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Ein Beitrag von www.unbekannter-bergbau.de

Erstellt November 2014, letzte Aktualisierung Februar 2017.

Wir bedanken uns für die Unterstützung bei der Erstellung dieses Beitrages beim Bauherrn, dem Projektträger Altstandorte der Wismut GmbH, beim bauausführenden Unternehmen BTOe GmbH, sowie bei der Bauleitung durch das Ingenieurbüro TABERG-Ost GmbH.

Sie können diesen Beitrag auf dem Recherchestand vom November 2014 vom Qucosa-Server der Sächsischen Landes- und Universitätsbibliothek Dresden im PDF-Format herunterladen.

http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bsz:14-qucosa2-78890

  

Ein Einblick in die "wilden Jahre" der SAG Wismut:
Die Lagerstätte "August" bei Raschau 
 
 

Es wäre längst vergessen gewesen, daß auch hier die damalige SAG/SDAG Wismut nach Uranerz gesucht hat. Aber weil die Großväter auf die Verwahrung ihrer Hinterlassenschaften wenig Zeit verschwendet haben (oder es aufgrund der Abkommandierung zum nächsten Schacht auch gar nicht besser machen konnten), brachten sich auch nördlich von Grunstädtel ihre Erkundungsarbeiten nach und nach wieder in Erinnerung, als die Reste der Schurfschächte immer neue Pingen verursachten und der oberflächennahe Abbau beeindruckende Tagesbrüche auslöste.

Dieses Erkundungsgebiet wurde als "Lagerstätte August" bezeichnet und mangels weiterer Erfolgsaussichten 1954 eingestellt. Bereits vor 1963 waren die genutzten Flächen an die Gemeinden zurück übertragen. Daher gehört es zu den "Altstandorten" der Wismut.

  


Wer auf dem Weg von Scheibenberg nach Schwarzenberg entlang der B 101 darauf achtet, entdeckt sie noch: Hält man am Sportplatz in Raschau einmal an und läuft ein wenig bergauf, bekommt man beim Blick in Richtung Westen diesen Überblick über das ehemalige Erkundungrevier. Links am Talhang oberhalb der Häuser von Grünstädtel die bereits abgeflachte und begrünte Halde des Schachs 278 - in ein paar Jahren wird man sie gar nicht mehr als Halde erkennen. Rechts gegenüber am Waldrand die noch unsanierte Halde des Schachts 257.

  

Die beiden Hauptschächte auf der Nordseite der Großen Mittweida, Schacht 257 und Schacht 319, sowie der Schacht 278 auf der Südseite wurden bereits in den 1970er Jahren verplombt. In die Stollen 1 bis 4 spülte danach die benachbarte Papierfabrik die Asche ihrer Heizungsanlage ein. Auf der Halde legte die Gemeinde Raschau eine Hausmülldeponie an. Dabei landete wie so oft anderswo auch bedauerlicherweise viel Müll in den umliegenden Pingen.

Im Zuge der Verlängerung des Verwaltungsabkommens zur Sanierung der Wismut-Altstandorte 2013 konnte dann auch mit der Sanierung der Tagesbrüche auf den Gängen 57, 57a und 58 begonnen werden. Priorität besaßen dabei die Brüche unmittelbar an der Schachthalde, damit anschließend auch die Deponie und die Schachthalde saniert werden konnten.

Dabei kam - zumindest auf den ersten Blick - ein ziemliches "Durcheinander" zutage, was die Sanierungsarbeiten immer wieder verzögerte. Erst am Ende der Aufwältigung ergab sich dann doch wieder ein Bild, welchen Plan die Großväter hier verfolgt haben. Auch vor deren Hacke war es anfangs ja ziemlich duster... Wir wollen im Folgenden ein wenig davon zeigen, was vorgefunden wurde und erläutern, wie unsere Großväter bei der bergmännischen Erkundung der Lagerstätte vorgegangen sind.

Zugegebenermaßen: 2013 wußte das niemand mehr.

 

Ein erster Überblick

Wie an anderen Stellen auch, untersuchte die SAG die alten Bergbaureviere gründlich nach Uranerzen. Im unmittelbaren Umfeld der im Weiteren beschriebenen Sanierungsarbeiten sind auch hier wenigstens drei Stollen des historischen Erzbergbaus namentlich bekannt und mit erheblichen Einschränkungen hinsichtlich der Lagegenauigkeit risskundig. Dabei handelt es sich um:

  • den Wagler Stolln, östlich des Gangs 58 (außerhalb des Sanierungsgebietes),

  • den Engelsburger Stolln, welcher etwa im Streichen des Gangs 57 im Tal der Großen Mittweida ansetzte sowie 

  • die Glücksburg Stolln am Gegenhang der Mittweida.

