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Zum
Kaolin- und Tonbergbau im Revier Seilitz ‒ Mehren ‒ Löthain
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Inhaltsverzeichnis
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Vorbemerkungen
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Erstes Material für diesen Beitrag haben wir schon ab 2018 gesammelt; vertiefende Recherchen 2024 begonnen. Wenn auch das gesamte Revier im Titel dieses Beitrages steht und es auch gar nicht möglich ist, nur das eine oder nur das andere zu behandeln, so konzentrieren wir uns doch im Folgenden thematisch auf die Kaolingewinnung und regional auf den Raum Seilitz. Wir bedanken uns für die Unterstützung bei der Erstellung dieses Beitrages insbesondere:
Der Beitrag ist bei uns online seit Mai
2026, letzte Ergänzungen zum Text erfolgten im
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Zur Lage und regionalen Geschichte
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Lage und
Topographie des betrachteten Gebietes
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Wieder einmal sind wir außerhalb der
,Montanregion Erzgebirge', in einer Region unterwegs, die eigentlich erst mit
der Geognostischen Landesuntersuchung ‒ mit ausgelöst durch die Abnahme der
wirtschaftlichen Bedeutung des Erzbergbaus gegenüber anderen Rohstoffen ‒ das
Interesse der Geologen fand. Unsere Recherchen führten uns in den Kreis
Meißen ‒ mit der Albrechtsburg hoch über dem Elbübergang nicht nur der
historische Ausgangspunkt der Entwicklung unseres kleinen Freistaats, sondern
eben auch dies eine Bergbauregion. Wir interessieren uns in diesem Beitrag aber nicht
für den Silbererz- Bergbau bei Scharfenberg, unweit südlich von Meißen, sondern
für die Ton- und Kaolin- Vorkommen westlich von Meißen, die bis heute eine
Grundlage für den Betrieb der Staatlichen Sächsischen Porzellan- Manufaktur zu
Meißen bilden.
Nebenbei bemerkt, haben wir doch einen der ,Porzellan-
Inspektoren', nämlich den Herrn Friedrich Gottlob Auenmüller, nach
seiner Entlassung aus den Diensten der Porzellanmanufaktur 1764, in Zusammenhang
mit dem Kalksteinabbau in
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Landschaftlich befinden wir uns im
östlichsten Teil des Mittelsächsischen Lößhügellandes, einer flachwelligen
Hochfläche, in welche hier die linkselbischen Elbzuflüsse ihre Täler geschnitten
haben, die um so steiler und tiefer werden, je näher sie der Elbe kommen.
Abgesehen von den Steilhängen am Elbtal weist diese Hochfläche zwar kaum
exponierte Hochpunkte, jedoch an einigen Stellen und bei klarer Sicht eine weite
Aussicht in das flache Vorland bis zum Collm bei Oschatz im Westen und bis zu den Kamenz'er Bergen im
Osten auf.
Die uns hier interessierenden Bergwerke liegen zwischen dem Tal der Großen Triebisch im Süden und dem des Ketzerbachs im Norden und konzentrieren sich innerhalb dieser Fläche in einem Streifen zwischen Löthain im Süden und Seilitz im Norden.
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Der Lößboden ist sehr fruchtbar und so
verwundert es nicht, daß die Region zwischen Lommatzsch im Nordwesten und Meißen
im Südosten zum Altsiedelland gehört, wo schon vor der slawischen Besiedlung ab
dem 6. Jahrhundert n. Chr. offene Landschaften bestanden haben, die bis heute
vorwiegend landwirtschaftlich genutzt werden. Die Landschaft ist bis heute durch
kleine, verstreute Dörfchen und einzeln gelegene Bauernhöfe geprägt. Leider
werden viele Höfe heute nicht mehr bewirtschaftet und drohen zu verfallen.
Einzelne Werkzeugfunde belegen die Anwesenheit von Menschen in der Meißener Region schon in der jüngeren Steinzeit, bandkeramische Funde gab es u. a. bei Schieritz, Pröda und Seilitz (aus der Zeit vor 2300 v. Chr.). Eine Grabstätte aus der älteren Bronzezeit (ab 1700 v. Chr.) wurde bei Zehren gefunden. Im August 1910 fand man bei Umbauten des Domchores auf dem Burgberg eine Herdgrube aus der jüngeren Bronzezeit. Brandgräber aus der vorrömischen Eisenzeit fand man 1926 in den heutigen Stadtteilen Cölln und Zaschendorf in Meißen. Aus der Zeit der germanischen Besiedlung (400 vor bis 600 n. Chr.) liegen bis auf einen Münzfund auf der Bosel, welcher in die späte römische Kaiserzeit (348 n. Chr.) zu datieren ist (Bierbaum, 1928), dann schon keine archäologischen Belege für eine dauerhafte Besiedlung im Meißener Raum mehr vor (Bierbaum, 1929). Im Anschluß an die Völkerwanderungszeit
stießen ab 600 n. Chr. von Osten her slawische Völker in das von den Germanen
offenbar ganz verlassene Gebiet vor. Die Geschichtsschreibung nennt verschiedene
Namen für diese Völker, etwa „Sorben- Wenden“. Sie übernahmen die fruchtbaren
Lößflächen im Vorland, ohne in größerem Umfange neue Waldgebiete zu roden. Auch
zu einer Staatsbildung – wie im benachbarten Böhmen – ist es hier nicht
gekommen, die Slawen organisierten ihr Zusammenleben in einfacher Weise in Gauen
bzw. Supanien unter dem Vorstand eines Ältesten. Anlässlich eines Feldzuges
Karls des Jüngeren (*772, †811) wird im Meißener Raum erstmals im Jahr 805 n.
Chr. der „Gau Daleminzi“ oder (altslawisch) „Glumaci“ erwähnt, nach welchem die
hier ansässig gewordenen Slawen auch als Daleminzier benannt wurden. Keramikfunde aus
dieser Zeit wurden 1910 auch bei Fußbodenarbeiten im Chor des Meißener Domes
gemacht, was belegt, daß auch die Slawen die trutzige Lage des Burgberges schon
genutzt haben (Schmidt, 1929). Mehrere weitere
Bekanntlich brach schließlich Heinrich, I. (*876, †936), König des Ostfrankenreichs, im Winter 928 n. Chr. zu seinem Feldzug nach Osten auf, um die inzwischen slawisch besiedelten Gebiete für das Frankenreich zu gewinnen. Der Geschichtsschreibung nach wandte er sich zuerst nach Brandenburg, um danach elbaufwärts vorzustoßen, wo er 929 den Burgberg Gahna – über dessen genaue Lage sich die Gelehrten aber bis heute streiten – und anschließend Lommatzsch einnahm und schließlich beim heutigen Meißen wieder bis an die Elbe vorstieß. Hier auf dem Felssporn über dem Elbeübergang wurde dann die Burg mit dem alten Namen „Misna“ begründet. Die nachfolgende Ansiedlung deutscher Bauern erfolgte wahrscheinlich zunächst nur allmählich, wobei die vorhandene, slawische Bevölkerung nicht gänzlich unterworfen und ausgelöscht; nur verdrängt und assimiliert worden ist. Doppelorte, wie Deutschenbora und Wendischbora, zeugen noch heute von diesem Übergang. In der darauffolgenden Zeit wurde die Burg an der Elbe zunächst nicht mehr erwähnt ‒ ging also vermutlich wieder verloren. Urkundlich faßbar wird Meißen erst wieder im Jahr 968, als Otto, I. (*912, †973, seit 962 Kaiser des Heiligen Römischen Reiches) das Erzbistum Magdeburg und als dessen Suffragane die Bistümer Merseburg, Zeitz und Meißen stiftete.
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Ausgesprochen lobend beschrieb A. Schumann im Band 6 seines Vollständigen Staats-, Post- und Zeitungslexikons, nur wenige Jahre nach dem Wiener Kongreß erschienen im Jahr 1819, Landschaft und Bewohner des Meißen'er Kreises. Im Abschnitt ,Boden und Producte‘ (S. 280f) liest man: „Der Boden und das Klima dieses Kreises sind dem Land- und Gartenbau so günstig, daß man, zumal bei der bekannten Betriebsamkeit der Einwohner, wohl nirgends in Sachsen Gegenden finden dürfte, welche den größern Theil des meißnischen Kreises hinsichtlich der Fruchtbarkeit und Kultur überträfen. Die Zahl der Lehden und wüsten Baustellen auf dem Lande hat mit jedem Jahre sich vermindert, in jedem Jahre werden viel neue Gebäude errichtet und bei der jetzigen Wohlhabenheit und Baulust der Landleute, bei der stets sich mehrenden Volksmenge und der Aufmunterung, durch Prämien von Seiten der Regierung läßt sich vermuthen, daß ungeachtet des traurigen Jahrs 1813 in kurzer Zeit alle Wüstungen und Lehden verschwinden werden... Die üppigste Getreidegegend ist unter Meißen, bei Lommatzsch, auf der linken Seite der Elbe. Schon Bischof Benno, der im 12. Jahrhundert lebte, soll sie für ,des Landes Myssen große Korntenne‘ erklärt haben. Die Lommatzscher Pflege ist in unserm Lexikon unter einem eignen Artikel beschrieben...“ Weiter findet man im Abschnitt ,Größe und Landebeschaffenheit‘ (S. 277ff) zum Meißner Kreis die Sätze im Postlexikon: „An Mineralien ist der Meißner Kreis freilich nicht so reich, als der erzgebirgische... Andere edle Steine, z. B. Amethyste, Jaspis, Achat, Karneol, undurchsichtiges Erdglas, Blutstein, Schneckenstein giebt es häufig in der Gegend um Meißen, besonders in der Triebisch... Lehm- und Sandgruben, Kalkstein und Töpferton sowie andere nutzbare Erden finden sich in vielen Gegenden.“ Und weiter (S. 305f): „Die Hauptgebirgsarten sind Syenit, besonders zu beiden Seiten des Elbthals, so wie eine Art von Thonporphyr. Letzteren durchschneiden bei der Hohen Eifer im Trübischthale, ziemlich eine Stunde weit, mehrere über eine Elle mächtige Lager von Pechstein, den die Mineralogen erst seit 1750 unter diesem Namen kennen und seitdem auch erst genauer untersucht haben. Dieser Stein hat eine schwärzliche, bräunliche, bisweilen auch grauliche Farbe, ist nur halbhart, kommt auf dem Bruche dem Loßpech nahe, ist blos auf den Kanten etwas durchsichtig, nimmt eine matte Politur an und geht, wenn er verwittert, in Porzellanerde über...“ Da sind wir doch schon beim Thema.
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Zur
Verwaltungsgliederung und den Grundherrschaften
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Die Stadt und Burg Meißen im Südosten dürfte wohl allen Besuchern unseres Freistaats wohlbekannt sein. Die Feste wurde im Zuge der Slawenfeldzüge Kaiser Heinrich's, I. um 929 n. C. als Schutzburg für den Elbübergang und zur Sicherung der eroberten Gebiete begründet, war bis Ende des 15. Jahrhunderts Sitz der Markgrafen und ab 986 n. C. auch des Bistums Meißen. Daneben bildete die Stadt Lommatzsch nordwestlich von Meißen in den schon lange gerodeten Offenländern des Erzgebirgsvorlands ein weiteres, altes Siedlungszentrum und den Namensgeber für die ,Lommatzscher Pflege'. Die Stadt wurde bereits in der um 1150 entstandenen Chronik des Bischofs Thietmar von Merseburg als ,Glomaci' erwähnt und 1286 als ,civitas seu oppidum' bezeichnet. 1547 war sie Amtsstadt und hatte zusammengenommen 384 Einwohner. 1590 wurde von den Bürgern ein Stadtrat gewählt. Sie stand unter dem Erbamt zu Meißen und war ab 1856 Sitz eines eigenen Gerichtsamtes. Danach gehörte die Stadt der 1875 neu gebildeten Amtshauptmannschaft Meißen an (hov.isgv.de). Weil hier schon der Begriff des ,Erbamtes Meißen' erscheint, schlagen wir zu der reichlich verwickelten Verwaltungsgliederung des Meißen'er Kreises bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts noch einmal in Schumann's Postlexikon nach und finden dort, daß der Meißen'er Kreis ursprünglich bedeutend ausgedehnter gewesen ist und (S. 277ff) „mit Einschluß des Domstifts Meißen in 16 Ämter eingetheilt (war, nämlich:) das Erb- oder Kreisamt Meißen, das Prokuraturamt Meißen, das Stiftsamt Meißen, das Schulamt Meißen...“ Da bei den folgenden Auszügen zu den einzelnen Orten diese Begriffe wieder auftauchen, zitieren wir dazu A. Schumann noch weiter (S. 301f): „Im Grunde lassen die Gränzen (der meißnischen Ämter) sich nicht ganz genau verzeichnen, weil die zu den meißnischen Ämtern gehörigen Ortschaften gar zu zerstreut und oft mitten in anderen Amtsbezirken liegen... Das ganze meißner Amtsgebiet erstreckt sich von der Burggrafenheide und dem Friedewalde über Weinböhla bis gegen Döbeln 4 bis 5 Meilen in die Länge... Im Mittelalter war dieser ganze Landstrich nebst allen dazwischen liegenden, jetzt nicht einbezirkten Orten, wie auch ein großer Theil der angränzenden Ämter, nach serbischer Sitte in Supanien (oder Gaue) getheilt. Man findet deren 16 in den Amtsrechnungen noch bis zum Jahre 1553. Einige derselben waren klein und enthielten nur 2 bis 3, andere aber wieder 20 bis 30 Dörfer...“ Über das Erb- oder Kreisamt Meißen heißt es (S. 306ff), es „wird in den Meißner und Lommatzscher Landgerichtsstuhl eingetheilt und ist unter den meißner Ämtern bei weitem das größte. Es enthält 2 Städte (Meißen und Lommatzsch), 1 Marktflecken (Riesa), überhaupt 28 unmittelbare, 27 vermengte, 273 schriftsässige (mit den zwei Städten) und 45 amtssässige, überhaupt 373 Gemeinden und Ortschaften... Das Amt steht übrigens unter einem Justizamtmann und einem Rentbeamten.“ Neben dieser, den übrigen Ämtern im Lande gleichartigen, regionalen Verwaltungsbehörde bestand das Prokuraturamt Meißen (S. 311ff), welches „eigentlich schon in den bischöflichen Zeiten unter dem Namen des geistlichen Lehnamtes (bestand), welches alle Zinsen, nebst allen andern Einnahmen und Ausgaben des Domkapitels verwaltete und von einem Kammer- oder Rentmeister (Prokurator, daher der Name) dirigirt wurde. Den Anfang zu der jetzigen Prokuratur machte der Kurfürst Moritz, indem er die erledigten Vikarien und andere Dompfründen einem besonderen Einnehmer übertrug... Der Kurfürst August gründete im Jahre 1581 die jetzige Verfassung des Prokuraturamtes, das nun die Verwaltung der Justiz und der Einkünfte des ehemaligen Bisthums und der demselben einverleibt gewesenen geistlichen Lehen in sich begreift, welche nach der Reformation zu Besoldungen der Lehrer auf Universitäten und Fürstenschulen, zu Stipendien und anderen milden Stiftungen wurden... Das Prokuraturamt steht unmittelbar unter dem Geheimen Finanzkollegium und unter dem Kirchenrathe; mit den übrigen hohen Kollegien und Behörden steht es in demselben Verhältnisse, wie jedes andere Amt... Das Amt hat nach Leonhardi 79, nach Engelhard nur 74 Ortschaften; die Differenz rührt daher, daß man einige Orte für ein Dorf zählt...“ Außerdem gab es noch das Stiftsamt Meißen (S. 313ff) „oder die Besitzungen des Meißner Domkapitels. Die letztere Benennung ist die richtigere, wiewohl nicht die gewöhnliche; denn dieses Amt hat keinen Stiftsamtmann und es besteht aus dem Überrest des ehemals großen, durch die Reformation aber in Verfassung und Ausdehnung gar sehr geschmälerten Besitzthums des Meißner Domkapitels, welche man zwar geographisch zum Meißner und Leipziger Kreise, politisch aber zu keinem derselben rechnet. Das Bisthum Meißen (...) erstreckte sich von seinem Ursprunge in Süden bis an die Gränzen Böhmens und das dazu gehörige Kapitel oder Hochstift (daher der jetzige Name des Stiftsamtes) bestand aus 15 Domherren... Ein Theil der an Kurfürst August nun gekommenen Stiftsgüter wurde von diesem Fürsten zum Besten der Schulen und Universitäten eingezogen und aus ihnen das Prokuraturamt gebildet. Die Edelleute, welche Lehngüter des Stifts, meistens in der Wurzener Pflege besaßen, bezirkte man in den Leipziger Kreis und vom Stifte selbst blieb nicht viel mehr, als ein bloßer Schatten übrig. (...) Statt daß jedes königliche Amt von einem Justiz- und Rentbeamten verwaltet wird, versieht die Justiz in denen dem Domkapitel unterworfenen Ortschaften der Stiftssyndikus, die Einkünfte verwaltet der Stiftsbaumeister. Die Kapitels- Besitzungen theilen sich in Dom- Probsteidörfer, in Baumeisterei- Dörfer und in Präbenden- Dörfer.“ Schließlich gab es in der Region auch noch (S. 317ff) das Schulamt Meißen, welches aber, „in dem Sinne, wie bei den übrigen Ämtern, eigentlich keinen geschlossenen Amtsbezirk (hat), sondern dessen Dorfschaften liegen zerstreut auf beiden Seiten der Elbe, in den Gegenden der Städte Großenhain, Oschatz, Mügeln, Lommatzsch und Döbeln, so wie solche nach und nach vormals zum Kloster St. Afra gebracht worden waren und bei Stiftung der Meißner Fürstenschule nachher zu dem Schulamte gegeben wurden. Es hat keine einbezirkten Schrift- oder Amtssassen und bestehet aus den Zinsen, Zehnten und anderen Einkünften und Kirchenlehngütern sowohl des genannten, als auch zum Theil des Kreuz- Klosters. Von Aufhebung des Afraklosters im Jahre 1539 bis zur Einrichtung der Fürstenschule im Jahre 1543 besorgte ein besonderer Verwalter jene Einkünfte und Güter zum Besten des Landesherrn. Von da bis zum Jahre 1768 war die Justiz- und Oekonomie- Verwaltung in der Person des Schulverwalters vereinigt, in genanntem Jahre aber trennte man beide Amtsverrichtungen und stellte einen Justiz- Amtmann (Schulamtmann) an, (...) und neben ihm einen Schulökonomie- Verwalter... In 22 Dörfern hat das Schulamt Ober- und Niedergerichte, Kirchenlehn usf., in manchen nur Erbgerichte; und einige haben vermengte Jurisdikation.“ Diese verworrenen Verhältnisse bestanden noch bis zu den Verwaltungsreformen in der Mitte des 19. Jahrhunderts fort. Mit dem Gesetz über die künftige Einrichtung der Behörden erster Instanz für Rechtspflege und Verwaltung vom 11. August 1855 und mit der Verordnung über die Bildung der Gerichtsbezirke vom 2. September 1856 traten zum 1. Oktober 1856 an Stelle der bisherigen Gerichte der untersten Instanz (Justizämter, Stadtgerichte, Patrimonialgerichte, Königliche Gerichte und Königliche Landgerichte) die Bezirksgerichte und Gerichtsämter (13572). Damit sind die Ortschaften des Kreises Meißen zunächst unter das Gerichtsamt Meißen gekommen. Die Verwaltungsbefugnisse gingen dann mit dem Gesetz über die Organisation der Behörden für die innere Verwaltung vom 21. April 1873 und der Ausführungsverordnung dazu am 15. Oktober 1874 auf die neu gebildeten Amtshauptmannschaften über. Die Gerichtsämter wurden auf der Grundlage des Gerichtsverfassungsgesetzes für das Deutsche Reich vom 27. Januar 1877 im Oktober 1879 durch Amtsgerichte abgelöst, womit alle Orte des Kreises zur Amtshauptmannschaft Meißen kamen, welche ihrerseits unter der Kreisdirektion Dresden stand (13572, 10760).
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Das Dörfchen
Seilitz im Norden des hier betrachteten Gebietes wurde als ,Sylicz'
erstmals 1334 urkundlich erwähnt.
Noch 1547 umfaßte das Dorf gerade einmal 13½ Hufen, hatte 6 besessene Mann, 1
Gärtner und 10 Inwohner und wurde vom Erbamt Meißen verwaltet. Die
Grundherrschaft übte zu dieser Zeit das Rittergut Grödel, später das Rittergut
Schieritz aus. 1764 unterstand ein Teil des Dorfes Seilitz auch dem Schulamt zu Meißen. Seilitz war schon
immer nach Zehren gepfarrt (hov.isgv.de).
Das Rittergut Schieritz als Grundherrschaft ist in A. Schumann's ,Vollständigen Staats-, Post- und Zeitungslexikon von Sachsen' (Band 10, S. 281f, erschienen 1825) aufgeführt, wo man darüber lesen kann: „Schieritz, ein altschriftsässiges Rittergut, ohne Dorf, in dem Meißner Kreise und Erbamte Meißen des Königr. Sachsen, 1½ Stunde östlich von Lommatzsch gegen die Elbe gelegen. Auf des Ritterguts Grund und Boden sind einige Häuser erbaut, so wie eine Mühle mit 5 Gängen... Schieritz hat ein Schloß als Herrenhaus mit einer vor der Reformation gestifteten Kapelle... Schieritz gehört seit langen Zeiten schon der Familie von Schleinitz und es haften darauf 6 Freistellen der meißner Fürstenschule. Jetzt ist der königl. Oberforstmeister und Regierungs- Rath Georg von Schleinitz im Besitz des Gutes. Dem hiesigen Rittergut steht auch die Collatur der Pfarre in Zehren zu. Das Spitzhaus ist seit lange her gleichsam die Getreide Niederlage der ganzen dasigen Pflege; denn von hier aus wird viel Getreide, theils auf der Elbe nach Dresden, theils zur Achse in das Gebirge und nach der Lausitz verfahren.“ Aus dem Jahr 1856 stammt dann die folgende, etwas ausführlichere Beschreibung des Rittergutes in G. A. Poenicke's Album der Rittergüter und Schlösser Sachsens des Rittergutes (II. Section, Meißner Kreis, S. 157): „Schieritz liegt 1⅜ Stunde von Meißen, an der Zehren – Lommatzscher Straße, in einem breiten, schönen Thale, dessen Bach bei Zehren die Elbe erreicht. Schieritz ist ein sehr alter Ort und existirt schon zu Zeiten Heinrichs, I. Es gehörte einst zu der Reihe der durch diesen ruhmwürdigen Fürsten immer enger gezogenen Grenzfestungen an der Elbe. Auf dem Schlosse zu Schieritz hausten in den frühesten Zeiten die Herren von Saalhausen, von welchen das Rittergut an das Geschlecht derer von Arras kam, welches bis zum Jahre 1549 im Besitze war. In diesem Jahre mußten die Herren von Arras ihr Gut Schieritz an die von Schleinitz ablassen. Georg von Schleinitz auf Schieritz kaufte im Jahre 1555 das Dorf Zehren mit aller Gerechtigkeit und Kirchen- Collatur von dem Kurfürst August. Unter den nachfolgenden Gerichtsherren von Schieritz hat sich vorzüglich Joachim von Schleinitz verdient gemacht, welcher 1624 im Besitze des Gutes war. Von der Familie von Schleinitz kam das Gut an einen Oeconom Claus. Derselbe besaß es jedoch nur wenige Jahre, da zu dessen Vermögen Concurs ausbrach. Aus der Concursmasse erstand es der Königl. Preuss. Regierungsrath Oberforstmeister zu Potsdam, Georg von Schleinitz... welcher es noch im Jahre 1841 besaß. Der jetzige beliehene Eigentümer ist Herr C. F. Kuhnert. Das Rittergut ist von bedeutendem Umfange und wurde mit 3½ Ritterpferd verdient. Zu demselben gehörten noch die Dörfer Kaisitz, Kleinkagen, Obermuschitz, Seylitz, Zscheulitz, Zehren nebst Keilbusch, Ickowitz und ein Theil von Klappendorf... Das Rittergut hat das Patronat bei Kirch- und Pfarrämtern und Schule des Dorfes Zehren; auch vergibt dasselbe 6 Freistellen der Meißner Landesschule. Das erwähnte Zehren ist nur 1.000 Schritte von Schieritz entfernt und so alt wie Schieritz... Schieritz ist nebst Ickowitz, Mischwitz, Naundorf, Niedermuschitz, Obermuschitz, Seebschütz, Seylitz, Wölkisch, Zscheylitz, Windorf, Eckarsdsberg, Hebelei, Niederfahre, Keilbusch nach Zehren eingepfarrt, obschon Schieritz eine ebenso alte Kapelle besitz, wie Zehren. Die Zeit der Entstehung der beiden Kapellen (...) kann jedoch nicht mit Bestimmtheit ermittelt werden... Schieritz gehört jetzt mit seinen 37 bewohnten Gebäuden und 252 Einwohnern zum Gerichtsamt und Amtshauptmannschaft Meißen, zum Regierungsbezirk Dresden.“ Noch etwas mehr zur alten und neueren Geschichte des Ortes und des Rittergutes fanden wir im Internet (sachsens-schloesser.de). Hier liest man, daß südlich des Ortes am nordwestlichen Vorsprung des Dragonerbergs wohl schon um 1150 eine Turmhügelburg gleichen Namens existiert hat, die aber im frühen 13. Jahrhundert verlassen wurde. Ein Teil der Wälle und Gräben existiert noch und steht als Bodendenkmal unter Schutz. Das noch heute bestehende Schloß in Schieritz hatte ebenfalls einen Vorgängerbau, dessen erster namentlich bekannter Besitzer Domenicus Conradus gewesen ist. Ferner werden 1360 Ulrich von Gorenzk, 1411 die Familie von Rosenberg und 1416 Hannes von Slinicz (Schleinitz) als Besitzer des Rittergutes genannt. 1457 erwarb es Georg von Miltitz, verkaufte es aber schon drei Jahre später an die Familie von Rechenberg. 1480 schließlich war der oben auch genannte Friedrich von Saalhausen und ab 1513 Dittrich von Arras Besitzer des Gutes. 1549 kam es erneut in den Besitz der Familie von Schleinitz, wo es die folgenden 300 Jahre verblieb. In dieser Zeit ‒ im Wesentlichen zwischen 1556 und 1601 ‒ ist auch der auf heutige Zeiten noch überkommene Schloßbau entstanden. Von 1841 bis 1862 gehörte es dann dem ebenfalls oben erwähnten Christian F. Kunert, der das nötige Kapital, es zu erwerben, durch eine Seifensiederei erworben hatte. Danach fiel es für einige Jahre an den sächsischen Staatsfiskus zurück und gelangte von diesem wieder an verschiedene Besitzer, ab 1891 schließlich an Emil Franz Günther. 1945 enteignet, wurde das Schloß in der DDR u. a. als Kinderferienlager und als Internat der LPG- Hochschule in Meißen genutzt. Nach 1990 gelangte es wieder zurück an den Freistaat, der es zum Verkauf ausschrieb. Heute ist es bis auf einige Wirtschaftsgebäude ungenutzt und stark sanierungsbedürftig (sachsens-schloesser.de).
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Schon 1935 wurde Seilitz nach Zehren eingemeindet und 1999 schlossen sich Zehren und der Nachbarort Diehra zusammen. Seitdem ist Seilitz ein Ortsteil der Gemeinde Diehra- Zehren im Landkreis Meißen (hov.isgv.de).
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Der Ort Mehren weiter südlich wurde als ,Meran' erstmals 1205 urkundlich erwähnt. Er gehörte, wie alle Dörfer der Region auch, 1378 dem castrum Meißen an, hatte 1547 eine Größe von 17 Hufen und stand teils unter der Grundherrschaft des Ritterguts Niederjahna, teils des Schulamtes zu Meißen. 1935 wurde Mehren zusammen mit Canitz, Löbschütz und Stroischen nach Löthain eingemeindet. Bereits 1974 wurde dann die Gemeinde Jahna- Löthain gebildet, die 1994 der Gemeinde Käbschütztal angegliedert worden ist (hov.isgv.de). Das Rittergut Niederjahna ist bei Poenicke 1856 gar nicht erwähnt. Im Internet sind zur Geschichte dieses Rittergutes die folgenden Informationen zu finden: Demnach bestand es wenigstens schon seit den frühen Jahren des 14. Jahrhunderts als Allodium, ursprünglich wahrscheinlich als Wasserburg. 1414 wird Niederjahna als Rittersitz bezeichnet und 1551 auch formal zum Rittergut erhoben. 1437 befand es sich im Besitz der Familie Mönch, 1579 ging es in den Besitz von Hans von Schleinitz über. Ab 1687 gehörte es Ernst von Miltitz, zwei Jahre später Hans Dietrich von Miltitz, durch den es 1691 auch zu seiner heutigen baulichen Gestalt verändert wurde. 1697 kam das Gut an die Familie von Thumshirn, 1759 an die von Theler. Letzter Besitzer ab 1914 war die Familie von Bischoffshausen. Nach der Enteignung 1945 wurde das Herrenhaus durch die Gemeinde als Gemeindeamt, Verkaufsstelle und Kindergarten genutzt. 2010 wurde es privat erworben und saniert und ist bis heute bewohnt (sachsens-schloesser.de).
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Der winzige Flecken Kaschka, am Weg nach Oberjahna östlich von Mehren gelegen, war eigentlich schon immer ein Vorort von Oberjahna, wurde aber auch schon 1205 als ,Kascowe' erstmals urkundlich erwähnt. 1547 umfaßte das Örtchen ganze 3 Hufen, wo 2 besessene Mann und 8 Inwohner lebten, und gehörte vollständig unter das Erbamt zu Meißen (hov.isgv.de). In A. Schumann's Postlexikon von Sachsen wird Kaschka im Band 4, erschienen im Jahr 1817, kurz erwähnt (S. 476f): „Kaschka, Katzschke, Dorf im Königreich Sachsen, im Meißner Kreise, im Erbamt Meißen, ½ Stunde südwestlich von Meißen entfernt gelegen. Es stehet unmittelbar unter dem Amte, ist nach Meißen eingepfarrt und bestehet aus 3 Gütern von 3 Hufen.“ Über Oberjahna indet man im Postlexikon, Band 7 aus dem Jahr 1820 die Angaben (S. 471): „Ober- Jahna, auch Groß- Jahna, ein Dorf im Königreich Sachsen, im Meißner Kreise, am Jahnbach, 1 Stunde westl. von Meißen, über den Meissagrund hinaus gelegen. Es enthält 6 Häuser und 40 Einwohner, unter denen 3 Bauern mit 10 Hufen und 3 Häusler sind... Das Dorf zinset nach Meißen 18 Scheffel Weizen und ist nach Meißen in die Hauptkirche gepfarrt.“ Noch ein Stück weiter östlich in Richtung Meißen liegt das Dorf Schletta. Bei G. A. Poenicke findet man das Rittergut unter dem Namen ,Schlettau‘ nur in den Supplementen, wo man darüber erfährt, daß dieses als Vorwerk schon vor der Reformation zum Stiftungsbesitz des St. Afra- Klosters zu Meißen gehört hat. 1544 wurde es von Herzog Moritz erblich an Hans von Zeschau übertragen, wobei die Zinsen weiterhin dem Kloster zugutekommen sollten. Ausweislich der Angaben auf der Informationstafel am Rittergut in Schletta hatte es Herzog Moritz dagegen an seinen Stallmeister Nickel von Miltitz auf Siebeneichen verkauft. Zu dieser Zeit gab es hier 6 besessene Mann und 13 Einwohner auf 9 Hufen Land (hov.isgv.de). Anfang des 18. Jahrhunderts fiel das Gut dann an die Familie Burkhard aus Meißen, denn 1716 ist Christian Burkhard als Eigentümer bekannt. Für das Jahr 1764, nach dem Ende des Siebenjährigen Krieges, sind nur noch 2 besessene Mann, 4 Gärtner und 4 Häusler auf 2¼ Hufen Land belegt (hov.isgv.de). In der Mitte des 19. Jahrhunderts, als Poenicke seine Sammlung zu den Rittergütern und Schlössern in Sachsen verfaßte, standen unter dem Rittergut wieder 4 Gärtner und 4 Häusler; im Ganzen gehörten nun schon 20 Häuser und 170 Bewohner zum Ort. Außerdem ist hier festgehalten, daß in Schletta „der zwischen Wachs und Oelfarbe stehende, einfarbige Pechstein gefunden (werde), ingleichen eine zu Halbporzellan taugliche Porzellanerde, wohl aus Pechsteinporphyr entstanden.“ Diese ,Schletta’er Erde‘ wurde auch von der Porzellanmanufaktur verwendet. A. Schumann berichtete im Band 10 seines Postlexikons, erschienen 1825, über den Ort noch, daß der Ort unter dem Namen ,Zletowe‘, später ,Slettaw‘, schon im Jahre 1205 als Klostergut mit damals 11 Hufen Land erwähnt sei. Jedoch bezifferte Schumann die Größe des Ortes nur wenige Jahrzehnte früher, als Poenicke, noch mit lediglich 11 Häusern und gegen 60 Einwohnern. Auch Schumann schrieb über „eine Anhöhe (beim Dorf), die ganz aus Pechstein besteht, den man bricht und als Baustein verwendet.“ Das Vorkommen von Porzellanerde erwähnte er noch nicht.
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Niederjahna war bereits in den frühen Jahren des 14. Jahrhunderts ein Allodium. Hier bestand eine mittlerweile nicht mehr existente Wasserburg, deren Erbauungszeit vermutlich in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts liegt. Über den Standort der Burg gehen die Aussagen auseinander. Entweder befand sich die Burg auf einer Insel des zum Ritterguts gehörenden, aber etwas abseits gelegenen Teiches, dieser Bereich wurde unter Bodendenkmalschutz gestellt, oder aber der Standort der vormaligen Burg ist mit dem Standort des heutigen Herrenhauses identisch. 1414 wurde Niederjahna als Rittersitz genannt, der 1551 zum Rittergut erhoben wurde. 1437 befand es sich im Besitz der Familie Mönch. 1579 ging das Rittergut Niederjahna in den Besitz von Hans von Schleinitz über. Das Herrenhaus wurde um 1601 erbaut und im Dreißigjährigen Krieg schwer verwüstet. Bis 1687 befand es sich im Besitz der Familie von Schleinitz und ging für die nächsten zwei Jahre an Ernst von Miltitz über. 1689 erwarb Hans Dietrich von Miltitz das Rittergut Niederjahna und ließ es 1691 in seiner jetzigen Grundgestalt verändern. 1697 kam es in den Besitz der Familie von Thumshirn, 1759 an die Herren von Theler. Als folgende Besitzer sind die Familie Ende und ab 1914 Margarethe von Bischoffshausen benannt. Letztere nutzte das Herrenhaus in Niederjahna zwar kaum, ließ für ihre Aufenthalte in Niederjahna jedoch einen Seitenflügel neu errichten. Ihr Sohn Günther Freiherr von Bischoffshausen übernahm ab 1923 die Bewirtschaftung des Rittergutes. Mit 19¼ Hufen Fläche und 13 besessenen Mann und 26 Inwohnern war Löthain (1334 ,Lethen') dagegen schon 1547 eines der größeren Dörfer in der Region und unterstand teils dem Erbamt, teils dem Prokuraturamt zu Meißen. Damit übte die Grundherrschaft hier neben dem Rittergut Löthain also das Domkapitel zu Meißen aus (hov.isgv.de). Über das hiesige Rittergut heißt es in Poenicke's Album der Rittergüter 1856 (Supplemente, S. 13): „Löthayn, 1 Stunde von Meißen entfernt, ist herrlich zu nennen, mitten durch fruchtbare Felder und prangende Obstalleen wandert man dahin und wünscht nie das Ende einer solch prangenden Natur. Mitten unter diesen herrlichen Fluren ersieht der Beobachter das herrliche Gut mit seinen schönen Gebäuden und nicht kleinen Wirtschaftsräumen, die die Zierde des Ortes bilden. Fraget der Wanderer, wer hausete hier in früheren Zeiten, so hört man von Ortskundigen, in Jahren vorgerückten Bewohnern, hier waren Eigenthümer des Schlosses die im Meißner Lande bekannten Herren von Heynitz, welche schon im 15ten Jahrhundert hier lebten und wirkten. Hier wohnte auch die allgeliebte und wohlbekannte Justina von Heynitz, die Mutter, die allverehrte, der Meißner Bischöfe Caspar und Dietrich von Schönberg, die diesem Jahrhundert in Bildung und Humanität vorausgeschritten waren. Im 18ten Jahrhundert gelangte das Gut an die Familie Vitzthum von Eckstädt und im 19ten Jahrhundert wurden Erb-, Lehn- und Gerichtsherren die Herren von Römer. Der jetzige Besitzer ist Herr Rudolph Benno von Römer. Das Rittergut wurde mit ½ Ritterpferd verdient und war nach alter Verfassung altschriftsässig, weshalb auch noch mehrere Orte hierher gehörten, wie z. B. die Dörfer Bauschütz, Könitz und ein Theil von Kröpert und das sogenannte Buschhaus mitten im Walde gelegen. Die Anhöhe von Löthayn wird zu den größten um Meißen gerechnet und ist 400 Ellen über dem Elbstrom erhaben und die Aussichten erstrecken sich hier auf 8 – 10 Meilen weit in die Ferne. In der Nähe dieses Dorfes gräbt man Thon, der weithin verfahren wird. Die Zahl der Einwohner von Löthayn, welche in 40 Wohnhäusern leben, beläuft sich auf 300, welche nach Meißen eingepfarrt sind und im Gerichtsamte daselbst Recht erleiden müssen.“ Auch hier schlagen wir noch einmal im Internet nach und ergänzen dazu, daß in Löthain wenigstens seit 1435 ein Vorwerk bestanden hat, welches im späteren 15. Jahrhundert der Familie von Heynitz gehörte. 1551 wurde es als Rittergut bezeichnet. 1690 war es im Besitz der Familie Vitzthum von Eckstädt. 1796 verkaufte es Christian Gottfried Schmidt an Jobst Christoph von Römer (30728, Nr. 454), der zuvor Bergmeister in Marienberg gewesen ist. Bei denen von Römer (oder oft auch ,Roemer' geschrieben) handelt es sich tatsächlich um Nachfahren der Gebrüder Nicol (* um 1435, †1493) und Martin Römer (* um 1432, †1483) aus Chemnitz, die als Amthauptleute in Zwickau und Zehntner in Schneeberg vermögend geworden und von Kaiser Friedrich, III. am 5. Februar 1470 in den Adelsstand erhoben wurden. Ab 1845 war das Gut an die Familie Steiger verpachtet. Die Bausubstanz des ,Römerhauses' entstand im Wesentlichen im 18. Jahrhundert, erlebte aber später einige Umbauten. Zuletzt ab 1925 engagierten sich die von Römer'schen Erben noch einmal selbst im Tonbergbau auf den Fluren des Rittergutes. Auf den Pächter und auf die Gutsbesitzer gehen die Benennungen ,Steigerschacht' und ,Römerwerk' zurück. Auch diese letzten Besitzer des Rittergutes in Löthain wurden im Zuge der Bodenreform 1945 enteignet. Das Herrenhaus wurde danach durch die Gemeinde u. a. als Schule genutzt. 2001 wurde es von privat ersteigert und steht seitdem ungenutzt und sanierungsbedürftig leer (sachsens-schloesser.de).
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Bereits 1913 erfolgten die ersten
Zusammenlegungen der vielen kleinen Dorfschaften zur Gemeinde Planitz- Deila.
1935 folgten weitere Eingemeindungen, wobei die Gemeinden Kagen und Jahna
entstanden. Im gleichen Jahr wurden Canitz, Löbschütz, Mehren und Stroischen
nach Löthain eingemeindet. Der Ort Nieder- Jahna, der zuvor noch zur
Stadt Meißen gehörte, wurde 1937 der Gemeinde Jahna zugeordnet. 1974 legte man
Jahna- Kagen und Löthain noch zur Gemeinde Jahna- Löthain zusammen.
Außer dem Örtchen Seilitz ganz im Norden gehören alle zuletzt genannten Orte ‒ insgesamt aber 37 Ortsteile ‒ heute der Gemeinde Käbschütztal im Landkreis Meißen an, die 1994 aus dem Zusammenschluß der Gemeinden Krögis, Jahna- Löthain und Planitz- Deila entstanden ist (wikipedia.de).
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Das Triebischtal, welches das Revier im Süden umschließt,
bildete von 1994 bis 2011 unter diesem Namen eine Großgemeinde mit bereits 20
Ortsteilen, welche sich wie eine Perlenkette in den Tälern der Großen und der
Kleinen Triebisch aufreihten. Zu diesen gehörte auch
Garsebach, das durch die ,Pechsteinklippen', auch als ,Garsebacher
Schweiz' und die kleinste ,Schweiz' Sachsens, bekannt ist. Hier kann
man eines der Edukte des Kaolins, und speziell das Ausgangsgestein der ,Seilitzer
Erde', noch anstehend sehen. Wir kommen in unserem geologischen Kapitel
darauf
Es sei noch erwähnt, daß es im Laufe der Geschichte auch
bei Taubenheim, einem der benachbarten
Ortsteile im Tal der Kleinen Triebisch, mehr oder weniger erfolgreiche
Abbauversuche auch auf Ton und Kaolin gegeben hat. Eine ,Ziegelscheune'
ist im Tal unterhalb des Ortes jedenfalls schon auf den Meilenblättern vermerkt. Das kann dann wohl als der
südlichste Punkt des Kaolin- Reviers gelten, der eigentlich schon außerhalb der
oberflächlichen Ausstriche des Meißen'er Magmatit- Komplexes, im Nossen-
Wilsdruff'er Schiefergebirge, liegt. Der Ort ist wegen des gut erhaltenen
Schlößchens, welches indirekt bereits 1186 als Herrensitz im Besitz eines
Adalbertus de Duvenheim urkundlich genannt worden ist, bekannt. In der heute
noch bestehenden Form ließen die damaligen Besitzer, die Familie von Miltitz,
das Schloß Taubenheim um 1600 errichten (sachsens-schloesser.de). In der ersten
Hälfte des 19. Jahrhunderts war das Rittergut im Besitz von Carl Gottlob
Töpolt, ein Name, der uns auch bei unseren Nachforschungen zum
Auch Garsebach ist als Herrensitz schon im Jahre 1228 unter dem Namen ,Cozzebuc' erstmals urkundlich erwähnt, bildete um 1350 ein Allodium namens ,Korzeburg' und stand unter dem castrum Meißen, später dem Erbamt Meißen. Die Grundherrschaft wurde bis 1764 durch das Rittergut Polenz, danach durch das Rittergut Hirschstein ausgeübt. 1764 lebten hier 12 besessene Mann auf 9½ Hufen Ackerland, außerdem 4 Häusler. Im Zuge der letzten Gemeindegebietsreform schlossen sich 2011 die Gemeinden Triebischtal und Klipphausen zusammen (hov.isgv.de). Die Gemeinde Klipphausen umfaßt seitdem 43 ( !! ) Ortsteile auf fast 112 km² Fläche (wikipedia.de).
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Digitalisat:
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Die meisten Tone im Löthain- Seilitzer Revier entstammen
dagegen der Verwitterung der an der Oberfläche vorherrschenden Porphyre, die
mehreren spätvaristischen Eruptionsphasen entstammen und unterschiedliche
Zusammensetzung aufweisen können. Wie der Pechstein auch, wurden sie durch die
Erosion vor allem an den Talhängen freigelegt und unter anderem beim Örtchen
Dobritz, im unteren Triebischtal gelegen, in
mehreren Steinbrüchen als Werkstein abgebaut. Das Gestein ist in zahllosen alten
Mauern in der gesamten Umgebung wiederzufinden, jedoch sind die Dobritz'er
Steinbrüche heute auflässig.
Auch dieser Ort wurde bereits im Jahr 1220 als ,Dubrawitz' erstmalig urkundlich genannt. Wie Garsebach auch, bildete es ein Allodium und stand unter dem Erbamt Meißen. Die Grundherrschaft ging hier vom Rittergut Batzdorf, ab 1696 vom Rittergut Siebeneichen aus. Noch 1764 lebten in Dobritz nur 9 besessene Mann von 13½ Hufen Land, außerdem 2 Gärtner (hov.isgv.de). Dobritz bildet seit der Eingemeindung im Jahr 1950 den südwestlichsten Stadtteil der Stadt Meißen.
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Zur Gewinnung und
Verarbeitung des Tones
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Der Ton- Bergbau ging in der Region wohl schon
lange vorher in bescheidenem Umfange um und bildete die Grundlage für Ziegeleien
und Töpfereien. In der Publikation zum 200. Jubiläum der „Entdeckung“ des Seilitzer Kaolins ist sogar vermerkt, daß ein
Herr Dr.-Ing. Lehmann aus Dresden in den 1930er
Jahren Keramikfunde untersucht habe und daß nach den „Untersuchungsergebnissen weißer
Urnenscherben aus der Seilitzer Gegend, die aus der Zeit zwischen 900 und 1200
stammen, deren rationelle Zusammensetzung annähernd mit der des Seilitzer
Rohkaolins übereinstimmt.“ (Leihgabe von Herrn St. Köhler,
Meißen: VVB Keramik, 1964, S. 16) Die Kenntnis und die Nutzung der Tone
unter der ortsansässigen Bevölkerung bestand also schon viel länger und warum
auch nicht, gehört doch die Herstellung von Keramik zu den ältesten Technologien
der Menschheit...
A. Schumann notierte dann in seinem ,Postlexikon' über Löthain (Band 5, 1818, S. 822): „Löthain, ein Dorf im Königr. Sachsen, im Meißner Kreise, im Erbamte Meißen, 1 Stunde südwestl. von Meißen entfernt, auf dem Wege nach Döbeln gelegen. Der größere Theil des Dorfs gehört zu dem hiesigen altschrifts. Rittergute, die nach Meißen zu gelegenen Häuser des Dorfs stehen unmittelbar unter dem Procuraturamte, und die Einwohner sind nach Meißen eingepfarrt. (...) Das Dorf hat 20 Häuser, 100 Einwohner, 18 Hufen. Man gräbt bei diesem Dorfe Thon...“ Auch beim Dorfe Mehren erwähnte Schumann den Tonabbau (Band 6, 1819, S. 223): „Mehren, ein Dorf im Königr. Sachsen, im Meißner Kreise, im Schulamt Meißen, 1 Stunde westl. von Meißen entfernt gelegen. Es ist nach St. Afra in Meißen eingepfarrt, hat 5 Bauern, 2 Häusler und 1 Schmidte. Zwei Bauern des Orts gehören mit 4 Hufen schrifts. zum Rittergute Nieder- Jahna und 2 Bauern mit 12 Kühen, 30 Schaafen und 3 Hufen stehen dem Schulamte zu. Hier wird der Thon zu den Kapseln, worin das Porzellain gebrannt wird, gegraben. Auch Braunkohlen gewinnt man hier bergmännisch.“ Daß hier ebenfalls Braunkohle vorgekommen sein soll, ist auch noch an anderer Stelle erwähnt. Wo genau und ob man sie gelegentlich hier tatsächlich auch abgebaut und genutzt hat, ist uns noch nicht bekannt; lediglich über den Braunkohlenbergbau bei Arntitz, westlich von Lommatzsch gelegen, fanden wir im Bergarchiv Unterlagen. Schließlich berichtete Schumann noch über Niederjahna (Band 7, erschienen 1820, S. 243f): „Nieder- Jahna, auch blos Jahna, doch darf es mit dem Dorfe Jahna (ein Dorf der Gemeinde Jahnatal bei Ostrau) nicht verwechselt werden, denn es ist ein altschrifts. Rittergut ohne Dorf in dem Königr. Sachsen, im Meißner Kreise und Erbamte Meißen, ½ Stunde nordwestl. von Meißen entfernt gelegen. Die hier befindlichen wenigen Häuser sind auf Ritterguts Grund und Boden erbaut und sammt dem Rittergute nach St. Afra in Meißen eingepfarrt. Jetzige Besitzerin des Rittergutes ist die Frau Präsidentin von Ende zu Meißen. Früher gehörte es dem Apellationsrathe C. W. von Theler und im 16. Jahrhundert denen von Schleinitz. Es gehören zu demselben schrifts. die Dörfer Seebschütz, Questenberg, Altenburg nebst der Eckerndrei, dann Antheile von Sieglitz, Nimmtitz, Stroischen und Mehren... In der hiesigen Gegend streichen die Thonlager aus, während man sie an anderen Orten erst unter einer Leimschicht von 1 bis 4 Lachter findet.“ Das Örtchen Seilitz hatte A. Schumann erst ganz vergessen. Dafür taucht es dann etwas ausführlicher in den Ergänzungsbänden auf (Band 18: Supplemente, Band 5, 1833, S. 757): „Seidlitz (s. 68) ist unter Seylitz nicht beschrieben und daher hier zu behandeln. Dieses meißnische Kreisamtsdorf, wo jedoch das Erbgericht, ohne das Procuraturamts- Gut, dem Rittergut Schieritz zustehen, begreift 3 Güter, 6 Gärtner, 1 Häusler, 2 königl. Häuser und 2 Treughütten für die hier bestehende Gräberei von weißer Erde zum Behuf der meißn. Porcellanfabrik. Es liegt fast mitten zwischen Meißen und Lommatzsch (jenem ¼ Stunde näher) an einer Nebenschlucht des von Mohlis nordwärts nach Zehren streichenden Grundes, in hübscher fruchtbarer Gegend. Die 60 – 70 Einwohner sind nach Zehren gepfarrt. Da der Name mit Zedlitz und Sedlitz (d. h. Anbau, Colonie) einerlei ist, so kann manches historische Moment auch hierher bezogen werden und mit Sicherheit das Sczedelitz, das 1205 als Zubehör des Afraclosters vorkommt. Die hiesige Porcellanerde enthält viel Quarzkörnchen (oft als Krystallchen), weil sie von einem Porphyr herrührt, dessen Räume mit Quarzkrystallchen als Drusen bekleidet sind. Bis hierher läßt sich auch der Leißniger Pechstein verfolgen. Über die hiesige Porcellanerde s. Freiesleb. Magaz. III 178 und 183. Eingemengt findet sich auch sandiger, magrer, grünlicher Thon, oft mit Muscheln.“ Auf den hier
eingefügten Literaturverweis auf J. C. Freiesleben's Magazin für
Oryktographie, Band 3, kommen wir im geologischen
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Die Königlich- Sächsische Porzellan- Manufaktur zu Meißen
baute ab 1764 die ,weiße Erde' auf dem Grund und Boden einiger Seilitz'er Bauern
ab und
erwarb hier ab Anfang des 19. Jahrhunderts systematisch eigene Grubenfelder, obwohl
noch bis 1858
das Kaolin ja auch noch aus der Weißerdenzeche zu Aue bezogen wurde. Daß
die Bauern quasi im Nebenerwerb oder in einer Art Frondienst anfangs selbst nach
dem Kaolin gegraben und es an die Manufaktur verkauft hätten, wie es in der
Sekundärliteratur oft kolportiert und selbst vom Betriebsinspektor der
Manufaktur Max Winkler im Jahr
Ab der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts und besonders ab der Mitte des 19. Jahrhunderts erlebte der Abbau des Kaolins und anderer Tone in der Region dann seine größte Blütezeit. Zu dieser Zeit, nachdem ‒ ähnlich, wie infolge der Stein- Hardenberg'schen Reformen in Preußen ‒ auch in Sachsen die Gewerbefreiheit eingeführt worden ist und nachdem die Zollunion der deutschen Länder ab 1833 den Handel vereinfacht hatte, entstanden auch im Königreich Sachsen und namentlich in Meißen eine Reihe von weiteren keramischen Unternehmen neben der Königlich- Sächsischen Porzellan- Manufaktur, welche die hier vorhandenen Rohstoffe für Erzeugnisse, wie Ofenkacheln, Fliesen („Wandplatten“) und Sanitärkeramik nutzten. Auch die Entlassung der Steine- und Erdenrohstoffe aus der Bergaufsicht mit dem Berggesetz von 1851 dürfte für die gewerblichen Unternehmensgründungen ab der Mitte des 19. Jahrhunderts eine nicht unbedeutende Rolle gespielt haben. Unter anderem sind aus dieser Zeit die Gebrüder Carl und Ernst Teichert, aber auch das noch heute bekannte Unternehmen von Villeroy & Boch mit seiner Niederlassung in Dresden zu nennen (vgl. u. a. Stöhr, 1999). Je geringer der Veredlungsgrad der Rohstoffe bei der Herstellung eines Produkts ist und je größer die Menge der benötigten Rohstoffe war, desto näher an den Rohstoffvorkommen mußten – einfach aufgrund des Transportaufwandes – früher die entsprechenden Industriebetriebe liegen. Nicht selten standen deshalb die Verarbeitungseinrichtungen unmittelbar neben den Gewinnungsbetrieben. Dies gilt heute nur noch für die Ziegelindustrie, sonst besteht der Zwang zu dieser räumlichen Bindung nicht mehr, denn heute ist ein Transport von Rohstoffen auch über größere Entfernungen mit Lkw mehr oder weniger kostengünstig realisierbar. Dies kann sogar von Vorteil sein, weil es dadurch möglich wird, die einzelnen Werke mit Rohstoffmischungen gleichbleibender Qualität zu beliefern, die in Mischanlagen aus Rohstoffen verschiedener, mitunter räumlich weiter voneinander entfernter Vorkommen zusammengestellt werden. Namentlich in der Porzellanherstellung gab und gibt es wegen des hohen Veredlungsgrades der Rohstoffe keine räumliche Bindung der Betriebe an die Kaolinvorkommen. Dagegen bestimmten die Steinkohlevorkommen bei Freital und Zwickau die Standortwahl für die Porzellanfabrik in Freital- Potschappel sowie für deren gleich drei in Zwickau und Umgebung. Weitere Porzellanfabriken wurden gänzlich abseits von Kaolin- und Kohlevorkommen, etwa in Radeberg und in Weißwasser, gegründet (Naumann, 2020). Nachdem bis dahin vor allem England ganz Mitteleuropa mit Steingut beliefert hatte, trug zudem die 1806 von Napoleon Bonaparte (*1769, †1821) verhängte Kontinentalsperre für englische Erzeugnisse wesentlich dazu bei, daß sich auch in Sachsen auf der Grundlage der einheimischen Rohstoffe zunächst eine Steingutindustrie entwickelte. Die ersten Firmenneugründungen für Steingut- Geschirr erfolgten Anfang des 19. Jahrhunderts in Colditz, in Rochlitz, in Nossen, in Dresden und in Pirna. Bereits nach dem Ende des Siebenjährigen Krieges war ab 1763 Kurfürst Friedrich Christian (*1722, †1763) bemüht, durch staatliche Förderprogramme die darniederliegende Wirtschaft im Kurfürstentum Sachsen wieder in Gang zu bringen. Dazu gehörte auch die Gründung weiterer Manufakturen. So erhielt 1770 Johann Samuel Tönnisch die Erlaubnis, im Schloß Hubertusburg eine Fayence- Manufaktur einzurichten, in der später wahrscheinlich auch die Herstellung von englischem Steingut aufgenommen wurde. Diese Manufaktur bestand noch bis zum Jahr 1848. Rohstoffgrundlage der keramischen Industrie in der Elbtalzone sind in erster Linie die in der Nähe von Meißen abgebauten Kaoline und Tone von Seilitz, Löthain, Mehren, Kaschka, Taubenheim und Garsebach links der Elbe sowie die Tone von Ockrilla und Jessen rechtselbig gewesen. Weitere Vorkommen in der Elbtalzone sind die Tone im Raum Dommitzsch, Belgern und Torgau. Namentlich die Kaoline und Tone von Seilitz und Löthain prägten die Elbtalzone aber als diejenige sächsische Region, in der vor allem die feinkeramische Industrie dominierte. Bald erwies es sich, daß in Sachsen nur die Tone von Seilitz und Löthain für die Herstellung der „Meißner Patentkachel“ geeignet sind. Auch für die Steinzeugherstellung sind die Tone und Kaoline von Seilitz und Löthain bestens geeignet. Dies bewirkte die Gründung von Steingutfabriken durch Villeroy & Boch 1856 in Dresden sowie 1897 in Neusörnewitz bei Meißen (Naumann, 2020; geschichte-der-fliese.de). Das Unternehmen Villeroy & Boch hat seinen Hauptsitz bis heute in der Alten Abtei in Mettlach im Saarland, wo bereits 1748 von François Boch und Nicolas Villeroy zunächst eigenständige Unternehmen gegründet worden sind. Deren Nachfahren Eugen Boch in Mettlach und Alfred Villeroy in Wallerfangen vereinigten 1841 ihre Unternehmen. Die heutige Villeroy & Boch AG befindet sich auch nach über 275 Jahren immer noch größtenteils im Familienbesitz (wikipedia.de; geschichte-der-fliese.de). Der erste keramische Industriebetrieb in Meißen nach der Königlichen Manufaktur war jedoch das 1860 in Meißen, in der Fischergasse, von dem Schletta'er Rittergutsbesitzer Johann Friedrich Wilhelm Kollrepp gegründete ,Kollreppwerk', eine der ersten Fabriken in Deutschland, die gegen die starke englische Konkurrenz feuerfeste Erzeugnisse für die Metallurgie und die Glasindustrie herstellten (vor allem Schamottesteine aller Formate). Später wurden im Kollreppwerk auch glasierte Steinzeugrohre, Klinkersteine für Fußbodenbelag und Glas- Preßfliesen hergestellt sowie Kaolin geschlämmt. Das Werk produzierte unter diesem Namen noch bis zum Jahr 1913 (Naumann, 2020).
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![]() Das Kollrepp- Werk auf einer Bildpostkarte des Meißen'er Verlags Brück & Sohn aus dem Jahr 1902. Bildquelle: Deutsche Fotothek. Digitalisat:
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![]() Das Kollrepp- Werk auf einer Bildpostkarte des Meißen'er Verlags Brück & Sohn aus dem Jahr 1906. Binnen der nur vier Jahre hat die Fabrik bedeutende Erweiterungen erfahren. Bildquelle: Deutsche Fotothek. Digitalisat:
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![]() Auf der älteren der beiden Postkarten - links unten - findet man bei genauem Hinschauen auch diese Darstellung der von dieser Firma betriebenen Margarethenschächte in Löthain.
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Ab 1863 entwickelte sich
in Meißen dann eine bedeutende Ofen- und Wandfliesenindustrie mit einer
beachtlichen Vielfalt von Nebensortimenten. Die Grundlage dafür bildete die von
Johann Gottfried Heinrich Melzer (*1820, †1867, Bossierer an der
Porzellanmanufaktur) unter großen persönlichen Opfern auf empirischer Grundlage
ab 1845 entwickelte und 1855 mit Königlichem Privilegium ausgezeichnete „Meißner
Patentkachel“. Der Kachelkörper wird dabei aus mit Schamotte gemagertem Ton
geformt und auf der Sichtfläche mit einer Engobe versehen, auf die man die
Glasur aufträgt. Kachelkörper, Engobe und Glasur sind über die Zusammensetzung
hinsichtlich ihrer Längenausdehnungs- Koeffizienten so aufeinander abgestimmt,
daß diese Kachel nicht nur während der Herstellung rißfrei bleibt, sondern auch
im Gebrauch ohne zu reißen hoch aufgeheizt werden kann, wodurch die Abgabe der
Ofenwärme durch Strahlung und damit der Wirkungsgrad der Ofenheizung
entscheidend verbessert worden ist. Glatte Kacheln zeigen eine ebene, glänzende
und annähernd weiße Oberfläche; bei reliefierter Oberfläche kommt die Zeichnung
des Reliefs klar zur Wirkung. Diese „Meißner Patentkachel“ war allen
Konkurrenzprodukten, insbesondere auch der in Velten bei Berlin hergestellten „Berliner
Kachel“, überlegen. Die seit langem als „Meißner Kachel“ bezeichnete
„Meißner Patentkachel“ hat sich durchgesetzt und ist noch heute der übliche
Ofenkachel- Typ (Naumann, 2020).
Weil Melzer seine Erfindung aus finanziellen Gründen aber nicht selbst verwerten konnte, überließ er sie dem Töpfermeister Carl Teichert (*1830, †1871) in Meißen. Sehr zu seinem Schaden, denn Melzer ging dabei leer aus. Auf Grundlage der „Meißner Patentkachel“ wurden im heutigen Stadtgebiet von Meißen ab 1863 vier große und vier kleinere Ofenfabriken gegründet, die sich infolge der Standortvorteile von Meißen ausnehmend gut entwickelten. Entscheidender Standortvorteil war, daß die für die Ofenkachel- Fertigung erforderlichen hochbildsamen Steinguttone aus dem nahegelegenen Seilitz- Löthainer Revier bezogen werden konnten, wo alle vier großen Unternehmen eigene Abbaufelder erwarben und den Ton in Eigenregie förderten. Bereits Melzer hatte mit Tonen aus der Umgebung von Meißen experimentiert, so mit den Tonen von Canitz, Löthain, Obergarsebach und Kaschka. Der zweite Standortvorteil bestand darin, daß die Ofenindustrie bis zur Heranbildung eines eigenen Facharbeiterstammes auf in der Königlichen Porzellanmanufaktur ausgebildete Facharbeiter zurückgreifen konnte. Vor allem aber der Name „Meißen“, der im Zusammenhang mit dem Porzellan aus der Königlichen Porzellanmanufaktur einem Gütesiegel gleichkam, hat zum Bekanntwerden der „Meißner Patentkachel“ beigetragen. Der dritte Standortvorteil resultierte aus der günstigen Verkehrsanbindung der Stadt an das Eisenbahnnetz und die Elbeschiffahrt. Letztere ermöglichte nicht nur den preisgünstigen Antransport böhmischer Hartbraunkohle, welche für die Befeuerung der Brennöfen erforderlich war, sondern später auch einen kostengünstigen Transport der Wandfliesen bis nach Hamburg, von wo aus diese in alle Welt gingen. Während sich der Absatz von Ofenkacheln immer auf Deutschland und wenige Nachbarländer beschränkte, verkaufte man die Wandfliesen auf diesem Wege auch in alle Welt (Naumann, 2020). 1863 gründete Carl Teichert auf dieser Grundlage eine Ofenfabrik in Meißen am Neumarkt 5 (ab 1872 Aktiengesellschaft Meißner Ofen- und Chamottewaaren- Fabrik, vormals Carl Teichert; ab 1884 Meißner Ofen- und Porzellanfabrik, vorm. Carl Teichert). 1868 ging die Ofenfabrik von Ernst Teichert (*1832, †1886), einem Bruder von Carl Teichert, in Meißen- Cölln, Dresdner Straße 50, in Betrieb (ab 1872 Aktiengesellschaft Sächsische Ofen- und Chamottewaaren- Fabrik, vorm. Ernst Teichert, ab 1919 SOMAG Sächsische Ofen- und Wandplattenwerke Akt.-Ges.). Weil sein älterer Bruder bereits mit nur 41 Jahren starb, übernahm Ernst Teichert 1871 die Führung beider Unternehmen. 1884 erfolgte außerdem die Inbetriebnahme einer Porzellanfabrik für die Herstellung von handgemaltem Porzellan durch Ernst Teichert in Meißen- Cölln, Fabrikstraße 20 (ab 1901 Ernst Teichert GmbH). Nach dessen Ableben übernahm sein Sohn Christian Teichert (*1862, †1904) 1886 die Unternehmensführung. Ab 1888 wurde auch die aus einer Ziegelei hervorgegangene Baufabrik von F. W. Dürichen in Meißen- Cölln zur Ofenfabrik umgerüstet (noch 1888 Umbildung zur Aktiengesellschaft Ofenfabrik und Kunstziegelei Cölln- Meißen; ab 1893 Cölln- Meißner Ofenfabrik Saxonia; ab 1895 Cölln- Meißner Ofen- Fabrik Saxonia GmbH; ab 1929 Meißner Wandplattenwerke Saxonia GmbH). Die Nachfahren der Gebrüder Teichert kauften 1923 alle Geschäftsanteile der Ernst Teichert’schen Fabriken und 1928 bis auf 2.000 Mark auch die Geschäftsanteile der SAXONIA. Dieser Firmenverbund juristisch selbständiger Unternehmen bezeichnete sich ab 1932 zuweilen als Teichert- Konzern und zumindest ab 1934 durchgängig als Teichert- Werke. Die SOMAG dagegen blieb selbstständig (Naumann, 2020).
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![]() Für die gutbetuchten Kunden gab es damals auch schon Ausstellungsräume in der Manufaktur... Foto: O. Kaubisch, 1927. Digitalisat:
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![]() Wo man die Meisterwerke bewundern konnte... Foto: O. Kaubisch, 1927. Digitalisat:
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![]() ...und wo man sich natürlich auch etwas aussuchen und erwerben konnte. Foto: O. Kaubisch, 1927. Diese Ausstellung gibt es Digitalisat:
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![]() Der Ausstellungsraum in der sogenannten ,Kuppelhalle'. Foto: O. Kaubisch, 1927. Digitalisat:
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Der Tonabbau im Revier wurde bis 1990 durch den damaligen VEB Vereinigte Kaolin- und Tonwerke Löthain- Seilitz als Teilbetrieb des volkseigenen Kombinats Silikatrohstoffe mit Sitz in Kemmlitz durchgeführt. 1989 erfolgte die Stillegung der Schachtanlage August- Bebel- Schacht bei Mohlis (40073-1, Nr. 21). Als letzter Untertagebetrieb standen bis Anfang der 1990er Jahre die Glück Auf- Schächte V und VIII der damals gegründeten Firma Kaolin- und Tonwerke Seilitz- Löthain GmbH in Mehren noch in Umgang. Kaolin wird aber auch heute noch im Revier abgebaut. Zum einen betreibt die Staatliche Sächsische Porzellan- Manufaktur zu Meißen schon seit 1764 und noch bis heute ein Weißerdenwerk bei Seilitz; zum anderen betreibt die Unternehmensgruppe SIBELCO an drei Standorten in Deutschland, darunter bei Seilitz und bei Canitz, Kaolin- Abbau im Tagebau (Der Standort dieses Betriebes ist in Mehren). Zeugnisse der Ton- und Kaolingewinnung sind ansonsten in der Landschaft heute kaum noch mehr zu finden. Die Schächte sind sämtlich wieder verfüllt, Übertageanlagen zumeist abgerissen. Der überwiegend untertägige Abbau im Bruchbau- Verfahren bewirkte auch, daß sich die durch den Bergbau geschaffenen Hohlräume im Untergrund allmählich wieder schlossen. Die Übertageanlagen des Glück Auf- Schachts V bestehen als kleines, aber höchst sehenswertes Bergbaumuseum in Mehren fort, wo die letzten Zeugnisse dieses Kapitels der Montangeschichte bewahrt werden (Störr, 1999).
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Zur
Entwicklung der Bergaufsicht
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Regional war hier im 19. Jahrhundert im
Prinzip das 1. Auswärtige
Geschworenenrevier des Bergamtes in Freiberg
zuständig (40010). Allerdings fiel der Abbau der Steine- und
Erdenrohstoffe schon immer grundsätzlich unter den
Auf solche Rohstoffe bauende,
später als
„gewerbliche
Gruben“ benannte
Unternehmen gelangten erst mit der Neufassung der Allgemeinen
Bergpolizeivorschriften für das Königreich Sachsen vom 16. Januar 1896 und
mit der Verordnung, die Aufsicht über unterirdisch betriebene Brüche und
Gruben betreffend, vom 12. Mai 1900, in denen kein Unterschied mehr zwischen
Erz-, Kohlen- oder anderen Bergwerken gemacht wurde, wieder unter die technische
Aufsicht der Bergbehörden. Dazu wurde durch das Landesbergamt in Freiberg zunächst die revierübergreifend zuständige
Berginspektion III
mit Sitz in Freiberg
eingerichtet. Noch immer blieben dabei aber ausschließlich „oberirdisch“
betriebene Steinbrüche, Sand- und
Tongruben sowie Tagebaue weiter ausgenommen, welche nur der Gewerbeaufsicht
unterlegen haben. Einige weitere Details zu diesem Übergang fügen wir weiter
unten im
Die Berginspektion III wurde schon 1902 wieder aufgelöst und die Beaufsichtigung der Steine- und Erden- Gewinnungsbetriebe wieder den regional zuständigen Berginspektionen übertragen, hier war es dann zunächst wieder die Berginspektion Freiberg I, ab 1932 dann das in Zusammenhang mit der Wiedereinrichtung des Oberbergamtes in Freiberg neu eingerichtete Bergamt Dresden. Nach 1945 wurden zunächst Technische Bezirks- Bergbau- Inspektionen (TBBI) ins Leben gerufen, welche die technische und bergpolizeiliche Aufsicht über die Bergbaubetriebe ‒ gleich ob Tief- oder Tagebau ‒ ausübten, sich zugleich aber auch um organisatorische Probleme, wie die Beschaffung von Maschinen und Materialien für den Bergbau, kümmerten. Als Mittelbehörde wurde 1948 ein Technisches Büro des Bergbaus und der Brennstoffindustrie in Sachsen in Freiberg eingerichtet, das bis zur Auflösung der Länder 1952 Bestand hatte (40064). Danach wurde 1959 in Freiberg wieder eine zentrale Bergbehörde der DDR gebildet, deren Struktur und territoriale Zuständigkeit sich jedoch mehrfach wandelte (40069). Auch für den Kreis Meißen im Bezirk Dresden wurde 1967 nach Auflösung der Bergbehörden in Freiberg und Zwickau die Bergbehörde in Karl- Marx- Stadt zuständig, die zugleich oberste Bergbehörde der DDR gewesen ist (40070). Sie bestand noch bis 1991, erhielt dann noch einmal die Bezeichnung ,Bergamt Chemnitz', bevor sie zusammen mit den damals in Sachsen noch bestehenden Bergämtern in Borna und Hoyerswerda 2004 aufgelöst worden ist. Die Bergverwaltung in Sachsen wird heute allein durch das 1991 wiedererrichtete Oberbergamt in Freiberg ausgeübt (40076).
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Zur geologischen Erforschung der Region
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Historische
Quellen
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Der große Agricola
befaßte sich in seinem 1546 erschienenen Werk De natura fossilium libri X,
und zwar gleich im zweiten Buch, auch mit den verschiedenen ,Erden'. Die
Töpfer und Bildner, schreibt er hier (S. 195f des lateinischen Originals),
„machen ebenfalls die fetten Erden zu den ihren, indem sie sie verwenden... Aus
fetten, dichten stellt man Arbeiten her, die die Kraft des Feuers nicht gleich
zum Springen bringt, wie Tiegel und Pfannen, die jene verwenden, die die Gänge
oder Erze in den Öfen schmelzen. Aus ihnen macht man auch die Gefäße (...) in
denen die Flüssigkeit, die Gold und Silber scheidet, sowohl hergestellt, wie
aufbewahrt wird. Alle dichten Erden lassen sich schwerer mit der Hand
bearbeiten, als die lockeren... Doch liegt es nicht nur
an der Dichte, daß die
Gefäße die Flüssigkeiten nicht aufsaugen, sondern auch an der Mischung mit Sand
und an der Art des Brennens. Aus diesen Gründen stehen die Waldenburger Gefäße in
besonders gutem Ruf, und sie sind von den Apothekern begehrt; auf weiteste
Entfernung werden sie verkauft...“
An dieser Stelle ist das westsächsische Waldenburg, zwischen Glauchau und Penig gelegen, und nicht der schlesische Ort gleichen Namens gemeint. Weiter heißt es: „Da die fetten Erden nicht nur eine Farbe aufweisen, sind auch die Töpfererden verschiedenfarbig. Die eine ist weiß; sie allein hat bei den Griechen einen Namen bekommen und zwar von der weißen Farbe; sie heißt nämlich argillos (weißer Ton). Darum nennen sie auch manche lateinischen Autoren ,argilla'. So ist die Eislebener Töpfererde, auf der hier und da silberne Körnchen glänzen. Manche ist weißgrau, wie eine in Waldenburg. Teils wird sie aschgrau, wie die von Ypps... teils ist sie rotgelb, wie eine in Mittweida. Eine ist flammendrot, wie jene Annaberger, die man in Silbergängen gefunden hat. (...) Eine andere ist schwarz; von dieser Art ist die Glogauische in Schlesien. Wieder andere ist schließlich verschiedenfarbig, wie eine Mittweidaer, die teils weiß, teils rot- gelb ist... Der Töpfer jedenfalls wählt nach der Verschiedenheit der Gefäße bald diese, bald jene Erde aus. Der Bildner wählt immer eine, die er mit der Hand bearbeiten kann.“ Wie man hier sieht, waren schon im 16. Jahrhundert zahlreiche unterschiedliche Tonerden für unterschiedliche Zwecke bekannt, auch, wenn sie Agricola hier nur anhand ihrer äußeren Merkmale beschrieb. Schließlich gehört die Herstellung von Keramik zu den ältesten technischen Künsten der Menschheit. Wie man aus einigen ‒ vor dem Brennen nicht einmal unbedingt weißen ‒ Tonerden aber tatsächlich auch reinweiße Keramik herstellen kann, war ihm damals natürlich noch nicht bekannt. |
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Erwähnt
werden die Kaolin- Vorkommen unweit westlich von Meißen dann in der zweiten
Hälfte des 18. Jahrhunderts in der geognostischen Literatur, etwa in Köhler's
,Bergmännischem Journal' im Jahr 1778 (2. Band, 6. Stück):
Fortsetzung des Versuchs einer Oryktographie von Kursachsen.
II.
