 habe es bereits mehrere Kalkbrenner in Crottendorf gegeben. In den 1960er Jahren seien bei Schurfarbeiten Reste von drei historischen Kalköfen nachgewiesen worden.

Der Abbau kam infolge der Wirren des Dreißgjährigen Krieges aber auch in Crottendorf völlig zum Erliegen.

 

Als endlich wieder Frieden eingekehrt war, wurde von Kurfürst Johann Georg II. der Architekt Wolfgang Kaspar Klengel mit dem Wiederaufbau der Residenzen betraut. Bei der Frage nach dem Baumaterial entsann man sich nun auch wieder der Marmor- Vorkommen im Erzgebirge. Klengel erhielt daher 1659 den Befehl, die nunmehr seit 40 Jahren erlegenen ...Marmorbrüche in Augenschein zu nehmen“; eine Aufgabe, der sich der umsichtige Klengel daraufhin mit großer Sachkenntnis widmete.

Noch im Jahre 1659 berichtete Klengel an den Dresdner Hof über seine Erkundigungen und schreibt u. a. Eine halbe Meile von Crottendorf im Holtze aufm Kalchsberge an der 5ten Rundung ist ein weißer Marmorbruch überaus mächtig und giebt sehr gantze Stücke und sind, wie der Augenschein weiset, aus diesem Bruch viele 100 Centner vor diesem bereits gewältiget worden. Bey diesem Bruche liegt die große Brunnen Schale so schon ausgehölet und überarbeitet, hält in Diameter 3 ½ Dicke über 1 ¼ Ellen, wiegt ohngefähr 96 Centner.“ (Es ist leider nicht überliefert, von welcher Brunnenschale hier die Rede ist und wohin sie vielleicht gelangte.)

Ohngefähr eines Pistohls Schußes von obigem hat man wiederumb auszubrechen angefangen. An diesem Orte ist aller Stein annoch am Tage und ist nicht viel ausgebrochen, ist dehr klar am Granito (Korn) und wird in der Tieffe immer härter. Allhier könnten so große Stücke als man begehren würde, aufgetrieben werden. Dieser Marmor ist auch sehr gantz und schneeweiß, auch in allem von solcher Perfection, daß er dem schönsten aus Graecien und den Archipelagischen Inseln (Klengel meint hier Griechenland und die Ägäischen Inseln.) nichts hervorgeben wird. Zu Seiten dieser Marmorbrüche finden sich auch andere, da dann an einem Orte ein weißer, so aber gar ungantz und woraus für einen gewissen Bergzinß ... der Stein zum Kalckbrennen gewonnen wird.

Nicht ferne von jetzt erwähntem befindet sich wiederumb ein grauer Marmor Bruch mit noch dunkelgrauen Federn, wird auch zu Kalck gebrennet, ist gantz und wird so große Stücke geben, als man wolle. Dieser Stein ist an Farben und Granito den 4 größten Taffeln von Griegischem Marmor gleich, welche in St. Marci Kirche zu Venedig vor dem großen Altar verlegt sind, und gleichsam den Meer und Wasserwellen gleich scheinen, würde an gehörigen Orten in Opern wohl zu gebrauchen seyn...“

Interessant an Klengels Bericht ist, daß offenbar damals an mehreren Stellen gleichzeitig eingeschlagen wurde, wenn die Qualität des Materials den Ansprüchen nicht mehr genügte. Eine systematische Gewinnung fand wohl nie statt, vielmehr suchte man selektiv die besten Stücke zu finden. In der Folgezeit nahm Klengel die Lenkung des Abbaus im Bruch zu Crottendorf selbst in die Hand und stellte dazu nach und nach sechs wallonische Steinmetze und weitere zwölf Gehilfen an.

1662 wird auch ein neues Haus für die Steinmetzarbeit errichtet. Ab 1663 taucht dann die Bezeichnung „Weißer Bruch zu Crottendorf“ in den Akten auf.

  


Ausschnitt aus Blatt 271 des Berliner Exemplars der Meilenblätter von Sachsen, aufgenommen und gezeichnet um 1780. Neben einer Halde sind mehrere kleinere Steinbrüche zu erkennen.

  


Ausschnitt aus Blatt 269 des Freiberger Exemplars der Meilenblätter von Sachsen, aufgenommen und gezeichnet nach 1780, zum Teil mit Nachtragungen bis 1870. In diesem Fall sind aber keine - sonst meist mit roter Farbe eingezeichnete - Nachtragungen aus jüngerer Zeit zu finden. Dafür ist in dieser Kartenausgabe auch ein Kalkofen eingetragen.

  

1749 wurden die Eisensteinflöße in den Marmor- und Kalksteinbrüchen des Amtes Crottendorf noch verliehen, befanden sich also in Privatbesitz (10036, Loc. 35413, Rep. 02, Lit. K, Nr. 0111). Den Antrag darauf stellte 1748 der Hammerwerksbesitzer von Obermittweida, Dr. Andreas Nitzsche (10036, Loc. 35413, Rep. 02, Lit. K, Nr. 0112), der 1731 das Hammerwerk erworben hatte.

1754 soll der Marmorabbau in Crottendorf dann in Staatsbesitz übergegangen sein (wikipedia).

  

 
 
 

Der Niedergang im 19. Jahrhundert 

  

Ende des 18. Jahrhunderts fand der Crottendorfer Marmor beim Bau der fürstlichen Begräbniskapelle in  Altzella bei Nossen Verwendung (10026, Loc. 00354/04 sowie 10036, Loc. 35590, Rep. 08, Nr. 0011). Der Bildhauer Johann Gottlieb Gäbert aus Wildenfels gilt als Schöpfer dieses Grabmals. In den Akten haben wir den folgenden Auszug aus dem Bauvertrag mit J. G. Gäbert finden können (30016, Nr. 1943):

Extract
aus dem über Errichtung des Monuments
zu Altenzella, von dem Bildhauer Gäbert,
unterm 25ten July 1789 geschlossenen Pacht-
Contracts.

Das Monument wird nach der gnädigst genehmigten Zeichnung, und zwar die Säulenschäfte vom Fußgesimse bis an das Capitäl aus ganzen Stücken schwarzen Marmors, die Inscriptions- Tafeln aus mehr nicht als zwey Stücken, die halbgetheilt genau wieder aufeinander paßen, die Architrav und Corniche des Hauptgebälkes von dergleichen schwarzen Marmor, die Capitäler der Säulen, die Fußgesimse und der Fries von Crottendorfer weißen Marmor, die Friese und die Tafeln, die Würfel unter den Säulen und die Zacken auf dem Hauptgebälk von Brocatell, die Todtenköpfe an letzteren aber von weißen Marmor, die Zacken zwischen den Würfeln oder Postamenten der Säulen von grauem und weißem, desgleichen der obere Aufsatz mit der Schlange von grauem und weißem, die Bande mit den Übergängen aber von schwarzem Marmor, wie die Übergänge polirt, das übrige matt gelaßen wird, gefertiget, die Wappen in den Frontons werden en bas relief nebst den übrigen Verzierungen gearbeitet und zum Theil vergoldet, keine Inschriften aber nicht eingehauen, sondern nur die Zirbellöcher zu deren anzusetzenden metallenen Buchstaben gemacht.

Diese gesammte Arbeit incl. aller Brecher und Fußlöcher bis zur Werkstadt, die Emballage der einzelnen Stücken, wie jedoch die Kästen vom ganzen Transport wieder mit zurückgebracht werden sollen, incl. der Mitsendung eines geübten Gesellens, der die Verpackung besorgt und auf die Fußleute unter Weges Acht hat, ferner die Versetzung des Monuments, wozu jedoch die nöthigen Männer und Handlanger nebst erforderl. Eisen Werk gegeben werden, ist obgedachten Herrn Gäbert überhaupt für die Summe von

Viertausend Thaler

verdungen worden.

Gäbert starb jedoch 1799 und erst sein Nachfolger, Dominicus Joseph Hermann richtete das Grabmal in Altzella bis 1802 tatsächlich auf. J. Herrmann hatte offenbar Probleme, an das benötigte Material aus Crottendorf zu gelangen und berichtete darüber 1801 (30016, Nr. 1943):

An ein hohes Geheimes Finanz Collegium,
Unterthänigste Anzeige.

Da bey Versetzung des Monuments in der fürstl. Begräbnis- Capelle zu Altenzella die Arbeit bereits dahin gediehen, dass es nunmehro um so nothwendiger wird, daß die zu diesem Monument erforderliche Kuppel in dem Marmorbruche zu Crottendorf (bald) möglichst aufgearbeitet werde, in so ferne ich mit diesen Arbeiten continuieren soll; so unternahm ich drum in dieser Hinsicht unterm 26ten vorigen Monats von Wildenfels aus eine Reise über Crottendorf, um in dem dasigen Marmorbruche die nunmehro äußerst nöthigen Arbeiten zu veranstalten; alleine da der ganze Bruch dermaaßen von Waßer angefüllet, daß es unmöglich war, Arbeiten darinnen anzulegen, sahe ich mich genöthiget, unverrichteter Sache wiederum zurückzufahren.

So wie nun aber das in gedachten Bruche befindliche Waßer, in Ermangelung der Gelegenheit einiger anzubringenden Abzüge, sich unmöglich versickern dürfte, sondern diese Steine über kurz oder lang mittelst Anlegung einer oder mehrerer Stein- Haspeln durch Erbauung einer Brücke herausgezogen werden muß; als(o) habe (ich) solches einem hohen Geheimen Finanz Collegio hierdurch unterthänigst fürstellen, und zugleich auf dem Fall, wenn ich mit meinen Arbeiten continuieren soll, dafür submit fest antragen wollen, wegen Erbauung einer Brücke über gedachten Marmorbruche zu Crottendorf und Anlegung ein oder mehrerer Haspeln auf selbiger, des fördersamsten an das Amt Schwarzenberg gemeßenste Verfügung gelangen zu laßen.  

Dresden, am 6ten October 1801.
Joseph Herrmann, Bildhauer.

Die Finanzbehörde verwies Herrmann's Ansinnen wunschgemäß an das zuständige Amt Schwarzenberg und diesem wurde aufgegeben, „sich in den Bruch zu Crottendorf führen zu laßen, und sodann einer… Local- Inspection beyzuwohnen.“

Daraufhin wurde wahrscheinlich um 1802 auch mit dem Bau eines Wasserlösestollens vom nordöstlichen Hang des Kalkberges aus begonnen. Bis dieser dem Steinbruch aber Wasserlösung verschaffen konnte, mußte das Wasser aus dem Bruch mit Handpumpen gehoben werden.

Die dadurch verursachten Mehrkosten für die Gewinnung des Marmors, die sich auf 10 Thaler und vier Rohrstämme beliefen, sowie für die Errichtung der Haspelbrücke zum Herausziehen der Werksteinblöcke in Höhe von 50 Thalern und 20 Stämmen, wollte J. Hermann freilich nicht zusätzlich tragen. Ein langer Schriftverkehr zwischen den Herren Joseph Hermann, dazumal Rittmeister und Rentamtsverwalter in Schwarzenberg, Christian Ludwig von Gutbier, Cammerherr, sowie Oberforst- und Wildmeister Gottlob Heinrich von Lindenau füllt daraufhin die Akten, bevor diese Kosten tatsächlich von der fürstlichen Kasse übernommen wurden und die benötigten Werksteine tatsächlich gebrochen und nach Altzella transportiert werden konnten...

Am Rande erfahren wir aus diesen Akten aber auch noch, daß zu dieser Zeit Johann Friedrich Berger aus Crottendorf als Kalkbrenner auf dem Kalkberg tätig war (30016, Nr. 1943).

 

Ein interessantes Kapitel und umfangreiche Untersuchungen löste der Bildhauer Christian August Hesse aus Crottendorf noch einmal aus. Dieser ersuchte 1803 zunächst beim Kreisamt Schwarzenberg (30016, Nr. 1944) um Konzession zur Benutzung der weißen und bunten Marmorbrüche bei Crottendorf und Wildenfels. Hesse wollte in Crottendorf eine Marmorfabrik mit einem Schneidwerk errichten und dort auch Marmor aus dem roten Bruch am Schießhaus bei Wildenfels verarbeiten. In Ermangelung eigenen Kapitals brauchte er dazu Vorschuß und hoffte auf fiskalische Unterstützung.

Allerdings kam es sofort zu Widerspruch, sahen doch die hier angestellten Steinmetze und Steinbrucharbeiter eine Fabrik nicht ganz unberechtigt als Konkurrenz an. Der Marmorarbeiter Traugott Friedrich Hesse zu Crottendorf (...ist die Gleichheit des Familiennamens nur Zufall ?) wurde beim Justizamt in Grünhain dazu vorstellig (30011, Nr. 546).

Nachdem Christian August Hesse auch beim Finanzamt in Dresden um die Konzession zur Anlegung einer Marmorfabrik beim Roten Bruch in Wildenfels und eines Schneidwerkes beim Weißen Bruch in Crottendorf nachgesucht hatte (10036, Loc. 35930, Rep. 08, Nr. 0015); dieses aber das fehlende Kapital beim Antragsteller konstatiert hatte, beauftragte man eine Kommission mit einer Begutachtung der Aussichten des Unternehmens, bevor man sich über finanzielle Hilfe entscheiden wolle. Die Berichte dieser Kommission sind erhalten geblieben und geben uns Auskunft über den Zustand des Crottendorfer Werkes im Jahr 1805 (40001, Nr. 2984).

In ihrem Bericht aus dem Jahre 1805 äußerten sich der Oberbergrat Sigismund August Wolfgang von Herder, der Schneeberger Bergmeister Johann Carl Schütz und der Annaberger Bergmeister Bergner über die geologischen Verhältnisse der Crottendorfer Lagerstätte wie folgt: Der Marmorbruch zu Crottendorf... ist in dem von Crottendorf gegen Abend sanft ansteigenden sogenannten Kalkberge, eine Viertelstunde von den obern Güthern Crottendorfs gegen Mittag (Süden) in Churfürstlicher Waldung befindlich und das dasige Marmorlager aller Wahrscheinlichkeit nach ein im Gneuse befindlicher, liegender Stock, welcher sich meist mit 70° bis 80° in Morgen verflacht, St. 1 streicht und deßen Mächtigkeit auf 50 Lachter, deßen Längen- Ausdehnung aber auf 120 Lachter ohngefähr anzunehmen seyn möchten.

