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Ein Beitrag von www.unbekannter-bergbau.de

  

Zum Kalksteinabbau bei Schwarzenberg

Zur Lage und Regionalgeschichte
Zur Geologie
Zur Montangeschichte
Die Anfänge des Kalksteinbergbaus
Zum fiskalischen Betrieb des Kalkwerks Oberscheibe bis 1945
Zum Kalkwerk an den Zachensteinen bei Walthersdorf
Zum VEB Obererzgebirgische Kalkwerke, Betriebsabteilung Oberscheibe, nach 1945
Die letzte Phase nach 1990
Erhaltene Zeugnisse
Kalkwerk Oberscheibe
Kalkwerk am Zachenstein
Weiterführende Quellen

  

Zum Kalksteinbergbau am Fuß des Scheibenbergs:
Die Kalkwerke bei Oberscheibe und bei Walthersdorf

 

Erstellt im Mai 2018, letzte Ergänzungen im Dezember 2019 .

Sie können diesen Beitrag auf dem Recherchestand vom Dezember 2018 vom Qucosa-Server der Sächsischen Landes- und Universitätsbibliothek Dresden im PDF-Format herunterladen.

http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bsz:14-qucosa2-326827

 

Die Beiträge zu den Zweigwerken des VEB Obererzgebirgische Kalkwerke und dem vorangegangenen fiskalischen und ‒ soweit bekannt ‒ grundeigenen Bergbau sind in Teamarbeit und dank der Mithilfe vieler Unterstützer entstanden. Unter anderem bedanken wir uns bei

  • den Eisenbahnfreunden in Crottendorf und Schlettau,
    namentlich bei Herrn O. Vogel und Herrn S. Bergelt, sowie

  • den Bilddokumentatoren Herrn J. Piller und Herrn G. Voigt, sowie bei

  • Herrn H. Lausch, Halsbrücke, sowie bei

  • D. Gräfe und U. Haubenreißer für die Bereitstellung von Bildmaterial, sowie bei

  • Herrn Dipl.-Ing. M. Sniehotta für Informationen aus seiner Tätigkeit in der  Unternehmensleitung der GEOMIN GmbH in den 1990er Jahren.

Die folgenden zwei Beiträge stehen mit diesem historisch und regional in Zusammenhang. Man kann aber auch jeden einzeln lesen. Manche Literaturstellen haben wir deshalb in allen drei Beiträgen wiederholt zitiert.

Zum Kalksteinabbau im oberen Zschopautal
Zum Kalksteinabbau am Fuß des Fichtelbergs

  

 

 

Zur Lage und regionalen Geschichte

 

Der 807 m hohe Scheibenberg ist einer der markanten „Tafelberge“ des westlichen Erzgebirges, die dessen Relief schon von weitem sichtbar prägen. Nur noch wenige Kilometer sind es nach Süden bis zum höchsten Punkt des Freistaats Sachsen, dem Fichtelberg. An dessen Hängen entspringen zahlreiche Bäche und Flüsse.

An der Westseite des Scheibenbergs umfließen die Große und die Kleine Mittweida den Hemmberg und vereinigen sich vor dem heutigen Unterbecken des Pumpspeicherkraftwerkes (PSW) Markersbach. Die Mittweida ist seit den 1970er Jahren im Bereich der früheren Ortslage Obermittweida durch einen Steinschüttdamm aufgestaut und bildet das Wasserreservoir für das Pumpspeicherkraftwerk.

In Markersbach läuft der Mittweida auch das kleine Scheibner Bächel zu, das auf aktuellen Karten nach der ehemaligen Eisensteinzeche in Oberscheibe auch als Abrahamsbach bezeichnet wird. Von Markersbach aus fließt die Mittweida dann am Südhang des Emmlers entlang nach Westen dem Schwarzwasser zu. Unterhalb der heutigen Talbrücke der B 101 liegt das Tal der Großen Mittweida nur noch auf 492 m Seehöhe, also mehr als 300 Höhenmeter tiefer, als der Gipfel des Scheibenbergs.

Am Ostabhang des Scheibenberges vorbei fließt dagegen die Zschopau, von Crottendorf kommend, über Walthersorf und Schlettau in nördliche Richtung der Flöha und dann der Freiberger Mulde zu. Auch das Zschopautal ist hier tief ins Geländerelief eingeschnitten und liegt bei Walthersdorf auf noch 580 m über Null. Die Hochmoore und Bergwiesen der Scheibenberger Heide entwässert ein kleiner Bach, welcher kurz vor Walthersdorf in die Zschopau mündet. Auf heutigen Landkarten heißt er Heidelbach. Man findet aber auch die Schreibweisen Heidenbach, Haidbach und Heydenbach... (Crottendorfer Anzeiger, 12, 2005). Die Crottendorfer nennen das Bächlein liebevoll „’s Hadnbachl“ und sind uns bestimmt böse, wenn wir das Kalkwerk an seinem Ufer in diesen Beitrag einordnen, fließt es doch überwiegend entlang Crottendorfer Flur. Aber es liegt einfach näher am Scheibenberg, denn am Kalkberg südlich von Crottendorf...

Der Scheibenberg bildet somit auch eine lokale Wasserscheide zwischen den Flussystemen der Zwickauer und der Freiberger Mulde.

  


Vom Kalten Muff an der Straße zwischen Wolkenstein und Geyer hat man einen schönen Blick auf einige der markanten Höhen des westlichen Erzgebirges: Links der Pöhlberg bei Annaberg- Buchholz, in der Mitte der Bärenstein bei der gleichnamigen Stadt und rechts in der Ferne Keilberg und Fichtelberg. Noch ein Stück weiter westlich folgt der etwas niedrigere Scheibenberg.

 

Während sich auf den Höhen westlich und südlich des Scheibenberges bis heute dichte Nadelwälder bis hinauf zum Fichtelberg erstrecken, sind die flacheren Talhänge und Hochebenen unterhalb und nördlich des Scheibenberges altes Rodungsgebiet.

Aufgrund seiner witterungsexponierten Lage, den geologischen Besonderheiten und der prächtigen Fernsicht wurden der Scheibenberg und seine Abhänge schon 1962 Landschaftsschutzgebiet (heutige Nr. c23). Schilf, Seggen- und Bergwiesen sowie die südliche Scheibenberger Heide an den Hängen des Berges, aber auch der Kleine und Große Zschachenstein sind zudem Flächennaturdenkmale (geoportal.sachsen.de).

Mit Verordnung vom 26. November 2012 wurde das Einzugsgebiet der Mittelgebirgsbäche am Scheibenberg mit ihren strukturreichen Ufern mit Stauden und Erlen- Eschen- Gehölzen, mosaikhaften Vorkommen von Zwischenmoorflächen, Borstgras- Rasen, naturbelassenen Bergwiesen und extensiv bewirtschafteten Weiden und Mähwiesen außerdem unter den besonderen Schutzstatus eines FFH- Gebietes (Nr. 269) gestellt. Die Steinbrüche am Hang des Scheibenberges stehen ebenfalls unter Naturschutz (Nr. 267). Auf den Schutthalden und Felsen kommen Kryptogamenvegetation sowie Bergheiden und typische Eschen- Ahorn- Schluchtwälder vor, zudem ein großer Bestand an relativ gut ausgebildeten Hainsimsen- Buchenwäldern (umwelt.sachsen.de).

  


Fährt man heute von Schwarzenberg entlang der B101 nach Scheibenberg, erinnert am Ortseingang von Oberscheibe eine Batterie- Lok mit beladenem Hunt an den Kalksteinbergbau.
 


Lageübersicht, Hintergrundkarte vom Geoportal.sachsen.de

 

Das Gebiet um den Scheibenberg gehörte nicht von Beginn an zur Markgrafschaft Meißen, sondern zur Grafschaft Hartenstein innerhalb des früheren Reichsterritoriums Pleißenland. Die Besiedlung dieser Grafschaft, die einen Nordwest- Südost- verlaufenden Streifen von Hartenstein an der Zwickauer Mulde bis zum Fichtelberg an der böhmischen Grenze bildete, steht im Zusammenhang mit den kolonisatorischen Bemühungen des deutschen Königtums im 12. Jahrhundert. Als die ersten Besitzer Hartensteins traten die Meinheringer, die Burggrafen zu Meißen, in Erscheinung (30584). Diese Linie der Meißner Burggrafen benennt sich nach ihrem ersten bekannten Vertreter, Meinher I. (* vor 1171, †1218) und repräsentiert ein aus Burgwerben bei Weißenfels stammendes Adelsgeschlecht. Sie waren auch die Stifter des Klosters Grünhain, aus dessen Besitz nach der Reformation und Säkularisation das Amt Grünhain gebildet wurde.

Die Besiedlung des doppelreihigen Waldhufendorfs Oberscheibe wird, wie die der benachbarten Dörfer Markersbach, Raschau und Schwarzbach auf das Ende des 12. Jahrhunderts angesetzt. Die erste urkundliche Erwähnung des Dorfs „Schybe“ datiert jedoch erst auf das Jahr 1401, als es von der Grafschaft Hartenstein an das Kloster Grünhain verkauft wurde. Später wurde das Territorium von der Grafschaft Hartenstein noch einmal eingelöst.

Oberscheibe besaß ein Erbgericht mit eigener Brauerei (heute Privatbrauerei Fiedler) und zwei vom Scheibner Bachel getriebene Mühlen. Erhalten gebliebene Halden und Mundlöcher zeugen noch immer vom einst regen Bergbau im Dorf. So ist schon 1478 die Zeche „Maria Magdalena“ am Scheibenberg nachweisbar (wikipedia.de). Der Eisenerzstollen „Vater Abraham“ belieferte über Jahrhunderte die Eisenhammerwerke der Umgebung, insbesondere auch den Nietzsch- Hammer in Obermittweida. Weitere Bergwerke waren die „Alte Hilfe Gottes Fundgrube“, „Laurentius“ und „Beständige Einigkeit“ (40169, Nr. 34).

Das Waldhufendorf Unterscheibe wird ebenfalls 1401 erstmals urkundlich genannt, geht aber wahrscheinlich wie die Nachbarorte auch schon auf die Besiedlungsphase im 12. Jahrhundert zurück. Dieser untere Ortsteil gehörte im Gegensatz zu Oberscheibe aber immer zur Gemeinde Raschau- Markersbach.

Finanzielle Schwierigkeiten zwangen die Meinheringer, die Grafschaft am 2. Juli 1406 an Veit I. von Schönburg zu verpfänden. In ihrer neuen Besitzung übten nun die Schönburger umfassende landesherrliche Rechte aus. Der von ihnen energisch betriebene Landesausbau und zahlreiche Silberfunde ab 1460 führten schließlich zur Gründung der Bergstädte Scheibenberg und Oberwiesenthal (30584). Die Linie der Meinheringer als Burggrafen zu Meißen ist dagegen mit dem Tod Heinrichs II. im Jahr 1426 erloschen.

Die Stadt Scheibenberg liegt unmittelbar nordwestlich am Fuß des gleichnamigen Berges auf einer Höhe von etwa 660 bis 690 m über Null. Höchster Punkt im Stadtgebiet ist das noch einmal mehr als 100 m höher liegende Gipfelplateau des Scheibenbergs mit 807 m.

Nachdem es durch die Silberfunde am Scheibenberg zu einer Überbevölkerung im Dorf Scheibe und bei den „Brünlashäusern“ gekommen war und eine Abwanderung von Arbeitskräften drohte, sahen sich die Brüder Wolf und Ernst von Schönburg zum Handeln gezwungen. Am 4. Mai 1522 gründeten sie deshalb die Stadt Scheibenberg und gewährten ihr sogleich viele Freiheiten, um ihren raschen Aufschwung zu gewährleisten. In den nächsten Jahren erfolgte der Aufbau der Stadt mit Rathaus, Kirche und Brauhaus. Ähnlich, wie in der fast gleichaltrigen (um 1519) Stadt Marienberg zeigt der Grundriß der Stadt bis heute das zu dieser Zeit moderne „Schachbrettmuster“ mit zentral gelegenem Markt und rechtwinkligen Straßenzügen.

Bei einem Stadtbrand 1529 wurden große Teile des Ortes wieder zerstört. 1530 erhielt der Ort Stadtrecht und ein Jahr später die Bergfreiheit.

1559 wurde die oberwäldische Herrschaft Hartenstein durch die Schönburger für 146.000 Gulden an den sächsischen Kurfürsten August verkauft (10036, Loc. 37341, Rep. 22, Nr. 0011 oder auch 30572, Nr. 3681). Damit wurden Scheibenberg und Oberscheibe nun Teil des albertinischen Sachsens und zunächst dem Amt Crottendorf unterstellt. Ab dem Ende des 16. Jahrhunderts kam es zu einem allmählichen Niedergang des Erzbergbaues.

An dem tertiären Kiesen aufsitzenden Deckenbasalt des Scheibenbergs entzündete sich bekanntlich im 19. Jahrhundert der Streit zwischen „Neptunisten“ und „Plutonisten“. Erst 1914 begann man mit dem Abbau des Basalts als Straßenbaumaterial (30041, Nr. 4965), nachdem der sächsische Staat bereits reichlich 50 Jahre früher eine „Basaltfläche am Scheibenberg“ erworben hatte (30041, Nr. 2339). Um den Berg als Naturdenkmal zu erhalten, wurde der Basaltabbau aber schon 1928 wieder eingestellt (wikipedia.de).

 


Basaltbruch am Scheibenberg; Foto: Joseph Partsch, um 1925.

http://www.deutschefotothek.de/documents/obj/71793881

   


Der Basalt- Steinbruch am Scheibenberg mit den berühmten „Orgelpfeifen“,
Foto: Max Nowak, vor 1930.

http://www.deutschefotothek.de/documents/obj/70004392

  


Basaltbruch am Scheibenberg; die horizontal geschichteten, hellen Flusskiese unter der Basaltdecke sind gut zu erkennen. Foto: Max Nowak, vor 1930.

http://www.deutschefotothek.de/documents/obj/70004394

  

Die auf der erst 1824 fertiggestellten Chaussee von Schwarzenberg über Raschau und Scheibenberg nach Annaberg verkehrende Fahrpost wurde nach der Inbetriebnahme der Eisenbahnstrecke 1889 eingestellt.

Seit 1. Januar 1994 ist Oberscheibe nach Scheibenberg eingemeindet.

Die Gründung des Ortes Walthersdorf an der Ostseite des Scheibenberges und die Herkunft der ersten Siedler sind quellenmäßig nicht belegt. Nach heutigen Erkenntnissen dürften die Besiedlung im Zeitraum von etwa 1180 bis 1250 durch fränkisch- thüringische Siedler erfolgt sein.

Erstmals wurde der Ort Waltersdorff am 2. Juni 1367 in einer Urkunde Kaiser von Karl IV. erwähnt, in der dieser als König von Böhmen den Untertanen des Besitzers der Pflege Schlettau mit den zugehörigen fünf Dörfern Sehma, Cranzahl, Cunersdorf, Walthersdorf und Königswalde (Amtsseite) die Ausfuhr von Vieh und Getreide aus Böhmen gestattete und ihnen die gleichen Rechte und Freiheiten wie den Tschechen zusicherte.

Zusammen mit der Pflege Schlettau war Walthersdorf an die Schönburger verliehen. Diese verkauften 1413 die Pflege an das Kloster Grünhain. 1536 wurde das Kloster im Zuge der Reformation aufgelöst (crottendorf.de).

Im Zuge der Gebietsreform erfolgte am 1. Januar 1999 die Eingemeindung der bis dahin eigenständigen Gemeinde Walthersdorf nach Crottendorf (wikipedia.de).

Heute gehören alle aufgeführten Orte zum Landkreis Erzgebirgskreis.

 

 
 
 

Zur Geologie

  

Die Kalkstein- und Marmorvorkommen innerhalb des Schiefermantels der Schwarzenberger Kuppel sind wenigstens schon seit dem 16. Jahrhundert bekannt (siehe auch folgendes Kapitel).

Eine erste geologische Beschreibung findet man in der 1778 gedruckten Mineralogischen Geographie der Chursächsischen Lande von Johann Friedrich Wilhelm von Charpentier. Dort liest man:

Vierter Abschnitt.

Die Gegend zwischen dem Pöhlfluß, Tanneberger Wasser, Zwönitz, Grünhayn, Schwarzenberg, dem Kaffbach und der böhmischen Grenze.

XXXVII.

„Im Ganzen betrachtet, enthält (die Gegend) nicht nur fast durchgängig sehr hohe Gegenden unsers Erzgebürges, sondern auch zugleich den höchsten Punkt von ganz Sachsen, den Fichtelberg bey Wiesenthal. Verschiedene kleine Flüsse und Bäche, die auf dessen Höhe oder an seinem Gehänge entspringen, durchschneiden die Gebürge und nehmen ihren Lauf durch tiefe und breite Thäler…

Was aber diese Gegend und die weiter in das Gebürge gehenden Aussichten theils vorzüglich malerisch macht, theils die Aufmerksamkeit eines Naturforschers besonders erregt, sind die, wegen ihrer ganz eigenen Gestalt bekannten drey Basaltberge: der Pöhlberg, der gleich bey der Stadt Annaberg gegen Osten liegt, der Bärenstein, welcher in ziemlich gerader Richtung zwey Stunden von Annaberg gegen Süden, und der Scheibenberger Hügel, der in fast gleicher Entfernung von diesem Orte gegen Südwest liegt…

XXXVIII.

Ich komme nun von dem äußerlichen Ansehen dieses vorhin begrenzten Theiles unsers Erzgebürges auf die innere Beschaffenheit desselben. Das Gestein ist fast durchgängig Gneuß, denn von Granit habe ich nur einzelne Felsen im Thale bey Wiesenbad an den Seiten des Gebürges gefunden…

Vorzüglich muß ich hier der vielen und verschiedenen Kalk- und Marmorlager gedenken, die an mehrern Orten in dieser Gegend, wie auf dem Hahnrücker Gebürge bey Ehrenfriedersdorf und einigen andern vorher schon genanntem angetroffen werden.

Die bekanntesten Orte sind, Bärenloh bey Wiesenthal, Rothe Sehm (Kretzscham- Rotensehma), Crodendorf, der südwestliche Abhang des Scheibenberger Hügels, in Ueberschaar bey Großpöhla„ auf dem Emler Gebürge, zu dem Neuenjahre bey Wildenau, bey Langenberg, bey Tännigt und Schwarzbach, auf dem Grauler Gebürge über den Oswaldbach gegen Westen, in dem Fürstenberge, in der gelben Birke hinter Beyerfeld und auch noch einigen andern Orten des Gebürges gegen Norden und Westen, deren ich aber erst in der folgenden Beschreibung gedenken werde. Jetzt will ich den Marmor von einigen der vorhergenannten etwas genauer betrachten.

Bey Bärenloh (eine kleine Siedlung bei Hammerunterwiesenthal) hat man verschiedene Brüche darinnen angelegt, die an einigen Orten 30 bis 40 Fuß Tiefe haben, und in dieser Gegend unter dem Namen der Wiesenthaler Marmorbrüche bekannt sind. Man siehet hier den Marmor in Lagern, von 1 bis 2, selten mehrern Fuß stark, meistens horizontal liegen… Viele senkrechte Klüfte, die den Marmor nach allen Richtungen durchschneiden, verhindern, daß ganze Massen von einigen Ellen in der Länge gebrochen werden könnten. Der Marmor ist grobkörnig, (Lapis calcareus particulis granulatis), von schöner weißer Farbe, und hat zu einer guten Politur gnügliche Härte. Hin und wieder fand ich ihn mit Gneuß bedeckt, oder vielmehr in den obern Lagern damit verbunden… Das ganze Gebürge von Bärenloh bis nach rothe Sehm schien mit Marmor von dieser Art gemengt zu sein…

Die Ausdehnung dieser Kalk- und Marmorlager ist wegen der ihn überall bedeckenden Wälder und Wiesen und wegen des an vielen Orten hochaufliegenden Torfs unmöglich zu bestimmen. Gewiß ist es, daß man an dem Abhange dieser Gebürge und in den Thälern allemal wieder Gneuß findet, und es folglich das Ansehen gewinnet, als ob er nur in den Lagern des Gesteins, so den Rücken des Gebürges ausmachen, angetroffen würde, ohngeachtet man nicht versichert ist, ob sich nicht in mehrerer Tiefe unter dem Gneuß wieder Marmor finden möchte. So bestehet der von Crodendorf gegen Nordwest sanft ansteigende bekannte Kalkberg, ehe man auf seinen Rücken kommt, überall aus Gneuß, oben aber aus lauter Marmor. Der Bau und die natürliche Beschaffenheit dieser Lager ist mit den vorher beschriebenen übereinstimmend,  doch sind hier schon einige Lager von der Stärke, daß ganze und vollkommne Stücken zu Statuen von gehöriger Größe daraus gebrochen werden können, An der schönen weißen Farbe kommt zwar dieser Crodendorfer dem bey Bärenloh und rothen Sehm nicht bey, desto mehr aber übertrifft er ihn an Härte und Feinheit des Korns.

Einige Orte zeigen hier und da röthlich gefärbte Stücken; auch ist er zuweilen mit dunkelgrauen Streifen durchzogen, und der Glimmer sowohl, als Schichten von Gneuß, in welchem Asbest und Schwefelkies eingemischt ist, sind nebst Stücken von weißem Quarz mit einigen Lagern desselben verbunden.

Man arbeitet in den verschiedenen Brüchen beynahe in eben der Tiefe als in den vorher genanntenn bey Bärenloh und bis jetzt ist der Kalkstein noch nirgends durchsunken worden...“

Uns interessiert hier insbesondere der folgende Abschnitt: An der südlichen Seite des Scheibenberger Hügels ist ein Marmorlager entblößt, das 200 und mehrere Fuß im Durchmesser haben kann… Der Marmor ist von einer halbgrauen Farbe und feinem Korne, außerdem aber durchgängig von keiner besondern Härte, und überall sehr zerklüftet, daß bisher nur Kalk daraus gebrannt worden ist...

Ich will von den Kalk- und Marmorbrüchen an den übrigen anfangs genannten Orten nichts besonders gedenken. Er kommt mit dem vorher beschriebenen fast durchgängig überein. Nur dieses muß ich noch anführen, daß man in keinem derselben auch nicht die mindeste Spur einer Versteinerung wahrgenommen hat, und so sorgfältig ich bey diesen Untersuchungen gewesen bin, so fruchtlos sind sie auch alle abgelaufen.“

  

In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts beschreibt dann Carl Friedrich Naumann in dem im Ergebnis der ersten geognostischen Landesuntersuchung im Jahr 1845 erschienenen Heft 2 der Geognostischen Beschreibung des Königreiches Sachsen und der angränzenden Länderabtheilungen den:

Dolomit und Kalkstein im Gneissterrain.

Mitten im Gneisse finden sich Lager von Dolomit oder Kalkstein bei Memmendorf, Crottendorf, Schmalzgrube, Boden und Kretzscham...“

Naumann geht aber leider ausgerechnet auf den Abbau am Scheibenberg an dieser Stelle nicht näher ein. Erst ziemlich weit hinten, auf Seite 257, erwähnt Naumann dann im Kapitel:

Kalk- und Dolomit-Lager zwischen Scheibenberg und Zschopau.

„…An der Südseite des Scheibenberger Basaltes liegen im Glimmerschiefer zwei Kalksteinpartien, deren westliche nach Oberscheibe, die östliche nach Crottendorf gehört.

Die erstere besteht aus gräulichweißem, oft graugestreiften, klein- und grobkörnigen Kalkstein, welcher mit grünlichweißem blättrigen Talk, zuweilen auch mit etwas Glimmer gemengt ist, und stellenweise Nester von grobblättrigem Kalkspath umschließt.

Der andere, bei dem Crottendorfer Flachs- Brechhause liegende Kalkstock führt ein ähnliches, höchst undeutlich geschichtetes Gestein, worin grünlichweißer Steatit und ölgrüner Glimmer nicht selten sind.“

Auch auf dem zugehörigen Kartenblatt XV der geognostischen Karte sind beide Kalksteinvorkommen am Scheibenberg, sowohl das südwestlich in Oberscheibe, als auch das südöstlich am Zachenstein bei Walthersdorf gelegene, bereits verzeichnet. Sie waren also Herrn Naumann beide schon bekannt. Wie im montanhistorischen Kapitel zu diesem Kalkwerk noch zu lesen sein wird, begann der Erz- und Kalksteinabau bei Walthersdorf wahrscheinlich 1834, also just zur selben Zeit, als C. F. Naumann die geognostischen Beschreibungen zusammenstellte.

  


Geognostische Karte von Sachsen, Blatt 15, 1846. Offenbar war auch das Kalkvorkommen am Zachenstein bereits C. F. Naumann bekannt.

      

Um mehr zu erfahren, müssen wir die Erläuterungen zum Blatt 138: Sektion Elterlein- Buchholz, der geologischen Karte aufschlagen, deren 2. Auflage von Carl Gäbert revidiert und die daraufhin im Jahr 1900 gedruckt wurde. Dort liest man:

II. Die Glimmerschieferformation

7. Krystallinischer Kalkstein (k)

„Im Glimmerschiefergebiete der Section Elterlein- Buchholz werden mächtigere Kalklager angetroffen bei Oberscheibe, am Zachensteine (zwischen Crottendorf und Scheibenberg), am Tännicht, sowie östlich und westlich vom Förstel bei Langenberg, ferner finden sich eine Reihe kleiner Kalkflötzchen im Walde südlich vom Pökelgute zwischen Mittweida und Raschau.

a. Das Kalklager von Oberscheibe.

Am Ausgehenden wird diese Kalkeinlagerung von einer gegen 8 m mächtigen Decke sandigen Lehmes überlagert und zwar mit so unregelmäßiger Begrenzung, daß der Kalk in grotesk gestalteten Riffen und scharfzackigen Klippen in den Lehm hineinragt und dieser umgekehrt in vielfach geformten Höhlungen und Spalten in den Kalkkörper eindringt. In reinem Zustande ist hier der Kalkstein ein krystallinisch grob- oder feinkörnigeres, zonenweise fast dichtes Gestein von weißer, meist aber schwach bläulich-grauer Farbe. Das färbende Element bildet Graphit in feinvertheiltem, staubartigen Zustande. Finden sich die mikroskopischen Partikelchen dieses Minerals häufiger ein, so wird die Farbe des Kalksteines dunkler, ja in einzelnen kleineren Schmitzen erscheint er dadurch fast homogen schwarz gefärbt.

Als accessorische Mineralien dieses Kalksteines treten auf: heller, schwach grünlich gefärbter Glimmer, braunrother, eigenthümlich fettglänzender Glimmer, wahrscheinlich Phlogopit, ferner vereinzelt schwarzbraune oder licht silberglänzende Schüppchen von Biotit und Muscovit; Quarz als Fettquarz in knolligen, dick-linsenförmigen Massen; Tremolit von lichtgrüner Farbe in garbenförmigen Aggregaten, Braunspath, Magnetkies und Schwefelkies. Auf einer Kluft des Kalksteines wurde Chalcedon von bläulich-weißer Farbe, durchscheinend und in zierlich nierig-traubenförmiger Structurform angetroffen.

Die Anordnung und Vertheilung besonders des lichtgrünlichen Glimmers und des Phlogopites bewirken bisweilen eine deutliche Schichtung des Kalksteines, die bald eben, bald vielfach gewunden erscheint. Da, wo Glimmer sich anhäuft, finden sich meist auch Quarzknollen und mit diesen neben Tremolit und Kiesen späthger Kalk und Braunspath ein. Derartige Partieen bilden meist nur schwächere Lagen im körnigen Kalke. Auch durch Vertheilung des Graphites wird dort, wo der Glimmer fehlt, eine gewisse Schichtung angedeutet, indem hellere mit dunkleren Zonen abwechseln, bald in geraden Linien, bald in vielfach gewundenen Schlingen. Der Kalkstein selbst ist, wie folgende Durchschnittsanalysen zweier Qualitäten zeigen, ziemlich rein:

  CaO MgO CO2 Fe2O3 Unlösliches
I. 54,0 1,6 42,0 0,3 1,8
II. 49,8 5,3 43,4 0,1 1,3

…eine Zusammensetzung, nach welcher im ersten Falle der Kalkstein 97,9%, im zweiten 86,9% reines Calciumcarbonat enthält.“

Fast identische Werte führten übrigens Wunder, Herbrig und Eulitz schon im Jahr 1867 im Kalkwerksbetrieb Sachsens für die „fiskalischen Brüche I und II auch auf (siehe folgendes Kapitel). Doch weiter bei C. Gäbert:

  

„Etwa 250 m südöstlich vom Hauptbruche markirt sich inmitten der Felder eine schwache, jetzt beraste Terrainvertiefung, welche jedenfalls von einem früheren Abbauversuche herrührt. In derselben war noch zur Zeit der ersten geologischen Aufnahme der Section (also 1878) eine kleine Klippe von unreinem körnigem Kalke zu beobachten. Da dieser Punkt ziemlich genau im Streichen der Hauptkalkpartie liegt, ist es nicht unwahrscheinlich, daß diese kleine Partie dem südlichen Ende des im Bruche aufgeschlossenen Kalklagers angehört.
  


  

Die wilde Zerrissenheit der Oberfläche des letzteren ist das Product der lösenden Einwirkung kohlensäurehaltigen Wassers auf den Kalkstein, welche umso leichter und schneller vor sich ging, je reiner und gleichmäßig körniger das Gestein war. Partieen hingegen, in welchen der Kalk eine fast dichte Structur besitzt, ferner solche, in denen das schwarze Pigment stark vorwaltet, oder wo reichlicher Glimmer widerstandsfähigere Lagen erzeugt, mußten der Auflösung länger widerstehen. Da aber diese mit der Schichtung des Gesteines zusammenhängen, also bald ebene parallele Streifen bilden, bald in vielfach gewundenen, unregelmäßig begrenzten Schnitzen und Schlieren den Kalk durchziehen, so resultirten nach Wegführung der reinen Kalkmasse jene wunderlichen Conturen der Oberfläche. Sie stehen also, so launisch sie scheinbar gestaltet sind, in causalem Zusammenhange mit der Structur des Kalkkörpers und gehören der Gruppe der Karrenbildungen an.“

  


Geologische Karte, Blatt 138, 2. Auflage 1900. Wir haben die Kalksteinvorkommen südwestlich des Scheibenberges und südöstlich an den Zachensteinen markiert. An den letzteren sind bereits das alte und das neue Lager getrennt dargestellt.
 


Geologischer Schnitt durch den Scheibenberg aus der Geologischen Karte. Links, blau dargestellt, das Kalklager von Oberscheibe. Der Schnitt verläuft von Südwest nach Nordost, so daß das zweite Lager am Zachenstein, südöstlich vom Scheibenberg, leider nicht dargestellt ist.

  

Erst an dieser Stelle sind wir eigentlich auch auf das zweite Kalksteinvorkommen, in dem kleinen Seitentälchen des Heidelbaches am südöstlichen Hang des Scheibenberges zum Zschopautal hin gelegen, aufmerksam geworden. Bei C. Gäbert findet man es nämlich gleich im nachfolgenden Abschnitt:

b. Das Kalklager am Zachensteine.