Über Entstehung und Betriebszeiten dieser Gruben konnten noch keine Angaben recherchiert werden. Vielleicht schickt uns ein Ortschronist dazu gelegentlich einmal Ergänzungen zu unserem Beitrag. Die Chronik der Wismut erwähnt jedenfalls mehrfach, daß „Gruben des Altbergbaus teilweise aufgewältigt und in die Voruntersuchung einbezogen wurden.“ Inwiefern das auch auf diese Stollen zutrifft, ist unbekannt. Auch nördlich und weiter östlich des Erkundungsreviers findet man noch kleine Halden des vorangegangenen Altbergbaus.

Die Schachtverwaltung 257 in Raschau wurde im Juli 1949 gegründet. Sie umfaßte einen nördlichen und einen südlichen Teil, welche morphologisch durch das Tal der Großen Mittweida und geologisch durch die herzynisch streichende Raschauer Störung voneinander getrennt waren.

Die hier ausgebildeten hydrothermalen Gänge streichen vorwiegend flach in NW-SO-Richtung mit wechselndem Einfallen (meist nach SW) und erreichen eine laterale und vertikale Erstreckung von bis zu 300 m. Im nördlichen Teil wiesen aber nur drei Gänge (Gang 57, Gang 58 und Gang 305) eine bauwürdige Uranerzführung auf. Wie die Saigerrisse zeigten, wurden bauwürdige Vererzungen hauptsächlich in unmittelbarer Tagesnähe angetroffen und mehrere Blöcke von Übertage bzw. von der Stollnsohle ausgehend abgebaut.

Bereits ab 1949 und bis 1950 wurden Erkundungsschürfe tonnlägig im Einfallen der kartierten Gänge von Übertage niedergebracht. Anhand der in die Blockkarten eingetragenen Jahreszahlen der Löschung der Gangflächen ist nachvollziehbar, daß der Gangflächenabbau im Bereich der Schürfe anfangs nur von Übertage aus in die Tiefe erfolgt ist. Insgesamt wurden auf den beiden Gängen 57 und 58 elf Tiefschürfe abgeteuft. Im Gangstreichen wurden von den Tiefschürfen ausgehend "Etagenstrecken" aufgefahren, von denen aus die Erzführung erkundet wurde und auf denen auch schon Abbau erfolgte.

Nach und nach wurde dann der Nordteil der Lagerstätte "August" durch vier Hauptsohlen sowie drei Zwischensohlen ausgerichtet. Die Sohlenabstände unterhalb der Stollnsohle lagen um 29 m. Die Stollnsohle wurde als „Sohle 1“ bezeichnet, lag bei zirka +447 m Höhe etwa 8 m oberhalb der Talsohle und war nach den vorliegenden Altrissen nur über abgebaute Gangbereiche auf die tieferen, von den Schächten 257 und 319 aus aufgefahrenen Sohlen durchschlägig. Im Nordwestteil (Gang 57a), wo das Gelände zum Emmlerweg hin ansteigt, wurde zirka 40 m höher (+486 m) zusätzlich eine „Sohle 0“ aufgefahren.

Nachdem die Stollnflügel auf den Gangstrecken herangebracht wareb, begann man 1950 bis 1951 dann von diesen ausgehend den Abbau im Firstenstoßbau von der Grundstrecke aus nach oben.

 


Schematischer Lageplan zu den Grubenbauen der Wismut nordwestlich von Raschau. Auf dem südlichen Talhang setzten die Stolln 5 und 6 sowie der Schacht 278 an. Sie waren auf den tieferen Sohlen zur nördlichen Revierabteilung durchschlägig. Nordöstlich am Knochen haben auch die Alten schon gegraben und mit Stolln aus dem Tal heraus Wasserlösung angestrebt.

   


Auch in den Reliefbildern vom Geoportal.Sachsen ist das Bergbaugebiet deutlich zu erkennen. Diese Aufnahme entstand noch vor dem Beginn der Sanierung der Bergschäden. Inzwischen sind einige der Pingen aus der Landschaft verschwunden.

 

 

 

Die Übertagesituation

Die nördliche Abteilung des ehemaligen Erkundungsgebiets erstreckte sich über den Hang des Mittweidatals nordwestlich von Raschau. Der südliche Teil umfaßte Teile der Ortslage Grünstädtel. Von der Bundesstraße 101 aus fallen auf Höhe der Tankstelle am Ortseingang in Richtung Schwarzenberg noch immer die beiden Schachthalden südlich und nördlich am Talhang ins Auge.