Thonarten. „Die Porzellanerde wird in Sachsen vorzüglich schön, und zwar hauptsächlich an zwei Orten gefunden. Bei Aue ohnweit Schneeberg hat man sie drei Lachter unter der Dammerde angetroffen. Sie bildet hier ein meistentheils gegen drei Lachter mächtiges Lager, und ist von einer beinahe hellweißen, zuweilen auch röthlichweißen Farbe. Unter derselben soll ein Sandlager, und unter diesem zuweilen noch ein Lager von Porzellanerde liegen, das aber an vielen Orten verdrückt ist. Die Porzellanerde ist fast durchgängig mit einem eisenschüssigen Thone gemengt, und nur selten kommen beträchtliche Parthien, die ganz rein sind, vor. Man findet auch in derselben größere und kleinere Stücken Quarz; des kristallisierten ist schon beym Quarze erwähnt worden. Der derbe Quarz findet sich zuweilen mit sehr tiefen regelmäßigen Eindrücken, worinnen wahrscheinlich ehemals vierseitige Säulen, wie auch dergleichen Pyramiden von Feldspath gelegen haben, die aber verwittert und zu Porzellanerde aufgelöst sind; wie denn die ganze Porzellanerde aus Feldspath entstanden zu seyn scheint. Die zweite Gegend, wo man in Sachsen Porzellanerde findet, sind die Dörfer Seiliz und Schieriz im meißnischen Kreise. Diese ist aber bei weitem nicht so schön als die vorige, indem sie sehr mit gemeinem Thone durchzogen und gemengt ist. Auch ist sie bei weitem nicht so zerreiblich. Das Lager derselben ist acht bis zehn Ellen mächtig. Ganz neuerlich erst hat man auch Porzellanerde in beträchtlicher Menge auf einem Eisensteingange bei Elterlein gefunden, davon mir aber die genauern Umstände noch unbekannt sind. Auch im Granit und Gneise findet man oft Feldspath, der schon ganz zu Porzellanerde verwittert und aufgelöst ist.“ Ausführlicher ist die Beschreibung in Johann Friedrich Wilhelm von Charpentier's ,Mineralogischer Geographie...', die im selben Jahr erschienen ist und wo man über die Tonvorkommen findet (S. 61ff): XIV. Porphyrartig Gestein um Kesselsdorf, Grumbach; am südlichen Ufer der Elbe bis Scharfenberg, (...) Granit bey Scharfenberg, Meißen. Granit und porphyrartiges Gestein. Vorzügliches Thonlager. „(...) Außerdem liegen in diesen Gegenden, unter der Dammerde und den überall vorkommenden Leimlagern, mächtige und sehr brauchbare Thonlager. Bey Mehren, wo schon seit langen Jahren ein guter feuerbeständiger Thon gegraben worden ist, findet man erstlich an manchen Orten ein 6, 12 bis 24 Schuh starkes Leimlager, so von oben herein mit Sande und verschiedenen beygemischten Geschieben angefüllet ist. Unter diesem folgt eine Lager bituminöser Erde, in welcher man bisweilen, besonders im Jahre 1765, Holzstückchen oder sogenannte Braunkohlen, auch verschiedene Stücken von röthlichem und hellgelbem Bernstein, als abgerundete Geschiebe, in der Größe von einem bis anderthalb Zoll im Durchmesser, gefunden hat. Sodann kommt das mächtige Thonlager 24 bis 30 Schuh stark, welches jetzt durch abgesunkene Schächte, und daraus getriebene Örter und Strecken, abgebauet wird. (...) Wie weit sich hier eigentlich dieses Thonlager verbreitet, wird schwer zu bestimmen sein. Bey Mohlitz wird dergleichen Thon noch unter ebendiesen Umständen gegraben. Bey Seilitz hingegen findet sich ein Lager von noch feinerem und fast durchgehends reinem feuerbeständigen Thon, so ohne Abwechslung und nur hier und da mit etwas Sand vermischt, 16 bis 20 Fuß stark ist. (...)“ Ob der Ursprung der Porzellanerde damals noch streng geheim war, oder ob einfach das Interesse der Geologen an den Verwitterungsprodukten des im Umfeld des Meißen'er Magmatitkomplexes vorherrschenden Porphyrs noch nicht in dem Umfange bestand, weiß man nicht. In seiner ,Erdbeschreibung der... sächsischen Lande' erwähnte 1788 jedenfalls auch M. F. G. Leonhardi nur kurz in seinem Kapitel zum Meißnischen Kreis das Dorf (S. 249f): „Nieder- Jahna, ein Dorf mit einem altschriftsässigen Ritterguthe, Mohlis, Seilitz und Mehren enthalten gute Thonlager. Das letztere, ohnweit Meißen, ist ein Dorf, das theils nach Niederjahna schriftsässig ist, theils unter das Kreys-, theils unter das Schulamt gehöret. Die hiesigen Thonlager sind 24 bis 30 Fuß stark und der Thon wird zu den Kapseln gebraucht, worinnen man das Porcellan brennt...“
Warum C. A. Kühn
in seiner
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Auch der französische
Geologe und Mineraloge Pierre Berthier (*1782, †1861) beschrieb schon im
Jahr 1823 in einem Artikel in Dingler’s Polytechnischem Journal (Band 12,
Jahrgang 1823, Nr. LXI,
S. 361ff) verschiedenartige Kaoline im Hinblick auf chemische Aspekte ihrer
Entstehung und führte dabei neben Vorkommen aus seinem Heimatland die Fundpunkte
in Aue und Seilitz zum Vergleich auf. Darin heißt es:
„Man glaubt allgemein, daß der Kaolin ursprünglich dichter Feldspath war, und diese Meinung gründet sich auf eine Menge mineralogischer und geologischer Beobachtungen, die unbestreitbar zu seyn scheinen. Man glaubte zuerst, daß der Feldspath, um sich in Kaolin zu verwandeln, nur eines Zerfallens bedarf, wodurch er zu feinem Staube wird; allein, die von Vauquelin (Bul. phil. Nro. 60) und von Rose (Karsten's Tabellen S. 57) gegebenen Analysen bewiesen die Verschiedenheit der Bestandtheile derselben, und zwangen das Geständniß ab, daß der Feldspath bei dieser Verwandlung mächtig verändert worden seyn mußte. Die meisten Mineralogen sagen heutzutage, daß der Kaolin ein Feldspath ist, der auf was immer für eine Weise seine Pottasche verloren hat. Ich werde hier durch Vergleichung mehrerer Abarten von Kaolin mit dem Feldspathe zeigen, daß diese Idee nicht Stich hält, und dann untersuchen, worin die Unterschiede dieser beiden Körper bestehen. Folgende Resultate hat die Analyse gegeben:
Man ersieht aus diesen Analysen, daß die Bestandtheile des Kaolin wandelbar sind. Es scheint mir dieser Umstand von zwei Ursachen abzuhängen; erstlich davon, daß es beinahe unmöglich ist, denselben durch das Schlämmen gehörig zu reinigen, indem immer kleine Quarz- und Feldspaththeilchen im Wasser schwebend erhalten werden, und dann auch davon, daß der Feldspath sich wahrscheinlich nur nach und nach zersetzt, und eine Menge von Zuständen durchläuft, ehe er sich in vollkommen reine Porzellanerde verwandelt. Man hat allen Grund zu glauben, daß diese durchaus keine Pottasche enthält. Man muß bemerken, daß die Thonerde in allen Arten von Kaolin im Verhältnisse zur Kieselerde in weit größerer Menge vorkommt, als im Feldspathe. Hieraus folgt, daß lezterer nicht bloß feine Pottasche verliert, wenn er sich in Kaolin verwandelt, wie man geglaubt hat, sondern daß dieselbe Ursache, die ihn verwandelt, ihm auch eine große Menge Kieselerde entzieht. Wenn man zugibt, daß die im Kaolin vorkommende Pottasche von einem Theile noch unzersezten Feldspathes herrührt, so sieht man leicht ein, daß im Kaolin von St. Yriez, denselben vollkommen rein angenommen, die Kieselerde sich zur Thonerde ungefähr wie 52 zu 48 verhalten müßte. Dieß ist aber das Verhältniß der kieselsauren Thonerde (silicate d'Alumine); und da die Formel für den Feldspath KA³S¹² ist, so folgt unter unserer Voraussetzung, daß dieses Fossil die kieselsaure Pottasche KS³ fahren läßt, und folglich zwei Drittel seines Gewichtes verliert, wenn es in Kaolin übergeht. Und dieß scheint mir wirklich die chemische Veränderung, welche der Feldspath durch die langsame Zersetzung erleidet, der er im Schoße der Erde ausgesetzt ist. Die Ursache dieser außerordentlichen Veränderung ist durchaus unbekannt, und es ist um so schwerer, sich einen Begriff von derselben zu machen, als das Wasser, dem man dieselben zuzuschreiben in Versuchung gerathen könnte, ohne Wirkung auf das kieselsaure Alkali mit mächtigem Säure- Ueberschusse KS9 zu seyn scheint. Rose hat einen Kaolin untersucht, der beinahe dieselben Bestandtheile zeigt, auf welche ich durch Induction geleitet wurde, indem er
fand. Der Kaolin von Schneeberg scheint sehr wenig von jenem von St. Yriez verschieden. An jenem von St. Tropez ist der Feldspath nur zur Hälfte zersezt. Man weiß gegenwärtig, daß es Feldspathe mit Pottasche, mit Soda und mit Bittererde als Basis derselben gibt, und daß diese 3 Arten*) sich unter allen Verhältnissen mit einander verbinden können. Es ist höchst wahrscheinlich, daß die Meißner Kaoline von einem etwas bittererdigen Feldspathe herkommen, und daß der von Mende durch eine theilweise Zersetzung eines Feldspathes entstand, in welchem die Bittererde vorwaltet. Was den Kaolin aus der Normandie betrifft, so ist dieser sehr unrein, und ich weiß nicht, ob der Kalk darin zufällig ist, oder ob er das Daseyn eines Feldspathes verkündet, in welchem diese Erde zum Theile die Stelle des Alkali vertritt.“ *) Hier sind zum einen der Kalifeldspat (,Orthoklas‘), zum anderen die Mischkristalle der Kalzium- (Anorthit) und Natrium- haltigen (Albit) Feldspäte (,Plagioklas‘) gemeint. Dagegen irrte Herr Berthier in seiner Annahme eines ,bittererdigen Feldspathes‘. Nur selten ist anstelle der drei genannten Alkalimetalle auch einmal Barium; nie aber Magnesium in den Feldspäten zu finden. Die in seinen chemischen Analysen des Kaolins vorgefundenen, geringen Magnesiumgehalte gehen wahrscheinlich auf die Zersetzung von Mineralen aus der Glimmer- Gruppe im Edukt zurück. |
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Unter dem Ort Seilitz
erwähnten die Herausgeber von A. Schumann's
III. Thon- Geschlecht. 1) Reine Thon- Erde (Argillit). „Wenn auch hin und wieder, besonders in älteren Schriften, das Vorkommen reiner Thonerde an sächsischen Orten, namentlich von Kohren und Rochlitz, erwähnt wird, so ist doch die Richtigkeit solcher Angaben sehr zu bezweifeln und vielmehr anzunehmen, daß unter dieser Benennung nur reinere Varietäten des Gemeinen Thons oder Porzellan- Erde gemeint sind.“ 2) Porzellan- Erde (Kaolin). „Das meiste, was man in ältern Schriften als Weiße Erde erwähnt findet, ist Porzellan- Erde; auch mag manches, was als Walk- Erde, Mergel- Erde und Weißes Steinmark, oder in ganz alten Schriften als Morochtus aufgeführt wird, hierher gehören. Dagegen wird in neuern Schriften als Porzellan- Erde oder Porzellain- Thon manches aufgeführt, was nur eine feinere Sorte von weißlichen Töpferthon seyn dürfte. Was man mit Sicherheit, oder wenigstens mit großer Wahrscheinlichkeit, für Porzellan- Erde annehmen kann, erscheint in Sachsen, theils als Gemengtheil, auch wohl in lagerartigen Ausscheidungen, im Granit, seltner in einigen anderen Gebirgsarten; theils auf Eisen- und Zinnstein- Gängen.“ Zu den ,ganz alten Schriften' kann man fast 300 Jahre später G. Agricola's De natura fossilium Libri X sicherlich schon zählen. Tatsächlich findet man darin ‒ und zwar im 5. Buch ‒ unter der Nummer 33 den Morochthus und kann dort darüber lesen: „So wie der Hämatit und Schistos Ausgeburten rother Felsen sind, so geht der Morochthus aus weißen Felsen hervor, besonders aus Kalkstein und ähnlichen. Man kann damit weiße Linien ziehen, wie mit Kreide. Deshalb nennen ihn einige Leukographis. Auch wird er Leukogäa, d. h. weiße Erde genannt, ferner Galaxia, weil er einen weißen, milchfarbigen Saft von sich gibt. Man findet ihn in Aegypten und in Deutschland, namentlich in der Gegend von Alfeld in Niedersachsen, wo er auf einer Grube, gegen Morgen von dem Wege nach dem Waldberge, ausgegraben wird. Der Morochthus ist weiß, weich und leicht auflöslich. Man bedient sich seiner zum Anstreichen der Kleider und in der Medicin.“ Offenbar war auch ihm schon der weiche, weiße Ton bekannt, auch wenn der ,weiße Saft‘ wohl eher eine Suspension feinstkörnigen, herausgespülten Schlammes gewesen sein dürfte. Er wurde offenbar schon damals als Schneiderkreide verwandt. Auch in einem ursprünglich französisch verfaßten, medizinischen Fachbuch aus dem 18. Jahrhundert (Lemery, 1721) findet man das Stichwort: Morochtus, „auch Morochtus lapis, Leucophragis, Graphida, oder Galaxias, bei G. Agricola“, und kann dort darüber lesen: „Dieser ist ein zarter Stein, bald grünlicht, bald schwartz, bald gelb, u. giebet einen milchweissen Saft. Er wird in den Steinbrüchen in Sachsen in Teutschland gefunden: die Teutschen nennen ihn Milchstein. Dioscorides meldet von demselben, daß er in Egypten wachse, und weil er weich ist, und bald zergehet, deshalben hätten sie ihn an Statt der Seiffe das leinene Geräthe zu waschen gebrauchet. Etliche brauchen ihn zum schreiben, wie die Kreide, oder Linien damit zu ziehen, daher er auch den Titel Graphida überkommen. Er führet Phlegma und Oel. Er dienet das Blut auswerffen zu verstellen, auch andere Blutstürtzungen, schliesset die Schweißlöcher, dämpfet die Schärffe in der Blase, wann er eingenommen wird. Auf einmahl wird ein Scrupel bis auf ein gantz Quintlein eingegeben. Er wird auch zu Mutterzäpflein gebrauchet und mit Wolle vermischet, zum weiblichen Blutfluß. Als ein collyrium und Augenartzney wird er gleichfals gebrauchet, die kleinen Geschwürlein in den Augen auszutrocknen, und das Thränenfliessen zu verhindern. Unter die Cerata wird er gemischet, die Wunden auszutrocknen und sie zu lindern.“
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Natürlich ist dann auch bei Freiesleben im Abschnitt AA. In Gebirgsgesteinen und lagerartigen oder stockförmigen Ausscheidungen. gleich unter A. Granit. als erstes das Erdenlager auf Weißer St. Andreas in Aue beschrieben. Erst weiter hinten (S. 177ff) findet man dann unser hier betrachtetes Revier unter: „G. Die verschiedenen Porphyrformationen. enthalten wichtigere und bekanntere Massen von Porzellan- Erde. Das bedeutendste Depot dieser Erde liegt in dem Porphyr bey Seylitz (oder Seidlitz) und Schieritz, zwischen Meißen und Zehren. Noch ist nicht ausgemacht, ob sie dort ein Lager oder eine stockförmige Masse bildet. Indessen ist ihre Verbreitung auf fast 400 Lr. in der Länge und Breite bekannt; dabey schreibt man ihr eine Mächtigkeit von 8 bis 10 Ellen zu; doch werden jetzt nur 5 bis 6 Ellen davon abgebaut. Hin und wieder setzt sie zu Tage aus; am mittäglichen Ende aber, wo jetzt der Abbau ist, liegt sie etwa 20 Ellen unter Tage. Schon die ganze dortige, thonsteinartige zerrüttete Gebirgsmasse ist mit Porzellan- Erde dergestalt durchzogen und durchdrungen, daß sie ein Gegenstand des Abbaus ist; es kommt aber auch ganz reine Porzellan- Erde, eingesprengt und in Nestern bis zur Größe einer Faust, in der übrigen Masse vor. Früher hielt man (nach Pötzsch) dafür, daß sie aus Pechstein entstanden sey, indessen ist es wohl kaum zu bezweifeln, daß sie vielmehr aus dem dortigen (von Thon oder Mergel bedeckten und mit Pechstein (S. 93) abwechselnden) Feld- und Thonsteinporphyr entstanden ist (vgl. Heft 2, S. 81). Ein graulich- und röthlich- weißes, halbhartes thoniges Fossil, was in eckigen Stücken in der übrigen Masse bisweilen vorkommt, scheint den Übergang der Porzellan- Erde in den Porphyr zu vermitteln. Die Seylitzer Porzellan- Erde ist von der Auer sehr verschieden; sie ist mehr gelblich-, graulich- und grünlich- weiß, als röthlich- weiß; ja selbst bis in eine apfelgrüne glimmerige Erde geht sie über; dabey ist sie nicht so feinerdig oder staubartig wie die Auer; vielmehr groberdig, ziemlich verhärtet und fast uneben. Sie geht nie in Feldspath, aber wohl in Thon über, und ist auch leichter zu schlämmen, wie die Auer Erde. Jedoch enthält sie (nach Berthier) weniger Thonerde, dagegen mehr Kieselerde, wie die Auer, sowie eine Spur von Kali und Talk, der in der Auer Erde nicht enthalten ist. Sie ist für die Meißner Porzellanfabrik, die sie seit 1764 (wo sie durch einen Maler namens Hahnefeld entdeckt wurde) mit benutzt, von großer Wichtigkeit. Zwar giebt sie kein so feines, leichtes und haltbares Porzellan, wie die Auer Erde, ist auch nicht so ductil und schwindet mehr, daher sie zu ganz feinen Fabrikaten nur durch sehr sorgfältige Behandlung brauchbar wird; aber immer giebt sie für gewisse Artikel ein gutes Porzellan; nur ist ihr Scherben durchscheinender und glasiger, auch beym Durchscheinen nicht milchweiß, wie die Auer, sondern gelblich; es veranlaßt auch ihre Sprödigkeit leichter das Reißen der Scherbel. Als man daher vor etwa 15 bis 20 Jahren einige Zeit lang nothgedrungen sie bey der Meißner Fabrik in einem etwas stärkeren Verhältnisse verbraucht hatte, als eigentlich rathsam war, gerieth das Fabrikat, wie damalige öffentliche Nachrichten bemerkten, gar bald in einigen, glücklicherweise bald sich wieder zu heben gewesenen Mißcredit. Das Schieritz'er Erdenlager ist insbesondere am dortigen Kirschberge erschroten worden. Auch in Kynast bey Meißen gewann man einige Zeit lang eine, wahrscheinlich aus dem dortigen Porphyr entstandene Porzellan- Erde und machte von 1789 an mehrmalige Versuche damit bey der Meißner Porzellanfabrik, wobey man sie aber zu färbend, unrein und steinig, mithin nicht zur Porzellanbereitung, wohl aber bey der Fayencefabrik in Hubertusburg brauchbar fand. Die Porzellan- Erde von Schlettau (gemeint ist hier ,Schletta'), die ebenso wie die von Kynast nur zu einer Bereitung von Halbporzellan oder sogenanntem Sanitätsgeschirre tauglich ist, scheint dagegen aus Pechsteinporphyr entstanden zu seyn; indem sich ein Übergang aus ihr bis in Pechstein- Grus und festen Pechstein nachweisen läßt (S. 93). Ebenso ausgezeichnet ließ sich (nach Pötzsch) ein Übergang der Porzellan- Erde in Pechstein bey Garsebach beobachten, wo man mit einem in Pechstein getriebenen Wasserstolln ein Lager von Porzellan- Erde antraf. Sie war grünlichweiß, theils zerreiblich, theils verhärtet, wie eine Art Steinmark, und mit kleinen Quarzkörnern gemengt. Was ich davon in der Königl. Mineraliensammlung in Dresden gesehen habe, hatte viel Ähnlichkeit mit Steinmark. Neuerdings (namentlich seit 1817) hat man mächtige Depots von Porzellan- Erde in dem Porphyr in der Gegend von Mügeln bis Mutzschen, besonders bey Sornzig, Glossen, Kämlitz und Schleben, entdeckt. Sie können zum Theil für die Meißner Fabrik dereinst sehr wichtig werden; jetzt benutzt man sie indessen vornehmlich zu Fayence bey der Hubertusburger Fabrik. Daher wird auch öfterer graulichweiße Porzellan- Erde aus den Porphyren bey Hubertusburg und bey Kolditz erwähnt. Sie soll viel ductiler seyn, wie die Auer und giebt ein weißes Porzellan, das vorzüglicher ausfällt, wie manches ausländische, und besonders zu Sanitätsgeschirr sehr tauglich seyn würde...“
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Auch eine andere Erscheinung, die namentlich im Löthain'er Tonrevier sehr häufig vorkam, wurde bereits von Freiesleben im Abschnitt BB. Auf Gängen. ‒ wenn hier auch in Zusammenhang mit Tonerdevorkommen auf Granitgängen ‒ wie folgt bereits erwähnt (S. 183): „Die Erscheinung der Porzellan- Erde auf Gängen und in deren unmittelbarer Nachbarschaft zeigt zwey sehr bemerkenswerthe Verhältnisse, die beym Nachdenken über die Entstehung der Gänge überhaupt nicht unbeachtet bleiben sollten. Einmal findet man sie hauptsächlich nur auf solchen Eisen- und Zinnsteingängen, die in Granit aufsetzen. Zweytens erscheinen sie besonders in dem guhrigen Granit, der meist der unmittelbare Begleiter solcher Gänge, besonders der Eisensteingänge, ist...“ „Es ist hiernach eine den Bergleuten bekannte Erscheinung, daß diese Granitguhr böse Wetter veranlaßt. Vielleicht scheidet die Porzellan- Erde den Sauerstoff aus der atmosphärischen Luft ab, wie dies Hr. v. Humboldt schon längst von mehrern weißen Thonerden bemerkt, und Hr. Bergrat Lampadius von der Auer Erde durch directe Versuche (...) bestätigt hat. Ob ein ähnlicher Proceß beym Rotten der Porzellan- Erde in den Fabriken oder beym Trocknen, wodurch sie zugleich weißer wird, vorgeht; und ob auch noch andere Beobachtungen, die man bey Porzellanfabriken über die Eigenschaft der rottenden Porzellan- Erde, manche Holzarten, hölzerne Gefäße und Butten, zu zerstören, gemacht hat, hiermit in Zusammenhange stehen, dieß liegt außer den Gränzen dieser Darstellung; indessen ist hier doch noch so viel zu bemerken, daß die Erzeugung böser Wetter und die baldige Zerstörung des Zimmerholzes eine Erscheinung ist, die man zuverlässiger Nachricht nach, auch aus den Seylitzer Porzellanerde- Gruben kennt.“
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Albert Schiffner erwähnte 1840 in seinem ,Handbuch der Geographie... des Königreichs Sachsen', und zwar in der Zweiten Lieferung, den Dresdener Kreisdirektionsbezirk enthaltend, ebenfalls die Ton- und Kaolinvorkommen bei den hiesigen Dörfern im Abschnitt ,Meißner Dörfer' (S. 378ff). So steht hier zu lesen: „84) Kaschka, Katzschka, Gaschka, Jaschka (=Eschenbusch), Amtsdorf, gepfarrt nach St. Afra in Meissen, begreift blos 2 Landschoppengüter mit 3 Hufen und 15 Seelen, liegt an einem Grunde ¾ Stunde westlich von Meissen und kam gleich 1205 ans Afrastift. Den hiesigen feuerbeständigen und höchst ductilen Thon, der auch stark ins Ausland geht, benutzte die Meissener Fabrik vor 16 Jahren zum Sanitätsgeschirre, und noch dient er, obwohl viele Schwefelkiestheilchen enthaltend, den Döhlener und Pirnaischen Fabriken zu Brennkapseln.“ „113) Löthain, urkdl. Lethan, unterm hiesigen Römerischen Rittergute, jedoch mit 1 Hufe der Procuratur zinsbar, gepfarrt nach St. Afra in Meissen, (...) hat 10 Hufen, starken Obstbau... und liegt weit bemerkbar 1 Stunde westlich von Meissen, unweit der Straßen nach Freiberg und Leisnig... Man gräbt hier Thon zu Brenncapseln für die Meissener Fabirk, auch zu den Steingut-, Relief- und marmorirten Waaren der Döhlener Poterie, und selbst zum Handel ins Ausland. Auch reicht bis hierher der Pechstein... Das wohlbestellte Mannlehn- Rittergut, welches 1834... 326 Unterthanen zählte, gehörte vor 430 Jahren denen von Heynitz, vor 100 Jahren dem Oberberghauptmann Vitzthum von Eckstädt, und schon geraume Zeit den Römern, unter welchen jetzt Rudolf Benno ritterschaftlicher Abgeordneter in der zweiten Kammer (des Landtages) ...und als eifriger Beförderer jeder Intelligenz rühmlich bekannt ist.“ „123) Mehren (urkdl. Miratina, Mirnen, Mheren) Amtsdorf, jedoch mit 3 Hufen der Schule zinsbar, mit 4 Hufen unter dem Tittergut Jahna stehend, gepfarrt nach St. Afra... liegt im Grunde 1 Stunde westlich von Meißen, kam durch kaiserliche Schenkung 1013 ans Hochstift, zinste seit 1205 dem Afrastifte... Man treibt hier, das Feld zu schonen, in bergmännischer Weise den Bau auf Thon zu Brenncapseln für die Meissener Fabrik, und auf Erdkohlen, über welchen man 1765 in bituminöser Erde oder verwitterter Kohlen- Lage ziemliche Bernsteinstücken gefunden hat. Diese Lage unterzieht ein starkes Lager farbigen Lettens und ruht auf dem 12 bis 15 Ellen mächtigen Thonlager. Nicht selten zeigen sich Asthaken in einen grünlich- grauen Kies umgewandelt. Der graulich- weisse, fette und reine Thon läßt sich auch zu Pfeifen gebrauchen, und diente früher wegen seiner Feuerbeständigkeit der Friedrichsthaler Glashütte; das Lager reicht bis Mohlis, aber nicht, wie es scheint, bis Seylitz.“ „137) Mohlis, Mohlitz... Amtsdorf, doch der Schule zinsbar, gepfarrt nach St. Afra... hat bei 4 Gütern 14 Hufen, liefert der Porcellanfabrik minder fetten, aber weissern Thon, als Mehren und liegt angenehm in der Senkung der hohen Gegend westlich von Meissen. Nächst Syenit enthält das hiesige Gebirge Porphyr und Pechstein; wenn es daher im Freiesleben’schen Magazin (für Oryktographie) III. 92 heißt: der Pechstein reiche bis Mockeritz, so ist wohl unser Ort gemeint.“ „171) Oberjahna, Großjahna, Amtsdorf... zinste schon 1205 dem Afrastifte... liegt ¾ Stunde westlich von Meissen an dem von Mehren herabkommenden Bächlein. Hier geht ein weisser, buntgeaderter Thon zu Tage aus.“ „178) Okrilla, Ockrylla (urkdl. Ocrul, Okryll) (...) hat 18½ Hufen, einigen Weinbau und liegt fast 1 Stunde von Meissen an der Hainer Straße auf hohem Abhange. Es zinste seit 1205 dem Afracloster, kam vom Prokuraturamte zunächst 1661 an das damalige Rittergut Gröbern... Der hiesige, bolusartige rothe Thon diente 1704 Böttchern zu seinem ,braunen Zeuge‘, d. h. seinem ersten braunrothen Porcellan, später den Töpfern in Hain und Meissen zu buntem Geschirr, im 7jähr. Kriege aber auch zu Tischkrügen, Stockknöpfen u. a. feiner Waare... jetzt noch dient er zu Pfeifenköpfen. Sein zu Tage ausgehendes, bis 2 Ellen mächtiges Lager ruht auf einem graulich- weissen Thone... Anfangs nannte man ihn Sigelerde und es sollen Gefässe vom Jahre 1630, die das japanische Palais zu Dresden bewahrt, schon daraus gefertigt seyn. Böttchers Porcellan, dicht wie Jaspis, wurde sogar geschliffen...“ Auf diesen Ort, rechts der Elbe gelegen, werden wir in diesem Beitrag nicht weiter eingehen; vielleicht ist er uns aber zu seiner Zeit einen Nachtrag wert.
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Schließlich findet man noch über:
„229) Schletta, Schlettau (urkdl. Zletowe, Slettaw, Schlichtau, das heißt Sumpfheim, obwohl das hiesige Syenit-, Porphyr- und Pechsteingebirge wohl nie viel Sumpf zulassen konnte), mit 3 Hufen unter dem Amte, übrigens unterm hiesigen Burkhardtschen Rittergute, hat... 1 Landgerichtsgut mit Ziegelei, auch Pechsteinbrüche und liegt ⅔ Stunde westlich von Meissen in der Senkung einer hohen Gegend. Die hiesige, aus Pechsteinporphyr entstandene Porcellanerde wird zu Sanitätsgeschirr benutzt; im Porphyr gibt es auch sogenannten Tigerachat...“ „237) Seilitz, Seylitz, richtiger Seidlitz (urkdl. Sczedelitz, d. h. Colonie) unter des Amtes Obergerichten, übrigens unter dem Rittergut Schieritz, bis auf den der Landschule zinsenden 2¾ Hüfner, liegt in der Senkung einer hohen Gegend 5/4 Stunde westnordwestlich von Meissen, zinste schon 1205 dem Afrastifte und begreift 2 fiscalische Häuser nebst Treughütten für die, zur Meissener Fabrik gehörige, sehr wichtige Thongräberei. Da dieser Porcellanerde ein Porphyr, dessen Drusenräumchen Quarzkryställchen enthalten, zugrunde liegt, so führt sie viele Quarzkörnchen; und da man von ihrer an 10 Ellen tragenden Mächtigkeit nur erst am Südende 5 bis 6 Ellen Höhe abbaut, so weiß man noch nicht, ob sie ein Lager oder einen Stock bilde; sicherlich aber greift sie in Länge und Breite ⅛ Stunde weit aus, und erscheint an mehreren Stellen entblöst. Mit der Auer Erde verglichen, ist sie minder geröthet, leichter schlämmbar, ärmer an Thongehalt, führt Spuren von Kali und Talk, auch Nester von reiner Porcellanerde, zugleich aber Stücken eines Fossiles, das erst im Übergange vom Porphyr zur Thonerde begriffen ist; sie liefert auch zwar ein gröberes, minder haltbares, glasähnliches, spröderes und schwereres Zeug, als die Auer Erde, wird aber doch seit 1764, wo ein Maler Hahnefeld sie erkannte, stark benutzt, und auch andrerseits am Schieritzer Kirchberge abgebaut. Auch viele Konchylien will man in diesem Thone gefunden haben...“
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Nach der
geognostischen Landesuntersuchung in Sachsen
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1845 berichtete dann auf Grundlage der
Berichte der Geognostischen Landes- Untersuchungskommission C. F. Naumann
in seinen Erläuterungen zu den daraus geschaffenen Geognostischen Karten des
Königreichs Sachsen (Heft 5 zum Blatt X,
S. 174) über die Kaolinvorkommen:
„Dicht bei und in Seilitz findet sich die zur Pechsteinbildung gehörige Ablagerung von Kaolin; allein in der Schlucht unterhalb des Dorfes steht auf der rechten Seite noch etwas blauer Porphyr an, ehe man den Granit erreicht. Es scheint sich nämlich der Pechstein und Pechthonstein aus der Gegend von Priesa und Pröda über Seilitz nach der Gegend des blauen Berges im unteren Theile des Mohliser Thales hinzuziehen, und dabei den blauen Porphyr zwischen dem letzgenannten und dem Priesaer Thale gangförmig zu durchsetzen. Daher tritt er im Mohliser Thale unterhalb des blauen Porphyrs auf, welcher letztere hier niemals an den Granit gränzte, sondern schon in das Gebiet des Dobritzporphyrs eingetreten ist, der am blauen Berge, noch unterhalb des Pechthonsteines, erscheint.“ Über das Edukt heißt es bei Naumann weiter (S. 184f): „Der hiesige Pechstein selbst ist nach seinen petrographischen Eigenschaften so bekannt, daß eine Schilderung desselben überflüssig sein würde; daher mag die Bemerkung genügen, daß die grünen Varietäten bei Weitem vorwaltend sind, die rothen, gelben, braunen und bunten Varietäten aber besonders schön bei Korbitz und Schletta vorkommen. Er ist meist ungeschichtet, zeigt aber doch bisweilen eine Absonderung in dicke Bänke. Stellenweise hat er eine so durchgreifende Zersetzung erlitten, daß er sich als eine mehr oder weniger reine, kaolinartige Masse darstellt; so bei Seilitz, Schletta, Katzschke und am Abhange des Kuhberges bei Wachtnitz. Diese kaolinisirten Varietäten sind wichtig für die Meißner Porzellanfabrik, und werden besonders bei Seilitz, wo sie 5 bis 10 Ellen mächtig vorkommen sollen, durch unterirdischen Abbau gewonnen.“ Schließlich heißt es (S. 194) noch über Anderweite Pechstein- Vorkommnisse. Pechstein und Pechthonstein bei Pröda, Priesa und Seilitz. „In der Schlucht unterhalb Pröda liegt ein Steinbruch in grünem Pechstein, welcher in der Mitte des Bruches sehr aufgelöst und fast zu Kaolin umgewandelt ist, auch mit dem Pechthonsteine zusammenhängt, der näher nach Pröda hin vorkommt. Dicht bei Seilitz liegen die Schächte, aus welchen das dortige Kaolin gewonnen wird, welches, von einer mächtigen (angeblich Muscheln führenden) Thonablagerung bedeckt, auf 400 Lachter in die Länge und Breite (?) bekannt sein soll und etwa 6 Ellen hoch abgebaut wird. Das Kaolin ist mit Quarzkörnern und Stücken unzersetzten Thonsteines gemengt, von denen es durch Waschen und Schlämmen gereinigt wird. Oehlschlägel führt mehre Thatsachen an, welche die, schon früher von Pötzsch aufgestellte, Ansicht außer allen Zweifel setzen, daß dieses Kaolin nur ein Zersetzungsproduct des Pechthonsteines ist. Oestlich voп Seilitz findet sich der Pechthonstein im Mohliser Thale, oberhalb des blauen Berges, an beiden Thalseiten, und wird nördlich von gestreiftem, südlich von blauem Porphyr begränzt. Es ist bereits oben (S. 174) die Vermuthung geäußert worden, daß alle diese, bei Seilitz, Pröda und Priesa unter der Lehm- und Thondecke hervortauchenden Vorkommnisse von Pechstein und Pechthonstein wahrscheinlich einer und derselben Ablagerung angehören, welche vielleicht von einem, nahe bei Seilitz in ostwestlicher Richtung hindurchsetzenden Gange herrühren mag.“
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Digitalisat:
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Aus dem Jahr 1867 gibt es noch einen weiteren
Bericht über eine geognostische Reise durch den Kreis Meißen von August
Frenzel. Darin äußerte er sich ebenfalls zum damaligen Abbau der Kaolinlager
(40003, Nr. 285, Rückseite Blatt 24):
„Der Kaolin von Seilitz wird bergmännisch abgebaut, die Mächtigkeit des Lagers variiert zwischen 2 und 24 Ellen und wegen dieser Mächtigkeit muß der Abbau in drei übereinanderliegenden Strecken erfolgen, da die Streckenhöhe 4½ Ellen nicht überschreiten darf. Alle Strecken und Abbauörter stehen in Thürstockzimmerung und müßen die Thürstöcke stets unmittelbar vor Ort nachgezogen werden. Beim Verlassen einer Strecke werden die Stempel geraubt, der Bau geht dann zu Bruche. Die Gewinnung erfolgt mittelst Keilhauenarbeit, die Masse wird in kleinen Hunden auf Pfosten bis vors Füllort gestoßen und der Hund mittelst Haspel gleich über Tage gezogen. Es wird mit Recht angenommen, dass das Kaolin aus Pechhornstein entstanden sei, da nun der Pechhornstein nur ein veränderter Porphyr ist, so ist Kaolin ein Zerstörungsprodukt von Porphyr. In dem Dobritzer Porphyrbruch kann man sehr schön den Übergang des Porphyrs in Kaolin wahrnehmen; unter der Rasensohle ist der Porphyr weiß und weich, zerbrechlich, zu Kaolin geworden. Es ist wahrscheinlich, daß auch der Seilitzer Kaolin aus Dobritzer Porphyr entstanden. Im Kaolin kommen keine Mineralien vor, mit Ausnahme von Quarz, der kleine krystallische Drusen auskleidet, vor. Die verschiedene Mächtigkeit des Kaolinlagers kommt von der früheren unregelmäßigen Gestaltung der Oberfläche her; der Porphyr wurde in der Diluvial Periode bedeckt mit Sand, welcher Gerölle führt. Dieses angeschwemmte Land kann man in der Grube vielfach beobachten, es bildet theilweise die Decke der Strecken, vor Örtern vorkommend, bezeichnet es das Ende der Gewinnung.“
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![]() Sehr viele dieser kleinen Mandeln sind durch ihre bläulich- graue und weißlich- graue Bänderung ausgezeichnet. Sammlung: St. Köhler, Meißen.
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![]() Auch dieses... Sammlung: St. Köhler, Meißen.
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![]() Wie in Achatmandeln von anderen Fundpunkten auch, finden sich gelegentlich auch Blasenhohlräume, die mit Quarzkristallen ausgekleidet sind. Sammlung heute: St. Köhler, Meißen.
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![]() Weil es so schön ist, noch mehr davon. Sammlung: St. Köhler, Meißen.
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![]() Dieses Stück weist auch tiefrote Bänder auf... Sammlung: St. Köhler, Meißen.
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![]() Bedeutend seltener sind Mandeln mit der von anderen Fundorten bekannten, roten und weißen Bänderung gefunden worden. Der Zwickelraum am unteren Rand ist hier mit fast schwarzen Rauchquarzkristallen ausgefüllt. Sammlung: St. Köhler, Meißen.
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![]() Auch solche gangartigen Stücke waren sehr selten. Sammlung: St. Köhler, Meißen.
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![]() Die Tuffe waren offenbar punktuell von kleinen Quarz- bzw. Achattrümern durchzogen. Neben Zwickelfüllungen mit weißem Quarz treten auch in dieser Stufe solche mit Rauchquarz auf. Sammlung: St. Köhler, Meißen.
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Die meisten dieser Funde wurden in den 1970er
Jahren gemacht, als auf den tiefen Sohlen offenbar ein Bereich, in dem diese
Mineralien häufiger waren, durch den damaligen VEB Vereinigte Kaolin- und
Tonwerke in Seilitz untertage angeschnitten und auch abgebaut worden ist. Heute sind die Fundmöglichkeiten
praktisch erloschen.
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Der deutsche Berg- und
Hüttentechniker Carl Bischof (*1812, †1884) widmete ab 1870 eine ganze
Artikelfolge in Dingler’s Polytechnischem Journal (Band 198, Jahrgang
1870, Nr. C., S. 396ff) den Eigenschaften und der Verwendung der Kaoline. Hier heißt es, daß
„den natürlichen Verhältnissen nach, die Verschiedenheiten durch
Verunreinigungen sehr bedeutend seyn können. Nehmen wir die Kaoline nicht wie
sie als Handelswaare, ausgesucht oder meistens sortirt, bekannt sind, sondern wie
sie in ihrer Lagerung vorkommen, stellenweise, besonders an den Grenzpunkten,
höchst unrein, von Eisen, Glimmer und anderen Zersetzungsresten erfüllt, so ist
es begreiflich, daß, je nachdem das Material der einen oder anderen Localität
entnommen wird oder Reinigungsprocesse mit größerer oder geringerer Vorsicht
ausgeführt werden, wir unter den Kaolinen solche antreffen, die den Namen mit
Recht verdienen, aber in pyrometrischer Hinsicht in eine wesentlich tiefere
Classe kommen.“
Mit der ,Pyrometrie' ist hier die Bestimmung ihres Verhaltens beim Brennen, also letztlich deren Verwendbarkeit für keramische Zwecke, gemeint. In der Beschreibung verschiedener Vorkommen findet man auch Sächsische Porzellanerden, „welche bei der königl. Porzellan- Manufactur zu Meißen in Anwendung sind und die ich nebst Notizen der Güte des dortigen Directors verdanke,“ und darunter: 3. Kaolin von Aue bei Schneeberg. „Er ist bekanntlich die älteste in Sachsen aufgefundene und zur Anfertigung des ersten von Böttcher dargestellten weißen Porzellans verwendete Porzellanerde, welcher auch Werner die Charakteristik des als Gattung angenommenen Kaolins entnommen hat. Diese Erde wird jetzt nur noch zu kleineren, die feinste Ausarbeitung bedürfenden Gruppen und Figuren benutzt. Wegen der sehr mühsamen bergmännischen Gewinnung kommt dieselbe der Meißner Manufactur, deren Eigenthum sie ist, auf 4 Thlr. per Zollcentner zu stehen. Sie ist aus Granit entstanden. Das Rohmaterial bildet größere, ziemlich feste Stücke von weißer Farbe mit einem Stich in's Graue. Gelbgefärbte eisenhaltige Stellen, wie Quarzschnüre finden sich vereinzelt. Glimmerblättchen sind nicht zu bemerken. Es zerreibt sich sehr schwierig wegen der steinichten Beschaffenheit. Durch Schlämmen geht verhältnißmäßig nur sehr wenig feinste Porzellanerde über und der Schlämmrückstand ist sehr bedeutend. Derselbe besteht aus grobem Quarz, wovon der kleinere Theil durchscheinend, der größere weiß und undurchsichtig ist. Die von der kgl. Porzellan-Manufactur geschlämmte Porzellanerde bildet ein sehr zartes Mehl mit kleinen Klümpchen. Sie knirscht wenig fühlbar beim Reiben in der Achatschale und ist weiß mit einem Stich in's Röthliche...“ 4. Kaolin von Seilitz bei Meißen. „Er kommt in ansehnlicher Mächtigkeit und in geringer Tiefe vor, weßhalb die Gewinnung eine verhältnißmäßig leichte und wohlfeile ist. Die Ausbeutung der contractlich durch die Manufactur erworbenen Lagerstätten erfolgt ausschließlich für Manufacturzwecke. Er ist aus Porphyr (Feldspathporphyr, Felsitfels) entstanden. Das Rohmaterial besteht aus ziemlich losen, erdigen Stücken von weißer Farbe, mit einem Stich in's Gelblich- Graue. Eisenhaltige Stellen finden sich nur selten, und ganz vereinzelt kleine Nester von Glimmerblättchen. Zerreibt sich leicht. Wird das Material geschlämmt, so bleibt ein beträchtlicher Rückstand, welcher meist aus weißem, undurchsichtigen, kantigen Streusand besteht, worin Körner bis zur Größe eines Pfefferkornes sich befinden. Größere Splitter, die gewöhnlich von dunkler Farbe sind, zeigen sich vereinzelt. Mitunter finden sich schwarz gefärbte Körnchen, sowie auch Glimmerblättchen. Die in Meißen geschlämmte Porzellanerde ist schön weiß und zeigt kaum einen Stich in's Gelbliche. Sie knirscht unfühlbar beim Reiben in dem Achatmörser...“ 5. Kaolin von Sornzig bei Oschatz. „Die Gewinnung des ebenfalls mächtigen und wenig tiefen Vorkommens ist eine gleich günstige. Derselbe wird jedoch auch nicht verkauft. Er ist aus Quarzporphyr entstanden, welcher in der Nachbarschaft des Erdenlagers mehr oder weniger verwittert als Felsart auftritt und in dortiger Gegend als Baustein verwendet wird. Das Rohmaterial bildet größere Stücke von sehr gleichmäßigem Ansehen, eine meist erdige Masse, in welcher sich zahlreiche dunkel erscheinende Punkte (Quarzkörner) befinden. Unreine, eisen- oder glimmerhaltige Stellen sind nicht zu bemerken. Zerreibt sich ganz leicht. Durch Schlämmen wird ein beträchtlicher Rückstand erhalten, welcher aus kantigen Körnern besteht, deren Kerne durchsichtiger oder durchscheinender Quarz sind und deren Äußeres rein weiß und nicht durchscheinend ist. Die Körner sind im Ganzen sehr gleichmäßig von der Größe eines viertel und halben Pfefferkornes. Die in der Manufactur geschlämmte Porzellanerde ist weiß, mit einem Stich in's Hell- Gelbliche. Knirscht wenig fühlbar beim Reiben in dem Achatmörser...“ Nur wenige Jahre später publizierte derselbe Autor noch einen ,Versuch einer Zusammenstellung der deutschen und der bekanntesten fremden Thone nach den Formationen, besonders der tertiären, wie auch der älteren, in denen sie vorkommen' in dieser Fachzeitschrift (Dingler's Polytechnisches Journal, Band 206, Jahrgang 1872, Nr. LXXXIV, S. 295ff). Darin kann man lesen: „Anknüpfend an eine Abhandlung des unlängst dem deutschen Ziegler- Verein nicht weniger, als der keramischen Wissenschaft überhaupt entrissenen Alb. Türrschmiedt, worin derselbe eine Eintheilung der Thone in geologischer Hinsicht aufstellte, möchte ich nachstehend eine solche näher und bestimmter zu verfolgen suchen, selbst in dem Bewußtseyn, daß dieß dermalen nur in recht lückenhafter und unvollständiger Weise möglich sey. Behalten wir die geologisch, wenn auch nicht immer scharf begrenzte und unzweifelhafte, doch Vieles für sich habende Sonderung der Thone in solche von primärer, ursprünglicher und solche von secundärer, sedimentärer Lagerung bei, welche letztere im Gegensatze zu ersteren zu den weichen, plastischen gehören, so kommen die ungleich häufiger von ihrem Ursprungsorte weggeschwemmten Thone – darunter recht ausgedehnte und gewichtige Lager – in den tertiären Bildungen, und in diesen wieder in der Braunkohlenformation vor. In den 7 großen Braunkohlenbecken Deutschlands stoßen wir überall auf reichliche Thonlagerungen, so daß die Angabe der Braunkohlenlager gleichzeitig die Fundstätten dieser Thone bezeichnet...“ Nur sehr knapp ist darin dann erwähnt: Sachsen. „Seilitz, Schletta und Kaschau bei Meißen. Bei Karcha zwischen Meißen und Noßen. Begleiter der Braunkohle. Sornzig bei Oschatz. Die Kaoline von Seilitz und Sornzig sind zersetzter Porphyr und Material der Meißner Manufactur. Bei Marka unweit Bautzen, Eiban bei Zittau (Begleiter der Braunkohle). Sosa bei Johann- Georgenstadt. Aue bei Schneeberg. Verwitterter Granit. Ist nahezu erschöpft.“ Den Namen des Örtchens Kaschka schrieb damals aber auch jeder anders... Und als dies 1872 geschrieben wurde, war die Weißerdenzeche bei Aue längst ganz aufgelassen. |
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Inzwischen erschien auch die erste Auflage der Geologischen Specialkarten von Sachsen, wo wir die uns hier interessierende Region auf dem Blatt No. 48: Section Meißen finden. Der Geologe A. Sauer beschrieb in der ersten Auflage des Erläuterungsheftes zu diesem geologischen Kartenblatt im Jahr 1889 wie üblich zunächst ausführlich die magmatischen Gesteine, welche hier das Grundgebirge aufbauen und das Edukt der jüngeren Verwitterungsdecken und damit auch des Kaolins darstellen und unterschied dabei in der Reihenfolge ihrer Alterseinstufung (S. 69ff):
Anmerkung: Als Gesteinsbezeichnung ist ,Porphyr' (im engeren Sinne auch ,Quarzporphyr') heute ungebräuchlich geworden; diese ‒ gewöhnlich schon paläozoischen (oberkarbonischen) ‒ sauren (Quarz- reichen) Effusivgesteine werden heute als Rhyolite benannt (Ergußäquivalente des Granits). Jedoch wird der Begriff noch immer zur Beschreibung der Gesteinsstruktur verwendet und meint dann Gesteine mit einer fast homogenen, glasigen Grundmasse, in die Einsprenglinge verschiedener anderer Mineralien eingebettet sind. Der Begriff ,Porphyrit' bezeichnet gleichartige, jedoch intermediäre Vulkanite (Andesite), bei denen der Quarzgehalt geringer ist (Ergußäquivalente des Diorits). Über den Pechstein heißt es bei Sauer weiter im Abschnitt IV. Das Porphyrterrain (S. 76f): „Die erste Beschreibung des Meissner Pechsteins lieferte Schulze in Dresden im Jahre 1759; A. Werner aber war es, welcher dem Gesteine den Namen Pechstein gab. Der Meissner Pechstein stellt den einfachsten Typus dieser Familie der natürlichen Gesteinsgläser dar, gleichzeitig besitzt er einen ausnehmend hohen Wassergehalt von 6 ‒ 7% und außerdem, wie kein anderer Vertreter dieser Gruppe, eine nie ganz fehlende, oft hervorragend starke Beimengung einer ihn in Adern und Trümchen nach allen Richtungen durchsetzenden felsit- ähnlichen Substanz.“ Der ,Pechstein' wird heute petrographisch als ,Perlit' bezeichnet. Es handelt sich dabei um vulkanische Lavengesteine, die nach ihrem Ausfluß an der Oberfläche extrem schnell abgekühlt sind, wodurch es überhaupt nicht zur Kristallisation einzelner Mineralkörner gekommen ist, sondern dieses Gestein als dichte, glasartige, amorphe (unkristallisierte) Masse erstarrt ist. Unter den geologisch jüngeren Äquivalenten findet sich auch der gewöhnlich tiefschwarze und kantendurchscheinende ,Obsidian', der schon in der Steinzeit ‒ genauso, wie der ,Feuerstein' (Flint) ‒ zur Herstellung von messerscharfen Steinwerkzeugen benutzt wurde. Gegenüber dem Obsidian zeichnet sich der Pechstein durch einen höheren Wassergehalt aus. Die bekanntesten Aufschlüsse des Pechsteins in Sachsen befinden sich in der ,Garsebach'er Schweiz' ‒ die übrigens als die kleinste ,Schweiz' in Sachsen gilt ‒ im Triebischtal, südwestlich von Meißen (heute Flächennaturdenkmal und Geotop !)
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![]() Zwei Belegstücke des oben beschriebenen Pechsteins von den Garsebach'er Klippen aus den 1990er Jahren. Auf den Geologischen Karten ab 1888 sind diese Vorkommen rotbraun markiert und mit ,Pe‘ beschriftet. Charakteristisch für die abrupt erstarrten, dadurch glasartigen Lava- Massen ist der fettige Glanz der Bruchflächen. Die Farben changieren von dunkel- flaschengrün bis hellbraun, seltener rötlich oder schwarz. Sammlung und Fotos: J. Boeck.
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![]() In den Pechsteinen von Garsebach kommt kein Achat vor. Stattdessen findet man - wenn auch selten - auf Klüften gelbbraune Opale, die ihrer Farbe halber auch als ,Holzopal' angesprochen werden. Sammlung: St. Köhler, Meißen. |
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Über den Dobritz'er Porphyr schrieb Sauer (S. 91): „Die äussere Erscheinungsweise des Dobritzer Porphyres schildert C. F. Naumann in überaus treffender Weise: Seine Farbe ist meist licht fleischroth, röthlichgrau bis röthlichweiss oder blaulichroth bis blaulichgrau, (...); dabei erscheint er auf dem Querbruche sehr fein gestreift durch beständige Abwechslung hellerer und dunklerer Lagen, (...). Von allen Klüften herein ist das Gestein gewöhnlich röthlichweiss gebleicht und auch im Innern nicht selten mit hellen Streifen oder runden weissen Flecken im Innern versehen. Der Quarz ist in ganz feinen Körnern eingestreut; derselbe bildet auch feine, in der feldspathigen Grundmasse parallel eingeschichtete Lamellen. (...) Indessen sind die feinen Lagen nicht immer ganz ebenflächig ausgedehnt, vielmehr theils im Kleinen gekräuselt und verworren, theils im Grossen undulirt, gebogen und verdreht, oft sind es auch grössere eingesprengte Quarzkörner, um welche sich die feinen Lagen hinwinden.“ In dieser hier beschriebenen Texturierung bildet sich die Entstehungsweise dieses Gesteins als flüssig ausgetretene Laven- Porphyre ab, während der sogenannte ,Ignimbrit' (auch ,Schweißtuff') auf Ablagerungen heißer Vulkan- Asche zurückgeht. Die Ansicht Sauer's über die Genese des Porphyrs löste 20 Jahre später noch Diskussionen unter den Geologen aus, die man in der Zeitschrift der Deutschen Geologischen Gesellschaft aus den Jahren 1910 und 1911 noch wiederfindet. Sein Fachkollege O. Stutzner hielt im Jahr 1910 einen Vortrag zum Thema, aus dem in der Zeitschrift der Deutschen Geologischen Gesellschaft (Band 62, S. 205-214) zitiert wurde: „Im Jahre 1888 hielt A. Sauer in der Deutschen Geologischen Gesellschaft einen Vortrag über die genetischen Beziehungen zwischen Pechstein und Porphyr der Meißner Gegend. Die in diesem Vortrage mitgeteilten Ansichten finden sich wiedergegeben in der Zeitschrift der Deutschen Geologischen Gesellschaft, Bd. 40, S. 601 ff., und in den Erläuterungen zur Sektion Meißen der geologischen Spezialkarte des Königreichs Sachsen (Leipzig 1889). Die dort von Sauer verfochtene Meinung ist heute von vielen Petrographen im großen und ganzen akzeptiert worden. So verteidigte sie unter anderen auch H. Rosenbusch in der vor kurzem (1908) erschienenen vierten Auflage der mikroskopischen Physiographie der massigen Gesteine (S. 824). Die Ansicht Sauers ist folgende: ,Aus den Darlegungen auf S. 81 und 91 hatte es sich ergeben, daß jedenfalls enge genetische Beziehungen nicht bloß zwischen Pechstein und Pechsteinfelsit, sondern auch zwischen diesen und dem Dobritzer Porphyr bestehen, auf Grund welcher anzunehmen wäre, daß der Pechstein als alleinige ursprüngliche Eruptivmasse zuerst in Pechsteinfelsit und dieser dann in Dobritzer Porphyr überging.‘ (Erläuterung zur geologischen Spezialkarte des Königreichs Sachsen, Blatt 48, Sektion Meißen, S. 92, Leipzig 1889.) Nach Sauer's Ansicht ist demnach der Dobritzer Quarzporphyr sekundär aus Pechstein hervorgegangen. Für die Begründung dieser Ansicht werden folgende Beobachtungen angeführt: Bei beginnender Veränderung des Pechstein vermehren sich die perlitischen Sprünge. Gleichzeitig mit Zunahme der perlitischen Sprünge tritt oft eine ,felsitähnliche‘ Substanz auf. Diese ,felsitähnliche‘ Substanz ist sekundären Ursprunges. Denn: 1. Diese Felsitbildung erfolgt von perlitischen Sprüngen aus. Eine Trübung des Pechsteinglases geht ihr voraus. 2. Die Ströme der opaken Mikrolithen verschwinden vor der um sich greifenden Felsitbildung. Sie werden offenbar zerstört (hydratisiert). Für letzteres spricht auch ein im Felsit bisweilen vorhandenes, fein verteiltes rötlichbraunes Pigment.“ Bereits einige Seiten vorher kann man hier lesen (Band 62, S. 102-113): „Der erste Teil des Vortrages behandelte die genetischen Beziehungen zwischen Dobritzer Quarzporphyr und Pechstein. Vortragender schloß sich der von Sauer aufgestellten Ansicht einer sekundären Entstehung des Dobritzer Quarzporphyres aus Pechstein nicht an. Er erblickt vielmehr in den Typen beider Gesteine relativ gleichzeitige Erstarrungsmodifikationen desselben Magmas, die im Laufe der Zeit beide in ihrer Art teilweise umgewandelt und zersetzt wurden. Auf diesen ersten Teil des Vortrags soll an anderer Stelle näher eingegangen werden. Der zweite Teil des Vertrags besprach die Beziehungen zwischen Obsidian und Pechstein. Der Hauptunterschied zwischen Obsidian und Pechstein besteht in einem verschieden hohen Wassergehalt beider Gesteine. Obsidian ist in der Regel fast wasserfrei, Pechstein ist wasserreich. Daß die Grenze zwischen beiden Gesteinen keine scharfe ist, ersieht man aus folgender Tabelle... Durch Angabe weiterer Analysen könnte der ganz allmähliche Übergang zwischen wasserfreien, wasserarmen und wasserreichen natürlichen Gläsern noch dichter als in der obigen Tabelle belegt werden. Der Wassergehalt der wasserreichen natürlichen Gläser, der Pechsteine, wird heute von den allermeisten Petrographen für primär gehalten. Dieser Ansicht sei im folgenden eine andere gegenüber gestellt, nach welcher der allergrößte Teil des Wassergehaltes der Pechsteine sekundär ist, nach welcher die Pechsteine nichts anderes sind, als alte Obsidiane, die im Laufe der Zeit Wasser aufgenommen haben.“ Einige Monate später wurde eine Erwiderung A. Sauer's darauf publiziert (Band 62, S. 695-713), in der er seine Auffassung noch einmal bekräftigte: „Im 2. und 3. Heft der diesjährigen Monatsberichte unserer Zeitschrift spricht Stutzer, Freiberg, Ansichten aus über den Pechstein von Meißen und die genetischen Beziehungen zwischen Meißner Pechstein und Dobritzer Felsitporphyr, die sich in erster Linie gegen meine vor reichlich 20 Jahren über diesen Gegenstand ausgeführten Untersuchungen, zugleich aber gegen alle diejenigen richten, die sich später mit den gleichen petrographischen Fragen eingehender beschäftigten und meine Resultate bestätigen konnten. Die geologische Aufnahme von Blatt Meißen war seinerzeit die äußere Veranlassung für mich, an die Untersuchung dieser Gesteine heranzutreten. Meißen ist bekanntlich das klassische Gebiet der Pechsteine, das Gebiet für eine besonders mächtige und reine Ausbildung derselben. Doch treten diese wasserhaltigen natürlichen Gesteinsgläser, wie ich hier gleich Stutzer gegenüber betonen mochte, im Palaeozoicum in ihrer räumlichen Entwickelung vergleichsweise entschieden zurück gegen die analogen Gesteine im Kaenozoicum, wenn man die eng mit den Pechsteinen verbundenen Perlite hinzurechnet. Bei der Untersuchung der Meißner Pechsteine gelang es mir zunächst, in größerem Umfange felsitähnliche sekundäre Umbildungen derselben nachzuweisen – die man früher für ursprünglich gehalten und mit der Grundmasse der Felsitporphyre verglichen hatte – und diese sekundäre Felsitisierung hinein zu verfolgen bis in alle Einzelheiten, bis zur Herausbildung eines ganz und gar felsitporphyrähnlichen Endgliedes. Nach diesem Ergebnis und bei dem engen räumlichen Verbande des mit dem Pechstein auftretenden Dobritzer Felsitporphyres, dessen gegenwärtige Grundmasse von mir ebenfalls als eine in vieler Hinsicht sekundäre Bildung festgestellt wurde, mußte sich mir nun der Schluß nahelegen, daß ,der Dobritzer Porphyr aller Wahrscheinlichkeit nach vom Meißner Pechstein abzuleiten‘ sei.“ Daraufhin erwiderte nun seinerseits Herr Stutzner (Band 63, S. 361-362): „Gestern erhielt ich hier eine Mitteilung des Herrn A. Sauer zugesandt, welche im letzten Dezemberheft der Monatsberichte der Deutschen Geologischen Gesellschaft erschienen ist und als eine Richtigstellung bezeichnet wird gegenüber meinen im 2. und 3. Heft der Monatsberichte desselben Jahres angeführten Ansichten. Ich weile zurzeit hier in Zentralafrika und habe in meinem hiesigen Camp leider keine Literatur und kein Material zur Verfügung, um meine Ansichten mit neuen Argumenten noch weiter zu belegen. Da ich aber voraussichtlich erst in 1½ Jahren nach Freiberg zurückkehre, so will ich doch nicht zögern, einige Worte zu entgegnen, damit nicht der Anschein erweckt wird, als ob ich alle meine geäußerten Ansichten jetzt aufgebe. Ich kann mich nach wie vor aus den früher angeführten Gründen der Ansicht Sauers nicht anschließen, daß der Dobritzer Porphyr aus Pechstein durch Krystallisation im festen Zustande entstanden sei. Ich halte beide Gesteine für von Anfang an verschieden ausgebildete Ergußgesteine, von welchen der Pechstein immer die glasige Modifikation war, und der Porphyr von Anfang an in seiner Hauptmasse kein Glas führte. Mit der Obsidian- Pechstein- Frage hat diese Ansicht, entgegen der Aussage Sauers (S. 713), nichts zu tun, und bleiben die von mir gemachten Einwände gegen die Sauer‘sche Ansicht selbst dann vollkommen aufrecht, wenn man die Ansicht einer Entstehung des Pechsteins aus Obsidian nicht teilen sollte. Ich habe in meiner Arbeit gesagt, daß der Porphyr, wie fast alle alten Porphyre, und an einzelnen Stellen auch der Pechstein, sekundär zersetzt und verkieselt ist, und daß diese Zersetzungsprodukte beider Gesteine sich oft vollkommen gleichen. Auf diese Weise bestehen beträchtliche Übergänge zwischen Pechstein, zersetztem Pechstein und Porphyr, die aber nur räumlich nebeneinander existieren, zeitlich und genetisch indes nicht vorhanden sind...“ Wir wollen hier nur anfügen, daß Herr Stutzner's Ansichten heute allgemein anerkannt sind und ‒ so interessant dies für einige unserer Leser auch sein mag ‒ den damaligen, wissenschaftlichen Diskurs über die aufgeworfene Frage der Entstehung des Dobritz'er Porphyrs werden wir in diesem Beitrag nicht weiter verfolgen. |
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![]() Diese beiden, schon ziemlich stark zersetzten Stücke stammen aus den Mauern des früheren Bauernhofes am heutigen Standort des Schachts 2 des Staatlichen Weißerdenwerkes in Seilitz. Es handelt sich um die von den alten Geologen auch als ,Tonstein- Porphyr‘ benannte und auf der Geologischen Karte als ,Quarzführender Glimmer- und Hornblende- Porphyrit‘ = Pth, im Gegensatz zum Dobritz’er Quarz- Porphyr = Pδ, bezeichnete Varietät dieser Ergußgesteine. Die randliche Bleichung ist gut zu sehen, während die Brocken in ihrem Inneren noch die ursprüngliche, auf ihren Eisenoxyd- Gehalt zurückgehende, rötlich- violette Farbe aufweisen.
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Mit den Zersetzungsprodukten sind wir aber gerade wieder beim Kaolin angelangt. Darüber liest man bei Sauer 1889 in dem Abschnitt ,Die Verwitterung des Pechsteins' (S. 94f): „Der Pechstein (unterliegt) unter dem Einflusse der Atmosphärilien noch denjenigen Veränderungen, die als Verwitterungserscheinungen im eigentlichen Sinne einen ganz anderen Verlauf nehmen. Mitsammt dem ihn durchflechtenden Felsit zerfällt der Pechstein an der Oberfläche oft in einen körnigen, mürben Grus und wird dann, zuweilen aber auch ohne diese voraufgehende mechanische Auflockerung, kaolinisirt. Er verliert dabei sein (...) Farbe, bleicht völlig aus und bildet schließlich einen mageren, weissen oder weisslichgrauen, als Porzellanerde bezeichneten Thon. Die Umwandlung des Pechsteins in Porzellanerde ist ein reiner Auslaugungsprozess, herbeigeführt durch die von Tage aus einsickernden, kohlensäurehaltigen Gewässer, welche hauptsächlich Eisen, Kalk und die alkalischen Bestandtheile fortführten. (...) Die Umwandlung des Pechsteins in Porzellanerde war bereits in der Tertiärzeit so weit fortgeschritten, dass aus der Aufbereitung und Schlämmung derselben sich unmittelbar über und zwischen den verwitterten Pechsteinkuppen die bis 20 m mächtigen Lager eines ausgezeichneten Kaolinthones bilden konnten, (...) dass er direct zur Porzellanfabrication zu verwenden ist.“ Darüber hinaus finden sich auf der Hochfläche kaum Ablagerungen aus der Zeit des Tertiärs, nur lokal ganz am Rand des von Sauer beschriebenen, geologischen Kartenblattes (etwa bei Katzenberg, vgl. S. 112) lagern der Verwitterungsdecke der Porphyre auch tertiäre Tone, interessanterweise sogar mit bis zu 5 m mächtigen Braunkohlenflözen, auf. Über diese (auch schon von A. Schumann erwähnten) Braunkohlenvorkommen haben wir bei Sauer noch den folgenden Abschnitt gefunden (S. 111f): VI.
Das Oligocän. „Die zur Braunkohlenformation gehörigen Ablagerungen der Section Meissen setzen sich aus weissen Kiesen, Sanden und Thonen nebst untergeordnet entwickelten Braunkohlenflötzchen zusammen. Sie sind der durch Führung von Knollensteinen ausgezeichneten untersten Stufe des sächsischen Oligocäns zuzurechnen und innerhalb des Sectionsgebietes an fünf verschiedenen, weit von einander getrennten Arealen zur Ausbildung gelangt...“ „Während die Ziegelei am Katzenberge noch auf Section Meissen selbst liegt, gehört der unmittelbar südlich an dieselbe grenzende, mit seinem nördlichen Rande nur etwa 30 m von der Sectionsgrenze entfernte Tagebau schon zu Section Tanneberg. Der hier unter einer gegen 5 m mächtigen Diluvialdecke aufgeschlossene Oligocäncomplex besteht im wesentlichen aus einer Wechsellagerung von Braunkohle mit Thon, und zwar von oben nach unten aus:
unter letzterem liegt direct das Grundgebirge, der silurische Thonschiefer.“ Weiter liest man: „Das grösste und mächtigste Areal oligocäner Ablagerungen liegt fast genau in der Mitte der Section Meissen, zwischen Oberjahna, Kaschka, Schletta und Löthain. Durch einen Brunnen des Rittergutes Löthain wurde dieser Complex in seiner Gesammtmächtigkeit durchsunken und diese zu 56 m festgestellt. Scharfe weisse Sande und grobe Kiese bilden auch in diesem Oligocänareale vielfach den hangendsten Theil der Ablagerung und treten südöstlich von Schletta und südwestlich von Löthain direct zu Tage. Mit dem erwähnten Brunnen wurde in 33 m Tiefe ein 1,2 m mächtiges Braunkohlenflötz durchteuft. Ob dasselbe eine grössere Verbreitung besitzt, war nicht zu ermitteln, da alle die zahlreichen Thonschächte von Löthain bei weitem nicht bis zu dieser Tiefe hinabreichen.“ Auch die Tonlager zwischen Oberjahna und Löthain entstammen dieser Phase. Dazu findet man in dem Erläuterungsheft zur geologischen Karte von 1889 noch die Angaben: „Was die Mächtigkeit des in grossem Maassstabe in Abbau begriffenen Löthainer Thonlagers betrifft, so schwankt dieselbe zwischen 10 und 16 m, noch beträchtlicher aber sind die Schwankungen in der Beschaffenheit des Thones selbst, indem weisslich- grau, schwach oder tiefbraun und selbst schwarz gefärbte Thonschichten, sowie solche von höchst plastischer und gleichmässiger Beschaffenheit mit mehr oder weniger sandigen Lagen vielfach abwechseln... Bohrungen hingegen auf der Höhe zwischen Kaschka und Schletta ergaben zwar auch das Vorhandensein eines Thonlagers, jedoch in so auffällig geringer Mächtigkeit direct über dem Grundgebirge, welches bereits in Schletta selbst zu Tage tritt, dass man hier die nordöstliche Grenze des Löthainer Thonlagers vermuthen muss.“ Die gesamte Hochfläche wurde während der Elster- und der Saale- Kaltzeit von Gletschern überschoben. Dieser Zeit entstammen die Ablagerungen von Geschiebelehm, Sand und Kies, während ältere Sedimente zumindest auf den Hochflächen gänzlich wieder abgetragen worden sind. In den Trockenphasen der Weichsel- Kaltzeit schließlich lagerte sich obenauf die bis zu 15 m mächtige Überdeckung mit Löß bzw. Lößlehm ab.
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Einen äußerst ausführlichen Bericht ‒ nicht nur zur Geologie, sondern auch zum Stand des Abbaus und zu den einzelnen, damals in Umgang stehenden Betrieben ‒ gibt uns dann Berginspektor Seemann, von 1900 bis 1902 in der Berginspektion III in Freiberg, danach in der Berginspektion Leipzig, tätig, und in jener Zeit für die gewerblichen Gruben im Königreich Sachsen zuständig (erschienen im Jahrbuch für das Berg- und Hüttenwesen im Königreiche Sachsen, Ausgabe 1902, S.3ff):
Über die Thon- und Kaolingrubenindustrie „In dem von der Elbe unterhalb der Einmündung der Triebisch und der letzteren gebildeten Winkel, in welchem das Hauptfeld der gegenwärtigen Betrachtung gelegen ist, besteht der Untergrund in dem sogenannten Dobritzer Porphyr und Pechstein. Das Gestein an der Oberfläche beider Gebirgsarten setzte sich durch die Einwirkung der Atmosphärilien allmählich in Kaolin um, und letzterer blieb theils auf seiner ursprünglichen Lagerstätte, theils wurde er fortgeführt, um den Hauptbestandteil der mächtigen Thonablagerung zu bilden, welche unter den Fluren der Ortschaften Canitz, Löthain, Mehren, Mohlis, Oberjahna und Kaschka seit mehr als anderthalb Jahrhunderten der Gegenstand der unterirdischen bergmännischen Gewinnung ist. Die Kaolinisirung des Porphyrs und Pechsteins hat ihren Anfang in vortertiärer Zeit genommen und setzt sich bis auf den heutigen Tag ständig fort. An der Stelle, wo heute die Thonablagerungen vorhanden sind, haben wir uns zu tertiärer Zeit einen flachen Binnensee, vielleicht auch eine flache Meeresbucht oder den Theil einer solchen zu denken, aus dem einzelne Erhöhungen der vorerwähnten Eruptivmassen kuppenförmig hervorragten. In den Vertiefungen haben sich zunächst scharfe Sande verschiedener Färbung abgelagert, an einzelnen Stellen und in unbedeutender Ausdehnung und Mächtigkeit auch Braunkohlen von geringwerthiger Beschaffenheit, dann folgen die Thone, welche nicht allerorten auf letztgenannter Unterlage ruhen, sondern beim Fehlen dieser oft direkt den Kaolin überlagern, wie im Begußthonschacht von Ernst Teichert in Kaschka sehr gut beobachtet werden kann. Über dem Thon sind vereinzelt wieder Braunkohlenbildungen, untergeordnet auch nordische Geschiebe, vorhanden, meist aber gelbe Sande und darüber Lößlehm in dichter, geschlossener Masse von graugelber Farbe. Der Kaolin ist an den Rändern des vormaligen Binnensees an verschiedenen Punkten aufgeschlossen, so auf der Löthainer Höhe an dem von Garsebach in die Nossen- Meißner Staatsstraße einmündenden Kommunikationswege in Dobritz, im Dorfe Schletta, in Kaschka und in Seilitz. An letztgenanntem Punkte ist das Lager als das bedeutendste in dieser Gegend unter einer Fläche von etwa 64 ha nachgewiesen. Der Kaolin lagert an allen diesen Orten in 190 bis 215 m Seehöhe und in etwa 10 bis 20 m Tiefe unter der Tagesoberfläche, in Schletta streicht er zu Tage aus; er befindet sich in primärer Lagerung. Überlagert ist er in der Regel zunächst von Sand, dann von Lößlehm. Der anstehende Kaolin besitzt noch die äußere Form des ursprünglichen Gesteins und enthält die unzersetzten Mineralien des Muttergesteins, namentlich die scharfkantigen Quarzkörnchen von der Kaolinmasse in großer Regelmäßigkeit allseitig umschlossen und an derselben Stelle, welche sie vor der Umwandlung des Gesteins einnahmen. Selbst die parallel geschichteten Lamellen von Eisenoxyd, wie sie der frische Porphyr zeigt, sind an einigen Punkten durch das Hervortreten hellerer und dunklerer Farben noch deutlich' erkennbar. Scharf abgegrenzte Täfelchen von Kaolin sind auch unter dem Mikroskop nicht wahrzunehmen, der Kaolin erscheint als völlig amorphe Masse. H. Rösler fand in ihm noch Titaneisen mit Leukoxenbildung und blaue Krystallkörnchen von Anatas, sowie Rutil, Hussakit und Eisenspath. Vereinzelt treten auch faustgroße Partien reinen Kaolins auf, vermuthlich von quarzarmen Stellen im Porphyr herrührend, vereinzelt aber auch ungenügend zersetzter Porphyr von schmutzig-gelber Farbe in unregelmäßigen Formen und in scheinbar gangförmiger Anordnung in der Kaolinmasse eingebettet. Von der Verwerthung ausgeschlossen ist ein bisweilen auftretender Kaolin von grünlicher und Von gelber Farbe. Der grünliche Kaolin fühlt sich fettig an, brennt sich gelb und ist nicht feuerfest. Mikroskopisch läßt sich in ihm Schwefelkies und Brauneisenerz sowie ein chloritartiges Mineral nachweisen. Nach der dort herrschenden Ansicht soll er aus Pechstein entstanden sein, während der gute brauchbare Kaolin allein dem Porphyr entstammen soll. Ein Beweis dafür ist bisher nicht erbracht worden. H. Rösler fand in ihm noch einige accessorische Gemengtheile in vereinzelten Körnchen, nämlich die Umwandlungsmasse des Ilmenits, den Leukoxen, ferner Anatas, Rutil und Turmalin. Im gelben Kaolin ist dagegen Schwefelkies nicht beobachtet, dafür aber Brauneisenerz in nicht unbedeutenden Mengen gefunden worden. Die brauchbare Kaolinmasse steht in etwa 7 m Mächtigkeit an, lokal, z. B. in der der Königlichen Porzellanmanufaktur zugehörigen Grube in Seilitz, ist sie bis zu 14 m nachgewiesen, dann folgt nach unten eine Masse, bei welcher der Kaolinisirungsprozeß noch nicht vollendet ist, und allmählich erfolgt der Übergang in das ursprüngliche Gestein, wie dies beim Abteufen eines Schachtes auf der Schlettaer Höhe recht deutlich zu beobachten gewesen ist. Hier durchteufte man
Eine eigenthümliche Erscheinung bilden die mitten in der Kaolinmasse mitunter auftretenden Nester von tertiären, sehr feinen Sanden und von Kiesen bis zur Wallnußgröße. Sie können nur von oben in die anstehende Masse durch eingedrungene Tagewasser, die sie mitführten und absetzten, dorthin gebracht worden sein, denn eine Umwandlung in der Lagerung des Kaolins ist nicht anzunehmen, weil dieser auch in ihrer Nähe stets die für die Lagerung an erster Stelle sprechende Struktur beibehält. Die nebenstehende Skizze zeigt ein solches Nest, wie es durch den Streckenbetrieb in der Krister'schen Kaolingrube in Löthain kürzlich aufgeschlossen worden ist. Zu unterst befinden sich die Kiese, darüber feiner Sand.“
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„Der Kaolin besitzt im Allgemeinen eine rein weiße Farbe und erscheint getrocknet auf der Schnittfläche nicht glänzend, er giebt ein milchweißes Porzellan, der Scherben ist durchscheinend und auf dem Bruche glasig. In seiner chemischen Zusammensetzung zeigt er ziemlich bedeutende Schwankungen. Nach einer von Professor H. Seger in Berlin angestellten Analyse enthalt die rohe ungeschlämmte Masse aus der Karl Krister'schen Porzellanerdegrube in Seilitz
Aus der Rohmasse lassen sich auch im günstigsten Falle nur 25% Kaolin herausschlämmen. Dagegen ist der Kaolin von Löthain und Dobritz reicher an Thonerde und ärmer an Kieselsäure, andererseits besitzt er aber wieder einen geringeren Grad von Feuerfestigkeit. Eine von Dr. Mäckler in Berlin ausgeführte Analyse des Kaolins aus der Grube der Meißner Chamotte- und Thonwaarenfabrik in Dobritz hatte folgendes Ergebniß:
Die rationelle Analyse ergab folgende Zusammensetzung:
Das Material für das mächtige Thonflötz in dem vormaligen Binnensee hat, wie erwähnt, der auf den umliegenden Porphyrhügeln lagernde Kaolin und theilweise, wenn auch wohl nur untergeordnet, das Verwitterungsprodukt des Pechsteines gegeben. Die zersetzten Gesteinsmassen wurden durch Regengüsse oder andere Einflüsse von den Höhen abgeschwemmt, die Quarzpartikelchen, Glimmerschüppchen und sonstigen mineralischen Beimengungen von der Kaolinmasse getrennt und letztere, im "Wasser fein suspendirt, wurde dem Binnensee zugetragen, hier durch den Stillstand des Wassers allmählich, den Gesetzen der Gleichfälligkeit entsprechend, sich niederschlagend. Je ruhiger der ganze Vorgang erfolgt ist, desto besserer Thon ist zum Absatz gelangt, denn die Thontheilchen oder, richtiger gesagt, Kaolintheilchen haben sich auf der Absatzfläche, von den übrigen Mineraltheilchen des ursprünglichen Gesteins gesondert, absetzen können, gerade wie in der Mehlführung beim Aufbereitungsverfahren sich die einzelnen Mineralien in verschiedener Länge des von der Trübe zurückzulegenden Weges absetzen. Hat solche Ruhe während der Absatzzeit geherrscht, ist den unzähligen kleinen Kaolinflöckchen die Zeit gelassen worden, ruhig niederzusinken und sich über einander anzuhäufen, so finden wir heute einen sehr fetten Thon von höchster Plastizität vor, der sich in seiner chemischen Zusammensetzung derjenigen des Kaolins nach der Formel Al2O3, 2 SiO2 + 2 H2O außerordentlich nähert; war der Absatz aber durch mechanische Einwirkungen gestört, so treffen wir einen weniger plastischen, mageren Thon an. Dieser ist dann dadurch entstanden, daß gleichzeitig mit den Kaolintheilchen noch andere Mineralien zum Absatz gelangt sind. Die Beschaffenheit des jetzt gewonnenen Thones steht demnach in engstem Zusammenhange mit dem Fernbleiben oder Auftreten mechanischer Störungen während der Absatzzeit. Nun hat zwar während langer Zeiten große Ruhe geherrscht, das beweisen die Absätze von Thon in vollkommenster Qualität namentlich unter der Löthainer Rittergutsflur, vielfach haben aber auch Störungen mannigfacher Art stattgefunden, und letztere sind, wie aus dem Schichtenaufbau zu erkennen, von verschiedener Dauer und Stärke gewesen. Das Thonflötz hat sich in 160 bis 190 m Meereshöhe abgesetzt, befindet sich also, wie nach dem ganzen Vorgang nicht anders zu erwarten, in geringerer absoluter Höhe, als der Kaolin. Die Ablagerung ist eine fast horizontale, nur wenig nach Westen geneigte. Sie ist völlig unabhängig von der durch Erosion wellig gestalteten Erdbodenoberfläche. Es lassen sich drei Bildungsperioden unterscheiden. Die erste Periode ist durch den Absatz dunkelblauer und brauner Thonmassen charakterisirt, die theilweise zu einer kugeligen Absonderung neigen, mit Kies und scharfem Sande verunreinigt sind und ein vollständig unbrauchbares, technisch werthloses Material darstellen. Lokal sind in ihr auch kleine, ganz unbedeutende erdige Braunkohlenablagerungen angetroffen worden. Ihre Mächtigkeit ist beim Graben eines Brunnens im Parke des Rittergutes Löthain zu 25 m beobachtet worden. Verschiedene sonstige Schächte gehen bis in diese Thonschicht, ohne aber ihr Liegendes zu erreichen. Sie stellt den Anfang der Thonablagerung dar. In der zu unterscheidenden zweiten Periode — der Periode des am wenigsten gestörten Absatzes — ist der gute verwerthbare Thon in einer Mächtigkeit von 1 bis 9 m zum Niederschlag gekommen. Der in dieser Periode gebildete Thon ist allein der Gegenstand der bergmännischen Gewinnung. Er liegt meist auf der vorerwähnten ersten Thonablagerung unmittelbar auf, oft aber auch, namentlich in Oberjahna und Kaschka, ist eine trennende Sandschicht dazwischen eingeschoben. Doch ist der Thon dieser Periode keineswegs in seiner ganzen Mächtigkeit von gleichbleibender Beschaffenheit, sondern letztere wechselt auf kurze Entfernung in der Längen- und Tiefenerstreckung. An manchen Stellen ist er von hoher Plastizität (sehr fett, lang) und nur einige Meter davon weg kurzbrüchig und mager, auch sandig und kohlig, und in der Farbe laufen oft alle möglichen Schattirungen verworren durcheinander. Doch nirgends sind scharfe Trennungen oder Ablösungen zwischen den Thonsorten dieser Absatzperiode zu beobachten. Es ist anzunehmen, daß das Material nicht ständig von einer Seite, sondern abwechselnd aus mehreren Richtungen zugeflossen ist. So findet sich unter der Löthainer Flur auf einigen Gruben zwischen dem guten Thone eine 2 bis 10 m mächtige Sand- und Schlammschicht eingelagert. Die Zuströmungen mögen auch zeitweilig von recht verschiedener Stärke gewesen sein, denn mancherorten ist gut plastischer Thon von scharfem Quarzsande durchsetzt. Ein vorübergehend stärkerer Zufluß hat also zu Zeiten die Quarztheilchen, welche sich sonst schon früher, mehr zurück, absetzten, weiter in den See hinausgetragen und auch die fremden Mineraltheilchen, welche sonst noch vor dem guten Thone sich absetzten, weiter und in letzteren hinein fortgetragen. Eine solche Störung in der Ablagerung war z. B. in dem unter dem Rittergutspark in Löthain abgelagerten Thone zu beobachten. Hier fanden sich, kurz vor dem Auskeilen einer Schicht guten Thones in dieser erbsengroße Körnchen von noch ganz wenig zersetztem Porphyr. So regelmäßig, wie etwa Steinkohlenflötze sich in der Kegel vorfinden, ist die Lage guten Thones nicht vertheilt, sondern stets nur auf einzelne, doch immerhin ziemlich ausgedehnte Flächen beschränkt. Möglich ist es, daß 'aus dem jedenfalls sehr wenig tiefen See einzelne Hügel bereits hervorragten und daher ein Absatz an solchen .Stellen nicht erfolgen konnte, jedenfalls ist aber die unvollständige Ablagerung in der Hauptsache, durch wechselnde Zuströmungen veranlaßt, als von Hause aus erfolgt anzunehmen, denn ein mehr oder weniger schroffes Abschneiden des Thonflötzes, wie es dann doch in den meisten Fällen sich zeigen müßte, ist nur an wenigen Punkten beobachtet worden; sonst findet immer ein allmähliches Auskeilen desselben statt. An der einen Stelle, am linken Gehänge des Bächleins, etwa 250 m unterhalb des Löthainer Bittergutshofes, ist eine tiefe Furche mit senkrechten Wänden in das Thonlager gerissen, die, mit feinem, scharfkantigem Sande ausgefüllt, einen bald darauf als Quelle zu Tage tretenden Grundwasserstrom aufgenommen hat. Das zweite Vorkommniß eines scharfen Abschnittes des Thonlagers ist nach Mittheilung des Herrn Obersteigers Thiemann in Löthain, eines sehr guten Spezialkenners der Thonablagerung, etwa 50 m nördlich vom Löthainer Schulhause beobachtet worden. Hier wurde nach diesem das Thonlager durch ganz festverkittete feine Sande und Kiese plötzlich abgeschnitten. Es ist wohl anzunehmen, daß in diesem Falle eine Abrasion des Thonlagers durch nordische Geschiebe erfolgt ist. Ähnliche Erfahrungen hat man auch in Mehren gemacht, sie gehören aber zu den Ausnahmen. Es scheint auch, als wenn der Thon nach seiner Ablagerung noch Veränderungen in seiner Beschaffenheit erfahren habe; so wird dem Vorhandensein von Grundwassern im dortigen Revier lokal eine gewisse Rolle insofern zugeschrieben, als der Beobachtung nach an einzelnen Stellen, wo sie unterhalb der Thonablagerung vorhanden sind, der fetteste Thon im Liegenden ansteht und allmählich nach oben magerer wird, und umgekehrt der fetteste Thon im Hangenden sich befindet, wo die Grundwasser in den überlagernden Schichten auftreten. Eine Erscheinung, die durch die zersetzende Wirkung der kohlensäurehaltigen Grundwasser auf die im Thon noch enthaltenen mehr oder weniger frischen Mineralfragmente erklärlich wird. An fremden Einschlüssen ist der Thon außer an einzelnen fossilen Resten ausschließlich pflanzlicher Natur und an den sehr störenden Schwefelkiesen arm. Letztere finden sich sowohl als feine Einsprengungen auf größere Flächen regelmäßig in der Masse vertheilt, z. B. unter der Flur Canitz, und in Knollen von unregelmäßiger Form und radialfasriger Struktur, als auch als zelliger Überzug von einzelnen eingelagerten Baumästen, deren Inneres zu einer erdigkohligen Masse umgewandelt ist. Mitunter ist die Verkiesung aber auch soweit vorgeschritten, daß von der ursprünglichen organischen Substanz überhaupt nichts mehr übrig und an deren Stelle nur noch Schwefelkies vorhanden ist. Größere Flächen des Thonlagers sind indessen auch vollständig frei von Kiesen. An manchen Orten treten dann noch zuweilen einzelne Braunkohlenschmitzen und erdigkohlige Anhäufungen von geringer Ausdehnung auf, bei deren einzelnen Stücken die Holzfaserstruktur noch deutlich erkennbar ist. Äußerliche Anzeichen und Hinweise dafür, an welchen Stellen guter Thon zu finden ist, haben bis jetzt nicht wahrgenommen werden können, nur die Beobachtung hat man gemacht, daß die Ablagerungen einzelner Thonsorten im Großen und Ganzen eine linsenähnliche Gestalt besitzen, wobei die größere Axe annähernd von Nordwest nach Südost gerichtet ist. Wenigstens ist dies für die besseren Arten von Thon geltend, wofür in der Praxis naturgemäß das größere Interesse vorhanden ist und daher auch die Beobachtungen sorgfältiger angestellt werden. In der Technik und im Handel wird neben vielen Bezeichnungen, welche von der Art der Verwendung sich herleiten, unter dem Thone dieser zweiten Periode in der Hauptsache Begußthon, Steingutthon und Arbeitsthon unterschieden, je nach dem Zweck, für den er geeignet ist. Äußerliche Unterscheidungsmerkmale zwischen den drei Thonsorten sind wenig vorhanden. Gute Thone bilden eine sich fettig anfühlende, zarte, feinerdige Masse. Sie müssen sich glatt wie Butter schneiden lassen und plastisch nachgeben, sie dürfen bei der Berührung nicht am Finger haften bleiben, und die Schnittfläche muß einen fettigen Glanz besitzen. Diese Regel gilt aber nur im Allgemeinen; eine genaue Bewerthung der einzelnen Thonsorten ist in allen Fällen nur erst nach Anstellung der Brennprobe möglich. Die sehr verschiedene Farbe in der Rohmasse wechselt zwischen rein weiß bis braunschwarz, oft finden sich helle und dunkle Färbungen in einem Stücke bei einander. Frisch aus der Grube kommende Stücke, noch die Grubenfeuchtigkeit enthaltend, sind von dunklerer Farbe, und letztere wird mit dem Austrocknen heller. Die Stücke trocknen, ohne zu zerklüfften oder zu zerfallen, nur einige Oberflächenrisse sind wahrzunehmen. Das werthvollste Material ist der Begußthon. Er besitzt eine rein weiße Farbe, entspricht aber in seinen sonstigen äußeren Eigenschaften den im Allgemeinen an einen guten Thon zu stellenden Anforderungen eigentlich am wenigsten, indem er magerer ist, beim Schneiden mit dem Messer knirscht, sich weniger fett anfühlt und seine Schnittfläche auch weniger Fettglanz besitzt. Diese seine Eigenschaften sowie auch seine Lage unmittelbar über dem Kaolin und am Rande der Thonablagerung sprechen dafür, daß für diese in nur ganz geringer Ausdehnung sich findende Thonsorte überhaupt vielleicht nicht das gilt, was zuvor über die Entstehung des Thonlagers gesagt worden ist; es ist eher anzunehmen, daß man es mit einem durch die Strandwellen erzeugten Schlämmungsprodukte zu thun hat.“
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„Der Begußthon besitzt nach dem Brennen eine über das ganze Stück gleichmäßige, rein weiße Farbe und dient in der Fabrikation zum Begießen der bereits im Rohen hergestellten Faconstücke, namentlich der rein weißen Ofenkacheln; die auf ihn aufgetragene Glasur trägt er rissefrei. Von den Thonsorten steht er am höchsten im Preise und wird bis zu 24 M. für 1 dz bezahlt. Er findet sich nur in zwei kleineren Gruben in Kaschka, in deren einer, von Ernst Teichert, wie oben erwähnt, die Auflagerung direkt auf dem Kaolin sich befindet und ihr Auskeilen sehr gut zu beobachten ist. (Zu vergl. vorstehende Skizze.) Nach einer von Dr. Bischof ausgeführten Analyse enthält der im Bismarckschachte der Rühle'schen Thongrube gewonnene Begußthon
während nach einer vorliegenden Angabe von Ernst Teichert die Ergebnisse einer Analyse von dem in dessen benachbarter Thongrube gewonnenen Begußthon folgende sind:
Der Steingutthon, im Werthe zwischen Beguß- und Arbeitsthon stehend, brennt auch rein weiß. Die beste Sorte von ursprünglich schwarzer Farbe wird in Löthain gewonnen. Die im Laboratorium der chemischtechnischen Versuchsanstalt bei der Königlichen Porzellanmanufaktur zu Berlin vorgenommene chemische Analyse des sogenannten ,schwarzen' Steingutthones in den Lagern der Rittergutsherrschaft in Löthain ergab:
Die Schlämmanalyse ergab:
Die durch Schlämmung gewonnene Thonsubstanz enthielt:
Sie entspricht also der Zusammensetzung des Kaolins, der nach der Formel H2Al2Si2O8 46,33% Kieselsäure, 39,76% Thonerde und 23,91% Wasser enthalten soll, ziemlich annähernd. Nach einigen anderen Analysen sind im Arbeitsthon auch Spuren von Titansäure vorhanden. Der Steingutthon wird zur Herstellung von Majolika- und Fayencewaaren, sowie von Fliesen und dergl. verwendet. Der Preis schwankt sehr, je nach der Güte des Thones wird der Doppelzentner mit 5 bis 16 M. bezahlt. Eine sehr wichtige Spezialität des Steingutthones ist der Glashafenthon. Dieser dient, wie seine Bezeichnung schon besagt, zur Fabrikation der Glashäfen; von ihm wird hohe Feuerfestigkeit und große Reinheit verlangt. Die dritte Hauptsorte endlich, der Arbeitsthon, wird besonders in der Ofenfabrikation verwendet und dient auch zur Herstellung allerhand geringerer Waaren. Er steht am niedrigsten im Preise, für 1 dz werden bis 90 Pfennige Bezahlung erlangt. Er brennt sich gelblich und enthält mitunter auch Schwefelkies. Ihm beizuordnen ist der Abfallthon, bestehend in Abfällen der verschiedenen Thonsorten. Er wird in großer Menge zur Fabrikation von Pflasterplatten, Chamotteziegeln und sonstigen geringwerthigen Chamottewaaren sowie zu Kapseln für das Porzellanbrennen verwendet. Auf die eben geschilderten Thonabsätze der geologisch zu unterscheidenden, zweiten Periode folgt zumeist ohne trennende fremde Schicht die Thonablagerung der dritten Periode. Das Material ist mager, sandig und meist von dunkler Farbe, vielfach finden sich in ihm abgerundete Geröllstücke, die aus dem Deckgebirge hinabgedrückt sind. Es steht in Mächtigkeit bis zu 6 m an. In der Technik ist es völlig unbrauchbar.