In diesem Kalklager finden sich dieselben accesorischen Mineralien, wie in demjenigen von Oberscheibe, treten aber hier zum Theil noch mehr in den Vordergrund. In reinster Qualität ist der Kalkstein von gleichmäßig körniger Beschaffenheit und weißer Farbe, enthält aber doch häufig kleine Büschel von weißem oder schwachgrünlichem, oft asbestartig feinfaserigem Tremolit. Derselbe herrscht in manchen Theilen des Kalklagers, besonders nach dessen Grenzen zu, bis zur vollständigen Verdrängung des Kalkes vor und bedingt bisweilenm durch lagenweise Vertheilung eine Schichtung des Gesteins. Beim Zerschlagen des Gesteins findet man dann immer seine Spaltflächen mit radial-strahligen Tremolitaggregaten überzogen. Bisweilen stellen sich auch Biotit und Muscovit recht häufig ein.

Gewöhnlich durchziehen die schuppigen Glimmeraggregate den Kalkstein, der an solchen Stellen durch starke Beimischung von Magnesia-, Mangan- und Eisencarbonat eine gelblich-braune Farbe erhält, in grobmaschiger Anordnung mit oft augenfällig eckigem Verlaufe, so daß das Gestein ein fast breccienhaftes Aussehen erhält. Zinkblende und Schwefelkies treten accessorisch besonders in dieser Abänderung des Kalksteines auf. Solche Stellen sind es auch, wo sich nach deren Zersetzung und Verwitterung die Oberfläche mit einem braunen Gruse von Glimmerblättchen und einem erdigen Gemenge der hydratisirten Oxyde von Mangan und Eisen bedeckte. In dem reineren Kalksteine finden sich Pseudomorphosen von Speckstein nach körnigem Kalke, an denen schon mit bloßem Auge die allmähliche Verdrängung der Kalkkörner durch Speckstein zu beobachten ist. Die mikroskopische Untersuchung zeigt, wie die Specksteinsubstanz in vielfach verzweigten Adern in die Kalkspathindividuen eindringt, sie maschig umschließt und schließlich ganz verzehrt.“

  

Dieses Vorkommen findet in derselben Quelle nochmals Erwähnung im Abschnitt

B. Verbandsverhältnisse.

„…Von den Kalkeinlagerungen der Glimmerschieferformation giebt allein diejenige am Zachensteine Aufschluss über deren Verbandsverhältnisse zum Glimmerschiefer.

Granatführender Glimmerschiefer, der hier ungefähr N. 80° W. streicht, mit 20-30° nach SW. einfällt, bildet das Hangende und Liegende des Kalklagers. Nur im Hangenden trennt eine etwa metermächtige Bank eines gneissähnlichen biotitreichen Gesteines den Kalkstein vom Glimmerschiefer. Nach seinen Grenzen zu wird ersterer durch parallele Einlagerungen von Muscovitschüppchen deutlich geschichtet, so daß ein Kalkglimmerschiefer als Übergangsglied entsteht.“

   

Im 2010 erschienen Band 16: „Marmore im Erzgebirge“ der Bergbaumonographie werden sowohl die Lagerstätte Oberscheibe (D24), als auch das Vorkommen am Zachenstein (D25, hier als „ehemaliges Kalkwerk Flohrer bezeichnet) stratigraphisch den Vorkommen im Emmler- Quarzit bei  Raschau, Langenberg und Schwarzbach gleichgestellt und in die Raschau- Formation der Keilberg- Gruppe eingeordnet. Im Hangenden stehen in Oberscheibe die typischen Quarzglimmerschiefer vom Typ des „Emmler- Quarzits“ mit Quarzitschieferlagen und im Liegenden Biotit- bis Zweiglimmerschiefer, z. T. auch in Gneisglimmerschiefer übergehend, an.

Der von den alten Geologen vermutete Zusammenhang der einzelnen Vorkommen von Hammerunterwiesenthal, Crottendorf, Oberscheibe und weiter westlich über den Emmler bis nach Wildenau bestätigte sich aber nicht. Vielmehr handelt es sich bei allen diesen Vorkommen um einzelne, meist flach linsenförmige, konkordant in die Gesteinsfolge eingebettete Lager unterschiedlicher Ausdehnung.

 


Kalksteinvorkommen im Erzgebirge, von uns rot markiert die beiden Vorkommen westlich und östlich vom Scheibenberg. Kartengrundlage aus Hoth et al.: Bergbaumonographie, Band 16, 2010.

   

Die Lagerstätte Oberscheibe liegt an der Nordostflanke der sogenannten „Hundsmarter- Synklinale“, und zwar im Bereich einer flachen Quermuldung, wodurch das Lager hier eine flach nach Südwest abtauchende „Halbschüssel- Form“ erhält. (Als „Hundsmarter“ ist unter den Einheimischen ein steiler Pfad von Markersbach hinauf zum vorderen Hemmberg, wo heute das Oberbecken des PSW liegt, bekannt.) Während der Nordteil relativ gleichmäßig gelagert ist und mit 10° bis 40° nur flach nach West und Westnordwest einfällt, findet sich im zentralen Teil dann eine intensive Faltung, teils mit überkippten, Nord- Süd- bis Westnordwest- Ostsüdost- streichenden Faltenachsen. Der südliche Teil weist wieder eine „ruhige“ Lagerung mit einem Einfallen zwischen 15° und 25° nach Südwest auf.

Hinzu kommt eine recht ausgeprägte Bruchtektonik durch vorwiegend Südwest- Nordost-, seltener Nord- Süd- streichende und steil einfallende Störungen mit Verwerfungsbeträgen über 10 m. Die Störungen sind gewöhnlich sekundär mit Calzit oder Dolomit, in Oberflächennähe oft auch mit lehmigem Zersatz ausgefüllt und können reichlich Wasser führen.

Das eigentliche Calzit-Marmorlager unter dem hier bis zu 30 m Mächtigkeit erreichenden Emmler- Quarzit gliedert sich in vier Komplexe:

  • „Oberer Calzit- Marmor- Komplex“ mit 40 m bis 50 m Mächtigkeit, vorwiegend weiß, nur z. T. gebändert durch Graphit- Lagen, oft sekundär dolomitisiert,
  • „Bunter Bereich“ mit zirka 10 m Mächtigkeit, verstärkt auftretende Graphit- und metasomatische Dolomitmarmor- Lagen,
  • „Unterer Calzit- Marmor- Komplex“ mit 15 m bis 20 m Mächtigkeit, weiß gebändert durch  Dolomit- Lagen, z. T. auch Skarnlagen, sowie die
  • „Basale Wechellagerung“ mit 3 m bis höchstens 15 m Mächtigkeit, mit eingeschalteten Biotit- Glimmerschieferlagen, mancherorts durch blaugrauen dolomitischen Marmor gänzlich ersetzt.

  


Geologische Situation am Kalkwerk Oberscheibe, umgezeichnet nach Hoth et. al.: Bergbaumonographie, Band 16, 2010. Darin sind: Gmm... hangender Glimmerschiefer, Qe... Emmler- Quarzit, Gm... liegender Gneisglimmerschiefer.

  

Im Gegensatz zu den meisten anderen Marmorvorkommen der Raschau- Formation ist die Marmorlagerstätte Oberscheibe auch stofflich sehr heterogen zusammengesetzt. Es lassen sich hier schon primär vier Marmorvarietäten unterscheiden:

1. mäßig dolomitführender bis dolomitreicher Calzitmarmor, zirka 55% Mengenanteil, grauweiß bis weißgrau, graubänderig durch rhythmischen Wechsel dolomitärmerer und dolomitreicherer Lagen und durch schwankenden Glimmergehalt.

2. dolomitarmer bis dolomitführender Calzitmarmor, unter 25% Mengenanteil, weiß bis grauweiß, auch weißgrau, kaum gebändert oder gestreift, vorwiegend klein- bis mittelkristallin (0,3 mm bis 1,5 mm Korngröße), z. T. auch grob- oder feinkristallin (max. 2 mm bis 3 mm Korngröße), rein bis mäßig verunreinigt. Nebengemengteile: vereinzelt Muskowit (um 0,1 mm Korngröße), zuweilen Quarz, vereinzelt Erz.

3. Dolomitmarmor, unter 10% Mengenanteil, hellgrau-grau, in der Regel calzitarm bis calzitführend, fein- (bis klein-) kristallin (0,1 mm bis 0,4 mm Korngröße), kaum bis mäßig verunreinigt. Nebengemengteile: Calzit, vereinzelt Muskowit, Serizit, Serpentinit, Talk, Apatit, Pyrit. Dieser Typ wurde nur einmal als 6 m mächtige Linse auf der 3. Sohle angetroffen.

4. Graphit- führende Marmore, zirka 10% Mengenanteil, dunkelblaugrau bis dunkelgrau, auch bläulichgrau, z. T. farbstreifig, Chemismus von Calzitmarmor (mäßig dolomitführend, mäßig verunreinigt) bis Dolomitmarmor (calzitisch bis calzitreich, rein bis unrein) schwankend, wechselkörnig (0,05 mm bis 0,3 mm bzw. 0,7 mm bis 2 mm Korngröße). Der hohe Nichtkarbonatanteil (meist 10% bis 20%) setzt sich aus Quarz, Muskovit, Phlogopit, Biotit, Tremolit, Graphit bzw. Kohlenstoff, Pyrit und Magnetit sowie Zersetzungsmineralen wie Talk (oft reichlich), Serizit, Chlorit und Brauneisen zusammen.

Auch an sekundären Umbildungen der Marmore ist die Lagerstätte Oberscheibe besonders reich. In den oberflächennahen Teilen des Lagers und im gesamten Südostfeld sind die Calzitmarmore in braune bis dunkelgraubraune, gelbe, hellbraune, rötlichgraue und reliktisch manchmal auch weißliche metasomatische Dolomite umgewandelt, die in der Regel eine poröse bis kavernöse, im Extremfall wabige Struktur besitzen. Die Gesteine sind häufig drusig mit Quarz- und Dolomitkristall- Füllung. Kalzit ist fast völlig verschwunden, feinkristalliner Quarz häufig.

Bisher nicht erklärbar ist den Geologen die lokale Konzentration der graphitführenden Marmore im Steinbruchsüdteil sowie das Abweichen des Hauptteils der Marmore von Oberscheibe und vom Zachenstein sowie am Habichtsberg (D26) in ihrem Chemismus von der sonst üblichen „Dolomit- Fazies“ des Raschau- Karbonats.

  

An den Zachensteinen kam der Marmor ebenfalls in wenigstens zwei Varietäten vor:

  • Calzitmarmor, weiß (beste Qualität), gleichmäßig feinkörnig, deutlich zwillingslamelliert, häufig kleine Büschel von Tremolit, z. T. mit Speckstein-Pseudomorphosen. Ansonsten arm an Nebengemengteilen (Chlorit, Hellglimmer) und
  • Calzitmarmor, grauweiß oder schwach grünlich bis grün, oft asbestartig feinfaserig und seidenglänzend, tremolitreich, dadurch streifig bis bänderig, glimmerführend (Muskowit, Phlogopit, Biotit). Weitere Nebengemengteile sind Aktinolith (?), talk- oder serpentinartige Minerale, Pyroxen, Chlorit, Zoisit, Quarz, Olivin; Pyrit, Pyrrhotin und Sphalerit.

In den Beschreibungen früherer Autoren finden sich daneben Hinweise auf eine metasomatische Dolomitisierung. So werden in der ersten Auflage der Erläuterungen zur geologischen Karte auch gelblich- braune Marmore von „fast brekzienhaftem Aussehen“ mit „starker Beimischung von Magnesia-, Mangan- und Eisenkarbonat“ und mit einem bevorzugten akzessorischen Gehalt an Pyrit und Sphalerit beschrieben.

Oberflächennah war der Marmor von einem braunen, glimmerführenden, meist erdigen Grus mit hydratisierten Oxyden von Mangan und Eisen überdeckt. Vorallem im Westbruch fanden sich auch Nester von grobspätigem Calzit und Quarzknauern im Marmor.

Die Mächtigkeit des Lagers schwankte zwischen 15 m und 20 m. Im Hangenden steht Zweiglimmergneis, im Liegenden Granat- führender Quarzglimmerschiefer an. Bei einem Einfallen zwischen 30° und 40° nach Südwest weist es eine intensive Faltung auf. Eine Nordost- Südwest- streichende Störung teilt das Lager in zwei Abschnitte. Auch der Abbau erfolgte zuletzt in einem westlichen und einem östlichen Bruch. Der westliche ist weitgehend wieder verfüllt, der östliche ist heute abgesoffen.

  


Calzit xx, Oberscheibe. Breite der Stufe zirka 8 cm. Sammlung und Foto: D. Gräfe.

   


Pyrrhotin xx, teilweise umgewandelt in Pyrit, auf Calcit xx; Kalkwerk Oberscheibe bei Scheibenberg; Größe der Stufe 6 x 4 cm. Sammlung und Foto: U. Haubenreißer.

   

 
 
 

Zur Montangeschichte

Die Anfänge des Kalksteinbergbaus

  

Wir beginnen auf der Karte links vom Scheibenberg, da dieses mit Gewißheit das ältere der früheren Kalkwerke am Scheibenberg ist.

Die Gründung der Stadt Scheibenberg geht, wie oben schon zu lesen stand, auf den Erzbergbau zurück. Ein Eisenhammer im nahen Raschau wird bereits 1402 in einem Kaufvertrag zwischen Burggraf Heinrich von Meißen als Verkäufer sowie dem Abt Nicolaus des Klosters St. Nikolaus in Grünhain über einige Güter im Dorf Scheibe, den Hammer im Dorf Raschau und das Dorf Glasberg“ urkundlich erwähnt (30570, Nr. 4).

Als Hammerherren war insbesondere die Familie Klinger bereits seit dem Ende des 15. Jahrhunderts in der Region urkundlich nachweisbar. 1515 wurden von Caspar Klinger aus Elterlein auch die Silbererze am Scheibenberg entdeckt. Um 1580 besaß Michael Klinger ein Hammerwerk am Emmler bei Raschau, das bereits über einen Hochofen verfügte (10036, Loc. 36278, Rep. 09, Sect. 1, Nr. 3809). 1586 erwarb Nikol Klinger zusammen mit Carl Frey (oder Freier) auch den vormaligen Brenner- Hammer in Hammerunterwiesenthal.

Auch die ernestinischen Kurfürsten versuchten nach den Silberfunden am Scheibenberg 1522, in unmittelbarer Nähe eine zweite Bergstadt unter dem Namen „Neustadt am Scheibenberge“ zu gründen, was jedoch am Widerstand des Klosters Grünhain und an den nur geringen Silberfunden auf ernestinischem Boden scheiterte (40014).

Noch nach dem Hauptrezeß mit den Schönburgern von 1740 bestand für den Erzbergbau in Scheibenberg ein eigenes Bergamt, welches die vormals schönburgischen Bergämter Elterlein, Oberwiesenthal, Lößnitz und Hohenstein- Ernstthal einschloß (40014). Die Aufsicht über Eisensteinförderung und Hammerwerke oblag dagegen bis Anfang des 19. Jahrhunderts der Hammerwerksinspektion Schneeberg (40022).

Der Bergbau bei Scheibenberg wird auch in der 1845 erschienenen Beschreibung der sächsischen und ernestinischen Lande von A. Schiffner erwähnt: „Scheibenberg liegt zwar am nordwestlichen Fuße des gleichnamigen, steilen, tafelförmigen und weit umgreifenden Basaltberges, aber doch sehr hoch und rauh, an den Straßen von Schwarzen- nach Annaberg und von Leipzig nach Wiesenthal, nächst der Grünhainer Amtsgrenze… Sie ist der Sitz eines Annaberger Berggeschworenen, eines Postverwalters und Steueramtes, zahlte 1834 in 166 Häusern 1.656 (jetzt 1.700) Seelen, und hat eine hübsche Kirche, 1 Forsthaus, mehre Mühlen in der Nahe der in Norden angelegten starken Torfbruche, 1 Ziegelei, einigen Eisen-, Silber- und Kiesbau, auch am Scheibenberge einen Marmorbruch nebst Kalkofen…“

Für den Erzbergbau interessieren wir uns aber vielleicht ein anderes Mal näher…

  


Bergschmiede von Vater Abraham 1927, Foto: Paul Schulz.

http://www.deutschefotothek.de/documents/obj/70003254

   

Petrus Albinus schreibt in seiner Meißnischen Bergchronica, gedruckt 1540, im XXII. Titel: Von den Werckstücken und andern Felsen und etlichen Arten von mancherley Steinen im Lande zu Meißen (S. 166ff), zwar: „Kalcksteins haben wir in Meißen auch keinen Mangel…“, erwähnt dabei aber Kalksteinabbau bei Oberscheibe noch nicht.

Nur wenig später (1546) wird Georg Agricola‘s De natura fossilium gedruckt. Agricola nennt darin (im Siebenten Buch) fast dieselben Vorkommen in Sachsen, wie vor ihm Albinus, nämlich Rabenstein „am zweiten Meilenstein von Chemnitz nach Waldenburg“, Auerswalde bei Chemnitz, die „…Berge an der Saale“ sowie „in der Nähe der Müglitz nicht weit von Pirna“, womit wohl die Kalkbrüche um Maxen, Nenntmannsdorf und Borna im Elbtal- Schiefergebirge gemeint sind. Die obererzgebirgischen Marmor- Vorkommen werden dagegen in beiden Quellen noch nicht genannt.

Vermutlich steht vielleicht weniger die Entdeckung, als vorallem eine intensive Nutzbarmachung der Vorkommen am Scheibenberg ebenfalls mit der systematischen Suche nach Kalksteinen und Marmoren, die als Werksteine verwendbar sind, etwa ab 1570 sowie mit dem kurfürstlichen Privileg für Johann Maria Nosseni aus dem Jahr 1585 in Zusammenhang. (Siehe dazu unsere Beiträge zu  Wildenau bei Schwarzenberg und  Wildenfels bei Zwickau.)

Bei Wikipedia kann man lesen, daß die erste gesicherte urkundliche Erwähnung des Kalkabbaus in Oberscheibe – bereits mit der Nennung eines Kalkofens – auf das Jahr 1630 datiert. Zumindest die südlich von Crottendorf liegenden Marmorbrüche und Kalköfen, „welche bisher von Privatpersonen benutzt wurden“, wurden ab 1667 von staatlicher Seite konfisziert und seitdem „vom Amt gegen Rechnung betrieben“ (10036, Loc. 36025, Rep. 08, Schwarzenberg, Nr. 0023a).

Der Scheibenberger Pfarrer und Chronist Christian Lehmann (*1611, †1688) schrieb in seinem 1699 gedruckten Historischen Schauplatz derer natürlichen Merckwürdigkeiten in dem Meißnischen Ober- Ertzgebirge: „Am Schwarzwasser und seinen Einfällen (Nebenflüssen) liegen 2 Kalck-Brüche, der eine über dem Ursprung und Quell des Marckers-Bachs auff der Ober- Scheibner, welcher aber nur ein Trum vom Crotendörffer Hauptgang ist, und wegen Mangel des Holtzes liegen blieben, soll zu Marmor versparet werden…“ (VIII. Eintheilung, CAP. III)

Noch 1848 wurde übrigens der Kalkofen in Oberscheibe mit Brennholz befeuert (10036, Loc. 32148, Rep. 33, Spec. Nr. 3863a und 3863b).

Der Erbrichter Gottfried Stölzel ersuchte 1719 um Konzession zur Erbauung eines Kalkofens für den bereits 1711 auf seinem Gut in Oberscheibe „erfundenen Kalkbruch“ (30016, Nr. 1938, Nr. 1931 und Nr. 2049). Die Stölzel’s hatten das Erbrichteramt in Oberscheibe wenigstens bis 1845 inne. In diesem Jahr wird Herr Carl Gottlob Stölzel in den Akten genannt (30016, Nr. 418, 2081 u. a.). Möglicherweise betrieben die Stölzel’s während dieser Zeit auch den Kalkbruch.

Im Bestand des Finanzarchives findet sich außerdem eine Akte über die Verpachtung eines Kalkbruches auf dem Süss’schen Gut Scheibenberg aus dem Jahre 1771 (10036, Loc. 34055, Rep. 29 Schwarzenberg, Nr. 0026). Ob mit dem „Süss’schen Gut“ eines in oder bei der Stadt Scheibenberg gemeint ist, geht aus diesem Aktentitel nicht hervor und muß noch recherchiert werden. Ein Herr Christian Heinrich Süß war jedenfalls schon vor 1819 Erbrichter in Crottendorf (30016, Nr. 1437). Am Zschopauweg in Crottendorf gibt es noch heute ein „Süß- Michel- Gut“ (Crottendorfer Anzeiger 02, 2002). Eine Firma Paul Süß war auch ab 1910 in Raschau ansässig (30049, Nr. 4673). Noch heute ist ein Gehöft in Raschau als „Süß- Mühle“ bekannt (30136, Nr. 1868).

1778 beschrieb dann J. F. W. von Charpentier den Kalkbergbau „am südlichen Abhange des Scheibenberger Hügels“, leider ohne dabei den Besitzer zu benennen. Die in dieser Zeit entstandenen Meilenblätter von Sachsen weisen diesen Kalkbruch aus. Auch C. F. Naumann geht in seiner geognostischen Beschreibung der Region 1845 leider ausgerechnet auf die Besitzverhältnisse der Vorkommen am Scheibenberg nicht näher ein (siehe voranstehendes Kapitel zur Geologie).

Um 1800 beschreibt der Kammerherr von Lindemann den Kalkbruch (30016, Nr. 1946), woraus hervorgeht, daß der Steinbruch zu dieser Zeit abgesoffen gewesen sei. Ein Stollnbau solle Abhilfe schaffen, wofür das Rentamt Schwarzenberg jährlich über 300 Thaler Vorschuß auf hohe Weisung“ zur Verfügung stellte. Außerdem habe man „beim Mühlenbau“ ein weiteres Kalklager angetroffen, welches ebenfalls durch einen Stolln erreicht werden solle. Ob es sich bei diesem schon um das des späteren Flohrer'schen Bruches handelte (weil eine Wassermühle auf der Höhe des Scheibenberges wenig Sinn gemacht hätte), geht aus dem Schreiben nicht hervor.

Aus einem anderen Schreiben vom Juni 1806 geht aber dann hervor, daß der Stolln bereits eine Länge von 111 ¾ Lachtern erreicht habe und noch 27 ½ Lachter bis zum Bruch fehlen. Der zugehörige Tagesschacht (wohl der alte Förderschacht auf der Ostseite der Landstraße) besäße bis Stollnsohle eine Teufe von 7 ½ Lachtern (rund 15 m). Die Aufsicht führte bis zu seinem Tod im Jahr 1808 der Hofjäger und Oberförster Müller.

Für die Auffahrung dieses letzten Abschnittes wurden allerdings wenigstens 1 ½ Jahre veranschlagt, weil man in alte Baue der Vorfahren“ eingeschlagen habe, die mit losem, aber unbrauchbarem Gesteinsschutt verfüllt seien und mit „schwerköstiger Zimmerung“ durchfahren werden müßten. Diese Baue wurden mit 16 Lachtern Länge und 4 Lachter Höhe und Breite beschrieben.

Ein Jahr später war dieser Bereich auf 8 Lachtern Länge durchörtert. Nun stellte man allerdings fest, daß schon einige Holzstempel und Kappen verfault und wandelbar geworden sind. Leider endet damit diese Akte, so daß wir nicht erfahren, wie es weiterging...

  


Berliner Exemplar der Meilenblätter von Sachsen, Blatt 271, 1789, Norden ist links oben, dort ist auch der Scheibenberg zu sehen.

  


Freiberger Exemplar der Meilenblätter von Sachsen, Blatt 269, 1789. Am oberen Bildrand nördlich des Scheibenberges die Fundgrube Hülfe Gottes, links oben markiert der Kalkbruch, am unteren Bildrand die noch unverritzten Zachensteine.

  

August Schumann erwähnt im Band 7 seines Allgemeinen Staats-, Post- und Zeitungslexikons von Sachsen im Jahr 1818 unter dem Stichwort Oberscheibe auch den Kalkabbau: „Bei diesem Dorfe ist ein Kalkbruch, aus welchem man jährlich über 1000 Fässer Kalk gewinnt…“

Im Band 10 des Allgemeinen Staats-, Post- und Zeitungslexikons von Sachsen, erschienen 1823, geht A. Schumann unter dem Stichwort Scheibenberg ein klein wenig ausführlicher auf den Kalkabbau ein: „…Bei der obern Brünnlosmühle, welche schön gebaut ist und eine Ziegelei hat, findet sich guter Ziegelthon, so auch am Crottendorfer Wege, unweit des Kalkbruchs.

Die obere und die untere Brünlas- Mühle sowie das Brünlas- Gut lagen am Westrand des Schlettauer Stadtwaldes nördlich von Scheibenberg in einem flachen Hochtal an den Zuflüssen der Roten Pfütze. Die obere wurde auf den Meilenblättern, in denen man auch die Lehmgrube und eine Ziegelscheune findet, noch als Rothe Mühle bezeichnet. Wenigstens seit 1853 wurde auch der lehmige Zersatz im Hangenden des Kalklagers zur Ziegelherstellung mit abgebaut. Weiter heißt es bei Schumann:

Dieser letztere liefert einen fast ganz marmorartigen, bläulichen und graulichweißen Kalkstein, welcher auf den beiden hiesigen Öfen zu einem trefflichen Kalk (jährlich einige 1000 Fässer) gebrannt wird; Bruch und Öfen (am Scheibenberge, jedoch ziemlich tief gelegen) sind landesherrlich.

Auch bricht man nahe beim Ofen die Kalkflöße, welche dem Eisenstein des Vater Abraham zugesetzt werden, s. unten.

Das große Kalksteinflötz hiesiger Gegend streicht vom Brünnlos an südwärts durch den Scheibenberger Wald, zwischen Oberscheibe und dem Scheibenberge hindurch, und längs der Westseite von Crotendorf hinauf; hier wendet es sich über das Zschopenthal hinüber, unterzieht die Neudorfer und Rothsehmer Flur, und reicht bis über Bärenloh bei Wiesenthal…“

Schumann schreibt hier schon 1823, daß der Kalkbruch in Oberscheibe „landesherrlich“ sei, also dem Fiskus gehöre und unter staatlicher Aufsicht betrieben werde.

Die genannte Grube Vater Abraham erhielt in Schumann’s Postlexikon sogar einen eigenen Verweis, da es mehrere Erzgruben dieses Namens im Erzgebirge gab. Zu dieser heißt es im Jahr 1833 im Ergänzungsband 18: „…bei Scheibenbg. oder Oberscheibe, auf Eisen, wo auch der ägypt. Jaspis (säch. Aegyptenstein) u. brauner muschlgr. Jaspis vorkommen; sie gehört zum Hammer Obermittweida.“

Mit dem „ägyptischen Jaspis“ dürfte ein tiefroter, dichter und schleifwürdiger Hämatit (Roteisenstein) gemeint gewesen sein.

Vom gleichen Autor gibt es unter dem Stichwort Waltersdorf im 1825 erschienenen Band 12 dagegen keinerlei Hinweise auf Kalksteinbergbau. An dieser Stelle wird nur vermerkt: „Im 17. Jahrh. soll man hier ein Alaunflötz entdeckt haben, welches aber nie benutzt wurde. Die Sage selbst hat dadurch Wahrscheinlichkeit, daß eine dort entspringende Quelle, sobald sie in einen Teich geleitet wurde, alle Fische in demselben tödtete. Auf hiesiger Flur baut man das Bergwerk Rosenbusch, welches 1823 quart. 1 Thlr. Zubuße pro Kux erforderte.“

   


Diese Stufe derb- körnigen Roteisensteins, z. T. mit schwarzgrauen, strahligen Aggregaten kristallisierten Hämatits, stammt nicht von Vater Abraham, sondern von einer Halde auf dem Rothen Hirsch Flachen bei Sosa. So ähnlich könnte aber auch das Eisenerz von der Grube in Oberscheibe ausgesehen haben. Sammlung Boeck.

  


Dichte Aggregate sehen mit Politur tatsächlich manchmal wie Jaspis aus. Dieses Stück stammt vom Uranus Stolln bei Wildenthal. Sammlung Boeck.  

 


Oberreit’scher Atlas von Sachsen, Blatt 20, 1836. Außer dem Kalkbruch sind verzeichnet: Vater Abraham in Oberscheibe, Hülfe Gottes zwischen dem Scheibenberg und dem Kalkbruch, Beständige Einigkeit Zeche und Laurentius Zeche in Scheib
enberg. Noch immer gibt es keine Eintragung eines Kalkbruches am Zachenstein, nur das „Brech- Haus“ ist dort schon zu finden. Davon hören wir weiter  unten noch mehr.

  

Anmerkung: Das Brechhaus hat nichts mit einem Steinbruch zu tun, sondern trug seinen Namen von der Flachsbreche. Flachsanbau ist wenigstens seit 1688 in der Region belegt, als es schon ein gemeinsames Darr- und Brechhaus für die kleineren Häusler- Güter in Crottendorf gab. Große Bauerngüter besaßen dagegen eigene Brechhäuser, in denen der Flachs getrocknet, gebrochen und dann gehechelt wurde, um die Flachsfasern von holzigen Resten zu befreien. Ein solches gehörte 1805 auch zum Gut von Gottlieb Haase auf der Flur in Richtung Scheibenberg und dieses könnte das hier auf der Karte dargestellte gewesen sein (Crottendorfer Anzeiger, Nr. 3, 2002).

   

 
 
 

Zum fiskalischen Betrieb in des Kalkwerkes Oberscheibe bis 1945

  

1846 wurde das Oberscheibner Kalkwerk noch als „Gley’sches Kalkwerk“ bezeichnet (30016, Nr. 170). Herr Dr. Friedrich Ferdinand Gley war 1847 Bürgermeister in Scheibenberg und zusammen mit seinem Bruder Emil Theodor Gley Besitzer des Gutes, in deren Fluren das Kalkwerk lag. 1848 kündigte das Forstamt den Vertrag über die Lieferung eines Holzdeputates aus den fiskalischen Waldungen zu Crottendorf auf, wofür die Besitzer eine Ablösung in Höhe von 5.000 Thalern erhielten. Das Holzdeputat umfaßte bis dahin je Ofenbrand eine Brennstoffmenge von 6 Klaftern Schnittholz zu 7/4 Ellen Länge oder von 7 Klaftern zu 6/4 Ellen Länge, wofür ein Zins von 6 Thalern, 15 Groschen und 3 Pfennigen zu entrichten war.

Herr Gley ist uns im Jahr 1851 als Besitzer der sogenannten „Torfräume“ in den Akten begegnet (32951, Nr. 8). Die Brüder mußten sich nun natürlich nach anderen Brennstoffquellen umsehen.