Die Stollen, Halden und Schürfe befanden sich innerhalb eines Waldgebietes, das sich in Privatbesitz befindet. Der westliche Teil gehört bereits zur Gemarkung Wildenau und befindet sich im Eigentum der Stadt Schwarzenberg. Die Haldenfläche des Schachts 257 befindet sich im Eigentum der Gemeinde Raschau-Markersbach und wurde - wie oben schon gesagt - vor der Wende als Hausmülldeponie nachgenutzt.

Der Bereich des Gangzuges 57/57a umfaßte zahlreiche Tagesbrüche unterschiedlicher Dimension. Der Durchmesser der - häufig im Streichen des Ganges elliptisch gestreckten oder entlang durchgebrochener Abbaue gänzlich unregelmäßig geformten - Tagesbrüche schwankte zwischen 4 m und 20 m, die Tiefe lag zwischen 1 m und >10 m. Zwischen den Tagesbrüchen bestanden Haldenreste und Schurfgräben, wodurch das Oberflächenrelief stark wellig ausgebildet war. Völlig analog war der Ausbißbereich des Gangs 58 ausgebildet.

Das Gebiet befindet sich in nur geringer Entfernung zum bebauten Gebiet der Ortslagen Raschau und Grünstädtel und war aufgrund der nur in größeren Zeitabständen kontrollierten und ggf. reparierten Einzäunung der Schadstellen für Anwohner, Spaziergänger und Wanderer im Wesentlichen ungehindert zugänglich.

Kurz zusammengefaßt: Vielleicht nicht vordringlicher Sanierungsbedarf, aber kann man so nicht lassen. Und nach der Erweiterung des Verwaltungsabkommens für die Sanierung der Wismut-Altstandorte wurde auch dieses Revier im Jahr 2013 in Angriff genommen.

Gleich vorab seien an dieser Stelle aber ein paar Fakten für Mineraliensammler und andere Neugierige noch mal unterstrichen:

Erstens sind die bisher noch nicht fertig sanierten Tagesbrüche wirklich saugefährlich - das zeigen vielleicht einige der folgenden Fotos vom Zustand vorher. Auch wenn die Absperrungen einiger noch nicht sanierter Schadstellen mancherorts lange nicht erneuert wurden und man bis an die Bruchkante heran kommt: Laßt es !

Zweitens gab es außer ganz viel Müll und ganz wenig und ziemlich verrosteter Ausrüstung absolut nichts zu finden. Es lohnt sich also wirklich gar nicht, sich hier selbst und andere zu gefährden.

Drittens sei darauf hingewiesen, daß die Großväter hier nicht grundlos gegraben haben: Zumindest kam jede Menge Radon aus den Schächten und der Bergsicherungsbetrieb brauchte eine doppelte Lüfteranlage, Wetterklappen auf den Schächten und drückende Frischwetterversorgung, um hier überhaupt untertage arbeiten zu können. Auch das sollte man sich nicht unnötig antun.

Und nicht zuletzt: Das Waldstück ist zum großen Teil privater Grund und Boden.

Deshalb haben wir im Folgenden Fotos von der Aufwältigung und Verwahrung zum Anschauen zusammengestellt - das jedenfalls ist völlig ungefährlich.

     


Die Zufahrt zum Schacht 319 führte hinter der Halde des Schachts 257 vorbei und ist hier noch gut zu erkennen.
   


Spazierte man hier hangaufwärts durch den Wald, fiel man fast in diese "erwachsenen" Pingen (diese hier auf dem Gang 58).
  


Reste der Etagenstrecken waren in manchen Bruchstößen noch erkennbar.
 


Direkt am nordwestlichen Haldenfuß des Schachts 257 lag die Pinge auf dem Schurf 57-1-2 auf Gang 57. Im Bild der Zustand vor der Verwahrung.
 


Auch vor der Verwahrung: Die Pinge auf Schurf 57-1-1/2.
 


Oberhalb des Wegs nahmen die Pingen auch auf Gang 57 wieder sehr beeindruckende Ausmaße an (hier der Bereich der Schürfe 57-1-1/3 und 57-1-3). Die überhängenden Bruchkanten verdeutlichen - glaub ich - auch Nichtfachleuten: Von diesen Brüchen hält man sich lieber respektvoll fern und überläßt die Sanierung Fachleuten. Wie viel darunter noch hohl war, zeigen die weiter unten folgenden Fotos.
  


Davon gab´s noch mehr: Weiter hangaufwärts lag die Pinge auf dem Schurf 57-1-3/5.  
   


Auch diese auf dem Überhaun 19 auf Gang 57a war leerstehend und nur mit großer Vorsicht zu genießen...  
  


