schließen

 

Ein Beitrag von www.unbekannter-bergbau.de

Erstellt April 2016, letzte Ergänzungen im August 2019 .

Sie können diesen Beitrag auf dem Recherchestand vom Oktober 2016 vom Qucosa-Server der Sächsischen Landes- und Universitätsbibliothek Dresden im PDF-Format herunterladen.

http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bsz:14-qucosa2-78807

Wir bedanken uns für die Unterstützung bei der Erstellung dieses Beitrages bei:

  • der Gemeindeverwaltung Klipphausen, sowie bei

  • Herrn E. Richter und Herrn G. Mehler, Klipphausen, sowie bei

  • Herrn U. Haubenreißer, Leipzig,

für die Unterstützung bei den Recherchen, zahlreiche Ergänzungen unseres ersten Textes sowie Bildbeiträge.
 

Zu Lage und Geschichte
Zur Geologie
Zu den bergrechtlichen Besonderheiten des Kalksteinbergbaus
Zum Abbau
Zur Verarbeitung 
Zu Produktion und Absatz
Zur Bergbaugeschichte
Altes Kalkwerk Miltitz (von Heynitz) 
Neues Kalkwerk Miltitz (Jurisch)
Kalkwerk Groitzsch (Kippe & Pietzsch)
Kalkwerke Schmiedewalde (Ranft und Geißler)
Kalkwerk Burkhardswalde (Töpolt, Schmutzler) 
Weitere Kalksteinvorkommen im unteren Triebischtal
Bergbauzeugnisse Übertage
Groitzsch
Schmiedewalde
Burkhardswalde
Miltitz
Untertage im Alten Kalkbergwerk Miltitz 
Unter Wasser im Alten Kalkbergwerk Miltitz  
Quellenauswahl

Teil 2: Bergbauzeugnisse zwischen Blankenstein und Braunsdorf
Ein Nachtrag zum Kalkabbau in Tharandt 

  

  
 

Zum Kalkbergbau im Nossen- Wilsdruffer Schiefergebirge: 
Teil 1: Von Miltitz bis Schmiedewalde

 

Zur Lage und Regionalgeschichte der Triebischtäler
 

Die Quelle der Großen Triebisch befindet sich im Tharandter Wald zwischen Klingenberg- Colmnitz und Grillenburg. Sie fließt in einem gewundenen und landschaftlich reizvollen Tal zunächst in nordwestliche, ab Rothschönberg dann in nordöstliche Richtung und mündet schließlich in Meißen in die Elbe. Bei Rothschönberg nimmt die Triebisch aus dem hier angesetzten Rothschönberger Stolln auch die Grubenwässer des Freiberger Bergbaureviers auf. Der Höhenunterschied zwischen der Fähre Gauernitz/Kötitz an der Elbe mit zirka 106 m NN und der als trigonometrischem Punkt bekannten, markanten Baeyerhöhe südlich von Taubenheim mit exakt 320,5 m HN im Südosten des Gemeindegebietes beträgt rund 214 m.

Das Tal der Großen Triebisch besitzt eine Gesamtlänge von zirka 37 km, das der Kleinen Triebisch nochmals rund 15 km – das ist zuviel für nur eine Tour...

Autofahrern ist noch immer der Abschnitt des „Tanneberger Lochs“ besonders bekannt, wo früher die Autobahn 4 das Tal durchquerte und heute drei Großbrücken die Täler überspannen. Den nehmen wir als Mittelpunkt und teilen auch unseren Beitrag in zwei Abschnitte auf. Zunächst nehmen wir uns den unteren Teil des Triebischtals von Rothschönberg aus vor. Er bildet ein steilwandiges, teils recht breites Sohlental. Von der Damm-Mühle unterhalb der Brücke der BAB 4 aus bis nach Miltitz sind es den Fluß entlang zirka 5,6 km.

 


Das Tal der Großen Triebisch bildet südlich von Rothschönberg ein tief eingeschnittenes, breites Sohlental. Die steilen Hänge konnten für Ackerbau nicht genutzt werden und sind bis heute mit Hangwäldern bedeckt. Im Bild die Autobahnbrücke auf Höhe der Damm- Mühle, mit einer Länge von 424 (Nordbrücke) beziehungsweise 427 Metern (Südbrücke) und einer Höhe von 50 Metern die größte der drei Brücken auf diesem Abschnitt.

  

Die Offenlandschaften zwischen Elbe und Saale besiedelten nach der Völkerwanderung etwa ab 600 n. C. slawische Stämme. In der fruchtbaren Lommatzscher Pflege war vorrangig der Stamm der Daleminzier ansässig. Der sogenannte „Burgser“ bei Robschütz, aber auch Wallreste bei Groitzsch sowie Doppelnamen wie Deutschenbora und Wendischbora zeugen noch heute von der slawischen Besiedlung.

Die Slawen wurden in der Schlacht bei Oschatz 929 n. C. von König Heinrich I. unterworfen. Zur Sicherung des eroberten Landes inmitten slawischen Gebietes begründete Heinrich im gleichen Jahr die Burg Meißen. Dies war die Geburtsstunde der Markgrafschaft Meißen und des heutigen Freistaats Sachsen.

   


 Eine anschauliche Übersicht zur Lage der Triebischtäler vermitteln uns die hochauflösenden Karten
vom
Geoportal Sachsen.

      

Um 1150 beginnt unter dem Wettiner Konrad dem Großen eine neue Phase der Rodung und Kolonisation des Landes zwischen Mulde und Elbe. Weil natürlich die Gegend zwischen der Burg Meißen einerseits, dem Hauskloster Altzella bei Nossen andererseits, vorallem aber dem für die markgräfliche Schatulle so bedeutsamen Freiberg im Süden das Kerngebiet der Markgrafschaft Meißen bildete, wurde es mit einem Netz von kleineren Schutzburgen gesichert, mitunter unter Ausnutzung früher slawischer Fluchtburgen. Zu diesen in dieser Kolonisationsphase angelegten Schutzburgen zählen in der Region zum Beispiel Taubenheim, Miltitz, sowie Scharfenberg.

Der Ort Taubenheim, im Tal der Kleinen Triebisch gelegen, wurde bereits 1186 mit der Nennung eines „Adelbertus de Duvenheim“ urkundlich erwähnt. Im Jahre 1269 taucht ein „Heinricus de Tvbenheim“ in Urkunden auf, der wie Adalbert zu den Urahnen des meißnischen Adelsgeschlechts von Taubenheim zählt. 1551 wird Taubenheim als ein altschriftsässiges Rittergut erwähnt. Die Herrschaft übte Erb- und Obergerichtsbarkeit über Teile von Brockwitz, Burkhardswalde, Röhrsdorf, Seeligstadt und Ulberndorf aus.

Von 1457 bis 1612 war Taubenheim im Besitz der Familie von Miltitz, nur unterbrochen in den Jahren 1514 und 1515, in denen Caspar von Ziegler als Besitzer nachweisbar ist. Im Jahr 1612 ging das Rittergut an die Familie von Erler über. Nach 1764 kam es mehrfach zu Besitzerwechseln. Um 1850 war das Gut im Besitz von Karl Gottlob Töpolt.

Miltitz ist der Hauptort im Tal der Großen Triebisch. Der Ort wird ebenfalls bereits in einer Urkunde aus dem Jahr 1186 als Herrensitz erwähnt. Wahrscheinlich geht der Ortsname auf einen slawischen Personennamen zurück, ebenso wie beim 1334 erstmals urkundlich genannten Ort Zcwoswicz - dem späteren Zwuschwitz, das auf der Hochfläche oberhalb von Miltitz lag. Beide Orte sind schon vor langer Zeit zusammengewachsen.  

1457 wird Miltitz als Ritterhof und 1551 als altschriftsässiges Rittergut erwähnt. Die Herrschaft Miltitz übte Erb- und Obergerichtsbarkeit aus. Nachweislich zählte Miltitz 1334 zum Amt Meißen und seit 1696 zum Erbamt Meißen. Im Jahr 1843 lag es im Zuständigkeitsbereich des Amtes Meißen. Seit 1856 unterstand es dem Gerichtsamt Meißen und ab 1875 der Amthauptmannschaft Meißen.  

Das Rittergut Miltitz ist auch Stammhaus der gleichnamigen Adelsfamilie. Das ausgedehnte Rittergut der Familie von Miltitz befand sich Im Oberdorf. Die Herren von Miltitz besaßen es aber nur bis zu Beginn des 17. Jahrhunderts. Dann ging es zunächst in den Besitz der Familie von Luckawen (Luckowien) über, der es rund ein Jahrhundert lang gehörte. Die Familie von Luckawen war schon länger mit der Familie von Heynitz liiert, denn bereits Christian von Heynitz (geboren um 1600) war mit Agnes Sophie von Luckowien verheiratet. Ab 1710 war das Rittergut im Besitz der Familie von Heynitz, der es um 1860 noch gehörte.

Berühmt ist der Edelkastanienhain an der Miltitzer Kirche – der wohl größte Edelkastanienhain nördlich der Alpen. Er soll der Legende nach bereits um 1100 durch den bekannten Meißner Bischof Benno angelegt worden sein. Die Miltitzer Kirche gibt es jedenfalls belegbar seit 1372. In ihrer heutigen barocken Form wurde sie von 1738 bis 1740 errichtet. 

 


Miltitz, Rittergut, Herrenhaus mit Dachreiter, Hofansicht, Foto: Paul Schulz, 1934, Bildquelle: deutsche Fotothek.

Link zur Originaldatei http://www.deutschefotothek.de/documents/obj/33086797

  

Für Rothschönberg wurde erstmals 1254 ein Herrensitz, 1392 ein Rittersitz, 1454 ein Vorwerk und 1551 ein altschriftsässiges Rittergut erwähnt. Die Herrschaft übte ebenfalls Erb- und Obergerichtsbarkeit aus.

Rothschönberg gilt als Stammsitz der Familie von Schönberg. Von 1254 bis 1945 waren Rittergut und Schloß im Besitz der Familie. Wie die Nachbarorte zählte Rothschönberg seit 1696 zum Erbamt Meißen. Im Jahr 1834 lag es im Zuständigkeitsbereich des Amtes Meißen. Seit 1856 unterstand der Ort dem Gerichtsamt Wilsdruff und ab 1875 wieder der Amthauptmannschaft Meißen.

Die von Schönberg sind eines der bedeutenden und weit verzweigten thüringisch-sächsischen Adelsgeschlechter, das sich genealogisch gesichert bis ins 13. Jahrhundert zurückverfolgen läßt. Angehörige der Familie bekleideten über Jahrhunderte hinweg hohe Staats- und Verwaltungspositionen, unter anderem als Bischöfe, Amtmänner und Minister. Zwischen 1542 und 1761 leiteten acht Mitglieder der Familie von Schönberg die sächsische Bergbauverwaltung als Berghauptmann bzw. Oberberghauptmann. 

Für Heynitz wurde erstmals 1334 ein Herrensitz und 1551 ein Rittergut erwähnt. Die Herrschaft übte Erb- und Obergerichtsbarkeit aus. Auch dieses Rittergut war altschriftsässig. Nachweislich zählte Heynitz 1378 zum castrum Meißen. Im Jahr 1547 wurde der Ort als zum Bezirk des Erbamtes Meißen gehörig ausgewiesen. Im Jahr 1843 zählte er zum Gebiet des Amtes Meißen. Seit 1856 unterstand der Ort Heynitz dem Gerichtsamt Meißen und ab 1875 der Amthauptmannschaft Meißen.

Das Rittergut Heynitz war von Anbeginn im Besitz der gleichnamigen Familie von Heynitz. Sie spielte nicht nur in der Region des unteren Triebischtales eine bedeutende Rolle. Das Geschlecht erscheint erstmals urkundlich am 21. Januar 1338 mit dem Ritter Nycolaus de Heynicz. Nach E. H. Kneschke, Deutsche Grafen-Häuser der Gegenwart, Leipzig, 1852, soll sogar schon 1318 ein Nicol von Heynitz als Vogt zu Hayn (heute Großenhain) und Ortrand in Erscheinung getreten sein. Die Familie von Heynitz gehörte seit dem 15. Jahrhundert im Hochstift Meißen zu den stiftsfähigen Familien und war über 600 Jahre lang, bis zur Enteignung 1945, im Besitz ihres Stammsitzes Schloß Heynitz. Im Jahr 2004 wurden das Schloß und die umliegenden Wirtschaftsgebäude von der Familie von Heynitz (Förderverein Schloß Heynitz e.V.) gemeinsam mit Familie von Watzdorf von der Gemeinde zurückgekauft.

  


Schloß Heynitz, Ansicht von Nordost, Foto: Paul Schulz, 1934, Bildquelle: Deutsche Fotothek.

Link zur Originaldatei http://www.deutschefotothek.de/documents/obj/33045726

 


Schloß Heynitz heute.

  

Die Familie von Heynitz umfaßte mehrere Linien und stellte hohe Bedienstete in mehreren Ländern, wie Braunschweig, Sachsen und Brandenburg-Preußen. Zu nennen ist in Sachsen insbesondere Friedrich Anton von Heynitz (*1725, †1802), welcher 1764 die Funktion des sächsischen Generalbergkomissars übernahm und gemeinsam mit Friedrich Wilhelm von Oppel die Gründung der Bergakademie zu Freiberg 1765 initiierte. Von 1777 bis 1802 war er Oberberghauptmann im Kgr.  Preußen.

Auf die Anregung von Carl Wilhelm Benno von Heynitz (*1738, †1801), Berghauptmann in Sachsen von 1789 bis 1801 und Kurator der Bergakademie Freiberg, geht außerdem die Einrichtung der Bergschule in Freiberg zurück, welche 1777 zunächst in einem Hörsaal der Bergakademie den Unterricht in den Fächern Religion, Schreiben, Rechnen und Geometrisches Zeichnen aufnahm. Nach Einstellung der staatlichen Gruben in Freiberg im Jahre 1913 konnten die Schüler der Bergschule aber nicht mehr hier praktisch unterrichtet werden und mußten zur Ausbildung in die Kohlenreviere Lugau-Oelsnitz oder in den Plauenschen Grund geschickt werden. Auch der Bedarf an Aufsichtspersonal für den Erzbergbau wurde zu dieser Zeit immer geringer. Daher verfügte das Finanzministerium 1921 die Schließung der Freiberger Bergschule zum 12. Juli 1924.

  


Im vormaligen von Oppel'schen Wohnhaus in der heutigen Akademiestraße in Freiberg wurde 1765 die Bergakademie gegründet. Heute befinden sich hier das Rektorat und die zentrale Verwaltung.
  

An der Ecke zur Nonnengasse erinnert eine Bronzetafel an die Begründer der Akademie.

  

Namensgebend für den Adolph Stolln in Miltitz war möglicherweise Christian Gottlob Adolph von Heynitz. Er wird im Band 4 des Vollständigen Staats-, Post- und Zeitungslexikons von Sachsen, erschienen 1817, für das Rittergut Heynitz als  ...der gegenwärtige Besitzer, seit Nicol von Heynitz der elfte dieses Stammes erwähnt; war jedoch selbst vermutlich auf Gut Dröschkau (heute Stadt Belgern, Landkreis Nordsachsen) ansässig, welches zur Erscheinungszeit dieses Bandes (nach dem Wiener Kongreß) aber nicht mehr zum Königreich Sachsen gehörte und daher darin keine Erwähnung findet. Ferner wird Christian Gottlob Adolph von Heynitz in der Jubelchronik der dritten kirchlichen Säkularfeier der Einführung der Reformation in Sachsen, erschienen 1841 in Grimma, genannt als „...der Kirchenpatron, Christian Gottlob Adolph von Heynitz auf Heynitz, Wunschwitz und Groitzsch...“  Die Güter Heynitz und Wunschwitz scheinen zu diesem Zeitpunkt verpachtet gewesen zu sein.

Weil Dröschkau nach dem Wiener Kongreß 1815 unter preußischer Oberhoheit stand, ist ein Teil der verbliebenen Urkunden zu diesem Familienzweig an das heutige Landesarchiv Sachsen-Anhalt übergegangen. Demnach ist das Gut Dröschkau infolge einer Heirat 1669 an die Familie von Heynitz gefallen. Das 1815 als schriftsässig bezeichnete Rittergut hatte spätestens im 18. Jahrhundert die Patrimonialgerichtsbarkeit über den Ort inne und unterstand darin dem Amt Torgau. Zum Besitzkomplex gehörten daneben das Vorwerk Pietzsch und die Schäferei Neusorge. Die Familie von Heynitz saß bis zur Enteignung im Zuge der Bodenreform 1945 auf Dröschkau.

Einem anderen, in Königshain in der Oberlausitz ansässigen Familienzweig entstammt Carl Christian Rudolph von Heynitz, in dessen Händen in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts das Rittergut Miltitz lag und von dem 1874 die Erzgrube Adolph Stolln in Miltitz gemutet wurde. Rudolph von Heynitz gab aber auch seinem 1868 geborenen Sohn den Vornamen Adolph; das Namenspatronat dieses Stollens ist also ungesichert.

Der Ort Groitzsch zählte 1378 zum castrum Meißen, wurde aber erst 1696 als eigenständiges Rittergut erwähnt. Zu diesem Rittergut gehörten lediglich einige Häuslernahrungen des Dorfes. In den Jahren 1445 und 1447 wurde er als Pflege Groitzsch ausgewiesen. Zum Bezirk des Erbamtes Meißen gehörte er 1547. Für das Jahr 1696 ist die Zugehörigkeit zum Rittergut Rothschönberg und anteilig zum Rittergut Groitzsch nachgewiesen. Im Jahr 1764 gehörte die Ortschaft Groitzsch wieder zum Rittergut Rothschönberg und anteilig zum Rittergut Wunschwitz. Im Jahr 1765 kaufte Carl Wilhelm Benno von Heynitz das Rittergut Groitzsch. Die Herrschaft auf Groitzsch übte Erb- und Obergerichtsbarkeit aus.

Die Zuständigkeit ging 1843 zum Amt Meißen. Seit 1856 unterstand Groitzsch dem Gerichtsamt Wilfsdruff und ab 1875 der Amthauptmannschaft Meißen.
  

Aufgrund der im Triebischtal zur Verfügung stehenden Wasserkraft ist seit Jahrhunderten verschiedenartige Kleinindustrie (vor allem zahlreiche Mühlen) ansässig. Aber auch der Kies- und Sand-, Werkstein-, Kalk- und Erzbergbau und schließlich der 1867 erbaute und 1868 dem Verkehr übergebene Bahnanschluß (Strecke von Coswig nach Borsdorf bei Leipzig) haben das untere Triebischtal geprägt.

Bereits am 1. Januar 1973 schlossen sich Burkhardswalde und Munzig zu einer Gemeinde zusammen; Bestandteile waren auch die Ortsteile Groitzsch und Schmiedewalde, die bereits seit dem 1. Juli 1950 zu Burkhardswalde gehört haben.

Die Gemeinde Triebischtal entstand am 1. März 1994 durch den Zusammenschluß von zunächst drei Gemeinden (Burkhardswalde-Munzig, Garsebach und Miltitz). Am 1. Januar 1999 kam Tanneberg hinzu, zum 1. November 2003 wurde Taubenheim eingemeindet. Schließlich besaß die Gemeinde Triebischtal rund 20 Ortsteile.  

Im Zuge der letzten Gemeindegebietsreform schlossen sich am 1. Juli 2012 dann die Gemeinden Triebischtal und Klipphausen zu einer neuen Gemeinde unter dem Namen Klipphausen mit nun über 62 km² Fläche zusammen.

  

 

 

Zur Geologie des Nossen- Wilsdruffer Zwischengebirges
und der Kalklager

  

Überblick

In seinem unteren Abschnitt durchschneiden die Täler der beiden Triebischflüsse das Nossen- Wilsdruffer Schiefer- oder Zwischengebirge bis hinunter zum Meißner Massiv und schufen dabei eine Fülle geologischer Aufschlüsse. Das Schiefergebirge ist gewissermaßen zwischen dem Erzgebirgsgneis und dem Meißner Pluton  „eingeklemmt“ und setzt sich vorwiegend aus unterschiedlich stark metamorphen Schiefern vorwiegend altpaläozoischen Alters zusammen. Sie liegen heute als Tonschiefer, Phyllite, Grauwacken, Knotenschiefer oder Fruchtschiefer (Serizit- reiche Tonschiefer) oder Glimmerschiefer vor.

Die Edukte der Schiefer wurden im Zuge der varistischen Faltung eingeengt und aufgefaltet. Während der Faltung wurden diese Schichten stark ineinander verschuppt und zudem durch mehrere, meist um NW- SE- Richtungen streichende Störungen versetzt.

   


Im Triebischtal zwischen Tannenberg und der Dammmühle ist unterhalb der Autobahnbrücke die devonische Schichtenfolge aufgeschlossen: Die Wechsellagerung von Phyllit und Grauwacke weist auf wechselnde Strömungsverhältnisse in einem küstennahen Bereich hin (Aufnahme 2004).

  

Besonders die devonischen Schichten enthalten Diabase und Diabastuffe („Grünstein“), die von submarinem Vulkanismus zeugen. Als eine besondere Bildung wird außerdem 1851 (40003, Nr. 250) ein „Strahlstein“ aufgeführt, womit wohl ein erzmineralreicher Amphibolit bezeichnet wurde. Ein solches lokales Vorkommen wird in im Liegenden des im Munziger Wildermann Erbstolln angefahrenen Kalklagers beschrieben. Das Gestein enthält verschiedene Amphibole (vor allem den grünen Aktinolith), dunkle Glimmer (Biotit) und Pyroxene (vor allem Salit), außerdem das dunkelgrüne Mineral Epidot.

In das Silur werden Kiesel- und Alaunschiefer eingeordnet, wie sie zum Beispiel im ehemaligen Steinbruch am Weinberg bei Rothschönberg aufgeschlossen sind. Unterkarbonische Tonschiefer überdeckten ursprünglich das Relief, sind heute jedoch nur noch in Muldenstrukturen erhalten.

Alle diese Gesteinsschichten bildeten ursprünglich das „Dach“ der Freiberger Gneiskuppel, der sie im Südwesten an der mittelsächsischen Störung diskordant aufliegen.

Im Norden hat sich im Oberkarbon am Ende der varistischen Faltungs- und Hebungsphase der Meißner Syenodiorit *) darunter geschoben. Syenodiorit ist wie der ältere Meißner Granodiorit ein Übergangsgestein zwischen Quarz- und Kalifeldspat (Orthoklas-) reichen Graniten und den Quarz-armen und vorwiegend Ca-Na-Feldspäte (Plagioklas) enthaltenden Dioriten. Die Syenite unterscheiden sich zusätzlich von den Dioriten dadurch, daß sie nie Hellglimmer (Muskovit) enthalten, dafür aber stets einen Anteil an eisenreichen Amphibolen (insbesondere die schwarzgrüne Hornblende). 

*) Nach jüngeren mineralogischen Untersuchungen ist das Gestein als Monzonit anzusprechen. Monzonite gehören zur Syenit-Gruppe, unterscheiden sich vom Syenit im engeren Sinne aber dadurch, daß der Plagioklas (Kalzium-Natrium-Feldspat) gegenüber den Orthoklas (Kalium-Feldspat) im Mineralbestand deutlich überwiegt. Da in der historischen Literatur diese Unterscheidung aber noch nicht getroffen wurde und stets vom „Syenit“ die Rede ist, verwenden auch wir im Weiteren ebenfalls die ältere Bezeichnung.

In der Spätphase des oberkarbonischen Magmatismus intrudierte noch der „Rote Meißner Granit“ in diesen Komplex. Auch in der Umgebung des Magmatitkomplexes treten noch Apophysen des Granitkörpers als kleine Gänge granitischer Gesteine (Turmalingranit) auf.

Im Burkhardswalder Grund nahe Munzig durchzieht ein größerer Porphyrgang die Gesteinsserien. Er setzt sich in südwestliche Richtung fort und ist im ehemaligen Steinbruch „Weißer Bruch“ südlich der Autobahnbrücke im Tal der Großen Triebisch nochmals aufgeschlossen. Porphyre liegen als Effusiväquivalent des Granites auch dem Meißner Massiv auf. Weiter südlich bilden sie die Ausfüllung einer mächtigen Caldera im heutigen Tharandter Wald.

Als jüngste Bildung des oberkarbonischen Magmatismus sind neben dem Roten Meißner Granit im Zentrum des Meißner Magmatitkomplexes die Pechsteine anzusehen, die bei Garsebach an der linken oberen Talschulter anstehen und aufgrund ihrer Seltenheit als Geotop eingestuft sind.

Der äußere Kontakthof des Meißner Plutons, in dem die Gesteine einer thermischen Beeinflussung unterlagen verbunden mit Mineralneubildungen, wie Andalusit, Chlorit und Serizit reicht noch mehrere Kilometer (bis nördlich von Rothschönberg) nach Südwesten.

  


Geologisches Profil entlang des Tals der Großen Triebisch von Helbigsdorf bis Roitzschen. Sichtbar wird die komplizierte Faltenstruktur. Die Kalkvorkommen sind hellblau eingetragen. (Nach Informationstafel des Geopfads Triebischtal am Kalkwerk Miltitz, Originalzeichnung von Fr. Dr. Fröhlich)

    

Im unmittelbaren Kontaktbereich zum Meißner Plutonitkomplex (innerer Konakthof) wurden besonders die schon primär eisenmineralreicheren Diabastuffe in den hangenden Schiefern in schwarze Hornblendeschiefer umgewandelt. Über die Hornblendeschiefer schreibt W. Vogelgesang 1851, dieses Gestein „...bildet theils und zwar vorherrschend einen feinen und geradschiefrigen, in dünne ebenflächige Platten geschichteten Hornblendeschiefer, theils einen feinkörnigen, unregelmäßig zerklüfteten Hornblendefels, beide aus sehr festen und zähen Aggregaten von kleinblättriger oder kleinstrahliger, dunkellauchgrüner bis schwärzlichgrüner Hornblende mit sehr wenig Feldspath bestehend.“  

Die an mehreren Stellen in der Umgebung (Groitzsch, Burkhardtswalde, Schmiedewalde) – z. T. in unmittelbarer Nähe der Kalkbrüche – abgebauten Brauneisensteinlager (Limonit) sind durch Verwitterung dieser eisenhaltigen Schiefer entstanden. Möglicherweise wirkten die Kalklager dabei als geochemische Barriere, an der das Lösungsgleichgewicht in den Sickerwässern durch das Hinzutreten von  Hydrogenkarbonat verändert wurde. Daraufhin fielen gelöste Eisenionen als „Eisenoxidhydrat“ bzw. Eisenhydroxid („Brauneisenstein“) aus. Daher treten nach (40003, Nr. 250) solche Lager immer im Hangenden der Kalklager auf.

Mehrere kleine Eisenerzgruben bauten im Zeitraum 1830 bis 1877 auf diesen Brauneisenlagern, u. a. in Munzig (Frisch Glück Fdgr.), in Groitzsch (Gute Hoffnung Fdgr.), bei Burkhardswalde (Graf Carl Fdgr.) und in Schmiedewalde (Lohse Fdgr.). Nur in Taubenheim seien (nach 40073-1, Nr. 065) auch Eisenerz-Gänge (Unser Glück Stolln) bebaut worden.

Beim Ort Robschütz wird im „Vollständigen Staats- Post- und Zeitungs- Lexikon von Sachsen“, Band 9, 1822, erwähnt, daß dieser Brauneisenstein auch als Ockerfarbe abgebaut wurde: „(Daneben) …setzt noch, gleich in der Nähe von Alt-Robschütz, an der nordwestlichen Seite desselben, in der Schlucht zwischen Alt- und Neu-Robschütz, ein ziemlich bedeutendes Lager von gelber Erde über, das bei einer mehrelligen Mächtigkeit bereits an mehrern Punkten seines zu Tage Austreichens abgebaut und das Gewonnene in einer dicht neben dem Kalkofen erbauten Schlämmerei zu der feinsten käuflichen Gelberde zugerichtet wird, welche ihrer Schönheit wegen sehr gesucht ist.“ 

Auch A. Schiffner erwähnt den Ort 1845 in seiner „Beschreibung der sächsischen und ernestinischen Lande“, wo es heißt: „Robschütz (240 E.) nebst dem Vorwerk Roitzschwiese liegt anmuthig zwischen der Freiberger Straße und der Triebische, besaß eine Burg und nach der Volkssage auch ein Kloster, hat ein großes gethürmtes Gut mit wichtigem Obstbau, 1 Kalkofen und 2 Mühlen, und war burggräfliches Lehn. Man gräbt Ocker, sammelt auch im Tuff des Kalkbruches allerlei seltene Petrofacte.“
   


Auch in Miltitz können die Besucher des Alten Kalkbergwerks im Niveau des Adolph Stollns noch heute solche Ablagerungen von gelbbraunem, erdigem Brauneisenstein (Limonit) und schwarzgrauem Mangan- Mulm (überwiegend aus Pyrolusit, daneben aus Manganomelan bestehend) sehen.

    


Limonit (FeOOH) bildet auch dichte und radialstrahlige, dann meist tiefschwarze Aggregate aus. Hier eine Stufe aus Kamsdorf/Thür. zusammen mit rhomboedrischen Calzitkristallen, Bildbreite zirka 6 cm. (Sammlung Boeck)

  


Die radialstrahligen Aggregate des Limonits sind auch unter der Bezeichnung „Brauner Glaskopf“ bekannt. Funde von Glaskopf sind aus der Region nicht dokumentiert, diese Stufe stammt aus Atterode/Thür., Bildbreite zirka 15 cm. (Sammlung Boeck)

 


Hauptbestandteil des „Mangan-Mulms“ ist der tiefschwarze, in kristallisierter Form stark glänzende Pyrolusit (MnO2). Die nadeligen oder stengligen Kristalle findet man in vielen Sammlungen, diese Stufe stammt aus Elgersburg/Thür., Bildbreite zirka 6 cm. (Sammlung Boeck)

  


Solche dendritischen Aggregate aus Pyrolusit und Manganomelan wurden oft fälschlich als Pflanzenabdrücke gedeutet. Man findet sie häufig auf Kluftflächen, auch im Porphyrgang von Munzig oder im Weißen Bruch zwischen Schmiedewalde und Tanneberg.

 

Die intrudierten magmatischen Gesteine dürften auch zur Vererzung einiger Spalten und Klüfte beigetragen haben. In (40003, Nr. 250) werden für die Gänge, die im Wildemann Erbstolln bei Munzig angetroffen wurden, als Erzminerale hauptsächlich Pyrit, Bleiglanz und schwarze Zinkblende, untergeordnet auch Arsenkies angeführt, die von Quarz, Calzit und Ankerit begleitet werden – sie entsprechen also im Wesentlichen der Freiberger kiesig- blendigen Formation. Besonders im östlichen Talhang der Großen Triebisch bei Niedermunzig bauten mehrere Gruben auf diesen Erzgängen (u. a. Wildermann Erbstolln, Neuer Tiefer Hilfe Gottes Stolln, Johanna Erbstolln, Freundlicher Bergmann und Donat). Dieser Bergbau ist schon seit 1514 urkundlich belegbar und ist um die Mitte des 19. Jahrhunderts erloschen.

Die Schichtenfolge wurde zuletzt im Zuge der alpidischen Faltungsphasen nochmals tektonisch beeinflußt, erneut emporgehoben und wieder eingeebnet. Während der Elster-Kaltzeit wurde die Hochfläche vom Gletschereis überfahren. Die paläozoische Schichtenfolge ist daher heute mit Lößlehmen, Hanglehmen und Feinsanden und in den Tallagen auch mit holozänen Auesedimenten von bis zu 10 m Mächtigkeit überdeckt. Insbesondere die Kies-Sandlagerstätten waren schon früher Gegenstand lokalen Abbaus und sind es z. T. bis heute (Sönitz, Piskowitz). 

  


In diesem Aufschluß im Kesselbachtal unterhalb von Taubenheim wird der Syenit unmittelbar von rötlich gefärbten und grobkörnigen, pleistozänen Kiessanden überlagert (Aufnahme 2005).

   

 

 

Die Kalkvorkommen

In diese wechselvolle Geologie sind nun außerdem eine ganze Reihe meist linsenförmiger Vorkommen von Kalkstein konkordant eingefaltet. Durch die intensive Verkippung der Schollen treten die Kalkvorkommen in mehreren Reihen angeordnet und besonders im Ausstreichen der silurischen und devonischen Schichtenfolgen auf. Die typische Linsen-Form der Kalklager entsteht während der Faltung durch Stauchung, Überschiebung und Auseinanderreißen einer möglicherweise einst bankförmigen Kalksedimentschicht oder primär isolierter Vorkommen (Riffkalke).  

Die 1845 erschienene Geognostische Karte des Königreichs Sachsen zeigt uns die damals bekannten Kalkvorkommen.

  


Ausschnitt aus der Geognostischen Charte des Königreichs Sachsen, Section X (Riesa bis Stolpen), Ausgabe 1846: Hier blau dargestellt die Kalkvorkommen von Helbigsdorf im Süden bis Miltitz im Norden.

 

Die Region fand schon immer großes Interesse bei den Geologen. Schon Petrus Albinus erwähnt 1590 Marmorvorkommen in der Region: „Wir wollen aber andere Arten der Steine / so wir unter die Marmora zehlen können / auch mit nennen / und nach den Farben ordentlich nacheinander erzehlen. Man findet in den Silberbergwercken in Meyssen einen weißen Marmor / fast wie Elfenbein / gleich wie man bey Elbingerode dergleichen grebt / und sonsten am Hartz. …“  (Meyssnische Bergk Chronica, XXI. Tittel: Von Marmoren und andern denselben verwandten Steinen im Lande zu Meyssen.) Nach Albinus‘ Beschreibung müssen die Marmorlinsen im Triebischtal also zuerst in den Stollen der Erzbergwerke entdeckt worden sein. Im nachfolgenden Kapitel XXII: Von den Werckstücken und anderen Felsen und etlichen Arten von mancherley Steinen im Lande zu Meyssen erwähnt Albinus dann, des „Kalcksteins haben wir in Meyssen auch keinen Mangel…“  In diesem Abschnitt führt er jedoch nur Rabenstein und Auerswalde bei Chemnitz, den Pirnaer Raum sowie Wildenfels als Abbauorte in Sachsen auf.

Auch Bernhard von Cotta*) besuchte das Triebischtal. Er hinterließ uns in seinem Brief an Dr. C. C. von Leonhard, Professor für Mineralogie an der Universität zu Heidelberg, eine ausführliche Beschreibung und nachstehende Skizze des Kalksteinbruchs bei Miltitz aus dem Jahr 1834. Zur Erläuterung der Zeichnung schreibt er: „Zuoberst sehen Sie ein dunkelfarbiges Schiefergestein (a), welches sich auch in der Mitte wiederholt, und aus Hornblendeschiefer besteht, der jedoch oft in grauen Glimmerschiefer übergeht, ohne dass man irgend eine Grenzlinie zwischen beiden wahrnehmen könnte. Nur aus heruntergefallenen Bruchstücken kann man dieses Phänomen beurtheilen, da die Felswand selbst sich ohne hohe Leiter nicht besteigen lässt. Das erste auffallende Lager von oben herein ist hierauf eine 4 bis 6 Fuss mächtige Granitbank (b), das zweite, am Boden des Bruches, eine 8 bis 25 Fuss mächtige Lager- förmige Kalkmasse (c). (Das Kalklager besaß also im Ausstrich im Tagebau zirka 2,5 m bis 7,5 m Mächtigkeit.) Alle diese Gesteine zeigen theils durch ihre Schieferung im Innern, theils durch ihre äusseren Begrenzungen, ein unter sich paralleles Fallen von etwa 20° gegen NW. Das Gehänge ist mit Schutt und Gerölle bedeckt (d).“

  


Schematische Zeichnung von B. v. Cotta zum geologischen Aufbau der Klippe am Tagebau, 1834. Das eingezeichnete Mundloch deutet die Lage des Förderbremsberges (auf späteren Rissen "Alter Schacht") an.

 

*) Eine Anmerkung: Da der Name Cotta sowohl mit, als auch ohne Adelsprädikat in der Literatur auftaucht, haben wir einmal nachgeforscht. Tatsächlich wurde den Brüdern Friedrich Wilhelm (1796-1874), Friedrich August (1799-1860) und Carl Bernhard (1808-1879) im Jahr 1858 auf ihren Antrag das Adelsprädikat wieder verliehen, so daß die Schreibweise Bernhard von Cotta nicht falsch ist.

Der vielleicht adlige Ursprung der Familie von Cotta liegt jedoch tief begraben im Dunkel der Geschichte. Als Ahnherr der Cotta´s gilt Bonaventura Cotta (um 1370-1430), ein aus Mailand stammender Adliger, der als kaiserlicher Rat in Eisenach ansässig wurde. Angeblich habe Kaiser Sigismund 1420 wegen ihrer Treue zum Kaiser und der Tapferkeit in Kämpfen gegen damalige Reichsfeinde die Familie Cotta in den Adelsstand erhoben. Der Adelsbrief soll aber nach einem Stadtbrand 1752 in Ilmenau verschollen sein.

Ihr Vater Johann Heinrich Cotta (1763-1844), der insbesondere als Begründer der forstlichen Fachschule in Tharandt bekannt ist, hat den Adelstitel aufgrund seiner bürgerlich- demokratischen Einstellung jedenfalls ganz bewußt nicht geführt. Obwohl schon 1817 dazu aufgefordert, unternahm er nie Schritte zur Wiedererlangung des Adelsprädikates. Friedrich Wilhelm Cotta beschrieb seine Einstellung 1860 so: „Mein Vater, der zwar oft genug Adligen gegenüber kränkende Zurücksetzung erfahren, indeß durch seine Verdienste sich ein großes Ansehen erworben und in eine Stellung gebracht hatte, in welcher er den Adel entbehren zu können glaubte, lehnte ab, weil er meinte, seine Söhne möchten sich doch hervortun, dann würden sie keiner Adelserneuerung bedürfen, weil er sich außerdem für zu wenig wohlhabend erachtete, um einen solchen Schritt zu tun, und weil er überhaupt der Hoffnung lebte, daß es mit den Bevorzugungen des Adels zu Ende gehen werde.“

Durch diese Einstellung und durch seine naturwissenschaftliche Ausbildung (die älteren Brüder arbeiteten wie der Vater an der späteren Kgl.-Sächs. Forstakademie) geprägt, nahm auch Bernhard Cotta an der Märzrevolution 1848 teil, wurde jedoch 1849 begnadigt. Bereits ab 1832 hatte Bernhard Cotta unter Leitung von Carl Amandus Kühn an der Geognostischen Karte von Sachsen mitgearbeitet, ab 1835 übernahm er mit Carl Friedrich Naumann die Leitung dieser Arbeiten. Ab 1842 hatte er den Lehrstuhl für Geognosie an der Bergakademie inne und vollendete 1845 die Geognostische Beschreibung des Königreichs Sachsen. 1862 wurde er aufgrund seiner Verdienste zum Bergrat berufen. Da wir an dieser Stelle aber noch im Jahre 1834 sind, verzichten wir im Weiteren auf das Adelsprädikat.

B. Cotta beschreibt weiter den Miltitzer Kalk wie folgt: „Der körnige Kalkstein wurde an dieser Stelle schon seit der Mitte des vorigen Jahrhunderts (also um 1750) abgebaut, zuerst steinbruchweise, jetzt unterirdisch durch Pfeilerbau, der bei Fackelschein befahren einen grossartigen Eindruck hervorbringt. Dieser Kalkstein ist nach allen Richtungen zerklüftet, und auf den Klüften stets mit rothem Eisenoxyd überzogen, so dass seine Masse im Ganzen als rother Streif im dunkelfarbigen Schiefer erscheint. Im frischen Bruche aber ist er gewöhnlich rein weiss und vollkommen körnig blätterig, selten ins Röthliche oder Grauliche spielend. Auch Drusenräume, mit skalenoedrischen Krystallen besetzt, finden sich im Innern, doch selten.

Seine Grenzen gegen den Schiefer sind stets sehr scharf, im Grossen oft, im Kleinen selten Wellen-förmig, oder, wie es aus umherliegenden Bruchstücken hervorgeht, verzahnt, in der Weise, dass der Kalk Gang-förmig in den Schiefer eingedrungen ist. Merkwürdig sind besonders die manchfachen Kontakt-Erscheinungen, welche an diesen Grenzen sich finden. Gegenwärtig lässt sich am anstehenden Gestein über Tage nur die obere Grenze beobachten; hier ist der Schiefer zunächst dem Kalk gewöhnlich sehr verwittert und, wie es scheint, an sich selbst herumgerieben, ohne jedoch eigentliche Rutschflächen zu zeigen. Braunes Eisenoxyd, kleine Kalkfragmente enthaltend, dient oft als Zwischenlage, und ein anderes ähnlich vorkommendes pulveriges Mineral ist wahrscheinlich Mangan.

Noch auffallender und schöner sind die Kontakt-Erscheinungen, die man an ausgeförderten Stücken beobachtet, und die, wie ich vermuthe, von der unteren Grenze herstammen. Der körnige Kalk ist hier dicht mit dem Hornblendeschiefer zusammengeschmolzen, welcher letztere in seiner Nähe gänzlich verändert, viel fester, blasser von Farbe und undeutlich schieferig geworden ist; er verhält sich zum unveränderten etwa so, wie am Harz gewisse Hornfelse zum Grauwackenschiefer. Einige scharfkantige Bruchstücke sind rings vom körnigen Kalksteine umschlossen, der hier an der Grenze zuweilen viel feinkörniger, (fast dicht und Chalzedon-artig) oft mit einem bräunlichen Rande umgeben ist. Besondere Mineralien als Produkte der gegenseitigen Einwirkung linden sich ein: Eisenkies in ziemlicher Menge, kleine schwarze Magneteisenkörner und feine prismatische Krystalle eines bis jetzt nicht näher bestimmten Minerals. …“ 

  


  Calzitkristall mit skalenoedrischem Habitus, zirka 1,5 cm Größe, aus dem ehemaligen Kalkbergwerk Niederrabenstein bei Chemnitz. (Sammlung Boeck)

Vergleich mit dem  Dolomit.

   


Calzit xx, Kalk
werk Miltitz, Bildbreite zirka 3 cm, aus der Sammlung des Dresdner Sammlers Karl Rau (1893-1975), der sie vermutlich noch um 1930 gefunden hat. Sammlung und Foto: U. Haubenreißer, Leipzig.

   

Mit seiner Einschätzung, daß der Miltitzer Weißkalk magmatischen Ursprungs sei, prägte B. Cotta noch lange Zeit den Streit zwischen „Neptunisten“ und „Plutonisten“ mit. Gustav Leonhard führt 1851 in seinen Grundzügen der Mineralogie, Geognosie, Geologie und Bergbaukunde den Miltitzer Kalk als Beispiel an und beruft sich dabei auf Cotta: „Körniger Kalk gilt Manchen als ein metamorphisches Gestein, als ein umgewandelter neptunischer Kalkstein. Lehrreiche Beispiele bestätigen aber, daß wenigstens ein Theil des körnigen Kalkes nicht allein plutonischer Herkunft, sondern auch wahrhaft eruptiver Natur ist. Bei Miltitz unfern Meißen durchsetzt derselbe Hornblendeschiefer, schließt Bruchstücke desselben ein und hat denselben an Berührungsstellen in Hornfels-artiges Gestein umgewandelt. Sehr beachtenswert ist überdieß der Umstand, worauf Cotta besonders aufmerksam machte, daß der Miltitzer Kalk noch Brocken von Granit und von Quarz-führendem Porphyr umschließt, Gesteine, welche gar nicht in der Umgebung von Miltitz zu Tage gehen, demnach in der Tiefe vorhanden sein müssen.“ 

Doch weiter bei Cotta 1834: „Vergleicht man nun aber die Erscheinungen, unter welchen dieser Kalkstein bei Miltitz auftritt, mit denen, welche man an den anderen körnigen Kalksteinen, weiter oben im Triebischthale, (und in dessen Nähe) bei Schmiedewalde, Burkhardsdorf (er meint sicher Burkhardswalde), Blankenstein, Steinbach und Helbigsdorf beobachtet, und vergleicht man ferner diese Gesteine selbst mit jenem, so ergeben sich eine Menge wesentlicher Unterschiede. 