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Die Gewinnung von Thon aus der geschilderten Ablagerung ist, wie eingangs bemerkt, seit etwa anderthalb Jahrhunderten, vielleicht auch schon etwas früher erfolgt. In C. G. Poetzsch, Ausführliche mineralogische Beschreibung der Umgegend von Meißen, Dresden 1779, ist S. 89 über die Thongewinnung in Mehren zu lesen: ,Überhaupt fällt es schwer, nach dem seit etlichen Jahren eingeführten Grubenbaue zu der torfartigen Schicht zu gelangen. Denn vorher wurde allezeit die ganze Dammerde oder Leimschicht oben abgegraben, soweit die Grube gehen sollte, und alsdann der Thon gewonnen, so lange es die Wasser und andere Hindernisse gestatteten. Gegenwärtig aber werden ordentliche Schächte abgeteuft bis auf die Sohle des Thonflötzes und alsdann in diesem Strecken und Örter getrieben. Auf welche Weise also nicht soviel Land, als wie vorher, zu Grunde geht, auch die Kosten, so das Abgraben erfordert, erspart werden. Bei dem Dorfe Mohlitz wird seit einiger Zeit auf ebendiese Art ein gleichfalls guter, feuerbeständiger Thon gegraben.' Die Gründung der Königlichen Porzellan- Manufaktur in Meißen steht aber, wie besonders bemerkt sein möge, mit dem Vorhandensein der Kaolin- und Thonlager der Umgegend in keinem Zusammenhange, denn Böttger, der Erfinder des Porzellans, benutzte im Jahre 1704 bei der Herstellung der braunrothen Porzellanmasse den bei Okrilla gegrabenen Thon, bis ihm im Jahre 1708 unter Zuhilfenahme des Colditz'er Thones und besonders später des Kaolins von Aue, damals die Schnorr'sche weiße Erde genannt, die Herstellung rein weißen Porzellans gelang. Der Kaolin von Seilitz hingegen, dessen Vorkommen vom Maler Hanefeld entdeckt worden ist, wird erst seit 1764 von der Manufaktur zur Fabrikation benutzt. Diese erwarb im Jahre 1814 von den sämmtlichen dortigen Gutsbesitzern das Abbaurecht, das sie jedoch im Jahre 1872 einem der Gutsbesitzer auf einem Theil von dessen Grundstück zurückgab. Letzterer veräußerte das Recht an die Carl Krister'sche Porzellanfabrik zu Waldenburg in Schlesien, die es noch heute ausübt. Die Thongewinnung war im 18. und in der knappen ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts eine sehr beschränkte. Sie diente nur dazu, dem Bedarf der Töpfereien der Umgegend zu genügen.“ Zur Präzisierung der Geschichte wollen wir hier dem weiteren Text vorgreifend einfügen, daß es sich bei dem hier von Seemann erwähnten Maler um Johann Gottlieb Hahnefeld handelte, der bei der Porzellan- Manufaktur in Meißen als Blaumaler angestellt gewesen ist. Das Vorkommen des weißen Tones bei Seilitz soll eigentlich sein Vater entdeckt haben. Erst nach dessen Tod und nach dem Ende des Siebenjährigen Krieges hat er es 1764 der Manufaktur zur Nutzung angeboten (Informationsbroschüre Bergbaumuseum Mehren, S. 4).
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„Einen gewissen Aufschwung nahm der Betrieb erst etwa um das Jahr 1840, als in Meißen neben der schon bestehenden Königlichen Porzellan- Manufaktur mehrere größere Ofen-, Porzellan- und Thonwaarenfabriken zu entstehen begannen. Annähernd auf die Höhe der jetzigen Produktion gelangte man aber erst anfangs der 70er Jahre des vorigen Jahrhunderts. Über die Höhe der Produktion und die Ausdehnung des Betriebes in früheren Zeiten sind einigermaßen genaue Angaben nicht zu erlangen. Gegenwärtig erfolgt die Gewinnung von Kaolin und Thon auf folgenden Werken:
In den drei letzten Jahren wurden auf den verschiedenen Werken folgende Mengen,
in Tonnen = 1.000 kg gerechnet, gewonnen:
Von der gesammten Produktion geht etwa ein Zehntel ins Ausland (Rußland, Österreich-Ungarn, Dänemark, Luxemburg, Finnland), drei Zehntel der Produktion werden in sächsischen Porzellan- und Chamottewaarenfabriken verwendet, und die letzten sechs Zehntel vertheilen sich auf das übrige Deutschland. In der Regel besteht direkter Verkehr zwischen Produzenten und Konsumenten, Zwischenhandel findet nur in ganz untergeordnetem Maße statt.“
Was uns Berginspektor Seemann in diesem
Bericht auch über die Abbauführung berichtet, ordnen wir an passender Stelle in
unser montanhistorisches
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![]() Etwa gleicher Ausschnitt wie oben aus der geologischen Karte, 2. Auflage von 1915. Bei der Krister'schen Porzellanerdegrube östlich von Seilitz ist man nicht zum Tagebaubetrieb übergegangen, die Senke markiert vielmehr das Bruchfeld über dem untertägigen Abbau. Westlich der Ortslage Seilitz ist mit Schlägel und Eisen der bergmännische Betrieb des staatlichen Weißerdenwerkes gekennzeichnet. Quelle: Sächsisches Staatsarchiv, Bergarchiv Freiberg, Bestand 40044 (Generalrisse), Nr. 1-k18813, Ausschnitt, Norden ist oben. Digitalisat:
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![]() Im südlichen Teil des Reviers um Löthain und Mehren findet man in dieser Kartenausgabe nun schon eine Fülle von Bohrungen und zahlreiche Schächte.
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![]() In der 3. Ausgabe des Kartenblattes von 1927 findet man inzwischen auch die Förderseilbahn zwischen der vormals Krister'schen Grube und der Schlämmerei. Quelle: Sächsisches Staatsarchiv, Bergarchiv Freiberg, Bestand 40044 (Generalrisse), Nr. 1-k18837, Ausschnitt, Norden ist oben. Digitalisat:
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![]() Der Vollständigkeit halber auch noch der zweite Kartenausschnitt auf dem Stand der 3. Auflage der geologischen Karten von 1927.
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Zu der 3. Auflage aus den Jahren 1927/1928 hat der Geologe R.
Reinisch die Kartenaufnahmen überarbeitet und die Erläuterungshefte neu
gefaßt. Zur Bildung und Ausdehnung der Kaolin- und Tonlager
hatten die inzwischen zahlreich niedergebrachten Bohrungen noch einige
Erkenntnisse geliefert, weshalb Reinisch unter anderem deren
stratigraphische Stellung korrigierte und ihnen ein etwas jüngeres Alter zuwies (S. 80ff der 3. Auflage):
VIII.
Tertiär. „Die zur Braunkohlenformation gehörigen Ablagerungen von Blatt Meißen setzen sich aus weißen Kiesen und Sanden, aus Tonen, sowie aus untergeordnet einwickelten Braunkohlenflözchen und Knollensteinlagern zusammen und sind nach jetziger Auffassung dem Miozän zuzuordnen...“ Zu Ockrilla heißt es, daß diese Tonlager „in den Jahren 1925-1927 abgebaut“ worden sind, der weitere Text ist fast wortgleich aus den früheren Ausgaben übernommen. „In der Hauptsache erfüllt das tonführende Tertiär eine flache, nordwestlich über Löthain bis jenseits Mohlis hinziehende Mulde... Außerhalb dieses Gebietes, welches durch eine Grundgebirgsschwelle zwischen Löthain und Mehren in die Becken von Löthain und Mehren- Mohlis zerlegt wird, sind an verschiedenen Stellen wenig umfangreiche Vorkommen von meist unreinem Ton erbohrt worden... Die Mächtigkeit der Tonlager erreicht im Innern der Becken bis 18 m, selten mehr, schwankt aber manchmal auf kurze Entfernung ziemlich stark. Ebenso wechselt die Beschaffenheit des Tones selbst, indem weißlichgrau, schwach oder tiefbraun und selbst schwarz gefärbte Tonschichten, sowie solche von höchst plastischer und gleichmäßig reiner Substanz vielfach mit anderen Lagen abwechseln, die Markasit als Staub oder kugelige Konkretionen oder verkieselte Koniferenholzstücke enthalten oder bald mehr, bald weniger mit Sand vermischt sind... Außer den im vorhergehenden erörterten Tonvorkommen, die (...) umgelagertes kaolinisches Verwitterungsmaterial darstellen, trifft man besonders zwischen Garsebach, Löthain und SChletta und weiter im nördlichen Teile des Kartengebietes bei Seilitz Kaolinmassen (Porzellanerde) im wesentlichen auf primärer Lagerstätte. Sie sind hier zum weitaus größten Teile aus Pechstein (…) und Dobritzer Porphyr hervorgegangen, sind ungeschichtet, enthalten Quarzkörner in regelloser Verteilung und gehen nach der Tiefe hin in zunächst verfärbtes und mürbes, dann immer festeres Gestein über... Der Grad der Kaolinisierung nimmt mit der Tiefe ständig ab; die Kaolinbildung ist also von oben herab nach unten durch die mit humosen Stoffen und Kohlensäure beladenen Sickerwässer der Braunkohlenzeit vor sich gegangen.“ Die nicht vorhandene Schichtung ist, nebenbei bemerkt, auch ein Hinweis darauf, daß die Kaoline nicht umgelagert worden sind, sondern noch am Ort ihrer Bildung liegen (autochthone Sedimentbildungen). In die 3. Auflage des Erläuterungsheftes zum geologischen Kartenblatt Meißen wurden dazu noch folgende Profile durch die Tonvorkommen bei Löthain, Mehren und Mohlis aufgenommen (nachstehende Abbildung, vgl. S. 82). |
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Wie kompliziert
namentlich die allochthonen Tonlagerstätten aufgebaut sind, verdeutlichen auch
die folgenden Darstellungen aus dem Rissarchiv der Vorgängerbetriebe des
ehemaligen VEB Vereinigte Kaolin- und Tonwerke Seilitz- Löthain. Im Laufe der
Jahrmillionen der Bildung der Lagerstätten veränderten die Mäander der
Beckenzuflüsse natürlich mehrfach ihren Lauf, gruben sich in die
Schwemmlandschaft neue Täler und füllten sie mit anderen Sedimenten wieder auf.
Heute verlaufen die Täler außerhalb der Sedimentdecke und oftmals bedeutend
tiefer ‒ nur auf der Hochlage dazwischen blieben die Sedimente erhalten.
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Bohrungen wurden auf der Suche nach bauwürdigen Abschnitten namentlich in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts zahlreich niedergebracht: Hier ein Beispiel von Profilschnitten anhand von Bohrungen in der Lagerstätte Löthain der H. Rühle'schen Tonwerke Löthain- Meißen, gezeichnet von Markscheider E. Jacobs in Freiberg im Jahr 1905. Erstaunlich ist hier die stark differierende Tiefenlage des Grundwasserspiegels. Quelle: Unternehmensarchiv des ehemaligen VEB Kaolin- und Tonwerke Löthain- Seilitz beim heutigen Standort Mehren der Unternehmensgruppe SIBELCO Deutschland GmbH, Rissmappe in der Aktenablage.
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Bohrsäulendarstellungen für das sogenannte ,Zschärsebag- Terrain' in Löthain, undatiert und ohne Angabe des Zeichners, um 1926. Quelle: Unternehmensarchiv des ehemaligen VEB Kaolin- und Tonwerke Löthain- Seilitz beim heutigen Standort Mehren der Unternehmensgruppe SIBELCO Deutschland GmbH, Rissmappe in der Aktenablage.
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Profilschnitte anhand von Bohrungen für die Grube Schletta der Meißner Kaolin- und Tonwerke AG, später Neubert & Co., Blatt 1, gezeichnet vom konzessionierten Markscheider H. E. Müller in Freiberg 1928. Quelle: Unternehmensarchiv des ehemaligen VEB Kaolin- und Tonwerke Löthain- Seilitz beim heutigen Standort Mehren der Unternehmensgruppe SIBELCO Deutschland GmbH, Rollrisse, Rissarchiv.
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Wir greifen uns mal den Profilschnitt mit der Nummer 8 aus obigem Blatt heraus, um zu illustrieren, wie wechselhaft die Lagerstätte schon auf kurze laterale Distanzen aufgebaut ist. Im rechten Teil sieht man auch die Erosionsrinne eines jüngeren Flußlaufes.
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Schematische Profilschnitte durch den Schlatta'er Tonbezirk, sicherlich im Rahmen einer Praktikumsarbeit gezeichnet von Bergstudent W. Oder im Jahr 1934. Quelle: Unternehmensarchiv des ehemaligen VEB Kaolin- und Tonwerke Löthain- Seilitz beim heutigen Standort Mehren der Unternehmensgruppe SIBELCO Deutschland GmbH, Rollriß, Rissarchiv.
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Kaolin und
Kaolinit
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Das Lockergestein
Kaolin gehört zu den klastischen Sedimentiten. Darunter werden Gesteine mit
einer medianen Korngröße von weniger als 2 µm (0,002 mm) per Definition als
„Tone“ bezeichnet. Das Wort Ton leitet sich wohl vom urgermanischen thahon
(„Tonerde“, „Lehm“, wohl ursprünglich „dicht“ im Sinne von „undurchlässig“) ab.
Solche Gesteine bestehen zum größten Teil aus Schichtsilikaten und Tonmineralen,
die in diesem Kornspektrum angereichert und damit eigenschaftsprägend sind. Die
Haupttonminerale Kaolinit, Illit und Montmorillonit weisen aufgrund
verschiedenartiger Kristallstrukturen voneinander abweichende stoffliche und
fertigungstechnische Eigenschaften auf (zi-online.info).
Das Mineral Kaolinit, aus dem das Gestein und der Rohstoff Kaolin zum großen Teil bestehen, ist ein Zweischichtsilikat mit der Summenformel Al2Si2O5(OH)4 bzw. mit der Strukturformel (nach Rößler, 1981): Al4[(OH)8/Si4O10]. Dabei sind abwechselnd Schichten aus eckenverknüpften SiO4- Tetraedern und Al(OH)6- Oktaedern übereinander gelagert. Von ähnlichen Mineralen mit gleicher chemischer Zusammensetzung, wie Nakrit oder Dickit, ist es nur röntgenographisch zu unterscheiden. Das reine Mineral ist stets weiß, von geringer Härte, mild oder plastisch, kristallisiert (bei hydrothermaler Bildung) im triklinen System und bildet dann meist pseudohexagonale Kristalle aus. Bei weitem überwiegend ist es aber als Verwitterungsprodukt Kalium- reicher Gesteine, wie Granit oder Rhyolit, in erdigen oder dichten Massen zu finden. Der Name soll sich vom ersten Fundort, dem chinesischen Ort Gaoling, oder auch von dem chinesischen Wort kao ling (,hoher Berg') ableiten (mineralienatlas.de, Rößler, 1981). Das Mineral Illit ist dagegen ein Dreischichtsilikat mit einer komplexeren chemischen Zusammensetzung, wobei ein Teil des Siliziums in den Tetraedern durch Aluminium ersetzt und zusätzliche Kationen zwischen die Gitterschichten eingelagert sind: (K, H3O)Al2(Si3Al)O10(H2O, OH)2, bzw. als Strukturformel: (K, H3O)Al2[(OH)2/AlSi3O10]. Durch die Substitution des vierwertigem Siliziums durch dreiwertiges Aluminium in der Tetraederschicht oder beim Montmorillonit von dreiwertigem Aluminium durch zweiwertiges Magnesium in der Oktaederschicht entstehen negative Schichtladungen, die durch die Einlagerung zusätzlicher Kationen in der Zwischenschicht neutralisiert werden. Wegen des Wassergehaltes wird das Mineral auch als ,Hydromuskovit' bezeichnet, wobei die Benennung ,Illit' dann deren besonders feinkörnige (in Tonteilchengröße) Ausbildung meint. Tonminerale mit nicht ganzzahligen Schichtladungen besitzen die Fähigkeit zur Quellung, das heißt zur temporären und reversiblen Wasseraufnahme in ihren Zwischenschichten. Das Mineral Montmorillonit ist ein solches Dreischichtsilikat, bei dem Kristallwasser im Ionengitter eingelagert ist. Die chemische Formel weist aus, daß die Substitution der Ionen dabei unterschiedliche und nicht ganzzahlige Werte annehmen kann: (Na, Ca)0,3 (Al, Mg)2Si4O10(OH)2 ∙ nH2O oder in der Strukturschreibweise: (Na, Ca0,5)0,3(Al, Mg)2[(OH)2/Si4O10] ∙ 4H2O. Aufgrund ihrer komplexen Struktur gibt es eine Unmenge weiterer Schichtsilikate bzw. Tonminerale mit unterschiedlichen physikalischen Eigenschaften und chemischer Zusammensetzung und mindestens genauso viele unterschiedliche Tongesteine. Die Eigenschaften wirken sich natürlich auch bei der Verarbeitung aus. Die mitteldeutschen Kaoline zeichnen sich dabei mineralogisch gegenüber anderen Vorkommen dadurch aus, daß in ihnen sogenannte „Mixed- Layer- Minerale“ vorkommen, welche sich aus Wechsellagerungen von Illit und Montmorillonit zusammensetzen. Das Besondere an diesen Mineralen ist ihre außerordentliche Feinkörnigkeit, eine große spezifische innere Oberfläche und nur geringe Quellfähigkeit, was namentlich die Plastizität und Trockenbiegefestigkeit der aus solchen Kaolinen hergestellten Grundmasse beeinflußt (Stöhr, 1999).
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Auch in der aktuellen geologischen Literatur werden
die Tongesteins- Vorkommen zum einen nach der Art ihrer Bildung in autochthone
Verwitterungslagerstätten (vorwiegend Kaolin) und in allochthone
Sedimentationslagerstätten, zum anderen nach der in deren Zusammensetzung
dominierenden Tonmineralart unterteilt (vgl. z. B. Störr, 1999). Bei den
Verwitterungslagerstätten sind zudem die Art der Ausgangsgesteine sowie die
Intensität der Verwitterung von Bedeutung. Eine Rolle bei der späteren
Zusammensetzung der Kaoline und Tone spielen nämlich auch die strukturellen
Eigenschaften des Ausgangsgesteins, wie Korngrößen, Mikrorisse und Klüftung. Stark klüftige Gesteine können partiell
intensiver kaolinisiert werden und vollständiger und tiefgründiger verwittern. Neben der in diesem Beitrag
im Blickpunkt stehenden Nutzkomponente Kaolinit enthalten die Kaoline stets auch andere
Schichtsilikate, wie mehr oder weniger zersetzte Glimmer, Smektit, Montmorillonit, Halloysit
und Illit.
Die Entstehung von Kaolin- Lagerstätten setzt folglich zum einen das Vorhandensein Aluminiumsilikat- reicher Gesteine im Untergrund, wie Granit, Granodiorit bzw. deren Erguß- Äquivalente Rhyolit oder Andesit, voraus; zum anderen eine tiefreichende Verwitterung, wie sie unter humid- tropischen Klimabedingungen abläuft. Dabei zersetzen sich die unter solchen Bedingungen instabilen Mineralbestandteile der Edukte, wie z. B. Feldspat, Augit, Hornblende oder Olivin, zu Hydroxiden und Schichtsilikaten. Leicht lösliche Komponenten, wie Eisenhydroxyde, werden ausgeschwemmt. Die Hauptbildungsphase der mitteleuropäischen Kaolinlagerstätten lag demgemäß in der Kreidezeit und im Tertiär, als die europäische Scholle noch nahe des Äquators lag und im Tiefland die Braunkohlen- Urwälder wuchsen. Mitteleuropa bildete damals eine große, von Flachmeeren umgebene Insel, das sogenannte „Videlizische Land“, welches im Wesentlichen die Reste der varistischen Gebirge umfaßte. Stratigraphisch läßt sich in der Kaolinisierung eine Verschiebung von West nach Ost aushalten, indem westsächsische und thüringische Kaoline oft schon im Eozän und Oligozän entstanden sind, während sich die ostsächsischen Kaoline erst im Oligozän und unteren Miozän gebildet haben. Werden diese Verwitterungsbildungen später durch Erosion abgetragen, so werden sie beim Transport klassiert, wobei sich je nach Art und Länge des Transportweges Sedimente unterschiedlicher Korngrößen ablagern (Kies, Sand, Schluff und schließlich Ton). Die Kaolinit- Ton- Lagerstätten der Oberlausitz stellen häufig derartige, umgelagerte und in kleinen limnischen Becken oder Flußdeltas abgelagerte Sedimente dar. Dies geschah in Mitteleuropa infolge der Plattenverschiebung nach Norden und der alpidischen Gebirgsbildung im jüngeren Tertiär, wobei auch die mitteleuropäischen Kleinschollen angehoben worden sind. Die schnelle Heraushebung der Mittelgebirgsschollen führte zu entsprechend starker Erosion, so daß heute mit wenigen Ausnahmen (etwa in Aue) oberhalb der 300 m- Höhenlinie sämtliche Tertiärsedimente wieder abgetragen, dagegen in den Tiefländern akkumuliert wurden. Auch in dieser Phase kann sich die Zusammensetzung der Lagerstätten noch verändern, indem es je nach Grundwasserzirkulation im Gestein zu Auslaugungen einerseits und Infiltrationen andererseits kommen kann. Besonders Eisen- und Manganoxyde können auf diesem Weg wieder in die Kaolinlager gelangen.
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Je nach Grad der Heraushebung und der Erosion können sich solche Ton- und Kaolin- Ablagerungen über mehrere Quadratkilometer erstrecken und bis zu 100 m Mächtigkeit erreichen (etwa in der Oberlausitz). In stärker erodierten Gebieten sind dagegen nur „wannenartige“ Reste dieser Verwitterungsdecken erhalten (wie bei Meißen oder in Kemmlitz). Je nach Zusammensetzung werden diese Tone unterschiedlich eingesetzt: Aluminiumoxyd- reiche Tone etwa für Feuerfestwerkstoffe (Schamotte), Eisenoxyd- arme Tone für weißbrennende Keramik, andere Zusammensetzungen für Gießereitone oder rotbrennende Keramik. Bei unseren Recherchen zum Thema fanden wir deshalb Bezeichnungen wie etwa ,Begußton', ,Hafenton' oder ,Kapselton', die auf die unterschiedlichen Einsatzzwecke der betreffenden Mineralgemische verweisen. Auch in der Papierindustrie kommt Kaolin als Füllstoff zum Einsatz, wobei es für eine geschlossenere und glattere Oberfläche sorgt und die Faserstruktur des Papiers abdeckt, was eine bessere Druckqualität ermöglicht. Seit einigen Jahrzehnten wird es dabei aber durch Kalziumkarbonate zunehmend verdrängt, da mit diesen ein noch etwas höherer Weißgrad erreicht werden kann. Als Füllstoff wird es aber auch bei der Herstellung von Gummi, Lacken und Farben, Klebstoffen, Dichtungen u. a. Erzeugnissen verwendet. Da Kaolin ungiftig ist, wird es ferner in der Lebensmittel- als Streckmittel und in der Pharmaindustrie als blutstillendes Mittel eingesetzt ‒ man erinnere sich nur an die Bedeutung des Begriffs ,Morochtus'. Auf die Verwendung in der Industrie wollen wir aber hier nicht tiefer eingehen.
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Das Meißen‘er Kaolinrevier ist nun längst nicht das größte, gilt aber als das bekannteste in Deutschland. Die Kaoline der Umgegend von Seilitz gehen auf die Kaolinisierung unterschiedlicher feldspatreicher Ergußgesteine zurück. Bei der Bundesanstalt für Geologie und Rohstoffe in Hannover hat man herausgefunden, daß diese Edukte einem Vulkan entstammten, der vor rund 303 Mio. Jahren bei Meißen ausbrach. Große Teile des in den folgenden Millionen von Jahren gebildeten Kaolins wurden danach wieder abgetragen, verschwemmt und in Form hochwertiger kaolinitischer Tone weiter südlich, etwa bei Canitz und Löthain, wieder abgelagert (BGR, 2017). Tatsächlich stellt das ,Meißner Massiv' nun aber einen stofflich, wie strukturell stark differenzierten Pluton dar, der im wesentlichen elliptisch geformt und in Südost- Nordwest- Richtung (parallel zum Elbe- Lineament) über eine Fläche von rund 20 x 80 km bis in den Torgau'er Raum gestreckt ist. Seinen Rahmen bilden östlich Gneise (Äquivalente der jungproterozoischen Lausitz'er Grauwacken) und im Westen zumeist die ordovizischen und devonischen Schiefer des Nossen- Wilsdruffer Schiefergebirges. Die Intrusion dieses Plutons erfolgte während der Varistischen Gebirgsbildung, zwischen der ,Sudetischen Faltung' und der Effusion der Vulkanite in der obersten Stufe des Oberkarbons (Stefan), also innerhalb des Zeitraums vor 299 bis 305 Millionen Jahren. Die Geologen haben mehrere Intrusionsphasen gefunden, wobei die ältesten Gesteine in den äußeren und die jüngeren in den zentralen Teilen des Plutons liegen. Die wichtigsten Gesteine sind, der Intrusionsfolge nach geordnet:
Dabei nahm der Quarzgehalt der nachdrängenden Magmen sukzessive zu. Diesem Pluton obenauf liegen dann die vulkanischen Gesteine der ,Meißner Eruptivzone'. Diese umfaßt zwei durch das Elbtal durchtrennte Verbreitungsgebiete verschiedener Vulkanite, die in das jüngste Oberkarbon eingestuft und ihrem Alter nach gegliedert werden in:
Es war auch nicht nur ein Vulkanausbruch. Die Caldera des längst vergangenen Vulkans unter dem Tharandter Wald etwas weiter südlich hat einen Durchmesser von rund 8 km. Das waren keine rülpsenden Pickel in der Erdkruste ‒ im Oberkarbon dürfte Sachsen eine höchst ungemütliche Gegend gewesen sein... Aber die Erosion und Akkumulation glättete in den darauffolgenden Jahrmillionen die Furchen wieder und im mittleren Tertiär, während des Miozäns, der unteren Stufe des Neogens, in einem Zeitraum vor etwa 5 bis 23 Millionen Jahren, bildete sich dann das kleine Sedimentationsbecken von Löthain aus. In dieser Zeitspanne wurden die Verwitterungsbildungen der älteren Gesteine wieder abgetragen und als eine Folge von Sanden, Schluffen, teils ebenfalls keramisch verwertbaren Tonen sowie wenigen geringmächtigen Braunkohlenflözchen in dem kleinen Becken abgelagert. Im Liegenden dieser Miozän- Sedimente ist die kaolinitische Verwitterungskruste der sauren Ergußgesteine stellenweise am Ort ihrer Bildung erhalten geblieben (Störr, 1982). Entsprechend der Edukte unterscheiden sich natürlich auch die Kaoline in ihrer chemischen und mineralogischen Zusammensetzung (Angaben in folgender Tabelle in Masse-% nach Störr, 1982):
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In den 1980er Jahren standen von den zahlreichen Kaolinvorkommen in der Umgebung von Meißen noch vier in Abbau: Noch immer war das Staatliche Weißerdenwerk in Seilitz in Betrieb. Hier wurden Mixed- Layer- Mineral- reiche Schlämmkaoline mit hoher Trockenbiegefestigkeit für die Porzellanindustrie ausgebracht. Bei Ockrilla wurden feldspathaltige Rohkaoline für die Fliesenherstellung gewonnen, und in weiteren zwei Gruben bei Radeburg wurde Rohkaolin für Feuerfeststeine abgebaut. Die Gruben bei Kaschka und Schletta (,Schletta'er Erde') sowie die zwischen Schletta und Garsebach waren schon nicht mehr in Betrieb (Störr, 1982). Gegenwärtig sind direkt bei Seilitz noch zwei Unternehmen in der Kaolingewinnung aktiv: Nach wie vor betriebt die Staatliche Porzellan- Manufaktur Meißen GmbH hier das Weißerdenwerk Seilitz, nebst der auflässigen Weißerdenzeche in Aue das älteste Kaolinbergwerk Europas. In diesem Erdenwerk wird ein stark zerklüfteter, grauweißer Rohkaolin mit durchschnittlich 20% Kaolinit, 78% Quarz und 2% anderen Tonmineralen und Feldspat gefördert. Der aus dem Seilitz'er Rohkaolin aufbereitete Schlämmkaolin mit durchschnittlich 75% Kaolinit, 18% Quarz und 2% Feldspat deckt allerdings nur einen Teil des jährlichen Rohstoffbedarfs der Staatlichen Porzellan- Manufaktur Meißen (BGR, 2017). Nur rund 400 m östlich dieses Bergwerks Seilitz ist die SIBELCO Deutschland GmbH in der Gewinnung des dort durchschnittlich 20 m mächtigen, fetten, gelbgrauen bis grünweißlichen Rohkaolins heute nur noch im Tagebau tätig. Der hier anstehende Kaolin besitzt aufgrund unterschiedlicher Ausgangsgesteine eine variierende Zusammensetzung mit 15% – 33% Kaolinit, 39% – 78% Quarz und 2% – 29% anderen Tonmineralen. Die großen Mengen anderer Tonminerale, vor allem Montmorillonit statt Kaolinit, die im Waschkaolin sogar noch angereichert sind, ergeben sich durch die Umwandlung ehemaliger vulkanischer Gläser (Pechsteine) und bewirken spezielle keramische Eigenschaften, wie gute Bildsamkeit und sehr hohe Trockenbruchfestigkeit. In dem benachbarten Aufbereitungswerk werden aus dem Großteil des Rohkaolins zuerst ein Schlämmkaolin mit 36% – 42% Kaolinit, 38% – 43% Montmorillonit und Illit sowie 19% – 20% Quarz und daraus dann hellbrennende keramische Massen produziert. Diese wiederum kommen in der Porzellan- und Elektroporzellanherstellung sowie in der Geschirr- und Zierkeramikindustrie, z. B. auch in der Staatlichen Porzellan- Manufaktur Meißen GmbH, zum Einsatz (BGR, 2017). Westlich von Meißen liegt außerdem das Tonrevier von Löthain. Im Jahr 2008 eröffnete die Kaolin- und Tonwerke Seilitz- Löthain GmbH hier einen neuen Ton- und Kaolintagebau bei Canitz. Dort überlagern die hochwertigen kaolinitischen Tone einen grünlich- weißen Kaolin. Dieser bildete sich auf den gleichen vulkanischen Gesteinen wie im 6 km nördlich gelegenen Seilitz. Über den kaolinitischen Tonen folgen rund 10 m eiszeitliche Ablagerungen. Sowohl Ton als auch Kaolin werden in Canitz selektiv und saisonweise gewonnen, in einem der Aufbereitungswerke der SIBELCO Deutschland GmbH mit Kaolin aus Ockrilla gemischt und zu keramischen Massen für die Fliesenindustrie weiterverarbeitet (BGR, 2017). Laut Bundesministerium für Wirtschaft und Energie wurden übrigens, basierend auf den Meldungen der Unternehmen an die deutschen Bergämter, im Jahr 2015 durch je zwölf Betriebe in Bayern und in Sachsen, drei Betriebe in Sachsen- Anhalt, zwei Betriebe in Rheinland- Pfalz sowie einen Betrieb in Nordrhein- Westfalen insgesamt 5.265.875 t Rohkaolin bzw. 3.733.714 t verwertbare Mengen von Kaolin gefördert. Diese 30 Betriebe beschäftigten zusammen 1.023 Mitarbeiter. Im Jahr 2016 wurden zudem 508.365 t Kaolin nach Deutschland importiert und 380.550 t Kaolin exportiert (BGR, 2017).
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Beim Neuaufschluß des Tagebaus in Canitz kam es
dann im Jahr 2016 zu einer kleinen Sensation für die geologische Fachwelt: Als man
während des Abbaus erstmals die Basis des hier lokal bis zu 27 m mächtigen
Kaolin- Lagers anschnitt, wurden zunächst durch zufällige Aufsammlungen und
schließlich durch gezielte Bergungsgrabungen durch Geologen und Paläontologen
des Naturkundemuseums in Chemnitz im Zeitraum bis 2020 erstmals im Meißner
Massiv auch verkieselte Hölzer gefunden, wie sie vom „Versteinerten Wald“ in
Chemnitz und anderen Fundorten mit ähnlicher Geologie bereits bekannt gewesen
sind (Trümper et al., 2020, S. 8f).
Die meisten der verkieselten Stämme sind sehr brüchig, so daß nur kompakte Stammstücke – immerhin mit Durchmessern bis über 80 cm – geborgen werden konnten. Insgesamt konnten wenigstens 11 größere Stämme oder Stammstücke in Canitz geborgen werden. Im Jahr 2017 wurde sogar ein Stamm von über 2 m Länge in subvertikaler Orientierung gefunden. Die Fundstücke fanden Eingang in die Sammlungen des Naturkundemuseums Chemnitz, wo sie das „Sterzeleaneum“ ergänzen, sowie in mehrere Privatsammlungen. Die nachfolgenden Untersuchungen in Chemnitz sowie an der Bergakademie Freiberg zeigten, daß die Hölzer einerseits innerhalb von konglomeratischen Schuttstrom- Ablagerungen und andererseits innnerhalb fluviatiler Sedimente (miozäne Tone) oberhalb des Basements, welches hier anhand der Zusammensetzung der Gerölle als Monzonit angesprochen werden muß, lagerten. Sie liegen also nicht mehr an ihrem ursprünglichen Wachstumsort, wo sie im Oberkarbon von den Eruptivgesteinen eingebettet worden sind, sondern wurden im Nachgang der Verkieselung durch Rutschungen und strömendes Wasser umgelagert. Daher wurden bei den Grabungen auch keine Wurzelstöcke gefunden. Die innerhalb der Tone eingelagerten Bruchstücke sind dabei zumeist bedeutend kleiner (bis 20 cm Größe), weisen aber häufig noch Anhaftungen des Gesteins auf, das sie bei den Eruptionen einst einhüllte. Die infolge der Umlagerung entstandenen Risse und Spalten sind außer durch Chalzedon gelegentlich auch mit Quarz und Achat ausgefüllt. Nebenbei fand man bei Untersuchungen der UV- Luminiszenz heraus, daß sich – ausgehend von den Rissen – offenbar in einigen Fällen auch Uran in den Kieselhölzern sekundär angereichert hat. Eine Artbestimmung war durch die meist nur schlechte Erhaltung natürlich erschwert, doch handelt es sich in erster Linie um Gymnospermenstämme (Nacktsamer, also Koniferen, Palmfarne und Gingkoartige); solche Stammstücke werden zusammenfassend auch mit der Bezeichnung Agathoxylon belegt. Die Interpretation der Befunde läßt vermuten, daß die Konglomerate bereits während der erosiven Freilegung der Magmatite, noch am Ende des Paläozoikums, abgelagert wurden und dann ab der Oberkreide und bis zum Miozän zusammen mit den darunter lagernden Gesteinen der Kaolinisierung unterworfen waren. Ein Teil dieser Schichten unterlag im Miozän dann erneut der Erosion, worauf sich die entstehenden Flußtäler wiederum mit tonigen Sedimenten, einschließlich der mitgeführten Gerölle und Stammstücke, füllten (Trümper et al., 2020). Wir freuen uns sehr, daß wir einen Einblick in eine herausragende Privatsammlung bekommen durften und präsentieren hier gern eine kleine Auswahl von Fundstücken der verkieselten Hölzer aus dem Tagebau Canitz.
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![]() Ein typisches Stück mit bräunlicher Färbung. Quer geschnittenes und poliertes Stammstück mit Kern und fast umlaufend erhaltener Borke, ganz außen haftet noch Tuff an. Sammlung: St. Köhler, Meißen.
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![]() Sammlung: St. Köhler, Meißen.
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![]() Auffällig ist an den Funden aus dem Schuttstrom im Kaolin die häufige Deformation der eigentlich rundlichen Stämme - was aber sicher durch die Art ihrer Bildung und Sedimentation leicht zu erklären ist. Sammlung: St. Köhler, Meißen.
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![]() Sammlung: St. Köhler, Meißen.
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![]() Sammlung: St. Köhler, Meißen.
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![]() Ein kleinerer Fund bei einer der letzten Grabungen. Sammlung: St. Köhler, Meißen.
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![]() Ein keilförmiges Bruchstück aus einem solchen Stamm, auffällig durch die rötliche Färbung. Sammlung: St. Köhler, Meißen.
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![]() Auch dieses Stammstück mit gelblicher und rötlicher Ausfüllung erscheint quasi „plattgedrückt“. Sammlung: St. Köhler, Meißen.
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Es sei für Sammler von Fossilien hier auch gleich noch hinzugefügt, daß die beiden Fundbereiche im Tagebau Canitz, einmal im Kaolin und einmal in den hangenden, miozänen Tonen, lateral sehr begrenzt gewesen und aufgrund der Einmaligkeit dieses Fundes von den Paläontologen auch äußerst gründlich untersucht worden sind. Weitere Funde sind zwar beim zukünftigen Aufschluß im Tagebau nicht völlig ausgeschlossen, doch sind bereits aus den letzten sechs Jahren keine mehr bekannt geworden. Wir möchten an dieser Stelle auch ausdrücklich darauf hinweisen, daß das unerlaubte Betreten der aktiven Tontagebaue streng verboten und durchaus auch nicht ungefährlich ist.
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Zur
Montangeschichte
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Zur Herkunft
des ersten Kaolins im 18. Jahrhundert
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Über die Erfindung des europäischen Porzellans gab es schon 1949 einen DEFA- Film mit dem Titel ,Die blauen Schwerter'. Eigentlich sollte die Vorgeschichte der Meißener Manufaktur und damit vielleicht auch die Herkunft des ersten Rohmaterials zumindest unseren sächsischen Lesern ganz gut bekannt sein. Wir wollen hierzu einleitend zur Geschichte der Porzellanherstellung in Sachsen nur kurz folgendes anführen: 1702 holte Kurfürst Friedrich August, genannt der Starke (*1670, †1733, ab 1697 König von Polen) den Alchemisten Johann Friedrich Böttger (*1682, †1719) nach Dresden. Eigentlich sollte der Gold herstellen, doch es kam anders. Nach vielen ‒ natürlich vergeblichen ‒ Mühen floh der letztere 1704 nach Wien, wurde aber gefaßt und von nun an der Aufsicht des Mathematikers und Physikers Ehrenfried Walter von Tschirnhaus (*1651, †1708) unterstellt. Daraufhin änderten sich die Prämissen: Anstatt Gold herzustellen, könnte man doch auch etwas anderes herstellen, das sich genauso gut zu Geld machen ließ. Zusammen mit dem Freiberg'er Bergrat und Oberzehntner Gottfried Pabst von Ohain (*1656, †1729) wurden nun systematisch verschiedene Tonerden aus Sachsen und deren Verhalten beim Brennen untersucht. Im November 1707 gelang es Böttger daraufhin, ein rotes Steinzeug (auch ,Jaspis- Porzellan') herzustellen. Erst nachdem aber anstelle des Colditz'er Tons das weiße Kaolin aus Aue eingesetzt wurde, gelang am 15. Januar 1708 erstmals das Brennen weißen Porzellans (meissen.com). Am 23. Januar 1710 erfolgte schließlich die öffentliche Bekanntgabe der Gründung der Porzellan- Manufaktur Meißen als ,Königlich- Polnische und Kurfürstlich- Sächsische Porzellan- Manufaktur' (13639). Albert Schiffner schrieb hierzu 1840 in seiner Beschreibung des Dresdener Kreisdirektionsbezirkes über die Stadt Meißen: „Man richtete (...) das Schloß (die Albrechtsburg) wieder vor, aber das letztermal zu einem ganz abweichenden Zwecke, nämlich als Porcellanmanufaktur, welche bis 1750 auch das bischöfliche Schloß benutzte, jetzt aber nur noch die Albrechtsburg zu größten Theile... ihren besonderen Holzhof an der Elbe hat, auch eben da bis zur Fluth 1784 einen Kohlplatz hatte. Wir brauchen hier nicht das Altbekannte wieder zu erzählen, wie der seiner alchymistischen Betrügerey wegen festgehaltene Böttger... ihn jedoch bald darauf, damit er nicht von den Schweden gecapert werden möchte*), auf den Königstein versetzte, und wie er seit 1707 auf der Jungfernbastei zu Dresden arbeitete, hier auch... 1709 das erste wirkliche Porcellan in Europa erfand; denn das wesentliche in diesem ist das Petunze**) oder der aufgelöste Feldspath, welchen damals Böttger zuerst von Aue bezog.“ *) Anmerkungen dazu: Bekanntlich fielen 1706 anfangs des Nordischen Krieges die Schweden in Sachsen ein.
**) Zur ,Petunse' (oder Petunze)
haben wir in
Zusammenhang mit deren Gewinnung nördlich von Tharandt bei
Zwar wußte man zu diesem Zeitpunkt bereits, daß sich die „weiße Erde“ aus Aue für die Porzellanfabrikation eignete, doch wußte man zu diesem Zeitpunkt noch nicht, daß man diese Lagerstätte über 150 Jahre lang nutzen würde. Deshalb erging schon am 12. September 1711 auch folgende Verordnung der königlich- polnischen und kurfürstlichen Kammer an das Oberbergamt in Freiberg (Abschrift in den Akten des Bergamtes Freiberg, 40010, Nr. 1394, Blätter ohne Nummerierung): „Werthe Räthe, liebe Getreue, nachdem uns Johann Friedrich Böttger aller unterthänigst angelanget, zum Behuf Unserer neuen Manufacturen und Beförderung Unseres hierunter hohen Interesses vor allen in denen Ertzgebürgischen Creysen brechenden weißen Erden oder Letten, oder wie sonst noch bergmännischer Arth genennet werden möchten, einige Proben einsenden zu laßen; Alß begehren Wir hiermit, ihr wollet diesertwegen ungesäumt Erkundigung einziehen, auch von denen, was vorhanden oder (unleserlich ?) nach ieder Sorte etwas, wenigstens ein Pfund, damit davon die benöthigten Proben sofort angestellet werden können, einschicken, nicht minder, darbey den Preyß, wie theuer iedes zu stehen kommen möchte und bishere Herkunft worden, melden.“ Die Abschrift haben wir in den Akten des Bergamtes Freiberg gefunden, doch aus dem Freiberger Revier gab es dazu damals freilich nicht wirklich viel zu melden. Zwar gelangte das Löthain- Seilitz’er Tonrevier später unter die Aufsicht der Freiberg‘er Berginspektion, doch im Freiberger Bergrevier war Kaolinit zu dieser Zeit bestenfalls als mineralogische Besonderheit in kleinen Mengen bekannt. Nur über einige Funde von „Walkerde“ im Raum Siebenlehn und Conradsdorf, welche die Tuchmacher zu Roßwein zum Entfetten der Wolle verwandten, war in den Folgejahren aus Freiberg hierzu zu berichten. Auf die Rückmeldungen aus den anderen Bergrevieren kommen wir weiter unten in unserem Text ausführlicher zurück.
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Auch, wenn unser im
Weiteren betrachtetes Gebiet viel weiter nordöstlich liegt, kommt man in diesem
Zusammenhang natürlich nicht
umhin, wenigstens kurz auch auf die
„Weißerdenzeche“
zu Aue einzugehen. Aus dieser Grube kam noch bis Mitte des
19. Jahrhunderts, wenn schon nicht das gesamte, so doch der bei weitem
überwiegende Teil des in Meißen verarbeiteten Kaolins.
Der Vize- Markscheider Carl Christian Martini teilte im Jahr 1817 seine Geognostischen Beobachtungen über das Vorkommen der Porzellanerde auf Weißer Andreas Fundgrube bei Aue, gegliedert in der Form der Berichte für die Geognostische Landesuntersuchungskommission, an das Oberbergamt mit (40001, Nr. 1823, Blatt 3ff). Aus einem Bericht an Vizeberghauptmann Sigismund August Wolfgang von Herder (*1776, †1838, seit 1816 im Freiherrenstand) vom 10. September 1819, als Herr Martini schon Berggeschworener in Schneeberg war, stammt die gleich abgebildete Schnittzeichnung (40001, Nr. 1823, Blatt 153ff). Einige Jahre älter ist noch eine zweite Darstellung aus der Feder des Markscheiders Friedrich August Schnorr, vermutlich ein Nachfahre der ursprünglichen Grubenbesitzer (40001, Nr. 1822, Blatt 224). Im Gegensatz zu den Lagerstätten zwischen Löthain und Seilitz bildete hier bei Aue aber nicht die postgenetische Verwitterung des Rhyoliths (das früher als ,Porphyr' bezeichnete Effusiväquivalent des Granits im Umfeld des Meißner Plutonitkomplexes), sondern ein kleiner Granitstock am Rande des westerzgebirgischen Granitgebietes den Ausgangspunkt der Lagerstättenbildung. Am Ende der Granitintrusion kam es hier zur Bildung eines feldspatreichen Stockscheiders in der Kuppel des Granits, der durch zirkulierende hydrothermale Lösungen (also syngenetisch) kaolinisiert wurde. Infolgedessen liegt diese Kaolin- Lagerstätte mit einer zu ihrem Rand hin abnehmenden Mächtigkeit wie eine Haube auf der Granitkuppel. Die gesamte Ausdehnung dieser Haube umfaßte weniger als einen Hektar Fläche und enthielt bei einer bauwürdigen Mächtigkeit von einem bis zwei Lachtern etwa 5.600 t des Materials. Hinzu kamen noch etwa 2.400 t Kaolin, die man an den Flanken des Granitstockes, teils in Gängen, teils in durch Verwerfungen abgesunkenen Teilen des Granitstockes fand. Bei einer Förderung von 40 t bis 160 t pro Jahr reichte dieser abgeschätzte Vorrat bis zur Einstellung 1858 für einen Grubenbetrieb von über 150 Jahren aus.
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Ende des 17. Jahrhunderts wurde diese Lagerstätte am Abhang des Heidelsbergs bei Aue
oberhalb des Lumpach- oder Lumpich- Tals auf der schon seit
1663 in Umgang stehenden Eisenerz- Grube St. Andreas entdeckt. Zu deren Vorgeschichte haben wir einige Angaben in den
Zusammenstellungen von Grubenaufständen, welche das zuständige Bergamt in
Schneeberg für das Oberbergamt in Freiberg quartalsweise anfertigte, in der
Rubrik ,Eysenstein Gebeudte, welche gebauet werden' aus der Zeit ab 1676
finden können. Luciae 1676 heißt es hier über die „Andreas fundgrub in
Lumpach über der Aue gelegen, haben den alten Schacht wiederumb 7 Lachter von
tage nieder biß auf die Eisenstein gäng gewältiget, bricht eisenstein fäll- und
nierenweis ein halb Viertellachter mächtig und haben das felt naufwärts den
gängen mit einem Schacht vorgeschlagen, und 10 Lachter tieff abgesunken, aber
die gäng haben sie noch nicht troffen, hat Receß 129 th. 1 gr. 10 pf.“ (40001,
Nr. 1784, Blatt 237). Die Grube hatte also schon ältere
Vorgängerbaue, die man gewältigte...
Ein Quartal später war man auf 16 Lachter Teufe niedergekommen, baute Eisenstein ab und mußte die Wasser bereits mit einer Kunst halten (40001, Nr. 1784, Rückseite Blatt 246). Zeitgleich waren auch schon die obere 2. und 3. Maß verliehen, dort schürfte man „uff Hoffnung nach Eisenstein.“ Die Maßen hat man schon ein Quartal später erstmal wieder aufgegeben – sie sind jedenfalls Trinitatis 1677 nicht mehr erwähnt – während man auf St. Andreas weiter Eisenstein strossenweise aushieb (40001, Nr. 1784, Rückseite Blatt 257). Crucis 1677 war der Receß auf 128 th. 9 gr. 8 pf. sogar leicht gesunken (40001, Nr. 1784, Blatt 268). Auch Luciae 1677 ist die Grube hier erwähnt; in diesem Quartal waren 3 Arbeiter und 2 Jungen auf St. Andreas angelegt (40001, Nr. 1784, Rückseite Blatt 280). Reminiscere 1678 sind Veit Hans Schnorr als Gewerke und Michael Fiedler als Steiger von „Ober andere und dritte Maßen nach Andreas fundtgrub, im Lumpach gelegen,“ namentlich benannt (40001, Nr. 1785, Rückseite Blatt 9). Man „schürfte und sank von tag nieder, uf diesen gängen uf hoffnung nach Eysenstein.“ Auf der Andreas Fundgrube ebendort waren Andreas Roth Schichtmeister und Hanß Adam Blechschmidt Steiger, der oder die Gewerken sind im Aufstand nicht benannt. Die Grube war mit dem Steiger, zwei Arbeitern und einem Jungen belegt (40001, Nr. 1785, Blatt 10). Der Receß war – vielleicht der aufwendigen Wasserhaltung halber – inzwischen auf 425 Thaler angewachsen. Trinitatis 1678 ist der Rezeß wieder auf 270 Thaler gesunken, wahrscheinlich sind die Eisenstein- Lieferungen des Vorjahres nun im Anschnitt in Anrechnung gebracht worden (40001, Nr. 1785, Rückseite Blatt 19). Der genannte Besitzer, Veit Hans Schnorr, der Jüngere von Carolsfeld (*1644, †1715), neben dem Carlsfeld'er Hammer auch im Besitz des Auerhammers sowie des Blaufarbenwerkes Niederpfannenstiel, hatte natürlich für seine beiden Eisenhütten einen großen Bedarf an Erz und war deshalb zeitgleich auch Gewerke auf wenigstens neun Eisensteingruben auf dem Schwalbner Zug, „im Zschorlwald gelegen“, namentlich benannt sind in den Aufständen die Gruben Jakob, Glaskopf, Daniel, Falken, Maria, Hoffnung und Johannes, sowie auf Christoph und Johannes Fundgrube nebst dem Neuen Zuger Stolln in Lindenau bei Schneeberg... Zunächst ließ sich die Sache in Aue aber gar nicht so gut an, denn Crucis 1678 trieben zwei Arbeiter auf der oberen anderen Maß nach Andreas Fundgrube in 6 Lachter Teufe Feldörter „in Hoffnung nach Eisenstein,“ von dem in den Gängen „bisweilen etwas mitgeführet“ wird. Die Maßen hatten ebenfalls schon 50 Thaler Rezeß angesammelt. Auf der Fundgrube waren neben dem Steiger zwei Arbeiter und ein Bergjunge angelegt, die in 16 Lachter Teufe auslängten und Stroßen nachhieben. Der Eisenstein hier „bricht fäll- und nierenweiß eines brethes mächtig“ und nach wie vor wurden die Wasser mittels einer Kunst niedergehalten. Der Rezeß war wieder auf 313 Thaler gestiegen (40001, Nr. 1785, Blatt 43 und Rückseite Blatt 43). Von den Maßen gab es Reminiscere 1679 nichts anderes zu berichten. Auf der Fundgrube baute man inzwischen „in zween Schächten, ist einer 16 Lachter und der andere 12 Lachter tieff, längen aus und hauen die stroßen nach...“ (40001, Nr. 1785, Blatt 69). Ab Trinitatis 1679 ist Veit Hans Schnorr dann auch als Gewerke der Andreas Fundgrube benannt (40001, Nr. 1785, Rückseite Blatt 81). Die Grube war nun mit sechs Mann belegt, die „haben in zweyen tieffen nieder abgesunken und stroßen nachgehauen, bricht Eisenstein fällweiß eines brethes mächtig mit in gängen... ingleichen haben von diesen Arbeitern, deren zween einen alten Stolln mit gewältiget und gesäubert, arbeiten itzo vor orth, wollen solchen in dieses gebäudte dreiben, weile der Kunst die waßer zu halten zu schwer werde.“ Ein halbes Jahr später liest man zum Grund des aufgenommenen Stollnforttriebs, daß „in trocknen Zeiten kein Waßer darauf zu schlagen ist.“ Es mangelte an Aufschlagwasser. Der Rezeß belief sich inzwischen auf 530 Thaler. Die Maße tauchen in diesem Quartal nicht mehr auf. Crucis 1679 ist die Grube dann in den Aufständen als „Andreaß fundgrub und zugehörige Maßen und Wolfgangkstolln im Lumpach zur Aue gelegen“ benannt (40001, Nr. 1785, Blatt 96). Herr Schnorr hatte sie zusammengelegt und der alte Stolln hat offenbar einen neuen Namen bekommen. Da er aber noch nicht bis in die Grube eingebracht war, hat man im Sommer „wegen bößen wettern im tieffsten nicht bauen können.“ Luciae 1679 sind die zugehörigen Maße genauer als die „beiden negsten Maßen“ beschrieben ‒ also die beiden jeweils oberhalb und unterhalb der Fundgrube angrenzenden (40001, Nr. 1785, Blatt 108). Der Wolfgang Stolln wurde „uf einer bloßen Klufft uf Hoffnung fort an die gebäudte, denenselben die waßer zu übernehmen, gedrieben.“ Der Rezeß war auf über 733 Thaler angewachsen. Reminiscere 1680 wurde die Belegschaft dann auf 1 Steiger und 8 Arbeiter erhöht (40001, Nr. 1785, Blatt 123). Trinitatis 1680 begann man, dem Stollnvortrieb Erleichterung zu schaffen, indem man ein Lichtloch absenkte (40001, Nr. 1785, Blatt 137). Sofern man denn genug Aufschlagwasser für das Kunstgezeug hatte, um das Wasser zu Sumpf zu halten, baute man bereits in 20 Lachter Teufe ab, ansonsten mußte man oberhalb bleiben. Auch Crucis 1680 war der Durchschlag noch immer nicht erreicht, der Rezeß jedoch, des aufwendigen Ausrichtungsbaues halber, auf 984 Thaler angewachsen (40001, Nr. 1785, Rückseite Blatt 151). Luciae 1680 ist die Grube als „Andreas und Heyl. Christ fundgruben beneben denen darzu gehörigen Maßen und Wolffgangk Stolln“ benannt (40001, Nr. 1785, Blatt 163). Ein Durchschlag des Stollnortes ist noch nicht vermerkt. Warum Herr Schnorr eine zweite Fundgrube, anstatt weiterer Maßen mutete, ist hier nicht zu erfahren. Der Rezeß hatte zum Jahresschluß die Marke von 1.000 Thalern deutlich überschritten. Der Aufstand vom Quartal Reminiscere 1681 berichtet demgegenüber nichts Neues (40001, Nr. 1785, Blatt 176), doch Trinitatis 1681 hat Herr Schnorr dann seine beiden Fundgruben wieder zu einer unter dem Namen „Andreas und zugehörige Lehen und Maßen“ zusammengefaßt (40001, Nr. 1785, Blatt 189). Der Stolln hatte die Grube aber auch Crucis 1681 immer noch nicht erreicht... (40001, Nr. 1785, Rückseite Blatt 201) Dann bestehen mehrere Lücken in dieser Aktenüberlieferung – es geht erst mit dem Quartal Trinitatis 1682 weiter und St. Andreas am Lumpach ist diesmal gar nicht angeführt. Überhaupt hat die Anzahl der angeführten, in Umgang stehenden Gruben in diesen Jahren deutlich abgenommen. Die nächsten Aufstände folgen aus dem Quartal Luciae 1683; diesmal ist Andreas Fundgrube, am Lumbach gelegen, wieder mit dabei (40001, Nr. 1785, Rückseite Blatt 226). Als Schichtmeister ist nun Christoph Rinks (zugleich einer der Geschworenen im Bergrevier) angegeben und die Grube war nur noch mit einem Steiger und 2 Arbeitern belegt. Der Stolln jedoch ist in der Zwischenzeit durchschlägig geworden, denn „die Waßer werden mit einer Kunst ufn stolln gehalten.“ Dann enthält der Aktenbestand ab dem Quartal Trinitatis 1684 noch einige Grubenaufstände. Über „Andreas Fundgrube undt stolln“ heißt es diesmal, man treibe den Stolln „in dießem Gebäude ufn Gängen fort“ und das Gestein vor dem Stollnort sei „nicht fest“ (40001, Nr. 1785, Rückseite Blatt 238). Der Rezeß hatte einen Betrag von 2.211 Thalern überschritten. Crucis 1684 und Luciae 1684 enthält der Grubenaufstand fast wortgleich dieselben Angaben, nur ist der Rezeß weiter angestiegen (40001, Nr. 1785, Rückseite Blatt 251 und Rückseite Blatt 263).
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Ende des 17. Jahrhunderts muß der Besitzer von St. Andreas, Veit Hans Schnorr, dann auf die Tonerdevorkommen aufmerksam geworden sein, denn er mutete am 5. März des Jahres 1700 (bestätigt am 24. März) deren Abbau unter dem Namen Weißer St. Andreas Fundgrube. 1704 wurden ihm dazu die zwei ersten oberen Maße verliehen, 1712 noch eine erste untere Maß. 1719 mutete sein Nachfolger im Grubenbesitz, Johann Enoch Schnorr, auch noch die 3. bis 5. obere sowie die 2. und 3. untere Maß nach der Weißen Andreas Zeche (Extrakt aus den Verleihbüchern in 40001, Nr. 1823, Blatt 138). Den weißen Ton verwendete der Besitzer zunächst selbst, um daraus Ofenziegel und „Häfen“ (Schmelztiegel) für die Produktion der blauen Farbe in Niederpfannenstiel zu brennen. Erst 1708 wurde dann die Eignung des Materials zur Porzellanherstellung entdeckt, woraufhin die kurfürstliche Kammer 1711 anwies, daß die „Schnorr'sche Erde“ ausschließlich an die inzwischen gegründete Porzellanmanufaktur in Meißen zu liefern sei. Da es sich bei der Tonerde aber um einen
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Wie die folgende Zusammenstellung anhand von Ausbringen, Bezahlung und Überschüssen (40001, Nr. 1823, Blatt 135f) schnell zeigt, lohnte sich der Grubenbetrieb auch für die privaten Gewerken in jedem Fall, denn der Zentner der weißen Erde wurde im Zeitraum von 1780 bis 1814 mit 2 Thalern, 12 Groschen, danach sogar mit 3 Thalern, 12 Groschen von der staatlichen Manufaktur bezahlt. Da der Abbau des Kaolins nun technisch nicht sonderlich aufwendig war (wenn man auch den tagesnahen Bruchbau erst einmal beherrschen mußte), ergaben sich pro Jahr Überschüsse von wenigstens 10% und bis über 70%... Mit Verordnung aus Dresden vom
23. Januar 1824 wurde der Preis pro Zentner weißer Erde dann aber wieder herab-
und mengenabhängig festgesetzt (40001, Nr. 1824, Blatt 45f): Bis zu einer
Abnahme von 800 Ctr. sollte er 3 Thaler betragen, bei 1.200 Ctr. und mehr im
Jahr dagegen nur noch 2 Thaler, 12 Groschen pro Zentner. Dagegen war die
Seilitz'er Erde
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Schon bald nach dem Ableben des
Veit Hans Schnorr hielten sich die Schnorr'schen Erben aber wohl nicht mehr
getreu an die Anweisung aus Dresden und lieferten die weiße Erde auch nach Wien
und Venedig.
Über solcherart
Vorgänge sind und anderem folgende „Acta, die allergnädigst anbefohlene Erkundigung des beym
Städtlein Aue gegrabenen Thons und daß deßen 40 Ctr. durch einen Fuhrmann zu
Zschopau nahmens Gottfried Weißbachen nachher Wien geführet worden sambt was dem
mehr anhängig betreffend, ergangen im Kreyß Ambte Schwarzenberg, anno 1719“
erhalten geblieben.
Nachdem diese Angelegenheit auch in Dresden ruchbar geworden war, ließ König Friedrich August seinen Geheimen Rat am 7. August 1719 dem Kreisamtmann in Schwarzenberg den Auftrag erteilen: „Lieber getreuer, Wir sind berichtet worden, es sollte von demjenigen Thon, der in dem Dorffe Aue bey Schneeberg gegraben wird, 40 Ctr. in acht Fäßern durch einen Fuhrmann zu Zschopau... nacher Wien, dem Vermuthen nach, auf Veranlaßung Samuel Stolzes, welcher sich von unserer Manufactur zu Meißen weg und nacher Wien begeben, Wenn denn solches zum Nachtheil und Abbruch unserer Manufactur geschiehet, als ist hiermit Unser Befehl, du wollest dich deßen in angeregten Dorffe erkundigen, dahin selbst reysen, die Gegend, wo ermahlter Thon gegraben wird, in Augenschein nehmen, auch was weise der Abfuhr desselben aus dem Lande am füglichsten mit Vereinung und Vermachung des Plazes oder sonst durch Abhandlung mit dem Eigenthums Herrn am besten ohne Weitläufigkeit und noch zur Zeit sonder öffentliches Verboth an die Grenzeinnehmer vorzukommen seyn möchte, überlegen und darüber deinen unterthänigsten Bericht und Gutachten erstatten...“ (10024, Loc. 07334/01, Blatt 1) Am 26. August d. J. schrieb der Amtmann seinen Bericht an den Geheimen Rat nieder, worin es heißt, er habe sich dem allergnädigsten Befehl zu Folge nach Aue begeben und den „darüber gesetzten Schichtmeister Gottfried Lingeln“ in die Richterstube geladen und befragt, welcher ihm berichtete, „es wäre diese Zeche, welche am Lumpach, zwischen Aue und Lauter läge, vor ohngefähr 10 bis 15 Jahren von dem seligen Herrn Veit Hanß Schnorren in dem Bergkamt Schneeberg auf alle Metalle aufgenommen worden, und nach dessen erfolgtem Todt bey der Erbsonderung auf seine beyde Kinder... die hinterlassene Wittwe und Herrn Johann Ernst Schnorren verfallen. Die Zeche an und vor sich (...) würde weiße Erde, wie ein Letten oder Dohn gefördert, iedoch wäre es kein ordentlich streichender Gang, sondern nur Stockwergk, und wenn an einem Ort es sich abschnitte, würde daneben an einem anderen Orte fortgefahren, sey mit zweyn Arbeitern beleget und würde die Woche etwa 1, 2 und meistens bis 3 Tage darauf gearbeitet. Die gewonnene weiße Erde, worunter manchmal rothe Ädergen sich führen ließen, iedoch aber in der Sonne sich gleichfalls ins Weiße veränderte, würde theils auf die Blau Farbmühlen geliefert und allda unter die (?) verbrauchet, theils auch in die fabrique nacher Meißen verlassen...“ „Nachdem man auch erfahren, daß der Hrn. Johann Ernst Schnorren sich anitzo auf der Farbmühle zur Zelle... aufhalte,“ hat der Kreisamtmann auch diesen einbestellt. Der hat die Angaben des Schichtmeisters „confirmiret“ und dazu ergänzend „referiret, wie der ietzige Generalconsumptions Acciseinnehmer zu Eybenstock, Nizsche, vor fast einem halben Jahr zu ihm gekommen und gefraget: ob er nicht ein baar Pfundt dergleichen weiße Erde erlangen könnte und wie theuer der Centner verlassen würde? Deme er sofort etliche Pfundt zugestellet und gemeldet habe, daß er den Centner vor 2½ Thl. bekommen könnte, wozu aber dießer Nizsche solche Erde gebrauchet oder brauchen wollen, sey ihm unwissend. Vor ohngefähr 6 Wochen... sey abermahls ein unbekannter Mann in einem blauen Kleid zu ihm gekommen und ob er dergleichen Erde nicht etliche Centner erhalten könnte? gefraget, mit Vermelden, wie der in Schneeberg sich aufhaltende Italiener Jean Maria Tierceri solche alsbalde bezahlen sollte...“ Der habe anfangs sogar 4 Thl. geboten, aber man hat sich auf 2 Thl. 18 Gr. für den Zentner verständigt. Die beiden fuhren also zur Zeche, wo Herr Schnorr 36 Zentner abwiegen und in Fässer verpacken ließ. Der Käufer hatte Fuhrleute aus Neustädtel gedungen, welche die Fässer auch aufluden. Wohin und wie sie außer Landes gebracht wurden, könne er aber nicht wissen. Danach hat sich der Kreisamtmann mit Herrn Schnorr ebenfalls auf die Zeche begeben und alles selbst in Augenschein genommen, wobei zu bemängeln war, daß der gewonnene Vorrat „in einer fast meistens offenen Hütte in schlechter Verwahrung“ läge. Herr Schnorr wolle aber auf seinem Grund und Boden ein besonderes Häuschen errichten, um die „Dieberey“ dadurch zu verhindern. Ferner erfuhr man noch, daß die weiße Erde auf den Farbmühlen gewaschen und der dabei anfallende Quarzsand der blauen Farbe zugesetzt werde (10024, Loc. 07334/01, Blatt 2ff). Hofrat Christian Ehrenfriedt von Seydewitz'ens ,Anotures' hierzu vom 28. August 1719 wiederholten zunächst den langen Bericht des Kreisamtmanns. Weiter schrieb dieser aber, „daß Eu. Königl. Maj. (einen Kauf der Zeche) meines allerwenigsten Erachtens, umb so weniger von nöthen haben, je gewißer mich der Oberzehntner Birthler versichert, wie an verschiedenen andern Orthen hiesiger Gegend dergleichen weiße Erde ebenfalls angetroffen wurde und von gleicher Güte wäre.“ Wenn Ihre Majestät es aber für notwendig erachten würden, die Zeche „gleichsam in feste Hand zu nehmen,“ so wäre als erstes ein Huthaus und verschlossener Schuppen zu errichten, welches einem verpflichteten Hutmann anvertraut werden müsse, der die befüllten Fässer mit einem Stempel markiert und versiegelt und nicht zuletzt wäre auf eine Verfuhrung durch andere Personen eine „Poen“ auszusetzen (10024, Loc. 07334/01, Blatt 11ff).
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Anscheinend hörten die Berichte über heimlichen Verkauf der Porzellanerde aus Aue aber nicht auf und so erging am 26. Mai 1728 folgende Verfügung der Königl. Kammer in Dresden an die Geheimen Räte Ludwig Alexander von Seebach (*1668, †1730) und Hanß Caspar Graf von Lesgewang (10024, Loc. 07416/15, Blatt 1): „Nachdem Wir auf euern, wegen Ausfuhre der zur Porcellan Manufactur zu Meißen benöthigten weißen Erde außer Landes und Verlaßung derselben an die Blau Farbenwercke, unterm 18. Februarii curr. ai. erstatteten unterthänigsten Bericht an Unser Cammer- und Berg- Gemach die beygelegte Verfügung ergehen laßen; Alß ist auch solches zu eurer Nachricht und Nachhalt hierdurch nicht zu verhalten gewesen und werdet ihr im übrigen, eurem ohnmaßgeblichen Vorschlage nach, den Handel mit den Schnorrischen Interessenten nebst anderen nöthigen Veranstaltungen wider Verlaßung gedachter Erde an andere Orte, alß die Meißnische Manufactur, in Richtigkeit zu setzen, auch mit Unserem Cammer- und Berg- Gemach deßhalb ferner zu communiciren wißen. Daran geschieht Unser Wille und Meinung, und Wir seynd euch mit Gnaden gewogen. Geben zu Dreßden, den 26 May 1728“ In der beigelegten Verfügung gleichen Datums heißt es deutlicher (10024, Loc. 07416/15, Blatt 3): „Wie Wir nun an dieselben, ihrem Gutachten gemäs, sowohl den Handel über die weiße Erde mit den Schnorrischen Interessenten in Richtigkeit zu setzen, als auch wider die ferner Ausfuhr alle möglichen Veranstaltungen zu treffen, nach der beyfüge rescribiret haben, also begehren Wir zugleich gnädigst, ihr wollet sowohl die Abfuhr gedachter weißer Erde auf die Blau Farben Wercke, als von daher selbige seither in Blau Farben Fässern nachher Wien und Venedig, in starcker Quantität heimlich vertrieben werden seyn solle, schlechterdings und bey Straffe untersagen, ingleichen, daß solche nicht außer Landes verfuhret werde, in deren Geleiten und Zöllen fleißige Aufsicht führen laßen, und deßhalb gemäße Verfügung ertheilen, als auch überhaupt oberwähnte Commission, auf ihr Ansuchen, mit nachdrücklichen Befehlen anhand gehen. Daran geschieht Unser Wille...“ Um das Geheimnis um den Ausgangsstoff der Porzellanherstellung, die „weiße Erde“, und deren Herkunft, zu hüten, bekräftigte die Königliche Kammer unter dem 20. Dezember 1729 erneut auch gegenüber dem Oberbergamt das Verbot jeglicher Ausfuhr ins Ausland (40001, Nr. 2970, Blatt 1): „Werte Räthe, liebe getreue, Dennoch inmaßen auch bereits bekanndt, in der Gegend Schneeberg und anderer Orthen im Ober- und Erz Gebürge eine weiße Erde im Anbruch befindlich und die Nothdurft erfordert, zu verhüten, daß solche nicht andernorths hin verführt werde, Alß begehren Wir hiermit, ihr wollet, daß von besagter weißen Erde niemand, wer der auch sey, bey Vermeydung unnoch bleibender Leibes Straffe, etwas außer Landes schaffen oder verkauffen, vielmehr, wenn dergleichen am ein und andern Orthe sich veroffenbaren mögte, deshalb sofort unterthänigster Bericht zu Unserem Cammer- und Berg Gemach erstattet und eine Probe von solcher weißen Erde mit beygefüget werden solle, per generale an sämtliche Berg Ämter auffs schleunigste verfügen und wie es geschehen, gehorsamst berichten. An dem geschieht Unser Wille und Meynung. Datum Dresden, den 20. Decembris A. 1729“ Das Oberbergamt gab diesen Befehl daraufhin mit folgendem Schreiben an die einzelnen Bergämter weiter (40001, Nr. 2970, Blatt 5f): „Nachdem bey Sr. Königl. Maj. in Pohlen und Churf. Durchl. zu Sachsen, unserem allergnädigsten Herrn, vorgestellet worden, daß in der Gegend Schneeberg und andern Orthen im Ober- und Erzgebürge eine Weiße Erde im Anbruche befindlich, und denn allerhöchstgedachte Se. Königl. Maj. (...) befohlen, daß besagte weiße Erde durchaus nicht außer Landes verführet oder verkaufft, vielmehr, wenn dergleichen sich an einem und dem andern Orthe veroffenbahret, sofort allerunterthänigster Bericht zu dero Cammer- und Berg Gemach mit Beyfügung einer Probe erstattet werden soll. Als haben unsere vielgeehrten Herren und vielgeliebte Freunde sich nicht nur selbst darnach zu achten, auch dieselbe gute Achtung zu geben, das gefundene sofort iedes mahl einzuberichten und nach aller Möglichkeit die Ausfuhr und Verkauffung zu verhüten, sondern auch mittelst öffentlichen Anschlage an die Bergamts- und Rathhäuser, ingleichen den Huth- und Zechen Häuser bekannt zu machen, (...) vielmehr, wo dieselbe gefunden werden möchte, solches sofort bey iedem Berg Ambte zu melden, da dann, wo nöthig, mit Hinzuziehung des Fossilien Factors Flemming*), unsre vielgeliebten Freunde das Angeben zu beaugenscheinigen, Probe zu nehmen und solche mit eigentlicher Benennung des Orthes allergnädigst anbefohlen, einzusenden, nicht minder die Kobalt Überreuther, auch wer sonsten auf die Straße acht zu geben, benöthigten Falles dahin mit zu instruiren und zu ersuchen, daß sie auf die Ausführung solcher Erde Acht zu geben, die Contrarenienten (?) nach Befinden aufzuhalten oder zu melden... Signatum Freyberg, den 26. Decembris A. 1729 Königl. Pohln. und Churf. Sächs. verordnetes Ober- Bergamt. “ Der Empfang war zu quittieren, was auch bis Januar 1730 erfolgt ist ‒ nur vom Bergamt zu Voigtsberg und von dem zu Neustadt an der Orla (der Neustädtische Kreis gehörte damals ja auch noch zum Fürstentum) fehlen die Unterschriften. *) Der hier genannte
,Fossilien Factor' Johann Christoph Flemming ist uns aus
Recherchen zum Schwarzenberg'er
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Das Ausfuhrverbot wurde
schon am 19. Juli 1730 wieder bekräftigt und darüber hinaus auch festgelegt, daß „innerhalb
Landes einige weiße Erde weder aufgesuchet und gegraben, noch auch zu einem
anderen Gebrauch, als zum Behuff Unserer Porcellain- Manufactur zu Meißen
angewendet (werden)“ dürfe. Ferner heißt in dieser Anweisung an das
Oberbergamt (40001, Nr. 2970, Blatt 9f):
„So begehren Wir hiermit, ihr wollet, daß die Berg Ämter nicht nur gedachten Unserem gemaßenen Befehl vom 20ten Dec. a. p. genau nachgehen, sondern auch selbige darauff fleißige Acht geben, damit die Auffsuche und Grabung gedachter weißer Erde und Anwendung derselben zum Privat- Gebrauch innerhalb Landes niemand gestattet, sondern vielmehr möglichst verhütet werden möge, dahin verfügen, zugleich auch selbigen, was maßen ihren Entdeckern dergleichen straffbaren Unternehmens von denen gemachten Contrebanden oder sonst, aus unserer Rent- Cammer eine billigmäßige Ergötzlichkeit angedeyhen solle, bekannt machen, sie zu fleißiger Communication mit denen Beamten und Grentz-, Zoll- und Accis- Einnehmern hierunter anweisen, auch wie solches von euch geschehen, berichten...“ Für das Anzeigen von Zuwiderhandlungen wurde hier eine Belohnung ausgelobt. Das Oberbergamt reichte diese Anweisung am 11. August 1730 an alle Bergämter weiter. Gleichlautende Anweisungen ergingen wenig später auch an den Kreis- Amtmann zu Schwarzenberg, an die Beamten zu Zwickau und Wolkenstein, an den Oberzehntner und an den Zehnter des obergebirgischen Kreises sowie an den ,Geleits- und Accis- Commissar' Metzger.
