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Ein Beitrag von www.unbekannter-bergbau.de

Erstellt November 2014, letzte Ergänzungen im Juli 2024.

Wir bedanken uns für die Unterstützung bei der Erstellung dieses Beitrages

  • beim Bauherrn, dem Projektträger Altstandorte der Wismut GmbH,

  • beim bauausführenden Unternehmen BTOe GmbH,

  • bei der Bauleitung durch das Ingenieurbüro TABERG-Ost GmbH,

  • bei Herrn U. Jaschik, Dresden, für fachliche Beratung und Korrekturhinweise sowie

  • bei Herrn J. Stark, Bernsbach, für ergänzendes Bildmaterial.

Sie können diesen Beitrag vom Qucosa-Server der Sächsischen Landes- und Universitätsbibliothek Dresden im PDF-Format herunterladen.

http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bsz:14-qucosa2-78890 (1. Ausgabe 2014)
https://nbn-resolving.org/urn:nbn:de:bsz:14-qucosa2-845609 (2. überarbeitete und
      ergänzte Ausgabe 2023)

  

Ein Einblick in die „wilden Jahre“ der AG Wismut:
Die Lagerstätte „August“ bei
Raschau

  

Überblick zur Geschichte und Geologie
Die Übertagesituation 2013
Zu den Verwahrungsmaßnahmen am Gang 57 ab 2013
Schurf 57-1-1
Vom Schurf 57-1-1 nach Nordwesten
Vom Schurf 57-1-1 auf der "Parallelstrecke" nach Nordwesten
Im Schurf 57-1-1 weiter abwärts...
Neuer Versuch im Schurf 57-1-½
Nur noch eine halbe Teufe: Der Schurf 57-1-2
Noch nicht das Schlußwort...
Weiterführende Quellen

Unser Beitrag zur Sanierung der Schadstellen am Gang 58

   

Es wäre längst vergessen gewesen, daß auch hier die damalige sowjetische AG und spätere SDAG Wismut nach Uranerz gesucht hat. Aber weil die Großväter auf die Verwahrung ihrer Hinterlassenschaften wenig Zeit verschwendet haben (oder es aufgrund der Abkommandierung zum nächsten Schacht auch gar nicht besser machen konnten), brachten sich auch nördlich von Grünstädtel ihre Erkundungsarbeiten nach und nach wieder in Erinnerung, als die Reste der Schurfschächte immer neue Pingen verursachten und der oberflächennahe Abbau beeindruckende Tagesbrüche auslöste.

Dieses Erkundungsgebiet wurde als „Lagerstätte August“ bezeichnet und mangels weiterer Erfolgsaussichten 1954 eingestellt. Bereits vor 1963 waren die genutzten Flächen an die Gemeinden zurück übertragen. Daher gehört es zu den Altstandorten der Wismut.

    


Wer auf dem Weg von Scheibenberg nach Schwarzenberg entlang der B 101 darauf achtet, entdeckt sie noch: Hält man am Sportplatz in Raschau einmal an und läuft ein wenig bergauf, bekommt man beim Blick in Richtung Westen diesen Überblick über das ehemalige Erkundungrevier. Links am Talhang oberhalb der Häuser von Grünstädtel die bereits abgeflachte und begrünte Halde des Schachs 278 - in ein paar Jahren wird man sie gar nicht mehr als Halde erkennen. Rechts gegenüber am Waldrand die noch unsanierte Halde des Schachts 257.

Der Geländezustand im Jahr 2023.

  

Die beiden Hauptschächte auf der Nordseite der Großen Mittweida, Schacht 257 und Schacht 319, sowie der Schacht 278 auf der Südseite wurden bereits in den 1970er Jahren verplombt. In die Stollen 1 bis 4 spülte ab Ende der 1960er Jahre die benachbarte Papierfabrik die Asche ihrer Heizungsanlage ein. Auf der Halde legte die Gemeinde Raschau eine Hausmülldeponie an. Dabei landete wie so oft anderswo auch bedauerlicherweise viel Müll in den umliegenden Pingen.

Nach der Verlängerung des Verwaltungsabkommens zur Sanierung der Wismut-Altstandorte m Jahr 2013 wurde dann auch mit der Sanierung der Tagesbrüche auf den Gängen 57 und 57a begonnen. Priorität besaßen dabei die Brüche unmittelbar an der Schachthalde, damit anschließend auch die Deponie und die Schachthalde saniert werden konnten. Letzteres zog sich allerdings noch einige Jahre hin.

Bei der Aufwältigung der Tagesbrüche kam ‒ zumindest auf den ersten Blick ‒ ein ziemliches „Durcheinander“ zutage, was die Sanierungsarbeiten immer wieder verzögerte. Erst am Ende der Aufwältigung ergab sich dann doch wieder ein Bild, welchen Plan die Großväter hier verfolgt haben. Auch vor deren Hacke war es anfangs ja ziemlich duster... Wir wollen im Folgenden ein wenig davon zeigen, was vorgefunden wurde und erläutern, wie unsere Großväter bei der bergmännischen Erkundung der Lagerstätte vorgegangen sind.

Zugegebenermaßen: 2013 wußte das niemand mehr.

 

 

 

Überblick zur Geschichte und Geologie

 

Im Gebiet östlich von Schwarzenberg ging seit früher Zeit Bergbau um. Gegenstand des Altbergbaus waren zuerst Eisenerz sowie Kalkstein als Zuschlagstoff für die Eisenhütten bzw. Hammerwerke. Bekannt sind außerdem metasomatische (Skarn-) Erzlager. Gänge der kiesig- blendigen und der BiCoNi- Formation wurden hier angetroffen und abgebaut. Bekannt ist etwa die Grube Gottes Geschick am Graul u. v. a. Weiter nördlich bei Waschleithe wurden auch Zinnseifen gefunden.

Der historische Erzbergbau um Schwarzenberg erreichte jedoch nie die Bedeutung anderer Reviere. Besonders die Aufbereitung der oft komplexen Erzmineral- Paragenesen der Skarnlager war für die Altvorderen hinsichtlich der Gewinnung reiner Metalle problematisch. Daher wurden diese Erze häufig auf Vitriol, Alaun oder Schwefelsäure verarbeitet.

Im unmittelbaren Umfeld der im Weiteren beschriebenen Sanierungsarbeiten sind drei Stollen des historischen Erzbergbaus namentlich bekannt und mit den üblichen Einschränkungen hinsichtlich der Lagegenauigkeit der Altunterlagen risskundig. Dabei handelt es sich um:

  • den Wagler Stolln, östlich des Gangs 58 (außerhalb des Sanierungsgebietes),

  • den Engelsburger Stolln, welcher etwa im Streichen des Gangs 57a im Tal der Großen Mittweida ansetzte sowie

  • die Glücksburg Stolln am Gegenhang des Mittweidatales.

Der Gang 57, welcher als derjenige mit dem größten Ausbringen innerhalb der Lagerstätte gilt, kreuzt das Streichen des Engelsburger Flachen. Der Gang 57a (nach NW) und die Strecke 306 (nach SO) folgen annähernd dem Streichen dieses schon von den Alten gefundenen und bebauten Erzganges.

Weiter westlich – schon auf Wildenauer Flur – sowie nördlich und östlich dieses Erkundungsreviers findet man noch heute zahlreiche kleine Halden des vorangegangenen Altbergbaus. Über Entstehung und Betriebszeiten dieser Gruben soll an dieser Stelle allerdings nicht berichtet werden. Die Chronik der Wismut erwähnt zwar lapidar, daß auch „Gruben des Altbergbaus teilweise aufgewältigt und in die Voruntersuchung einbezogen wurden.“ Inwiefern das auch auf diese alten Stollen zutrifft, ist uns aber nicht bekannt.

 

Der geologische Untergrund ist durch die herzyn streichende Raschauer Störung, der das untere Mittweidatal folgt, zweigeteilt: Im Südteil des Erkundungsreviers ist er aus Augen- und Flasergneisen präkambrischen Alters aufgebaut, während im Nordfeld Glimmerschiefer und quarzitische Glimmerschiefer der „Niederschlager Gruppe“ anstehen. Im Bereich des Gangzuges 58 weiter nach Nordosten bilden bereits Quarz- reiche Glimmerschiefer und Quarzitschiefer (der sogenannte „Emmler- Quarzit“) den Festgesteinsuntergrund. Östlich der Mühlstraße stehen dann Granat- führende Muskovit- Glimmerschiefer an, in die verbreitet noch Quarzitschiefer eingeschaltet sind. Stratigraphisch sind diese beiden Gesteinstypen der „Raschau- Formation“ der „Klinovec- Gruppe“ zugeordnet (Kambro- Ordovizium). Die Kristallisationsschieferung der Gneise und Glimmerschiefer ist meridional orientiert (350°–360° NW-SO bei einem Einfallen von 25°–35° in nordöstliche Richtung).