Was zunächst das Gestein selbst betrifft, so sind alle jene anderen Kalksteine in hiesiger Gegend mehr grau von Farbe und weniger krystallinisch; nie durchaus weiss, sondern höchstens von weissen krystallinischeren Lagen in der Richtung der Lagerung durchzogen, in der Art, dass oft eine auffallende Streifung dadurch entsteht: ein Wechsel von grauen und weissen Streifen, die auf merkwürdige Weise gebogen, durcheinander gewunden und aneinander abstossend, aber immer der Lagerung mehr oder weniger parallel erscheinen. Diese Kalksteine entsprechen alle in vieler Beziehung dem Tharander, …; nur so viele Drusen und Braunspathadern enthalten sie nicht, wahrscheinlich weil sie von keinen Porphyr- Gängen durchbrochen sind, wie der hiesige. Die fremdartigen Mineralien in den Drusenräumen des hiesigen Kalksteins – Braunspath, Schwerspath, Gyps, Bleiglanz, Eisenkies, Blende u. s. w. – schreibe ich der Einwirkung des später emporgedrungenen Porphyrs zu.“ 

Von Interesse ist, daß von Cotta den grauen Kalk an dieser Stelle als nicht für Miltitz eigentümlich beschreibt, woraus man folgern könnte, daß im Jahr 1834 der „Blaue Bruch“ noch nicht existierte. Dagegen vermerkt C. C. Leonhard aber bereits 1808 in seinem Handbuch einer allgemeinen topographischen Mineralogie: „…der Kalk bildet hier ein mehrere Lachter mächtiges Lager, selten erscheinen in ihm Drusen von Kalkspathkrystallen. Über dem Kalk liegt Hornblendeschiefer, in der Mitte desselben trifft man wieder auf ein Lager, das meist aus einem Gemenge von fleischrothem Feldspath, Quarz und Glimmer besteht. Über dem Hornblendeschiefer findet man wieder Kalkstein, der aber von dem der tiefen Lage sehr verschieden und in welchem nicht selten Hornblende fein eingesprengt ist.“  Das Graukalklager oberhalb muß ihm also bereits bekannt gewesen sein. 

   


Aufschluß des Weißkalks im Adolph Stolln. Im Liegenden der flach einfallenden Kalkbank steht hier dunkelgrauer Hornblendeschiefer an (Aufnahme 2002).

  

Über den Kalkstein von Miltitz schreibt W. Vogelgesang 1851: „Der Kalkstein selbst ist theils schneeweiß oder rötlich weiß und dann mittel- bis kleinkörnig und ausgezeichnet krystallinisch und Drusenräume einschließend, die mit großen Kristallen von Kalkspath erfüllt sind, theils erscheint er gräulich weiß bis licht aschgrau, feinkörnig bis dicht und mit muschligem und kleinblättrigem Bruch...  Hie und da zeigt der Kalkstein große (Hohlräume), die man nicht so sehr für Drusenräume als für Auswaschungen durch Wasser halten muß, welches auf den Ablösungen und Klüften der Lager in ziemlich reichlichen Mengen cirkuliert.“  

Zirkulierendes Wasser, das natürlich irgendwo als Quelle wieder zutage tritt, ist auch für die Entstehung des  Kalktuff- Vorkommens bei Robschütz ursächlich.

  


Im Niveau des Adolph Stollns finden sich innerhalb des Miltitzer Weißkalklagers vielerorts solche, einem „Strudeltopf“ ähnlich erscheinende Hohlformen, die auf Auslaugungsprozesse des Kalksteins zurückzuführen sind. (Aufnahme 2002)

  

Die beiden Varietäten des Kalksteins treten nordwestlich der Triebisch zwischen Miltitz und Roitzschen in voneinander gänzlich getrennten Lagern auf und wurden hier auch als „Weißkalk bzw. „Graukalk bezeichnet. Der graublaue Kalkstein bildet das hangende Lager. Seine Färbung entsteht durch Gehalte an Kohlenstoff, sowie durch Einschlüsse von Epidot, sowie Ca-reichen und bräunlichen Granaten (Grossular, Andradit). W. Gotte nennt im Gutachten von 1952 außerdem das Mineral „Malakolith – eine inzwischen ungebräuchliche Bezeichnung für das Mineral Diopsid (Augit) aus der Pyroxengruppe.

Der Weißkalk hingegen enthält keinerlei Kohlenstoff, was auf die thermische Beanspruchung durch den darunter liegenden Syenodiorit hinweist. Mit der Bohrung III während der Erkundung des Neuen Lagers hat man 1924 den Syenit in nur 39 m Tiefe unter Gelände und nur wenige Meter unterhalb des Weißkalklagers angetroffen. Besonders der Weißkalk wird häufig als „Miltitzer Marmor“ bezeichnet. Auch in anderen Abbaugebieten werden kontaktmetamorphe und oft farbig texturierte Kalksteine sehr oft vereinfachend unter der Handelsbezeichnung „Marmor“ verkauft. 

Im petrographischen Sinn sind Marmore Metamorphite, die mindestens 50 Volumenprozent Calcit, Dolomit oder seltener Aragonit enthalten. Fast immer gehören sie zu den Paragesteinen, das heißt, sie sind aus Sedimentiten hervorgegangen. Viele bestehen fast nur aus einem der Karbonate (d. h. sie sind monomineralisch). Die Kristallkörner des Calcits sind beim Marmor zumeist mit bloßem Auge erkennbar.

Damit während der Metamorphose aus dem Kalkstein ein Marmor entsteht, muß der Prozeß isochem (ohne Stoffzufuhr) ablaufen. Ist dies nicht der Fall oder waren die Sedimente schon primär uneinheitlich zusammengesetzt, bilden sich durch chemische Reaktionen der Karbonate mit Aluminiumsilikaten sogenannte Kalksilikatfelse. Findet zusätzlich eine Stoffzufuhr statt (Metasomatose), können sogenannte Skarne entstehen, die abbauwürdige Gehalte von Zinkblende, Zinnstein und anderen Erzen aufweisen können.

Rötliche Verfärbungen kommen in Miltitz durch Gehalte von Hämatit (Eisenoxid) und bräunliche Verfärbungen durch Verwitterung der Eisenoxide zu Limonit (Eisenhydroxid) zustande. An den Grenzen zum Schiefer soll außerdem eisenreicher, schwarzer Turmalin (Schörl), Pyrit und Pyrrhotin (Magnetkies) vorgekommen sein (vgl. B. Cotta, 1834).

  

Die Autoren des „Kalkwerksbetriebs in Sachsen“, Wunder, Herbrig und Eulitz, führten 1867 die folgenden Kalkwerke im Gebiete des „Urthonschiefers“ entlang der Triebischtäler auf:
 
Ort Besitzer,  Probenbez. Gehalt (%) an
Kalk Magnesia Kohlen-
säure
Eisen-
oxyd und Thonerde
Un-
lösliches
Steinbach bei Nossen von Zedtwitz 37,8 1,0 31,3 1,3 26,5
Planken-
stein
Faust, heller Kalk
 
44,0 0,7 35,2 3,4 16,2
Faust, dunkler Kalk
 
52,6 Spuren 42,0 2,8 1,5
Schmiede-
walde
Ranft, grauer Kalk 53,3 1,0 43,2 0,9 1,5
Groitzsch Kippe
 
52,7 0,6 42,1 0,5 3,9
Munzig Gruhle, weißer Kalk
 
52,4 1,0 42,2 1,2 3,0
Gruhle, blauer Kalk
 
k. A. k. A. k. A. k. A. 21,2
Miltitz Beste Qualität, weißer Kalk 55,6 0,3 42,9 0,5 0,5
III. Qualität,
grauer Kalk
41,6 Spuren 32,8 0,7 24,6

k. A. = keine Angabe.

Wie man leicht sieht, sind in der Region Magnesium- (Dolomit-) arme oder nahezu gänzlich Magnesium- freie Kalksteine bzw. Calzit- Marmore vorherrschend. Niedrige Kalkgehalte stehen gewöhnlich mit hohen Anteilen von Silikaten („Unlösliches“) in Zusammenhang.

Die Tabelle nennt uns aber auch einige Namen, die uns im  historischen Teil noch wiederbegegnen werden. Zu Steinbach siehe  Teil 2 dieses Beitrages.

  

Größere Störungen oder Verwerfungen der Kalklager sind eher selten und wurden daher in den Akten festgehalten. So wurde im Neuen Lager eine näherungsweise parallel zum Tagesfallort (mit 120° Streichen) und 65° bis 70° nach Nordost einfallende Störung (der „Verwerfer“) mit einer Sprunghöhe von 7 m bis 9 m angetroffen. Auch in der Lohse Fundgrube bei Schmiedewalde wurde eine Verwerfung mit ähnlicher Sprunghöhe im Schacht durchteuft.

Wie schon von Cotta bemerkt, sind in die Kalklager mehrfach Lagen von Schiefer eingefaltet (vgl. u. a. 40037, I17625). In den Randbereichen werden solche Einlagerungen oft dünnblättrig und treten in zahlreichen Schichten auf, so daß die Qualität des Kalksteins bis zur Bauunwürdigkeit absinkt. Umgekehrt kommt es, besonders stark in den Munziger Vorkommen östlich der Triebisch zu „Inhibitionen im umgebenden Schiefer, die so stark sein können, daß man dort das Nebengestein mit hereingewinnen könne (40003, Nr. 250).

  


Eine Schieferlage innerhalb des Kalksteins, Aufschluß am Pfeiler Nummer 33 im heutigen Besucherbereich des Alten Kalkbergwerks in Miltitz.

  


Ausschnitt aus der Geologischen Karte No. 48 Meißen, 3. Auflage bearbeitet bis 1927 unter Leitung von F. Kossmat, mit der Lage der beiden Miltitzer Kalkvorkommen (blau), horizontal schraffiert das zu dieser Zeit erst erkundete, aber noch nicht aufgeschlossene „Neue Lager“.

  

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts hatte sich die Auffassung einer metamorphen Entstehung des Marmors aus Kalkstein durchgesetzt und im Jahr 1889 ordnet A. Sauer in den „Erläuterungen zur geologischen Specialkarte des Königreichs Sachsen, Section Meißen“ die Kalklager der Kontaktzone des Meißner Plutons zu:

„III. Der Contacthof des Syenites der Section Meißen
1. Die Contactgesteine der unmittelbaren Umgebung von Milititz

Geologisch und pertographisch zerfallen diese Gesteine in zwei Hauptgruppen: a) in die Lager von krystallinem Kalkstein..., und b) in die das Nebengestein bildenden Schiefergesteine. ...

Der krystalline Kalkstein bildet bei Miltitz zwei, in nur 100 m horizontaler Entfernung von einander am Gehänge ausstreichende Lager, von denen das südliche, das Hauptlager, noch gegenwärtig in Betrieb ist, während das nördliche, höher am Gehänge liegende, auch nach der Qualität des Kalksteins weniger werthvolle, nur zeitweise abgebaut wurde. Das untere Hauptlager, von Tage herein durch einen mächtigen Pfeiler- und Weitungsbau zugänglich, besteht in der Hauptsache aus weissem, schwach gelblichem, grünlichem oder graulichem ziemlich grobkörigem oder feinkörnig- krystallinem Kalkstein. Der bestehenden, ... Analyse zufolge besitzt derselbe eine sehr reine Beschaffenheit...

Dieser Kalkstein führt zuweilen kleinere... bis über erbsengrosse, allseitig, jedoch mit schwacher Abrundung der Ecken und Kanten, ausgebildete Krystalle von Pyrit, lokal auch Ausscheidungen von sehr grobspätigem Calzit, enthält ferner hier und dort Hohlräume mit Stalactiten, ist ganz unregelmäßig durchklüftet und auf den Kluftflächen mit dünnen Häuten von Eisenoxidhydrat überzogen. Die Mächtigkeit des Lagers schwankt zwischen 1 und 12 m, was daher rührt, daß die hangenden und liegenden Grenzflächen nicht eben, sondern flachwellig gestaltet sind, sich zuweilen gleichzeitig einander nähern und dann die Mächtigkeit des Lagers bis auf ein Geringes zusammendrücken. Auf der Sohle des Lagers von Tage aus einfahrend, kann man sehr gut die unebene Gestaltung desselben... beobachten.

Die das Kalklager begleitenden Schiefer, ... stellen einen aus dünnplattigen ebenschiefrigen Gesteinen bestehenden Complex dar, in welchem grau- bis schwärzlichgrüne Hornblendeschiefer entschieden vorwalten. Mit diesen verbinden sich Lagen von weissem krystalliinischem Kalkstein, die in unendlicher Wiederholung mit dem schwarzgrünen Hornblendeschiefer eine ausgezeichnet gebänderte Structur erzeugen, bald dünne Schmitzen bilden oder zu größeren und kleineren linsenförmigen Massen sich aufblähen...

Das nördliche, hangende und deshalb höher am Gehänge aufgeschlossene Kalklager verdankt seine technisch minderwerthige Beschaffenheit sowohl der nicht geringen und sehr beständigen Beimischung verschiedener Silikatbestandtheile, als auch der weniger einheitlichen Entwickelung des Kalkflözes, indem dasselbe mehr einen dick- bis dünnbankigen Kalkschiefer darstellt, der mit Hornblendeschiefer und biotitreichen Lagen vielfach wechselt und mit diesen in verworrenster Weise zusammengestaucht und gefaltet erscheint.“ 

  


In einer kleinen Vitrine im Eingangsbereich des Besucherbergwerkes können die Gäste Proben des Gesteins bewundern. Durch den Anschliff der Stücke wird deren Struktur noch besser sichtbar. Hier der dichte bis feinkörnige Weißkalk mit nur wenigen Einschlüssen, wie er vorwiegend in Miltitz sowie in Burkhardswalde, seltener in Groitzsch vorkam.
  


Das Pendant aus dem oberen Lager: Graublauer Kalkstein aus dem einstigen Blauen Bruch, wie er u. a. auch in Schmiedewalde gebrochen wurde. Während im thermisch beeinflußten Weißkalkstein durch Rekristallisation des Calzits die ursprüngliche Struktur des Sedimentgesteins komplett verlorengegangen ist, kann man hier die Schichtstrukturen des Sedimentgesteins noch gut erkennen.
  


Auch in Miltitz kamen Kalksteine mit einer solchen gebänderten Textur vor. Typisch ist solches Material aber besonders für den Kalkbruch in Groitzsch.

 


Blick von Osten auf das Oberflächenrelief im Bereich der beiden Miltitzer Kalklager (Ockertöne), rot umrandet: Pinge des Tagebruchs von 1916, schwarz: Kontur des Blauen Bruchs und Tiefbaue im Graukalklager; Sohlenhöhen der Abbaufelder (Blau- und Grüntöne), darin weiß: Pfeiler, diese sind jedoch insbesondere im Bereich der Bruchmassen innerhalb des Tiefbaufeldes im Weißkalklager (rot punktiert) risslich nur unvollständig dokumentiert, nach Grubenrissen von 1923 bis 1975

 

Die beiden Miltitzer Kalklager am NW-Hang der Triebisch besitzen jeweils eine streichende Länge von 200 m bis 250 m und fallen in nordöstlicher Richtung mit 16° bis 30° Neigung ein. Die Baue erreichten 15,4 m saigere Höhe, was entsprechend der Neigung eine Mächtigkeit der Lager von bis zu 13 m bedeutet. Zum seitlichen Rand hin wird die Mächtigkeit schnell geringer, der Abbau wurde bei unter 3 m Mächtigkeit gewöhnlich aufgegeben. 

Ganz ähnlich ist das Kalklager bei Groitzsch aufgebaut, allerdings fällt das Kalklager deutlich steiler in westliche Richtung. Auch hier ging der Abbau vom Ausstrich des Lagers an der Oberfläche aus und erfolgte zunächst im Tagebau. Mit zunehmender Abraummächtigkeit (1884 bis zu 9 m; 1902 bereits bis zu 16 m) war man gezwungen, zum Tiefbau überzugehen. Ab 1900 wurden die ersten Weitungen aus dem Weststoß des Tagebaus heraus aufgefahren und ein Strossenaushieb angelegt (1. Sohle des späteren Tiefbaufeldes).

Das noch bis 1955 in Abbau stehende Tiefbaufeld besitzt etwa 150 m Ausdehnung in Nord- Süd- und etwa 100 m Ausdehnung in Ost-West-Richtung. Aufgrund des steileren Einfallens liegen die vier Tiefbausohlen unterhalb der westlichen Tagebausohle teilweise übereinander. Auch hier erreichten die Baue (auf der 3. Sohle) bis zu 11,5 m saigere Höhe, jedoch sind die Abbaue der einzelnen Sohlen untereinander – abgesehen von den Fallorten sowie mehreren Blindschächten zur Wetterführung – nicht durchschlägig. Man ließ Schweben von 3,5 m bis 4 m Mächtigkeit zwischen den Sohlen stehen.

Anfang der 1950er Jahre wurde mit dem Fallort West II noch die 5. Sohle ausgerichtet. Abbau erfolgte bis zur Einstellung 1955 jedoch nur noch auf der 4. Sohle, die weitere Aus- und Vorrichtung wurde abgebrochen.

 


Blick von Südwesten auf das Oberflächenrelief im Bereich des Kalklagers im Ortsteil Perne (Brauntöne), Sohlenhöhen der Abbaufelder (Blau- und Grüntöne), darin weiß: nicht abgebaute Bereiche und Pfeiler. Um die übereinanderliegenden Sohlen sichtbar zu machen, sind die Sohlenabstände erheblich überhöht und nicht maßstäblich dargestellt. Nach Grubenrissen von 1947 bis 1955

  

Weitere Kalkvorkommen

Unweit südlich von Miltitz am südöstlichen Gegenhang des Triebischtals finden sich bei Munzig (in einem Stollen „200 Schritt oberhalb der Schäferei“) auch steil aufgerichtete Kalklager mit einem Einfallen von bis zu 70°. Bei dieser Grube dürfte es sich um die Frisch Glück Fundgrube handeln, die außer Kalkstein auch Brauneisen hereingewann. Ein im Wildemann Erbstolln bei Niedermunzig angefahrenes Kalklager ist zu einem steil aufgerichteten Körper zusammengestaucht. 

Diese beiden Vorkommen wurden 1851 von Bergmeister W. Vogelgesang detailliert beschrieben, freilich nur anhand der damals zugänglichen Tiefbauaufschlüsse. Demnach trümert in beiden Vorkommen eine einheitliche und bis zu drei Lachter mächtige Bank in ein hangendes und ein liegendes Lager auf, welches jedes für sich schnell an Mächtigkeit verliert. Die Kalklager folgen weiter südlich in Munzig außerdem recht genau der Grenze zwischen hangendem Fruchtschiefer und liegendem Hornblendeschiefer, wirkten möglicherweise also auch als „thermische Barrieregegenüber der Kontaktmetamorphose.

Die größten Mächtigkeiten der Kalklager werden in Schmiedewalde erreicht, wo ein mit 20° bis 30° nach NO fallendes Kalklager von bis zu 25 m Mächtigkeit im Tagebau gewonnen wurde.

In Burkhardtswalde erreichte das Kalklager im Schmutzler`schen Kalkbruch etwa 6 m Mächtigkeit und ist mit 25° bis 40° nach NO geneigt. In den Akten des Landesbergamtes (40024-12, Nr. 017) werden die im Jahr 1884 in der Region aktiven Kalkwerke im Bezirk der Amtshauptmannschaft Meißen aufgeführt:

   

Ort

Besitzer um 1884

Blankenstein 

Carl Ernst Faust

Burkhardtswalde

R. Schmutzler

Groitzsch

Otto Theodor Kippe

Grumbach (bei Wilsdruff)

Karl August Franz Wätzig

Miltitz

Rudolph von Heynitz

Schmiedewalde

Theodor Geißler

Steinbach

Hugo Kayser

   


  


Zwei Ausschnitte aus der Geologischen Karte No. 64 Tannenberg- Deutschenbora, bearbeitet 1914-1916 durch K. Pietzsch, mit den Ausstrichen von Kalklinsen (blaugrün) und der Lage von zu dieser Zeit noch bekannten, einst auf Kalk und Eisenerz bauenden Gruben.

  

Die südlicher liegenden Kalkvorkommen ordnet K. Pietzsch in der 1916 erschienenen 2. Auflage der „Erläuterungen zur geologischen Specialkarte des Königreichs Sachsen, zur Section Tanneberg-Deutschenbora“ folgendermaßen verschiedenen geologischen Einheiten zu:

III. Die phyllitische Schichtengruppe ...
2. Die Abteilung der tonschieferartigen Phyllite ...
b) Kalkstein

Einlagerungen von Kalkstein sind (in dieser Formation) an zwei Stellen bekannt... Das eine Lager ist mit dem Rothschönberger Stollen bei etwa 320 m nordöstlicher Entfernung vom 1. Lichtloche überfahren worden... Das andere Lager liegt in der Nähe der Kirche von Blankenstein und wurde unterirdisch abgebaut...

IV. Das Altpaläozoikum ...
1. Das Silur ...
d) Kalkstein 

Der als silurisch aufzufassende Kalkstein hat eine feinkristalline bis dichte Beschaffenheit und besitzt graue bis dunkelgraue Farbe. Häufig ist er auch infolge einer mehr oder minder dünnschichtigen Wechsellagerung von helleren und dunkleren Lagen grau und weiß gestreift. Die weiße Farbe und die z. T. grobkristalline marmorartige Beschaffenheit, durch die sich das Burkhardswalder Vorkommen auszeichnet, ist auf kontaktmetmorphe Beeinflussung von Seiten des Meißener Syenits zurückzuführen. Sehr wechselnd ist die Beteiligung von grauen oder schwarzgrauen Tonschieferhäutchen und -flasern. Bald fehlen jene völlig, so daß ein sehr reiner Kalkstein vorliegt, bald stellen sie sich in so beträchtlicher Menge ein, daß sich das Gestein nicht mehr zum Brennen eignet; insbesondere in dem großen Bruche bei Groitzsch lassen sich alle möglichen Übergänge von reinem Kalkstein bis zu einem Kalkschiefer (Kalktonschiefer) verfolgen. Die ... ausgeführten chemischen Analysen von Proben der verschiedenen silurischen Kalksteine des Blattes Tanneberg haben übereinstimmend ergeben, daß diese durchweg nur geringe Mengen Magnesia enthalten...

Bei der Verwitterung neigen die silurischen Kalksteine trotz des anscheinend geringen Eisengehaltes zur Verockerung. Namentlich an der oberen Grenze der Kalksteinlager gegen die darüber liegenden Tonschiefer, Alaunschiefer und Diabastuffe stellen sich vielfach Ockerbildungen ein...; höchstwahrscheinlich hängt diese Ockerbildung mit der Zuführung von eisenhaltigen Sickerwässern aus den über den Kalken lagernden Diabastuffen zusammen. Die so entstandenen Brauneisenerzvorkommen wurden früher vielfach bergmännisch abgebaut.

Die Mächtigkeit des Kalksteins beträgt in der Regel nur wenige Meter, nur bei dem Groitzscher und Schmiedewalder Lager ist sie bedeutender. ...

 

In den Unterlagen der Lagerstättenforschungsstelle (40030-1, Nr. 1076) findet sich ein Vergleich verschiedener Kalkvorkommen in Sachsen und der oben von verschiedenen Geologen beschriebenen Varietäten aus dem Jahr 1934. Demnach ist besonders der Miltitzer Weißkalk von ausgesprochen großer Reinheit. Der Gehalt an MgO beträgt ganze 0,06 %.

Der Graukalk besitzt diese Güte nicht; zwar enthält auch er kaum MgCO3, dafür aber bis zu 30% SiO2 und Al2O3 (silikatische Akzessorien). Wir haben diese Tabelle mit Angaben aus Pietzsch (1916) und Kersten (1832) für die Kalk- und Dolomitwerke weiter südöstlich ergänzt. 

  

Kalkwerk

CaCO3-Gehalt

CaO-Gehalt

MgO-Gehalt

Braunsdorf / Grumbach

53,6 %

32,5 %

18,3 %

Helbigsdorf (Kirsten- Mühle) 79,1 % keine Angabe keine Angabe
Steinbach 82,1 % 37,8 % 1,0 %
Blankenstein 83,4 % 44,0 ... 52,6 % 0 ... 0,7 %

Herold

85,5 %

50,0 %

keine Angabe

Oberscheibe

90,2 %

49,3 ... 54,0 %

keine Angabe
Munzig (Weißkalk) keine Angabe 52,4 % 1,0 %

Groitzsch

keine Angabe

52,7 %

0,6 %
Schmiedewalde keine Angabe 53,3 % 1,0 %

Hermsdorf

96,7 %

54,5 %

keine Angabe

Hammerunterwiesenthal

97,5 %

54,7 %

keine Angabe

Miltitz, Krs. Meißen

98,4 %

55,2 % 

0,06 %

    

Als regionalgeologische Besonderheit muß schließlich noch das pleistozäne Kalktuffvorkommen bei Robschütz erwähnt werden. Dazu zitiert der Heimatforscher W. Schanze (*1938, †2014) aus dem „Vollständigen Staats- Post- und Zeitungs- Lexikon von Sachsen“, Band 9, Ausgabe 1822: „Ein Kalkbruch, der im J. 1809 von dem Rittergutsbesitzer angelegt wurde, hat seit jener Zeit eine bedeutende Größe erhalten und gibt während des Sommers mehrern Menschen Nahrung. Er wird durch Keilhauen, Schrammhämmer, Keile und Brechstangen bearbeitet, weil das Bohren und Schießen wegen der vielfachen Klüfte und natürlichen Höhlungen des Kalktuffs ganz unmöglich ist.

Aller Tuff wird in Verbindung mit pottschappler Steinkohlen in einem dabei angelegten, sehr großen Kalkbrennofen gebrannt, und giebt dann einen vorzüglich schönen weißen Kalk, den man häufig auch als Dünger benutzt. Der Besitzer, Herr Hause, läßt es sich dabei angelegen seyn, durch Entdeckung und Erhaltung der vorzüglichsten Merkwürdigkeiten seines Bruchs der Mineralogie zu nützen und hat in seinem Gute eine eigne Ausstellung der schönsten Versteinerungen errichtet...“  Um 1853 soll der saisonale Betrieb noch umgegangen sein, danach wurde er wegen Erschöpfung des Vorkommens eingestellt.

Das Vorkommen soll bereits 1565 bekannt gewesen sein und wird bereits von Petrus Albinus in seiner Meißnischen Bergchronik erwähnt: „Der Tropffstein / wie ihn die Gelehrten verdeutschen / ist gemeiniglich an Farbe und Härte dem pario marmori*) nicht unehnlich / … In Meyssen bricht ein Tropffstein an der Tribisch dem Wasser zwo Meilen von der Stadt Meyssen im Dorf Rabschütz / auf der linken Handt / wenn man nach Freyberg gehen will / gelegen / in demselben findet man Zapfen / Sewlen / Rören / welche gestalten die Natur also wunderlich formiret. …“

*) Aus dem Lateinischen, sinngemäß „dem gebürtigen“ oder „dem eigentlichen Marmor“.

Der Kalktuff war vorallem wegen der zahlreichen Fossilien, wie Schnecken und Blattabdrücke berühmt. Nach B. Cotta soll es 30 Fuß Mächtigkeit (also zirka 10 m) besessen und unmittelbar auf dem Syenit aufgelegen haben. In einer Fußnote vermerkt er: „Mein Vater besitzt eine sehr vollständige Suite der dort vorkommenden Versteinerungen, worunter sich ein Menschen- Schädel besonders auszeichnet. Blätter, Moose, Haselnüsse, Hirschgeweihe, Knochen, vollständige Schlangengerippe, Landschnecken u. s. w. sind alle in grosser Deutlichkeit vorhanden.“  1836 schreibt er in seinen Geognostischen Wanderungen: „Die Ablagerung dieses höchst porösen Gesteins nimmt nur einen geringen Raum mitten im Triebischthale ein, seine Bildung scheint gänzlich beendigt, die erzeugende Quelle versiegt oder entkalkt zu sein; es wird in einem Steinbruche gewonnen und im Ofen daneben gebrannt; im unteren Theile, zunächst dem Syenit, enthält es oft Bruchstücke desselben.“

Der Bruch ist heute verfüllt und nur noch sehr selten entdeckt man in Trockenmauern in Robschütz Stücke des Kalktuffs. Deshalb zeigen wir hier mal ein paar Beispiele aus Mühlhausen in Thüringen.

   


  An diesem Stück erkennt man gut die Hohlformen, die von den Kalkablagerungen umkrustete und später verrottete Schilfstengel hinterlassen haben, Durchmesser der dreikantigen Stengel zirka 1 cm. (Sammlung Boeck)
  


Hier auf diesem Stück haben sich Abdrücke Lorbeer- ähnlicher Blätter erhalten, Länge der Blätter zirka 6 cm.
(Sammlung Boeck)
 

  Die kalkigen Gehäuse von Weichtieren werden eingebettet und sind dann besonders gut erhalten. Hier ein Exemplar der Gemeinen Schnauzenschnecke Bithynia tentaculata (C. v. Linné, 1758), Durchmesser des Gehäuses zirka 0,5 cm. (Sammlung Boeck)

  

 

 

Zu den bergrechtlichen Besonderheiten des Kalkstein- Bergbaus

  

Das Bergbaurecht unterschied seit alters her zwischen sogenannten grundeigenen Rohstoffen und solchen, die dem landesherrlichen Bergregal unterlagen. Das Bergregal umfaßte den Rechtsanspruch des Landesfürsten auf die Gewinnung der Edelmetalle. In der Ronkalischen Konstitution von 1158 ließ Kaiser Friedrich I., Barbarossa das bisherige Gewohnheitsrecht der Regalien und damit auch das Bergregal erstmals schriftlich fixieren. Dadurch war das Recht zur Gewinnung von Bodenschätzen dem Grundbesitzer entzogen und das Abbaurecht mußte spätestens von diesem Zeitpunkt an beim König erworben werden. Unter die Regalrechte fielen auch die Salzgewinnung, was in der Mark Meißen aber mangels Lagerstätten entfiel, sowie der Salzhandel.

Der Kleinstaaterei und der Sonderstellung der geistlichen Fürstentümer im Heiligen Römischen Reich geschuldet, war das königliche Bergregal aber in der Praxis kaum durchsetzbar. Vielfach wurde es deshalb an den Territorialherrn verliehen. So verlieh Friedrich, der I. dieses Privileg u. a. auch an den derzeitigen Markgrafen von Meißen, Otto, später der Reiche genannt. Die Wettiner beanspruchten darum das Abbaurecht für alle Vorkommen von Gold, Silber und Edelsteinen, später auch für andere Buntmetallerze sowie für das Kobalt in der Mark Meißen und ihren späteren Besitzungen für sich.

Demgegenüber verblieben aber „profane Rohstoffe, wie Werkstein, Lehm, Ton, Kalk, Kohle und auch Eisenerze im Eigentum des Grundbesitzers. Da diese Rohstoffe außerdem oft im Tagebau gewonnen werden konnten, war zudem bei ihrer Gewinnung auch weniger behördliche Aufsicht und technische Kontrolle erforderlich.

Aus diesen Gründen unterlag der Erzbergbau einer strengen technischen und wirtschaftlichen Kontrolle durch die kursächsischen Bergämter. Eine Aufsicht über die (gewerblichen) Gewinnungsbetriebe der Steine- und Erdenindustrie dagegen bestand gar nicht, bzw. oblag später zunächst den örtlichen Behörden. Daher finden sich die frühesten Erwähnungen des Kalkbergbaus nicht in Akten des Bergarchives, sondern oft des Finanzarchives in Dresden (z. B. für Miltitz aus dem Jahr 1571 und aus dem Zeitraum 1577 bis 1626, vgl. 40073-1, Nr. 018, historische Übersicht).

Diese Zweiteilung und die staatliche Kontrolle über wesentliche Teile des (Erz-) Bergbaus in Sachsen wurden erst 1868 mit der Inkraftsetzung des Allgemeinen Berggesetzes für das Königreich Sachsen aufgehoben. Eine wesentliche Grundlage für diesen Schritt bildete die sukzessive Einführung der Gewerbefreiheit in den Deutschen Staaten, ausgehend von Preußen. Dort wurden unter Federführung von Karl Freiherr von Stein und Karl August Fürst von Hardenberg ab 1810 die sogenannten Preußischen Reformen umgesetzt. Sie waren eine Reaktion auf die Niederlage Preußens gegen Napoleon in der Schlacht bei Jena und Auerstedt im Jahr 1806. Große Gebietsverluste, erdrückende Tributzahlungen an Frankreich und das Bestreben, sich im Kreis der Großmächte zu behaupten, nötigten die preußische Staatsführung ab 1807 zu Modernisierungen, die auf den Ideen der Aufklärung beruhten.

Es dauerte jedoch noch lange, bis am 13. Juli 1868 das Gesetz, betreffend den Betrieb der stehenden Gewerbe bekanntgemacht wurde. Mit Inkrafttreten der Gewerbeordnung vom 21. Juni 1869 wurde die Gewerbefreiheit auf die Länder des Norddeutschen Bundes ausgeweitet und mit dem Übergang zum Deutschen Kaiserreich 1871 wurde es auf das neue Reichsgebiet ausgedehnt. Es folgte der Wirtschaftsboom der  Gründerzeit, der auch von zahlreichen sozialen Verwerfungen begleitet wurde. Durch diese Veränderungen wurde auch der bis dahin überwiegend den meist adligen Landeigentümern zugehörige grundeigene Bergbau einer breiteren Schicht begüterter Bürger zugänglich.

Bereits das Gesetz über den Regalbergbau im Königreich Sachsen vom 22. Mai 1851 löste die Bergordnung Kurfürst Christians vom 12. Juni 1589 ab, hielt aber noch am Direktionsprinzip fest. Erst das Allgemeine Berggesetz für das Königreich Sachsen vom 16. Juni 1868 änderte dies grundlegend. In Zusammenhang mit dem Berggesetz wurden auch die vormaligen Bergämter aufgelöst. Seitdem unterlagen alle Bergbaubetriebe gleichermaßen der bergtechnischen Überwachung durch das neugeschaffene Landesbergamt Freiberg, während alle wirtschaftlichen Belange den Betreibern der Bergwerke überlassen wurden. Damit wurde nun auch dem grundeigenen Bergbau zunehmend behördliche Aufmerksamkeit zuteil. Mit einer Verordnung von 1877 wurden die Amthauptmannschaften beauftragt, „sich von Zeit zu Zeit Kenntnis über Betrieb und Besitzer der Thongruben, Kalkwerke und anderen Gräbereien…“ zu verschaffen (40024-12, Nr. 011).

Im Vorwort zur Bestandsgeschichte der Deponierten Risse der Steine- und Erdenindustrie im Bergarchiv Freiberg (Bestand 40037) lesen wir dazu: „Während für den Regalbergbau bereits seit 1667 durch ein von Kurfürst Johann Georg II. erlassenes Dekret für jede Grube die Anfertigung eines Markscheiderrisses für das Bergamt vorgeschrieben war, sowie die bisherigen Bergwerksbesitzer später auch bei der Stilllegung eines Berggebäudes gehalten waren, ihre Zechenrisse nachzubringen und beim Bergamt bis zur Wiederaufnahme der Grube zu deponieren, so galt Abbaugegenständen wie Kohle, Steinen und Erden wenig bergbehördliches Interesse. Eine Ausnahme bildeten hierbei nur fiskalische Gruben. In der Mitte des 19. Jahrhunderts wurde der zunehmende unterirdische Kohlebergbau einer verstärkten bergamtlichen Aufsicht unterstellt und auch die Rißhaltung und Deponierung in Anlehnung an den Regalbergbau zur Vorschrift gemacht.

Steinbrüche, Spat-, Kalk- und Tongruben wurden dagegen als gewerbliche Gruben der Gewerbeaufsicht der Amtshauptmannschaften unterstellt. Erst im Jahre 1900 erfolgte die Übertragung der Aufsicht über unterirdische gewerbliche Gruben an die Berginspektionen. Nachfolgend wurde die Deponierungspflicht für das Rißwerk auch auf diese Gruben ausgedehnt. Da offensichtlich keine Verpflichtung zur Beauftragung eines Markscheiders bestand, erfolgte vor allem bei den kleineren Tongruben die Rißzeichnung durch den Steiger, der während seiner Bergschulausbildung rißzeichnerische Grundkenntnisse erlangt hatte, aber kaum geeignetes Zeichenwerkzeug besaß. So entstanden grobe, oft unsaubere Darstellungen mit z. T. fehlenden Maßstäben und nur vagen Beschreibungen, die mitunter auch stark fehlerhaft waren, wie aus später aufgebrachten Bemerkungen von Markscheidern hervorgeht. Die Überlieferung zeigt, daß die Fertigung solcher „Steigerrisse“ bei den Tongruben bis in die 1930er Jahre praktiziert wurde. Im Oktober 1943 gingen auch die übertägigen Betriebe der Steine- und Erdenindustrie aus der Gewerbeaufsicht in die Bergaufsicht über, so daß (erst) seit dieser Zeit auch Tagebaurisse vorliegen. …“  

In den Jahrbüchern für das Berg- und Hüttenwesen im Königreich Sachsen liest man aus diesem Grund erst in der Ausgabe vom Jahr 1901 den folgenden, ausführlichen Bericht über die gewerblichen Gruben:

  

V. Allgemeine Mittheilungen über die unterirdischen gewerblichen
Gruben auf das Jahr 1900.
(Auszug aus dem bergamtlichen Jahresberichte.)  

1. Zahl und Art der Gruben.  

Zu den ganz oder theilweise unterirdisch, betriebenen Brüchen und Gruben, welche nicht unter die Berggesetzgebung, sondern unter die Vorschrift in § 154 a der Gewerbeordnung fallen den sogenannten gewerblichen Gruben gehören  

  • 14 nur unterirdisch betriebene Kalksteinbrüche,

  • 16 theils unterirdisch, theils oberirdisch betriebene Kalksteinbrüche, wobei bei 6 Kalksteinbrüchen der unterirdische und bei 10 der oberirdische Betrieb der überwiegende ist,

  • 14 unterirdisch betriebene Thongruben,

  • 9 unterirdisch betriebene Porzellanerdegruben mit 5 zugehörigen Schlämmereianlagen,

  • 1 unterirdisch betriebener Quarzbruch,

  • 1 unter- und oberirdisch, überwiegend aber unterirdisch betriebener Serpentinsteinbruch,

  • 1 unterirdisch betriebene Formsandgrube und

  • 1 unter- und überwiegend oberirdisch betriebene Formsandgrube.  

Der Betrieb war bei den meisten Werken in der reichlichen ersten Hälfte des Berichtsjahres im Allgemeinen noch als ein ziemlich reger zu bezeichnen; im Herbste jedoch trat ein entschiedener Rückgang ein, der bis zum Jahresschluß anhielt. 

   

2. Die auf die gewerblichen Gruben bezügliche Gesetzgebung.  

Durch Verordnung, die Aufsicht über die unterirdisch betriebenen Brüche und Gruben betreffend, vom 12. Mai 1900 wurde vom 1. Juni 1900 ab die von den Ortspolizeibehörden bez. Gewerbeinspektionen bisher ausgeübte betriebspolizeiliche Aufsicht über obenbezeichnete Anlagen dem Bergamte übertragen; zur Wahrnehmung derselben ist eine achte Berginspektion, Freiberg III, errichtet worden. 

Die Gewerbe-Beaufsichtigung im Sinne von § 139b der Gewerbeordnung und § l der Verordnung, die Gewerbe-Beaufsichtigung betreffend, vom 6. April 1892 wurde dieser Berginspektion übertragen. Dagegen verblieben der bisherigen Aufsicht durch die Ortspolizeibehörde die Aufsicht über die Dampfkessel, die Kalköfen, sowie ferner über die Kranken- und Invalidenversicherung.

  

3. Bergpolizeilich wichtige Vorgänge.  

Bei den stattgefundenen Revisionen ergab sich, daß bei den Grubenbetrieben noch mancherlei zu vermissen war, was in sicherheitspolizeilicher Beziehung verlangt werden muß.

Bei verschiedenen Kalkwerken und namentlich bei den Thon- und Porzellanerdegruben fehlte ein zweiter Tageausgang, welcher es der angefahrenen Mannschaft ermöglicht, beim Unfahrbarwerden des einen Ausganges durch den anderen die Tagesoberfläche zu erreichen; auch war nicht überall der Gewinnungsbetrieb so geführt, daß von jedem Arbeitspunkte aus beide Tageausgänge zugängig waren. … 

Bei den Kalksteinbrüchen der älteren Gebirgsformationen, in denen der Kalkstein in Weitungsbauen gewonnen wird, war mehrfach zu erinnern, daß die zu belassenden Kalksteinpfeiler und die zwischen den einzelnen Abbausohlen zu belassenden Festen (Schweben) über Gebühr geschwächt waren. Bei einem Werke führten die in dieser Hinsicht früher begangenen Fehler insofern zu einer Katastrophe, als an zwei Stellen die Baue von Tage herein bis zu der 65 m unter Tage gelegenen tiefsten Sohle zusammenbrachen, wobei es nur der Umsicht des Betriebsleiters zu danken war, daß nicht Menschenleben gefährdet wurden. Vielfach wurden auch genügende Absperrungen der Schächte und der Brems- und Haspelberge an deren Kopf und Fuß vermißt. …

Der Umgang mit den Sprengstoffen seitens der Arbeiter war im Allgemeinen verständig und gab zu Ausstellungen keinen Anlaß; dagegen war an der Führung der Sprengstoffregister durch die Werksbeamten vieles auszusetzen. Die Berginspektion sah sich mehrfach genöthigt, die Beamten in der Führung der Bücher zu unterrichten und auf die gesetzliche Strafe hinzuweisen, welche die Außerachtlassung der Bestimmungen nach sich ziehen würde. …

   

4. Das Arbeiterwesen.  

Es wurden im Berichtsjahre bei den Gruben des Inspektionsbezirkes 819 Arbeiter und Arbeiterinnen beschäftigt und zwar:

  • 389 Mann und 4 Frauen bei den Kalkwerken,

  • 233     „        „    —     „         „     „      Thongruben,

  • 155     „        „     4      „         „     „      Porzellanerdegruben,

  • 34       „        „    —     „         „     „       sonstigen Gruben.

Jugendliche Arbeiter waren auf den Werken nicht beschäftigt, Arbeiterinnen nur 8, die sämmtlich über 21 Jahre alt, verheirathet, verwittwet oder geschieden waren. Sie arbeiteten auf den Kalkwerken, wo sie das Ausschlagen der Kalksteine besorgten, und in den Porzellanerdeschlämmereien.

Die Arbeitszeit ist fast allgemein eine zwölfstündige, in den Wintermonaten theilweise auch nur zehnstündig. Überschreitungen derselben sind nicht beobachtet worden. Nachtarbeit findet so gut wie nicht statt. Sonntagsarbeit ist nur wenig verrichtet worden; sie hat sich auf diejenigen Arbeiten beschränkt, von denen der regelmäßige Fortgang des werktägigen Betriebes abhängig ist. ...“ 

 ...