Das Lager ist nicht durchaus, am meisten aber an der Morgen- Seite geschichtet, auch von zufälliger, mit der Schichtung über das Winkelkreuz laufende Klüfte durchsetzt, indeßen sind doch die Schichten ud die durch die zufälligen Klüfte abgetheilten Masern mehrertheils so stark und groß ...daß die größten Werkstücke zu Statuen, Monumenten usw. hierselbst gebrochen werden. Übrigens ist es ein körniger Kalkstein von gräulichweißer Farbe, bisweilen mit rauchgrauen Streifen und rötlichen Flecken durchzogen, so daß nach der Bestimmung sowohl bunte als auch einfarbige Stücken ausgehoben werden können.

Auf diesem so ansehnlichen Kalksteinlager ist seit langen Zeiten auf fünf verschiedenen Punkten steinbruchweise niedergegangen und auf jeder Lagerung so lange gearbeitet worden, als es die sich sammelnden Wasser verstattet haben. Der gegenwärtig belegte Bruch befindet sich an der Abend- Seite (im Westen) mit einer Länge und Breite ohngefähr 15 Lachter (also gerade einmal rund 30 m im Quadrat) und werden in diesem Bruche nicht nur von den Marmor- Arbeitern die Regal- Stücke*) ausgehoben und per Kubic- Elle mit 12 Groschen bezahlt, sondern auch von dem Pächter des Churfürstlichen Kalkofens, dem Besitzer der ehemaligen Glashütte zu Crottendorf, Herrn Walther'n, welcher für den Brand 42 Reichsthaler entrichtet, die Kalksteine zum Brennen gewonnen.

*) Der Kalksteinabbau unterlag eigentlich nicht dem Regalrecht, wie der Erzbergbau auf Silber und andere Edelmetalle. Dagegen erfolgte der Marmorabbau aber in erster Linie zum Nutzen des Fürstenhauses. Als „Regalstücke“ wurden daher die für Bildhauerarbeiten tauglichen Blöcke bezeichnet.

Um diesen Kalkbruch für die Zukunft in Hinsicht der Benutzung sicher zu stellen und besonders um die tiefere Erbauung und den Abfluß der Wasser möglich zu machen, steht bereits ...der sogenannte Kalksteinbruch- Stollen in Umtrieb, welcher nach erfolgtem Einkommen unter der Sohle des Bruches ohngefähr noch 5 bis 6 Lachter, überhaupt aber vom Rasen hinweg 10 7/8 Lachter (also insgesamt knapp 22 m) Teufe einbringen wird und deßen Ort nur noch 25 Lachter vor dem Seigerpunkte der tiefsten Sohle im Bruche zurücksteht.

Dieser meist St. 12,1 (etwa 182° SSW) vom Mundloch gegen Mittag bereits 120 Lachter fortgebrachte Stolln steht vom Mundloch weg in völligem Gneus, in den letzten 7 ½ Lachter aber in Kalkstein, welcher vermuthlich zu dem liegenden Stocke gehört, auf welchem sich der Bruch befindet. Der vor Ort gebrochene Kalkstein ist zwar vorjetzt zu Arbeiten, welche Politur verlangen, nicht tauglich, doch darf mans hoffen, daß sich derselbe in dieser Hinsicht in eben dem Verhältniß verbeßern werden, je mehr man sich dem Bruche selbst nähern wird.

Der Stollen ist in den Anlagen der Bergschadenkundlichen Analyse für Crottendorf dargestellt. Er setzte südlich des Feuerlöschteiches auf einem Höhenniveau von +774 m an und verlief relativ geradlinig nach Südsüdwest bis zum Kalksteinbruch. Das talseitige Mundloch war schon 1983, als die BSA erstellt wurde, nicht mehr aufzufinden. Vermutlich hatte man den Ablaufgraben schon früher verrohrt. Etwa 75 m vom Mundloch entfernt befand sich ein zirka 7 m tiefes Lichtloch, das in der BSA als Einstiegsschacht bezeichnet ist.

Das Mundloch im damaligen Tagebau ist auf einem Riß aus dem Jahr 1862 dargestellt. Im Steinbruch hatte man außerdem ein Wasserlösungs- Überhauen aufgefahren, da die Tagebausohle ursprünglich noch höher gelegen hat. Mit dem neuzeitlichen Abbau auf der +773- und auf der +764-m-Sohle ist dieses Überhauen verbrochen und schließlich ganz überfahren worden (BSA Crottendorf).

Ein Vierteljahr später besuchte noch eine zweite Kommission, der nun auch noch der Professor für Mineralogie an der Bergakademie, Abhraham Gottlob Werner angehörte, die in Rede stehenden Steinbrüche, um die Vorschläge Hesse's nachzuprüfen. In ihrem Bericht aus dem Jahr 1806 lehnte auch die zweite Komission die Errichtung eines Schneide- und Polierwerkes in Crottendorf ab, denn ihre Besichtigung habe ergeben, daß das nöthige Gefälle bey dem (Crottendorfer) Bruch nur durch beträchtliche Grabenführung heauszubringen sey, und solcher nicht hinlängliche, wenigstens nicht permanente Aufschlagwasser geben würde, da ferner, in Rücksicht, daß auch Kalkgrüner Marmor mit verarbeitet werden soll, solcher vorerst in rohen Blöcken nach Crottendorf geschafft und dann zum Debit wieder erneut transportirt werden müßte.“ (Beierlein, 1963)

Ein solches Werk sei gar nicht grundsätzlich abzulehnen, könne es doch durchaus die sächsischen Marmorbrüche wieder rentabel machen, jedoch sei die Wahl des Standortes in Crottendorf ungeeignet. So blieb auch Hesse's Versuch einer neuen Belebung der Werksteingewinnung in Crottendorf nur eine Episode in der Geschichte.

  


Die Crottendorfer Kirche wirkt mit ihrem Torbau und der Umfassungsmauer recht trutzig und erinnert an eine Wehrkirche, wie man sie noch an anderen Orten im Erzgebirge findet. Die Kirche wurde nach dem Dreißigjährigen Krieg umgebaut und erweitert und erscheint mit ihren spitzen Zwiebeltürmchen eher barock.
 

Gleich links am Tor in der Umfassungsmauer findet man auch einige Blöcke des Crottendorfer Marmors im Mauerwerk.
 

Hinter der Mauer entdeckt man diesen Gedenkstein.
  

Die Widmung im etwas ergrauten Marmor lautet:

Dem
guten Sohne
Friedrich Wilhelm
Heße
starb im 21. Jahre seines
Lebens
den 13. Januar 1810
deßen Hülle ruhet
hier“

   


Der Innenraum ist in schlichtem Weiß gehalten und mit farbig bemalten und teilweise vergoldeten Schnitzarbeiten ausgestattet.

Hinter dem Altar befinden sich auch zwei Epitaphe der  Oberforstmeisterfamilie Eberwein aus
Kretzscham- Rothensehma.

 


Faszinierend ist die wunderbar restaurierte, freitragende Kassettendecke. Sie ist dem Umstand zu verdanken, daß Crottendorf zeitweilig Amtssitz war und daß sich hier auch die Königliche Forstverwaltung befand. Da die Fürsten in den Staatswäldern oberhalb von Crottendorf gern zur Jagd gingen, fiel sicher auch so mancher Thaler und der eine oder andere Fuder gutes Bauholz für die Crottendorfer Kirche ab...

 


Links vor dem Altar steht ein schneeweißer Taufstein ‒ natürlich aus dem Crottendorfer Marmor gefertigt ‒ und, wie die Kirche selbst auch, in den letzten 20 Jahren sorgfältig restauriert.
 

Der Taufstein wurde zum dreihundertjährigen Jubiläum der Reformation am 31. Oktober 1839 gestiftet. Ob er auch von einem Mitglied der Bildhauerfamilie Hesse angefertigt wurde, ist uns noch unbekannt.

Was noch alles für Kunstwerke unter Verwendung von Crottendorfer Marmor gefertigt wurden, haben wir in unserem Beitrag zum Kalkbergbau bei  Wildenfels einmal vorgestellt.

 

August Schumann schrieb 1818 im Staats-, Post- und Zeitungslexikon von Sachsen den Kalkabbau betreffend: „Bei Krottendorf sind die berühmten königlichen Marmor- und Kaltbrüche, die im Jahre 1573 David Hirschfelder, ein Ausländer, zuerst entdeckte, und der bekannte italienische Baumeister, Joh. Maria Nosseni, in den Jahren 1588 und 1593 zuerst zu Gebäuden benutzte. Beide ließ Kurfürst August auf Spekulationen das Land bereisen, den erstern, um Marmor, Alabaster, Gyps und Kalkbrüche, den letztern, um Edelsteine aufzusuchen...

Anmerkung: Wieder ein neuer Name: Über den hier von Schumann genannten Ausländer David Hirschfelder haben wir bislang genauso wenig herausfinden können, wie über den früher von Pfarrer Lehmann als Entdecker angeführten Hütten- Wirth Leonhard Schmied.

Das hiesige Flötzgebirge, wo Marmor bricht, erstreckt sich etwa 3 Meilen weit von hier bis in die Gegend von Grünhain, ist aber sehr verschieden in Hinsicht der Dauer, Schönheit und Mächtigkeit des Marmors. Der weißeste, mit milchweißen, blauen, grauen, und grünlichen Adern bricht bei Bährenloh, aber leider nur in kleinern Stücken, die unbrauchbar zu größern Monumenten sind, denn die Marmorlagen enthalten immer nur 1 Elle in der Breite, und sind häufig mit Klüften durchschnitten. Diese Sorte muß daher größtentheils zu Kalk verbrannt werden, von dem man jährlich an 1000 Fässer nach Böhmen verfährt. Der bei Krottendorf fallende Marmor ist zwar nicht so weiß, wie der Bärenloher, aber ebenso geädert, feiner im Korn und härter; auch bricht er in weit größern Stücken.

Die Brüche sind meistens 40 Fuß tief, bisweilen auch noch tiefer. Der Marmor wird auf Kosten des Bildhauers gewonnen, der für die vom Erbrichter abgemessene Quadrat- Elle 12 Gr. in's Rentamt Schwarzenberg zahlen muß, und die Quadrat- Elle einen Zoll stark fein polirt in Platten zu 4 Thalern liefert. Jetzt arbeiten gewöhnlich 4 Bildhauer und Steinmetzger hier, welche aber oft Gehülfen nöthig haben.

Seit dem Jahre 1822 läßt die Regierung einen Stollen treiben, um die Wässer, die den Brüchen Nachtheil bringen, leichter abzuleiten.

Anmerkung: Nach dem oben schon zitierten Bericht der bergamtlichen Kommission aus dem Jahr 1805 stand dieser Stollen dazumal längst in Umtrieb und hatte schon rund 120 Lachter Länge erreicht. Die Jahresangabe Schumanns ...seit dem Jahre 1822“ steht dazu im Widerspruch. Auch die Autoren der Bergbaumonographie halten im historischen Abriß zum Werk fest, daß mit dem Stollnbau schon 1802 begonnen wurde.

Den Abgang bei den Marmorarbeiten und die kleinern Stücke verbrennt man zu Kalk. Auch werden für den hiesigen königlichen Kalköfen immer die nöthigen Steine durch Steinmetzger, die nach Art der Bergleute arbeiten, gebrochen oder gesprengt. Man brennt hier jährlich über 1500 Fässer Kalk. Die Aufsicht über die Brüche haben das Rentamt und Forstamt zu Schwarzenberg, weil die Brüche so wie der Ofen, in den königl. Waldungen sich befinden…“ 

Zur gleichen Zeit nennt A. Schumann für Oberscheibe eine Produktionsmenge von einigen tausend Fässern Kalk. Mit über 1.500 Faß war Crottendorf also Anfang des 19. Jahrhunderts hinsichtlich der Branntkalkproduktion ein durchaus vergleichbarer Standort.

  


Auf dem 1836 gedruckten Blatt 20 des Oberreit'schen Atlas des Königreiches Sachsen sind „Marmorbrüche und Kalkwerk“ südlich von Crottendorf eingetragen.

  


Eine historische Ansicht vom Crottendorfer Marmorbruch, Lithographie, gezeichnet von Act Ranjie, gestochen von F. Kretzschmann um 1840. Die Zeichnung zeigt uns einen recht hohen, sechseckigen Schachtofen, wohl schon vom Typ der Rumford- Öfen, wie sie auch im fiskalischen Kalkwerk in Lengefeld gebaut wurden. Dagegen erscheinen die an die Bruchwände gelehnten „Steigbäume“ geradezu vorsintflutlich...
Bildquelle: Sächsische Landes- und Universitätsbibliothek Dresden.

Link zur Originaldatei http://www.deutschefotothek.de/documents/obj/90063731

  


Das Blatt 27 der großformatigen Karte von Sachsen, welche 1865 entstand, verzeichnet nur ein „Kalkwerk“ südlich von Crottendorf.

  

Die historische Darstellung oben zeigt einen sehr ungeordneten Tagebau, was wohl auf die selektive Gewinnung der für Bildhauerarbeiten geeigneten Blöcke zurückzuführen ist.