Am Knochen und nördlich der Emmlerhöhe liegt das namengebende Typusgebiet der „Raschau- Formation“. Typisch für diesen „Emmler- Quarzit“ sind auch die Kalkstein- bzw. Dolomit- Einlagerungen. Die Vergesellschaftung von „Raschau- Karbonat“ und „Emmler- Quarzit“ bildet einen charakteristischen lithostratigrafischen Leithorizont im Erzgebirge.

An den Ausstrichen des Emmlerquarzits finden sich außerdem sogenannte „Quarzbrockenfelse“, in deren Zwickeln und Klüften es zu unregelmäßig nesterförmigen Anreicherungen von Eisenerzen (Limonit) und Manganerzen (Psilomelan, Pyrolusit) gekommen ist.

Nach Ergebnissen von Bohrungen bzw. anhand von Gravimetriedaten wird der Granitkontakt in 325 m bis 500 m Tiefe erwartet. Im Nordteil sind auch herzyn streichende Kersantitgänge nachgewiesen (Chronik der Wismut).

 

Die hier ausgebildeten, spätvaristischen hydrothermalen Gänge streichen vorwiegend flach in NW-SO-Richtung mit wechselndem Einfallen (überwiegend nach SW) und erreichen eine laterale und vertikale Erstreckung von bis zu 300 m. Die Gangfüllung besteht aus Mylonit, Quarz, Karbonaten, Fluorit und Sulfiden. Im Nordteil tritt der Karbonatanteil weitestgehend zugunsten mylonitischen Materials zurück. Als primäre Uranerze wurden Pechblende und Uranschwärze gefunden. Im tagesnahen Bereich waren sie zumeist zu Gummit und Uranglimmern umgesetzt. Im nördlichen Teil wiesen aber nur wenige und ausschließlich NW-SO- streichende Gänge (u. a. Gang 57, Gang 58 und Gang 305) eine bauwürdige Uranerzführung auf. Im Südteil waren sowohl NW-SO- streichende als auch einige NE-SW- streichende Gänge (Gang 318 und 804) uranerzführend.

Die Vererzung ist strukturell bestimmt und trat in Linsen und Nestern im Gangmittel auf. Die flächenhafte Erstreckung dieser bis zu 5 cm mächtigen Erzlinsen erreichte maximal 3,5 m². Wie die Saigerrisse dieser Gänge zeigen, wurden bauwürdige Vererzungen hauptsächlich in unmittelbarer Tagesnähe angetroffen. Mit zunehmender Tiefe nahmen die vererzten Gangflächen und die Urankonzentration ab.

  


Die Ausbißlinie des Gangs 58 im Nebengestein am Nordoststoß der Teufe auf dem Schurf 58-1-⅓: Der Gang ist hier durch helle Letten und Brauneisenstein sowie das abweichende Fallen gegenüber der Schieferung des Gesteins auch für den Laien visuell auffällig.

  


Der in der Firste der Etagenstrecke 200c anstehende Gang 57 nordwestlich des Schurfes 57-1-2. Neben dem meist erdig ausgebildeten Brauneisenstein (Limonit) fallen nur rote Beläge aus Hämatit und schwarze aus Manganoxiden ins Auge.

  


Derselbe Gangaufschluß in anderer Perspektive. Uranschwärze ist hier nicht enthalten – die hätten die Radiometristen gefunden und dann wäre dieser Gangausbiß abgebaut worden.

  


Aufmerksame Sammler haben auch davon noch ein paar Belegstücke im Aushub gefunden: Hier der Kupfer-Uranglimmer Torbernit Cu[UO
2)2(PO4)2 · 12 H2O in Zwickeln eines stark limonitisierten Schiefers, Fund im Aushub am Schurf 57-1-½. Foto: J. Stark.

  


Torbernit, Fund im Aushub am Schurf 57-1-1. Foto: J. Stark.

 


Ein Gemisch aus braunem Limonit FeOOH und gelbem Gummit, einem Gemisch verschiedener Uran- Sekundärmineralien, wie Boltwoodit, Clarkeit, Curit, Kasolit, Soddyit, Uranophan und meist noch in Verbindung mit Uraninit (UO
2 - die gesuchte Pechblende) Aushub am Schurf 57-1-½. Foto: J. Stark.

 


Ein querschlägig streichendes Trum mit Kieserzführung im Stoß der Etagenstrecke 58-1-1-100g am Schurf 58-1-½. Der in diesen Trümern oft reichlich enthaltene Arsenkies zersetzt sich bei Luftzutritt relativ schnell zu Arsenoxyden bzw. Arsenaten (Pharmakolit, Pikropharmakolit u. a.), welche durch ihre meist hellweiße bis bläuliche Farbe auffallen.

  


Glimmerschiefer mit grünlichen Krusten des Eisen- Arsenates Skorodit Fe[AsO
4] · 2 H2O,
Aushub aus Schurf 57-1-½, Foto: J. Stark.

 


Ein Gemisch aus Skorodit und dem stärker wasserhaltigen Eisen- Arsenat Kaňkit Fe[AsO
4] · 3...5 H2O,
Aushub vom Schurf 57-1-½, Foto: J. Stark.

 


Ein kleiner Kersantit- Gang innerhalb des Glimmerschieferpakets. Etagenstrecke 58-1-1-100f unweit vom Tiefschurf 58-1-2, zirka 15 m untertage.

 


Im Aufschluß übertage: Ein Trum des Gangs 57 durchzieht hier einen Kersantit- Gang.
Foto: J. Stark.

 


Nahaufnahme des durchschlagenden Trums, Foto: J. Stark.

 


Probe aus dem Trum mit Quarz und dunkelgrau- metalliisch glänzendem, hier fast dicht ausgebildetem Arsenkies (FeAsS).
Foto: J. Stark.

  

Wie an anderen Stellen auch, untersuchte die Wismut AG alle bekannten, alten Bergbaureviere gründlich nach Uranerzen, so auch hier. Da das Gebiet als Bergbauregion bekannt war, bildete es auch einen der Untersuchungsschwerpunkte der Uranerzexploration nach 1945. Das Gebiet des westlichen Erzgebirges wurde von 1946 an zunächst durch die „Sächsische Geologische Gewinnungs- und Erkundungsgruppe“ und später durch die Objekte 01 und 23 geologisch und geophysikalisch untersucht. Das Objekt 01 war bekanntermaßen das erste Gewinnungsobjekt in Johanngeorgenstadt. Das Objekt 23 war dagegen ein reines Erkundungsobjekt der AG, das im Jahr 1947 alle Untersuchungsarbeiten im Gebiet zwischen Annaberg-Buchholz, Schwarzenberg und Johanngeorgenstadt übernahm.

Da die primäre Gammastrahlung des Urans in Gestein keine nennenswerte Reichweite hat, sind Uranerze mit geophysikalischen Methoden von der Tagesoberfläche aus nur schwer aufzufinden. In der Zerfallsreihe des Urans entsteht aber auch das Edelgas Radon. Das Radon wird chemisch nicht gebunden und migriert daher relativ weit durch Poren und Klüfte des Gesteins. Es ist selbst radioaktiv und ein α- Strahler. Daher bildete die „Emanationsaufnahme“ (Kartierung der Radonaktivität in der Bodenluft) in dieser Zeit die Hauptmethode der geophysikalischen Erkundung.

Diese Erkundungsarbeiten wurden hier in Raschau im August 1948 begonnen, weswegen das Revier auch diesen Namen erhalten hat, und wurden zunächst vom „Objekt 23“ der Wismut AG durchgeführt. Da dabei nicht nur in Raschau tatsächlich Anomalien erhöhter Radon- Aktivitäten festgestellt worden sind, wurden die Arbeiten durch Anlage von Schurfgräben und geologische Kartierung ergänzt – ganz genau so, wie es auch die Alten bei der Suche nach der Ausbißlinie der Erzgänge schon getan haben.

Nach positiven Untersuchungsergebnissen wurde das Erkundungsobjekt 23 im November 1948 wieder aufgelöst und daraus das „Objekt 08“ gebildet. Das Gewinnungsobjekt 08 beinhaltete insgesamt 16 Schachtverwaltungen, die auf rund 72 km² zwischen der tschechischen Grenze und Raschau 18 Lagerstätten bebauten und war damit flächenmäßig das ausgedehnteste der Wismut AG überhaupt. Die Geologische Abteilung des Objektes 08 übernahm neben der Vor- und Nacherkundung der zugänglichen Grubenfelder auch die weitere Erkundung auf Uranvererzungen im Aufgabengebiet. Innerhalb des Objekts 08 übernahm das „Objekt 12“ sämtliche Ausrichtungsarbeiten.

Ab 1951 wurde das Objekt 08 in sowjetischen Unterlagen als „Objekt 103“ bezeichnet. Diese Bezeichnung findet sich in deutschen Unterlagen allerdings nicht (Hinweise von Herrn U. Jaschik).