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Dennoch gelang es nicht lange, das Geheimnis der Herstellung in Meißen zu bewahren und in ganz Europa wurden alsbald weitere Porzellanmanufakturen gegründet. Um die Herkunft und die herausragende Qualität des Meißner Porzellans zu kennzeichnen, wurden bereits 1722 die aus dem kursächischen Wappen entlehnten, blauen gekreuzten Schwerter als Kennzeichen eingeführt ‒ sie gelten als eines der weltweit ältesten, bis heute fortwährend verwendeten Markenzeichen (meissen.com). In seiner Beschreibung des Dresdener Kreisdirektionsbezirkes schrieb Albert Schiffner hierzu 1840 über die Meißen'er Manufaktur: „Als nun 1734 zu Wien ebenfalls ein Porcellan zustande gebracht worden und man besonders in Berlin und Florenz sich die größte Mühe deshalb gab, so wurde 1740 auf die Ausfuhr des Petunze sogar Todesstrafe gesetzt und alle Arbeiter, deren Zahl schon hoch in die Hunderte ging, wurden mit strenger Eifersucht bewacht. Dieß konnte aber freilich Friedrich den II. im Siebenjährigen Kriege nicht hindern, sowohl Arbeiter von hier, als ganze Ladungen Porcellanerde nach Berlin zu schicken, von wo man Proben durch ganz Preußen vertheilte, um dasselbe Fossil zu finden; und sobald dieses gelungen, that alsbald die Berliner Fabrik der hiesigen insofern großen Abbruch, als der Debit ins Preussische größtentheils hinwegfiel... An Ersparnisse und Erweiterungen, durch welche man den Debit im grossen Publicum heben könnte, dachte man ernstlich erst seit 1814, wo von Oppel das Directorium überkam; und so minderte sich allmälig der Zuschuß, den der Staat früher (im Belaufe von etwa 30.000 Thalern) der Fabrik gewährte. Anjetzt soll diese sich in gemeinen Jahren aus ihrem Ertrage auch erhalten...“ Die hier sehr kurz beschriebenen Geschehnisse werden wir anhand der Bergamtsakten gleich noch etwas ausführlicher beleuchten.
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Den oben genannten Befehlen aus Dresden
wurde natürlich seitens der Bergämter auch Folge geleistet. Als etwa der Schichtmeister und Faßgroscheneinnehmer Johann Carl Goldberg zu Annaberg beim Bergamt
beantragte, den Faßgroschen als Vorschuß für den Abbau aufgefundener weißer Erde
im Rabenstolln, dortige Kommunzeche, zu verwenden, wurde ihm dies durch
höchstes Dekret seitens der königlichen Kammer vom 24. August 1739 verboten
(40001, Nr. 2970, Blatt 22).
Am 6. Februar 1745 meldete Johann Gottlieb Blüher, damaliger Bergmeister zu Eibenstock, das Auffinden weißer Erde auf der St. Jacob Fundgrube am Jungen Auersberg nach Freiberg, wo sich an den verfolgten Gang „ein weißes Steinmark angelegt habe, bis ½ Elle mächtig“. Er wollte in Befolgung der Befehle eine Probe nach Meißen senden, aber das Oberbergamt wies ihn am 27. Februar 1745 an, er solle die Probe nach Freiberg schicken (40001, Nr. 2970, Blatt 24f). Dazu entschied man am 23. Juni 1745 in Dresden, es solle in Freiberg verfügt werden, das Material keinesfalls zu verkaufen, sondern aufzubewahren und, sofern sich davon noch mehr findet, den Vorrat anzuzeigen (40001, Nr. 2970, Blatt 26). Bergmeister Blüher berichtete daraufhin, man habe das Ort „der ordentlichen Arbeit halber“ wieder verlassen müssen und bis dahin nur 5 bis 6 Zentner von dem Steinmark gewonnen (40001, Nr. 2970, Blatt 30f). Auf den ergangenen Bericht über das Auffinden von weißer Erde durch den Steiger von Heilige Drei Könige am Sosa'er Bach, Johann Salomon Mildner, hin beschied man am 26. März 1746 aus Dresden, daß „dergleichen Erden von Privat Personen muthen zu laßen, nicht gemeynet“ sei (40001, Nr. 2970, Blattnummerierung verloren gegangen). Auch, als der Eigenlehner Conrad Günnel das Auffinden von weißer Erde auf seinem Gnade Gottes Stolln zwischen Ober- und Unterblauenthal am hinteren Steinberg im Schneeberg'er Revier ordnungsgemäß an das Bergamt meldete, wurde am 29. November 1747 höchsten Orts erneut bestätigt, daß Privatpersonen keinesfalls auf solche Mineralien muten dürfen. Die bereits geförderte Erde sollte sogar wieder verstürzt werden (40001, Nr. 2970, Blatt 42). Das Fürstenhaus war also nicht nur über alle Fragen der Beschaffung des Rohmaterials für das Porzellan informiert, sondern stets auch unmittelbar involviert.
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Am 23. Februar 1746 sandte man aus Dresden 36 Stück Drucke der General- Verordnung von 1745 nach Freiberg, um davon jedem Bergamt zwei Exemplare zufertigen und dort öffentlich bekannt machen zu lassen. Das Oberbergamt versandte diese natürlich auch und diesmal fehlte auch die Empfangsbestätigung aus Voigtsberg und Neustadt nicht (40001, Nr. 2970, Blatt 35). Weil sich „die heimliche Ausschleppung sothaner Erde“ durch die bisherigen aber nicht unterbinden ließ, verschärfte man am 30. April 1749 in Dresden das Mandat und sandte am 6. Juni 1750 neue 50 Druckexemplare mit der Weisung nach Freiberg, diese den Bergämtern ungesäumt zufertigen zu lassen (40001, Nr. 2970, Blatt 47). Darin wurde eine Geldstrafe von 100 Meißnischen Gulden für jeden mit weißer Erde beladenen Wagen angedroht; auch sollte derjenige, der solches verschwiegen und nicht angezeigt hat, „nach Beschaffenheit und Unterschied der Theilnehmung an sothanen Verbrechen mit dem Strange... bestraffet“, den Fuhrleuten aber „Pferde und Wagen confisciret“ werden. Weisungsgemäß gab das Oberbergamt die Exemplare am 17. Juni 1750 an sämtliche Zehntner und Bergämter, diesmal auch einschließlich der Vasallenbergämter in Bärenstein, Neundorf, Naundorf und Neugeising, weiter (40001, Nr. 2970, Blatt 54).
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Dann berichtete der
Bergmeister Samuel Enderlein aus Scheibenberg am 15. November 1751 nach
Freiberg, daß man auch in seinem Zuständigkeitsbereich weiße Erde gefunden habe.
Wahrscheinlich kannte der Bergmeister auch die Weiße St. Andreas Fundgrube
zu Aue im Schneeberg'ischen Revier und wies in seiner Frage nach der weiteren
Vorgehensweise an das Oberbergamt deshalb darauf hin, daß „ob schon es seyn
kann, daß mit der Schneebergischen Weißen Erde lange hinaus gefahren werde, so
möchte es aber doch auch nicht unrecht seyn, wenn neben solcher auch mehrere so
ausgerichtet würden, daß auch künftig eine Reflexion darauf zu machen wäre...“
(40001, Nr. 2970, Blatt 59f)
Den Hinweis, daß diese Lagerstätte einmal ausgebeutet sein könne, nahm man zunächst aber nicht ernst und so erging am 4. Dezember 1751 wieder nur eine Bekräftigung der bisherigen Anweisungen aus Dresden, es dürfe weder durch Privatpersonen geschürft, noch durch die Bergämter auf weiße Erde Mutung angenommen werden, vielmehr sollen die Fundstellen wieder verstürzt werden (40001, Nr. 2970, Blatt 58). Das gab das Oberbergamt so am 18. Dezember 1751 nach Scheibenberg weiter.
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Derweil wurden in Dresden
neue Verfügungen getroffen, über die wir in einem Schreiben des Bergamtes
Schneeberg vom 2. November 1753 an das Bergamt in Eibenstock lesen können
(40001, Nr. 2970,
Blatt 76f):
„Es ist vermöge ergangenen allergnädigsten Befehls allbereit den 27. Sept. 1752 und nur letztlich den 26. Sept. cur. anni die nachdrücklichste Verfügung geschehen, daß wir den Herrn Geschworenen August Gottlieb Süßen, als welchen die Kosten aus Dero Porcellain Manufactur Cassa gerichtet werden sollen, dahin zu authorisiren und zu instruiren hätten, sowohl in derer Schnorrischen Gewerken Fundgrube, als auch nach Befinden an andern Orten in freyem Felde vor die Königl. Porcellain Manufactur das weiße Materiale ausfindig zu machen, und was dem mehr anhängig ist. Nachdem nun unter anderen auf die eingegangenen Proben von Junger Jacob unter Dero Berg Amts Refier eine Probe von einigen Centnern einzusenden einen Versuch zu thun, auch diese Proben bey vorhabender Reise mit dahin zu bringen, von den Herrn Berg Rath Herold an Herrn Geschworenen Süßen verlanget worden, auch Herr Geschworener Süße einen Johann Adam Kraußen aus Sosa deßhalber mit der Instruction abgesendet hat, welcher aber und die Probe samt den Versuch, weil an unsern hoch- und vielgeehrten Herrn ein besonderer allergnädigster Befehl ergangen sey, von unseren hochgeehrtesten Herrn Bergmeister abgeschlagen worden wäre. Als haben wir hiermit dießhalben requirendo dienstlich ersuchen wollen, dem Herrn Geschworenen Süßen hierunter völligen Glauben beyzumessen und zu der hohen Intention in Erlangung der Probe auch anzustellenden Versuch behülflich zu seyn. Inmaßen wir... uns durch den Überbringer hinlängliche Nachricht ausbitten. Dienstergebenst Das Bergamt allhier, Zacharias Bachmann, Bergmstr.“ Wie wir schon wissen, ist mit der ,Schnorr'ischen Gewerkengrube' die Weiße Andreas Fundgrube zu Aue ‒ besser bekannt als ,Weißerdenzeche' ‒ gemeint. Der frühere Fossilien Faktor Flemming sen. ist 1736 verstorben. Zwar war zwischen 1744 und 1749 dessen Sohn, Johann Friedrich Flemming noch einmal zum Faktor des Fossilienwerkes bestellt, doch weil sich die Geschäfte dort doch nicht so einträglich anließen, wie erhofft, hatte man das Werk in Schwarzenberg um 1750 an Dritte verpachtet und später ganz verkauft. Daher wurde nun für die Beschaffung der weißen Erde der Geschworene August Gottlieb Süß verantwortlich gemacht.
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Schon am 2. März 1752
hatte Carl Rudolph Schwarze und Cons. namens der Gewerkschaft der
St. Jacob Fdgr. am Auersberg alleruntertänigst im Bergamt nachgefragt, ob,
falls sich das Steinmark nicht in der Manufaktur verwenden ließe, solches nicht ins
Freie gegeben werden könne (40001, Nr. 2970,
Blatt 63ff). Das Ansuchen wurde am 19. Juli 1752 aber wieder höchsten Ortes in
Dresden abgewiesen
(40001, Nr. 2970,
Blatt 62).
Nun berichtete am 27. November 1753 der Bergmeister Johann Friedrich Engelschall aus Eibenstock nach Schneeberg, daß der wohl etwas widerspenstige Schichtmeister der Jakob Fdgr. – ein Johann Gabriel Beer – das Ort mit dem Anbruch der weißen Erde wieder belegen wollte, was ihm aber durch das Bergamt zu Eibenstock aufgrund der vorausgegangenen Anweisungen aus Dresden untersagt worden ist (40001, Nr. 2970, Blatt 78f). Erst am 27. Oktober 1753 nämlich hatte die Königl. Kammer wieder das „Verparthieren“ von „Kobalten, Wißmuth Ertzen und woraus sonsten blaue Farbe gemachet werden kann, ingleichen von weißen Erden“ auf das Schärfste verboten und wer dergleichen Mineralien „zu einem medicinischen, chymischen und andern erlaubten Gebrauch verlange, der soll mit seinem Ersuchen an das königl. Berggemach verwiesen werden.“ (40001, Nr. 2970, Blatt 80) Am 8. Dezember 1753 gab demgemäß auch das Oberbergamt dem Bergmeister in Eibenstock zunächst Recht, fragte aber vorsichtshalber unter gleichem Datum in Dresden nach neuer Resolution (40001, Nr. 2970, Blatt 82f). Aus Dresden beschied man daraufhin am 15. Dezember 1753 nach Freiberg, daß die Aufsicht ja dem Geschworenen Süß übertragen sei und dieser sich nach Befinden darum kümmern solle. Dem Schichtmeister Beer allerdings sei die Belegung des Ortes zu untersagen (40001, Nr. 2970, Blatt 85). Diese Entscheidung teilte man schon am 10. Dezember 1753 aus Dresden auch direkt an das Bergamt Eibenstock mit, wies den Bergmeister dabei aber an, er solle „das weggenommene Gruben Seil wieder an gehörigen Ort und Stelle bringen laßen,“ dem Schichtmeister den Betrieb der Grube wieder erlauben, jedoch dem Geschworenen Süß die Ausrichtung der weißen Erde überlassen (40001, Nr. 2970, Blatt 86). Ob der letztere hier wirklich etwas gemacht hat, ist aber unklar. Dann berichtete Bergmeister Johann Friedrich Engelschall am 31. Januar 1755 an das Oberbergamt, daß eine neue Mutung der St. Jacob Fdgr. nebst den beiden nächsten Maßen und einem tiefem Stolln vom 4. Januar 1755 durch den Lehnsträger Johann Gottlieb Müller und Cons. nicht auf die weiße Erde gerichtet sei, der Stolln vielmehr einem spatweise streichenden und sehr flach fallendem Zwittergang folge und die Mutung demnach rechtens und nicht zu verweigern war. Das Stollnort stehe nach erfolgter Besichtigung durch den Geschworenen Gottfried Sieber (Name schwer leserlich) noch 18 Lachter von dem Punkt zurück, wo das Material anbreche. Der Bergmeister meinte, daß das Ort „ohne Bedenken verliehen und wieder mit Arbeit belegt werden kann, (...) und ein gantz nutzbarer Bau (sei), ohne Schaden der 18 Lachter davor brechenden weißen Erde.“ (40001, Nr. 2970, Blatt 89ff)
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Auch aus dem Bergamt
Scheibenberg mit Schwarzenberg kam am 28. Februar 1755 eine neue Anzeige von
Samuel Enderlein und Vize- Bergmeister Michael Hermann Enderlein über
das Auffinden von weißer Erde auf dem Friedefürst Stolln an das
Oberbergamt. Man sandte außerdem drei Proben nach Freiberg und bat um Resolution
(40001, Nr. 2970, Blatt 105ff). Als Beilage hierzu wurde eine
Bergamtsregistratur vom 30. Januar 1755 über die Anzeige des Steigers der
Osterlamm Fdgr. zu Erlabrunn, Johann Samuel Oeßer aus Sosa, über den
Fund weißer Erde auf dem zu dieser Grube gehörigen Friedefürst Stolln auf
dem überfahrenen Eisensteingang, mitgesandt. Zunächst hatte der Bergmeister das
weitere Aufhauen und Ausfördern verboten und angewiesen, der Steiger solle
keinem Fremden etwas davon sagen, auch auf seine Bergleute achten, daß davon
nichts entwendet werde. Außerdem wurde der Vize- Bergmeister beauftragt, das
Vorkommen in Augenschein zu nehmen (40001, Nr. 2970, Blatt 108ff).
Weil es gerade tiefster Winter war, verzögerte sich die Reise des Vize- Bergmeisters nach Erlabrunn und so erfolgte dessen Bericht erst unter dem 20. Juni 1755. Darin heißt es, besagter Stolln sei über 40 Lachter hora 11 und 12 in Süd getrieben, das Lager wäre bei zirka 36 Lachter Entfernung vom Mundloch und in 8 Lachter Teufe damit überfahren worden und der Betrieb könne fortgesetzt werden, ohne es zu berühren. Ob die Erde jedoch „gangweise breche oder nur aus einem Nest bestehe“ wisse man natürlich mangels weiterer Aufschließung nicht zu sagen. Der Vize- Bergmeister hatte bei seiner Befahrung nur die Firsten- Pfähle wegnehmen und „ein Fäßgen voll“ aufstürzen lassen, dann aber alles geschwind wieder verzimmern lassen. Dabei schien sich ihm das Lager nach „Aushauung dreier Tröge“ schon auszukeilen. Der Stolln schließe im Übrigen ein „unvergleiches Zwitter Gebürge“ auf und werde schwunghaft betrieben. Herr Enderlein schlug vor, zur weiteren Aufschließung ein Lichtloch niederzubringen, damit gegebenenfalls beide Betriebe gegenseitig ungehindert fortlaufen können (40001, Nr. 2970, Blatt 123ff). Das Oberbergamt erstattete darüber am 12. April 1755 Meldung nach Dresden und teilte ferner mit, man habe am 12. März dem Bergamt in Schwarzenberg angeordnet, die beim Anfahren mit dem Stollnort bereits gewonnenen zwei Zentner im Bergamt in Verwahrung zu nehmen und den Anbruch verzimmert zu halten (40001, Nr. 2970, Blatt 110f). In Dresden legte man hierzu am 19. Juli 1755 nur fest, das Lager möge auch weiter nicht berührt werden und „alle gehörige Praecaution gewahrt“ werden (40001, Nr. 2970, Blatt 126).
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Zuvor hatte man in Dresden auch zur St.
Jacob Fundgrube am Auersberg Verfügung getroffen und am 16. April 1755 dem
Oberbergamt mitgeteilt, man habe bei „Unserer verordneten Porcellain
Commission Erkundigung eingezogen“ und „in Gnaden resolviret“, daß
die gesuchte Bestätigung der Fundgrube auf Zwitter erteilt werden, sich jedoch
keiner an der weißen Erde vergreifen dürfe. Der Lehnträger solle „hinlänglich
vereydet“ werden, weitere Funde sofort anzuzeigen und allein Geschworener
Süß sei berechtigt, das Vorkommen abbauen zu lassen (40001, Nr. 2970,
Blatt 110ff). Inzwischen gab es eine besondere Porzellan-
Kommission...
Außerdem hatte man unter demselben Datum eine Mitteilung an das Bergamt zu Schneeberg aufgesetzt, was „Wir übrigens, theils wegen Untersuchung derer Weißen Erde Zechen zu Schneeberg an das dasige Bergamt, theils wegen anderweiter Ausfindigmachung dergleichen zu Unserer Porcellain Manufactur erforderlichen Materialis“ an die (übrigen) Bergämter verfügt haben. In der allgemeinen Verfügung an sämtliche Bergämter heißt es (40001, Nr. 2970, Blatt 115f): „Liebe Getreue. Demnach Wir durch die zu Unserer Porcellain Manufactur zu Meißen verordnete Commission dem Berg Geschworenen zu Schneeberg, August Gottlieb Süßen, zu Erschürffung, Aufsuchung und Ausfindigmachung, auch Ausförderung und weiter getreulicher Überlieferung des zu gedachter Manufactur erforderlichen weißen Erden Materialis in Unseren Erz Gebürgen, bereits vorhin gemeßenen Auftrag thun laßen, demselben aber hierrinnen von einigen Berg Ämtern, wo nicht gar Contradiction gemachet, doch wenige Assistenz geleistet worden, so ist hiermit Unser ernster Befehl, ihr wollet besagtem Geschworenen Süßen, auf sein Anmelden und wenn er mit behöriger Instruction oder schriftlicher Verordnung von erwähnter Commission sich legitimiret, ohne einigen Hinterhalt von dem da und dort bekannten weißen Erden Materiali zuverläßige Nachrichtung ertheilen, demselben, daß er die Gruben, Zechen und Stölln... persönlich befahren, auch sonst darnach schürffen und behörige Veranstaltung treffen möge, sofort verstatten und ihm mit allem diesfalls erforderlichen Vorschub an die Hand gehen, jedoch dieses alles gegen das Publicum mit möglichster Praecaution und Verschwiegenheit tractiren...“ Zudem wurde das wider die ,Parthiererei' schon ergangene Mandat noch einmal bekräftigt. Inzwischen scheinen aber auch die Lieferungen von der Weißerdenzeche in Aue nachgelassen zu haben, denn in der speziellen Anweisung an das Bergamt Schneeberg heißt es darüber hinaus, man habe „schleunig zu wissen nöthig, wie die Schnorrische weiße Erden Zeche, die St. Andreas Fundgrube genannt, gegenwärtig beschaffen sey?“ und verordnete eine Generalbefahrung unter Zuziehung von Geschworenem Süß und des Steigers Blechschmidt. Man fragte konkret, „wie die Anbrüche anietzo beschaffen? Auch wie sie fortsetzen? Und wie lange dieses weißen Materialis vor gedachte Unsere Fabrique in der bisherigen Quantität und Qualität, sich noch zu versprechen?“ Nicht weniger sollte bei dieser Gelegenheit auch der von Geschworenem Süß „in und außer denen Schnorr'ischen Maßen auf Kosten Unserer Manufactur bishero verführten Versuchsbau in Augenschein genommen werden, auch darüber, ob er bergmännisch veranstaltet worden? Und was davon vor Hoffnung sich zu machen?“ ein ohnmaßgebliches Gutachten abgegeben werden (40001, Nr. 2970, Blatt 114). Schon vier Jahre nach dem
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Tatsächlich traf man im erzgebirgischen und
vogtländischen Kreis immer wieder auf kleine Vorkommen der weißen Erde ‒ sei sie
nun für die Herstellung des Porzellans rein genug und geeignet, oder auch nicht.
Die nächste Meldung über einen solchen Fund kam aus Lauter bei Schwarzenberg: Am 17. Mai 1755 erging dazu eine
Verfügung aus Dresden nach Freiberg (40001, Nr. 2970, Blatt 119f): „Uns ist
geziemender Vortrag geschehen, was das Oberbergamt wegen der auf dem bey
Erlabrunn angeseßnen Friedefürst Erbstolln unter dem Bergamt Schwarzenberg...
und... wegen dergleichen von Christian Heinrich Weißpflugen und Consorten zu
Lauter am Kirchberge unterm Bergamte Schneeberg erschürfften weißen Erde“
entschieden hat. Dabei „approbirte“ man in Dresden gnädigst die bis dahin
in Freiberg getroffenen Veranstaltungen bezüglich genannter Gruben, allerdings
seien beide Erdensorten „zum Gebrauch bey Unserer Porcelaine Manufactur nach
der damit allda gemachten Probe zur Zeit (...) noch nicht tüchtig befunden.“
Man wollte jedoch die in Schwarzenberg lagernden Vorräte zu weiterer „Expiscirung“
haben und sie sollen mit „gewöhnlichem Paß“ nach Meißen abgeschickt
werden, wozu Anweisung an das Bergamt zu erteilen sei. Ferner sollte das
Oberbergamt berichten, ob der Bau auf dem Osterlamm’er Gebäude, ohne die weiße
Erde zu berühren, nutzbar fortgestellt werden könne. Auch Weißflog dürfe
weiter nach Eisenstein schürfen, der Anbruch der Erde solle jedoch versetzt und
ihm deren fernere Gewinnung untersagt werden.
Für letzteren kam diese Anweisung zu spät: Auf die Anweisung aus Freiberg hin hatte das Bergamt in Schneeberg den Schurfschacht schon wieder ganz verstürzen lassen. Außerdem teilte Bergmeister Andreas Wilhelm Starke am 31. Juli 1756 noch aus Schneeberg mit (40001, Nr. 2970, Blatt 131ff), daß Geschworener Süß die ausgeförderten zirka 8 Zentner der Erde auf die Schnorr’sche Grube ins Huthaus habe schaffen lassen. Die Gewinnungskosten sollte eigentlich die Manufaktur- Kasse begleichen, was aber anscheinend nicht erfolgt ist. Stattdessen habe nun ein Schichtmeister Johann Carl Gottfried Hennig aus Annaberg vorgegeben, von höherem Orte – mit einem Schreiben vom 15. Juli 1756, unterzeichnet vom Premierminister Reichsgraf Heinrich von Brühl (Abschrift 40001, Nr. 2970, Blatt 137) – Weisung erhalten zu haben, Proben der weißen Erde nach Meißen zu schaffen und hierzu u. a. den Schacht am Kirchberg zu Lauter wieder zu öffnen. Da er dort ohne Mutung wieder Arbeiter anlegte, hat das Bergamt das natürlich nach erhaltener Benachrichtigung darüber (durch den Steiger Krauße von dem Königlichen Versuchsbau bei Aue) umgehend und bis Klärung der Angelegenheit verboten. Eine weitere Meldung kam von Jonas Gottlieb Oehlschlägel aus dem Bergamt Voigtsberg unter dem 3. August 1756 nach Freiberg, daß auch auf der Willkommen Fundgrube, Eisensteinzeche zu Körbiz, im Hangenden des Ganges eine „weiße, milde Berg Art, welche nicht im mindesten Sand bey sich führt“ gefunden worden sei. Wieder wurde die Frage gestellt, ob sie dem Lehnträger Paulus Vieweg, falls sie zur Porzellanherstellung nicht tauge und weil sie mit zutage ausgefördert werden müsse, zwecks Erlangung des Zehnten an die Töpfer oder an den Grundherrn zum freien Verkauf überlassen werden darf (40001, Nr. 2970, Blatt 129f ). Das meldete das Oberbergamt am 8. August 1756 nach Dresden und fragte am 18. August 1756 in Voigtsberg nach der Art des Lagers und ob der Betrieb als Eisensteinzeche fortgeführt werden könne. Eine Probe von 4 Zentnern sollte an das Blaufarbenwerk Oberschlema gesandt werden. J. G. Oehlschlägel berichtete daraufhin am 6. November 1756 aus Voigtsberg, das Lager breche „ordentlich gangweise im Hangenden des Eisensteinlagers“ und der Bau auf Eisenstein könne nicht fortgesetzt werden, ohne das Hangende mit hereinzugewinnen. Die Probe von 4 Zentner sei inzwischen nach Oberschlema abgesandt (40001, Nr. 2970, Blatt 144). Aus Oberschlema meldete Johann Carl Beyer am 2. März 1757, man habe den „Ton examiniret und im Feuer probiret“ und festgestellt, daß er für Porzellan nicht zu gebrauchen sei, worüber das Oberbergamt am 12. März 1757 auch nach Dresden Bericht erstattete (40001, Nr. 2970, Blatt 148). |
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Aber auch mit den Angestellten der Manufaktur
selbst gab es schon zu dieser Zeit so einige Probleme zu regeln. Vom 5. Mai 1753
stammt ein langes Schreiben an die
königliche Kammer, in welchem sich der Verfasser (Unterschrift schwer leserlich, aber
der Bericht ist vermutlich von einem Kommissionsrat in Dresden verfaßt) auf eine
von den „Manufacturiers bey der Porcelain Fabrique zu Meißen, Johann
Gottfried Eberlein und Consorten“ eingereichte ,Vorstellung' bezog,
welche einerseits über „verschiedene Policey Gebrechen“ bei der
Stadtverwaltung Beschwerde geführt, andererseits um Genehmigung einiger ,Befreiungen'
nachgesucht hatten (10079, Loc. 30431/3, ohne
Blattnummerierung). Der Bericht ist
von Interesse, weil er uns auch einige Einblicke in die soziale Stellung der
Manufakturmitarbeiter gegenüber der „normalen“ Stadtbevölkerung der damaligen
Zeit gibt. Dabei ist einmal zu bedenken, daß mit dem Aufbau der Manufaktur
Anfang des 18. Jahrhunderts die Stadtbevölkerung rapide anwuchs, zum anderen,
daß die neuen Mitbürger zumeist recht gut situiert waren. Viele Mitarbeiter der
Manufaktur hatten nicht nur ein festes Gehalt (das ,Tractament'), sondern
auch Anspruch auf Krankengeld, Pension und sogar Witwenversorgung aus der
Manufakturkasse. Ja selbst bei Gerichtsverfahren standen die Angestellten der
Manufaktur unter einem ,forum privilegiatum', während alle anderen Fälle
vor dem ,foro ordinario' ausgetragen worden sind. Wahrscheinlich ist mit dem ersteren das
Manufakturgericht
gemeint (13639). Diese
Vergünstigungen waren seitens des Fürstenhauses auch mit Bedacht so gehalten,
wollte man doch schließlich die Wissensträger der Porzellanherstellung im Lande
halten und deren Abwerbung vorbeugen.
Zunächst einmal liest man hier in der langatmigen Einleitung dieses Schreibens, daß das Fürstenhaus mittels ,Special Rescript' schon am 27. Juli 1752 den Stadtrat zu Meißen angewiesen hatte, „daß er sich bey schwerer Verantwortung gegen berührte Manufacturiers dergestalt bezeigen solle, damit denenselben über Mangel der nöthigen Victualien gegründete Klage zu führen, keine Ursache gegeben werde.“ Offenbar waren in der Stadt die Lebensmittel knapp geworden und mit der angewachsenen Nachfrage stiegen auch die dafür zu zahlenden Preise. Das wiederum führte natürlich unweigerlich zu Konflikten zwischen den ,alteingesessenen' und den ,zugezogenen' Städtern, weswegen man in Dresden unter dem 9. August des Jahres 1752 an den Stadtrat verfügt hatte, „daß er nicht nur seines Ortes ernannten Manufacturiers in ihren Würden laßen, sondern auch die Bürgerschafft hierzu und daß sie sich aller unanständigen Praedicate, unter anderem auch des Nahmens der sogenannten ,Porcelaner' gegen dieselben bey nahmhaffter Geld- und Gefängniß- Strafe zu enthalten, vielmehr mit selbigen sich glimpflich und billig, wie Einwohner einer Stadt (...) gegeneinander gebühret, zu betragen, sogleich auch die Manufacturiers, von denenhin die Stadt den besten Zugang und Nahrung genüße, mit dem Haus- und Miet- Zinß nicht zu übertheuern hätte (...), nicht minder eine durchgängige gleiche und unpartheyische Justitz administriere, den Vor- und Auskauff derer Victualien, von denen Böcken sowohl in der Stadt, als binnen der Meile um selbige, mit Ernst Einhalt thun... und überhaupt gegen die Manufacturiers sich so bezeigen solle, daß Eure Königl. Majestät zu anderer Anordnung zu verschreiten, sich nicht gemüßiget sehen möchte.“ Die Liste der Beschwerdeführer umfaßte alles in allem sage und schreibe 18 Punkte, in denen sich auch ungleiche Maße und Gewichte auf den Märkten, ein Mangel an Gaststätten in der Stadt, was ihnen weite Wege verursache, um ein Mittagessen einzunehmen, und selbst die Teuerung bei Bier und Branntwein finden. Die königliche Kammer hatte offenbar von Stadtrat und Kreisamt Meißen hierzu Berichte verlangt, dieselben sind auch im Oktober und November in Dresden eingegangen, woraufhin die Klageführer ihrerseits am 5. Februar 1753 wiederum ihre ,Gegenvorstellung' einreichten. Auch das ,General Accis Collegio' wurde dazu gehört, schließlich ginge es bei falschen Maßen und Gewichten ja auch um mögliche Steuerhinterziehung. Nach dieser Vorrede kommt der Berichterstatter dann endlich zu seinem ,unvorschreiblichen Gutachten' und berichtet, daß in Meißen bislang zwei Wochenmärkte, nämlich am Dienstag und Sonnabend, stattfänden; der Stadtrat selbst aber in Vorschlag gebracht habe, einen dritten am Donnerstag einzurichten, damit „die Menge der Käuffer“ häufiger Gelegenheit zum Einkauf erhalte. Zur besseren Kontrolle der Händler und ihrer Maße sollte ein Marktmeister angestellt werden, wogegen aber die Stadtverwaltung nicht unbegründet einwandte, daß bei dem „geringen Stadt Fiscum“ dessen Besoldung nicht aus der Stadtkasse getragen werden könne, vielmehr ein zusätzlicher ,Accidens' von den Marktleuten eingezogen werden müsse, was diese freilich wieder auf die Preise umlegen würden... Die Einrichtung eines eigenen ,Tracteurs' ‒ einer Art betrieblichen Handels- und Speiseanstalt für die Angestellten ‒ könne unter Verweis auf die allgemeinen Landesgesetze dagegen nicht empfohlen werden: Dem stehe auch die Stadtverfassung entgegen, wonach innerhalb der Stadt „kein anderes, als Meißnisches Bier eingelegt, auch fremdes Brod und Fleisch und Wein nicht eingeschleppt“ werden dürfe. Außer auf den Jahrmärkten sei nun einmal der Verkauf eingeführter Waren nicht gestattet, weil dies „der (stadt-) bürgerlichen Nahrung zum Nachtheil gereiche.“ Was den Mangel an Brot anbetraf, so hielt der Verfasser es zwar für nützlich, wenn den Bäckern „das Feilhaben ihrer Waaren nicht bloß auf einen Markt- Tag restringiret, sondern an allen Markt- Tagen erlaubet“ werde, meinte am Ende aber doch, man solle die bestehende Regelung beibehalten. |
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Dann ergriff am 29. August 1756 jedoch mit
dem Einzug der preußischen Armeen ohne vorherige Kriegserklärung der
Siebenjährige Krieg auch das Territorium Sachsens. Verständlicherweise hatte man
nun in Dresden erst einmal andere Sorgen und auch in den Akten des Oberbergamtes
zur Porzellanerde besteht eine zeitliche Lücke...
Wie oben schon zu lesen stand, gelangte durch die militärische Niederlage der Sachsen 1763 spätestens jetzt das Geheimnis der weißen Erde auch nach Preußen. Über vermutliche Spionage durch einen Leutnant Feller etwa berichtete das Bergamt Schneeberg am 30. Juni 1764 (40001, Nr. 2970, Blatt 152ff) und über heimliche „Verfuhrung von weißer Erde von der Schnorr’schen Andreas Zeche nach Magdeburg“ am 29. Juli 1764 nach Freiberg (40001, Nr. 2970, Blatt 161a bis 161c). Nicht nur die Ausfuhr des Rohmaterials, auch der illegale Handel mit der Porzellanmasse und Rohlingen nahm in dieser Zeit offenbar derartige Ausmaße an, daß man sich in Dresden genötigt sah, am 4. März 1761 (also noch während des Siebenjährigen Krieges) an die Landesregierung Verordnung wider „die Pfuscherey des Mahlens und Einbrennen weißen Porellains“ zu treffen. In dem Schreiben der königlichen Kammer heißt es (10079, Loc. 30431/3, ohne Blattnummerierung): „Hoch- und Wohlgeborene, werthe hochgelahrte Räthe, liebe getreue. Gegen Unser bekundetes ausdrückliches Verboth ist seit einiger Zeit eine beträchtliche Quantitaet weißen Meißnischen Porcelain- Geschirres durch unerlaubten Handel in Unseren Landen und besonders alhier in solcher Leute Hände gekommen, welche diese Porcelaines von allerhand Sortiments und Figuren, ja sogar von ganzen Tafel- Servicen, heimlich in ihren Quartieren zu bemahlen und nachgehends in darzu adaptirten Oefen einzubrennen sich unterfangen. Wir finden, sothanen Unfug ernsten Einhalt zu thun, desto nöthiger zu seyn, da dergleichen gepfuschte vor ächte Meißnische Mahlerey ausgegeben und darfür an inn- und ausländische Abnehmer, welche den Unterschied zwischen guter und ächter Arbeit mißkennen, verkauffet, dadurch aber sowohl das Publicum hinterganen, als zugleich des Vertrauen und die Achtung gegen die Tüchtigkeit derer Waaren von Unserer Porcelaine- Manufactur in der Folge der Zeit geschwächt, und dem damit treibenden Negotio nicht geringer Nachtheil zugezogen, auch der Eingang zu mancherley Parthierungen und Unterschliffen bey der Fabrique selbst eröffnet wird. Aus diesen Betrachtungen haben Wir den Entschluß gefaßt, durch ein bey euch auszufertigendes und, soweit es voritzo thunlich, in das Land zu publicirendes Generale, angeregte Pfuscherey des Porcelain- Bemahlens und Einbrennens bey ohnnachbleibender Gefängniß, auch nach Befinden Festungs-, Bau- oder noch empfindlicherer Straffe, schlechterdings untersagen, auch zugleich sämtlichen Beamten, Stadt- und anderen Gerichts- Obrigkeiten, insonderheit aber dem hiesigen Amte und Rathe, aufgeben zu laßen, daß sie entweder auf Unserer Porcelaine- Manufactur- Commission, oder auch allein auf Unseres Commercien Rathes, Georg Michael Helbig, requisition und Anzeige gegen diejenigen Personen, welche über oberwähnter, unerlaubter Arbeit beitreten, oder, daß sie dergleichen gefertiget, überwieen würden, sonder Attention einigen Einwandes und Appellierens, sofort mit der Hafft, Hinwegnehmung derer vorgefundenen Porcellaines und Belegung mit einigem Gefängniß zu verfahren, auch, wenn sich etwa Umstände ereigneten, welche die Vergehung aggravirten, mithin einer strengeren Ahndung nach vorgängiger Untersuchung würdig wären, darüber an euch Bericht zu erstatten, und darauf weiterer Verhaltungs- Vorschrifft zu gewarten hätten. Wir begehren demnach gnädigst, ihr wollet ein Project zu einem dergleichen Genrali entwerffen und zu Unserem Ersehen mittelst unterthänigsten Berichts fördersamst einreichen, wie Wir denn euch auch übrigens nicht verhalten mögen, daß an Unseren General- Feldmarschall, Grafen Rutkowski, damit sich seiten derer General- Kriegsgerichte und anderer Militair- Jurisdictions- Instanzien wider obbenannte Porcelain- Mahlerey- Pfuscher in gleichem Maße zu benehmen, bereits Verordnung ergangen sey. Daran geschieht Unser Wille und Meinung...“ Am 27. August 1761 wurde diese Verordnung dann ziemlich wortgleich auch erlassen und die Landesregierung reichte sie sofort an sämtliche Ämter im Land, an die Stadträte in Leipzig und Dresden, an den Stift Meißen, sowie an die Universitäten in Leipzig und Wittenberg weiter. Interessant ist an diesem Vorgang aber nicht nur, daß es offenbar möglich gewesen ist, Porzellanmasse oder unbemalte Rohlinge zu erwerben oder aus der Manufaktur herauszuschmuggeln ‒ was in den auch für die Manufakturarbeiter ja beschwerlichen Kriegszeiten vielleicht sogar zu entschuldigen wäre. Wie wir hier lesen, wurden diese dann aber nicht nur heimlich mit Bemalung versehen, sondern auch „in darzu adaptirten Oefen“ gebrannt. Mal ganz abgesehen, daß es dazu ja nicht nur der Rohlinge an sich, sondern auch der Malfarben und Utensilien, des Aufbringens einer Glasur und nicht zuletzt des Brennstoffs bedurfte ‒ da muß ein Schmuggler sicher öfter unterwegs gewesen sein; es bedurfte ja vor allem auch des Wissens und des Könnens, wie man den Rohling im heimischen Ofen zu einer festen Porzellanfigur brennt. Neben der Suche nach den Rohstoffquellen für das Porzellan war daher das Abwerben von Wissensträgern ‒ die es aller Bemühungen um die Geheimhaltung zum Trotze offenkundig auch außerhalb der Manufaktur schon gab ‒ eine entscheidende Grundlage für das Entstehen und Wachsen der ausländischen Konkurrenz für die Meißen'er Manufaktur.
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Umgekehrt schaute man sich auch in Sachsen selbst wieder vermehrt nach neuen Rohstoffquellen um. Unter dem 10. Juli 1763 berichtete Andreas Wilhelm Starke vom Bergamt Schneeberg an das Oberbergamt, am 30. Juni a. c. sei „der Cammer Commissarius Lorentz aus Meißen in Aue angekommen und hat von seinem erhaltenen Auftrag wenig merken lassen. Nachdem aber expost, da er in hiesiger und auswärtiger Refier die verbrochenen und verbühnten oder auch verstürzt gewesenen weißen Erden Schürffe beaugenscheinigt gehabt, daß er nomine der Königl. Porcellain- Manufactur unter der Aufsicht des letzt hier verstorbenen Geschworenen Süßens Sohn besonders die bey Elterlein, des dortigen Cantoris Schönfelders und dem am Scheibenberger Weg von einem dort wohnenden Unterthan namens Grunert neuerlich entdeckten weißen Erden Flötz wiederumb aufmachen, vor- oder ausrichten und ins Licht setzen laßen, dergleichen auch in dem Dorff Lauter am Kirchberg auf ehemals von Christian Heinrich Weißpflugen und Consorten entdeckten weißen Erden Fall, und wieder zugemachten Schurff (schlecht leserliche Passage ?), die sämtlich genommenen weißen Erden Proben aber von dem geschwornen Fuhrmann Mehlhorn nach Meißen in Ladung genommen worden seyn sollen. Überdieses gedachter Cammer Commissarius Lorentz gestern allhier eingetroffen und, daß er wegen derer vorgehenden weißen Erden Preiß- Differentien mit der Schnorr und Fischer’ischen Gewerkschafft sich vernommen habe, morgen auch von hier nachher Dresden abzureisen gesonnen wäre, verlauten wollen.“ (40001, Nr. 2970, Blatt 150f) Bezüglich der Meldungen über die heimliche Ausfuhr von Kaolin aus Aue kam am 25. Juli 1764 Nachricht aus Dresden nach Freiberg, das Bergamt Schneeberg solle weiter gemäß der Mandate Unseres Vaters*) von 1745 und 1749 aufmerksam wachen, da die darin „so hoch verpönte Ausfuhre des weißen Erden Materialis nicht nur während des Krieges häuffig getrieben, sondern auch seit dem fortgesezet und dadurch dem Chur Fürstl. Interesse ein unwiederbringlicher Nachteil zugezogen worden.“ Das Mandat von 1749 sollte überdies in einem neuen Mandat demnächst noch verschärft werden, indem die schon 1745 ausgesetzte Belohnung von 10 Thalern für die Anzeige von ungenehmigter Ausfuhr auf 100 Thaler erhöht werde (40001, Nr. 2970, Blatt 150f). Am 14. August 1764 wurde dieses Mandat auch erlassen, worin man lesen kann (10026, Loc. 01344/2, Blatt 104ff): „Wir, Xaverius, von Gottes Gnaden, Königlicher Printz in Pohlen und Lithauen, Hertzog zu Sachsen, (...) und der Chur Sachßen Administrator und in Vormundschaft Unsers freundlich geliebten Vetters, Friedrich Augusts, (etc. pp.) entbieten allen und jeden (...) und sonst jedermänniglich Unseren Gruß, Gnade und geneigten Willen, und können ihnen hiermit nicht verhalten, wie Wir mit äusserstem Mißfallen vernehmen müssen, welchergestalt die, durch weyland Unseres Herrn Vaters Königl. Majest. ins Land erlassene Mandata vom 22. Martii 1745 und 30. April 1749, so hoch verpönte Ausfuhre der weißen Erde, sowohl während des Krieges, als auch noch anjetzo heimlich fortgetrieben, dadurch aber hiesigen Landen ein unersetzlicher Schaden zugezogen wurde. Allermaßen Wir nun zu Steuerung dieses schädlichen und strafbaren Unternehmens nur erwähnte Mandata hierdurch zu erneuern und einzuschärfen, auch zu dem Ende die darinnen geordneten und festgesetzten Strafen, daß alle und jede, so entweder dergleichen weiße Erde selbst ausführet, oder doch darzu Rath und Anschlag gegeben, mit dem Strange vom Leben zum Tode gebracht, diejenigen aber, welche, ob sie schon davon Wissenschaft getragen, dennoch darvon die schuldigste Anzeige nicht gethan, ingleichen die Personen, welche sonst dabey auf die eine oder andere Art concurriret, nach Beschaffenheit der Theilnehmung an dergleichen Verbrechen mit dem Verlust der Ehre, Haabe und Guth oder auch mit empfindlicher Leibes- und Festungsbau- Strafe ohne einige Begnadigung angesehen, (...) hierdurch ausdrücklich zu wiederholen, als nöthig ermessen...“ *) Zu dieser Zeit (ab 1763) war Franz Xaver von Sachsen (*1730, †1806), vierter Sohn von Friedrich August, II. und nach dem Ableben seiner älteren Brüder an zweiter Stelle in der Thronfolge als König von Polen, in Vormundschaft für den noch minderjährigen Friedrich August, III. (*1750, †1827) Regent (Administrator) von Kursachsen (wikipedia.de).
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Digitalisat:
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Die Oberbergamtsakten aus den folgenden Jahrzehnten weisen
wieder große Lücken auf ‒ vielleicht ist tatsächlich auch einfach
nichts Neues geschehen und nach wie vor kam das in Meißen verarbeitete Kaolin
zum größten Teil aus Aue. Auch über das Auffinden der weißen Erde in Seilitz
ganz nahe bei Meißen findet man in diesen Akten seltsamerweise absolut nichts.
Stattdessen meldete der Bürgermeister von Grimma (Namenszug schwer leserlich) unter dem 9. Juni 1768 nach Dresden, daß der ,Accis Thorschreiber' drei Tage zuvor den zu Waldenburg im damaligen Fürstentum Schönburg- Glauchau- Waldenburg ansässigen Tabakspfeifenmacher Johann Gottlob Walther „nebst einem dreispännigem Wagen, mit Dhon oder Weißer Erde, so derselbige bey einem unter die Adelig Arnimbschen Gerichte zu Döben gehörigen Baue in Kleinpößig Namens Curth vor 3 Thl. 6 Gr. erkauffet, angehalten“ und unter Bezug auf das Mandat von 1764 erst einmal Pferde und Wagen beschlagnahmt habe (10079, Loc. 30399/02, Blatt 122ff). Besagter Pfeifenmacher wurde natürlich verhört und habe dabei angegeben, dar er „dieses Fuder Weiße Erde oder Thon (...) erkauffet und solche nach Waldenburg schaffen wollen, um Dobacks Pfeiffen daraus zu fabriciren, keineswegs aber solche weiter zu verführen.“ Da nun seit dem Hauptrezeß mit dem Fürstenhaus von Schönburg vom Jahr 1740 auch deren Herrschaften nicht mehr als ,Ausland' gelten konnten, vielmehr unter kursächsischer Hoheit stünden, auch andere Waldenburg'ische Töpfer schon längere Zeit auch aus der Region um Grimma (wo auch die im Text genannte Herrschaft Döben lag) gleichartigen Ton bezogen, auch die Waldenburg'ischen Pfeifenmacher ihre Erzeugnisse schließlich auf Messen und Märkten im Lande verkauften ‒ woraus das Fürstenhaus natürlich wieder Einnahmen an Steuern, Zoll und Geleit habe, so kam Herr Walther alsbald wieder frei, nur die Tonladung samt Wagen wurde zunächst einbehalten. Nun erbat der Bürgermeister Entscheidung aus Dresden, ob man „die Waltenburgischen Töpffern und Pfeiffenmacher mit den aus denen benachbarten Dohngruben erholten Dohn oder Weißer Erde aufs künfftige hierdurch passiren (...) laßen, oder wie wir uns sonst dabey verhalten sollen.“ Zugleich hatte nämlich am 13. Juni des Jahres der Tabakspfeifenmacher Franz Heinrich Neumann aus Grimma höchste Entscheidung aus Dresden erbeten, den hiesigen ‒ offenbar schön weißen ‒ Ton aus den Gruben bei Döben nicht ,ausführen' zu lassen, sondern allein in Grimma auch verarbeiten zu dürfen, während die Waldenburg'ische Tabakspfeifenmacher- Innung mit immerhin 16 Meistern, den Pfeifenmachern allhier den Ton ,wegnähme' (10079, Loc. 30399/02, Blatt 125f). Wie das Fürstenhaus hierüber entschieden hat, geht aus dieser Akte nicht hervor. Auf den 7. April 1773 datiert wieder eine neue Meldung des Bergamtes zu Neustadt über das Auffinden von weißer Erde bei Krölpa „gleich unter der Dammerde in großer Menge... nierenweise auf Gipsstein aufliegend.“ Hierzu kam aber am 10. Juli 1773 Bescheid aus Dresden, daß diese nicht bei der Manufaktur verwendbar sei (40001, Nr. 2970, Blatt 171).
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Erst auf den 30. Juli 1815 fällt dann eine Meldung des Bergmeisters Johann Karl Schütz aus Annaberg mit
Scheibenberg an das Oberbergamt, daß der Zehntner Johann Andreas Scheidhauer
aus Schneeberg als Administrator der Weiße Erde Zeche St. Andreas Fdgr.
bei Aue am 22. Juli 1815 zum Besten der Gewerkschaft die im Berggebäude
Mondenschein Fdgr. bei Elterlein vorkommende „weiße Porcellanerde als ein
der gewöhnlichen Verleihung auf Metalle nicht unterworfenes und folglich unter
den verliehenen Metallen und Mineralien besagten Berggebäudes nicht mit
begriffenes Fossil gemuthet“ habe. Da die oben benannten Mandate aber ja
noch in Kraft waren, sah sich das Bergamt nicht als ermächtigt an, diese Mutung
anzunehmen und zu bestätigen, da dieselbe unter die Regalia Principis falle, die
Gewerkschaft von St. Andreas aber eine Gesellschaft von Privatpersonen
sei und erbat betreffende Verordnung aus Freiberg (40001, Nr. 2970,
Blatt 175ff). Daraufhin fragte das Oberbergamt
seinerseits am 12. August 1815 erst einmal bei den Bergämtern nach, wie es denn
„allenthalben seither gehalten worden sey.“ Man hätte ja auch in die eigenen
Akten schauen können...
Als erstes antwortete das Bergamt Marienberg mit Geyer am 26. August 1815, dort habe man „nicht die mindeste Nachricht“ über Verleihungen auf weiße Erde und sandte Abschriften der königlichen Mandate, an die man sich schließlich zu halten habe, mit (40001, Nr. 2970, Blatt 180f). Auch im Bergamt Johanngeorgenstadt mit Schwarzenberg lag nichts dergleichen vor (40001, Nr. 2970, Blatt 195). Ausführlicher ist die Antwort aus dem Bergamt Annaberg mit Scheibenberg vom 12. September 1815 (40001, Nr. 2970, Blatt 187ff), worin es heißt, nach Prüfung der Akten sei 1745 Johann Carl Gottfried Hennig, Schichtmeister in Annaberg, eine ,zu Elterlein im Hohlweg bey dasiger Mühle und Malzhaus' gelegene gevierte Fdgr. nebst Maßen unter dem Namen Hennigs Hoffnung verliehen worden, auf alle Metalle und Mineralien, auch weiße Erde, jedoch unter der Maßgabe, letztere ausschließlich an die Porzellanmanufaktur abzugeben. Dann wird auch hervorgehoben, daß schließlich gemäß der Oberbergamts- Verfügung vom 4. Dezember 1751 weiße Erde nicht weiter entblößt, keine Mutung darauf angenommen und bereits gewonnene Erde wieder verstürzt werden mußte. Demgemäß habe auch Bergmeister Michael Hermann Enderlein 1752 dem Cantor Schönfeld, ingleichen dem Viertelmeister Vogel, dem Pappenmachergesellen Engermann und einem gewissen Peter Ehrmann, obwohl diese ein Attestat zur Ausfindigmachung von weißer Erde von dem Bergrat und Inspektor der Porzellan- Manufaktur zu Meißen, dazumal Herr Johann Georgius Heroldt, vorwiesen, im Tannenwald bei Elterlein das weitere Schürfen nach weißer Erde untersagt. Auch die Geschichte mit dem Friedefürster Stolln wird hier noch erwähnt und auch auf der Johannes Fdgr. bei Raschau sei dergleichen Erde gefunden worden, wozu aber Rescript ergangen sei, daß das Schürfen niemandem zu erlauben sei. Daher sah man in Annaberg die weiße Erde als nicht an Privatpersonen verleihbares Fossil an, das zu den landesherrlichen Regalien gehöre. Zwischenzeitlich nahm man beim Oberbergamt am 13. Dezember 1815 einen Berichtsvortrag von Johann Carl Freiesleben zu Protokoll, er sei „durch die Akten des Bergamts Annaberg veranlaßt, das Kö. Oberbergamt zu benachrichtigen, daß von einer anjetzt wegen der Porcellain Manufactur zu Meißen allergnädigst angeordneten Commission unter anderem bey allerhöchster Behörde darauf angetragen worden ist, einzig und allein oder ausschließlich für Rechnung besagter Manufactur Muthungen auf Weiße Erde anzunehmen und bestätigen zu laßen.“ (40001, Nr. 2970, Blatt 194) Aus Schneeberg mit Voigtsberg kam erst am 25. April 1816 Bericht und auch dort waren natürlich keine Verleihungen registriert (40001, Nr. 2970, Blatt 208ff). In diesem Bergamtsrevier lag aber auch die Weiße St. Andreas Fdgr., über die berichtet wird, sie sei „ganz in gewöhnlicher Weise“ bereits 1700 auf alle Metalle und Mineralien verliehen worden, das weitere Zubehör zwischen 1704 und 1739 hinzugekommen. „Mit dem Recht des Entdeckers... haben sich die dasitzenden Interessenten fortdauernd in Besitz und Bebauung der Weißerdenzeche behauptet,“ obwohl es schon seit 1745 Verhandlungen gab, um die Zeche in die Hände der Manufaktur zu bringen. Erst 1790 konnte der Fiskus 68 Kuxe käuflich erwerben. 1816 besaß die Gewerkschaft Grubenfeld im Umfang von 2 Fundgruben und 10 teils gestreckter, teils gevierter Maße und hat dafür Quatembergeld entrichtet, jedoch keinen Zehnten auf die Weiße Erde ! „Bei alledem ist nun keineswegs zu verkennen, daß der Betrieb der Weißen St. Andreas Fdgr. auf Weiße Erde von Seiten gewisser Privat- Interessenten lediglich als Ausnahme von der Regel und als ein wahres Privilegium anzusehen, auch nachgerade in engern und bestimmten Grenzen zurückgebracht und eingeschlossen worden sei,“ wertete man dies in Schneeberg. Bereits am 13. Juli 1728 sei höchster Befehl ergangen, daß die Schnorr'ischen Interessenten die weiße Erde nicht mehr an die Blaufarbenwerke, sondern lediglich an die Porzellanmanufaktur verkaufen dürfen. Parallel ergingen die o. a. Ausfuhr- und Aufsuchungs- Verbote. Man wisse aber in Schneeberg nicht genau, ob hierunter auch „die neuerlich der Petunse halber ergangenen... höchsten Befehle“ zu ziehen seien. Schließlich wurde noch auf die Beauftragung von Süß sen. im Jahr 1752 zur Aufsuchung von weiteren Lagerstätten verwiesen. Die Versuchsbaue neben der St. Andreas Zeche durch ihn sind zwar wieder eingestellt worden, hätten aber dazu beigetragen, daß man „hinreichende Anbrüche erlangte, um... auf eine Reihe von Jahren das Bedürfnis der Porcellain Manufactur in Quantität und Qualität vollkommen befriedigen zu können, und die Aufsuchung von neuer Weißer Erde ausgesetzt sein zu laßen.“ Neuerdings gäbe es nun zwar die Mutungen von Scheidhauer auf Mondenschein und durch Herrn Stollnvorsteher Hesse auf einen Weißen Schwan Stolln zum Besten der Königlichen Porzellanmanufaktur – dort sei es aber noch nicht zu einem „ernsthaften Angriff“ der Vorkommen gekommen.
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Weiter heißt es hier unter dem Punkt
2) Zum Betrieb bei der Weißerdenzeche. „Dieselbe ist ursprünglich als Thongrube von Veit Hanß Schnorren aufgenommen und ohne alle öffentliche Aufsicht betrieben und der Thon an die Blaufarbenwerke abgesetzt worden. Nachdem aber Proben an Böttcher gesandt wurden und der große Wert erkannt wurde, wurden Kaufcontracte mit der Manufaktur errichtet.“ Aufgrund der fehlenden bergbehördlichen Aufsicht erfolgte der Betrieb zuerst nur steinbruchweise und durch Verdingung an den Steiger. Selbst eine ordentliche Rechnungsführung gab es anfangs nicht. Erst als Ihre Königliche Majestät als Hauptgewerke mit eintraten, erfolgten daran grundsätzliche Verbesserungen. Die Aufsicht hatte man nach dem Ableben des Fossilienfaktors Flemming sen. ja dem Geschworenen Süß in Schneeberg übertragen und dessen Spezialauftrages halber sei das hiesige Bergamt in seiner Aufsicht „zurückgetreten“; nur über den neuerdings hinzugekommenen Erbstolln, Roth Andreas genannt, führte ausschließlich das Bergamt die Aufsicht. Eine Art Aufsicht erfolgte aber auch durch Localexpeditionen seitens der Administration der Porzellan- Manufaktur. Auch führte die technische und ökonomische Aufsicht nunmehr (1815) „eine besondere Direction und Administration ohne Concurrenz des Bergamtes.“ Auf diesen Nachrichten fußend, verfaßte auch das Oberbergamt im Jahr 1816 einen langen Bericht an die königliche Kammer zu Betrieb und Aussichten bei der Weißerdenzeche (40001, Nr. 1824, Blatt 1ff). Der in der Oberbergamtsakte enthaltene Entwurf ist zwar nicht unterzeichnet, doch bezieht sich die nächstfolgende allerhöchste Resolution auf einen untertänigsten Bericht von Berghauptmann und Geheimen Finanz- Rat Freiherr von Herder, dürfte also erst nach dessen Ernennung zum Berghauptmann 1821 zu datieren sein (40001, Nr. 1824, Blatt 49f). Die damals bekannten und gewinnbaren Vorräte berechnete dieser auf 32.500 Zentner, was bei einer jährlichen Förderung von 800 bis 1.200 Zentnern noch für 40½ Betriebsjahre, respektive bis 1856, ausreichen würde.
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Nach einer Generalbefahrung durch das Bergamt
wurde am 24. Februar 1825 in Schneeberg protokolliert, daß man „in den
bereits angefahrenen Mitteln (...) ohne Berücksichtigung der nahen guten
Aussichten bey der Grube“ in Summe auf 138½ Kubiklachter gekommen sei, was
79.776 Kübeln oder 29.916 Ctr. trockener Porzellanerde entsprach (40001,
Nr. 1824, Blatt 59ff). Bei 800 Zentnern Abnahme pro Jahr durch die Manufaktur
könne somit der Betrieb noch bis zu 38 Jahren fortgesetzt werden, bei 1.000
Zentnern natürlich nur noch 30 Jahre, respektive bis zum Jahr 1855. Übrigens
hatte man im Quartal Luciae 1824 eine Einnahme von 804 Thalern (wenn man die Summe
vervierfacht, käme man auf eine Lieferung von mehr als 1.000 Zentnern im Jahr)
zu verbuchen, welcher Ausgaben von 759 Thalern, 8 Gr., 6 Pf. gegenüberstanden.
Über ihre gesamte Betriebszeit hatte man bis dahin 80.341¾ Zentner
Porzellanerde, außerdem 4.759 Zentner Quarz und auch 1.628 Fuder Eisenstein
ausgebracht. Bei der Grube bestand zwar noch ein Rezeß von mehr als 2.515
Thalern, dennoch hatte sie den Gewerken, einschließlich des Fürstenhauses als
Hauptgewerke, bereits Ausbeute in Höhe von über 83.089 Thalern eingebracht, was
in guten Quartalen schon mal 36 Thaler pro Kux gewesen sind...
Allerdings hatte sich am 8. Oktober 1824 auch Obersteuereinnehmer Karl Wilhelm von Oppel namens der Porzellanmanufaktur höchsten Ortes darüber beschwert, daß schon seit 1811, nachdem die oberste und reinste Lage abgebaut gewesen ist, „blos schlechtere Überbleibsel und aus dem aufgeschütteten untauglichen Haufwerk ausgeschlämmte Erde“ angeliefert werde, die „zwar zum Theil nicht ganz unbrauchbar, aber doch von weit geringerer Güte“ sei (40001, Nr. 1824, Blatt 83ff). Wohl deshalb hielt im März des Jahres 1825 der inzwischen zum Berghauptmann (ab 1826 Oberberghauptmann in Sachsen) avancierte Sigismund August Wolfgang Freiherr von Herder höchstselbst wieder eine „commissarische Befahrung“ auf der Grube ab (40001, Nr. 1824, Blatt 73ff). Diesmal ging es auch um die Errichtung einer Erdeschlämmerei in Aue, was zwar mehr als 3.000 Thaler kosten, aber danach auch an Fuhrlöhnen jährlich 720 Thaler ersparen würde. Das war eigentlich gut gedacht, funktionierte aber nicht, weil die Grubenvorsteher nur unsaubere Partien auswaschen wollten. 1828 wurden dann im Auftrag des Fürstenhauses die noch in Privatbesitz befindlichen Kuxe „bis auf einen unbedeutenden Rest“ durch den Faktor des fiskalischen Blaufarbenwerkes zu Oberschlema und Kobaltinspektor von Wendelsloh zugunsten der Porzellanmanufaktur aufgekauft (40001, Nr. 1824, Rückseite Blatt 164). Damit wurde nun das Finanzministerium, und zwar dessen II. Abteilung, auch die übergeordnete Landesbehörde für die Weißerdenzeche.
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Die Ausgabe des damaligen Kalenders für den sächsischen
Berg- und Hüttenmann, der
Vorgänger der späteren Jahrbücher für das Berg- und Hüttenwesen, aus dem
Jahr 1835 berichtet uns, daß man 1833 auch wieder neue Vorkommen an der Bockau westlich von Aue
untersucht hat. Im Kapitel:
XIV.
Die wichtigsten neuen
Anlagen, Ausführungen, Betriebspläne, In der Bergamtsrevier Johanngeorgenstadt, Schwarzenberg und Eybenstock. findet man dazu die folgenden Angaben: „5) Ein am rechten Thalgehänge der kleinen Bockau im sogenannten Höllengrunde entblößter Gang mit einem Porzellanerde ähnlichen Fossile gab Gelegenheit zu Anlegung eines Stollns auf solchem unter dem Namen Weißes Glück. Nach nur erst 7½ Lr. Ortsbetrieb zeigte sich dasselbe bereits 10 Zoll in der Förste und gegen 18 Zoll mächtig in der Sohle, so daß mit wenigen Kosten und leichter Mühe bald 268 Ctr. (excl. noch 6 lb. Nässe à Centner) solcher weißer Erde gewonnen waren und an die Porzellanmanufactur zu Meißen abgeliefert werden konnten. Der Vorrichtungs- und Gewinnungsaufwand mit Einschluß der Administrations- und Generalkosten betrug nicht mehr als 185 Thlr. 22 gr. 4 pf., so daß 1 Centner nur 16 gr. 7,8 pf. zu stehen kommt. Es wäre ein größerer Absatz zu wünschen, da anscheinend viel davon geschafft werden kann.“ Der Abbaubetrieb auf der Weißes Glück Fdgr. wurde im Jahr 1836 aufgenommen. In der Jahrbuchausgabe von 1838 liest man darüber im Abschnitt: XXII.
Die wichtigsten neuen
Anlagen, Ausführungen, Betriebspläne, In der Bergamtsrevier Johanngeorgenstadt, Schwarzenberg und Eybenstock. unter dem Punkt: „15) Weiß Glück Fdgr. an der kleinen Bockau, ein seit einigen Jahren erst von der Königl. Porcellanmanufactur zu Meißen aufgenommenes Berggebäude auf Porcellanerde, setzte die schon früher begonnenen und neu unternommenen Versuchsarbeiten mit ziemlichem Schwunge fort. Es wurde das obere Stollnort auf dem Weißglück Spate um 15,6 Lr. weiter und somit bis zu 37,2 Lr. ins Feld gebracht, zu Lösung eines unter denselben niedergehenden Gesenkes und der aus solchem verführten Abbaue eine tiefe Rösche von der Bachsohle 20 Lr. über Tage herangeholt, sodann untergekrochen und 9,1 Lr. ortweise aufgefahren, ferner zu Untersuchung eines 18 Lr. von diesem Gange in Mitternacht aufsetzenden Zwitterganges, dessen Nebengestein ebenfalls zu brauchbarer weißer Erde theilweis aufgelöst war, ein Stollnort in Betrieb genommen und bis zu 3,75 Lr. ins Gebirge gebracht. Producirt wurden im verflossenen Jahre 304¼ Ctr. Porcellanerde. Das hier statt findende Gangverhältniß ist in sofern interessant, als nicht sowohl die Gänge im Granit, vielmehr letzterer selbst als Nebengestein dieser Gänge die weiße oder Porcellan- Erde liefert. Es führen diese Gänge, der Weißglück Spat sowohl, als der Amandus Spat, bey 1 bis 6 Zoll Mächtigkeit hauptsächlich Quarz. Während aber der Quarz des Amandus Spates meistentheils frisch und dicht ist und hier und da Einmengung von Glimmer und aufgelöstem Feldspath, zum Theil auch Krystalldrusen von Quarz in sich schließt, sonach also ganz das Ansehn eines Zwitterganges hat, findet sich auf dem Weißglück Spate meistens ein trüber, undurchsichtiger, glanzloser, äußerst feinkörniger und mürber Quarz, ohne ausgeschiedene fremdartige Einmengungen, nur mitunter mit aufgelöstem Feldspathe so reich imprägnirt, daß er als brauchbare Porcellanerde ausgehalten werden kann. Mit diesen Gängen sind außerdem mehrere Strichgänge, aus einem feinkörnigen, licht röthlichbraunen Granit bestehend, von ½ bis 2 Lr. Mächtigkeit durchfahren worden, durch welche erstere sehr kenntlich hindurchsetzen, mithin ihr jüngeres Alter nachweisen. Neben diesen gedachten Quarzgängen ist nun der umschließende grobkörnige, porphyrartige Granit, oft bis zu ½ Lr. Breite, dermaßen aufgelöst, daß der Feldspath einen schönen, weißen, sehr fettig anzufühlenden Thon bildet, in welchem die Quarzkörner des früheren Granits unversehrt inneliegen, der Glimmer hingegen, meistentheils zerstört, nur selten mit noch erkennbarer krystallinischer Structur sich vorfindet, mehr als schwärzlichbraune schmutzige Flecke erscheint und in beyderley Zustand aus der weichen Masse leicht ausgeschieden werden kann.“ Das Vorkommen scheint aber nicht lange ausgehalten zu haben, denn nur bis zum Jahr 1840 ist dann in den nachfolgenden Jahrbuchausgaben auch ein Ausbringen an Porzellanerde aus dem Johanngeorgenstädter Revier mit Schwarzenberg und Eibenstock, respektive von der oben genannten Weißes Glück Fundgrube (denn eine andere Porzellanerdegrube gab es zu dieser Zeit in diesem Revier nicht) aufgeführt. Auch sanken die Fördermengen von den oben genannten 268 Zentnern im Jahr 1833 und 304¼ Zentnern im Jahr 1836 schon bald wieder ab. 1837 waren es noch einmal 308½ Zentner, 1838 wurden 109 Zentner, 1839 noch 51 Zentner und 1840 nur noch 36 Zentner ausgebracht. Dann dürfte das Vorkommen gänzlich abgebaut gewesen sein, denn weitere Erwähnungen dieser Grube in den Jahrbüchern gibt es nicht.
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Offenbar versuchte man es stattdessen in Aue auch später
immer wieder mit dem Schlämmen, denn am 26. Oktober 1836 erging
schließlich Anordnung durch das Finanzministerium in Dresden an das Oberbergamt,
man solle die Aufbereitung wieder auf sorgsame Handscheidung beschränken und die
Versuche, die Scheideabgänge auszuschlämmen, unterlassen, weil dabei kein für
die Manufaktur brauchbares Produkt zu erzielen sei (40001, Nr. 1824, Blatt 174).
Diese Abgänge durften später aber wieder an die Blaufarbenwerke abgegeben
werden, wo es auf die Farbe der Häfen im Ofen ja nicht ankam (40001, Nr. 1824,
Blatt 248). Aus Anlaß einer neuen Generalbefahrung durch das Bergamt wurde am
3. September 1839 festgehalten, daß man bis dahin schon 248 Zentner Ziegelton
verkauft und dafür 93 Thaler erlöst habe.
Auf nunmehr zur Gänze fiskalische Kosten wurde in den folgenden Jahren beim Weißen St. Andreas noch die Granitkuppe auch im Nordosten mit einem Stollnflügel umfahren und ein Versuchsstolln an einer benachbarten Kuppe getrieben (40001, Nr. 1825, Blatt 1ff). Dabei fand man aber „keine besondere Ablagerung von dergleichen Erde, sondern nur einen feinkörnigen mehr oder weniger aufgelösten Granit mit kleinen Nestern feiner Porzellanerde.“ Es blieb keine Alternative, als dem Lager an der Westflanke in die Tiefe zu folgen. Seitens des Bergamtes Schneeberg schlug man 1842 zur Finanzierung dieser Arbeiten dem Oberbergamt eine Zubußzahlung vor, zumal seit der Währungsreform (In den Mitgliedsländern des Deutschen Zollvereins und ab 1841 auch in Sachsen galt von nun an der preußische 14- Thaler- Münzfuß, wonach der Thaler nun nicht mehr 24 Groschen zu je 12, sondern 30 Neugroschen zu je 10 Pfennigen hielt.) und bei 800 Zentnern Lieferquantum pro Jahr nur noch ein Preis von 2 Thalern, 17 Neugroschen für den Zentner von der Manufaktur gezahlt werde. Daher hatte sich auch die Grubenschuld auf über 690 Thaler erhöht. Da das Finanzministerium aber höhere Zuschüsse am 27. Juli 1843 erneut abgelehnt hatte (40001, Nr. 1825, Blatt 50), zog man erstmals auch in Erwägung, die Grube ins Freie fallen zu lassen. Am 31. Dezember 1843 schrieb das Bergamt Schneeberg nach Freiberg, man wolle die begonnenen Versuchsarbeiten noch abschließen, denn: „Erst nach Beendigung dieser (...) Versuchsbaue wird sich die Frage: Ob in dem gegenwärtigen Felde von Weißer St. Andreas noch die Ausrichtung von nachhaltigen, bauwürdigen Porzellanerdepartien mit einiger Wahrscheinlichkeit erwarten läßt? erschöpfend beantworten lassen und ist man nicht so glücklich, neue und nachhaltige Porzellanerdelager damit auszurichten, dem gänzlichen Aufgeben der Grube kein weiteres Bedenken entgegen stehe.“ Dazu seien aber Zuschüsse von über 1.400 Thalern erforderlich (40001, Nr. 1825, Blatt 52ff). Ganz im Gegensatz zu ihrer früheren
ökonomischen
Da sich auch Porzellaninspektor Kühn für die Fortführung der Versuchsarbeiten einsetzte, beschied das Königlich Sächsische Finanzministerium am 10. Januar 1844, man könne zwar „nicht gesinnt sein, die Auer Erdenzeche gegen das Interesse und Bedürfniß der Porzellan Manufactur zu Meißen durch fortdauernde extraordinaire Unterstützung blos immer weiter fortstreichen zu lassen. Nur unter der Voraussetzung, daß eine solche nochmalige Unterstützung (...) die letzte und jede weitere Beihilfe durch Zuschuß oder Zubuße unzuläßig sei, will das Finanzministerium daher (...) geschehen lassen, daß (...) das diesfallsige Gelderforderniß bis zu der Summe von überhaupt 1.450 Thalern aus der Manufactur Casse gewährt“ werde (40001, Nr. 1825, Blatt 78f). Am 16. März 1844 konnte man dann in Schneeberg zu Protokoll nehmen, daß das tiefe Stollnort endlich das Lager an der Ostflanke des Granits erreicht hatte (40001, Nr. 1825, Blatt 81f). Es war hier insgesamt 1 Elle mächtig und bestand „aus dichtem, theils krystallischem, theils drusigem Quarz, schmalen Trümern von Eisensteinmulm mit einbrechenden Partien von theils weißer und aufgelöster, theils röthlich gefärbter und etwas röschen Porzellanerde von der Größe mehrerer Cubic Zolle bis gegen einen halben Cubic Fuß...“ Na ja. Wirklich aussichtsreich klingt das nicht. Da man weiter in die Tiefe hinunter wollte, beantragte man am 6. Dezember 1845 erneut 400 Thaler Zuschuß für den Bau einer Wasserhaltung... (40001, Nr. 1825, Blatt 83f) Über beides wurde auch in den betreffenden Ausgaben der Kalender für den Berg- und Hüttenmann berichtet. In der Ausgabe von 1846 heißt es im Kapitel XXIII. Die wichtigsten neuen Anlagen, Ausführungen, Betriebspläne, Anbrüche und dergleichen im Jahre 1844. In der Bergamtsrevier Schneeberg. „8) Nachdem der fast gänzliche Aushieb des Porcellanerdelagers bei der Weiß Erden Grube bei Aue über dem Roth Andreas'er Stolln an der oberen und unteren Gebirgsscheide, die Nothwendigkeit herbeigeführt hatte, das in der dasigen Stollnsohle liegende Gesprenge zu der Heranholung einer tieferen Sohle zu benutzen, um das an der unteren Gebirgsscheide noch bauwürdig verlassene Porcellanerdelager tiefer zu lösen, ist mit dem zu diesem Zwecke in der Sct. Andreas Stollnsohle bei 92 Lachter vom Mundloche angesetzten Flügelorte, unter Verwendung der Seiten des Königlichen hohen Finanz- Ministerii aus der Casse der Königlichen Porcellan- Manufactur zu Meißen hierzu bewilligten Unterstützung, die vorliegende untere Gebirgsscheide auch bauwürdig angefahren und das dasige Porcellanerdelager um 3,8 Lachter unterteuft worden, so daß man wiederum hat in Lieferung treten können.“ Und zwei Jahre später liest man am gleichen Ort: „4) Um das bei der Grube Weißer St. Andreas an der untern Gebirgsscheide mit guter Porzellanerde ausgerichtete Porzellanerdenlager tiefer wieder abbauen und untersuchen zu können, woran die Wasserzugänge behinderten, hat man unterhalb des Stollnmundloches ein kleines Kunstrad von 8 Ellen Höhe erbaut, welches in der Hauptsache von den Stollnwassern beaufschlagt wird und an dasselbe ein (?) Lachter langes Tagegestänge von Drahtseil angeschlossen, wodurch man die Wasserhaltung in dem 5 Lachter tiefen Gesenke an der unteren Gebirgsscheide bewirkt und das seinen Zweck vollkommen erfüllt. Der Kostenaufwand, den dieser Kunstgezeugbau verursacht hat, hat circa 500 Thlr. – – betragen.“
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Auch in Dresden machte man sich so seine
Gedanken und weil die Weißerdenzeche „seit
einer Reihe von Jahren nur mit Hilfe außerordentlicher Unterstützungen, die ihr
von der Porcellan- Manufactur zu Meißen, neben der Bezahlung des ohnehin hohen
Erdenpreises gewährt worden sind, in Betriebe gehalten werden konnte“,
richtete die zuständige
II.
Abtheilung des Königlich- Sächsischen Finanzministeriums am 24. März 1849 die
Fragestellung an das Oberbergamt, „ob es bei dem zeitherigen schwachen
Betrieb der Grube bleiben solle oder ob man nicht lieber vorzuziehen habe,
diejenigen Puncte, an denen bauwürdige Mittel zu vermuthen, möglichst schnell
aufzuschließen und kräftig abzubauen, den gewonnenen Vorrath aber in der Nähe
der Grube zu beliebig eintretenden Abfuhren nach Meißen aufzubewahren? wobei von
der Ansicht ausgegangen worden, daß solchen Falls die während der Dauer dieser
Aufbewahrung zu berechnenden Zinsen der aufgewendeten Selbstkosten jedenfalls
namhaft geringer als der General- und Unterhaltungsaufwand der schwach betrieben
Grube während einer langen Zeitraumes sein werden.“ (40001, Nr. 1825,
Blatt 84) Das Oberbergamt beauftragte dazu Oberbergamts- Assessor Ernst
Rudolph von Warnsdorff mit einer Haushaltsrevision bei der Grube.
Erst am 25. November 1849 erstattete derselbe hierzu dann Bericht nach Freiberg, wobei das Bergamt Schneeberg die Verzögerung der Zuarbeiten damit rechtfertigte, daß die Grube schließlich lange Zeit „unter einem besonderem Commissariat gestanden“ habe (40001, Nr. 1825, Blatt 92ff). Man kam zur Auffassung, daß es, weil die derzeit bebauten Partien nicht aushaltend sind und weil die Manufaktur nur die besten Partien abnimmt, nie möglich sein werde, die Grube mit einem angemessenen Aufwand zu betreiben und demzufolge die Kosten immer unverhältnismäßig hoch sein werden. Der Gutachter äußerte weiter, es sei wünschenswert, daß die Manufaktur 1.000 Zentner und mehr der Erde abnähme, „ob aber der in Frage gestellte raubmäßige, schnelle Aushieb rathsam und angemessen sein dürfte, muß ich besserem Ermessen anheim geben.“ Wollte man kostendeckend arbeiten, so müßte einer Aufstellung des Schichtmeisters Ferdinand Jacobi zufolge jedenfalls der Zentner Kaolin mit 3 Thalern, 5 Neugroschen, 7 Pfennigen bezahlt werden (40001, Nr. 1825, Blatt 97ff). Über dieses Resultat berichtete das Oberbergamt schließlich am 26. Januar und die Manufaktur am 21. Mai 1850 nach Dresden, woraufhin man dort am 10. Juni des Jahres folgende Verfügung an die Administration der Manufaktur erließ (40001, Nr. 1825, Blatt 144f): „Das Finanz Ministerium erachtet es (...) für nothwendig, daß die Frage: ob und durch welche anderen wohlfeileren Materialien die Auer Erde für allen und jeden bisher mit unverkennbarem Nutzen davon gemachten Gebrauch (...) ersetzt werden könne ? nunmehr baldthunlichst und ehe etwa durch die ausgehende Ergiebigkeit der Auer Zeche eine unvorbereitete Entscheidung eintritt, mit Zuverlässigkeit zur Beantwortung gelange; die Administration hat daher die hierzu führenden Versuche unverweilt in dem erforderlichen Umfange anzustellen und das Ergebnis anzuzeigen.“ Bis dahin jedenfalls solle der Betrieb bei der Weißerdenzeche im bisherigen Umfange weiterlaufen, nur von neuen Aufschließungsarbeiten war abzusehen; auch die Schlämmerei in Aue wurde nun endgültig nicht mehr gebaut. Weil die Weißerdenzeche nach Inkrafttreten des Gesetzes über den Regalbergbau in Sachsen 1851 aus der Bergaufsicht ausschied, bestimmte man am 9. Juli 1852 noch den Maschinenmeister, Bergamts- Assessor Bornemann zu Schneeberg mit der speziellen Überwachung des Betriebs und Haushalts dieser Grube (40001, Nr. 1825, Blatt 146). Dies setzte allerdings eine gesonderte Verfügung durch das Ministerium der Justiz voraus. Da Herr Bornemann 1853 aus dem Dienst ausschied, erhielt diesen Auftrag am 25. November 1853 dann Geschworener G. Netto aus Schneeberg (40001, Nr. 1825, Blatt 156). Am 12. November 1855 hatte man dann im Finanzministerium die Sistierung der Grube beschlossen (40001, Nr. 1825, Blatt 160). Diese Entscheidung gab das Oberbergamt in Freiberg am 22. November an das Bergamt Schneeberg weiter, wo man daraufhin am 24. November zu Protokoll nahm, daß „zu Folge höchster Entschließung der Betrieb der Weißerdenzeche zu Aue mit Schluß des Jahres bis auf Weiteres eingestellt werden solle.“ Die dort noch angelegten Bergarbeiter wurden nicht arbeitslos, sondern auf die König David Fundgrube versetzt (40001, Nr. 1825, Blatt 159).
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Drei Jahre später versuchte sich dann der ,Bergbau-
Unternehmer' Eduard Dreverhoff in Zwickau noch einmal mit der
Untersuchung der mit dem Rothen Andreas Stolln überfahrenen Eisenstein-
Gänge, was ihm höchsten Orts am 20. Juli 1858 auch „bedingungsweise und
widerruflich“ genehmigt wurde (40001, Nr. 1825, Blatt 162). Dieser Name ist
uns schon mehrfach begegnet, aber eigentlich als Kaufmann bekannt geworden,
welcher nur auf
einen gewinnträchtigen Verkauf der Gewinnungsrechte an den Eisenerzen in
etlichen, von ihm erworbenen
In der diesbezüglichen Verfügung des Finanzministeriums heißt es, Herr Dreverhoff habe aber nicht auf dauerhaften Fortbestand dieser Verhältnisse zu rechnen, „da man einen bleibenden dergleichen Verkehr Fremder in jener Grube (...) nicht zuträglich und mit den Interessen der Porzellan Manufactur nicht vereinbar finden kann.“ (40001, Nr. 1825, Blatt 163) Die Grube war vorerst nur sistiert und noch nicht geschlossen und verwahrt und offenbar wollte man sie sich noch weiter in der Hinterhand behalten. Ob bei den Untersuchungen besagten Herrn Dreverhoff's etwas brauchbares herausgekommen ist, wagen wir zu bezweifeln. Der Akteninhalt endet jedenfalls an dieser Stelle, da der Betrieb bei der Weißer St. Andreas Zeche danach nie wieder aufgenommen worden ist.