„Im Jahre 1900 betrug die durchschnittliche tägliche Belegschaft bei den unterirdischen gewerblichen Gruben:

  •   84 Beamte,

  • 811 männliche Arbeiter,

  •     8 weibliche,

  • 903 Personen überhaupt.

Von diesen wurden 525 d. s. 58 % unter Tage beschäftigt. …“     

In dieser Jahrbuchausgabe ist auch eine Auflistung der anno 1900 noch in Betrieb stehenden Kalkwerke enthalten („I. Übersicht der unterirdischen gewerblichen Gruben, ihrer Besitzer, Vertreter und Verwaltungsbeamten…“), die wir in Tabellenform zusammenfassen: 

  

Private Kalkwerke  

Fiskalische Kalkwerke  

  
1. Eulitz'sche Kalkwerke in Pulsitz und Ostrau (Eulitz, R., Gutsbesitzer in Pulsitz)

2. Kalkwerk Crottendorf (Köhler, Joh.,)

3. Böhme's Kalkwerk in Herold.

4. Böhme's Kalkwerk in Hammer-Unterwiesenthal. (Böhme, E., Gutsbesitzer in Herold)

5. Vereinigte Kalkwerke Griesbach- Venusberg in Griesbach (GmbH)

6. Kalkwerk Groitzsch (Kippe, 0., Rittergutsbesitzer in Groitzsch

7. Kluge's Kalkwerk in Steinbach (Amt Wilsdruff)

8. Kretzschmar's Kalksteinbruch in Geithain (Kretzschmar, Ed., in Geithain)

9. Krumbiegel's Kalkwerk in Braunsdorf bei Tharandt (Krumbiegel, A. verw., in Braunsdorf)

10. Lorenz'sches Kalkwerk in Schrebitz (Lorenz, P., Gutsbesitzer in Schrebitz)

11. vorm. Königliches Kalkwerk in Paschkowitz. (Michael, F. W., Firma Emil Michael in Paschkowitz.)

12. Kalkwerk Miltitz (von Heynitz, G. A., Rittergutsbesitzer in Miltitz)

13. Ostrauer Kalkgenossenschaft in Ostrau (Ostrauer Kalkgenossenschaft AG)

14. Kalkwerk Ottendorf (Meister, A., Gutsbesitzer in Ottendorf und Schlenzig, A., Fabrikant in Krumbach. (Firma Meister & Schlenzig in Ottendorf)

15. Kalkwerk Rabenstein (Esche, R., Gutsbesitzer in Rabenstein)

16. Runge's Kalkwerk in Kiebitz (Betrieb eingestellt), Runge,0. E., Gutsbesitzer in Kiebitz

17. Kalkwerk Tharandt (Paul Zschille aus Großenhain)

18. Uhlemann's Kalkwerk in Görlitz und Schrebitz. (Uhlemann, A., Kammergutspächter in Mügeln)

19. Wätzig's Kalkwerk in Grumbach (Wätzig, F. 0., Kalkwerksbesitzer in Grumbach.)

20. Wahlener Kalksteinbruch in Crimmitschau (Königin Marienhütte, Aktien-Gesellschaft in Cainsdorf)

21. Kalkwerk Wildenau (Hempel, C. H, Kalkwerksbesitzer in Wildenau) 

22. Kalkwerk Carl Wolf in Schrebitz (Wolf. C. C., Gutsbesitzer in Schrebitz)
   
 

  
23. Fiskalisches Kalkwerk Crottendorf 

24. Fiskalisches Kalkwerk Heidelbach zu Schönbrunn

25. Fiskalisches Kalkwerk Hermsdorf

26. Fiskalisches Kalkwerk Lengefeld

27. Fiskalisches Kalkwerk Neunzehnhain

28. Fiskalisches Kalkwerk Oberscheibe

29. Fiskalisches Kalkwerk Hammer-Unterwiesenthal

30. Fiskalisches Kalkwerk Zaunhaus in Rehefeld. (Betrieb eingestellt).

  

Nebst den beiden Kalkwerken bei Steinbach und Grumbach weiter südöstlich waren in der Region somit im Jahr 1900 bereits nur noch die zwei Kalkwerke in Groitzsch und in Miltitz in Betrieb (vgl. Tabelle weiter oben im Kapitel zur Geologie: 1884 waren es noch sieben).  

Anmerkung: Diese Aufführung enthält nur die gewerblichen Gruben und nur diejenigen, die ausschließlich auf Kalkstein, Dolomit und Marmor bauten und deshalb nicht solche Gruben, wie zum Beispiel Herkules & Frisch Glück bei Waschleithe, welche als Erzgrube gemutet war und Marmor als Nebenprodukt hereingewann.

Der oben schon erwähnte Rückgang des Betriebes in der zweiten Jahreshälfte 1900 hielt in der Folgezeit an und verstärkte sich noch infolge des 1. Weltkrieges. Zudem verloren die lokalen Steine- und Erden- Gewinnungsbetriebe durch das bereits in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts stark angewachsene Eisenbahnnetz sukzessive ihren wesentlichen wirtschaftlichen Standortvorteil der niedrigeren Transportkosten – vorallem gegenüber der Konkurrenz der Importe aus Böhmen und Schlesien.

Nach der Aufstellung in der betreffenden Jahrbuchausgabe waren zum Kriegsende 1918 von den oben aufgeführten 30 Kalkwerken nur noch neun übrig, von denen bereits drei in Fristen gehalten wurden:

  1. Böhmes Kalkwerk in Hammer-Unterwiesenthal.

  2. Böhmes Kalk- und Marmorwerk Herold in Herold.

  3. Dietrichs Marmorbruch im Tännicht zu Mittweida. (Seit 1908 ohne Betrieb.)

  4. Eulitz‘sche Kalkwerke in Pulsitz und Ostrau. (Seit 1915 ohne Betrieb.)

  5. Staatliches Kalkwerk Hermsdorf in Hermsdorf.

  6. Staatliches Kalkwerk Lengefeld in Lengefeld.

  7. Staatliches Kalkwerk Oberscheibe in Oberscheibe.

  8. Staatliches Kalkwerk Unterwiesenthal in Hammerunterwiesenthal.

  9. Kalkwerk Grießbach in Grießbach. (Seit 1916 ohne Betrieb.)

Während des Nationalsozialismus wurde das Bergwesen im Deutschen Reich neu geordnet. Anstelle des Landesbergamtes wurde erneut ein Oberbergamt in Freiberg geschaffen, dem eine Bergwirtschaftsstelle und eine Lagerstättenforschungsstelle nachgeordnet waren. Während dieser Zeit war der Abbau im Bereich des Nossen- Wilsdruffer Schiefergebirges aber ohnehin praktisch zum Erliegen gekommen. Im Bergwerksverzeichnis von 1941-1942 werden nur noch die folgenden sechs Kalkwerke aufgeführt.

  1. Kalkwerke Hammerunterwiesenthal I und II

  2. Kalkwerk Hermsdorf

  3. Kalkwerk Herold

  4. Kalkwerk Lengefeld

  5. Kalkwerk Nentmannsdorf

  6. Kalkwerk Oberscheibe

Von der Bergaufsicht abzugrenzen war immer die technische Überwachung der Maschinen und Anlagen. Die Prüfung von Dampfkesseln, Brennöfen und elektrischen Anlagen war Aufgabe der Gewerbeinspektion – früher der Amtshauptmannschaft Meißen, später des Landkreises Meißen. Bis 1926 erteilte die Gewerbeinspektion auch die Genehmigungen für den Umgang mit und die Lagerung von Sprengstoffen. Nach 1946 übernahm diese Kontrollfunktionen die Arbeitsschutzinspektion (ASI) des Landkreises.

  

 

 

Zum Abbau der Kalklager

  

Beide Lager in Miltitz ähneln sich in ihrer geologischen Struktur sehr. Beide fallen mit flacher Neigung nach Nordosten ein und bilden unsymmetrische, schüsselförmige Linsen von Kalkstein. Nur im Neuen Lager traf man einen größeren Verwerfer, eine tektonische Störung, die das Lager durchtrennte und um 7 m bis 9 m in der Höhe versetzte.  

Aufgrund der Neigung des Lagers konnte man keinen systematischen Kammerpfeilerbau fahren, sondern entschied sich im Alten Lager für den Weitungsbau. Damit konnte man auch auf wechselnde Qualitäten des Gesteins reagieren und die Sicherheitspfeiler dementsprechend dimensionieren.

  


Das abgebaute Feld des Alten Kalkwerkes im Weißkalklager nach Rißunterlagen aus der BSA (40073-1, Nr. 028), die Farbabstufung gibt die Höhenlage der Sohlen über NN an. Darin weiß: rißlich dokumentierte Pfeiler (unvollständig), schwarz: Konturen des Tagebaus und der Tiefbaue im Blauen Bruch, rot umrandet: Konturen der Pinge des Tagebruchs von 1916 an der Oberfläche, schwarz punktiert: Ausbreitung der Bruchmassen innerhalb der Tiefbaue im Weißkalklager.

 

Als Förderschächte legte man sowohl im Alten, als auch im Neuen Kalkwerk im Fallen der Lager Schrägschächte an (Förderbremsberge oder Tagesfallorte). Von diesen ausgehend fuhr man zunächst Sohlengrundstrecken auf und begann dann von den Strecken aus nach oben und unten den Kalkstein auszuhauen.

Der Abbau erfolgte bis an die Grenzen des Lagers, obwohl man an der Firste mindestens einen halben Meter Kalk als „Gewölbe“ stehen lassen mußte. Nach einiger Zeit hatten die einzelnen Weitungsbaue zur nächsthöheren oder nächsttieferen Sohle durchgeschlagen und es entstanden die Böschungen zwischen den Stützpfeilern, die eine klare Abgrenzung der ursprünglichen Sohlen voneinander heute kaum noch möglich machen.  

Die größte Teufe erreichte man im Alten Lager (auf der 8. Sohle) mit etwa 100 m unter Gelände.

Die Pfeiler sind im Alten Kalkwerk völlig unregelmäßig verteilt und im Mittel 6 m bis 8 m breit. Der Markscheider Oscar Choulant schreibt 1891 in einem Fahrbericht, daß der maximale Pfeilerabstand bis zu 25 m betragen habe, was nach den überlieferten Unterlagen besonders das flacher liegende Ostfeld nahe der Bahnlinie betraf. Aufgrund der Mächtigkeit des Lagers haben die offenen Abbauhohlräume unter den „Gewölben“ in den mittleren Sohlen dann bis zu 15,4 m saigere Höhe erreicht.

1900 bemerkt der Bergmeister Seemann in seinem Befahrungsbericht, daß die Pfeiler etwa 4 m Durchmesser und 8 m Abstand hätten, was nach den erhaltenen Rißunterlagen vor allem die 7. und 8. Sohle betroffen haben dürfte. In analoger Weise ging man auch im Blauen Bruch beim Übergang zum Tiefbau vor.

Auf den tiefen Sohlen und im Ausstreichen des Lagers ging man gelegentlich auch im Örterbau vor. Es ist jedoch anzunehmen, daß im Auskeilen des Lagers sich ein Durchhieb der einzelnen Sohlen einfach nicht mehr lohnte und so die streckenförmigen Örter im Randbereich erhalten blieben.  

Die Gewinnung erfolgte zumeist schon Ende des 19. Jahrhunderts durch Bohr- und Schießarbeit. Anfangs benutzte man Schießpulver, das in gebührender Entfernung in einem Pulverturm oberhalb des Werksgeländes am Blauen Bruch gelagert wurde. 1895 richtete man im Blauen Bruch ein untertägiges Dynamitlager ein. 

Im Neuen Lager versuchte man – auch aufgrund der Erfahrungen aus dem Tagebruch von 1916 – systematischer vorzugehen und legte einen vergleichsweise regelmäßigen Kammerpfeilerbau an. Die Pfeiler wurden (Betriebsplan 1946) mit 6 bis 8 m Breite und ebenso in 6 m bis 8 m Abstand vorgesehen. Auch im Neuen Lager wurden Abbauhöhen bis über 10 m erreicht. Das auch hier im Hangenden nachgewiesene Graukalklager wurde im Gegensatz zum Alten Lager nie bebaut.

Die größte Teufe erreichte im Neuen Lager etwa 60 m unter Gelände.

Auch wenn man aus dem nördlich liegenden Tälchen (dem Wiesengrund) heraus in wesentlich geringerer Tiefe an das Weißkalklager herangekommen wäre, war der Aufschluß des Neuen Lagers mit einem langen Fallort eine geschickte Lösung. Von dessen Mundloch führte eine Hängeseilbahn in gerader Linie weiter zum Standort des einstigen, von Heynitz'schen Kalkwerkes an der Bahnlinie. Auf diese Weise konnte die Förderung nach übertage und der Transport zur Verladestelle am Bahnhof Miltitz- Roitzschen zu einem Schritt kombiniert werden. Das Profil des Fallortes war jedoch zu gering ausgelegt, um die Seilbahn bis nach Untertage fortzuführen. Daher mußte übertage umgeladen werden.

  


Das abgebaute Feld des „Neuen Kalkwerkes“ im Weißkalklager nach Rissunterlagen aus der BSA (40073-1, Nr. 028), die Farbabstufung gibt auch hier die Höhe der Sohlen über NN an. Darin weiß: Pfeiler; im Bereich des Wiesengrundes und des Weges von Miltitz nach Roitzschen beließ man aufgrund der hier geringeren Überdeckung einen besonders breiten Sicherheitspfeiler, der nur von zwei Verbindungsstrecken unterfahren wurde.

  

In Groitzsch ging man in gleicher Weise vor. Bereits Ende des 19. Jahrhunderts hatte man aus dem Tagebau heraus begonnen, Tiefbaue anzulegen (1. und 2. Sohle). Die Förderung erfolgte zu dieser Zeit über einen Tagesschacht. Wasserlösung schaffte dem Kippe’schen Werk ursprünglich ein zirka 250 m langer Stolln (Rösche), welcher im Niveau der 2. Sohle ansetzte.

Nach 1946 legte man zunächst das Fallort West I aus der 2. Sohle heraus an, um die 3. Sohle auszurichten, später das Fallort West II zum Aufschluß der 4. und 5. Sohle. Dabei gab es hier aber nur Blindschächte für die Wetterführung und die Fallorte für die Fahrung und Förderung, sonst aber keine Durchhiebe der Abbaue zwischen den einzelnen Sohlen.

Gegenüber den Miltitzer Lagern fällt das Groitzscher steiler ein, so daß sich die Sohlen abschnittsweise überschneiden. Dabei achtete man aber darauf, daß die Abbaukammern jeweils übereinander zu liegen kommen, damit die Pfeiler nicht ihre Last auf die Schweben darunterliegender Kammern übertrugen.

Die größte Teufe erreichte die 5. Sohle mit etwa 70 m unter Gelände.

Die Förderung erfolgte über die Fallorte zur 2. Sohle und dann über eine Rampe (Förderbremsberg) aus dem Tagebau heraus, die noch heute im Geländerelief zu erkennen ist. Die Kalköfen und  Verarbeitungsanlagen standen in den 1950er Jahren südlich des früheren Kippe'schen Kalkwerkes und wurden nach der Betriebseinstellung komplett abgerissen.

  


Das abgebaute Feld des Groitzscher Kalkwerkes nach Rißunterlagen aus der BSA (40073-1, Nr. 065), die Farbabstufung gibt wieder die Höhenlage der tiefsten Punkte der einzelnen Sohlen über NN an.
Man beachte nebenbei die Beschriftung des hinterlegten Arbeitsrisses rechts oben: Für das Risswerk des Kalkwerks Groitzsch zeichnete noch bis 1955 der uns sonst als Fotograf bekannte Markscheider P. Schulz verantwortlich.

  

Der vor Ende des 19. Jahrhunderts eingestellte Abbau in Schmiedewalde entsprach bis dahin dem in Groitzsch. Auch hier hatte man bereits begonnen, aufgrund zunehmender Abraummächtigkeiten Tiefbaue anzulegen.

Die Kalklager bei Munzig wurden bei der Suche nach Erzen entdeckt, waren durch Stollen und Schächte erschlossen und wurden ausschließlich von Untertage aus als Nebenprodukt abgebaut. Auch in Burkhardtswalde waren keine übertägigen Tagebaue vorhanden, bzw. blieben nicht erhalten. Man nutzte hier ebenfalls einen Stollen als Wasserlösungs- und Förderstrecke.

Ausbau war nur im Deckgebirge und an einzelnen, gebrächen Bereichen (besonders in den Tagesstrecken) erforderlich. Dies betrifft z. B. im Tagesfallort auf das Neue Lager in Miltitz den Abschnitt bis 100 m Entfernung vom Mundloch, der aufgrund zweier Einbrüche 1925 bei 35 m und 85 m Abstand vom Mundloch aus Sicherheitsgründen ausgemauert wurde. Im Alten Lager wurde u. a. der vordere Teil des Adolph Stollens durch schöne, ovale Ausmauerung gesichert. Im Kalklager selbst tragen sich die Firsten bei Beachtung der erforderlichen Mindestmächtigkeiten des Gewölbes und Einhaltung der Pfeilerdimensionierung aus eigener Kraft.

Zur Sicherung abgeworfener Grubenbaue dämmte man sie schon in der Vergangenheit mit Mauerwerk oder Trockenmauern ab, um die Last der Firste zusätzlich abzustützen und versetzte sie dann soweit erforderlich und möglich, mit anfallendem Abraummaterial.

Die Füllorte der Schächte im Alten Kalkwerk wurden 1948 bis in deren Firste aufgemauert und der obere Teil dann mit Massen verstürzt. Das Ostfeld nahe der Bahnstrecke hat man 1966 bis 1972 durch vollständige Verfüllung dauerhaft verwahrt. Allein für diesen Teilbereich wurden rund 30.000 m³ Material benötigt.

Auch das Fallort auf das Miltitzer Neue Lager wurde im tagesnahen Abschnitt komplett verfüllt.

    

 

 

Zur Verarbeitung des „Marmors“

  

Das Kalkbrennen (Technischer Kalk-Kreislauf)

Abbauwürdige Kalksteine und Marmor bestehen zum überwiegenden Teil aus dem Mineral Calcit (Kalkspat). Beim Brennen des Kalksteins wird ab einer Temperatur von etwa 1000°C der Kalkspat entsäuert, das heißt Kohlensäure (das Kohlenstoffdioxid) wird ausgetrieben und es entsteht Branntkalk, chemisch das Kalziumoxid.
 

Kalziumkarbonat

 

Kalziumoxid und Kohlendioxid

CaCO3  

CaO + CO2

Von diesem Vorgang ist die Bezeichnung „Kalzination“ für vergleichbare Prozesse abgeleitet. Zum Brennen müssen unbedingt Stückkalk und stückige Kohle eingesetzt werden, damit in den Zwickeln des Materials von unten genügend Sauerstoff zutreten und das Kohlendioxid nach oben abziehen kann. Der preußische Oberbergrat Kühn berichtet 1837 über das Rüdersdorfer Kalkwerk, daß man dort „...zu den ordinairen Kalksteinen oder Brennsteinen Stücke rechnet, welche 36 Cubikzoll*) bis ½ Cubikfuß Inhalt und 3 bis 75 Pfd. Gewicht**) haben.

*) Für das Raummaß trockener Schüttgüter wurden bis zur Einführung der Meterkonvention 1875 auch die Einheiten Kubikzoll und Kubikfuß verwendet. Sie beruhten in den Ländern auf verschiedenen Zoll- und Fuß-Maßen und unterschieden sich folglich deutlich. Ein Kubikzoll entspricht in etwa einem Raummaß von 16 cm³ bis 19 cm³ (Pariser Kubikzoll), 36 davon also etwa 684 cm³ oder etwas mehr als einem halben Liter. Ein sächsischer Kubikfuß entspricht zirka 0,0227 m³, respektive etwa 22,7 Litern. Die Korngröße des brennbaren Kalksteins lag demnach bei einer Kantenlänge zwischen mindestens 8 cm und etwa 30 cm. Zu groß durften die Brocken auch wieder nicht sein, damit sie innerhalb der Brennzeit auch „gar“ brannten.

**) Also rund 1,5 kg bis 37,5 kg. Für das Gewichtsmaß Pfund gilt das oben Gesagte gleichermaßen, wie für die Raummaße.

 

Durch die Abgabe des Kohlendioxyds wird auch das spezifische Gewicht des Produktes geringer. Das Massenverhältnis kann man mit dem Periodensystem schnell abschätzen: Die molare Masse des Karbonats beträgt nämlich zirka 40+12+3 ·16 = 100 g/mol; die molare Masse des Oxids dagegen nur 40+16 = 56 g/mol. Ein gegebenes Volumen Rohkalk wiegt demnach fast doppelt so viel, wie der daraus erzeugte Branntkalk. Bezieht man sich also bei der Angabe von Produktionsmengen auf das Gewicht von Fördergut und Produkt, muß man zirka die doppelte (Gewichts-) Menge abbauen, die man als Fertigware verkaufen will.

  


Der Vorgang des Kalkbrennens am Beispiel eines im 18. und 19. Jahrhundert üblichen Schnellerofens. Das Schnittbild entspricht unseren noch folgenden Zeichnungen zum Kalkofen bei Steinbach. Die oft in schönem Bruchsteingewölbe aufgemauerten, unteren Zugänge waren nicht nur Abzüge für den gar gebrannten Kalk, sondern gewissermaßen auch
„Windkanäle“ und von großer Bedeutung für den chemischen Prozeß.

  

Bei der Verwendung relativ reiner Kalkgesteine entsteht der Weißkalk (Fettkalk) mit 90 bis 95 % CaO. Anderenfalls spricht man von Magerkalken. Magnesiumhaltige Kalke mit höheren Anteilen von weißer Magnesia (MgO) ergeben sogenannte Magnesiakalke. Kieselkalke, wie Korallenkalk oder Muschelkalk ergeben Kalke in technischer Nähe zum Zement, also härtere und deutlich wasserresistentere Baustoffe. Kalke minderer Qualität entstehen dagegen bei Verwendung von Kalksandsteinen, die tonige Anteile enthalten (im Wesentlichen Magnesium- und Aluminium- Silikate). Wenn das Ausgangsmaterial höhere Anteile organischer Bestandteile (Kohlenstoff) enthält oder wenn durch die Art der Verarbeitung höhere Anteile organischer Bestandteile im Produkt verbleiben, entsteht Grau- oder Schwarzkalk.

Ungünstig ist die Verwendung von Koks als Brennstoff zum Kalkbrennen, da Koks schwefelhaltig ist und bei den hohen Temperaturen der Kalk teilweise zu Gips „verschwefelt“. Gleiche Effekte können auch beim Einsatz von Holz oder Braunkohle als Brennstoff auftreten. Daher werden besonders hochwertige Kalke heute gasgebrannt oder sogar durch Zuführung elektrischer Energie erhitzt.

 

Die ersten Einrichtungen zum Kalkbrennen waren einfache sogenannte Feldöfen ohne Ummauerung. Solche Brennöfen werden von J. Otto im Jahre 1840 zumindest noch erwähnt: „…Noch muß das Brennen des Kalkes in Meilern*) wenigstens erwähnt werden. In einigen Gegenden Englands, auch Belgiens, werden die Kalksteine mit Steinkohlen oder mit Torf geschichtet, zu Meilern geformt, denen man eine Decke von Erde oder Rasen giebt. In der Mitte befindet sich, wie bei den Kohlenmeilern, ein Schacht, durch welchen das Anzünden bewerkstelligt wird. Die Leitung des Feuers wird, wie bei dem Kohlenbrennen, durch die Erddecke möglich gemacht. Man macht nämlich nach und nach in verschiedenen Höhen Oeffnungen (Räume, Räumlöcher) in die Decke des Meilers und regulirt durch Verschließung oder Vergrößerung derselben den Zug. Zieht sich das Feuer zu stark nach einer Seite, so werden an dieser die Oeffnungen mehr oder weniger verstopft; soll das Feuer nach einer Seite hingeleitet werden, so werden an dieser die Oeffnungen vergrößert, oder so wird hier die Anzahl derselben vermehrt.“

*) Anmerkung: Der Begriff „Meiler“ ist aus technischer Sicht eigentlich falsch. Der Meiler wird unter weitgehendem Luftabschluß, also unter reduzierenden Bedingungen befeuert (vgl. den (Holz-)Kohlen-Meiler). Dabei findet kein „Brennen“, sondern ein „Verschwelen“ statt. Beim Kalkbrennen erfordert bereits die höhere Brenntemperatur (bis zu 1.200°C) eine verstärkte Sauerstoffzufuhr.

 

Eine Weiterentwicklung bildeten die Trichterofen, bei denen innerhalb einer Heizkammer etwa in der Mitte eine Temperatur von 1.100°C bis 1.250°C konstant aufrechterhalten wird. Der Kalkstein wird zusammen mit der Kohle von oben in den Trichter eingefüllt, die chemische Reaktion erfolgt in der Mitte (in der sogenannten „Brennzone“); die aus der Brennzone aufsteigenden heißen Gase wärmen zudem die nachsickernde Kohle vor. Bis zum untenliegenden Abzug des Trichters kühlt der entstandene Branntkalk ab und wird dort entnommen. Dieses Vorgehen ermöglichte gegenüber den Feldöfen bereits einen kontinuierlichen Anlagenbetrieb.

Für eine nähere Beschreibung der ersten Trichteröfen zitieren wir wieder zeitgenössische Quellen. J. H. Jung beschreibt sie 1785 so: „Die gewöhnliche und allgemeine Art der Kalköfen ist am bequemsten und lange nicht so kostbar: Man gräbt in einen Hügel eine trichterförmige Grube, und führt von der Seiten her einen Gang dazu, der im Anfang weit, aber gegen die Spitze der Grube immer enger wird; der Trichter endigt sich unten in eine runde Oeffnung, welche etwa anderthalb Schuh im Durchmesser hat, auch der Trichter selbst ist rund; unter jener Oeffnung endigt sich auch der Gang, mit einer ebenso grossen Oeffnung, hier wird das Feuer unterhalten; sowohl der Gang als der Ofen selbst wird mit feuerfesten Steinen dicht ausgemauert.  

Der trichterförmige Ofen wird mit Kalksteinen dicht ausgemauert; die untere Oeffnung aber mit denselben gewölbt; die dickesten Steine bringt man zunächst an die Wand, und die kleinere in die Mitte. Oben über bedeckt man alles mit kleinem Gesteine, und baut einen Schuppen, oder ein Dach darüber, gegen den Regen. Alsdann macht man zuerst ein gelindes Feuer, verstärkt es allmählig bis zur höchsten Glut, und lässt es ja nicht auslöschen, bis die Steine gar sind; denn man hält dafür, daß sich die Flamme nicht so gern wieder durch die Steine zöge, als wenn sie beständig unterhalten wird. Wenn der Kalk ausgebrannt ist, so lässt man das Feuer auslöschen.“

Über die später gewöhnlich gemauerten Trichteröfen haben wir bei J. Otto 1840 gelesen: „Das Brennen des Kalkes geschieht in unseren Gegenden fast stets in Kalköfen, in einigen Ländern brennt man denselben aber auch in Meilern (siehe Anmerkung oben). Die Gestalt der Oefen ist sehr verschieden. Am häufigsten sind sie cylindrisch oder eiförmig; den Ziegelöfen ähnliche Kalköfen*) finden sich, wenigstens in unserer Gegend, seltner.“  

*) Damit sind sogenannte Hoffmann’sche (Kalk-) Ringöfen gemeint. Ringförmige Brennöfen mit mehreren Brennkammern wurden bereits früher, u. a. 1839 von Maurermeister C. Arnold in Fürstenwalde gebaut. Das erst 1858 an den Berliner Bauingenieur F. E. Hoffmann und den Danziger, später Leipziger Stadtbaurat J. A. G. Licht darauf erteilte Patent wurde deshalb nachträglich wieder aberkannt. Wie diese Öfen aussahen, zeigen wir in unserem Beitrag zum Dolomitbergbau bei  Geithain.

Doch wieder zurück zu J. Otto anno 1840. Die inzwischen üblicherweise gemauerten Öfen beschreibt er wie folgt: „Man theilt die Kalköfen gewöhnlich in periodische und in continuirliche ein. Jene läßt man nach beendetem Brennen des Kalkes erkalten, um den Kalk auszuziehen; in diesen geht das Brennen ohne Unterbrechung vor sich, indem der gargebrannte Kalk von Zeit zu Zeit theilweise ausgezogen, und in dem Maße, als dies geschieht, der Ofen von oben wieder gefüllt wird. Die periodischen Kalköfen haben entweder keinen Rost, oder sie sind mit einem solchen versehen. …

Der in Figur 78 abgebildete Kalkofen ist ein periodischer Kalkofen ohne Rost, und ein Kalkofen der gebräuchlichsten Art. Man baute diese Oefen in einen Hügelabhang oder in den Abhang des Kalksteinbruches hinein, um den Kalkstein bequem zu ihrer obern Oeffnung, durch welche man sie füllt, karren zu können. Gewöhnlich werden mehrere Oefen neben einander angelegt, so daß dann eine Mauer zweien Oefen gemeinschaftlich ist, wie es die Fig. 79 zeigt.  

Der Durchmesser des abgebildeten Ofens beträgt im Lichten 6 Fuß, die Höhe 10 Fuß; a ist das 3 Fuß starke Mauerwerk; c das Gewölbe von ohngefähr 2 Fuß Breite und 4 Fuß Höhe, welches in das Innere des Ofens zu dem Heizraume führt, f sind Strebepfeiler.

  


  

Soll in dem Ofen Kalk gebrannt werden, so wird zuerst im Innern desselben aus ausgesuchten größeren Kalksteinen das Gewölbe d von 4 bis 5 Fuß Höhe gebildet, welches als Feuerraum dient und daher nach c zu offen ist. Hierauf wird der Ofen durch die obere Oeffnung (die Gicht) mit Kalksteinen vollends angefüllt und mit einer Schicht kleinerer Kalksteinstücke (Grus) gedeckt. Durch die Heizöffnung wird dann mit leicht entzündlichem Brennmaterial, mit Reisigholz oder Wasen, der Ofen langsam angewärmt und dann das Feuer allmählig bis zur vollständigen Gahre der Steine verstärkt.  

Der Ofen muß langsam angewärmt werden, damit die Kalksteine in Folge des raschen Entweichens der Feuchtigkeit, welche sie enthalten, nicht zerspringen. Beim Beginnen des Heizens, wo die Temperatur des Ofens noch niedrig ist, condensirt sich auf den Steinen der Wasserdampf, welcher beim Verbrennen des Brennmaterials gebildet wird, die Steine werden naß, der Luftzug ist wegen der niederen Temperatur noch schwach, die Verbrennung des Brennmaterials also unvollständig, es setzt sich Ruß auf die Steine ab und es entweicht aus der Gicht dicker schwarzer Rauch.

Je höher die Temperatur des Ofens aber wird, desto mehr vermindert sich der Rauch, der Ruß auf den Steinen verbrennt, sie werden wieder hellfarbig, es kommen Flammen an der Gicht zum Vorschein, die, anfangs dunkel und rußend, im weiteren Verlaufe des Brennens immer heller und rußfreier werden. Zeigt sich der Kalkstein unter der Decke als eine weißglühende, gleichsam wollige lockere Masse, so ist derselbe gahr gebrannt, der Proceß kann beendet werden. … 

Kalköfen mit Rost, ähnlich dem, welcher in Fig. 80 abgebildet ist, …, liefern den meisten Kalk für die Stadt Braunschweig. Sie sind eiförmig, verengen sich indeß nach oben zu nicht so stark, als es die Abbildung zeigt, indem der obere Durchmesser wie der untere ohngefähr 5 Fuß betragt. Ueber dem Aschenfalle n ist ein Rost aus gebrannten Steinen gewölbt gemauert…

Einen speziellen Ofentyp mit Rostfeuerung, der auch unter der regionaltypischen Bezeichnung „Geithainer Ofen“ bekannt ist, zeigen wir unserem Beitrag zum Dolomitbergbau bei  Geithain.

   


    

Die Heizöffnung ist 2 Fuß breit, nicht viel breiter setzt man auch das Gewölbe von Kalksteinen im Innern des Ofens über dem Roste. Auch diese Oefen werden in den Abhang des Kalksteinbruches hineingebaut, um bequem zu ihrer Gicht gelangen zu können, und über dieser befindet sich gewöhnlich ein leichtes Haus, gebaut zur Abhaltung des Regens, zum Schutzorte für die Arbeiter und zum Aufbewahrungsorte für die Werkzeuge. Nicht selten liegen zwei dieser Oefen dicht neben einander, wo dann der eine im Brande begriffen ist, während der andere ausgenommen oder eingesetzt wird. …  

Die periodischen Kalköfen haben den Nachtheil, daß, nach beendetem Gahrbrennen des Kalkes, der Ofen bis zur nächsten Füllung sich vollständig abkühlt, also bei einem neuen Brande wieder mit dem Aufwande einer gewissen Quantität Brennmaterial erhitzt werden muß, und daß die Wärme, welche der gebrannte hellrothglühende Kalk besitzt, gänzlich verloren geht, indem dieselbe von der nach Beendigung des Brennens durch den Ofen ziehenden Luft weggeführt wird…  

Es giebt nun zwei verschiedene Arten von continuirlichen Oefen, welche den genannten Nachtheil nicht zeigen. Bei der einen Art wird der Kalkstein in abwechselnden Schichten mit dem Brennmaterial, das dann nur Torf, Braunkohle oder Steinkohle sein kann, oben aufgegeben, und der gebrannte Kalk von Zeit zu Zeit unten herausgezogen. Bei der zweiten Art befindet sich die Feuerung in einer gewissen Höhe über der Sohle eines Schachtes, und zwar außerhalb desselben, so daß der Kalkstein in dem Ofen nicht mit dem Brennmaterial selbst in Berührung kommt, sondern nur durch dessen Flamme erhitzt wird. Wird durch, an der Sohle des Ofens angebrachte, Abzugsöffnungen der unterhalb der Feuerungen befindliche Kalk herausgezogen, so sinkt der oberhalb derselben befindliche Kalk nach und es kann Kalkstein wieder durch die Gicht eingeschüttet werden.  

Fig. 82 zeigt einen continuirlichen Ofen der erstgenannten Art, welcher sich bewährt hat. Derselbe ist trichterförmig und ebenfalls in einen Hügel gebaut, um bequem zu seiner Gicht kommen zu können. Der obere Durchmesser des Trichters i. beträgt 12 Fuß, der untere 5 Fuß, die Höhe desselben 14 Fuß; d ist eine Abzugsöffnung von 2 ½ Fuß Höhe und 2 Fuß Breite. Dieselbe ist während des Brennens mit einer Thür geschlossen; e ist eine Oeffnung von 4 Zoll Höbe und 6 Zoll Breite zum Einströmen der atmosphärischen Luft. Es befinden sich im Umkreise des Ofens 3 Abzugsöffnungen und 3 Zugöffnungen, wie es die Fig. 83 zeigt, in welcher die entsprechenden Theile mit denselben Buchstaben, wie in Fig. 82, bezeichnet sind; a ist das Mauerwerk des Ofens.

   


  

Man erkennt, daß die Verbrennung des Brennmaterials, welches, wie schon erwähnt, Torf oder Kohle (Holzkohle, Braunkohle oder Steinkohle) sein muß, oberhalb c erfolgt; unterhalb c sammelt sich der gebrannte Kalk an und er wird von Zeit zu Zeit, nachdem seine hohe Temperatur zum Erhitzen des darüber liegenden, noch nicht gahr gebrannten, Kalkes benutzt ist, durch die Abzugsöffnungen aus dem Ofen gezogen, worauf man dann wieder abwechselnde Schichten von Kalkstein und Brennmaterial aufgiebt. Es versteht sich wohl von selbst, daß die Kalksteine für diesen Ofen nicht zu groß sein dürfen, und daß sie möglichst von gleicher Größe genommen werden müssen.  

Beim Anheizen des Ofens werden auf der Sohle des selben aus Kalksteinen Feuergassen gebaut, welche nach den Abzugsöffnungen hin offen sind, dann wird der Ofen mit Schichten von Kalkstein und Brennmaterial anfangs nur bis etwas über die Luftzüge hin angefüllt. Hierauf heizt man, bei geschlossenen Luftzügen, durch die Abzüge, so lange mit leichtem Holze, bis der unter den Luftzügen befindliche Kalk gahr gebrannt ist, wobei man von Zeit zu Zeit in dem Maaße, als der Kalk zusammensinkt, neue Mengen von Kalkstein und Brennmaterial nachgiebt. Hierauf schließt man die Kalkabzüge, öffnet die Luftzüge und füllt den Öfen mit Schichten von Kalkstein und Brennmaterial vollends an. So bald ein betrachtlicher Theil des über dem Zugloche befindlichen Kalkes ebenfalls gahr gebrannt ist, wird aus den Abzugsöffnungen Kalk gezogen und dies ohngefahr alle 6 bis 8 Stunden wiederholt. …“
   

Die hier beschriebene Bauform dieser niedrigen, meist trichterförmigen Schachtöfen, welche zwar für einen kontinuierlichen Betrieb ausgelegt waren, aber auch „periodisch“ betrieben werden konnten, war in der hiesigen Region, soweit man es an den erhaltenen Fundamentresten noch nachvollziehen kann, bis zum Ende des 19. Jahrhunderts vorherrschend.

Wunder, Herbrig und Eulitz beschreiben diese Öfen etwa 30 Jahre später, im Jahr 1867, wie folgt im Abschnitt: „III. Die Oefen zu continuirlichem Betriebe mit kleiner Flamme sind unter dem Namen „Schneller“ oder „Fix- Oefen“ verbreitet und werden nach ihrer Form auch als „Kessel-“ oder „Trichteröfen“, nach der Art ihrer Beschickung auch als „Schüttöfen“ bezeichnet, unter welchen letzteren Benennungen jedoch zum Theil auch periodisch arbeitende Öfen verstanden werden.

Der innere Raum dieser Öfen ist in der Regel trichter- oder kesselförmig, sich nach oben erweiternd; die Beschickung dieser Öfen erfolgt, wie bei den periodisch arbeitenden Öfen mit kleiner Flamme durch abwechselndes Eintragen von Brennmaterial- und Kalksteinschichten. Wenn jedoch die im Ofenraume von unten nach oben sich fortpflanzende Gluth an die Oberrfläche vordringt, wird nur ein Theil des im untern Raum befindlichen, gut gebrannten Kalkes durch an der Sohle angebrachte Ziehöffnungen herausgezogen, was ein Nachsinken des ganzen Ofeninhaltes zur Folge hat, und werden darnach durch die obere Ofenöffnung, die Gicht, neue Schichten von Brennmaterial und Kalkstein aufgegeben. Diese Operationen wiederholen sich, und kann auf diese Weise ein Ofen monatelang in unaufhörlicher Thätigkeit erhalten werden.

Vor den Ziehöffnungen bringt man häufig Roste an, über welche man den Kalk beim Ziehen aus dem Ofen hinwegrafft, so dass die Asche des Brennmaterials, der sich Kalkmehl beimengt, die sogenannte „Kalkasche“, von dem Stückkalk getrennt wird…

Freilich gestattet die Ungleichmäßigkeit des Absatzes in der Regel nur, dass einige Öfen eines Kalkwerkes in stetem Betriebe erhalten werden, während die übrigen nur während der kurzen Zeit des größeren Absatzes in Gang zu setzen sind.“

Bezüglich der auch 1867 wieder genannten Roste sei noch einmal auf J. Otto zurückgegriffen, wo es 1840 heißt:  „Ueber dem Aschenfalle ist ein Rost aus gebrannten Steinen gewölbt gemauert; Fig. 81 zeigt die Zusammenfügung der Steine.

  

   
Die Heizöffnung ist 2 Fuß breit, nicht viel breiter setzt man auch das Gewölbe von Kalksteinen im Innern des Ofens über dem Roste. Auch diese Oefen werden in den Abhang des Kalksteinbruches hineingebaut, um bequem zu ihrer Gicht gelangen zu können, und über dieser befindet sich gewöhnlich ein leichtes Haus, gebaut zur Abhaltung des Regens, zum Schutzorte für die Arbeiter und zum Aufbewahrungsorte für die Werkzeuge. Nicht selten liegen zwei dieser Oefen dicht neben einander, wo dann der eine im Brande begriffen ist, wahrend der andere ausgenommen oder eingesetzt wird.“

Zeichnen wir uns doch einmal auf, was wir gelesen haben.

  


Wir zeigen als Beispiel für diese Konstruktionsweise einmal den Aufbau des Kalkofens bei Steinbach, den man sich im  2.Teil unseres Beitrages näher anschauen kann. Dieser Ofen kann als typisches Beispiel gelten und seine Errichtung anhand des gut erhaltenen Schlußsteins im Gewölbe der Ofenfront ziemlich sicher auf das Jahr 1798 datiert werden.

  


Den eigentlichen Brennraum bildete der mehr oder weniger trichter- oder zylinderförmige, mit Ziegelmauerwerk ausgekleidete Schacht im Inneren des Bauwerks.
Dieser quasi „versteckte“ Schachtofen hatte selten mehr als 8 m Höhe. Am unteren Ende besaß er Abzugsöffnungen für den gebrannten Kalk und die angefallene Asche. Weil sowohl der Rohkalk, als auch der Brennstoff von oben aufgégeben wurde, wurden sie auch als "Schüttöfen" bezeichnet.

    


Die Verarbeitungsanlagen des Alten Kalkwerkes, Foto vermutlich um 1916. Vorn links - am aufsteigenden Rauch gut zu erkennen - ein Schneller- oder Trichterofen, rechts ein hoher Schachtofen. Im Bildhintergrund ist auch das Fördermaschinenhaus mit der Esse der Dampfmaschine zu sehen. Durch dessen erhöhten Standort konnten die Hunte vom Tagesfallort aus direkt auf die im Niveau der Beschickungsanlagen der Öfen liegenden, übertägigen Förderwege gezogen werden.

Bildquelle: Sächs. Staatsarchiv, Bergarchiv Freiberg, Bestand 40028 (Oberbergamt, Bergwirtschaftsstelle),
Nr. 3-1091: Fotos von Anlagen der Kalksteinindustrie, Miltitz- Roitzschen, Kalkwerk, undatiert.

Weitere historische Fotos gehen auf den in Meißen ansässigen Kunstverlag  Brück & Sohn zurück.

  

Ein angestrebter, höherer Durchsatz führte auch in der Bindemittelindustrie zum Einsatz von sogenannten Schachtöfen. Als solcher wird allgemein ein Brennofen mit der geometrischen Grundform eines auf seiner Grundfläche stehenden Hohlzylinders, Hohlkegels oder Hohlquaders bezeichnet, wobei die Höhe des Ofenkörpers seine Länge und Breite um ein Vielfaches übertreffen kann. Als Niederschachtofen wird ein Ofen mit geringerer Bauhöhe (bis zu zehn Meter) im Unterschied zum Hochofen bezeichnet. Nach ihrem Arbeitsprinzip stellen die Schneller- Öfen bereits Niederschachtöfen dar.