Die alte und weiter westlich stark verwachsene Zufahrt zu den Stollen verläuft noch immer über die am Talhang angeschüttete Stollnhalde. Das Gebäude im Bild gehörte zur einstigen Kompressorenstation.
      


Über die an der Böschung noch sichtbaren Rohre hat die einstige Pappenfabrik die Asche ihrer Heizungsanlage in die Stollen gepumpt.
 


Quer am Talhang finden sich noch Reste der Pumpleitungen sowie alter Druckluftleitungen. Die Stollnmundlöcher sind verwahrt (Nummer 2 und 3), die beiden anderen sind nur noch für Fledermäuse brauchbar...

 

 

 

"Schurf 57-1-1"

Irgendwo mußte ein Anfang gemacht werden. Den bildete der Schurf 57-1-1, weil er so heißt und weil er so schön in der Mitte und direkt an der Zufahrt lag...

Die Bezeichnung der Schürfe erscheint ungewöhnlich, ist ähnlich aber auch in anderen Erkundungsgebieten aus der Zeit um 1950 (z. B. in Ehrenzipfel) zu finden. Vielleicht fand man irgendwann, daß die Abstände zu groß geraten wären und fügte deshalb zwischen die Schürfe 57-1-1 und 57-1-2 den Schurf 57-1-1/2 ein. Nach Nordwesten setzt sich diese Bezeichnung der Schürfe ebenso fort: Es folgten die 57-1-1/3, danach die 57-1-3, weiter nordwestlich die 57-1-5, dazwischen allerdings nicht die Nummer 57-1-1/5, sondern die 57-1-3/5...

Systematischer wurde es erst, als die Stollnörter herangebracht waren: Jetzt bekamen die Überhauen auf der Gangstrecke 57 vom Schnittpunkt mit dem Stolln 1 ausgehend die geraden Nummern 2 bis 6 nach Südosten und die ungeraden Nummern 3, 5, 7 usw. nach Nordwesten. Dadurch paßte die Überhauenbezeichnung aber nicht mehr so richtig zur Schurfnummerierung. So ist Schurf 57-1-2 auf das Überhauen 4 durchschlägig, Schurf 57-1-1/3 auf das Überhauen 3, Schurf 57-1-3 dann auf Überhauen 5. Das schuf zusätzliche Verwirrung und war vielleicht sogar Absicht - schließlich war das alles zu dieser Zeit ganz fürchterlich geheim.

Wie wir erst nach und nach wieder herausgefunden haben, trafen im Bereich zwischen den Schürfen 57-1-3 und 57-1-1 außerdem auch noch Abbaue und Überhauen von der Gangstrecke 59-1-2 aus auf die Schürfe von Übertage. Im Nordwesten kam dann die Abspaltung der Gangstrecke 57a und die obere "Sohle 0" noch hinzu. Schönes Durcheinander... Aber hilft nichts. Es mußte ausgebuddelt werden.

Wie es dann wirklich aussah, kann man sich hier anschauen.


Das war der Plan (Skizze des im Folgenden beschriebenen Bereiches anhand der überlieferten Saigerrisse): Die südöstlichen drei Überhauen bzw. Tiefschürfe sollten zuerst verwahrt werden, damit anschließend auch die Deponie und die Halde angegangen werden können. Weil er am nächsten an der Zufahrt lag, sollte es mit Schurf 57-1-1 losgehen. (Die Strecke 100a ist eigentlich mit "Str.57-0-1-100a" bezeichnet, aber wir kürzen es ein wenig ab.)
   


Hmmm. Die Pinge sah erst gar nicht so groß aus, aber hier steht kein Stein mehr auf dem anderen...
  


Wo soll man hier eine Arbeitsbühne auflegen ??  Da kann man schon mal ins Grübeln kommen. Das Hangende war völlig in die Schurfkontur hinein verbrochen. An der Schurfböschung gegenüber konnte man gerade noch die Kontur des tonnlägigen Schurfschachtes erahnen...
 


Gut - alles bissel größer geworden, als geplant, aber nun konnte es endlich losgehen...
  


Die Bühne und das Dreibein stehen...
   


Aber auch hier unten hielt das Gebirge erst mal gar nicht mehr und mußte mit Vertikalgetriebe abgefangen werden. Das wiederum mußte durch einen Berg Müll geschlagen werden...
   


Aus dem Müll wurde immerhin ein "bergmännisches" Fundstück gefischt.
 


Daß der durchgebaute Block nordwestlich nicht mehr aufrecht steht, war ja anhand der Grubenrisse zu erwarten...
  