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![]() Das Huthaus der Weißerdenzeche Weißer St. Andreas in Aue im Jahr 1927. Foto: Paul Schulz. Ein Abzug dieser Aufnahme liegt auch im Bergarchiv (Bestand 40167, Nr. 540). Digitalisat:
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![]() Das Huthaus der Weißerdenzeche Weißer St. Andreas in Aue von der anderen Seite im Jahr 1929. Foto: Walter Möbius. Digitalisat:
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![]() Das Mundloch des Roter St. Andreas Stollns bei Aue im Jahr 1927. Foto: Paul Schulz. Ein Abzug dieser Aufnahme liegt auch im Bergarchiv (Bestand 40167, Nr. 541). Digitalisat:
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Schließlich erwarb die
Stadtgemeinde Aue im Jahr 1912 die auflässig gebliebene Weiße St. Andreas Fundgrube (10002,
Nr. 22659). Das Huthaus dient heute als Museum und Sitz
des Knappschaftsvereins. Die Weißerdenzeche ist als „assoziierte Stätte“
auch Bestandteil der Montanregion Erzgebirge ‒ Krušnohoří, die seit 2019 den Titel des kulturellen Welterbes der UNESCO trägt.
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Zum Kaolin-
Bergbau in Seilitz ab 1764
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Es sei an dieser
Stelle daran erinnert, daß 1763 mit dem Frieden von Hubertusburg der
Siebenjährige Krieg mit Preußen endete. Kriege sind allenthalben schwierige
Zeiten gewesen, in denen jeder auf seine Weise sehen mußte, wie er sie
überstehen könne. Wie wir
Nachdem Ihro Königl. Hoheit Prinz Xaverius, der Chur Sachßen Administrator, unser gnädigster Herr, nach geschehener Suspendirung des zeitherigen Inspectoris bey der Porcelain- Manufactur alhier, Herrn Friedrich Gottlob Auenmüllers, an deßen Stelle, den Hofcommissarium Herrn George Friedrich Haustein, annehmen laßen, und derselbe am 4ten Julii 1764 dieses Officii halber vor uns Pflicht abgeleget; Also wird besagter Herr Haustein, als nunmehriger Manufactur- Inspector hiermit dahin angewiesen, daß er sich vor allen Dingen I. eines frommen christlichen Lebens- Wandels befleißige, Unserer gnädigsten Landes Herrschafft alle schuldige Devotion erweise, der von höchst Deroselben ihm vorgesetzter Commission Ge- und Verbothe, insonderheit aber des in Meißen gegenwärtigen Herrn Commissarii Anordnung gehörig beobachten, und in allen Stücken der Porcelaine- Manufactur Bestes suche, auch selbiges jemehr und mehr zu befördern, sich angelegen seyn laße. II. lieget demselben ob, nach Verlauff eines ieden Monaths von denenjenigen Dingen, welche mittler Zeit bey der Fabric sich ereignen, einen schrifftlichen Rapport zur Commission zu übergeben, weswegen er sämtliche darzu gehörige Umstände nach Pflicht und Gewißen wohl zu überlegen, zu dem Ende mit denen Herren Arcanisten und dem Herrn Controleur Herrich, fleißige Communication zu pflegen, und was sowohl denselben, als auch andre Fabricanten, oder wer es sonst seyn möge, in solchen Rapport zu bringen verlangen, umständliche Information davon zu nehmen, alles getreulich niederzuschreiben, da nöthig, noch nähere Erkundigung hierüber zuvörderst einzuziehen, und solchergestalt angeregten Rapport so einzurichten hat, daß nachgehends von Seiten der Commission ohne einige daher sich begebende Hindernüße eine gründliche Resolution ertheilet werden könne...“ Als ,Controleur' ‒ gewissermaßen der kaufmännische Leiter und Oberbuchhalter ‒ war Herrn Haustein zusätzlich Johann Ernst Gottfried Herrich zur Seite gestellt. Der erste Jahresbericht des neuen Inspektors aus dem Jahr 1765 ist ferner von den Herren Carl Siegismund von Nimptsch (*1697, †1773, seit 1763 Direktor der Manufaktur), Maximilian Robert Freiherr von Fletcher (*1714, †1794, Geheimer Berg- und Kammerrat) und einem von Heynitz, bei dem es sich zu dieser Zeit eigentlich nur um Friedrich Anton von Heynitz (*1725, †1802, von 1764 bis 1774 Generalbergkommissar in Sachsen) gehandelt haben kann (vergleiche die angeführten Mitglieder des Berggemachs im Churfürstlich- Sächsischer Hof- und Staatscalender auf das Jahr 1771, S. 135) namens der ,vorgesetzten Commission' abgezeichnet (10026, Loc. 13003/20, Blatt 123). Spätestens von hier an schon gab es also nicht nur Jahres-, sondern auch Monatsrapporte. Herr Auenmüller hatte zuvor auf volle vier Jahre von 1760 bis 1763 (10026, Loc. 01347/07) und für das folgende Halbjahr zu seiner Entlassung im Juni 1764 noch einmal eine Abrechnung vorgelegt (10026, Loc. 13003/24). Vielleicht hatte man in Dresden während des Krieges auch einfach andere Sorgen, als den staatlichen Unternehmen genau auf die Finger zu schauen... In der letzten Abrechnung aus dessen Hand findet man jedenfalls viele Korrekturen mit roter Tinte und auch die Anmerkung, daß die Originale der Rechnungen aus den Jahren 1753 bis 1755 „bei dem Dresdner Bombardement ao. 1760 mit verbrannt“ seien und es nur ,Copiale' gäbe. Herr
Auenmüller wird seine Entlassung aber sicherlich verschmerzt haben, denn
er zog danach auf das durch Heirat erworbene Rittergut zu
Jedenfalls wurde in den insgesamt 30 Paragraphen dieser Anweisung nun genau festgelegt, wie die Abrechnung und wie die Auslöhnung der Arbeiter und Angestellten erfolgen solle, auch daß der Inspektor sich um die Beschaffung von Material und Geräten zu kümmern hatte. Im Punkt X. heißt es dazu: „Die Manufactur Erforderniße an Fourage, Holtz, Brettern, Sand, Thon, Erde und anderen Materialien, sind von selbigem zu rechter Zeit anzuschaffen, und genau zu behandeln...“ Damit sind wir wieder bei unserem Thema. Auch schon vor der Auflassung der Weißerdenzeche in Aue im Jahr 1855 besaß die Manufaktur andere, eigene Gruben ‒ die erste davon nahm man nun hier in Seilitz tatsächlich auch in Angriff, während noch Jahre später Fundstellen im Erzgebirge immer wieder verschüttet worden sind. Wie uns seitens der Manufaktur bei einer Besichtigung in Meißen dazu erläutert wurde, lag der Grund dafür nicht nur in der nötigen Rohstoffversorgung, sondern auch darin, daß Kaolin und Kaolin eben nicht völlig gleichwertig ist. Bis heute werden in der Manufaktur je nach Verwendungszweck verschiedene Qualitäten gemischt, um die am besten für den jeweiligen Zweck geeignete Grundmasse herzustellen.
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Sekundärquellen benennen stets das Jahr 1764 als Beginn des Weißerdenabbaus in Seilitz. Berginspektor Seemann und unabhängig davon der nunmehrige Betriebsinspektor der Porzellanmanufaktur, Max Winkler, berichteten 1902 ebenfalls, daß das Vorkommen in Seilitz von dem bei der Manufaktur in Meißen angestellten Porzellanmaler namens Johann Gottlieb Hahnefeld sen. (oder auch Hanefeld, *1724, †1785, ab 1735 in der Manufaktur angestellt, ab 1781 im Tractament als Blaumalervorsteher) entdeckt worden sei. Das ,Tractament' bezeichnete ein festes Monatsgehalt. Im Gegensatz dazu wurden zu gleicher Zeit viele der Künstler und Handwerker in der Manufaktur nach gefertigten Stückzahlen ausgelohnt. Der Informationsbroschüre des Bergbaumuseums in Mehren zufolge habe aber erst dessen Sohn Johann Gottlieb Leberecht Hahnefeld jun. (*1746, †1815, ab 1760 als Lehrling, später ebenfalls als Blaumaler in der Manufaktur) nach dem Ableben des Vaters ‒ und nach dem Ende des Siebenjährigen Krieges ‒ im Jahr 1764 das Vorkommen an die Direktion der Manufaktur gemeldet. Daran kann aber etwas nicht stimmen, wenn der Vater noch bis 1785 lebte. Außerdem gab es zeitgleich noch einen Johann Gottlob Hahnefeld Medius (*1735, †1780, ab 1753 an der Manufaktur), Sohn des Brenners Gottfried Hahnefeld (Rückert, 1990). Eine Familie diesen Namens in Seilitz haben wir in anderen Akten des Staatsarchives aus dieser Zeit dagegen nicht finden können, so daß nicht so richtig einleuchtet, aus welchem Grund der in Meißen fest angestellte Maler auf das Kaolinlager im doch einige Kilometer von Meißen entfernten Seilitz aufmerksam geworden sein könnte. Nur in einer Streitsache um Wegerechte vor dem Niedergericht der Grundherrschaft Löthain tauchen ein Johann Georg und eine Anna Regina Hahnefeld ‒ doch nun als Gutsbesitzer in Krögis ‒ mehr als dreißig Jahre später im Jahr 1798 auf (10374, Nr. 0478). Rückert verwies im Hinblick auf die Originalquellen zum Auffinden des Seilitz'er Kaolins auf das Hauptstaatsarchiv Dresden, Bestand 10026 (Geheimes Kabinett), Loc. 1345/07, Band XXVIII (R. Rückert, 1990). An dieser Stelle ab Blatt 293 der Akte findet man in der Jahresabrechnung der Porzellanmanufaktur ein ,Memorial' vom 9. Dezember 1789 – also erst 25 Jahre nach der Entdeckung der Seilitz'er Erde – wahrscheinlich verfaßt vom Ober- Kammerherrn Graf Marcolini, unter Bezug auf eine Eingabe von Johann Nicolaus Biel zu Schneeberg vom 23. September dieses Jahres, in welcher es heißt, „Die zu dem Meißener Porcellain erforderliche weiße Erde bricht namentlich bey Schneeberg, auf der sogenannten St. Andreas Fundgrube, die einer Gewerckschaft zuständig ist und woran hauptsächlich die Schnorrische Familie Antheil hat. Schon vormals ist dahin Verfügung getroffen worden, daß diese Erde an niemanden anders, als an die Porcellain Manufactur abgelaßen werde, welche mit der Gewerckschaft Contracte abschließt, nach welchen der Preiß der Erde von Zeit zu Zeit, und zwar bis zum Jahre 1763 bis auf 2 Thl., 12 Gr. pro Centner erhöhet worden ist... Im Jahr 1764 zeigte die Commission an: Es sey eine gute weiße Erde eine Meile von hier zu Seilitz von dem Mahler Hahnefeld entdeckt worden, die in großer Quantität gefunden und von dem Arcanisten Schertel, nach diesfalls angestellten Proben, der Schneebergischen Erde darinnen vorgezogen werde, daß sie im Feuer sich nicht so leicht verziehe. Es wären daher die nöthigen Veranstaltungen zu Betreibung dieses Werckes getroffen worden; doch würden die Schneebergischen Erd- Einfuhrungen zur Zeit noch nicht einzustellen seyn. Unter dem 21. October 1764 wurden die diesfalls getroffenen Veranstaltungen genehmigt. In der Folge wurden auf diesem Wercke zur Schlämmung, Trocknung und Aufbewahrung der Erde verschiedene Gebäude errichtet, wovon der Aufwand von 684 Thl., 13 Gr., 11 Pf. unter dem 3. April 1767 genehmigt worden ist. In den Jahren 1767, 1768 und 1769 zeigte die Commißion von Zeit zu Zeit an, daß der Gebrauch der Seilitzer Erde fortgesetzt werde; da sie, wegen des nahen Transports wohlfeiler und in gewißen Sorten von Geschirren der von Schneeberg an Güte gleich zu setzen sey; daß aber die Schneeberger Erde noch immer, ihrer Brauchbarkeit halber, fortgebraucht werde. Anjetzo wird 1.) von dem Ober- Cammerherrn angezeigt: Der Seilitzer Erde habe man sich bis jetzt, jedoch nicht so allgemein, als der Schneeberger bedienen können. Nachdem sie aber seit einiger Zeit nicht mehr so rein und gut als sonst ausgebracht worden, und die gute Erde einzugehen scheine, deren Reinigung aber viele Arbeit und Kosten verursache, der Gebrauch dieser Erde also nicht weiter rathsam sey; so wird um höchste Genehmigung gebeten, daß sothane Erde, wenigstens vor der Hand, bey Seite gesetzt und nur die Schneeberger Erde, die von jeher gutes und schönes Porcellain gegeben habe, gebraucht werde.“ Der weitere Inhalt dieses Schreibens berichtet davon, daß besagter Herr Biel seine und die Kuxe einiger weiterer ,Interessenten' an der St. Andreas Zeche in Aue ‒ immerhin noch 3323/147 Stück ‒ dem Fiskus zum Kauf angeboten habe, was der Verfasser ,unbedenklich' fand und höchster Genehmigung anheim stellte. |
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Die eigentliche Anzeige des Herrn Hahnefeld
haben wir schließlich über einen Quellenverweis in der Sekundärliteratur
(Leihgabe von Herrn St. Köhler: VVB Keramik, 1964) in den Beständen des Archives der Porzellanmanufaktur aufgefunden
(Altes Archiv, Bestand
IAa, Nr. 41, Blatt 117f)
und wir zitieren sie hier vollständig:
„An Ew. Hochwohlgeboren, Unterthänigst gehorsamstes Promemoria. Ew. werden sich in Gnaden zu erinnern geruhen, daß ich ohnlängst, den 25. August a. c. eine Probe von weißer Erde denenselben vorgezeiget, welche auch bei weiterer Untersuchung gut und ächt befunden worden. Es hat mein verstorbener Vater auf seinem Todtenbett mir dieses Geheimnis noch anvertraut und befohlen, daß ich bei sich ergebender Gelegenheit, wenn sich Zeit und Umstände ändern, zum Besten hiesiger Manufactur Gebrauch davon machen sollte, weil es ihm selbst nicht glücken wollen, von einer so wichtigen Entdeckung zu profitieren, ob er schon überzeugt war, daß selbe ächt und gut zum besonderen Nutzen der Manufactur gereichen würde. Da wir nun durch unsere gnädigste Landesherrschaft und insbesondere auch durch Ew. aufgemuntert wurden, alles, was zur Erhöhung des Interesses und zur Verbesserung der Manufactur gereichet, anzuzeigen, so habe damit nicht länger anstehen wollen, sondern habe noch einen von hiesiger Manufactur, der des Bergwerks kundig, Nahmens Grösel, mit mir genommen, um die Umstände besser zu untersuchen, da sich gefunden, daß ein sa. beträchtlicher Vorrath guter weißer Erde vorhanden, daß wir und unsere Kinder und Kindes Kinder nicht erleben werden, daß ein Mangel sich daran ereignen wird. Weil nun dieser gesegnete Vorrath nicht einmal eine Meile von hier entfernt ist, so erwächst dadurch der hiesigen Manufactur ein sehr wichtiger Vorteil. Es ergehet daher an Ew. meine unterthänig gehorsamste Bitte, daß, weil ich nun an die 30 Jahre bey der Manufactur als Mahler meine Dienst getreut und nach bestem Vermögen verrichtet, und das viele Sitzen mir nicht wohlmehr möglich ist, ob ich gleich sonst noch nicht vor invalid zu rechnen bin, mir doch in Gnaden zu einem proportionirlichen Tractament behülflich zu seyn. Als einen ohnmaßgeblichen unterthänigen Vorschlag wollte ich mich erkühnen, derenselben vorstellig zu machen, ob ich nicht zur Aufsicht über die neu entdeckte weiße Erde könnte angestellet werden, welches ich aufs getreueste und redlichste verrichten werde. Ew. gnädigem Wohlgewogenheit empfehle
mich unterthänigst Unterthänigst gehorsamster
So klärt es sich: Es war tatsächlich Johann Gottlieb Hahnefeld und nicht dessen Sohn Johann Gottlieb Leberecht Hahnefeld, der den Fund bei der Manufaktur angezeigt hat, welchen eigentlich der Vater des ersteren gemacht hatte, dessen Name aber nicht überliefert ist... Freiherr von Fletscher hat in seinem ,unterthänigsten Vortrag' bei der königlichen Kammer am 20. Oktober 1764 denn auch Ihrer königlichen Hoheit von dem Vorgang umgehend Mitteilung gemacht (Altes Archiv, Bestand IAa, Nr. 41, Blatt 115f): „Egg. Königl. Hoheit wollen gnädigst zu vermerken geruhen, daß der Arcanist Schertel die von ihm durch alle Massen gearbeiteten Proben der neu entdeckten weißen Erde zu Deroselben Füßen leget und vorzeiget, um welche höchste Gnade unterthänigst gebeten. Da diese Erde nur eine Meile von hier, in Seylitz in sehr großer und in späten Jahren nicht zu verbrauchender Quantität gefunden wird, solche auch gedachter Arcanist der zeitherigen Schneebergischen Erde darinnen noch vorzieht, daß sich in dem Feuer nicht so leicht verzieht. So zeiget sich hier ein neuer Segen und reicher Zuwachs vor die hiesige Manufactur. (...) Egg. Königl. Hoheit habe hiernächst submissest vorzutragen, daß ein Mahler Hahnefeld allhier, dessen Vater obbemelte neue Erde zu Seylitz eigentlich entdecket, jedoch solche auf dem Todtenbett als ein Geheimnis nur seinem Sohne offenbaret, derjenige ist, der solche anzeiget. Nunmehro bittet er, ihm seiner dreißigjährigen Dienste bey der Fabrique wegen, zur Aufsicht über die neue Erde zu bestellen. Wie Ew. Königl. Hoheit aus einem an mich gerichteten Promemoria, so ich unterthänigst hier beylege, gnädigst zu ersehen geruhen wollen. Hierzu habe ich ihm aber wenig Hoffnung machen können, weil er des Bergbaus nicht kundig, sondern unter Verhoffen seiner Ew. Königl. Hoheit höchster Approbation laße ich diesen Bau durch einen Blaumahler, Nahmens Grösel, so ein gelernter Bergmann, auch ehemals Markscheider gewesen ist, betreiben, der solchen auch ganz gut angeleget, und bereits über hundert Centner schon hereingeliefert hat. Indessen ist gedachter Hahnefeld, der ein Stück Mahler und in ein Tractament gesetzt zu werden, hernach anielt, da hierinnen wenig mehr verrichtet wird, vertröstet, daß sich vielleicht für ihn eine andere Gelegenheit zu seiner Versorgung finden würde. Ew. Königl. Hoheit gnädigster Entschließung stelle ich aber alles dieses unterthänigst anheim, sowohl als ob diesem selben Mahler mit einer kleinen Prämie von baarem Gelde für seine Anzeige vor der Zeit zu begnadigen geruhen wollten. Maximilian Robert Freyherr von Fletscher
Hierzu ist die ,Resolution' vermerkt: „Ihre Königl. Hoheit approbieren die mit der neu entdeckten weißen Erde gemachten Versuche sowohl, als die wegen Betreibung dieses Werkes vorgekehrten Anstalten, hiermit gnädigst, und wollen hiernächst, daß dem Mahler Hahnefeld wegen der dieserhalb gethanen Anzeige Fünfzig Thaler zur Belohnung aus der Porzellaine- Manufactur- Cassa gereichet, auch bei vorfallender Gelegenheit, nach Maaßgabe seiner Fähigkeit, eine bessere Versorgung gegeben werde. Dresden, den 21ten October 1764.“ So also ist das gewesen...
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Nach unseren Recherchen ist die Seilitz'er Erde zeitnah nach dem Auffinden auch schon in anderen Rapporten der Manufaktur- Kommission an das Geheime Kabinett aus dem Jahr 1765 in einem ,unterthänigsten Vortrag' aus der Feder von Maximilian Robert Freiherr von Fletscher vom 9. September 1765 erwähnt, in welchem es eigentlich aber um den als zukünftigen Ersatz für den bereits alternden Bergrat Hörold (oder Heroldt) neu als Arkanisten anzustellenden Herrn Busch ging (10026, Loc. 1346/01, Blatt 47f). Über diesen heißt es: „Zu seinem besonderen Ruhm aber gereicht es, daß er derjenige ist, der die neu entdeckte weiße Erde zu Seilitz in ihrem anfangs beygelegtem Werth fast allein erhält und die durch seine beßere Tractation und Praeparation der nunmehrigen Verdammniß derer Arcanisten, Hörold und Reichert, entreißt.“ Tatsächlich nämlich erwies sich dieses Material dem aus Aue eben nicht als gleichwertig und man mußte erst herausfinden, wie man damit die Mischung richtig herstellt. Die ersten Versuche ergaben offenbar häufig nur „blättriges, krummes und im Feuer verderbendes Porcellain,“ was den vorerwähnten Unmut der Arkanisten natürlich erklärt. Der diesem Bericht beiliegenden Registratur (10026, Loc. 1346/01, Blatt 49ff) zufolge hatte man darüber auch mehrere Former und Weißdreher befragt, die allesamt aussagten, daß die ihnen bereitgestellte Rohmasse seit einem halben oder Dreivierteljahr „viel Blasen und Striemen“ gäbe, deutlich spröder sei, sich nicht mehr so leicht ,conjugirt' und ,tractiren' lasse. Die Weißdreher gaben darüber an, daß die Masse aus Seilitz'er Erde zunächst problemlos verarbeitet werden konnte, seit einiger Zeit aber sehr viel gröber sei, sich darinnen Körner von Stecknadelkopfgröße fänden und sie zeitweilig so grobkörnig war, daß sie sie gar nicht verarbeiten konnten, sondern in die Massebereitung zurückgeben mußten. Unter dem 18. September 1765 genehmigte Ihre königliche Hoheit jedenfalls die Anstellung des einen und die Pensionierung des anderen Arkanisten und verordnete ferner „ausdrücklich, daß die Ursache des vor kurzem so häufig im Feuer verdorbenen oder blättrig oder krumm ausgefallenen Porcellaine genau untersuchet und sodann diejenigen, welche daran Schuld haben dürfften, zu behöriger Verantwortung gezogen werden“ mögen (10026, Loc. 1346/01, Blatt 54).
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Einige Jahre später berichtete dann auch Carl Wilhelm Pörner, Kurfürstlich- Sächsischer Bergrat, über seine „Versuche mit Seilitz'er Erde in Absicht zur Verfertigung eines vollkommen guten und ächten Porcellains“ (10026, Loc. 01344/04, Blatt 242ff): Chymische Versuche mit Seilizer Erde „Die Seilizer Erde, welche etwa zwo Stunden von Meißen in einem Dorfe Nahmens Seiliz, gleich unter der Dammerde Stockwerkweise gefunden wird, ist eine weiße, dem Gefühle nach mehr magere als fette Erde, welche, wenn sie im Wasser erweicht worden, sich zwischen den Fingern etwas breiartig und zähe anfühlen und zu verschiedenen Figuren bearbeiten läßt, welche, wenn sie ausgetrocknet werden, ihre Gestalt behalten. Mit dieser Erde habe ich beynahe auf zweyhundert Versuche vorgenommen, wovon die vornehmsten folgende sind...“ Nach einer näheren Beschreibung von 24 einzelnen seiner angestellten Versuche folgen seine Schlußfolgerungen: „Aus diesen angeführten Versuchen ziehe ich folgende Sätze: §1. Die Seilizer Erde ist eine überaus reine und etwas magere Thonerde. Daß dieselbe eine Thonerde ist, zeigt der 4te Versuch, da man vermittelst der Vitriolsäure durch das Kochen etwas herauszieht, das sich mit diesem Sauern in einen Alaun verwandelt. Ferner ist auch solches daher zu beweisen, weil sie sich, mit Wasser vermischt, auf der Scheibe drehen und formen läßt, und im Feuer hart brennt, wie der 8te Versuch zeigt. §2. Daß dieselbe eine Thonerde ist, wird durch den 3ten und 9ten Versuch bewiesen; indem das aufgegoßene Königswasser keine Veränderung leidet, und man aus der mit Salpeter geschmolzenen Seilizer Erde eine Salz- Schlacke erhält, welche keine metallischen Theile giebt. §3. Aus eben diesem Grunde kann diese Erde auch nicht so fett, wie andere Thonerden seyn, weil sie nichts eisenhaltiges enthält. Hingegen muß sie deshalben im Feuer sich weißer, als diejenigen Thonerden verhalten, welche auch nur das geringste Merkmal einer eingemischten Eisenerde haben... §6. Hieraus ist nun zu schließen, daß die Seilizer Erde eine der reinsten Porcellainerden und der Japanischen Porcellainerde am nächsten ist. Denn die Japanische Porcellainerde ist eine weiße, zusammenhängende und magere Erde, welche, wenn sie gebrannt worden, weiß bleibt. Daher auch die Mineralogen bewogen worden, zu fragen, ob nicht alle Thonerden, welche Porcellain geben sollen, mager anzufühlen seyn müßen. §7. Es giebt zwar noch andere, von den Mineralogen beschriebene und von den Chymisten untersuchte Erden, welche man auch Porcellainerden nennen kann, welche sich fett anfühlen laßen, die aber nie ein ganz weißes Porcellain, sondern entweder ein perlenfarbiges oder gelbliches Porcellain geben; dergleichen der Cölnische Pfeifenthon, der Colditzer Thon, der weiße Thon bey Grimma in Sachsen, die bläulichtgraue, schwarze und violette Erde von Montmartre bey Paris und andere graue Thone sind. In allen diesen Thonerden befindet sich eine mehr und weniger mit brennbaren Maßen vereinigte Eisenerde, welche sich durch das Königswasser herausziehen läßt. Die Thonerden verlieren alsdann ihren Leim, werden magerer aber auch weißer. §8. Man kann also mit völligem Grund nach den richtig unternommenen Versuchen, der Wahrheit gemäß, behaupten, daß die Seilizer Erde zur Verfertigung des Sächsischen Porcellains überaus nutzbar und dienlich sey. Soll sie aber hierzu angewendet werden, so ist auch die dazu erforderliche Behandlung derselben sorgfältig zu unternehmen. Es wird demnach auf folgendes ankommen. §9. Die Seilizer Erde muß vollkommen von allem Sand, Quarz und andern zufällig beygemischten Theilen völlig rein seyn. Denn der 7te Versuch, wie auch der 16te zeigen, daß, wenn die Seilizer Erde Sand enthält, solche im Brennen rissig oder wohl gar sehr zerbrechlich wird... Es ist also nöthig, daß mit der Seilizer Erde die Schlämmung so sorgfältig, als nur möglich vorgenommen werde, damit alle sonstigen, quarzreichen und ungleicharthigen Theile völlig herauskommen. §10. Hingegen zeigt der 8te Versuch, welcher vorzüglich merkwürdig ist, daß die Seilizer Erde, wenn sie von allem Sand gänzlich befreit ist, fest und hart und nicht rissig wird, und im Brennen ein solches Ansehen erhält, daß die daraus bewirkten Stücke äußerlich wie Porcellain sehen, aber keines sind, und auch nicht zu leugnen ist, daß sie noch nicht diejenige Härte haben, noch haben können, welche eigentlichem Porcellain eigen ist. §11. Soll die Seilizer Erde ein ächtes Porcellain, das ist eine Masse geben, welche hart und gut (unleserlich ?), im stärksten Feuer nicht flüßig, aber halbdurchsichtig ist, so muß derselben ein Körper zugesetzt werden, welcher für sich im stärksten Feuer ein milchweißes Glas giebt, und sich mit allen Thonerden vereinigt. Dergleichen ist nun der Feldspath, welcher nach vorhergegangener Calcination, sorgfältig unternommener Scheidung und guter Zerreibung im stärksten Feuer ein milchweißes Glas giebt... Wenn der Feldspath und die Seilizer Erde recht rein sind, so wird selten ein Porcellain erhalten, das rissig wird. Da nun (...) der Sand oder Quarz die vornehmste Ursache von Rißen ist, so hat man sorgfältig darauf zu achten, daß der Feldspath so viel, als möglich, von Quarz und Kiesel oder Sand gereinigt werde. Die Ursache des Springens und der leichten Brüchigkeit ist also nicht allemahl in der Porcellainerde, sondern in dem zugesetzten Feldspath zu suchen... §13. Eine der schönsten Maßen, die ich bisher nach so vielen Versuchen erhalten, ist diejenige, welche im 14ten Versuch beschrieben und mit No. 44 bezeichnet worden. Sie besteht aus drey Theilen sehr sorgfältig geschlämmter und gereinigter Seilizer Erde mit einem Theil gleichfalls sehr gut gereinigtem Feldspath vermischt. Die hieraus bereiteten Gefäße und Figuren sind überaus harte, feste, weiß und dauerhaft... Endlich habe ich noch wahrgenommen, daß es nöthig ist, daß man die zubereitete Masse zwey, drey und mehre Monate stehen läßt, ehe man sie bearbeitet. Wird dies alles gehörig beobachtet, so wird man gewiß eine Masse erhalten, welche sich nicht allein gut bearbeiten läßt, sondern auch ein sehr schönes Porcellain giebt. §14. Da ich bemerket, daß durch Zusatz eines fetten, aber nicht so reinen und weißen Thones eine Masse erhalten werden kann, welche zur Verfertigung aller Arten Geschirrs und Figuren ohne die geringste Beschwerde der Arbeiter zu gebrauchen ist, so habe ich nach mancherley angestellten Versuchen gefunden, daß, wie der 19te und 20te Versuch zeigen, fünf Theile geschlämmter Seilizer Erde mit zwey Theilen gehörig zerriebenen Feldspath und einem Theil geschlämmter Schlettaer Thon, ja noch beßer neun Theile Seilizer Erde mit vier Theilen Feldspath und drey Theilen Schlettaer Thon, eine Maße geben, welche sich nicht allein im Feuer gut hält, sondern auch von den Arbeitern zur Verfertigung allerley Geschirrs und Figuren mit Lust bearbeitet worden. In dem Schlettaer Thon befindet sich etwas eisenhaltiges eingesprengt, zugleich aber auch etwas grober und etwas feiner, eisenhaltiger Sand eingemischt, welches alles aber durch gutes Schlämmen herausgebracht werden kann. §15. Die nach dem 15ten Versuch angezeigten Massen, wo ein Theil Feldspath mit 4, 5 bis 6 Theilen Seilizer Erde vermischt worden, laßen sich wohl sehr gut bearbeiten, können aber, weil sie in Ansehung der Weiße und der Durchsichtigkeit geringer, als die im 14ten, 19ten und 20ten Versuch angezeigten Massen sind, nicht zu allen Geschirren, wohl aber zu Figuren und Gruppen gebraucht werden...“ Neben noch einigen weiteren Mischungen geht der Verfasser dann auch noch auf die richtige Glasur ein und schloß seinen Bericht mit dem: §33. „Sollten also ins künfftige allerley Arten von Geschirr, Figuren und Gruppen aus den von mir beschriebenen... Massen bereitet und mit den (...) beschriebenen Glasuren überzogen werden, so freue ich mich und hoffe mit Überzeugung, der Porcellain Manufactur allhier zu Meißen nicht allein einigen Nutzen zu verschaffen, sondern auch zur Erhaltung des Ruhms, den diese Manufactur mit Recht für so vielen anderen... behauptet, etwas beygetragen... zu haben. Meißen, den 2. November 1770.“ An den zuvor beklagten Mißständen war demnach eine unzureichende Aufbereitung schuld ‒ das zumindest kann man hier herauslesen ‒ und daß es einige Zeit brauchte, um das wertvolle, weil sehr reine und weiße Material, auch wirklich nutzbar zu machen.
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Wir bedanken uns an dieser Stelle noch einmal bei der Staatlichen Porzellanmanufaktur Meißen GmbH, daß wir dazu auch Unterlagen aus dem Unternehmensarchiv einsehen durften. Der vielleicht älteste, erhalten gebliebene Monatsbericht über den Betrieb des Weißerdenwerkes findet sich in den Beständen des sogenannten ,Alten Archivs' der Porzellanmanufaktur Meißen. Er entstammt der Feder des damaligen Aufsehers des Weißerdenwerkes zu Seilitz, Ehrenfried Größel, der ihn Anfang Juli 1765 zu Papier brachte (Altes Archiv, Bestand IAb, Nr. 40, Blatt 25). Damit ist zu belegen, daß die Manufaktur im Jahr 1765 in Seilitz den Kaolinabbau unter eigener Regie bergmännisch betrieben hat.
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![]() Unterthänigster Rapport von 1ten bis 30ten Juny 1765... Quelle: Unternehmensarchiv der Staatlichen Porzellanmanufaktur Meißen, Altes Archiv, Bestand IAb (Leitung der Manufaktur, Teilbestand Administration und Direktion bis 1833), Nr. 40, Blatt 25 (oben) und Rückseite des Blattes 25 (unten).
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Hier unser Transkript dieses Textes:
Unterthänigster rapport
von 1ten bis 30ten Juny 1765 „1. In Seilitz haben diesen Monath 4 Personen im Schacht und auf 2 Feld Örtern gearbeitet und 3 Mann haben in der Stolln Waßerseige gearbeitet, auch 4 Lachter oder 14 Ellen von Stolln Mundloch biß Ort aufgefahren, 2 Getriebe von Holtz, jedes 3 Ellen lang und 4 Ellen hoch, sind von Stolln Mundloch an in Zimmerung gesetzt. Es war das Stollort um etliche Ellen Länge getrieben, wenn nicht eine wilde Steinförste vor Ort vorgefallen, die mit Schlägel und Eißen durchfahren werden muß. Diesen Monath sind 30 Faße, so wenigen Platzes mit getrockneter (Erde, fehlt hier) nach Meißen gefahren, der übrige gewonnene Vorrath ist in Stürz Schuppen bracht. Den 15ten Juny c. a. hat der Zimmermeister Gottschalck aus Königstein das an ihn accordirte Treugehauß auf der Elbe bis Zehren bracht, den 17ten Juny ist es aufn Wagen nach Seilitz kommen, den 18ten und 19ten ward es gehoben, den 20ten und 21ten ist das Hauß gedeckt und ferttig gemacht, auch die Dachfenster eingezimmert. Biß zum 29ten Juny ist der untere Gübel beschlagen auch er obere Dachboden gantz, der untere Boden, die Hälfte gespündet und gelegt, die übrige Bodenlegung wird eiffrigst fortgesetzt, auch was sonst zu machen im Hauß seyn wird. 2. Im Mehren beym Thongrubenbau sind diesen Monath 3 Arbeiter gewesen, 2 Arbeiter sind wieder abgegangen, als Johann George Netzel hat 12, Andreas Pabst nur 8 Tage gearbeitet, ingl. Gottlieb (?) ist den 1ten Juny abgegangen und alle 3 bleiben gäntzlich und sind also nur noch 28 Mann in Arbeit. In der alten Thongrube ist 1 kleine Thongrube gegen 8 Ellen in gevierder Lichte, weile also ein Stückgen gantz Felde auf der Thon nicht ist und etwas in die oben anliegende Wiese gehet, darinnen ohngefähr binnen 12 Tagen Thon zu hauen angefangen wird, angelegt. In dieser Zeit muß vorhero noch etwas Schutt weggeschafft werden. Dann ist 1. Thongrube dermal in gantzen Felde so im Lichten 12 Ellen ins gevierde weit, beräumen, die so bald als möglich zum Thonhauen gebracht werden soll. Alsdann wird der Stolln aus dieser in gantzem Felde, wie der Thon sein Streichen und Fallen hat mit fortgetrieben. 3.127 Ctr. Thon sind
diesen Monath nach Meißen kommen, Wird aber nur gerechnet, was den Thon zu hauen und aus der Grube in die Hütte zu bringen kostet, ohne die Beräume Löhne, betragen die Thongewinnungskosten diesen Monath 57 Thr. 11 gr. ‒ pf. so kommt jeder Ctr. in Mehren in der Thonhütte ‒ gr. 5½ pf. zu stehen. Ehrenfried Größel.“ Ehrenfried Größel (* vermutl. 1712, †1788, ab 1748 als Former bei der Manufaktur) war seit Anbeginn des Bergbaus 1764 seitens der Manufaktur mit der Aufsicht über den Grubenbau in Seilitz beauftragt. Aus seiner Hand stammt daher auch der gleich folgende Grundriß aus dem Jahr 1767. 1770 wurde er in der Gehaltsliste der Manufaktur als „Entrepenneur der Seilitzer Erde“ (aus dem Französischen: ,Unternehmer' ) benannt. Ab 1783 bekam er Tractament als „Aufseher über den weißen Erdenbau in Seilitz“ und 1786 wurde er als Schlämmer mit dem beachtlichen Jahresgehalt von 216 Thalern aufgeführt. Laut späteren Quellen sei ihm die Grube verpachtet worden (Rückert, 1990).
Tatsächlich schloß die Manufaktur mit Herrn Größel sen. am 9. März 1767
einen Nach seinem Ableben folgte ihm 1788 sein Sohn Carl Friedrich Größel (*1748, † unbekannt, seit 1770 von der Manufaktur angestellt, ab 1783 als Polierer im Tractament, ab 1788 Aufseher der Tongruben und weißen Erden, 1795 unter den Schlämmern mit einem Monatslohn von 18 Thalern, respektive 216 Thalern im Jahr wie sein Vater, aufgeführt) in dieser Funktion nach. Dessen Sohn Friedrich Moritz Größel (*1805, †1879) war als Blumenmaler ebenfalls bei der Manufaktur angestellt, jedoch nicht mehr im Weißerdenwerk tätig (Rückert, 1990). Wir gehen davon aus, daß mit dem oben zitierten Monatsbericht vom Juni 1765 erwähnten „Treugehaus“ eine erste ‒ folglich schon damals errichtete ‒ Schlämmerei bezeichnet ist und daß diese Bennennung vielleicht auf die ,Wassertröge' zurückgeht, in denen die ,rohe Erde' ausgewaschen und zu ,feiner Erde' gemacht worden ist. Wie wir noch ausführlicher lesen werden, wurde diese dann in Fässern verpackt nach Meißen gebracht. In Zeiten, in denen man alles nur mit dem Fuhrwerk transportieren konnte, wäre es natürlich sehr unwirtschaftlich gewesen, wenn man unnötig viel Material hätte aufladen und transportieren müssen, denn die Schlämmabfälle machten ja bis zu 80% des Rohmaterials aus. Von Interesse ist auch, daß die Manufaktur nicht nur das Weißerdenwerk in Seilitz, sondern ‒ wie man hier lesen kann ‒ schon damals auch Tongruben in Mehren betrieben hat. Bedauerlicherweise ist dies aber auch der einzige Monatsbericht, der in den Rapporten der Manufakturadministration an das Geheime Kabinett aus diesem Jahr 1765 im Historischen Archiv der Manufaktur erhalten geblieben ist. Aus dem §63 des Monatsberichtes vom Mai diesen Jahres erfährt man dann aber noch, daß auf den Tongruben in Mehren Carl Friedrich Schnorr als Steiger angestellt war und dieser „seine Geschicklichkeit durch Anlegung einer Rösche bereits sattsam bezeiget hat“ ‒ weswegen er gehorsamst bat, ihm doch auch ein monatliches ,Tractament' von 10 Thalern gnädigst zu bewilligen (Altes Archiv, Bestand IAb, Nr. 40, Blatt 127f). Die Namensgleichheit zu den ersten Besitzern der Weißerdenzeche in Aue ist wohl eher Zufall. Auch bei der Erwähnung im §75 des Monatsrapports vom Juni 1765 ging es um ein Gesuch der Tongrubenarbeiter Gottlob Stampfuß und Johann George Kohl nebst neun ihrer Konsorten um eine Erhöhung ihres Tagelohns von 4 auf 5 Groschen (Altes Archiv, Bestand IAb, Nr. 40, Blatt 147ff). Addieren wir diese Zahlen, so waren in diesem Jahr also wenigstens 11 Arbeiter und der Steiger in Mehren angelegt ‒ in Seilitz waren es im Juni 7 Mann, davon 3 übertage in der Schlämmerei. Eine Lohn- und Gehaltsliste aus dem Jahr 1765 führt unter Punkt XXIII insgesamt 15 Namen von Arbeitern auf, die damals ,in der Thon Grube' beschäftigt waren und zwischen 7 und 10 Groschen Tageslohn erhielten, was sich auf 105 Thaler im Jahr summierte (10026, Loc. 01344/03). Aus dem §118 des Monatsrapports vom Juli erfährt man noch, daß „auf hohe commissarische Verordnung“ in Mehren in diesem Jahr zwei neue Tongruben angelegt worden sind (Altes Archiv, Bestand IAb, Nr. 40, Blatt 235ff). Schließlich ist im §172 aus dem Monatsrapport vom November 1765 noch einmal erwähnt, daß auch „Ehrenfried Größel, so dem weisen Erden Bergbau in Seiliz vorsteht, (...) um einen geringen Beytrag zum Hauszinß, den er monathlich mit 1 th. daselbst bezahlen müße,“ gebeten hat (Altes Archiv, Bestand IAb, Nr. 40, Blatt 469).
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Aus der Abrechnung von Inspektor Georg
Friedrich Haustein über das Jahr 1765 findet man unter der Rubrik der
„Auf den Bergbau zu Seyliz“ verwandten Ausgaben die Angabe, daß
Ehrenfried Größel gemäß Beschluß der hohen Commission vom Dezember 1764 für
die drei Monate ab 1. Oktober des vorangegangenen Jahres noch 54 Thaler ,Tractament'
(also 18 Thaler Gehalt pro Monat) für seine Arbeit als Aufseher in Seilitz
erhalten habe; außerdem für den Zeitraum vom 1. Februar bis letzten November im
Jahr 1765 weitere 180 Thaler (10079, Loc. 13003/20,
Rückseite Blatt 77). Der Abbau muß demnach unmittelbar nach der Anzeige des
Fundes, noch im Oktober 1764 in Angriff genommen
worden sein und offenbar wurde im
Winter die Arbeit eingestellt.
Ab Dezember 1765 erhielt demnach übrigens auch Carl Friedrich Schnorr als Steiger der Tongruben das erbetene Monatsgehalt von 10 Thalern. Daneben hat der Kaolinabbau in Seilitz insgesamt 442 Thaler, 14 Groschen und 6 Pfennige „zu Befriedigung der Arbeiter, welche alle daselbst vorgefallene Berg- Arbeit verrichtet,“ sowie 807 Thaler glatt für Fuhrlöhne an Aufwand verursacht (10079, Loc. 13003/20, Blatt 78). Die letztere Summe ging ausweislich der Abrechnung für den Antransport von alles in allem 538 Fässern Erde bis nach Meißen komplett an Peter Schmidt zu Seilitz. Auf Herrn Schmidt kommen wir weiter unten im Text noch zurück... Auf den Bau des ,Treugehauses' wurden im gleichen Jahr 425 Thaler, 16 Groschen, 12 Pfennige verwandt. Darunter fielen noch einmal 35 Thaler Fuhrlohn für Herrn Schmidt, „das sämtliche Bauholtz... von der Elbe am Spitzhauße nacher Seiliz zu fahren,“ sowie weitere 48 Thaler, 10 Groschen, 6 Pfennige Fuhrlohn, und darin mit eingeschlossen die Steinbrecherlöhne, für die Heranschaffung von 7¾ Ruthen Mauersteinen und nicht zuletzt ist in dieser Summe noch eingeschlossen der „Grund Zinß zur Stollnwaßer Seyge.“ (10079, Loc. 13003/20, Blatt 81f) Auf Peter Schmidt's Grund nämlich begann tatsächlich der Abbau der ,Seilitzer Erde'; doch das erfahren wir gleich noch genauer. Dann liest man hier noch, daß Johann Eulitz die Grundmauern des ,Treugehauses' errichtete und Christian Mohn das Stroh für die Dacheindeckung lieferte ‒ abgesehen davon, daß uns dies eine Vorstellung vermittelt, wie dieses erste Schlämmhaus gebaut war und wie es ausgesehen haben mag, sind dies zwei weitere Bewohner von Seilitz, die uns im Lauf der Geschichte noch wiederbegegnen. Eigentlich verdienten also alle Bewohner des Ortes irgendwie an dem Kaolinabbau auf der Dorfflur mit. Um diese Liste zu komplettieren, sei noch
erwähnt, daß 1765 auch Johann Gottlieb Wolf aus Seilitz 3 Fuder
„Probe Thon“ ‒ sicherlich von seinem Grund und Boden ‒
nach Meißen lieferte; ferner auch Adam Beulich 2 Fuder solchen Tones an
die Manufaktur lieferte (hier ist zwar keine Ortsangabe aufgeführt, doch stammte
diese Bauernfamilie zu dieser Zeit aus dem rechtselbischen Rottewitz bei Meißen
(10079, Loc. 13975/06);
zumindest ein Zweig dieser Familie ließ sich im 19. Jahrhundert aber dann auch in
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Auch in einer anderen Akte aus dieser Zeit,
einer auf Anweisung der Kammer begonnenen, aber offenbar danach nicht weiter
fortgeführten
„Zusammenstellung der 1766 verwendeten
Materialien, deren Zubereitung und Zusammensetzung zu Massen und Glasuren“ (Altes Archiv, Bestand
IIIA, Nr. 105)
liest man, freilich nur sehr kurz und knapp, im:
Capitel I: Von den Materialien, wo selbige gefunden werden. „Die so genanndte Schneeberger weiße Erde wird zwey Stunden von Schneeberg in der daselbst benahmten grünen Aue auf der St. Andreas Zeche gegraben. Die andere Erde, die auf hiesiger Churfstl. Sächß. Porcellain Manufactur zeithero üblich, erhält die Manufactur 2 Stunden von Meißen aus dem Dorfe Seilitz, unter die Schieritzer Herrschaft gehörig.“ Mit den ,Stunden' ist nicht die Reisezeit gemeint (obwohl das bei einer Reise mit dem Fuhrwerk vielleicht sogar ganz gut passen könnte), sondern eine Entfernungsangabe. Die Wegstunde umfaßte eine halbe sächsische Postmeile oder zirka 4,5 km und ist an vielen der Postmeilensäulen im Land noch zu finden. Die Formulierung ,zeithero', die an dieser Stelle gebraucht wurde, suggeriert eigentlich eine bereits längere Zeitdauer des Bezugs der Seilitz'er Erde, aber das erscheint höchst unwahrscheinlich. Den in Herrn Ehrenfried Größel's Bericht benannten Stolln, welcher der Abrechnung auf das Jahr 1765 zufolge auch schon im gleichen Jahr angehauen worden ist, findet man dann auf folgender kolorierter Karte aus der Hand des ersten Grubenaufsehers des Weißerdenwerkes, welche er 1767 zu Papier brachte, wieder (Altes Archiv, Bestand IIIA, Nr. 76, Blatt KA265). Im Titel dieses Blattes ist explizit das Datum 1. Oktober 1764 als Beginn des Abbaus in Seilitz genannt, was eigentlich verwunderlich ist, denn die oben zitierte Fundanzeige ist erst am 12. Oktober des Jahres aufgesetzt.
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Die ,Annotationes' rechts unten auf
dem Grundriß besagen, daß mit dem Buchstaben ,A' der „Fundschacht
in Peter Schmidts Hoffe“ und mit ,B' der „neue Schacht“
markiert sind. Links ist mit einem ,G' das Stollnmundloch markiert.
Vermutlich handelt es sich bei diesem Stolln um diejenige Stollnrösche, die
Neben diesem sind als Besitzer der anderen vier Höfe hier die Familien von Hans Eulitz, Gottlieb Wolff, Jahn, Voigt und Mazel angegeben. Außerdem sind Christian Mohn, Rosina Moritzin und Gottlieb Roder (oder Röder) als Anwohner in den ,Annotationes' zu finden. Die Namen Johann Eulitz, Christian Mohn und Johann Gottlieb Wolf haben wir doch eben schon auch in den Abrechnungen für den Bau der Schlämmerei und für Tonlieferungen gefunden... Im Jahr 1897 fanden wir übrigens in den Protokollen der Gewerbeinspektion eine Eulitz'sche Tongrube und auch im Jahr 1900 ist noch ein R. Eulitz als Tongrubenbesitzer bei Mohlis im Jahrbuch für das Berg- und Hüttenwesen aufgeführt ‒ manche der Familien blieben also noch lange in der Region ansässig. Die Familie Eulitz ist uns
aber auch als
Bergbauunternehmer bei
In den Anmerkungen auf obigem Riß steht weiter zu lesen, daß mit den Buchstaben ,O' und ,P' das große und das kleine „Treugehaus“ markiert sind. Diese beiden Gebäude sind im Gegensatz zu den sämtlich rot kolorierten Bauernhäusern gelb ausgefüllt und es gab 1767, als dieser Riß entstand, offenbar schon zwei davon in Seilitz. Gegenüber ist mit einem ,R' eine „große Berghalde“ bezeichnet und direkt hinter dem großen Treugehaus gab es noch eine zweite Grube. Hier sind mit dem ,J' „die ausgebaute Grube“, mit ,K', ,L' und ,M' Feldstrecken und mit dem ,N' gekennzeichnet „der Grube Mundloch“ dargestellt. Südwestlich und südöstlich dieser zweiten Grube findet man in den Gärten den Vermerk „abgebaut“, der aber aus den Jahren zwischen 1767 und 1818 stammt.
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Schließlich fielen uns im Bereich des
heutigen Standortes des Förderschachts 2 des Staatlichen Weißerdenwerkes noch zwei
Eintragungen nördlich des damals Wolff'schen Hofes in Seilitz auf. Mit
dem kleinen Buchstaben ,c' ist hier „ein Gartenkeller, in weiße Erde
gehaun“ und mit dem ,d' „ein Brunn, in weiße Erde gehaun“
bezeichnet.
Dem Fahrweg durch das Dorf gegenüber vom Wolff'schen lag seinerzeit das Voigt'sche Bauerngut. Zwischen diesem und dem Mazel'schen Hof wiederum ist mit dem ,X' bezeichnet: „ein Brunn, in weiße Erde nieder gehaun, es liegt aber 16 Ellen Lehm vom Rasen biß auf die weiße Erde, der Brunn ist 48 Ellen tieff.“ Nun, 16 Ellen wären keine 10 m Tiefe, das entspräche ungefähr der 2. Sohle am Förderschacht 2. Blöderweise steht an dieser Stelle heute noch ein Bauerngut und sowohl dieses, als auch der Fahrweg ins Seilitzbachtal hinunter haben einen Sicherheitspfeiler, in dem heute kein Abbau mehr umgehen dürfte. Außerdem wurde auch im Voigt'schen Garten später bereits Abbau betrieben ‒ aber darauf kommen wir gleich noch zurück. Man sieht an diesen Beispielen, auf welche Weise die Lagerstätte sicherlich entdeckt worden ist. Nur der als Entdecker benannte Herr Hahnefeld taucht hier nirgends auf...
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Ehrenfried Größel hat seinen
Erläuterungen am Kartenrand ganz unten schließlich noch hinzugefügt: „Nota: im
gantzen Dorffe liegt weiße Erde, doch an der Laenge, der Tieffe ungleich, so
auch mit der darauf liegenden Dammerde hats gleiche Bewandtniß, an einigen Orten
liegt die Weiße Erde am Tage bloß, an verschiedenen Orten liegt selbe nach dem
Gebürgssteigen tieffer.“
Neben diesen Anmerkungen von Ehrenfried Größel findet sich auf dem Riß noch eine zweite Notiz über einen: „Bohrversuch, so im Monat November 1818 in der mit Nummern bezeichneten Umgegend der Seylitzer Gärten gemacht worden, gewähren die mit Nummer 4 angezeigte Erfahrung, welche bey jeder No. durch 2 bis 3 Bohrlöcher in einer Richtung daßelbe in gleichem Verhältnisse darstellen und mit der ältesten Erfahrung beweisen, daß sich das für gut anerkannte Erdlager lediglich auf das Dorf und deßen Gärten beschränke, und zugleich allemal bis auf die Waßersohle erstrecke, von da aus allenthalben in der ferneren Tiefe fester oder brüchiger Stein befindlich sey. Carl Friedrich Größel.“ Bei der im Text genannten No. 4 finden wir auf der Karte den Vermerk: „Richtung nach Lommatzsch“ ‒ also nach Nordwesten ‒ und weiter: „wo nichts ist erbohrt worden als bloß Dammerde, 8 Ellen gemischte Weißerde und dann Stein.“
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Auch in dem ab 1780 entstandenen, ersten
umfassenden Kartenwerk für das Königreichs Sachsen, den ,Meilenblättern von
Sachsen', ist
eine ,Thonhütte' bei Seilitz bereits vermerkt.
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![]() Ausschnitt aus den Meilenblättern von Sachsen, Berliner Exemplar, Blatt 161, entstanden zwischen 1780 und 1800, Norden ist auf diesen Karten rechts oben. Bei Seilitz ist hier eine ,Thonhütte' verzeichnet, allerdings damals auf der westlichen Seite des kleinen Tales des Seilitzbachs - möglicherweise sind hier auch die zwischen 1798 und 1818 in diesem Bereich betriebenen Haspelschächte gemeint. Zu dieser Zeit stand auch das Schmidt'sche Bauerngut unten im Tal noch.
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Daß man mit dem Abbau der weißen Erde in Seilitz sofort
begonnen hat und daß Aufseher Größel dabei nicht unbedingt rücksichtsvoll
vorgegangen ist, brachte unweigerlich auch Differenzen mit den Anliegern mit sich.
Akten der Grundherrschaft Schieritz und der Landesregierung Sachsen etwa benennen 1767 einen ersten Streitfall zwischen der Gemeinde und dem dortigen Einwohner Peter Schmidt wegen der „Abfuhr der weißen Erde zur churfürstlichen Porzellanmanufactur Meißen und des dafür erhaltenen Lohnes.“ (10545, Nr. 158 und 10079, Loc. 13993/19) Solcherart Fälle kamen zuerst vor die örtlichen Gerichte, weshalb auch das Gericht zu Schieritz darüber an das Kreisamt in Meißen zu berichten hatte. Bei diesem Streit ging es wörtlich um eine Entschädigung an die Gemeinde für die Wege- und Flächenbenutzung, für die ‒ wie sich noch zeigen wird ‒ Beklagter Herr Schmidt gar nicht so richtig verantwortlich zu machen war. Tatsächlich ist die Porzellanerde nämlich auf seinem Grund und Boden aufgefunden und zuerst abgebaut worden, wobei sich dem ,höchsten landesherrlichen Interesse' an dem Rohstoff der Kleinbauer natürlich zu unterwerfen hatte. Eigentlich aber ging es darum, wer im Dorf in welchem Anteil vom Erdenabbau partizipieren durfte. Jedenfalls richtete das Schieritz'er Gericht am 1. April 1767 ein Schreiben an die königl. Kammer (10079, Loc. 13993/19, Blatt 1ff), aus dem zu entnehmen ist, daß besagter Peter Schmidt Viertel- Hüfner in Seilitz gewesen ist und offenbar bis dahin das alleinige Privileg hatte, die Erde, die immer noch hauptsächlich von seinem Grund stammte, nach Meißen zu transportieren. Wie das Schieritz'er Gericht meinte, habe sich besagter Schmidt „angemaßet“, den Fahrweg dafür über die dem Rittergut Schieritz eigene, sogenannte „Schaf Wiese“ zu legen. Das Rittergut hatte außerdem Wasserrechte an einem der Seilitz'er Brunnen und eine Röhrenleitung bis hinüber zum Schloß. Nun beanspruchte aber außerdem die Manufaktur Brunnenwasser für die Schlämmerei und Platz für das große Treugehaus (das auf dem vorherigen „Bleich Platze“ des Dorfes stand), für den Abraumsturz und für eine „Erd- Schütte“. Die Manufaktur hatte sich zwar „bereitwillig finden laßen, dabey aber nicht angeführet, daß ihnen bey Einräumung dieses Platzes zum großen Treugehause Versicherung zu guten Verdiensten durch Handarbeit und Fuhren gegeben worden, welche letzteren aber Peter Schmidt alleine zum Profite überkommen, deswegen dieselben um Remedur gebethen...“ Aha ‒ darauf beruhte der Streit: Von den Nebenverdiensten wollten auch andere profitieren, aber der Beklagte führte offenbar sämtliche Fuhrleistungen für die Manufaktur allein aus. Man stritt auch um die Höhe einer Abgabe an die Gemeinde pro Fuhre (1 Groschen oder 6 Pfennige) und um das fernere Verfahren bei der Abfuhr, welche der Seilitz'er Ortsrichter Röder sogar bei einer Abgabe von 1 Gr. und 6 Pf. an die Gemeinde auch sehr gern übernommen hätte. Seitens des Schieritz'er Gerichts wurde Schmidt zunächst für die seit Anbeginn des Abbaus bereits erledigten Fuhrleistungen zu einer Zahlung von 60 Thl. an die Gemeinde und zukünftig zur Zahlung von 1 Gr. á Centner für diejenige Erde, die von Gemeindegrund stammte, aufgefordert, während man die Klärung einer zukünftigen Aufteilung der Fuhrleistungen innerhalb der Gemeinde derselben überlassen wollte. „Wir haben uns besage der Acten alle Mühe gegeben, die Partheyen zu vereinigen, solches auch mannigfaltig extra judicialiter gethan, wie nicht weniger, mündlich bey der hohen Porcellain Commission zu effectuiren gesucht, welche aber geschienen, daran keinen Theil zu nehmen und declariret, diesen Punct denen Gerichten und Interessenten zur Ausmachung überlaßen zu haben, gleichwohl aber selbige bey der Sache den besten Ausschlag und Nachdruck geben können, weil dießseits allerhand collisionen auszuweichen nöthig gewesen, die regulirung gestellter Sachen nach bloß auch der Billigkeit berühret, welche aber bey Schmidts natürlicher Unbiegsamkeit uns bis anhero einerseits ihm zugelassenen alleinigen Profits keinen Ingress gefunden...“ Natürlich paßte dies nun wieder dem Peter Schmidt nicht. Es steht hier nicht so geschrieben, aber selbst das Schieritz'er Gericht erwünschte wohl eine Entscheidung höheren Ortes... Tatsächlich beschied dann die Landesregierung namens Xaverius, Königlicher Prinz und der Chursachsen Administrator, an die von Schleiniz'ischen Gerichte in Schieritz, man solle „zu Vermeidung mehrer Weitläufigkeit ein gutes Abkommen versuchen zu laßen“ und beraumte dazu für den 10. Juli 1767 einen Verhandlungstermin in Dresden an (10079, Loc. 13993/19, Blatt 6). Das Protokoll zu dieser Verhandlung, „die Gemeinde Seiliz contra Peter Schmidten betreffend,“ liegt in der Akte gleich obenauf (10079, Loc. 13993/19, erste Seite ohne Blattnummerierung). In Gegenwart von Herrn Hofrat von Pönicken, Herrn Hofrat D. Kabel (Name schwer leserlich ?), sowie Gottfried Röder, der Gemeinde Syndicus und dem ,Impetranten' Peter Schmidt, cum Adv. Christian Friedrich Fritzsche, wurde festgehalten: „Nach gewöhnlicher Eröffnung des Verhörs führet Impetrant an, daß er die ratione (...?) 48 Thl. nach Abfluß seines Antheils bereits bezahlet habe. Welches Impetranten (schwer leserlich...?) Hiernach kommt in Proposition, daß Impetranten den Centner derjenigen Erde, welche von seinem eigenen Grund und Boden wegführen würde, der Gemeinde 6 Pf., hingegen von derjenigen, welche von Gemeinde- Grund und Boden wegführte, der Gemeinde 1 Gr. abgehen solle. Impetrant will sich zu dem ersten nicht verstehen. Dahero Impetranten ihn auf die weiße Erde von der Gemeinde Grund und Boden den (?) 1 Gr. vom Centner, daher (?) laßen nicht gestatten wollen, indem andere sich 3 Gr. vom Centner erbethen hätte. Hiernächst bringen dieselben an, daß sie von Impetranten Fuhrwerken beträchtlich Schaden dadurch hätten, daß nicht nur der Weg verderbt würde und öfters gebeßert werden müße, sondern auch der Abraum von solcher Erde auf der Gemeinde Grund und Boden (aufgehäuft ?) würde, und solches die anderweitige üble Folge nach sich hätte, daß, wenn Waßerfluth kommen sollte, ihre Wiesen dadurch überschwemmt würden, wie denn auf der Gemeinde Grund und Boden an denjenigen Orten, wo sothaner Abraum läge, kein Graß mehr wachse. Impetrant erbiehtet sich, den Weg so lange selbst zu beßern, als sein Fuhrwerk diesen nutze (?), über dieses auch der Gemeinde jährlich 5 Thl. zu geben, wenn sie mit 1 Gr. von jedem Centner, welchen er von der Gemeinde Grund und Boden wegführen würde, zufrieden seyn würde. Impetranten sind damit nicht zufrieden, sondern laßen sich allenfalls den im Anfangne von der Deputatis gethanen Vorschlag á 6 Gr. von dem Centner gefallen. Womit die Verhör aufgehoben... protoc. Johann Gottfried Matthäis“ Mit der Beschlußfassung dauerte es einige Zeit, aber am 13. Februar 1768 entschied die Landesregierung, daß Peter Schmidt von nun an von dem Fuhrlohn, den er für jeden Zentner Erde erhielt, der von Gemeindegrund stammte, 1 Groschen, von der Erde, die von seinem eigenen Grund stammte, aber 6 Pfennige an die Gemeinde Seilitz zu zahlen habe (10079, Loc. 13993/19, Blatt 9).
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Wie es zu dieser Situation eigentlich kommen
konnte, darüber geben die Akten des Schieritz'er Gerichtes aus dem nachfolgenden
Zeitraum noch genauer Auskunft: Zunächst nämlich hatte die Landesregierung –
inzwischen namens des neuen Kurfürsten Friedrich August, III. – am
9. November 1768 gegenüber dem Schieritz'er Gericht noch einmal bekräftigt, daß
„unseres gnädigsten Churfürsten höchster Wille keinesweges dahin gehe, daß
der Gärtner in Seiliz, Peter Schmidt, alleine und mit Ausschluß derer anderen
von der Gemeinde daselbst die zur Zeit gethanen weißen Erdfuhren zu thun
berechtiget.“
Deshalb hat sich Christian Leberecht Weiße namens der Gemeinde am 8. Dezember 1768 erneut nach Dresden gewandt und erboten, die Erde zukünftig zum gleichen Lohn „mit unserem Geschirr anzufuhren“ und erbat nun eine entsprechende Anweisung an den „Fabrique Inspector Herrichen“ in Meißen (10545, Nr. 158, Blatt 6ff). Daraufhin war am 21. Dezember 1768 Gottfried Leberecht Eckardt, der Churfürstl. Porcellain Manufactur Schreiber, in Schieritz erschienen und hat zu Protokoll gegeben, er sei von Inspektor Herrig beauftragt, zu dieser Sache anzugeben, daß die Manufaktur- Kommission entschieden habe, eine diesbezügliche Entscheidung dem Schieritz'er Gericht allein überlassen zu wollen, weil „es der hohen Commission einerley wäre, es möchte fuhren, wer da wolle.“ (10545, Nr. 158, Blatt 9) Da machte man es sich in Meißen aber einfach... Auch aus diesem Grunde forderte die Gemeinde in Ansehung der bereits aus Dresden ergangenen Rescripte unter dem 23. Dezember 1768 das Gericht erneut auf, Peter Schmidt bei Strafe zu untersagen, weiter allein die Fuhren zu übernehmen, sondern die Erde „hinfort in communione mit uns“ nach Meißen zu transportieren. Das „insirirte“ das Gericht auch am 4. Januar 1769 an Peter Schmidt's Anwalt (10545, Nr. 158, Blatt 12f). Schon am 4. Dezember 1768 hatten Peter Schmidt und sein Advokat Christian Friedrich Fritzsche erst einmal vorsorglich Protest gegen dieses Vorgehen eingelegt und vom Schieritz'er Gericht erbeten, weitere Verfahren gegen ihn zu unterlassen (10545, Nr. 158, Blatt 1). Offenbar hatte Schmidt die Entscheidung hinsichtlich der Entschädigung für zurückliegende Einnahmen akzeptiert, seitdem aber den an die Gemeinde zu entrichtenden Anteil an seinem Fuhrlohn nicht mehr gezahlt. Daraufhin bekräftigte Christian Leberecht Weiße namens der Gemeinde am 9. Dezember 1768 die Forderung auf eine Entschädigung für die entgangenen Anteile am Fuhrlohn für alle „vom Anfange an bis hierher“ erbrachten und ausgelohnten Fuhren und forderte von Peter Schmidt eine Aufstellung über seine Einnahmen (10545, Nr. 158, Blatt 2ff). Letzterem folgte auch das Schieritz'er Gericht und forderte von Peter Schmidt am 14. Januar 1769 eine solche Auflistung (10545, Nr. 158, Rückseite Blatt 4f). Dieser und sein Anwalt gaben aber keineswegs auf, wiederholten vielmehr am 11. Januar 1769 ihr Ersuchen, vorläufig alle Verfahren einzustellen und teilten dem Gericht auch mit, daß sie „mit unterthänigster Appellation Beschwerde gegen das außerordentlich rigorente Verfahren“ führen wollen (10545, Nr. 158, Blatt 15ff). Diese Appellation an die Landesregierung hatte Peter Schmidt auch tatsächlich schon am 4. Dezember 1768 eingereicht. Darin klagte er zunächst einmal, was für ein armer Mann er war, daß er nur als Gärtner oder Häusler in Seilitz lebte, daß auf seiner Viertelhufe „Wiesenwerk und Holz“ aber 18 gangbare Steuerschock lagen, daß er vierteljährlich 7 Groschen, 6 Pfennige „Quatember- Quantum“ sowie 2 Florengr., 4 Groschen jährlichen Erbzins zu entrichten, außerdem jährlich 12 „alte Hühner“, 2 Schock Eier und 2 Scheffel Hafer an die Schule in Meißen zu liefern hatte. Dann aber, schrieb er weiter, „fand sich im Jahre 1764 ein Ausbruch weißer Erde, so der Porcellain Fabrique zu Meißen vermöge allergnädigsten Befehls eingeliefert werden mußte... Aus mir als einem Landesunterthanen obliegender Pflichtschuldigkeit war ich... der erste, der mit Sacrificirung seiner Grundstücke den Anfang zu Aufbringung dieses Werks machte.“ Sein Grundstück sei inzwischen nun aber „durchlöchert“ und dadurch auf lange Zeit unbrauchbar geworden. Den Platz für das Treugehaus und für ein Wohnhaus für Aufseher Größel habe er der Manufaktur verkaufen müssen. Daher seien die im Gegenzug erhaltenen Fuhraufträge doch eigentlich als Entschädigung für den ihm entstandenen Schaden anzusehen, über die es nun aber zu „Neid und Mißgunst meiner hiesigen Mitnachbarn“ komme. Im Übrigen erfährt man hier noch, daß sich Peter Schmidt nicht nur ein eigenes Geschirr, sondern sogar einen Elbkahn auf eigene Kosten zugelegt hatte, um die Erde auf kürzestem Weg nach Zehren und von da auf der Elbe nach Meißen schaffen zu können. Das war allerdings für einen Kleinbauern eine gewaltige Investition (10545, Nr. 158, Blatt 31ff). Daraufhin beschwerte sich die Gemeinde am 23. Januar 1769 aber wieder in Schieritz über die Mißachtung Schmidt´s gegenüber den höchsten Rescripten, seine „höchst frivolische Appellation“, mit der er die Sache nur hinauszuzögern suche, was doch nur „seine Halsstarrigkeit klar zu Tage bringe“ (10545, Nr. 158, Blatt 21ff).
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Nach weiterem Hin und Her reichte die
Gemeinde Seilitz, „nahmentlich Gottlieb Rödern, Gottlieb Wolfen, Annen
Rosinen verwittibte Morizin, jetzt verehelichte Schellin, Christian Mohnen,
Andreas Eulitzen, Christian Klingern und Hannß Eulitzen“ – womit wir nun das
ganze Dorf beim Namen kennen – am 8. Mai 1769 offiziell Klage gegen Peter
Schmidt ein (10545, Nr. 158, Blatt 44ff).
Gegenstand der Klage war erneut, daß sich Peter Schmidt widerrechtlich
das Recht angemaßt habe, nicht allein die auf seinem Grund und Boden, sondern
auch die auf Gemeindegrund und „eines jeden Individuums daselbst Grund und
Boden gegrabene Erde“ nach Meißen zu verfuhren und dafür für ein Faß
ungeschlämmter 1 Thaler, für einen Centner geschlämmter Erde aber 6 Groschen
Fuhrlohn von der Manufaktur erhalte. Die 1767 vom Schieritz'er Gericht
angeordnete Zahlung in Höhe von 60 Thalern habe er zwar entrichtet, seitdem aber
nichts mehr. Erst nach dem Entscheid der Landesregierung vom 13. Februar 1768
habe er wieder 1 Groschen pro Zentner entrichtet. Die Klageschrift enthält dazu
folgende Aufstellung, nämlich habe die Gemeinde für die Wegbenutzung erhalten im
Eine Rückrechnung auf die transportierten Mengen gelingt hieraus nur freilich bedingt, da Schmidt ja für die auf seinem eigenen Grund geförderte Erde ja nur 6 Pfennige, für die auf Gemeindegrund gegrabene hingegen 1 Groschen von seinem Fuhrlohn in Höhe von 6 Groschen abzugeben hatte und man die Anteile der einen und der anderen Quelle nicht ersehen kann. Aber unter der Maßgabe, daß er nur den einen oder nur den anderen Satz beglichen hätte, ergeben sich die in unserer Tabelle angeführten Höchst- oder Mindestmengen. Die Gemeinde Seilitz forderte jedenfalls nun erneut für „ein gar beträchtliches Quantum von besagter Erde“ aus den Jahren 1765 bis 1766 eine Nachzahlung. Die Verhandlung darüber vor dem Gericht in Schieritz wurde für den 3. Juli 1769 anberaumt. Die Gemeindemitglieder hatten dazu Gottfried Röder als Ortsrichter und Andreas Eulitz als Sprecher benannt. Das Gericht erkannte aber die Einwände in Schmidt’s Appellation an und schließlich darauf, daß der Abbaubeginn ja tatsächlich allein auf Peter Schmidt’s Gut stattfand und daß natürlich ein jeder Grundbesitzer das Recht habe, sein Grundstück nach Gutdünken zu nutzen und mit demjenigen, was es ihm biete, „nach Gefallen zu schalten und zu walten.“ Weil nun der Beklagte die Erde gleich bei seinem Wohnhause zum Dorfe hinaus und nach Schieritz zu gefahren sei, welcher Weg niemals von der Gemeinde gehalten worden sei, wies das Gericht den Anspruch auf Nachzahlungen für die Jahre vor 1766 ab. Auch die Behauptung verursachter Wegbeschädigungen sei damit vom Tisch. Selbst wenn der Beklagte auch einige Zentner von der Gemeinde Grund und Boden abgefahren haben sollte, so sei dies schließlich auf Verordnung der Manufaktur geschehen und deshalb müsse diese ihren ordentlich als solchen angenommenen Fuhrmann in dieser Hinsicht auch vertreten (10545, Nr. 158, Blatt 69ff). Was aber in Zukunft anzuwenden sei, bedürfe noch „höchster Dejudication.“ Eigentlich hätte es damit entschieden sein können, doch die Parteien gaben nicht auf... Am 21. Oktober 1769 hat Peter Schmidt dem Gericht noch mitgeteilt, daß er nun doch bereit sei, eine Pauschale in Höhe von 20 Thl. an die Gemeinde zu zahlen und auf deren Antwort warte (10545, Nr. 158, Rückseite Blatt 97). Die kam offenbar aber nicht oder war negativ, weswegen sich dann ein Jahr später Dr. Ernst Siegmund Beuchel, Rechts- Consulent zu Meißen und Gerichts- Direktor in Schieritz, auf den Weg nach Seilitz machte, um gemeinsam mit Gerichtsschöffe Gottfried Röder die durch Abgrabung der weißen Erde ruinierten Gärten Schmidt’s selbst in Augenschein zu nehmen. Darüber berichtete derselbe unter dem 8. Juni 1770 (10545, Nr. 158, Blatt 114ff): 1tens. „Ist die Farth, der an dem Weinberge angelegten Schacht, so theils unter dem Wohnhause und auch daneben nach dem Gemeinde Garten zu gehet, 58 Ellen lang, wovon dermalen 12 Ellen in der Länge und 6 Ellen in der Breite zusammengeschoßen; nächst hinter dem Wohnhause sind auch 6 Ellen lang und 5 Ellen breit Erdreich durch bemeldten Schacht und Fahrt bereits eingestürzet. Durch solche Erdeinsenkung, da der Besitzer nicht nur die Gräserei und Obst Nutzung einbüßet, ist der jährliche Schaden ganz genau auf 5 Thl. zu aestimiren. Insoferne aber die noch stehenden 40 Ellen Länge und Breite, da alles unter solchen untergraben, in Zukunft gleiches Schicksal... haben sollten, so gehet nicht nur dabey die übrige Gräserey und noch vorhandene Obstbäume, sondern auch ein guter Theil des Wohnhauses gänzlich verloren.“ 2tens. „Ist der Schacht von dem Gemeindegarten und dem neuerbauten Schlämmhause an 58 Ellen lang und 18 Ellen breit, welches Terrain zum Theil bereits in den Abgrund gesunken, theils auch sich schon abgetrennt hat, und hauptsächlich, wenn viele Nässe erfolgen sollte, der Einsturz drohet. Hierdurch verliehret der Grundbesitzer an Gräserey und Baumwuchs Nutzung ohngefähr jährlich 15 Thaler.“ 3tens. „Befindet sich auch daselbst ein Stollen, welcher von berührtem Schachte an hinter der Scheune weggehet, und 139 Ellen lang, mit Sande verstopfet und an der einen Seite mit Waßer angedämmt ist. Wobey ebenfalls zu presumiren, daß die auf solchen Erdboden stehende Gräserey und Obstbäume mit der Zeit zu Grunde gehen können. Allermaßen um (?) allenthalben der Wahrheit gemäß ist auch bey der augenscheinlichen Besichtigung also befunden worden. Alß haben wir darüber nicht nur gegenwärtiges Attestat unter Verdrückung des Gemeinde Siegels und unserer eigenhändigen Unterschrift wissentlich ausgestellet...“ Wo die hier beschriebenen ,Fahrten', Schächte und Stolln ungefähr gelegen haben, wissen wir schon aus unserem Text oben aus dem vom Aufseher Ehrenfried Größel selbst gezeichneten Lageplan. Vom gleichen Tage stammt noch ein weiterer Bericht von Maurermeister Anton Schneider, er habe sich „auf Ansuchen Peter Schmiedens“ nach Seilitz begeben, um die durch die Ausgrabung der weißen Erde entstandenen Schäden zu begutachten und dabei gefunden, daß ein Teil der Umfassungsmauer schon eingestürzt sei, ein anderer Teil, weil unter ihr „alles minirt“ sei, ganz sicher noch einstürzen werde; auch der Keller im vorderen Teil „ein gut Stück schon eingefallen“ sei und der Überrest müsse eigentlich vollends abgetragen werden. Der „dadurch causirte Verlust ist auf 90 Thaler zu taxiren...“ (10545, Nr. 158, Blatt 117f) Am 19. Juli 1770 hielt der Gerichtsdirektor Beuchel über einen zweiten Ortstermin in Seilitz fest, daß das Erdenwerk inzwischen auch unter Daniel Schelle’s Wiesen abbaute, welcher aber – da er jetzt den Nutzen davon hatte – auch den Schaden an seinen Wiesen allein tragen wolle. Dasselbe gab auch Christian Mohn wegen des Erdenabbaus in seinem Garten an. Allerdings habe er einen „Straßenschaden“ hinter seiner Scheunenwand zu vermelden. Für den dort angeschütteten Abraumhaufen aber könne er von der Gemeinde keine Vergütung verlangen, weil er schließlich Herrn Größel den Platz selbst eingeräumt habe (10545, Nr. 158, Blatt 118f). Der anhaltenden Streitigkeiten halber setzte die Landesregierung am 17. September 1770 für den 5. November des Jahres erneut einen Verhandlungstermin an (10545, Nr. 158, Blatt 125f). Im Anschluß gab die Gemeinde Seilitz am 14. November 1770 zu Protokoll, man habe sich zum ersten mit Peter Schmidt auf den Vergleich geeinigt, daß er für die vor 1766 von ihm getanen Fuhren eine Pauschale von 30 Thalern an die Gemeinde zahlen werde. Für die Zukunft solle derselbe „gehörige Abrechnung“ über seine Fuhren halten. Dasselbe gelte im Übrigen auch für andere Einwohner, welche ihrerseits zukünftig Transporte für die Manufaktur übernehmen sollten ‒ wie wir gerade gelesen haben, betraf dies ja nun auch Herrn Schelle. Das Ansuchen Christian Mohn’s um Entschädigung für seinen verschütteten Fahrweg hingegen wurde abgewiesen (10545, Nr. 158, Blatt 144ff).
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Noch im gleichen Jahr 1770 klagte dann Christian Mohn
seinerseits gegen die Gemeinde Seilitz
„wegen der durch die Abfuhr von Porzellanerde an seinem Grundstück
entstandener Schäden“ (10545, Nr. 159) und auf
dasselbe Jahr datiert auch eine Akte der Landesregierung über einen
Streitfall zwischen der Gemeinde und denselben Herren Christian Mohn und
Peter Schmidt um die Entschädigung für geleistete Fuhren weißer Erde zur
Manufaktur (10079, Loc. 13999/20).