Auch Albert Schiffner erwähnt den Marmorabbau bei Crottendorf in seiner 1845 bereits in zweiter Auflage erschienenen Beschreibung der sächsischen und ernestinischen Lande noch: Wetzsteine liefern Frankenthal und Mulda, Serpentinwaaren (als der fast einzige Ort auf Erden) Zöblitz, Marmorsachen (fabrikmäßig) Crottendorf, Dresden und Wildenfels. Dagegen ist die einzige Marmormühle Sachsens, bei Kalkgrün längst eingegangen.(S. 88f) Weiter werden sie auch aufgeführt in einem Abschnitt über Die Nutzung des Staates von dem Berg- und Hüttenwesen, wo man liest: „...die Marmor- und Kalkbrüche bei Crottendorf und Scheibenberg, Wildenfels, Hermsdorf, Zaunhaus u. a. O.“ (S. 137) Schließlich heißt es bei Schiffner noch unter der Beschreibung des Amtsdorfes Crottendorf, man „baut seit 260 Jahren am Kalkberge in Süden guten weißen Marmor bergmännisch ab, brennt ihn meist zu Kalk, liefert aber auch im Orte Kunstsachen daraus, z. B. das auf die Hungersnoth 1817 hier gesetzte Denkmal. Im Stadthause zu Amsterdam sind 6.000 Ctr. hiesigen Marmors verbaut...“

Bis ins 19. Jahrhundert hinein behielt der Marmorabbau in Crottendorf jedenfalls noch gewisse Bedeutung, wovon auch eine Besichtigung des Bruches durch König Friedrich August II. (*1797, †1854) im Beisein des inzwischen zum Oberberghauptmann berufenen Sigismund August Wolfgang Freiherr von Herder im Jahre 1829 zeugt. In der Ausgabe des Kalenders für den sächsischen Berg- und Hüttenmann auf das Jahr 1831 wird im Abschnitt XXVII. Wichtige Ereignisse und Gegenwart hoher Fremden in den Bergstädten im Jahre 1829 (S. 191) dazu notiert, daß Se. Königl. Hoheit, Prinz Friedrich August, Herzog zu Sachsen etc., in Begleitung Sr. Excellenz des Herrn Oberhofmeisters Geheimeraths von Minckwitz, des Herrn Oberberghauptmanns Freyherrn von Herder, und des Herrn Adjutanten Obersten von Cerrini, – sowie mehrerer derjenigen Herren Beamten und Officianten, durch deren District die Reise genommen wurde, – einen großen Theil des Erzgebirges und Voigtlandes mit Höchstdero Gegenwart beglückt habe.

Die Reise begann am 29. Juni in Freiberg und führte über Sayda und Olbernhau nach Zöblitz, „wo die Serpentinsteinbrüche und Drehereyen von Höchstdemselben besucht wurden“ und weiter nach Marienberg. Von dort aus gelangte man über Wolkenstein, Ehrenfriedersdorf, Geyer und Wiesenbad nach Annaberg, wobei „die Naturschönheiten sowohl, als auch besonders der Bergbau in seinen verschiedenen hier vorkommenden Verzweigungen Gegenstände der Aufmerksamkeit Sr. Königl. Hoheit waren. Schließlich wurde die Reise nach Wiesenthal fortgesetzt, wo man am 4. Juli den Fichtelberg erklomm und daraufhin „über die Crottendorfer Kalkbrüche nach Scheibenberg und weiter über Raschau nach dem Grauler Gebirge sich begab.“ Die Reise führte noch bis zum 8. Juli durch verschiedene Orte, dieser Bericht sagt uns aber nichts weiter über den Kalkbergbau in Crottendorf.

Einen etwas ausführlicheren Bericht über den Aufenthalt der Hoheiten in Crottendorf haben dafür die Heimatfreunde in einer zwischen 1827 und 1833 erschienenen Wochenzeitschrift namens „Die Biene“ gefunden (Crottendorfer Anzeiger, Nr. 9, 2015), den wir an dieser Stelle nicht vorenthalten wollen: „Nachdem Sr. Königl. Hoheit in Wiesenthal übernachtet und den 4. Juli früh die Höhe des Fichtelberges erstiegen, kamen HöchstDieselben zu Pferde auf einem durch den Wald führenden geraden Wege gegen 11 Uhr Vormittags auf dem Königl. Marmorbruche und Kalkofen bei Crottendorf an, stiegen allda vom Pferde, besahen beide mit der größten Aufmerksamkeit und setzten sodann die Reise nach Crottendorf weiter fort. Bei dem Kalkofen waren Ehrenpforten erbaut, bei welchen ein Kommando Crottendorfer Freischützen Wache hielten, auch ein Frühstück war für Sr. Königl. Hoheit bereitet worden, welches aber HöchstDieselben nicht annahmen. Sobald Sr. Königl. Hoheit die Crottendorfer Fluren berührten, verkündigten Signale durch Pöller die nahe Ankunft des allgeliebten Prinzen Crottendorfs Bewohnern. Bei der Ankunft in Crottendorf wurden Sr. Königl. Hoheit von deren Parade aufgestellten Crottendorfer Schützen- Kompagnie mit fliegender Fahne und klingendem Spiele begrüßt, ...

Hierauf begaben HöchstDieselben sich zuerst in die Werkstätte des Bildhauers Hrn. Hesse. HöchstDenselben wurde hier gezeigt, wie der Marmorstein von roher Wurzel an bis zum schönsten Monument zugerichtet und bearbeitet wird, was nicht nur von Sr. Königl. Hoheit mit der größten Aufmerksamkeit betrachtet wurde, sondern HöchstDieselben besprachen sich über diesen Gegenstand mit Hrn. Hesse mit der herablassendsten Huld. Von da erhoben HöchstDieselben sich auch in die Wohnstube Hrn. Hesse’s, um die daselbst aufgestellten fertigen Marmorarbeiten in Augenschein zu nehmen...

Sämmtlich aufgestellte fertige Arbeiten vom Kleinsten bis zum Größten sowohl, als auch die verschiedenen Gattungen von Crottendorfer Marmor, welche als rohes Produkt und bearbeitet hier befindlich waren, wurden von Sr. Königl. Hoheit sorgfältig ins Auge gefaßt und besonders als vaterländische Erzeugnisse mit dem größten Wohlgefallen bemerkt.

Nebenbei fällt uns in diesem Reisebericht auf, daß die Steinmetz- Familie Hesse offenbar trotz des Mißerfolges bei der Finanzierung einer neuen Marmor- Schneidemühle Anfang des 19. Jahrhunderts weiterhin in Crottendorf ansässig geblieben ist.

Noch in den 1920er Jahren war in Crottendorf der Steinmetz Richard Hesse tätig (Crottendorfer Anzeiger, Nr. 10, 2005).

Zu dieser Zeit waren etwa 20 Steinbrecher im Bruch beschäftigt. Der Vertrieb des Marmors erfolgte über mehrere Verkaufslager, die sich in den größeren Städten Sachsens befanden (wikipedia).

  


An einen Besuch im Jahre 1907 durch Friedrich August III. (*1865, †1932), von 1904 bis 1918 der letzte König von Sachsen, erinnerte einst ein Gedenkstein - selbstverständlich aus dem weißen Marmor gefertigt - an seinem Rastplatz. Der Stein ist leider verlorengegangen. Bildquelle: Sammlung der Ortschronisten Crottendorf.

  

Wie sehr die Marmorindustrie aber schon Anfang des 19. Jahrhunderts darniederlag, geht aus einem Bericht des Schwarzenberger Amtes vom 31. Mai 1806 hervor. Demnach wurde aus dem Marmorverkauf in Crottendorf gerade einmal ein Nutzen von 3 bis 6 Thalern jährlich gezogen. Dagegen fänden im Durchschnitt der Jahre 11 Brände statt und aus diesen gewöhnlichen Kalknutzungen“ ‒ ohne die Holzbezahlung allerdings ‒ gewänne man 465 Reichsthaler und 10 Groschen. Bei 17 Bränden im Jahr stieg der Nutzen auf über 719 Thaler. Bei diesem Verhältnis ist einleuchtend, daß niemand mehr an der Gewinnung von Werk- und Dekorationssteinen Interesse zeigte. Vielmehr betont der Amtmann aber, „daß der Kalk zum Bau und zur Düngung der Felder in hiesiger Gegend durchaus nicht zu entbehren ist. Es ist also der Kalk die Hauptnutzung und die Marmornutzung bloße Nebensache...“

Als im Frühjahr 1806 auch der Dresdner Hofbildhauer Franz Pettrich um Überlassung eines Teils des Crottendorfer Bruches zur Gewinnung von Bildhauer- Marmor ersuchte, wurde ihm dies nur unter der Bedingung gewährt, „daß er beim Brechen des Marmors die Kalkbrennerei nicht störe...“ ( !! ) Daher entschied sich auch Pettrich gegen den Abbau und meinte, „daß der weiße Crottendorfer Marmor, da nur von diesem zu größeren statuarischen Kunstwerken bestimmten die Rede seyn könne, dem Carrarischen in Korn und Dichtheit zu weit nachstehe, als daß der erstere mit letzterem zu rivalisieren vermöge...“ (Beierlein, 1963)

Im historischen Abriß in der Bergbaumonographie (Hoth et al. 2010) steht zu lesen, daß 1818 nur noch vier (diese Angabe stimmt mit der von A. Schumann überein), 1830 dann nur noch zwei Bildhauer im Bruch arbeiteten. Stattdessen verfügte man 1846 schon über drei Brennöfen. Man hatte zwei kleinere, sogenannte „Flaschen-“ oder auch „Cylinder- Öfen“ errichtet.

Mit der „Administration“ der fiskalischen Kalkbrennereien in Crottendorf (und in Unterwiesenthal) war nach 1830 die Oberforstmeisterei Eibenstock beauftragt (30299, Nr. 247). Sie bildete die Grundstücksverwaltung (denn der Kalkberg war nie Rodeland, sondern stets königliche Waldung) und vertrat als solche den Kurfürsten und den sächsischen Staat. Die Aufsicht über die technischen Anlagen und die Sprengstoffverwendung wurde von der Amtshauptmannschaft Annaberg wahrgenommen (30041, Nr. 750 und 4071).

1855 wurde eine Straße „von Markersbach über das Hammerwerk Obermittweida nach dem fiskalischen Kalkofen bei Crottendorf“ gebaut, um den Absatz der Produkte in weiterem Umkreis zu erleichtern (30040, Nr. 3071).

  

Mit Verfügung vom 12. Januar 1861 hatte das Königlich Sächsische Finanzministerium in Dresden eine technische und wirtschaftliche Revision der unter dem Rentämtern Wolkenstein und Schwarzenberg stehenden fiskalischen Kalkwerke zu Lengenfeld und Heidelbach, zu Hammerunterwiesenthal, Crottendorf und Scheibenberg durch Bergbeamte angeordnet. Mit dieser Revision wurden der Oberkunstmeister Friedrich Wilhelm Schwamkrug und der Berggeschworene Adolph August Friedrich Thiele beauftragt, die dann auch mit Datum vom 2. August 1861 über die Ergebnisse ihrer Prüfung untertänigsten Bericht erstatteten (40001, Nr. 2985).

Die Verfasser entschuldigten sich zunächst, daß man dem hohen Auftrag ...infolge der im verflossenen Frühjahr langanhaltenden ungünstigen Witterung sowohl, als auch des Umstandes halber, die betreffenden Werke im vollen Betriebe zu finden“, erst ab dem 27. Mai nachkommen konnte. Abschnitt A. fehlt leider in dieser Akte; der Abschnitt B. des Berichtes befaßt sich dann mit den unter Schwarzenberger Verwaltung stehenden Kalkwerken. Dem Kapitel

IV. Das Kalkwerk zu Crottendorf.

können wir die folgenden Angaben entnehmen: Die Arbeiten beim Betrieb dieses Bruches erfolgten größtentheils“ im Gedinge. Man zahle gegenwärtig

  • 3 Thaler „für eine sechsellige Ruthe Kalkstein mit einem Inhalt von 54 Kubik-Ellen zu brechen, inklusive des Pulvers, des Gezähes, der Schmiedekosten und der sonstigen Schießmaterialien“ und

  • 2 Thaler für die Förderung aus dem Bruch bis zum Ofen, ferner

  • 2 Groschen für einen Kubik- Fuß Marmor zu brechen, wenn der gebrochene Körper 2 Kubik- Fuß“ oder

  • 2 Groschen, 4 Pfennige, wenn ein solches Werkstück 4 Kubik- Fuß enthält.

Außerdem wurden 1 Groschen, 6 Pfennige für einen Scheffel Kalk zu brennen“ bezahlt. Der Kalkmeister erhielt denselben Wochenlohn von 2 Thalern, 10 Groschen, wie in Hammerunterwiesenthal und Oberscheibe. Für den benötigten Brennstoff zahlte das Werk

  • 3 Thaler für den Klafter Scheitholz,

  • 1 Thaler, 10 Groschen für den Klafter Starkholz,

allerdings jeweils ohne noch hinzuzurechnende Fuhrlöhne. Inklusive der Fuhrlöhne beliefen sich die Kosten

  • für einen Scheffel böhmische Braunkohle auf 16 Groschen und

  • für 1.000 Stück Torfziegel auf 27 Groschen.

Für die Produkte dagegen erhält das Werk bezahlt:

  • 26 Groschen für den Scheffel groben Stückkalks (Branntkalks),

  • 22 Groschen für den Scheffel Düngekalk sowie

  •   8 Groschen für den Scheffel Kalkasche, ferner

  •   9 Groschen, 5 Pfennige für Marmorwerkstücke ab 2 Kubik- Fuß und

  • 10 Groschen, 5 Pfennige für Marmorwerkstücke mit mehr als 4 Kubik- Fuß.

Werden die Produkte auf Credit“ abgegeben, wurden zusätzlich 5 Pfennige Aufschlag berechnet. Außerdem wurde gegenüber den Revisoren von der Kalkwerksinspektion angegeben, „...daß die eingegangenen Bestellungen auf Marmor größtentheils in Folge zu großer Beschränktheit des Lagers bei Weitem nicht befriedigt werden könnten.“

Das Produktionsquantum betrug in den Jahren

 

Rohkalk

Branntkalk

Düngekalk

im Jahr 1859: 107 5/8 Ruthen, 5.746 Scheffel, 267 ½ Scheffel,
im Jahr 1860: 99 5/8 Ruthen, 5.064 Scheffel, 233 ½ Scheffel.

Die Gesamtförderung im Jahr 1860 lag also bei knapp 100 Ruthen zu 54 Kubikellen. Aus unserer Berechnung im Beitrag zu  Miltitz resultierte für 54 Kubik- Ellen ein Volumen von rund 9,81 m³ und mit Schüttdichten zwischen 0,96 t/m³ und 1,36 t/m³ eine Masse für eine fiskalische“ Ruthe Kalk zwischen 9,4 t und 13,3 t. Die für das Jahr 1860 in Crottendorf angegebene Gesamtförderung entspräche somit einer Menge zwischen etwa 940 und 1.330 Tonnen. Das ist die geringste Fördermenge unter den drei benachbarten fiskalischen Werken. Allerdings stand hier über mehrere Jahrhunderte auch die Werksteingewinnung im Vordergrund.