Inzwischen schon recht eindrucksvoll: Der Bergsicherungsbetrieb hat sich rund 20 m nach unten gegraben und das Niveau der Etagenstrecke 200b erreicht. Die nach dem Saigerriss erwarteten Etagenstrecken 200e und 200d allerdings waren nicht zu finden... So, wie das Gebirge aussah, lag zu diesem Zeitpunkt noch die Vermutung nahe, daß sie wohl komplett zubruchgegangen wären.
 


Die Strecke 200b dagegen ging von hier in Richtung des mittleren Schurfes nach Südosten weg.
 


Auffällig das Gestein an deren Firste: Das ist kein Glimmerschiefer, sondern ein konkordant eingeschalteter Mikrobasit, also ein basisches Ganggestein.
  


Sonst aber völlig untypisch: Würde man nicht wissen, daß hier die SAG gegraben hat, könnte man das Streckenprofil eher für einen Alten Mann halten...

  

 

 

Vom Schurf 57-1-1 nach Nordwesten...

Bis hier hin stimmte noch der Plan...

 


Ein bißchen tiefer als auf dem Riss dargestellt, sonst aber an der richtigen Stelle gefunden: Der Zustand der Grundstrecke 57-0-1-100a nach Nordwesten.
 


Stand nicht mehr viel davon.
 


Rund 25 m nordwestlich wurde dann hinter der dritten Rolle auf der Strecke 57-0-1-100a - dem unbezeichneten Schurf von übertage auf unserem Schema oben - erreicht. Hier sieht man noch ein paar Reste der Rollenschnauze.
  


Dort stand noch dieses Fundstück unter der Rolle und wurde geborgen.
   


Noch ein echter "Vorderlader" aus den 1940er Jahren...

   

 

 

Vom Schurf 57-1-1 auf der "Parallelstrecke" nach Nordwesten

Von diesem Punkt an begannen sich nun aber die Überraschungen zu häufen. Es war alles etwas anders, als nach den Rißunterlagen zu vermuten war.

 


Das Streckenauge auf dem Saigerriss hätte eigentlich mißtrauisch machen müssen: Parallel hinter der Strecke 57-0-1-100a verlief noch eine zweite. Auch die wieder mit einem völlig Wismut-untypischen Profil - nur eine Abbaugasse und selbst in der konnte man sich kaum drehen... 
 


Entgegen des Saigerrisses war diese Strecke aber nicht nach oben durchgebaut und hatte mit dem von Übertage aus durchgebauten Gangabschnitt nichts zu tun. Dafür war hier eine Rolle nach unten drin.
 


Der Blick nach unten in die Rolle: Upps - die steht ja auf knapp 10 m Teufe leer... Erst ganz unten lag noch ein Rest der nicht mehr abgezogenen Masse.
  


Dahinter war aber noch nicht Schluss und so langsam geraten wir hier nun schon ins Liegende des Schurfes 57-1-3.
   


Hier zu arbeiten, machte wirklich keinen Spaß. Ist man von Wismut-Altbergbau nicht gewohnt...
 


Die ziemlich langen und dicken Bohrpfeifen belegten eindeutig, daß hier die SAG gebaut hat.
 


Rund 40 m weiter kam die nächste Überraschung: Hinter diesem Stoßverzug hier...
 


...öffnete sich das nächste Überhauen. Blick nach oben: Rund 8 m Höhe bei knapp 3 m² Profil standen offen.
  


Nach unten - soweit man sehen konnte - nochmals rund 6 m offen. Bis auf die morschen Reste von Ausbau und Fahrung.
   


Upps - denkste. Das Überhauen knickte um zirka 35° im Einfallen ab und nach unten ging es noch mal rund 15 m weiter !
   


Der Anblick des Überhauens von ganz unten. Nach der Vermessung war nun klar, daß wir hier knapp oberhalb der Strecke 59-1-1 auf der Stollnsohle standen. Dieses Überhauen hatte vor Beginn keiner auf dem Schirm...

 

 

 

Im Schurf 57-1-1 weiter abwärts...

Der Plan war gut. Eigentlich sollte von hier aus die Abbaugasse bis zum Schurf 57-1-2 durchörtert, mit einem bewehrten Betonriegel stabilisiert und dann die Baue darüber angebohrt und verpreßt werden. Das hätte nach unten abgedichtet und obendrüber wäre auch alles wieder standsicher gewesen.

 


Jetzt ist die Untersuchungsteufe auf dem Schurf 57-1-1 im Niveau der Abbaugasse von 1951 angekommen...
 


Beim Anblick der Abbaugasse hinüber zum mittleren Schurf mußte man allerdings wieder ins Grübeln kommen.
 