Im Jahr 1847 wurde auch ein neues Konzessionsgesuch „zur Erweiterung des Kalklagers und Kalkwerkes in Oberscheibe“ an das Justizamt Schwarzenberg gestellt (30016, Nr. 1947). Bis dahin muß sich dieses Kalkwerk folglich in privater Hand befunden haben.

Auch Herr Gley war aber noch nicht der letzte private Besitzer des Kalkbruches vor der Übernahme durch den Fiskus, denn 1855 schrieb Carl Benjamin Dietrich (*1791, †1864), wie weiland Christian Lehmann vor ihm auch Pfarrer in Scheibenberg, in seiner Kleinen Chronik der freien Bergstadt Scheibenberg zur Geschichte des Abbaus: „Am Scheibenberge befindet sich ein mächtiges Kalksteinlager, dessen schon in den ältesten Urkunden gedacht wird, gegenwärtig Eigenthum der verwitweten Madame Gottschald allhier, welches bergmännisch betrieben wird. In 2 Oefen wird der marmorartige, hier gebrochne Stein zu Kalk gebrannt. Das Wohnhaus des Brenners, das Lagerhaus und ein Ofen sind z. Z. neu.

Dieses Kalksteinlager läuft vom Brünnlaß südwärts durch den Scheibenberger Wald, zwischen Oberscheibe und dem Scheibenberg hindurch längst der Westseite von Crottendorf hinauf, wendet sich dann nach dem Zschopau- und Sehma- Thale nach Neudorf, Rothsehma und reicht bis Bärenslohe bei Wiesenthal, wo überall Kalkbrüche und Kalkbrennereien sind. In Crottendorf wird dieser Stein auch künstlich bearbeitet…“

Hier begegnen wir noch immer der Vermutung, daß es sich um ein zusammenhängendes Kalklager handele.

Den Familiennamen Gottschald haben wir erstmals 1680 in den Akten des Finanzarchives entdeckt. Damals ersuchte der Herr Johann Heinrich Gottschald um Konzession zum Eisengießen in Rautenkranz (10036, Loc. 36073, Rep. 09, Sect. 1, Nr. 0513). Die wurde ihm offenbar verwehrt, denn 1717 wurde gegen den Besitzer des Hammerwerkes in Neidhardtsthal, Johann Gottlieb Gottschalt, wegen des unbefugten Baus zweier Hochöfen eine Strafe erlassen (10036, Loc. 36162, Rep. 09, Sect. 1, Nr. 2749). Noch etwas später, im Jahr 1742, findet man den Namen Johann Gottlieb Gottschaldt ‒ zwar jetzt mit -dt am Ende geschrieben, was aber vor der Niederlegung der Deutschen Rechtschreibung durch Konrad Duden nichts bedeuten muß ‒ auch in den Akten des Bergamts Johanngeorgenstadt (mit Schwarzenberg und Eibenstock) und zwar als Besitzer des Hammerwerkes Neidhardtsthal (40012, Nr. 2145).

Ein Zweig dieser Familie könnte sich bei Scheibenberg niedergelassen haben, denn 1778 wurde vom Kreisamt Schwarzenberg der Amtmann Christian August Gottschald als Mitpächter des Amtes Grünhain“ neben dem Amtsinspektor namens Christian Gottlieb Gottschald eingewiesen (30016, Nr. 76).

Einen Herrn Friedrich Gottschald haben wir auch nochmals rund 70 Jahre später, in der Zeit um 1850, in den Grubenakten des Bergreviers Schwarzenberg in Zusammenhang mit der Familienglück Gevierte Fundgrube am Fürstenberg bei Waschleithe als „Accis- Inspektor“ (40169, Nr. 84) sowie als Rechtsanwalt des Herrn Erbrichters Karl Friedrich Gustav Flemming im Amte Grünhain (13888, Nr. 04) im Zeitraum zwischen 1830 und 1846 wiedergefunden. Letzterer hatte ab 1844 das Erbgericht in Walthersdorf inne (13888).

Unseren Herr Gottschald aus Scheibenberg haben wir dann wieder in den Akten des Kreisamtes Schwarzenberg gefunden. Behufs einiger Reparaturen an den Bauwerken des Kalkwerkes wurde nämlich am 22. September 1848 ein Herr Fabrikant Karl Gottlob Müller im Kreisamt vorstellig. Dieser wiederum war offenbar der Kompagnon des Herrn Kaufmanns Gustav Gottschald.

Aus der Feder des Herrn Amts- Landrates Friedrich Oeser stammt daraufhin die folgende Beschreibung des Kalkwerkes Oberscheibe vom 30. Oktober 1848 (30016, Nr. 1947):

Um die im Betreff der von den Besitzern des Kalkwerks zu Oberscheibe vorgenommenen Reparaturen an den zu demselben gehörigen Gebäuden nöthig werdende Localbesichtigung vorzunehmen, begab sich der Unterzeichnende gestern früh nach Scheibenberg und von da aus, unter Zuziehung der Besitzer des Kalkwerkes
Herrn Fabrikant Karl Gottlob Müller und
Herrn Kaufmann Gustav Gottschald,
beide in Scheibenberg wohnhaft, auf gedachtes, ¼ Stunde von Scheibenberg und ¼ Stunde von Oberscheibe, links an der von Scheibenberg nach Wiesenthal führender Chaussee liegende Kalkwerk. Daselbst befinden sich die, mit No: 36 des Grundkatasters bezeichneten Gebäude, und zwar:
1.) das Wohnhaus für den Kalkbrenner,
2.) die Ofenhütte,
3.) ein Schuppen und
4.) das Vorratshaus.

Was nun die von den Besitzern an gedachten Gebäuden vorgenommenen Reparaturen anlangt, so fand sich dabei folgendes zu bemerken.

Die oben sub 2.) benannte, ...20 Ellen lange und 11 Ellen tiefe Ofenhütte ist, da selbige dem Einstürzen nahe war, mit einer Umfaßungsmauer von Bruchsteinen umgeben und mit Schindeln gedecktem Satteldach und Brettergiebeln versehen worden. Außerhalb der Hütte, und zwar an der oberen Giebelseite, befindet sich eine hölzerne Freitreppe. In der Hütte selbst befinden sich die Einfeuerungen der Kalköfen.

Eine gleiche Reparatur hat nach Angabe der Herrn Besitzer mit dem sub 4.) benannten, 18 Ellen langen und 12 Ellen tiefen Vorratshaus vorgenommen werden müssen... Die Umfassungsmauern des unteren Stocks sind von Bruchsteinen aufgeführt, der obere Stock, zu welchem eine an der oberen Giebelseite befindliche Freitreppe führt, ist von Bundwerk und sammt den Giebeln mit Brettern verschlagen. Das Dach, welches an der vorderen Seite des Gebäudes 4 Ellen vorspringt, ist ein Satteldach und mit Schindeln gedeckt.

Rechts vom Eingange befindet sich die Kalkniederlage, links ein kleines Stübchen. Dasselbe ist 5 ¼ Ellen tief, 4 ½ Ellen breit und 4 ½ Ellen hoch, und ist mit 2 Fenstern versehen. Das Bundwerk ist mit Ziegeln ausgesetzt. Im Stübchen befindet sich ein eisernes Öfchen mit einem Zugrohr.

Die nächsten Gebäude sind das Wohnhaus für den Kalkbrenner, welches durchaus mit Bruchsteinen, mit steinernen Giebeln erbaut und mit Schindeln gedeckt ist. Dasselbe stößt mit seiner obern Ecke an die untere Ecke der Ofenhütte. Ohngefähr 6 Ellen von dieser entfernt steht der Schuppen, welcher von Bundwerk mit Brettern verschlagen und mit Schlagbrettern und Schwarten gedeckt ist. Dieser Schuppen dient zur Aufbewahrung von Bau- und Brennmaterialien.

In einer Entfernung von circa 7 Ellen von letzterem steht das Vorratshaus. Andere Gebäude, als die eben beschriebenen, befinden sich nicht in der Nähe, daher auch eine Befürchtung für selbige in feuerpolizeilicher Hinsicht nicht vorliegen dürfte.

Auf Befragen der Herren Besitzer des Kalkwerks, Müller & Gottschald, warum die von ihnen vorgenommenen Reparaturen der Gebäude dem Königl. Kreisamte Schwarzenberg nicht angezeigt worden seien, erklärten beide, daß dieß aus Unkenntnis mit den gesetzlichen Vorschriften unterblieben sei und baten, es nicht als eine Hinterziehung derselben zu betrachten, indem sie in der Meinung gestanden hätten, dass eine Restauration alter vorhandener Gebäude nicht erst abgezeigt werden müsste.

Der schwunghafte Betrieb ihres ohnlängst erst acquirierten Kalkwerkes und die große Baufälligkeit der dazu gehörigen Gebäude habe eine totale Reform derselben dringend nöthig gemacht. Sie baten daher auch, sie für dießmal mit Strafe zu verschonen...“

  


Seinem Bericht hat der Landrat Oeser diese kleine Skizze zur Anordnung der Gebäude beigefügt, Norden ist oben. Die Straße „e“ ist die von Scheibenberg nach Wiesenthal (also über Crottendorf und Neudorf), die mit „f“ bezeichnete ist diejenige nach Oberscheibe und die mit „g“ beschriftete ist der frühere Fürstenweg nach Crottendorf. Wie man sieht, standen sämtliche Kalkwerksanlagen noch in der Mitte des 19. Jahrhunderts östlich der Straße. Leider ist der Kalksteinbruch nicht auch dargestellt. Bildquelle: Sächsisches Staatsarchiv, Staatsarchiv Chemnitz, Bestand 30016 (Kreisamt Schwarzenberg), Nr. 1947: Konzessionsgesuch zur Erweiterung des Kalklagers und Kalkwerkes in Oberscheibe, Blatt 4.

   

Zur weiteren Geschichte des Oberscheibner Kalkwerkes liest man u. a. bei Wikipedia, daß das Werk dann im Jahre 1857 in den Besitz des sächsischen Staates übergegangen sei. Wie oben zu lesen stand, meinte August Schumann aber schon 1823, daß der Bruch bereits damals in fiskalischem Besitz gewesen sei. Letzteres erscheint zumindest unwahrscheinlich, da wir ja schon herausgefunden haben, daß das Kalkwerk Oberscheibe 1846 im Besitz des Herrn Gley und 1848 der Herren Müller und Gottschald gewesen ist... Endgültig aufzuklären, welche Jahreszahl denn tatsächlich zutrifft, bleibt noch weiteren Recherchen vorbehalten.

Jedenfalls erging am 20. September 1856 ein Untersuchungsauftrag an das Bergamt zu Marienberg „behufs Entschließung über den Ankauf des im Besitze von Minna Hildegard verwitwete Kaufmann Gottschald befindlichen Kalkbruchs durch den Fiskus“ (40001, Nr. 2975).

Die Ergebnisse dieser Untersuchung haben wir noch nicht wiedergefunden, aber bereits im Jahr 1857 wird ein neuer „Cylinder- Ofen“ in Oberscheibe errichtet; was immerhin dafür spricht, daß nun der Staat Geld in die Hand genommen, das Werk tatsächlich erworben und den Kalkwerksbetrieb modernisiert hat.

Aufgrund der hohen Baukosten eines Siemens’schen Gasbrennofens, welcher 1867 für das fiskalische Kalkwerk zu  Neunzehnhain geplant wurde, holte das Finanzministerium in Dresden Gutachten bei Obereinfahrer Carl Hermann Müller sowie bei Oberkunstmeister Friedrich Wilhelm Schwamkrug in Freiberg ein. Letzteres ist auf den 9. Oktober 1869 datiert (10036, Loc. 35338, Rep. II, Nr. 62d). Aus diesem geht hervor, daß der Zylinderofen in Oberscheibe zu dieser Zeit bereits auf Gasbefeuerung umgerüstet gewesen ist.

   

Mit Verfügung vom 12. Januar 1861 hatte das Königlich Sächsische Finanzministerium in Dresden eine technische und wirtschaftliche Revision der unter dem Rentämtern Wolkenstein und Schwarzenberg stehenden fiskalischen Kalkwerke zu Lengenfeld und Heidelbach, zu Hammerunterwiesenthal, Crottendorf und Scheibenberg durch Bergbeamte angeordnet. Mit dieser Revision wurden der Oberkunstmeister F. W. Schwamkrug und der Berggeschworene Adolph August Friedrich Thiele beauftragt, die dann auch mit Datum vom 2. August 1861 über die Ergebnisse ihrer Prüfung untertänigsten Bericht erstatteten (40001, Nr. 2985).

Die Verfasser entschuldigten sich zunächst, daß man dem hohen Auftrag ...infolge der im verflossenen Frühjahr langanhaltenden ungünstigen Witterung sowohl, als auch des Umstandes halber, die betreffenden Werke im vollen Betriebe zu finden“, erst ab dem 27. Mai nachkommen konnte. Abschnitt A. fehlt leider in dieser Akte; der Abschnitt B. des Berichtes befaßt sich dann mit den unter Schwarzenberger Verwaltung stehenden Kalkwerken. Dem Kapitel

V. Das Kalkwerk zu Oberscheibe.

dieses Abschnittes können wir die folgenden Angaben entnehmen: Der Abbau dieser Kalksteinlagerstätte werde ...als Tagebau durch Bohren und Schießen steinbruchartig betrieben. Ein in der Richtung hora 9,4 (also von Nordwesten) ...herangetriebener, 104,5 Lachter langer Stollen ...schaffen dem Bruche die nöthige Wasserlösung, indem derselbe am südöstlichen Stoße des Bruches etwas über 6 Lachter Seigerteufe einbringt. Von dem Punkte des Einbringens dieses Stollens divirgiert sich der Abbau kreisförmig nach Nordost bis West und besteht in dem Niederschießen einer 3 bis 6 Ellen hohen Stroße, mit deren Beräumen man nach Verhältniß des Abraumes gleichen Schritt hält.

Die Förderung des gewonnenen Kalksteines erfolgt aus dem Bruche bis an den Rüdersdorfer Cylinderofen mittels Hunten auf einer Eisenbahn...“

Die meisten Arbeiten wurden im Gedinge ausgeführt, jedoch erfolge das Beräumen des Bruches auch durch Tagelöhner, welche 9 Groschen für eine Schicht von früh 6 bis abends 6 Uhr erhielten. Wie in den beiden benachbarten fiskalischen Werken auch, erhält der Kalkmeister einen Wochenlohn von 2 Thalern, 10 Groschen.

Im Gedinge werden bezahlt:

  • 3 Thaler, 15 Groschen für eine sechsellige Ruthe Kalkstein mit einem Inhalt von 54 Kubik- Ellen zu brechen, inklusive des Pulvers, des Gezähes, der Schmiedekosten und der sonstigen Schießmaterialien“ und
  • 2 Thaler für die Förderung bis auf den Cylinderofen, bzw.
  • 1 Thaler, 15 Groschen desgleichen bis auf die Erdöfen zu fördern.

Der Gedingelohn für den Kalkbrecher war gegenüber den beiden benachbarten, fiskalischen Werken hier am höchsten. Außerdem waren

  • 1 Groschen, 7 Pfennige für „einen Scheffel Kalk zu brennen“ und
  • 2 Groschen 2 Pfennige für desgleichen in den Erdöfen zu brennen,

zu bezahlen. Auch dies waren die höchsten Preise in den drei obererzgebirgischen Kalkwerken. Ein Erdofen“ ist uns bei den Recherchen zu den fiskalischen Werken bisher nur hier begegnet. Wie man weiter unten in der Akte, „den Brennerei Betrieb betreffend,“ noch nachlesen kann, verfügte das Werk sogar über zwei Stück davon. 

Als Brennstoff diente dagegen in Oberscheibe kaum Holz, vielmehr wurden eingesetzt:

  • böhmische Braunkohle, zu 17 Groschen der Scheffel, oder
  • Zwickauer Rußkohle zu 15 Groschen der Scheffel.

Die gewonnenen Produkte verwertete man zu folgenden Preisen:

  • 28 Groschen für den Scheffel groben Stückkalk (Baukalk),
  • 24 Groschen für den Scheffel klaren Kalk, und
  •   8 Groschen für den Scheffel Kalkasche.

Diese Verkaufspreise entsprachen etwa denen in den benachbarten Werken. Außerdem verkaufe man hier für 2 Thaler die Ruthe auch Basalt, welcher beim Beräumen des Bruches als Nebenprodukt gewonnen und als Material zur Unterhaltung der Straßen verkauft wird.“

Die Produktion belief sich nach den Angaben der Kalkwerksinspektion auf

  Rohkalk Branntkalk Kalkasche
im Jahre 1859: 111 ½ Ruthen, 5.080 ¼ Scheffel, 563 ½ Scheffel,
im Jahre 1860: 102 ¼ Ruthen, 4.510 Scheffel, 317 ½ Scheffel.
beim Cylinder- Ofen.
im Jahre 1859: 17 ½ Ruthen, 966 ½ Scheffel, 27 Scheffel,
im Jahre 1860: 17 ½ Ruthen, 978 ¼ Scheffel, 44 Scheffel.
bei den Erdöfen.

Die Gesamtförderung im Jahr 1860 lag also bei etwa 120 Ruthen zu 54 Kubikellen. Aus unserer Berechnung im Beitrag zu  Miltitz resultierte für 54 Kubik- Ellen ein Volumen von rund 9,81 m³ und mit Schüttdichten zwischen 0,96 t/m³ und 1,36 t/m³ eine Masse für eine fiskalische“ Ruthe Kalk zwischen 9,4 t und 13,3 t. Die für das Jahr 1860 in Scheibenberg angegebene Rohkalksteinförderung entspräche somit einer Menge zwischen etwa 1.100 und 1.600 Tonnen. Das erscheint uns heute als ziemlich wenig.

Der Reinertrag pro Scheffel Branntkalk lag im Durchschnitt der Jahre 1859 und 1860 bei insgesamt etwa 6 Pfennigen je Scheffel.

Bei dem eigentlich moderneren Zylinderofen wurden 44 bis 45 Scheffel Branntkalk, zuzüglich 3 bis 5 Scheffel Kalkasche, aus einer Ruthe Rohkalkstein erzeugt. Dagegen erzielte man in den schon genannten Erdöfen zwischen 55 und über 56 Scheffel gebrannten Kalk, zuzüglich etwa 1,5 bis 2,5 Scheffel Asche.

Obwohl die Produktionsmenge der Erdöfen kaum ein Fünftel derselben des Zylinderofens ausmachte, erwiesen sie sich offenbar doch als effizienter hinsichtlich der Rohstoffausnutzung. Außerdem hielten die Revisoren fest, daß die Erdöfen vorallem im Frühjahr, wenn das Kalkgeschäft zu beginnen pflegt, in Betrieb gesetzt werden, um die zu dieser Zeit noch geringe Nachfrage befriedigen zu können; mit der Beschickung des Rüdersdorfer Ofens aber erst dann begonnen wird, wenn der Absatz eine solche Höhe erreicht hat, daß ...er ununterbrochen in regelmäßigem Betrieb gehalten werden kann. Die Erdöfen werden dann nicht mehr besetzt.“

Der Zylinderofen sei im Vergleich zu denen in anderen Werken ein sehr hoher. Die Ursache für die niedrigere Ausbeute bei diesem und für das günstigere Ausbringen bei den anderen Brennöfen scheinen den Autoren bei den verhältnismäßig hohen Kosten für das Brennmaterial zu liegen. Insbesondere sei die böhmische Braunkohle zu teuer, zumal die Zwickauer Steinkohle einen etwa 1 ¾ mal höheren Brennwert besäße. Wenn nun bei überwiegender Anwendung der Zwickauer Steinkohle sich der Zylinderofen aber als zu groß erweise und der Kalk zu viel Hitze bekäme, könne man diesen Ofen leicht um ein Geringes verkleinern (40001, Nr. 2985).

Über die weiteren unter dem Rentamte Schwarzenberg stehenden Kalkwerke  Unterwiesenthal (III) und  Crottendorf (IV) berichtete Herr Schwamkrug zusammen mit dem Berggeschworenen A. A. F. Thiele ebenfalls mit Datum vom 2 August 1861. Die Nummern I und II dieser Gutachten tragen die Berichte zu den unter dem Rentamt Wolkenstein stehenden Kalkwerke  Heidelbach (II) und  Neunzehnhain (I).

 

Am 15. September 1886 wurde von der Amtshauptmannschaft Annaberg die Errichtung einer Förderanlage für den alten Förderschacht, unmittelbar am Rand des Tagebaus gelegen, genehmigt. Die Förderanlage sollte die Hunte noch etwa 6 m höher heben, als die Rasensohle liegt, damit sie auf einer rund 110 m langen Förderbrücke bequem über die Chaussee von Scheibenberg nach Crottendorf gezogen werden konnten. Eine Dampfmaschine von R. Wolf aus Buckau bei Magdeburg mit 8 PS Leistung sollte diese Förderanlage antreiben.

Am 14 März 1887 teilte Herr Mehnert vom Forstrentamt Annaberg der Amtshauptmannschaft dann mit, daß diese maschinelle Wasserhaltungs- und Förderanlage... in der Hauptsache zur Ausführung gebracht worden ist und sobald wie möglich in Betrieb gesetzt werden soll...“  (30041, Nr. 4137)

 


Zeichnung zu einer Förder- und Wasserhaltungsanlage für das fiskalische Kalkwerk in Oberscheibe, Bildquelle: Sächsisches Staatsarchiv, Staatsarchiv Chemnitz, Bestand 30041 (Amtshauptmannschaft Annaberg), Nr. 4137, Aktenbeilage, nahezu die Gesamtansicht. Die Förderbrücke wurde zirka 110 m lang und war leicht geneigt, damit die vollen Hunte leichter zum Kalkofen ablaufen konnten. Die Landstraße von Scheibenberg nach Crottendorf wurde in 5,30 m lichter Höhe überquert. Bis auf das Niveau des Endpunktes der Förderbrücke waren rund 13 m Höhe zu überwinden, natürlich zuzüglich der Höhe bis zum Ablaufpunkt am Förderschacht.

  


Ausschnitt aus obiger Zeichnung mit einer Seitenansicht des Förderschachtes, dessen Sohle offenbar im Niveau des alten Wasserlösestollens lag und dessen Achse nur zu einem Drittel seiner Gesamthöhe innerhalb der Haldenböschung stand. Im Maschinenhaus links daneben sind zwei Haspelmaschinen eingezeichnet: Eine für den Schacht selbst und eine zweite, etwas kleinere, mit der die leeren Hunte wieder über die Förderbrücke hinauf zum Schacht gezogen wurden. Die Brücke besaß etwa 6,5 m Höhe über der Rasensohle, bis zu den Seilscheiben waren es rund 12 m.

  


In dieser Frontansicht des Schachtes sind die insgesamt vier nebeneinander eingebauten Seilkörbe gut zu erkennen.

  

1871 wurde ein weiterer Ofen – allerdings wieder ein „Kessel- Ofen“ – errichtet, so daß das Werk nun über zwei modernere Brennöfen und die alten Erdöfen verfügte (siehe auch 10036, Loc. 35413, Rep. 02, Lit. K, Nr. 0113a sowie 0113b). 1884 begann die Schachtförderung und zwei Jahre darauf wurde eine 8 PS- Dampfmaschine zur Wasserhebung installiert.

Eine Arbeitsordnung für die fiskalischen Kalkwerke Oberscheibe, Crottendorf und Hammerunterwiesenthal aus dem Jahr 1892 ist in den Akten erhalten geblieben (40053, Nr. 147). Demnach begann tägliche Arbeitszeit auch auf den fiskalischen Werken um 6.00 Uhr und endete um 18.00 Uhr, allerdings mit Einschluß von zwei halbstündigen Frühstücks- und Vesperpausen und einer einstündigen Mittagspause, betrug also effektiv 10 Stunden. Das notwendige Gezähe stellte der Faktor des Werkes bereit. Als Faktor des Kalkwerkes Oberscheibe fungierte in dieser Zeit Herr Karl Drechsler.

Nachdem 1869 das Allgemeine Berggesetz für das Königreich Sachsen in Kraft getreten ist, änderte sich auch die Zuständigkeit der Behörden. Hatte bisher ausschließlich das Forstrentamt Annaberg als Grundeigentümer die Aufsicht über den Kalksteinabbau, so fiel die technische Aufsicht (nach Beschluß vom 13. Juli 1900) nun der Bergbehörde zu. Ausschlaggebend dafür war, daß man zwar nach wie vor im Tagebau abbaute, aber ja auch über einen Wasserlösestollen verfüge, von dem aus nicht nur die Förderung erfolgte, sondern der auch unterhalten werden müsse (obwohl, wie in einem Fahrbericht aus dem Jahr 1900 festgehalten wird, er gar nicht mehr fahrbar sei...). Somit sei der Berginspektion III in Freiberg die bergpolizeiliche Aufsicht zu übertragen, während der Gewerbeinspektion weiterhin die technische Überwachung der Dampfkessel und Kalköfen oblag (40053, Nr. 147).

Nach einem Schießunfall wurde Faktor Drechsler im Jahr 1901 wegen mangelhafter Wahrnehmung seiner Aufsichtspflicht zu einer Geldstrafe in Höhe von 30,- Mark verurteilt. Ein Arbeiter, welcher gar nicht als Schießmeister ausgebildet war, hatte beim Besetzen von Sprenglöchern infolge eines vorzeitig losgehenden Schusses zwei Fingerglieder verloren und Brandverletzungen erlitten.

1902 fordert das Finanzministerium in Dresden von der Bergbehörde ein Wertgutachten über den Kalksteinbruch, um die Perspektiven des Fortbetriebes bewerten zu können. Das ausführliche Gutachten erstellte Berginspektor Roch. Diesem Gutachten ist zu entnehmen, daß die Einnahmen des Werkes Oberscheibe aus dem Kalkverkauf im Zeitraum 1886 bis 1901 zwischen 20.000,- und 30.000,- Mark geschwankt haben. Herr Roch verwendet bei den Mengenangaben noch immer die Einheit Hektoliter, die auf die frühere Kalkbemessung in Scheffeln zurückgeht. Bei einem Mittelwert von knapp 13.000 hl pro Jahr und unter Ansetzung einer Schüttdichte von 2,0 t/m³ kommt man jetzt also auf eine mittlere jährliche Branntkalkproduktion von etwa 2.500 t. Etwa 40 Jahre früher lag sie noch bei zirka 5.000 Scheffeln, also bei weniger als der Hälfte.

  


Produktionsmenge an Branntkalk und Ertrag des Kalkverkaufs des fiskalischen Kalkwerkes Oberscheibe im Zeitraum 1886 bis 1901 nach dem Gutachten von Berginspektor Roch (40053, Nr. 147).

 

Nach dem von Berginspektor Roch zugrundegelegten Riß von 1884 betrug das Bergwerkseigentum damals zirka 9.700 m² Grundfläche, wovon 6.700 m² noch unverritzt waren. Unter Annahme einer mittleren Abbauhöhe von 15 m errechnete Roch daraus zirka 130.500 m³ Rohkalkvorrat, von dem aber wenigstens 20.400 m³ für Abbauverluste abzuziehen wären. Die mittleren Aufwendungen für die Abraumbewegung im Hangenden des Kalklagers betrügen etwa 2.500,- Mark pro Jahr, würden aber voraussichtlich weiter ansteigen, da man ja weiter ins Fallen des Lagers vorrücke.

 

In den „Mitteilungen über die unterirdischen gewerblichen Gruben“ in den Jahrbüchern für das Berg- und Hüttenwesen in Sachsen ab der Ausgabe 1901 (denn vorher wurden die „gewerblichen Gruben“ darin ja gar nicht erfaßt) ist das staatliche Kalkwerk Oberscheibe mehrfach angeführt. Von Interesse ist dabei, daß dieses Kapitel ja „Mitteilungen über die unterirdischen gewerblichen Gruben“ benannt ist. Einen teilweise untertägigen Abbau – nicht nur die Auffahrung der Wasserlösestollen – könnte es also auch schon ab 1900 gegeben haben.

Dem Abschnitt „B. Kalksteinbrüche“ kann man dann entnehmen, daß Herr K. H. Drechsler noch bis 1905 Faktor im fiskalischen Kalkwerk in Oberscheibe gewesen ist. Am 1. Oktober 1905 wurde Herr Paul Friedrich Kaltofen zum Faktor bestellt. 1912 wurde der Steiger Robert Hermann Heinzmann zum stellvertetenden Faktor bestellt. Nachdem Herr Kaltofen 1913 verstorben ist, übernahm Heinzmann die Funktion des Faktors in Oberscheibe. 1917 trat der bisherige Faktor des Kalkwerkes Lengefeld, Löffler, in den Ruhestand, woraufhin Heinzmann dessen Funktion übernahm. In Oberscheibe wurde daraufhin der bisherige Steiger, Herr Johann August Braune als Betriebsführer eingesetzt.

Noch 1920 fungierte als beauftragter Vertreter des „Königlich Sächs. Staatsfiskus“ und als Aufsicht über den Kalksteinbruch der Königliche Forstrentamtsbezirk Annaberg (30311), danach wechselte die Zuständigkeit zum Forstrentamt Schwarzenberg. 1921 wurde dann als staatliche Unternehmensverwaltung die „Oberleitung der staatlichen Kalkwerke in Dresden, Carolaplatz 1 ‒ also mit Sitz gleich im Finanzministerium ‒ gebildet (4053, Nr. 147).

In der Zeit bis zum 1. Weltkrieg schwankte die Belegschaft zwischen 16 und 21 Arbeitern und Angestellten. Die Fragebögen der Gewerbeaufsicht weisen auch aus, daß ab 1905 beginnend zunehmend mehr Arbeiter untertage beschäftigt waren. Waren dies 1905 nur zwei, stieg die Zahl der untertage beschäftigten Arbeiter bis 1910 auf neun an (40053, Nr. 147).

In den Folgejahren findet man dann in den Jahrbüchern öfter auch Angaben über den technischen Ausbau der nun staatlichen Kalkwerke. So wird 1922 im Abschnitt

3. Gewinnungsarbeiten.

unter 2. berichtet: „Bei den Staatlichen Kalkwerken in Hermsdorf, Lengefeld, Oberscheibe und Unterwiesenthal ist maschineller Bohrbetrieb eingerichtet worden. Die Luftkompressoren werden, außer beim Kalkwerk Hermsdorf, wo elektrische Antriebskraft vorhanden ist, durch Benzolmotoren angetrieben, die von der Deutzer Gasmotorenfabrik geliefert worden sind, 20 PS haben und 260 Umdrehungen machen.“

1924 liest man im Abschnitt

9. Aufbereitung.

„4. Die Kalköfen der Staatlichen Kalkwerke in Hermsdorf, Lengefeld, Oberscheibe und Unterwiesenthal sind im Jahre 1922 umgebaut und zum Teil mit neuen Feuerungseinrichtungen versehen worden.“

  

Die Bergaufsicht ist inzwischen dem Bergamtsbezirk Stollberg übertragen worden. Ein Fahrbericht der Bergbehörde aus dem Jahr 1925 beziffert die Belegschaft des Kalkwerkes jetzt auf 14 Mann. Die Belegschaft setzte sich zusammen aus:

  • 1 Kalkmesser,
  • 1 Bruchmeister,
  • 1 Maschinenwärter,
  • 3 Steinschlägern,
  • 3 Brennern,
  • 3 Förderleuten und
  • 2 Verladern.