Als Rumford- Ofen oder auch Rüdersdorfer Ofen bezeichnete man einen Brennofen zur Fertigung von Branntkalk, dessen Aufbau Ideen von Sir Benjamin Thompson Graf Rumford folgte. Bei diesem Ofentyp sind getrennte Brennkammern für Kalk und Brennstoff eingerichtet. Der Feuerungsraum befindet sich beim Rumford'schen Ofen an den Seiten und ist komplett vom eigentlichen Brennraum abgetrennt. Ursprünglich verband nur ein einziger Querkanal die beiden Schächte, durch den die heiße Luft aus dem Feuerungsraum in den Brennraum gelangt. Kalk wird von oben in den Brennraum eingefüllt, die Asche aus dem Brennraum fällt in einen separaten Schacht, aus dem sie entnommen werden kann. Im unteren Teil des Feuerungsraumes kühlt der gebrannte Kalk wieder ab, da die Hitze aus dem Feuerungsraum ja nach oben strömt („Gegenstrom-Prinzip“). Der obere Teil des Brennraumes, der nicht direkt am Feuerungsraum anliegt, dient als Vorwärmraum und wird mit Hohlkammern, vom Feuerungsraum isoliert.

Die Tagesproduktion eines Ofens stieg dabei auf 25 bis 30 Tonnen Branntkalk (je nach Dimensionen des Ofens) gegenüber zirka 2 Tonnen bei einem Trichterofen deutlich an.

  


In den Annalen der Physik, Halle, Jahrgang 1800, haben wir diese, von Graf Rumford höchstselbst gezeichnete Darstellung eines solchen konischen Schachtofens gefunden.

  

Bei Herrn Oberbergrath Kühn können wir 1837 darüber lesen: „Der Graf von Rumford teilte zu Ende vorigen Jahrhunderts in seinen vermischten Schriften eine Beschreibung zu einem Kalkofen mit, welcher von der bisher gewöhnlichen Form ganz abwich und bei dessen Anlage er nach eigener Angabe folgende besondere Zwecke zu erreichen beabsichtigte:

1) Die Feuerung auf solche Weise wirken zu lassen, dass die Flamme den Rauch verzehrt, und dies dadurch zu erreichen, dass der Rauch niederzusteigen und durch das Feuer zu gehen gezwungen wurde, um so viel Hitze als möglich zu erzeugen.

2) Die von dem Feuer aufsteigende Flamme und den heissen Dampf mit dem Kalkstein durch eine grosse Oberfläche in Berührung zu bringen, um den Wärmestoff zu sparen und sein Entweichen in die Luft zu verhüten, welches dadurch geschehen sollte, dass man dem Bauch des Kalkofens die Gestalt eines hohlen abgestumpften Kegels gab, ihn gegen seinen Durchmesser sehr hoch machte und ihn bis zu seiner Spitze ganz mit Kalksteinen füllte, indem das Feuer unter den Boden des Kegels hineindrang.

3) Den Prozess des Kalkbrennens ununterbrochen fortgehen zu lassen, um die Verschwendung des Wärmestoffes zu verhüten, der bei dem Kaltwerden des Ofens unausbleiblich erfolgt, wenn man beim Einlegen und Herausnehmen des Kalkes jedesmal  das Feuer auszulöschen gezwungen ist.

4) Die Einrichtung so zu treffen, dass der soeben fertig gebrannte Kalk, der folglich noch sehr heiss ist, beim Abkühlen seinen Wärmestoff so abgeben müsse, dass er die frische Portion kalter Kalksteine, die von neuem in den Ofen kommt, erhitzen helfe. ...

Wenn daher dem Grafen v. Rumford auch die Ehre gebührt, die Bahn zu der dadurch beabsichtigten Verbesserung eines der National-Industrie sehr nützlichen Gewerbes gebrochen zu haben, so hat Herr Rösch*) nicht minder das Verdienst, die Ideen des Grafen richtig aufgefasst, sie ausgebildet und mit Ueberwindung aller der Schwierigkeiten, die sich gewöhnlich jedem Neuen entgegenstellen, ausgeführt und zur Vollkommenheit gebracht zu haben. Derselbe machte nämlich unterm 2. Januar 1802 dem damaligen Staatsminister Herrn Freiherrn v. Heinitz**) den Vorschlag zur Erbauung eines konischen Kalkofens zur Beheizung mit Torf oder Steinkohlen…

Unterm 5. März 1803 wurde die Erbauung des oben beschriebenen Kalkofens in Rüdersdorf angeordnet und der erste konische Kalkofen nach den Vorschlägen des Herrn Rösch im April desselben Jahres mit einem Kostenaufwande von beiläufig 1.353 Rthlr. errichtet und im Juli auf Torffeuerung in Betrieb gesetzt. 

Dieser erste Rumfordofen kann heute noch im   Museumspark in Rüdersdorf besichtigt werden. In den darauffolgenden Jahren verbreitete sich diese Technologie in ganz Europa. Sehr bekannt sind die Rüdersdorfer Öfen des Technischen Museums Kalkwerk Lengefeld. Einen recht kleinen Brennofen dieses Typs findet man auch noch in Neunzehnhain bei Lengefeld.

*) Bei Herrn Rösch handelt es sich um den preußischen Bergrat und dazumal amtierenden Vorsteher der Königlichen Porzellanfabrik in Berlin.

**) Zur Erinnerung: Gemeint ist hier Friedrich Anton von Heynitz, ab 1777 und bis zum Jahre 1802 Königl. Preußischer Oberberghauptmann. Nebenbei war er 1797 auch Vorstand der Königlichen Porzellanmanufaktur-Kommission.

J. Otto beschreibt 1840 diesen Ofentyp wie folgt: „Die zweite Art der continuirlichen Kalköfen ist in den Fig. 84, 85 u. 86 abgebildet; Fig. 85 ist der senkrechte, Fig. 86 der horizontale Durchschnitt, in der Höhe der Abzugsöffnungen. Gleiche Buchstaben bezeichnen gleiche Theile. Seitwärts an dem stehenden Schachte, in einer gewissen Höhe über der Sohle desselben, bei a, befinden sich die Heizöffnungen; sie sind mit dem Roste a versehen, zu welchem die Luft durch den Kanal i gelangt. Von diesen Heizöffnungen sind 3 vorhanden. Zwischen denselben, an der Sohle des Ofens, befinden sich die Abzugsöffnungen e, also ebenfalls drei, mit dem daran gebauten Gewölbe f, in welchem der ausgezogene Kalk bis zum Abkühlen liegen bleibt. Die Sohle des Ofens dacht sich nach den Abzügen hin ab, um das Ausziehen des Kalkes zu erleichtern, indeß nicht ganz so stark, als in der Zeichnung angegeben.  

Man hat auch Oefen mit vier und fünf Heizöffnungen und Abzügen, indeß werden die mit dreien vorgezogen. d ist der Aschenfall unter dem Roste, aus welchem die Asche durch c herausgenommen wird. Diese Oeffnungen c, so wie die Schüröffnungen a sind während des Brennens geschlossen, so daß die zum Verbrennen des Brennmaterials nöthige Luft nur durch die Kanäle b unter den Rost gelangen kann.  

Der Rost ist auf die, Fig. 85, gezeichnete Weise aus feuerfesten Steinen construirt, auch der Heizraum und selbst der Schacht ist mit solchen Steinen ausgelegt. Ein Weg muß zu der Gicht führen, auf welchem die Kalksteine zu dem Ofen gekarrt werden. Sehr zweckmäßig ist es, wenn im Mauerwerk des Ofens ein hohler Raum ausgespart wird, den man mit Asche und Sand ausfüllen, aber auch wohl ebensogut leer lassen kann. Die Wärme wird dadurch im Ofen zusammengehalten. Hin und wieder muß natürlich die äußere Mauer, welche von Kalksteinen aufgeführt werden kann, mit der innern durch eingreifende Binder verankert werden.

  


  

Sehr ausgezeichnete und berühmte Kalköfen dieser Art sind die zu Rüdersdorf bei Berlin, welche colossale Baue darstellen. … Der Schacht ist bei den Rüdersdorfer Oefen 35 Fuß hoch (zirka 11,5 m), der Durchmesser desselben beträgt bei den Feuerungen 8 ½ Fuß, oben an der Gicht 6 Fuß, unten auf der Sohle 7 Fuß. Die Feuerungen befinden sich 7 ½ Fuß über der Sohle. Die ganze Stärke der Schachtmauer beträgt 7 Fuß. Die Kalkabzüge sind 2 ¾ Fuß lang, 2 ½  Fuß hoch, 2 Fuß breit und werden mit eisernen Thüren verschlossen, die man während des Brennens mit Lehm verschmiert, damit keine Luft durch dieselben in den Ofen gelangen kann. Auch die Aschenfälle sind, wie schon erwähnt, und zwar auf gleiche Weise geschlossen; sie müssen so geräumig sein, daß sie innerhalb 4 bis 5 Tagen, als in welchen Zeiträumen sie geleert werden, sich nicht bis zu den Zugöffnungen b füllen können. …“

Auch in Meyer´s Großem Konversationslexikon, Ausgabe 1907, 10. Band, haben wir eine Beschreibung der Rüdersdorfer Brennöfen gefunden: „Kontinuierlich brennende Kalköfen sind meist Schachtöfen wie der Steinbrück‘sche und der sehr beliebte Rüdersdorfer (Fig. 4 und 5). Er besteht aus dem Schacht, der durch die Futtermauer d und das von dieser durch einen mit Asche und Schutt gefüllten Zwischenraum getrennte Rauhgemäuer e gebildet wird, und besitzt außerdem eine Umhüllungsmauer c, so daß zwischen dieser und dem Rauhgemäuer ein Raum bleibt, der durch Gewölbe in Zellen geteilt ist. Letztere benutzt man zur Aufbewahrung von Material.  

Während des Ganges des Ofens ist der untere Teil des Schachtes mit gar gebranntem K. gefüllt, der durch die drei Zugöffnungen a an der Schachtsohle von Zeit zu Zeit gezogen wird. Der Schacht hat eine Höhe von etwa 14 m. Ungefähr 4 m über der Sohle befinden sich die Feuerungen b für Torf und Holz, die zu drei oder fünf um den Ofen herum angebracht und mit Rost u. Aschenfall versehen sind. Um die Arbeiter vor der von dem gezogenen K. ausströmenden Hitze zu schützen, ist ein Kanal angebracht, durch den die Hitze in die Gewölbe gelangt.

Der einmal angeheizte Ofen wird so lange im Gang erhalten, bis Reparaturen erforderlich werden. Man verbraucht in diesem Ofen auf 1 Volumen gebrannten K. 1,4 Vol. hartes oder 2–2,25 Vol. weiches Holz oder 1,5–2 Vol. Torf. Mit 1 Vol. Braunkohle erhält man 1–1,5 mit 1 Vol. Steinkohle bis 3,5 Vol. gebrannten K.“

  



Fig. 4 und 5: Schnitt (oben) und Grundriss (unten, zweigeteilt: die linke Hälfte stellt die untere Ebene mit den Abzügen des Ofens a und den Aschenfällen der Feuerungen dar, die rechte zeigt die mittlere Ebene mit den Rostfeuerungen b) eines Rüdersdorfer Ofens aus o. a. Quelle.

  

Leider heute ohne das Einfeuerungshaus, von dem der eigentliche Ofenschacht umbaut war, ist auch bei  Raschau der vormals Facius'sche Brennofen eines ganz ähnlichen Bautyps erhalten geblieben.

Der wesentliche Unterschied zu den früheren Schachtöfen bestand bei denen nach Rumford'scher Bauart darin, daß Feuerung und Brennschacht voneinander getrennt waren. Durch den Ofenschacht strömten nur die heißen Verbrennungsgase. Dadurch mischte sich der Klarkalk nicht mit Asche und man erzielte gegenüber den Schneller- oder Schüttöfen (in die sowohl Rohkalk, als auch Brennstoff von oben eingefüllt wurde) eine bessere Qualität. Beides waren aber kontinuierlich arbeitende Brennöfen.

Trotz einer deutlich höheren Produktion dieser Ofentypen waren aber bis ins 20. Jahrhundert hinein auch noch periodisch arbeitende (Kalk-) Brennöfen in Gebrauch, insbesondere, um in absatzschwächeren Monaten auch geringere Quantitäten ‒ quasi auf Bestellung der Kunden ‒ erzeugen zu können. Periodisch arbeiteten auch die  Kammeröfen vom Geithainer Typ. Auch bei diesen waren jedoch Feuerung und Brennraum baulich voneinander getrennt.

Für die zumeist nur kleinen gewerblichen Gruben in unserer Region lohnten sich solche recht aufwendigen Anlagen zumeist nicht. Nur das Miltitzer Werk erbaute um 1900 einen Schachtofen.

Ein Beispiel eines solchen Schachtofens findet man noch in Wildenfels bei Zwickau.

  


Die bekanntesten (und am besten bewahrten) Brennöfen dieses Typs in Sachsen stehen noch am ehemals fisklaischen Kalkwerk in Lengenfeld. Die kann man sich hier anschauen.

  

Das Ablöschen des Branntkalks

Der zweite Schritt wird meist noch im Kalkwerk vollzogen, kann aber auch durch den Anwender selbst durchgeführt werden. Wird gebrannter Kalk mit Wasser versetzt, entsteht unter Volumenvergrößerung und starker Wärmeentwicklung Löschkalk, chemisch das Kalziumhydroxid.
  

Kalziumoxid und Wasser

 

Kalziumhydroxid 

CaO + H2O  

Ca(OH)2 

Je nach Menge der Wasserzugabe spricht man von Sumpfkalk, Kalkfarbe oder Kalkmilch. Alle diese Formen werden als weiße Farbe zum Kalken von Wänden und als Bindemittel für Kalkmörtel oder hydraulischen Mörtel verwendet. Eine Zwischenstufe bildet dabei der unvollständig gelöschte Kalk, der ein trockenes Pulver ergibt, das trotzdem abbindefähig ist und unter dem Namen Kalkhydrat gehandelt wird. Dieses bildet die Grundlage für Fertig-Kalkmörtel und Kalkputze sowie für Anmachfarben.

Auch für diese Reaktion können wir schnell ausrechnen, daß der Löschkalk wieder ein höheres spezifisches Gewicht gegenüber dem Branntkalk haben muß: Branntkalk besitzt eine molare Masse von 40+16 = 56 g/mol, das Hydroxid dagegen von 40+2 · (16+2) = 76 g/mol es ist also wieder deutlich schwerer. In früheren Zeiten, in denen der Transport ausschließlich mittels des „1-PS-Hafermotors“ erfolgte, hat man für Bauzwecke daher natürlich lieber den Branntkalk verkauft (und transportiert). Der Maurer konnte sich den benötigten Kalkmörtel dann auf der Baustelle selbst herstellen.

  

Den Prozeß des Ablöschens beschreibt P. Loeff 1873 folgendermaßen: „Legt man den gebrannten Kalk ins Wasser, so entwickelt sich Wärme, und der Kalk geht mit dem Wasser eine Verbindung ein.

Um den Kalk durch das gewöhnliche Verfahren zu löschen, wirft man ihn in eine sogenannte Kalkbank, worin sich, was wohl zu beachten, die nöthige Wassermasse bereits befinden muss. Eine solche Kalkbank, auch Löschbank genannt, besteht aus Brettern, ist 2,5 bis 3 Meter (8 bis 10 Fuss) lang, 1,9 bis 2,5 Meter (6 bis 8 Fuss) breit und 0,5 bis 0,6 Meter (1 ½ bis 2 Fuss) hoch.  

Erhält der Kalk beim Ablöschen weniger Wasser, als er nach seinen Eigenschaften erfordert, so brennt er an und wird körnig, backt zusammen; ist die Wassermenge, welche zum Löschen des Kalkes angewendet wird, zu gross, so wird er ersäuft. Das Ersäufen erfolgt durch den Mangel an Hitze beim Löschen, welche des zu vielen Wassers wegen den nöthigen Grad nicht erlangen kann. Die Kalktheilchen werden hierbei zu weit voneinander entfernt. In diesen beiden Fällen wird der Kalk untauglich. …  

Das Löschen des Kalkes geschieht mit Hülfe der Kalkkrücke; das Resultat des Löschens ist eine weisse Flüssigkeit. Diese lässt man in eine Grube, die Kalkgrube, deren Seitenwände aufgemauert oder mit Brettern ausgestellt sind, dadurch abfliessen, dass der in der Kalkbank angebrachte Schieber geöffnet wird. Hier verdunstet das überschüssige Wasser, zieht auch zum grösseren Theil in das Terrain ein, und die beim Löschen noch unaufgeschlossenen Kalktheilchen lösen sich vollständig auf. Der in der Grube sich befindende anfangs dünne Kalkbrei verdickt sich hierdurch und ist, nachdem er gesunken und durchgehende Risse bekommen hat, zur weiteren Bearbeitung als Mörtel geeignet. Die Kalkgruben sind vor dem Eindringen des Regens etc. durch Schutzdach möglichst zu sichern, und werden, damit die der Luft und ihrer Kohlensäure ausgesetzte Oberfläche der Kalkmasse möglichst klein werde, so tief angelegt, dass der Kalkschläger den Kalk bequem ausstechen und in die Kalkbank werfen kann…  

Gut aufbewahrt kann der gelöschte Kalk lange in Gruben liegen bleiben, was ihm niemals schadet, nur muss man denselben oben etwa 20 Centimeter (8 Zoll) hoch mit frischem Sande überschütten. sobald er genügend eingetrocknet ist. Dieses Bedecken muss erfolgen, weil er sonst Kohlensäure aus der Luft anzieht, wodurch die obere Schicht trocknen und erhärten würde…“

 

Das Abbinden

An der Luft bindet der Löschkalk unter Aufnahme von Kohlenstoffdioxid wieder zu Kalziumkarbonat ab, womit sich der technische Kreislauf schließt.

Der Vorgang des Abbindens kann durch den geringen CO2-Gehalt der Luft, die Materialfeuchte sowie die entstehende Sinterschicht sehr lange dauern.
 

Kalziumhydroxid und Kohlendioxid

 

Kalziumkarbonat 

Ca(OH)2 + CO2  

CaCO3  + H2O

Dabei binden Grau- und Schwarzkalke mit ihrem hohen Eigengehalt an Kohlenstoff deutlich schneller ab. Hydraulkalke (sogenannte Puzzolane, zementähnliche Kalke, sowie Kalke, die mit porösen Anteilen angereichert sind, welche Luft speichern oder Wasser aufsaugen) härten auch im feuchten Milieu, manche sogar unter Wasser aus.  

Gibt man zum Löschkalk Sand hinzu, erhält man Kalkmörtel, einen der ältesten Baustoffe überhaupt. Der abgebundene Kalk bildet dabei das Bindemittel zwischen den Sandkörnern, so daß sich die Masse wie in einem Sandstein verfestigt. Der zudem noch weitaus billigere Sand sorgt mit einem Gerüst aus Quarzkörnern für höhere Druckfestigkeit und reduziert zugleich den Bedarf an Bindemittel.

Auch das Karbonat besitzt ein höheres spezifisches Gewicht, als der Löschkalk im Mörtel. Dies muß aber nur noch den Architekten und den Statiker kümmern, weil das fertige Mauerwerk ja keiner mehr transportieren will.

 

Daneben fand und findet Kalk bis heute vielfältige Anwendung. P. Loeff zählt bereits 1873 auf: „Der gebrannte Kalk dient in der Landwirthschaft als Düngemittel... Der Kalk begünstigt und erleichtert die Zersetzung kieselsaurer Thonerde-Verbindungen und beschleunigt den Uebergang der für die Vegetation so wichtigen alkalischen Stoffe aus den Mineralien in den Boden. … Von grosser Wichtigkeit ist ferner der gebrannte Kalk für viele Industriezweige. Er dient als Zuschlag beim Verschmelzen der Erze, ferner zur Glasfabrikation, zur Bereitung von Soda, von Seifensiederlaugen, zur Umstellung von Ammoniakflüssigkeit und Chlorkalk, auch zum Läutern des Rübensaftes, zum Raffiniren des Zuckers, zur Gerberei, zur Fabrikation künstlicher Mineralwässer und als Desinfectionsmittel.“ 

    

Der natürliche Kalkkreislauf

Ähnliche Reaktionen können auch unter natürlichen Bedingungen stattfinden und sind für die Verwitterung einerseits und für die Neubildung sedimentärer Kalksteine andererseits verantwortlich. Sie laufen umso schneller ab, je mehr Kohlendioxid im Grundwasser gelöst ist.

Der Prozeß der Lösung des Kalziumkarbonats basiert auf folgenden chemischen Reaktionen.

Zunächst benötigen wir natürlich das Lösungsmittel Wasser und das Kohlendioxid. Letzteres löst sich wie alle Nichtmetalle mehr oder weniger gut im Wasser und bildet dabei eine Säure: 

Kohlendioxid und Wasser

 

Kohlensäure   

CO2 + H2O  

H2CO3

Die Kohlensäure dissoziiert natürlich in der Lösung. Dabei wird jedoch nur ein Proton abgegeben und es bildet sich das Hydrogenkarbonation:

Kohlensäure und Wasser

 

Hydrogenkarbonat- und Hydroniumion  

H2CO3 + H2O  

(HCO3)- + (H3O)+ 

Genau wie das Karbonation CO32- reagiert auch das Hydrogenkarbonation in wäßriger Lösung wie eine schwache Säure. Da das Kohlendioxid bei veränderten physikochemischen Bedingungen aber jederzeit als Gas aus der Lösung entweichen kann, bildet sich auch ein Lösungsgleichgewicht in die andere Richtung aus:

Hydrogenkarbonation und Wasser

 

Kohlensäure und Hydroxidion  

(HCO3)- + H2O  

H2CO3 + (OH)- 

Deshalb reagieren Hydrogenkarbonate amphoter und bei Zugabe einer stärkeren Säure (zum Beispiel Salzsäure) wie eine schwache Base. Mit den Hydroniumionen setzen sie sich sofort wieder zu Kohlendioxid und Wasser um (Neutralisation):
  

Hydrogenkarbonation und Hydroniumion

 

Kohlendioxid und Wasser 

(HCO3)- + (H3O)+  

CO2 + 2 H2O

Diese Reaktion ist im Übrigen ein einfacher Nachweis für Karbonationen, mit Aufschäumen von Gasblasen verbunden und beim Kalkstein besonders heftig. Ein Test mit Salzsäure wird von Feldgeologen nach wie vor zur Erkennung des Gesteins genutzt.
  

Jetzt trifft solches, kohlensäurehaltiges Grundwasser auf Kalkstein. Kalziumkarbonat ist in reinem Wasser sehr schwer löslich. Dabei dissoziiert eigentlich nur ein kleiner Anteil (Löslichkeit 14 Milligramm pro Liter unter Normalbedingungen) in die Ionen:
  

Kalziumkarbonat und Wasser

 

Kalzium- und Karbonation 

CaCO3 + H2O  

Ca2+ + (CO3)2-

Kommt nun aber Kohlensäure ins Spiel, wird das Gleichgewicht unter Bildung von Hydrogenkarbonationen auf die rechte Seite der Gleichung verschoben und damit der Prozeß der Karbonatlösung verstärkt:
  

Kalziumkarbonat und Kohlensäure

 

Kalzium- und Hydrogenkarbonation

CaCO3 + H2CO3  

Ca2+ + 2 (HCO3)-

Die Hydrogenkarbonate der Erdalkalimetalle sind im Gegensatz zu ihren Karbonaten allesamt in Wasser gut löslich, stehen aber über das Dissoziationsgleichgewicht der Kohlensäure in Beziehung zu den entsprechenden Karbonaten, die durchweg schwer löslich sind. Um das Löslichkeitsprodukt der Karbonate nicht zu überschreiten, muß der pH-Wert der Lösung hinreichend niedrig sein, was durch die Anwesenheit einer Mindestkonzentration an freier Kohlensäure, also an gelösten Kohlendioxid, gewährleistet ist. Diese bezeichnet man auch als zugehörige Kohlensäure. Es ist daher (unter normalen Laborbedingungen) auch nicht möglich, die Hydrogenkarbonate der Erdalkalien als Feststoffe herzustellen. Beim Einengen der Lösungen werden immer die Karbonate gebildet.

Verschiebt sich das chemische Gleichgewicht erneut, zum Beispiel wenn das Grundwasser als Quelle zutage tritt und die zugehörige Kohlensäure als Kohlendioxidgas entweicht, kehrt sich das Gleichgewicht mit dem schwerlöslichem Karbonat wieder um (Fällung):
  

Hydrogenkarbonation und Kalziumion 
 

 

Kalziumkarbonat, Kohlendioxid
und Wasser
 

Ca2+ + 2 (HCO3)-   

CaCO3 ↓ + CO2 + H2O

Diese Prozesse führen also einerseits zur allmählichen Auflösung von Kalksteinen im Kontakt mit dem Grundwasser (Verkarstung) und andererseits zur Ausfällung des gelösten Karbonats bei veränderten physikochemischen Bedingungen. Das Lösungsgleichgewicht kann sich auch durch biologische Kohlendioxidbindung im Wasser, z. B. durch die Photosynthese von Algen, auf die Seite des ausgefällten Karbonats verschieben.

Interessanterweise können bereits kalkgesättigte Lösungen durch Mischungskorrosion von neuem aggressiv werden. Dieser Effekt der Mischungskorrosion erklärt erst, warum die im Karstgebirge beobachteten großen Lösungshohlräume nicht an der Eintrittsstelle des Wassers, sondern im Innern des Gebirges zu finden sind. Es ist ein „Paradoxon der Mischungskorrosion“, daß umso mehr Kalk zusätzlich gelöst wird, je höher die Konzentration des kalkreicheren Ausgangswassers bereits war.
   

Durch die Fällung des Karbonats werden verschiedene sedimentäre Gesteine neu gebildet, wie „Seekreide“, „Quell“- oder „Kalk-Tuff“ und der relativ harte, aber sehr poröse Travertin. Auch die Tropfsteine der Besucherhöhlen verdanken ihre Entstehung diesen chemischen Reaktionen. Da sich dieses Gleichgewicht auch beim Erwärmen stark auf die rechte Seite verschiebt, ist es außerdem für die Bildung von Kesselstein verantwortlich.

Bei  Robschütz, wenige Kilometer nördlich von Miltitz, wurde im 19. Jahrhundert ein solches Kalktuff- Vorkommen abgebaut. 

  

 

 

Zur Produktion und zum Absatz der Kalkwerke

  

Die Verarbeitung von Kalkstein zu einem formbaren Baustoff gehört zu den ältesten und bis heute bedeutendsten technischen Produktionsverfahren. Die ältesten Zeugnisse der Kalkherstellung für die Verarbeitung in estrichartigen Böden von Kultanlagen stammen aus dem Bergtempel vom Göbekli Tepe in Anatolien und sind 11.000 Jahre alt.

Bedarf für Kalkmörtel bestand natürlich auch in unserer Region schon in der Besiedlungsperiode ab dem 12. Jahrhundert, als am Nordrand des Erzgebirges zahlreiche Klöster und Kirchen, Burgen und Stadtmauern errichtet wurden. Aus dieser Zeit existieren jedoch praktisch keine Unterlagen mehr.

Früher als in anderen deutschen Staaten begann im ersten Viertel des 19. Jahrhunderts in Sachsen die Industrialisierung. Nach der bürgerlichen Revolution 1848 / 1849 setzte die Gründerzeit ein. Obwohl die nationalstaatliche Zielsetzung der Revolution mit ihren grundsätzlichen Anliegen noch scheiterte und in eine Periode der politischen Reaktion mündete, setzte sich mit ihr das wohlhabende Bürgertum als Machtfaktor neben der Aristokratie aber in Deutschland durch. In der Folge kam es auch zu grundlegenden Modernisierungen des  Bergrechts.

Die Gründerzeit dauerte bis zum „Gründerkrach“ (der große Börsenkrach von 1873) an. Im historischen Sinn werden nur die ersten Jahre nach der Gründung des Deutschen Kaiserreichs 1871 als Gründerzeit bezeichnet, in denen Deutschland vor allem auf Basis der französischen Reparationszahlungen einen vorher nicht gekannten Boom erlebte. Das beförderte natürlich auch den Absatz von Branntkalk für Bauzwecke aus den einheimischen Kalk- und Marmorlagerstätten. Hinzu kam noch, daß nach den Erkenntnissen Justus Liebigs etwa ab 1840 auch der Düngekalk- Absatz ständig zunahm.

Dieser Aufschwung wurde noch dadurch befördert, daß von 1866 bis 1889 zahlreiche Neben- und Kleinbahnen auch im Erzgebirge gebaut wurden, was den Kalkabsatz wesentlich erleichterte, da viele Werke nun in Bahnnähe zu liegen kamen. Solche (Schmalspur-) Bahnstrecken verliefen auch entlang des Tales der Kleinen Triebisch und verbanden Wilsdruff und Mohorn. Daraus resultierte umgekehrt aber auch ein schwerwiegender Nachteil, denn damit verloren vorallem kleinere Gruben mit komplizierteren Abbaubedingungen nun schnell ihren Standortvorteil der geringeren Transportkosten im näheren Umfeld gegenüber der ausländischen Konkurrenz.

Doch wurden jetzt auch abgelegene, kleine und kleinste Vorkommen genutzt und selbst schon auflässige Werke teils auch aus spekulativen Gründen wieder aufgenommen. August Rothpletz beschrieb in Zusammenhang mit dem Steinkohlenbergbau bei Hainichen („Geschichte des Kohlenbergbaues bei Hainichen in den Erläuterungen zur geologischen Spezialkarte des Königreichs Sachsen, Blatt 78, Sektion Frankenberg- Hainichen), die Situation während der Gründerzeit so, daß mit der Reichsgründung 1871 „...sich allerwärts ein reger Unternehmungsgeist nur zu oft in die aussichtlosesten Gründungen stürzte...“ 

Mit Beginn des 20. Jahrhunderts begann daher eine Schließungswelle, die in erster Linie die kleinen, gewerblichen Gruben betraf.

 

Zur Produktion der einzelnen Werke

In einem Gutachten stellten Prof. Wunder, Chemnitz sowie die Mitautoren A. Herbrig und A. Eulitz im Jahre 1867 die Gesamtproduktion der sächsischen Kalkwerke zusammen. Demnach hätten im Zeitraum 1863 bis 1864 im Triebischtal zwei übertägige und fünf untertägige Kalksteinbrüche bestanden, welche über insgesamt 13 Kessel- oder Schüttöfen (also Niederschachtöfen vom Schneller-Typ) verfügten. Alle zusammen hätten eine jährliche Produktion von 967 Ruthen Kalkstein, wovon etwa 300 Ruthen an umliegende Hüttenwerke als Rohkalk abgegeben wurden. Aus den übrigen 667 Ruthen wurden 54.800 Scheffel Branntkalk erzeugt. Im Vergleich mit der Gesamtproduktion Sachsens von 27.156 Ruthen Kalk und 2.105.100 Scheffel Branntkalk im gleichen Zeitraum erweist sich das Triebischtal als Region mit einer eher geringen Produktionsmenge.

Im Jahrgang 1864 der Wochenschrift des Preußischen Handelsarchives finden sich einige statistische Angaben im Kapitel „Jahresbericht des Kgl. Sächsischen Handels- und Gewerbekammer zu Dresden für 1863“; danach habe die Zahl der Kalkbrennereien 1863 in Sachsen 56 mit 420 Arbeitern betragen und „…sind besonders das Triebischthal (Miltitz, Munzig, Groitzsch, Burkhardtswalde), das Müglitzthal (Maxen, Nenntmannsdorf), dann die Pläner und Zechsteinkalke in Weinböhla und Ostrau, endlich Hermsdorf, Blankenstein und Tharandt zu nennen. Für den Export (aus Sachsen) kommen eigentlich nur die Urkalke von Miltitz in Frage, welche von Meißen aus in einem Quantum von jährlich durchschnittlich 108.000 Ctr. (also zirka 5.400 t) für chemische Fabriken, Eisen- und Glashütten stromauf bis Außig (Usti nad Labem), stromab bis Magdeburg verschifft werden.“

Diese uns heute nicht sehr bedeutend erscheinende Menge sollte uns aber auch Folgendes zu denken geben: Zumindest bis zum Anleger am Elbufer mußte diese Menge vor der Erfindung von Eisenbahn und LKW nämlich ausschließlich mittels Pferdefuhrwerken transportiert werden. Nun lag die Ladekapazität eines zweispännigen Fuhrwerkes aber kaum höher, als bei bestenfalls anderthalb Tonnen. Wollte man also die oben genannten 5.400 t von Miltitz nach Meißen „kutschieren“, erforderte dies auch rund 3.600 Fuhren ! Oder anders gerechnet: Täglich mußten zehn Fuhrwerke schwer beladen das Triebischtal abwärts fahren !

Aus diesem Grund verfügten manche Kalkwerke selbst über sogenannte „Ausspannen“, in denen die Fuhrleute ihre Tiere versorgen, essen und trinken und gegebenenfalls auch nächtigen konnten. Oftmals wurden von den Grundherrschaften die eigenen Bauern zu den  Spanndiensten verpflichtet.

 

In den Jahrbuchausgaben findet man Angaben zu den Produktionsmengen der Kalkwerke in Sachsen aus den oben angeführten, bergrechtlichen Gründen erst ab 1900 (und bis 1937) und nur als Zusammenstellung für alle gewerblichen Gruben. Damit ist die Betriebszeit der Kalkwerke im Triebischtal, die überwiegend vor 1920 zu Ende ging, nur noch zum kleinen Teil erfaßt. Wir haben die Angaben trotzdem einmal in grafischer Form aufbereitet.

  


Die Entwicklung der Produktionsmengen der gewerblichen Kalkwerke in Sachsen nach Angaben in den Jahrbüchern für das Bergwesen in Sachsen.

  

Schon immer wurde hinsichtlich des Ausbringens geklagt, daß „die Kalkwerke …unter dem Wettbewerbe des böhmischen und schlesischen Kalkes litten.“ (JB 1901) „Die Unternehmer dieser Werke haben gegen den außersächsischen Wettbewerb schwer zu kämpfen. Die schwierigere und daher mehr Arbeitskräfte und Löhne erfordernde Gewinnung und Förderung und die in den geologischen Vorkommen beruhende verhältnismäßig enge Begrenzung des abbauwürdigen Kalksteins sind hauptsächlich die Ursachen zu der wenig günstigen Lage.“ (1906) „Die Kalkwerksbesitzer beklagen sich bitter darüber, daß sogar zu sächsischen Staatsbauten fast ausnahmslos ausländischer Kalk verwendet werde.“ (JB 1907) 

Es war deshalb unumgänglich, sich konkurrenzfähige Produkte einfallen zu lassen: „...diesen Erfolg (hat man) trotz des immer noch bestehenden Wettkampfes mit billigem außersächsischem Kalke nur dem Umstände zu verdanken, daß neues Betriebskapital zur Errichtung von mehreren Aufbereitungsanlagen verwendet worden ist. In diesen wird einerseits entweder Rohkalk oder gebrannter Kalk zu Dünge- und Bauzwecken ganz fein gemahlen, andererseits Rohkalk zwecks Herstellung von Terrazzomaterial zu Körnern verschiedener Größe zerkleinert. Diese besser konkurrenzfähigen Erzeugnisse erzielten gegen die Vorjahre einen höheren Verkaufswert.“ (JB 1910) Terrazzo-Körnungen wurden zuerst von Böhme’s Kalkwerk in Herold produziert.  

Einen drastischen Rückgang verursachte dann der Ausbruch des Weltkrieges: „Der ausbrechende Krieg freilich brachte einen Umschwung und verminderte die Gewinnung, teils weil sich durch Einberufung zum Heere bei den meisten Werken die Mannschaftszahl stark verminderte, teils weil die Nachfrage ganz bedeutend nachließ.“ (JB 1915)  Dies ist auch für die Kalkwerke in Groitzsch und in Miltitz belegt. Insgesamt fielen die Beschäftigtenzahlen der gewerblichen Kalkwerke von 350 bis 430 Personen zwischen 1900 und 1905 auf nur noch 171 Arbeiter im Jahre 1916. Ein weiterer Rückgang wurde z. T. durch den Einsatz von Kriegsgefangenen in den Bergwerken abgefangen. Hinzu kamen aber weitere Kriegsfolgen: „Auch im Berichtsjahre klagten die Werke über zu geringe Absatzmöglichkeit wegen starken Mangels an Arbeitern, Fuhrwerken und Eisenbahnwagen, bei den Kalkwerken überdies noch wegen der Schwierigkeit, Kohlen für die Brennöfen heranzubekommen.“ (JB 1917)  

Einen kurzzeitigen Aufschwung fand der Rohkalkabsatz dann nach dem Weltkrieg: „Die Nachfrage nach Rohkalk steigerte sich infolge Belebung der Eisen- und chemischen Industrie, während die Erzeugung gebrannten Kalkes wegen Minderabsatzes von Düngekalk an die Landwirtschaft einen Rückgang erfuhr.“ (JB 1927) Er hielt aber nicht lange an, denn bereits in der Ausgabe 1929 liest man: „…Dieser Rückgang ist in der Hauptsache auf den geringen Rohkalkabsatz zurückzuführen, da besonders die Rohkalk verarbeitende Eisen- und chemische Industrie wegen des gestiegenen Preises je t 12,32 RM gegen 7,56 RM im Jahre 1927 ihren Bedarf vorzugsweise aus den schlesischen Tagebauen bezog.“ 

Ein erneuter Aufschwung in der Bindemittelindustrie war insbesondere der Kriegswirtschaft und dem intensivierten Autobahnbau zu verdanken, wie man im Bericht der Staatlichen Lagerstättenforschungsstelle für das Jahr 1934 / 1935 nachlesen kann: „Eine baldige Vervollständigung der Bestandsaufnahme der für Bauzwecke nutzbaren Gesteine (Hartsteine) liegt im Interesse des durch die Maßnahmen der Regierung stark belebten Straßenbaues (Autobahnen). Auch die Bestandsaufnahme der sächsischen Kalk-, Kaolin- und Tonvorkommen ist geplant und teilweise schon in Angriff genommen.“  

Das Brennen des Kalkes erfolgte in Miltitz um die Wende zum 20. Jahrhundert in unterschiedlichen Öfen, darunter ein Schachtofen von 3 m Innendurchmesser und 16 m Gesamthöhe. In (40024-12, Nr. 292) findet sich eine Bauzeichnung für die Rekonstruktion dieser Ofenanlage aus dem Jahr 1909.

 

Produktionsmengen konnten bislang nur ansatzweise recherchiert werden. Die umfangreichsten Angaben haben wir dabei bisher für das von Heynitz‘sche Werk in Miltitz gefunden (10384, Nr. 215 bis Nr. 219). Zunächst führte man hier noch neben der Geldabrechnung auch zusammenfassende „Naturalrechnungen über den Kalkofen in Miltitz“. Schon vor der Einstellung des Faktors Lorenz war man (ab 1832) in der Buchführung dann zu „Reinertragsrechnungen für das zum Rittergute Miltitz gehörige Kalkwerk“ übergegangen. Es erweist sich heute als äußerst mühselig, diese monatlich geführten Abrechnungen (alles in allem etwa 1 lfd. Meter Akten) zu erfassen und es wird auch nicht genauer, will man die darin dokumentierten Erlöse wieder in erzeugte Mengen zurückrechnen. Hinzu kommt noch, daß bis zur Einführung des metrischen Systems teilweise recht ungewöhnliche Einheiten verwendet wurden. Deshalb beschränken wir die nachstehende Aufführung auf diejenigen Jahre, für die wir bislang Zusammenstellungen gefunden haben.

Von Interesse für unsere weiter unten noch folgende Umrechnung sind außerdem folgende Angaben aus diesen Unterlagen: 1815 nämlich wird festgehalten, daß man „aus 1 Ruthe Rohkalk 38 Faß und 2 72/77 Kannen Kalk erzielt“ habe; nach dem Wechsel zum Dresdner Scheffel hält man dann im Jahr 1830 fest, daß 1 Ruthe Rohkalk 130 8/13 Scheffel Branntkalk ergeben habe. Nehmen wir also mal kühn an, daß sich die Technologie und das Faß-Maß in diesen 15 Jahren nicht wesentlich verändert haben, dann können wir daraus grob abschätzen, daß ein Faß etwa 3,43 Scheffel umfaßte. Da der Dresdner Scheffel seinerseits ein Volumen von etwa 107,33 Liter faßte, müßte ein „Faß“ demnach eine Menge von zirka 368,14 Liter enthalten haben. Erst 1815 wurden im von Heynitz’schen Werk die althergebrachten Einheiten „Faß“ und „Kanne“ durch den Dresdner Scheffel ersetzt; die „Ruthe“ wurde sogar noch bis 1871 verwendet.
  

Im Jahre…

wurden gebrochen:

und daraus gebrannt*):

1779 Übernahme des Ritterguts Miltitz samt Kalkwerk durch C.W.B. von Heynitz, zunächst Verpachtung des Kalkwerks.
 

1780

30 ¾ Ruthen

741 Faß

1781

34 Ruthen

842 Faß

1782

40 Ruthen

993 Faß

1783

47 ½ Ruthen

1.311 Faß

1784

55 Ruthen

1.493 Faß

1785

47 ½ Ruthen

1.195 Faß

1786

54 Ruthen

1.291 Faß

1787

65 Ruthen

1.625 Faß

1788

69 ¼ Ruthen

1.782 Faß

1789

57 Ruthen

1.442 Faß

1810 Übernahme des Kalkwerks in eigene Verwaltung
 

1810

59 ½ Ruthen

1.782 Faß, ½ Kanne

1811

45 ½ Ruthen

1.233 Faß, 2 Kannen

1812

29 ¼ Ruthen

270 Faß

1813

2 ½ Ruthen

381 Faß

1813 beendete die Völkerschlacht bei Leipzig die Napoleonischen Kriege in Sachsen.
 

1814

38 ½ Ruthen

1.491 Faß

1815 verlor Sachsen infolge des Wiener Kongresses einen großen Teil seines Territoriums an Preußen.
 

1815

49 ¾ Ruthen

7.424 ¾ Scheffel

1816

58 ¾ Ruthen

11.257 Scheffel

1817

64 ½ Ruthen

11.562 Scheffel

1818

55 ½ Ruthen

8.344 Scheffel

1819

52 ½ Ruthen

8.608 ½ Scheffel

1820

94 ¼ Ruthen

12.636 Scheffel

1821

92 ¾ Ruthen

13.128 ½ Scheffel

1822

71 ½ Ruthen

7.325 ½ Scheffel

1823

52 ¾ Ruthen

5.402 ½ Scheffel

 

 

 

1825

44 ¾ Ruthen

6.001 ¾ Scheffel

 

 

 

1830

66 ¾ Ruthen

6.832 Scheffel

1833 Gründung des Deutschen Zollvereins.
 

1855

Keine Angabe…

1.440 ½ Scheffel

Ab 1858 Übergang zum metrischen System.
 

1860

39 Ruthen

 

1861

48 Ruthen

 

1862

62 Ruthen

 

1863

62 Ruthen

 

1864

49 Ruthen

 

 

 

 

Nach dem Deutsch-Französischen Krieg erfolgt 1871 die Gründung des Deutschen Reiches.
 

1873

132.797 Centner

 

 

 

 

1881

140.682 Centner

 

 

 

 

1893

118.021 Centner

 

*) Wie noch ausführlicher zu lesen sein wird, wurde nicht die gesamte Förderung zu Branntkalk verarbeitet, sondern ein Teil auch als Rohkalk verkauft.