  

Aufgrund der positiven Erkundungsergebnisse in Raschau wurde am 15. Juli 1949 auch das Projekt August von der 1. (Geologische Verwaltung) und 3. Verwaltung (Technologische Verwaltung) der Wismut mit einer Kapazität von 630.000 m³ bestätigt und daraufhin die Schachtverwaltung 257 innerhalb des „Objekts 08“ gebildet. Das Revier der Schachtverwaltung 257 umfaßte einen nördlichen und einen südlichen Teil, welche morphologisch durch das Tal der Großen Mittweida und geologisch durch die herzynisch streichende Raschauer Störung voneinander getrennt waren. Es hatte eine Ausdehnung von zirka 1,0 km². Querschlägig erstreckten sich die Grubenbaue in SW- NO- Richtung über eine Länge von zirka 2,0 km. Die streichende Ausdehnung war kleiner und betrug zirka 0,6 km in Richtung NW-SO (Chronik der Wismut).

Die Ausrichtung der Lagerstätte ‒ das Abteufen der Schächte und der Vortrieb der Stolln und Hauptstrecken zum Aufschluß und zur Erschließung der Lagerstätte ‒ erfolgte zunächst durch das „Objekt 12“. Dieses Objekt war ausschließlich für die Aus- und Vorrichtungsbaue zuständig (Hinweise von Herrn U. Jaschik). Mit dem Abteufen des Hauptschachtes mit der Nummer 257 wurde am 15. Juli 1949 durch das Objekt 12 begonnen. Am 20. Dezember 1950 hatte man eine Gesamtteufe von 218 m erreicht und der betriebsbereite Schacht wurde an das Gewinnungsobjekt 08 übergeben. Der Schacht 278 auf der Südseite des Mittweida- Tales wurde ab dem 21. Dezember 1949 abgesenkt. Am 23. Februar 1951 wurde er mit einer Gesamtteufe von 353,5 m an das Gewinnungsobjekt übergeben. Die beiden Schachtanlagen waren auf eine Kapazität von 800 Tagestonnen Förderung ausgelegt. Zuletzt wurde ab 10. Juli 1950 noch der Schacht 319 geteuft. Er war mit 322,7 m Teufe fast genauso tief, wie der Schacht 278, war jedoch hauptsächlich zur Erkundung vorgesehen und daher nur für eine geringere Förderkapazität von 400 Tagestonnen ausgelegt.

Am 31. Mai 1952 wurde das Objekt 12 aufgelöst und die Fortsetzung der Arbeiten vollständig der geologischen Abteilung des Objekts 08 übertragen. Die weitere Vorrichtung zum Abbau (die Auffahrung der Gangstrecken und Überhauen zur Untergliederung der Gangflächen in Abbaublöcke) sowie der eigentliche Abbau oblag dann ausschließlich dem „Objekt 08“ (Hinweise von Herrn U. Jaschik).

  

Parallel zu diesen Ausrichtungsarbeiten wurden bereits ab 1949 auch Erkundungsschürfe auf der kartierten Ausbißlinie der Gänge 57 und 58 tonnlägig im Einfallen der Gänge von Übertage aus niedergebracht. Deren Ansatzpunkte übertage im Gangstreichen orientierten sich schon an der Lage der geplanten Überhauen entlang der Gangstrecken untertage. Allerdings haben sich aus geologischen Gründen Schurfschächte und tagesnahe Überhauen nicht immer getroffen. Das haben wir aber erst im Laufe der Aufwältigungsarbeiten 2013/2014 auch wieder herausgefunden…

Insgesamt wurden auf den beiden Hauptgängen 57 und 58 elf solcher Tiefschürfe abgeteuft. Im Gangstreichen wurden – zuerst von den Tiefschürfen, nach dem Heranbringen der Stolln und Gangstrecken dann in gleicher Weise von den Überhauen ausgehend – sogenannte „Etagenstrecken“ aufgefahren, von denen aus die Erzführung erkundet wurde und auf denen auch schon Abbau erfolgt ist.

Dieses Vorgehen beim Abbau, die Löschung höffiger Gangflächen durch Etagenstrecken oder Steigorte, war ein zu dieser Zeit übliches Verfahren. Vorschrift waren dabei Kontrollbohrungen in Sohle und Firste. Die geringe Reichweite der natürlichen Gammastrahlung des in den Erzmineralen enthaltenen Urans im Gestein ist auch hier die Ursache dafür, daß die Strecken quasi von ganzen „Igeln“ kurzer Bohrungen in Sohle und Firste umgeben sind, damit man auch ja keine Erzlinse übersehen konnte. Auch die Sohlenabstände der Etagenstrecken waren mit um die 5 m (wobei nur kaum 2 m mächtige Schweben dazwischen verblieben) aus demselben Grund ziemlich gering.

Wurde bei der Auffahrung Erz gefunden, wurde es natürlich abgebaut. Selbstverständlich wurde auch die Schwebende direkt über den Grundstrecken untersucht. War Erz vorhanden, wurde dies zuerst abgebaut. Dann wurde Verzug über der Gangstreckenfirste eingebaut und der Block darüber im Firstenstoßbau gewonnen. Aufgrund der wechselhaften Vererzung wechseln sich auch in den vorbereiteten Blöcken Bereiche mit Etagenstrecken und durchgefahrene Firstenstoßbaue in der Gangfläche ab. Abbau und Erzlöschung in den Abbaublöcken waren eigentlich aber erst Sache des Gewinnungsobjektes – hier des Objekts 08.

Im Gegensatz zur Sächsischen Geologischen Gewinnungs- und Erkundungsgruppe baute auch das Objekt 12 die bei der Ausrichtung, Vortrieb und Vorrichtung aufgefundenen Uranerze sofort ab. Auch das ursprünglich mit der Erkundung beauftragte Objekt 23, aus dem im November 1948 das Objekt 08 hervorging, baute selbstverständlich die bei der Erkundung gefundenen Uranerze schon ab (Hinweise von Herrn U. Jaschik). Wahrscheinlich resultiert daraus die Bemerkung in der Chronik der Wismut, daß ein Teil der Gewinnung „direkt aus der Erkundung heraus“ erfolgt sei.

  


Dieser Ausschnitt aus einem Saigerriß des Gangs 57 illustriert die differenzierte Vorgehensweise: Die beiden Blöcke links wurden 1949 zunächst von übertage her ungefähr bis in das Niveau der 0. Sohle, danach 1950 von untertage her fast vollständig abgebaut. Das mittlere Überhauen verläuft allerdings seltsam schräg und trifft folgerichtig den darüber angesetzten Tiefschurf nicht. Bei den beiden Blöcken rechts sind alle Überhauen von untertage her auf die Tiefschürfe durchgeschlagen worden. Hier kam tagesnah der Etagenstreckenabbau zum Einsatz: Mittels zahlloser Bohrungen in die Firste und Sohle dieser Strecken und radiometrischer Bohrlochvermessung wurde dabei geprüft, welcher Abschnitt der Gangfläche noch gewinnungswürdig war. Die diagonale Streichung im Schnitt markiert dann die Löschung der Gangfläche in diesem Block - er galt nun als vollständig abgebaut. Quelle: Archiv des Sächsischen Oberbergamtes, Altrisswerk der SDAG Wismut, Schachtverwaltung 257, Blatt 972 (Saigerriß Gang 57), Ausschnitt.

  


Die für die radiometrische Vermessung vorbereiteten Bohrlöcher waren auch bei den Arbeiten 2013 bis 2022 noch wiederzufinden. Hier ein Beispiel aus der Etagenstrecke 58-1-1-100g.

  


So übrigens sah das Gezäh eines Radiometristen bei der Wismut aus: Ein Unirad vom Typ MB/A, wie es vom Wissenschaftlich- Technischen Zentrum (WTZ) der Wismut in Grüna bei Chemnitz in Serie gefertigt wurde. Hier die übliche Version mit der schmalen Bohrlochsonde.

  


Diese Geräte zeigten eine Impulszahl pro Zeiteinheit an; für letztere gab es je nach Typ mehrere (bei diesem zwei) Einstellungen: War die Impulszahl zu niedrig oder schwankend, konnte man das Zeitfenster, über das die Impulse gezählt worden sind, verlängern. Die Sonden wurden regelmäßig kalibriert, so daß man aus der Anzeige direkt auf die Uran- Aktivität im Gestein um das Bohrloch schließen konnte.

  


Gleichartige Geräte gab es auch für Kartierungen ünertage - dann mit größerer (auch empfindlicherer) Sonde und natürlich kürzerem Kabel. Für die Stromversorgung über eine Schicht reichten zwei R20- Zellen aus. Die Gehäuse wurden übrigens vom Gerätebau der Bergakademie Freiberg gefertigt und noch für andere Zwecke (auch bei der NVA) verwendet. Für Multifunktionssonden (wie das Unirad 403) gab es größere Gehäuse, um die umfangreichere Elektronik darin unterzubringen.

   


In den Sonden versteckten sich solche Szintillationssensoren. Die Signale für den Zähler entstehen darin durch die Absorption der eindringenden γ-Strahlung (Uran ist ein Gamma- und Neutronen- Strahler), wobei winzige Lichtimpulse in den durchsichtigen Kristallen ausgelöst werden. Diese wurden mit einer vor der offenen Seite des Kristalls angebrachten Photodiode erfaßt und gezählt.