Bezüglich der Werksteinproduktion hielten die Revisoren noch fest, daß man im Jahr 1859 eine Menge von 62,1 Kubik- Fuß und 1860 von 70,6 Kubik- Fuß Bildhauermarmor verkauft habe. 70,6 Kubik- Fuß entsprachen gerade einmal etwa 1,6 m³ oder etwa 4 t Marmor. Der Reinertrag aus dem Marmorverkauf lag 1860 bei 18 Thalern, 7 Groschen, 6 Pfennigen.

Das Brennen des Kalkes erfolge in nur einem Ofen vom Rüdersdorfer Typ, der mit Scheit- und  Starkholz und Reisig befeuert wurde. Es seien aber noch die beiden Flaschenöfen“ aus älterer Zeit vorhanden.

Aus den Einnahmen und den Ausgaben für das Kalkbrennen errechneten die Revisoren einen Überschuß

  • für das Jahr 1859 von 1.007 Thalern, 27 Groschen, 9 Pfennigen und

  • für das Jahr 1860 von nur 695 Thalern, 14 Groschen, 4 Pfennigen.

Außerdem stellten sie fest, daß man pro Ruthe Rohkalkstein zwischen 50 und 53 Scheffel Branntkalk erzeugt habe. Dieses Ausbringen lag spürbar höher als im großen Nachbarwerk in Hammerunterwiesenthal, wo man nur zwischen 38 und 49 Scheffel Branntkalk aus der Ruthe Rohkalkstein erzeugte; sowie in Oberscheibe, wo man nur 44 bis 45 Scheffel pro Ruthe Rohkalk im Zylinderofen erzielte.

Im Durchschnitt der Gestehungskosten in Crottendorf wurde ein Reinertrag pro Scheffel Branntkalk von 4 bis 5 Groschen erzielt, welcher allerdings in genauso geringer Höhe lag, wie in Hammerunterwiesenthal.

Für den im Vergleich zu den fiskalischen Werken in Lengefeld und Heidelbach recht gering ausfallenden Reinertrag pro Scheffel Branntkalk haben die Autoren des Berichtes nur die Vermutung, daß der Scheffel Kalk nicht nach den gesetzlich vorgeschriebenen Maaßen“ gemessen werde (40001, Nr. 2985).

Über die weiteren unter dem Rentamte Schwarzenberg stehenden Kalkwerke  Unterwiesenthal (III) und  Oberscheibe (V) berichtete Herr Schwamkrug zusammen mit dem Berggeschworenen A. A. F. Thiele ebenfalls mit Datum vom 2 August 1861. Die Nummern I und II dieser Gutachten tragen die Berichte zu den unter dem Rentamt Wolkenstein stehenden Kalkwerke  Heidelbach (II) und  Neunzehnhain (I) .

  


Grund- und Saigerriß über das Fiskalische Kalkwerk zu Crottendorf, mit Rücksicht einer beabsichtigten Stollnanlage gefertigt im Monat Mai 1862 von Heinrich Moritz Reichelt, Markscheider zu Schwarzenberg. Bildquelle: Sächsisches Staatsarchiv, Hauptsstaatsarchiv Dresden, Bestand 12884 (Karten und Risse), Schr. 000, F. 130, Nr. 007a, Gesamtansicht, Norden ist links oben.

  


In diesem Ausschnitt aus ob
igem Riß sind der sechseckige Ofen vom Rüdersdorfer Typ sowie die beiden „Flaschenöfen“ neben der Rampe zur Ofengicht gut zu erkennen. Markscheider Reichelt benennt (rechts unten innerhalb der Bruchkonturen) den südöstlichen Teil des Tagebaus als „Fürstenbruch“ - sicher wurde zu dieser Zeit dort der wertvolle Bildhauermarmor gebrochen. Am nördlichen Bruchstoß hat er außerdem die „Einmündung des jetzigen Stollns“ eingetragen.

  

In den Akten der Amtshauptmannschaft Annaberg wird im Zusammenhang mit der Sprengstoffausgabe aus dem E. R. Schumann'schen Sprengmittellager am Scheibenberg im Jahr 1889 ein Herr Carl Brückner aus Beierfeld als Verwalter des Kalkwerkes in Crottendorf genannt. Fünf Jahre später,1894, wird als Verwalter des königlichen Kalkwerks in Crottendorf Herr Friedrich Groß genannt (30041, Nr. 5948).

Ende des 19. Jahrhunderts verlor die Lagerstätte jedoch endgültig ihre Bedeutung, besonders durch die Konkurrenz ausländischer Importe, so daß die Marmor- Blockgewinnung wegen Mangel an geeignetem Material schon 1884 und im Jahr 1900 auch noch die Branntkalkherstellung eingestellt werden mußte.

Die letzten Unterlagen zum fiskalischen Kalkabbau in Crottendorf führte zwischen 1900 und 1905 das Landesbergamt in Freiberg (40024-12, Nr. 56 und 57).

Die Ausgabe des Jahrbuchs für das Berg- und Hüttenwesen im Königreiche Sachsen des Jahres 1901 verrät uns noch, daß zu dieser Zeit die Administration des Fiskalischen Kalkwerkes Crottendorf an das Forstrentamt Annaberg übergeben war. Als Lokcalaufseher“ war auch nach dieser Quelle ein Herr F. Groß bestellt. Bereits im Folgejahr wird das Kalkwerk in der Auflistung der gewerblichen Gruben aber schon nicht mehr angeführt.

Zur Zeit der Einstellung des Gewinnungsbetriebes hatte der Tagebau eine Nord-Süd-Erstreckung von 120 m und eine Ost- West- Erstreckung von 80 m erreicht.

1920 wurde der letzte alte Kalkofen mit Stockholzfeuerung abgebrochen.

 


Auf dem 1875 gedruckten Blatt 147 der Äquidistantenkarten hat sich im Vergleich mit den rund 100 Jahre älteren Meilenblättern kaum etwas verändert.

  


Das fiskalische Kalkwerk auf einem Foto vom 24. August 1894. Hinter der Rampe im Bild links steht der sechseckige Brennofen, vermutlich der im Bericht oben erwähnte vom Typ der Rüdersdorfer Öfen. Ganz rechts im Bild der obere Rand des Tagebaus. Bildquelle: Sammlung O. Vogel (schlettau-crottendorf.de)

 


Auch auf diesem alten Foto sind die beiden hölzernen Förderbrücken zur Gichtbühne des Rumford- Ofens zu sehen. Bildquelle: Sammlung der Ortschronisten Crottendorf.

 


Ausschnitt aus dem Meßtischblatt von 1938. Steinbruch und Halde sind etwas deutlicher dargestellt, aber nun lautet die Bezeichnung nur noch „Waldhäuser am Kalkofen“.

  


Auf diesem Foto sind die Förderbrücken bereits verfallen oder abgerissen und der Brennofen ist somit bereits außer Betrieb gewesen. Bildquelle: Sammlung der Ortschronisten Crottendorf.

 


Der Kalkofen in Crottendorf auf einer Aufnahme vor seinem Abriß 1920. Bildquelle: Sammlung F. Schott (crottentaucher.de)

  

Auf dem Foto kann man im Hintergrund an dem an die Scheune angebauten Stallgebäude über dem Fenster ‒ leider halb durch die Wäschestange verdeckt ‒ das rechte Seitenteil der aus Marmor gefertigten Tafel mit einer Relief- Darstellung der Bärenführer- Sage erkennen. Diese Tafel muß schon um 1950 verschwunden gewesen sein. In der linken unteren Ecke des Bildes sieht man das Wasserhäuschen. (Informationen von Frau M. Schulze)

 

 
 
 

Zum Zweigwerk Crottendorf im VEB Obererzgebirgische Kalkwerke nach 1945

  

Eine Neuaufnahme des Abbaus und der Branntkalkherstellung wurde gleich nach dem 2. Weltkrieg im November 1946 ins Auge gefaßt (40064-1, Nr. 438). Das seit 1900 stilliegende Kalkwerk wurde zunächst der staatlichen  Industrieverwaltung 61 als Zweigbetrieb angegliedert. Erster Betriebsleiter wurde der frühere Kalkarbeiter Paul Greil.

Noch 1946 wurde eine Brecherei für die Schotterproduktion für den Straßenbau errichtet. Erst ab 5. April 1947 verfügte das Werk über einen Stromanschluß und nun konnte die Förderung wirklich aufgenommen werden. Der erste Waggon fuhr am 27. November 1947 von Crottendorf zum Zellstoffwerk Pirna. Später lieferte das Werk auch Rohkalk als Zuschlagstoff an das Stahlwerk in Riesa.

1948 waren 18 Arbeiter und 3 Angestellte im Werk beschäftigt.

Mit der Gründung der DDR 1949 wurde das Werk der VVB Steine und Erden unterstellt. Die technische Aufsicht führte die Bergbehörde Zwickau (40072, Nr. 766). Als Betriebsleiter war nun Herr Richard Seltmann tätig. Ab 1951 firmierte das Werk als VEB Marmorkalkbruch Crottendorf, war der örtlichen Industrie des Kreises Annaberg angegliedert und beschäftigte schon 43 Arbeiter.

Erste Probebohrungen im Umfeld des Tagebaus erfolgten in den Jahren 1952/1953. Sie waren bis zu 136 m tief, wobei man in 58 m Tiefe das Kalksteinlager erreichte. In diesem Bereich war der bauwürdige Marmor noch etwa 6,4 m mächtig. Vorratsberechnungen ergaben auf dieser Grundlage eine Menge von rund 4 Millionen Tonnen.

Daraufhin wurde 1953 auch der neue Schachtofen errichtet, so daß nun auch wieder Branntkalk hergestellt werden konnte. Neben dem Tagebaubetrieb begann auf der ersten Sohle der Untertageabbau.

 

Im Oktober 1954 wurden dann die bisher kreisgeleiteten Kalkwerke zum VEB Obererzgebirgische Kalkwerke zusammengelegt.

Der „Kallichbruch, wie ihn die Erzgebirger in Crottendorf nannten, bildete nun eine Betriebsabteilung des VEB Oberzgebirgische Kalkwerke mit dem Hauptsitz in Oberscheibe. Seit 1953 hatte die Funktion des Betriebsleiters in Crottendorf Herr Arthur Opitz übernommen.

Zwischen 1956 und 1957 erfolgten im Umfeld von Scheibenberg und Crottendorf weitere Bohrungen zur Erkundung der Kalksteinlager (40072, Nr. 227, 40131-1, Nr. 3).

Noch bis 1957 erfolgte die Förderung mittels Schrägaufzug und per Kipploren aus dem Tagebau zu den Verarbeitungsanlagen. Dazu bestand an der Nordostseite des Steinbruches eine Rampe bis auf die +773-m- Sohle. Von dort aus gelangte man über ein Fallort in südöstliche Richtung zu den ersten Tiefbauen auf der +763-m- Sohle.

Zur Beschickung des Brennofens hatte man von der Abraumhalde an der Westseite des Tagebaus aus eine Holzbrücke bis zur Gichtbühne errichtet.

1956 wurde dann ‒ wie in Oberscheibe auch ‒ ein Kabelkran mit 4 t Nutzlast errichtet. Damit konnte der gebrochene Kalkstein direkt zu den Silos für die Verladung des Rohkalks oder zu den Vorsilos der Brecheranlage gefördert werden.1958 vervollständigte noch eine Terrazzoanlage die Produktionsanlagen.

1959 wurden rund 30.000 t Kalk abgebaut.

   


Das Marmorkalkwerk Crottendorf Anfang der 1960er Jahre. Blick von Südosten nach Nordwesten. Die Kabelkrananlage überspannt den Tagebau und der neue Kalkofen ist bereits in Betrieb. Im Nordteil des Tagebaus steht die +773-m- Sohle noch in Abbau. Bildquelle: Sammlung F. Schott (crottentaucher.de)

   


Das Marmorkalkwerk Crottendorf Anfang der 1960er Jahre. Blick von Südosten auf die Tagebausohle. Auf der
+763-m-Sohle ist man zum Tagebaubetrieb übergegangen. Bildquelle: Sammlung F. Schott (crottentaucher.de)

  


Das Marmorkalkwerk Crottendorf Anfang der 1960er Jahre. Blick von Südosten auf die Tagebausohle. An der Bruchwand links im Bild ist die Treppe gut zu erkennen. Bildquelle: Sammlung F. Schott (crottentaucher.de)

   


Händische Verladung des Kalksteins auf der Tagebausohle. Bildquelle: Sammlung der Ortschronisten Crottendorf.

 


Mit solchen LKW vom Typ Škoda wurde der Kalkstein in den 1960er Jahren zum Oberen Bahnhof in Crottendorf gebracht. Foto: Familie Rüffer, Sammlung O. Vogel (schlettau-crottendorf.de)

  


Nach den Škoda- Fronthaubern kamen die bekannten G5- Drei- Achser (Foto), später auch Škoda- Frontlenker und W50 zum Einsatz, der speziellen Verladerampe am Crottendorfer Bahnhof wegen aber sämtlich Drei-Seiten-Kipper. Foto: S. Bergelt, 1969 (schlettau-crottendorf.de)

 

Die Verladung aller Erzeugnisse aus dem Kalkbruch erfolgte auf dem Oberen Bahnhof Crottendorf. Bis dorthin wurden alle Produkte zuerst mit Traktoren und Hängern, dann mittels LKW transportiert. Anschließend wurde der Rohkalkstein per Hand ( !! ) vom Lkw in offene Eisenbahnwaggons umgeschichtet. Wenn die Reichsbahn nicht genügend Waggons bereitstellen konnte, wurden die Steine einfach am Rand neben dem Gleis abgeladen und mußten später, wenn wieder Waggons da waren, nochmals umgeladen werden.

Auch nachdem 1953 wieder Kalk in Crottendorf gebrannt wurde, erfolgte die Verladung noch weiter mit der Schaufel von Hand in die Klappdeckelwagen, was körperlich schwerste Arbeit war und kein Dauerzustand bleiben konnte.