Dem Inhalt des ersten Blatts in der Kanzleiakte zufolge verlangten die letzteren nun, daß ihnen von den 6 Pfennigen Abgabe an die Gemeinde die Hälfte erlassen werde, „weil der Gemeinde auf ihren Wiesen und übrigen Grundstücken kein Schaden geschehe, da der Abraum auf seinem eigenen Boden liegen bleibe und die Erde auf der ordentlichen Fahrstraße abgefuhrt werde.“ Außerdem liest man hier noch, daß Johann Schell, auf deßen Grund jetzt gebaut wird, der Klage beiträte (10079, Loc. 13999/20, erstes Blatt ohne Nummerierung). Unter dem 28. Juli 1770 berichtete Gerichtsdirektor Beuchel aus Schieritz über den Sachstand in diesem Verfahren ausführlich nach Dresden (10079, Loc. 13999/20, Blatt 1ff). Zum ersten sei das von Peter Schmidt angeblich angelegte Abrechnungsbuch über seine Fuhrdienste bei der Porzellanmanufaktur „zurückbehalten und cassirt worden“, so daß eigentlich keine der Seiten einen genauen Streitwert vorbringen konnte, weshalb sich die Gemeinde auch „zu einem aversional cuanto nicht abgeneigt“ zeigte ‒ also wieder eine Pauschalzahlung in die Gemeindekasse ‒ worüber Schmidt und sein Anwalt sich aber 14 Tage Bedenkzeit ausbedungen haben. Allerdings sollte die von dem uns schon bekannten Ortsrichter Gottfried Röder und Andreas Eulitz nun geltend gemachte Summe auch gleich 400 Thaler betragen, „wovon sie aber aus Liebe zum Frieden die Hälfte fallen laßen wollen...“ Das scheint schon ziemlich unverschämt. Es darf jedenfalls bezweifelt werden, daß Peter Schmidt mit seinen Fuhrleistungen so viel verdiente, zumal er ja nicht nur Zeit und Aufwand damit hatte, sondern tatsächlich auch einen erheblichen Wertverlust seines Grundstücks hinnehmen mußte und so es ist nur allzu verständlich, daß die Anwesenden im Gericht darüber „in große Entzweyung gerathen“ sind. Außerdem stellte sich heraus, daß Schmidt's Nachbarn, wegen Mangel an Schiff und Geschirr, die Erde gar nicht selbst abfahren konnten, weswegen Schmidt dies für sie übernähme, von den Grundeigentümern dafür aber nur 2 Groschen erhielte ‒ den Rest der 6 Groschen Fuhrlohn, welchen die Manufaktur zahlte, behielten die Grundeigentümer selbst. Die Geschichte wird ganz schön verworren und so erbat auch das Schieritz'er Gericht Unterstützung, zum einen von der Manufaktur Schmidt's Abrechnungsbuch zurück zu erhalten und überhaupt um höchste Entschließung, wie denn hier nun zu verfahren sei. Zufolge eines zweiten Schreibens des Schieritz'er Gerichtes vom 30. August 1770 machte außerdem auch Christian Mohn seinen oben schon erwähnten Schaden durch die Abraumhalde wieder geltend (10079, Loc. 13999/20, Blatt 7f). Das Regenwasser spüle nun den Sand nicht nur in seine Scheune, sondern auch auf die unterhalb liegende Wiese und es sei doch nur billig, daß „demjenigen Gemeinde Gliede, welchem aus der weißen Erden Baue ein vorzüglicher Nachtheil erwachse, auch eine vorzügliche Vergüthung davor angedeihe,“ und deswegen verlangte er nun von der Gemeinde einen Teil des Geldes, welches Peter Schmidt ja doch gerade für solche Zwecke an die Gemeinde zahle. Weil nun aber Ortsrichter Röder nichts dergleichen täte, beschwerte sich Christian Mohn auch über den Syndicus, daß dieser „alles vor sich thäte und niemanden aus der Gemeinde... zu Rathe zöge.“ Auch jetzt kam das Gericht aber zu dem Schluß, daß Mohn an diesem Schaden selbst Schuld trüge. „Wir haben uns zwar besondere Mühe gegeben, die Gemüther zu besänftigen und zu vereinigen, welches aber bey geäußerter großer Erbitterungen vergebens und unmöglich gewesen,“ heißt es weiter. Nicht zuletzt habe sich ihrerseits auch die Gemeinde Seilitz über den Aufseher des Erdenwerkes, Ehrenfried Größel, wegen des durch den ausgegrabenen Schutt überschütteten Dorfweges beschwert (10079, Loc. 13999/20, Rückseite Blatt 9f). Bei Gericht sah man es als hilfreich an, wenn die Porzellankommission selbst einschreite, um „die Gemeinde zur Ruhe zu bringen (...) und zugleich mit ihren falsch befundenen Beschwerden abgewiesen werde.“ Wieder wurde in Dresden eine Verhandlung anberaumt. Am 14. September 1771 wurde darüber protokolliert und namens des Fürsten durch die Landesregierung nach Schieritz mitgeteilt, was man in Ansehung der „zu Unserer Porcellain Manufactur abgefahrenen weißen Erde geforderter Entschädigung“ seitens der Landesregierung entschieden habe (10079, Loc. 13999/20, Schreiben ohne Blattnummerierung). Die Verhandlung führte Kammerkommissar Ernst Gottlob Schaden. Dabei fällt uns auf, daß als ,Syndicus' hier nun Andreas Eulitz benannt ist ‒ man scheint sich wohl innerhalb des Ortes auf einen neuen Gemeindevertreter geeinigt zu haben. Schlußendlich wurde dann aber nur bestätigt, daß sich alle Parteien an die schon am 13. Februar 1768 getroffenen Festlegungen zu halten haben.
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Zum nächsten Streitfall kam es wenig später im Jahr 1777, als sich der frühere Ortsrichter, Bauer Gottlieb Röder aus Seilitz über Ehrenfried Größel, Aufseher über die Weiße Erde bei der Porzellanmanufaktur Meißen, wegen der verweigerten Vergütung für die durch das Graben nach weißer Erde bei seinem Nachbarn Daniel Schelle an seinem eigenen Grundstück entstandenen Schäden beschwerte (10057, Nr. 2700). Einem Schreiben der kurfürstlichen Kammer namens Friedrich August an das Amt Meißen vom 2. Oktober 1777 ist hierzu zu entnehmen, daß sich Gottlieb Röder am 22. September des Jahres an dieselbe gewandt habe, weil schon seit drei Jahren bei seinem Nachbarn, Daniel Schelle, vom Erdenwerk gegraben werde und dabei seinem Grundstück so nahe gekommen worden ist, daß „seine Haus Ecke gesunken, auch ein Stück Erdreich samt darauf gestandenen Bäumen gar untergegangen und ihm dadurch beträchtlicher Schaden zugetragen“ worden sei. Als Geschädigter bat er nun um Vergütung und „um Überlaßung der Fuhren“. Man forderte darüber zunächst genaue Erkundigung und gehorsamsten Bericht (10057, Nr. 2700, Blatt 1f). Am 20. Oktober 1777 nahm man beim Kreisamt Meißen dazu zu Protokoll, daß der Kreisamtmann mit dem Commissarius der Porzellanmanufaktur, Bergrat Sürner (Name schwer leserlich) communicirt und letzterer berichtet habe, daß die Manufaktur „niemals mit den Grundbesitzern der weißen Erde zu Seilitz einige Contracte errichtet“ und von Seiten der Manufaktur auch keine Vergütung gegeben worden sei, vielmehr hielte man sich allein an den „Entrepennieur“ Größel, welcher die weiße Erde geschlämmt überliefern müsse und der allein erhielte sowohl für die Erde, als auch für deren Anfuhr eine Bezahlung aus der Manufakturkasse. Da machte man es sich aber auch sehr einfach... Deswegen aber müsse sich Röder auch allein mit Größel ins Vernehmen setzen (10057, Nr. 2700, Rückseite Blatt 4f). Auf den hier folgenden Aktenblättern ist ferner auch zu finden, daß schon 1774 die Manufaktur einen Maurer mit der Instandsetzung des Pferdestalls bei Röder beauftragt und diesem dafür eine Entschädigung von 14 Thalern, 1 Groschen gezahlt hatte. Ein Extrakt aus dem Contract der Manufaktur mit Ehrenfried Größel von 1767 besagt denn auch, daß dieser für den Zentner Erde – geschlämmt oder roh – jeweils nur 6 Groschen Fuhrlohn an Peter Schmidt oder dessen Nachfahren zahlen durfte. Außerdem war Peter Schmidt für „tüchtige Reparirung des Fahrweges“ zuständig (10057, Nr. 2700, Rückseite Blatt 7). Schließlich findet man hier noch einen Auszug aus der Sitzungsregistratur der Porzellan- Kommission vom 20. März 1767, worin es heißt, daß „die Unterthanen in Seyliz, so von den Erd Fuhren Antheil haben wollen,“ zu bescheiden seien, daß – sofern denn das „Materiale“ auf ihrem Grund gegraben werde – ihnen auch die Fuhren gelassen werden sollten. Der Fuhrlohn war demnach zu dieser Zeit tatsächlich die einzige Entschädigung an die Grundbesitzer für den Abbau der Porzellanerde auf deren Grund und Boden ! Am 8. November 1777 nahm der Schreiber des Kreisamtes zu Protokoll, daß der Kreisamtmann mit Major von Schleinitz, Gerichtsherr über Seilitz, kommuniziert und anschließend im Beisein Röder’s, wie dessen Nachbarn Schelle und des Aufsehers Größel das in Rede stehende Gelände in Röder’s Garten höchstselbst in Augenschein genommen habe (10057, Nr. 2700, Rückseite Blatt 8). Darüber erging am 12. November 1777 Bericht an die Landesregierung (10057, Nr. 2700, Blatt 10ff): Nach ausführlicher Erkundigung sei zu konstatieren, daß das Erdenwerk mit dem Abbau die Flurgrenze zum Röder’schen Grundstück wahrscheinlich überfahren habe, woraufhin nach Röder’s Angabe auf 7 Ellen Länge aus dessen Garten ein Stück Erde nebst Obstbäumen niedergegangen sei. Letzteres könne der Amtmann freilich „bey dem dort sehr coupirten Terrain nur insofern verificiren,“ als daß tatsächlich eine „kleine Delle“ zu sehen war, von der er aber nicht sicher sagen könne, ob diese nicht auch schon vorher bestanden habe. Aufseher Größel stritt den Überbau zwar ab, teilte im übrigen aber auch mit, daß er Herrn Röder schon eine Vergütung für den entstandenen Schaden angeboten habe, was wiederum dieser in seiner Beschwerde aber nicht erwähnt hatte. Außerdem bestätigte Größel noch einmal, daß er keinen Abbauzins, sondern ausschließlich den Fuhrlohn an die Grundeigentümer auszuzahlen berechtigt sei, was aber auch schon viele 1.000 Thaler ( !! ) nach Seilitz gebracht habe und womit die Grundbesitzer „von je her gar wohl zufrieden gewesen.“ Auch Röder habe er – für geschätzte 100 Zentner Erde, die wohlmöglich doch unter dessen Garten gefördert worden sind – den Transport nach Meißen und dafür einen Fuhrlohn von 6 Thalern angeboten. Dem ist auch zu entnehmen, daß sich die vom Abbau betroffenen Flächen inzwischen bedeutend über Peter Schmidt's Grund hinaus ausgedehnt hatten und daß anscheinend jeder der betroffenen Bauern auch den Transport nach Meißen übernahm.
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Außerdem gab Aufseher Größel an, daß
das Erdelager in diesem Bereich in 21 Ellen Tiefe lag und 7 Ellen mächtig war.
Wegen „der drückenden oberen Erde“ könne er das Lager aber nicht höher
als mannshoch abbauen, und nur, wenn er höher hinaus noch gute Erde finde, ließ
er noch einmal über die alten Baue hinweg fahren – was aber an besagter Stelle
nicht der Fall gewesen sei.
Auf diesen Bericht hin beschied die Kammer am 21. November 1777 dem Kreisamtmann, er möge „ein gütliches Abkommen“ zwischen den Comparenten zu treffen suchen und darüber wieder Bericht erstatten (10057, Nr. 2700, Blatt 14). Am 22. Dezember 1777 berichtete der Kreisamtmann dann nach Dresden, er habe zwecks Erzielung eines Vergleichs einen weiteren Termin anberaumt. Über diesen wiederum berichtete er am 20. Januar 1778 nach Dresden, daß Größel sein Angebot erhöht und Röder 25 Thaler geboten habe, unter der Voraussetzung, daß er auch die Abfuhr der 100 Zentner nach Meißen übernehme. Das nahm Röder auch an. Außerdem übernahm Größel die gerichtlichen Kosten in Höhe von 6 Thalern, 14 Groschen zu zwei Dritteln. Das verbleibende Drittel zu zahlen, scheint Herr Größel aber hartnäckig vergessen zu haben und so endet dieser Akteninhalt mit einer Zahlungsaufforderung über diese Summe vom 28. Mai 1784... (10057, Nr. 2700, Blatt 15f)
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Von derselben Art ist auch ein Fall aus dem Jahr 1782, als
sich Christian Mohn aus Seilitz
über Anna
Rosina Schelle, Daniel Schelle und wieder Herrn Ehrenfried Größel,
Inspektor der dortigen Erdfabrik, wegen der beim Abbau von Weißer Erde für die
Porzellanmanufaktur Meißen in Schelle's Garten mitgeförderten Weißen Erde
aus dem Garten des Klägers beklagte (10057, Nr. 2701 und 10079, Loc. 14019/02). Na, so geht´s aber auch nicht... Auch wenn das Kaolin damals
oft noch fast unter dem Rasen gefunden worden ist, hätte man doch einen gewissen Sicherheitsabstand
zur Grundstücksgrenze einhalten müssen. Das wäre unter Bergaufsicht nicht
passiert.
Über die diesen Streit auslösenden „Injurien“ geben die Akten nähere Auskunft: Demnach nämlich habe sich Christian Mohn schon im Jahr 1781 an das Schieritz'er Gericht gewandt, weil sein Nachbar Daniel Schelle „schon seit Jahr und Tag für die Churfürstl. Erd- Fabrique“ in seinem Gutsgarten weiße Erde ausgrabe und derselben käuflich überlasse (10079, Loc. 14019/02, Blatt 1ff, Abschrift in 10057, Nr. 2701, Blatt 2ff). Das wäre in der ganzen noch folgenden Geschichte nun allerdings der einzige aktenkundige Fall, daß der Landwirt selbst nach dem Kaolin gegraben hätte. Nun also klagte Herr Mohn zum einen auf den finanziellen Verlust durch den Raubbau, zum anderen auf Schadenersatz für die abzusehenden Oberflächenschäden. Seitens des Gerichts zu Schieritz berichtete D. Carl Sigismund Beuchel am 9. Juli 1781 ausführlich nach Dresden, daß man Johann Martin Dolch und Johann Christoph Roserig vom Schieritz’er Gericht sowie den herrschaftlichen Revierjäger Johann Heinrich Großöhnig nach Seilitz beordert habe, um die Sache zu untersuchen. Dabei war zu konstatieren, daß von Schelle's Grund aus unter der Erde nicht nur in Mohn’s Garten eingeschlagen, sondern auch zwei Abbaustrecken von einmal 5, einmal 2 Ellen Breite auf jeweils 12 Ellen Länge unter der Flurgrenze hindurch getrieben und dort auch Porzellanerde unter Mohn’s Grund abgebaut worden ist. Gewöhnlich gebe übrigens eine Quadratelle 5 Zentner der weißen Erde, die zu den schon bekannten 6 Groschen pro Zentner bezahlt werde. Etwas weiter im Text heißt es dann ‒ abweichend zur oben betonten Formulierung eingangs dieses Berichtes, „wieviel schlüßlich der Mohnen verursachte Schade und entzogener Gewinst betrage, wäre ihnen, denen Gerichten, nicht bekannt und vermöchten sie nicht zu taxiren. Wie nun Mitbeklagter (Herr Schelle), da nicht er, sondern der Aufseher Grösel die Ausgrabung der weißen Erde besorgt, und er überhaupt mehr nicht, als 6 Groschen Fuhrlohn von jedem Centner nach Meißen zu fahrender und bereits ausgeschlemmter Erde zu genüßen, davon auch noch darzu 6 Pfennige von jedem Centner in die Gemeinde Seiliz abzugeben hätte, sich in diese Differenz zu mengen, nicht schuldig erachten wollen, hingegen der Aufseher Grösel vielmehr (zu) überklagen“ sei (10079, Loc. 14019/02, Rückseite Blatt 4f). Noch an anderer Stelle liest man ausdrücklich, daß es um die von „seinen, Grösels, Arbeitsleuten ausgegrabene weiße Erde“ gegangen ist (10079, Loc. 14019/02, Rückseite Blatt 10). Nein ‒ der Abbau des Kaolins in Seilitz erfolgte im 18. und in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts allein und ausschließlich durch das Weißerdenwerk auf Rechnung der Manufaktur und nie durch die Grundbesitzer. Schon Aufseher Größel meinte, auch, weil ihm seine „der Churf. Durch. geleistete Pflicht, höchst derselben Porcellain- Manufactur zu Meißen Bestes allenthalben zu suchen,“ gar nichts anderes gestatte, man solle sich nicht „in ganz unnöthige processualische Weitläufigkeit stürzen,“ was nur „Streitsucht“ unter den Einwohnern und „die unangenehmsten, schädlichen Folgen verhänge und jeden Einwohner zu Seiliz dahin bringe, daß er dem Aufsuchen und Ausgraben des unter seinem Grund und Boden befindlichen Mineralis, der zum Umtriebe der gedachten Churfürstlichen Manufactur nöthigen weißen Erde, alle ersinnliche Hindernisse in den Weg legte...“ ‒ das mußte selbstverständlich vermieden werden. Deswegen schob er nun auch die Schuld an dem Überbau mit wenig freundlichen Worten seinen Arbeitern zu: Er selbst habe natürlich immer gesucht, lediglich unter Schelle's Grund zu bleiben, „auch seinen Arbeitern ernstlich anbefohlen, Mohnen nicht zu nahe zu kommen... Allein, wer könnte von unwissenden Handlangern, die in der Grube arbeiteten, erwarten, daß sie unter der Erde die Grenzen der über ihnen liegenden Grundstücke so genau beobachten könnten.“ Nun, wenigstens der Aufseher über den Grubenbau hätte auch einer bergmännischen Ausbildung bedurft, um Grubenriß und Tageriß nachzubringen und seinen Bergarbeitern klare Angaben machen zu können. Aber die Bergakademie zu Freiberg wurde ja auch erst 1765 und die Bergschule ebendort erst im Jahr 1777 gegründet. Solcherlei Vorfälle haben sicherlich aber auch dazu beigetragen, in den Behörden die Einsicht in die Notwendigkeit einer fachmännischen Leitung eines Bergbaubetriebes ‒ und sei er noch so klein ‒ nahezubringen. Nach Größel's Berechnung seien unter dem Mohn'schen Grundstück jedenfalls nicht mehr als 60 Kubik- Ellen Erde ausgefördert worden, die auch noch in Seilitz lagerten und nach dem Schlämmen wohl 60 Zentner gute Erde gäben. Er bot dem Kläger daher an, diese zum gesetzten Fuhrlohn von 6 Groschen den Zentner nach Meißen zu transportieren. Mehr könne er nicht anbieten. Das wären, nebenbei bemerkt, also 360 Groschen oder nach damaligen Münzfuß 15 Thaler, allerdings für Herrn Mohn ja auch noch mit Arbeit verbunden, gewesen. Damit allein erklärte sich Christian Mohn daher auch noch nicht zufriedengestellt. Ganz sicherlich nur vorsorglich wies ihn das Gericht deshalb auch darauf hin, „daß aber gar Mohn des eigenen Verkaufs der Erde sich anmaßen wollte, wäre ein unbesonnenes Anziehen. Die weiße Erde wäre ein Regale und gehörte dem Landesherren, keinesweges aber Mohnen, der, wenn er solche Erde ausführen wollte, nach dem Generali de Anno 1745, §4, seinen Hals risquiren könnte.“ Wir erinnern uns... Weil bis dahin wohl immer noch nichts geschehen ist, hat sich am 4. März 1782 auch Christian Mohn mit den Worten: „Ich bin überzeugt, daß Eu. Churfrstl. Durchlaucht höchste Willensmeynung niemals ist, daß höchst dero landesherrliches Interesse nur mit dem geringsten Schaden eines Unterthanen befördert werden soll... ich nun aber... in der unterthänigsten Zuversicht lebe, daß Eu. Churfrstl. Durchlaucht mich hierinne nach höchst dero weltbekannter Gnade in gnädigsten Schutz nehmen werden“, erneut nach Dresden gewandt (10057, Nr. 2701, Blatt 29ff). Seitens des Kreisamtes fragte man daraufhin unter dem 10. Juni 1782 noch einmal in Schieritz nach, und forderte zur Sache und „ob überhaupt eine gewiße Einrichtung in Ansehung des Grabens der weißen Erde, und in welchem Maße gemacht worden ? neuen gehorsamsten Bericht.“ (10057, Nr. 2701, Blatt 1). Nun ja, die Frage scheint berechtigt, kommt aber für das Erdenwerk in Seilitz inzwischen fast zwanzig Jahre zu spät... Außerdem: Hätte man eine ,gewisse Einrichtung', vielleicht in Anlehnung an den Erz- und Kohlebergbau, nicht längst höheren Ortes selbst schaffen können ? Was man dazu an dieser Stelle in den Akten findet, ist ein weiterer Extrakt aus dem Vertrag zwischen der Manufaktur und Aufseher Ehrenfried Größel vom 9. März 1767 (10057, Nr. 2701, Blatt 32f). Paragraph 10 dieses Contracts besagte: „Da nichts gewißes zu bestimmen, wieviel rohe Erde die Manufacturo täglich zum Schlämmen nöthig hat; so hat Entrepreneur beständig auf hinlängliche Vorräthe zu halten, damit, wenn nach Beschaffenheit der Erde 30, auch wohl mehrere Centner täglich abzuliefern für nöthig erachtet würde, er mit der Zufuhr und seiner Lieferung sogleich unausbleiblich an der Hand wäre...“ Paragraph 11 bestimmte den schon mehrfach genannten Fuhrlohn von 6 Groschen pro Zentner und in Paragraph 18 schließlich ist noch formuliert, es „Wird ihm der benöthigte Schutz zu allen obigen Verrichtungen versprochen; dargegen er sich gegen jedermann gebührlich zu verhalten und alle Gelegenheit zu Zänkereien mit den Seilitzer Bauern durchaus zu vermeiden hat.“ Der ,Unternehmer' Größel war also für alles selbst verantwortlich und die Porzellan- Kommission hielt sich weitestgehend heraus, sofern nur die Lieferungen kontinuierlich kamen...
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Zur Frage nach den besonderen ,Einrichtungen'
beim Erdenbau erstattete ein Herr nunc. jurat. Bormann am 6. Juli 1782
aus Meißen folgenden Bericht an die Landesregierung (10057,
Nr. 2701, Blatt 39f): „Zu
unterthänigster Folge habe höchstdenselben ich gehorsamst zu berichten, daß zwar
eine besondere und eigene Einrichtung in Ansehung des Grabens der weißen Erde
von Seiten hiesiger Porcellain Manufactur nicht existirt, es hat aber diese
letztere, so wie sich im Jahr 1764 der weiße Thon in Seilitz und deßen
Brauchbarkeit zu hiesigem Werk gefunden, den noch jetzt daselbst befindlichen
Aufseher Größel dahin gesetzt, mit selbigem, als einem Entrepreneur, im Jahr
1767 einen Contract... errichtet, und durch diesen Größel ist das nach sothanem
Contract von der Manufactur Commission autorisirte, von der Gemeinde Seiliz
(...) auch anerkannte Regulatio getroffen worden, daß derjenige Einwohner
daselbst, in deßen Grund und Boden Größel die weiße Erde findet und gräbt, davon
Transportirung nach Meißen überlaßen bekommt und dafür 6 Groschen Fuhrlohn
ausbezahlt erhält, welches alles aber ohne weiteres Zuthun der Manufactur
Commission geschieht, als welche niemahlen mit denen Grundbesitzern der weißen
Erde zu Seilitz einige Contracte errichtet hat, sondern sich lediglich an
besagten ihren Entrepreneur hält, der die weiße Erde geschlämmt anhero liefern
muß, und für das Graben und Schlämmen der Erde sowohl als für die Fuhren seine
contractmäßige Bezahlung aus hiesiger Manufactur Casse bekommt.
Es ist daher, wenn sich zu Zeiten wegen des Ausgrabens dieser weißen Erde Irrungen hervorgethan, wie aus denen hier beygelegten Acten, den Bauer Röder zu Seilitz betreffend, zu ersehen gewesen, (...) ein Umstand, der lediglich mit Größeln auszumachen ist...“ Hiernach war Ehrenfried Größel also tatsächlich auch von Anfang an in Seilitz dabei und erst drei Jahre später wurde er durch den Vertrag mit der Manufaktur zum quasi selbständigen Bergbau- Unternehmer. Unter Bezug auf die seit 1745 erlassenen Mandate wider die Ausfuhr der Porzellanerde meinte der Verfasser weiter, daß die Gewinnung der weißen Erde „allerdings unter die Regalia zu gehören scheint und wenigstens seit der Errichtung hiesiger Porcellain Manufactur unter specielle höchste Aufsicht genommen worden“ ist. Über den ersten Punkt stritten sich die Geister bekanntlich auch zu späterer Zeit noch ‒ der zweite dagegen ist unbestritten und das war auch hier in Seilitz nicht anders der Fall, auch wenn man sich dazu mit dem ,Entrepeneur‘ eines Helfers bediente. Beim Kreisamt in Dresden wurde schließlich für den 2. November 1782 ein Verhandlungstermin angesetzt, zu welchem Christian Mohn nebst Rechtsbeistand Advokat Christian Friedrich Kretzschmar, sowie Johann Daniel Schelle als nunmehriger Besitzer des 2¼- Hufengutes in Seilitz in Vertretung der eigentlichen Erbin, seiner Ehefrau Anna Rosine Schelle, geb. Junghanns, und schließlich Ehrenfried Größel vorgeladen wurden und vor den Herren Hofrat von Eberstein und Hofrat Koch auch persönlich erschienen sind. Zu Protokoll wurde genommen, daß Christian Mohn inzwischen statt der vereinbarten 60 Zentner Erde sogar deren 80 zum üblichen Lohn von 6 Groschen pro Zentner nach Meißen gefahren habe. Derselbe erklärte daraufhin, daß ihn schließlich Herr Größel eigentlich sogar 100 Zentner abfahren lassen wollte, oder aber ihm zusätzlich 20 Thaler bares Geld als Entschädigung für alle seine Ansprüche in Betreff auf den Erdenabbau unter seinem Grund und Boden angeboten habe. Letzteres bestätigte Größel und erklärte sich bereit, die 20 Thaler in vier Raten auch zu bezahlen (10079, Loc. 14019/02, erstes Aktenblatt ohne Nummerierung). Die Entscheidung wurde auch von der fürstlichen Kammer am 23. November 1782 bestätigt und nicht zuletzt festgelegt, daß die Gerichtskosten zu je einem Drittel den beteiligten Parteien aufzuerlegen sind (10079, Loc. 14019/02, Blatt 29ff, Abschrift in 10057, Nr. 2071, Blatt 41).
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Zum Kaolinbergbau in Sachsen im 19. Jahrhundert
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Schon am 30. Januar 1816 war eine
Verordnung aus Dresden an das Oberbergamt ergangen, daß die damalige „fast gänzliche Erschöpfung
des Porzellanerdenlagers bei Weißer St. Andreas zu Aue... die Aufsuchung
anderer dergleichen Lagerstätten in dem Granitgebirge des obern Erzgebirges und
des Voigtlandes dringend nothwendig (macht).“ (40001, Nr. 2970, Blatt 196f)
Obzwar der Betrieb in Aue noch bis 1855 fortschritt, zeichnete sich nun also doch ab, was
mehr als 60 Jahre zuvor Bergmeister Enderlein
Die Bergämter sollten daher angewiesen werden, Nachrichten über Anbrüche zu sammeln und „wo es sich ohne bedeutende Kosten tun lasse, durch kleine Schürfe... zu prüfen und die Ergebnisse dem mit der Inspektion der Manufaktur beauftragten Ober Steuer Einnehmer und Bergrath von Oppel bekannt zu machen.“ Die Untersuchungen sollten aus der Zehntenkasse bezahlt werden und bei Erfolg sollte Bergrat von Oppel dann die bauwürdigsten Lagerstätten muten. Anderen Personen blieb die Gewinnung von weißer Erde dagegen auch weiterhin verboten. In Freiberg stellte man daraufhin eine Übersicht bisher bekannt gewordener Vorkommen von Porzellanerde (oder was man seinerzeit dafür hielt) zusammen (40001, Nr. 2970, Blatt 198ff). Wir finden darin alle Orte bzw. Gruben wieder, die oben im Text bereits genannt worden sind.
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Diese Übersicht hat Obereinfahrer Carl
Amandus Kühn bis zum 28. März 1816 überarbeitet, ergänzt und nach den
Bergamtsrevieren geordnet (40001, Nr. 2970, Blatt 203ff). Wir finden jedoch auch
in dieser Auflistung noch keine
einzige Grube im Löthain- Mehren- Seilitz'er Gebiet, obwohl uns die ab 1780
entstandenen Meilenblätter von Sachsen doch zuverlässig verraten, daß es dort ,Tongräbereien'
zu dieser Zeit
schon längst gegeben hat. Warum in dieser Auflistung diese, doch
wenigstens schon
Übrigens war um 1840 ein Heinrich Gottfried Kühn in der Administration der Königlichen Porzellanmanufaktur tätig (s. u. a. 40024-12, Nr. 393). Ob die beiden in einer verwandtschaftlicher Beziehung standen, haben wir aber noch nicht herausgefunden.
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Auf ein Gesuch eines Steingutfabrikanten namens Eugenius Leyhe in Pirna hin, die von ihm gefertigte Keramik als ,Porzellan' bezeichnen zu dürfen, forderte das Königl. Finanzministerium am 20. Juni 1836 das Oberbergamt zu „weiterer Erörterung über den Umfang des Porzellan Erden Regals und insonderheit darüber, auf was für ein selbständiges Vorkommen der Weißen Erde selbiges ohne alle Extension der bisher beobachteten Grenzen der Bergregalität überhaupt, zu beziehen sei...“ (40001, Nr. 2971, Blatt 18) Mehr als 100 Jahre nach dem Auffinden der Porzellanerde wußte man wohl höheren Ortes nicht mehr so richtig, was man dazu eigentlich schon alles beschieden hatte. Jedenfalls erstatte Johann Carl Freiesleben am 12. Juli 1836 zu den von der vorgesetzten Dienststelle gestellten Fragen ausführlichen Berichtsvortrag (40001, Nr. 2971, Blatt 19ff). Unter dem Punkt I. heißt es darin: „Zuvörderst kömmt es wohl noch in Frage, ob Porcellan Erde ein Gegenstand des Bergregals ist? Bey dem Mangel an festen gesetzlichen Bestimmungen über die Gegenstände des Bergregals waltet hierüber mehrfache Ungewißheit ob, daher auch die sächs. Bergrechtslehrer (z. B. Köhler) diesen Gegenstand eben so mit Stillschweigen übergehen, wie die preußischen Gesetze. So viel ist factisch, daß seit Erfindung des Porcellans die Porcellan Erde ein Reservatum principis worden, inwiefern dies aber vom Bergregal verschieden ist, darüber dürften nähere Erörterungen hier zu weit führen. Die mineralogische und chemische Bestimmung der Porcellan Erde gehört bekanntlich erst der neueren Zeit an. Früher und namentlich in den ersten Jahren nach Erfindung des Porcellans nannte man das zur Bereitung des Porcellans erforderliche Foßil ,Weiße Erde', ,Weiße Eschel' auch weißes Steinmark und im Curialstyl ,das zur Porcellan Manufactur erforderliche Weiße Erden Material'. Erst sehr spät kömmt in höchsten Befehlen der Ausdruck Porcellanerde vor. Die rücksichtlich der Weißen Erde getroffenen Prohibitiv Maasregeln der älteren Gesetze beziehen sich im Wesentlichen darauf, daß solche a.) von Privatpersonen nicht aufgesucht und gegraben, b.) zum Privatgebrauch oder überhaupt zu anderem Behuf, als für die Meißner Fabrik, nicht verwendet, c.) von Privatpersonen nicht gemuthet, d.) von den Bergämtern niemandem wie andere regale Fossilien verliehen, besonders aber e.) daß sie nicht ausgeführt und f.) daß da, wo sie nebenbey bey Zwittern oder Eisensteinen sich fand, nur auf letztere bergmännisch verliehen und gebaut, die weiße Erde aber nicht berührt werden durfte, sondern verstürzt werden mußte. Diese Prohibitiv Maasregeln wurden allerdings auch, aus mineralogischer Unkenntnis, auf mancherley zur Porcellanfabrikation nicht brauchbare weiße Erde (namentlich Thonerden und Steinmark) angewendet, und erledigten sich wieder, wenn die Manufactur die Unbrauchbarkeit solcher Erden consistirt hatte. Wenn nun auch in einzelnen Fällen bereits gesetzlich entschieden wurde, daß sie auf Thon und Gipserde nicht angewendet werden sollten, so dürfte doch nach dem jetzigen Stande der Wissenschaft nicht leicht eine Bestimmung des Fossils zu treffen seyn, auf welches sie sich eigentlich beschränken sollen. Wir kennen zwar das Mineral, was unter dem Nahmen Kaolin oder Porcellanerde in den älteren mineralogischen Systemen (von Werner u. a.) aufgeführt wurde, allein in den neueren mineralogischen Systemen (von Mohs, Breithaupt, Naumann u. a.) findet es als selbständiges Mineral keine Stelle mehr; und nimmt man jene ältere Bestimmung an, so verläuft sich die Porcellanerde in aufgelösten und frischen Feldspath, der bekanntlich kein Gegenstand des Bergregals ist. Nimmt man andererseits nach den bewährtesten Bergrechtslehrern als Kriterium der Bergregalität für ein Fossil nach sächsischer Verfassung an, 1.) daß es auf besonderen Lagerstätten, namentlich auf streichenden Gängen, nicht aber auf blosen Steinlagen, als Geschiebe oder Lesesteine, vorkommen, und 2.) daß es ein Gegenstand bergmännischer Gewinnung seyn müße, nicht aber blos auf den Feldern oder sonst gesammelt werde, so würde sich auch hiernach die Porcellanerde zu einem Gegenstand des Bergregals im Allgemeinen kaum eignen, da ihre Vorkommniße eben so mannichfach und eben so wenig an besondere Lager gebunden sind, wie die des Feldspaths.“ Herr Freiesleben sprach hier also bereits 1836 der Porzellanerde die Regalität ab. Da sie kein ,metallisches Mineral' war, fiel sie auch nach den Regelungen des 1851 in Kraft getreten Gesetzes über den Regalbergbau in Sachsen aus dem Kreis der dem staatlichen Vorbehalt unterliegenden Rohstoffe heraus. Lesen wir aber noch weiter. Unter II. heißt es: „Sollen daher die bisher beobachteten Gränzen der Bergregalität nicht extendirt werden, so dürfte das Porcellanerden Regal, falls ein solches überhaupt statuirt wird, nur zu beziehen seyn a.) auf die eigentliche Porcellan Erde, nicht aber auf Porcellanspath und Feldspath (...), so nahe sie auch mit letzterem in chemischer und mineralogischer Hinsicht verwandt ist, auch mehrorts in ihn übergeht, indem mehrere höchste Rescripte die Nicht Regalität des feldspaths ausdrücklich ausgesprochen haben, obschon auch rücksichtlich des Feldspaths ein Ausfuhrverbot besteht, b.) auf diejenige Porcellan Erde, welche auf eigentlichen Gängen, Lagern, Flötzen und Stöcken, oder als lager- und stockförmige Ausscheidungen vorkömmt; ohne Zweifel würde dann aber auch die Seylitzer u. m. a. Porcellanerden zum Bergregal gehören, welche doch bisher meines Wissens weder gemuthet noch bergmännisch verliehen worden sind. Übrigens ist mir nicht bekannt, daß die Bergregalität der Porcellanerde bisher irgendwo gesetzlich und ausdrücklich ausgesprochen oder die Porcellanerde zu den Bergregalien gerechnet worden wäre. Noch weniger glaube ich, daß durch die sub I. gedachten Prohibitiv Maasregeln deren Regalität begründet wird; denn Ausfuhrverbote fanden auch in Rücksicht des Feldspaths statt und wurden durch das nehmliche höchste Rescript ertheilt, das den Feldspath für Privateigenthum erklärte. Überdies zeigt die Geschichte des ehemaligen Schwarzenberger Fossilienwerks, daß mehrere Erdarten und Mineralien in feste Hand genommen wurden, die kein Gegenstand der Bergregalität waren. Auch die besonders in früherer Zeit, und wenigstens bis zum Jahr 1824, ganz anomale Verfassung der sogenannten Weißenerdenzeche zu Aue enthält wohl keinen Beweis für die Bergregalität der Porcellanerde. Endlich dürfte auch daraus, daß mehrmals Gewerk- und Eigenlöhnerschaften bergläufig gemutete Gruben auf Weiße Erde bauten, kein Schluß auf die Regalität der Porcellan Erde zu machen seyn, indem dasselbe Verhältnis auch bey mehrern anderen Gruben statt fand, die auf Thon, Walkerde, Schmirgel, Feldspath und andere zu den Bergregalien nicht gehörigen Fossilien bauten, wovon aus dem Magazin für Oryktographie vielfache Beyspiele entnommen werden könnten. III. Ein Fabrikant, der aus Feldspath porcellainartige Fabrikate bereitet, könnte, nach meinem ohnmaasgeblichen Erachten, sich theils rücksichtlich des verarbeiteten Materials, theils rücksichtlich seines Fabrikats, Missbräuche zu Schulden kommen laßen. Da die Vorschläge zu deren Verhütung (...) ohne Zweifel von Seiten der Meißner Porcellanfabrik erfolgt seyn werden, so erlaube ich mir nur (...) bemerklich zu machen, daß wohl hauptsächlich die Anwendung der Porcellanerde bey solcher Fabrication zu verhüten gesucht werden müßte; es wäre daher der Fabrikant wohl verbindlich zu machen, daß er auf geeignete Weise diesfalsiges Angelöbnis ablegte; auch dürfte durch die Localbehörden zweckmäßige Aufsicht und Controlle geführt werden können, daß er sein Angelöbnis nicht verletzte; selbst Prämien könnten auf Anzeigen von Contraventionsfällen gesetzt werden. Seitens der Bergbehörden würde allerdings nur rücksichtlich der unter ihnen stehenden Porcellanerdegruben darüber inrigirt werden können, daß die bereits bestehenden Ausfuhrverbote der Weißen Erde in Obacht genommen würden.
Freyberg, den 12. July 1836
Dem Bericht schließt sich noch ein mehrseitiges Aktenrepertorium an. Das Oberbergamt reichte ihn am 20. Juli 1836 nach Dresden weiter (40001, Nr. 2971, Blatt 30ff).
Ein ähnlicher Fall
wiederholte sich übrigens noch im gleichen Jahr nur kurz darauf, als der Eigenlehner August
Friedrich Liebegott Scherfig in seinem auf Brauneisenstein geteuften
Schurfschacht südlich von Raschau, nahe bei der auflässigen
Am 17. November 1836 beschied man aber zuvor unter Bezug auf das Gesuch des Herrn Leyhe aus Dresden nach Freiberg, daß man nach Abstimmung mit dem Ministerium des Innern unter Auflagen genehmige, daß er seine Produkte als Porzellan bezeichnen dürfe (40001, Nr. 2971, Blatt 51). Außerdem heißt es in diesem Schreiben: „Übrigens hat es (...) bei der Bergregalität der Porzellanerde und dem Vorrechte der Meißener Manufactur daran bis auf etwaige andere Anordnung insoweit sein Bewenden, als das genannte Material auf besonders gemutheten und verliehenen und somit auch der Specialaufsicht der Bergbehörde unterworfenen Grubenfeldern für sich oder mit anderen Fossilien vorkommt.“ Aha. Dem entnehmen wir, daß alle Lagerstätten, die nicht bergüblich gemutet worden sind ‒ weil der Grundeigentümer selbst oder ein Käufer, wie etwa die Manufaktur, nach privatrechtlicher Vereinigung mit dem Grundbesitzer den Abbau betrieben haben ‒ der Bergaufsicht auch schon im 18. Jahrhundert gar nicht unterlegen haben. Das dürfte ‒ abgesehen von der staatlich verordneten Geheimhaltung des ,Arkanums' der Herstellung des Porzellans, das längst keines mehr war ‒ auch ein Grund dafür sein, daß wir über das Auffinden der Porzellanerde bei Seilitz zunächst nur Angaben in Sekundärquellen gefunden haben...
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Die Diskussion um die bergrechtliche Stellung
der Porzellanerde kam im Zuge der Erarbeitung des Gesetzes über den
Regalbergbau in Sachsen, das 1851 in Kraft getreten ist, nochmals auf. Nach
einer Abschrift aus ‒ an dieser Stelle leider nicht näher bezeichneten, anderen
Akten, so daß wir nicht nach den Originalen forschen können ‒ die ihrerseits in
einer Akte des Unternehmensarchivs der Staatlichen Porzellanmanufaktur Meißen
GmbH zu finden war (Altes Archiv, Bestand
IIIA, Nr. 70),
meinte seinerzeit ein Bergrat Bauer dazu, „daß dieses Fossil keinen Anspruch
habe, als Gegenstand des Bergregals bezeichnet zu werden.“ Hierzu gehört, gab die Administration der Meißen'er
Manufaktur die Stellungnahme ab,
„a) daß durch Ausweisung der Porzellanerde aus dem Bergregal gewisse Porzellanerden der Verfügung der Manufaktur entzogen werden, ist zwar möglich, aber nicht nachtheilig, weil schon bisher das Vorrecht der Manufaktur nur einzelne Sorten betraf (...) und weil gegentheils die Freigebung erst recht zur Auffindung neuer Lager führen wird. b) daß durch die Freigebung unsere Concurrenten gewinnen, ist nicht zu fürchten, weil es ohnehin Porzellanerden genug giebt; allenfalls möge man der Manufaktur ein Vorkaufsrecht geben.“ Daraufhin hat das Königliche Finanzministerium am 21. Mai 1847 auch vorgeschlagen, ein Vorkaufsrecht in den §2 dieses Gesetzes aufzunehmen, wozu sich auch das Ministerium der Justiz bereit erklärte. Allerdings sprach sich dann das Ministerium des Innern dagegen aus, „da man im Interesse einer fiskalischen Fabrik nicht die Entwickelung eines Industriezweiges im Lande niederhalten könne, an dessen Wichtigkeit nicht zu zweifeln sei, wenn man die Menge des eingeführt werdenden ausländischen Porzellans erwäge...“ So kam es, daß am 21. Januar 1848 dieser §2b wieder aus dem Entwurf dieses Berggesetzes gestrichen worden ist, so daß die Porzellanerden in Sachsen niemals ‒ weder dem Bergregal, noch einem Vorrecht der Meißen'er Manufaktur ‒ unterlegen haben. In der Folge siedelten sich ab der Mitte des 19. Jahrhunderts auch in Meißen zahlreiche neue Unternehmen an, die sich den Ruf der Seilitz'er Erde als Ausgangsstoff für das berühmte Porzellan der Königlich- Sächsischen Manufaktur zu nutze machen wollten. Aber kehren wir zunächst zum Beginn der Gewinnung dieses Rohstoffs in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts zurück...
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Zum
staatlichen Kaolin-
Bergbau in Seilitz im 19. Jahrhundert
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Da sie noch nicht über einen Grundzins selbst am Abbau
der Porzellanerde beteiligt waren und für den Wertverlust ihrer
Grundstücke entschädigt worden sind, verdienten sich die Bauern somit zumindest mit den Fuhrleistungen für
die Manufaktur ein ‒ sicher recht angenehmes ‒ Zubrot hinzu. Über
den Umfang der Transporte und die Beteiligten gibt
uns auch das
folgende ,Abrechnungsbüchel' aus der Zeit von 1798 bis 1847 Auskunft, und
außerdem natürlich über die aus Seilitz zur Manufaktur angelieferten
Mengen (Altes Archiv, Bestand IIIA, Nr. 84). Leider gibt es
nichts Vergleichbares aus den vorangegangenen Jahren ab 1764 und bis 1798.
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Wie hier zu lesen ist, erhielt
Gutsbesitzer Röder in Seilitz für den Transport nach Meißen pro
Zentner trockener Erde auch jetzt noch denselben Fuhrlohn von 6 Groschen.
Im Jahre 1798 waren es hiernach nur zwei Fuhren, im folgenden Jahr 1799 waren es
bedeutend mehr, bei denen er jedesmal
zwischen 16½ und 39 Zentnern in je 5 bis 6 Fässern geladen hatte, was am
Ende des Jahres zusammengenommen 570¼ Zentner ausmachte. Wenn wir richtig
rechnen, ergab sich für ihn daraus ein Nebenverdienst von 142 Thalern, 13
Groschen und 6 Pfennigen. Das reichte für einiges an Heu und Hafer und
wenn auf dem Feld gerade nichts anderes zu tun war, war man sinnvoll beschäftigt.
Wenn man bedenkt, daß dies bereits geschlämmte Erde gewesen ist, so muß man davon ausgehen, daß die Bergleute in Seilitz wenigstens die vierfache Menge an ,roher Erde' aushauen mußten; aus diesem Überschlag ergäben sich folglich rund 114 t Rohkaolin im Jahr 1799. Ab 1805 erhielt Herr Röder übrigens 9 Groschen pro Zentner für die Lieferung der Erde von Seilitz nach Meißen. Aus dem Jahr 1829 stammt dann ein Vermerk, daß von diesem Jahre an die feingeschlämmte Porzellanerde „durch königl. Geschirre zur Manufactur gefahren“ worden ist. Auch dann hatten die Bauern aber noch ihren Nutzen dabei, denn wieder einige Jahre später findet sich neben den Abrechnungen die Anmerkung: „Die mit rot angestrichenen Lieferungen wurden mit Vorspann eines Pferdes v. d. Richter Schmidt in Seilitz ‒ gegen 4 Gr. Entschädigung an ihn ‒ den Seilitzer Berg hinausgerückt.“ Dieser Weg aus dem Tal hinauf auf die Hochfläche war zwar nicht lang, aber tatsächlich ziemlich steil und wenn man 30 Zentner Erde in Fässern (also zirka anderthalb Tonnen zuzüglich des Gewichtes der Fässer) auf das Fuhrwerk geladen hat, muß sich ein „1- PS- Motor“ schon ganz schön anstrengen... Nebenbei erfährt man hier auch noch, daß Herr Schmidt nunmehr Ortsrichter gewesen ist.
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Weiteren ,Monatsberichten' aus
dem Zeitraum von 1814 bis 1830 kann man entnehmen, daß die Manufaktur 1814
nicht nur in Mehren, sondern inzwischen auch in Thronitz, Mohlis und
Löthain Tongruben bergmännisch betrieben hat (Altes Archiv, Bestand
IIIA, Nr. 34).
In einer Anzeige vom Mai 1818 findet sich hier auch die Bemerkung, daß man
in Mohlis schon seit 1771 Ton gewonnen habe.
In einer der ersten dieser ,Anzeigen über die Ereignisse bey den sämmtlichen Thongruben' in dieser Akte vom November 1814 berichtete Carl Friedrich Größel, daß die Grube in Löthain still gelegen hat, während aus den anderen drei Tongruben zusammengenommen 1.259 „Cubic Ellen á 7 Ctr.“ Ton ausgebracht worden sind, das wären überschlägig etwa 63 t. „Bey dem Seylitzer Weißerdenwerk“ hingegen sind „von 1ten May bis 13ten December 142 Fuhren roher Erde á 30 Ctr. und daraus 600 Ctr. gewonnen“ worden. Rechnen wir wieder schnell nach, dann kommen wir auf eine Jahresförderung von etwa 213 t. Im Dezember 1814, heißt es dann in der folgenden Anzeige, ist „das Hinausfördern das fortgesetzte Geschäft gewesen...“ und der Schacht „mit 22 Ellen Tiefe, welcher 8 Jahr gangbar gewesen, verspricht noch immer gegen 2 Jahr Ausbeute.“ Aus der ,Gehorsamsten Anzeige über nachbenanndte Materialwerke auf den Monat Januar 1815' erfahren wir dann, daß in Seilitz „bis Ende d. M. theils mit Erdausförderung und theils die im vorigen Jahre ausgebaute Höhlung mit ausgeschlämmten Sande ausgefüllt worden“ ist und, daß nun „vom Anfang Februar bloß Christian Zschäpern als activer Arbeiter stehen (bleibt), dagegen die anderen 3 Mann, als Finke, Löhnig, Fichtner erst im März, wenn es die Witterung verstattet, wieder in solche gesetzt und die gewöhnlichen Arbeiten wieder verrichtet werden.“ Der Abbau in Seilitz erfolgte also offenkundig nur saisonweise, denn im Winter wird wohl die Schlämmerei eingefroren sein. Auch in einer Anzeige vom 28. Februar 1815, ,unter welchen Umständen die Seylitzer Erde feiner als zeither geschlämmt werden' könne, schrieb C. F. Größel, daß es im Jahr nur „8 schlämmbare Monate“ gab. Die Schlämmabfälle aber gleich wieder als Versatz nach untertage zu schaffen, war eine schlaue Idee, denn dies sparte Grundzins für die sonst durch Haldensturz in Anspruch zu nehmenden Flächen. Den Ton mußte man hingegen nicht ausschlämmen, deshalb wurde in Mehren und in Thronitz auch im Januar 1815 weiter gefördert.
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Über den Betrieb im September 1815
berichtete Herr Größel, daß man 16 Fuder geschlämmt habe, „auch
hat sich auf gegenwärtigem Grubenbau die Aussicht der guten Erde auf
mehrere Jahre erweitert. Nämlich das Stockwerk, worinne die seit 1798
gewonnene Erde bestanden, ist so weit sich der Vogt'sche Garten von Osten
nach Westen erstreckt, meistens abgebaut; außer an der Grenze am Zaune, wo
noch an selbiger von Süden nach Norden eine Wand steht, welche für diesen
Herbst noch eine überflüßige Quantität derselben liefern wird... so wie
sich auch noch im Vogt'schen Garten über dem westnördlichen bereits im
tieffsten abgebauten, dem Schacht zu nächstgelegenen Stück, noch gute Erde
befindet.“ Allerdings müsse man hier erst das Tiefste in 24 Ellen
Teufe vollends abbauen und wieder ausfüllen, bevor man „durch höhere
Verlegung des Baues“ eine freilich „noch unzubestimmende Menge
Erde“ erwarten könne. Die bauten also das Kaolinlager zu dieser Zeit
nicht nur von den äußeren Feldgrenzen rückschreitend, sondern ‒ wo es
dessen Mächtigkeit hergab ‒ auch von
unten nach oben ab. Außerdem erfährt man hier, daß die weiße Erde ,am
südlichen Scheungiebel' von Voigt's Gut zu Tage gelegen habe (Altes Archiv, Bestand
IIIA, Nr. 34).
Auch die Namen und die Aufgaben der in Seilitz angelegten Arbeiter sind in dieser Anzeige wieder aufgeführt, es waren damals:
Im Vorjahr waren außerdem noch die Namen Christian Zschäper und Fichtner genannt, aber einen davon habe er, Größel, „wegen schlechter Aufführung“ entlassen, weswegen die Stelle des zweiten Bergmanns unbesetzt war. Aus dem Monatsbericht vom Mai 1816 erfährt man, daß in diesem Monat in Seilitz „vom 1ten bis 23ten rohe Erde aus der Grube zu Tage gefördert und dann die geschlämmte Erdelieferung nach Meißen bis zu Ende d. M. mit befördert worden, wo zugleich der seit 10 Jahren gangbare Schacht zusammengestürzt.“ Schöner Mist, dabei hatte man doch erst kurz vorher den Verzug des Bolzenschrotausbaus erneuert. Im November 1816 wurde aber ein neuer Schacht abgesenkt und bis Ende Dezember wieder auf 24 Ellen (knapp 13 m) Teufe niedergebracht. Für den Ausbau benötigte man übrigens „13 Stämme Holz und 3 Schock Schwarten.“ Außerdem haben die Tongrubenarbeiter im Oktober 1816 Bohrarbeiten in Ober- und Niederjahna ausgeführt. Ab April 1817 hat man dann in Kaschka und in Oberjahna zwei neue Schächte geteuft. Der in Kaschka wurde freilich nur bis Januar 1819 betrieben, „weil das kleine Stockwerk, so weit es erreichbar war, abgebaut ist.“ Der Tonabbau in Kaschka erfolgte auf bergmännische Weise, denn auf der dazu überlieferten Skizze ist links ein Haspelschacht verzeichnet, von dem eine ,südöstliche Hauptstrecke' und von dieser nach Süden Abbauörter streifenweise ausgehen. Vom 26. Oktober 1818 stammt auch ein
Ton- Abbauvertrag auf dem Herrn Johann Gottlieb Findeisen gehörigen
2½ Hufengut in Mehren (Altes Archiv, Bestand
IIIA, Nr. 74),
in dem der Grundbesitzer der Manufaktur das alleinige Abbaurecht auf
seinen Fluren gegen einen Grundzins und Fuhrlohn, aber ohne anderweite
Entschädigung, in Höhe von 2 Groschen, 3 Pfennigen pro Zentner zur
Manufaktur angefahrenen Tones einräumte. Dieser Zins war aber nur für ein
Jahr festgelegt, danach konnte er neu verhandelt werden (§3). Außerdem ist
im §4 vereinbart, daß man jährlich 2.000 Zentner abnehmen wolle und
geschehe dies nicht mehr, erlösche der Vertrag. Seitens der Administration
der Manufaktur wurde der Vertrag von Inspektor Heinrich Gottlieb Kühn
(*1788, †1870, ab 1814 in der Manufaktur und ab 1849 bis zu seinem Tod
Direktor)
und Oberfaktor Christian Gotthilf Martini unterzeichnet und am 1.
November 1818 von Karl Wilhelm von Oppel als damaliger Direktor der
Manufaktur genehmigt. Auf diesen Flächen baute man auch
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In Seilitz hingegen fanden 1818 die
oben schon erwähnten Bohrversuche statt, 1819 eine angeordnete
Hausreparatur und Anfang 1820 ist der Brunnen für die Wasserversorgung der
Schlämmerei vertieft worden. Ansonsten verarbeitete man in dieser Zeit
noch schon zuvor ausgebrachte und aufgehaldete Vorräte in
der Schlämmerei. Auch im Mai 1820 ist „zu Seylitz
weiter nichts geschehen, als daß die alten eingesunkenen Baue im
Voigt'schen Garten ausgefüllt und eingeebnet“ worden sind ‒ eine
Bemerkung, die noch einmal ein Licht auf die Frage wirft, ob dort denn nun Herr Voigt
selbst oder doch die Manufaktur das Kaolin gefördert hat; denn wenn es der
Bauer selbst getan hätte, hätte er auf seinem Grund auch selber für die
Wiederherstellung der Oberfläche sorgen müssen.
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Die ersten Abrechnungen des Fuhrlohnes in oben erwähntem Abrechnungsbüchel quittierte übrigens noch Herr Christian Friedrich Carstens (* vermutl. 1764, †1802, seit 1789 als Laborant in der Manufaktur angestellt), später die Herren Carl Ludwig Locke (*1743, †1820, seit 1757 in der Manufaktur, 1797 zum Arkanist bestellt) und Gottfried Leberecht Holtzwig (*1757, †1839, seit 1798 in der Manufaktur, ab 1802 Arkanist), gelegentlich auch einmal der spätere Betriebsinspektor Gustav Ludwig Crasso selbst (*1810, †1898, seit 1837 in der Manufaktur, seit 1854 Betriebsinspektor), ab 1821 dann von Carl Friedrich Selbmann (*1793, †1866, Arkanist an der Manufaktur von 1821 bis 1855). Im Jahr 1821 hatte Herr Röder allerdings nur eine Fuhre von 13½ Zentnern in drei Fässern zu fahren, der „Rest der ordinair oder halb geschlämmten (also halb rohen) Seilitzer Erde vom Gutsbesitzer Voigt in Seilitz,“ hat Herr Selbmann hier notiert (Altes Archiv, Bestand IIIA, Nr. 84). Auf Carl Friedrich Größel
folgte in der Funktion des Aufsehers über die Erdenwerke ab 1823 Friedrich
August Köttig (*1794, †1864, seit 1816 Arkanist). In der Ausgabe des ,Staatshandbuchs
für Sachsen' von 1857 ist er zusammen mit Bergrat Heinrich Gottlieb
Kühn (*1788, †1870, seit 1849 Direktor) als Betriebsinspektor der Administration der Porzellanmanufaktur
aufgeführt. Wir vermuten, daß Richard Friedrich
Köttig, welcher 1851 noch Bergassessor im Plauenschen Grund bei
Dresden gewesen ist und dann zum ersten Kohlenwerksinspektor in Sachsen
ernannt wurde, einer seiner Söhne gewesen ist. In Oberschlema wirkte zur
gleichen Zeit übrigens ein Otto Friedrich Köttig als Blaufarbenwerks-
Chemiker (Staatshandbuch für Sachsen, 1857). Richard Friedrich Köttig
begegnen wir
Herr Friedrich August Köttig jedenfalls führte in den folgenden Jahren die Monatsberichte des Weißerdenwerkes in Seilitz fort und zeichnete nicht selten auch die verwogenen Erdemengen und die Fuhrlohnberechnungen ab. Sein erster Monatsbericht datiert auf den Januar 1823 (Altes Archiv, Bestand IIIA, Nr. 34) und berichtet, daß von den der Manufaktur gehörigen Erdenwerken „der Erdenbau zu Seilitz und der Thonbau zu Mähren die einzigen gangbaren“ gewesen sind, „Bey ersterem wurde die Grubenarbeit mit vier Mann unausgesetzt schwunghaft betrieben und daselbst mit der Gewinnung der nur südwestlich von dem zur Zeit gangbaren Schachte noch anstehenden brauchbaren Erde fortgefahren. Das Quantum der in den ersten 25 Arbeitstagen des Januars geförderten rohen Erde beträgt ohngefähr 1.800 Centner...“ Im folgenden Monat hat man noch einmal dieselbe Menge gefördert, woraufhin Herr Köttig dann aber der Lokaladministration der Manufaktur anzeigte, daß nun „die Grenze des Voigt'schen Gartengrundstücks und der an letzterer, zwischen dem Voigtschen und Wolfschen Baumgarten in das Dorf gehende Fahrweg... an diesem Punkte und in der angegebenen Richtung (nicht gestatten), noch weiter abzubauen.“ Von dem gewonnenen Vorrat aber, von dem nunmehr wieder 5.600 Zentner aufgehaldet waren, meinte Herr Köttig, könne „die Schlämmerei zwey Jahre hinreichend beschäftigt“ und damit über diese Zeit „der Bedarf vollkommen gesichert werden.“ Wo man dann einen neuen Bau anlegen werde, müsse noch untersucht werden.
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Untersuchungen nahm man im Oktober
des folgenden Jahres 1824 auch auf und brachte Bohrungen an verschiedenen
Punkten nieder, unter anderem „in dem... Jahn'schen, jetzt
Naumann'schen Garten,“ wo man die weiße Erde „4 bis 5 Ellen tief
und bey einer Mächtigkeit von 6 Ellen (...) vom Dache bis zur Sohle von
gleich bleibender Beschaffenheit, besonders sehr weiß, trocken und nicht
weniger aufgelöst, als die zeither gewonnene“ vorfand (Altes Archiv, Bestand
IIIA, Nr. 34).
Anfang des Jahres 1825 wurde dann ebendort „zu Anlegung eines neuen Erdenbaus (...) zu Seilitz geschritten und mit dem Absinken des dazu nötigen Schachtes der Anfang gemacht“ und der Schacht im Januar 10 Ellen tief bis zum Dach des Erdenlagers, im Februar um weitere 6 Ellen abgeteuft. „Unter dieser Teufe zeigte sich die Erde mit einem Mal gefärbt und mit vielen gelben eisenschüssigen Klüften durchzogen.“ Mit Versuchsörtern in alle vier Himmelsrichtungen fand man die Sohle der brauchbaren Erdschicht nach Norden, Osten und Westen ansteigend, nur in südliche Richtung „ist eine Veränderung der Erde in Ansehung ihrer Weiße und Reinheit nicht wahrgenommen worden.“ Im März wurde dieses Ort auf 21 Ellen vom Schacht ausgelängt, wo man wieder auf das Auskeilen des Kaolinlagers kam. Bei diesen Betrieben förderte man zugleich eine Menge von 18 Fuder oder 540 Zentnern roher Erde aus. Das Fuder Porzellanerde wurde folglich in Seilitz zu 30 Zentnern oder (den metrischen Zentner vorausgesetzt) zu 1,5 t gerechnet (Altes Archiv, Bestand IIIA, Nr. 34). Im Juli 1825 wurde „zu Anlegung eines zweiten Erdenbaues und zwar im Wolf'schen Garten, welcher an den Voigt'schen Garten, worinnen die letzten Erdenbaue mit dem besten Erfolg verführt wurden, angrenzt, geschritten.“ Man hatte nämlich gemerkt, daß sich „die Naumannische von der Voigt'schen Erde“ dahingehend unterschied, daß die eine „mehre Geneigtheit zum Reißen der davon gefertigten Geschirre beym Trocknen oder auch schon beym Formen“ zeigte. Wo der hier wieder bemerkte Wolff'sche und der vormals Jahn'sche, jetzt Naumann'sche Garten innerhalb der Flur Seilitz lagen, verriet uns bereits der ältere Riß oben: Es war der Zentralteil des noch heute bestehenden Bergwerkseigentums der Manufaktur. Unter dem August 1825 ist dann in den Monatsberichten vermerkt, daß man von der Naumann'schen Erde schon 4 Fuder an die Manufaktur abgeliefert habe, „auch hat Wolf in diesem Monat das erste Mal von seiner Erde 6 Fuder á 30 Ctr. zur hiesigen Schlämmerey angefahren.“ Herr Wolf hat wieder den Transport übernommen ‒ jedoch haben die Grundbesitzer die Förderung auf keinen Fall selbst besorgt, vielmehr hatte die Manufaktur auf beiden Bauen je 2 Mann angelegt (Altes Archiv, Bestand IIIA, Nr. 34). Für den Abbau auf dem Carl Gottlob Wolf gehörigen Grund und Boden hat die Administration am 1. November 1825 (durch Karl Wilhelm von Oppel am 13. Januar 1826 genehmigt) mit demselben einen neuen Vertrag geschlossen (Altes Archiv, Bestand IIIA, Nr. 74). Im §2 dieses Vertrages kann man lesen, daß mit dem Grundbesitzer auch vereinbart war, daß dieser „die zum Grubenbau erforderlichen Holz und andere Materialien... jederzeit unentgeldlich von der Elbniederlage in Zehren mit seinem Geschirre“ nach Seilitz bringe und im §3, daß er „auf gleiche Weise die gewonnene Erde, so wie der Betrieb der zu Seilitz befindlichen Erdschlämmerei es erfordert, auf den bei selbiger vorhandenen Sturzplatz zu transportieren.“ Auch den Transport der ausgeschlämmten Sande zurück zu den Schächten, um ,die abgebauten Räume' damit wieder auszufüllen, hatte Herr Wolf zu übernehmen (§5). Im Gegenzug verpflichtete sich die Manufaktur nun zur Zahlung eines Grundzinses in Höhe von 2 Thalern ,in preuß. Courrant' (also in Reichsthalern und nicht in sächsischen Münzen) pro Fuder á 30 Zentner angefahrener Erde. Darüber hinaus war vereinbart (§8), daß pro Jahr wenigstens 20 Fuder abgebaut werden sollten, was Herrn Wolf dann folglich mindestens 40 Thaler Grundzins eingebracht hätte. Sollte diese Menge einmal nicht erreicht werden ‒ und das kam ja öfter vor, schon deshalb, weil die Schlämmerei so viel mehr gar nicht verarbeiten konnte ‒ dann könne Herr Wolf eine ,jährliche Feldentschädigung' von 10 Thalern fordern. Die bekam er also in jedem Fall, auch wenn gar kein Abbau umging, für die Flächeninanspruchnahme durch Schachtanlagen und Bruchfelder über den Abbauen. Die Vereinbarung eines Grundzinses für die in Anspruch genommenen Flächen stellte gegenüber dem früheren Vorgehen des staatlichen Betriebes in dieser Hinsicht für die Grundeigentümer einen Fortschritt dar. Damit wurde eine gewisse Beteiligung am Gewinn aus dem Erdenabbau ‒ wie dies im Erzbergbau, etwa über Freikuxe für den Landbesitzer, auf dessen Grund der Bergbau umging, längst üblich war ‒ auch hier eingerichtet. Die Verträge sind seitens der Administration der Manufaktur außer von Bergkommissionsrat und Porzellaninspektor Heinrich Gottfried Kühn von Friedrich August Köttig unterzeichnet. Auf der Abschrift dieses Vertrages
ist ganz unten von Karl Friedrich Selbmann am 27. Mai 1839 noch
vermerkt, daß man einen ,genau übereinstimmenden Contract' auch mit
dem Gutsbesitzer Christian Gottlob Naumann abgeschlossen habe, und
daß dieser Vertrag auch auf seine Erben, wie gegenwärtig Gutsbesitzer
Carl Gottfried Beulich in Seilitz, übertragen worden sei. Mit dem
letzteren gab es dann aber im Jahr
Aus der tabellarischen Übersicht auf dieses Jahr erfährt man, daß im Jahr 1825 insgesamt wieder 4.530 Zentner (zirka 227 t) gefördert wurden, wovon in diesem Jahr 1.510 Zentner in der Schlämmerei aufbereitet worden sind (Altes Archiv, Bestand IIIA, Nr. 34). Da der übertage gelagerte Vorrat bei den Tongruben in Mehren und Mohlis eine Menge von 10.000 Zentnern überschritten hatte, verfügte die Administration, den Abbau auf diesen Gruben solange ruhen zu lassen, bis der Vorrat um drei Viertel geschrumpft sei. Die Gruben in Kaschka und Tronitz wurden dagegen 1926 ganz eingestellt und die dort noch lagernden Tonvorräte, weil sie „sehr unrein und für die Manufactur nicht vortheilhaft zu benutzen“ waren, „den Grundbesitzern gegen Erstattung der Gewinnungskosten... zur Ausfüllung und Einebnung der durch den früheren Thonbau entstandenen Vertiefungen überlaßen.“
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An den Lieferungen aus Seilitz im Jahr 1826
ist dann vermerkt, daß im ersten Quartal in Summe 119¼ Zentner der „letzten
Voigt'scher Erde“ angeliefert worden sind. Ab April und bis Ende 1826
wurden in Summe dann noch einmal 426½ Zentner, aber nun „an neuer, in den
Naumann'schen & Wolf'schen Gärten zu Seilitz gewonnener Erde“ nach
Meißen geliefert (Altes Archiv, Bestand
IIIA, Nr. 84).
Im Monatsbericht vom Februar 1827 ist vermerkt, daß „bei dem Ende dieses Monats eingetretenen Thauwetter der Wolf'sche Erdbau unter Waßer gesetzt und dadurch sämtliche Strecken sowie auch, jedoch nur bis zu einer geringen Höhe, der Schacht verschlämmt wurde. Das Eindringen der Waßer in diesen Grubenbau fand hauptsächlich auf einem Tagebruche statt, welcher kurz vorher durch das Zusammenstürzen des abgebauten Raumes auf der südwestlichen Nebenstrecke entstanden war. Da der Schacht hierbei nicht gelitten hat und der die Strecken anfüllende Schlamm in der Zeit, als hier, wegen des bedeutenden Vorraths an gewonnener roher Erde, nichts gegraben zu werden braucht, so viel Consistenz und Festigkeit erlangen wird, daß er steht, so dürfte dieser Vorfall auch künftig auf den Betrieb dieses Erdbaus keinen nachtheiligen Einfluß haben.“ Im März 1827 stellte man auch die Grubenarbeit auf dem anderen ,Erdenbau' auf Naumann's Grund ein und befaßte sich über die Sommermonate erst einmal wieder mit dem Schlämmen des Erdenvorrats (Altes Archiv, Bestand IIIA, Nr. 34). Die Grubenrisse, die im Archiv der Manufaktur zu den zu dieser Zeit verführten Bauen noch erhalten geblieben sind, wurden noch von Friedrich August Köttig gezeichnet (Altes Archiv, Bestand IIIA, Nr. 76, Blatt KA235, daraus die Einzelblätter 1 bis 3). Wie man auf diesen neuen Rissen leicht erkennt, sind von den 1825 abgesunkenen und 16 bzw. 25 Ellen (zirka 8,5 m bzw. 13,3 m) tiefen Förderschächtchen ausgehend zunächst Ausrichtungsstrecken bis an die Grenzen der bauwürdigen Weißen Erde getrieben worden. Die dünnen Linien dort bezeichnen dann die Grenze zu „unreiner gelber Erde“ oder „unreiner steiniger Erde“ ‒ das besonders gut brauchbare, reinweiße Material bildete offenbar nur relativ kleine Linsen, deren laterale Ausdehnung anhand der ebenso in den Rissen verzeichneten Streckenlängen um 30 Ellen (zirka 16 m) Radius kaum überschritten hat. So erklären sich auch die auf dem älteren Riß oben in großer Zahl nebeneinander vermerkten Haspelschächtchen im Voigt'schen Garten aus der Zeit zwischen 1798 und 1817. Eine systematische Ausrichtung war das freilich nicht, vielmehr derselbe ,Raubbau', den die Berginspektoren späterer Zeit auch bei den Tongruben im südlichen Teil des Reviers oft bemängelt haben. Die Aufsicht über die Erdenwerke wurde aufgrund eines ,allerhöchsten Befehles vom 7. März 1827' vom April dieses Jahres dann an Carl Friedrich Selbmann übertragen.
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![]() Grundriß des Erdenbaus im Wolff'schen Garten zu Seilitz mit Schluß des Jahres 1826. Quelle: Unternehmensarchiv der Staatlichen Porzellanmanufaktur Meißen, Altes Archiv, Bestand IIIA (Betrieb der Manufaktur), Nr. 76, Blatt KA235-2, Gesamtansicht, Norden ist rechts unten angegeben.
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![]() Grundriß des Erdenbaus im Naumann'schen, vormals Jahn'schen Garten zu Seilitz mit Schluß des Monats Februar 1827, noch von Köttig gezeichnet. Quelle: Unternehmensarchiv der Staatlichen Porzellanmanufaktur Meißen, Altes Archiv, Bestand IIIA (Betrieb der Manufaktur), Nr. 76, Blatt KA235-3, Gesamtansicht, Norden ist halbrechts unten.
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![]() Dieser Riß trägt zwar denselben Titel, wie der vorangegangene, jedoch darunter eine Berechnung vom März 1828. Außerdem sind weitere Grubenbaue westlich des Förderschachtes nachgetragen worden. Quelle: Unternehmensarchiv der Staatlichen Porzellanmanufaktur Meißen, Altes Archiv, Bestand IIIA (Betrieb der Manufaktur), Nr. 76, Blatt KA235-1, Gesamtansicht, Norden ist halbrechts unten.
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![]() Eine etwas besser erhaltene Kopie dieses Risses, jedoch ohne die auf dem anderen Exemplar aufgeführte Berechnung, war auch im Betriebsjournal des Jahres 1829 zu finden. Quelle: Unternehmensarchiv der Staatlichen Porzellanmanufaktur Meißen, Altes Archiv, Bestand IIIA (Betrieb der Manufaktur), Nr. 34, die Blätter der Akte sind nicht nummeriert.
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Auf dem Grundriß der Erdenbaue auf dem
nunmehr Naumann'schen Grund und Boden aus dem Jahr 1828 links ist
ein „Ueberschlag der in dieser Grube im Monat März 1828 noch
anstehenden und zu gewinnenden schlämmwürdigen rohen Erde“ vorgenommen
worden, demzufolge der Verfasser damals auf eine Gesamtmenge von 15.540
Zentnern gekommen ist. Das war aber das ,rohe Material', weswegen
darunter noch ergänzt wurde: „Diese rohe Erde giebt aber circa 3.500
Ctr. feine Erde, wenn nun der jährl. Bedarf an solcher circa 400 Ctr.
beträgt, wozu dieser Naumann'sche Erdenbau die Hälfte liefert, so ergiebt
sich auch hier eine Ausdauer von circa 18 Jahren.“ ‒ Den Erdenbau im
Wolff'schen Garten gab es ja zeitgleich auch noch und bis 1858 kam
auch noch Weiße Erde aus Aue... Das angegebene Ausbringen sagt ferner aus,
daß nur etwa 22% des ausgebrachten Kaolins nach dem Schlämmen
übriggeblieben sind.
Den Abbau auf dem Naumann'schen Grundstück nahm man schon Ende des Jahres 1827 wieder auf, mußte zunächst aber erst einmal den stockig gewordenen Schachtausbau erneuern (Altes Archiv, Bestand IIIA, Nr. 34). Andererseits gaben „die vor 10 Monaten in den Strecken- Weitungen des angefangenen Abbaues gesetzten Spreizen durch ihre Lockerheit die Gewißheit, daß dermalen ein nachtheiliger Gebirgsdruck hier nicht vorhanden sey“ ‒ eine Besonderheit bei den Kaolingruben gegenüber den Tongruben, die auch noch von den Autoren der Bergschadenkundlichen Analyse von 1975 hervorgehoben worden ist. Nebenbei erfährt man hier, daß der Förderschacht I nur noch als Haspelschacht verwendet wurde, während die Fahrung in den 11 Ellen südlicher geteuften Versuchs- und Wetterschacht II verlegt worden ist. Herr Selbmann hat also ‒ sicher auch ausgelöst durch den Wassereinbruch im Vorjahr ‒ 1828 einen zweiten Tageschacht anlegen und mit dem Grubenbau durchschlägig machen lassen. Bei diesem Betrieb wurden 975 Zentner roher Erde ausgebracht, gleichzeitig aber 1.320 Zentner in der Schlämmerei verarbeitet, so daß der in Seilitz noch lagernde Vorrat auf 4.811 Zentner schrumpfte. Die Lieferung an die Manufaktur umfaßte in diesem Jahr 377 Zentner geschlämmte und getrocknete Porzellanerde. Der Bau auf dem Wolf'schen Grund blieb das ganze Jahr 1828 unbelegt. Die tabellarische Übersicht für das Jahr 1828 sagt ferner aus, daß der Betrieb auf den Tongruben in Mehren und Mohlis weiter ruhte, man von dort aber jeweils rund 1.200 Zentner aus dem Vorrat nach Meißen geschafft hat. Neu ist die Tabellenspalte, in der ausgewiesen ist, daß im gleichen Jahr auch noch 1.265 Zentner ,Löthainer Thon' nach Meißen geliefert worden ist. Beispielhaft soll hier auch aus der
,Jahres- Berechnung des Kosten- Aufwandes bey dem Erdenbau und der
Schlämmerei in Seyliltz' aus diesem Jahr angeführt werden, das der
Zentner der geschlämmten Erde die Manufaktur im Jahresdurchschnitt 1
Thaler, 4 Groschen und knapp 10 Pfennige zu stehen kam, während für den
Zentner der weißen Erde aus
Die Gewinnungskosten in Seilitz über das ganze Jahr 1828 addierten sich übrigens auf 452 Thaler, 11 Groschen, 6 Pfennige und setzten sich folgendermaßen zusammen:
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Auf gleiche Weise schritt der Betrieb
in Seilitz auch in den nächsten Jahren fort. Im Winter 1829 arbeitete man
untertage und brachte binnen zwei Monaten 920 Zentner Rohmaterial aus. Bei
wärmerem Wetter ab
April verschlämmte man dann die rohe Erde, worauf man insgesamt 421 Zentner der
geschlämmten Erde an die Manufaktur liefern konnte. Ferner wurden auch aus
den Vorräten in Mehren und Mohlis zusammengenommen wieder 4.285 Zentner
‒ also die zehnfache Menge ‒ nach Meißen geliefert. In der Übersicht des Jahres 1829 wird außerdem ,Taubenheimer
Thon' mit allerdings nur 429 Zentnern Gesamtlieferung aufgeführt,
während die Menge des offenbar aus einer der Löthain'er Tongruben
zusätzlich angekauften Tons erneut 1.431 Zentner umfaßte (Altes Archiv, Bestand IIIA, Nr. 34).
Bei den Tongruben in Mehren und Mohlis wurden 1830 erneut einige Bohrungen vorgenommen und anschließend kleine Schächte geteuft. Die Lageskizze Selbmann's zum Abbau in Mohlis zeigt das schon bekannte Verfahren mit einer Hauptstrecke und von dieser ausgehend streifenweise nebeneinander liegenden Abbauörtern. Ganz anders muß man sich wohl den damaligen Tonabbau in Mehren vorstellen. Wie uns die betreffende Zeichnung aus dem Jahr 1830 im Betriebsjournal zur Lage der dort niedergebrachten Bohrlöcher und der eröffneten neuen Tonschächte von C. F. Selbmann zeigt, teufte man hier ‒ ganz ähnlich wie auch 70 Jahre später in Schletta noch ‒ eher kleine Tagebaue ab, die man abwarf und wieder zufüllte, wenn „das kleine Stockwerk, so weit es erreichbar war, abgebaut“ gewesen ist, wie wir das schon weiter oben im Jahr 1819 gelesen haben. |
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![]() Zeichnung zur Ohngefähren Lage der auf dem Findeisen'schen Felde befindlichen alten verlaßnen Thonbaue sowie der im Jahre 1830 niedergestoßnen Bohrlöcher, sammt eröffneter neuer Thon- Schächte im Betriebsjournal der Erdenwerke aus dem Jahr 1830. Was man hier sieht, waren keine Schächte, sondern tatsächlich nur nebeneinander liegende ,Tongruben'. Nach den Lageangaben zu urteilen, haben diese Tongruben ungefähr dort gelegen, wo später J. G. Venus die Augustinenschächte niederbringen ließ. Quelle: Unternehmensarchiv der Staatlichen Porzellanmanufaktur Meißen, Altes Archiv, Bestand IIIA (Betrieb der Manufaktur), Nr. 34, die Blätter der Akte sind nicht nummeriert.
So ähnlich erfolgte noch im Jahr
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Über den Winter 1830 berichtete Herr Selbmann, daß es ein sehr strenger gewesen sei, dessen Kälte von November bis in den März fast unausgesetzt anhielt. Der Grubenarbeiter Finke war deshalb schon ab 1. Dezember 1829 in die Manufaktur versetzt worden, wo er in der Aufbereitung und Massezubereitung eingesetzt war, während Hutmann Löhnig in Seilitz „theils die sämmtliche gute Erde des Schlämmjahres 1828 abputzte und zur Verpackung vorbereitete, theils Trockenhorten ausbesserte, oder mehrere neue dergl. sowie einen neuen Zuschüttekasten mit dazu gehörigen Zwingen anfertigte.“ Ab März wurde wieder in der Grube auf dem Naumann'schen Grundstück gearbeitet, denn die bittere Kälte hatte selbst in der Schlämmerei nicht nur „den Waßerbrunnen, sondern auch die 8 Vorrathskästen gänzlich ausgefroren und den darin befindlichen feinen Erdenschlamm in einen festen Eisblock verwandelt, der erst im May zum völligen Auftauen kam.“ Eine Heizung gab es in der Schlämmerei sicher nicht und es muß in der kalten Jahreszeit eine fürchterliche Arbeit gewesen sein. Am Ende der Monatsberichte des Jahres 1830 vermerkte Herr Köttig noch, daß die beiden Arbeiter „oft kränkelten“ und daß sich Hutmann Löhnig zur Pensionierung gemeldet habe. Für das folgende Jahr empfahl Herr Selbmann, wegen des vermehrten Bedarfs in der Manufaktur nicht nur auch auf dem Wolf'schen Grundstück, wo der Schacht infolge des Wassereinbruchs von 1827 zusammengebrochen war, einen neuen Schacht zu teufen, sondern auch einige Hilfsarbeiter in der Schlämmerei anzulegen (Altes Archiv, Bestand IIIA, Nr. 34). Leider endet der Akteninhalt mit dem Jahr 1830. Wir sind uns nicht ganz sicher, ob
der folgende Gebäudegrundriß (Altes Archiv, Bestand IIIA,
Nr. 78, Blatt 16) dasjenige Gebäude zeigt, das bereits
Zum Betrieb der Schlämmerei in Seilitz fanden wir in einer Aufstellung des Ausbringens aus dem Zeitraum von 1827 bis 1854 noch die Bemerkung, daß „das wirkliche Ausbringen an feingeschlämmter Seilitzer Erde im Jahre 1827 (...) 1.620 Ctr. rohe Erde“ betragen habe, und daß davon „circa 67% rösche Abgänge, circa ⅓ brauchbare Erde“ gewesen sind (Altes Archiv, Bestand IIIA, Nr. 78).