   


Wie man hier sieht, stellte das Kernstück dieser Szintillationssensoren ein mit Thallium dotierter Natriumjodid- Einkristall dar, den das WTZ u. a. von der tschechischen Firma TESLA bezogen hat. Da Natriumjodid ziemlich hygroskopisch ist, mußten die Sensoren in der Sonde gut verkapselt sein. Die größeren Sensoren waren auch für Spektrometer bestimmt, mit denen man verschiedene Energiebänder der Strahlung einzeln erfassen und somit gleichzeitig die Aktivitäten von Kalium40, Uran und Thorium ermitteln konnte.

   


Wurde Erzführung festgestellt, erhielt der Bereich vom Radiometristen eine farbige Markierung, wie diese hier, und der Abschnitt wurde noch abgebaut. Hier ein Beispiel vom Schacht 98 (Revier "September") in Anthonsthal, Foto: U. Jaschik.

 


Auch hier sieht man rechts am Stoß dieses leergezogenen Abbaublocks noch eine farbige Markierung der Radiometristen. Beispiel vom Schacht 98, Foto: U. Jaschik.

  


Bei dieser relativ langen Bohrpfeife, welche längs in der Firste verläuft, handelt es sich nicht um eine Messbohrung, sondern um eine Sprengbohrung aus dem horizontalen Vortrieb der Abbaugasse. Über deren Ursprung sind wir uns bislang nicht einig geworden, gefunden haben wir sie jedenfalls auf der obersten Abbaugasse im Gang 59 unmittelbar nordwestlich des Schurfs 57-1-1.

  

Die farbigen Markierungen der Radiometristen entstammen oft erst einer Nacherkundung. Eigentlich sollten diese Bereiche noch ausgehauen werden. Diese Arbeit war unter der Belegschaft aber verpönt, weil man hier weniger verdienen konnte: Erzprämie gab es wenig, auch Vortriebsleistung fiel ja kaum noch an. Deshalb findet man mancherorts noch solche Markierungen ‒ hier in Raschau allerdings haben wir auf den gewältigten Sohlen nicht eine einzige mehr wiedergefunden.

  

Die vertikalen Abstände der Hauptsohlen unterhalb der Stollnsohle lagen, wie meist üblich, auch hier bei zirka 60 m. Dazwischen lagen im Abstand von etwa 30 m Abbausohlen. Die Stollnsohle wurde als „Horizont 1“ bezeichnet, lag bei zirka +447 m Höhe etwa 8 m oberhalb der Talsohle und war nach den vorliegenden Sohlengrundrissen nur über abgebaute Gangbereiche und einige Gesenke und Blindschächte auf die tieferen, von den Schächten 257 und 319 aus aufgefahrenen Sohlen durchschlägig. Im Nordteil (Gang 57a), wo das Gelände zum Emmlerweg hin ansteigt, wurde (vom System etwas abweichend) knapp 40 m höher (+486 m) zusätzlich ein „Horizont 0“ aufgefahren.

Nach und nach wurde der Nordteil der Lagerstätte „August“ auf diese Weise durch fünf Hauptsohlen (1. bis 5. Sohle, die 0. Sohle gab es nur im Nordostfeld und war eigentlich eine Zwischensohle) sowie drei Zwischensohlen (1½, 2½ und 3½ Sohle, die 4½. Zwischensohle gab es nur im Südwestfeld und umfaßte keine bedeutende Streckenlänge) erschlossen und ausgerichtet. Bis 1.1.1953 wurden dabei insgesamt 60,0 km Strecken vorgetrieben. Davon galten 35,6 km als Ausrichtung. Dabei ist aber zu beachten, daß von den bis zu diesem Zeitpunkt im Umfang von 5,4 km aufgefahrenen geologischen Erkundungsbauen ein Teil Doppelcharakter trägt und somit auch der Vorrichtung zugerechnet werden kann (Chronik der Wismut).

Nachdem die Stollnflügel auf den Gangstrecken herangebracht waren, begann man 1950 dann von diesen ausgehend den Abbau im Firstenstoßbau von der Grundstrecke aus nach oben. Wo die Erzführung geringer war, erfolgte auch weiterhin selektive Gewinnung durch die „Etagenstrecken“ mit Kontrollbohrungen. Der Abbau dieser tagesnahen Blöcke war im wesentlichen bis Ende 1951 bereits abgeschlossen.

Insgesamt sind auf 21 Gängen 100 Blöcke bebaut worden, davon 61 Blöcke im Firstenstoßbau und 39 Blöcke in weniger vererzten Bereichen nur im Etagenstreckenabbau. Nicht alle diese Blöcke wurden aber – fehlender Vererzung halber – komplett bis zur nächsten Sohle durchgebaut. Hauptgänge waren der Gang 57, auf dem allein schon 23 Firstenstoßbau- und weitere 3 Etagenstreckenblöcke in Betrieb gestanden haben, sowie der Gang 58, auf dem 11 Firstenstoßbau- und 3 Etagenstreckenblöcke abgebaut worden sind.

Um diese Leistungen in dem doch begrenzten Zeitraum zu vollbringen, waren bei der Schachtverwaltung 257 (Stand 1. Januar 1953) 385 Beschäftigte angestellt, davon 263 untertage, und von diesen 61 ausgebildete Hauer. Der Schachtverwaltung 257 standen insgesamt 377 Hunte (mit je 0,65 m³ Fassungsvermögen) und 12 Elektroloks (Batterieloks vom Typ „Metallist“) für 600 mm- Gleis zur Verfügung. Außerdem waren 8 Pumpstationen in Betrieb, um die Grubenwässer in den Tiefbauen unterhalb der Stollnsohle niederzuhalten (Chronik der Wismut).

 


Schematischer Lageplan zu den Grubenbauen der Wismut nordwestlich von Raschau. Auf dem südlichen Talhang setzten die Stolln 5 und 6 sowie der Schacht 278 an. Sie waren auf den tieferen Sohlen zur nördlichen Revierabteilung durchschlägig. Nordöstlich am Knochen haben auch die Alten schon gegraben und mit Stolln aus dem Tal heraus Wasserlösung angestrebt.

    


Wir versuchen hier, die überlieferten Saigerrisse zu den Gängen 57 und 57a anhand des Sohlengrundrisses der 1. Sohle (Stollnsohle) einmal räumlich zu veranschaulichen. Zum Gang 59 gibt es leider keinen Saigerriß. Die grau schraffierten Flächen markieren die abgebauten Blöcke entlang der drei genannten Gänge. Der Gang 57 gilt als derjenige mit dem größten Ausbringen innerhalb der Lagerstätte. Die Scharkreuze mit den Gängen 57a und 59 erweisen sich wohl als besonders gut vererzt. Die Abbaublöcke reichten hier bis zur 2. Sohle hinunter - tiefer erfolgte nur noch Erkundung durch Gangstrecken und Überhauen, ohne dabei weitere bauwürdige Gangbereiche aufzufinden.

Das Raumbild zum Gang 58/305.

  

Die nach Ende des Abbaus insgesamt gelöschte Gangfläche von 163.869 m² wies eine mittlere Produktivität von 0,134 kg/m² auf. Insgesamt wurden im Revier „August“ 22,01 t Uran gewonnen, die sich folgendermaßen auf die Betriebsjahre und auf die einzelnen Sohlen verteilten:
  
Jahr
 
Ausbringen
(kg Uran)
1949-50 6.428
1951 4.450
1952 4.239
1953 5.261
1954 2.102
Gesamt 22.480

   

Sohle
 
Gangfläche
(m²)
Ausbringen
(kg Uran)
Produktivität
(kg/m²)
1. Sohle 77.350 12.232 0,158
2. Sohle 52.350 3.007 0,057
3. Sohle 17.470 2.943 0,169
4. Sohle 7.030 1.676

0,238

5. Sohle 1.920 2 0,001
Gesamt   19.860  

  

Für den Anteil der Gewinnung im Rahmen der Erkundung von der Tagesoberfläche aus liegen keine Angaben vor.

Daß die beiden Summen in diesen Tabellen untereinander und von der oben genannten Fördermenge abweichen, liegt an verschiedenen Transport- und Aufbereitungsverlusten. Tatsächlich erlaubte die radiometrische Kontrolle die Bestimmung der tatsächlichen Gehalte des Erzes an Uranmetall. Die aus dem Erz letztlich gewinnbare Menge ist dagegen immer geringer, als diese Angabe, da die Lösungsgleichgewichte der naßchemischen Aufbereitung nie ein vollständiges Ausbringen ermöglichen.

Interessant ist auch die Angabe in der Chronik der Wismut, daß die Gehalte an gelöstem Uran im gehobenen Wasser während des aktiven Abbaus 0,18–0,36 mg/l betragen haben, die Radonaktivität der Wässer belief sich auf 32–682,5 ME (Mache- Einheiten). Diese Werte wurden auf eine Vielzahl nicht abgebauter Armerz- Gänge zurückgeführt.