Bereits 1926 wurde Herr Karl Wilhelm zur Unterstützung des Betriebsführers als Hilfssteiger angestellt, im September 1926 auch Herr Karl Stöhr im Schichtwechsel mit Wilhelm. Im Jahr 1927 ist der bisherige Betriebsleiter J. A. Braune in den Ruhestand getreten. Danach übernahm die Funktion des Betriebsführers und Reviersteigers des Kalkwerkes zunächst Herr K. Stöhr.

Bis zu dieser Zeit erfolgte die Förderung noch über einen alten Schacht östlich der Landstraße nach Crottendorf und dann „über dieselbe hinweg zu den Kalköfen.“ Nun wurde der Plan gefaßt, die Förderwege zu vereinfachen und einen neuen Förderschacht an der Westseite der Landstraße anzulegen. Der Beginn des Abteufens wurde dem Bergamt am 20. Juli 1925 angezeigt (40053, Nr. 147).

In der Ausgabe der Jahrbücher auf das Jahr 1926 ist das Staatliche Kalkwerk Oberscheibe dann gleich mehrfach erwähnt. Wir erfahren unter anderem: „Die alte Schachtförderanlage und die Förderbrücke wurden instandgesetzt. Um die Forderung des Werkes vergrößern zu können, wird ein neuer Treibeschacht, der Andreasschacht, geteuft. Zur Förderung aus dem Abteufen dient ein elektrisch angetriebener Förderhaspel. Der Andreasschacht wird vorläufig in voller Getriebezimmerung niedergebracht, soll aber dann auf seine ganze Länge ausgemauert werden.

Im Tagebau wurde mit dem Abteufen eines Rollschachtes begonnen, der später durch eine Förderstrecke mit dem Andreasschacht verbunden werden soll. Das Werk erhielt elektrischen Anschluß an die überlandzentrale und eine neuzeitliche Hochspannungs- und Niederspannungsverteilungsanlage, die der Vergrößerung des Werkes Rechnung trägt. Sämtliche Werksgebäude und sonstigen Anlagen erhielten elektrische Beleuchtung.

Im Abbau und im Abteufen wurden Preßluftbohrhämmer mit Nutzen verwendet.

Das dem Hauptschachtabteufen zusitzende Wasser wird durch elektrisch angetriebene Schleuderpumpen gehoben. Die zur Wasserhaltung im Tagebau dienende Schleuderpumpe, die bisher durch einen Explosionsmotor angetrieben war, hat elektrischen Antrieb erhalten. Infolgedessen konnte das Dampfkunstgezeug stillgelegt werden.

Zur Vergrößerung der Kalkbereitung wurde ein neuer Schachtofen mit Generatorgasfeuerung errichtet, der durch eine Förderbrücke mit dem Andreasschacht verbunden wird.“

  

Dem Geschäftsbericht der Oberleitung der staatlichen Kalkwerke auf die Jahre 1925/1926 ist zu entnehmen, daß dieser gasbefeuerte Schachtofen für einen Durchsatz von 20 t pro Tag ausgelegt war (40053, Nr. 147).

Die Konstruktion des Brennofens und der Gaserzeuger wurde von der Wilhelm Eckardt & Ernst Hotop GmbH, Berlin - Cölln erstellt. Von den Konstruktionszeichnungen ist eine Blaupause erhalten geblieben (30041, Nr. 4137).

Der Ofensockel bis zur Höhe der Ziehlöcher sollte bestehen bleiben und seitlich zwei Gasgeneratoren errichtet werden. Der Brennofen erhielt zirka 7,30 m Höhe oberhalb des Sockels, zzgl. des Schornsteins oberhalb der Gichtbühne mit nochmals zirka 7,60 m Höhe, also eine Gesamthöhe von rund 15 m. Der Brennraum bekam einen flach rechtwinkligen Querschnitt von unten 1,20 m x 2,78 m, der sich nach oben konisch auf ein Maß von nur noch 0,58 m x 1,92 m verjüngte.

Oberhalb der beiden Ziehöffnungen leiteten sechs, an einer Breitseite des Ofenquerschnitts angeordnete Brenneröffnungen das Generatorgas in den Brennraum. Etwas höher befanden sich außerdem noch beiderseits je vier Stoßlöcher, um verkeilte Kalkblöcke lösen zu können.

  


Bauzeichnung zum Umbau des Gasschachtofens der staatlichen Kalkwerke Dresden, Werk Oberscheibe, von der Wilhelm Eckardt & Ernst Hotop GmbH, Berlin Cölln. Bildquelle: Sächsisches Staatsarchiv, Staatsarchiv Chemnitz, Bestand 30041 (Amtshauptmannschaft Annaberg), Nr. 4137, Aktenbeilage, nahezu die Gesamtansicht der Blaupause. Oben Schnitte, unten Grundrisse in verschiedenen Höhenniveaus.

  


Ausschnittsvergrößerung aus obiger Blaupause mit drei Schnittdarstellungen des Ofenschachtes. Im mittleren Schnitt sind die zwei Gasgeneratoren neben dem Ofensockel dargestellt.

  

Das Abteufen eines neuen Förderschachtes bis zur Sohle des tiefen Wasserlösestollens, zunächst einmal durch die hier 13 m mächtige Abraumhalde hindurch, ging nicht problemlos vonstatten. In den Akten ist ein Schachtbruch zwischen 22 m und 26 m Teufe im Oktober 1925 vermerkt, der wohl durch Starkregen und beim Teufen angefahrene alte Abbaue (!!) verursacht worden sei. Die Auflagen der Bergbehörde für das Aufwältigen des Schachtbruches waren der Geschäftsführung aber zu teuer, so daß man sich entschloß, den ersten abzuwerfen und zirka 15 m südlich einen neuen Schacht zu teufen. Dieser erhielt nun den Namen Andreas Schacht und am 30. November 1925 wurde der Bergbehörde der Beginn der Teufarbeiten angezeigt (40053, Nr. 147).

Im gleichen Jahr erfährt man aus den Jahrbüchern noch, daß man „beim Abteufen des Andreasschachtes … im Nebengestein unregelmäßige Nester von Eisen- und Manganerzen angetroffen habe.“ Vorkommen von Braunstein und Brauneisen im Emmler- Quarzit waren besonders nördlich des Emmlers bei  Langenberg schon lange bekannt, wo sie auch Gegenstand bergmännischer Gewinnungsarbeiten waren.

Schließlich kann man 1927 lesen, daß der Andreas Schacht nun fertig geworden ist: „Der Andreasschacht wurde bis zu einer Tiefe von rd. 42 m abgeteuft und mit einer elektrischen Fördermaschine und Gestellförderung versehen. Der im Bruch angesetzte Rollschacht wurde auf rd. 16 m niedergebracht. Zur Förderung aus dem Rollschachtabteufen dient ein elektrischer Förderhaspel. Der bisher durch Benzolmotor angetriebene Kompressor erhielt elektrischen Antrieb.

Im Andreasschacht wurde eine Pumpenkammer für die endgültige Wasserhaltungsanlage in Mauerung hergestellt. Ein zur Abführung der gehobenen Wasser getriebenes Stollnflügelort wurde mit dem Andreasschacht durchschlägig. Zur Wasserhaltung im Tagebau, im Rollschacht und in der neuen Förderstrecke dient eine größere Kreiselpumpe mit elektrischem Antrieb.“

Ein Jahr später wurde das Füllort am Andreasschacht noch in Mauerung gesetzt und mit dem im Bruch geteuften Rollschacht durch die Förderstrecke verbunden. Diese Strecke stand am Bruch und unter der Staatsstraße Scheibenberg- Crottendorf auf einer Länge von über 50 m im Kalkstein. Der Durchschlag erfolgte am 4. November 1927 (40053, Nr. 147).

1928 wurde aus der bisherigen Oberleitung der staatlichen Kalkwerke die Direktion der staatlichen Kalk- und Hartsteinwerke gebildet. Als Geschäftsführer sind in der Ausgabe des Jahrbuches für das Bergwesen auf das Jahr 1929 die Herren Dipl.- Ing. H. Fest, Bergdirektor, sowie E. Schmidt, Handelsdirektor, angeführt.

Im gleichen Jahr wechselte Herr K. Stöhr an ein anderes Werk und Herr K. Wilhelm übernahm die Funktion des Betriebsführers. Herr Wilhelm hatte diese Funktion dann zumindest bis zur letzten Ausgabe des Jahrbuches von 1938 durchgehend inne.

Vom Stollenniveau ausgehend wurden 1928 zur Erkundung der Ausdehnung des Kalklagers zwei Untersuchungsstrecken genau unter der Straße von Scheibenberg nach Crottendorf aufgefahren. Nach Süden fuhr man allerdings nur 15 m vom Stollen entfernt eine Verwerfung an; nach Norden stieß man nach 12 m Vortrieb bereits in das Hangende. Beide Strecken wurden daraufhin eingestellt und wieder versetzt.

1929 belief sich die Belegschaft des Kalkwerkes noch auf 16 Mann. 1930 war die Produktion infolge der Weltwirtschaftskrise zusammengebrochen und die Belegschaft hatte sich auf nur noch 4 Mann reduziert.

Daher gab es 1930 auch nur unter 9. Sonstiges im Jahrbuch für das Bergwesen zu berichten: „In Verbindung mit dem Bau einer neuen Mannschaftsstube wurde ein Kranken- und Waschraum eingerichtet. In einem beim Werk neuerrichteten Hause wurden Büroräume, Wiegeraum und 2 Wohnungen untergebracht. Am Gasschachtofen wurde ein neuer Kalklagerraum errichtet.“

  


Ein Foto vom Tagebau Oberscheibe im Jahr 1932. Abgesehen vom Bohren und Schießen erfolgten sämtliche Verlade und Transportarbeiten noch mit einfachsten Mitteln v
on Hand. Mit den verblaßten, roten Kreuzen hat der Berginspektor Stellen markiert, an denen die Abraumböschung unzureichend hinter die Abbaukante zurückgezogen war. Bildquelle: Sächsisches Staatsarchiv, Bergarchiv Freiberg, Bestand 40053 (Bergamt Stollberg), Nr. 148 (Staatliches Kalkwerk Oberscheibe), Blatt 32.

  

1931 wurde für die Förderung der Kohle zum Gasschachtofen (gemeint ist sicher ein Gaserzeuger) noch eine mechanische Fördereinrichtung mit Förderbändern gebaut.

Der Ausgabe des Jahrbuches aus dem Jahr 1932 ist dann zu entnehmen, daß mit dem Auffahren eines tieferen Wasserlösungsstollns im Höhenniveau des Querschlags zwischen Andreas Schacht und Rollschacht im Tagebau von seinem Mundloch her begonnen wurde (40028-2, Nr. I183 und I184). Ähnlich, wie schon beim Teufen des neuen Förderschachtes, fuhr man aber auch beim Vortrieb dieses Wasserlösestollns Altbergbau an. Am 24. September 1931 teilte die Werksleitung dem Bergamt mit: „Mit dem im Vortrieb befindlichen Wasserabführungsstolln wurde am 22.9. ein Hohlraum angefahren, der auf den früher ... umgegangenen Bergbau zurückgeführt werden muß. Die Werksleitung hat Anweisung zum fachgemäßen Ausbau gegeben. Der zurückliegende, ...südlich vom Stolln liegende Teil muß wegen der Gefahr unberührt gelassen werden. An dieser Stelle wird später ein Tagesbruch zu erwarten sein...“ Man ahnte schon, was kommt.

Am 5. Oktober 1931 kam es daraufhin tatsächlich zu zwei Tagebrüchen, bei denen das Gespann eines Bauern eingebrochen war. Zum Glück sei aber nur das Pferd mit den Hinterbeinen eingebrochen und es konnte ohne Schaden wieder herausgeschafft werden. Man hätte aber auch die Schadstelle absperren und den Bauern vorher warnen können... Erst in einem einige Jahre später datierten Bericht liest man, daß es infolge des Tagebruches auch zum Auslaufen eines Teiches des Bauern Hunger gekommen sei (40053, Nr. 148).

Als es um die Haftung und die Regulierung dieser Schäden ging, stellte es sich heraus, daß es dafür überhaupt noch keine Regelung gab, weil es sich eigentlich ja um auflässigen Altbergbau handele. Nach längerem Schriftwechsel schloß das Land Sachsen, vertreten durch sein Finanzministerium, mit dem landeseigenen Unternehmen, der Direktion der staatlichen Kalk- und Hartsteinwerke, daraufhin einen Pachtvertrag über einen Teil des nach Aufgabe des Abbaus an das Land Sachsen zurückgefallenen Grubenfeldes von Barbara's Segen und Vater Abraham samt St. Andreas zum Zwecke der Stollenauffahrung ab. Aufgrund der neuen Regelung mußte die Direktion der Kalk- und Hartsteinwerke von nun an für die infolge der eigenen bergbaulichen Tätigkeit und des Altbergbaus im Grubenfeld ausgelösten Bergschäden aufkommen (40053, Nr. 148).

Ferner wurde 1931 mit dem Bau einer Zementkalkanlage begonnen. Die Anlage war schon im selben Jahr in ihrem ersten Bauabschnitt soweit fertiggestellt, daß sie zur Vermahlung von Branntkalk dienen konnte. Der zweite Bauabschnitt der Zementkalkanlage wurde im zeitigen Frühjahr 1933 beendet, so daß im März 1933 mit der Herstellung und Lieferung von Zementkalk begonnen werden konnte. Für die Anlage wurden ein größerer Lösch- und Lagerraum für die Zwischenerzeugnisse sowie zwei Bunker für die Fertigware erbaut. Zur technischen Ausrüstung gehörten außerdem mehrere Förderschnecken, Becherwerke und ein Windsichter der Firma Gebr. Pfeiffer aus Kaiserslautern.

1933 wurden alle obererzgebirgischen Kalkwerke der Direktion der Staatlichen Kalk- und Hartsteinwerke Dresden, inzwischen umgezogen in die Kasernenstraße 20, unterstellt (vgl. auch 40030, Nr.2-H24615).

Außerdem wurde 1933 „…der im vorigen Jahr begonnene Wasserlösungsstolln bei einer Länge von 330 m mit dem Querschlage durchschlägig.“ 

   


Grundriß der beiden Wasserlösestollen des Kalkwerkes Oberscheibe: blau dargestellt der alte, rot eingezeichnet der neue oder tiefe Stolln. Für das Mundloch des alten ist eine Höhe von +677,8 m angegeben, für die Sohle des neuen am Andreas Schacht von +660,4 m. Bildquelle: Sächsisches Staatsarchiv, Bergarchiv Freiberg, Bestand 40028-2 (Risse der Bergwirtschaftsstelle beim Oberbergamt Freiberg), Nr. 184: Tiefer Stolln auf dem Staatlichen Kalkwerk Oberscheibe, dat. 1932, Gesamtansicht, Norden ist oben.

  


Wir haben einmal versucht, die uns vorliegenden Risse in die heutige Topografie einzupassen. Demnach müßte das Mundloch des tiefen Stollens unmittelbar östlich der heutigen Teiche gelegen haben.

 

Schon im Winter 1935 trat erneut ein Verbruch im Stollen, zirka 30 m vom Mundloch entfernt, ein. An der Oberfläche bildeten sich weitere Tagesbrüche. Regen und Tauwetter sorgten dafür, daß nicht nur der Stollen selbst, sondern diesmal auch der Querschlag bis hin zur untertägigen Sprengstoffniederlage absoff. Erst im März 1935 gelang es, Stollen und Querschlag vollständig zu sümpfen, wobei man feststellte, daß der Stolln auf zwei Dritteln seiner Länge zusammengebrochen war. Inzwischen hatte man auch herausgefunden, daß man wohl die Erzgrube eines gewissen Hänel angefahren hatte (40053, Nr. 148).

Da sich die Gewältigung des 330 m langen Wasserstollens aber als zu teuer erwies, entschied man sich dafür, ihn nur teilweise wieder aufzugewältigen und einen Hilfsschacht mit Heberleitung abzuteufen. 1938 wurde daraufhin der „Wilhelmschacht“ zur Wasserhebung aus dem Stolln abgeteuft.

Schon 1934 hatte man den Querschlag mit der Abbausohle durch einen Bremsberg verbunden. In der Ausgabe des Jahrbuchs von 1936 liest man dann, daß „die Vorrichtung für den Abbau der zweiten Sohle … durch ein Aufbrechen vom Querschlag aus in Angriff genommen (wurde). Zur Mechanisierung der Löschanlage wurden Vorarbeiten durchgeführt. Der baufällig gewordene 2. Gasofen wurde abgerissen; er soll durch einen Schachtofen mit Streufeuerung ersetzt werden.“

Bei einem Arbeitsunfall, verursacht durch den Sturz von dem knapp 2 m hohen und geländerlosen (!!) Laufsteg zur Ofengicht, zog sich im November 1936 der Kalkwerksarbeiter William Schmutzler einen Lendenwirbelbruch zu. Erstaunlich ist die Leistung der Ärzte, denn im Januar des Folgejahres schrieben sie ihn schon wieder arbeitsfähig (40053, Nr. 148).

Aus der Jahrbuchausgabe von 1936 erfährt man noch, daß die Direktion der Staatlichen Kalk- und Hartsteinwerke erneut und nun in die Ammonstraße 9 in Dresden umgezogen ist. Als technischer Leiter ist weiterhin Herr H. Fest tätig, während die kaufmännische Geschäftsführung Herr F. Altenkirch von Herrn Schmidt übernommen hat. Ab 1939 wird in den Bergwerksverzeichnissen dann Herr Dipl.- Ing. H. Treppschuh als Technischer Direktor angeführt. Leider enden mit dem Beginn des zweiten Weltkrieges auch die Ausgaben der Jahrbücher.

Noch bis 1941 hatte man fast ausschließlich im Tagebau abgebaut. Nun ging man zum untertägigen Abbau im Kammerpfeilerbau- Verfahren über. Bei einer Geländehöhe am östlichen Tagebaustoß von zirka +686 m lag

  • die 1. Sohle (nur Tagebausohle) auf dem Niveau +663 m,
  • die 2. Sohle bei +657 m,
  • die 3. Sohle war die erste echte Tiefbausohle und lag im Höhenniveau +640 m – also in etwa 46 m Tiefe. Allerdings steigt das Gelände nach Osten (zum Scheibenberg) schnell weiter an.

Schon 1941 hatte das zuständige Bergamt Stollberg Abbaubeschränkungen und bergtechnische Bedingungen für die untertägige Gewinnung auf der 1. Sohle festgelegt, welche u. a. einen Straßensicherheitspfeiler von 20 m Breite beiderseits vorsahen. Die Maximalhöhe der Weitungen wurde auf 15 m, der maximale Pfeilerabstand auf 8 m begrenzt und eine Mindestmächtigkeit der Schweben von 3 m gefordert.

 

Den Bergwerksverzeichnissen aus den Jahren von 1939 bis 1942 kann man für das staatliche Kalkwerk Oberscheibe nachstehende Betriebsangaben zu entnehmen. Mit etwa doppelter Belegschaft wie 1900 hat sich die Fördermenge auf das Achtfache vergrößert.
   

im Jahr...  

1937 1938 1939 1940 1941
Arbeiter untertage 0 0 0 0 1
Arbeiter übertage 30 42 44 42 32
Angestellte 2 2 2 2 2
Gesamt 32 44 46 44 35
           
Rohkalkförderung (t) 19.108 24.650 23.165 16.115 23.697
Rohkalkverkauf (t) 585 988 1.607 5.098 5.801
Branntkalk (t) 11.068 16.518 14.874 10.002 11.746
Terrazzo, Kies, Mehl (t) 0 0 0 0 290

   

Als Betriebsleiter wurde 1941 der bisherige Reviersteiger, Herr Walter Müller angestellt (40027, Nr. 1180).

1941 bis 1942 wurde die erste Kabelkrananlage installiert, die jedoch 1945 als Reparationsleistung wieder demontiert wurde. Der Oberingenieur Arno Lindig aus Leipzig, Cöthner Straße 23 konstruierte diese Krananlage. Sie sollte von Mast zu Mast eine Spannweite von 279,5 m besitzen. Die Masten mußten aufgrund eines berechneten Durchhängens des Tragseils unter Last von bis zu 11,6 m eine Gesamthöhe von 22,3 m (mit Sockel) besitzen.

Als Sitz für den Kranführer war ein zirka 6,5 m hoher Turm am Westrand des Tagebaus zwischen Straße und Tagebaukante vorgesehen. Die Straße sollte mit einer knapp 16 m langen, hölzernen Brücke vor eventuell herabfallender Ladung geschützt werden.

  


  


Konstruktionszeichnungen der Kabelkrananlage vom März 1942, erstellt von Arno Lindig, Oberingenieur aus Leipzig. Oben Ausschnitt mit der westlichen Kabelstütze und der Fördermaschine am Kalkwerk westlich der Straße von Scheibenberg nach Crottendorf, unten östliche Kabelstütze der Kabelkrananlage hinter dem Tagebau. Bildquelle: Sächsisches Staatsarchiv, Staatsarchiv Chemnitz, Bestand 30041 (Amtshauptmannschaft Annaberg), Nr. 4375, Aktenbeilage: Disposition zum Kabelkran, Rohsteinsilo (Werk Oberscheibe) für Direktion der Staatl. Kalk- und Hartsteinwerke Dresden, genehmigt und abgezeichnet für den Bauherrn durch Herrn Treppschuh.

  


Dieselbe Konstruktionszeichnung des Herrn Lindig enthält auch einen Lageplan der Kalkwerksanlagen. Der Kabelkran sollte direkt in ein Rohsteinsilo entladen und von dort aus über einen Brecher und eine Bandanlage einem Silo und dann dem Brennofen zugeführt werden.

 

Auch der erst 1926 errichtete Gas- Schachtofen wurde 1941 wieder abgerissen und sollte durch einen neuen Schachtofen ersetzt werden, um die Produktion weiter steigern zu können (40053, Nr. 154). Der Brennofen sollte bei einem Außendurchmesser von knapp 5 m eine Höhe von 18,5 m besitzen. Mit allen technischen Anlagen für Abzug und Beschickung hätte dieses Ofenbauwerk eine Gesamthöhe von 28,5 m bis zur Gichtbühne besessen. Darüber sollte noch eine Essen- Anlage von zirka 10 m Höhe errichtet werden (vgl. folgende Abbildung). Ob es während des 2. Weltkrieges tatsächlich noch dazu gekommen ist, ist allerdings zu bezweifeln.

1944 wurde außerdem ein „Hochdruck- Acetylen- Entwickler“ angeschafft, der wohl der Befüllung der Grubenlampen mit Brennstoff diente (40053, Nr. 154).

   


Übersichtzeichnung des 1941 geplanten, neuen Schachtofens. Bildquelle: Sächsisches Staatsarchiv, Bergarchiv Freiberg, Bestand 40053 (Bergamt Stollberg), Nr. 154 (Staatliches Kalkwerk Oberscheibe, Tagebetrieb, Blatt 17 (Mappe mit Bauzeichnungen).

 

Am Sonntag, dem 27. August 1944 wütete ein Großfeuer in den Werksanlagen. Eine Anwohnerin hatte gegen 14.00 Uhr den Brand im Dachbereich der Mahlanlage bemerkt. Da die Werksgebäude zum größten Teil reine Zweckbauten darstellten und aus Holz errichtet waren, kam es zu einer schnellen Brandausbreitung und die eintreffenden Feuerwehren konnten nur noch versuchen, ein Übergreifen auf weitere Gebäude zu verhindern.

Die Mahlanlage brannte vollkommen ab und auch die Ofenanlage wurde schwer beschädigt besonders die ebenfalls aus Holz errichteten Förderbrücken brannten vollkommen ab. Vermutlich habe Funkenflug bei der letzten Ofenbeschickung gegen 11.30 Uhr in Verbindung mit dem besonders trockenen Sommerwetter den Brand ausgelöst (40053, Nr. 154 sowie 40027, Nr. 1180).

  


 


Zwei Ansichten des Kalkwerkes Oberscheibe nach dem Großbrand im August 1944. Von den Förderbrücken zur Gichtbühne des Ofens sind nur noch die eisernen Gleise übrig, die nun frei in der Luft hängen... Bildquelle: Sächsisches Staatsarchiv, Bergarchiv Freiberg, Bestand 40053 (Bergamt Stollberg), Nr. 154: Staatliches Kalkwerk Oberscheibe, Tagebetrieb, Blatt 26b.

  


 


Zwei weitere Ansichten des Kalkwerkes Oberscheibe nach dem Brand vom Sommer 1944. Bildquelle: Sächsisches Staatsarchiv, Bergarchiv Freiberg, Bestand 40027 (Oberbergamt Freiberg), Nr. 1180: Oberscheibe, staatliches Kalkwerk, darin Blatt 28 und 29.

 

Beim Wiederaufbau sollte eigentlich keine Holzbedachung mehr verwendet werden. In Kriegszeiten das erforderliche Material zu beschaffen, war natürlich ein Problem. So war das Werk erst im November 1944 wieder voll arbeitsfähig (40053, Nr. 154).

Aus den Unterlagen einer Betriebsprüfung von 1943 geht hervor, daß man noch Vorräte von zirka 2,6 Millionen Tonnen erwartete. Mit einer Gesamtbelegschaft von 52 Personen, davon 20 Kriegsgefangene, wurden in diesem Jahr folgende Mengen produziert (40027, Nr. 1180):

  • 3.400 t Schotter“ (Stückkalk für Eisen- und Stahlwerke),
  • 2.250 t Rohkalk für Papierfabriken,
  •    534 t Stückkalk für Bauzwecke,
  •    421 t Stückkalk für die Landwirtschaft,
  •    155 t für sonstige Zwecke, ferner
  • 2.103 t Wasserkalk“ (Löschkalk) für Bauzwecke,
  • 7.850 t gemahlener Branntkalk für Düngezwecke.

  

 
 
 

Zum Kalkwerk an den Zachensteinen

  

In die Zeit nach 1800 fällt auch die Entstehung eines weiteren Kalkwerkes, das wir auf der Karte rechts unterhalb vom Scheibenberg, im Tälchen des Heidelbaches, finden. In der Holzordnung für die Ämter Crottendorf und Schwarzenberg aus dem Jahre 1560 wurde dieses Bächlein bereits erwähnt und damals noch als Heiliger Bach bezeichnet. Da die Menschen einst enger mit der Natur verbunden lebten, wußten sie den Wert der Pflanzen, die an seinen Ufern wuchsen, wie Arnika, Brunnenkresse oder Bachnelkenwurz, sicher sehr zu schätzen und wählten einen solchen Namen.

Im selben Jahr 1560 wurde das bis dahin noch allgemeinfreie Nutzungsrecht an Bach und Fischfang dem Erbgericht zu Crottendorf übereignet. 1653 erhielt Oberförster Cornelius Eberwein das Fischrecht zugesprochen. Anfang 1800 gehörte das Fischrecht dann zum Bauerngut von Christoph Friedrich Hunger ‒ ein Familienname, den wir in Zusammenhang mit den Bergschadensfällen in Oberscheibe schon gelesen haben (Crottendofer Anzeiger, Nr. 1, 2006).

Ob zu dieser Zeit auch das Kalklager an den Zachensteinen schon bekannt war, weiß man nicht. Der Flurname geht wahrscheinlich auf das mittelhochdeutsche Wort zach für zäh, fest oder auch geizig zurück; der Name Zachensteine könnte also einfach einen besonders harten Felsen meinen. Er könnte aber durchaus auch von einer älteren Zeche abgeleitet sein. Die Anfänge des Bergbaus am Zachenstein liegen für uns daher noch im Dunkeln. Zudem liegt das Vorkommen südwestlich von Walthersdorf eigentlich noch auf Crottendorfer Flur (geoportal.sachsen.de), was wieder einmal die Recherchen nicht einfacher machte.

Die Crottendorfer Ortschronisten haben herausgefunden, daß der Bergbau auch an den Zachensteinen mit Eisenerzabbau begonnen hat. Als erster dokumentierter Bergbau war hier die Andreas gevierte Fundgrube auf Eisenstein und auf Flöße verliehen (Ortschronik von Crottendorf, Kap. 17).

Am 3. April 1834 wurden in der betreffenden Bergamtsakte (40169, Nr. 2) als Eigentümer der Andreas Fundgrube die damaligen Besitzer des Nietzsch- Hammers zu Obermittweida, Herr Bergfactor Christian Andreas Richter und Frau Superintendentin Christiane Concordia Stoll, eingetragen. Die Grube baute einige Jahre lang übertägig ein in der Nähe des Crottendorfer Brechhauses entblößtes Kalklager und untertägig einen dort anstehenden Eisenerzgang ab.

Dieses Brechhaus hatte aber nichts mit einem Steinbruch zu tun, sondern diente als Darre für das Trocknen, Brechen und Hecheln von Flachs. Im Oberreit'schen  Atlas von Sachsen aus dem Jahr 1836 war es verzeichnet.

Als Schichtmeister und Rechnungsführer hatten die Grubengewerken Herrn Christian Carl Gottlieb Schubert angestellt. Mit dem Andreas Stollen, dessen Mundloch sich nahe beim späteren Flohrer- Wohnhaus befand, hatte die Zeche bei 97 m Länge schon damals ein zweites Kalklager angefahren.

Sicherlich um den Grundzins kam es aber dann zum Streit mit dem Grundbesitzer Gottlieb Haase, woraufhin dieser den Fortbetrieb untersagte und dem Bergamt am 5. Juli 1845 angezeigt wurde, daß die Grube von ihren Besitzern wieder aufgelassen war. Damit endet auch der Inhalt dieser Bergamtsakte.

Zur gleichen Zeit erwähnt dieses Kalksteinvorkommen dann auch C. F. Naumann im Heft 2 der Erläuterungen zu den geognostischen Karten von Sachsen (vgl. Kapitel zur Geologie).

 

Für „die Gegend von Schwarzenberg und Annaberg“ führten Wunder, Herbrig und Eulitz im Jahr 1867 im Kalkwerksbetrieb Sachsens insgesamt fünf fiskalische Kalkwerke auf, davon eines mit untertägigem Betrieb, sowie weitere sieben private Kalkwerke, wovon dazumal bereits vier untertägigen Betrieb aufzuweisen hatten.

Die jährliche Förderung der fiskalischen Werke überstieg mit einem Umfang von 1.499 Ruthen Rohkalk, einheitlich zu 54 Kubikellen gerechnet, die der gewerblichen Gruben mit nur 380 Ruthen allerdings bei weitem.