  

Aus dem Jahr 1863 liegt auch eine indirekte Information vor (siehe oben), daß zu dieser Zeit in Miltitz etwa 5.400 t Rohkalk pro Jahr gefördert wurden. Die erhalten gebliebenen Berichte des Gutsverwalters Born aus den Jahren 1863 bis 1865 (10384, Nr. 114) sind hinsichtlich des Kalkwerksbetriebes dagegen wenig aussagekräftig und wurden diesbezüglich erst umfangreicher, nachdem Herr Carl Heinrich Lorenz als Faktor des Kalkwerkes eingestellt wurde. Er rechnete 1864 zusammen, daß in den Jahren 1861 bis 1864 insgesamt 507 Ruthen Kalk gebrochen wurden, wovon 179 Ruthen (zirka 35%) gebrannt, der Rest von 328 Ruthen als „Kalkprodukte“ verkauft wurden.

Die Gestehungskosten lagen 1864 in Miltitz je Ruthe für:

  • Rohkalk: bei 14 Mark, 19 Groschen, 2 Pfennigen; bei Verkaufserlösen zwischen 20 und 24 Mark und

  • Branntkalk: bei 40 Mark, 2 Groschen, 5 Pfennigen; bei Verkaufserlösen von im Mittel etwa 46 Mark.

Faktor Lorenz vermerkt 1864 auch: „Die Preise des gebrannten Kalkes bei den Nachbarwerken Schmiedewalde, Burkhardswalde und Groitzsch sind durchgängig gleich und betragen pro Scheffel 10,1 Mark.“  Kartellabsprachen gab es zu dieser Zeit gewiß noch nicht...

Für das Kalkwerk Kippe in Groitzsch gibt es eine Angabe im Bericht zur Fabrikrevision aus dem Jahr 1895, die besagt, daß bis zu dieser Zeit in Groitzsch zwischen 30.000 und 50.000 Zentnern, also rund 1.500 t bis 2.500 t jährlich gefördert wurden (40024-12, Nr. 134).  

Für das in dieser Zeit zur Herrschaft Taubenheim gehörige Kalkwerk in Burkhardswalde sind aus dem Zeitraum 1849 bis 1851 die Berichte des Gutsverwalters Leberecht Ernst Dietze an den damaligen  Besitzer des Gutes, Herrn Karl Gottlob Töpolt, erhalten geblieben (10057, Nr. 1324, 1325 und 1326). Demnach wurden jeweils im Zeitraum von März bis Dezember folgende Mengen Kalkstein gebrochen:

  • 1850: 30 Ruthen,

  • 1851: 24 Ruthen.

Daraus wurde Branntkalk produziert in einer Menge von:

  • 1849: 4.147 Scheffel,

  • 1850: 5.200 3/4 Scheffel und

  • 1851 (...bis ultimo Juni): 1.702 Scheffel.

Aus dem Verkauf des Branntkalkes, von Rohkalk und Kalkasche erzielte man 1850 in Burkhardswalde einen Erlös von 1.692 Mark, 16 Groschen und 7 Pfennigen bei Kosten von 1.455 Mark und 1 Groschen. In den Kosten waren 1850 auch rund 194 Mark für den begonnenen Stollnbau enthalten. Für den Zeitraum des ersten Halbjahres 1851 weist die Bilanz für den Besitzer Töpolt Einnahmen aus dem Kalkwerk in Höhe von 1.168 Mark, 1 Groschen, 2 Pfennigen bei Kosten von 1.308 Mark, 23 Groschen und 8 Pfennigen aus. In den Kosten dieses Jahres sind aber wieder 354 Mark für den Stollnbau enthalten, den der Verwalter Dietze selbst so einschätzt: Der für einen künftigen zweckmäßigeren Betrieb unternommene Stollenbau dürfte zu sistieren sein...“

   

Anmerkung: Die Fördermengenangaben in der Einheit Ruthe machten uns einiges Kopfzerbrechen. Um es unseren Lesern etwas leichter zu machen, hier ein paar Berechnungen dazu: Die Rute oder Ruthe ist nämlich eigentlich ein Längenmaß, welche je nach Region und Verwendung (Straßenrute, Feldmesserrute) zwischen 12 und 16 Fuß umfaßte. Aufgrund der unterschiedlichen Fußmaße vor der Einführung des metrischen Systems resultieren daraus Längen zwischen 3,5 m und bis zu 7 m, meistens jedoch um 4,6 m für eine Ruthe. Bei Wikipedia haben wir folgende Angaben für Sachsen gefunden:

  • 1 Dresdner Straßenrute = 16 Fuß = 4,531042 m,

  • 1 Sächsische Feldmesserrute = 15 Fuß = 4,295050 m,

  • 1 Leipziger Wiesenrute = 15 Fuß = 4,284583 m;
       zum Vergleich noch:

  • 1 preußische Ruthe = 2 Klafter = 12 Fuß 3,766236 Meter.

Letztere ist durchaus in Betracht zu ziehen, denn in den 1860er Jahren war der Besitzer des Miltitzer Kalkwerkes, Rudolph von Heynitz, nicht nur Herr auf Königshain und Miltitz, sondern nebenbei auch Preußischer Leutnant.

Als Volumenmaß ist die Ruthe dagegen zumindest ungewöhnlich. Man findet jedoch auch die Begriffe Steinrute und Bergrute, welche wiederum zwischen 7 m³ und bis zu 25 m³ fassen können. Unter Verwendung einer preußischen Ruthe hätte eine Kubik-Ruthe sogar ein Volumen von:

  • 3,766236³ m³ = 53,4223 m³.

Die sogenannte Schachtrute (oder auch Schachtwerk) war dagegen ein im deutschen Raum durchaus gebräuchliches Volumenmaß für Baustoffe, wie Sand, Kies und Steine; sowie ein Maß für den Aushub beim Bau und bei Erdarbeiten diese Einheit kam hier wohl am wahrscheinlichsten zur Anwendung. Dabei wurden eine Fläche von einer Quadratrute und eine Höhe eines Schachtfußes (oder Schachtschuhes) oder auch eines Schachtzolls angesetzt. Das resultierende Volumen richtete sich natürlich wieder nach der jeweils regional geltenden Längenrute (bzw. den Fußmaßen). Die Schachtrute war deshalb regional genauso sehr verschieden und in der metrischen Umrechnung resultieren Werte zwischen ≈ 4,5 und bis zu 6,5 Kubikmeter. Für Preußen galt beispielsweise:

  • 1 preußische Schachtrute = 1 Rute zu 12 Fuß im Quadrat bei 1 Fuß Höhe
    = 144 Kubikfuß ≈ 4,4519 Kubikmeter.

Die Dichte von Kalksteinen liegt zwischen 2,45 und 2,90 t/m³ (nach J. SCHÖN, Petrophysik, 1983); im Mittel bei zirka 2,7 t/m³. Metamorphe Kalksteine und Marmore besitzen dabei die höheren Werte. Gebrochen (stückig) besitzt Kalkstein Schüttdichten zwischen 0,96 t/m³ und 1,36 t/m³. Mit dem etwas größeren Wert für den metamorphen Kalkstein aus Miltitz könnten aus den oben angegebenen Volumina für:

  • 1 Schachtrute 4,5 m³ x 1,36 t/m³ 6,05 t oder

  • 1 (preuß.) Kubikrute 53,4 m³ x 1,36 t/m³ 72,65 t

für die Menge einer (Kalk-) Ruthe resultieren. Diese Berechnung können wir auch mit den für die Förderung des Miltitzer Werkes aus dem Jahr 1863 vorliegenden Zahlenangaben vergleichen. Der Faktor Lorenz notierte in diesem Jahr eine Förderung von 62 Ruthen und im Jahresbericht des Kgl. Sächsischen Handels- und Gewerbekammer zu Dresden auf das gleiche Jahr konnten wir lesen, daß 108.000 Zentner (unter Verwendung des metrischen Zentners also 5.400 Tonnen) verschifft worden wären. Dividiert man die letzte Zahl durch die erstgenannte, erhält man den Wert von:

  • 1 Miltitzer Kalkruthe 87,09 t 

...was zwar von den oben ermittelten Werten nochmals abweicht, aber zumindest einigermaßen zum Volumen einer Kubikruthe paßt. Mit diesem, uns am plausibelsten erscheinenden Faktor haben wir auch die Zahlen aus der Tabelle oben in die in der Grafik unten dargestellten Werte umgerechnet.

 

Anmerkung zur Anmerkung: Um die Verwirrung aber noch größer zu machen, sei an dieser Stelle erwähnt, daß wir in den Abrechnungen für das Jahr 1864 (10384, Nr. 218) noch eine weitere, natürlich wieder völlig abweichende Angabe gefunden haben: Faktor Lorenz nämlich bezieht darin in einem Nebensatz „die Ruthe auf 500 Centner“. Wenn dies nun wiederum zuträfe, hätte also den metrischen Zentner vorausgesetzt

  • 1 Ruthe Kalk 25,0 Tonnen umfaßt…

 

Noch eine andere Angabe haben wir in Gürtler, 2006 gefunden. Demnach war in einem Vertrag zwischen dem Grundbesitzer Tamme und dem Bergwerksbesitzer F. Keil im Jahre 1856 über den Kalkabbau in Hintergersdorf bei Tharandt der Grundzins mit 4 Taler pro Ruthe Kalk vereinbart und die Ruthe hierin mit 24 Ellen Länge, 3 Ellen Breite und 2 Ellen Höhe (144 Kubik-Ellen) festgesetzt. Das entspräche einem Volumen von zirka 26,2 m³ bzw. einer Masse von etwa 34 Tonnen. Bei unseren Rechnungen ist allerdings immer zu bedenken, daß es wohl kaum machbar ist, einen „Quader“ aufzuschütten und man sich wohl eher einen „keilförmigen Haufen“ vorstellen muß.

Bei den Recherchen zu weiteren Beiträgen ist uns dann endlich noch eine weitere Angabe untergekommen: In (Wunder, Herbrig und Eulitz, 1867) wird die Ruthe nämlich auf den fiskalischen Kalkwerken einheitlich zu 54 Kubik-Ellen berechnet. Das vereinfacht die Umrechnung aber auch nicht wirklich, denn allein die in Sachsen gebräuchlichen Längenmaße einer Elle schwankten zwischen 0,5 m und 0,8 m. Immerhin wurde jedoch 1854 die Dresdner Elle gesetzlich mit 0,56638 m Länge festgelegt. Daraus würde nun für 54 Kubik-Ellen ein Volumen von rund 9,81 m³ und mit o. g. Schüttdichten folglich eine Masse für eine Ruthe Kalk zwischen 9,4 t und 13,3 t resultieren.

Die Autoren führen aber glücklicherweise einen Vergleich auf, wie unterschiedlich die Ruthe in den Kalkwerksbetrieben um die Mitte des 19. Jahrhunderts gehandhabt wurde, die uns nun endlich etwas Erleuchtung bringt:

Ort Volumen einer
(Kalk-)Ruthe
in Kubikellen
Volumen einer
(Kalk-) Ruthe
in m³ (gerundet)
Masse (t) bei einer  Schüttdichte von
0,96 - 1,36 t/m³ 
Oelsnitz 13 ½ 2,45 2,35 - 3,34
Meerane 27 4,91 4,71 - 6,67
fiskalische Kalkwerke 54 9,81 9,42 - 13,34
Strehla bei Dresden 72 13,08 12,56 - 17,79
Ostrau 73 ½ 13,35 12,82 - 18,16
Miltitz im Triebischthale 96 17,44 16,74 - 23, 72
Niederheßlich im Plauenschen Grunde 144 26,16 25,12 - 35,58 
Braunsdorf bei Tharandt 192 34,88 33,49 - 47,44
Weinböhla bei Meißen 324 56,51 56,51 - 80,06

  
Die Schwankungsbreite dessen, was man beim Kauf einer Ruthe Kalk erhielt, von reichlich zwei bis über achtzig Tonnen ist unerklärlich und überraschend groß... Unsere oben vorgenommen Berechnung von rund 70 bis 80 Tonnen für eine Kalkruthe trifft tatsächlich auch zu, jedoch nach dieser Quelle nur auf die Plänerkalksteinbrüche unweit Meißens. Nun ist Miltitz von Meißen kaum weiter entfernt, als Weinböhla ‒ trotzdem war das Maß ein ganz anderes und kam der Angabe von Faktor Lorenz aus derselben Zeit
die Ruthe auf 500 Centner recht nah.

Auch die Autoren des Berichtes von 1867 untersuchten sowohl das spezifische Gewicht, als auch die tatsächliche Masse der verwendeten Volumenmaße. Bei einer Dichte der Kalksteine von 2,7 bis 2,8 t/m³ und der Dolomite zwischen 2,8 und 3,0 t/m³ kamen sie auf folgende Gewichtsmaße für lufttrockene, gebrochene Steine.

Herkunft Masse einer fiskalischen Ruthe (zu 54 Kubikellen) Masse einer fiskalischen Ruthe (in Tonnen)
Plattendolomit von Ostrau 328 bis 334 Zentner 16,4 - 16,7 t
Plattendolomit von Görlitz bei Schrebitz 328 Zentner 16,4 t
Kalkstein von Niederrabenstein bei Chemnitz 317 Zentner 15,85 t
Kalkstein vom Fürstenberg bei Waschleithe 300 Zentner 15,0 t

  
Wie froh können wir sein, daß wir heute ein einheitliches Maßeinheitensystem haben !

Nicht umsonst wurden die Kunden des Kalkwerkes Miltitz schon seit 1819 darauf hingewiesen, daß Branntkalk zwar im (immerhin ja schon „normierten“) Dresdner Scheffel abgewogen werde, aber jeder bei Beladung oder Lieferung selbst sofort nachzumessen habe; anderenfalls keine Beschwerden angenommen würden.

 

Bei 24 bis 30 Ruthen gebrochenen Kalksteins pro Jahr hätte die Fördermenge des Burkhardswalder Kalkwerkes in den Jahren 1849 und 1850 unter Verwendung der Schachtruthe (rund 6 t) also nur zwischen zirka 144 t und 180 t betragen; unter Verwendung einer Kubikrute mit rund 80 t dagegen zwischen 1.920 t und 2.400 t. Letzteres erscheint uns plausibler, wenn wir dem die Angaben zur Branntkalkproduktion derselben Jahre gegenüberstellen. Diese Mengenangaben erfolgen in den Berichten des Gutsverwalters nun dummerweise wieder in einer anderen Einheit, nämlich in Scheffeln.

Das Scheffel war im Gegensatz zur Schachtrute ein weit verbreitetes Raummaß, was leider ebenso zur Folge hatte, daß eine Unzahl verschiedener Maße existierten; gleichzeitig galten für den Scheffel auch noch bestimmte Mindestgewichte. So galten z. B. in Preußen folgende Mindestgewichte eines Scheffels:

  • Hafer: 45 ½ preußische Pfund,

  • Gerste: 55 ½ preußische Pfund,

  • Mehl: 75 preußische Pfund,

  • Weizen: 85 ½ preußische Pfund,

  • Hülsenfrüchte: 90 ½ preußische Pfund und

  • Kohlen: 100 preußische Pfund, also (metrische Pfund in Preußen ab 1858) 50 kg.

Der deutschen Kleinstaaterei vor 1871 geschuldet gibt es eine Unmenge verschiedener Umrechnungen der historischen Volumenangaben. Bei Wikipedia haben wir nur allein für Sachsen ein paar Angaben zum Vergleich mit einem Preußischen Reichsscheffel (= 54,91 Liter) herausgesucht:

  • Torgau: 1 alter Scheffel = 66,11 l,

  • Zwickau: 1 Scheffel = 67,0 l,

  • Wurzen: 1 alter Scheffel = 70,55 l,

  • Colditz: 1 alter Scheffel = 79,32 l,

  • Leipzig: 1 alter Leipziger Scheffel = 80,58 l,

  • Pegau: 1 Scheffel = 84,81 l,

  • Grimma: 1 alter Scheffel = 103,3 l,

  • Rochlitz: 1 alter Scheffel = 105,68 l,

  • Dresden: 1 Scheffel = 107,33 l,

  • Freiberg: 1 alter Scheffel = 108,25 l,

  • Bautzen: 1 alter Scheffel = 109,09 l,

  • Borna: 1 alter Scheffel = 110,73 l,

  • Oschatz: 1 alter Scheffel = 112,18 l,

  • Görlitz: 1 alter Scheffel = 141,0 l,

  • Chemnitz: 1 alter Scheffel = 149,0 l,

  • Plauen: 1 Scheffel = 154,13 l,

  • Annaberg: 1 Scheffel = 198,35 Liter. 

Nehmen wir für den Dresdner Raum vereinfachend einmal ein Maß von rund 100 Litern für einen Scheffel an. Dieses Volumenmaß erscheint auch deshalb wahrscheinlich, weil bis zur heutigen Zeit Mengenangaben von Schüttgütern oft auch in der Einheit hl (Hektoliter) erfolgen. Auch der Bergmeister Seemann notierte in einer Fabrikrevision zum Werk in Groitzsch im Jahr 1900, daß hier jährlich etwa 19.000 hl gebrannter Kalk produziert würden, also 1.900 m³.

Die Schüttdichte ist natürlich von der Körnung des Fertigprodukts abhängig (Die Dichte des festen Kaliziumoxids liegt bei 3,3 t/m³). Bei heutigen Herstellern haben wir in Produktdatenblättern für gemahlenen Branntkalk Werte zwischen 0,88 t/m³ und bis zu 1,20 t/m³ gefunden, woraus sich eine Jahresproduktion zwischen 1.672 t und 2.280 t Branntkalk in Groitzsch ergäbe. Diese Zahlen passen ganz gut zu den 1895 genannten Produktionsmengen zwischen 1.500 und 2.500 t.

Der Verkauf an Branntkalk des Werkes in Burkhardswalde betrug in den beiden Jahren 1849 und 1850 zwischen 4.147,0 und 5.200,75 Scheffel; unter Ansetzung einer Schüttdichte vom 1,2 t/m³ demnach also zwischen etwa 498 t und 624 t. Aus diesen Zahlen folgt zwingend, daß die Förderung nicht bei lediglich 180 Tonnen gelegen haben kann, was wiederum unsere oben vorgenommene Abschätzung des Maßes der Kalkruthe von 72 bis 87 Tonnen unterstützt.

Nachdem wir nun ausführlich erläutert haben, wie wir zu mehr oder weniger fundierten Angaben in metrischen Maßen gekommen sind, stellen wir die Zahlen aus der Tabelle oben für das Miltitzer Werk noch einmal graphisch dar. In die darin ersichtlichen Schwankungen des Ausbringens gehen natürlich neben den historischen Randbedingungen auch andere Unterbrechungen, z. B. durch erforderliche bergmännische Arbeiten, wie etwa die Herstellung neuer Aus- und Vorrichtungsbaue, mit ein. Abgesehen von solchen immerwährenden Schwankungen kann die Angabe zur Förderung von 5.400 Tonnen pro Jahr aus dem Jahre 1863 demnach aber als – durchaus recht stabiler – Mittelwert für den Zeitraum zwischen 1785 und 1890 angesehen werden.

  


Angaben zum Ausbringen und zur Produktion des Kalkwerkes in Miltitz aus der Zeit seit der Übernahme durch die von Heynitz und bis zum Ende des 19. Jahrhunderts (aus Bestand 10384, Nr.114 sowie Nr. 215 bis 219).

  

Bleibt uns noch eine Angabe zur Neuzeit: Anhand der mittleren Bauhöhe und der Ausdehnung der Abbaufläche kann man schließlich noch abschätzen, daß das Miltitzer Neue Lager zirka 212.000 t Kalk enthielt; davon abzüglich erwarteter Abbauverluste von 30% etwa 130.000 t gewinnbar wären; wovon wiederum von 1924 bis zur Einstellung 1964 etwa 98.000 t tatsächlich gefördert wurden.

Der höchste Wert wurde im Jahr 1947 mit etwa 12.000 t erreicht. Etwa die Hälfte der Jahresförderung wurde in Miltitz zu Branntkalk (bis zu 6.500 t jährlich) verarbeitet, der andere Teil als gemahlener Düngekalk oder als Zuschlagstoff an die Chemische Industrie und an die Stahl- und Eisenindustrie verkauft. Praktischerweise wurde das Kalkwerk zu diesem Zeitpunkt als Betriebsteil direkt den Ziegelwerken, zuletzt dann dem Stahlwerk also auch den wichtigsten Kunden angegliedert.

Fassen wir zusammen, was wir ermittelt haben:
   

Werk, Zeitraum
 
Förderung
 
davon
Branntkalk 
Branntkalk-
Anteil
Töpolt, Burkhardswalde, 1850

2.400 t

625 t 26 %
von Heynitz, Miltitz, 1863 5.400 t 1.900 t 35 %
Kippe, Groitzsch, 1900 2.500 t 2.300 t 92 %*)
Sachsen Gesamt, 1937 115.946 t 51.495 t 44 %
Neues Kalkwerk, Miltitz, 1947 12.000 t 6.500 t 54 %

*) Dieses Verhältnis war uns Anlaß für eine Nachrechnung. Da es chemisch unmöglich ist, nahezu dieselbe Masse an Branntkalk aus einer gegebenen Menge Rohkalk zu erzeugen, muß Herr Kippe im angegebenen Zeitraum entweder auf Vorrat Kalk gebrochen und in diesem Jahr gebrannt, vielleicht auch Rohkalk von anderen Werken zugekauft haben oder diese Mengenangabe ist unzutreffend.

  

Bemerkungen zum Absatz

Aus den Berichten des Faktors Lorenz des von Heynitz'schen Kalkwerkes sowie des Verwalters Dietze des Burkhardswalder Guts und Kalkwerkes geht auch hervor, wohin damals der Kalk verkauft und geliefert wurde. Diese Aufstellung ist hinsichtlich der Absatzwege der verschiedenen Werke durchaus interessant. Weil wir auch erst mal nach Orten, wie dem Rittergut Raußlitz oder den Ziegelwerken in Karcha suchen mußten, haben wir einfach mal bei Google Earth ein paar Häkchen gesetzt und die folgende Grafik erzeugt.

  


Rot markiert: Standort und die wichtigsten Handelspartner des Kalkwerkes Miltitz 1864, dabei bildeten die von Einsiedel'schen Eisenhütten in Gröditz mit einer Abnahme von 50 Ruthen und die Glashütten in Außig (Usti nad Labem) mit 61 Ruthen 1864 die bedeutendsten Abnehmer. Gelb markiert: Kalkwerk Burkhardswalde und die auf das Jahr 1850 angeführten Abnehmer. Während das Adelshaus von Heynitz offenbar seine Kontakte nutzte und sich eher auf den Fernhandel konzentrierte - wofür die Elbe auch noch einen idealen Transportweg bot, erfolgte der Absatz des Burkhardswalder Werkes ausschließlich im Nahbereich. Die gelb markierte Landesgrenze stellt die heutige Grenze zwischen dem Land Sachsen und der Tschechischen Republik dar. 

   


Ausschnitt aus der Grafik oben, die beiden Werkstandorte sind in dieser Darstellung hervorgehoben, zusätzlich sind dunkelblau markiert: Weitere Kalkwerke im näheren Umfeld.
Der Absatz des Kalkwerkes Burkhardswalde erfolgte 1850 ausschließlich in einem Radius von etwa 15 km um den Werkstandort herum und vorwiegend an bäuerliche Abnehmer und Rittergüter.

     

Zu dieser Zeit bildete der Transport insbesondere bei Massenrohstoffen, wie Kalk oder Kohle noch einen beträchtlichen Kostenfaktor. Deshalb waren natürlich Abnehmer, wie die Potschappler Glaswerke ein optimaler Handelspartner, konnte das Fuhrwerk auf dem Rückweg doch gleich Steinkohle für die Kalköfen laden. Auch Burkhardswalde verkaufte teilweise Kalk unmittelbar gegen Kohlenlieferungen gewissermaßen gegen Naturalien. Das Werk in Burkhardswalde bezog die benötigte Steinkohle aus dem Kgl. Steinkohlenwerk Zaukerode.

Durch die Lage des Miltitzer Werkes an der 1868 in Betrieb genommenen Bahnlinie Leipzig- Döbeln- Meißen- Dresden resultierten spätestens ab diesem Zeitpunkt natürlich noch weiter erleichterte Fernhandelsmöglichkeiten. Der Nahmarkt konnte dagegen durch die umliegenden kleinen Werke noch lange Zeit abgedeckt werden, bis die Erfindung des LKW´s auch diesem Standortvorteil endgültig den Garaus machte.

 

 

 

Zur Geschichte des Abbaus

Das von Heynitz'sche „Alte Kalkwerk“ in Miltitz

  

Anhand der bisher durchgesehenen Akten ist nicht sicher belegbar, wann der Bergbau in Miltitz (jedenfalls vor 1571) tatsächlich begonnen hat. Indirekte Anhaltspunkte weisen darauf hin, daß er bereits um 1400 begonnen haben kann.  

Im Aktenbestand zur Grundherrschaft Miltitz (10384) im sächsischen Staatsarchiv läßt er sich etwa ab 1620 verfolgen. Noch bis 1770 wurde er aber nur als Nebenerwerb saisonal betrieben.

Im Jahr 1779 übernahm Carl Wilhelm Benno von Heynitz das Rittergut Miltitz. Wie oben schon zu lesen war, hatte in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts die Familie von Heynitz wichtige Funktionen im sächsischen Montanwesen inne und brachte damit umfangreiches Wissen über den Bergbau in die weitere Abbauführung ein. Zu dieser Zeit soll das Kalkwerk Miltitz das einzige in der Gegend um Meißen in Betrieb stehende gewesen sein.

1782 wurde ein „Akzisefixum“ für den hierin als „neuerrichtet“ bezeichneten Kalkbruch festgelegt (10384, Nr. 211). Bis 1810 war der Bruch zunächst verpachtet (10384, Nr. 205). Im Jahr 1811 übernahm die Familie von Heynitz den Kalksteinbruch dann in eigene Verwaltung (10384, Nr. 212).

In der Zeit ab 1781 wurde in Militz nunmehr durchgehend Kalk gebrannt. Im Jahr 1810 wurde Branntkalk u. a. für den Bau der Festung Hartenstein nach Torgau geliefert. Erstmals 1809 nach Vermittlung des Meißner Kaufmanns Dreyßig und mindestens noch bis 1865 wurde ungebrannter Kalk auch als Zuschlagstoff zur Schmelze an die Gräflich Einsiedel'schen Eisenwerke in Gröditz und in Lauchhammer verkauft.

Wenn W. Schanze schreibt, daß seit der Übernahme des Rittergutes und des Kalkwerks durch C. W. B. von Heynitz im Jahr 1779 in Miltitz „durchgehend Kalk gebrannt“ wurde, so bezieht sich dies auf die Jahre insgesamt. Tatsächlich wurden die Trichteröfen auch jetzt noch nur während der Sommermonate angefeuert. Im Jahr 1810 wurde z. B. 27 Wochen lang Kalk gebrannt, im Jahr 1815 wurden in 26 Wochen 46 Ruthen Rohkalk gebrannt, im Jahr 1825 brannten die Öfen 33 Wochen lang (10384, Nr. 215 bis Nr. 219).

Ab 1815 lesen wir außerdem, daß das Kalkbrechen „im Gedinge“ erfolgte.

  


Auf dieser leider nicht näher bezeichneten Sepiazeichnung aus der Sammlung der Fam. Spitzner in Freiberg wird ein Besuch des sächsischen Königs im Miltitzer Kalkwerk festgehalten. Glücklicherweise hat der Zeichner maßlos übertrieben und die Bergleute haben ein paar Pfeiler mehr unter der Firste belassen...

Bildquelle: Deutsche Fotothek, Link zur Originaldatei:
http://www.deutschefotothek.de/documents/obj/30142224

   

Wie W. Schanze herausgefunden hat, verwies früher auch eine am Schachteingang angebrachte Gedenktafel auf einen Besuch Seiner Majestät König Johanns I. nebst sämtlicher Mitglieder des Kgl. Hauses im Bergwerk im Jahre 1856. Der Zeichner hat offenbar dieses Ereignis festgehalten. 

König Johann I. von Sachsen (*1801, †1873) kam 1854 durch den Unfalltod seines älteren, kinderlos gebliebenen Bruders Friedrich August II. überraschend auf den Thron. Die Justizreform von 1855, der Ausbau des Eisenbahnnetzes und die Einführung der Gewerbefreiheit sind hauptsächlich seiner Anregung und Förderung zu verdanken. Unter ihm wandelte sich Sachsen zu einem der modernsten deutschen Teilstaaten. Neben seiner politischen Arbeit beschäftigte sich Johann besonders mit Literatur. Unter dem Pseudonym Philalethes („Freund der Wahrheit“, daher auch sein Beiname „Der Wahrhaftige“) übersetzte er u. a. Dantes „Göttliche Komödie“ ins Deutsche.  

Die folgenden, alten Fotos erlauben uns einen Blick nach untertage während der letzten Betriebsphase und zeigen uns auch die Verarbeitungsanlagen des von Heynitz'schen Kalkwerkes.

  


Fotografie, die handschriftliche Datierung (links oben) verweist auf das Jahr 1919 oder eher; vermutlich aufgenommen von einem Standort etwa auf dem heutigen Besucherweg zum Adolph Stolln, Blick in Richtung des Füllorts des Förderbremsberges auf der 2. Sohle. Der abgebildete Bereich hat sich seit der Einstellung des Abbaus kaum noch verändert, nur die Fördereinrichtung wurde abgebaut und ist heute durch bequeme Besucherwege ersetzt. Etwa in diesem Bereich befindet sich heute außerdem die Wasserentnahmestelle für das Miltitzer Freibad.

Bildquelle: Kunstverlag Brück & Sohn, Meißen, Deutsche Fotothek, Link zur Originaldatei:
http://www.deutschefotothek.de/documents/obj/71833554

  


Miltitz, Gang im Kalkwerk, datiert 1910. Was hier in diesem "Gang" zu sehen ist, ist nicht ganz klar, es könnte sich um eine große Wetterlutte handeln.

  

Bildquelle: Kunstverlag Brück & Sohn, Meißen, Deutsche Fotothek, Link zur Originaldatei:
http://www.deutschefotothek.de/documents/obj/71833551

    


Miltitz. Kalkwerk, "Natürliche Säulen aus Kalkstein", Foto datiert auf 1910.

  

Bildquelle: Kunstverlag Brück & Sohn, Meißen, Deutsche Fotothek, Link zur Originaldatei:
http://www.deutschefotothek.de/documents/obj/71833553

  


Miltitz. Kalkwerk, Foto datiert auf 1910. Eine ähnliche, etwas schmalere Schwebe zwischen den Pfeilern können Besucher noch heute im großen Säulensaal auf der 2. Sohle sehen. Nur steht darunter heute Grundwasser.

  

Bildquelle: Kunstverlag Brück & Sohn, Meißen, Deutsche Fotothek, Link zur Originaldatei:
http://www.deutschefotothek.de/documents/obj/71833552

  


Miltitz. Kalkwerk, Ein sicherlich etwas gestelltes Foto, aber der Hauer hat schon einen pneumatischen Pressluftbohrer in den Händen, datiert auf 1910.

  

Bildquelle: Kunstverlag Brück & Sohn, Meißen, Deutsche Fotothek, Link zur Originaldatei:
http://www.deutschefotothek.de/documents/obj/71833555

  


Miltitz. "Eingang zum Kalkbruch". Foto datiert auf 1910. Die Huntebahn nach rechts führt in den tonnlägigen Förderschacht. Das Stollnmundloch geradeaus hinter der Brücke ist der heutige Besucherzugang.

  

Bildquelle: Kunstverlag Brück & Sohn, Meißen, Deutsche Fotothek, Link zur Originaldatei:
http://www.deutschefotothek.de/documents/obj/71822135

  


Miltitz. Kalkwerk. Foto vom Bahndamm aus, datiert auf 1903. Links vorn ist der breit ausladende Schnellerofen gut zu sehen, rechts im Hintergrund der hohe Schachtofen. Da die nach links weisende Seite des Schnellers zwei zweiflüglige Tore aufweist, steht zu vermuten, daß er auch zwei Kessel hintereinander besaß. Seine Bauform nähert sich damit den "Bienenkorb-Öfen" der Ostrauer Gegend an.

 

Bildquelle: Kunstverlag Brück & Sohn, Meißen, Deutsche Fotothek, Link zur Originaldatei:
http://www.deutschefotothek.de/documents/obj/71825231

 

Ein ähnliches Foto liegt im  Bergarchiv in Freiberg.

  


Miltitz. Der Hochofen des Kalkwerkes. Foto datiert auf 1903.

 

Bildquelle: Kunstverlag Brück & Sohn, Meißen, Deutsche Fotothek, Link zur Originaldatei:
http://www.deutschefotothek.de/documents/obj/71825206

  


Miltitz. Blick von Süden über das Triebischtal auf das von Heynitz'sche Kalkwerk in Mititz. Foto datiert auf 1898. Am rechten Bildrand unterhalb der Talschulter und über den Bäumen ist der "Blaue Bruch" zu erkennen.

 

Bildquelle: Kunstverlag Brück & Sohn, Meißen, Deutsche Fotothek, Link zur Originaldatei:
http://www.deutschefotothek.de/documents/obj/71822129

  

Der Abbau auf dem liegenden Weißkalklager muß nach B. Cotta von der oberen Talschulter ausgehend im Steinbruch begonnen haben. Er schreibt 1834, daß „die 60 bis 70 Fuß hohe Felsklippe... durch einen früheren Tagebau gebildet worden ist und jetzt leider einzustürzen droht.“  Weiter findet sich der Hinweis, daß der Kalkstein an dieser Stelle „schon seit der Mitte des vorigen Jahrhunderts (also um 1750) abgebaut (werde), zuerst steinbruchweise, jetzt unterirdisch durch Pfeilerbau...“  Das Weißkalklager muß folglich ursprünglich bis an die Talschulter hinauf angestanden haben; sonst wäre es auch schwer erklärbar, wie die Alten es eigentlich unter der Talsohle entdeckt haben konnten.

Um 1800 muß man dann im Weißkalklager zum Tiefbau übergegangen sein, denn bereits 1817 war die Rösche bis zur Großen Triebisch angelegt und folglich stand mindestens die 2. Sohle schon in Abbau.

Im 1819 erschienenen Band 6 des „Vollständigen Staats-, Post- und Zeitungs- Lexikons von Sachsen“ wird der „Steinbruch nicht weit vom Dorfe“ erwähnt, der bereits eine „Höhle von 100 Schritt Länge und 12 Schritt Breite“ bilde und, wie B. Cotta 1834 schreibt: „...bei Fackelschein befahren einen großartigen Eindruck hervorbringt.“  Der Steinbruch liefere „eine Art Marmor, den man aber zu Kalk verbrennt. Doch bedient man sich seiner auch zum Bauen, da er sehr rein und fest ist.“ 

   


Auf diesem Ausschnitt des um 1800 datierten Meilenblattes No. 185 (Berliner Exemplar) sind am Talhang zwischen Miltitz und Roitzschen bereits die Kontur des Tagebaus auf dem Weißkalklager und ein Kalkofen eingezeichnet.
  


Gleicher Ausschnitt der Meilenblätter von Sachsen, aber Freiberger Exemplar, Handzeichnung, ab 1792, Nachträge und Ergänzungen bis in das letzte Viertel des 19. Jahrhunderts, Blatt 171. Der Blaue Bruch existierte zu dieser Zeit offenbar noch nicht.
   


Meilenblätter von Sachsen, Dresdner Exemplar, 1:12 000, Handzeichnung, ab 1792, Nachträge und Ergänzungen bis in das letzte Viertel des 19. Jahrhunderts, Blatt 224; hier ist - leider schlecht zu erkennen - (rotbraun) eine Rampe in Richtung des Blauen Bruchs nordwestlich des Alten Kalkwerks eingetragen. Nachgetragen ist hierin aber auch schon die erst ab 1867 errichtete Eisenbahnlinie (helle Doppellinie).

  

Anlaß zur Anlage des Adolph Stollens waren die schon von Cotta erwähnten gelegentlichen Funde von Magnetkies (Pyrrhotin) und allerdings sehr selten auch Drähten von gediegen Silber. Im Zeitraum der Geologischen Landesuntersuchung besuchte 1868 der Geologieprofessor und Hofrat Hanns Bruno Geinitz den Kalkbruch, wobei ihm der Faktor Heinrich Lorenz ein Gesteinsstück mit Eisennickelkies (Pentlandit) übergab. In den Folgejahren achtete man verstärkt auf die Erzminerale in der liegenden Kontaktfläche des Kalklagers und fand Rotnickelkies (Nickelin), Speiskobalt (Skutterudit), Kobaltblüte (Erythrin) und Malachit sowie Pyrit, Fahlerz (Tetraedrit) und wiederholt in geringen Mengen gediegen Silber. Im Protokoll zur 5. Sitzung der Naturwissenschaftlichen Gesellschaft Isis zu Dresden unter dem Vorsitz von H. B. Geinitz ist dann zu lesen: Die erste Mittheilung des Vorsitzenden betrifft das neue Vorkommen von gediegenem Silber in dem Urkalk von Miltitz im Triebischthale, wo es mit erdiger Kobaltblüte zusammen auf einer geognostischen Excursion der Studirenden des Dresdener Polytechnikums am 13. Juni 1874, wenn auch nur in bescheidenen Spuren, haarförmig und später durch Herrn Factor Lorenz krystallinisch entdeckt worden ist.“ 

Daraufhin mutete im Jahr 1874 der damalige Besitzer Carl Christian Rudolph von Heynitz (der Vater von Adolph von Heynitz) ein Abbaufeld im Liegenden des Alten Kalklagers in Miltitz (40040, Nr. B1143 und 40174, Nr. 898). Das Feld wurde durch die Auffahrung des Adolph Stollns erschlossen. Als Erzbergwerk unterlag dieser Grubenteil den üblichen bergrechtlichen Regelungen und die Mutung wurde deshalb im Lehnbuch des Bergamtes Freiberg, datiert auf den 7. Oktober 1874 eingetragen. Bereits 1875 wurde dem Bergamt aber mitgeteilt, daß versucht würde, die geringen Erzanteile zusammen mit dem laufenden Kalksteinabbau zu gewinnen. Ein Erzabbau allein wäre nicht lohnend.

Der Schlußstein über dem Stollnmundloch trägt die Jahreszahl 1884. Etwa halber Länge dieses Stollns findet man eine Jahrestafel von 1886. Das letzte bergamtliche Befahrungsprotokoll datiert auf den Dezember des Jahres 1887, worin es schon heißt, daß der Erzabbau bereits seit vier Jahren eingestellt wäre, da der verfolgte Gang ausgekeilt sei. Der Stolln wurde aber als Wetter- und Winter-Abbaustrecke weiter durch das Kalkwerk genutzt. Im Stolln sind heute noch im Bereich der an der Nordwestseite steil aufgerichteten, liegenden Kontaktfläche schmale Trümer mit erdigem, ockerfarbenem Brauneisenstein und tiefschwarzem Manganmulm (Braunstein) zu sehen.

Anhand historischer Kartenwerke kann man die weitere Entwicklung gut veranschaulichen.

  


Vergrößerter Ausschnitt aus der Äquidistantenkarte des Kgr. Sachsen, Blatt 48, Section Meißen, Ausgabe von 1881: Das Kalkwerk besaß bereits ein Anschlußgleis, der Blaue Bruch ist nur zu erahnen.

   

Erst seit 1891 gibt es nahezu vollständige Unterlagen über den Kalkbergbau in Miltitz im Bergarchiv. Der Markscheider Choulant berichtet 1891 dem Landesbergamt, daß der Bergbau bereits „seit vielen Jahrzehnten“ betrieben werde und „mächtige Höhlungen“ ergeben habe. Ferner gehe die Rösche „in ein Drittel Höhe des Förderbremsberges“ ab, was da sie von der 2. Sohle ausgeht nichts anderes heißt, als daß das Tagesfallort 1891 bereits bis auf die 6. Sohle geteuft war.

Der Heynitz Stolln (eigentlich unter dem Namen Adolph Stolln 1874 als Erzbergwerk gemutet) werde „als Flucht-, Ventilations- und Winterabbaustrecke“ genutzt. Die „tiefen Sohlen“ seien abgesoffen gewesen. Zwei Jahre später habe man diese tiefen Sohlen gesümpft und den Hauptabbau dorthin verlagert.

Die Belegschaft lag im von Heynitz`schen Kalkwerk zwischen 1891 und 1896 zwischen 33 und 53 Arbeitern, 1902 noch bei 30 Mann und in der Zeit des 1. Weltkrieges 1916 nur noch bei 14 bis 18 Arbeitern; davon 12 untertage.

Aus dem Jahr 1892 ist eine gedruckte Arbeitsordnung erhalten (40024-12, Nr. 291). Danach begann die tägliche Arbeitszeit um 6.00 Uhr und endete um 18.00 Uhr, abzüglich einer Mittagspause von einer Stunde. Am Samstag war immerhin schon um 17.00 Uhr Feierabend. Erst 1905 wurde übertage für die Belegschaft auch eine Mannschaftsstube errichtet. 

Nach 1900 findet man, wie oben erläutert, dann auch Angaben zu den gewerblichen Gruben in den Jahrbüchern für das Bergwesen im Königreich Sachsen. So können wir 1904 im Kapitel:

VI. Wichtige Ausführungen und Betriebsvorgänge auf den gewerblichen Gruben.

im Abschnitt:

2. Schacht- und Maschinenanlagen.

unter Nr. 9. über das Kalkwerk lesen: Auf Kalkwerk Miltitz ist Bohrmaschinenbetrieb (Bauart „Little Jap") eingeführt und zur Erzeugung der erforderlichen Preßluft ein Luftkompressor aufgestellt worden, der durch eine ebenfalls neu angeschaffte Heißdampflokomobile von Wolf, Magdeburg, angetrieben wird. Mit dem durch den Bohrmaschinenbetrieb erzielten Erfolge ist man recht zufrieden.“

Auch auf den flacheren Sohlen ging der Abbau aber offensichtlich weiter, denn 1905 hatte man dort einen Überbau festgestellt, d. h. daß der untertägige Abbau die festgelegten Feldesgrenzen überschritten hatte und zwar in Richtung auf den Sicherheitspfeiler der Bahnlinie. Bereits 1908 erfolgten daher erste Verwahrungsmaßnahmen (Aufmauerung von Dämmen und Teilverfüllung). Trotzdem mußte Herr von Heynitz 1909 eine Sicherheitsleistung von 3000,- Mark an die Köngl. Sächs. Bahngesellschaft zahlen.  

Bis dahin liefen die Geschäfte offenbar noch einigermaßen, denn man konnte auch in neue Technik investieren, wie wir im gleichen Abschnitt wie oben in der Jahrbuchausgabe von 1908 unter Nr. 12. nachlesen können: Zur Erzeugung elektrischen Stromes für Beleuchtungszwecke ist auf dem Kalkwerke Miltitz in Miltitz eine kleine Dynamomaschine aufgestellt worden.“ 

Das Tagesfallort wurde noch kurz vor dem 1. Weltkrieg noch einmal verteuft, wie man aus der Ausgabe des Jahrbuchs von 1910 erfährt: Auch beim Kalkwerke Miltitz in Miltitz ist eine neue tiefere Abbausohle angelegt und zur Förderung der Massen aus dieser der Haspelberg entsprechend verlängert worden.“  Damit war nun auch die größte Teufe (8. Sohle) erreicht.

Wann man eigentlich den „Blauen Bruch“ im hangenden Graukalklager in Angriff genommen hat, ist dagegen urkundlich nicht belegt. Er taucht erstmals eindeutig erkennbar in der Ausgabe der Topographischen Karte von 1911, in älteren Kartenwerken (siehe oben) dagegen nicht auf. 

  


Vergrößerter Ausschnitt aus der Topographischen Karte, Blatt 48, Meißen, Ausgabe 1911: Jetzt ist auch der Blaue Bruch und die zu ihm hinaufführende Rampe deutlich zu erkennen.