Die nach dem österreichischen Physiker Heinrich Mache benannte „Mache-Einheit“ (Kürzel ,ME‘ oder ,M.E.‘) war vor allem in der Bäderheilkunde zur Angabe der Radon-Aktivität in Quellwässern und Luft gebräuchlich. 1985 wurde sie durch die SI- gerechte Einheit Becquerel pro Liter abgelöst und wird heute kaum noch verwendet. 1 ME entspricht zirka 13,5 Bq/l (wikipedia.de).

Im Zeitraum der Planung und Ausführung der Verwahrungsarbeiten, sowohl am Gang 57/57a, als auch später am Gang 58, wurden allerdings weder Wasseraustritte an den Mundlöchern der Stollen 1 bis 4 am nördlichen Hang des Mittweidatales beobachtet, noch bei der Aufwältigung untertage nennenswerte Wasserzuläufe festgestellt. Auch in einem Fahrbericht aus den 1960er Jahren zum Stolln 3 (vor deren Freigabe zum Einspülen der Heizungsasche durch den damaligen VEB Pappen- und Kartonagenwerk Raschau) heißt es: „Im Grubenbau wurden keine Wasser erschroten, lediglich im vorderen Bereich sind durch zusitzende Oberflächenwässer kleinere Wasserpfützen vorhanden.“

Dies dürfte damit in Zusammenhang stehen, daß die Gesteinsgrenze zwischen den monotonen Glimmerschiefern im Westen zum „Emmler- Quarzit“ im Osten wahrscheinlich schieferungsparallel in östliche Richtung einfällt. Oberflächennah zirkulierende Sickerwässer werden daher im tagesnahen Untergrund vorzugsweise in Richtung des Schichteinfallens – folglich von den Grubenbauen des Erkundungsreviers „August“ weg – nach Osten abgeleitet.

  

Am 1. Dezember 1953 wurde das Objekt 08 aufgelöst und die Schachtverwaltung 257 dem Objekt 07 (Niederschlag) unterstellt. In den Jahren 1953 und 1957 erfolgten noch Erkundungsarbeiten im Umfeld der Lagerstätte, die Gewinnungsarbeiten blieben jedoch seit 1954 eingestellt.

Auch das Objekt 07 wurde am 1. Juni 1955 wieder aufgelöst und die Schachtverwaltung 257 nun dem Objekt 01 (Johanngeorgenstadt) zugeschlagen. Im eigentlichen Revier erfolgten aber nur noch Demontage- und Verwahrungsarbeiten.

    


Auch in den Reliefbildern vom Geoportal.Sachsen ist das Bergbaugebiet und die entlang des Gangstreichens aufgereihten Tagesbrüche deutlich zu erkennen gewesen. Diese Aufnahme entstand noch vor dem Beginn der Sanierung der Bergschäden. Inzwischen sind einige der Pingen aus der Landschaft verschwunden.

Das Reliefbild im Jahr 2020.

 

 

 

Die Übertagesituation

Die nördliche Abteilung des ehemaligen Erkundungsreviers erstreckte sich über den Hang des Mittweidatals nordwestlich von Raschau. Der südliche Teil umfaßte Teile der Ortslage Grünstädtel. Von der Bundesstraße 101 aus fallen auf Höhe der Tankstelle am Ortseingang in Richtung Schwarzenberg noch immer die beiden Schachthalden südlich und nördlich am Talhang ins Auge.

Die Stollen, Halden und Schürfe befanden sich innerhalb eines Waldgebietes, das sich in Privatbesitz befindet. Der westliche Teil gehört bereits zur Gemarkung Wildenau und befindet sich im Eigentum der Stadt Schwarzenberg. Die Haldenfläche des Schachts 257 befindet sich im Eigentum der Gemeinde Raschau-Markersbach und wurde – wie oben schon gesagt – vor der Wende als Hausmülldeponie nachgenutzt.

Der Bereich des Gangzuges 57/57a umfaßte zahlreiche Tagesbrüche unterschiedlicher Dimension. Der Durchmesser der – häufig im Streichen des Ganges elliptisch gestreckten oder entlang durchgebrochener Abbaue gänzlich unregelmäßig geformten – Tagesbrüche schwankte zwischen 4 m und 20 m, die Tiefe lag zwischen 1 m und >10 m. Zwischen den Tagesbrüchen bestanden Haldenreste und Schurfgräben, wodurch das Oberflächenrelief stark wellig ausgebildet war. Völlig analog stellte sich der Ausbißbereich des Gangs 58 vor Beginn der Sanierung dar.

Das Gebiet befindet sich in nur geringer Entfernung zum bebauten Gebiet der Ortslagen Raschau und Grünstädtel und war aufgrund der nur in größeren Zeitabständen kontrollierten und ggf. reparierten Einzäunung der Schadstellen für Anwohner, Spaziergänger und Wanderer im Wesentlichen ungehindert zugänglich.

Kurz zusammengefaßt: Vielleicht nicht vordringlicher Sanierungsbedarf, aber kann man so nicht lassen. Und nach der Erweiterung des Verwaltungsabkommens für die Sanierung der Wismut-Altstandorte wurde auch dieses Revier im Jahr 2013 in Angriff genommen.

Gleich vorab seien an dieser Stelle aber ein paar Fakten für Mineraliensammler und andere Neugierige noch mal unterstrichen:

Erstens sind die bisher noch nicht fertig sanierten Tagesbrüche wirklich saugefährlich - das zeigen vielleicht einige der folgenden Fotos vom Zustand vorher. Auch wenn die Absperrungen einiger noch nicht sanierter Schadstellen mancherorts lange nicht erneuert wurden und man bis an die Bruchkante heran kommt: Laßt es !

Zweitens gab es außer ganz viel Müll und ganz wenig und ziemlich verrosteter Ausrüstung absolut nichts zu finden. Es lohnt sich also wirklich gar nicht, sich hier selbst und andere zu gefährden.

Drittens sei darauf hingewiesen, daß die Großväter hier nicht grundlos gesucht haben: Zumindest im ersten Bauzeitraum 2012 bis 2014 kam jede Menge Radon aus den Schächten und der Bergsicherungsbetrieb brauchte eine doppelte Lüfteranlage, Wetterklappen auf den Schächten und drückende Frischwetterversorgung, um hier überhaupt untertage arbeiten zu können. Auch das sollte man sich nicht unnötig antun.

Und nicht zuletzt: Das Waldstück ist zum großen Teil privater Grund und Boden.

Deshalb haben wir im Folgenden Fotos von der Aufwältigung und Verwahrung zum Anschauen zusammengestellt ‒ das jedenfalls ist völlig ungefährlich.

     


Die Zufahrt zum Schacht 319 führte hinter der Halde des Schachts 257 vorbei und ist hier noch gut zu erkennen.
   


Spazierte man hier hangaufwärts durch den Wald, fiel man fast in diese "erwachsenen" Pingen (diese hier auf dem Gang 58).
  


Sogar Reste der zum Teil nur wenige Meter unter der Oberfläche verlaufenden Etagenstrecken waren in manchen Bruchstößen noch erkennbar.
 


Direkt am nordwestlichen Haldenfuß des Schachts 257 lag die Pinge auf dem Schurf 57-1-2 auf Gang 57. Im Bild der Zustand vor der Verwahrung.
 


Auch vor der Verwahrung: Die Pinge auf Schurf 57-1-1/2.
 


Oberhalb des Wegs nahmen die Pingen auch auf Gang 57 wieder sehr beeindruckende Ausmaße an (hier der Bereich der Schürfe 57-1-1/3 und 57-1-3). Die überhängenden Bruchkanten verdeutlichen - glaub ich - auch Nichtfachleuten: Von diesen Brüchen hält man sich lieber respektvoll fern und überläßt die Sanierung Fachleuten. Wie viel darunter noch hohl war, zeigen die weiter unten folgenden Fotos.
  


Davon gab´s noch mehr: Weiter hangaufwärts lag die Pinge auf dem Schurf 57-1-3/5.  
   


Auch diese auf dem Überhaun 19 auf Gang 57a war leerstehend und nur mit großer Vorsicht zu genießen...  
  


Die alte und weiter westlich stark verwachsene Zufahrt zu den Stollen verläuft noch immer über die am Talhang angeschüttete Stollnhalde. Das Gebäude im Bild gehörte zur einstigen Kompressorenstation.
      


Über die an der Böschungskante noch heute sichtbaren Rohre hat die einstige Pappenfabrik in den 1970er und 1980er Jahren die Asche ihrer Heizungsanlage in die Stollen gepumpt.
 


Quer am Talhang finden sich noch Reste der Pumpleitungen sowie alter Druckluftleitungen. Die Stollnmundlöcher sind verwahrt (Nummer 2 und 3), die beiden anderen waren zu diesem Zeitpunkt nur noch für Fledermäuse brauchbar...

 

 

 

Schurf 57-1-1

Irgendwo mußte ein Anfang gemacht werden. Den bildete der Schurf 57-1-1, weil er so heißt und weil er so schön in der Mitte und direkt an der Zufahrt lag...