Entsprechend groß sind auch die Unterschiede in der Branntkalkproduktion, welche sich im Jahr 1864 für die fiskalischen Werke dieser Region auf 93.160 Scheffel und für die privaten auf 20.500 Scheffel belief. Von 13 fiskalischen Brennöfen waren bereits neun Rumford- Öfen. Von den insgesamt neun privaten Kalkbrennöfen waren dagegen nur drei von diesem modernen Typ, dagegen gab es bei diesen Werken noch eine gleich große Anzahl von drei periodischen Öfen.

In Oberscheibe führten diese Autoren zwei Proben vom „fiscalischen Bruch“, leider nur mit „I“ und II bezeichnet, auf. Ob der in derselben Tabelle gleich darunter als „Heidelbach“ aufgeführte Kalkbruch aber tatsächlich derjenige am Osthang des Scheibenberges ist, geht aus dieser Quelle nicht klar hervor.

Heiden, Bäche und Heidelbäche gibt es dummerweise nämlich mehrfach im Erzgebirge und sogar ein Kalkwerk gleichen Namens, das sich allerdings bei Wolkenstein in einem westlichen Seitental der Zschopau befand (40007, Nr. 996, 40053, Nr. 127 sowie 30046, Nr. 3927 und 3928). Schon aus der Zeit ab 1812 liegen dazu Akten über die Administration der Lengefelder und Heidelbacher Kalkbrüche bei den Amtshauptmannschaften Wolkenstein bzw. Marienberg vor (33044, Nr. 0307ff und 30046, Nr. 3751). Wir fügen die chemischen Analysen zum Vergleich mit den Angaben aus dem Jahr 1900 in unserem Kapitel zur Geologie trotzdem hier ein.  

Probe aus… Kalk Magnesia Kohlen-
säure
Eisen-
oxyd, Mangan, Thonerde
Un-
lösliches
Oberscheibe
fiscal. Bruch I 54,0 1,6 42,6 0,3 1,8
fiscal. Bruch II 49,3 5,3 43,4 0,3 1,6
Heidelbach
fiscal. Bruch Ia (weiß) 53,1 1,8 42,8 0,5 2,2
fiscal. Bruch Ib (weiß) 51,0 2,2 40,1 1,7 4,5
fiscal. Bruch II (halbschwarz) 29,4 19,8 43,7 1,7 4,9
fiscal. Bruch III (schwarz) 30,6 19,9 45,2 2,5 0,7

  

Wir lernen aus dieser Aufstellung immerhin, daß die Kalksteinbrüche in diesem Heidelbach schon 1867 offenbar ebenfalls in fiskalischem Eigentum gewesen sind. Wie oben schon gesagt, ist es aber unwahrscheinlich, daß es sich bei diesen wirklich um jene an unserem Heidelbach zwischen Walthersdorf und Crottendorf handelte.

Außerdem weist die chemische Zusammensetzung des abgebauten Kalksteines dort deutliche Unterschiede auf; zeigen doch die in der Tabelle aufgeführten Analysen der Proben II und III von diesem Heidelbach klar, daß der Kalkstein dort eigentlich ein Dolomit ist.

In der Bergbaumonographie steht zu lesen, daß der Abbau an den Zachensteinen zwischen 1879 und 1884 unter fiskalischer Aufsicht erfolgt sei, danach die Marmorblock- Gewinnung eingestellt und nur noch Branntkalk produziert wurde. Wir vermuten aber, daß es bei dieser Angabe zu einer Verwechslung der verschiedenen „Heidelbäche“ oder sogar mit dem Marmorbruch südlich von Crottendorf gekommen sein könnte, sonst hätte es zweifellos weitere Akten über einen fiskalischen Kalkabbau an den Zachensteinen geben müssen.

  


Karte von Sachsen 1:100.000, 1863. Erstmals ist hierin auch ein Kalkofen „K.O.“ am Zachenstein eingezeichnet, westlich vom Scheibenberg dagegen nur noch die Zeche Vater Abraham. In der Scheibenberger Heide wird jetzt auch Torf gestochen – vielleicht sind dies die „Torfräume“ des Herrn Gley – und am Scheibenberg sind ein Steinbruch und eine Sandgrube eingetragen.

  


Äquidistantenkarte Nr. 138, 1875. Auch hier sind jetzt zwei Kalkbrüche enthalten. In Oberscheibe ist ein Pulverhaus hinzugekommen. Als letztes Erzbergwerk in Oberscheibe ist noch immer die Grube Vater Abraham verzeichnet.

  

Erst auf den 1863 im Maßstab 1:100.000 gedruckten Karten von Sachsen erscheint überhaupt ein Kalksteinbruch an den Zachensteinen. Wie oben schon zu lesen war, werden auch in den 1900 erschienenen Erläuterungen zur geologischen Karte von C. Gäbert beide Kalkbrüche beschrieben – leider auch in dieser Quelle ohne Angaben zu den Besitzern – und auf dem zugehörigen Kartenblatt dargestellt.

Aus einer Akte der Königlichen Amtshauptmannschaft Annaberg zum Kalkwerk in Crottendorf (30041, Nr. 4071) haben wir aber erfahren, daß nach dem Tod des Gottlieb Haase Herr Karl Friedrich Haase das Gut mitsamt dem auf dem Grund liegenden Kalkbruch 1859 für eine Summe von 1.500 Thalern von der Erbengemeinschaft übernommen hat. Laut dieser Akte sei der Bruch damals schon seit über 100 Jahren vorher (also etwa seit 1750) in Betrieb gewesen. Gebrochen wurde damals aber nur Rohkalk und als Zuschlagstoff an die umliegenden Eisenhütten verkauft. Der neue Besitzer wolle nun den Bruch wieder in Betrieb setzen und stellte den Antrag an die Amtshauptmanschaft, auch einen einfachen Brennofen, einen  Lagerschuppen sowie eine Wohnung für den Kalkbrenner errichten zu dürfen.

  

In der Akte der Berginspektion III in Freiberg, ab 1900 zuständig für die gewerblichen Gruben, zu den Betriebsangelegenheiten dieses Kalkwerkes (40024-12, Nr. 55) fanden wir einen Auszug aus einem Revisionsbericht der Gewerbeinspektion Annaberg vom 16. Juli 1892, die damaligen Besitzverhältnisse betreffend. Demnach sei das Kalkwerk an den Zachensteinen „vorher“ im Besitz einer Gesellschaft namens Christian Otto Härtel & Co. gewesen.

Diese Gesellschaft bestand nach der Akte der Amtshauptmannschaft (30041, Nr. 4071) zunächst aus den Herren Christoph Otto Härtel jun., Sparkassenbeamter aus Chemnitz und Christoph Louis Härtel sen. aus Geyer, firmierte unter dem Namen Privatkalkwerke Crottendorf- Scheibenberg und muß das Kalkwerk um 1885 von K. F. Haase erworben haben.

Wie weiter unten noch zu lesen sein wird, hatte diese Gesellschaft 1886 außerdem das Feld der früheren Andreas Fundgrube gemutet und in Segen Gottes Stolln umbenannt (vgl. 40169, Nr. 297). Dieser alte Erzstolln diente dem Kalkwerk noch wenigstens bis 1905 mehr oder weniger gut als Wasserlösestolln.

Einen Herrn Otto Härtel findet man alsKalkwerksbesitzer aus Crottendorf“ daneben noch in den Aktenbeständen des Bergamts Schwarzenberg in Zusammenhang mit Khiesels Hoffnung Stolln am Fürstenberg bei Waschleithe (40169, Nr. 161). Der Name Otto Härtel taucht ferner im Zeitraum nach 1855 auch in den Grubenakten des Bergamts Marienberg als „Kalkwerksverwalter aus Crottendorf“ auf (40168, Nr. 362).

Aus einer weiteren Akte der Amtshauptmannschaft Annaberg, die ja auch für die Erteilung der Sprengstofferlaubnisscheine zuständig war, erfährt man dann noch, daß Herr Härtel nach 1886 die benötigten Sprengstoffe von der Firma Dresdner Dynamit Fabrik J. G. Schumann , vertreten durch Ernst Richard Schumann, seinerseits Großhändler für Koks und Kohle und Spediteur aus Chemnitz, bezogen hat (30041, Nr. 5948). Herr Schumann beteiligte sich auch am Kalkwerk, woraufhin die Gesellschaft in Härtel & Co. umbenannt wurde. In der Hoffnung, auch bei den staatlichen Kalkwerken in Oberscheibe und beim Eisenbahnbau guten Absatz zu finden, plante E. R. Schumann außerdem, ein eigenes Dynamitmagazin am Scheibenberg, etwa auf halbem Wege zwischen beiden Kalkwerken, zu errichten. Das wurde von der Amtshauptmannschaft auch genehmigt.

Im Jahr 1885 beantragte Härtel's Compagnie bei der Amtshauptmannschaft die Baugenehmigung für einen 19,8 m langen und 9,5 m breiten Ringbrandofen auf dem Werksgelände. Die je fünf Brennkammern an beiden Seiten des Ovals waren überwölbt bei einer Scheitelhöhe von 3,3 m.

Wie diese Brennöfen funktionierten, haben wir in unserem Beitrag zum Abbau des Plattendolomits bei  Geithain ausführlich beschrieben. Interessanterweise trägt die Bauzeichnung „zum Aufbau eines continuierlichen Kammerofens, System Paul Loeff, für Kalkbrand auf dem Grundstück des Herrn Chr. O. Härtel zu Crottendorf“ die eigenhändige Unterschrift besagten Herrn Paul Loeff's, Ingenieur in Berlin und als Gutachter im Rechtsstreit um die Hoffmann'schen Patente der Ringbrandöfen bekannt geworden, vom 6. April 1885.

Bereits 1886 beantragte Herr Härtel außerdem die Baugenehmigung für eine Ziegelstreich- und Trockenhütte“. Die Herstellung von Ziegeln machte den aufwendigen Bau eines Ringbrandofens sinnvoll.

 


Bildquelle: Sächsisches Staatsarchiv, Staatsarchiv Chemnitz, Bestand 30041, Nr. 4071, Aktenbeilage: Zeichnung zum Aufbau eines continuierlichen Kammerofens, System Paul Loeff, für Kalkbrand auf dem Grundstück des Herrn Chr. O. Härtel zu Crottendorf, Privatkalkwerke Crottendorf am 7. April 1885, Gesamtansicht.
  


Ausschnittsvergrößerung aus obiger Bauzeichnung mit der Schnittdarstellung des Ringbrandofens in Längsrichtung und einem dahinter geplanten, freistehenden und 21 m hohen Schornstein. Letzterer war der Lage im Heidelbach- Tal geschuldet unabdingbar, um hinreichenden Zug im Ofen zu erzielen. Der Rauchkanal lag offenbar mittig oberhalb der Schürebene, während die Füchse nicht dargestellt sind.
  


Ausschnittsvergrößerung aus obiger Bauzeichnung mit dem Grundriß des 1885 geplanten Ringbrandofens.

 


Bauzeichnung für eine Ziegelstreich- und Trockenhütte aus dem Jahr 1886. Bildquelle: Sächsisches Staatsarchiv, Staatsarchiv Chemnitz, Bestand 30041, Nr. 4071, Aktenbeilage: Zeichnung zum Aufbau einer Ziegelstreich- und Trockenhütte für die Herrn Härtel & Co. in Crottendorf, geprüft und für zulässig befunden, Annaberg, den 14. Juli 1886, Gesamtansicht.

  

In einer Akte über die Steinbrüche im Bezirk der Amtshauptmannschaft Annaberg haben wir Abschriften über Besichtigungen des Kalkwerkes der Firma Härtel & Co. in Crottendorf im Sommer 1887 gefunden (40024-12, Nr. 449). Der darin abgelegte Schriftverkehr ist nicht sehr umfangreich; den Schreiben ist aber zu entnehmen, daß es offenbar in dieser Zeit Beschwerden über die Betriebsführung gegeben haben muß. Der Bergamtsakte ist zwar nicht zu entnehmen, wer sich damals worüber beschwert hat; indirekt kann man aber schließen, daß es gewiß Nachbarn und Anlieger waren, denen verständlicherweise der durch das Sprengen auch am Sonntag bewirkte Lärm nicht paßte. In der das Kalkwerk betreffenden Akte der Amtshauptmannschaft (30041, Nr. 4071) liest man etwas genauer, daß sogar während der sonntäglichen Messe im Kalkbruch gesprengt worden sei.

Die oben gezeigte Bauzeichnung für den Ringbrandofen enthält auch eine Skizze zur Geländesituation, aus welcher hervorgeht, daß das Härtel'sche Kalkwerk im Süden an Hunger's Gut, im Norden an Burkhardt's Gut und im Osten an Gehlert's (der Name ist etwas schwer zu lesen) Gut unmittelbar angrenzte. Westlich begrenzte der Heidelbach Härtel's Grundstück.

Am 18. Juli 1887 teilte ein Herr Grießbach aus Scheibenberg daraufhin der Königlichen Straßen- und Wasserbaudirektion in Annaberg mit: Zu dem Beschlusse über den Härtel'schen Kalkbruch in Crottendorf habe ich gehorsamst anzuzeigen, daß der Bruch ca. 150 m von den Oberscheibner und Crottendorfer Communicationswegen abseits liegt und der öffentliche Verkehr hierbei nicht gefährdet ist.

Was die übrigen in der Anzeige besagten Übelstände betrifft, so sind dieselben mehr oder weniger für begründet vorgefunden worden und falls dieselben im Interesse der Arbeiter oder der sonstigen in der Nähe des Bruches verkehrenden Personen beseitigt werden sollen, folgende Vorsichtsmaßregeln vorzuschlagen sind:

1) außer dem Kalkbrennen ist die Sonntagsarbeit, namentlich das Schießen und Brechen von Steinen, fürderhin zu vermeiden und diese Arbeiten in den Werktagen durch verstärkte Arbeitskräfte zu ersetzen,

2) die im Bruche in der ersten hinteren Ecke noch anstehende, steile, unabgeräumte, 8 bis 10 m lange Wand, in deren unmittelbarer Nähe Steine gebrochen werden, ist mindestens 3 m breit bis auf das feste Gestein gehörig abzuräumen, das Brechen aber an dieser Stelle solange abzustellen, bis die Beräumungsarbeiten vollständig beendet und die Arbeiter außer Gefahr gesetzt sind; auch mit den übrigen Beräumungs- und Sprengarbeiten jederzeit streng nach den in der Unfallverhütungsvorschrift der Steinbruchberufsgenossenschaft näher bezeichneten Weise zu verfahren,

3) Der jetzt ganz uneingefriedete, ca. 20 bis 25 m tiefe Bruch, von welchem der am Eingange des Bruches außer Betrieb gesetzte Theil dem Gutsbesitzer Carl Jünger aus Crottendorf gehört, ist in seiner ganzen Ausdehnung mit einer mindestens 0,1 m starken Rundholzbarriere oder doppelten starken Latten zu umziehen, davon 120 m auf die Firma Härtel und Comp. und 65 m auf obgenannten Gutsbesitzer fallen,

4) auf die Futtermauer, die zwischen den beiden Öfen an dem Wege aufsteht, ist zur Führung der Passagen ebenfalls eine ... Rundholzbarriere anzubringen.

Zu bemerken ist hierzu noch, daß von der Bruchsohle nach den Öfen ein 116 m in den Felsen gehauener Förderstollen vorhanden ist. Ob derselbe aber bei der dortigen Gesteinslage die nöthigen Sicherheiten nach allen Richtungen hin bietet, dürfte von bergmännischer Seite nur zu beurteilen sein.

Nebenbei geht aus dem Text hervor, daß das Härtel'sche Kalkwerk damals über zwei Brennöfen ‒ wohl den älteren vom Vorbesitzer Haase und den neuen Ringbrandofen ‒ verfügte, welche offenbar so dicht nebeneinander standen, so daß sie untereinander durch eine Futtermauer“ verbunden waren.

Die letzte Bemerkung des Herrn Grießbach führte dann dazu, daß man sich vonseiten der  Amtshauptmannschaft Annaberg an das Königliche Bergamt in Freiberg wandte und um Hilfe nachsuchte. Die Bergbehörde wiederum prüfte die Zuständigkeit und beauftragte daraufhin die Berginspektion I in Zwickau mit einer Überprüfung der Sachlage. In dem Schreiben des Bergamtes an die Berginspektion Zwickau heißt es: Wie die Berginspektion aus den beigelegten (Zetteln ?) der Amtshauptmannschaft Annaberg, das Kalkwerk der Firma Härtel und Comp. betreffend, ersehen wird, sind gegen den Betrieb bei genanntem Kalkwerke verschiedene Beschwerden erhoben worden, bezüglich welcher zwar schon von anderer Seite Erörterungen angestellt worden sind. Infolge unseres Beschlusses vom 19. Juli nehmen wir jedoch Veranlassung, der Berginspektion noch aufzugeben: den Zustand des Förderstollens zu untersuchen und Erörterungen darüber anzustellen, ob bei dem fraglichen (Werke ?) die Abräumarbeiten saisonmäßig stattfinden oder aber vernachlässigt werden.

Indem wir baldiger Anzeigeerstattung hierüber gewärtigen, bemerken wir noch unter Hinweis darauf, daß das Werk (der) Firma Härtel und Comp. in Crottendorf bei Scheibenberg innerhalb des unter dem Namen Segen Gottes Stolln bei Crottendorf“ verliehenen Grubenfeldes gelegen ist; daß die Grubenbesitzerin trotz der ihr unterm 18. September vorigen Jahres zugegangenen dieshalbigen Aufforderung, binnen 14 Tagen einen auch allgemein gehaltenen Betriebsplan einzureichen, bis heute nicht nachgekommen ist. Die Berginspektion wolle nun ermitteln, ob überhaupt etwas und damals zur Aufschließung des Grubenfeldes geschehen ist und uns auch über diese Angelegenheit mit Anzeige zu erstatten.“

Wir erinnern uns, daß mit der hier angesprochenen Besitzerin von Segen Gottes nur die Frau Superintendentin Christiane Concordia Stoll gemeint gewesen sein kann. Diese ersten uns bekannten Bergbautreibenden an den Zachensteinen sind jedoch schon 1845 wieder aus dem Feld gegangen, was dem Bergamt eigentlich auch bekannt gewesen sein müßte. Aber auch früher schon kann mal was vergessen worden sein... Anlaß der Nachfrage im Jahre 1887 war wohl dann, daß die Gesellschaft Härtel & Co. auf dieses Grubenfeld am 4. Mai 1886 Mutung eingelegt hatte.

Jedenfalls machte sich Herr Berginspektor Neukirch aus Zwickau auch sogleich auf den Weg und antwortete am 11. August 1887 an das Bergamt zu Freiberg: In Nachsehung der Verfügung des kgl. Bergamtes ... haben wir aufgrund der am 2. August vorgenommenen Besichtigung des Kalkwerkes von Härtel und Comp. zu Crottendorf ergebenst anzuzeigen, daß der Förderstollen im Großen und Ganzen sich in gutem Zustande befindet; daß aber an zwei Stellen größere Gesteinsschollen sich los (gelöst ?) haben, so daß deren Unterstützung durch Bolzen und ... eine Kappe erforderlich ist.

Der Abraum ist in der Hauptsache bereits entfernt, aber an zwei Stellen standen auf der senkrechten Gesteinswand noch Abraummassen an, welche zumal bei einem stärkeren Regen gefährlich werden können.

Dem bei der Besichtigung anwesenden Herrn Härtel hat der Inspektionsbeamte an Ort und Stelle aufgetragen, in welcher Weise die vorbezeichneten Sicherungsmaßregeln auszuführen sind.

Über den vorangegangenen Bergbau äußerte sich Herr Neukirch leider gar nicht.

Nachdem dieses Schreiben in Freiberg angekommen war, beschied das Bergamt der Amtshauptmannschaft Annaberg bereits am 13. August 1887 kurz und bündig, ...mit Abschrift einer Gegenstand betreffenden Berginspektionsanzeige, ...daß nach dieser der vorhandene Stollen zu Bedenken keine Veranlassung mehr darbieten dürfte. Kostenansatz bleibt vorbehalten.“

Für die Bergbehörde war damit ihre Pflicht erfüllt und diese Akte wurde wieder geschlossen. Ob Herr Härtel auch weiterhin sonntags Gestein brechen ließ, hat zumindest beim Bergamt danach niemanden mehr interessiert. Vermutlich aber hat sich Herr Härtel an diese Anweisungen gehalten, sonst hätte es wohl neue Beschwerden gegeben...

  

Schon 1889 hat sich Chr. O. Härtel aus dem Kalkwerksgeschäft zurückgezogen. Seine Anteile am Kalkwerk hat daraufhin auch E. R. Schumann 1891 an Hugo Scharschuch aus Chemnitz verkauft. Herrmann Fürchtegott Seifert aus Crottendorf wurde mit den Sprengarbeiten im Kalkbruch beauftragt und erhielt dafür einen Erlaubnisschein von der Amtshauptmannschaft Annaberg.

Auch das Geschäft mit dem Dynamit für den Bahnbau in der Gegend war nun vorbei, die Bahnstrecke war fertig und es wurde nichts mehr benötigt. 1893 befanden sich aber noch 102,5 kg  Dynamit im Lager am Scheibenberg. Ein Versuch, sie an Rudolph Facius in Raschau zu verkaufen, kam nicht zustande, obwohl der Kalkwerksverwalter Oscar Max Hessler aus Raschau von der Amtshauptmannschaft Annaberg schon einen Erlaubnisschein für den Transport bekommen hatte. 1894 wollte Schumann das Dynamit dann an den Verwalter des königlichen Kalkwerks in Crottendorf Friedrich Groß zu veräußern. Da das Crottendorfer Dynamit aber auch in Oberscheibe gelagert wurde, dort aber insgesamt höchstens 70 kg gelagert werden durften, kam es auch zu diesem Verkauf nicht. Daraufhin nahm 1894 Schuhmann das Dynamit wieder mit nach Chemnitz in sein Hauptlager (30041, Nr. 5948).

In dem oben schon zitierten Auszug aus einem Revisionsbericht der Gewerbeinspektion Annaberg vom 16. Juli 1892, die damaligen Besitzverhältnisse betreffend, in der Akte der Berginspektion III in Freiberg zu den Betriebsangelegenheiten des Crottendorfer Kalkwerkes (40024-12, Nr. 55) steht dann zu lesen, daß die Gesellschaft Christian Otto Härtel & Co. in Konkurs gegangen sei, woraufhin Grund und Kalkwerk an (…das ist schwer zu lesen:) die Stadtkasse (?) zu Scheibenberg fielen.

Die Stadt hatte allerdings kein Interesse, das Werk selbst weiter zu betreiben und veräußerte das Kalkwerk 1894 an einen Herrn Gustav Leisack, Colonialwarenhändler aus Freiberg. Auch dieser scheint aber kein Interesse oder zumindest keinen wirtschaftlichen Erfolg mit dem Kalkwerk gehabt zu haben und wollte es im August 1895 zunächst an einen Herrn Bruno Neubert aus Oederan weiterverkaufen, was jedoch nicht zustandekam. Ein Jahr später, also 1896, wurde es dann doch, und zwar an Herrn Johannes Köhler aus Zehden, weiter verkauft. Unter dessen Namen wurde im Jahr 1900 die Akte der Berginspektion über das Kalkwerk angelegt (40024-12, Nr. 55).

Herr Köhler nahm den Betrieb 1897 wirklich wieder auf. Über die Wintermonate wurde der Stollen instandgesetzt und auch die anderen behördlichen Auflagen wurden nun erfüllt.

  

Anno 1900 war dann auch hier in Crottendorf der uns bereits bekannte Bergverwalter Seemann aus Freiberg für den gewerblichen Bergbau zuständig. Sein erster Fahrbericht vom 7. März 1900 zum Köhler'schen Kalkwerk ist ausdrücklich als „Tagebesichtigung und Grubenbefahrung“ überschrieben. Seemann notiert darin: „Auch hier erfolgen die Gewinnungsarbeiten im Tagebau und wird während der strengsten Wintermonate kein Kalkstein gebrochen. Jetzt sind 3 Mann, sonst bis 18 Mann auf dem Werke beschäftigt.

Die Tagewasser fließen durch einen unterhalb der Baustelle liegenden, etwa 360 m langen Stolln ab, daher keine mechanische Einrichtung zur Wasserhaltung vorhanden.

Die gewonnenen Kalksteine werden durch den Stolln im Förderwagen nach den Öfen gefördert. Es waren also dazumal immer noch zwei Öfen, wenn auch Herr Seemann hier den Plural wählt.

Es wird nur mit Dynamit geschossen, Niederlage im Stollen, genehmigte Lagermenge 50 kg. Jährliche Produktionsmenge 13.000 hl (Hektoliter, eine Einheit, die Seemann fast immer in Anlehnung an den früheren Scheffel als Kalkmaß mit etwas mehr als 100 Litern Inhalt wählte), nur Graukalk, der zumeist als Baukalk Verwendung findet.“

Bemerkenswert ist, daß die Produktion in diesem privaten Kalkwerk mit etwa 13.000 hl offenbar die gleiche Größenordnung erreicht hatte, wie im benachbarten fiskalischen Werk. Gegenüber dem von Herrn Grießbach 1887 mitgeteiltem Stand der Stollnauffahrung (116 m) hat sich dessen Länge nun verdreifacht.

Ein halbes Jahr später inspizierte Seemann auch den sommerlichen Abbaubetrieb und notiert im Fahrbericht vom 4. Juli 1900: „Die Führung bei der Befahrung übernahm der Besitzer. Dieser beabsichtigt, den vorderen der beiden (…aha – also waren es schon zwei !) Förderstolln abzuwerfen und anstelle desselben einen Haspelberg mit einem Pferdegöpel anzulegen, mit welcher Anlage die Kalksteine bis an die Höhe der Gicht der Brennöfen geschoben werden sollen.

Zu erinnern fand sich nichts.“ (40024-12, Nr. 55)

Technisch war also am Betrieb dazumal nichts auszusetzen.

Herr Köhler begann sogleich eine rege Investitionstätigkeit: Auch er ließ neben dem Kalkabbau Ziegel brennen und plante dafür einen mit zirka 10 m Breite und 36 m Länge erheblich größeren, neuen Trockenschuppen zu errichten. Für diesen Schuppen wurde bereits ein Jahr später sogar noch eine Erweiterung beantragt. Außerdem wurde noch ein offener Schuppen unsicherer Zweckbestimmung, vermutlich als Verladeplatz, gegenüber vom alten Brennofen errichtet.

 


Bauzeichnung zur Errichtung eines größeren Ziegelstreich- und Trockenschupppens. Bildquelle: Sächsisches Staatsarchiv, Staatsarchiv Chemnitz, Bestand 30041, Nr. 4071, Aktenbeilage: Zeichnung zu einem Ziegel- Trockenschuppen und einem Radstube- Gebäude für Herrn Johannes Köhler in Crottendorf, Cataster No. 148, von Karl Kästel, Bauleiter, geprüft und bedingungsweise zulässig befunden, Annaberg, den 26. April 1901, Diesend, Brandwart- Inspektor, Gesamtansicht.
 


Unklar ist uns die Zweckbestimmung dieser Radstube. Hier eine Ausschnittsvergrößerung aus obiger Bauzeichnung mit den Schnittdarstellungen...
 


...und auch die Grundrisse zeigen uns nur, daß ein Vorgelege und wahrscheinlich ein Antriebsrad für Transmissionsriemen vorgesehen waren. Was dieses Wasserrad aber eigentlich antreiben sollte, geht aus diesen Zeichnungen leider nicht hervor.
 


Ausschnittsvergrößerung mit dem Lageplan der Gebäude, die zum Kalkwerk gehört haben. Rot markiert der neu zu errichtende Ziegelschuppen und ‒ halb verdeckt von den Sparren der Dachkonstruktion ‒ die kleine Radstube am Heidelbach. Es lagen fast 31 m Abstand zwischen der Radstube und dem nächstliegenden Gebäude.

  


Bauzeichnung zur Erweiterung des Ziegelstreich- und Trockenschupppens. Bildquelle: Sächsisches Staatsarchiv, Staatsarchiv Chemnitz, Bestand 30041, Nr. 4071, Aktenbeilage: Plan zum Anbau eines Ziegel- Trocken- Schuppens für Herrn Johannes Köhler in Crottendorf, Cataster No. 148b, von Karl Kästel, Bauleiter, geprüft und richtig befunden, Annaberg, den 5. September 1902, Diesend, Brandwart- Inspektor, Gesamtansicht.

 

Diese sehr intensive und recht einwandfreie Betriebsweise änderte sich allerdings bald. Am 13. Juni 1901 nämlich gab „die heutige Befahrung des Köhler’schen Kalkwerks in Crottendorf… zu folgenden Anordnungen Anlaß.

Erstens ist die vordere Eingangstür zum Tunnel ist zu verschließen. (Gemeint ist der Förderstollen.)

Zweitens: Die Beseitigung des Abraumes hat nach §3 der Allgemeinen Unfallverhütungsvorschriften der Steinbruchberufsgenossenschaften für Steinbrüche und Gräbereien übertage zu erfolgen, insbesondere ist, mehr als bisher geschehen, darauf zu achten, daß sie vom Fuße der entblößten Gesteinswand in der vorschriftsmäßigen Entfernung zurücksteht.

Drittens ist sofort ein Sprengstofflagerbuch nach dem… 1894 vorgeschriebenen Schema anzulegen und laufend fortzuführen.“

Der Besitzer erhielt eine Kopie der Niederschrift zugestellt. Im Herbst kontrollierte der Berginspektor die Umsetzung seiner Auflagen und hielt fest: „Wie eine am 30. Oktober des Jahres vorgenommene Revision des Kalksteinbruchs von Köhler in Crottendorf ergeben hat, ist der Besitzer der Anordnung, …den etwa 5 m hohen Abraum vor Inangriffnahme der Bruchwand zu beseitigen, nicht nachgekommen; er hat vielmehr, ohne sich um die Beschaffenheit des Abraums zu kümmern, weiter an der Bruchwand Kalkstein gewonnen, so daß dieser nunmehr theilweise eine überhängende Gestalt bekommen hat, wodurch die Gefahr naheliegt, daß von dem klüftigen Gestein einzelne Wände auf die Arbeiter herabstürzen.“

An seine übergeordnete Behörde schreibt Seemann weiter: „Das königliche Bergamt wird gebeten, unter Androhung einer Geldstrafe von vielleicht 50 bis 100 Mark Köhler veranlassen zu wollen, den Gewinnungsbetrieb sofort einzustellen und solchen nicht wieder aufzunehmen, als der Abraum in vorschriftsmäßiger Weise beseitigt ist.“ (40024-12, Nr. 55)

Upps, Herr Seemann war richtig sauer, daß Herr Köhler keineswegs auf ihn hörte… Am 6. November 1901 erging tatsächlich die Strafandrohung an Köhler vonseiten des Bergamtes. Der Fuß der Abraumböschungen sei um mindestens deren halbe Höhe, also um 2 ½ Meter, von der oberen Bruchkante zurückzunehmen, andernfalls werde eine Geldstrafe in Höhe von 50,- Mark verhängt.