Daher wurde endlich 1959 und nun fast „über Nacht“ ‒ binnen nur weniger Tage ‒ eine zunächst noch komplett hölzerne Verladerampe am oberen Bahnhof gebaut. Nach und nach wurden die hölzernen Stützen später durch Eisenträger ersetzt. Auch eine Hoch- Silo- Anlage wurde errichtet. Die Bauteile dafür hatte man 1965 irgendwo anders abgebaut, wo sie nicht mehr benötigt wurden und per Eisenbahn nach Crottendorf gebracht. Das Schüttgut wurde unten vom Auto abgekippt, mittels Senkrechtförderer nach oben gebracht, dort mit einem Förderband in die Behälter verteilt. Unten wurde das Gut herausgelassen, fiel auf ein auf Förderband mit Waage und wurde dann, ebenfalls mittels Förderband, seitlich herausgebracht und fiel in den Waggon (Informationen von Herrn S. Bergelt).

Diese Verladeanlagen wurden auch von den anderen Zweigwerken des VEB Obererzgebirgische Kalkwerke noch bis Ende der 1980er Jahre mitbenutzt. In den 1960er und Anfang der 1970er Jahre fuhren von Crottendorf aus bis zu 300 Eisenbahnwaggons im Monat nach Schlettau, wo die Zweigstrecke Nr. 453 Anschluß an die Strecke Schwarzenberg ‒ Annaberg hatte. Der obere Bahnhof in Crottendorf war damit der größte Verladebahnhof des ganzen Kreises Annaberg (schlettau-crottendorf.de).

  


Der Bau der Verladerampe im Jahr 1959. Foto: Sammlung der Ortschronisten in Crottendorf.

 


Die fertige Laderampe im Jahr 1961. Foto: S. Bergelt (schlettau-crottendorf.de)

 


Die Waggons wurden gewöhnlich an Personenzüge angehängt, erst recht spät gab es auch ganze Güterzüge aus Crottendorf. Foto: Sammlung S. Bergelt, 1960er Jahre (schlettau-crottendorf.de)

  


Mittels Rollwagenzügen mit bis zu sieben Wagen wurden die gleichen Normalspur- Waggons mit der Schmalspurbahn auch zum Beladen nach Hammerunterwiesenthal gefahren. Im Bild ein Zug bei der Fahrt durch Neudorf. Foto: Sammlung S. Bergelt, 1967 (schlettau-crottendorf.de)

  


Hier sieht man einen LKW auf der Rampe in Crottendorf beim Abkippen seiner Ladung in den Eisenbahnwaggon.
Foto: S. Bergelt, 1965 (schlettau-crottendorf.de)

 


Die Beladung der offenen Güterwagen erfolgte über die hier im Foto abgesenkte Rutsche. Rechts einer der Klappdeckel- Waggons der Deutschen Reichsbahn, in denen auch loser Branntkalk transportiert wurde.
Foto: S. Bergelt, 1968 (schlettau-crottendorf.de)

 


Inzwischen hat die Rampe einen Unterbau aus Stahlträgern bekommen. Am Prinzip hatte sich aber bis 1974 nichts verändert: War vielleicht simpel, aber wirkungsvoll! Nach der Einstellung der Nebenstrecke von Schlettau nach Crottendorf nach 1990 wurden auch diese Verladeanlagen sämtlich abgerissen. Foto: S. Bergelt, 1974 (schlettau-crottendorf.de)

  


Im Bildvordergrund die ersten montierten Träger während des Aufbaus der Hochsiloanlage. Foto: S. Bergelt, 1965 (schlettau-crottendorf.de)

 


Ansicht des Oberen Bahnhofs in Crottendorf: Am linken Bildrand die Verladerampe für Stückkalk, in der Bildmitte die fertige Siloanlage für Kalkmehl und Branntkalk. Foto: S. Bergelt, 1968 (schlettau-crottendorf.de)

  


Die fertige Hochsiloanlage (links im Bild). An ihrem rechten Ende ist der klappbare Verladestutzen zu sehen. Zu dieser Zeit war der Marmorbruch in Crottendorf bereits außer Betrieb. Foto: S. Bergelt, 1977 (schlettau-crottendorf.de)

  


Übersicht über die Verladeanlagen im Jahr 1978. Foto: S. Bergelt (schlettau-crottendorf.de)

  

Anfang der sechziger Jahre schloß man von der 1. Sohle aus die etwa 10 m tiefer liegende 2. Tagebausohle (+763 m NN) auf. Die alten Tiefbaue auf dieser Sohle wurde dadurch komplett überfahren. Die Abbauleistung steigerte sich in den 1960er Jahren auf bis zu 40.000 Tonnen Rohstein pro Jahr.

Dem Betriebsplan für 1962 (40072, Nr. 768) haben wir die folgenden Angaben entnommen:

Über den Betriebsablauf des Vorjahres 1961 wurde berichtet, daß man trotz des Winterwetters im 1. Quartal den Plan mit 103,5% erfüllt habe. Ab April 1961 kam es aber „zu einer starken Verknappung des Waggonraums“, den die Reichsbahn bereitstellte. Daher konnte über das Gesamtjahr nur 87% Planerfüllung bei der Rohkalkförderung, immerhin aber 91,4% bei Branntkalk erreicht werden. Weil in Crottendorf keine Silos für Branntkalk vorhanden seien, entstand außerdem zusätzlicher Personalaufwand für Verladung sowie durch den unregelmäßigen Ofenbetrieb. Ferner wurde Terrazzo-Material gefördert, der Plan lag bei zirka 40 t pro Tag, um die Brech- und Mahlanlagen auszulasten.

Als Werkmeister war jetzt Herr F. Prager in Crottendorf angestellt, die Funktion des Übertagemeisters hatte Herr W. Fritzsch inne. Das Zweigwerk hatte 1961 außerdem

  • 34 Produktionsarbeiter,

  • 2 Technisches Personal,

  • 3 Betriebsschutz,

  • 4 Verladung,

  • 1 Küche

  • ss. also 44 Beschäftigte.

Alle Beschäftigten untertage waren mit Acetylen- Handgeleucht ausgestattet.

Zur weiteren Ausrichtung bemerkt man im Betriebsplan, das Lager sei zwar „in seiner Gesamtausdehnung annähernd bekannt, jedoch durch häufig auftretende Verwerfungen und mit Geröll gefüllte Klüfte gestört.“ Aus diesem Grund seien die Ausrichtungsarbeiten fortzuführen und es werde ab 1962 die Auffahrung der +751-m- Sohle vorgesehen.

Der Abbau selbst solle 1962 vorrangig auf der +763-m- Sohle und zunächst nach Südwesten fortgeführt werden und daher sei dort der Abraumschnitt nachzuziehen. Die Abraumbewegung werde wieder durch den VEB Tiefbau Karl-Marx-Stadt übernommen und mittels Löffelbagger durchgeführt.

Ein Betriebsplannachtrag verrät uns dann, daß man später auch in nördliche Richtung weiter abgebaut hat, womit die obere Tagebausohle (+773-m- Sohle) quasi gänzlich abgebaut wurde. In den folgenden Rissen sind die geplanten Abbauflächen im Tagebau schraffiert dargestellt.

Die Gewinnung erfolge auch 1962 noch „überwiegend im Tagebau“. Der Plan für 1962 sah einen Abbau im Tagebau von 15.875 m³ vor; die Gewinnung im Rahmen der Aus- und Vorrichtung für den Tiefbau werde dagegen voraussichtlich nur etwa 750 m³ umfassen, alles in allem werden also 16.625 m³ Abbau vorgesehen. Mit einer mittleren Dichte von 2,5 t/m³ ergab dies 41.562 t, weswegen der Plan für die Förderung im Jahr 1962 auf zirka 40.000 t festgesetzt wurde.

Für den Tiefbauaufschluß wurde zusätzlich zum Kabelkran eine Haspelanlage für die Förderung von der +751-m- Sohle zur +763-m- Sohle eingerichtet.

Übertage gewann man das Gestein durch hier als „Serien- Sprengungen“ bezeichnete Großbohrlochsprengungen“, nur gelegentlich würden noch Einzelbohrungen abgetan. Zum Nachzerkleinern setzte man Aufleger und Knapperschüsse“ ein.

Der Betriebsplan wurde mit Urkunde vom 26.3.1962 zugelassen.

Da für Terrazzo geeignetes (weißes) Material leider aber nur in einzelnen Zonen anstehe, wurden in dem oben schon erwähnten Nachtrag zum Betriebsplan zusätzliche Betriebsorte angezeigt.

Zur Erkundung sollte eine Untersuchungsstrecke auf der +763-m- Sohle nach Nordwesten getrieben werden, um die Ausdehnung und die Qualität des Lagers in dieser Richtung zu untersuchen. Sie solle zunächst im Profil 2,50 x 2,20 m vorgetrieben werden. Außerdem hatte man eine Förderstrecke auf der +763-m- Sohle nach Norden vorgesehen und von dieser aus einen Aufbruch zur +773-m- Sohle, quasi eine Rolle, für das im Tagebau selektiv abgebaute Material.

Auf der untersten Tagebausohle (+763-m- Sohle) lag auch die „Kübelgrube“ für die Beladung des Kabelkrans. Dessen Greifer wurde gewissermaßen in die Tagebausohle „eingetaucht“, so daß die Lader ihn ebenerdig befüllen konnten.

  


Grubenriß mit den Eintragungen der Planvorhaben für das Jahr 1962. Bildquelle: Sächsisches Staatsarchiv, Bergarchiv Freiberg, Bestand 40072 (Bergbehörde Zwickau), Nr. 768, Aktenbeilage Anlage zum Betriebsplan auf das Jahr 1962, Gesamtansicht. Man sieht, daß die schraffierte Fläche im Südwesten des Tagebaus die vorherigen Tiefbaue überfährt, diese Sohle wird also nun vollständig hereingewonnen. Die Kalkwerksanlagen sind leider auf diesem Blatt nicht enthalten.

   


Grubenriß mit den Eintragungen der Vorhaben des Betriebsplannachtrages im Jahr 1962. Bildquelle: Sächsisches Staatsarchiv, Bergarchiv Freiberg, Bestand 40072 (Bergbehörde Zwickau), Nr. 768, Aktenbeilage Anlage zum Betriebsplannachtrag aus dem Jahr 1962, Gesamtansich
t. In dieser etwas kontrastreicheren Kopie kann man im Südwesten außerdem gut zwei „Löcher“ erkennen, in denen offenbar schon früher kleinere Tagebaue in die Tiefe gegangen sind. Außerdem wird jetzt die bisherige 773-m- Sohle nach Norden im Niveau der +763-m- Sohle abgebaut werden (rote Schraffur).

  


Wir haben die beiden vorhandenen Risse übereinandergelegt und wie unsere Grafik aus demselben Betriebsplan für das Werk in Oberscheibe auch etwas nachbearbeitet. Schwarz: obere Tagebaukontur, blau: Tagebausohle und noch verbliebene Baue der +773-m- Sohle, rot: Tagebausohle und Baue der +763-m- Sohle, grün: geplante Tiefbaue der +751-m- Sohle, Stand 1961/1962. Die grün dargestellten, aus dem eigentlichen Betriebsplan übernommenen Streckenauffahrungen hatte man bis Oktober offenbar nicht geschafft (wenn das betriebliche Risswerk zu diesem Zeitpunkt bereits vollständig nachgetragen war) oder aus anderen Gründen verworfen; stattdessen wurde die Strecke auf der 2. Sohle (rot) nach Nordwesten geplant und dafür auch die Kübelgrube verlegt.

  


Das Kalkwerk Crottendorf, schon auf einem Dia-Film aufgenommen. Die Aufnahmen sind etwas verblichen, wir haben sie jedoch bewußt nicht nachbearbeitet, um ihre Authentizität zu bewahren. Die hohen Masten der Kabelkrananlage sind imponierend... Foto: S. Bergelt (schlettau-crottendorf.de)

  


Noch ein Blick über die Werksanlagen. Rechts im Hintergrund ist das auf einem Gittermast stehende, grün gestrichene Kranführerhäuschen zu sehen. Von dort aus war freie Sicht in den Bruch und auf die gesamte Länge des Kabelkranes. Wenn bei Nebel nichts zu sehen war, erfolgte eine Einweisung per Sprechfunk.
Foto: S. Bergelt (schlettau-crottendorf.de)

 

Wie uns Frau M. Schulze berichtete, wurde der Kabelkran übrigens von einer Kranführerin ‒ ihrer Schwester nämlich ‒ bedient. Die Laufkatze des Kranes wurde jeden Tag zum Schichtschluß zum linken Kranturm gefahren. Bevor es morgens wieder losgehen konnte, mußte die Kranführerin auch auf diesen Mast klettern, alles überprüfen und ölen. Im Winter, wenn alles vereist war, war das eine wirklich gefährliche Sache.

  


Der Blick vom Gittermast der Kabelkrananlage auf das Kalkwerk und den Tagebau (rechts unten im Bild). Am linken Bildrand sieht man die Laufkatze. Das wäre kein Arbeitsplatz für mich… Foto: Familie Rüffer, Sammlung O. Vogel (schlettau-crottendorf.de)

  


Dieses alte Foto ist leider etwas unscharf, zeigt aber gut, daß die Kranführerin nicht nur in der Höhe über der Erdoberfläche saß, sondern obendrein noch direkt am Rand des Tagebaus und in die Tiefe blickte... Blick von Norden nach Südosten. Bildquelle: Sammlung der Ortschronisten Crottendorf.

  


Eine weitere Ansicht der Kalkwerksanlagen in Cro
ttendorf. Die Abraumkante ist im Vordergrund zu sehen. Man erkennt, daß die ehemals geradeaus verlaufende Straße schon der Brucherweiterung zum Opfer gefallen ist. Die nach rechts gehende Behelfsstraße war bestenfalls ein breiter Weg, der bei Regen durch den Schlamm kaum passierbar war. Foto: S. Bergelt (schlettau-crottendorf.de)

  


Rechts im Vordergrund ist das 1963 eingeweihte Sozialgebäude zu sehen. Das Foto zeigt zwischen den Brecheranlagen und dem Sozialgebäude eine Halde mit Silo. Dort wurde der Kübel des Kabelkrans mit Abraum ausgekippt und ein Arbeiter füllte eine Lore und fuhr sie über die hohe Brücke, um sie auf der anderen Seite der Straße wieder abzukippen. Foto: S. Bergelt (schlettau-crottendorf.de)

  


Eine weitere Aufnahme des Sozialgebäudes aus den 1960er Jahren.
Bildquelle: Sammlung der Ortschronisten Crottendorf.