Die Bezeichnung der Schürfe erscheint ziemlich ungewöhnlich, ist ähnlich aber auch in anderen Erkundungsgebieten aus der Zeit um 1950 (z. B. im Erkundungsrevier „April in Ehrenzipfel) zu finden. Die erste Zahl nennt natürlich den bebauten Gang und die zweite Zahl die Sohle, von der der Abbau ausging. Die Tiefschürfe gingen natürlich von der Tagesoberfläche aus und man hätte sie daher eigentlich 57-0-1 nennen müssen. Aber letztlich wurde der Abbau ja von untertage nach oben aufgefahren, so daß man wohl auch den Tiefschürfen die Nummer der 1. Sohle gegeben hat. Vielleicht merkte man später schon irgendwann, daß die Abstände der Tiefschürfe gegenüber den Abständen der geplanten Überhauen zu groß geraten wären und fügte deshalb zwischen die Schürfe 57-1-1 und 57-1-2 noch einen Schurf 57-1-½ ein. Nach Nordwesten setzt sich diese Bezeichnung der Schürfe ebenso fort: Es folgten die 57-1-⅓ zwischen Schurf 1 und 3, danach die 57-1-3, weiter nordwestlich die 57-1-5, dazwischen allerdings nicht die Nummer 57-1-1/5, sondern die 57-1-3/5...

Bei den Gesenken und Blindschächten untertage benannte die dritte Zahl eigentlich die Sohlen, welche der Schacht verband: Das Gesenk I-1/1,5 etwa lag neben dem Stolln 1 und verband die erste und die halberste Sohle miteinander. Bei den Tiefschürfen übertage benutzte man die dritte Zahl dagegen zur Kennzeichnung, daß dieser Schurf lateral zwischen den beiden anderen mit der ganzzahligen Nummer angesetzt war. Wissen muß man dazu auch, daß die ersten Untersuchungen und das Absenken der Tiefschürfe noch durch das Objekt 23 ausgeführt worden sind, die ihre eigene Systematik verwendet haben.

Systematischer wurde es, als durch das Objekt 12 die Stollnörter herangebracht waren: Wie üblich, bekam nun die Gangstrecke vom Schnittpunkt mit dem Stolln 1 nach rechts die Nummer 57-1-2 und die nach links führende Strecke die Nummer 57-1-1. Die Überhauen auf der Gangstrecke 57 bekamen beginnend am Streckenkreuz dann folgerichtig die geraden Nummern 2, 4, 6 usw. nach Südosten und die ungeraden Nummern 3, 5, 7 usw. nach Nordwesten. Dadurch paßte dann allerdings die Überhauenbezeichnung nicht mehr so richtig zur Schurfnummerierung: So ist Schurf 57-1-2 auf das Überhauen 4 durchschlägig, der Schurf 57-1-½ auf das Überhaun 2, Schurf 57-1-1/3 auf das Überhauen 3, Schurf 57-1-3 dann auf Überhauen 5 usw. Nur der Schurf 57-1-1 genau in der Mitte traf gerade auch auf das Überhaun 1 von der Gangstrecke 57-1-1 auf der 1. (Stolln-) Sohle.

Ein ziemlich komplexes und auf den ersten Blick undurchsichtiges Benennungs- System, das eigentlich nur Adepten vertraut gewesen sein kann. Aber da die Geheimhaltung nicht nur bei der Wismut ‒ aber da ganz besonders ‒ ja Grundprinzip der DDR hinsichtlich der eigenen Rohstoffvorräte gewesen ist, war diese komplizierte Benennung vielleicht auch Absicht. Freilich hat jeder gewußt, daß dieses Unternehmen nicht nach Wismuterz gesucht hat. Aber so abstrus es heute klingen mag: Ich habe es während meines Studiums noch selbst erlebt, daß in einem Artikel über die Uranerzlagerstätten im Osten Deutschlands in den Clausthaler Forschungsheften, die man in der Bibliothek der Bergakademie ausleihen konnte, die Zahlenangaben zu den mittleren Uran- Gehalten im Erz geschwärzt gewesen sind. Wir durften die nicht lesen, obwohl sie doch der „Klassenfeind“ schon kannte ?  Kaum noch vorstellbar, aber war halt so...

Wie wir erst nach und nach während der Aufwältigung der Tagesbrüche wieder herausgefunden haben, trafen im Bereich zwischen den Schürfen 57-1-3 und 57-1-1 außerdem auch noch Abbaue und Überhauen von der Gangstrecke 59-1-1 aus auf die Schürfe von Übertage. Im Nordwesten kam dann die Abspaltung der Gangstrecke 57a und die obere „Sohle 0“ noch hinzu. Dort wurden dann auch die Tiefschürfe mit den Nummern 57-0-1 oder auch 58-0/0-1 usw. benannt. Muß man erstmal wieder dahinter kommen... Aber hilft ja nichts. Es mußte ausgebuddelt werden, um es aufräumen zu können.

Wie es dann wirklich aussah, kann man sich hier anschauen.


Das war der Plan (Skizze des im Folgenden beschriebenen Bereiches anhand der überlieferten Saigerrisse): Die südöstlichen drei Überhauen bzw. Tiefschürfe sollten zuerst verwahrt werden, damit anschließend auch die Deponie und die Halde angegangen werden können. Weil er am nächsten an der Zufahrt lag, sollte es mit Schurf 57-1-1 losgehen. (Die Strecke 100a ist eigentlich mit "Str.57-0-1-100a" bezeichnet, aber wir kürzen es in der Grafik ein wenig ab.)
   


Hmmm. Die Pinge sah erst gar nicht so groß aus, aber hier steht kein Stein mehr auf dem anderen...
  


Wo soll man hier eine Arbeitsbühne auflegen ??  Da kann man schon mal ins Grübeln kommen. Das Hangende war völlig in die Schurfkontur hinein verbrochen. An der Schurfböschung gegenüber konnte man gerade noch die Kontur des tonnlägigen Schurfschachtes erahnen...
 


Gut - alles bissel größer geworden, als geplant, aber nun konnte es endlich losgehen...
  


Die Bühne und das Dreibein stehen...
   


Aber auch hier unten hielt das Gebirge erst mal gar nicht mehr und mußte mit Vertikalgetriebe abgefangen werden. Das wiederum mußte durch einen Berg Müll geschlagen werden...
   


Aus dem Müll wurde immerhin auch ein "bergmännisches" Fundstück gefischt.
 


Daß der durchgebaute Block nordwestlich nicht mehr aufrecht steht, war ja anhand der Grubenrisse zu erwarten...
  


Inzwischen schon recht eindrucksvoll: Der Bergsicherungsbetrieb hat rund 20 m nach unten aufgewältigt und das Niveau der Etagenstrecke 200b erreicht. Die nach dem Saigerriss erwarteten Etagenstrecken 200e und 200d allerdings waren nicht zu finden... So, wie das Gebirge aussah, lag zu diesem Zeitpunkt noch die Vermutung nahe, daß sie wohl komplett zubruchgegangen wären.
 


Die Strecke 200b dagegen ging von hier in Richtung des mittleren Schurfes nach Südosten weg.
 


Auffällig das Gestein an deren Firste: Das ist kein Glimmerschiefer, sondern ein konkordant eingeschalteter Mikrobasit, also ein basisches Ganggestein, auch Kersantit genannt.
  


Sonst aber völlig untypisch: Würde man nicht wissen, daß hier die AG/SDAG Wismut gearbeitet hat, könnte man das Streckenprofil eher für einen Alten Mann halten...

  

 

 

Vom Schurf 57-1-1 nach Nordwesten...

Bis hier hin stimmte noch der Plan...

 


Ein bißchen tiefer als auf dem Riß dargestellt, sonst aber an der richtigen Stelle gefunden: Der Zustand der Grundstrecke 57-0-1-100a nach Nordwesten.
 


Stand nicht mehr viel davon.
 


Rund 25 m nordwestlich wurde dann hinter der dritten Rolle auf der Strecke 57-0-1-100a - dem unbezeichneten Schurf von übertage auf unserem Schema oben - erreicht. Hier stand doch tatsächlich... (Foto J. Stark)
  

...noch ein Hunt unter den Resten der Rollenschnauze! (Foto J. Stark)
  

Der Hunt von der Seite. (Foto J. Stark)
   

Noch einmal die ganze Situation: Der Verschluß der Rolle war natürlich längst gebrochen und das Material aus der Rolle heraus und in den Hunt gerutscht - nur ausgefördert hat ihn keiner mehr... (Foto J. Stark)
  


Das haben die Bergleute der BTOe dann nachgeholt... Hier sieht man noch ein paar Reste der Rollenschnauze nach der Bergung des Huntes.
  


Und nun am Tageslicht...
   


Noch ein echter Stirnkipper aus den 1940er Jahren...

   

 

 

Vom Schurf 57-1-1 auf der „Parallelstrecke“ nach Nordwesten

Von diesem Punkt an begannen sich nun aber die Überraschungen zu häufen. Es war alles etwas anders, als nach den Rißunterlagen zu vermuten war.