Köhler ahnte wohl, daß das Amt kein Federlesen machen will und schrieb am 12. November sofort nach Freiberg zurück. In seinem Brief erzählte er von den hohen Kosten, fehlendem Kapital und Schulden und daß der Betrieb trotz versuchter Verbesserungen nichts einbringe; vielmehr sei er nur durch Errichtung eines neuen Kalkofens überhaupt rentabel zu machen, was natürlich neue Kosten mit sich bringe… Außerdem sei der Kalkstein von sehr großer Härte und er habe doch bereits den Abraum abgeböscht. Daraufhin sah das Amt offenbar zunächst von der Einforderung der Strafe ab.

  

Die nächste Revision erfolgte dann am 2. September 1901 und bereits durch den neuen Berginspektor Roch. Dieser informierte das Bergamt darüber, daß „seit 14 Tagen der Betrieb im Kalkwerk nach Angabe des Vorarbeiters Lein – denn der Besitzer wurde nicht angetroffen – infolge schlechten Geschäftsganges vollständig ruht…

Man konnte sehen, daß am Südrande des neuen Kalksteinbruchs (...wieder ein „Aha“ – es gab also kurz nach 1900 auch schon den zweiten Tagebau !) eine Berme vor nicht allzu langer Zeit hergestellt worden war. An der Nordostseite jedoch, wo zuletzt gebrochen worden war, fehlte die Berme vollständig. Die Abraumhöhe beträgt dort 3 – 4 m. Über dem Zugang zum Stolln hing die Bruchwand stark über…“

Die Übertragung neuer Aufgaben an den besonders aufmerksamen Bergverwalter Seemann führte also nur dazu, daß der neue Inspektor die Feststellungen des vormaligen bestätigte. Roch ließ dem Besitzer Köhler wieder eine Niederschrift zustellen, in welcher er schriftlich und unter erneuter Androhung der Strafverhängung folgende Anordnungen traf: „Erstens ist sowohl der zum alten, wie der zum neuen Kalksteinbruch führende Stolln / Tunnel, solange darin kein Betrieb stattfindet, verschlossen zu halten.

Zweitens ist vor Wiederaufnahme des Betriebes der Abraum allerwärts mindestens um die Hälfte seiner Höhe von der oberen Kante der Bruchwand zurück abzuräumen.

Und drittens ist der am Zugang zum Stolln / Tunnel bestehende, starke Überhang sofort nach Wiederaufnahme des Betriebes zu beseitigen oder sicher zu unterbauen.“

Im Fahrbericht zu dieser Revision heißt es von Berginspektor Roch außerdem: „Die Arbeiter werden, da der Betrieb im Bruche wegen mangelnder Nachfrage jetzt ruht, mit Ziegelstreichen beschäftigt. Das Material dazu liefert eine kleine Lehmgrube unweit vom Kalkbruch; gebrannt werden die Ziegel in einem alten Kalkofen.

Ob ein Riß vorhanden ist, konnte wegen der Abwesenheit Köhler’s nicht ermittelt werden.

Da er die Schlüssel zur Sprengstoffniederlage unter Verschluß aufbewahrte, konnten (Sprengstoffnachweis-) Bücher nicht revidiert werden. Die Zulänglichkeit der Aufsichtsführung ließ sich wegen Stillstand des Betriebes nicht genügend beurteilen.

Bei der Befahrung des nach dem neuen Tagebau führenden Stollens fand man bezüglich des Ausbaus desselben keinen Anlaß zu Erinnerungen. Fluchtwege kommen nicht in Betracht, da der Stolln nach beiden Seiten ins Freie mündet.“ (40024-12, Nr. 55)

Interessant ist hier die Information, die wir diesem Schreiben entnehmen können, daß neben dem Kalk auch Ziegel hergestellt wurden. Hier heißt es aber, daß die Ziegel in einem alten Kalkofen gebrannt würden.

Im Januar 1902 ist es offenbar zu einem Arbeitsunfall gekommen. Die Unterlagen der „ortspolizeilichen Untersuchung“ desselben sind in der Akte der Berginspektion leider nicht enthalten.

Nach Erhalt der Niederschrift bat Köhler am 30. Oktober 1902 das Bergamt erneut um Erlaß der Strafe und schreibt u. a.: „Den starken Überhang am Eingang zum Fördertunnel fand ich bei Antritt meines Besitzes 1896 vor und habe ich dort nichts mehr brechen lassen, wohl aber Steine untergebaut. Bei einer Revision durch die Steinbruchberufsgenossenschaft vor einigen Jahren wurde der Eingang nicht moniert…“

Tatsächlich mühte sich Köhler offenbar im Rahmen seiner finanziellen Möglichkeiten weiter um Verbesserung des Zustandes. Bei der nächsten Revision am 1. Juli 1903 hält der Berginspektor fest: „Soweit die Abraumböschung bereits mit Rasen bewachsen war, ist eine Berme nicht hergestellt bzw. …nicht verbreitert worden. Kalkstein wurde nicht gebrochen. Die Arbeiter waren … mit Abräumen an der Nordostseite des Steinbruchs beschäftigt…“

Aber immerhin: „Zum Schutze gegen den umfangreichen Überhang … (ist) der Tunnel verlängert worden, (indem) derselbe durch kräftige Mauern (½ Meter und stärker) gegen 4 m in den Steinbruch hineingeführt und letztere durch mit Eiseneinlagerungen versehene Cement- Dielen überdeckt worden sind. Da jedoch der Überhang auch über das Ende der Tunnel- Verlängerung herausreicht und letztere … einem etwaigen Hereinkommen des ganzen Überhangs oder eines großen Theiles desselben nicht Widerstand zu leisten vermag, konnte man die von Köhler bewirkte Verwahrung nicht als genügend ansehen…“

Köhler wolle den Überhang aber durch kräftigen Holzunterbau stützen, die Tunnelverlängerung noch weiter verlängern und zugleich als Aufprallschutz mit losen Massen überdecken, heißt es weiter. Berginspektor Roch empfiehlt dem Bergamt erneut, die Strafe in Höhe von 50,- Mark zu verhängen, wenn Köhler diese Maßnahmen nicht ergreift. Er sei aber auch der Ansicht, daß diese Maßnahmen dann den nötigen Schutz gewähren würden.

Im Fahrbericht vom 30. Juni 1903 lesen wir ferner noch, daß Köhler die Sprengstoffniederlage, die sich im alten Stolln befand, verlegen wolle, um die Unterhaltungskosten für den zweiten Stolln einzusparen. Positiv für Köhler vermerkt Roch außerdem: „Ein Grubenriß ist nicht vorhanden, erscheint auch, da die Gewinnung lediglich durch Tagebaubetrieb erfolgt, nicht notwendig. Man erhielt den Eindruck, daß der Betriebsunternehmer Köhler imstande ist, die Betriebsaufsicht in hinreichender Weise zu führen…“

Anfang Oktober 1903 stand das Kalkwerk wieder ganz außer Betrieb. Der Bergbehörde gegenüber gab der erst 39jährige Köhler, der mit seiner Gattin auch schon fünf Kinder zu ernähren hatte, an, „er habe den guten Willen gehabt, …aber es habe ihm an Mitteln und Arbeitern gefehlt; jetzt besitze er außer seinem Kalkwerk so gut wie nichts mehr, so daß er nicht wisse, wie er für den folgenden Tag das Mittagessen für seine Familie beschaffen solle… Den wenigen Aufträgen an Baukalklieferungen habe er sich durch Ankauf von Geraer Kalk entledigen müssen…“

Folgerichtig blieb Köhler wohl nichts übrig, als das Kalkwerk mit dem zugehörigem Grundbesitz zu verkaufen; wozu Roch aber schreibt: „Ob ihm dies gelingen und ob das Kalkwerk wieder in Betrieb kommen wird, erscheint zweifelhaft.“ (40024-12, Nr. 55)

Bereits im Jahr 1902 sei das Kalkwerk völlig überschuldet gewesen. Bei einer Zwangsvollstreckung hätte es mit seinem Schätzwert von 20.000 Mark die Schulden nicht decken können (30041, Nr. 4071).

Aber der Verkauf gelang Köhler tatsächlich, wenn sicher auch ohne Gewinn. Im Tausch „gegen eine Villa in der Lößnitz“ veräußerte Köhler noch im selben Jahr das Grundstück Nummer 572 mitsamt dem Kalkwerk an Herrn Emil Oehme aus Radebeul. Im Kalkwerksgelände nahm im Mai 1904 außerdem die Familie Bruno und Auguste Marie Oehme, geborene Thiele, ihre Wohnung (40024-12, Nr. 55).

Auch uns ist in einer Akte über die Beständige Einigkeit Fundgrube in Scheibenberg zufällig der Name „Kalkwerk Oehme bei Crottendorf“ begegnet, welches über einen „Werkplatz am Heidelbach“ verfügte. Auf diesem nämlich seien 1905 Tagesbrüche niedergegangen (40169, Nr. 34).

Auch aus den Ausgaben des Jahrbuchs für das Berg- und Hüttenwesen der Jahre 1901 bis 1905 erfahren wir, daß ein „Graukalkwerk“ in Crottendorf zwischen 1900 und 1903 zunächst im Besitz des Herrn Johannes Köhler, Landwirt und Kalkwerksbesitzer in Crottendorf, anschließend bis 1905 im Besitz der Frau Auguste Marie Oehme, gewesen ist. Von „Graukalk“ sprach man hier wohl auch, um dieses Kalkwerk vom „Marmorbruch“ im Süden Crottendorfs unterscheiden zu können (40024-12, Nr. 54 und 55).

  

Bei der nächsten Befahrung stellte auch die Bergbehörde erstaunt den Besitzerwechsel fest. Außerdem hatte Emil Oehme den Kalkabbau einfach wieder aufgenommen, ohne sich um – ihm vielleicht vom Vorbesitzer Köhler auch gar nicht mitgeteilte – Auflagen des Bergamtes zu scheren. Dadurch seien freilich die zuletzt von Köhler noch angelegten Bermen wieder vollständig verlorengegangen. Allerdings: „Der gefährliche Teil des Überhanges war, wie man von dem Arbeiter Ernst Böttcher erfuhr, (glücklicherweise !) im Winter, während der Betrieb ruhte, hereingebrochen.“ Der Arbeiter Böttcher beschäftigte übrigens, natürlich unangemeldet, auch seinen erst elfjährigen Sohn im Steinbruch, was der Behörde auch damals schon ob dessen noch minderjährigen Alters besonders aufstieß (40024-12, Nr. 55).

Ferner habe sich auch der Zustand des Förderstollns massiv verschlechtert und der alte Stolln – in dem sich ja reichlich 25 m vom Mundloch entfernt auch die Sprengstoffniederlage befand – sei gar „auf sein Mundloch zu“ zusammengebrochen. Er sei zwar geräumt worden, benötige aber „kräftigen Ausbau“.

Die wohl nur pro forma als Besitzerin des Kalkwerkes in den Grundbüchern eingetragene Schwägerin des Emil Oehme, Frau Auguste Marie Oehme, wußte von alldem angeblich nichts. Ihr Ehemann Bruno Oehme aber wolle den Betrieb übernehmen und zukünftig selbst leiten. Geplant habe er, die beiden Förderstollen gänzlich abzuwerfen und nur noch zur Wasserableitung zu nutzen. (Das eine widerspricht zwar dem anderen, aber lassen wir das mal so stehen…) Anstelle dessen wolle er ein „Gerüst“ und einen von einem Benzinmotor angetriebenen Aufzug für die Förderung errichten und mit 2 bis 4 Mann nur noch im Tagebau den Abbau fortführen.

Weil Herr Bruno Oehme nun offenbar auf den Bergbeamten einen vertrauenswürdigen Eindruck machte und als „gelernter Mechaniker und früherer Bauleiter“ ja hinreichende berufliche Erfahrung aufzuweisen habe, ließ das Bergamt die Wiederaufnahme eines Betriebs „in engen Grenzen“ in dem „kleinen Kalkwerk“ am 20. Juli 1904 tatsächlich zu.

Rund ein Jahr später fällt die Bilanz im Fahrbericht recht ernüchternd aus: Drei Arbeiter seien mit Abräumarbeiten beschäftigt und: „Geändert hat sich im Übrigen nichts.“

Im Juni 1905 war immerhin ein Damm für die künftige Förderbahn aufgeschüttet und im August führte schon „eine Förderbrücke… hoch über der Baustelle“ nach dem Fördergerüst.

Im Juni 1905 ist es außerdem zu den oben schon erwähnten Tagesbrüchen auf dem Werksgelände gekommen. In der Akte der Berginspektion III (40024-12, Nr. 55) findet sich eine Abschrift des Inhalts der Akte des Bergamts Schwarzenberg (40169, Nr. 34) zum Sachverhalt. Diesem Schriftstück, unterzeichnet von Berginspektions- Assistent Müller, ist zu entnehmen, daß bis zum 8. Juni 1905 insgesamt drei Brüche niedergegangen seien, welche sämtlich zwischen dem Lichtloch und dem Bergabhang im Verlauf des „Betriebsstollens“ lägen. Der Ansatzpunkt dieses Stollens sei dem anderen Amt allerdings nicht bekannt. Ein Lichtloch befand sich direkt hinter dem Trockenschuppen des Kalkwerkes und wurde von Herrn Müller befahren, wobei er feststellte, daß der Stollen talwärts offen und in Mauerung, bergwärts aber in Zimmerung gestanden habe und dort vollständig niedergebrochen war. Die Tagesbrüche waren etwa 1 m bis 3 m breit und 1 m tief. Der dritte Bruch am Berghang zeichnete sich durch eine in den Berg hinein verlaufende Kluft aus, wodurch es zu „fortdauerndem Nachstürzen“ kam.

Dieser Stolln sei vermutlich mit dem „vom ehemaligen Werkbesitzer Härtel getriebenen Stolln identisch, der mittels des sogenannten Betriebstollens vom Schützteich aus aufgefahren ist und fürderhin zur Entwässerung des Kalkwerkes diente“; vermutlich also handelte es sich um den „alten Stolln“ zum älteren Kalksteinbruch, in dem Köhler später seine Sprengstoffniederlage eingerichtet hatte. Er lag aber eben auch im Grubenfeld der Segen Gottes Fundgrube, weswegen sich das Bergamt Schwarzenberg der Sache anzunehmen hatte. Wie wir bei dieser Gelegenheit noch erfahren, habe die Gesellschaft Härtel & Co. dieses Grubenfeld bereits am 4. Mai 1886 gemutet.

Auf einer dieser Abschrift beigefügten Skizze ist jetzt der oben schon erwähnte „Ringofen“ eingezeichnet. Ein solches, recht aufwendiges Ofenbauwerk konnte sich ein privates Kalkwerk mit kleiner Produktionsmenge und geringerem Umsatz eher nicht leisten. Wir haben aber oben auch gelesen, daß das Köhler'sche Kalkwerk um 1900 mit etwa 13.000 Hektolitern noch genauso viel Branntkalk erzeugte, wie das fiskalische Werk an der anderen Seite des Scheibenberges. Außerdem wissen wir ja inzwischen, daß spätestens seit 1901 auch Ziegel hergestellt wurden.

   


Die oben im Text angeführte Skizze: Links ist hier noch der „Ringofen“ angerissen. Bildquelle: Sächsisches Staatsarchiv, Bergarchiv Freiberg, Bestand 40024-12 (Landesbergamt, gewerbliche Gruben), Nr. 55: Acten, Betriebsangelegenheiten bei dem Kalkwerk der Auguste Marie Oehme in Crottendorf betreffend, Blatt 57.

    

Blöderweise verlief nun zwischen dem Schuppen und dem Berghang auch noch ein Fahrweg, welcher vom Kalkwerk wie den Anrainern, dem Bauern Moritz Gehlert und dem Gutsbesitzer Süß aus Untercrottendorf, gleichermaßen genutzt werde. Nach Rechtslage hätte eigentlich der frühere Kalkwerksbesitzer Härtel für die Beseitigung dieser Bergschäden aufkommen müssen. Nach Prüfung durch das Bergamt war Christian Otto Härtel allerdings inzwischen verstorben und sein Sohn „vermögenslos“. Somit wurde die Verfüllung der Brüche dem jetzigen Kalkwerksbesitzer Oehme auferlegt. Der wiederum nutzte inzwischen das Lichtloch auf dem Stolln als Hausbrunnen und hatte dazu das Wasser in dem Stollnabschnitt angestaut.

Am 16. Dezember 1905 hielt Berginspektor Roch fest, daß „der Wassertonnenaufzug (Es wurde also doch kein Benzinmotor), der in einem Gerüste die Hunde von der Tagebausohle bis zu der neuen Förderbahn heben soll, errichtet und voraussichtlich im Frühjahr 1906 fertig werde. Man begnügte sich mit Ratschlägen bezüglich der Errichtung dieses Aufzugs, da man auf dem Werke einen gesetzlich gerechtfertigten Grund zu weiterer Betriebsaufsicht durch die Bergbehörde nirgends mehr zu erblicken vermochte…“

Und am 23. Dezember empfiehlt Roch dem Kgl. Bergamt ausdrücklich, „weil Oehme nicht gedenkt, unterirdischen Betrieb wieder aufzunehmen, den Bruch aus der bergbehördlichen Aufsicht zu entlassen.“

Bevor das Bergamt aber diese Entscheidung endgültig traf, war für den März 1906 erneut ein Befahrungstermin angesetzt. Nun stellte man fest, daß der Betrieb erneut ruhe, die Oehme’s unbekannt verzogen waren, nur eine Arbeiterfamilie noch am Kalkwerk wohne und der „Privatmann“ Karl Hermann Barthel aus Annaberg das Flurstück 572 „anläßlich einer Zwangsversteigerung“ erworben hatte. Die Förderbahn sei teilweise schon wieder zusammengebrochen und noch immer waren die Tagesbrüche nicht eingeebnet. Wie man auf Nachfrage beim Faktor Kaltofen vom fiskalischen Werk in Oberscheibe erfuhr, sei besagter Barthel eigentlich Schneidermeister. Nun ja…

Hinzu kam nun noch, daß der Steinbrucharbeiter Franz Oskar Süß (noch ein Herr Süß), wohl die Arbeiterfamilie, die noch am Kalkwerk wohnte, beim Reinigen des Brunnens doch tatsächlich Dynamitstangen und Patronen gefunden; vorbildlich diesen Fund auch bei der Ortspolizei angezeigt hatte. Ob dieser Sprengstoff noch aus dem einstigen Lager Köhler’s stammte, war der Verbrüche im Stollen wegen aber nicht mehr festzustellen.

 

Auch Barthel behielt das Kalkwerk nicht lange. Im Juli 1906 hat dann der Bautechniker Gustav Flohrer das Grundstück und das Kalkwerk gekauft. Das Vorkommen ist auch – aber nur im Anhang – in der Bergbaumonographie unter der Nummer D25 und unter dem Namen Flohrer aufgeführt. Gehen wir dem nach, finden wir erstmals im Jahr 1736 in einem Rechtsstreit um einen Mühlenkauf einen Herrn Albin Flohr zu Cranzahl sowie einen Herrn Gottfr. Flohr zu Wolkenstein (10084, Nr. 08200).

Einer von beiden muß damals in die Region – und zwar nach Cranzahl – gezogen sein, denn 1777 gibt es erneut Streit; und zwar nun des Müllers Flohrer gegen das Eisenerz-Berggebäude Hoffnung Gottes im Scheibenberger Bergamtsrevier, weil durch dessen Betrieb seiner Mühle das Wasser entzogen werde (10036, Loc. 36246, Rep. 09, Sect. 1, Nr. 3511). In der gleichaltrigen Akte des Oberbergamtes zu Freiberg (40001, Nr. 106) wird dieselbe Beschwerde wieder unter dem Namen Gottlieb Friedrich Flohr, Müller in Cranzahl im Bergamtsrevier Scheibenberg, geführt. Es handelt sich also vermutlich um verschiedene Schreibweisen des Namens ein und derselben Person.

Auf dem betreffenden Blatt der Oberreit’schen Karten von Sachsen aus dem Jahr 1836 finden wir eine Fundgrube mit dem Namen Hülfe Gottes zwischen Scheibenberg und dem Kalkbruch zu Oberscheibe. Bei dieser Hülfe Gottes handelt es sich aber mit Gewißheit um eine andere Grube, als oben erwähnte Hoffnung Gottes im Scheibenberger Bergamtsrevier.

Erneut taucht der Name Gottlieb Friedrich Flohrer dann 1790 in den Akten auf (30001, Cap. 22, Nr. 21). Wie uns schließlich eine weitere Akte des Justizamtes zu Grünhain sagt, muß Herr Gottlieb Friedrich Flohr 1798 verstorben sein (30011, Nr. 341).

Die Familie scheint aber damit nicht erloschen zu sein. Vielmehr gibt es kurze Zeit später – zwischen 1800 und 1815 – mit dem Besitzer der Grundmühle in Cranzahl Gottlob Friedrich Flohrer Streitigkeiten um eine Grenzziehung (10036, Loc. 31958, Rep. 33, Spec. Nr. 1060, sowie Loc. 31977, Rep. 33, Spec. Nr. 1723). Herr Gottlob Flohrer taucht erneut 1838 in Zusammenhang mit einer Grundstücksteilung in den Akten auf (32916, Nr. 19).

1857 kommt dann ein langjähriger Streit um Wasserrechte am Moritz- und am Lampertsbach im Cranzahler Forstrevier mit dem Mühlenbesitzer Flohrer in Cranzahl in Gang (30126, Nr. 41). Bevor der endgültig entschieden war, verstirbt im Jahr 1870 ein weiterer Träger dieses Namens, Carl Moritz Flohrer, seinerseits Gasthofbesitzer in Cranzahl (30126, Nr.35).

Einen eindeutigen Bezug dieser Familie zum Kalksteinabbau an den Zachensteinen geben alle diese Akten aus der Zeit vor 1906 jedoch nicht her.

  


Ein seltenes Bilddokument: Historische Aufnahme aus dem Flohrer- Bruch. Wir zählen hier mindestens zehn Mann Belegschaft. Bildquelle: Sammlung der Ortschronisten Crottendorf.

  


Ein zweite historische Aufnahme aus dem Flohrer- Bruch. Bildquelle: Sammlung der Ortschronisten Crottendorf.

  

Herr Gustav Flohrer jedenfalls hat 1906 zehn Arbeiter angestellt und zunächst begonnen, anstelle einer technisch viel aufwendigeren Förderbrücke einfach einen Geländeeinschnitt für die Hunte- Förderbahn zwischen dem neuen Bruch und dem Kalkwerk herzustellen. Mit dem Aushub hatte man praktischerweise auch die Tagesbrüche endlich eingeebnet, was die Berginspektion natürlich besonders wohlwollend zur Kenntnis nahm. Inzwischen hatte Berginspektor Bachmann Roch’s Stelle in der Berginspektion III übernommen und als dieser Ende November 1906 letztmalig das Kalkwerk besuchte, fand er auch den Zugang zum alten Dynamitlager „durch Zusetzen mit Massen auf 5 m vom Mundloch und dessen Überschüttung“ ordentlich verschlossen vor, konnte also gewissermaßen auch die letzten behördlichen Anweisungen abhaken. Auch das Königliche Bergamt fand daraufhin keinen Anlaß für eine bergbehördliche Betriebsaufsicht mehr und ließ die Akte schließen (40024-12, Nr. 55).

Herr Gustav Flohrer, Bautechniker in Crottendorf, wird schließlich auch im Jahrbuch für das Bergwesen im Königreiche Sachsen auf das Jahr 1907 als Besitzer des Graukalkwerks Crottendorf genannt. Zugleich wird hierin aber auch mitgeteilt, daß kein unterirdischer Betrieb mehr stattfände und der Bruch deshalb aus der bergbehördlichen Aufsicht entlassen sei. In den nachfolgenden Ausgaben der Jahrbücher für das Bergwesen in Sachsen wird ein Kalkwerk im Bereich der Zachensteine deshalb nie wieder erwähnt. Nach der Bergbaumonographie sei der Abbau an den Zachensteinen 1906 demzufolge wohl eingestellt worden, was allein aus der Entlassung aus der Bergaufsicht zu diesem Zeitpunkt allerdings keineswegs zwingend folgt.

Auf den Kartenausgaben der nachfolgenden Jahre bis 1924 sind vielmehr weiterhin beide Kalkwerke (in Oberscheibe und an den Zachensteinen) dargestellt. Anhand dieser historischen Kartenausgaben ist folglich naheliegend, daß auch das Flohrer’sche Kalkwerk durchgängig noch bis zum zweiten Weltkrieg und sogar darüber hinaus weiterbestanden haben kann.

 


Geologische Karte von Sachsen, Blatt 138, 2. Auflage, 1900. Südöstlich vom Kalkwerk Oberscheibe ist ein weiterer kleiner Aufschluß des Kalksteines hinzugekommen.

  


Äquidistantenkarte, Auflage 1911, wie vorher mit zwei Kalkwerken. Dasjenige am Zachenstein hat sich deutlich nach Osten erweitert. Am Nordhang des Scheibenberges ist jetzt ein großer (Basalt-) Steinbruch eingetragen und noch immer wird Torf in der Scheibenberger Heide gewonnen.

 


Ausgabe des Meßtischblattes v
on 1924, noch immer mit beiden Kalkwerken. Auch in dieser Kartenausgabe steht am Heidelbach keineswegs „ehemaliges Kalkwerk“ dran. Stattdessen ist jetzt der von G. Flohrer angelegte Geländeeinschnitt zum neuen Bruch gut zu sehen.

 

Nach dem 2. Weltkrieg habe es 1952 Wiederbelebungsversuche gegeben, die jedoch nicht zur Wiederaufnahme des Abbaus führten (Bergbaumonographie).

Tatsächlich findet sich in einer Sprengmittelgenehmigung für das Kalkwerk Oberscheibe vom 24. September 1952 (40072, Nr. 783) der Hinweis, daß in der Sprengmittelniederlage des Kalkwerkes auch für Dritte benötigte Sprengstoffe aufbewahrt würden. Die Genehmigung nennt gleich als erstes das: 

  • Kalkwerk Flohrer, Crottendorf (!!), außerdem

  • Hermann Otto, Schlettau und

  • Max Lippmann, Schlettau.

Es ist also durchaus wahrscheinlich, daß übertägiger Kalkabbau nicht nur nach 1906 weiterging, sondern möglicherweise sogar noch bis 1952 weitergegangen ist.

Danach muß aber Schluß gewesen sein, denn bereits seit 1955 sind die Steinbrüche als Naturdenkmal geschützt und heute (unter der Nummer 77 des sächsischen Geotop- Katasters) auch als Geotop erfaßt (Bergbaumonographie).

Die Scheibenberger Heide und der Heidelbach sind seit 1962 außerdem Teil des Landschaftsschutzgebietes Nr. c23: Scheibenberg, sowie seit 2011 des FFH- Gebietes Nr. 269: Scheibenberger Heide (umwelt.sachsen.de). Im Zeitraum zwischen 2009 und 2011 erfolgten Renaturierungsmaßnahmen am Bachlauf, um ihn als Lebensraum des seltenen Bachneunauges, aber auch als Laichplatz von Nutzfischen, wie Forellen und Saiblingen zu erhalten (Crottendorfer Anzeiger, Nr. 3, 2009).

 


Auf diesem schon etwas verblaßten Dia, durch eine Feldhecke hindurch aufgenommen, ist er etwas schlecht zu sehen, aber er steht noch: Zustand des Brennofens am Flohrer'schen Kalkwerk im Jahr 1965. Anstelle des früheren Ringofens steht bereits ein weiteres Wohnhaus. Foto: S. Bergelt (schlettau-crottendorf.de)

  


Karte der Gebiete mit Verdacht auf unterirdische Hohlräume, Kartengrundlage vom Geoportal.sachsen.de, Stand 2017. Besonders nördlich des Scheibenberges hat der im 16. Jahrhundert umgegangene Erzbergbau Spuren hinterlassen. Westlich des Oberscheibner Kalkwerkes ist die Grube Vater Abraham hier wiederzufinden. Das Oberbergamt schließt aber auch an den Zachensteinen unterirdischen Kalkstein- Abbau nicht aus.

 

 
 
 

Zum VEB Obererzgebirgische Kalkwerke, Betriebsabteilung Oberscheibe, nach 1945

  

Die damalige SAG Wismut führte nach dem 2. Weltkrieg im gesamten erzgebirgischen Raum Prospektionsarbeiten auf Uranerzvorkommen aus, darunter auch im Gebiet um Scheibenberg. Bereits ab 1947 setzte im „Arbeitsgebiet Elterlein- Hermannsdorf- Schlettau“ eine rege Erkundungstätigkeit ein. Östlich von Scheibenberg wurden in diesem Zusammenhang die beiden Schächte Nr. 191 und 210 neu abgeteuft. Dabei wurden Arsenid-  führende Quarz- Karbonat- Fluorit- Baryt- Gänge mit Mächtigkeiten im Zentimeter- Bereich angetroffen, die 320° bis 330° bzw. 0° bis 20° streichen.

1949 bis 1950 sollen hier bis zu sieben Gänge auf vier Sohlen bis in 200 m Teufe untersucht und teilweise abgebaut worden sein. Über die realen Ergebnisse der Arbeiten liegen aber keine Angaben mehr vor. Die darüber hinaus auf einzelnen Gängen der BiCoNi- Formation und in tektonischen Zonen in den Grubenbauen angetroffenen Uranvererzungen besaßen nur die Größenordnung eines „Erzvorkommens“. Zum Nachweis einer bauwürdigen Uranlagerstätte ist es zu dieser Zeit somit nicht gekommen und daher wurden 1954 die bergmännischen Arbeiten wieder eingestellt.

 

Die bereits vor dem Krieg staatlichen Kalkwerke gehörten nun dem Verband kommunaler Volkseigener Betriebe Baustoff des Kreises Annaberg an. Werkleiter in Oberscheibe war jetzt Herr Ernst Vogler (40072, Nr. 783). Zur weiteren Vereinfachung der Förderung zu den Kalköfen wurde ab 1950 ein zirka 120 m langer Bremsberg- Stollen mit 20° Neigung aufgefahren. Ab 1951 waren in Oberscheibe wieder alle Brennöfen in Betrieb.

In einer der Akten der Bergbehörde Zwickau zum Kalkwerk Oberscheibe (40072, Nr. 770) fanden sich auch ein Fahrbericht aus dem Jahr 1952 sowie nachfolgender Schriftverkehr zum Dolomitwerk in  Meerane. Ob dieses Werk aber tatsächlich als Betriebsabteilung dem VEB Obererzgebirgische Kalkwerke zugeschlagen war oder ob diese Unterlagen vielleicht nur versehentlich in die betreffende Akte gelangten, ist nicht ganz klar. Eine Zusammenarbeit der Kalkwerke und „sozialistische Hilfe“ untereinander kann es freilich durchaus gegeben haben…

Materialmangel war natürlich weiterhin allgegenwärtig, allerdings wurde der Betrieb auch mangelhaft geführt. Die jetzt zuständige Bergbehörde Zwickau hielt in ihren Fahrberichten zahlreiche, teils gravierende Sicherheitsmängel fest. So wurde am 26. September 1951 konstatiert, daß auf der Hängebank ein Teil des Schachtverschlusses und unterhalb der Förderhaspel für die Abraumförderung die Sperrvorrichtung fehle (40072, Nr. 770).