 

Schon 1916 findet sich in einem Fahrbericht der Hinweis, daß der Besitzer die Einstellung des Werkes „in Aussicht genommen habe“ – wohl aufgrund fallender Erträge. Überhaupt scheint der Kalkabbau auch für die Familie von Heynitz immer nur ein Nebenerwerb mit schwankendem Ertrag gewesen zu sein und die Geschäfte erscheinen ab und an doch von Geldmangel geprägt. So mußte die Gewerbeinspektion 1902 fordern, daß die (übertägige) Pulverkammer endlich mit einem Blitzableiter versehen werde und das Landesbergamt bemängelte noch 1913 die fehlende Nachtragung der Grubenrisse. 1914 mußte der Betrieb aufgrund der Mobilmachung im 1. Weltkrieg schon einmal kurzfristig ganz eingestellt werden.  

Schließlich ereignete sich dann am 25.5.1916, morgens um 7:45 Uhr der große Tagesbruch, dem der Häuer Bartsch und die russischen Kriegsgefangenen Bolkow, Saitzkow, Rewa und Ryshenkow zum Opfer fielen. Sie hatten zu dieser Zeit im Blauen Bruch gearbeitet. Der Unfall ist natürlich in der betreffenden Jahrbuchausgabe von 1917 unter der Rubrik:

IV. Tödliche Unfälle
bei den unterirdischen gewerblichen Gruben im Jahre 1916.

vermerkt:

25. Mai 1916. Kalkwerk Miltitz in Miltitz. Häuer Max Bartsch war bei der Kalksteingewinnung über Tage beschäftigt. Plötzlich brach die Decke des darunter befindlichen Grubenbaues durch und Bartsch stürzte mit in die Tiefe. Er wurde von den nachstürzenden Massen verschüttet; wegen weiterer Bruchgefahr konnte seine Leiche nicht geborgen werden.“  Daß dabei auch vier Kriegsgefangene zu Tode kamen, hielt man der Erwähnung nicht für wert… 

   


Ansicht des „Blauen Bruchs“ oberhalb des Alten Kalkwerkes auf einer Aufnahme vor 1916, Bildquelle: Sächs. Staatsarchiv, Bergarchiv Freiberg, Bestand 40028 (Oberbergamt, Bergwirtschaftsstelle), Nr. 3-1085: Fotos von Anlagen der Kalksteinindustrie, Miltitz- Roitzschen, Kalkwerk, undatiert

Einen Blick auf den heutigen Zustand ermöglichen wir hier.

  

Zu den Ursachen des Tagesbruchs muß es bereits damals große Diskussionen gegeben haben, denn der Bruch sei ohne vorherige Anzeichen schlagartig eingetreten. Als Ursachen wurden vor allem die langjährige Durchdringung und Auswaschung des Zwischenmittels der beiden Lager aus Hornblendeschiefer durch Sickerwässer – in Zusammenhang mit einer vorausgegangenen Starkregenperiode – ins Feld geführt. Erst mehrere Jahre später wird auch ein wenige Tage zuvor zu Bruch gegangener Sicherheitspfeiler erwähnt...

Dieser Unglücksfall jährt sich 2016 zum einhundertsten Mal.

  


Vergrößerter Ausschnitt aus der Topographischen Karte, Blatt 48, Meißen, Ausgabe 1922: Die Rampe zum Blauen Bruch hat man schon weggelassen, das Haspelgebäude steht aber noch. Westlich oberhalb des Blauen Bruchs ist die Pinge angedeutet.

  

1917 hatte man sich mit der Eisenbahn darauf geeinigt, das Bergwerk nicht wieder aufzuwältigen und die Verwahrung des dem Bahngleis am nächsten liegenden Abbaufelds nicht fortzuführen. 1919 stellt (inzwischen der Sohn) Gottlob Adolph von Heynitz selbst noch einmal einen Antrag beim Landesbergamt auf Wiederaufnahme des Bergwerksbetriebes, jedoch offenbar nur, um Abbauanträge der Nachbarn abzuwehren. Im Jahr 1916 hatte nämlich der Kaufmann Max Schneider die Nachbargrundstücke gekauft und beim Bergamt einen Abbauantrag gestellt. Die Verhandlungen mit Herrn Schneider zogen sich bis 1922 hin und endeten mit der Abtretung seiner Ansprüche.

Im Jahr 1923 fanden nochmals Untersuchungen im Alten Kalkwerk statt. Der Landvermesser R. Schwarzbach aus Meißen hatte erneut einen Abbauantrag gestellt, um im Auftrag der Eisenwerke Lauchhammer Analysenmaterial zu gewinnen und die Möglichkeiten weiterer Kalkgewinnung zu prüfen. Das Bergamt hatte seinen Betriebsplan für die Gewinnung von ca. 50 t genehmigt, das Bergwerk wurde noch einmal gesümpft, aber der Abbau in Ermanglung bauwürdiger Vorräte dann doch nicht wieder aufgenommen. Im Monatsbericht vom 14.10.1924 findet sich schließlich der Satz, daß „das vollständige Ersaufen (der Grube) nur noch eine Frage von Wochen wäre“.  
  

Während des 2. Weltkrieges nahmen mit der zunehmenden Luftüberlegenheit der Alliierten seit etwa 1942 die Bombenangriffe in Deutschland und damit die Gefährdung kriegswichtiger Produktionsstätten drastisch zu. Dabei wurden neben eindeutig militärischen Zielen bald auch systematisch Zivilziele und produzierende Betriebe angegriffen. Zugleich drang von Osten die sowjetische Armee auf polnisches Gebiet vor. Die daraus resultierenden Schäden führten zu empfindlichen Produktionsausfällen und diese wiederum zu erheblichen Materialproblemen an der Front, so daß die Aufrechterhaltung des Güternachschubes aus dem Kernreich an die Fronten zu einer mehr und mehr kriegswichtigen Aufgabe wurde.

Ab 1943 begann man daher im Rahmen des Mineralölsicherungsprogramms des Ministers für Bewaffnung und Munition des III. Reiches (auch Geilenberg- Programm genannt) geeignete Stellen für die Untertageverlagerung zu suchen. Neben dem Ausbau vorhandener unterirdischer Räumen wie Höhlen, Bergwerken, Kellern, Kasematten und Tunnelanlagen wurde dabei auch eine Vielzahl gänzlich neuer Anlagen geplant und teilweise auch realisiert.

Die Baumaßnahmen selbst wurden im Allgemeinen durch zivile Ingenieurbüros geplant und durch private oder staatseigene Baufirmen durchgeführt. Hierbei ist insbesondere die Organisation Todt  zu nennen, die bis in die letzten Kriegswochen hinein eine fast schon unglaublich leistungsfähige Bauorganisation war und blieb. Die hierbei erzielten Baugeschwindigkeiten waren trotz Materialengpässen im Allgemeinen sehr hoch, was nicht zuletzt auch an der rücksichtslosen Ausnutzung des eingesetzten Menschenmateriales lag. Neben der Organisation Todt traten jedoch auch andere reichseigene Baufirmen auf, so zum Beispiel verschiedene Unterorganisationen der SS.

Nach Erstellung oder Aufgewältigung einer Untertageanlage im Rohbau wurde diese einer oder mehreren Firmen angeboten und mit einem Sperrvermerk versehen. Die betreffende Firma hatten dann vier bis sechs Wochen Zeit, die Anlage zu bewerten und weitere Ausbaumaßnahmen zu veranlassen, beziehungsweise ihre Ablehnung zu begründen.

Unter den Decknamen Molch III und IV wurde in diese Vorhaben auch das Kalkwerk in Miltitz einbezogen. Hierhin sollten Anlagen zur Produktion Flugzeugbenzin der I.G. Farben u. a. aus Monowitz bei Auschwitz verlagert werden. Außerdem sollten Ventile und Kolbenringe für die Flugzeugindustrie produziert werden. Dazu waren jedoch umfangreiche Einbauten nötig. Deshalb begann 1943 die Arbeitsorganisation Todt mit dem Bau des sogenannten Arbeitserziehungslagers III. Während der Arbeiten waren dort die Zwangsarbeiter untergebracht.

Die Konstruktion oblag der Firma Uhde aus Dortmund, einem Betrieb für chemisch-technischen Apparatebau. Die Anlagen wurden in Monowitz demontiert und per Bahn nach Miltitz transportiert. Der gesamte Außenbereich zwischen Bahnhof und Schachteingang wurde mit Tarnnetzen überspannt, um ihn vor der alliierten Luftaufklärung zu verbergen. Untertage wurde auf der 1. und 2. Sohle eine Maschinenhalle mit Schornstein(-Schacht) sowie Fundamente für die Benzintanks gebaut. Die dafür genutzte Fläche war mit 10.000 m² angegeben. Trotz intensivem Einsatz von Material und Menschen kam es bis Kriegsende jedoch nie zur Produktion von Flugzeugbenzin. Lediglich Kolben und Ventilringe wurden gefertigt. Am  7.8.1944 wurden die Arbeiten aufgegeben und die Anlage gesperrt.

  


Unter dem heutigen Wasserspiegel im Niveau der 2. Sohle sieht man noch gut die 1944 errichteten Fundamente.
(Bildquelle: Gemeinde Triebischtal, 2007)

      

Von den im Arbeitserziehungslager III untergebrachten, insgesamt etwa 100 Zwangsarbeitern vorwiegend „deutsche und polnische jüdische Mischlinge“ kamen während dieser Arbeiten 17 um Leben, darunter auch drei Kinder. Sie wurden durch die SS an der Friedhofsmauer in Miltitz verscharrt. Die Torturen der Häftlinge endeten erst am 6. Mai 1945.

Im Jahr 1951 erfolgte dann eine Umbettung der Gebeine in den Kastanienhain am Friedhof. Seit dem 8. September 1951 erinnert dort ein Ehrenmal an dieses dunkle Kapitel der Geschichte (R. Müller). 

   


Das Mahnmal auf dem Friedhof in Miltitz.

 

Nach dem 2. Weltkrieg wurde das Kalkwerk Miltitz zunächst als GmbH neugegründet und später verstaatlicht. Bis 1954 gehörte es als BT 6 mit den Werken I und II (Kalkwerk Groitzsch) zum VEB (K) Meißner Ziegelwerke. 1957 übernahm das Stahl- und Walzwerk Riesa das Kalkwerk und führte es als BA 6 noch bis zur endgültigen Stillegung 1966 weiter. Abbau erfolgte jedoch im Bereich des Alten Lagers nicht mehr.

Letzte Verwahrungsmaßnahmen währten bis 1972.

  

 

 

Das K. Jurisch'sche „Neue Kalkwerk“ in Miltitz

  

Während der Abbau im „Alten Kalkwerk“ eingestellt wurde, begann ab 1923 der Leipziger Kaufmann Karl Jurisch mit der Erkundung des Neuen Lagers, offenbar ausgehend von der Annahme, daß sich das Lager im Streichen fortsetze. Dies wurde dadurch gestützt, daß der nordwestlich auf Roitzschener Flur ansetzende Wiesenstolln ebenfalls ein Graukalklager angefahren hatte. Dort begann man auch – parallel zu Erkundungsbohrungen auf der Hochfläche – mit Untersuchungsarbeiten, längte den Stolln um 8 m aus und teufte bei etwa 20 m Entfernung vom Mundloch ein 9,2 m tiefes Gesenk, jedoch ohne dabei auf das Weißkalklager zu stoßen. Stattdessen erbrachten aber die insgesamt zehn Bohrungen den Nachweis, daß sich hier unter dem Graukalk ebenfalls ein Weißkalklager befindet.  

Im Jahrbuch für das Bergwesen in Sachsen auf das Jahr 1924 ist dazu im Kapitel Wichtige Ausführungen und Betriebsvorgänge bei den gewerblichen Gruben vermerkt: „Beim Kalkwerk Miltitz zeigte sich nach der Sümpfung der seit dem Jahre 1916 ersoffenen Tiefbaue, daß keine wesentlichen Mengen Kalkstein auf dem Lager mehr abzubauen sind. Es wurde deshalb beschlossen, in der verlängerten Streichlinie des Lagers nach Nordwest Tiefbohrungen in 200 bis 400 m söhliger Entfernung vorzunehmen. Es ist zu vermuten, daß in dieser Richtung eine weitere Kalksteinlinse vorkommt, die mit der ersten, nahezu abgebauten Linse in keinem Zusammenhang steht, sondern wahrscheinlich nur das gleiche Streichen und Einfallen hat. Man entschied sich für das Diamantersatz-Tiefbohren. Die Vorbereitungsarbeiten dazu, wie Abstecken der Bohrlöcher, Herbeischaffen und Aufstellen der Bohrgeräte usw. waren am Jahresschlüsse 1923 beendet, so daß zu Anfang des Jahres 1924 sofort mit den Tiefbohrungen begonnen werden konnte.“  Außerdem wurden „Beim Kalkwerke Miltitz … die beiden alten Kalkschachtöfen instandgesetzt, so daß vom Oktober bis Ende Dezember 1923 wieder Kalk gebrannt werden konnte.“  

Im Folgejahr kann man dann nachlesen, daß „…die Tiefbohrarbeiten, mit deren Vorarbeiten bereits 1923 begonnen worden war (vgl. vorjährigen Bericht), durchgeführt (wurden). Es wurden 10 Tiefbohrlöcher niedergebracht, die den Beweis für das Vorkommen einer zweiten mächtigen Kalksteinlinse lieferten. In streichender Erstreckung (Nordost- Südwest) wurden auf 200 m Länge und im Einfallen (von Südost nach Nordwest) auf 150 m flacher Länge weißer Kalkstein festgestellt. Außer weißem wurde noch blauer Kalkstein durch 3 Bohrlöcher erschlossen. Auch das Blaukalkvorkommen zeigte eine ausgesprochene Linsenform. In einem Bohrloch stehen einschließlich einiger unreiner Schichten von zusammen etwa 4 m Mächtigkeit 20 m, in einem anderen Bohrloch 40 m mächtiger reiner blauer Kalkstein an.“ 

    


Profil der Bohrung Nr. III von 1924 nach (OBA, Nr.1-1076). Die beiden erbohrten Grau- und Weißkalklager erreichen an diesem Punkt nicht ihre größte Mächtigkeit. Von Interesse ist jedoch, daß hier nur rund 6 m unter dem Weißkalk der Syenit erbohrt wurde. Auch wurden granitische Ganggesteine im Liegenden der beiden Kalklager angetroffen.

   

Von Anfang 1925 bis etwa September 1925 teufte man dann das zunächst 120 m lange Tagesfallort auf das Neue Lager. Bei 98 m Länge wurde das Weißkalklager erreicht. Zu dieser Zeit befand sich die Sprengstoffniederlage im Adolph Stolln. Die Jahrbuchausgabe von 1926 beschreibt weitere Details der Aus- und Vorrichtungsarbeiten: „Für die neue Anlage wurde ein elektrisch zu betreibender Förderhaspel und ein Kompressor mit einer Leistung von 8,5 cbm in der Minute und 7 at Druck aufgestellt. In der Nähe des Füllorts wurde ein Flucht- und Wetterschacht durch Überhauen hergestellt. Er steht in Bolzenschrot- Zimmerung und ist 42 m hoch. … Bei der Gewinnung von Kalkstein haben sich die Flottmann-Schnellbohrhämmer. Type N. sehr gut bewährt. Als Sprengstoff dient bei nassen Löchern Dynamit I. bei trockenen Gesteinsammonit I. Um große Stücke bei der Sprengarbeit zu erhalten und um Sprengstoff zu sparen, werden Kruskopfsche Sparbesatzpatronen verwendet. …

Das Tagefallort wurde mit 20 ° Neigung bis zu 205 m weiter vorgetrieben. Von da ab schließt sich das 23,5 m lange, 8,5 m breite und 5 m hohe Füllort an, von dem aus das Kalksteinlager zum Abbau vorgerichtet wird. Wegen der großen Mächtigkeit wird das Lager in Weitungen abgebaut, zwischen denen zur Stützung des Hangenden genügend starke Pfeiler stehen gelassen werden. … Von der Allgemeinen Transportanlagen G. m. b. H. in Leipzig wurde eine Hängeseilbahn von der neuen Anlage (Tagefallort) bis zum Verladebunker am Verladegleis der Eisenbahn errichtet. Gegen Ende des Jahres wurde sie in Betrieb genommen. … Zur Hebung der Grubenwässer dient eine dreistufige Schleuderpumpe der Firma Weise Söhne, Halle, die mit einem 9,5 PS-Motor unmittelbar gekuppelt ist und 300 l je Minute leistet.“  Im darauffolgenden Jahr wurde noch „das Tagefallort … auf eine Länge von 75 m ausgemauert und gewölbt.“

Die Euphorie über die Erfolge ließ jedoch schnell nach. Während man einerseits mit technischen Problemen (zwei schwere Brüche im Tagesfallort, starke Wassereinbrüche) zu kämpfen hatte, versiegte andererseits bei Herrn Jurisch das Geld. Im Oktober 1927 hatte sich der Lehnsgerichtshof in Dresden noch immer nicht über die Rechtmäßigkeit des Verkaufs des Grundstücks einschließlich der Abbaurechte vom Heynitz`schen Adelshaus an den Herrn Jurisch entschieden und keinen Grundbucheintrag vorgenommen. Hinzu kam der Einbruch des Absatzes, weil spätestens ab 1928 „besonders die Rohkalk verarbeitende Eisen- und chemische Industrie wegen des gestiegenen Preises je t ihren Bedarf (wieder) vorzugsweise aus den schlesischen Tagebauen bezog.“  

Bereits 1926 hat daher nach einem Fahrbericht Herr Jurisch Verkaufsabsichten geäußert. Im Oktober 1927 wurde dem Bergwerk tatsächlich der Strom abgestellt und schließlich wurden sogar die Maschinen gepfändet, weil Rechnungen nicht bezahlt werden konnten. Sehr schnell stieg daraufhin das Grundwasser an und die Abbaue ersoffen so weit, daß an eine Fortführung nicht ohne weiteres zu denken war. 1928 mußte Jurisch die Zwangsversteigerung beantragen, die nach mehreren Anläufen aber erst 1930 erfolgte.  

Schließlich wurde aus dem noch existierenden Depot auch noch Sprengstoff gestohlen und dies am 1.12.1931 zur Anzeige gebracht. In diesem Moment wollten weder der verarmte Besitzer, noch die Gewerbeinspektion, noch das Landesbergamt Schuld gewesen sein und so zog sich der Schriftwechsel bis vor das Sächs. Ministerium für Arbeit und Wohlfahrt...

Die Berichte der Lagerstättenforschungsstelle des OBA aus den Jahren 1936 und 1937 sprechen ebenfalls davon, daß der Abbau im Kalkwerk in Miltitz bereits seit 1928 ruhe, obwohl noch rund 200.000 t Kalk vorrätig seien. Jedoch sei das Material zu rein für die Herstellung von Portlandzement. Lediglich im früheren Tagebau in Schmiedewalde könne man kurzfristig noch vorhandene, größere und geeignete Kalkvorräte erschließen.

   


Vergrößerter Ausschnitt aus der Topographischen Karte, Blatt 48, Meißen, Ausgabe 1939: Zwischen Blauem Bruch und Altem Kalkwerk hindurch führt die Förderseilbahn zum Neuen Kalkwerk.  

  


Die „Talstation“ der Hängeseilbahn mit Bunker und Verladeeinrichtungen um 1926. Bildquelle: Sächsisches Staatsarchiv, Bergarchiv Freiberg, Bestand 40176 (Sammlungen des Bergarchivs), Nr. 014, Bild 1

  


Zustand des von Heynitz’schen Kalkbruchs um 1935. Oberhalb des Steilhangs ist das hölzerne Ständerwerk der Hängeseilbahn zu sehen. Bildquelle: Sächsisches Staatsarchiv, Bergarchiv Freiberg, Bestand 40073-1 (BSA), Nr. 065 (Kalk- und Eisensteinabbau in den Kreisen Meißen, Freiberg und Freital), S. 32, Bild 1

  


Ein zweiter und etwas besser erhaltener Abzug
derselben Fotographie findet sich noch in einer zweiten Akte; Bildquelle: Sächs. Staatsarchiv, Bergarchiv Freiberg, Bestand 40028 (Oberbergamt, Bergwirtschaftsstelle), Nr. 3-1085: Fotos von Anlagen der Kalksteinindustrie, Miltitz- Roitzschen, Kalkwerk, undatiert.

   


Die „Bergstation“ der Hängeseilbahn vor dem Mundloch des Tagesfallortes des Neuen Kalkwerks um 1926. Bildquelle: Sächsisches Staatsarchiv, Bergarchiv Freiberg, Bestand 40176 (Sammlungen des Bergarchivs), Nr. 014, Bild 5

   


Rechts im Vordergrund das überwölbte Mundloch des Fallortes, zwischen den Betriebsgebäuden die „Bergstation“ der Hängeseilbahn, davor die Einhausung des Haspelantriebs. Zustand um 1935. Bildquelle: Sächsisches Staatsarchiv, Bergarchiv Freiberg, Bestand 40073-1 (BSA), Nr. 065 (Kalk- und Eisensteinabbau in den Kreisen Meißen, Freiberg und Freital), S. 32, Bild 2

  

Karl Jurisch beschäftigte 1923 zunächst 40 Arbeiter, 1927 noch 17, 1928 waren noch 3 verblieben.

Der Wiederbeginn nach 1945 war unproblematischer, weil natürlich beim Wiederaufbau nach dem Weltkrieg der Bedarf an Baustoffen besonders groß war. Zwar mußte für jede Grubenlampe ein Dringlichkeitsantrag gestellt werden, nur um dann Bescheid zu bekommen, daß es keine gäbe, und selbst die Treibstoffmenge für die Pumpen zum Sümpfen der Grubenbaue wurde akribisch nachgerechnet. Doch die Vorarbeiten im Neuen Kalkwerk durch K. Jurisch haben sich als erfolgreich erwiesen. Der Oberingenieur K. Behr aus Miltitz und der Maschinenbaumeister H. Hellwig aus Radebeul waren die Geschäftsführer der neuen GmbH. Bereits 1946 wurde ihr Betriebsplan genehmigt und die Förderung aufgenommen.

Der Betriebsplan für 1946 sah für das Neue Kalkwerk eine Belegschaft von 58 Mann in Dritteln vor, tatsächlich waren es etwa 40. 1953 wies der Arbeitskräfteplan noch 37,5 Beschäftigte aus (inklusive einer halben Putzfrauenstelle), 1961 waren es noch 30, 1962 nur noch 20.  

In dieser Zeit oblag die bergbehördliche Aufsicht der Technischen Bergbauinspektion (TBBI) Dresden.

Nach der Verstaatlichung gehörte das Kalkwerk Miltitz als „Werk I“ zusammen mit dem „Werk II“ (Kalkwerk Groitzsch) dem Betriebsteil 6 des VEB (K) Meißner Ziegelwerke an. 1948 begann man parallel auch, die Schächte A1, A2, B (Schornsteinschacht), C und D, die die Organisation Todt im Alten Kalkwerk hinterlassen hatte, zu verschließen und zu verfüllen. Ein neues Sprengstofflager wurde jetzt „im Hauptstolln des alten Schachtes“ angelegt – dies ist die heutige Pulverkammer im Besucherbergwerk.  

1955 wurde mit Beschluß Nr. 144 der 32. Ratssitzung des Kreises Meißen entschieden, das Kalkwerk stillzulegen, da eine Bewertung durch Dipl.-Geol. W. Gotte, Berlin, keinen rentablen Betrieb mehr in Aussicht stellte. Dies betraf auch das Werk II in Groitzsch. Im Zeitraum 1956 und 1957 ruhte daraufhin der Betrieb.  

1957 beantragte das Stahl- und Walzwerk Riesa aber die Übertragung des Kalkwerkes Miltitz und stellte einen neuen Betriebsplan auf. Bereits 1962 mußte aber eine Verlängerung des Betriebsplans beantragt werden, da „die Belegschaft für 7,5 Monate ins Stabwalzwerk abgezogen wurde“.

Dies wiederholte sich: Daraufhin wurde das Bergwerk 1964 und 1965 jeweils für das erste Quartal gestundet. Für 1964 wurde zwar noch einmal ein neuer Betriebsplan erarbeitet, dessen mehrfache Verlängerung jedoch erst unter Auflagen genehmigt und endlich doch abgewiesen wurde. Diesem letzten Betriebsplan stimmte die TBBI schließlich nur noch als Sonderbetriebsplan für die Verwahrung und nur in Teilen zu. So endete 1966 endgültig der Kalkbergbau in Miltitz. 

   


Impressionen vom Abbau im Neuen Kalkwerk Miltitz um 1950. Bildquelle: Sächsisches Staatsarchiv, Bergarchiv Freiberg, Bestand 40176 (Sammlungen des Bergarchivs), Nr. 014, Bild 2

  


Impressionen vom Abbau im Neuen Kalkwerk Miltitz um 1950. Bildquelle: Sächsisches Staatsarchiv, Bergarchiv Freiberg, Bestand 40176 (Sammlungen des Bergarchivs), Nr. 014, Bild 3

   


Impressionen vom Abbau im Neuen Kalkwerk Miltitz um 1950. Bildquelle: Sächsisches Staatsarchiv, Bergarchiv Freiberg, Bestand 40176, (Sammlungen des Bergarchivs), Nr. 014, Bild 4

  

Die bereits seit 1948 im alten Kalkwerk parallel erfolgende Verwahrung und die Verfüllung des Ostfeldes des Alten Kalkwerkes in der Nähe der Bahnlinie wurde schließlich mit der Verfüllung des Wetterüberhauens und des Fallortes im Neuen Lager fortgesetzt und 1972 beendet. Allein in das Ostfeld des Alten Kalkwerkes wurden 30.000 m³ Verfüllmaterial eingebracht.  

Die Bewertung der Bergschadensanlayse von 1974 und 1975 kommt zu dem Ergebnis, daß bei einer Tiefenlage der Abbaue von mehr als 60 m unter Gelände „keine nennenswerte Beeinflussung der Tagesoberfläche“ zu erwarten ist. Die flacher liegenden Hohlräume seien „zeitlich unbegrenzt standsicher hinsichtlich größerer Verbrüche... lokale Brüche (seien) jedoch nicht auszuschließen“.

Um 1981 wurde vom Wiesenstolln aus eine Bohrung in das Neue Lager gestoßen und das Wasser danach in das Trinkwasserversorgungsnetz eingespeist. Gegenwärtig ist die Anlage nicht mehr in Betrieb, da dieses Wasser natürlich sehr kalkhaltig ist und die Nutzer besonders viel Calgon brauchten... 

  

 

 

Das Kalkwerk Groitzsch (Kippe & Pietzsch)

  

Über den Beginn des Kalkabbaus in Groitzsch liegen noch wenige Kenntnisse vor. Im 1816 erschienenen, dritten Band des „Vollständigen Staats- Post- und Zeitungs- Lexikons von Sachsen“ wird bei Groitzsch noch kein Kalksteinbergbau erwähnt. Auch unter Perne bzw. Bernshäuser findet sich dazu kein Vermerk. Bekannt ist aber, daß bereits 1820 ein Wasserstolln vom Dorfbach aus angelegt war, der den damaligen Kalkstein- Tagebau entwässerte.

Ab 1837 wurde die „Gute Hoffnung gevierte Fundgrube“ verliehen und im Hangenden des Kalklagers Brauneisenerz abgebaut. Dazu wurde der zirka 7 m tiefe „August Tagesschacht“ nordöstlich des Kalkbruchs bis auf das im Hangenden des Kalklagers bestehende Brauneisenstein- Vorkommen geteuft. Ab 1851 war diese Grube Beilehn der Graf Carl Fundgrube in Burkhardswalde. Deren Betrieb währte noch bis 1862.

1867 wird im „Kalkwerksbetrieb  Sachsens von den Autoren Wunder, Herbrig und Eulitz ein Kalkwerk im Besitz eines Herrn Kippe in Groitzsch angeführt.

In der Akte 40024-12, Nr. 017 findet man einen Bericht über die „Revision der im Bezirk der Kgl. Amtshauptmannschaft Meißen gelegenen Kalkwerke“ vom 26. August 1885, ausgefertigt von Carl Heinrich Lorenz, Factor in Miltitz, und darin eine kurze Beschreibung derjenigen Kalkwerke, die zu dieser Zeit im Zuständigkeitsbereich der Amtshauptmannschaft Meißen lagen. Dort liest man, daß das Kalkwerk Groitzsch 1884 im Eigentum von Otto Theodor Kippe, Gutsbesitzer daselbst, war und weiter: „Das hiesige Kalksteinlager ist 12 bis 18 m mächtig und wird gegenwärtig zutage durch Abräumung der darüber liegenden, 6 bis 9 m mächtigen Bedeckung, die nur aus mehr oder minder zersetztem Thonschiefer besteht, abgebaut.“ Die Wasserlösung des 18 m bis 27 m tiefen Tagebaus sei durch einen „250 m langen Zugstollen“ gelöst. Unterhalb der Tagebausohle sei das Lager noch unverritzt, seine Mächtigkeit daher unbekannt. In Betrieb standen „1 continuierlicher und 2 periodische Kalköfen“. Die durchschnittliche Belegung betrage 9 Mann.

Noch 1892 wurde der Kalkbruch als „Tagebau mit Höhlungen“ und als „nicht unterirdisch“ eingestuft. Weitere Beschreibungen aus dem Jahr 1893 gehen auf den zu dieser Zeit auch für Miltitz zuständigen Markscheider Oscar Choulant zurück, der bereits einen 26 m tiefen Schacht bis zur damaligen Tagebausohle erwähnt. Später findet man Beschreibungen dann in den „Fabrikrevisionen“ in 40024-12, Nr. 134. Darin wird 1895 notiert, daß der Absatz von gebranntem Kalk in den letzten 25 Jahren jährlich zwischen 30.000 und 50.000 Centner (also zirka 1.500 bis 2.500 t) betragen habe, seit drei Jahren aber rückläufig sei. Berginspektor Borchers notiert 1899: „Der Abbau des Kalksteins findet zur Zeit noch im Tagebau, die Förderung der gewonnenen Massen dagegen schon im Schacht bzw. in einer das Füllort desselben mit dem Tagebau verbindenden Strecke statt. Der bauliche Zustand des Schachts, zumal in seinem oberen Theile, läßt viel zu wünschen übrig.“ Die Förderanlage werde mit einer „eincylindrigen Fördermaschine“ angetrieben.

Noch etwas detaillierter ist die Beschreibung des ab 1900 zuständigen Bergmeisters Seemann: „Das Kalklager ist von Thonschiefer umschlossen und von sehr unregelmäßig linsenförmiger Gestalt. Der Kalkstein zieht sich theilweise in das Nebengestein hinein, theilweise ist das Lager aber auch von Thonschiefer durchzogen. Es besitzt ein sehr flaches nordwestliches Einfallen. Die Farbe des Kalksteins ist meist dunkelblau-grau, an einigen Stellen aber auch …reinweiß, die Struktur ist körnig-schiefrig. Der Gehalt an kohlensaurem Kalk ist über 90%.

Das Lager wird in einem Tagebruch mit zwei Sohlen und anschließendem unterirdischen Bruch abgebaut. In letzterem sind bis jetzt erst einige Weitungen aufgeschossen und ein Strossenaushieb angelegt. Die Förderung erfolgt durch einen 1892 / 1893 niedergebrachten, 40 m tiefen Schacht. Die (zusitzenden) Wasser müssen bis zu dem in der oberen Bruchsohle liegenden und in den Dorfbach mündenden Stolln gehoben werden.

Der Schacht ist nicht durch ein Haus überbaut und enthält zwei Fördertrümer und ein Fahrtrum. Zur Fahrung dient er im Allgemeinen nicht; die Leute nehmen ihren Weg durch den Tagebruch. Zum Heben der auf das Gestell aufgeschobenen, 2 hl (Wir übersetzten das Kürzel mal mit Hektoliter, d. h. also 200 Liter) fassenden Wagen dient eine 1893 von Münzner in Obergruna bezogene, vierzylindrige Dampfmaschine. Über dem Schacht ist ein hölzerner Seilscheibenstuhl aufgestellt, welcher zugleich das Gerüst für ein Windrad bildet, das ein Kunstgezeug zur Hebung des Wassers bis zur Stollnsohle in Bewegung setzt. Um bei Windstille das Wasser aus dem Bruch zu fördern, ist auf der untersten Sohle in demselben ein Pulsometer eingebaut, der den benöthigten Dampf aus dem Kessel übertage durch eine Rohrtour …zugeleitet erhält.“

Anmerkung: Ein Pulsometer ist eine aus der Dampfpumpe von Thomas Savery abgeleitete, kolbenlose, mit Dampf betriebene Pumpe, die zum Heben von Flüssigkeiten benutzt wurde. Dazu gibt´s einen Wikipedia-Artikel.

„Zum Brennen dienen drei Kesselöfen, von denen jetzt zwei in Feuer sind und davon jeder einen Fassungsraum von 150 bis 200 hl Kalkstein (respektive rund 20 m³ oder etwa 50 t) besitzt. Es werden Steinkohlen von Zauckerode benutzt…“  Die Belegschaft betrage 10 Mann. Jährlich werden etwa 19.000 hl gebrannter Kalk produziert, die als Bau- und Düngekalk überwiegend ab Werk für 1,20 Mk / hl verkauft würden; ein Transport zur etwa 6 km entfernten Bahnstation finde nur in geringem Umfang statt. Auch dieses Werk war also zum größten Teil von lokalen Abnehmern abhängig.

In der Fabrikrevision 1902 wird dann erwähnt, daß der Weiterbetrieb das Abräumen von nun schon 16 m Abraum erfordere, wovon die unteren 6 m Brauneisen seien, welches heute aber nicht mehr gewonnen werde. Erst 1903 wurde das Bergwerk betriebsplanpflichtig und seitens des Bergamtes die Anlage eines Rißwerks gefordert.

  


Meilenblätter von Sachsen, Dresdner Exemplar, Handzeichnung, ab 1792, Nachträge und Ergänzungen bis in das letzte Viertel des 19. Jahrhunderts, Ausschnitt aus Blatt No. 250 mit der Kontur des "Kalk Stein Bruchs", der heute etwas "verballhornte" Name des Ortsteils "Perne" wird hier noch mit "Börnerhäuser" bezeichnet.
  


Meilenblätter von Sachsen, Freiberger Exemplar, Handzeichnung, ab 1792, Nachträge und Ergänzungen bis in das letzte Viertel des 19. Jahrhunderts, Ausschnitt aus Blatt No. 198, die Zeichnung wurde nicht so oft nachgetragen und ist übersichtlicher. Gut zu sehen neben dem Kalkbruch auch der Vermerk eines Kalkofens und der "Burg Berg" - der Rest einer slawischen Wallanlage.
  


Historische Darstellung des Kalkwerks Kippe & Pietzsch in Groitzsch auf einer Postkarte, aus: „Unsere Heimat“, Sept. 1912, Foto: Mühlenarchiv, G. Rapp. Gut zu sehen ist der offene, „hölzerne Seilscheibenstuhl“ über dem Schacht, der zugleich das Windrad für den Antrieb der Wasserkunst trägt. Der damalige Tagebau ist leider durch die Namenstafel verdeckt. Das Kalkhaus links steht noch heute und ist bewohnt.

Bildquelle: Deutsche Fotothek, Link zur Originaldatei:
http://www.deutschefotothek.de/documents/obj/70503523

Eine ähnliche Anlage bestand vermutlich auch am Krumbiegel'schen Kalkwerk in  Grumbach

  

1907 stellte der Eigentümer Kippe den Ingenieur Otto Pietzsch als Betriebsleiter ein. Er wurde ab 5. April 1907 auch Geschäftspartner; seitdem gehörte das Kalkwerk der gemeinsamen Firma Kippe & Pietzsch. Zwischen 1911 und 1914 lag die Belegschaft bei 9 bis 12 Mann.

Ähnlich wie in Miltitz kam es aufgrund der Einberufungen während des 1. Weltkrieges fast zum gänzlichen Erliegen, von 1914 bis November 1916 wurde der Betrieb gestundet. Daraufhin soff der Tagebau ab und wegen Kohlenmangels kam auch die Wasserhaltung zum Stillstand. Der Holzausbau im nicht überdachten Schacht wurde wandelbar und gänzlich unfahrbar. Nur noch die obere Bruchsohle war fahrbar, auf der aber schon lange nicht mehr abgebaut wurde.

Noch 1923 vermerkt der Revisionsbericht, daß „an eine Wiederaufnahme bei dem Verfall der Anlagen …nicht zu denken (sei), bevor nicht bessere Zeiten kommen.“ Kippe trägt sich wohl mit Verkaufsabsichten und so ist 1927 festgehalten, daß „der Besitzer Kippe … sagte, daß noch mächtige Kalksteinvorräte anständen, sich jedoch niemand wegen der ungünstigen Lage für sein Kalkwerk interessiert habe.“ 1931 wird die Akte geschlossen.  

   


Zustand der Kalköfen 1944, Aufnahme von Paul Schulz, Fotosammlung G. Voigt.

Einen Blick auf den heutigen Zustand ermöglichen wir hier.

  


Zustand der Kalköfen 1947, eine weitere Aufnahme von Paul Schulz.

http://www.deutschefotothek.de/documents/obj/87711758

   

Erst 1947 kommt es zur Wiederaufnahme, zunächst durch die Ulbricht & Korb KG. Der Tagebau wird gesümpft und zunächst durch das Fallort West I die 25-m-Sohle (2. Sohle) ausgerichtet. 1954 wird die Gesellschaft in Volkseigentum überführt und zunächst eigenständig unter dem Namen VEB (K) Kalkwerk Groitzsch geführt. 

Anmerkung: Die Ulbricht & Korb KG hatte 1946 auch die Wiederaufnahme des vormals Facius’schen Kalkwerks in Langenberg bei Schwarzenberg beantragt.

Über das Fallort West II wird später noch eine 4. und 5. Sohle erschlossen, so daß das Grubengebäude nun eine Teufe von 72 m unter Gelände erreichte. Die Sohlenabstände lagen zwischen 8 m (zwischen 1. und 2. und 4. und 5. Sohle) und bis zu 16 m (zwischen 2. und 3. Sohle).

1956 wurde der Betrieb eingestellt. Bereits vor 1950 wurden Teile des Tagebaus mit Kalkschotter und Abraum verfüllt. Auch die Tiefbaue wurden teilweise mit Haldenmaterial und Kalkabfällen verfüllt. Der Tagesschacht war schon bei der Wiederaufnahme durch die Fallörter ersetzt, wurde also in den 1950er Jahren nicht mehr benötigt und deshalb ebenfalls verfüllt. Da der Altausbau nicht geraubt wurde, muß mit Schachtbrüchen während der Verfüllung gerechnet werden. Bei der Erstellung der BSA um 1973 wird eine zirka 1,5 m große Einmuldung am Schachtstandort erwähnt. Die Fallörter wurden lediglich abgemauert und sind dahinter abgesoffen.

Am 30.7.1959 ereignete sich ein Tagesbruch über dem Tiefbaufeld, wobei eine 16 m in Ost-West- und 22 m in Nord-Süd-Richtung breite sowie 18 m tiefe Pinge entstand. Sie ist heute komplett verfüllt.

  

 

 

Die Ranft'schen und Geißler'schen Kalkwerke bei Schmiedewalde

   

Der Abbau bei Schmiedewalde sei nach W. Schanze seit 1723 urkundlich belegbar. Schon 1790 wird auch eine Wasserkunst erwähnt (40073-1, Nr. 065).

Wenig später, im Jahr 1796 berichtet der Dresdner Arzt Christian Friedrich Schulze in einer Zeitschrift unter dem Titel Nachricht von den in der dreßdnischen Gegend vorhandenen Mineralien und Foßilien über diese Kalksteinvorkommen: Wenn wir zu den auf dieser Seite (der südwestlichen der Elbe) etwas entlegenen Gegenden fortgehen, so haben wir insonderheit die eine Stunde hinter Wilsdruf vorhandene Steinbrüche in einige Betrachtung zu ziehen, welche einen sehr feinen schwarzen Marmor mir weißen Adern und Streifen enthalten, der aber, da man denselben (als Baumaterial) nicht weiter zu nutzen weis, in den bey Schmiedewalde errichteten Kalköfen gebrannt wird. Sonst findet man auch auf den um und hinter Wilsdruf vorhandenen Feldern sowohl einen röthlichen, als auch kirschbraunen Marmor in ziemlich großen Stücken, welche vermuthen lassen, daß in der dasigen Gegend ein Flötz von gleicher Beschaffenheit liegen müsse.

   

Ein Rechtsstreit um einen Schadensanspruch von Franz Emil Ranft, der hierin als Kalkwerksbesitzer in Schmiedewalde genannt wird, gegen das Gräflich Einsiedel'sche Eisenwerk als Besitzer des Berggebäudes Lohse Fundgrube zu Schmiedewalde, datiert dann auf das Jahr 1807 (40001, Nr. 0856). Trotzdem wird im 1823 erschienenen Band 10 des „Vollständigen Staats- Post- und Zeitungs- Lexikons von Sachsen“ bei Schmiedewalde kein Kalksteinbergbau erwähnt.

Dagegen berichtet A. Schiffner in seiner 1845 erschienenen „Beschreibung der sächsischen und ernestinischen Lande unter dem Stichwort (Roth-) Schönberg: „Schönberg, Rothschönberg (320 E.) an und über einem Nebenwasser der Triebische malerisch gelegen, hat eine ansehnliche Burg mit 3 Thürmen, Kapelle und Kunstwerken, Stammhaus des begütertsten aller sächsischen Adelsgeschlechter… es giebt hier ferner eine der edelsten Schäfereien auf Erden, starke Brauerei und Obstzucht, Ziegel- und Kalköfen, … Das nahe Schmiedewalde hat 200 E. und 1 Kalkofen.“

Der oben schon erwähnte Gutsverwalter Dietze, der 1849 bis 1851 für Herrn Karl Gottlob Töpolt auf Taubenheim Gut und Kalkwerk Burkhardswalde verwaltete, besaß selbst ein Halbhufengut in Schmiedewalde, wo er sich mit Carl Gottlob Ranft und Johann Adolph Schubert bereits zwischen 1816 und 1847 um Grenzziehungen und den Abbau von Kalkstein auf seiner Flur stritt (10527, Nr. 301 und 302).

Zur Familie Ranft haben wir noch nicht viel ermitteln können, zumal der Name auch im Staatsarchiv mehrfach auftritt und Namensgleichheiten folglich nicht einfach auszuschließen sind. Den Namen Carl Gottlob Ranft haben wir erstmals 1829 und 1831 in Akten des Bestandes Grundherrschaft Bieberstein (10145) gefunden, worin jener als Viertelhüfner in Hohentanne genannt wird (Nr. 271) und wegen der Frondienste Beschwerde führt (Nr. 282). Etwa zeitgleich amtierte offenbar eher schlecht als recht auch ein Johann Georg Ranft unweit von Schmiedewalde in Blankenstein als Dorfrichter (10527, Nr. 252).

1867 wird dann im „Kalkwerksbetrieb  Sachsens von den Autoren Wunder, Herbrig und Eulitz ein Kalkwerk im Besitz eines Herrn Ranft in Schmiedewalde angeführt.

Der bereits zitierte Bericht von Faktor Lorenz in der Akte zur Überwachung des Kalkwerksbetriebes im Bezirk der Amtshauptmannschaft Meißen (40024-12, Nr. 017) enthält auch eine kurze Beschreibung des Schmiedewalder Kalkbruchs von 1884. Danach wäre er zu diesem Zeitpunkt im Besitz von „Theodor Geißler, daselbst“, womit das südlich angrenzende, zeitweise parallel betriebene Werk gemeint ist. Über einen Herrn Geißler in Schmiedewalde haben wir noch gar keine näheren Daten ermitteln können.