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Zur Schlämmerei sei hier noch angefügt, daß das Gebäude in der Zeichnung oben wahrscheinlich erst um 1827 errichtet worden ist, denn die Gemeinde Seilitz erhielt ab diesem Jahr einen Grundzins für die von derselben, dem Huthaus und dem Sturzplatz eingenommenen Gelände. Der richtete sich damals nach der Fördermenge und lag bei 6 Pfennig pro Zentner, was bei einer durchschnittlichen Förderung von 600 bis 700 Zentnern im Jahr der Gemeinde immerhin reichlich 14 Thaler eingebracht hat. Weil die Aufbereitung nun aber 1858 nach Meißen verlegt wurde, gab es 1859 eine Verhandlung mit Gemeindevorstand Köhler, der für die entgangene Einnahme eine Entschädigung forderte. Aus dem Protokoll dazu erfährt man, daß die Administration der Manufaktur von nun an nur noch eine Pauschale von 16 Neugroschen zahlen wollte, während der Gemeindevorstand eine solche in Höhe von 10 Thalern forderte (Altes Archiv, Bestand IIIA, Nr. 104C, Blatt 9). Man scheint sich auch auf den höheren Betrag geeinigt zu haben, denn aus dem Jahr 1875 gibt es einen neuen Vertrag mit der Gemeinde Seilitz über die Flächeninanspruchnahme des Weißerdenwerkes, in dem man sich nun auf einen Betrag von 30,- Mark pro Jahr (also früher 10 Thaler) verständigt hatte (Altes Archiv, Bestand IIIA, Nr. 104C, Blatt 16). Ab 1895 erhielt die Gemeinde Seilitz dann wieder einen fördermengenabhängigen Zins „zur Seilitzer Wegebaucasse“ von 18 Pfennig pro Fuhre (Altes Archiv, Bestand IIIA, Nr. 39, Blatt 233). Die nicht mehr benötigte Schlämmerei in Seilitz dagegen wurde 1871 abgetragen (Altes Archiv, Bestand IIIA, Nr. 39, Blatt 151). Schauen wir aber auf den nächsten der überlieferten Grundrisse vom Wolff'schen Garten auf dem Stand des Jahres 1831 (Altes Archiv, Bestand IIIA, Nr. 76, Blatt KA235, daraus Einzelblatt 4). Auch dieser Riß ist von Carl Friedrich Selbmann angefertigt und unten rechts unterschrieben worden. Die beiden Schächte, der alte und der neue, sind hierin zu finden. Aus den Anmerkungen auf diesem Blatt kann man schließen, daß der Abbau auf dem Wolf'schen Grundstück in dem gesamten Zeitraum zwischen dem Wassereinbruch 1827 und der Wiederaufnahme 1831 stillstand. Man erkennt am rechten Blattrand westlich der (rot gezeichneten) Strecke No. II vorgerichtete und teils abgebaute Pfeiler, östlich dieser Strecke dagegen einen streifenförmigen Örterbau, wie er auch auf den Tongruben angewandt und 1902 von Bergmeister Seemann beschrieben wurde. Die Abbauführung vom Ausgehenden des Lagers rückschreitend zum Förderschacht hin kann man nur als vorbildlich bezeichnen.
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![]() Grundriß I des in dem Garten des Gutsbesitzers Wolf in Seilitz bey Meißen auf einem stockförmigen Lager von Porzellanerde für Rechnung der Königl. Porzellan Manufactur zu Meißen betrieben werdenden Grubenbaue. Quelle: Unternehmensarchiv der Staatlichen Porzellanmanufaktur Meißen, Altes Archiv, Bestand IIIA (Betrieb der Manufaktur), Nr. 76, Blatt KA235-4, Gesamtansicht, Norden ist rechts unten, hierin: Grundriß mit roter Dinte, die auf demselben Lager im J. 1825-1826 betriebenen, im Jahre 1827 aber ersoffenen und verschlämmten Grubenbaue, mit schwarzer Dinte von dem im May & Juny 1831 eröffneten neuen Bau. Die roten Eintragungen entsprechen weitgehend dem vorhergegangenen Darstellung aus dem Jahr 1826, nur sind die Pfeiler C und D nordwestlich der Feldstrecke nun mit ,abgebaut im Jahr 1836' (bzw. im darauffolgenden Jahr 1837) beschriftet. Am südwestlichsten Pfeiler B ist angemerkt: ,bei der Aufsuchung im Jan. 1836 conglomeratartiges Gemenge und verbrochen und daher nicht abbauwürdig'.
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Am oberen Blattrand hat Herr Selbmann auf dem letzten Riß vermerkt: „Am Fastnachtstage, d. 27. Februar 1838, erfolgte auf dem nordwestlichen Flügel und dessen Abbauen ein plötzlicher, durch Schneeschmelzung bewirkter, großer Bruch, dem zu Folge nicht nur die ganze Grube ersoff und total verschlämmte, sondern auch der Schacht No. II selbst zusammen gegangen (unleserlich). Hiernach gingen die sämmtlichen von 1831 ‒ 1838 erlängten und ausgehauenen Strecken und Abbauräume fig. A, B, C bis mit L, c, d und 1, 2, 3 sammt Zimmerungen und Arbeitsgeräten gänzlich verloren. Für die neueste und dritte Betriebsperiode ist ein neuer Grundriß No. II angefertigt worden.“ Erst 1831 wieder aufgenommen, unterbrach also ein gleichartiger Wassereinbruch wie zuvor den Abbau nur sieben Jahre später erneut... Anscheinend hatte man aber auch diesmal wieder großes Glück, daß niemand zu Schaden gekommen ist, denn über dergleichen Unfälle ist nichts in den überlieferten Akten vermerkt. In Anbetracht solcher Ereignisse, von denen ja auch die geheime Kammer und die dort vertretenen Bergkommissionsräte erfuhren, wird es aber nur allzu verständlich, wenn die Berginspektoren zu späterer Zeit immer wieder auf die Herstellung eines zweiten Tageschachtes als Fluchtweg für die Arbeiter im Gefahrenfall drängten. Den danach angefertigten ,Grundriß No. II' haben wir zwar nicht gefunden, doch aus dem folgenden mit der No. III ist dann zu ersehen, daß man diesmal noch im Jahr 1838 den Schacht No. I gleich wieder gewältigt hat (Altes Archiv, Bestand IIIA, Nr. 76, Blatt KA241, Teilaufnahmen 1 und 2). Auf diesem Riß findet man an einem der 1838 gerade vorgerichteten Abbauörter aber auch die Anmerkung, daß durch den Wassereinbruch der vorliegende und der benachbarte Streifen „hinweggerissen oder mit Lehm vermengt und (dadurch) für die Gewinnung vernichtet“ worden sei.
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![]() Grundriß No. III des in dem Garten des Gutsbesitzers Wolf in Seilitz bei Meißen auf einem stockförmigen Lager von Porzellanerde für Rechnung der Königl. Porzellanmanufactur zu Meißen betriebenen Grubenbaus... gefertigt und nachgebracht von Arc. Selbmann. Quelle: Unternehmensarchiv der Staatlichen Porzellanmanufaktur Meißen, Altes Archiv, Bestand IIIA (Betrieb der Manufaktur), Nr. 76, Blatt KA241, Gesamtansicht aus den zwei Teilaufnahmen montiert, Norden ist rechts unten.
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Auf den ersten Blick ersieht man anhand des obigen Grundrisses No. III, wie unregelmäßig die gesuchte, bauwürdige Weiße Erde innerhalb des Kaolinlagers verteilt war, denn nur in den kolorierten Flächen wurde sie abgebaut, und zwar in den hellgrün kolorierten Flächen zwischen 1838 und 1843, dann vermerkte Herr Selbmann: „Total abgebaut und für immer verlassen den 21. Januar 1843.“ Auch nach Nordosten konnte man nicht mehr weiter, denn an dem Endpunkt des nordöstlichen Flügels der ,Schachtstrecke AA' ist angetragen: „Durchschlag in alte Grubenbaue des Gutsbesitzers Voigt.“ Diese Formulierung scheint noch einmal ein Hinweis darauf zu sein, daß es anfangs tatsächlich auch die Bauern selbst gewesen seien, die auf ihrem Grund und Boden nebengewerblich Tongräbereien anlegten und das ausgebrachte Kaolin dann an die Manufaktur verkauft hätten. Wahrscheinlicher aber ist, daß hiermit nur der Grund und Boden dieses Gutsbesitzers gemeint war, auf dem die Arbeiter der Manufaktur gegraben haben. |
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Spätestens in der ersten Hälfte des
19. Jahrhunderts begann die Administration der Manufaktur, systematisch
auch auf weiteren Flächen die Abbaurechte zu erwerben. In Abschrift ist in
den Berechtigungsakten der Abbauvertrag zwischen der
Localadministration der Königlich Sächsischen Porzellanmanufactur und
dem nunmehrigen Besitzer des früher Wolf'schen 2¾ Hufen- Gutes, Carl Gottfried Beulich zu
Seilitz, über Abbaurechte auf 6 Acker Land vom 11. August 1840 erhalten
geblieben (40024-12, Nr. 393, Blatt 4ff). Die
wesentlichen Vereinbarungen in diesem Vertrag stimmen noch mit dem
früheren aus dem Jahr
Dem neuen Abbauvertrag zufolge erhielt Herr Beulich im Gegenzug für die Abtretung der Gewinnungsrechte auf seinem Grundbesitz im §4 nun einen Grundzins und eine ,Aversionalentschädigung' in Höhe von 2 Thalern pro Fuder von 30 Ctr. Last (unter Zugrundelegung des metrischen Zentners zu 50 kg also 1,5 t) vertraglich zugesichert, wobei ihm gleichzeitig eine Erdabnahme von bis zu 80 Fudern (also 120 t) jährlich zugesichert wurde. Außerdem erhielt Herr Beulich noch eine pauschale Entschädigung in Höhe von 10 Thalern jährlich für den Flächenentzug. Wenn wir richtig rechnen, hatte der Landwirt demnach wenigstens 170 Thaler jährlich als Einkommen aus diesem Vertrag (40024-12, Nr. 393, Blatt 4ff). Allerdings hatte er, wie seine Vorgänger auch, nach §2 des Vertrages im Gegenzug Fuhrleistungen, wie Ausbauholz von der Elbniederlage in Zehren zu holen und Kaolin nach Meißen zu bringen, kostenfrei zu erbringen. Zu diesem Vertrag gab es noch zwei Nachträge. 1857 trat Herr Beulich zunächst noch das Abbaurecht auf weiteren Flächen, die er zugunsten seines Gutes von den Nachbarn Metzelt, Drobisch und Berger erkauft hatte, an die Manufaktur ab (40024-12, Nr. 393, Blatt 7f). Mit einem zweiten Nachtrag aus dem Jahr 1872 zu dem Vertrag von 1840 verzichtete die Manufaktur aber wieder auf einige Teilflächen aus dem Beulich'schen Grundstücken, wofür der Besitzer, inzwischen Carl Julius Beulich, allerdings 180 Thaler an die Manufaktur als Ausgleichszahlung wieder zurückerstatten mußte (40024-12, Nr. 393, Blatt 9ff). Wahrscheinlich aber war es für den Grundbesitzer dennoch das bessere Geschäft, denn das Abbaurecht auf diesen Flächen erwarb anschließend die Carl Krister'sche Kaolingrube. Vom 1. März 1848
stammt ein weiterer Abbauvertrag zwischen der Lokaladministration der
Manufaktur und Carl Gottlieb Voigt in Seilitz (Altes Archiv, Bestand
IIIA, Nr. 74).
Auch das Voigt'sche Gut ist schon auf der
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Auch eine Abschrift des Abbauvertrages
mit der damaligen Direction des Klostergutes Sornzig vom 28. März
1839 ist erhalten geblieben (40024-12, Nr. 276, Blatt 4f). Hier wurden im
§5 für „jedes
zweispännige, gegen 20 Centner haltende Fuder, durch Handscheidung
gereinigter, roher Erde (...) zwölf Groschen sächsisches Geld baar (...)
zu bezahlen,“ vereinbart ‒ also nur reichlich ein Drittel des Zinses,
den man für ein Fuder der Seilitz'er Erde zahlte. Auch eine pauschale
Entschädigung für den Flächenentzug gab es hier nicht. Die
Abbauberechtigung galt für die Flurstücke Nr. 76, 77, 78 und 86 der Flur
Baderitz, die 1946 im Besitz der Klostergärtnerei Sornzig GmbH
gewesen sind (40024-12, Nr. 276, Blatt 7ff).
Der Vertrag ist seitens des Klostergutes vom damaligen Dresden'er Bischof
Ingnats Bernard Mauermann unterzeichnet, seitens der Manufaktur von
den uns schon bekannten Herren Kühn und Köttig.
Sornzig ist heute ein Ortsteil im Südosten der Stadt Mügeln im früheren Landkreis Oschatz, jetzt Nordsachsen. Regionalgeologisch befinden wir uns hier am Südwestrand der Mügelner Senke, einer mit jüngeren Sedimenten aufgefüllten, ziemlich ausgedehnten Caldera innerhalb des Verbreitungsgebietes des spätvaristisch- permischen, rhyolitischen Vulkanismus. Das Kaolinlager weist bei Sornzig eine Mächtigkeit von bis zu 16 m auf. Das Deckgebirge bildet wechselnd mehr sandig oder mehr tonig ausgebildeter Lehm von 4 m bis 12 m Mächtigkeit. Im Liegenden geht das Lager in grusig zersetzten Rochlitz'er Quarzporphyr über. Nordwestlich und nördlich von Sornzig bei Kemmlitz und Schleben befinden sich die großen Lagerstätten der Kemmlitzer Kaolinwerke; bei Schleben wird in den Tagebauen Gröppendorf (ab 1972) und Schleben- Crellenhain (ab 2004) bis heute Kaolin im Tagebau gewonnen. Der Standort liegt ziemlich weit ab von Meißen und soll deshalb hier nur am Rande erwähnt werden; ist uns aber vielleicht einmal einen gesonderten Beitrag wert. Das sogenannte Klostergut geht auf das 1241 begründete Nonnenkloster Marienthal des Zisterzienserordens zurück. Im Zuge der Reformation wurde es 1539 säkularisiert und das Vermögen zunächst der Fürstenschule St. Afra in Meißen übertragen. Nachdem es bis 1570 unter der Verwaltung des Schulamtes Meißen stand, kam es dann an den letzten katholischen Bischof in Meißen, Johann, IX. von Haugwitz, welcher auf dem Schloß Ruhethal in Mügeln residierte. Nach dessen Tod 1595 fielen Mügeln und Sornzig wieder an den Staatsfiskus. Die Verwaltung der beiden Güter, welche nun „Kammergüter“ (auch „Kameralgut“ oder „Tafelgut“, später als „Domäne“ bezeichnet) bildeten, war bis 1818 dem Kollegiatsstift Wurzen übertragen, danach dem Amt Mügeln. Als Kammergüter wurden Landgüter und Herrschaften im unmittelbaren Besitz des Fürsten, aber auch der landesherrlichen Städte und der geistlichen Stifte bezeichnet. Sie wurden von der fürstlichen Kammer, also der landesherrlichen Finanzbehörde, verwaltet – daher diese Bezeichnung. Da der Staat sie natürlich nicht selbst bewirtschaften konnte, wurden sie oftmals – so auch hier – an zahlungskräftige Privatiers verkauft oder verpachtet. Teile des Landbesitzes des Klosters wurden ab 1763 auch an die Untertanen verteilt, worauf die 1797 gegründeten Ortschaften Lichteneichen, Neu- Baderitz und Neu- Sornzig zurückgehen.
Das Kammergut
mit dem Schloß Ruhethal
in Mügeln pachtete im Juli
1898 Ökonomierat Arndt Uhlemann senior (*1862, †1933).
Die
Uhlemann’s waren eine in Sachsen überregional bekannte Landwirtsfamilie, welche
durch die Verwandtschaft mit der bedeutenden Oschatz'er Familie Gadegast
und vor allem durch das landwirtschaftliche und politische Wirken des
Urgroßvaters Magnus Guido Uhlemann das Gesicht der Region von Oschatz über
Mügeln bis nach Döbeln prägten. Sie sind uns aber auch mit dem Abbau des
Das Klostergut hingegen erwarb dann 1892 der Leipzig'er Stadtrat und Präsident der dortigen Immobiliengesellschaft, Dr. jur. Ludolf Colditz. Er restaurierte die verbliebenen Klostergebäude und führte den Plantagen- Obstbau in Sornzig ein. 1946 wurde der Besitz enteignet und der Obstbau durch das Volksgut Sornzig fortgeführt. Nach der Wiedervereinigung erwarb die Familie das Gut zurück und gründete eine Stiftung für Erhalt und Nutzung der Anlage (klostersornzig.de). Wie wir weiter unten im Text des damaligen Betriebsleiters der Manufaktur, Max Winkler, aus dem Jahr 1902 noch lesen können, wurde bei einer im Jahre 1816 abgehaltenen Lokalrevision des Stiftes Sornzig durch den Stiftssekretär Hauptmann Flachs in einem zum Klostergut gehörigen, bei Baderitz gelegenen Waldstück, dem ,Fichtengraben', eine ganz weiße Erde, welche völlig zu Tage lag, aufgefunden. Er meldete die Entdeckung dieser Kaolinlagerstätte zunächst an den Oberhofmeister von Gablenz, den Administrator des Stiftes. Letzterer machte dem geheimen Finanzkollegium davon Mitteilung, und dieses ordnete an, daß einige Zentner davon auf Kosten der Manufaktur gegraben und zu Versuchen nach Meißen gebracht werden sollten. Da nun nach den angestellten, sehr günstig ausgefallenen Versuchen in Meißen die Manufaktur das Erdenlager zu erwerben wünschte, wurde im Jahre 1818 der Entwurf zu einem Kontrakt ausgearbeitet, der aber noch nicht abgeschlossen wurde, weil man in Meißen die Erde zunächst noch nicht benötigte und weil man sich über den Grundzins nicht einigen konnte (Angerer et a., 2007).
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Bereits 1817 ließ die Manufaktur hier im ,Fichtegraben' zehn Bohrungen stoßen, um die Lagerstätte zu erkunden. Den Untersuchungsbericht dazu vom 3. Dezember 1817 von H. G. Kühn findet man im Archiv der Porzellanmanufaktur (Sign. AA III, Nr. A75). Wie oben schon zu lesen stand, kam es zunächst aber noch nicht zu einem Abbau durch die Manufaktur. In der Zwischenzeit wird das Material aber vielleicht in der Hubertusburg'er Fayence- Fabrik bei Wermsdorf Verwendung gefunden haben (10036, Loc. 36344, Rep. 09, Sect. 1, Nr. 4428f sowie Angerer et al., 2007). Erst im Jahre 1836 wurde auf Veranlassung des Königlichen Finanzministeriums und mit Erlaubnis des Dresden'er Diözese das Erdenlager dann erneut eingehend mit insgesamt fünf Schurfschächten, die bis zu 20 m Teufe erreichten, auf Rechnung der Porzellanmanufaktur untersucht. Ab 1840 wurde ein regulärer Grubenbetrieb eröffnet und 1864 der noch bis zur Einstellung des Abbaus benutzte Förderschacht von 12,4 m Teufe, vier Jahre später noch ein zweiter Fahrschacht von allerdings nur 5,8 m Teufe niedergebracht. Anfangs wurde nur einige Monate im Jahr abgebaut und anschließend mit denselben Arbeitern das Rohmaterial geschlämmt. Auch hier hatte man also eine Schlämmerei errichtet, was schon aufgrund des längeren Transportweges bis nach Meißen natürlich Sinn machte. Später baute man nur noch alle zwei bis drei Jahre eine Menge von jeweils rund 100 t ab. Vom Jahre 1876 an war der eigentlich 1851 zum Kohlenwerksinspektor in Sachsen ernannte Richard Friedrich Köttig der Amtshauptmannschaft in Meißen als technischer Beirat für die Begutachtung der gewerblichen Gruben in deren Zuständigkeitsbereich zur Seite gegeben. Seine Aufgaben betrafen auch die Untersuchung eines Unglücksfalls beim Sornzig'er Erdenwerk, weswegen das Finanzministerium in Dresden am 27. Januar 1874 das Bergamt in Freiberg aufforderte, „die Sornziger und Seilitzer Erdengruben einmal durch einen geeigneten Beamten rücksichtlich ihrer Betriebs- und Unterstützungsweise, nach vorgängiger Vernehmung mit der Administration der Porzellanmanufactur, revidieren zu lassen...“ (40024-12, Nr. 11, Blatt 115) Herr Köttig wurde also nach Sornzig gesandt, erstatte auch am 15. März 1874 Bericht, welcher aber leider in dieser Akte nicht abgelegt ist. Sie enthält nur noch Schriftverkehr bezüglich der zunächst nicht anerkannten ,Liquidation' (der Reisekostenabrechnung) des Beamten (40024-12, Nr. 11, Blatt 124ff).
Herr Köttig war aber auch für die
Der Kaolinabbau durch die Staatliche
Porzellanmanufaktur hier in Sornzig
wurde im Jahr 1969 endgültig
Nach diesem Ausflug nach Nordsachsen kehren wir wieder zurück nach Seilitz...
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Aus Louis Oeser's Album der sächsischen Industrie (Band 1, 1856, S. 85ff) stammt die folgende Beschreibung der Königlichen Porzellanmanufaktur, in der die bisherigen Geschehnisse bis Mitte des 19. Jahrhunderts noch einmal zusammengefaßt sind: Die Königliche Porzellan-Manufaktur in Meißen. „Das Porzellan ist ursprünglich eine Erfindung der Chinesen und Japaner, denen es schon seit den frühesten Jahrhunderten bekannt war und welche aus dieser Masse die mannigfaltigsten Gefäße und Figuren, mit und ohne Malerei, fertigten; sie belegten selbst ganze Gebäude mit Platten von gemaltem Porzellan. Die Portugiesen, die Entdecker des Seeweges nach Ostindien, waren die ersten, welche im fünfzehnten Jahrhundert das Porzellan nach Europa brachten und von ihnen erhielt es ohne Zweifel auch seinen Namen, indem porcella in der portugiesischen Sprache eine Schaale bedeutet. Dem Beispiel der Portugiesen folgten die Holländer, welche das Porzellan massenhaft in China einhandelten und dann nach Europa überführten, wo es bald ein sehr gesuchter, aber enorm theurer Luxusartikel wurde. In Europa versuchte man lange Zeit vergebens, das Porzellan nachzuahmen; ein Herr von Tschirnhausen, ein tüchtiger Chemiker und um Sachsens Industrie sehr verdienter Mann – er legte unter Anderen die ersten Glasfabriken in Sachsen an und erhielt dadurch dem Lande große Summen – erfand zu Ende des siebenzehnten Jahrhunderts eine dem Porzellan ähnliche Masse, doch war dieselbe zu glasartig, als daß sie hätte viel in Anwendung kommen können und so gerieth diese Erfindung schnell wieder in Vergessenheit. Wie es sehr häufig der Fall ist, wurde das so lange vergebens Gesuchte endlich durch reinen Zufall entdeckt und Johann Friedrich Böttger war der vom Schicksal begünstigte Glückliche. Johann Friedrich Böttger war am 4. Februar 1682 in Schleitz geboren (nach anderen Nachrichten in Magdeburg) und lernte in Berlin als Apotheker. Hier fielen ihm alchymistische Schriften in die Hände, er studirte dieselben eifrig und die in damaliger Zeit nicht eben seltene Idee des Goldmachens wurde in ihm erweckt. Böttger begann nun sogleich seine Versuche und da ihm die Mittel dazu fehlten, ließ er sich gegen seinen Prinzipal bedeutende Veruntreuungen zu Schulden kommen, nach deren Entdeckung er sich flüchtete und mit Steckbriefen verfolgt wurde. Böttger hatte sich nach Dresden gewendet und fand hier bald an dem sächsischen Hofe Schutz, denn anfangs in dem Laboratorium des Herrn von Tschirnhausen arbeitend, wußte er sich mit hochgestellten Personen in Verbindung zu setzen und sie für seine alchymistischen Träume zu gewinnen; nun verfehlte er nicht, als glücklicher Abenteurer den Aberglauben seiner Zeit nach Kräften auszubeuten und sich das Ansehen eines sehr wichtigen Mannes zu geben, dessen Besitz jetzt der Hof in Berlin dem von Dresden eifersüchtig abzugewinnen suchte. Böttger arbeitete in Dresden ohne Unterbrechung, doch das geträumte Gold kam nicht zum Vorschein, wohl aber betrog er den König August um mehr als 150.000 Thaler, welche bei den alchymistischen Versuchen größtentheils in Dampf verpufften. Um sich zu seinen Arbeiten feuerfeste Schmelztiegel zu verschaffen, brannte Böttger einst den bei Okrylla bei Meißen vorkommenden Thon und gelangte so rein zufällig zur Darstellung einer porzellanartigen Masse von rothbrauner Farbe. König August war bekanntlich ein großer Freund von chinesischen und japanischen Porzellanen, für welche er große Summen verausgabte, so erfaßte er also mit desto größerem Eifer die neue Entdeckung und unterstützte Böttger um so freigiebiger, damit dieser die Erfindung noch vervollkommne. 1708 stellte Böttger aus der weißen Erde von Aue das erste weiße Porzellan her. Diese neue Masse gelangte auf der Leipziger Ostermesse 1710 zum ersten Mal in Handel und es wurde damals davon für 3.357 Thaler, 7 Groschen verkauft. Doch wurde fürs Erste nur die rothbraune Sorte zum Verkauf gegeben, von der weißen zeigte man nur Proben vor. Anfangs war man entschlossen, eine Actiengesellschaft zur Ausbeutung der neuen, großes Aufsehen machenden Erfindung zu errichten, und ein königliches Patent vom 23. Januar 1710 forderte Kaufleute und Kapitalisten auf, sich den beabsichtigten Fabriken zur Verfertigung von weißem, rothem und mehrfarbigem jaspisartigen Porzellan mit ihren Capitalien anzuschließen. Doch kam man von dieser Idee bald zurück und die Eröffnung der Porzellanfabrik auf alleinige königliche Rechnung auf der Albrechtsburg in Meißen fand am 6. Juni 1710 Statt. Böttger erhielt die Oberleitung. – Die Zahl der Arbeiter stieg bis zu Böttgers 1719 in Dresden erfolgtem Tode auf 26 und das eigentliche Beamtenpersonal war fast nicht geringer. Doch schon zu Anfang begann in der Anstalt eine heillose Verwirrung, denn Böttger hatte viel schlimme Eigenschaften, kein Verwaltungstalent und wirthschaftete in jeder Hinsicht mit dem größten Leichtsinn; dabei war er mit seinen sämmtlichen Beamten verfeindet, die Beamten chikanirten sich unter sich und die Arbeiter folgten dem ihnen von oben herab gegebenen Beispiel. So kam die Fabrik während Böttger's Verwaltung nie in Flor und der König mußte, statt Gewinn davon zu ziehen, jährlich bedeutende Zuschüsse geben.
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1720 wurde der nachmalige Bergrath Herold als Betriebsbeamter angestellt und dieses Mannes Thätigkeit verdankt die Fabrik hauptsächlich den nun immer mehr steigenden Flor. Herold arbeitete erst als Maler in der Fabrik, später wurde er zum Hofcommissair ernannt und ihm die technische Leitung anvertraut, wozu er sich durch seine gediegenen Kenntnisse in allen Zweigen seines Faches, durch seine Betriebsamkeit und Sicherheit im Urtheil vollkommen eignete. Er führte durchgreifende Reformen ein. Das rothe Porzellan wurde von dem weißen vollständig verdrängt, die Masse wurde sorgfältiger gewählt und bereitet, statt der gewöhnlichen Töpfer stellte man zum Formen Bildhauer an und die Buntmalerei erreichte einen hohen Grad von Vollkommenheit, seitdem eine von wirklichen Künstlern geleitete Zeichnenschule errichtet wurde. – Schon 1732 arbeiteten hier 40 Kunstmaler, 30 Gesellen und 10 Lehrlinge. – Auch die Blaumalerei unter der Glasur, durch welche jetzt noch bedeutend gewonnen wird, ist ein Vermächtniß Herold's. Die noch heute übliche Bezeichnung des meißner Porzellans mit den blauen Kurschwertern entstand ebenfalls in jener Zeit. Mit Herold gleichzeitig wirkte der Bildhauer Kändler thätig für das schönere Erblühen der Anstalt, namentlich von 1740 bis 1763, wo er für sich und wenige Arbeiter an Tractament, Gratificationen und Stückbezahlung die Summe von 46.540 Thlrn. erhielt. – Noch heute bewahrt die Modellkammer eine große Anzahl der Modelle Kändler's, und man benutzt dieselben noch mit großem Erfolg, vorzüglich seit der Geschmack am Roccocostyl wieder aufgekommen ist. Von 1720 an wurden Vasen und andere Gegenstände von bedeutenden Dimensionen gefertigt und an den König abgeliefert; durch den glücklichen Erfolg in solchen Arbeiten wurde man zur Herstellung collossaler Gegenstände ermuthigt, wie die lebensgroßen Statuen der Apostel. Aber hier lernte man erkennen, daß Alles seine Grenzen hat, denn es boten sich unüberwindliche Schwierigkeiten. Auch spätere ähnliche Versuche blieben gleich erfolglos. Die Periode von Herold und Kändler gehörte zu den ruhmreichsten für die Fabrik, denn ihr Ruf hatte sich über ganz Europa verbreitet und von den vier Hauptlagerstätten Dresden, Meißen, Leipzig und Warschau gingen die Erzeugnisse nach allen Richtungen; Polen und Rußland kauften die Porzellane in Massen, 1732 war bereits die erste Bestellung aus der Türkei eingetroffen, 1.500 Dutzend kleine Tassen, sogenannte Türkenköpfchen.
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Der 1746 ausbrechende Krieg verursachte erhebliche Störung. – Man legte auf Bewahrung der Fabrikgeheimnisse großen Werth, obgleich sie bereits theilweise keine Geheimnisse mehr waren, und als der preußische Einfall drohte, wurden alle Arbeiter mit Fortgenuß des Lohnes entlassen, die Arcanisten – die mit der Farbenbereitung u.s.w. beauftragten Leute – nach Dresden in Sicherheit gebracht und sämmtliche Brennöfen zerschlagen. Bei dem Einmarsch der Preußen plünderte die Generalität die vorhandenen Vorräthe; unter Anderen eignete sich der Fürst Leopold von Dessau fünf und sechzig Kisten des besten Porzellans zu. Während des siebenjährigen Krieges verlor die Fabrik ihre Geheimnisse ziemlich vollständig, denn Friedrich II. sammelte nicht nur eine Menge Nachrichten über die Porzellanfabrikation, sondern gewann auch durch hohe Versprechungen eine Anzahl der besten Arbeiter, welche nach Berlin gingen und in der 1751 dort gegründeten Fabrik Anstellung fanden. Andere Arbeiter zerstreuten sich nach allen Richtungen und diesen verdanken vorzüglich die zahlreichen thüringischen Fabriken ihre Entstehung. In Folge der preußischen Maaßregeln würde wahrscheinlich die ganze Anstalt zu Grunde gegangen sein, denn schon war die Rede davon, die Fabrik ganz nach Berlin zu verlegen, und der Geheimerath Schimmelmann hatte bereits alle Vorräthe für 120.000 Thaler erstanden, wenn nicht ein patriotischer Mann, der sächsische Commerzienrath Helbig, mit der preußischen Regierung in Verhandlung trat, den Vorrath für 160.000 Thaler zurückkaufte und gegen eine jährliche Pachtsumme von 60.000 Thaler die Fabrik übernahm. Dadurch war sie gerettet, denn es lag nun in Friedrich's Interesse, sie fortbestehen zu lassen. Helbig zeigte sich übrigens als ein sehr tüchtiger Geschäftsmann, denn es gelang ihm, die enorme Pachtsumme aus den Entübrigungen zu bezahlen. 160.000 Thaler, welche hauptsächlich zum Rückkauf der Vorräthe aufgenommen, wurden später durch die Regierung zurückgezahlt. Nach Beendigung des siebenjährigen Krieges begann von 1764 bis 1774 die regste Thätigkeit in der jetzt unter Leitung des Baron Fletscher und des Bergraths von Heynitz stehenden Fabrik. Es entstand jetzt – den 17. Februar 1764 – die Kunstschule in Meißen, zur Bildung tüchtiger Porzellanmaler, fremde Maler und Modelleurs wurden angestellt, junge meißnische Künstler an fremde Manufacturen gesendet, das Farbenwesen, die technische Einrichtung u.s.w. erhielten wesentliche Vervollkommnung, die Verwaltung wurde einer gründlichen Reform unterworfen und für vermehrten Absatz durch eigene Handlungsreisende gesorgt, von denen Einer – der Maler Otto – von einer Reise durch die Niederlande, Portugal, Spanien, Italien und die Schweiz allein für 100.000 Thlr. Bestellungen mitbrachte. Zugleich erhielt das Auctionswesen solche Ausdehnung, daß 1766 auf diesem Wege für 63.342 Thaler, 13 Groschen Porzellane verkauft wurden. Ihren höchsten Glanzpunkt aber erreichte die Anstalt 1765, wo sie 731 Leute beschäftigte, die Einnahme 221.500 Thaler und der Ueberschuß 42.000 Thaler betrug. Damals hatte die Fabrik auch in folgenden Städten Commissionslager: Amsterdam, Augsburg, Aachen, Ancona, Archangel, Altenburg, Berlin, Breslau, Bremen, Braunschweig, Belgrad, Bern, Bamberg, Bologna, Bordeaux, Brody, Brüssel, Cassel, Copenhagen, Cadix, Charleston, Constantinopel, Crackau, Danzig, Dublin, Dorpat, Erfurt, Frankfurt a. M., Göttingen, Genua, Gotha, Halberstadt, Hamburg, Haag, Hildesheim, Hannover, Kiew, Kaluga, London, Lissabon, Lübeck, Lüttich, Lüneburg, Lemberg, Magdeburg, Macedonien, Mittau, Mannheim, Marseille, Mastricht, Moskau, Neufchatel, Nürnberg, Narva, Neapel, Nieder- Preschkau, Paris, Palermo, Pultawa, Petersburg, Pesth, Rom, Riga, Regensburg, Reval, Rotterdam, Smolensk, Stockholm, Straßburg, Thorn, Turin, Triest, Thurnhut, Utrecht, Venedig, Wien, Wolfersdorf in Böhmen und Warschau. Mit dem 1774 erfolgten Austritt Fletscher's hatte auch das Gedeihen der Fabrik seine Endschaft erreicht, denn der ihm folgende Graf Markolini gefiel sich in kleinlicher Geheimnißkrämerei und vernachläßigte darüber das Andere gänzlich. So ward das in jener Periode erfundene und heute noch angewendete Königsblau (Gutbrennblau) von dem Direktor fast gar nicht beachtet. Nun gelang es den concurrirenden Fabriken nach und nach die Meißner zu überflügeln, und diese erhielt sich zuletzt fast nur noch durch den russischen und orientalischen Handel; es kamen vorzüglich aus Rußland die Bestellungen so massenhaft an, daß das Personal durch Zwangsmaßregeln genöthigt wurde, an Sonntagen und hohen Festen zu arbeiten. – Aber mit einem Schlage hörte auch dieses auf, als 1806 Rußland die Einfuhr alles fremden Porzellans verbot, die türkischen Bestellungen immer seltener wurden, und endlich ganz verschwanden. Nun begann die traurigste Periode der Fabrik seit der Zeit ihres Bestehens. Der technische Betrieb war im tiefsten Innern zerrüttet, das Formenwesen gänzlich veraltet, der Debit vernichtet, das Malerkorps ohne künstlerischen Sinn, das Arbeiterpersonal demoralisirt, die Beamten zeigten sich ohne Thätigkeit und Fähigkeit und waren unvermögend, den verderblichen Gang der Dinge aufzuhalten. Mit jedem Tage kam die Fabrik weiter zurück; die Vorschüsse machten sich alle Tage nöthiger und sie erreichten von 1806 bis 1813 die enorme Summe von 405.000 Thalern, welche nutzlos verschwendet wurden, da die Direktion hartnäckig bei dem Glauben festhielt, die russischen Absatzquellen würden sich wieder öffnen und deshalb in ungeheuren Massen Waaren fabrizirte, für welche man nirgends auf Absatz rechnen konnte, als eben in dem verschlossenen Rußland, dabei vernachlässigte die Fabrik ihre übrigen Verbindungen und verlor sie zum größten Theil. So kam die Anstalt so weit herab, daß sich 1813 ihre Einnahme nur noch auf 24.378 Thaler belief. – Späterhin benutzte man die häufigen Durchmärsche russischer Truppen, um die zu Bergen aufgehäuften Waaren auf dem Auctionswege loszuschlagen. Um indessen dem ganzen Unheil die Krone aufzusetzen, verlor die Anstalt ihren letzten Vorzug, der in der Güte ihrer Masse bestand. Die Verwaltung der Auer Erdenzeche lieferte schlechte, aus geringhaltigem eisenschüssigen Haufwerken ausgeschlemmte Erde ab, aus welcher man den ganzen Massenbedarf für 1814 im Voraus bereitete, gegen 700 Centner. Eine Folge davon war, daß in den ersten Monaten des Jahres 1814 alle Porzellane grau und gelb aus dem Brennofen kamen. Erst später wurde die Ursache dieser Erscheinung entdeckt und die Erde weggeschüttet, der Credit der Anstalt hatte aber einen fühlbaren Stoß auf Jahre hinaus erlitten. – Commissionen, welche 1814 und 1815 zur Revision des Manufakturbetriebs niedergesetzt wurden, wußten kaum, wo sie anfangen sollten, um dem allgemeinen Verderben einen Damm entgegen zu stellen.
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Es fehlte indessen vor Allen an einem mit den nöthigen Kenntnissen und Kräften ausgerüsteten Manne, und dieser fand sich in der Person des jetzigen Bergraths Kühn, welcher 1814 als Inspektor und Vorsteher des Technischen angestellt wurde. Von nun an erfolgte eine fortschreitende Reform an Haupt und Gliedern, wobei Kühn in Verbindung mit anderen tüchtigen Männern auf das Kräftigste wirkte. So wurde die unnütze Geheimnißkrämerei des Arcanums aufgehoben, größere Bauanlagen entstanden, neue und zweckmäßigere Brennöfen zur Ersparung von Brennmaterial wurden errichtet, das veraltete Maschinenwesen erlitt gänzliche Umgestaltung, eben so das Formen- und Decorationswesen. Daß es dabei an hartnäckigem Widerstand, an boshaften Neckereien, Böswilligkeiten und Mißtrauen von verschiedener Seite nicht fehlte, war natürlich, aber die wackeren Reformatoren ließen sich nicht beirren, schritten kräftig vorwärts und hatten bald die Freude, glückliche Resultate ihres Strebens zu sehen. 1823 stellten sich englische Besteller ein und auch der orientalische Handel begann sich wieder zu beleben, und ob auch einzelne ungünstige Verhältnisse und Verluste für die Fabrik eintraten, so war sie doch 1833 dahin gelangt, ohne Zuschuß bestehen zu können, und 1835 lieferte sie bereits 20.000 Thaler Ueberschußgelder an die Staatskasse ab. Von da ist die Fabrik mit solchen Sendungen fortgefahren, mit Ausnahme der unruhigen Jahre 1848 und 1849, wo keine Mehreinnahme erzielt wurde, aber doch auch kein Zuschuß sich nöthig machte. Das Maschinenwesen für die Massen- und Kapselbereitung erfuhr 1850 eine neue Umgestaltung, indem statt der bisher gebräuchlichen Pferdekraft die Dampfkraft eingeführt wurde, was sowohl in technischer als ökonomischer Hinsicht von gutem Erfolg sich gezeigt hat. Seit 1850 hat der akademische Rath in Dresden begonnen, die Manufaktur in artistischen Angelegenheiten mit Rath und That zu unterstützen und es ist die Einrichtung getroffen, daß ihm alle neueren und wichtigern Produktionen in Formen und Decorationen zur Begutachtung vorgelegt werden, wodurch es ermöglicht wird, eine wahrhaft gediegene künstlerische Vollkommenheit in allen Theilen der Erzeugnisse hervor zu bringen. Die Königliche Porzellan-Manufaktur befindet sich mit ihren sämmtlichen Fabriksbranchen, dem Hauptwaarenlager und vier Beamtenwohnungen in der Albrechtsburg und dem daran stoßenden südwestlichen Flügel des Schloßgebäudes; außerdem gehört noch dazu das Letzterem gegenüber liegende vormalige Kreisamtsgebäude nebst Garten, ingleichen der nordöstlich am Fuß des Schloßberges liegende Holzhof mit Holz- und Kohlenschuppen und den Gebäuden der Lasursteinblau- oder Ultramarinfabrik. Die Hauptbranchen der Porzellanfabrikation sind:
Die Haupterzeugnisse der Manufaktur sind weiße, gemalte und vergoldete Porzellane, namentlich feine Tafel- und Kaffeeservice, Dessertgeschirre, Tafelaufsätze, Vasen, Gruppen, Figuren, Leuchter und alle Gattungen chemischer und pharmaceutischer Geschirre. Uebrigens werden außer dem Ultramarin auch Porzellanfarben, sowie auch feuerfeste Thonwaaren, als Ziegeln, Platten, Schmelztiegel etc. für den Handel fabricirt. Von diesen Erzeugnissen sind vorzüglich gangbar außer den feinen Tafel- und Kaffeegeschirren, die hier sogenannten englischen Artikel im Rococostyl, als: Vasen, Gruppen, Figuren, Leuchter etc., ingleichen die eigenthümlichen Fabrikate der Manufaktur in Dessertgeschirren mit Reliefverzierungen und reicher Glanz- und Mattvergoldung. Diese Artikel finden ihren Hauptabsatz in den Zollvereinsstaaten und nach England, sowie auch nach Amerika, Frankreich und Rußland. Muster aller Gattungen der hiesigen Fabrikate waren auf den Industrieausstellungen zu Berlin, Leipzig, London und München ausgestellt. Darauf hat die Manufaktur Preismedaillen von sämmtlichen Ausstellungen für Porzellan und von der Londoner Ausstellung auch für Ultramarin erhalten. Die Manufaktur besitzt zwei Dampfmaschinen, als
Beschäftigung finden hier, einschließlich der Beamten, 343 Personen, nämlich:
Direktor der Manufaktur ist gegenwärtig der Bergrath Herr Kühn, welchem als Betriebsinspektoren die Herren Köttig, Selbmann und Crasso zur Seite stehen. Hauptlagerfaktor ist Herr Reithel, Malervorsteher sind: der als Glasmaler allgemein und rühmlich bekannte Herr Scheinert und Herr Müller; Herr Leuteritz ist Vorsteher der Gestellung. Königliche Porzellanniederlagen und Verkaufslager befinden sich in Meißen, Dresden (Factor Herr Teichert), Leipzig (Factor Hr. Frenkel) und Hamburg; Commissionslager in Berlin, Frankfurt a. M., Aachen und Bautzen. Das Schloß in Meißen, von dem die Albrechtsburg ein Theil ist, wurde von Kaiser Heinrich I. oder dem Vogler in den Jahren 922 bis 930 als Grenzfestung gegen die benachbarten sorbischen Stämme erbaut und es war der Sitz von Markgrafen, Burggrafen und Bischöfen. Die Albrechtsburg, welche man ein vorzügliches Meisterwerk gothischer Bauart nennen kann, wurde 1440 bis 1483 von dem Kurfürsten Ernst und Herzog Albrecht unter der Leitung des Baumeisters Arnold von Westfalen erbaut. Herzog Georg nahm in den Jahren 1520 bis 1524 verschiedene Veränderungen im Bau vor. Im dreißigjährigen Kriege durch die Schweden zum Theil zerstört, wurde sie 1676 von Johann Georg II. erneuert und die Albrechtsburg genannt. 1710 wurde die Porzellanmanufaktur hinein verlegt. Noch bemerken wir, daß die Porzellanmanufaktur drei Gruben besitzt, aus welchen sie ihren Bedarf von Erden bezieht. Die berühmteste ist die von Aue bei Schneeberg. Die Grube heißt der weiße Andreas, in der Umgegend wird sie aber das weiße Zeug oder die weiße Erdenzeche genannt, und sie befindet sich dicht an der Straße von Aue nach Lauter. Hier baute einst der reiche Hammerherr Veit Hans Schnorr von Carolsfeld auf Eisen, fand aber nur dieses Erdlager, welches man als Thon zu Blaufarbenöfen, ja selbst als Perückenpuder benutzte. 1708 wurde von Böttger aus dieser Erde das erste weiße Porzellan hergestellt, worauf diese Zeche das ausschließliche Privilegium zur Erdenlieferung erhielt und die übrigen Fundorte von Porzellanerden verstürzt werden mußten. Die anderen beiden Gruben liegen bei Seilitz, eine und eine halbe Stunde von Meißen und bei Sornzig bei Mügeln.“
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![]() Die Albrechtsburg zu Meißen, wo sich zur Zeit Louis Oeser's die Königliche Porzellan- Manufaktur befand. Bildquelle: Sächsische Landes- und Universitätsbibliothek (SLUB) Dresden Digitalisat:
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![]() Nicht ganz derselbe Standort: Die Albrechtsburg zu Meißen im Winter 2025. Daß die Manufaktur 1863 in einen geräumigeren Neubau umzog und die Burg wieder Museum wurde, konnte Louis Oeser acht Jahre zuvor natürlich noch nicht wissen.
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![]() Im Spätherbst 2025 sind wir einmal die Schlosstreppen hinaufgestiegen...
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![]() ...um uns einen Eindruck zu verschaffen.
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![]() Links hinter dem Dom steht die Albrechtsburg, wo sich bis 1865 die Manufaktur befand.
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![]() In den Gebäuden rechterhand des Domes hatten auch einige der wichtigsten Künstler und Administratoren der Manufaktur ihren Wohnsitz genommen...
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![]() Auch er wohnte damals noch direkt auf der Burg.
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![]() Diese Aufnahme entstand noch in den Räumlichkeiten der Manufaktur auf der Albrechtsburg: Ein Blick in das Farbenlabor im Jahr 1863. Fotograf unbekannt. Digitalisat:
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![]() Wie hier in der Beschriftung zu lesen ist, ist auch diese Aufnahme aus demselben Jahr 1863 noch auf der Albrechtsburg aufgenommen und zeigt Herrn Gustav Ludwig Crasso (*1810, †1898, Oberinspektor der Manufaktur) im Chemischen Labor der Königlichen Porzellanmanufaktur. Digitalisat:
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![]() Seit 1863 befindet sich der Standort der Porzellanmanufaktur zu Meißen in der Talstraße 9; hier auf einem Holzstich von Adolf Eltzner aus dem Jahr 1865. Quelle: Unternehmensarchiv der Staatlichen Porzellanmanufaktur Meißen, Vorlagenarchiv, Nr. VA 626.
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![]() Eine etwas aktuellere Aufnahme der Gebäude der Staatlichen Porzellanmanufaktur in Meißen aus dem Jahr 1914, Foto: Verlag Brück & Sohn, Bildquelle: Deutsche Fotothek. Digitalisat:
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![]() Etwas grimmig schaut hier auch der alte Johann Friedrich Böttger von seinem Sockel...
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![]() ...und blickt auf den heutigen Werkstandort der Porzellanmanufaktur zu Meißen. |
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![]() Die folgenden Bilddokumente sollen an dieser Stelle einmal illustrieren, wie das Rohkaolin in den 1920er Jahren in Meißen weiterverarbeitet worden ist. Den Anfang machen Auslesen und Sortierung, was – wie eigentlich fast alles in der Manufaktur, deswegen heißt sie ja so – komplett händisch erfolgte. Fotograf unbekannt, Aufnahme vor 1926, Bildquelle: Deutsche Fotothek. Digitalisat:
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![]() Anschließend kam das Kaolin in die Schlämmtrommeln, die damals noch mittels Transmission in Bewegung gesetzt wurden. Fotograf unbekannt, Aufnahme vor 1926, Bildquelle: Deutsche Fotothek. Digitalisat:
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![]() Die bewährte Technik wurde auch in den 1950er Jahren noch genauso genutzt. Fotograf unbekannt, Aufnahme dat. 1951, Bildquelle: Deutsche Fotothek. Digitalisat:
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![]() Bereits die flüssige Masse wird dann entsprechend des vorgesehenen Verwendungszecks mit anderen Komponenten gemischt. Fotograf unbekannt, Aufnahme vor 1926, Bildquelle: Deutsche Fotothek. Digitalisat:
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![]() Nach dem Mahlen und Schlämmen kam die Suspension in die Absetzbecken. Fotograf unbekannt, Aufnahme dat. 1951, Bildquelle: Deutsche Fotothek. Digitalisat:
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![]() Hier ruht dann die Masse, bis sich das feine Kaolin aus der Suspension am Boden abgesetzt hat. Fotograf unbekannt, Aufnahme vor 1926, Bildquelle: Deutsche Fotothek. Auch bei einem Besuch der Manufaktur im Jahr Digitalisat:
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![]() Das überschüssige Wasser wird nach dem Abstechen der Rohmasse aus den Absetzbecken mit - hier noch mit Muskelkraft zu bedienender - Filterpressen herausgedrückt. Fotograf unbekannt, Aufnahme vor 1926, Bildquelle: Deutsche Fotothek. Digitalisat:
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![]() Ein Kollergang, die ,Masseschlagmaschine‘, homogenisiert die Rohmasse vor der Weiterverarbeitung nochmals. Fotograf unbekannt, Aufnahme vor 1926, Bildquelle: Deutsche Fotothek. Digitalisat:
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![]() Parallel erfolgen Aufbereitung und Mischung der Schamottemasse für die ,Kapseln‘, in denen die geformten Kunstwerke gebrannt werden. Hier kommt der ,Kapselton‘ zum Einsatz. Fotograf unbekannt, Aufnahme vor 1926, Bildquelle: Deutsche Fotothek. Digitalisat:
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![]() Die Herstellung der Schamottekapseln auf der Töpferscheibe. Fotograf unbekannt, Aufnahme vor 1926, Bildquelle: Deutsche Fotothek. Digitalisat:
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![]() Auf die gleiche Weise wurden auch 30 Jahre später noch die Schamottekapseln hergestellt, Fotograf unbekannt, Aufnahme dat. 1951, Bildquelle: Deutsche Fotothek. Digitalisat:
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![]() Die eigentliche Formung der Ware erfolgt dann wie in jeder Töpferei auf der Töpferscheibe. Fotograf unbekannt, Aufnahme dat. 1951, Bildquelle: Deutsche Fotothek. Digitalisat:
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![]() Ein Blick in die Werkstätten der Former. Fotograf unbekannt, Aufnahme dat. 1951, Bildquelle: Deutsche Fotothek. Digitalisat:
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![]() Für die Serienfertigung kamen natürlich auch technische Hilfsmittel zum Einsatz, damit auch jedes Stück die gleiche Form bekommt. Fotograf unbekannt, Aufnahme dat. 1951, Bildquelle: Deutsche Fotothek. Digitalisat:
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![]() Eine solche Figur ist natürlich keine Serienproduktion. Diese ist einer Bergmannsfigur des Bildhauers Georg Türke aus Meißen nachgestaltet, die wir am Digitalisat:
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![]() Ein Blick in die Unterglasurmalerei. Fotograf unbekannt, Aufnahme vor 1926, Bildquelle: Deutsche Fotothek. Digitalisat:
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![]() Jedes Teil wird hier bis heute ganz von Hand mit seiner Bemalung versehen. Fotograf unbekannt, Aufnahme vor 1926, Bildquelle: Deutsche Fotothek. Digitalisat:
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![]() Das war aber längst noch nicht der letzte Arbeitsschritt: Hier ein Blick in die Goldpoliererei. Fotograf unbekannt, Aufnahme vor 1926, Bildquelle: Deutsche Fotothek. Digitalisat:
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![]() Auch das Tauchen zum Aufbringen der Glasur erfolgte von Hand. Fotograf unbekannt, Aufnahme dat. 1951, Bildquelle: Deutsche Fotothek. Digitalisat:
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![]() Bei der Unterglasurmalerei erfolgt noch vor dem Hartbrand das Einbrennen der Farben in Muffelöfen. Fotograf unbekannt, Aufnahme vor 1926, Bildquelle: Deutsche Fotothek. Digitalisat:
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![]() Erst nach dem Aufbringen der Glasur kommt die Ware dann in den eigentlichen Brennofen, der in den 1920er Jahren noch mit Kohle befeuert wurde. Fotograf unbekannt, Aufnahme vor 1926, Bildquelle: Deutsche Fotothek. Digitalisat:
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![]() Hier kommen nun auch die ,Kapseln‘ wieder zum Einsatz. Fotograf unbekannt, Aufnahme vor 1926, Bildquelle: Deutsche Fotothek. Digitalisat:
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![]() In die Schamotteschalen verpackt erfolgte der eigentliche Brand dann im Rundofen. Fotograf unbekannt, Aufnahme dat. 1951, Bildquelle: Deutsche Fotothek. Digitalisat:
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![]() Hier werden die Kapseln in den ,Gutbrennofen‘ gestapelt. Fotograf unbekannt, Aufnahme dat. 1951, Bildquelle: Deutsche Fotothek. Digitalisat:
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![]() Nach dem Brand, wenn der Ofen ganz langsam wieder abgekühlt ist, wird alles fein sorgsam wieder herausgeholt. Reproduktion 1926 nach Aufnahme Staatliche Porzellanmanufaktur Meißen, Fotograf unbekannt, Aufnahme vor 1927, Bildquelle: Deutsche Fotothek. Digitalisat:
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Aber kommen wir wieder
zurück zur Gewinnung des Rohmaterials:
Das fiskalische Erdenwerk der Porzellanmanufaktur in Seilitz ist auch bei den Revisionen der Tongruben durch Berginspektor Köttig im Jahr 1876 einmal erwähnt (Nr. 16 in Köttig’s Liste). Dort liest man, daß es auch 1876 nur mit 2 Arbeitern belegt war, welche in nur 8,5 m Teufe, teils schon im Tagebau, teils untertage, Porzellanerde abbauten. Hier fand er aber nur zu bemängeln, daß der Zugang vom Tagebau zur Grube, wenn er nicht benutzt werde, abzusperren sei. Eine Bleistift- Notiz daneben besagt dann: „Ist erledigt.“ (40024-12, Nr. 24, Blatt 79) Danach taucht das staatliche Erdenwerk weder in den Unterlagen des Berginspektors Köttig, noch in denen dessen Nachfolgers (ab 1882), Markscheider Choulant, jemals wieder auf (vgl. 40024-12, Nr. 269).
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Weitere Betriebsjournale
zum Seilitz'er Weißerdenwerk sind aber im Unternehmensarchiv ab dem Jahr 1886
erhalten geblieben.
Sie wurden nun bereits von Horst Karl Brunnemann (*1836, †1901, ab 1895
Direktor) geführt,
der nach Moritz Oskar Raithel (*1824, †1907, Direktor von 1871-1895)
Direktor der Manufaktur geworden ist.
Auf dem Weißerdenwerk waren 1886 Herr Schönberg als ,Hutmann' und ein ,Erdarbeiter' namens Dommitzsch angelegt. Zu dieser Zeit gab es bereits den Tagebau, mit dem man bei 15 m Teufe auf den liegenden, nur angewitterten Porphyr gekommen ist. Ausgebracht wurden im gesamten Jahr 10.200 Zentner (zirka 510 t) Rohkaolin (Altes Archiv, Bestand IIIA, Nr. 101A, Blatt 1ff). |
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![]() Kopie eines Theiles des Kroquis der Seilitzer Flurparzellen. Diese Kopie wurde im November 1883 angefertigt und geht auf ein Original zurück, das von einem Geometer Kupfer wohl 1868 vermessen und gezeichnet worden ist. Hier sind schon mehrere Abbauscheiben im Tagebau auf Beulich's Grund vermerkt und auf dem Flurstück Nr. 2 hatte offenbar die Firma Krister damals die Abbaurechte. Quelle: Unternehmensarchiv der Staatlichen Porzellanmanufaktur Meißen, Altes Archiv, Bestand IIIA (Betrieb der Manufaktur), Nr. 39, Blatt 220, Ausschnittsvergrößerung. Einige Jahre
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Wie man auf dem Grundriß
oben erkennt, hatte man den ,Alten Schacht' am nordwestlichen Rand des Tagebaus
bereits überfahren und weiter nordwestlich von jenem einen neuen Schacht
angelegt. Den Tagebau betrieb man in streifenförmigen Scheiben nach Nordwesten
weiter, von denen jede etwa 3½ m Breite und 10¾ m Länge (Nach einer zwei Jahre
jüngeren Skizze sogar bis zu 21,5 m Länge) besaß. Wenn wir die Aufzeichnungen richtig
verstanden haben, senkte man einen solchen Streifen bis auf das Liegende ab,
verfüllte ihn dann mit dem Abraum des nächsten wieder und wiederholte das ganze
anschließend auf dem nächsten Streifen. Die Mächtigkeit der abzuräumenden Deckschichten lag
zwischen knapp 7 m an der Ost- und über 8 m an der Westseite des Tagebaus. Die
Stöße verbaute man einfach mit hölzernen Spreizen (Altes Archiv, Bestand
IIIA, Nr. 101A, Blatt 1ff).
Über den Betrieb heißt es hier, daß der Tagebau bei strenger Kälte im Winter dieses Jahres teilweise eingestürzt sei, was bei dieser Art Ausbau auch wenig verwunderlich ist. Zum Glück hat der Hutmann achtgegeben, die gelockerten und verschobenen Spreizen erkannt und den Streifen sogleich wieder mit Abraum aufgefüllt, so daß von den beiden Arbeitern niemand zu Schaden gekommen ist. Zukünftig werde man zusätzlich Verzug zwischen den Spreizen anbauen, notierte Herr Brunnemann. Nach dem Abräumen war man bis zum Jahresende mit dem Tagebau noch reichlich 3 m ins Lager hinein fortgeschritten, wobei man aber „auf ziemlich steinige und gelbliche Schichten, gelangte, bei deren Gewinnung sich viel Abgang ergab.“
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Über das folgende Jahr
1887 ist im Betriebsjournal zu lesen, daß das im Tagebau anstehende Material ab
8 m Teufe wieder bessere Qualität hatte. Durch Sieben des Rohkaolins schied man
daraus 6%
bis 8% steinige Abgänge aus. Bis zum Ende dieses Jahres war man mit der
Abbauscheibe im Tagebau wieder auf das Liegende in 15½ m Teufe gelangt und hatte
dabei 13.500 Zentner (zirka 675 t) Kaolin gefördert (Altes Archiv, Bestand
IIIA, Nr. 101A, Blatt 8ff).
Nicht anders ging der Betrieb auch im Jahr 1888 weiter: Der abgebaute Streifen wurde zugefüllt und davor ein neuer angelegt. Der Schacht nordwestlich des Tagebaus wurde offenbar noch zur Fahrung bis zur Tagebausohle genutzt; untertägiger Abbau aber fand in dieser Zeit nicht statt (Altes Archiv, Bestand IIIA, Nr. 101A, Blatt 13ff). Die Förderung lag mit 11.450 Zentnern (etwa 572 t) wieder ungefähr in gleicher Größenordnung, wie in den Jahren zuvor.
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Ab dem Jahr 1889 wurden
die Fördermengen in Kilogramm angegeben. Mit 105 t lag man deutlich unter dem
Ausbringen der Vorjahre, da nur von Oktober bis Dezember Betrieb umging (Altes Archiv, Bestand
IIIA, Nr. 101A, Blatt 21ff).
Die ,Wand' entlang der Grenze zum Krister'schen Baufeld auf Flurstück Nr. 2 ist am 4. Dezember 1890 „in einer Breite von 3 m abgegangen und hat den Tagebau auf die Hälfte seiner Breite verschüttet.“ Die Ursache dafür sah Herr Brunnemann in den dort dicht benachbarten Tiefbauen. Man werde die Abbaustreifen verschmälern, notierte er (Altes Archiv, Bestand IIIA, Nr. 101A, Blatt 26ff). Ab 1892 nahm man auch den Untertagebetrieb wieder auf (Altes Archiv, Bestand IIIA, Nr. 101A, Blatt 39ff). In den Folgejahren baute man jeweils in den Wintermonaten untertage, in den Sommermonaten im Tagebau ab. Die Jahresförderung schwankte zwischen knapp 300 t und über 600 t und erreichte mit 718,5 t im Jahr 1895 einen Höhepunkt. Niedrige Fördermengen verweisen darauf, daß die Arbeiter in solchen Jahren nach Sornzig oder nach Schletta gesandt wurden ‒ etwa im Jahr 1893, wo man im Sommer drei Monate Schletta'er Erde förderte, dafür in Seilitz nur 338,5 t ‒ denn beides wurde gewöhnlich durch dieselben Arbeiter erledigt.
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Über den Betrieb in Sornzig um den
Jahrhundertwechsel gibt uns auch ein Fahrbericht des Bergmeisters Seemann
der Berginspektion III
zu Freiberg vom 20. März 1900 Auskunft, worin man über seinen ersten Besuch
dieses Werkes lesen kann (40024-12, Nr. 29, Blatt 1ff):
„Die beiden kleinen Schachtanlagen von etwa 5,0 und 12,46 m Tiefe und die dazu gehörige Schlämmerei liegen auf Baderitzer Flur. Das Werk besteht seit Dezember 1840. Die Belegschaft besteht nur aus 3 Mann, einschließlich des Steigers und Betriebsleiters Wilhelm Dolch, der in der Schlämmerei wohnt. Die jährliche Produktion beläuft sich auf 2.500 dz (also 250 t) Porzellanerde für die Manufaktur. Der Grubenbetrieb dauert in der Regel nur von Beginn des Jahres bis Ende März, in der übrigen Zeit des Jahres wird die gewonnene Masse geschlämmt. Das Porzellanerdelager, ein Zersetzungsprodukt des Rochlitzer Porphyrs, besitzt eine söhlige Lage und eine sehr großen Schwankungen unterworfene Mächtigkeit. Letztere ist zu 6 bis 18 m anzunehmen. Die Farbe der rohen Porzellanerde ist eine ziemlich rein weiße. Nach einer Notiz in den Erläuterungen zu Blatt 29, Sektion Mutzschen, S. 6 der geologischen Spezialkarte werden aus der gewonnen rohen Prozellanrde durchschnittlich 32% feine, zur Porzellanfabrikation verwendete Masse ausgeschlämmt. Die Lagerstätte wird durch Pfeiler- Rückbau in zwei Etagen gewonnen. Es werden zunächst in der oberen Etage Pfeiler von etwa 10 m Breite und bis 30 m Länge durch Oerter von 2,5 m Höhe zum Abbau vorgerichtet. Darauf wird unmittelbar neben der Vorrichtungsstrecke ein Streifen von der Breite einer Strecke in dem Pfeiler eingehauen und am Ende des letzteren aneglangt, nach rückwärths ein Thürstock nach dem anderen weggenommen. Dann wird mit dem nächsten Streifen in gleicher Weise verfahren und so fort, bis der ganze Pfeiler abgebaut ist, wobei das Zubruchgehen der Förste dem Rauben der Zimmerung folgt. Hierauf wird sofort anschließend die untere Etage desselben Pfeilers abgebaut und dann erst wieder der inzwischen zum Abbau vorgerichtete nächste Pfeiler in Angriff genommen. Beim Betriebe der unteren Etage stößt man mitunter auf den Sand des Liegenden, an andere Stelle ist aber durch ein Bohrloch wieder 12 m Kaolin noch unter der Strecke der unteren Etage nachgewiesen worden. Die geschilderte Abbauart (…) ist nur anwendbar, weil bei der geringen und nur drei Monate lang in der Grube arbeitenden Belegschaft die Arbeiten sehr langsam fortschreiten und bis zum Beginn des Aushiebes der unteren Etage sich das Deckgebirge vollständig festgesetzt hat. Der etwa 5 m tiefe Fahrschacht bildet den einzigen Tageausgang, der Ziehschacht enthält keine Fahrung. Beide Schächte sind ausgemauert, mit massiven Kaue überdeckt und letztere ohne Blitzableitung. Von der Schaffung eines zweiten fahrbaren Tageausgangs könnte wohl abgesehen werden, weil an sich die Strecken ziemlich gut stehen und, wo sich Druck durch Hereinbrechen von Schalen bemerklich macht, sie sehr gut durch Mauerung ausgebaut sind. Letztere ist in der Weise vollführt worden, daß an den Ulmen aus Pochgestein Scheibenmauern aufgeführt sind, die in der Förste durch Porphyrplatten abgedeckt wurden, wie in nebenstehender Skizze dargestellt.“
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„Dieser außerordentlich dauerhafte Ausbau,
mit welchem im Jahre 1872 begonnen wurde, läßt erkennen, daß man auf sehr lange
Zeiten gedenkt, das Werk im Betriebe zu erhalten.
Grundwasser sind nicht zu heben. Vom Grubenriß, der in der Manufaktur aufbewahrt ist, ist nur eine Copie auf dem Werke. In sicherheitspolizeilicher Hinsicht war folgendes auszusetzen: 1.) An den Eingängen beider Schachtkauen fehlt das Zutrittsverbot für Unbefugte. 2.) An der Hängebank des Fahrschachtes ist kein Schachtdeckel angebracht. 3.) Die Pfosten zu Abdeckung des Fahrschachtes liegen nur lose auf. 4.) In der Anschlagesohle am Ziehschacht fehlt die Schachtabsperrung. 5. Am Ziehschachthaspel fehlt die Hängekagge. Freiberg, 1. April 1900.
Am 10. Dezember 1901 war der Inspektor das nächste Mal in Sornzig zugegen, führte aber nur eine Revision der Schlämmerei durch, da der Betrieb untertage – wie gewöhnlich um diese Jahreszeit – ruhte (40024-12, Nr. 29, Blatt 6f). In seinem Fahrbericht vom 22. Februar 1902 (40024-12, Nr. 29, Blatt 8f) fand er dann nur zu bemerken: „Den Anordnungen ist allenthalben nachgekommen worden, es fand sich nichts zu erinnern.“ Ab 1902 wurde die Schlämmerei in Sornzig eingestellt und der Rohkaolin nach Meißen gebracht (40024-12, Nr. 29, Blatt 11). Inzwischen auch hier Berginspektor Roch zuständig.
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1893 ging Hutmann Schönberg in Seilitz in Pension (Altes Archiv, Bestand IIIA, Nr. 39, Blatt 224). Die Funktion des Grubenaufsehers übernahm daraufhin Herr Schubert. Da Herr Brunnemann 1895 zum Direktor der Manufaktur ernannt worden ist, folgte ihm in der Betriebsleitung beim Weißerdenwerk nun der Betriebsinspektor Max Winkler nach. |
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![]() Dieselbe Croquis wie oben auf dem Stand von 1883; nun mit Nachbringungen bis 1892: Westlich des Förderschachtes ging wieder unterirdischer Abbau um. Auf Flurstück Nr. 2 rechts des Tagebaus ist hier vermerkt: „Krister unterird. Daeberitz zu Tage, früher Legscheid.“ Dieser Hof war demnach von Herrn Legscheid an Herrn Daeberitz übergegangen. Quelle: Unternehmensarchiv der Staatlichen Porzellanmanufaktur Meißen, Altes Archiv, Bestand IIIA (Betrieb der Manufaktur), Nr. 76, Blatt KA244-1, Ausschnittsvergrößerung. Zum Vergleich einige Jahre
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Bereits nach dem Inkrafttreten
des Gesetzes über den Regalbergbau, das 1851 die alten Bergordnungen in
Sachsen ablöste, unterlagen in
der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts die „Tongräbereien“ generell nicht mehr
der Bergaufsicht, sondern ausschließlich einer Beaufsichtigung durch die jeweils
zuständigen
Gewerbeinspektionen, zunächst noch beim zuständigen Gerichtsamt, dann bei der jeweiligen Amtshauptmannschaft.
Die Grubenrevisionen bei den fiskalischen Erdenwerken im Besitz der
Porzellanmanufaktur führte die Betriebsleitung aber selbst durch, wobei man
dieselben Formulare für die ,Fabrikrevision' benutzte, wie die Gewerbeinspektionen auch.
Solche Revisionsprotokolle zum Weißerdenwerk findet man in den Akten des
Landesbergamtes ab 1894; in diesen Jahren hat Bergrat Horst Karl Brunnemann
die Revisionen durchgeführt.
Über seine Revision des Weißerdenwerkes zu Seilitz am 2. Mai 1894 liest man in den Akten des 1869 gebildeten Landesbergamtes zu Freiberg kurz und knapp (40024-12, Nr. 392a, Blatt 1): „Der unterirdische Abbau erfolgt mittels Haspelschacht und in der Porzellanerde ohne Stempelbau eingeführte Stollen, welche in einem Tagebruch mit Tagestrecken direct zugänglich sind. Der Tagebau ist zugänglich mit Holzleiter- Fahrten. (...) Unter eine 5 m lange Strecke zum Abbau führend. Gebäude ausreichend.“ Im Protokoll ist noch festgehalten, daß nur 1 Arbeiter ‒ der Vorarbeiter namens Schubert ‒ ständig hier beschäftigt war, nur bei Mehrbetrieb noch ein zweiter.
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Auch die weiteren Revisionsprotokolle sind sehr kurz gefaßt ‒ was sollte es bei dem begrenzten Betrieb auch Neues zu berichten geben. Nach seiner Befahrung vom 8. Mai 1896 etwa notierte Herr Brunnemann, daß der Vorarbeiter Schubert gegenwärtig wieder allein auf dem Werk arbeite (40024-12, Nr. 392a, Blatt 2). Nach der Revision vom 24. September 1897 ist außerdem noch festgehalten (40024-12, Nr. 392a, Blatt 3): „Spund mit Klinke für Haspel empfohlen. Bm.“ Am 16. Januar 1896 sind nämlich die neuen Allgemeinen Bergpolizeivorschriften für das Königreich Sachsen in Kraft gesetzt worden und die Bergbehörde schaute nun ‒ wo sie schon zuständig war ‒ wieder genauer hin, ob alles auch technisch sicher ablief. Mit der ,Klinke', auch ,Sperrklinke' genannt, war eine Feststellbremse für die Haspelwelle gemeint, die es offenbar bis dahin hier noch nicht gab. Weil auch in späteren Zeiten von den Berginspektoren regelmäßig bemängelt wurde, daß die Arbeiter diese Klinke auskuppelten, um sich die Arbeit zwar nicht sicherer, aber vielleicht ein wenig leichter zu machen, zeigen wir hier anhand zweier Blaupausen aus dem Zwickau'er Kohlenrevier, wie diese Vorrichtungen aussahen.
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Auch das letzte Revisionsprotokoll aus der Hand von Bergrat
Brunnemann vom 26. April 1898 in dieser Quelle lautet genauso
knapp (40024-12, Nr. 392a, Blatt 4): „1 Mann, Tage- Streckenbau. Keine
Bemerkungen.“
Das Betriebsjournal zum Jahr 1897 berichtet, daß man aus dem Tagebau heraus eine Versuchsstrecke getrieben hatte, jedoch sei der Betrieb des Tagebaus bei weitem billiger. In dieser Richtung scheint man aber gute Erde angetroffen zu haben, denn ein Jahr darauf wurde ein neuer Tagebau südlich neben dem zweiten angelegt (Altes Archiv, Bestand IIIA, Nr. 101A, Blatt 86ff).
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1898 war auch im 4.
Tagebau das Liegende bei 18,2 m Teufe erreicht (Altes Archiv, Bestand
IIIA, Nr. 101A, Blatt 95ff).
Während im Sommer darauf nun wieder der 5. Tagebau betrieben wurde, schlug man
im Winter 1898 aus dem vierten Tagebau heraus eine Strecke nach Nordosten am
alten Ziehschacht vorbei bis auf die Pinge des früheren Abbaus durch, wo man auf
diese Weise einen zweiten Tageausgang für den untertägigen Betrieb gewann.
Die in den Folgejahren auf diesen Zeichnungen noch öfter zu findende Binge geht also nicht
auf den Tagebau ‒ der ja regelmäßig rückverfüllt wurde ‒ sondern auf den
Abbau aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts im Wolf'schen, jetzt
Beulich'schen Gartengrundstück zurück.
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Aus dem im Vorjahr
angefahrenen alten Bauen heraus schlug man Anfang 1899 von der alten Strecke ,Z'
aus eine neue Strecke ,p' nach Nordosten an.
Von dieser aus wurde eine Feldstrecke ,g' nach Südosten aufgefahren, wo
man wieder Abbau vorrichtete. Dieser Block und die ausgehauene Lagerfläche
umfaßten dabei rund 120 m². Auch den nordwestlich der Strecke ,p'
liegenden und an das alte Bruchfeld angrenzenden kompletten Block mit noch
einmal zirka 80 m² Grundfläche baute man bis zum Ende des Jahres 1899 komplett
ab. Dabei wurden 455 t Kaolin gefördert (Altes Archiv, Bestand IIIA, Nr. 101A, Blatt 104ff).
Bevor nun ein neues
Jahrhundert beginnt, schauen wir uns erst noch im übrigen Revier um, bevor wir
wieder nach
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![]() Der bis zum Herbst des Jahres erreichte Stand. Man erkennt hier gut die Vorgehensweise bei der ,Zerlegung' eines Blockes durch die Abbauörter. Quelle: Unternehmensarchiv der Staatlichen Porzellanmanufaktur Meißen, Altes Archiv, Bestand IIIA (Betrieb der Manufaktur), Nr. 101A, Blatt 104ff.
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![]() Bis Ende des Jahres war der gesamte Abschnitt abgebaut und zu Bruch geworfen. Auf diese Weise wird tatsächlich die gesamte Bauhöhe gewonnen - es bleiben keine Restpfeiler stehen. Allerdings sind beim Bruchbau auch Tagesbrüche unvermeidlich, da sich die Deckschichten ja auflegen und den Hohlraum wieder schließen. Quelle: Unternehmensarchiv der Staatlichen Porzellanmanufaktur Meißen, Altes Archiv, Bestand IIIA (Betrieb der Manufaktur), Nr. 101A, Blatt 104ff.
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Zum
Kaolinbergbau in Seilitz durch Carl Krister ab 1856
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Im zweiten Band von Louis Oeser's Album der sächsischen Industrie (S. 70) findet sich auch die folgende Beschreibung des benachbarten, privaten Werkes in Seilitz: Die Thonschlemmerei von Karl Krister in Seilitz bei Meißen. „Der Reichthum der Gegend um Meißen an den vorzüglichsten Thonarten ist bekannt, und es wird täglich mehr gesucht, dieses schätzbare Naturprodukt zu verwerthen, wie dieses die bevorstehende Errichtung einer großartigen Fayence- und Steingutfabrik in Meißen beweist, welche ihr Material allein nur aus der Nähe Meißens beziehen wird. Zu den Gruben, welche ganz vorzüglich feine Thonarten liefern, gehören die bei Seilitz (eigentlich Seidlitz), einem Dorfe zwischen Meißen und Lommatzsch, von ersterer Stadt eine und eine halbe Stunde entfernt, und diese sind schon seit ältester Zeit bekannt. Bei Entstehung der Porzellanfabrik zu Meißen wurde die Benutzung der Gruben von Staatswegen untersagt, ja, sie mußten selbst verstürzt werden, so weit ging damals die Sorge, man könne eine dem Meißner Porzellan ähnliche Masse daraus herstellen und dadurch dieser Fabrik gefährliche Concurrenz erwachsen. Späterhin aber bezog die Fabrik in Meißen selbst von hier aus Thonmasse, um dieselbe zu geringeren Sorten Porzellan zu benutzen und ihre Gräbereien bestehen heute noch. Die anderen Gruben wurden von den Begüterten des Ortes, auf deren Grundstücken sie eben vorhanden waren, nach und nach wieder aufgeschlossen, das alte Gesetz war in Vergessenheit gerathen, und zwar um so mehr, als man seit langen Jahren schon Gelegenheit gehabt, sich von dessen gänzlicher Nutzlosigkeit hinlänglich zu überzeugen. Herr Karl Krister, der Besitzer der bekannten Porzellanfabrik zu Waldenburg in Schlesien war in Bezug auf die Masse zu seinem Fabrikat stets auf sehr entfernte Gegenden gewiesen, da Waldenburg und seine Umgegend, sowie überhaupt der größte Theil Schlesiens keine für feinere Fabrikate taugliche Thonerde besitzt. Herr Krister bezog deshalb seinen Bedarf zeither aus Salzermünde bei Halle; allein auch die dort gewonnene Thonerde genügte nicht allen Ansprüchen, es wurde wünschenswerth, ein besseres Material zu erhalten und die Aufmerksamkeit richtete sich auf die reichen Thonlager bei Seilitz, wo denn nach getroffenem Uebereinkommen mit den Grundbesitzern im Jahre 1856 die Thonschlemmerei und Thongräberei angelegt wurde. Dieses Etablissement besitzt an Gebäuden
Zum Betrieb der Schlemmerei ist eine Dampfmaschine von zwölf Pferdekraft aufgestellt, hervorgegangen aus der Maschinenbauanstalt Karlshütte zu Altwasser in Schlesien. Bei der Thongräberei und Schlemmerei u.s.w. sind fortwährend zweiundfünfzig Mann beschäftigt, welche unter der Leitung des Herrn Direktor August Dimter stehen. Die hier gewonnene Thonerde ist von vorzüglicher Qualität, enthält aber 75% Quarzsand, oft als Krystallchen, weil die Erde von einem Porphyr stammt, dessen Räume mit Quarzkrystallchen als Drusen bekleidet sind; eingemengt findet sich bisweilen auch sandiger, magerer, grünlicher Thon, oft mit Muscheln. Deshalb fordert das Reinigen dieser Thonerde sehr umfassende Arbeiten, allein mit Hilfe der Dampfmaschine ist es dem Etablissement möglich, bei vollem Betriebe die Woche durchschnittlich 2.400 Centner Erde zu verarbeiten und daraus 600 Centner vollkommen gereinigten und getrockneten Thon herzustellen.“
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![]() Eine zeitgenössische Darstellung der Krister'schen Manufaktur aus dem Jahr 1857. Bildquelle: Sammlung des Porzellanmuseums Waldenburg / Wałbrzych, in: Waldenburg's weißes Gold, 2020.
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![]() Die Krister'sche Porzellanfabrik im Jahr 1927. Bildquelle: Sammlung des Porzellanmuseums Waldenburg / Wałbrzych, in: Waldenburg's weißes Gold, 2020.
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Es sei hier noch
ergänzt, daß Carl Krister (*1801, †1869) seinen Beruf in der 1811 begründeten Porzellanfabrik des Rittergutsbesitzers Ferdinand von
Brandenstein auf Roschütz bei Gera erlernt hatte und 1825 zunächst als
Blaumaler in die Steingutfabrik von E. A. Rausch in Waldenburg
/ Wałbrzych in Niederschlesien eingetreten ist. Durch Heirat
und Erbschaft wurde es ihm möglich, sich 1829 an der Gründung einer
Porzellanfabrik durch den Leinenkaufmann Johann Traugott Hayn
ebendort zu
beteiligen. Bereits zwei Jahre später pachtete er diese Porzellanfabrik und
kaufte sie 1834, dazu noch die Fabrik des Herrn Rausch in
Waldenburg. Im Jahr 1856 verfügte das Unternehmen bereits über 1.200
Mitarbeiter, auf dem Höhepunkt des Betriebes waren es einschließlich aller
Nebenbetriebe bis zu 3.000. Bereits ab 1840 verwandte er auch Steinkohle als
Brennstoff für die Brennöfen, was die Selbstkosten deutlich minderte. 1863 erwarb er
dazu die Steinkohlen- Grube
Cäsar in Reußendorf / Rusinowa bei Waldenburg, um die Brennstoffversorgung für
seine Fabriken unter eigene Kontrolle zu bringen (deutsche-biographie.de).
Nach dem Ableben des Unternehmensgründers wurde die Firma von Kommerzienrat Robert Haenschke, August Dimter, Franz Dimter und Carl Krister's Witwe Therese Krister, geb. Knittel übernommen. Wie oben bei Louis Oeser zu lesen stand, war 1856 August Dimter damals auch Direktor des Erdenwerkes in Seilitz. Wahrscheinlich war es der Geldbetrag, den eine der weiteren Erbinnen, Anna Dimter, als Ausgleich erhalten hatte, der es ihrem Gatten Hermann Ohme später erlaubte, eine weitere, eigene Porzellanfabrik in Waldenburg zu errichten. Nach dem Tod von Robert Haenschke 1904 übernahm dessen Sohn, Rittmeister Albert Haenschke das Unternehmen (A. Heintz, 1888, szukajwarchiwach.gov.pl, slaskaporcelana.pl). Nach mehreren Umfirmierungen im 20. Jahrhundert übernahm dann 1921 die Phillip Rosenthal & Co. AG die Aktienmehrheit von den Krister'schen Erben; 1936 war die Firma Carl Krister ganz in das Eigentum des Rosenthal- Konzerns übergegangen. Nach Ende des 2. Weltkrieges verlegte das Unternehmen den Sitz zunächst nach Landstuhl, 1965 nach Marktredwitz. Der Markenname erlosch 1971 infolge einer Umstrukturierung des Rosenthal- Konzerns. Im Stammhaus in Waldenburg dagegen wurde noch bis 2023 unter dem Namen Krzystof Porzellan produziert, dann aber die Produktion wegen zu hoher Energiepreise eingestellt (wikipedia.de).