Der Bremsberg, jetzt meist als „Schrägaufzug“ bezeichnet, war inzwischen fertig. Er sollte eigentlich mit Betonfertigteilen ausgebaut werden, weil er in nur 5 m bis 8 m Tiefe unter der Landstraße nach Crottendorf hindurch in aufgeschüttetem Abraum und Schieferzersatz verlief. Die ersten der Betonrohre mit einer lichten Weite von 2 m waren tatsächlich sogar schon da, nur hatte sich vorher niemand Gedanken darüber gemacht, wie man diese „rund 100 Zentner schweren“ Bauteile denn eigentlich in den Stollen bugsieren solle... Vorläufig wurde er daher mit Holzausbau versehen, was 1951 von der TBBI aber nur als provisorische Zwischenlösung genehmigt wurde.

Der Ausbau des Schrägaufzuges steht deshalb auch in der Mängelliste der Bergbehörde mehrfach ganz oben: „(Er)... wurde schon bei der letzten Befahrung beanstandet, weil er nicht zweckmäßig eingebracht war. Es ist schon vorgekommen, daß Teile des Ausbaus umgeschoben wurden. Dieser soll später ausgemauert werden, sobald die nötigen Geldmittel zur Verfügung stehen...“ heißt es 1951.

Ein Jahr später, in einem Bericht vom 5. September 1952, schreibt der für den Bergbau zuständige Inspektor Weiss von der Arbeitsschutzinspektion des Kreises Zwickau: Bei der Begehung wurde festgestellt, daß der Betrieb einen unsauberen Eindruck machte. Der Betrieb ist wenig aufgeräumt und sehr unübersichtlich... Die Verordnungen der DDR... auf dem Gebiete des Arbeitsschutzes und der technischen Sicherheit werden zum großen Teil nicht eingehalten... Rings um den Schotterofen sind die Fahrräder der Beschäftigten untergebracht. Sie sind dort im Wege... Wenn wir uns auch vorstellen können, daß in einem Kalkwerk viel Staub ist..., so müssen wir aber zu den Bade- und Aufenthaltsräumen sagen, daß sie fast menschenunwürdig sind... In den Umkleideraum regnet's hinein, weil fast 1 ½ m² Decke durchgebrochen ist.“ (40072, Nr. 783).

Am 26. März 1953 kam es wieder einmal zu einem Tagebruch im Verlauf des Wasserlösestollens, wobei „...das Pferdefuhrwerk des Bauern Georg Hunger aus Oberscheibe in unmittelbarer Nähe des Wasserlösestollns versank und getötet wurde“, heißt es wörtlich in der Niederschrift zur Besichtigung der Unfallstelle vom 27. März 1953 (40072, Nr. 785). Der Satz ist grammatisch nicht ganz eindeutig und wir hoffen noch immer, daß nur das Pferd getötet wurde.

Der Unfall löste natürlich Untersuchungen der Ursachen aus und wieder einmal steht der Schrägaufzug im Blickpunkt: Bei der Befahrung des Schrägaufzuges wurden an den Stößen desselben ähnliche Erscheinungen festgestellt, so daß auch hier die Gefahr eines Einbruches nicht ausgeschlossen ist. Die Arbeitsschutzinspektion hat schon ... 1952 auf die unhaltbaren Zustände im Allgemeinen und insbesondere in Bezug auf den Schrägaufzug allen Ernstes hingewiesen...“

Tatsächlich lag der neue Bergschaden aber viel weiter westlich im Verlauf des Wasserlösestollens. Der wurde vom Arbeitsschutzinspektor Weiß aus Chemnitz und dem Dienststellenleiter Keckstein der TBBI Zwickau natürlich auch überprüft, wobei man insbesondere unweit des rund 4 ½ m tiefen Tagebruches Schäden am Stoß feststellte. Eine Verbindung zwischen Stollen und Tagebruch war freilich zu diesem Zeitpunkt nicht feststellbar, weil es wegen des neu gefallenen Bruches zu einem Wasserstau in der Wasserstrecke gekommen sei.

Man schlug vor, den Stolln soweit aufzugewältigen, daß man Betonrohre einbauen könne. Der Schrägstollen sollte zumindest im Bereich der Straßenunterquerung ausgemauert werden, womit man auch im Mai 1953 begann.

 


Dieser Schnitt in West- Ost- Richtung durch den Tagebau aus den 1980er Jahren zeigt uns links das Tagesfallort, das bis zur 2. Sohle (der Sohle des Tiefen Wasserlösestollens) hinunter führte. Ganz links am Bildrand ist der Andreas Schacht gerade noch zu sehen. Die 3. Sohle war eigentlich ebenfalls noch eine Tagebausohle, doch begann von hier aus auch der intensive untertägige Abbau. Weitere Fallorte verbanden dann die 3. mit der 4. Sohle und später auch die 4. mit der 5. Sohle.

  

Im Oktober 1954 wurden die bisher kreisgeleiteten Betriebe der Natursteinindustrie des Kreises Annaberg zum VEB Obererzgebirgische Kalkwerke zusammengelegt (40072, Nr. 784). Betriebsleiter wurde Herr H. Gröbe, technischer Leiter in Oberscheibe Herr K. Schindler. Zugleich wurde die Verwaltung von der bisherigen VVB (Vereinigung Volkseigener Betriebe) (Z) Baustoff an die neugebildete VVB Steine- und Erdenbetriebe übertragen (40072, Nr. 783, 766 u. a.).

1956 wurde ein eigener Eimerkettenbagger zur Abraumbewegung angeschafft (40072, Nr. 227 u. a.). Mit dem Abraumabtrag war noch 1962 der VEB Tiefbau Karl Marx Stadt beauftragt.

1960 wurde dann die zweite Kabelkrananlage errichtet, welche den 1950 gebauten Schrägförderberg ersetzte.

 

Der Betriebsplan für 1962 weist für Oberscheibe eine Belegschaft von

  • 45 Arbeitern,

  • 7 technischen Angestellten,

  • 16 Wirtschaftlern und weiterem Personal, etwa in der Werksküche;

  • alles in allem 82 Beschäftigte aus.

Der Abbau erfolgte nach wie vor überwiegend im Tagebau auf dessen 657 m- und auf der 640 m-Sohle. Von der unteren Tagebausohle aus waren für 1962 zwei Erkundungsstrecken von 60 m bis 85 m Länge in südlicher Richtung vorgesehen. Sie sollten zunächst im Profil 2,5 m x 3 m vorgetrieben werden und bei Antreffen bauwürdigen Kalksteins ‒ vorallem im Winterbetrieb ‒ auf bis zu 8 m Breite nachgerissen werden. Geplant sei für 1962 eine Förderung von 17.350 m³, respektive rund 43.000 t. Davon entfielen 16.290 m³ auf den Tagebaubetrieb.

Von Interesse ist auch, daß der VEB in diesem Jahr einen zusammenhängenden Betriebsplan für alle drei Betriebsabteilungen einreichte. Dies ermöglicht uns einen Seitenblick und den Vergleich, daß in Hammerunterwiesenthal mit 51 Arbeitskräften eine Produktion von 44.000 t und in Crottendorf mit 44 Arbeitskräften eine Produktion von 41.500 t vorgesehen war. Dieser Vergleich muß hinsichtlich der Produktivität freilich zuungunsten der Betriebsabteilung Oberscheibe ausfallen, da an diesem Standort ja damals auch die übergeordnete Leitung untergebracht war.

Im Kurzbericht zum Betriebsablauf des Vorjahres steht 1962 ferner zu lesen: „Um im Werk Oberscheibe eine wirtschaftlich vertretbare Produktion zu erreichen, war der Produktionsplan 1961 gegenüber dem Vorjahr um 39,5% erhöht worden... Weil aber wegen des schlechten Wetters die Abraumbewegung an der Südwand zeitweise eingestellt werden mußte, konnte die erste Großbohrlochserie erst am 24. November 1961 abgetan werden. Die Steingewinnung mußte daher fast 11 Monate nach dem alten System arbeiten.“ In der Folge konnten die Öfen nicht mit voller Kapazität arbeiten und dann stellte die Reichsbahn auch noch nicht genügend Waggons bereit. Der (ja gerade erst um knapp 40% angehobene) Plan konnte somit nur zu 69% erfüllt werden...

  


Ausschnitt aus dem Grubenriß mit den Eintragungen der Planvorhaben für das Jahr 1962. Bildquelle: Sächsisches Staatsarchiv, Bergarchiv Freiberg, Bestand 40072 (Bergbehörde Zwickau), Nr. 768: Betriebsplan des VEB Obererzgebirgische Kalkwerke, Aktenbeilage Anlage zum Betriebsplan, Gesamtansicht.

 


Ausschnitt aus obiger Rissunterlage. Wir haben darin die Tagebaukonturen und weitere Grubenbaue, die nicht aktueller Planungsgegenstand waren, etwas betont. Schwarz: obere Tagebaukontur, rot: Tagebaukontur und Baue der +657-m- Sohle, grün: Tagebaukontur und Baue der +640-m-Sohle, Stand 1961/1962. In der südlichen der beiden Erkundungsstrecken vom Jahr 1928 im Straßensicherheitspfeiler auf der oberen Sohle ist zu dieser Zeit die Sprengstoffkammer eingerichtet.

  


Dieser Schnitt zeigt uns anhand der eingetragenen Jahreszahlen etwas von der Abbautechnologie: In den Abbaukammern der 3. Sohle, die in den 1960er Jahren aufgefahren und abgebaut wurden, stehen die ältesten Jahreszahlen nämlich ganz unten. Man hat also offenbar Grundstrecken aufgefahren und von diesen aus die Firste hereingewonnen, bis gerade noch eine ausreichend standfeste Schwebe zur nächst höheren Sohle verblieb. Insbesondere auf der 4. Sohle sind dabei Kammern mit mehr als 10 m Höhe entstanden. Das Vorgehen erscheint recht aufwendig; wäre es doch technisch einfacher gewesen, Vorrichtungsstrecken im Firstbereich aufzufahren und diese nach unten nachzustrossen. Vermutlich hat man sich aber aus Gründen der Wasserhaltung für diese Technologie entschieden.

  

1964 wurde schließlich der VEB (B) Vereinigte Kalkwerke Oberscheibe mit den drei Betriebsabteilungen in Crottendorf, in  Hammerunterwiesenthal und eben in Oberscheibe gebildet (40072, u. a. Nr. 785, 787 und 768). Im gleichen Jahr wurde der Tagebaubetrieb in Oberscheibe ganz eingestellt und der untertägige Abbau auf der 3. Sohle intensiviert.

Auch die Sucharbeiten auf Uran durch die SDAG Wismut wurden im Zeitraum von 1958 bis 1963 durch den Erkundungsbetrieb des Objektes 09 (SGEG) mittels Bohrarbeiten fortgesetzt. In dieser Zeit wurden acht Bohrungen in verschiedenen Teilgebieten niedergebracht, wobei eine Bohrung bei Scheibenberg die Teufe von 1.285,0 m erreichte, ohne bis in dieser Teufe auf den Granit zu stoßen. Diese große Tiefenlage oder sogar ein gänzliches Fehlen des Granits könnte auch eine Erklärung dafür sein, warum der Chemismus der Kalksteine am Scheibenberg von der sonst im Raschau- Karbonat verbreitet festzustellenden (metasomatischen) Dolomitisierung der Kalksteine abweicht.

Im Jahre 1961 wurde das gesamte Gebiet außerdem in die großflächig angelegte Aero- Gammaaufnahme einbezogen. Bis 1972 wurden bei diesen Arbeiten vier Uranerzvorkommen und elf Uranmineralisationspunkte ermittelt, vorwiegend im Schlettauer Raum, welche insgesamt prognostische Uranvorräte in einer Größenordnung von gerade einmal 350 t enthielten. Zur Aufnahme des Abbaus kam es natürlich nicht.

Um 1957 führte parallel auch der VEB Geologische Forschung und Erkundung Erkundungsbohrungen im Umfeld der Kalkstein- Lagerstätte aus (40131, Nr. 1-142).

In Oberscheibe wurde 1974 das Kalkbrennen eingestellt, dafür aber eine neue Split- und Terrazzoanlage mit einem Backen- und zwei Kegelbrechern in Betrieb genommen. Ab 1977 wurde das sogenannte „Luminat“ als Aufheller für Straßenbeläge produziert (wikipedia.de, Bergbaumonographie).

Die uns bis jetzt bekannt gewordenen Produktionsmengenangaben aus den zurückliegenden Betriebsphasen des fiskalischen, dann staatlichen und zuletzt volkseigenen Kalkwerkes in Oberscheibe haben wir einheitlich in metrische Tonnen umgerechnet und in folgender Grafik aufgetragen.

  


Gegenüber den anderen beiden Werken überwog in Oberscheibe immer die Branntkalkherstellung. Der exponentielle Anstieg der Fördermengen seit den 1930er Jahren wird anhand der Zahlen deutlich. Weitere Angaben aus der letzten Betriebsphase liegen uns leider nicht vor.

 


Impressionen aus der letzten Abbauphase in den 1980er Jahren: Schießmeister Werner Unger beim Besetzen. Bildquelle: Sammlung der Ortschronisten Crottendorf.
 


Impressionen aus der letzten Abbauphase in den 1980er Jahren: Links Werner Unger, rechts Matthias Jürgen.  Bildquelle: Sammlung der Ortschronisten Crottendorf.
 


Impressionen aus der letzten Abbauphase in den 1980er Jahren: Auf dem Bohrwagen Dieter Libeau, rechts Götz Jürgen. Bildquelle: Sammlung der Ortschronisten Crottendorf.
 


Impressionen aus der letzten Abbauphase in den 1980er Jahren: Am Bohrwagen links Dieter Libeau, rechts Matthias Jürgen. Bildquelle: Sammlung der Ortschronisten Crottendorf.

    


Die Topographische Karte der DDR, Ausgabe für den Staat von 1988. In Oberscheibe wurden Schlägel und Eisen schon mal umgedreht, der östliche Bruch am Zachenstein ist längst abgesoffen.

  

Da bis Ende der 1980er Jahre in Oberscheibe noch Kalkstein abgebaut wurde, schließt die 1978 verfaßte Bergschadenkundliche Analyse (BSA) Scheibenberg (40073-1, Nr. 42) nur den historischen Erzabbau ein, den Kalkabbau dagegen komplett aus und vermerkt an dieser Stelle ein Bergbauschutzgebiet.

  


Wir haben einmal die uns zugänglichen Sohlengrundrisse so gut es geht übereinander gelegt, um den Abbaufortgang zu illustrieren. Im Vergleich mit der geologischen Karte sieht man, daß der Ausbißbereich des Kalklagers weitgehend abgebaut ist und der Abbau im Nordosten die Grenze des Lagers erreicht hatte. Die Auffahrungen der 1970er und 1980er Jahre folgten dem Lager daher in seinem Fallen nach Süden und nach Südwesten.

 


Wie uns dieser Rissausschnitt (an seiner rechten Seite) verrät, waren in den 1980er Jahren bereits eine 6. und eine 7. Sohle geplant, welche noch einmal jeweils rund 16 m tiefer aufgefahren werden sollten. Man hätte dazu einfach das Fallort von der 4. zur 5. Sohle nach Südwesten verlängern müssen. Nebenbei erfährt man hier auch, daß es in den 1980er Jahren Böschungsrutschungen im Tagebau gegeben hat, die einen Teil der Zugänge von der Tagebausohle zur 3. Sohle bereits damals verschüttet haben. Interessant ist ferner, daß man die Kübelgrube in der Tagebausohle einfach bis auf die 4. Sohle hinunter gebrochen hat, um die Förderung zu vereinfachen.

 

Bei einer Geländehöhe am östlichen Tagebaustoß von zirka +686 m lag

  • die 1. Sohle auf dem Niveau des alten Wasserlösestollens bei +663 m,
  • die 2. Sohle auf dem Niveau des tiefen Wasserlösestollens bei +657 m,
  • die 3. Sohle war die erste echte Tiefbausohle und lag im Höhenniveau +640 m,
  • die 4. Sohle lag im Niveau +624 m,
  • die 5. Sohle bei +611 m.
  • Nur geplant waren die 6. Sohle auf einer Höhe von +592 m und
  • eine 7. Sohle bei +576 Höhenmetern.

Letztere hätte also in etwa 110 m Tiefe gelegen. Bis zur 5. Sohle hatte der Abbau etwa 75 m Teufe erreicht.

  

 
 
 

Die letzte Phase nach 1990

  

1990 wurde als ein Nachfolgebetrieb des VEB Zuschlagstoffe Karl- Marx- Stadt zunächst die Erzgebirgische Kalkwerke GmbH gegründet, der die Betriebe in Oberscheibe, Lengefeld, Hermsdorf und Hammerunterwiesenthal angehörten.

1992 hat dann die neugegründete GEOMIN Erzgebirgische Kalkwerke GmbH die Erzgebirgische Kalkwerke GmbH von der Treuhandgesellschaft erworben. Genaue Zahlen sind uns natürlich nicht bekannt, aber der Kaufpreis für die damals noch vier Kalkwerke in Hermsdorf, Lengefeld, Oberscheibe und Hammerunterwiesenthal soll bei zirka 3 Millionen DM, für den Erwerb der Abbaurechte bei weiteren zirka 16 Millionen DM gelegen haben. Die GEOMIN war bereits damals ein Tochterunternehmen der Heitkamp Baugesellschaft mbH & Co. KG in Herne und ist 2002 an die Heitkamp- Deilmann- Haniel GmbH übergegangen.

Zu einer Fortführung des Abbaus in Oberscheibe ist es aber nicht gekommen. Aus rein wirtschaftlichen Gründen setzte das Unternehmen den Abbau nur an den anderen drei Standorten fort (Information von Herrn M. Sniehotta).

Auch die Autoren der Bergbaumonographie kamen 2010 zu der Einschätzung, daß die Heterogenität der Lagerstätte und der geringe Weißgrad des Oberscheibner Marmors derzeit und in naher Zukunft keine Hoffnung auf ein verkaufsfähiges Endprodukt für den mitteleuropäischen Markt zulassen. Daher ist trotz noch reichlich vorhandener Kalksteinvorräte 1990 die Stilllegung dieses Grubenbetriebes erfolgt.

Von der GEOMIN GmbH wurden aber zwischen 1995 und 2003 in Oberscheibe die erforderlichen Verwahrungsmaßnahmen noch umgesetzt. Schon seit 1923 war es im Umfeld des Oberscheibner Tagebaus mehrfach zu Böschungsrutschungen und Karstdurchbrüchen bis zur Erdoberfläche gekommen. Ein unkontrollierter Wasseranstieg im seit 1990 stilliegenden Grubengelände hätte zu schwerwiegenden Umweltschäden führen können. Daher wurden ab 1995 Verwahrarbeiten durchgeführt, u. a. erfolgte der Verschluß der Zugänge zu den untertägigen Abbauen und eine Abstützung der Böschungen des Tagebaus durch teilweise Auffüllung mit Haldenmaterial. Karsthohlräume wurden angebohrt und mit einer aushärtenden Suspension aus Braunkohlenfilterasche (aus dem Heizkraftwerk in Chemnitz), Papierasche und Wasser verfüllt (bergbaufolgen.de).

Die Schließung des Bergwerkes in Oberscheibe führte ganz unerwartet zu einer Klage gegen den Betreiber um die Wasserrechte. Schon lange nämlich nutzte die Brauerei Fiedler in Oberscheibe das Wasser aus diesem Bergwerk zum Brauen und es gab sogar ein Kontingent Bier für das Bergwerk. Das verwundert uns heute vielleicht auf den ersten Blick, denn Wasser aus einem Kalksteinbruch ist naturgemäß immer ziemlich stark kalkhaltig. Wir sind eigentlich sehr zufrieden mit der heutigen Trinkwasserqualität und wir brauchen im Erzgebirge aufgrund des geringen Härtegrades unseres Trinkwassers eigentlich nie Enthärter in der Waschmaschine zusetzen.

Damals aber wurde das Wasser aus den Talsperren auf dem Gebirgskamm – die zu einem großen Teil aus den Hochmooren gespeist werden – wohl weniger gut gefiltert, war sehr reich an gelösten Humusstoffen, dadurch natürlich entsprechend sauer und zum Brauen kaum geeignet. Nun sollte von dem guten Wasser aus dem Steinbruch keines mehr abgegeben werden…

Glücklicherweise einigte man sich vor dem Chemnitzer Landgericht aber doch und so gibt es sowohl GEOMIN, als auch das Familienunternehmen der Brauerei Fiedler bis heute (Information von Herrn M. Sniehotta).

Das folgende Bildmaterial wurde uns von Bergbaufreunden zur Verfügung gestellt, die in den 1990er Jahren noch Gelegenheit hatten, das Kalkwerk einmal zu befahren.

  


Ein Blick mit dem Teleobjektiv vom Damm des Oberbeckens des Pumpspeicherkraftwerkes (PSW) am Hemmberg bei Markersbach nach Osten auf den Scheibenberg und die davor liegenden Kalkwerksanlagen. Rechts im Hintergrund der Pöhlberg bei Annaberg- Buchholz. Foto: H. Lausch, Halsbrücke.
 


Das Kalkwerksgelände in Oberscheibe Anfang der 1990er Jahre, rechts die Straße von Crottendorf nach Oberscheibe, Blick nach Nordwesten. Foto: H. Lausch, Halsbrücke.
  


Ein Blick von seiner Ostseite über den Tagebau unterhalb des Scheibenbergs Anfang der 1990er Jahre. Links und rechts sind die beiden Tragmasten der Kabelkrananlage noch zu erkennen. Im Hintergrund der Damm des Oberbeckens des PSW auf dem Hemmberg bei Markersbach. Foto: H. Lausch, Halsbrücke.
   


Eine historische Aufnahme aus früherer Zeit mit ähnlichem Blickwinkel haben auch die Autoren der Bergbaumonographie Marmore im Erzgebirge (Band 16) im Jahr 2010 als Titelbild gewählt.

  


Ein Blick von Südosten in der Achse der Kabelkrananlage. Der Rostschutzanstrich der Masten ist noch in Ordnung. Foto: H. Lausch, Halsbrücke.
  


Im Werksgelände Anfang der 1990er Jahre, rechts hinter der Laufkatze des Kabelkranes der Andreas Schacht. Foto: H. Lausch, Halsbrücke.
   


Das Gelände war schon vom Ende des Abbaus gekennzeichnet. Foto: H. Lausch, Halsbrücke.
  


Untertage Anfang der 1990er Jahre: Die Förderung auf den Hauptsohlen erfolgte gleisgebunden mit Dreieck- Kipploren oder solchen größeren Einseiten- Kipphunten. Foto: H. Lausch, Halsbrücke.
  


Bis zu den Gleisstrecken wurden zur Förderung auch solche elektrisch angetriebenen Radlader eingesetzt. Am Heck ist die Kabeltrommel gut zu sehen. Foto: H. Lausch, Halsbrücke.
  


Unter dem alten Schacht auf der 1. Sohle bilden sich im Winter prächtige Eis- Stalagmiten.
Foto: H. Lausch, Halsbrücke.
 


Über den Gleisen mußten die natürlich immer wieder beseitigt werden... Foto: H. Lausch, Halsbrücke.
   


Das "Steiger- Stübchen". Foto: H. Lausch, Halsbrücke.
   


Über Fallörter geht es auf die tieferen Sohlen hinunter. Foto: H. Lausch, Halsbrücke.
   


Das nächste Fallort. Foto: H. Lausch, Halsbrücke.
  

Regelmäßiger, schachbrettförmiger Kammerpfeilerbau auf den tiefen Sohlen. Foto: H. Lausch, Halsbrücke.
  

Anhand gelegentlicher Einlagerungen erkennt man gut, daß auch dieses Kalklager intensiv gefaltet und regelrecht "durchgeknetet" ist. Foto: H. Lausch, Halsbrücke.
 

Nur auf den oberen Sohlen gab es solche hohen Abbaukammern auch in Oberscheibe.
Foto: H. Lausch, Halsbrücke.
  

Die Bergleute im Hintergrund als Größenvergleich vermitteln einen nur ungefähren Eindruck
von den gewaltigen Dimensionen dieser Abbauhohlräume... Foto: H. Lausch, Halsbrücke.

  

Das nun folgende Bildmaterial ist etwas jünger, schon nach der Abbaueinstellung entstanden und wurde uns ebenfalls von Bergbaufreunden zur Verfügung gestellt, die kurz vor der endgültigen Schließung der Grube Ende der 1990er Jahre noch einmal die Gelegenheit hatten, das Kalkwerk zu befahren.

   


Auf der Tagebausohle im Winter 1997. Die Zugänge zur einstigen 2. Sohle sind schon sämtlich zubetoniert, damit diese steile Tagebauböschung nicht auch irgendwann einstürzt. Foto: J. Piller, Sammlung: G. Voigt.
 


Der Steinbruch im Winter 1997. Foto: J. Piller, Sammlung: G. Voigt.
 


Der Zugang vom Tagebau zur 3. Sohle im Jahr 1997. Foto: J. Piller, Sammlung: G. Voigt.
 


Das obere Füllort des Haspelbergs zur 4. Sohle im Jahr 1997. Foto: J. Piller, Sammlung: G. Voigt.
 


Zustand der Abbaukammern 1997. Foto: J. Piller, Sammlung: G. Voigt.
 


Anschlägerhäuschen am unteren Füllort des Haspelbergs 1997. Foto: J. Piller, Sammlung: G. Voigt.
 


Die Streckenförderung erfolgte hier mittels Batterie- Loks. Foto: J. Piller, Sammlung: G. Voigt.
 


Ketcher mit Pumpen und Motoren beladen. Die hätte man vielleicht noch gebrauchen können. Foto: J. Piller, Sammlung: G. Voigt.
 


Stellwerk untertage 1997. Foto: J. Piller, Sammlung: G. Voigt.
 

Wasserhaltungsanlagen. Foto: J. Piller, Sammlung: G. Voigt.
 

Zufahrten zu den Abbaukammern. Foto: J. Piller, Sammlung: G. Voigt.
 

Nicht mehr sicher zu definieren, vielleicht aber war´s ein Druckwasserspeicher zur Versorgung der Bohrhämmer mit Spülung. Foto: J. Piller, Sammlung: G. Voigt. 
 

Der Einseiten- Kipphunt steht noch da, nur die Dreieck- Kipploren sind weg. Foto: J. Piller, Sammlung: G. Voigt.
 

Geraubt wurde vor der Verwahrung nichts mehr. Auch die Förderanlagen am Bremsberg sind bis heute noch sämtlich im Bergwerk drin. Foto: J. Piller, Sammlung: G. Voigt.
 

 Bremsberg nach unten zur nächsten Sohle. Foto: J. Piller, Sammlung: G. Voigt.
 

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h der Elektro- Radlader steht noch immer da; ist nur rostig geworden... Foto: J. Piller, Sammlung: G. Voigt.
 

Die Wetter auf dieser Sohle waren 1997 schon matter und stellenweise steht hier auch Wasser auf der Sohle. Foto: J. Piller, Sammlung: G. Voigt.
 

Dann geht es das Tagesfallort wieder hinauf. Foto: J. Piller, Sammlung: G. Voigt.
 

Rund 120 m mit 20° Steigung.  Foto: J. Piller, Sammlung: G. Voigt.
 

 Foto: J. Piller, Sammlung: G. Voigt.
 

Gleich geschafft. Foto: J. Piller, Sammlung: G. Voigt.
 

 Wieder übertage am Kalkwerk. Foto: J. Piller, Sammlung: G. Voigt.
 

Der Andreas Schacht 1997. Foto: J. Piller, Sammlung: G. Voigt.
 

 Die eingehauste Förderbahn hinauf zum linken Brecher zeigt gut die flache Neigung des Bremsberges an. Im Obergeschoß des Türmchens daneben stand die Haspelmaschine. Im Vordergrund der abgesetzte Transportcontainer des Kabelkrans. Foto: J. Piller, Sammlung: G. Voigt.
 

Die nordwestliche Seilstütze und dahinter das Maschinenhäuschen für den Antrieb des Zugseiles.
Foto: J. Piller, Sammlung: G. Voigt.
 

Blick entlang der Kabelkran- Trasse zum Bruch unterhalb des Scheibenbergs (l
inks im Hintergrund). Die zweite Seilstütze stand an der östlichen Oberkante des Tagebaus. Foto: J. Piller, Sammlung: G. Voigt.
 


Die stillgelegten Kalkwerks- Anlagen machten bereits 1997 einen desolaten Eindruck.
Foto: J. Piller, Sammlung: G. Voigt.

 


Ein rostiger „Heck- Lader“ in Oberscheibe, Foto: S. Bregulla, aufgenommen 1999.
Diesen Hunt haben wir nicht mehr wiedergefunden...

http://www.deutschefotothek.de/documents/obj/80456740

  

Nach dem Abschluß der Sanierungsarbeiten soll sich aus dem teilverfüllten Tagebruch nun ein Biotop für kalkliebende Flora und Fauna entwickeln. Wie im Kalkwerk Lengefeld auch soll das Restloch des Tagebruchs aber als Geotop erhalten und zugänglich (!!) bleiben.

Die Tagesanlagen wurden dagegen fast vollständig abgerissen. Nur das Fördermaschinenhaus des Andreasschachtes von 1926 verblieb hier als Technisches Denkmal.

  

 
 
 

Erhaltene Zeugnisse

Kalkwerk Oberscheibe

  

Wir sind von Schwarzenberg aus die B 101 bergauf gefahren, am Ortseingang von Oberscheibe in Richtung Crottendorf abgebogen und beginnen unsere Foto- Tour nun in Oberscheibe. Die folgenden Aufnahmen entstanden überwiegend im Jahr 2015.

 


Das heutige Landschaftsrelief südlich vom Scheibenberg mit den beiden Restlöchern der Kalksteinbrüche. Kartengrundlage vom Geoüportal.Sachsen.de.

 


Die Batterielok neben der B101 am Abzweig nach Oberscheibe. Der Hunt ist nicht mit Erz, sondern mit Kalkstein beladen. Foto im Winter 2018.
  


Biegt man hier, von Schwarzenberg kommend, rechts ab, hat man hinter den Häusern von Oberscheibe bald die baumbestandene Abraumhalde des Kalkwerkes vor sich. Foto im Frühjahr 2018.
 


Unterhalb der Straße sieht man die Hunger'schen Teiche...
 


...und dahinter die Halde der Eisenerzgrube Vater Abraham.
 