Über den Abbau liest man bei Lorenz, daß „das Kalksteinlager, dessen Mächtigkeit bis zur jetzigen Abbausohle ca. 25 m beträgt, zutage abgebaut (werde), jedoch hat vor Jahresfrist der Abbau auch unterirdisch im Weitungs- oder Pfeilerbau stattgefunden.“  Dieser Abbau stehe aber zur Zeit unter Wasser.

Das 6 – 9 m mächtige Deckgebirge besteht aus zersetztem Thonschiefer, Eisenstein, Kalksteinfragmenten und Kalkmergel. … Der Kalkbruch ist durch einen 480 m langen Zugstolln gelöst, dessen Sohle ca. 15 m über der Bruchsohle liegt. … Das Kalkbrennen erfolgt in zwei continuierlichen Öfen.“  Die mittlere Belegung betrage 8 Mann. Ein Croqius über den Bruch sei nicht vorhanden.

Aus den Kartenbeilagen zur Bergschadenkundlichen Analyse (40073-1, Nr. 065) ist ersichtlich, daß aus dem Schmiedewalder Bach eine Aufschlagrösche abgezweigt war, über die eine Radstube, wohl als Antrieb einer Wasserkunst, beaufschlagt wurde. Der Wasserlösestollen führte von der Radstube in westliche Richtung (etwa parallel zum Tal des Schmiedewalder Bachs) und führte das Wasser noch oberhalb der Triebisch wieder in den Bachlauf zurück.

In der BSA 065 wird Pfarrer Böhme zitiert, welcher 1902 mitteilte, daß das größere der beiden aneinander angrenzenden Kalkwerke (das Ranft'sche) bereits 1887 außer Betrieb gegangen sei, weil „man nicht mehr Herr des Wassers geworden sei“. Das Geißler'sche Werk an der Südseite des Tagebaus sei dagegen noch bis 1898 weiter betrieben worden. Geißler besaß zwei weitere Kalköfen westlich des Tagebaus. Der heutige Grüne See ist das Restloch dieses Tagebaus.

1936 / 1937 interessierte sich die Lagerstättenforschungsstelle des Oberbergamtes (40030-1, Nr. 1077) noch einmal für den Tagebau in Schmiedewalde. Das Gutachten umfaßt eine Beschreibung der Aufschlüsse im noch vorhandenen Tagebau und zitiert eine chemische Analyse von 1867. Zu einer Wiederaufnahme kam es jedoch schon damals nicht, obwohl dieser Kalkstein für die Herstellung von Zement besser geeignet sei, als der Miltitzer Marmor. Die Rösche sei zwar vorhanden, aber zu hoch angesetzt, um den Bruch zu entwässern. Auch die Öfen seien (1936) schon vollständig verfallen gewesen.

Der Wasserlösestolln muß zum Zeitpunkt der Erstellung der BSA (1969) noch fahrbar gewesen sein. Er soll vom Tagebau nach Westen ein Profil von etwa 1,0 m x 1,7 m haben, die Stollnrösche ab dem 2. Lichtloch dann nur noch von 0,4 m x 0,8 m.

  


Meilenblätter von Sachsen, Freiberger Exemplar, Handzeichnung, ab 1792, Nachträge und Ergänzungen bis in das letzte Viertel des 19. Jahrhunderts, Ausschnitt aus Blatt No. 198 mit der Darstellung der damaligen Bruchkontur, eines Kalkofens und - weiter talabwärts Richtung Triebischtal (am linken Bildrand) - des Ansatzpunktes des Wasserlösestollens. Außerdem wurde eine Eisensteingrube (Lohse Fdgr.) nachgetragen.
     

Auch im Dresdner Exemplar ist die Lohse'sche Eisensteingrube eingezeichnet.
  

Derselbe Ausschnitt im Berliner Exemplar der Meilenblätter: Darin fehlt die Eisensteingrube noch.

   


Reste der Ranft'schen Kalköfen am Schmiedewalder Kalkbruch, Aufnahme P. Schulz, 1950.

Einen Blick auf den heutigen Zustand ermöglichen wir hier.

Link zur Originaldatei:
http://www.deutschefotothek.de/documents/obj/90051557

   


Reste der Ranft'schen Kalköfen am Schmiedewalder Kalkbruch, eine weitere Aufnahme von P. Schulz aus dem Jahr 1947.

http://www.deutschefotothek.de/documents/obj/87711760

  

 

 

Schmutzler´s Kalkwerk in Burkhardswalde

  

In Burkhardswalde sei nach dem historischen Ortsverzeichnis von Sachsen schon 1723 ein Kalkofen erwähnt. In der Datenbank des Staatsarchives haben wir einen Hinweis auf die geplante Errichtung eines Kalkbrennofens „beim zum Schenkgut in Taubenheim gehörenden Kalksteinbruch“ aus dem Jahr 1792 gefunden (10079, Loc. 12141/02).

Der Kalkabbau begann nach W. Schanze aber erst, nachdem 1834 der damalige Pfarrer Bauer das Vorkommen unter den Pfarrfeldern entdeckt hatte. Der 1814 erschienene Band 1 des „Vollständigen Staats- Post- und Zeitungs- Lexikons von Sachsen“ erwähnt vermutlich aus diesem Grund bei Burkardswalde noch keinen Kalksteinbergbau.

Im gleichen Grubenfeld war etwa ab 1837 die Graf Carl Fundgrube auf Brauneisenstein verliehen, jedenfalls trägt die Croquis über das Gevierte Feld auf den Eisensteinzechen Graf Karl bei Burkhardswalde, Lohse Gevierte Fundgrube bei Schmiedewalde und Gute Hoffnung Fundgrube bei Groitzsch das Datum 4. Oktober 1837 (40040, Nr. B2331). Vermutlich war die Grube Graf Carl ursprünglich im Besitz der Grafen von Einsiedel, die das Erz in ihrer Eisenhütte in Gröditz verarbeiteten. Der Name der Grube kann auf Carl Friedrich Graf von Einsiedel (*1791, †1872) aus der Wolkenburger Linie derer von Einsiedel zurückgehen, vielleicht auch auf Detlev Carl Graf von Einsiedel (*1737, †1810), welcher 1776 die damaligen Lauchhammerwerke erbte. In den Folgejahren erwarb sich unter seiner und seiner Nachfahren Leitung insbesondere die Eisen- Kunstgießerei Weltruhm.

1840 gründete Detlev von Einsiedel (*1773, †1861) die „Gewerkschaft der Gräflich Einsiedelschen Eisenhütten“, welche neben dem Hauptwerk in Lauchhammer nun auch Eisenhütten in Berggießhübel, Riesa und Gröditz umfaßte. Trotz aller Bemühungen gestaltete sich die Geschäftsführung der Eisenhütten aber nach 1850 immer schwieriger, da alle Standorte weit entfernt von den nötigen Erz- und Steinkohlevorkommen lagen und insbesondere der Hauptstandort in Lauchhammer verkehrstechnisch damals noch nur schwer erreichbar war. Nach dem Tod von Detlev Graf von Einsiedel war die Hüttengewerkschaft 1871/1872 daher wegen Überschuldung zum Verkauf der anderen Betriebsteile gezwungen (wikipedia.de).

Schon infolge des Wiener Kongresses 1815 war Gröditz an Preußen gefallen und ‒ zumindest für die „rechts der Elbe gelegenen Raseneisenerzvorkommen“ ‒ hatte 1840 auch Carl Friedrich August Freiherr Dathe von Burgk Mutung beim Bergamt Altenberg eingelegt (40006, Nr. 1871). Auch die Abbaurechte der Graf Carl Fundgrube in Burkhardswalde könnten auf gleichem Wege an die Freiherren von Burgk gelangt sein (40010, Nr. 3167). Die Freiherrlich von Burgk'er Herrschaft geht auf Carl Gottfried Dathe zurück, welcher das Rittergut Burgk im heutigen Freital 1767 erwarb. Dessen Neffe, Carl Friedrich August Krebß (*1791, †1872), übernahm nach dem Tod seines Onkels 1819 das Rittergut, kaufte 1829 ein Adelsdiplom und nannte sich fortan Freiherr Dathe von Burgk. Die Familie ist vorallem als erfolgreiche Bergbauunternehmer im Steinkohlenbergbau des Plauenschen Grundes bekannt.

Die Grubenakten des Bergamtes Freiberg führen dagegen die Graf Karl Fundgrube ‒ inzwischen konsolidiert mit Gute Hoffnung Fdgr. bei Groitzsch und Lohse Fdgr. bei Schmiedewalde ‒ noch 1866 als „...im Besitz der Gräflich Einsiedel'schen Eisenwerke Gröditz“ auf. 1877 wurde das gesamte Abbaufeld dieser drei Gruben an eine Kommanditgesellschaft G. Müller & Co. in Berlin verkauft, die es aber bald darauf lossagte. 1907 wurde Haldenmaterial zur Verfüllung der infolge des Kalksteinabbaus entstandenen Pingen verwendet  (40174, Nr. 1273). Die letzte Rißnachbringung für die Grube erfolgte 1872 (40036, Nr. K11891), vermutlich ist also der Eisensteinabbau in Burkhardswalde spätestens nach der Gründerzeit endgültig zum Erliegen gekommen. Die Eisenbahn hatte längst den Import ausländischer Erze billiger, als die Gewinnung geringhaltiger Erze aus kleinen Lagerstätten im eigenen Land, gemacht...

Nach Unterlagen des Ritterguts Munzig sei das Kalklager jedenfalls im Jahr 1840 von Bergleuten des Barons von Burgk in der Eisensteingrube Graf Carl angetroffen worden. Am 3. Januar 1841 begann man dort mit dem Abbau des Kalksteins und teufte dazu auch einen neuen Tagesschacht ab, der bis 1858 schon eine Teufe von 54 Ellen (rund 27 m) erreicht hatte. In dieser Zeit wurde auch der Kalkofen neben dem Huthaus der Graf Carl Fundgrube errichtet. Der heute stark verwitterte  Schlußstein über dem Ofenzugang trug die Jahreszahl 1842 (Informationen von Herrn G. Mehler).

    


Huthaus der Grube Graf Carl, Aufnahme P. Schulz, 1928. Ein Abzug liegt auch im Bestand 40167 (Fotos bergmännischer Tagegebäude) unter Nr. 249 im Bergarchiv Freiberg. Das Gebäude und der dahinterliegende Kalkofen sind erhalten geblieben.

Einen Blick auf den heutigen Zustand ermöglichen wir hier.

Wir verwenden das Digitalisat aus der Deutschen Fotothek. Link zur Originaldatei:
http://www.deutschefotothek.de/documents/obj/70002529

   

Im Jahr 2011 kam es bei Munzig zu einem Tagesbruch im Baufeld der ehemaligen Eisensteingrube Graf Carl. Unser Beitrag widmet sich zwar eigentlich dem Kalkstein- und Marmor- Abbau und nicht dem Erzbergbau, aber da sich Kalkstein und Brauneisensteinlager sehr oft in unmittelbarer Nähe fanden, freuen wir uns, daß uns folgendes Bildmaterial von der Sanierung dieses Tagesbruches zur Verfügung gestellt wurde.

  


Dieser Ausbau wurde erst während der Sanierung 2011 eingebaut. (Foto: E. Richter)

  


An den Streckenstößen erkennt man noch gut die nicht mehr bauwürdigen Reste des Brauneisensteinlagers. (Foto: E. Richter)

   

Im Jahr 1835 hatte Karl Gottlob Töpolt das Rittergut Taubenheim samt zugehörigen Gütern in Birkenhain und Sora bei einer Versteigerung „wegen der Schulden der Besitzerin Johanna Wilhelmine Tauchnitz, geb. Kees“ erworben (10057, Nr. 2050). Die Familie Töpolt stammt eigentlich aus Schletta bei Meißen. Hier war Johann Gottlob Töpolt wenigstens seit 1811 als Landschöppe, seit 1847 als Landrichter bestellt.

Da sowohl Kalkstein, als auch Eisenerze nur unter das niedere Bergregal fielen, konnten die Grundbesitzer über solche, auf ihrem Grund und Boden vorhandenen Rohstoffe frei verfügen. So verkaufte auch das Pfarramt 1837 die Abbaurechte am Kalkstein in Burkhardswalde für 2.700 Thaler an Herrn Töpolt. Aus den  Berichten des Gutsverwalters Leberecht Ernst Dietze an Karl Gottlob Töpolt wissen wir schon, daß um 1850 der tiefe Wasserlösestolln in Richtung auf die Kalkbrüche vorgetrieben wurde, was den Gewinn aus dem Kalkwerksbetrieb beträchtlich schmälerte.

Der Abbau erfolgte nur noch Untertage, ausgehend von dem inzwischen rund 450 m lang gewordenen und am Göpelschacht in etwa 30 m Tiefe einkommenden Stolln. Der Stolln war unweit des noch erhaltenen Kalkofens angesetzt und verlief in Richtung der Burkhardswalder Kirche (nach Südosten). Bereits am Göpelschacht brachte er etwa 13,5 m Teufe ein. Das Lager sei 3 m bis 6 m mächtig und nach Westen auskeilend. Die Überdeckung wird durch Tonschiefer, Kiesel- und Alaunschiefer gebildet; darin das Lager von Brauneisenocker mit bis zu 3,5 m Mächtigkeit, auf dem bereits die Graf Carl Fundgrube abbaute. Im Hangenden fand sich stellenweise ein zweites Lager (BSA, Nr. 065).

Berichtet wird auch, daß hinter der Schmiede Kalk abgebaut worden sei (W. Schanze).

Auch A. Schiffner berichtet in seiner 1845 erschienenen „Beschreibung der sächsischen und ernestinischen Lande unter dem Stichwort (Roth-) Schönberg: „Schönberg, Rothschönberg (320 E.) an und über einem Nebenwasser der Triebische malerisch gelegen, hat eine ansehnliche Burg mit 3 Thürmen, Kapelle und Kunstwerken, Stammhaus des begütertsten aller sächsischen Adelsgeschlechter… Der Marktflecken Burkhardswalde (230 E.) in ähnlicher Lage, mit Freigut, Gasthof, Eisen- und Kalkbau, zeigt 1 schöne gothische Kirche mit 2 Thürmen, und ist zum Theil Taubenheimisch...“ An gleicher Stelle heißt es ferner auch über Taubenheim: „Taubenheim ( 540 E.), dessen gethürmtes Bergschloß die Stammburg eines sonst wichtigen Geschlechtes war, liegt an der kleinen Triebisch, und hat starke Wirthschaft, edle Schäferei, Kalk - und Ziegelöfen, 3 Mühlen… Der hiesige Pfarrer Maucke ist als Naturforscher bekannt.“

1851 ist Karl Gottlob Töpolt verstorben, woraufhin die Güter und der Kalkbruch zunächst an den vormaligen Gutsverwalter Leberecht Ernst Dietze verpachtet wurden (10057, Nr. 2057). In der Folgezeit wechselten die Besitzer mehrfach.

Aus einem Schreiben des Königlichen Gerichtsamtes zu Meißen geht hervor, daß wenigstens noch bis 1867 die unmündigen Kinder von Herrn Töpolt formal im Besitz des Rittergutes Taubenheim gewesen sind. Darin heißt es In dem Kalkbruche zu Burkhardswalde, welcher Eigenthum meiner Mündel, der Geschwister Töpolt auf Taubanheim und von Herrn Rittergutsbesitzer Roßberg auf Taubenheim mitgepachtet ist, ist vor einiger Zeit ein Pfeiler eingestürzt, der auch die Hauptstrecke verschüttet (hat) und ein weiteres Abbauen für jetzt ohnmöglich geworden (ist).

Da nun mit dem ...Pächter bezüglich der Aufbringung der Wiederherstellungskosten eine Differenz entstanden ist, so ist die Kgl. Vormundschaftsbehörde des Kgl. Gerichtsamtes Meißen ersuchtt worden, die Sache ins Verhör zu nehmen, vorher aber müßte ... noch ein anderweites sachverständiges Gutachten ermittelt (werden). Das kgl. Gerichtsamt hat daher beschlossen, das Kgl. Oberbergamt ein solches abgeben zu lassen... Der Verfasser dieses Schreibens vom 2. April 1867, dessen Unterschrift leider völlig unleserlich ist, bat um die Mitteilung des Termins des Eintreffens eines Sachverständigen, um seinerseits die nötigen Vorkehrungen treffen zu können. Was dabei herausgekommen ist, erfahren wir aus dieser Akte leider nicht (40001, Nr. 2976).

Den Familiennamen Roßberg kennen wir auch als Besitzer von Gütern und den Kalkwerken in Münchhof bei  Ostrau. Ob es sich dabei freilich um dieselbe Familie handelte, konnten wir noch nicht ermitteln.

  

Die Revision des Faktors Lorenz im Auftrag der Amtshauptmannschaft Meißen (40024-12, Nr. 017) benennt dann im Jahr 1885 als Besitzer einen Herrn R. Schmutzler, daselbst, und erwähnt, daß „behufs besserer Wettercirculation …in der Nähe des gegenwärtigen Abbaus vom Tage nieder bis in die Stollnsohle ein 35,68 m tiefer Wetterschacht niedergebracht worden“ sei. Die Belegung habe nur 5 Mann umfaßt. Immerhin sei (wohl aufgrund der Mitbenutzung des Stollens durch die Eisenerzgrube Graf Carl) „über die Lage und Ausdehnung der Kalkbruches ein vollständiger Grund- und Saigerriß vorhanden.“ Bereits 1866 sei nach Lorenz' Angaben das Brauneisensteinlager aber vollständig abgebaut gewesen.

Besagten Herrn R. Schmutzler haben wir bisher noch nicht ausfindig machen können. Möglicherweise handelt es sich aber um einen  – gewissermaßen fachlich vorbelasteten – Nachfahren jenes Johann Gottlieb Schmutzler, welcher bereits zwischen 1816 und 1831 Kalkbrenner im Kalksteinbruch Hermsdorf gewesen ist (vgl. 10050, Nr. 1647 und 40174, Nr. 1401). Vermutlich blieb diese Familie Schmutzler aber beim fiskalischen Kalkwerk ansässig, weil hier auch noch im Jahr 1879 ein Christian Gottlieb Schmutzler als Gutsbesitzer und Kalkwerksverwalter in Hermsdorf genannt wird (10036, Loc. 32349).

Interessanterweise taucht ein Herr Schmutzler aber außerdem im Jahr 1846, ausgerechnet in einer Akte der Grundherrschaft Burgk auf, welcher nämlich in diesem Jahre „auf Zahlung rückständigen Schreiberlohnes“ vor dem Justizamt Dresden gegen den Baron von Burgk Klage erhob, anschließend aber von demselben entlassen wurde (10168, Nr. 0166). Ob hier Zusammenhänge mit einem von Burgk'schen Engagement im Eisenerzbergbau von Burkhardswalde bestanden, müssen weitere Recherchen klären...

  

In der Akte 40024-12, Nr. 007 findet sich unter dem 14. Juli 1892 dann die Mitteilung, daß „das Kalkwerk gegenwärtig außer Betrieb (sei), da der Besitzer flüchtig geworden ist.“  Als Besitzer wird in diesem Zusammenhang ein Herr Starke genannt. Möglicherweise hatte dieser in Zeiten des wirtschaftlichen Aufschwungs nach der Gründerzeit das Werk von Schmutzler erworben, mangels Kapital aber keine Wiederaufnahme zustandegebracht.

Danach muß es im Zuge einer Enteignung an einen Herrn Friedrich Oswald Ferdinand Irmscher gekommen sein, wohnhaft in Liebenwerda, welcher aber ebenfalls in Ermanglung von Betriebskapital den Abbau nicht wieder aufnahm.

Das Bergamt einigte sich schließlich 1905 mit dem Pfarramt als Grundbesitzer, daß dieses die Verwahrung der noch offenen Schächte übernehmen solle. So richtig zahlungswillig war man dort aber auch nicht und so zogen sich die Verhandlungen hin. 1907 wurde dann erstmals  Haldenmaterial der Eisensteingrube zur Verfüllung der infolge des Kalksteinabbaus entstandenen Pingen verwendet (40174, Nr. 1273).

1912 wurde dann noch einer der Kalköfen abgebrochen und das Material z. T. für die weitere Schachtverfüllung genutzt. Ursprünglich muß das Schmutzler'sche Kalkwerk demnach sogar drei Kalkbrennöfen besessen haben, von denen aber nur einer bis heute erhalten geblieben ist.

Weil das noch vorhandene Halden- und Abbruchmaterial aber immer noch nicht ausreichte, wurden die anderen Schächte überwölbt und nur deren tagesnaher Abschnitt verfüllt.

    


Meilenblätter von Sachsen, Freiberger Exemplar, Handzeichnung, ab 1792, Nachträge und Ergänzungen bis in das letzte Viertel des 19. Jahrhunderts, Ausschnitt aus Blatt No. 198 mit der Eintragung der "Kalksteingrube", der "Graf Carl Eisensteingrube" sowie zweier Kalköfen am nordwestlichen Ortsrand von Burkhardswalde. Auch dieser Ortsname wies in der Vergangenheit verschiedene Schreibweisen auf: Hier "Burckertswalde".
  


Derselbe Ausschnitt im Dresdner Exemplar.

  

Der tiefe Stollen wurde noch lange zur Wasserentnahme genutzt und ist jedenfalls Anfang der 1970er Jahre (40073-1, Nr. 065) noch bis an die untertägigen Weitungsbaue heran fahrbar gewesen. Zu dieser Zeit mußte die damalige Bergsicherung Dresden, heute Bergsicherung Freital GmbH, einen Damm im Stollen instandsetzen. Freilich war das Wasser sehr kalkhaltig (Informationen von Herrn G. Mehler).

Eine Kopie des Befahrungsberichtes der Bergsicherung an den Wasserversorger, VEB WAB, Betriebsbereich 5 in Radebeul, vom 20. Mai 1971 ist erhalten geblieben und im Besitz der Heimatfreunde im Triebischtal. Diesem Bericht sind die folgenden Aufnahmen entnommen, die uns heute noch einen kleinen Eindruck von diesem Kalkabbau vermitteln können.

  


Der tagesnahe Abschnitt des Stollens ist mit leicht elliptischer Ziegel- Mauerung gesichert.
 


Gleich am Ende des ausgemauerten Stollnabschnittes befinden sich die ersten Weitungsbaue im Kalklager.
 


Das hier kaum 2 m mächtige Kalklager weist offenbar mittelsteil einfallende Hangend- und Liegendgrenzen auf.
  


Vermutlich ist hier der Massekegel unterhalb des zuerst mit Haldenmaterial verfüllten Tagesschachtes zu sehen.

 

 

 

Weitere Kalksteinvorkommen im unteren Triebischtal

  

C. F. Naumann erwähnt im Heft 5 der Geognostischen Beschreibung des Königreiches Sachsen neben den bekannten und oben beschriebenen noch weitere Vorkommen von Kalksteinen im Umfeld des Triebischtals: „Bei Kottewitz ist durch einen Tagebruch ein 5 bis 6 Ellen mächtiges Kalksteinlager aufgeschlossen, dessen Gestein bläulichgrau und weiß gestreift und sehr feinkörnig ist; über dem Kalksteine liegt ein an Hornblendschiefer erinnernder Grünsteinschiefer, welcher in der Nähe der Auf Lagerungsfläche sehr reich an Eisenoxydhydrat ist.“

Ferner: „Oestlich von Rothschönberg im Triebischthale am südlichen Fuße des sogenannten Weinberges liegt ein unbedeutender Kalksteinbruch in einem Lager von theils schwärzlichgrau und weiß gestreiftem, theils graulich weißem, mit gelben Thonschiefer-Lamellen durchzogenen Kalkstein; der ihn einschließende Thonschiefer zeigt eine äußerst verworrene Schichtung. Oberhalb des Lagers steht dunkelbläulichgrauer Thonschiefer an, welcher zuletzt, dicht vor dem Kalksteine, hor. 9,4 streicht und 40 bis 60° in Nordost fällt; unterhalb des Lagers folgt grünlichgrauer Thonschiefer, der hor. 4 streicht und 20° in Nordwest einschießt.“ 

Und auch „Südlich von Groitzsch befindet sich auf dem rechten Ufer der Triebisch, Alt-Tanneberg gegenüber, ein Kalksteinlager, welches gegenwärtig nicht mehr bebaut wird; dasselbe ist in grünlichgrauem Thonschiefer eingelagert, welcher im Hangenden des Lagers sehr gewunden und reich an Kalkspathadern ist; er streicht hor. 4,4 bis 5 und fällt 30° in Nordwest.“

Im Jahr 1789 hatte Rudolph Christoph von Schönberg auf Tanneberg mit der dortigen Schule ein Grundstück wegen Anlegung eines Kalksteinbruches getauscht (10588, Nr. 042).

 

Außer diesen Kalkbergwerken bauten auch einige Erzgruben untertägig angefahrene Kalklager mit ab.

So gewann zum Beispiel die Frisch Glück Fundgrube in Munzig das bei der Suche nach Erz angefahrene Kalklager mit herein. Dieses Lager beschreiben 1851 W. Vogelgesang  (40003, Nr. 250) und 1914 K. Pietzsch: „Das Kalklager von Munzig, welches am Wege von Burkhardswalde nach Munzig gelegen ist, fällt auch bereits in den Kontakthof des Meißener Syenites. Über die näheren Verhältnisse dieses Lagers, welches früher durch einen in der Talsohle etwa 200 m oberhalb der Munziger Schäferei angesetzten Stollen erschlossen und auch mit einem Tagesschacht durchsunken war, gibt ein ausführlicher Bericht von Bergmeister Vogelgesang Auskunft.

Westlich vom Stollen streicht das Lager südöstlich (hora 9) und ist gegen 6 m mächtig. Östlich davon hingegen biegt das Streichen nach hora 7 um; gleichzeitig zerschlägt sich das Flöz in zwei durch ein Zwischenmittel von metamorphem Diabastuff getrennte Teile ... 

Der Kalkstein ist vorwiegend mittel- bis feinkörnig, sowie von krystallinischem Gefüge, teilweise jedoch auch dicht und splitterig oder muschlig brechend. Im ersteren Falle erscheint er durchweg weiß oder rötlichweiß, im letzteren lichtgrau. In den nordwestlichen Teilen des Lagers beeinträchtigen nicht selten Eisenocker führende Klüfte und Drusen seine Reinheit. Im Hangenden wird das Lager von Tonschiefern, im Liegenden von Hornblendeschiefern (kontaktmetamorphem Diabastuff) begrenzt. In der unmittelbaren Nähe des Kalksteins erweist sich sowohl der Tonschiefer, wie der Hornblendeschiefer reich an Augen, Nestern und Trümern von Kalkspat.

Das Huthaus dieser Grube steht noch nördlich am Weg von Munzig nach Seeligstadt, ist bis heute nur wenig verändert und noch immer bewohnt (Information von G. Mehler).

 


Huthaus der Grube Frisch Glück gevierte Fdgr. in Obermunzig, Aufnahme P. Schulz, 1928. Ein Abzug liegt auch im Bestand 40167 (Fotos bergmännischer Tagegebäude) unter Nr. 250 im Bergarchiv Freiberg.

Wir verwenden wieder ein Digitalisat aus der Deutschen Fotothek. Link zur Originaldatei:
http://www.deutschefotothek.de/documents/obj/70002528

    

1867 wird im „Kalkwerksbetrieb  Sachsens von den Autoren Wunder, Herbrig und Eulitz ein Kalkwerk im Besitz eines Herrn Gruhle in Munzig angeführt.

Ein Kalkbruch und Kalkofen wird auch in den Akten des Rittergutes Munzig bereits 1838 erwähnt, jedoch in das benachbarte  Burkardswalde verortet (10396, Nr. 168). In den folgenden Akten dieses Bestandes wird von einem Umbau des Kalkofens  im Jahre 1851 und über die Nutzung der Kalkbrüche „bei Munzig“ bis 1858 berichtet (10396, Nr. 169 und 170).

Unsere Nachsuche in den Archiven ergab, daß in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts (zwischen 1860 und 1869) das Rittergut Munzig von der Familie von Könneritz an einen Herrn Herrmann Gruhle übergegangen ist (10396, Nr. 007). 1886 war das Rittergut im Besitz der vier Brüder Eigen, Georg, Alexander und Arthur Gruhle. Letzterer klagte einige Jahre nach der Fertigstellung und Inbetriebnahme des Rothschönberger Stollens, im Jahr 1886 nämlich, gegen den Sächsischen Staatsfiskus wegen „Fischereischäden“ durch die in die Triebisch eingeleiteten Grubenwässer aus dem Freiberger Revier (40026, Nr. 146). Die Verhandlungen um Schadensansprüche „auf Grund der Verunreinigung des Triebisch durch den Abfluß der Grubenwasser aus dem Rothschönberger Stollen“ zogen sich bis 1889 hin (10036, Loc. 39270, Rep. 33, Spec. Nr. 7887).

  

Kalkstein wurde auch mit dem Wildemann Stolln sowie im Hilfe Gottes Stolln (40003, Nr. 250) in Niedermunzig angefahren und zeitweise als Nebenprodukt gefördert.

Wie oben bei Naumann schon zu lesen war, existierte Kalksteinabbau ferner auch im Pfarrholz bei Tanneberg, am Südrand von Kottewitz sowie im Steinbruch am Weinberg bei Rothschönberg. Dazu ist bei Pietzsch 1914 zu lesen: Am Weinberg bei Rothschönberg ist am rechten Gehänge des Triebischtales ein Steinbruch angesetzt, durch welchen nach Naumann ein Lager von teils schwärzlichgrau, teils graulich-weißen, von Tonschieferhäutchen durchzogenen Kalkstein abgebaut worden ist.“

Und weiter: „Südlich von Groitzsch geht am rechten Gehänge des Triebischtales ein Kalksteinlager zutage aus, das jedoch bis auf die Talsohle hinab fast völlig abgebaut ist...“ 

Bereits 1905 sollen hier zwei tiefe Stollen verwahrt worden sein, die schon von denen von Heynitz, früher auch Besitzer des Rittergutes Groitzsch, aus dem Triebischtal heraus nach Osten angesetzt wurden. Sie hatten wohl dem Abbau dieses kleinen Kalkvorkommens gedient, welches 1846 in der geognostischen Karte noch vermerkt ist und auch von Pietzsch 1914 noch erwähnt wird. Die Stolln waren jedoch schon im Zeitraum der Erstellung der BSA in den 1970er Jahren nicht mehr auffindbar (40073, Nr. 065).

  

 

 

Bergbauzeugnisse Übertage

Groitzsch

  

Die weitere Geschichte kennen wir nun schon: Nur das Neue Lager bei Miltitz und das Groitzscher Lager wurden von 1946 bis in die 1960er Jahre hinein noch weiter abgebaut. Die anderen kleineren Vorkommen fielen dem Vergessen anheim…

    


Ausschnitt aus der Äquidistantenkarte, Section Tannenberg, Ausgabe 1881: Hier sind die Kalkbrüche bei Groitzsch und Schmiedewalde
sowie der Kalkofen (K.O.) und die Graf Karl Eisensteingr. bei Burkhardswalde noch eingetragen.
    

Etwa derselbe Ausschnitt aus der Topographischen Karte, Blatt 64, Deutschenbora, Ausgabe 1937: Südlich verläuft jetzt bereits die Autobahn 4 durch das „Tanneberger Loch“, der Tagebau des Kalkbruchs zwischen Perne und Groitzsch ist noch eingetragen, aus dem Ranft’schen Bruch bei Schmiedewalde ist aber bereits der „Grüne See“ entstanden und auch von der Eisensteingrube Graf Carl nordöstlich von Burkardswalde ist nichts mehr zu sehen. Der Kalkbruch in Groitzsch besitzt aber noch erheblich größere Ausdehnung als das Restloch heute.

   

Wir besuchen im Weiteren einige noch vorhandene Aufschlüsse und Zeugnisse des Bergbaus und beginnen unseren Rundgang im mittleren Triebischtal nördlich von Tannenberg an der Damm- Mühle unter der Autobahnbrücke. Von dort aus kann man zunächst die geologischen Aufschlüse im Triebischtal erwandern oder bergan nach Groitzsch marschieren. Weil das Unterholz im Sommer sonst Vieles verdeckt, machten wir unsere erste Wanderung schon im zeitigen Frühjahr.

   


Der Kalkbruch Groitzsch auf den hochauflösenden Reliefkarten vom Geoportal Sachsen: Westlich der Ortslage erkennt man auf der kegelförmigen Anhöhe nördlich des Seitentälchens den Rest des slawischen Burgwalls.
  

Blick von Süden auf die Großbrücke der BAB 4, die das Tal der Großen Triebisch überspannt.
  

Knapp 1 km nördlich der Brücke befindet sich der heute stark verwachsene Steinbruch am Weinberg. Auch hier soll Kalkstein abgebaut worden sein. Der Steinbruchrest bildet auch ein geschütztes Biotop, in dem sich besonders im Frühjahr kalkreiche Böden liebende Pflanzen, wie der Hohle Lerchensporn zeigen.
   

Am Fuß des nördlichen Bruchstoßes steht hier noch ein silurischer Alaunschiefer an. Wer möchte, kann schon von hier aus dem Geopfad durch das Triebischtal folgen. Wir dagegen drehen um und wandern bergauf nach Groitzsch.
  


An der Straße nach Rothschönberg steht im Ortsteil Perne noch das frühere Kalkhaus.
    


Gleich gegenüber befinden sich noch die Kalköfen des ehemaligen Kalkwerks Kippe. Hier der südliche…
  

…und die beiden nördlichen. Die mächtigen Mauern der Trichteröfen sind zwar durch neuzeitliche Bebauung etwas „eingehült“, aber noch gut erhalten.
    

Die Innenmauerung wurde zu späterer Zeit herausgebrochen, damit sie von den Anwohnern als Lagerräume nachgenutzt werden konnten.

zurück zur Aufnahme aus dem Jahr 1944.
   


Ein wenig Schmuck durch Sandsteinblöcke an den Ecken gönnte man sich auch früher schon und auch bei profanen Betriebsgebäuden…
  

Und wir können einen kleinen geologischen Exkurs machen und finden zwischen den überwiegend als Baumaterial verwendeten „tonschieferartigen Phyllit“-Brocken auch den Porphyr aus dem Gang bei Munzig wieder.
  

Das Restloch des früheren Tagebaus ist heute umzäunt, aber man kann hinter den Kalköfen zumindest von oben noch einen Blick hineinwerfen.
  

Wir greifen mal auf unser Bildarchiv und eine Exkursion aus dem Jahr 2003 zurück und können uns den nördlichen Stoß des Tagebaus etwas näher anschauen.
  

Blick vom Zugang auf den Nordweststoß des Kalkbruch- Restloches in Groitzsch, Aufnahme 2003. Das Kalklager ist an der hellgrauen Farbe gut zu erkennen, darüber findet man Limonit- führenden Schieferzersatz.
  

Unmittelbar über dem Wasserspiegel erkennt man noch die Firste eines der Zugänge zur 1. Sohle.
   

Durch die schon von Cotta erwähnte Bänderung des Kalksteins ist die intensive Faltung des Gesteins im Anstehenden gut zu erkennen. Aufnahme ebenfalls noch von 2003.
  

Zum Abschluß noch ein Blick auf die drei Brennöfen des Kippe'schen Kalkwerks im Sommer, diese Aufnahme von 2004.

 

 

 

Schmiedewalde

  

Von Groitzsch aus erreicht man in südöstliche Richtung Schmiedewalde und kann unter der anderen Autobahnbrücke hindurch wieder zurück zur Damm- Mühle ins Triebischtal hinunter wandern. Deshalb machen auch wir mit unserer kleinen Bildergalerie in dieser Richtung weiter.

  


Der „Grüne See“ bei Schmiedewalde auf den hochauflösenden Reliefkarten vom Geoportal Sachsen: Das Triebischtal und der Schmiedewalder Dorfbach werden heute mit zwei Großbrücken überspannt.
Am unteren Bildrand erkennt man noch gut den Verlauf der alten Trassenführung der BAB 4 durch das „Tanneberger Loch“.
    

Eine Aufnahme des Grünen Sees im Sommer 2004 zeigt uns, warum er so heißt…
  


Im zeitigen Frühjahr erkennt man dagegen mehr von der Ausdehnung und der Kontur des Tagebaurestloches. Hier der Blick nach Westen…
  


...und nach Süden.
    

Vom Ranft’schen Kalkwerk sind noch Reste der beiden Brennöfen erhalten. Ungefähr an dieser Position könnte auch P. Schulz 1950 gestanden haben.

Zurück zum Foto von P. Schulz.
 


Von nahem erkennt man hier noch die Innenausmauerung des „Brenn-Trichters“ hinter der Außenmauer unter dem Schutt späterer Zeiten.
  

Der nördliche der beiden Kalköfen. Auch dieser ist stark verwachsen und fast völlig eingestürzt. Bei dichtem Unterholz im Sommer hätten wir ihn wohl gar nicht bemerkt…

  


Auf dem Weg zurück unterqueren wir die Triebischseitentalbrücke, die über den aus Richtung Schmiedewalde der Triebisch zufließenden Bach verläuft. Diese Spannbetonkonstruktion ist das östlichste der drei Großbauwerke und 330 Meter lang sowie an der höchsten Stütze 43 Meter hoch. Uns fällt noch das Pumpenhäuschen am Wegrand auf, welches den Endpunkt des Wasserlösestollns markiert.

  

 

 

Burkhardswalde

  

Biegen wir von Groitzsch aus nach Nordosten ab, erreicht man nach kurzem Weg Burkhardswalde. Schon von der Anhöhe zwischen den Orten aus sieht man als Wahrzeichen des Ortes die gotische Kirche. Am Gasthof kann man parken und einkehren und das Seitental ein Stück in Richtung Munzig und zur Großen Triebisch talwärts wandern.

  


Die Standorte der Kalköfen bei Burkhardswalde. Der Abbau erfolgte hier - zumindest in der letzten Betriebsphase - nur untertägig. Das Geviertfeld der Eisensteingrube Graf Carl hat ebenfalls nordwestlich der Kirche gelegen - davon ist leider nichts mehr erhalten.
  

Von der Straße von Groitzsch nach Burkhardswalde aus begrüßt uns das Wahrzeichen des Ortes, die gotische Kirche. Auf den Feldern, die von diesem Standort aus hinter der Kirche zu sehen sind, lagen die Kalk- und Eisensteingruben.
  

Der gut erhaltene Kalkofen in Burkhardswalde steht als Technisches Denkmal unter Schutz, die uralte Eiche daneben ist als Naturdenkmal eingestuft. (Aufnahme im Sommer 2003)
   


Neue Aufnahme etwas näher im zeitigen Frühjahr 2016. Es ist wohl der größte der in dieser Region erhalten gebliebenen Kalköfen. Auch dieser wurde in der Bauart des Trichterofens („Schneller“) ausgefürt.
 


Auch dieser ehemalige Kalkofen wird von den Anwohnern als Holzschuppen nachgenutzt.
  

Hier noch einmal die Ostseite des mächtigen Bauwerks.
  

Das ältere der angrenzenden Wohngebäude hat gewiß früher zu den Kalkwerksanlagen dazugehört. Der Hügel neben diesem Gebäude könnte der Rest eines der abgebrochenen Öfen sein.
   

Auf dem Weg in Richtung Munzig nehmen wir noch diesen Blick zur Burkhardswalder Kirche mit.
    

An der Straße nach Obermunzig haben wir hier auch dieses einstige Huthaus wiedergefunden. Unsere Aufnahme entspricht nicht ganz dem Standort von P. Schulz 1928.

Im Nachgang sind wir uns aber nicht mehr ganz sicher, ob Paul Schulz hier tatsächlich das Huthaus der Grube Graf Carl fotografiert oder die SLUB das Foto vielleicht falsch beschriftet hat. Warum sollte die Gewerkschaft, die in Burkhardswalde baute, ihr Huthaus in Obermunzig errichten? Warum sollte eine Grube, die auf Eisenstein baute, einen Kalkofen errichten? Schließlich war auch zum Zeitpunkt der Fotografie 1928 der Abbau schon rund 60 Jahre eingestellt und wenn P. Schulz nicht noch den Schlußstein im Ofengewölbe lesen konnte, könnte er sich vielleicht auch geirrt haben. Möglicherweise handelte es sich hier doch eher um das Huthaus der Grube Frisch Glück.

Zurück zum Foto von P. Schulz.
 


Hinter diesem Gebäude findet sich ein zweiter Brennofen, der wohl zur Grube Frisch Glück gehört haben wird.
  

Er ist ungefähr genauso groß, wie der einen knappen Kilometer östlich in Burkhardswalde. Der Schlußstein im vorderen Gewölbebogen ist leider stark verwittert und nicht mehr lesbar.
  

Etwas herangezoomt: Der Schlußstein über dem vorderen Gewölbebogen ist leider stark verwittert und die Inschrift heute nicht mehr zu entziffern.
  

Ein letzter Blick von oben zeigt uns, daß der Ofen einst von der Bergseite aus über die noch sichtbare Rampe beschickt wurde.
  

Auf dem weiteren Weg weiter talwärts passieren wir linkerhand die im Text mehrfach erwähnte „Alte Schäferei“ – ein mächtiger Vierseithof.
  

Am Ortseingang von NIedermunzig aus Richtung Burkhardswalde finden sich zwei Steinbrüche. Im östlichen wurde der hier ausstreichende Porphyrgang als Baumaterial gebrochen, das wir auch im Mauerwerk der Groitzscher Kalköfen gefunden haben.
  

Der Porphyr ist eigentlich rotviolett, weist aber eine ausgeprägte Bleichung (Kaolinisierung), gelegentlich auch Fluidaltexturen auf. Auf Kluftflächen finden sich schwarze, dendritische Manganoxidablagerungen.
  

Im westlichen Steinbruch steht bereits der Munziger Gneis an. Auf einer vielleicht mit Brauneisen vererzten Kluft ist hier (hinter dem Standort unseres mobilen Größenvergleichs) ein vermauertes Stollenmundlocoh zu finden, welches vermutlich zur Grube Frisch Glück gehört hat.
  

In der Ausmauerung ist ein Einflugloch unter der Stollnfirste über Hangschutt und Laub gerade noch zu sehen.
  

Wirklich weit hineinschauen kann man nicht - ist nur was für Fledermäuse...

   

Das fast verschüttete Mundloch war früher noch offen; die Strecke führte aber nicht weit in den Berg - maximal 15 m - wo eine Seitenstrecke nach links abzweigt, die ebenfalls nur wenige Meter lang war. Vermutlich handelte es sich nur um einen kleinen Versuchsstollen, der ohne Erfolge wieder liegengelassen wurde (Information von G. Mehler).

 

 

 

Miltitz

  

Wahlweise kann man von Munzig aus nun dem  Geopfad entlang des Triebischtals folgen oder man nimmt halt wieder den Wagen und fährt das Triebischtal abwärts bis Miltitz weiter. Kurz hinter der Furkert-Bartzsch- Mühle weist ein kleines Schild links der Straße auf die Durchfahrt unter dem Bahngleis zum Besucherbergwerk hin. Die Öffnungszeiten erfährt man unter  www.kalkbergwerk.de.

Wir beginnen unseren Rundgang in Miltitz übertage am Blauen Bruch.

  


Die Tagebaue bei Miltitz auf den hochauflösenden Reliefkarten vom Geoportal Sachsen: Oberhalb des östlichen Talgehänges (am rechten Bildrand) liegen die Sönitzer Kiesgruben.  
  