Ein Bruchschuppen voller Sargdeckel - was sag ich, hier hängen ganze Schrankwände quer !  Gut - gegangen wäre alles. Aber dann wäre wohl ein Stahlwerk für den Ausbau nötig gewesen und der Bergsicherungsbetrieb würde wahrscheinlich heute immer noch dort buddeln...
 

 

 

Neuer Versuch im "Schurf 57-1-1/2"

So weit so gut. Es wurde schon mal viel mehr "Hohles" gefunden, als eigentlich vermutet wurde - aber das Unterfahren aller drei Schürfe vom ersten ausgehend war technisch einfach zu aufwendig, zu langwierig und damit zu teuer. Es mußte ein zweiter Zugriffspunkt her: Auf dem mittleren Schurf wurde deshalb eine weitere Teufe niedergebracht.

   


Ein zweiter Schacht...
 


Aus der Vorteufe heraus ein Blick in die Strecke 200e - hoppla, die ist ja doch noch da ?
Kaum 4 m unter der Oberfläche, aber nach ein paar Metern wirklich zubruchgegangen... Also sind die tagesnahen Strecken nun platt oder nicht ?!
 


Kaum zwei Meter tiefer lag auch die Strecke 200d - und die war noch komplett offen und schon eher "wismuttypisch".
  


Sie wurde ziemlich schnurgerade nach Nordwesten in Richtung auf Schurf 57-1-1 aufgefahren...
   


...aber sie traf den Schurf nicht ! Nach rund 31 m Vortrieb hatten die Großväter an dieser Stelle wohl gemerkt, daß die Hämmer der Kollegen in ihrem Rücken klingelten.... Kann ja mal vorkommen.
   


Inzwischen auch ganz eindrucksvoll: Auch mit Teufe 2 ist das Niveau der Strecke 200b erreicht.
 


Da kam sie ein - aber "von hinten" und aus dem hangenden Stoß ??
 


Keine Frage: Da drüben in der Strecke 200b waren wir schon vom Schurf 57-1-1 aus drin. 


Wenigstens die Abbaugasse lag wieder an der richtigen Stelle.
  


Von hier aus wurde nun durchgebaut bis unter den dritten Schurf. Allerdings war auch hier viel mehr hohl, als vorher gedacht. In diesem "Dom" über der Abbaugasse ist vielleicht ein Teil der 22 t Uran drin gewesen, die in der Lagerstätte "August" gefördert wurden...
 


Daß wir unter dem Schurf 57-1-2 angekommen sind, erkennt man leider sofort am Müllhaufen. Was in so eine Pinge aber auch alles rein ging. Wer zum Teufel hat seinen Müll auf den Berg geschleppt, um ihn hier heimlich zu versenken ?!
 


Gott sei Dank: Endlich wieder fester Fels ! Das Ende ist erreicht und hier stimmte auch der Riss wieder.

 

   

 

Nur noch eine halbe Teufe: "Schurf 57-1-2"

So langsam lichtete sich jetzt das Bild, was die Alten hier eigentlich getrieben haben. Ganz offensichtlich haben sie anhand von Emanationskartierungen 1949 von Übertage angefangen und zuerst die Tiefschürfe abgesenkt - wohl direkt aus Schurfgräben heraus und ganz ähnlich wie in anderen Erkundungsgebieten auch (z.B. in Sehmatal).

Allerdings scheinen die überlieferten Saigerrisse eher "Gedächtnisskizzen" zu sein, denn wesentliche Teile des Risswerks der Schachtverwaltung 206, zu der auch die Revierabteilung des Schachts 257 gehörte, sind bei einem Brand 1953 vernichtet worden. So schön systematisch, wie man es beim - doch sonst schon sehr "modernen" - Wismut-Bergbau und nach den Saigerrissen vermutet hätte, ging es hier also offenbar denn doch nicht zu. Oder vielleicht doch, aber anders als gedacht, weil die bebaute geologische Struktur etwas komplizierter aufgebaut war.

Tatsächlich baute man hier nämlich nicht auf nur einem Erzgang, sondern auf einer ganzen Fiederspaltenzone, zu der weiter nordwestlich auch noch der Gang 57a gehört. Nur die Strecken 57-0-1-100a und 200b folgten davon unabhängig einem Mikrobasit-Gang - mit gleicher Streichrichtung, aber ebenfalls verdreht in Richtung der anderen Fiederspalten.

Vermutlich hatte man 1949 nun jeden der Tiefschürfe mit einer "Brigade" belegt und beauftragt, vielleicht der Systematik halber, die aufgeschlossenen "Gänge" jeweils vom Schurf ausgehend nach Nordwesten zu verfolgen. Das hätte auch gut geklappt, wenn es sich tatsächlich um nur einen Gang gehandelt hätte. So aber hatte jede Brigade eine andere Spalte erwischt, mußte deshalb ja woanders ankommen und hörte irgendwann die Bohrhämmer der Kollegen in ihrem Rücken...