 


Ein Blick von Süden nach Nordwesten über den Steinbruch hinweg in den 1960er Jahren. Auf der Bruchsohle sind hier die Zugänge zu den Strecken der +763 m-Sohle zu erkennen. Bildquelle: Sammlung der Ortschronisten Crottendorf.

  


Etwa derselbe Blick in der Abendsonne. Bildquelle: Sammlung der Ortschronisten Crottendorf.

  


In dieser Ausschnittvergrößerung aus obiger Aufnahme sieht man einmal den Transportcontainer am Kran hängend zum Kalkwerk schweben.

 


Blick nach Norden auf den östlichen Stoß des Tagebaus, rechts wieder der Turm mit dem Führerstand des Kabelkranes. Bildquelle: Sammlung der Ortschronisten Crottendorf.

  


Blick nach Nordosten über die östliche Bruchwand hinweg, wo der zweite Mast der Kabelkrananlage stand. Dieser Mast besaß kein „Stützbein“ wie der andere (wo auch die Antriebsanlage des Kranes stand), sondern war nur mit Seilen verspannt. Im Hintergrund ist der Scheibenberg zu sehen. Bildquelle: Sammlung der Ortschronisten Crottendorf.

 

Wenigstens schon seit 1865 gab es einen „Bier- und Branntweinschank im staatlichen Kalkwerk Crottendorf“, der sicher ursprünglich eine Ausspanne für die Fuhrleute gewesen ist, als der Transport sämtlicher Erzeugnisse noch mit dem Fuhrwerk erfolgte. Ähnliches gab es auf vielen Kalkwerken, u. a. auch schon früher in Oberscheibe. Genehmigt war auch der Ausschank kalter Speisen. In den Akten der Königlichen Amtshauptmannschaft in Annaberg (30041, Nr. 4568) haben wir die Namen der Pächter aus Crottendorf gefunden. Es waren:

ab dem...

 

30. Mai 1866

Kalkbrenner Meinhold

11. Oktober 1878

Karl Hermann Nitzsche

4. Mai 1894

Karl Friedrich Grohs

28. November 1900

Herrmann Ernst Meyer

21. Juli 1907

Christian Friedrich Schmiedel

Noch bis 1957 bestand auf dem Betriebsgelände das Gasthaus. Der Waldarbeiter Albin Schulz betrieb als letzter nebenbei diesen kleinen Ausschank, weswegen man hier nun beim „Kallichufen- Albin“ einkehrte. Der hölzerne Anbau links vom Wohnhaus im folgenden Foto war der Gastraum.

  


Steht ja dran: Aus der früheren Ausspanne ist ein Gasthaus geworden, zuletzt war es noch ein Wohnhaus. Die letzten Bewohner waren bis Anfang der 1970er Jahre die Familien Kaufmann und Rüffer.
Sammlung O. Vogel (schlettau-crottendorf.de)

 

Das Gebäude links im Bild oben war die Scheune, wo sich u. a. die Zapfendarre des Staatsforstes (zur Samengewinnung) befand. Wahrscheinlich aufgrund der Brandgefahr war das Untergeschoß der Scheune gemauert. Hinter der Scheune stand der Stall, ist aber auf diesem Foto nicht zu sehen. Über der Stalltür war eine etwa 40 cm im Quadrat messende Marmorplatte eingelassen, auf der ein Relief einen Bärenführer mit seinem Tanzbären zeigte. Damit sollte an die Sage vom Zigeuner, der das Kalklager entdeckt haben soll, erinnert werden. Die Platte kam wohl schon Anfang der 1950er Jahre abhanden (Informationen von Frau M. Schulze und aus Crottendorfer Anzeiger, 12, 2006).

Daneben ist auch ein kleines Wasserhäuschen zu sehen. Dort endeten hölzerne Rohrleitungen, die noch bis Ende der 1950er Jahre frisches Wasser von Quellen im Wald heranleiteten. Zumindest im Sommer ‒ im Winter fror diese Anlage natürlich auch mal ein... Mangels Kühlschrank wurden darin auch Lebensmittel kühl gelagert. Durch den Fortgang des Abbaus wurden diese Quellwasserleitungen aber zerstört.

 


Das Wohnhaus noch einmal von der anderen Seite. In dieser Perspektive ist der kleine, links angebaute Gastraum besser zu sehen. Foto: Familie Rüffer, Sammlung O. Vogel (schlettau-crottendorf.de)

  


Im Archiv der Crottendorfer Ortschronisten befindet sich noch die Ausfertigung der Schankerlaubnis für Albin Schulz, ausgestellt von der Amtshauptmannschaft Annaberg am 18. August 1919.

 


Ein ähnlicher Blick, wie in dem ersten Foto oben, nun im Jahr 1954: Inzwischen ist dahinter das neue Kalkwerk entstanden... Bildquelle: Sammlung der Ortschronisten Crottendorf.

 

Bei der Wiederaufnahme des Abbaus wurde das Wohnhaus auch als Büro und Lager genutzt, bis 1963 auch das neue Sozialgebäude des Kalkwerkes fertig war. Erst jetzt hatte man auch eine Wasserleitung bis zum Kalkwerk verlegt und es gab endlich fließendes Wasser nicht nur aus der Quelle.

Bis 1972 war das einstige Wohnhaus des Marmorinspektors noch bewohnt. Als letzte Bewohner waren hier die Familien Rüffer und Kaufmann ansässig. Im Crottendorfer Anzeiger (Nr. 2 und Fortsetzung in Nr. 3, 2005) haben wir einen sehr bewegenden, persönlichen Bericht der letzten Bewohner über das Leben hier oben, fernab vom Dorf, gefunden. Die Ausgaben kann man auf crottendorf.de nachlesen. Abgesehen von den „normalen“ Schwierigkeiten des Lebens abseits der großen Städte, ohne fließendes Wasser und ohne Busverbindung, hat uns eine Textpassage aber ganz besonders erstaunt, die wir deshalb hier ungekürzt zitieren wollen:

Schon als kleines Kind wußte ich, daß ich nicht aus dem Haus durfte, wenn das Signal zur Sprengung ertönte. Es wurde zweimal, oft auch dreimal am Tag gesprengt. Zuvor wurden die großen Holzfensterläden geschlossen, sonst hätten wir keine Scheiben mehr in den Fenstern gehabt. Beim Sprengen landeten die Steine auf dem Dach, manchmal zerrissen sie auch Wäschestücke, die zum Trocknen draußen hingen. Und es gingen eben auch hin und wieder Fenster kaputt, weil der Absperrposten, der die Straße zu sichern hatte, auch mal vergaß, die Fensterläden zu schließen. Dann lagen Steine auf den Betten und es gab zerrissene Gardinen.

Während der Sprengung war es also finster in der Wohnung. Danach wurden die Steine, die vor dem Haus und auf der Straße gelandet waren, weggeräumt. Sogar unsere Hühner verzogen sich in dieser Zeit, sonst hätten sie es wohl auch nicht überlebt.

Und wehe dem, der ein Auto hätte vor dem Haus stehen lassen. Alles, was sich im Freien befand, war mit grauweißem Staub belegt, der sich beim Mahlen der gebrannten Steine in den großen Brechern bildete...“ (Auszug mit freundlicher Genehmigung der Autorin, Frau M. Schulze, Crottendorf)

Auch wenn man in Betracht ziehen muß, daß nach dem Krieg der Bedarf an Baustoffen zum Wiederaufbau natürlich besonders groß war, ist es für uns heute unfaßbar, was damals alles zulässig war, wenn es um die Planerfüllung ging. Heute werden ganze Stadtviertel evakuiert, wenn Bauleute mal wieder einen scharfen Bombenblindgänger ausgegraben haben. Strengstens verboten ‒ und natürlich auch lebensgefährlich ‒ ist es, sich im Sprengbereich aufzuhalten. Man bedenke dabei noch, daß der Steinbruch zu dieser Zeit ja schon etwa 25 m bis 35 m tief war und daß die gelösten Steine erstmal ein ganzes Stück durch die Luft nach oben zurückzulegen hatten. Daß die Bergbehörde damals zugelassen hat, mit solch großen Ladungen zu schießen, daß der Steinschlag dann immer noch bis auf benachbarte Wohnhäuser flog, ist einfach unglaublich...

Zur Ehrenrettung der Bergleute und der Mitarbeiter des Kalkwerkes soll aber auch betont werden, daß es tatsächlich an utopischen Planvorgaben gelegen haben muß, wenn der Abbau zeitweise in Raubbau übergegangen ist. Als Sprengmeister war in den 1950er und 60er Jahren Herr M. Lindner in Crottendorf beschäftigt. Seinen Aufgaben ging er sehr gewissenhaft nach und fuhr oft auch in seiner Freizeit mit der AWO auf den Kalkberg, um zu kontrollieren, ob die Sprengmittelkammer auch immer ordnungsgemäß verschlossen war. Diese Sorgfalt im Umgang mit Sprengstoff war sicher auch dem Umstand geschuldet, daß Familie Lindner ihren Sohn im Krieg verloren hatte (Informationen von Herrn S. Bergelt).

 


Ein Universalbagger vom Typ UB 20 auf der Tagebausohle.
Bildquelle: Sammlung der Ortschronisten Criottendorf.

  


Das alte Foto ist leider etwas unscharf, aber auch hier ist noch einmal der Raupenbagger vom Typ UB 20 zu sehen. Bildquelle: Sammlung der Ortschronisten Crottendorf.

 


Manchmal lösten sich beim Schießen auch Brocken, die zu groß zum Aufnehmen und Verladen waren. Die mußten durch aufgelegte Ladungen zerkleinert werden. Bildquelle: Sammlung der Ortschronisten Crottendorf.

 


Auch den Transport erleichterten inzwischen Dumper - im Foto steht einer neben dem Verladebunker.
Bildquelle: Sammlung der Ortschronisten Criottendorf.

  


Ein paar Männer der Belegschaft bei der Pause. Von links Kurt Leuschel, Fritz Bogner, Lothar Roscher, Werner Leichsner und Henri Simon. Foto um 1965. Bildquelle: Sammlung der Ortschronisten Criottendorf.

  


Ein paar Männer der Belegschaft bei der Pause. Von links Manfred Hempel, Werner Leichsner, Joachim Mühlbauer und Eberhard Schulze (beide aus Neudorf) und Lothar Roscher. Foto um 1965.
Bildquelle: Sammlung der Ortschronisten Criottendorf.

  


Noch einmal ein paar Männer der Belegschaft bei der Pause. Von links Lothar Roscher, Werner Leichsner, Henri Simon, Fritz Kaufmann und Rudolf Stimpel. Foto um 1965.
Bildquelle: Sammlung der Ortschronisten Criottendorf.

  

1964 wurde der VEB (B) Vereinigte Kalkwerke Oberscheibe mit seinen drei  Betriebsabteilungen in Hammerunterwiesenthal, in Oberscheibe und eben in Crottendorf gebildet (40072, u. a. Nr. 785, 787 und 768).

Die Ladearbeit erleichterten ab 1966 Universalbagger vom Typ UB 20 und Dumper. Das Fördergut wurde zu fünf unterschiedlichen Terrazzokörnungen gebrochen oder zu Düngekalk gebrannt und vermahlen. Auf die wesentlichen Produkte verteilte sich die Menge etwa gleichmäßig: ⅓ Terrazzo- Rohstoff, ⅓ Branntkalk, ⅓ wurde als Düngemergel verkauft.

Bis 1972 förderte man sogenannten „Kesselbruch“ für den Sommerbetrieb, im Winter erfolgte  „sohlengebundener Firsten- Kleinkammer- Bau“, zuletzt noch auf der 3. Sohle. Damit wurde ein Kammerpfeilerbau bezeichnet, bei dem die Kammerhöhen 3 m bis 4 m nicht überschritten. Nur dort, wo darüber keine Abbaue auf der 1. und 2. Sohle lagen, brach man die Kammern bis auf 10 m Höhe hoch. Während man zwischen der 1. und 2. Sohle noch 9 m Abstand gelassen hatte, erweiterte man diesen zur 3. Sohle hin auf 12 m. Trotzdem verblieb an einigen Punkte bei Bauhöhen bis zu 8,9 m nur noch rund 3 m Schwebenmächtigkeit zwischen den Sohlen. Als besonders nachteilig wird in der 1983 für Crottendorf erstellten Bergschadenkundlichen Analyse jedoch eingeschätzt, daß die Achsen des Streckennetzes der Tiefbausohlen unterschiedlich orientiert waren. Dadurch kamen die Pfeiler nicht übereinander zu stehen.

Die Jahresförderung erreichte 1972 nochmals 32.700 t. Daraus wurden 9.500 t Terrazzo- Körnung und 9.900 t Branntkalk hergestellt. Weitere 6.400 t wurden als „Mergel“ für unterschiedliche Zwecke verkauft (BSA Crottendorf).

Die bis zu 10 Meter hohen Abbaukammern schwächten jedoch die Standsicherheit des Gebirges letztlich so stark, daß Teile der 2. Sohle zusammenbrachen. Auch am Rand des Tagebaus kam es zwischen 1969 und 1973 mehrfach zu größeren Rutschungen. Auf den Rissen aus dem Jahr 1962 ist am Südwestrand bereits eine solche Rutschung verzeichnet.

Am 8. Juni 1973 wurde die letzte Schicht in Crottendorf verfahren. Der Steinbruch, der über mehrere Jahrhunderte, wenn vielleicht auch mit bescheidener Förderung, doch etlichen Crottendorfern Lohn und Brot brachte, war binnen weniger Jahrzehnte so ausgebeutet, daß die Grube wegen fehlender Sicherheit durch die Überhöhe der Abbauwand im Tagebau nach dem Wegfall der Berme zwischen der 2. und der 3. Sohle, durch Bergamtsverfügung ( !! ) stillgelegt wurde. Das ist ein bis heute ziemlich einmaliger Vorgang, aber der Bruch war für seine geringe Breite einfach zu tief geworden... Damit fand ein Kapitel sächsischer Bergbaugeschichte ein wenig rühmliches Ende.