Solange die Felder nicht bestellt sind, kann man entlang des Feldrains einmal hier hinunter laufen. Irgendwo hier oberhalb der Teiche muß einstmals der Tiefe Entwässerungsstollen des Kalkwerkes angesetzt haben. Zu sehen ist davon heute nichts mehr.
 


Am nördlichen Haldenfuß sind noch einige Mauerreste des früheren Kalkwerkes im noch lichten Unterholz zu entdecken...
 


Oben auf dem Haldenplateau schaut das Dach des Treibehauses auf dem Andreas Schacht herüber.
  


An der Straße von Oberscheibe nach Crottendorf. Rechts lagen die Übertageanlagen und die Abraumhalde des Kalkwerks Oberscheibe. Aufnahme von 2015.
 


Schauen wir zuerst auf der Halde an der Westseite der Straße nach: Der Andreas- Schacht auf der Halde.
  


An der Zufahrt von der Straße findet man noch massive Fundamente, deren Abbruch zu viel Arbeit gemacht hätte, zumal sie die Böschung zur Straße hin abstützen.
 


Der Zweck dieser Bauten ist heute aber nicht mehr erschließbar.
 


Von den Tagesanlagen ist sonst kaum noch etwas übriggeblieben. Aufnahme von 2016.
 


Das Maschinentürmchen des Andreas Schachts hat man wieder denkmalgerecht hergerichtet. Zustand 2016.
 


Eine kleine Informationstafel erklärt dem ortsunkundigen Wanderer, um was es sich eigentlich handelt.
  


Auf der anderen Straßenseite: Ein ziemlich zugewachsenes, rostiges Schild weist diese Fläche als Privatgrund aus. Das scheinen aber viele zu ignorieren und ihren Müll hier abzuwerfen...
 


Ob es sich bei den Ruinen hier um den Alten Förderschacht handelt, ist nicht mehr nachzuvollziehen.
 


Ein erster Blick über den Zaun in den früheren Tagebau.
 


Auch hier: Von wegen Geotop - eher eine wilde Müllhalde. Zustand im Frühjahr 2018.
 


Auf der anderen Seite der Straße nach Crottendorf lag der Tagebau. Um Böschungsbrüche und Rutschungen zu vermeiden, wurden die steilsten mit Abraummassen angeböscht.
 


Vor allem am Südstoß findet man noch den anstehenden Kalkstein.
 

Zustand des Tagebaus im Jahr 2015.
 

Der einstige Zugang zur 1. Sohle.
 

Nochmal aus der Ferne...
 

...und aus der Nähe. Er ist mit einem Beton- Pfropfen verschlossen.
 

Blick von der einstigen Tagebau- Sohle nach Westen und nach oben...
 

...und auf den Tagebaustoß.
 


Der östliche Teil des Tagebaus 2015.
 


Noch eine kleinere Kalkstein- Klippe am Tagebaustoß.
 

Leider ein allgegenwärtiges Ärgernis...
 

Dieser Müll und Schrott stammt längst nicht mehr vom Abbau und es ist einfach ärgerlich, daß die Leute immer noch ihren Dreck in der Umwelt entsorgen! So wird wohl kein Biotop daraus...
 

Wieder auf der Berme.
 

Ein Blick zurück.
 


Hier liegen auch noch ein paar Kalkstein- Blöcke. Bei diesem hat das Zerschießen wohl nicht geklappt.
  


Anhand der Blöcke, die zur Abgrenzung der Parkflächen neben der Straße benutzt wurden, kann man einen Einblick in die Geologie bekommen: In Oberscheibe stand dieser dichte und eher graue Kalkstein an.
 

Stellenweise sind die Blöcke mit Klüften durchzogen, die mit weißem Calzit ausgefüllt sind. Der auch reichlich herumliegende weiße Marmor scheint dagegen eher aus Crottendorf oder Hammerunterwiesenthal zu stammen und hier nur als Baumaterial hergefunden zu haben.

  

 
 
 

Kalkwerk am Zachenstein

  

Südlich am Scheibenberg vorbei führt der frühere Fürstenweg, heute ein Feldweg in Verlängerung der Gerichtsstraße, hinüber zum Heidelbachtal.

 


Das heutige Landschaftsrelief südlich vom Scheibenberg, markiert sind die Restlöcher der Kalkbrüche am Zachenstein. Kartengrundlage vom Geoportal.Sachsen.de.

 


Von der Anhöhe zwischen dem Zschopautal und dem Heidelbachtal hat man einen schönen Blick hinüber zum Scheibenberg.
 


Der Heidelbach ist ein munterer und unverbauter Gebirgsbach, dessen Tal zurecht unter Landschaftsschutz steht. Die Grundstücke des früheren Kalkwerkes sind heute Wohn- und Gartengrundstücke und sämtlich in Privatbesitz. Respektiert dies bitte bei einem eigenen Besuch!
 


Wenn man oben an der Gerichtstraße parkt, kann man entlang der Zufahrt aber einmal hinunter laufen...
 

...und findet erfreut noch immer den alten Brennofen des Härtel'schen Kalkwerkes. Aufgrund der Bauweise kann man vermuten, daß er möglicherweise schon vom ersten Betreiber Haase errichtet wurde.
 

Der Erhaltungszustand des Mauerwerks ist im Vergleich mit anderen gleichaltrigen Bauwerken noch sehr gut.
 

Der Ofenabzug wird von den Anliegern heute als Lager genutzt, aber man kann einmal durch´s Gitter schauen. Es sieht (auch im Vergleich mit dem Foto von 1965) so aus, als hätte der Brennofen auch seitliche Abzüge besessen, die jedoch heute von dem etwas abgeflachten Hangböschung verdeckt sind.
 

Geradeaus weiter befand sich linkerhand das frühere Arbeiterwohnhaus. Es ist noch immer bewohnt, heute natürlich aber modernisiert und umgebaut.
 

Am Ende der Zufahrt steht rechts im Grundstück das Wohnhaus des Kalkwerksbesitzers noch weitgehend im ursprünglichen Zustand.
 

Das Gebäude links entstammt jüngerer Zeit, denn hier muß sich laut der Skizze aus dem Jahr 1905 früher ein Trockenschuppen befunden haben.
 

Gleich am Wegesrand liegt hier ein Schacht - vielleicht noch immer der Hausbrunnen auf dem Lichtloch des alten Betriebsstollens?
 

Da die Jahreszeit es zuläßt, laufen wir am Feldrand einmal um die Grundstücke herum und genießen talaufwärts den Blick zum nahen Fichtelberg. Rechts davor ist der Kalkberg zu sehen.
 

Beim Blick nach Osten sieht man hinter dem Zschopautal  den Pöhlberg bei Annaberg aufragen.
 

Zur Einzäunung des Bruches gab es schon früher Auflagen vom Landesbergamt. Wir sind jedenfalls zufrieden, daß man mit einiger Vorsicht einmal über den Stacheldraht schauen kann...
 

Vorsicht ist hier angebracht: Es geht nämlich ziemlich steil und tief hinunter...
 

An der Westseite findet man eine Rampe.
 

Hier führte einmal der Haspelberg hinunter in den Bruch.
 

Am oberen Ende des Haspelberges stehen noch die Grundmauern des Fördermaschinenhäuschens...
 

...und darinnen noch ein alter Einzylindermotor.
 

Von hier aus führte die Flohrer'sche Huntebahn direkt zum Kalkofen.
 

Dabei querte sie den alten Kalksteinbruch, der heute weitgehend mit Abraum aufgefüllt ist.

 

Hier beginnen auch wieder private Grundstücke und so endet auch unsere Fototour an dieser Stelle.

Für eine Wanderung auf den Spuren des historischen Kalksteinbergbaus um den Scheibenberg herum wünschen wir allen Interessierten gutes Wetter und notfalls immer die richtige Kleidung im Rucksack.

Glück Auf !

Das Team vom „u. b.“

 

Genug für heute?

Hier geht es noch weiter:

Zum Kalksteinabbau im oberen Zschopautal

   

 
 
 

Weiterführende Quellen

         Allgemeine Quellen

  1. wikipedia.de
  2. scheibenberg.de
  3. geomin.de
  4. bergbaufolgen.de (14. Treffen des Arbeitskreises Bergbaufolgelandschaften, 2003)
  5. mineralienatlas.de
  6. Wismut GmbH: Chronik der Wismut, digitale Ausgabe, 2003
  7. geoportal.sachsen.de (aktuelle Karten und Schutzgebiet- Abfragen)
  8. umwelt.sachsen.de (u. a. FFH- Gebiet Scheibenberger Heide)
  9. Petrus Albinus: Meißnische Bergchronica, Dresden, 1540 (Digitalisat)
  10. G. Agricola: De natura fossilium libri X, Hieronymus Froben, Basel, 1546, aus dem Lateinischen übersetzt von G. Fraustadt 1958, überarbeitet von F. Krafft, Nachdruck Matrix Verlag, Wiesbaden 2006
  11. Chr. Lehmann: Historischer Schauplatz derer natürlichen Merckwürdigkeiten in dem Meißnischen Ober- Ertzgebirge, Leipzig 1699 (Digitalisat: Universitäts- und Landesbibliothek Sachsen-Anhalt)  
  12. C. B. Dietrich: Kleine Chronik der freien Bergstadt Scheibenberg, zur Vorbereitung auf das im Jahre 1839 bevorstehende Jubelfest der Einführung der Reformation in Scheibenberg, Leipzig 1839
  13. A. Schiffner: Beschreibung von Sachsen und der Ernestinischen, Reußischen und Schwarzburgischen Lande, 2. Auflage, Verlag von H. H. Grimm, Dresden, 1845
  14. C. B. Dietrich: Kleine Chronik der freien Bergstadt Scheibenberg mit Oberscheibe, 2. Heft, 1855
  15. J. W. F. von Charpentier: Mineralogische Geographie der Chursächsischen Lande, Siegfried Lebrecht Crusius, Leipzig, 1778 (S. 216ff)
  16. Bibliothek der TU Bergakademie Freiberg:
    - Kalender für den Sächsischen Berg- und Hüttenmann bzw. Jahrbücher für das Bergwesen im Königreich Sachsen, Ausgaben 1827-1938 und
    - Bergwerksverzeichnisse, Ausgaben 1939-1942 (Digitalisate)
  17. Sächsische Landes- und Universitätsbibliothek (SLUB) Dresden, u. a.
    - historisches Bild- und Kartenmaterial,
    - C. F. Naumann: Geognostische Beschreibung des Königreiches Sachsen und der angränzenden Länderabtheilungen. Zweites Heft, Geognostische Skizze der Gegend zwischen Gößnitz, Oederan, Sebastiansberg und Auerbach. Dresden und Leipzig, in der Amoldischen Buchhandlung, 1845
    - G. Wunder, A. Herbrig, A. Eulitz: Der Kalkwerksbetrieb Sachsens und die Ursachen der verschiedenen Kalkpreise in Sachsen, Verlag W. Engelmann, Leipzig, 1867
    - A. Sauer, revidiert von C. Gäbert: Erläuterungen zur geologischen Specialkarte des Königreichs Sachsen, Blatt 138: Section Elterlein- Buchholz, 2. Auflage, Leipzig, 1900
  18. G. Wetzel: Wie unser Dorf angelegt wurde, in: Crottendorfer Anzeiger, Nr. 2, 2002
  19. G. Wetzel: Häuser und Häuschen mit besonderer Funktion im früheren Crottendorf, in: Crottendorfer Anzeiger, Nr. 3, 2002
  20. G. Wetzel: Heidenbach oder Heidelbach, in: Crottendorfer Anzeiger, Nr. 12, 2005, Fortsetzung des Beitrages in Nr. 1, 2006
  21. K. Hoth, N. Krutsky, W. Schilka, F. Schellenberg, LfULG (Hrsg.): Marmore im Erzgebirge, Bergbaumonographie, Band 16, Freiberg, 2010
  22. Bergstadt Lengefeld (Hrsg.): Kalkbergbau in Lengefeld, 2. Auflage 2012
     
     
    Sächsisches Hauptstaatsarchiv Dresden
     
  23. Bestand 10036 (Finanzarchiv), Loc. 37341, Rep. 22, Schwarzenberg, Nr. 0011: Abschrift der Kaufverschreibung über das Amt Crottendorf, welches Kurfürst August 1559 nebst den oberwaldischen crottendorfischen Wäldern und Gehölzen, Jagden, Städten, Dörfern, Zinsen, Fronen, Diensten und anderen Herrlichkeiten von den Gebrüdern Hugo und Wolff aus Schönburg für 146.000 Gulden erblich überlassen wurde, dat. 1559
  24. Ebenda, Loc. 36278, Rep. 09, Sect. 1, Nr. 3809: Privileg für den Bergamtsverwalter Marcus Roling zum Bau eines Hochofens im Amt Schwarzenberg unterhalb des Hammerwerkes von Michael Klinger am Emler sowie Konzession zur Umsetzung von Klingers Hochofen nach Rittersgrün an den Cunnersbach, dat. 1580-1669
  25. Ebenda, Loc. 36025, Rep. 08, Schwarzenberg, Nr. 0023a: Einziehung der Kalköfen und Kalknutzungen in Crottendorf und Wiesenthal, welche bisher von Privatpersonen benutzt wurden und nunmehr vom Amt gegen Rechnung betrieben werden sollen, dat. 1667-1693
  26. Ebenda, Loc. 36073, Rep. 09, Sect. 1, Nr. 0513: Gesuch von Johann Heinrich Gottschald um Konzession zum Eisengießen am Hochofen in Rautenkranz, dat. 1680-1735
  27. Ebenda, Loc. 36162, Rep. 09, Sect. 1, Nr. 2749: Unbefugtes Zustellen zweier Hochöfen durch den Hammerwerksbesitzer Johann Gottlieb Gottschalt in Schwefelhütte bei Neidhardtsthal, Amt Schwarzenberg, und die deswegen verhängte Strafe, dat. 1717
  28. Bestand 10084 (Appelationsgericht), Nr. 08200: Johanns Sophie Eberhard zu Hermannsdorf . /. Albin Flohr zu Cranzahl und Gottfr. Flohr zu Wolkenstein wegen eines Mühlenkaufs, dat. 1736
  29. Bestand 10036 (Finanzarchiv), Loc. 34055, Rep. 29, Schwarzenberg, Nr. 0026: Verpachtung des Kalkbruches auf dem Süss'schen Gut Scheibenberg, dat. 1771
  30. Ebenda, Loc. 36246, Rep. 09, Sect. 1, Nr. 3511: Beschwerde des Müllers Flohrer gegen das Eisenerz-Berggebäude Hoffnung-Gottes im Scheibenberger Bergamtsrevier, weil durch dessen Betrieb seiner Mühle das Wasser entzogen werde, dat 1777-1794
  31. Ebenda, Loc. 31958, Rep. 33, Spec. Nr. 1060: Fiskus gegen den Besitzer der Grundmühle in Cranzahl, Gottlob Friedrich Flohr, wegen einer Grenzstreitigkeit, dat. 1800
  32. Ebenda, Loc. 31977, Rep. 33, Spec. Nr. 1723: Grenzstreitigkeit zwischen dem Fiskus und dem Besitzer der Grundmühle in Cranzahl, Gottlob Friedrich Flohr, dat. 1815
  33. Ebenda, Loc. 32148, Rep. 33, Spec. Nr. 3863a und 3863b: Ablösung des an den Kalkofen Oberscheibe zu liefernden Holzdeputates, dat. 1846-1848
  34. Ebenda, Loc. 41723, Rep. 62: Baulichkeiten der fiskalischen Kalkwerke Crottendorf, Unterwiesenthal und Scheibenberg, dat. 1864
  35. Ebenda, Loc. 35413, Rep. 02, Lit. K, Nr. 0113a sowie 0113b: Verbesserte Einrichtung der Kalkbrennöfen bei den fiskalischen Kalkwerken, dat. 1864-1871
  36. Ebenda, Loc. 35338, Rep. 02, Lit. N, Nr. 0062d: Kanzley- Acten, das fiskalische Kalkwerk Neunzehnhain im Amte Augustusburg betreffend, Finanz- Ministerium, II. Abtheilung, Domainen- Expedition, dat. 1864-1888
  37. Bestand 13888 (Personennachlaß K. F. G. Flemming), Bestandserläuterungen
  38. Ebenda, Nr. 04: Untersuchungssachen gegen Karl Friedrich Gustav Flemming, dat. 1838-1840
  39. Bestand 10851 (Ministerium der Finanzen), Nr. 0237: Grundbesitz des Kalkwerks Oberscheibe, dat. 1929-1934
  40. Ebenda, Nr. 02376: Administration des Kalkwerkes Oberscheibe, dat. 1893-1913
     
     
    Staatsarchiv Chemnitz
     
  41. Bestand 30584 (Grafschaft Hartenstein / Herrschaft Stein, zusammengefasster Bestand), Bestandserläuterungen
  42. Bestand 30570 (Urkunden der Hauptlinie Glauchau), Nr. 4: Kaufvertrag zwischen Burggraf Heinrich von Meißen als Verkäufer sowie Abt Nicolaus und dem Kloster St. Nikolaus in Grünhain über einige Güter im Dorf und der Flur Scheibe, den Hammer im Dorf Raschau und das Dorf Glasberg mit Zubehörungen, dat. 17.12.1402
  43. Bestand 30572 (Gesamtregierung Glauchau), Nr. 3681: Kaufverschreibung der Herren von Schönburg über das Amt Crottendorf, dat 1559
  44. Bestand 30016 (Kreisamt Schwarzenberg), Nr. 1938: Verpachtung des bei Scheibenberg gefundenen Kalkbruchs und die neu zu erbauenden Kalköfen, dat. 1711-1784
  45. Ebenda, Nr. 1931: Der bei Scheibenberg erfundene Kalkbruch und Errichtung eines Kalkofens, dat. 1719-1767
  46. Ebenda, Nr. 2049: Den in Oberscheibe auf M. Gottfries Stölzels daselbigen Erbrichtergut sich hervorgetanenen Kalkbruch und von diesem gesuchten Konzession zur Erbauung eines Kalkofens, dat. 1720-1728
  47. Ebenda, Nr. 76: Einweisung des Amtmannes Christian August Gottschald als Mitpächter des Amtes Grünhain neben dem Amtsinspektor Christian Gottlieb Gottschald , dat. 1778-1780
  48. Ebenda, Nr. 2081: Verteilung des dem Herrn Erbrichter Karl Gottlob Stölzel in Oberscheibe zugehörigen Erbraums, dat. 1796-1843
  49. Ebenda, Nr. 1437: Nachlaß des Erbrichters Christian Heinrich Süß in Crottendorf, dat. 1819-1820
  50. Ebenda, Nr. 418: Abtrennung mehrer Grundstücke von den Gütern von Erbrichter Carl Gottlob Stölzel in Oberscheibe, Carl Friedrich Olzer und Carl Friedrich Eberhardt, dat. 1827-1845
  51. Ebenda, Nr. 170: Ablösung des auf dem Gleyschen Kalkwerk in Oberscheibe als Realrecht haftenden vom Staatsfiskus zu gewährenden Deputatholzes, dat. 1846-1848
  52. Ebenda, Nr. 1947: Konzessionsgesuch zur Erweiterung des Kalklagers und Kalkwerkes in Oberscheibe, dat. 1847-1848
  53. Bestand 33044 (Ältere Amtshauptmannschaft Niederforchheim/Wolkenstein), Nr. 0307 bis 0311: Administration der im Amtsbezirk Wolkenstein gelegenen sogenannten Lengefelder und Heidelbacher Kalkbrüche, dat. 1812-1842
  54. Bestand 30046 (Amtshauptmannschaft Marienberg), Nr. 3751: Administration der Lengefelder und Heidelbacher Kalkbrüche, dat. 1843-1908
  55. Ebenda, Nr. 3927 und 3928: Kalkstraße in Heidelbach, dat. 1875-1920
  56. Bestand 30136 (Amtsgericht Schwarzenberg), Nr. 1868: C. Süß, Mühle, Raschau, dat. 1905-1938
  57. Bestand 30049 (Amtshauptmannschaft Schwarzenberg), Nr. 4673: Turbinenanlage der Firma Paul Süß in in Raschau, dat. 1910
  58. Bestand 30041 (Amtshauptmannschaft Annaberg), Nr. 2078: Begrenzung und Markierung des staatlichen Kalkwerkes in Oberscheibe, dat. 1857
  59. Ebenda, Nr. 2339: Erwerb einer Basaltfläche am Scheibenberg durch den sächsischen Staatsfiskus in Schlettau, dat. 1858-1886
  60. Ebenda, Nr. 4071: Kalkwerk Crottendorf, dat. 1859- 1902
  61. Ebenda, Nr. 5948: Sprengstofflager von Härtel und Schumann in Crottendorf, dat. 1886-1894
  62. Ebenda, Nr. 4965: Staatlicher Basaltsteinbruch auf dem Scheibenberg, Verwendung für den Straßenbau, dat. 1912-1933
  63. Ebenda, Nr. 4137: Acten der Kgl. Amtshauptmannschaft Annaberg, das fiskalische Kalkwerk in Oberscheibe betreffend, dat. 1886-1923
  64. Ebenda, Nr. 4375: Bau eines Kabelkrans im staatlichen Kalkwerk in Oberscheibe, dat. 1943
  65. Bestand 30311 (Forstrentamt Annaberg), Bestandserläuterungen
  66. Bestand 30001 (Stände des Erzgebirgischen Kreises), Cap. 22, Nr. 21: Bezahlung an Gottlob Friedrich Flohrer für im Siebenjährigen Krieg gelieferten Hafer, dat. 1790
  67. Bestand 30011 (Amt Grünhain), Nr. 342: Testament des Grundmühlenbesitzers Gottlob Friedrich Flohrer in Cranzahl, dat. 1798-1800
  68. Bestand 32916 (Annaberger Ratsgericht zu Bärenstein), Nr. 19: Abtrennung der verkauften Häuser mit Zubehör vom Gasthof Karl Friedrich Becks von den Grundstücken Meister Joh. Jonathan Schlegel und Christiane Concordie Engert an Meister Johann Gottlob Kern, Meister Johann August Kretzschmar und Gottlob Flohrer, dat. 1838-1839
  69. Bestand 32951 (Stadt Scheibenberg), Nr. 8: Beanspruchung des Verkaufsrechtes auf die Gley'schen Grundstücke, die sogenannten Torfräume, durch Karl Heinrich Fürchtegott Kaiser, Handelsmann, und daraus entstandene Differenzen, dat. 1851-1853
  70. Bestand 30126 (Amtsgericht Oberwiesenthal), Nr. 41: Ansprüche des Mühlenbesitzers Flohrer in Cranzahl an den Moritz- und Lampertsbach im Cranzahler Forstrevier, dat 1857-1906
  71. Ebenda, Nr. 35: Testament des Gasthofbesitzers Carl Moritz Flohrer in Cranzahl, dat. 1870
  72. Bestand 30401 (Kreistag Annaberg), Nr. 541: Kalkwerk Oberscheibe, dat. 1948-1952
  73. Bestand 30464 (Bezirksvertragsgericht Karl-Marx-Sadt), Nr. 5546: VEB (B) Vereinigte Kalkwerke, Sitz: Oberscheibe/Erzgeb., dat. 1954-1980
     
     
    Bergarchiv Freiberg
     
  74. Bestand 40014 (Bergamt Scheibenberg), Bestandserläuterungen
  75. Bestand 40022 (Hammerwerksinspektion Schneeberg), Bestanderläuterungen
  76. Bestand 40012 (Bergamt Johanngeorgenstadt mit Schwarzenberg und Eibenstock), Nr. 2145: Angekündigte Zwangsversteigerung des Hammerwerkes Neidhardtsthal und der zugehörigen Eisenstein-Bergteile durch die Gläubiger des verstorbenen Johann Gottlieb Gottschaldt, dat. 1742
  77. Bestand 40001 (Oberbergamt Freiberg), Nr. 106: Beschwerde von Gottlieb Friedrich Flohr, Müller in Cranzahl im Bergamtsrevier Scheibenberg, wegen des seiner Mühle durch den dortigen Bergbau entzogenen Wassers, dat. 1777
  78. Ebenda, Nr. 2975: Acta, Kalksteinlager samt was dem anhängig betreffend, dat. 1831-1863
  79. Ebenda, Nr. 2985: Revisionsbericht des Oberkunstmeisters Friedrich Wilhelm Schwamkrug und des Berggeschworenen Adolph August Friedrich Thiele über die unter dem Rentamt Schwarzenberg stehenden Kalkwerke Hammerunterwiesenthal, Crottendorf und Scheibenberg, dat. 1861
  80. Bestand 40169 (Bergrevier Schwarzenberg), Nr. 84: Familienglück gevierte Fundgrube, bis 1834 samt Vier Geschwister Fundgrube, am Fürstenberg bei Waschleithe, dat. 1830-1846
  81. Ebenda, Nr. 2: Andreas gevierte Fundgrube am Brechhaus bei Crottendorf, dat. 1834-1845
  82. Ebenda, Nr. 34: Beständige Einigkeit Fundgrube samt Laurentius Erbstolln, ab 1889 Beständige Einigkeit Fundgrube, am Scheibenberg bei Scheibenberg, dat. 1879-1910
  83. Bestand 40007, Nr. 996: Bergmännische Untersuchung des Kalksteinbruches Heidelbach bei Wolkenstein, dat. 1846-1900
  84. Bestand 40168 (Bergrevier Marienberg), Nr. 362: Konsolidiertes Zwitterstockwerk am Geyersberg bei Geyer, dat. 1855-1890
  85. Bestand 40169 (Bergrevier Schwarzenberg mit Unterrevieren), Nr. 161: Herkules Fundgrube, ab 1855 Herkules samt Frisch Glück Stolln, ab 1860 Herkules Fundgrube samt Frisch Glück Stolln und Khiesels Hoffnung Erbstolln am Fürstenberg unweit der Oswaldkirche bei Waschleithe, dat. 1793-1890
  86. Ebenda, Nr. 297: Segen Gottes Stolln am Härtelschen Kalkwerk bei Crottendorf, dat. 1886-1889
  87. Bestand 40024-12 (Landesbergamt, gewerbliche Gruben), Nr. 54: Crottendorf, Kalkwerk von J. Köhler, dat. 1901
  88. Ebenda, Nr. 55: Acten, Betriebsangelegenheiten bei dem Kalkwerk der Auguste Marie Oehme, geb. Thiele, in Crottendorf betreffend, vormals Johannes Köhler, dat. 1900-1906
  89. Ebenda, Nr. 449: Acta, die Steinbrüche im Bezirk der Amtshauptmannschaft Annaberg betreffend, dat. 1887
  90. Ebenda, Nr. 154: Schönbrunn [bei Wolkenstein], fiskalisches Kalkwerk an der Heidelbach, dat. 1900-1930
  91. Ebenda, Nr. 457: Schönbrunn bei Wolkenstein, Begutachtung des fiskalischen Kalkwerkes Heidelbach, dat. 1890-1891
  92. Bestand 40053 (Bergamt Stollberg), Nr. 127: Kalkwerk Heidelbach, dat. 1900-1902
  93. Ebenda, Nr. 147 und Nr. 148: Staatliches Kalkwerk Oberscheibe, dat. 1900-1938
  94. Ebenda, Nr. 151: Staatliches Kalkwerk Oberscheibe, Fahrberichtsbeilagen, dat. 1939-1946
  95. Ebenda, Nr. 152: Staatliches Kalkwerk Oberscheibe, Grubenbetrieb, dat. 1938-1944
  96. Ebenda, Nr. 154: Staatliches Kalkwerk Oberscheibe, Tagebetrieb, dat. 1939-1946
  97. Ebenda, Nr. 156: Staatliches Kalkwerk Oberscheibe, Verschiedene Angelegenheiten, dat. 1938-1947
  98. Bestand 40024-12 (Landesbergamt Freiberg, Gewerbliche Gruben), Nr. 321 und Nr. 322: Oberscheibe bei Scheibenberg, fiskalisches Kalkwerk Oberscheibe, Betriebsangelegenheiten dat. 1900-1938
  99. Ebenda, Nr. 323: Berechtigungsangelegenheiten beim fiskalischen Kalkwerk Oberscheibe, dat. 1921-1947
  100. Bestand 40028 (Oberbergamt, Bergwirtschaftsstelle), Nr. 2-I183: Neuer Wasserabführungs-Stolln auf dem Staatlichen Kalkwerk Oberscheibe, dat. 1931
  101. Ebenda, Nr. 2-I184: Tiefer Stolln auf dem Staatlichen Kalkwerk Oberscheibe, dat. 1932
  102. Ebenda, Nr. 1-I1314: Staatliches Kalkwerk Oberscheibe über Schwarzenberg, dat. 1941-1945
  103. Bestand 40030 (Oberbergamt, Lagerstättenforschungsstelle), Nr. 1-1030: Oberscheibe, Lehmvorkommen im Kalklager, dat. 1941
  104. Ebenda, Nr. 2-H24615: Staatliche Kalk- und Hartsteinwerke Dresden, Produktion und Werke, dat. 1943
  105. Ebenda, Nr. 2-K24601: Kalkwerk Oberscheibe, dat. 1924
  106. Bestand 40027 (Oberbergamt Freiberg), Nr. 1180: Oberscheibe, staatliches Kalkwerk, dat. 1939-1945
  107. Bestand 40072 (Bergbehörde Zwickau), Nr. 227: Geologie und Lagerstätten, dat. 1956-1957
  108. Ebenda, Nr. 766: Marmorkalkbruch Crottendorf des VVB Steine und Erden - Land Sachsen, dat. 1949-1950
  109. Ebenda, Nr. 770: Kalkwerke Oberscheibe und Hammerunterwiesenthal sowie Dolomitkalkwerk Meerane, dat. 1951-1952
  110. Ebenda, Nr. 783: Oberscheibe/Erzgebirge, Kalkwerk der Vereinigung Volkseigener Betriebe (Z) Baustoff, dat 1949-1952
  111. Ebenda, Nr. 785: Oberscheibe/Erzgebirge, VEB Kalkwerk Oberscheibe der Vereinigung Volkseigener Betriebe (VVB) der Natursteinindustrie, dat. 1953
  112. Ebenda, Nr. 768: VEB Obererzgebirgische Kalkwerke Oberscheibe/Erzgebirge, Betriebsabteilungen Oberscheibe, Crottendorf und Hammerunterwiesenthal, dat. 1962
  113. Ebenda, Nr. 787: VEB Obererzgebirgische Kalkwerke Oberscheibe/Erzgebirge, Kalkwerke Oberscheibe und Hammerunterwiesenthal sowie Marmorkalkbruch Crottendorf, dat. 1961
  114. Bestand 40131 (VEB Geologische Forschung und Erkundung), Nr. 1-142: Oberscheibe, bei Scheibenberg, vermutlich Kalkbohrungen, dat. 1957-1958
  115. Bestand 40073 (Bergschadenkundliche Analysen), Nr. 1-42: Scheibenberg/Erzgebirge, dat. 1978
  116. Ebenda, Nr. 2-1068-2-1078: zur BSA Scheibenberg gehörige Risse.