 


Das Streckenauge auf dem Saigerriß hätte eigentlich mißtrauisch machen müssen: Parallel hinter der Strecke 57-0-1-100a verlief noch eine zweite. Auch die wieder mit einem völlig Wismut-untypischen Profil - nur eine Abbaugasse und selbst in der konnte man sich kaum drehen... 
 


Entgegen des Saigerrisses war diese Strecke aber nicht nach oben durchgebaut und hatte mit dem von Übertage aus durchgebauten Gangabschnitt nichts zu tun. Dafür war hier eine Rolle nach unten drin.
 


Der Blick nach unten in die Rolle: Upps - die steht ja auf knapp 10 m Teufe leer... Erst ganz unten lag noch ein Rest der nicht mehr abgezogenen Masse.
  


Dahinter war aber noch nicht Schluß. Wir stehen hier nun schon im Liegenden des Schurfes 57-1-3.
   


Hier zu arbeiten, machte wirklich keinen Spaß. Ist man von Wismut-Altbergbau nicht gewohnt...
 


Die ziemlich langen und dicken Bohrpfeifen belegten eindeutig, daß hier die Wismut gebaut hat.
 


Rund 40 m weiter kam die nächste Überraschung: Hinter diesem Stoßverzug hier...
 


...öffnete sich das nächste Überhauen. Blick nach oben: Rund 8 m Höhe bei knapp 3 m² Profil standen offen.
  


Nach unten - soweit man sehen konnte - nochmals rund 6 m offen. Bis auf die morschen Reste von Ausbau und Fahrung.
   


Upps - denkste. Das Überhauen knickte um zirka 35° im Einfallen ab und es ging nach unten nochmal rund 15 m weiter !
   


Der Anblick des Überhauens von ganz unten. Nach der Vermessung war nun klar, daß wir hier knapp oberhalb der Stollnsohle auf der Strecke 59-1-1 standen. Dieses Überhauen hatte vor Beginn keiner auf dem Schirm...

 


Anhand unseres Raumbildes oben können wir gut illustrieren, daß dieses Ü.3, Strecke 59-1-1, unmittelbar nordwestlich der Scharung mit dem Gang 57 angesetzt war. Die Gangstrecke 57-1-1 "umging" vom Kreuz mit dem Stolln 1 aus zunächst noch den Sicherheitspfeiler des auf die nächste Zwischensohle hinab führenden Gesenkes 
I-1/1,5, bevor sie sich wieder nach Westen von der Gangstrecke 59-1-1 trennte.

 

 

 

Im Schurf 57-1-1 weiter abwärts...

Der Plan war gut. Eigentlich sollte von hier aus die Abbaugasse bis zum Schurf 57-1-2 gewältigt, mit einem bewehrten Betonriegel stabilisiert und dann die Baue darüber angebohrt und verpreßt werden. Das hätte nach unten abgedichtet und obendrüber wäre auch alles wieder standsicher gewesen.

 


Jetzt ist die Untersuchungsteufe auf dem Schurf 57-1-1 im Niveau der Abbaugasse von 1951 angekommen...
 


Beim Anblick der Abbaugasse hinüber zum mittleren Schurf mußte man allerdings wieder ins Grübeln kommen.
 


Ein Bruchschuppen voller Sargdeckel - was sag ich, hier hängen ganze Schrankwände quer !  Gut - gegangen wäre alles. Aber dann wäre wohl ein Stahlwerk für den Ausbau nötig gewesen und der Bergsicherungsbetrieb würde wahrscheinlich heute immer noch dort buddeln...
 

 

 

Neuer Versuch im Schurf 57-1-1/2

So weit so gut. Es wurde schon mal viel mehr „Hohles“ gefunden, als eigentlich vermutet wurde aber das Unterfahren aller drei Schürfe vom ersten ausgehend war technisch einfach zu aufwendig, zu langwierig und damit zu teuer. Es mußte ein zweiter Zugriffspunkt her: Auf dem mittleren Schurf wurde deshalb eine weitere Teufe niedergebracht.

   


Ein zweiter Schacht...
 


Aus der Vorteufe heraus ein Blick in die Strecke 200e - hoppla, die ist ja doch noch da ?
Kaum 4 m unter der Oberfläche, aber nach ein paar Metern wirklich zubruchgegangen... Also sind die tagesnahen Strecken nun platt oder nicht ?!
 


Kaum zwei Meter tiefer lag auch die Strecke 200d - und die war noch komplett offen, schon eher "wismuttypisch" und aufrecht fahrbar.
  


Sie wurde ziemlich schnurgerade nach Nordwesten in Richtung auf Schurf 57-1-1 aufgefahren...
   


...aber sie traf den Schurf nicht ! Nach rund 31 m Vortrieb hatten die Großväter an dieser Stelle wohl gemerkt, daß die Hämmer der Kollegen in ihrem Rücken klingelten.... Kann ja mal vorkommen.
   


Inzwischen auch ganz eindrucksvoll: Auch mit Teufe 2 ist das Niveau der Strecke 200b erreicht.
 


Da kam sie ein - aber "von hinten" und aus dem hangenden Stoß ??
 


Keine Frage: Da drüben in der Strecke 200b waren wir schon vom Schurf 57-1-1 aus drin. 


Wenigstens die Abbaugasse lag wieder an der richtigen Stelle.
  


Von hier aus wurde nun durchgebaut bis unter den dritten Schurf. Allerdings war auch hier viel mehr hohl, als vorher gedacht. In diesem "Dom" über der Abbaugasse ist vielleicht ein Teil der 22 t Uran drin gewesen, die in der Lagerstätte "August" gefördert wurden...
 


Daß wir unter dem Schurf 57-1-2 angekommen sind, erkennt man leider sofort am Müllhaufen. Was in so eine Pinge aber auch alles rein ging. Wer zum Teufel hat seinen Müll auf den Berg geschleppt, um ihn hier heimlich zu versenken ?!
 


Gott sei Dank: Endlich wieder fester Fels ! Das Ende ist erreicht und hier stimmte auch der Riss wieder.

 

   

 

Nur noch eine halbe Teufe: Schurf 57-1-2

So langsam lichtete sich jetzt das Bild, was die Alten hier eigentlich getrieben haben. Wie es schon die Vorfahren getan haben, haben sie auch 1949 auf den anhand der Emanations- Kartierungen ausgehaltenen Gangstrukturen von Übertage angefangen und zuerst die Tiefschürfe abgesenkt – wohl direkt aus Schurfgräben heraus und ganz ähnlich wie in anderen Erkundungsgebieten auch (z. B. in Sehmatal).

Allerdings scheinen die überlieferten Saigerrisse eher "Gedächtnisskizzen" zu sein, denn wesentliche Teile des Risswerks der Schachtverwaltung 257 sind bei einem Brand der zentralen Markscheiderei 1953 vernichtet worden. So schön systematisch, wie man es beim – doch sonst schon sehr "modernen" – Wismut-Bergbau und nach den Saigerrissen vermutet hätte, ging es hier also offenbar denn doch nicht zu. Oder vielleicht doch, aber anders als gedacht, weil die bebaute geologische Struktur etwas komplizierter aufgebaut war.

Tatsächlich baute man hier nämlich nicht auf nur einem Erzgang, sondern auf einer ganzen Fiederspaltenzone, zu der weiter nordwestlich auch noch der Gang 57a und südöstlich der Gang 59 gehört. Nur die Strecken 57-0-1-100a und 200b folgten davon unabhängig einem Mikrobasit- Gang mit gleicher Streichrichtung, aber ebenfalls verdreht in Richtung der anderen Fiederspalten.

Vermutlich hatte man 1949 nun jeden der Tiefschürfe mit einer „Brigade“ belegt und beauftragt, vielleicht der Systematik halber, die aufgeschlossenen „Gänge“ jeweils vom Schurf ausgehend nach Nordwesten zu verfolgen. Das hätte sicherlich auch gut geklappt, wenn es sich tatsächlich um nur einen Gang gehandelt hätte. So aber hatte jede Brigade eine andere Spalte erwischt, mußte deshalb ja woanders ankommen und hörte irgendwann die Bohrhämmer der Kollegen in ihrem Rücken...

Nur die Strecke 200b muß man abweichend davon vom Schurf 57-1-1 aus nach Südosten vorgetrieben haben, denn es ist die einzige, die im Hangenden des benachbarten Schurfs wirklich ankam außerdem auch die einzige, die man nachträglich mit einem kurzen Querschlag an beide angrenzenden Schürfe angebunden hatte.

Vermutlich ist dasselbe dann später nochmals in vertikaler Richtung eingetreten, als 1950 die Stollnörter und Gangstrecken auf der Sohle 1 herangebracht waren und man begann, die Gänge von unten her im Firstenstoßbau abzubauen. So unterfuhren die Baue von der Strecke 59-1-1 die Abbaublöcke auf der 57-1-1 und trafen ausgerechnet im Schurf 57-1-1 bzw. Überhauen 1 alle zusammen. Im Nachgang erwies sich der 2013 zuerst gewählte Angriffspunkt somit als der ungeeignetste. Aber hinter der Hacke ist´s halt auch heute noch duster.