Zu diesem Zeitpunkt hatte der Tagebau eine Ausdehnung von etwa 230 m Länge in Nord- Süd- Richtung erreicht. Die wenigen, uns bis jetzt bekannt gewordenen Produktionsmengenangaben haben wir einheitlich in metrische Tonnen umgerechnet und in folgender Grafik aufgetragen.

  


Der exponentielle Anstieg der Fördermenge in der DDR wird auch anhand der wenigen Zahlen deutlich.
Weitere Angaben aus den letzten Betriebsphasen liegen uns leider nicht vor.

  

Die Autoren der Bergbaumonographie schätzen die möglichen Perspektiven einer Wiederaufnahme des Abbaus in Crottendorf als nur gering ein. Die Rohstoffqualität sei zu mangelhaft und die noch vorhandenen Restvorräte in Höhe von etwa 8 Mio. t eines meist grauen glimmerführenden Marmors lägen zu tief. Der SE- Teil der Lagerstätte sei zudem nicht ausreichend erkundet.

  

 
 
 

Nach der Stillegung

  

In Crottendorf bestand im Zeitraum der Fluorit- Erkundung im Raum Niederschlag während der 1970er Jahre ein Wohnwagenlager des Geologischen Betriebes (GB) der SDAG Wismut. Wie uns Frau M. Schulze berichtete, wurde bereits um die Mitte der 1960er Jahre unmittelbar hinter dem damaligen Sozialgebäude eine Holzbaracke aufgebaut und darin ein Labor eingerichtet. Sobald jemand an der Tür stand, kamen die dort Beschäftigten schon angerannt, damit man ja keinen Blick hineinwerfen konnte. Abends wurden die Fensterläden dicht gemacht und keiner wußte, was dort eigentlich untersucht wurde. So war das halt ‒ um die Rohstoffsituation wurde in der DDR immer ein großes Geheimnis gemacht und um Uranerz erst recht...

Das Gelände des früheren Marmorwerkes wurde nach der Stillegung des Kalksteinabbaus jedenfalls zur unentgeltlichen Nutzung vom Rat des Bezirkes an die Generaldirektion der SDAG Wismut übergeben, die dem Geologischen Betrieb dort die Errichtung eines Bettenhauses gestattete. Dieser Neubau wurde zunächst für mehrere Monate noch für die Unterbringung von Beschäftigten während der Fluoriterkundung genutzt.

Anschließend wurde das Gebäude zu einem Schulungs- und Ferienheim mit 33 – 48 Betten umgebaut. In der Zeit der Schulferien fanden aus dem Kultur- und Sozialfonds der SDAG und des GB gestützte Urlauberbelegungen, vorzugsweise für Betriebsangehörige mit Kindern, statt. In den übrigen Zeiten stand das Haus für Schulungsveranstaltungen der Generaldirektion, der Kammer der Technik u. a. sowie für betriebliche Qualifizierungslehrgänge und Arbeitstagungen zur Verfügung.

Außerdem erfolgten im Zeitraum von 1982 bis 1989 in ausgewählten Gebieten noch einmal ergänzende übertägige Such- und Erkundungsarbeiten in ausgewählten Gebieten des westlichen und mittleren Erzgebirges, die zu einer abschließenden Klärung der tektonisch- geologischen Situation hinsichtlich des möglichen Auffindens bauwürdiger Uranvererzungen im Bereich einzelner Arbeitsgebiete bzw. Lagerstättenflanken beitragen sollten. Alle dabei abgeteuften Bohrungen erreichten im Durchschnitt eine Teufe von zirka 1.000 m, wurden geophysikalisch vermessen und sowohl auf Uran als auch auf Nebenerze ausgewertet.

Im Gebiet Crottendorf wurden dabei zwei weitere Tiefbohrungen mit zusammen 2.627 m Tiefe niedergebracht. In beiden Bohrlöchern wurden Uranerzintervalle zwischen gerade einmal 10 ppm und bis zu 1.029 ppm angetroffen (Chronik der Wismut).

  


Auf dem Messtischblatt der DDR aus dem Jahr 1988 ist Schlägel und Eisen bereits umgedreht eingezeichnet. Auf dem früheren Werksgelände ist jetzt das „Heim“ der SDAG Wismut eingetragen.

  

Der Steinbruch am Kalkberg in Crottendorf ist seit März 2003 als Geotop unter der Nummer 1189 registriert. Außerdem wurde er 2003 vom zuständigen Landratsamt Annaberg als Flächennaturdenkmal unter besonderen Schutz gestellt.

Der Tagebau und alle Untertagesohlen sind geflutet und als Tauchsportgewässer verpachtet. Der mittlere Wasserspiegel im Tagebau liegt heute bei etwa +785 m über NN, die Wassertiefe bis zur Tagebausohle beträgt also zwischen 12 m und 22 m (crottentaucher.de).

  


Der Tagebau in den 1970er Jahren, Blick von Südosten auf die Tagebausohle. Nach Norden hat sich der Tagebau weit in die +773-m- Sohle hinein vorgearbeitet. Noch steht die Treppe als Zugang zur Bruchsohle, aber die Bruchsohle beginnt schon abzusaufen... Bildquelle: Sammlung F. Schott (crottentaucher.de)

  


Der Tagebau in den 1970er Jahren, Blick von Süden auf die Tagebausohle. Die Bruchsohle füllt sich mit Grund- und Niederschlagswasser und die Treppe als früherer Zugang zur Bruchsohle ist schon abgebrochen und aufgeschwommen. Bildquelle: Sammlung F. Schott (crottentaucher.de)

   


Der Tagebau im Winter 1999. Bildquelle: Sammlung F. Schott (crottentaucher.de)
  

Durch Verbüche der untertägigen Baue kommt es zu Böschungsrutschungen. Bildquelle: Sammlung F. Schott (crottentaucher.de)
  

Besonders die ehemaligen Abraumhalden sind davon betroffen... Bildquelle: Sammlung F. Schott (crottentaucher.de)
 

Das die Böschungsrutschungen noch fortschreiten, ist deutlich zu sehen. Bildquelle: Sammlung F. Schott (crottentaucher.de)
  

Vorsicht ist hier angebracht... Bildquelle: Sammlung F. Schott (crottentaucher.de)
  

Im Werksgelände ist der hohe Schachtofen noch immer der markanteste Punkt. Bildquelle: Sammlung F. Schott (crottentaucher.de)
 

An der Förderanlage und der Gichtbrücke nagt bereits „der Zahn der Zeit“... Bildquelle: Sammlung F. Schott (crottentaucher.de)
    

Auch die anderen Anlagen des Kalkwerkes sind bereits von der Verwitterung gezeichnet. Bildquelle: Sammlung F. Schott (crottentaucher.de)
  

Nur der Stahlbeton der Siloanlage widersteht noch länger. Bildquelle: Sammlung F. Schott (crottentaucher.de)
  

Das alte Trafo- Häuschen. Bildquelle: Sammlung F. Schott (crottentaucher.de)
  

Der Verfall war Ende der 1990er Jahre allgegenwärtig. Bildquelle: Sammlung F. Schott (crottentaucher.de)

  

 
 
 

Erhaltene Zeugnisse

  

Die folgenden Aufnahmen entstanden überwiegend im Jahr 2016. Wir bedanken uns ganz herzlich für die Unterstützung durch die Tauchsportler.

 


Reliefkarte der Region südlich von Crottendorf mit Eintragung von Verdachtsflächen mit unterirdischen Hohlräumen, Stand 2017. Der Tagebau und die untertägigen Abbauflächen nach Nordwesten sind gut zu erkennen. Außer dem Marmorbergbau am Kalkberg ist im Süden Crottendorfs nur wenig Bergbau umgegangen. Quelle der Hintergrundkarte: geoportal.sachsen.de

 


Überblick über die Werksanlagen von der Abraumhalde aus.
   


Die Förderbahn und die Träger der beiden Bühnen an der Ofengicht sind noch zu erkennen, der hölzerne Bühnenbelag ist längst verfallen.
  


Blick von den Abzügen nach oben in den Ofenschacht.
  


Inzwischen holt sich die Natur das Gelände zurück...
  


Der Tagebau im Juni 2016.
  


An lichten Stellen findet man - des kalkreichen Bodens wegen - auch in Crottendorf um diese Jahreszeit die eine oder andere wilde Orchidee. Bitte beachtet deshalb den Naturschutz, wenn ihr das Gelände besucht !
   


Auch die Rutschungen an den Böschungen der Abraumhalde und am Tagebaurand sind noch immer aktiv, wie die frischen Abbrüche deutlich zeigen.
  


Ein paar Fundamente überdauern noch immer im Unter
holz... Auf diesen stand einmal der Turm für die Kranführerin.
   


Blick von Süden über den Tagebau zum Werksgelände.
  


Das ruhige Frühlingswetter schenkt uns schicke Fotomotive.
  


Nun sind wir fast wieder herum und schauen von Osten über den Steinbruch. Dort am Ufer haben die Tauchsportler ihren Bootssteg angelegt (Privatgelände !).
 


Die folgenden Aufnahmen sind nur vom Boot aus möglich...
 


An den Bruchwänden steht noch immer heller Kalkstein an. Da wir hoch oben auf dem Erzgebirgskamm sind, wo kaum Industrieabgase das Gestein schwärzen, ist es noch immer schön hell.
 


Die schon von den alten Geologen dokumentierten Schichtverbiegungen sind dadurch noch immer ganz gut sichtbar.
  


Aber auch jede Menge kleine und große Verwerfungen.
  


Offene Klüfte weisen auch hier oben auf Verbrüche der Tiefbausohlen hin.
 


An keiner der Klippen im heutigen Uferniveau ist der Kalkstein noch so „ganz“, daß man noch größere Stücke als Werkstein gewinnen und wie dichten Marmor verarbeiten könnte.
  


Die höchste Klippe steht an der Westwand des Tagebaus an und begrenzt hier eine der großen Böschungs-Rutschungsflächen aus den 1960er und 70er Jahren.
  


Die große Klippe von unten gesehen...
  


Noch einmal mit etwas mehr Abstand, damit man die ganze Höhe auf´s Foto bekommt. Links im Bild die Rutschungsfläche.
 


An der Felsspitze am Fuß der Klippe sind wieder die Schichtverbiegungen gut zu sehen.
 


An den nicht ganz so steilen Steinbruchwänden krallt sich bereits wieder die Natur fest...
  


Obwohl wir hier fast 800 m über dem Meer sind und eigentlich das Klima schon sehr kühl ist, fühlen sich auch Algen im Wasser erstaunlich wohl und verleihen ihm seine charakteristische, blaugrüne Farbe. Für die Taucher ist das eher ärgerlich, hat man so doch weniger Sicht unter Wasser.
  


Noch ein paar Motive zum Genießen...
  


Noch eine Klippe mit recht dichtem Kalkstein...
 


Diese Klippe zeichnet sich dagegen durch flach geneigte Lagerung recht dünner Kalksteinplatten aus.
  


Zwischen den festen Klippen findet man auch immer wieder größere Störungen, in denen der eine oder andere verklemmte „Sargdeckel“ zur Vorsicht mahnt.
 


Dann rudern wir zurück zum Steg.

 

 
 
 

Einmal untertauchen ?

  

Die folgenden Fotos haben uns die Tauchsportler und ihre Gäste zur Verfügung gestellt. Auf den Bildern, die überwiegend von einem Tauchgang im Jahr 2012 stammen, schwamm S. Wolfram mit der Zusatzlampe vorneweg und H. Spáčil hielt die Kamera.

 


Sicherheit geht auch beim Tauchen vor: In den noch zugänglichen Bereichen der Kammerpfeilerbaue kann man sich leicht verirren. Deshalb wurden Orientierungsleinen gespannt.
 


Es ist trotzdem jedes Mal ein Tauchgang der anderen Art, der Sachkunde und gute Vorbereitung erfordert.
 


Ein Teil der Baue steht noch so da, als wären die Bergleute gestern gegangen...
 


Schlammablagerungen sind noch gering und so erkennt man sofort den weißen Marmor im Stoß.
 


Die Abbaukammern hatten teils beachtliche Dimensionen, wie uns der hier im Bild voran schwimmende Größenmaßstab illustriert. Weit reicht der Scheinwerfer nicht ins Dunkel.
 


Manche Durchhiebe sind auch etwas enger. Höhlentauchen ist nun mal nichts für jedermann...
 


Dafür erschließen sich hier interessante geologische Aufschlüsse.
 


Dunkle Glimmerschieferlagen im Marmor verdeutlichen die intensive Kleinfältelung des Gesteins, die schon die alten Geologen beschrieben haben.
 


Normalerweise baut das Flutungswasser einigen Gegendruck auf, der das nicht abgebaute Gestein zusammenhält. Abbrüche sind trotzdem nie ganz auszuschließen...
 


An manchen Stellen sieht es aber auch so aus, als ob man nicht brauchbaren Abraum in abgeworfene Abbaue hineingeschoben hätte.
 


Auftauchen... Bei der Höhenlage des Tauchgewässers von über 700 m und den normalerweise niedrigen Durchschnittstemperaturen ist es immer wieder verwunderlich, daß das Wasser im Kalkbruch oft schnell veralgt und dadurch trüb erscheint.
  


Uff - wieder oben...
 

Man muß ja nicht gleich selber baden gehen... Für eine Wanderung zum Crottendorfer Kalkberg wünschen wir allen Interessierten gutes Wetter und notfalls immer die richtige Kleidung im Rucksack.

Glück Auf !