Nur die Strecke 200b muß man abweichend davon vom Schurf 57-1-1 aus nach Südosten vorgetrieben haben, denn es ist die einzige, die im Hangenden des benachbarten Schurfs wirklich ankam - außerdem auch die einzige, die man nachträglich mit einem kurzen Querschlag an beide angrenzenden Schürfe angebunden hatte.

Vermutlich ist dasselbe dann später nochmals in vertikaler Richtung eingetreten, als 1950 die Stollnörter und Gangstrecken auf der Sohle 1 herangebracht waren und man begann, die Gänge von unten her im Firstenstoßbau abzubauen. So unterfuhren die Baue von der Strecke 59-1-1 die Abbaublöcke auf der 57-1-1 und trafen ausgerechnet im Schurf 57-1-1 bzw. Überhauen 1 alle zusammen. Im Nachgang erwies sich der 2013 zuerst gewählte Angriffspunkt somit als der ungeeignetste. Aber hinter der Hacke ist´s halt auch heute noch duster.

Tatsächlich wurde dann mit Erkundungsbohrungen auch noch die Strecke 200c mit nur 6,5 m Bergefeste in der - zugegebenermaßen erst jetzt - erwarteten und vom Riss weit abweichenden Lage angetroffen. Unmittelbar vor dem Haldenfuß waren es kaum noch 4 m Bergefeste. Und da die Sanierung der Schachthalde gewiß nicht mit Schippe und Multicar gemacht wird, kam am Ende dann doch auch noch eine dritte "Teufe" dazu...

Vorher sah es einfacher aus. Man kann hier noch mal zurückblättern.
  
   


Langsam wurde es klar, was unsere Großväter hier getrieben haben: So also ist es wirklich gewesen. Am Ende war auch der Mehraufwand begründet: Mit der ursprünglichen Technologie wäre es unmöglich gewesen, die tagesnahen Strecken alle aufzufinden - die ja doch irgendwie ein bißchen anders verliefen als gedacht.
 


Um es vielleicht noch etwas anschaulicher zu machen, hier ein – allerdings stark schematisierter - Grundriss. Der hangende (südwestliche) Gesteinsblock hat sich vermutlich auf dem Liegenden nach Nordwesten verschoben und dabei die Fiederspalten (eine Art "Groß- Flexuren") aufgerissen.
Die Farbgebung der Strecken soll die unterschiedliche Höhenlage im Fallen der Störungszone kennzeichnen: rot: "Ganz oben", blau: Niveau der Strecken 200c und 200d, grün: Strecken 200a und 200b, schwarz: Strecke 57-0-1-100a, schwarz unterbrochen: Stollnsohle. Von der Stollnsohle ausgehend wurden ab 1950/51 schließlich noch die Abbaublöcke zwischen den Überhaun nach oben aufgefahren. Die "Parallelstrecke" war eigentlich die oberste Abbaugasse auf einem Block oberhalb der Gangstrecke 59-1-1. Daß die "Brigaden" auf den Tiefschürfen 1949 alle auf verschiedenen, parallel streichenden Trümern bauten, konnten unsere Großväter ja nicht vorher wissen...

  


Zeigen wir also noch, was im dritten Tagesbruch vorgefunden wurde: Die Bohrungen hatten inzwischen nachgewiesen, daß auch die Strecke 200c noch offen war. Also mußte nun doch noch eine dritte "Teufe" her. Die wurde aber gleich mit dem Bagger gemacht und nur noch rund 5 m tief.
 


Mal so gesprochen: Wismutbergbau sieht eigentlich anders aus...
 


Ab und zu konnte man sich mal aufrichten und die Füße für den Rückweg auf die andere Seite drehen.
 


Immerhin fand sich hier, rund 25 m vom Schurf 57-1-2 entfernt und - natürlich - am mittleren Schurf weit vorbei gefahren, wenigstens einmal der Anschnitt eines Trümchens mit ein bißchen Hämatit und Braunstein in der Firste.
 


Und gucke da: Auch die Strecke 200a war dort unten noch da.
 


Erwähnten wir schon: Das ist kein wismuttypisches Streckenprofil... Blick aus der Strecke 200a zum Schurf 57-1-2.
  


Und in die Gegenrichtung nach Nordwesten.
 


Man hatte offenbar die herausgeschossenen Berge gar nicht erst ausgefördert - für Taubes gab´s schließlich keine Erzprämie.
 