Tatsächlich wurde dann mit Erkundungsbohrungen auch noch die Strecke 200c mit gerade einmal noch 6,5 m Bergefeste in der – zugegebenermaßen erst jetzt – erwarteten und vom Riß weit abweichenden Lage angetroffen. Unmittelbar vor dem Haldenfuß waren es kaum noch 4 m Bergefeste. Und da die Sanierung der Schachthalde gewiß nicht mit Schippe und Multicar gemacht wird, kam am Ende dann doch auch noch eine dritte „Teufe“ dazu...

Vorher sah es einfacher aus. Man kann hier noch mal zurückblättern.
  
   


Langsam wurde es klar, was unsere Großväter hier getrieben haben: So also ist es wirklich gewesen. Der Schurf 57-1-1 saß gerade auf dem Gangkreuz der Gänge 57 und 59. Am Ende war auch der Mehraufwand bei der Sanierung begründet: Mit der ursprünglichen Technologie wäre es unmöglich gewesen, die tagesnahen Strecken alle aufzufinden - die ja irgendwie ein bißchen anders verliefen, als gedacht.
 


Um es vielleicht noch etwas anschaulicher zu machen, hier ein – allerdings stark schematisierter - Grundriß. Der hangende (südwestliche) Gesteinsblock hat sich vermutlich auf dem Liegenden nach Nordwesten verschoben und dabei die Fiederspalten (eine Art "Groß- Flexuren") aufgerissen.

Die Farbgebung der Strecken soll deren unterschiedliche Höhenlage im Fallen der Störungszone kennzeichnen: rot: "Ganz oben", blau: Niveau der Strecken 200c und 200d, grün: Strecken 200a und 200b, schwarz: Strecke 57-0-1-100a, schwarz unterbrochen: Stollnsohle. Von der Stollnsohle ausgehend wurden ab 1950/51 schließlich noch die Abbaublöcke zwischen den Überhaun nach oben aufgefahren. Die von uns so bezeichnete "Parallelstrecke" war eigentlich die oberste Abbaugasse auf einem Block oberhalb der Gangstrecke 59-1-1. Daß die "Brigaden" auf den Tiefschürfen 1949 alle auf verschiedenen, parallel streichenden Trümern bauten, konnten unsere Großväter ja nicht vorher wissen...

  


Zeigen wir also noch, was im dritten Tagesbruch vorgefunden wurde: Die Bohrungen hatten inzwischen nachgewiesen, daß auch die Strecke 200c noch offen war. Also mußte nun doch noch eine dritte "Teufe" her. Die wurde aber gleich mit dem Bagger gemacht und nur noch rund 5 m tief.
 


Mal so gesprochen: Wismutbergbau sieht eigentlich anders aus...
 


Ab und zu konnte man sich mal aufrichten und die Füße für den Rückweg auf die andere Seite drehen.
 


Immerhin fand sich hier, rund 25 m vom Schurf 57-1-2 entfernt und - natürlich - am mittleren Schurf weit vorbei gefahren, wenigstens einmal der Anschnitt eines Trümchens mit ein bißchen Hämatit und Braunstein in der Firste.
 


Und gucke da: Auch die Strecke 200a war dort unten noch da.
 


Erwähnten wir schon: Das ist kein wismuttypisches Streckenprofil...
Blick aus der Strecke 200a zum Schurf 57-1-2.
  


Und in die Gegenrichtung nach Nordwesten.
 


Man hatte offenbar die herausgeschossenen Berge gar nicht erst ausgefördert - war wohl kein Erz drin.
 


An der Endschaft knickt die Strecke 200a nach Westen ab - man hatte hier wohl auch gemerkt, daß man vorbei gefahren ist und versucht, den Durchschlag auf den Schurf 57-1-1/2 herzustellen. Wirklich durchgeschlagen auf beide angrenzenden Schürfe war aber allein die Strecke 200b.
 


Jetzt haben wir endlich alles. Eigentlich war am Ende ja alles vorhanden, was auf dem Riß dargestellt gewesen ist. Nun konnte der Beton kommen.
 


Zum Schluß wurde natürlich alles wieder begradigt und der Wald geharkt...
 


...und in ein paar Jahren wachsen hier wieder Bäume.

  

     

 

Noch nicht das Schlußwort...

  

Die „Lagerstätte August“ gehörte zu denjenigen Erkundungsrevieren, die dem Objekt 08 angegliedert waren und in denen noch bis 1957 parallel zum Erzabbau nach weiteren Uranerzvorkommen gesucht wurde. Offenbar saß man hier in Raschau am Nordhang des Knochens aber vor allem zerrütteten und daher permeablen Störungszonen auf, die Aufstiegswege für Radon boten und dadurch Anomalien der Alpha- Strahlung in der Bodenluft an der Oberfläche verursachten. Primärerze wurden dagegen eher in bescheidenem Umfang gefunden. Hinterher wissen wir Nachgeborenen natürlich viel mehr über die geologischen Strukturen und können leicht über die Fehler unserer Altvorderen lächeln.

Bis zur Einstellung des Abbaus wurde aus der Lagerstätte „August“ bei Raschau Erz mit einem Gehalt von zirka 22 t Uranmetall gefördert. Man sollte noch dazu erwähnen, daß davon das spaltbare Uran- Isotop 235U gerade einmal 0,7% ausmacht. Diese Zahlen erscheinen in Anbetracht des dafür betriebenen bergmännisch- technischen Aufwands ziemlich erbärmlich... Daß ein derartiger Aufwand für ein paar wenige Tonnen Uran überhaupt getrieben wurde, ist nur mit der „strategischen“ Rolle dieses Metalls zu erklären.

Und wenn es auch während der Sanierung nicht so aussah: Bei aller Wirrnis der Anfangsjahre als noch niemand *) eine derartige, systematische Erkundung auf Uranerze durchgeführt hatte gingen auch unsere Großväter nach einem Plan vor. Wir kannten den nur nicht mehr.

Mein kleiner Beitrag soll diesmal neben dem letzten Einblick in dieses Grubengebäude und in die Vorgehensweise bei der Uranerzerkundung und Gewinnung Anfang der 1950er Jahre auch Erläuterung bieten, warum die Sanierung solcher Bergschäden sehr zeitaufwendig und damit teuer werden kann.

Am Ende sind aber auch hier nun ein paar der Narben, die der Raubbau der Anfangsjahre der Umwelt geschlagen hat, wieder beseitigt.

Glück Auf !

J. B.

  

Zur Fortsetzung der Sanierung der Schadstellen am Gang 58

   

*) Eine Anmerkung ist dazu vonnöten: "Niemand" ist so nämlich nicht ganz zutreffend. Mit der Entdeckung der Radioaktivität 1896, der Elemente Radium und Polonium 1898 und dem resultierenden Aufschwung der Erzförderung im böhmischen St. Joachimsthal wuchsen auch im damaligen Königreich Sachsen die Begehrlichkeiten. Bereits Anfang des 20. Jahrhunderts wurde deshalb der Professor der Bergakademie Carl Schiffner beauftragt, nach Uranerzvorkommen und radioaktiven Quellen im sächsischen Teil des Erzgebirges zu suchen. Ein paar Grundlagen für die Uranerzprospektion gab es also auch vor 1945 schon.

Viele der physikalischen, chemischen und geologischen Zusammenhänge bei der Uranerzablagerung wurden aber tatsächlich erst im Rahmen der Erkundung durch die AG/SDAG Wismut erforscht.

    

   

 

Weiterführende Quellen

        Allgemeine Quellen

  1. Geologische Karte, Blatt No 137: Section Schwarzenberg-Aue, Ausgabe 1896

  2. Wismut GmbH: Chronik der Wismut, digitale Ausgabe, 2003
      
     
    Bergarchiv Freiberg
       

  3. Bestand 40073 (Bergschadenkundliche Analysen), Nr. 1-39: BSA Raschau, VEB Baugrund Berlin, dat. 1977

  4. Ebenda, Nr. 2-945 bis 2-975: Anlagen zur BSA Raschau, darin insbesondere Blatt 24.4

  5. Ebenda, Nr. 1-76: BSA Schwarzenberg- Henneberg, Bergbehörde Karl- Marx- Stadt, dat. 1982

  6. Ebenda, Nr. 2-1806 bis 2-1857: Anlagen zur BSA Schwarzenberg- Henneberg, darin insbesondere Blatt 4.2 
     
     
    Archiv des Sächsischen Oberbergamts
      

  7. Altrisswerk der AG/SDAG Wismut, ehemalige Schachtverwaltung 257:

  • Archiv- Nr. 930: Sohlengrundriß „Horizont 0“ bzw. „Sohle 0“, zirka 486 m NN;

  • Archiv- Nr. 931 und 932: zwei Platten Sohlengrundrisse des „1. Horizont“ bzw. „Sohle 1“,
    zirka 447 m NN;

  • Archiv- Nr. 972: Saigerriß Gg. 57; sowie

  • Archiv- Nr. 984: Saigerriß Gg. 57a

       

 

 

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