Das Team vom „u. b.“

 

Hier geht´s zum dritten im Bunde:

Zum Kalksteinabbau am Fuß des Fichtelbergs

   

 
 
 

Weiterführende Quellen

         Allgemeine Quellen

  1. wikipedia.de
  2. crottendorf.de
  3. schlettau-crottendorf.de
  4. crottentaucher.de
  5. G. Agricola: De natura fossilium libri X, Hieronymus Froben, Basel, 1546, aus dem Lateinischen übersetzt von G. Fraustadt 1958, überarbeitet von F. Krafft, Nachdruck Matrix Verlag, Wiesbaden 2006
  6. Chr. Lehmann: Historischer Schauplatz derer natürlichen Merckwürdigkeiten in dem Meißnischen Ober- Ertzgebirge, Leipzig 1699 (Digitalisat: Universitäts- und Landesbibliothek Sachsen-Anhalt)
  7. Sächsische Landes- und Universitätsbibliothek (SLUB), Dresden, u. a.
    - Petrus Albinus: Meißnische Bergchronica, Dresden, 1540
    - August Schumann: Vollständiges Staats-, Post- und Zeitungslexikon von Sachsen, Band 8, 1818
    - G. Wunder, A. Herbrig, A. Eulitz: Der Kalkwerksbetrieb Sachsens und die Ursachen der verschiedenen Kalkpreise in Sachsen, Verlag W. Engelmann, Leipzig, 1867
    - historisches Bild- und Kartenmaterial
    - Erläuterungen zu den geologischen Karten des Königreichs Sachsen
  8. M. von Süßmilch: Das Erzgebirge in Vorzeit, Vergangenheit und Gegenwart, 2. Auflage H. Grafer's Verlag, Annaberg, 1894

  9. J. F. W. Charpentier: Mineralogische Geographie der Chursächsischen Lande, gedruckt bei Siegfried Lebrecht Crusius, Leipzig, 1778
  10. C. F. Naumann: Geognostische Beschreibung des Königreiches Sachsen und der angränzenden Länderabtheilungen. Zweites Heft, Geognostische Skizze der Gegend zwischen Gößnitz, Oederan, Sebastiansberg und Auerbach. Dresden und Leipzig, in der Amoldischen Buchhandlung, 1845
  11. A. Schiffner: Beschreibung von Sachsen und der Ernestinischen, Reußischen und Schwarzburgischen Lande, 2. Auflage, Verlag von H. H. Grimm, Dresden, 1845
  12. Universitätsbibliothek der TU Bergakademie Freiberg: Kalender für den Berg- und Hüttenmann bzw. Jahrbücher für das Bergwesen im Königreiche Sachsen, Ausgaben 1827 bis 1938 (Digitalisate)
  13. P. R. Beierlein: Geschichte der erzgebirgischen Marmorbrüche, insbesondere des Schwarzen Bruches zu Kalkgrün bei Wildenfels, in: Jahrbuch des staatlichen Museums für Mineralogie und Geologie zu Dresden, Verlag Theodor Steinkopff, Dresden und Leipzig, 1963, S.163-248
  14. K. Hoth, N. Krutsky, W. Schilka, F. Schellenberg, LfULG (Hrsg.): Marmore im Erzgebirge, Bergbaumonographie, Freiberg, 2010
  15. S. Schwindt: Der Bergbau in Crottendorf und Umgebung, in: Autorenkollektiv: Crottendorf - unsere Heimat (Ortschronik), Verlag Heidler & Fahle, Scheibenberg, 1998, Kapitel 17
  16. J. Frei und A. Hunger: Der Crottendorfer Marmorbruch im Wandel der Zeit, nach einem Artikel von Rudolf Weber in Kultur und Heimat, Heft 2, 1957), in: Autorenkollektiv: Crottendorf - unsere Heimat (Ortschronik), Verlag Heidler & Fahle, Scheibenberg, 1998, Kapitel 18
  17. Wismut GmbH: Chronik der Wismut, digitale Ausgabe, 2003
  18. M. Schulze: Unser Leben auf dem „Kallich-Ufen“, in: Crottendorfer Anzeiger, Nr. 2 und 3, 2005
  19. G. Wetzel: Die Königseiche, in: Crottendorfer Anzeiger, Nr. 10, 2005
  20. G. Wetzel: Die alte Sage vom Marmorbruch, in: Crottendorfer Anzeiger, Nr. 12, 2006
  21. M. Schulze: Abschrift aus Die Biene, Ausgabe vom 1. November 1829, in: Crottendorfer Anzeiger, Nr. 9, 2015
     
     
    Archiv des Sächsischen Oberbergamtes
     
  22. BSA Nr. 46: Kalkwerk Crottendorf, dat. 1983 (Einsichtnahme am 28.06.2018)
     
     
    Sächsisches Hauptstaatsarchiv Dresden
      
  23. Bestand 10036 (Finanzarchiv), Loc. 37341, Rep. 22, Schwarzenberg, Nr. 0011: Abschrift der Kaufverschreibung über das Amt Crottendorf, welches Kurfürst August 1559 nebst den oberwaldischen crottendorfischen Wäldern und Gehölzen, Jagden, Städten, Dörfern, Zinsen, Fronen, Diensten und anderen Herrlichkeiten von den Gebrüdern Hugo und Wolff aus Schönburg für 146000 Gulden erblich überlassen wurde, dat. 1559
  24. Ebenda, Loc. 35990, rep. 08 Nossen, Nr. 011: Befehl zum Ausbau der markgräflich meißnischen Begräbniskapelle im hohen Chor des ehemaligen Stiftes Altzella und Suche nach dem Ort der Begräbniskapelle, welche als Begräbnisstätte von Markgraf Friedrich dem Ernsthaften und seiner Nachkommen gedient hat, dat. 1786-1788
  25. Bestand 10026 (Geheimes Kabinett), Loc. 00354/04: Die von den Markgrafen zu Meißen, Otto dem Reichen und Friedrich [II.] dem Ernsthaften, errichteten Begräbniskapellen zu Altzella, dat. 1785-1812
  26. Bestand 10024 (Geheimer Rat), Loc. 04514/06: Giovanni Maria Nossenis Privileg wegen aller Sorten Marmors, Alabasters und Serpentinsteins und wegen eines zu Schönau [w. Wildenfels] gebrochenen Stücks schwarzen Marmors entstandene Differenz, dat. 1613
  27. Bestand 10036 (Finanzarchiv), Loc. 35413, Rep. 02, Lit. K, Nr. 0111: Verleihung der Eisensteinflöze in den Marmor- und Kalksteinbrüchen des Amtes Crottendorf, dat. 1749
  28. Ebenda, Loc. 35413, Rep. 02, Lit. K, Nr. 0112: Flözabbau in den Kalksteinbrüchen Crottendorf, welches der Hammerwerksbesitzer von Obermittweida, Dr. Nitzsche, für sich beansprucht, dat. 1748
  29. Ebenda, Loc. 35930, Rep. 08, Grünhain, Nr. 0015: Gesuch des Bildhauers Christian August Hesse aus Crottendorf um die Konzession zur Anlegung einer Marmorfabrik beim Roten Bruch in Grünau und eines Schneidewerkes beim Weißen Bruch in Crottendorf, dat. 1806-1809
  30. Bestand 12884 (Karten und Risse), Schr. 000, F. 130, Nr. 007: Grund- und Saigerriß über das Fiskalische Kalkwerk zu Crottendorf, dat. 1862
  31. Bestand 11384 (Landesregierung Sachsen, Ministerium für Wirtschaft), Nr. 2080: Kalkwerke, dat. 1950
     
     
    Staatsarchiv Chemnitz
     
  32. Bestand 30584 (Grafschaft Hartenstein / Herrschaft Stein), Bestandserläuterungen
  33. Ebenda, Nr. 1638: Verkauf des Amtes Crottendorf (oberer Teil der Grafschaft Hartenstein) von den Schönburgs an Kurfürst August von Sachsen, dat. 1558-1559
  34. Bestand 30630 (Erbgericht Crottendorf), Bestanderläuterungen
  35. Bestand 30764 (Grundherrschaft Olbernhau), Nr. 295: Kaufvertrag zwischen Johanna Sophie von Leubnitz auf Olbernhau und Possendorf und Johann Gottlob Otto (Käufer) über die Erbgerichte zu Crottendorf, dat. 1748
  36. Bestand 30572 (Gesamtregierung Glauchau), Nr. 5363: Nach Entlassung des Johann Ehrenfried Tölpe von dem Bergamtsverweserdienst aus Scheibenberg und Hohenstein erfolgte einstweilige Übertragung desselben an den Berkommissionsrat von Nostiz, dann die Verpflichtung des Johann Carl Schütze zum Bergmeister im Bergamt Scheibenberg mit Hohenstein sowie die Verpflichtung des Justus Friedrich Koch zum Bergamtsassessors und Berg- und Gegenschreiben Adjunkto [Amtsgehilfe] im Bergamt Scheibenberg mit Hohenstein sowie des Berggeschworeren Schmiedel , dat. 1794-1808
  37. Bestand 30016 (Kreisamt Schwarzenberg), Nr. 1944: Marmorschneidereien von Christian August Hesse in Crottendorf, dat. 1803
  38. Ebenda, Nr. 1943: Marmorbruch Crottendorf, dat. 1801-1802
  39. Bestand 30011 (Amt Grünhain), Nr. 546: Vorstellung des Marmorarbeiters Traugott Friedrich Hesse zu Crottendorf gegen das Konzessionsgesuch des Bildhauers Christian August Hesse zu Crottendorf zur Anlegung eines Schneidewerks beim roten Marmorbruch zu Crottendorf und Grüna, dat. 1804
  40. Bestand 30299 (Oberforstmeisterei Eibenstock), Nr. 247: Administration der fiskalischen Kalkbrennereien in Crottendorf und Unterwiesenthal, dat. 1835
  41. Bestand 30040 (Kreishauptmannschaft Zwickau), Nr. 3071: Bau einer Straße von Markersbach über das Hammerwerk Obermittweida nach dem fiskalischen Kalkofen bei Crottendorf, dat. 1855-1867
  42. Bestand 30041 (Amtshauptmannschaft Annaberg), Nr. 750: Kalkwerke in Crottendorf, dat. 1857-1878
  43. Ebenda, Nr. 4071: Kalkwerk Crottendorf, dat. 1852-1902
  44. Ebenda, Nr. 4568: Bier- und Branntweinschank im staatlichen Kalkwerk Crottendorf, dat. 1865-1919
  45. Bestand 30401 (Kreistag Annaberg), Nr. 522: Betrieb Marmorkalkbruch Crottendorf, dat. 1948-1952
      
     
    Bergarchiv Freiberg
     
  46. Bestand 40014 (Bergamt Scheibenberg mit Hohenstein, Oberwiesenthal, Lößnitz und Elterlein), Bestandserläuterungen
  47. Ebenda, Nr. 247: Klage des Kaufmannes Christian August Heß in Scheibenberg gegen die Verschreibung und Lehnreichung des vor der Stadt liegenden Zechenhauses Lorenz an seinen Bruder, den dortigen Apotheker Christian Gottlob Heß, wegen angeblich gemeinschaftlichen Kaufs der Zeche mit Zubehör von dem Steiger Christian Friedrich Beuther, dat. 1811-1815
  48. Bestand 40001 (Oberbergamt Freiberg), Nr. 2984: Gesuch des Bildhauers Christian August Hesse aus Crottendorf um Konzession zur Benutzung der weißen und bunten Marmorbrüche, dat. 1804-1806
  49. Ebenda, Nr. 2985: Revisionsbericht des Oberkunstmeisters Friedrich Wilhelm Schwamkrug und des Berggeschworenen Adolph August Friedrich Thiele über die unter dem Rentamt Schwarzenberg stehenden Kalkwerke Hammerunterwiesenthal, Crottendorf und Scheibenberg, dat. 1861
  50. Bestand 40003 (Geognostische Landesuntersuchungskommission), Nr. 159: Geognostische Untersuchung der Gegend von Bärenstein, Scheibenberg, Raschau, Elterlein und Annaberg, dat. 1833-1834
  51. Bestand 40024-12 (Landesbergamt, gewerbliche Gruben), Nr. 15/1: Notizen über Kalkbruchbetriebe in Sachsen, dat. 1860-1891
  52. Ebenda, Nr. 56: Crottendorf, fiskalisches Kalkwerk, dat. 1900-1905
  53. Ebenda, Nr. 57: Crottendorf, fiskalisches Kalkwerk, dat. 1901
  54. Bestand 40168 (Bergrevier Marienberg), Nr. 362: Konsolidiertes Zwitterstockwerk am Geyersberg bei Geyer, dat. 1855-1890
  55. Bestand 40169 (Bergrevier Schwarzenberg mit Unterrevieren), Nr. 161: Herkules Fundgrube, ab 1855 Herkules samt Frisch Glück Stolln, ab 1860 Herkules Fundgrube samt Frisch Glück Stolln und Khiesels Hoffnung Erbstolln am Fürstenberg unweit der Oswaldkirche bei Waschleithe, dat. 1793-1890
  56. Ebenda, Nr. 297: Segen Gottes Stolln am Härtelschen Kalkwerk bei Crottendorf, dat. 1886-1889
  57. Bestand 40064-1 (Akten des Technischen Büros des Bergbaus...), Nr. 48: Staatlicher Mamor- Kalkbruch Crottendorf, Zweigbetrieb der Industrieverwaltung 61, dat. 1946-1949
  58. Ebenda, Nr. 696: Kalkwerk Crottendorf, dat. 1947
  59. Bestand 40072 (Bergbehörde Zwickau), Nr. 766 und 767: Marmorkalkbruch Crottendorf des VVB Steine und Erden - Land Sachsen, dat. 1949-1953
  60. Ebenda, Nr. 784: VEB Marmorkalkbruch Crottendorf der örtlichen Industrie des Kreises Annaberg, später VEB Obererzgebirgische Kalkwerke, Zweigbetrieb Marmorkalkbruch Crottendorf, dat. 1951-1960
  61. Ebenda, Nr. 227: Geologie und Lagerstätten, dat. 1956-1957
  62. Ebenda, Nr. 786 und 787: VEB Obererzgebirgische Kalkwerke Oberscheibe/Erzgebirge, Kalkwerke Oberscheibe und Hammerunterwiesenthal sowie Marmorkalkbruch Crottendorf, dat. 1954-1961
  63. Ebenda, Nr. 768: VEB Obererzgebirgische Kalkwerke Oberscheibe/Erzgebirge, Betriebsabteilungen Oberscheibe, Crottendorf und Hammerunterwiesenthal, Betriebsplan auf das Jahr 1962
  64. Bestand 40131-1 (Akten des VEB Geologische Forschung und Erkundung), Nr. 3: Crottendorf, Marmorkalkbruch, dat. 1957-1962
  65. Bestand 40037-1 (Deponierte Risse de Steine- und Erdenindustrie), Nr. I23066: Marmor-Kalkbruch Crottendorf in Abteilung 66 des Staatsforstreviers, dat. 1951
  66. Ebenda, Nr. K23033: Kalkwerk Crottendorf, undatiert