Das Bahngelände ist eingezäunt und man muß ein Stück in Richtung Roitzschen wandern, bevor man den Hang hinauf kraxeln kann. Dort haben wird die runde Betonplatte über dem einstigen „Schacht A2“ und Reste der Rampe der Haspelbahn entdeckt.
  


Auf halber Höhe des Haspelbergs sind auch noch einige Fundamente des Ständerwerkes der Jurisch’schen Hängeseilbahn im Wald zu finden. Oben auf der Hochfläche ist wieder Feld – dort wurden alle beseitigt.
  

Fast ganz oben stehen auch noch ein paar Mauerreste des einstigen Haspelmaschinen-Gebäudes. Von hier aus wurden die leeren Hunte vom Kalkwerk hinauf zum Blauen Bruch gezogen und die beladenen hinuntergelassen.
  

Von der Rampe, auf der die Hunte gezogen wurden, ist durch die späteren Umbauten allerdings nicht mehr viel zu sehen...  
  

Wir gehen mal davon aus, daß sich die Bruchmassen 100 Jahre nach dem großen Tagesbruch wieder hinreichend stabilisiert haben und uns tragen und schauen uns die Pinge und das Restloch dieses Tagebaus etwas näher an. Dieser Blick könnte der historischen Ansicht von 1916 nahekommen...

Zurück zum historischen Foto.
  


Ganz sicher sind wir uns aufgrund der von Hangschutt überrollten und stark verwachsenen Konturen aber nicht. Der Fotograf könnte auch diesen, ähnlich V-förmigen Einschnitt abgelichtet haben.
 

Am Nordostrand des Restlochs haben die Alten diese Kerbe zwischen Talhang und Tagebausohle angelegt.
  

Wir klettern den Hang wieder hinunter und werfen vom Eingang zum Besucherbergwerk aus...
  

...noch einen Blick auf das einstige Kessel- und Fördermaschinenhaus…
  

…und auf die 1834 von B. Cotta so eingehend beschriebene Klippe oberhalb des Tagesfallortes.

   

 

 

Untertage im Alten Kalkbergwerk Miltitz

  

Damit hätten wir unseren Rundgang Übertage komplettiert und wenden uns jetzt dem heutigen Besucherbergwerk zu.

Dem Alten Kalkbergwerk erging es nach der Stillegung nicht anders, als den schon besuchten Anlagen. Die Tagesanlagen wurden abgerissen und nur das Maschinenhaus der Förderanlage wurde als Wohnhaus weiter genutzt. Die folgenden Aufnahmen aus den Beständen des Bergarchives illustrieren die eher notdürftige Sicherung der Tagesöffnungen und den langsamen Verfall in den 1970er Jahren.

 


Der Zustand des westlichen Tagesfallortes zum Zeitpunkt der Erstellung der Bergschadenkundlichen Analyse in den 1970er Jahren
. Bildquelle: Sächsisches Staatsarchiv, Bergarchiv Freiberg, Bestand 40073-1, Nr. 028: Miltitz bei Meißen, Kalkbergwerk

    


Der Zustand des Tagesfallortes zum Zeitpunkt der Erstellung der Bergschadenkundlichen Analyse in den 1970er Jahren
. Bildquelle: Sächsisches Staatsarchiv, Bergarchiv Freiberg, Bestand 40073-1, Nr. 028: Miltitz bei Meißen, Kalkbergwerk

  


Der Zustand des Mundlochs des Adolph Stollns zum Zeitpunkt der Erstellung der Bergschadenkundlichen Analyse in den 1970er Jahren
. Bildquelle: Sächsisches Staatsarchiv, Bergarchiv Freiberg, Bestand 40073-1, Nr. 028: Miltitz bei Meißen, Kalkbergwerk

  

Bereits am 24.7.1953 fragte die Betriebsleitung das erste Mal bei der TBBI an, wie man sich verhalten solle; denn „in letzter Zeit mehren sich die Fälle, in denen Schülergruppen mit ihren Lehrern das Kalkwerk besichtigen wollen“. Die Bergbehörde stellte zwar Bedingungen hinsichtlich der Sicherheit, ließ es aber zu.

Es bestand folglich schon immer Interesse an den untertägigen Anlagen, zumal hier – nördlich des Erzgebirges – Schaubergwerke eher dünn gesät sind. Die damalige Gemeinde Triebischtal entschloß sich deshalb, die Bergwerksanlagen für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen und eröffnete im Juli 2000 das „Alte Kalkbergwerk“ als Besucherbergwerk.

Besonders die Konzertveranstaltungen sowie die Vorstellungen des Marionettentheaters untertage haben inzwischen viele Liebhaber gefunden. Daneben entwickelte sich das Alte Kalkbergwerk aber auch zu einem Treffpunkt der Höhlentaucher.

Im Jahr 2007 konnte ein modernes Empfangsgebäude übergeben werden.

  


Schematische Darstellung des Alten Kalkbergwerks in Miltitz um 1920. Die Haspelbahn zum Blauen Bruch hinauf haben wir der Übersichtlichkeit halber weggelassen. Vom Tagesfallort aus konnten die vollen Hunte über erhöhte Förderbahnen direkt bis zu den Beschickungsanlagen der Kalköfen geschoben werden.
Hier geht ein  Rückblick.

Von den damaligen Förder- und Ofenanlagen ist praktisch nichts erhalten geblieben, lediglich das Fördermaschinenhaus steht noch und wird heute durch die DB im Rahmen von Ausgleichsmaßnahmen als Fledermausquartier genutzt.

   


Schematische Darstellung des Alten Kalkbergwerks in Miltitz um 1935. Den Standort für die Brecher- und Verladeanlagen hatte K. Jurisch transportgünstig in der Nähe zur Landstraße und zum Bahnhof gewählt.
Hier geht ein  Rückblick.

Diese Anlagen wurden noch bis in die 1960er Jahre genutzt, danach aber ebenfalls komplett abgerissen.

   


An deren Stelle ist westlich der Zufahrt von der Talstraße aus ein Besucher- und Wanderparkplatz entstanden und östlich davon wurde 2006/2007 von der Gemeindeverwaltung (als Betreiber des Besucherbergwerkes) ein neues Empfangsgebäude für die Besucher errichtet. Die Befahrung für Besucher erfolgt über den Förderbremsberg bis zur 2. Sohle, ausgefahren wird gewöhnlich über den Adolph Stolln.

   


An der Talstraße zeigt uns ein Hinweisschild die Zufahrt zum Besucherbergwerk.
 

Im Jahr 2007 wurde das neue Besuchergebäude eingeweiht. Am linken Bildrand ist hinter dem ersten Häuschen gerade noch die Lage des ehemaligen Tagesfallortes unterhalb der Felsklippe zu erkennen.
  

Im modernen Wartebereich für die Besucher des Alten Kalkbergwerks wurde mit der Holzbauweise bergmännischer Türstockausbau nachempfunden (Aufnahme 2007).
   

Hier finden wir in der Vitrine auch die angeschliffenen Handstücke, die wir in unserem geologischen Kapitel schon von Nahem zeigen durften.
  

Dahinter bestanden bis zur Errichtung des neuen Empfangsgebäudes nur beschränkte Aufenthaltsmöglichkeiten unter einem kleinen Schutzdach direkt am Mundloch des Förderbremsberges.
 

Gleich rechterhand sieht man hier das Mundloch des Tagesfallortes.
  

Der Blick von oben durch das Gittertor hinunter bis zur Röschensohle (2. Sohle).
  

Den Zugang für die Besucher bildet der einstige Förderbremsberg, der im Fallen des Kalklagers zur 2. Sohle hinunter verläuft.
 

Die Abbaue beiderseits des Förderbremsbergs zwischen dem Niveau des Adolph Stollns, dem Förderbremsberg selbst und der Röschensohle sind heute weitgehend mit Abraum verfüllt.
  

Gegenüber unserem mobilen Größenmaßstabs sind die Dimensionen der Abbaukammern durchaus noch zu erkennen und man kann erahnen, wie eindrucksvoll die „100 Schritt lange Höhlung“ in den 1830er Jahren im Fackelschein ausgesehen haben mag. Die Pfeiler sind übrigens durchnummeriert: Im Bild die  Nr. 10.
  

Nur wenig oberhalb der 2. Sohle zweigt nach rechts der Röschenstolln ab.
  

Wir folgen dem üblichen Besucherrundgang und biegen ebenfalls zur Rösche ab. Rechts oberhalb unseres Fotos verläuft jetzt der Förderbremsberg.
  

Unter unseren Füßen liegt im Fallen des Kalklagers die Bruchmasse des Tagesbruchs von 1916 und bis zum Niveau der Rösche ist die Grube abgesoffen.
  

Jetzt stehen wir kurz vor dem Tagesfallort. Links am Streckenstoß ist die Wasserüberleitung für das Jahnbad verlegt.
 

Unterhalb liegt hier das komplett versetzte „Ostfeld“ in der Nähe der Bahngleise. Wir schauen von Untertage aus auf das Mundloch des Tagesfallortes…
 

…und bewundern die Reste der Elektrotechnik aus den 1920er Jahren.
 

Mehr oder weniger geradeaus führt der Röschenstolln weiter in Richtung Triebisch. Der erste Teil ist noch aus dem Fels herausgeschlagen. Hier dürfen Besucher normalerweise nicht hinein.
 

Daß wir der Tagesoberfläche näherkommen, sieht man am erforderlichen Ausbau im verwitterten Gestein.
  

Hinter diesem schönen Ziegelgewölbe auf Bruchsteinmauern wird es dann richtig eng und auch wir kehren hier um.
  

Zurück zum „normalen“ Rundgang: In der ehemaligen Pulverkammer ist heute ein Raum für Veranstaltungen eingerichtet.
  

In den Stößen können die Geologen wieder eingefaltete Schlieren Hornblendeschiefers entdecken.
  

Vor der Tür der Pulverkammer liegt die Attraktion dieses Besucherbergwerkes: Die große Weitung, die zwischen 1. und 2. Sohle und fast bis hinauf zum Niveau des Adolph Stollns durchgehauen ist und daher über 15 m lichte Höhe besitzt… Von dieser riesigen, pfeilergestüzten und dadurch einem Kirchenschiff nicht unähnlichen Weitung war bereits B. Cotta fasziniert.
  

Zunächst der Blick im Fallen des Lagers nach Nordwesten. Hier zieht die Firste des Gewölbes allmählich ein…
  

Der Mittelteil der riesigen Weitung...
  

…mit einer auffälligen „Brücke“ zwischen zwei Pfeilern – vielleicht ein Rest der Sohle des oberen Niveaus der 1. Sohle, der beim Schießen nicht mit abgegangen ist oder eine bewußt stehengelassene Schieferscholle.
 

Und der Blick nach Südwesten mit den höchsten Pfeilern. Die Aufnahmen gelingen nur dank der hier installierten Beleuchtung, unsere 500 Watt hätten zum Ausleuchten bei weitem nicht gelangt…
  

Um den Eindruck auf die Besucher noch zu erhöhen, wurde 2007 wechselnd farbige Beleuchtung eingebaut. (Bildquelle: Gemeinde Triebischtal, 2007)
  

Noch ein Blick rückwärts mit farbiger Beleuchtung. (Bildquelle: Gemeinde Triebischtal, 2007)
  

Das blaue und rote Lichtspiel gefällt uns auch ganz gut.
  

An der Nordseite gelangt man auf der Abraumhalde dann hinauf zum Adolph Stolln.
 

Auf der „Seebühne“ finden gelegentlich auch Konzerte oder Marionettentheaterspiele statt.
  

Wir entdecken hier außerdem dieses „Planschbecken“: Hier haben die Höhlentaucher ihren Startplatz.

 

 

 

Unterwasser im Alten Kalkbergwerk Miltitz

  

An dieser Stelle unterbrechen wir unsere Befahrung, da nämlich die wenigsten Besucher über Ausrüstung und Ausbildung verfügen dürften, um einen Tauchgang untertage im 8°C kalten Wasser wagen zu können. Weil rund vier Fünftel des Grubengebäudes aber heute abgesoffen sind, müssen wir an dieser Stelle die Hilfe der Höhlentaucher in Anspruch nehmen, um einige Impressionen vom heutigen Zustand der Sohlen unterhalb des Wasserspiegels zeigen zu können.

Die Aufnahmen wurden uns dankenswerterweise von Herrn F. Wieland zur Verfügung gestellt:  www.unterwasserfoto-und-story.de. Einem Tauchgang kann man auch hier folgen:
www.unterwasserwelt.de/html/hohlentauchen-_kalkbergwerk_in_miltitz_bei_meissen.html

  


Unterwasser im Alten Kalkbergwerk Miltitz... Höhlentauchen ist wahrlich nicht jedermanns Sache, erfordert akribische Vorbereitung und erlaubt faszinierende Eindrücke.
  

Mancherorts geht es auch ziemlich eng zu... Nichts für schwache Nerven!
   

Ein Fundstück: Das „Fahrgestell“ eines eisernen Huntes aus der letzten Betriebsperiode.
  

Wüßte man nicht, daß man hier bereits einige Meter unter Wasser ist, könnte man glatt denken, die Arbeiter kämen gleich zurück...
  

Ein Blick "von unten" auf die 1944 errichteten Fundamente für die geplanten Chemieanlagen.

 

Wer es auch einmal probieren möchte: Anmeldungen über www.tauchtreffdd.de. Das Wasser aus dem Bergwerk wird im Übrigen heute für das unweit liegende Jahnbad in Miltitz genutzt. Auch an heißen Sommertagen ist deshalb dort das Badewasser angenehm kühl und außerdem fast ohne Chemie auch algenfrei.

Wir rubbeln uns jetzt gedanklich wieder trocken und setzen unsere Besichtigung fort...

  


Wir kraxeln den gesicherten Klettersteig in Richtung Adolph Stolln jetzt hinauf…
  


…und entdecken unterwegs noch den Pfeiler Nummer 37 mit ausnahmsweise eingeschlagener Nummerierung und einer Jahrestafel von 1827.
  

Oben angekommen. Das Lager steigt an seiner Südflanke deutlich steiler empor.
  

An dieser Stelle können wir von unten auf die Abmauerung des verfüllten „Schachts D“ blicken.
   

Jetzt stehen wir im Adolph Stolln oberhalb der großen Weitung und fahren in Richtung Ortsbrust nach Westen.
  

Diese Ausmauerung auf einem kurzen Stollnabschnitt oberhalb der großen Weitung erregte unser Interesse, scheint hier doch ursprünglich eine Überwölbung vorgesehen oder sogar vorhanden gewesen zu sein, bevor man auch hier die Brauneisenvorkommen im Hangenden mit hereingewann. Deshalb beleuchten wir den Abschnitt noch einmal andersherum, um die schrägen Auflager für das Gewölbe gut sichtbar zu machen.
  

Ein paar Meter weiter steht der Stolln wieder ohne Ausbau im Anstehenden.
  

Das erlaubt uns interessante geologische Einblicke, u. a. auf diese mit ockerfarbenem, erdigem Brauneisenstein und  grauschwarzem, fast metallisch glänzendem Manganmulm ausgefüllte Kluftfläche…
  

… oder auf diese Kalkbrekzie im hier steil aufgerichteten Südostkontakt zwischen dem Kalkstein (links) und dem liegenden Hornblendeschiefer (rechts im Bild).
  

Das „reichlich cirkulierende Wasser“ hat im Kalkstein in den Stößen und in der Firste vielfach solche kleinen oder großen, rundpolierten Hohlformen hinterlassen.
  

Noch ein Stück weiter nach Westen hat man dann noch einmal einen kleinen Durchblick hinunter in die große Weitung.
   

Am Endpunkt des Stollens finden sich in extra angeleuchteten Höhlungen auch kleine Tropfsteine, wohl die kleinste Tropfsteinhöhle der Welt...
  

Auch wir nehmen jetzt den Weg nach Übertage...
  

Auf dem Weg hinaus entdecken wir noch ein paar alte Einritzungen…
  

...und diese Jahrestafel im Adolph Stolln (Aufnahme 2002).
 

Der östliche Abschnitt des Stollens verläuft unter alten, längst mit Abraum verschütteten Tagebauen und besitzt deshalb  eine schöne, ovale Ausmauerung.
  

Der letzte Abschnitt ist dann schnurgerade durch die alten Abbaue getrieben, so daß man hier im Bild schon wieder Tageslicht von vorn hat.
  

Ein Durchbruch im Mauerwerk verrät, daß auch oberhalb des Stollens noch Abbaue liegen, wurde der Stolln doch auch als „Winter-Abbaustrecke“ genutzt. Heute dienen sie Fledermäusen als Winterquartier.
  

Dann sind wir auch schon ausgefahren. Kleines Gruppenbild mit unserem freundlichen Bergführer zum Schluß.
  

Die Inschrift im Gewölbeschlußstein über dem Stollnmundloch erklärt sich nach dem Lesen unserer Kapitel zur Abbaugeschichte.
  

Daß die überhängende Klippe - wie schon von Cotta befürchtet - doch bis heute nicht eingestürzt ist, verdankt sich ziemlich mächtigen Beton- und Ziegelmauerpfeilern, die man von hier oben gut erkennen kann.
  

Vom Neuen Kalkwerk ist dagegen nichts erhalten geblieben. Durch den stillen Wiesengrund führt ein Wanderweg von Miltitz hinunter nach Roitzschen ins Triebischtal.

   


 Hier markiert nur das alte Pumpenhäuschen des Wasserwirtschaftsverbandes noch den Ansatzpunkt des Wiesenstollns. Das Areal ist als mögliches Bergschadensgebiet jedoch bis heute weitläufig eingezäunt.

  

Neben dem viel berühmteren Erzbergbau im Erzgebirge und seinem Vorland sind auch eine ganze Reihe von Zeugnissen der Steine-, Erden- und Bindemittelindustrie auf unsere Zeiten überkommen. Mit diesem recht ausführlichen geratenen Beitrag wollen wir an dieses Kapitel der Montangeschichte Sachsens erinnern.

Wer noch nicht genug gesehen hat, kann diese Wanderung Triebisch- aufwärts noch fortsetzen: Wir haben dazu einen weiteren Beitrag zu den Kalkwerken in Steinbach und Blankenstein zusammengestellt. 

Im Übrigen ist das Triebischtal ein noch wenig durch neuzeitliche Bebauung verschandeltes Wandergebiet und zu jeder Jahreszeit einen Ausflug wert...

Glück Auf!

J. B.

 

  

Zur Erinnerung an den Geologen, Heimatforscher und Publizisten Wolfgang Schanze (*1938, †2015), der sich um die Erforschung und Bewahrung der Geologie und der regionalen Montangeschichte im Triebischtal bleibende Verdienste erworben hat, wurde am 16. September 2017 am Geopfad in Miltitz ein Gedenkstein im Beisein der Witwe und weiterer Familienangehöriger enthüllt. Der Findling aus skandinavischem Granit stammt aus der Kiesgrube im benachbarten Sönitz.

 



 

Quellenauswahl

  

Wer selbst einmal in Originalquellen blättern will, oder uns auch durch weitere Hinweise unterstützen kann, für den im Folgenden eine Auswahl der von uns schon ermittelten Quellen. Wir würden uns darüber hinaus sehr freuen, wenn sich unsere Leser an uns wenden, falls sie weiteres historisches Bildmaterial finden.

  

Allgemeine Quellen  

  1. klipphausen.de

  2. kalkbergwerk.de

  3. untertage.com

  4. unterwasserfoto-und-story.de, tauchtreffdd.de

  5. wikipedia.de

  6. mineralienatlas.de

  7. zeno.org (Lexika)

  8. books.google.de, u. a.:
    - J. H. Jung: Versuch eines Lehrbuchs der Fabrikwissenschaft, Nürnberg, 1785
    - C. N. Kersten, Uebersicht der Versuche und Erfahrungen bei Einführung der Kalkmergelsohlen bei dem Abtreibeprozeß, auf den Königl. Freyberger Hütten, vom Jahre 1815 bis 1831, in: Archiv für Mineralogie, Geognosie, Bergbau und Hüttenkunde, Hrsgbr. C. J. B. Karsten, Band 5, Berlin, 1832
    - F. J. Otto: Lehrbuch der rationellen Praxis der landwirthschaftlichen Gewerbe, Braunschweig, 1840
    - A. Schiffner: Beschreibung von Sachsen und der Ernestinischen, Reußischen und Schwarzburgischen Lande, 2. Auflage, Verlag von H. H. Grimm, Dresden, 1845
    - P. Loeff, Entwürfe zum Bau von Kalk-, Cement-, Gyps- und Ziegelbrennereien,... nach practischen Erfahrungen entworfen, gezeichnet und beschrieben, Leipzig, 1873

  9. wikisource.org, gallica.bnf.fr, u. a.:
    Sir Benjamin Thompson Graf Rumford: Beiträge zur Lehre von der Wärme in physikalischer und ökonomischer Rücksicht, darin: 10. Ein immer brennender Kalkofen, in: L. W. Gilbert: Annalen der Physik, Band 4, Halle, 1800, S. 222ff

  10. Kalender für den Berg- und Hüttenmann bzw. Jahrbücher für das Bergwesen in Sachsen, Onlineausgaben der Bibliothek der TU BAF, 1827-1938

  11. Bergwerksverzeichnisse, Onlineausgaben der TU BAF, 1939-1942

  12. Kühn, Oberbergrath: Ueber die Einrichtung und den Betrieb der konischen Schacht- oder sogenannten Rumfordschen Kalköfen in den Königl. Kalksteinbrüchen zu Rüdersdorf bei Berlin, in: C. J. B. Karsten: Archiv für Mineralogie, Geognosie, Bergbau und Hüttenkunde, Band 10, Berlin, 1837, S. 645ff

  13. C. F. Schulze: Nachricht von den in der dreßdnischen Gegend vorhandenen Mineralien und Foßilien, in: Neues Hamburgisches Magazin oder gesammlete Schriften aus der Naturforschung der allgemeinen Stadt- und Land- Oekonomie und den angenehmen Wissenschaften überhaupt, Hrsg.: Hermann Heinrich Holle, Hamburg und Leipzig, im Verlag bey Adam Heinrich Hollens Witwe, Nr. 6, Dreyunddreyßigstes Stück, 1769, u. a. S. 211f

  14. Brief Bernhard Cotta`s an den Geheimrath Dr. v. Leonhard (Heidenheim), in: Jahrbuch für Mineralogie, Geognosie, Geologie und Petrefaktenkunde, Stuttgart, Jahrg. 1834, Bibliothek der TU BAF

  15. Sächsisches Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (Herausgeber): Marmor im Erzgebirge, in: Bergbau in Sachsen, Band 16 der Bergbaumonographie, Dresden, 2010

  16. Deutsche Fotothek, u. a. :
    - Geologische Karten:
    Blatt No. 48: Section Meißen, geologische Bearbeitung bis 1927 durch R. Reimisch und Blatt No. 64: Section Tannenberg- Deutschenbora, bearbeitet 1914-1916 durch K. Pietzsch.
    - Meilenblätter von Sachsen:
    Hier: Berliner Exemplar, aufgenommen vom Sächs. Ing.-Korps 1780-1806 unter Ltg. von Friedrich Ludwig Aster, Blatt 185: Krögis, Heynitz, Miltiz, Polenz, Garsebach, Löthain und Blatt 209: Taubenheim, Burkhardswalde-Munzig, Schmiedewalde, Limbach, Sora, sowie
    Freiberger Exemplar, Blatt 198: Taubenheim, Grundaufnahme 1786, Nachträge bis 1876 und Blatt 171: Krögis, Grundaufnahme 1800, Nachträge bis 1876 sowie
    Dresdner Exemplar, Blatt 250: Taubenheim, Handzeichnung, 1786, Nachträge und Ergänzungen bis in das letzte Viertel des 19. Jahrhunderts und Blatt 224: Krögis, 1800.
    - Topographische Karten / Äquidistantenkarten, zuerst bearbeitet im topographischen Bureau des Königlichen Generalstabes, Ausgabe von 1881, Abteilung für Landesaufnahme des sächs. Generalstabes, Reichsamt für Landesaufnahme, zuletzt Landesaufnahme Sachsen. Blatt 64: Deutschenbora (Section Tannenberg) und Blatt 48: Meißen, Ausgaben von 1911, 1922, 1939 und 1944,
    -
    Petrus Albinus: Meißnische Bergk Chronica, Dresden, 1590, darin „XXI. Tittel: Von Marmoren und andern denselben verwandten Steinen im Lande zu Meyssen.“ (Digitalisat)
    - B. Cotta: Geognostische Wanderungen I. Geognostische Beschreibung der Gegend von Tharandt, Arnoldische Buchhandlung Dresden und Leipzig, 1836 (Digitalisat)

    - G. Wunder, A. Herbrig und A. Eulitz: Der Kalkwerksbetrieb Sachsens und die Ursachen der verschiedenen Kalkpreise in Sachsen, Verlag W. Engelmann Leipzig, 1867 (Digitalisat)

  17. E. Gürtler: Das Tharandter Kalklager, unveröffentlicht, 2006 (Digitalisat, SLUB)

  18. W. Schanze: Vom frühen Kalkabbau im Triebischtal, mehrteilige Fortsetzungsreihe in: Triebischtal-Bote, Hrsg. Gemeinde Triebischtal, 1994 - 2003.

  19. W. Schanze: Längst ist die letzte Schicht gefahren - Altbergbau zwischen Triebisch- und Elbtal, Hrsg. Gemeinde Klipphausen, 2013.

  20. R. Müller: Die Hölle im "Alten Kalkwerk" von Miltitz bei Meißen, in: Rundbrief 04/2001, Hrsg. Kreisverband Meißen der VVN-BdA e.V.


    Sächsisches Staatsarchiv, Hauptstaatsarchiv Dresden
     

  21. Bestand 10050 (Amt Frauenstein), Nr. 1647: Kauf eines Feldes des Hufengutes von Johann Gottlieb Schmutzler in Hermsdorf für die dortige Amtskalkbrennerei , dat. 1816-1826

  22. Bestand 10168 (Grundherrschaft Burgk), Nr. 0166: Disziplinarangelegenheiten, enthält u. a.: Klage des Schreibers Schmutzler gegen den Baron von Burgk auf Zahlung rückständigen Schreiberlohnes vor dem Justizamt Dresden und Entlassung desselben wegen dieser Klage, 1846, Akte insgesamt dat. 1840-1867

  23. Bestand 10036 (Finanzarchiv), Loc. 32349, Rep. 33, Spec. Nr. 6904: Klage des Advokaten Hermann Canzler in Dippoldiswalde als Vertreter des Staatsfiskus gegen den Gutsbesitzer und Kalkwerksverwalter Christian Gottlieb Schmutzler in Hermsdorf wegen des durch den Beklagten dem Staatsfiskus abgesprochenen Rechtes zur Nutzung eines Abschnittes des Flügelweges in der Hermsdorfer Flur zur Abfuhr von Forstprodukten aus dem Nassauer Forstrevier, dat. 1879

  24. Ebenda, Loc. 39270, Rep. 33, Spec. Nr. 7887: Eugen, Georg, Alexander und Arthur, Gebrüder Gruhle in Munzig gegen den Staatsfiskus als Eigentümer des Rothschönberger Stollens wegen Schadensansprüchen auf Grund der Verunreinigung des Triebisch durch den Abfluss der Grubenwasser aus dem Rothschönberger Stollen, dat. 1886-1889

  25. Bestand 10079 (Landesregierung), Loc. 12141/02: Generalakten zu Justizsachen im Meißener Kreis, dat. 1792, enthält u. a.: geplante Errichtung eines Brennofens beim zum Schenkgut in Taubenheim gehörenden Kalksteinbruch, Bl. 81a - 161b

  26. Bestand 10057 (Kreisamt Meißen), Nr. 2050: Versteigerung des Rittergutes Taubenheim wegen der Schulden der Besitzerin Johanna Wilhelmine Tauchnitz, geb. Kees, dat. 1835-1836, Enthält u. a.: Zuschlag an Karl Gottlob Töpolt aus Schletta

  27. Ebenda, Nr. 1317: Pachtgeld- und Schuldforderungen von Johann Gottlob Töpolt aus Schletta an den Nachlass seines Sohnes Karl Gottlob Töpolt auf Taubenheim , dat. 1847-1851, Enthält u. a.: Pachtvertrag zwischen Johann Gottlieb Töpolt und seinem Sohn Karl Gottlob Töpolt über ein Landrichtergut in Schletta vom 1.10.1847

  28. Ebenda, Nr. 2057: Pachtvertrag zwischen Johann Gottlob Töpolt aus Schletta als Vormund der minderjährigen Carl Rudolph, Anna Louise, Friedrich Max und Carl Otto Töpolt und Leberecht Ernst Dietze aus Taubenheim über das dortige Rittergut, ein Dreihufengut in Birkenhain und einen Kalkbruch in Burkhardswalde vom 11. Juli 1851 (Duplikat)

  29. Ebenda, Nr. 1324, 1325 und 1326: Bewirtschaftung des Rittergutes Taubenheim mit Ziegelei und Kalkwerk in Burkardswalde aus dem Nachlaß von Karl Gottlob Töpolt, dat. 1848, 1850-1851

  30. Bestand 10145 (Grundherrschaft Bieberstein), Nr. 271: Johann Gotthold Ulbricht, Erbrichter in Hohentanne, gegen Karl Gottlob Ranft, Viertelhüfner in Hohentanne, wegen rückständiger Abgaben, dat. 1831-1832

  31. Ebenda, Nr. 282: Beschwerde von Carl Gottlob Ranft und anderen in Hohentanne wegen der Frondienste, dat. 1831-1832

  32. Bestand 10527 (Grundherrschaft Rothschönberg), u. a. Nr. 301 und 302: Abbau von Kalkstein auf dem Halbhufengut von Dietze in Schmiedewalde und Grenzstreitigkeiten der benachbarten Grundstücksbesitzer; Streitigkeiten zwischen Carl Gottlob Ranft und Johann Adolph Schubert in Schmiedewalde wegen Abbaus von Kalkstein auf dem dortigen Halbhufengut von Dietze, dat. 1816-1847

  33. Ebenda, Nr. 252: Beschwerden über Johann Georg Ranft, ehemaliger Dorfrichter in Blankenstein, wegen seiner Amtsführung, dat. 1813-1815

  34. Bestand 10168 (Grundherrschaft Burgk), Nr. 2429: Grund- und Saigerriß der Eisensteingruben in Groitzsch und Schmiedewalde, dat. 1832

  35. Bestand 10396 (Grundherrschaft Munzig), Bestandserläuterungen

  36. Ebenda, Nr.168: Kalkbruch und Kalkofen in Burkhardtswalde, dat. 1838

  37. Ebenda, Nr. 169: Umbau des Kalkofens beim Munzig, dat. 1851

  38. Ebenda, Nr. 170: Nutzung der Kalkbrüche bei Munzig, dat. 1858

  39. Bestand 10384 (Grundherrschaft Miltitz), Nr. 114: Wirtschaftliche Berichte der Verwalter des Rittergutes und des Kalkwerkes, dat. 1854, 1862, 1865

  40. Ebenda, Nr. 211: Akzisefixum wegen neuerrichteten Kalkbruchs, dat. 1782

  41. Ebenda, Nr. 205: Verpachtung des Kalkbruchs, dat. 1788-1810

  42. Ebenda: Nr. 212: Übernahme des Kalkbruchs in eigene Verwaltung, dat. 1811-1817

  43. Ebenda, Nr. 214 bis 219: Betrieb und Rechnungen des Kalkbruchs, dat. 1780-1893

  44. Bestand 10256 (Grundherrschaft Groitzsch bei Meißen)

  45. Bestand 10590 (Grundherrschaft Taubenheim bei Meißen)

  46. Bestand 10588 (Grundherrschaft Tanneberg), Nr. 042: Grundstückstausch zwischen Rudolph Christoph von Schönberg auf Tanneberg und der dortigen Schule wegen Anlegung eines Kalksteinbruchs, dat. 1789


    Bergarchiv Freiberg
     

  47. Bestand 40001 (Oberbergamt Freiberg), Nr. 0856: Schadensanspruch von Franz Emil Ranft, Kalkwerksbesitzer in Schmiedewalde, gegen das Gräflich Einsiedelsche Eisenwerk als Besitzer des Berggebäudes Lohse Fundgrube Schmiedewalde, dat. 1807 

  48. Ebenda, Nr. 2976: Acta, die Kalksteinlager samt was dem anhängig betreffend, dat. 1864-1868

  49. Bestand 40003 (Geognostische Gang- und Landesuntersuchungskommission), Nr. 250: Über die Gebirgs- und Gangverhältnisse der Gegend von Munzig, dat. 1851

  50. Bestand 40010 (Bergamt Freiberg), Nr. 3167: Zu den kommissarischen Erörterungen über die stärkere Erhebung des Freiberger Silberbergbaus angeforderte Gutachten über Gruben, enthält u. a. Eisensteinzechen des Grafen von Einsiedel und des Barons von Burgk, dat. 1838

  51. Ebenda, Nr. 2577: Dienstadministrationes und andere Sachen über die keine besonderen Akten geführt werden, dat. 1847-1856, darin u. a.: Kalkschacht des Brauschänkengutsbesitzers Jahn zu Blankenstein, Stolln bei dem Kalksteinbruch in Burkhardswalde.

  52. Bestand 40006 (Bergamt Altenberg), Nr. 1871: Gesuch des Barons von Burgk um Fristankündigung für die rechts der Elbe gelegenen Raseneisenerzvorkommen, mit denen der Graf von Einsiedel für sein Hammerwerk Gröditz belehnt ist, und Mutung derselben für das Burgk´sche Hammerwerk Lauchhammer (seit 1815 zu Preußen gehörig), dat. 1840-1843

  53. Bestand 40040 (Fiskalische Risse zum Erzbergbau), Nr. H02330: Moritz Fdgr. bei Schmiedewalde, dat. 1833

  54. Ebenda, Nr. B2331: Geviert Feld auf den Eisensteinzechen Graf Karl bei Burkhardswalde, Lohse Gevierte Fundgrube bei Schmiedewalde und Gute Hoffnung Fundgrube bei Groitzsch (Burkhardswalde), dat. 1837

  55. Ebenda, Nr. K2333: Gute Hoffnung Fundgrube bei Groitzsch (Burkhardswalde), dat. 1851-1862

  56. Ebenda, Nr. K2334: Lohse Gevierte Fundgrube bei Schmiedewalde, dat. 1851-1861

  57. Ebenda, Nr. I2336: Lohse Fundgrube bei Schmiedewalde, dat. 1866

  58. Bestand 40003 (Geologische Landesuntersuchung), Nr. 250: Gebirgsverhältnisse in der Gegend um Munzig, dat. 1851

  59. Ebenda, Nr. 295: Eisensteinablagerungen um Schmiedewalde und Burkhardtswalde, dat. 1862

  60. Bestand 40026 (Administration des fiskalischen Rothschönberger Stollns), Nr. 146: Klage des Rittergutsbesitzers Arthur Gruhle aus Munzig gegen den Staatsfiskus wegen Fischereischäden durch den Rothschönberger Stolln , dat. 1886

  61. Bestand 40036 (Deponierte Risse zum Erzbergbau), Nr. K11891: Grubenfeld der Eisensteinzeche Graf Karl Fundgrube bei Schmiedewalde (Burkhardswalde), dat. 1869-1872

  62. Bestand 40024 (Landesbergamt Freiberg, Gewerbliche Gruben), Nr. 12-355/1: Robschütz und Miltitz bei Meißen, Entschädigungen der Rittergutsbesitzer Klopfer zu Robschütz und von Heynitz zu Miltitz wegen Entziehung der Kalksteinnutzung durch den Bau der Borsdorf- Meißner Eisenbahn, dat. 1867-1869

  63. Bestand 40174 (Grubenakten des Bergreviers Freiberg), Nr. 898: Adolf bei Miltitz, dat. 1874-1888

  64. Ebenda, Nr. 1401: Friedrich August Erbstolln in Reichenau samt Friedrich Christoph Erbstolln bei Frauenstein, dat. 1847-1854, darin u. a.: Abschrift des Kaufvertrages zwischen dem Kalkbrenner Johann Gottlieb Schmutzler und dem Fiskus über das Grundstück des Kalksteinbruches Hermsdorf von 1816

  65. Ebenda, Nr. 1273: Graf Karl Fundgrube bei Burkhardswalde, dat. 1866-1907

  66. Bestand 40040 (Fiskalische Risse zum Erzbergbau), Nr. B1143: Croquis über Adolphstolln zu Miltitz, dat 1874

  67. Bestand 40044 (Generalrisse), Nr. 7-I0382: Kobitzsch, Gallschütz, Kottewitz, Munzig, Heynitz, dat. 1874-1888

  68. Bestand 40044 (Generalrisse), Nr. 1-I17625: Kalkwerk Miltitz; altes Kalklager, dat. 1924

  69. Bestand 40024 (Landesbergamt Freiberg, Gewerbliche Gruben), Nr. 12-017: Acta der Kgl. Amtshauptmannschaft Meißen, die Überwachung des Kalkwerkbetriebes betreffend, dat. 1876-1899

  70. Ebenda, Nr. 12-452: Steinbrüche im Bezirk der Amtshauptmannschaft Meißen, dat. 1890-1899

  71. Ebenda, Nr. 12-007: Acten, außer Betrieb befindliche unterirdische Gruben und Brüche sowie Schachtverwahrungen im Allgemeinen betreffend, dat. 1900-1912

  72. Ebenda, Nr. 12-291 und 12-292: Miltitz, Kalkwerk des Rittergutsbesitzers Georg Adolf von Heynitz, dat. 1891-1908 und 1908-1923

  73. Ebenda, Nr. 12-134: Acten, Betriebsangelegenheiten bei dem Kalkwerk Groitzsch betreffend, dat. 1892-1931

  74. Ebenda, Nr. 12-294: Miltitz, Kalkwerk des Herrn Karl Jurich vorher des Rittergutsbesitzers Georg Adolf von Heynitz, dat. 1901-1930

  75. Ebenda, Nr. 12-360: Schneiders Kalkwerk zu Miltitz, dat. 1916-1922

  76. Bestand 40050 (Bergamt Dresden mit Vorgängern), Nr. 056: Schneiders Kalkwerk in Roitzschen, dat. 1916-1920

  77. Bestand 40024 (Landesbergamt Freiberg, Gewerbliche Gruben), Nr. 12-010: Unterirdische gewerbliche Gruben im Allgemeinen, enthält u. a.: Neugliederung der Steinbruchgenossenschaft, Wiederaufnahme der Kalkgewinnung in Schmiedewalde

  78. Bestand 40030 (Oberbergamt, Lagerstättenforschungsstelle), Nr.: 1-1076: Miltitz / Roitzschen im Triebischtal zwischen Meißen und Nossen, Kalkvorkommen und Kalkwerk, dat. 1925, 1934-1948 

  79. Ebenda, Nr. 2-H24261: Kalkbruch Schmiedewalde, undat.

  80. Ebenda, Nr. 1-1077: Schmiedewalde im Landkreis Meißen, Kalkvorkommen im Triebischtal, enthält u. a.: Gutachten von Prof. Dr. Gallwitz, dat. 1936-1937

  81. Bestand 40037 (Deponierte Risse der Steine- und Erdenindustrie), Nr. 1-I17625: Generalriss Kalkwerk Miltitz, Altes Kalklager, dat. 1924

  82. Ebenda, Nr. 1-I22927: Kalkwerk Miltitz, Hauptgrundriss, dat. 1944

  83. Ebenda, Nr. 1-C22928: Molch 3 und 4 (U-Verlagerung der Benzindestillation der I.G. Farben Auschwitz in das Kalkwerk Miltitz), dat. 1945

  84. Ebenda, Nr. 2-32: Kalkwerk Groitzsch der Kalkbergwerk Groitzsch-Schmiedewalde Ulbricht & Korb KG; Handrisse und Entwürfe, dat. 1950-1954

  85. Bestand 40069 (Bergbehörde Freiberg), Nr. 597-600: VEB Kalkwerk Groitzsch, Werksakte, dat. 1947-1959

  86. Ebenda, Nr. 395-1: Kalkwerk Miltitz GmbH, dat 1944-1946

  87. Ebenda, Nr. 395-2 bis 395-3: und VEB Meißner Kalkwerke zu Miltitz, dat. 1946-1959

  88. Ebenda, Nr. 396: Betriebsabteilung 6, Stahl-und Walzwerk Riesa, dat. 1960-1966

  89. Ebenda, Nr. 1-K22988: VEB Stahl- und Walzwerk Riesa, Betriebsabteilung Kalkwerk Miltitz, Hauptgrundriss 1., 2. und 3. Sohle, dat. 1957-1963

  90. Ebenda, Nr. 1-I22994: Kalkwerk Miltitz, Sicherheitspfeiler zur Sicherung der Reichsbahngleise der Linie Dresden - Döbeln - Leipzig südlich des Bahnhof Millitz - Roitzschen bei km 86,0 - 86,3, dat. 1960

  91. Ebenda, Nr. 1-I22952: Groitzsch bei Wilsdruff; Kalkbergwerk Groitzsch, 1.-4. Sohle

  92. Ebenda, Nr. 1-I22951: Groitzsch bei Wilsdruff; Kalkbergwerk Groitzsch, 1.-3. u. 5. Sohle

  93. Bestand 40064 (Technisches Büro des Bergbaus und der Brennstoffindustrie des Landes Sachsen), Nr. 1-0652: Kalkwerk Miltitz GmbH, dat. 1946-1948

  94. Bestand 40131 (VEB GFE und Vorgänger), Nr. 1-0073: Groitzsch und Schmiedewalde, bei Meißen, Kalkvorkommen, dat. 1953 

  95. Bestand 40073 (Bergschadenkundliche Analysen), Nr. 1-028: Miltitz bei Meißen, Kalkbergwerk, dat. 1974-1975, zugehörige Risse: 40073-2, Nr. 755-757

  96. Ebenda, Nr. 1-116: Groitzsch bei Klipphausen, Landkreis Meißen in Sachsen, Kalkwerk Groitzsch, dat. 1973-1977, zugehörige Risse: 40073-2, Nr. 2939-2943  

  97. Ebenda, Nr. 1-065: Kalk- u. Eisensteinabbau in den Kreisen Meißen, Freital und Freiberg (Messtischblatt Mohorn Nr. 4946), dat. 1975-1977, zugehörige Risse: 40073-2, Nr. 1553-1565

  98. Bestand 40028 (Oberbergamt, Bergwirtschaftsstelle), Nr. 3-1085: Fotos von Anlagen der Kalksteinindustrie, Miltitz- Roitzschen, Kalkwerk, 13 x 18 cm, undatiert

  99. Ebenda, Nr. 3-1091: Miltitz- Roitzschen, Kalkbruch, 13 x 18 cm, undatiert

  100. Ebenda, Nr. 3-3155: Miltitz, Übersichtsaufnahmen von Anlagen des Kalkwerkes,
    Format: 7 cm x 9 cm Foto mit Begleittext, undatiert

  101. Bestand 40176 (Sammlungen des Bergarchivs), Nr. 014: Fotografien vom Kalkbergwerk Miltitz / Westfeld (ortsüblich Neues Kalkwerk genannt), dat. 1926  


    Landesarchiv Sachsen-Anhalt
     

  102. Bestand H 60 (Gutsarchiv Dröschkau), Nr. 60: Vertrag zwischen Karl Heinrich Ludwig von Heynitz, Christian Gottlob Adolph von Heynitz und Friedrich Karl Gottlieb Benno über die Erhöhung der Annahmepreise, dat. 1812, 1823