An der Endschaft knickt die Strecke 200a nach Westen ab - man hatte hier wohl auch gemerkt, daß man vorbei gefahren ist und versucht, den Durchschlag auf den Schurf 57-1-1/2 herzustellen. Wirklich durchgeschlagen auf beide angrenzenden Schürfe war aber nur die Strecke 200b.
 


Jetzt haben wir endlich alles. Eigentlich war am Ende ja doch alles vorhanden, was auf dem Riß dargestellt gewesen ist. Nun konnte der Beton kommen.
 


Zum Schluß wurde natürlich alles wieder begradigt und der Wald geharkt...
 


...und in ein paar Jahren wachsen hier wieder Bäume.
 

 

  

Die "Lagerstätte August" gehörte zu denjenigen Erkundungsrevieren, die der Schachtverwaltung 206 angegliedert waren und in denen noch bis 1954 parallel nach weiteren Uranerzvorkommen gesucht und Erz abgebaut wurde. Offenbar saß man hier in Raschau am Hang des Knochens aber vor allem zerrütteten und daher permeablen Störungszonen auf, die Aufstiegswege für Radon boten und dadurch Anomalien der Alpha-Strahlung an der Oberfläche verursachten. Primärerze wurden dagegen nur in recht bescheidenem Umfang gefunden. Hinterher wissen wir Nachgeborenen natürlich viel mehr über die geologischen Strukturen und können leicht über die Fehler unserer Altvorderen lächeln.

Bis zur Einstellung des Abbaus wurde aus der Lagerstätte "August" bei Raschau - überwiegend direkt aus der Erkundung heraus - Erz mit einem Gehalt von zirka 22 t Uran gefördert. Diese Zahl erscheint in Anbetracht des dafür betriebenen Erkundungsaufwands ziemlich erbärmlich... Daß ein derartiger Aufwand für ein paar wenige Tonnen Uran überhaupt getrieben wurde, ist nur mit der "strategischen" Rolle dieses Metalls zu erklären.

Und wenn es auch während der Sanierung nicht so aussah: Bei aller Wirrnis der Anfangsjahre - als noch niemand *) eine derartige, systematische Erkundung auf Uranerze durchgeführt hatte - gingen auch unsere Großväter nach einem Plan vor. Wir kannten den nur nicht mehr.

Mein kleiner Beitrag soll diesmal neben dem letzten Einblick in dieses Grubengebäude und in die Vorgehensweise bei der Uranerzerkundung Anfang der 1950er Jahre auch Erläuterung bieten, warum die Sanierung solcher Bergschäden sehr zeitaufwendig und damit teuer werden kann.

Am Ende sind aber auch hier nun ein paar der Narben, die der Raubbau der Anfangsjahre der Umwelt geschlagen hat, wieder beseitigt.

Glück Auf !

J. B.

  

Weiterführende Literatur:

  • Geologische Karte, Blatt No 137: Section Schwarzenberg-Aue, Ausgabe 1896

  • Wismut-Chronik, digitale Ausgabe, 2003

  • BSA Raschau, Anlage 24.4

  • BSA Schwarzenberg, Anlage 4.2

  • Altrisswerk der SAG/SDAG Wismut, ehemalige Schachtverwaltung 206, Sächsisches Oberbergamt,
    Archiv- Nr.
    930 (Sohlengrundriss „Horizont“ bzw. „Sohle 0“, zirka 486 m NN);
    Archiv- Nr. 931/932 (Sohlengrundriss „1. Horizont“ bzw. „Sohle 1“, zirka 447 m NN);
    Archiv- Nr. 972 (Blockkarte Gg. 57);
    Archiv- Nr. 984 (Blockkarte Gg. 57a)

  

*) Eine Anmerkung ist dazu vonnöten: "Niemand" ist so nämlich nicht ganz zutreffend. Mit der Entdeckung der Radioaktivität 1896, der Elemente Radium und Polonium 1898 und dem resultierenden Aufschwung der Erzförderung im böhmischen St. Joachimsthal wuchsen auch im damaligen Königreich Sachsen die Begehrlichkeiten. Bereits Anfang des 20. Jahrhunderts wurde deshalb der Professor der Bergakademie Carl Schiffner beauftragt, nach Uranerzvorkommen und radioaktiven Quellen im sächsischen Teil des Erzgebirges zu suchen. Ein paar Grundlagen für die Uranerzprospektion gab es also auch vor 1945 schon.

Viele der physikalischen, chemischen und geologischen Zusammenhänge bei der Uranerzablagerung wurden aber tatsächlich erst im Rahmen der Erkundung durch die SAG/SDAG Wismut erforscht.

    

 

 

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