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Nach L. Oeser's
oben zitierten Bericht ist die Kaolingrube und Schlämmerei der Krister'schen
Porzellanfabrik im schlesischen Waldenburg also seit 1856 auch im Besitz
einer eigenen Kaolingrube in Seilitz.
Das Seilitz'er Kaolinwerk zwar nicht, doch die zu dieser Zeit durch das Krister'sche Unternehmen auch schon betriebene Kaolingrube bei Löthain findet auch in den Revisionsberichten des Berginspektors Köttig zu den Tongruben aus dem Jahr 1876 Erwähnung (40024-12, Nr. 24, Blatt 56). Dessen Notizen zufolge bestanden damals 3 Schächte, von denen allerdings einer gerade abgesoffen war. Die beiden anderen waren knapp 23 m tief und untereinander verbunden, so daß die ,Ventilation' gewährleistet war. Angelegt waren 7 Mann auf zwei Abbauörtern. Zu beanstanden fand der Inspektor hier nichts. Wie wir schon wissen, schied Inspektor Köttig 1882 auf eigenen Wunsch aus dem beratenden Dienstverhältnis für die Amtshauptmannschaften in Meißen und in Pirna aus und wurde in dieser Funktion durch den Markscheider Oscar Choulant in Freiberg abgelöst. Am 13. September 1888 war der letztere im Revier unterwegs und teilte der Amtshauptmannschaft danach auch mit, daß er bei seinen kürzlich vorgenommenen Revisionen „in Löthain und Oberjahna Thongruben in Betrieb gefunden habe, von welchem mir Betriebspläne etc. nicht bekannt sind.“ Weiter schrieb Choulant: „Da auf diesen Gruben auch bereits Unglücksfälle beim unterirdischen Betriebe vorgekommen sein sollen, so erlaube ich mir ganz ergebenst, (...) der sehr geehrten Königl. Amtshauptmannschaft davon zugleich mit Kenntniß zu geben.“ (40024-12, Nr. 269, Blatt 37ff). Daraufhin forderte die Amtshauptmannschaft in Meißen am 16. Oktober 1888 alle fünf von Herrn Choulant angesprochenen Bergbauunternehmen zur Einreichung von Betriebsplänen auf (40024-12, Nr. 269, Blatt 50). Am 2. November 1888 erwiderte Betriebsleiter Dipl.-Ing. Franz Göthe namens der Krister‘schen Kaolinwerke auf diese Aufforderung, daß er gar keine Tongruben betreibe, sondern – und zwar in Seilitz seit 1857, in Löthain seit 1868 – „gleich der C. Tielsch'en Schlämmerei in Meißen und der Königlichen Porzellanmanufaktur nur rohe Porzellanerde abbaue und erlaube mir zu erwähnen, daß ich in dieser langen Zeit behördlich nicht aufgefordert wurde, irgend welche Eingabe über die Art und Weise meines Abbaus einzureichen. Da nun dieser Abbau ein sehr gefahrloser und sehr einfacher und ebenso, wie der Betrieb der Schlämmerei der Töpferei- Berufsgenossenschaft unterstellt ist und von einem bergmännisch gebildeten Steiger geleitet wird, auch in dieser langen Zeit ein Unglücksfall nicht nachzuweisen ist, so wolle ich hierfür Eure Königl. Amptshauptmannschaft höflichst gebeten haben, diese Angelegenheit noch einmal gütigst in Betracht zu ziehen...“ Weil „diese Arbeit auch mit gehörigen Unkosten verbunden“ sei, wollte man von der Betriebsplanpflicht entbunden bleiben. |
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Weil der Abbau aber doch „unterirdisch“ erfolge, lehnte – danach befragt – Markscheider Choulant einen solchen Ausnahmeantrag am 7. November 1888 ab (40024-12, Nr. 269, Blatt 52). Während die Tongrubenunternehmen der Aufforderung zwar zögerlich, aber schließlich doch nachkamen, fehlte zum Schluß nur noch ein Betriebsplan für die Krister'schen Gruben in Seilitz und Löthain. Die Amtshauptmannschaft hatte an dessen Einreichung am 22. Dezember 1888 noch einmal erinnert (40024-12, Nr. 269, Blatt 68c). Herr Göthe bat um 24. Januar 1889 noch einmal um Fristverlängerung, sandte aber dann doch schon einen Tag später die Grubenrisse nach Meißen ab (40024-12, Nr. 269, Blatt 76f). Mit diesen war Herr Choulant aber schon aus zeichnerischen Gründen unzufrieden, denn es fehlte jede Schnittdarstellung oder Tiefenangabe, auch seien Strecken teils über die Wege an der Oberfläche hinweg gezeichnet, was ja nun gar nicht sein könne. Da sowohl in Seilitz, wie in Löthain der Abbau nur von einem Schacht aus erfolge, seien aber korrekte Risse und eine textliche Beschreibung für eine Beurteilung der Abbauführung, insbesondere im Hinblick auf die Sicherheit der Arbeiter, unerläßlich. Er sandte daher am 1. Februar 1889 alles ohne Zustimmung zum Betrieb wieder über die Amtshauptmannschaft zur Überarbeitung an den Betriebsleiter zurück (40024-12, Nr. 269, Blatt 78f). Herr Göthe antwortete auf das Schreiben am 16. Februar 1889, daß er die Risse sofort Herrn Bergdirektor Lorenz in Miltitz (vermutlich derselbe, der für Tielsch & Comp. den Betriebsplan mit ,pp.' unterzeichnet hatte) übergeben habe und bat gleich erneut, des Arbeitsumfangs halber, um Fristverlängerung (40024-12, Nr. 269, Blatt 80). Am 1. April 1889 hat dann Betriebsleiter Göthe die überarbeiteten Risse und diesmal auch ausführliche „Erläuterungen zum Betriebe... auf das Jahr 1889“ für die Krister‘schen Kaolingruben, aufgesetzt von dem ,Factor und Betriebsdirector a. D.‘ Lorenz, nach Meißen gesandt (40024-12, Nr. 269, Blatt 84f). Derweil hatte sich Herr Choulant aber zu einer Besichtigung der Krister’schen Erdegruben aufgemacht, über die er am 12. April 1889 an die Amtshauptmannschaft berichtete (40024-12, Nr. 269, Blatt 81f), daß auf der Grube in Löthain zwar durch „mehrfach niedergestoßene Luftlöcher“ für hinreichende Ventilation gesorgt sei, aber jegliche zweite Verbindung zur Tagesoberfläche fehle. Ein zweiter Tageschacht sei hier also dringend angeraten. In Seilitz hingegen fand er den Voigtschacht und den Beulichschacht – also nicht nur einen – in Betrieb vor. Beim ersten werde nur noch ein letzter Pfeiler in der oberen Sohle abgebaut, was „bei der guten Herstellung der Krister'schen Schächte“ ohne Bedenken genehmigt werden könne, zumal es eine Verbindung zur zweiten Sohle gäbe. Vom Beulichschacht aus gäbe es „mehrere offene Durchschläge mit dem angrenzenden Tagebaue der Königlichen Porzellan- Manufactur“ – schau an – und damit hinreichende Fluchtwege, daher stehe dem beschriebenen Betrieb nichts entgegen. Am 16. Mai 1889 konnte Herr Göthe
der Amtshauptmannschaft die Fertigstellung des Fluchtschachtes für den
nördlichen Feldteil in Löthain mitteilen (40024-12, Nr. 269, Blatt 89). Am
23. August d. J. teilte er auch die Fertigstellung des zweiten
Fluchtschachtes mit (40024-12, Nr. 269, Blatt 109). In den Folgejahren
haben sich dann andere Unternehmen fachlichen Rat und Unterstützung bei
der Erstellung der Betriebspläne bei Herrn Göthe geholt, etwa das
vormals Ernst Teichert'sche Unternehmen im Jahr
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Ein erstes Protokoll der Gewerbeinspektion bei der Amtshauptmannschaft in Meißen über eine Kontrolle am 20. April 1891 ist in dem zur Grube von der Berginspektion III in Freiberg im Jahr 1900 übernommenen Aktenfaszikel enthalten, bezieht sich aber nur auf die ,Thonschlämmerei' übertage (40024-12, Nr. 394, Filmnummer 0033). Darin wurde bemängelt: „1. Das Geländer der nach dem Stockwerk führenden Treppe ist zu vervollständigen. 2. Liegende Welle (Hauptvorgelege) im 1. Stock ist durch Geländer abzusperren. 3. Eine (…unleserlich) Wasserpumpe ist mit einem Ausrücker zu versehen.“ Vom 21. Januar 1892 stammt dann ein in dieser Akte enthaltenes Schreiben aus der Hand von Carl Krister selbst, in welchem er ‒ vermutlich in Beantwortung eines Fragebogens der Amtshauptmannschaft zu den Arbeiterverhältnissen ‒ berichtet, daß gegenwärtig 25 Arbeiter und 3 Arbeiterinnen beschäftigt würden, von denen außer zweien alle über 35 Jahre alt sind. Ferner sind 1 Beamter, 1 Fabrik- Inspektor, welcher Vollmacht hat, 1 Grubensteiger und 3 Vorarbeiter angestellt. Weiter heißt es: „Von meinem Arbeiterpersonal sind 15 über 15 und bis 30 Jahre in meinen Diensten und ist über Unzufriedenheit unter denselben keine Klage zu führen. Ich habe meine eigene Betriebskrankencasse, wozu meinerseits die gesetzliche Beisteuer entrichtet wird. Noch erwähnenswert, daß meine Arbeitszeit von 6 Uhr morgens bis 6 abends lautet und während derselben eine 2 stündige Unterbrechung durch Frühstück, Mittag und Vesper stattfindet.“ Wer nachlesen möchte, findet ab Filmbildnummer 0040 auch das Statut dieser Betriebskrankenkasse und ab Filmbildnummer 0052 eine Arbeitsordnung aus dem Jahr 1892. Eine eigene betriebliche Krankheitsvorsorge kann für diese Zeit bereits als ziemlich fortschrittlich gelten. Weitere Revisionsprotokolle der Gewerbeaufsicht datieren auf den 21. Dezember 1892, den 12. August und den 9. Dezember 1893. Dasjenige vom 2. Mai 1894 berichtet uns (40024-12, Nr. 394): „Die im Schacht gewonnene Erde wird geschlämmt, ⅔ ist Sand, ca. ⅓ brauchbar. Geschäftsgang z. Theil lahm; Luxusporzellan geht nicht.“ Zu bemängeln fand der Beamte: „Die Gänge zwischen den Herden im Lufttrockenraum haben keine Absperrungen nach der Straße zu, Latten genügen.“ Am 23. September 1895 notierte man, daß noch immer kein Geländer angebracht war; außerdem können wir hier lesen: „Die Rückstände der Schlämmerei finden als Quarzsurrogat Verwendung und werden als solches verkauft. Die Seilitzer Grube enthält 80% Rückstände.“ Die Akte enthält noch weitere Revisionsprotokolle aus den Jahren 1896 bis 1899 zur Schlämmerei, welche uns aber naturgemäß nichts zum Abbau des Kaolins berichten. Am 19. April 1892 zeigte Herr Krister der Amtshauptmannschaft an, daß er beabsichtige, auf Parzelle No. 32 in Flur Seilitz einen neuen Förder- und Fahrschacht zu Gewinnung von roher Porzellanerde abzuteufen und bat um gütige Erlaubnis. Wie wir das schon kennen, sandte die Amtshauptmannschaft die Anzeige an Markscheider Choulant in Freiberg, welcher am 23. April 1892 antwortete, man möge ihm bitte einen Grubenriß schicken, um sich die Besichtigung an Ort und Stelle zu ersparen, was so wieder über die Amtshauptmannschaft zurück an Krister ging. Derselbe sandte daraufhin einen „Situationsplan“ und bekundete seine Absicht, genauere Zeichnungen nachzureichen, sobald die Ausrichtungsstrecke aufgefahren sei. Außerdem liest man hier: „Der Voigtschacht in Seilitz ist seit 2 Jahren außer Betrieb, abgebrochen und verfüllt, während der Abbau des Beulichschachtes nächsten Monat seinem Ende entgegen geht, sowie abgebrochen und verfüllt wird.“ (40024-2, Nr. 394, Blatt 4) Folglich ist auch zuvor schon auf bergmännische Weise das Kaolin untertage in wenigstens den zwei hier genannten Schächten abgebaut worden. Choulant bescheinigte daraufhin am 14. Mai 1892, der Inangriffnahme eines neuen Schachtes an diesem Orte stünden Bedenken nicht entgegen. Da er weit von dem bisherigen Baufeld entfernt liege, seien Gefährdungen durch alte Baue dort nicht zu befürchten und so verwies er nur auf die einschlägigen Bergpolizeivorschriften und daß der Fahr- und der Ziehschacht gegeneinander abgetrennt sein müssen.
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Am 14. August 1893 zeigte die Carl Krister Porzellan Erde- Gruben und
Dampfschlämmerei in Seilitz dann bei der Amtshauptmannschaft an, man
beabsichtige auch in Löthain'er Flur einen neuen Schacht zur Gewinnung von
Porzellanerde anzulegen (40024-12, Nr. 25, Blatt 35).
Der diesem Antrag beigefügten Skizze zufolge besaß die Firma hier bereits
einen „alten“ und einen „Fluchtschacht“ und wollte nun unweit davon einen
dritten abteufen. Hierzu meinte Herr Choulant am 20. August 1893,
daß dieser Schacht in einem bereits 1889 unter dem früheren
Betriebsdirektor Lorenz abgebauten Felde zu stehen kommen und es
zur Beurteilung nötig sei, zu wissen, wie der neue Schacht gegen die
bereits vorhandenen Grubenbaue liege (40024-12, Nr. 25, Blatt 37f).
Das Unternehmen teilte hierzu am 1. September noch näher mit, daß der neue
Schacht den alten, baufällig gewordenen Förderschacht ersetzen solle,
während der Fluchtschacht bestehen bleibe.
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Im Gegensatz zum fiskalischen Werk
am gleichen Ort erfolgten die Fabrikrevisionen
bei allen privat betriebenen Werken, also auch hier, noch bis zum Ende des 19. Jahrhunderts stets durch die
Gewerbeinspektion bei der Amtshauptmannschaft Meißen. Einige dieser
Revisions- Protokolle sind in den Grubenakten der Berginspektion
III
überliefert und haben dieselbe Form, wie die auch von Bergrat
Brunnemann für das fiskalische Werk in Seilitz verwendeten Formulare. Das älteste, in den
Grubenakten überlieferte Revisionsprotokoll der Gewerbeinspektion zum
Grubenbetrieb auf der
Krister'schen
Porzellanerdegrube in Seilitz datiert auf den 2. Mai 1894 und berichtet
uns (40024-12, Nr. 394, Filmbildnummer 0029):
„Abbau, welcher angeblich unter Aufsicht des Kgl. Bergamtes steht und vom Markscheider Choulant, Freiberg beaufsichtigt wird. Obersteiger Sagner, seit 4 Jahren Träger der Medaille für Treue in der Arbeit, am 6. August 38 Jahre angestellt, 72 Jahre alt. Schacht 25 m tief, Haspelschacht, 6 Mann Erwachsene beschäftigt, über 21 Jahren. Arbeiterstube ausweißen.“ Neben der Grube in Seilitz betrieb man auch eine zweite östlich von Löthain. Am 12. Oktober 1896 sandte Faktor F. Göthe Betriebspläne für diese beiden Gruben in Löthain und Seilitz an die Amtshauptmannschaft (40024-2, Nr. 394, Blatt 9). Demnach sei der neue Förderschacht in Seilitz 20 m tief und in Betrieb gegangen, der westlich liegende Oberbau soll hier zunächst in Angriff genommen werden; der nach Osten liegende Tiefbau später, da sich die einigermaßen abbauwürdige Porzellanerde nach Osten mehr in die Tiefe erstrecke. Der Abbau in Löthain sollte in 22 m Tiefe in bisheriger Weise fortschreiten. Markscheider Choulant sandte am 21. Oktober 1896 seine Stellungnahme dazu an die Amtshauptmannschaft. Für Löthain empfahl er, Parallelstrecken zur Aufschließung zu treiben, um immer die Fluchtwege sicherstellen zu können. Da sich in Seilitz der Grubenbau schnell weit vom Schacht entfernt habe, empfahl er, dort einen zweiten Fluchtschacht zu teufen. Sonst aber hatte er „Einwendungen gegen den geplanten Betrieb nicht zu erheben.“ (40024-2, Nr. 394, Blatt 10f) Faktor Göthe bestätigte am 8. Januar 1897 der Amtshauptmannschaft in Umsetzung der Empfehlungen die Inangriffnahme des zweiten Fluchtschachtes in Seilitz (40024-2, Nr. 394, Blatt 13f). Das nächste der Protokolle über eine ,Fabrik- Revision' durch die Amtshauptmannschaft auf dem Werk stammt vom 26. Oktober 1896; es ist genauso knapp und die Unterschrift ist genauso unleserlich (40024-12, Nr. 394, Filmnummer 0030): „Beschäftigt werden 5 Mann. Förderung pro Tag 240 Ctr. Die Arbeiterstube ist klein und niedrig, auch heizbar, für die wenigen Arbeiter aber ausreichend.“ Die hier genannte Förderung pro Tag würde sich bei 52 Wochen und 6 Arbeitstagen pro Woche übrigens auf 3.744 t ‒ rund das Zehnfache des staatlichen Weißerdenwerkes ‒ summieren, wobei wir allerdings bedenken müssen, daß auch dieses Rohmaterial ja nur 20% Kaolin enthielt. Weitere derartige Protokolle zur Grube in Seilitz datieren auf den 24. September 1897 und den 26. April 1898; für den Schacht in Löthain auf den 16. August 1895, sowie den 15. April 1898 und den 10. Juli 1899. Viel mehr ist aber auch diesen nicht zu entnehmen.
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![]() Die dazumal Krister'sche ,Thonschlämmerei' ist auch in den Äquidistantenkarten von Sachsen, Blatt 48: Section Meißen, erste Ausgabe aus dem Jahr 1881, verzeichnet. Westlich des Krister'schen Schachtes - am östlichen Gehänge des Seilitzbach- Tales - markieren Schlägel und Eisen das Weißerdenwerk der Manufaktur.
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![]() In der Ausgabe desselben Kartenblattes aus dem Jahr 1895 findet man dann westlich der Krister'schen Tonschächte im Bereich des Weißerdenwerkes zwei Tagebaue. Bei dem an der Ostseite des Schieritzer Weges angedeuteten Umriß dürfte es sich dagegen nicht um einen Tagebau, sondern um das Bruchfeld über den Krister'schen Tiefbauen handeln.
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Zum Tonbergbau im
Raum Löthain- Mehren im 19. Jahrhundert
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Die Quellen zum Ton- und Kaolinabbau um Löthain und Mehren
aus dem 18. Jahrhundert sind mehr als dünn gesät.
Aus der Abrechnung von Porzellaninspektor Georg Friedrich Haustein auf das Jahr 1765 haben wir aber immerhin erfahren, daß die Manufaktur bereits in diesem Jahr ‒ neben der ,Schnorrischen Erde' aus Aue und der ,Seilitzer Erde' ‒ außerdem auch 7.491 Zentner Ton aus Jessen, 700 Zentner Ton aus Colditz und weitere 726 Zentner aus „Gaschke“ (Kaschka) beschafft hat. Ton aus diesen Gegenden verwandte man also bereits im 18. Jahrhundert ebenfalls in Meißen; auch, wenn die Manufaktur sich hier nicht in gleicher Weise in den Abbau einschaltete, wie hinsichtlich der Erdengewinnung in Seilitz. Die Arbeiterlöhne in Kaschka vollständig und die Gewinnungskosten für 4.084 Zentner des Jessen'er Tones liefen jedoch über Ehrenfried Größel's Abrechnung. Hinzu kamen dann noch einmal 9 Fuder und 48 Zentner an „Probe Thon“ von verschiedenen Orten, darunter Erbschütz und Zapfendorf. Aus Zapfendorf kam ‒ was hier besonders vermerkt ist ‒ roter Ton (10079, Loc. 13003/20, Rückseite Blatt 88ff).
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Auch noch
weit bis in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts beziehen sich Aktenüberlieferungen
oft nur auf gerichtsrelevante Streitfälle. So erstattete etwa Friedensrichter Heinrich Adolph Steiger in Löthain, zugleich Pächter des Ritterguts und Generalbevollmächtigter der Gebrüder von Römer auf Löthain, am 16. April 1867 eine Anzeige im Justizamt Meißen (40024-12, Nr. 24, Blatt 1f). Dieser zufolge haben die Gutsbesitzer Carl Ludwig Benndorf, Carl Gottlieb Finke und Johann Gotthelf Winkler in Löthain für ihre Grundstücke, welche „neben dem von Löthain nach Lobschütz und Leutewitz führenden Communicationsweg (liegen), einen Thonabbauvertrag mit dem Schiffer Gottlob Marcus in Meißen in der Weise abgeschlossen, dass derselbe seit vorigem Jahr den unter dessen Feldern gelegenen Thon ausgräbt und verwerthet und den Eigenthümern des Grund und Bodens einen sogenannten Bruchzins abgiebt. Bei dem Betriebe dieses Abbaus, welcher eine weit größere Ausdehnung gewonnen hat, als ich vermuthete, ist nun gestern in unmittelbarer Nähe des Weges ein bedeutendes Stück in dem Löthainer Rittergutsfelde eingestürzt und es ist schon jetzt ein bedeutender Schaden entstanden.“ Aber auch der öffentliche Weg sei gefährdet. Sowohl die Rittergutsbesitzer von Roemer, als auch
Herr Steiger waren auf der Löthain’er Rittergutsflur
auch
Die Angelegenheit wurde vom Gerichtsamt jedenfalls zunächst der Amtshauptmannschaft zur Kenntnis gebracht. Diese forderte auf, als erstes Herrn Chausseeinspektor Hollstein als Straßenbautechniker zu Rate zu ziehen und bei Bedarf unverzüglich eine Absperrung vorzunehmen. Am 17. April 1867 gab es dazu eine Localerörterung, zu welcher auch der oben genannte Schiffseigner Johann Gottlob Marcus zu Meißen hinzugezogen wurde (40024-12, Nr. 24, Blatt 3ff). Dem Protokoll zufolge lagen besagte Flurstücke Nr. 96, 97 und 98 des Flurbuchs außerhalb des Dorfes, rechts des von Löthain nach Stroischen und Lobschütz führenden Weges und beiderseits des von Mehren nach Löthain führenden Schulweges. Auf der Parzelle 97 „steht ein Schachthaus und unter demselben ist ein Schacht eingetrieben, welcher in vollem Betriebe sich befindet.“ Der strittige Einbruch nun lag 8 Schritt von der Kante des Weges entfernt auf der Parzelle No. 39 (auf Rittergutsflur), nur 2 Schritt vom Schulweg entfernt und war ohngefähr drei bis fünf Ellen tief und 4 bis 5 Ellen breit, ein zweiter dergleichen fand sich auf der Benndorf‘schen Parzelle und ein dritter von kleinerem Umfange und „bereits mit Thonerde ausgefüllet“ lag unmittelbar am Rande des Weges. Sie waren vor einigen Tagen „plötzlich entstanden.“ Der Herr Chausseeinspektor fuhr mit dem Rechtsbeistand des Hrn. Marcus und mit Schichtmeister Jllgen im Schacht ein. Dort fanden sich drei Strecken, die Einfluß auf den Weg haben könnten: „Die erste zweige von der 3¾ Stunde aus dem Meridian liegenden Hauptstrecke seitlich ab, war aber nur noch auf 5 Ellen Länge gangbar...“ Dieser Punkt stehe noch 14 Ellen vor der Mitte des Weges. Wie der Schichtmeister versicherte, sei sie „nachdem das jenseits gelegene Benndorf'sche Feld abgebaut worden, zugesetzt worden und zwar (...) unter Belassung der Zimmerung nicht nur auf der Breite des Communicationsweges, sondern auch darüber hinaus auf beiden Seiten 4 bis 5 Ellen breit mit Thon ausgesetzt“ worden. Die zweite Strecke war 33 Ellen hinter der ersten angesetzt und noch in Betrieb. Sie war mit Türstockzimmerung versehen, wobei Kappen und Stempel 10 Zoll stark waren (rund 25 cm). Als Firstverzug waren ¾ bis 2 Zoll starke Schwarten verbaut. Die dritte Strecke zweige von der vorgedachten auf der Westseite des Weges ab und zog sich „nach demselben vorwiegend zu“. Sie war ebenso gebaut und kam dem Rande des Weges bis auf wenige Ellen nahe. Der Chausseeinspektor urteilte daraufhin, daß an den Wegunterquerungen nicht nur Türstockausbau mit Verzug, sondern dieselben Bau an Bau gestellt werden müssen, was man dem Grubenbesitzer bescheiden wollte. Trotzdem sollte aber noch ein bergmännischer Sachverständiger „über die ganze Art und Weise des Betriebes gehört werden.“ Der Friedensrichter behielt sich dabei vor, daß dieser Sachverständige „zugleich beauftragt werde, sich auch im öffentlichen Interesse über sämtliche, in hiesiger Dorfflur noch in Betriebe stehenden Schächte auszusprechen.“ Es gab also zeitgleich schon mehrere in Umgang stehende Gruben in Löthain.
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![]() Ausschnitt aus den Meilenblättern von Sachsen, Berliner Exemplar, Blatt 160. Östlich von Mehren ist hier eine ,Thongräberei' eingezeichnet.
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![]() Ausschnitt aus den Meilenblättern von Sachsen, Berliner Exemplar, Blatt 185. Eine ,Thongräberei' gab es um 1800 auch schon westlich von Löthain. |
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![]() Wir markieren uns einmal auf den vom Geoportal bereitgestellten, georeferenzierten Meilenblättern des Berliner Exemplars die Standorte, an denen die Kartographen am Ende des 18. Jahrhunderts Standorte von Tonwerken vermerkt haben. Neben Seilitz im Norden finden wir solche südlich von Löthain, wo Heinrich Rühle später den Johannaschacht teufte, südlich von Kaschka, wo später die Teichert'schen Begußtonschächte vermerkt werden und östlich von Mehren, wo in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts die Venus'schen Glückaufschächte zu liegen kamen. Zur ersten Ausgabe der Äquidistantenkarten
aus dem Jahr
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Aufgrund dieses Protokolls
forderte die Amthauptmannschaft denn auch beim Bergamt einen Sachverständigen an
und als solcher sollte Obereinfahrer Carl Hermann Müller aus
Freiberg zur Begutachtung nach Löthain abgesandt werden. Für den 8. Mai 1867 wurde
dazu ein neuer Termin für eine Localerörterung mit der Straßenbau- Commission des
Amtsbezirks Meißen angesetzt (40024-12, Nr. 24, Blatt 9ff)
Unter dem 24. Juni 1867 erstattete Herr Müller darüber dann den folgenden Bericht, den wir fast vollständig zitieren wollen, weil er uns noch einmal die Abbautechnologie und den damaligen technischen Stand bei den Tongruben beschreibt (40024-12, Nr. 24, Blatt 15ff): I. „Das von Herrn Johann Gottlob Marcus durch Verträge mit den betreffenden Grundbesitzern erworbene unterirdische Thonabbaufeld begreift die nahe nordwestlich von Löthain, zu beiden Seiten des von diesem Orte nach Löbschütz und Stroischen führenden Communicationsweges gelegenen Grundstücke No. 36, 93, 95, 96, 97 und 98 des Flurbuchs von Löthain. Dieses Areal bildet an der Gebirgsoberfläche ein wenig undulirtes, gegen den gedachten Communicationsweg sanft abfallendes Terrain, deßen tiefster Punkt an diesem Wege unmittelbar beim Eingange in das Dorf gelegen ist. Der Untergrund dieses Areals besteht zunächst unter der Ackererdeschicht aus Lehm und Sand der Diluvial- Formation in verschiedener Stärke, worunter Sand und Geschiebe (Kies), dann zäher, plastischer, grauer, in trockenem Zustande weißer Thon der Tertiär- Formation folgen, wovon letzterer in seinen reineren Lagen den Gegenstand der Gewinnung abgiebt. Der Thon, in welcher unter dem größten Theile der Löthainer und angrenzender Fluren ausgebreitet zu sein scheint, hat zwar eine ziemlich horizontale Schichtung, zeigt aber an einzelnen Puncten, unabhängig von den Niveauverhältnissen der Gebirgsoberfläche, kleine Erhöhungen und Vertiefungen, die jetzt aber sämtlich von dem darüber lagernden Sand-, Geschiebe- und Lehmmassen bedeckt sind. Da der Thon eine das Wasser nur sehr schwer und langsam durchlassende, der Sand und das Geschiebe aber ein das Waßer sehr leicht durchlassende und aufnehmende Masse ist, so ist die Folge, daß in den unterhalb der nächsten Thalsohle gelegenen Vertiefungen über dem Thone häufig wasserreiche Schwimmsand- oder Treibsandschichten vorkommen. Dies ist unter anderm der Fall in dem südöstlichen Theile des Marcus’schen Thonabbaufeldes, sowie in den Abbaufeldern inmitten des Dorfes Löthain. Herr Marcus hat nach seiner Angabe den obenbezeichneten Grundstücken an mehreren Punkten durch niedergebrachte Bohrlöcher sowohl die Tiefe des Thonlagers unter der Gebirgsoberfläche, als auch die Stärke und Beschaffenheit der darüber lagernden Schichten näher ermittelt. Danach soll dort der Treibsand die auf beiliegender Rißskizze angedeutete Verbreitung haben.“
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„A. Der von
Herrn Marcus angelegte Schacht, von welchem aus der unterirdische Thonabbau
stattfindet, liegt auf dem Grundstücke des Gutsbesitzers Finke No. 97, in 10
Ellen südlicher Entfernung von dem obgedachten Communicationswege und in 184
Ellen gerader nordwestlicher Entfernung von dem Gebäude der Löthain‘er Schmiede.
Er hat 4 Ellen, 4 Zoll lichte Länge, 2 Ellen, 2 Zoll lichte Weite und von der
Tagesoberfläche bis zur Abbaustreckensohle 47 Ellen, 18 Zoll vertikale Tiefe
(etwas über 27 m). Er steht durchaus in ganzer Schrotzimmerung, welche aus 6 –
10 Zoll starken Schachtgevieren hergestellt und zur Zeit in genügend sicheren
Zustande befindlich ist. Nach Angabe des Grubenaufsehers Illgen ist der Schacht
auf 6 Ellen Tiefe vom Tage herein in Lehm, dann 18 Ellen in Sand und Kies, dann
5 Ellen im schwimmenden Treibsand und zuletzt bis in das Supftiefste in Thon
abgeteuft. Von diesem Schachte aus läuft nun in der angegebenen Tiefe
B. eine im Thonlager hergestellt Hauptstrecke in ziemlich gerader Richtung Stunde 3,6 des bergmännischen Compaßes gegen Süd- West, unter den Grundstücken Finke's No. 97 und Winkler’s No. 96, auf angeblich 124 Ellen Länge fort, wovon jedoch die letzten 80 Ellen, sowie der vom Endpunkte dieser Strecke rückwärts auf angeblich 20 Ellen Länge und 33 Ellen Breite gegen Süd- Ost ausgedehnte Thonabbau (a. auf anliegender Zeichnung) nicht mehr gangbar und zugänglich sind. Von der Hauptstrecke ist C. bei 10,24 Ellen Entfernung vom Schachte eine Seitenstrecke in der Richtung Stunde 10,0 gegen Nord- West abgezweigt, welche jedoch nur auf 4,23 Ellen Länge noch offen und gangbar, dann aber durch einen Holzverbau geschlossen ist. Nach des Aufsehers Jllgen Angabe geht diese Seitenstrecke noch auf weitere 38 Ellen in der zuletzt bemerkten Richtung fort, also unter dem Löthain- Löbschütz‘er Communicationswege hinweg, nach dem jenseits dieses gelegenen Benndorf’schen Grundstücke No. 93 hinüber. Nach Jllgen’s weiterer Angabe soll diese Seitenstrecke bei 23 Ellen Entfernung von der Hauptstrecke B. das Mittel des gedachten 10 Ellen breiten Communicationsweges erreichen, und zu beiden Seiten dieses Mittels auf 10 Ellen Länge mit Thon ausgesetzt sein. Bei 42 Ellen von der Hauptstrecke B. soll diese Strecke sich unter fast rechtem Winkel gegen Nord- Ost umwenden und in diese Richtung auf 34 Ellen weiterer Länge, so dann aber wiederum gegen Nord- West auf 40 Ellen Länge sich weiter erstrecken und einfache Abbauörter (b. b.) neben sich haben. Innerhalb der letztgedachten Länge war es, wo im letzten Frühjahre ein Durchbruch in dem Dache der Strecke und mit solchem ein starker Zufluß von Treibsand und Waßer aus der darüber befindlichen Sandschicht erfolgte, der die Strecke und die daran anstoßenden Abbaue zum größten Theile erfüllte und verschlämmte. Der nun jene Zeit sich die in der Registratur vom 17ten April dieses Jahres erwähnte, gegenwärtig aber wieder ausgefüllten Tagebrüche im Rittergutsfelde No. 39 und auf Benndorf’s Felde No. 93 zu beiden Seiten des Mehren’er Schulweges und mehr dem Löthain- Löbschütz’er Communicationswege ereigneten, so ist mit größter Wahrscheinlichkeit anzunehmen, daß der gedachte Durchbruch in dem Dache der Strecke zugleich die Ursache der bemerkten Tagebrüche gewesen ist. Obwohl, vorstehender Angabe zufolge, der letzte Theil der Seitenstrecke, wo der Durchbruch erfolgt ist, noch unter dem Grundstücke Benndorf’s und noch ungefähr 39 Ellen von der Rainung des Rittergutsfeldes No. 39 entfernt liegt, so sind doch jene Tagebrüche bei der flüßigen, leicht verschiebbaren Beschaffenheit des Treibsandes über dem Thonlager, welche Dislocationen auf größere Entfernung hin möglich machte, leicht erklärlich. D. Eine andere Seitenstrecke geht in 46,6 Ellen nordwestlicher Entfernung vom Schachte von der Hauptstrecke B. gegen Nord- West, in nicht ganz gerader Richtung Stunde 11,4 bis 9,4 des Compaßes im Ganzen auf 70 Ellen Länge ebenfalls unter dem Löthain- Löbschütz’er Communicationswege hinweg, nach dem Benndorf’schen Grundstücke No. 93 hinüber. Von dieser Seitenstrecke zweigt sich E. bei 13 Ellen Abstand von B. in der Richtung Stunde 5,2 bis 6,2 gegen West auf 64 Ellen Länge ziemlich parallel mit dem besagten Communicationswege und in ungefähr 18 bis 20 Ellen südlichem Abstand von diesem, eine Flügelstrecke ab, von deren Endpunkte aus ebenfalls Abbauörter (c.c.) gegen Süd hin angelegt und in Betriebe sind. F. Eine zweite Flügelstrecke geht in 55,7 Ellen Entfernung von A. in der Richtung Stunde 4,0 gegen Südwest von der Seitenstrecke D. ab und auf 38 Ellen unter dem Benndorf’schen Grundstücke No. 93 fort, dergestalt, daß sie mit ihrem Endpunkte sich wieder dem gedachten Communicationswege nähert. Von ihrem Anfangspunkte (bei d) an ist längs ihrer Nordwestseite ein Abbauort 9 Ellen lang und 2 ½ Ellen breit aufgefahren und gegenwärtig noch in Betrieb. G. Endlich ist noch bei 40 Ellen nordwestlicher Entfernung vom Schachte eine Seitenstrecke auf 33 Ellen Länge in die Richtung Stunde 10,6 gegen Südost unter dem Finke’schen Grundstücke No. 97 hin getrieben, und von ihrem Ende aus mit zwei rechtwinklig darauf gegen Südwest angelegten Abbauörtern (e. e.) Thonabbau im Gange. Auf der südöstlichen Seite des Schachtes, nach der Schmiede und dem Gasthofe hin, ist von der Existenz irgend einer Strecke nichts zu bemerken, auch nach Versicherung des Aufsehers Jllgen bis jetzt eine Streckenbetrieb noch nicht erfolgt. Die soeben besprochenen Haupt-, Seiten- und Flügelstrecken sind sämmtlich nahezu horizontal getrieben und haben ziemlich gleiche Dimensionen, nämlich 3 bis 3,2 Ellen Höhe und 1,5 bis 2 Ellen Weite im Lichten. Sie sind mit hölzernen, 8 bis 10 Zoll starken, in der Sohle durch Schwellen abgespreizten und in 1 Elle, 3 Zoll Abstand voneinander stehenden Thürstöcken ausgezimmert, hinter denen, namentlich in der Firste, d. h. nach der Decke hin, ¾ bis 2 Zoll starke Schwarten als Verschalungshölzer eingetrieben sind. In dieser Weise bieten diese Strecken eine vollkommen genügende Sicherheit in Bezug auf den Betrieb und den Verkehr darin dar. Die Zimmerung bedarf aber fortwährender Reparaturen, da der dahinter und darüber anstehende Thon eine weiche, verschiebbare Masse bildet, die, gleich einer zähen Flüssigkeit, einen sehr starken Druck nach dem freien Raume hin ausübt und dadurch die Zimmerung allmählig verschiebt und zerknickt. Die verschiedenen, zuerst behufs der Aufschließung und Untersuchung des Thonlagers getriebenen Strecken dienen jetzt als unterirdische Communications- und Förderwege von den eigentlichen Thonabbauörtern zu dem Schachte und zugleich als die Abzugscanüle für die an verschiedenen Punkten der Grube zudringenden Waßer nach dem Schachte, in welchem sie mittelst Pumpen ausgehoben werden. Der eigentliche Thonabbau aber wird in der Weise bewirkt, daß von den Endpunkten der Strecken aus entweder rechtwinklig zu diesen, oder parallel sogenannte Abbauörter, d. h. freie Räume von 2,5 Ellen Breite und 4 Ellen Höhe, unmittelbar nebeneinander und nacheinander angelegt und, je nach den Umständen auf 15 bis 35 Ellen Länge im Thon ausgehauen werden, wobei von Zeit zu Zeit mittelst Hohlbohrer Löcher bis zu 3 und 4 Ellen Höhe über die Förste hinaus gebohrt werden, um sich hierdurch zu überzeugen, daß noch eine genügend starke Thonlage als Dach darüber verbleibt. Der durch die Gewinnung des Thones entstehende leere Raum wird anfänglich und so lange ein Abbauort in Betrieb steht, durch nachgezogene Reihen von 1,5 Ellen voneinander entfernten hölzernen Thürstöcken mit Schwartenabdeckung über der Firstenkappe vor dem Zusammendrücken bewahrt, später aber sich selbst überlaßen, indem man soweit es thunlich ist, die Zimmerung wieder wegnimmt, wo dies aber unmöglich ist, die Zimmerung vollends verbrochen und den im Dache befindlichen Thon sich allmählig bis zur endlichen völligen Ausfüllung des vormaligen Abbauraumes niedersetzen läßt. Da letzteres sehr langsam und an nicht mehr gangbaren Orten geschieht, so ist hiermit eine Gefahr für die in den Thonbauen selbst befindlichen Arbeiter nicht verbunden, aber die Ausfüllung des abgebauten, leeren Raumes hat nothwendig zum Gefolge eine entsprechend große Senkung des darüber befindlichen Thones, welche sich oft durch die darüber liegenden Sand- und Lehmschichten bis zur Oberfläche hinaus fortsetzt. In freiem Felde, entfernt von Gebäuden und Wegen, wird eine solche gewöhnlich langsam vor sich gehende Niveauveränderung der Oberfläche weder Gefahr noch Schaden verursachen, wo aber Wege, Gebäude, Brunnen oder andere bauliche Anlagen davon betroffen werden, kann leicht ein mehr oder minder beträchtlicher Schaden erwachsen, indem namentlich Mauerwerk an der Senkung unterliegender Stellen erst von Sprüngen vielfach zerrissen und zuletzt gänzlich baufällig zu werden pflegt. Da, wo Treibsand über dem Thonlager sich ausbreitet und die über dem Abbauraume als schützendes Dach stehen zu lassende Thonschicht nur wenige Ellen stark ist, kann, vorzüglich in nassen Zeiten, infolge des Wasserdruckes auf den weichen Thon auch leicht ein plötzlicher und für die Arbeiter in der Grube, wie für die Feldoberfläche gefährlicher Durchbruch der wasserreichen Treibsandschicht in die leeren Abbauräume stattfinden und dieselben plötzlich ausfüllen. Da diesfalls der Treibsand von der Seite her und von oben nachschiebt, so entstehen dann leicht an einzelnen Stellen mehr oder minder bedeutende Brüche oder Einstürze der Tagesoberfläche der Art, wie die im letzten Frühjahr neben dem Löthain- Löbschütz'er Communicationswege erfolgten. Solche Tagebrüche finden besonders dann leicht statt, wenn der Thonabbau schnell geschieht und die dadurch hergestellten unterirdischen leeren Räume nicht schnell genug von dem nachsinkenden Thon ausgefüllt werden können. Eine Verwahrung dieser Abbauräume durch Zimmerung ist aber auf die Länge der Zeit durchaus unthunlich, nicht nur, weil selbst die stärkste Zimmerung nicht aushalten, sondern auch, weil der betreffende Kostenaufwand der Thonabbau unrentabel und unmöglich machen würde. Im sicherheitspolizeilichen Interesse und zum Schutze des Eigenthums erscheint es dennoch nothwendig, daß beim Thonabbau solche Maaßregeln getroffen werden, welche geeignet sind, die Gefährdung oder Beschädigung der Bodenoberfläche sowie der darauf oder darunter befindlichen öffentlichen oder privaten Gebäude, Wege und sonstigen Anlagen möglichst abzuwenden. Als solche Maaßregeln sind zu bezeichnen 1. daß eigentlichen Thonabbau, d. h. die Gewinnung des Thones durch Aushieb desselben in größerem Umfange und Zusammenhange nicht unmittelbar oder in der Nähe von öffentlichen Wegen, von Gebäuden oder von anderen Eigenthümern gehörenden Nachbargrundstücken, sondern nur außerhalb gewisser horizontaler Entfernungen davon betrieben werden darf, 2. daß über der Firste, d. h. der Deckenfläche des Abbauraumes eine mindestens 2 Ellen starke Thonschicht als Dach unabgebaut verbleiben muß, 3. daß der Thonabbau nur langsam, und zwar an keinem Punkte mit mehr als gleichzeitig höchstens zwei Abbauörtern erfolgen darf, 4. daß Strecken, welche zur Aufschließung des Thonlagers oder zu unterirdischen Fahrung, Förderung und Waßerleitung dienen sollen, so wenig als möglich und niemals ohne vorherige Genehmigung der betreffenden Ortspolizeibehörde unmittelbar unter öffentlichen Wegen oder in deren Nähe angelegt werden dürfen und wenn es geschieht, 5. daß dann diese Strecken unter den gedachten Wegen und bis zu einem gewißen horizontalen Abstande von diesen stets in frischer unangefaulter und unzerbrochener Zimmerung von dicht nebeneinander stehenden, mindestens 10 Zoll starken Thürstöcken erhalten werden, oder, falls sie nicht mehr benutzt werden sollen, daß sie innerhalb der bestimmten Distanz nicht dem Zusammendrücken überlassen, sondern wiederum mit Thon oder Lehm vollständig ausgesetzt werden. Anlangend den unter 1. und 5. erwähnten horizontalen Abstand von öffentlichen Wegen oder von benachbarten Grundstücken, Gebäuden pp., innerhalb deßen ein eigentlicher Thonabbau nicht zu gestatten ist, so wird derselbe je nach der vertikalen Tiefe unter der Gebirgsoberfläche, in welcher der Thonabbau betrieben wird, sowie nach der Beschaffenheit der über dem Thone lagernden Schichten, insonderheit danach, ob flüßiger Treibsand sich darüber befindet, zu bemeßen sein. Im vorliegenden Falle dürfte, meines Erachtens, zu verlangen sein, daß westlich einer durch das Mittel des Marcus’schen Schachtes gezogenen Nordsüdlinie auf beiden Seiten des Löthain- Stroischen- Löbschütz’er Communicationsweges bis zu mindestens 20 Ellen rechtwinkligem horizontalen Abstande vom Wegrande, dagegen östlich der gedachten Nordsüdlinie, wo Treibsand über dem Thone lagert, bis auf 40 Ellen rechtwinkligem horizontalen Abstand von demselben jeder eigentliche Thonabbau unterbleibt. Demnach wird der obenerwähnte Betrieb eines Abbauortes d zur Seite der Flügelstrecke F nicht weiter fortgestellt werden können, daferne es sich durch genaue markscheiderische Ermittlung bestätigt, daß derselbe noch innerhalb des angegebenen Abstandes vom Wege liegt. Eine markscheiderische Aufnahme der Marcus’schen Thongrube ist vor allem unumgänglich nöthig, um ein genaues und zuverläßiges Bild der Ausdehnung und der Lage der unterirdischen Grubenräume gegen die Feldgrenzen auf der Tagesoberfläche und gegen den in Rede stehenden Communicationsweg und die nächsten Gebäude zu erlangen und um hiernach bestimmt angeben zu können, inwieweit diese oder jene unterirdischen Abbaue oder Strecken in den Bereich der vorstehend unter 1. und 5. bemerkten Sicherheitsmaaßregeln fallen. Eine solche Aufnahme würde, um als glaubwürdiges Document dienen zu können, von einem verpflichteten Markscheider auszuführen sein, als wozu ich mir erlaube, Herrn Markscheider Adolph Wagner in Dresden oder Herrn Markscheider Ernst Richard Heuchler in Freiberg in Vorschlag zu bringen. Da der Grubenriß jedenfalls von Zeit zu Zeit durch den betreffenden Markscheider nachzubringen ist, so dürfte es sich empfehlen, letzteren von Seiten des königlichen Geroichtsamtes auch zugleich mit der Controle der Thongrube in Bezug auf die Beobachtung der vorgeschriebenen Sicherheitsmaaßregeln zu beauftragen.“
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II. „Auf Antrag des Herrn Friedensrichters Steiger habe ich an dem nämlichen Tage auch die unterirdisch betriebene Thongrube des Gutsbesitzers Friedrich August Diehnelt in Löthain einer Befahrung und Besichtigung unterzogen und deren Bau in sicherheitspolizeilicher Hinsicht geprüft. Diese Thongrube besteht dermalen aus einem, nach Diehnelt's Angabe vor ungefähr 3 Jahren angelegten, seigeren Schachte und zwei von demselben ausgehenden, ziemlich horizontalen Strecken. A. Der Schacht liegt in dem Dorfe Löthain selbst, in dem zum Dienelt'schen Gute gehörigen, unmittelbar an die Gutsgebäude angrenzenden Gartengrundstücke No. 23 des Flurbuches, 13,4 Ellen nordöstlich seitwärts von dem durch das Dorf führenden Communicationswege und ungefähr 40 Schritte weit von den Diehnelt'schen Gutsgebäuden in Süd, sowie gegen 50 schritte von dem Gemeindehause in West. Er ist 31 Ellen tief (zirka 17,5 m), im Lichten 3 Ellen lang und 2 Ellen weit und in ganze Schrotzimmerung gesetzt, welche jedoch in baufälligem Zustande sich befindet. Nach Angabe Diehnelt’s steht der Schacht auf den obersten 11 Ellen im Sande und auf die tieferen 20 Ellen im Thone. Vom Tiefsten des Schachtes führt B. eine behufs der Einleitung von Thonabbau angelegte Strecke zunächst auf 8,8 Ellen Länge in südwestlicher Richtung, dann auf 16 Ellen in mehr westlicher Richtung und zuletzt auf 42,4 Ellen in nördlicher und nordwestlicher Richtung bis zu ihrem Endpunkte. (…) Bei 8 Ellen südwestlicher Entfernung vom Schachte, an dem dem benachbarten Communicationswege zunächst, nämlich in nur 4,5 Ellen horizontalen Abstande von diesem gelegenen Punkte der Strecke hat man bei Anlegung dieser angeblich alte Zimmerhölzer im Thon angetroffen, was vermuthen läßt, daß hier schon früher, und zwar von dem jenseits des Communicationsweges gelegenen Grundstück aus Thonabbau unbefugter Weise stattgefunden hat. Bei 45 Ellen Entfernung vom Schachte befindet sich auf der Ostseite der Strecke ein 12 Ellen langes und 2,5 Ellen breites Abbauort, vor welchem gegenwärtig 2 Arbeiter mit Thongewinnung beschäftigt sind. C. Eine andere, in gleicher Weise wie vorige durch Zimmerung verwahrte Strecke geht (…) vom Schachte aus gegen Nord- Ost hin ab, ist jedoch nur auf 6 Ellen Länge zugänglich, weiterhin aber verbrochen. Ein von dieser Strecke bei 6 Ellen vom Schachte gegen Nord hin sich abzweigender, mit abfallender Sohle angelegter Seitenflügel ist nur auf 7 Ellen Länge zugänglich, weiterhin aber mit Waßer erfüllt. D. Bevor der jetzt gangbare Schacht angelegt wurde, befand sich weiter nördlich davon, ebenfalls im Diehnelt'schen Gartengrundstücke ein anderer, jetzt zugestürzter Schacht, von welchem aus früher längere Zeit hindurch Thonabbau unter dem nurgedachten Grundstücke betrieben worden ist. In Folge des hierbei bewirkten unterirdischen Aushiebes beträchtlicher Thonmassen hat, wie man jetzt noch sehen kann, der größte Theil der Bodenfläche des Diehnelt'schen Gartens eine Senkung um 2 ½ bis 3 Ellen gegen das frühere Niveau erlitten, welche auch die östliche Ecke der benachbarten Diehnelt’schen Scheune ergriffen hat. Gegen Nord- Ost grenzt an den Diehnelt'schen Garten der zum Ritterguthe Löthain gehörige Garten nebst Park No. 1 des Flurbuchs, in welchem unmittelbar an der Umfassungsmauer ein aus Mauerwerk erbautes Gartenhaus sich befindet. Dieses hat vor einiger Zeit derartige Risse und Sprünge bekommen, daß die gänzliche Abtragung deßelben nöthig werden wird. Ebenso zeigt das in nur geringer östlicher Entfernung von der Rainung des Diehnelt'schen Gartens stehende Gemeindearmenhaus seit einiger Zeit bedeutende Risse in dem Mauerwerk, welche nur in einer bedeutenden Senkung oder seitlichen Verschiebung des Grundes herrühren können. Obwohl nach Diehnelt's Behauptung von ihm früher Thonabbau schon in etwa 20 Ellen Abstand von der Rainung seines Grundstückes eingestellt worden sein soll, so ist doch die Zerreißung des Mauerwerks der nurerwähnten Gebäude höchstwahrscheinlich eine Folge des früheren Thonabbaus unter dem Diehnelt'schen Grundstücke, indem die Wiederausfüllung der hier in der Tiefe ausgehauenen Räume vermuthlich nicht blos durch Senkung von oben, sondern auch durch Zuschieben der darüber befindlichen Sand- und Lehmschichten von der Seite her geschehen ist. Die vorstehend unter A. B. und C. beschriebenen, jetzt gangbaren unterirdischen Grubenbaue Diehnelt’s sind in Bezug auf die Sicherheit des benachbarten Communicationsweges und des Gemeindearmenhauses zur Zeit allerdings ungefährlich und unbedenklich. Aber bei längerer Fortsetzung des unterirdischen Thonabbaus daselbst sind ebenfalls Senkungen und seitliche Verschiebungen der Bodenoberfläche in entsprechend großem Umfange zu erwarten. Deshalb erscheint es mir nothwendig, daß hier analoge polizeiliche Vorschriften, wie bei der Marcus’schen Thongrube ertheilt werden, nämlich 1. daß der eigentliche Thonabbau in mindestens 30 Ellen horizontaler Entfernung von der Rainung des Diehnelt'schen Grundstückes gehalten werden, 2. daß der Thonabbau an keinem Punkte mit mehr als zwei gleichzeitig nebeneinander gehenden Abbauörtern betrieben werde, 3. daß die vom Schachte oder anderen Punkten aus in geringerer, als die vorstehend unter 1. bestimmte Entfernung von der Rainung des Grundstücks hergestellten oder künftig herzustellenden Vorrichtungs- und Förderstrecken durch Zimmerung von dicht neben einander stehenden (...) Thürstöcken verwahrt und fortwährend in dauerhaftem Zustande erhalten, dann aber, wenn sie nicht mehr benutzt werden sollen, innerhalb der gedachten Entfernung von der Rainung sofort wieder mit Thon oder Lehm ausgesetzt werden, 4. daß die baufällige Zimmerung im Schachte der nöthigen Reparatur unterworfen werde. Übrigens stellt sich auch hier die Nothwendigkeit der Anfertigung eines zuverläßigen, genauen Grubenrisses durch einen verpflichteten Markscheider heraus, indem ohne eine solche Unterlage eine polizeiliche Aufsicht über den Grubenbetrieb nicht ausführbar ist.“
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III. „Bei gegenwärtiger Gelegenheit erlaube ich mir zugleich, bezüglich der polizeilichen Beaufsichtigung der Thongruben in der Umgegend von Löthain noch Folgendes zu bemerken. Obschon am gedachten Tage meine Revision, dem Antrage des Herrn Friedensrichters Steiger entsprechend, nur auf die vorstehend besprochenen beiden Thongruben von Marcus und Diehnelt sich erstreckte, so ist mir doch von früher her bekannt, daß auch einige andere unterirdischen Thongruben jener Gegend unter Verhältnissen betrieben werden, die ebenfalls den Eintritt von Senkungen und Einstürzen der Bodenoberfläche und dadurch entstehende Gefahren und Schäden möglich erscheinen laßen. Auch entsprechen die Betriebseinrichtungen dieser Gruben nicht immer den nöthigen Anforderungen in Bezug auf die Sicherheit der in den Gruben beschäftigten Arbeiter. Je mehr sich aber der unterirdische Betrieb der Thongruben der Einsicht und Controle der gewöhnlichen öffentlichen Sicherheitsorgane entzieht, um so mehr dürfte eine besondere Beaufsichtigung dieser Gruben durch eine hierzu zu beauftragende, sachverständige Person zu rechtfertigen sein. Hierfür walten ziemlich dieselben Gründe ob, welche zur Einführung einer gleichen Beaufsichtigung des Steinkohlen- und Braunkohlenbergbaus, und in gewißen Gegenden, so im Gerichtsamtsbezirke Wilsdruff, auch zur besonderen Beaufsichtigung des unterirdischen Betriebes der in Privatbesitz befindlichen Kalkbrüche Anlaß gegeben haben. (...)“ Das Gutachten wurde Herrn Steiger und Herrn Marcus am 9. Juli 1867 vom Gerichtsamte vorgelegt, welche sich beide eine Abschrift erbaten, bevor sie eine Stellungnahme abgeben würden (40024-12, Nr. 24, Blatt 32). Am 28. September 1867 nahm man im Gerichtsamt in Meißen erstmal zu Protokoll, man habe Herrn Steiger und Herrn Marcus einbestellt, und der letztere erklärte, die Gerichtskosten allein tragen zu wollen (40024-12, Nr. 24, Blatt 35). Der erstere lehnte aber entschieden ab, wenigstens einen Anteil der Kosten des Sachverständigen- Gutachtens zu übernehmen. Das Gerichtsamt erbat daher von Herrn Müller eine Aufschlüsselung seiner ,Liquidation‘ hinsichtlich der Aufwendungen für die Begutachtung der Marcus’schen und der Diehnelt'schen Grube, welche derselbe auch nachreichte. Am 8. Oktober des Jahres wurde dann auch Herr Friedrich August Diehnelt nach Meißen einbestellt und ihm eröffnet, daß er demnach ⅓ dieser Kosten zu übernehmen habe (40024-12, Nr. 24, Blatt 37). Was hinsichtlich des Grubenbetriebs geschah, erfährt man leider aus diesen Akten nicht... Ganz sicher aber folgt hieraus, daß auch die Bauern selbst auf ihrem Grund und Boden Tonabbau betrieben haben. Stattdessen wandte sich das Gerichtsamt Meißen am 23. Juli 1869 an die Königl. Kreis- Direktion in Dresden mit der Mitteilung (40024-12, Nr. 24, Blatt 33), daß „seit einer Reihe von Jahren der Abbau der im Bezirke des gehorsamst unterzeichneten Gerichtsamtes vorhandenen Thonlager, besonders in den Orten Seilitz, Kaschka, Löthain, Niederjahna, Garsebach nach und nach einen derartigen Aufschwung genommen, daß derselbe zur Zeit eine nicht unbedeutende Anzahl von Arbeitern beschäftigt. Dieser Abbau wird jedoch nur in sehr wenigen Gruben nach bergmännischen Regeln betrieben und es hat dies bereits zu Vorkommnissen geführt, durch welche leicht viel Unheil sowohl für die Arbeiter, wie für das übrige Publicum hätte herbei geführt werden können. (...) Der unterzeichneten Polizeibehörde gebricht es theils an der erforderlichen Fachkenntnis, theils und hauptsächlich an den nöthigen (unleserlich...?), um hier wirksam eingreifen und Maaßregeln zur Ausführung bringen zu können, welche einen wirksamen Schutz für die Arbeiter und das Publicum für die Dauer zu gewähren vermöchten, viel mehr dürfte hierunter lediglich die fortwährende Beaufsichtigung und Leitung dieser Abbaue durch einen fachkundigen Bergbeamten, wie diese auch bei dem Stein- und Braunkohlenbergbau und bei einigen Kalkbrüchen statt findet, die erforderliche Abhülfe gewähren...“ Man ersuchte nun die Kreisdirektion, „eben so dringend, (...?) Veranstaltung dafür treffen zu wollen, daß der Thonabbau im hiesigen Gerichtsamtsbezirke mit thunlichster Beschleunigung unter die Leitung und Beaufsichtigung eines geeigneten, fachverständigen Bergbeamten gestellt werde.“ Von der vorgesetzten Behörde kam am 24. Oktober 1869 Bescheid nach Meißen zurück, man habe den Antrag dem Königlichen Ministerium des Innern zur Kenntnis gebracht, wo aber eine Entschließung noch nicht gefaßt sei (40024-12, Nr. 24, Blatt 40). Man stellte aber dem Gerichtsamt frei, auch vorab schon eine Grubenrevision durchzuführen und sehe der ferneren Berichterstattung entgegen... Geschehen ist vorläufig nichts.
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Zum
Tongrubenbetrieb ab 1876 unter Begutachtung durch R. F. Köttig
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Kaum ausführlicher ist
die Aktenlage aus dem letzten Viertel des 19. Jahrhunderts zu den vielen Tongruben im Revier. Die
heute im Archivbestand des Landesbergamtes (40024, Teilbestand 12) abgelegten Akten Nr. 268,
269 und Nr. 25 sind zunächst noch solche der Königlichen Amtshauptmannschaft zu Meißen –
die älteste darunter (Nr. 24) aus dem Zeitraum ab 1866 ist sogar noch eine des
Gerichtsamtes Meißen (siehe dazu unsere einleitenden Bemerkungen zur
Verwaltungsgliederung in der Region). Die Berginspektion und das Bergamt waren noch immer nur beratend und gutachterlich tätig.
Am 21. August 1873 ging im Gerichtsamt von Gendarm Carl Wilhelm Keyser die Meldung ein, daß in der Nacht zum 19. August der 60 Ellen tiefe, der Witwe Marcus gehörige Tonschacht in Löthain zusammengestürzt sei, „glücklicherweise aber ohne dabei ein Menschenleben zu beklagen.“ (40024-12, Nr. 24, Blatt 41) Der in Löthain wohnhafte Tongrubenarbeiter Riederich wollte um zwei Uhr früh dort seine Arbeit beginnen und fand den Schacht eingestürzt vor, wovon er sofort den Steiger Friedrich Wilhelm Thiemann unterrichtete. Man war der Auffassung, daß Fahrlässigkeit im Ausbau den Einsturz verursacht habe. Beim Gerichtsamt hielt man sich „nicht für berechtigt, in vorliegendem Falle etwas zu verfügen,“ wollte den Vorfall aber zum Anlaß nehmen, erneut um Entschließung über die Beaufsichtigung der Tongruben durch die Kreisdirektion zu bitten. Ein weiterer Streitfall betraf den Gutsbesitzer Eduard Kolbe in Löthain, welcher dem Gerichtsamt am 9. Mai 1876 mitteilte, daß sich sein Grundstück, welches an die Parzellen angrenze, unter denen die Meißner Ofenfabrik, vormals C. Teichert, Ton abbaue, „bedeutend gesenkt“ habe, so daß das gerade erst reparierte Wohnhaus und das Stallgebäude erneut Risse bekommen hatten. Er habe nun mit dem Direktor der Fabrik, einem Herrn Schuster in Meißen, Rücksprache genommen, wobei dieser aber jede Entschädigung abgelehnt habe und bat nun die (inzwischen war es die Amtshauptmannschaft geworden) in Meißen, „das weitere in dieser Angelegenheit zu veranlassen.“ (40024-12, Nr. 24, Blatt 42). Der Betriebsleiter wurde daraufhin am 16. Mai 1876 einbestellt, wo er aber erklärte, die gegenwärtigen Abbaue lägen viel zu weit entfernt von Kolbe’s Haus. Er habe dagegen dem Kläger den Ankauf des Hauses durch die Ofenfabrik angeboten, worüber es aber bis dahin keine Einigung gäbe. Am 19. Mai wurde auch Herr Kolbe nach Meißen einbestellt, wo dieser sich mit dem Verkauf des Hauses – zusammen mit dem Abbaurecht auf den unter demselben lagernden Ton – einverstanden und beanspruche dafür einen Preis von 6.000 Mark (40024-12, Nr. 24, Blatt 45). Eine Entscheidung über die Art und Weise der technischen Beaufsichtigung des Tongrubenbetriebes hatte man bis dahin beim Innenministerium in Dresden immer noch nicht getroffen. Die Beschwerden über Bodensenkungen und schließlich auch über Brunnenversiegen hörten aber nicht auf, worauf die Amtshauptmannschaft Meißen die Kreishauptmannschaft in Dresden am 7. Juni 1876 erneut hinwies. Aus dem Innenministerium kam daraufhin eine Vorlage für das Finanzministerium (der dem Bergamt übergeordneten Landesbehörde), in der es hieß, „behufs Abwendung von Gefährdungen“ wünsche das Ministerium des Innern dem Antrag der Amtshauptmannschaft „wenigstens vorläufig (...) stattzugeben“ und fragte daher, ob mit Vornahme der fraglichen Grubenrevision nicht der eigentlich seit 1851 als Kohlenwerksinspektor tätige Richard Friedrich Köttig oder ein anderer Bergbeamter beauftragt werden könne (40024-12, Nr. 24, Blatt 49). Am 5. August 1876 gab man dem dann endlich statt, jedoch „ohne Consequenz für eine etwaig fortdauernde Beaufsichtigung.“ Da sich nun just die Gutsbesitzer Benndorf und Finke gerade wieder über den Tonabbau beschwert hatten, bekam Herr Köttig auch sofort den Auftrag zu einer Lokalerörterung. Herr Köttig kam dazu am 19. August 1876 nach Löthain und fand im Ergebnis seiner Grubenrevision den „in Löthainer Flur gelegenen Maschinenschacht des Herrn Kaufmann Richard Görisch (...) in so desolaten Zustand“ vor, daß er sich veranlaßt sah, „die unverweilte Auswechslung sämmtlicher morscher Zimmerung und (...) den Einbau geneigter Fahrten und Umtrittbühnen“ zu fordern. Da er aber nicht selbst weisungsberechtigt war, mußte er die Amtshauptmannschaft bitten, dies anzuordnen (40024-12, Nr. 24, Blatt 52). Am 20. August faßte er außerdem seine Beobachtungen zu einem Bericht zusammen, in welchem es heißt (40024-12, Nr. 24, Blatt 53f): „Den Betrieb dieser Thongruben insbesondere anlangend, so ist derselbe, wie bei allen derartigen Unternehmungen, sobald sie nicht von vorn herein nach einem bestimmten Plan betrieben werden, in späteren Zeiten mit Schwierigkeiten und Nachtheilen verbunden, zu welchen letzteren vorzugsweise das Belassen unabgebauter Thonpfeiler im Bruchfelde, Wasserentziehungen, Gefährdung öffentlicher Anlagen pp. gehören. Ist es auch wegen der bereits gewonnenen Ausdehnung des dasigen Grubenbetriebs nicht mehr möglich, den betreffenden Übelständen in ihrem ganzen Umfange Abhilfe zu verschaffen, so glaube ich doch, daß bei einer geeigneten Überwachung dieser Gruben gedachte Nachtheile sich vermindern und durch Einführung eines rationellen Betriebes fraglicher Industriezweig nicht nur gehoben, sondern auch die Gefahren, welchen die Arbeiter bei denselben ausgesetzt sind, wesentlich abgeschwächt werden würden.“ Der von Köttig beigefügten tabellarischen Aufstellung zufolge (40024-12, Nr. 24, Blatt 56) waren zu diesem Zeitpunkt in Löthain wenigstens sechs Unternehmen tätig, nämlich die Tongruben von
Diese unterhielten insgesamt 10 Schächte und beschäftigten 56 Arbeiter. Zwei der Schächte waren zum Zeitpunkt der Revision allerdings abgesoffen. Da das relativ flachwellige Geländerelief das Heranbringen von Stolln und damit eine natürliche Bewetterung kaum ermöglichte, erfolgte auf allen Gruben die Bewetterung maschinell, entweder mit dampfmaschinen- oder mit handbetriebenen Ventilatoren. Nicht nur auf der Grube des Herrn Görisch hatte der Berginspektor Mängel gefunden, auch auf den anderen Gruben war die Schachtzimmerung morsch, die Fahrten schlecht eingebaut, oder auf den Hauptstrecken Türstöcke defekt. Die entsprechenden Anordnungen gab die Amtshauptmannschaft auch sofort an die betreffenden Grubenbesitzer weiter.
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Digitalisat:
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Außerdem hatte Berginspektor
Köttig ja empfohlen, auch eine Revision der anderen Ton- und Erdegruben in den
angrenzenden Ortschaften durchzuführen, was aber die Amtshauptmannschaft erst
wieder in Dresden zu beantragen hatte. Bescheid aus Dresden hierüber kam am 30. September des Jahres, wieder aber mit der Einschränkung, daß
es noch keine grundsätzliche Entscheidung des Ministeriums gäbe und daher
vorläufig bei einer einmaligen Inspektion bleiben solle (40024-12, Nr. 24, Blatt
63). Nachdem Inspektor Köttig am 11. Oktober 1876 noch einmal in Meißen
nachgefragt hatte, forderte die Amtshauptmannschaft dann die betreffenden
Gendarmeriebezirke zur Berichterstattung auf. Hätte man nicht einfach bei der
Gewerbeaufsicht nachfragen können ?
Jedenfalls stellten daraufhin Gendarm Benno Remter und Obergendarm Carl Mehner aus Leuben und den umliegenden Gendarmeriebezirken (Verzeichnis A) und für den 1. Gendarmeriebezirk Meißen der Gendarm Carl Wilhelm Kayser (Verzeichnis B) Tabellen darüber zusammen, welche Ton- und Erdegruben es eigentlich an welchen Orten zu dieser Zeit gegeben hat (40024-12, Nr. 24, Blatt 65ff).
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![]() Die beiden genannten Listen der Ton- und Erdenwerke bei Meißen aus dem Jahr 1876, oben: das kürzere Verzeichnis A, unten: Verzeichnis B. Quelle: Sächsisches Staatsarchiv, Bergarchiv Freiberg, Bestand 40024-12 (Landesbergamt, gewerbliche Gruben), Nr. 24, Blatt 65 und 67. Digitalisat:
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Beim Zusammenzählen kommt man hier nun für das Jahr 1876 auf die Zahl von 24 einzelnen Ton- und Porzellanerdegruben zwischen Schwochau bei Lommatzsch und Garsebach bei Meißen (die sechs aus Köttig's Liste sind hier enthalten). Auch in Ockrilla rechts der Elbe ist bereits ein Tagebaubetrieb erwähnt, zu dem Obergendarm Mehner aber hinzufügte, der habe noch keine Tiefe erreicht, der Betrieb sei ganz unbedeutend und der Ton schlecht. Neben einigen Grundbesitzern, die auf ihrem Boden selbst nach Ton gruben, werden hier die Firmen Kollrepp, Teichert und Venus in Meißen sowie Villeroy & Boch in Dresden als Grubenbetreiber genannt. Porzellanerde baute neben der staatlichen Manufaktur aber nur die Firma von Carl Krister's Erben, und zwar in Seilitz und in Löthain, ab. Inspektor Köttig erstatte dann am 2. Dezember 1876 seinen Bericht an die Amtshauptmannschaft Meißen, der Zahl der Gruben geschuldet und der Einfachheit halber ebenfalls in tabellarischer Form (40024-12, Nr. 24, Blatt 73ff). Bei einer Grube in Schwochau bei Lommatzsch veranlaßte er sofort die Amtshauptmannschaft, die Aussetzung des Betriebes bis zur Ausbesserung der Schachtzimmerung anzuordnen, da hier Gefahr im Verzug sei. Aber auch bei fast allen anderen Gruben – und nicht nur bei den kleinen, von den Bauern selbst betriebenen Gruben – fand er Mängel, vom fehlenden Schachtverschluß übertage, zu steil und nicht trittsicher eingebauten Fahrten, fehlender Vertonnung zwischen Fahr- und Fördertrum, zu kleiner Schachtdimension, so daß es gar nicht möglich war, Fahr- und Fördertrum zu trennen, oder fehlender Grubenrisse. Im Hinblick auf den Abbau selbst bemängelte er, daß besonders in denjenigen Gruben, wo das Tonlager in mehreren Scheiben abgebaut wurde, der Abbau der oberen Scheibe dem in der unteren stets in genügend weiter Entfernung vorauszulaufen habe, damit sich das Hangende setzen könne und generell, daß man den Abbau stets von der Feldgrenze rückschreitend bewirken solle. Die Amtshauptmannschaft erteilte dann wieder an die einzelnen Grubenbesitzer die Anweisungen, die Köttig festgelegt hatte (40024-12, Nr. 24, Blatt 80ff). In der folgenden Zeit war Inspektor Köttig noch mehrfach in der Region zugegen, um die Umsetzung der Anordnungen zu kontrollieren. Neue Grubenrevisionen aber waren durch die Ministerialverfügungen untersagt. Über das fiskalische Erdenwerk der Porzellanmanufaktur in Seilitz (Nr. 16 in Köttig’s Liste) liest man hier übrigens, daß es auch 1876 nur mit 2 Arbeitern belegt war, welche in 8,5 m Teufe, teils noch im Tagebau, teils untertage, Porzellanerde abbauten. Hier fand er aber nur zu bemängeln, daß der Zugang vom Tagebau zur Grube, wenn er nicht benutzt werde, abzusperren sei. Eine Bleistift- Notiz daneben besagt dann: „Ist erledigt.“ (40024-12, Nr. 24, Blatt 79) Separat schrieb Köttig am 26. Dezember 1876 noch einmal an die Amtshauptmannschaft, er habe sich bei seiner Revision und den erhobenen Ausstellungen nur „auf die nothwendigsten bergpolizeilichen Vorschriften beschränkt,“ sich dagegen Verbesserungsvorschlägen im Hinblick auf den Betrieb im Allgemeinen enthalten, da er einschätzte, daß den Grubenbesitzern das richtige Verständnis in vielen Fällen fehle (40024-12, Nr. 24, Blatt 101f). Weiter schrieb er hier: „Bei der hohen Wichtigkeit aber, welche den in obigen Ortschaften aufgeschlossenen Thon- und Erdenlagern beizulegen ist, indem sie nicht nur zu dem Wohlstande einzelner Theile unseres Vaterlandes, sondern auch zu dem Weltrufe beigetragen haben, welchen dasselbe durch die aus diesen Rohmaterialien hervorgegangenen Kunstprodukte genießt, muß es in hohem Grade auffallen, daß demselben nicht schon längst größere Beachtung zugewendet worden ist, wozu allerdings jetzt um so mehr Veranlassung vorliegt, als die nachtheiligen Folgen eines nicht rationellen Betriebes sich bei einzelnen Gruben in hohem Grade fühlbar machen.“ Auch jetzt schlug Köttig wieder vor, eine fortlaufende Aufsicht durch einen „mit dem Flötzbergbau vollständig vertrauten Bergtechniker“ einzurichten. Diesem solle auch die Oberaufsicht über alle anderen, jetzt nicht unter Bergaufsicht stehenden „bergmännischen Unternehmungen“ übertragen werden, wie etwa den Kalksteinbergbau. „Bevor man jedoch hohen Orts in dieser Frage nicht schlüssig sei, enthalte ich mich der weiteren Behandlung dieses Gegenstandes und stelle ihn der Erwägung der Amtshauptmannschaft anheim...“ Die letztere wiederum gab diese Empfehlung an 16. Januar 1877 an die Kreisdirektion in Dresden weiter. Am 19. April 1877 entschied man aber hierzu im Innenministerium, man wolle die bestehende Situation beibehalten (40024-12, Nr. 24, Blatt 133f). So dauerte es noch mehr als 20 Jahre, bis dann die Berginspektion III in Freiberg für eben diese Aufgabenstellung eingerichtet wurde. Am 29. Februar 1877 wandte sich Inspektor Köttig nochmals an die Amtshauptmannschaft in Meißen mit dem Bemerken, er habe in seiner Revision nur diejenigen Mängel namhaft gemacht, deren Beseitigung keinen Aufschub duldete (40024-12, Nr. 24, Blatt 116f). „Nicht minder aber machen sich bei dem Betriebe jener Gruben außerdem noch eine große Anzahl Übelstände bemerkbar, deren baldige Abhilfe in gleicher Weise nothwendig erscheint (...)“ Im weiteren benannte der Berginspektor vor allem die Flur Löthain, wo nunmehr „auf verhältnismäßig kleinem Terrain nicht weniger als 9 Thongruben bauen“ und „Der Thon wird daselbst nämlich in verschiedenen Sohlen in den einzelnen Grubenfeldern zum Aushieb gebracht und gewinnt derselbe vorzüglich an solchen Stellen größere Ausdehnung, wo der Thon von guter Qualität ist, wogegen geringere Thonsorten, weil weniger gesucht, nur spärlich abgebaut werden oder unverritzt stehen bleiben. Auf diese Weise entstehen abgeschlossene, unterirdische Hohlräume, die sich häufig mit Wasser füllen, welches unter dem Drucke des sich allmählig niedersetzenden Dachgebirges einer ganz außergewöhnlichen Spannung unterliegt und dann gefahrbringend wird, wenn man, z. B. an den Grenzen benachbarter Gruben, plötzlich in derartige Räume durchschlüge oder diese Wasser infolge des Druckes in im Betriebe stehende Baue durchbrächen. Derartige Fälle stehen in Löthain, dem Vernehmen nach, nicht vereinzelt da und ist es wohl nur dem Zufalle zuzuschreiben, daß hierdurch bis jetzt Unglücksfälle nicht herbeigeführt worden sind.“ Um dem Abhilfe zu schaffen, empfahl Köttig die Anlegung einer Übersichtskarte, in der alle früheren und jetzt gangbaren Baue, auch – wo keine Risse vorlägen – wenigstens die Lage von Senkungsgebieten nach früherem Abbau übertage verzeichnet werden sollten.
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Unter dem 29. September 1877 faßte Inspektor
Köttig seine Erfahrungen nach seinen ersten Einsätzen wie folgt zusammen
(40024-12, Nr. 268, Blatt 1ff). Zunächst schrieb er einleitend, er habe eine ,Pausekarte'
beigefügt, „auf welcher die Baue der in Löthainer Flur in Betriebe stehenden
Thongruben verzeichnet sind. Auf derselben sind die Grenzen des guten Thones mit
blauen Linien angegeben, woraus ersichtlich, daß derselbe in zwei geschlossenen
Bassins abgelagert ist, welche durch eine Einlagerung von weniger guten
Thonmassen voneinander getrennt sind.“ Bedauerlicherweise ist diese gewiß sehr interessante Karte wieder einmal in dieser Akte nicht mehr enthalten.
Weiter schrieb Köttig hier: „Im südlichen Bassin liegen in der
Richtung von Süd nach Nord die Thongruben von
während die Sächsische Ofenfabrik (Ernst Teichert) auf Parzelle No. 20 das Thonlager mittels Bohrlöchern zur Zeit untersuchen läßt. Im nördlichen Bassin liegen die Thongruben von
in welch letzterer der Thon jedoch schon nicht mehr in gleicher Güte, wie in den vorgenannten Gruben auftritt. In einem großen Theile der hier in Frage kommenden Grubenfelder ist bereits in frühesten Zeiten Thonabbau umgegangen, weshalb, da hierfür alle rißlichen Unterlagen fehlen, bei dem gegenwärtigen Baue mit umso größerer Vorsicht verfahren werden muß, wenn nicht in Folge von unerwarteten Durchschlägen in mit gespannten Wassern gefüllte Räume die Belegschaft gefährdet werden soll. Zu den von früheren Bauen am meisten heimgesuchten Grubenfeldern gehören nach an Ort und Stelle eingezogenen Erkundigungen die der Meißner Ofenfabrik, sowie die der Gebrüder von Römer und das von L. Schülke, in deren Bereiche ich das muthmaßlich bereits abgebaute Terrain mit Ausnahme des der Meißner Ofenfabrik, welches bereits als durchgängig unterminiert zu bezeichnen ist, habe schwarz schraffieren lassen. Um nun zu wissen, in welcher Richtung sich die derzeitigen Baue zu diesen Abbaufeldern und den darauf befindlichen Tagegegenständen befinden, so habe ich hierüber nach Befahrung sämmtlicher Grubenbaue und der Vergleichung derselben mit dem vorliegenden Generalrisse, mit den Betriebsleitern Verhandlungen eingeleitet und dabei folgende Betriebspläne festgestellt: 1.) Gebrüder von Römer. Der Bau soll sich auf den vom jetzigen Schachte nördlich nach dem Canitzer Communicationswege zu gelegenen Theil des Grubenfeldes erstrecken. Zu diesem Behufe soll die zur Zeit noch 20,75 Meter von obigen Wege zurückstehende Strecke C bis 3 Meter Entfernung von demselben aufgefahren und dort der Abbau eingeleitet werden. 2.) J. A. Zeitschel, südliches Grubenfeld. Der südlich am Schachte No. II anstehende Thonpfeiler soll zum Schutze des ersteren unverritzt stehen blieben, dagegen sollen die Pfeiler E, F und G während dieses Jahres noch zum Aushieb gelangen. Vorbehalten sind die Vorrichtungsarbeiten in nördlicher und westlicher Richtung bis zur Feldgrenze mit dem Rittergute. 3.) Villeroy & Boch. Der Abbau soll sich auf den westlich vom Schachte mit Strecken bereits umfahrenen Pfeiler H und J erstrecken und dafern die Absatzverhältnisse es erfordern, auch noch auf die Thonpfeiler K und L ausgedehnt werden. Die in das östliche Feld (Parzelle No. 12) behufs Untersuchung des Thones in diese Richtung aufgefahrene Strecke ist, da das Thonlager daselbst an Qualität geringer ist und vorläufig nicht zum Aushieb gelangen soll, wiederum verfüllt worden. 4.) Meißner Ofenfabrik. Der Abbau des südlich vom Schachte No. II in Aushieb genommenen Thonpfeilers M soll in nördlicher Richtung nach vorerwähntem Schachte zu fortgesetzt werden. 5.) Louis Anton Schülke, südliches Grubenfeld. Der Fortbetrieb der im Neuen Schachte angesetzten Grenzstrecke ist, da mit derselben bedeutende Massen von Wasser und Sand erschroten worden sind, wieder eingestellt worden. An Stelle derselben soll eine Strecke direct nach der östlichen Grenze aufgefahren und durch dieselbe zugleich eine Verbindung des genannten Schachtes mit dem Helenenschachte bewirkt werden. Gleichzeitig soll auch in der von letzterem Schachte bei 26,5 Meter Entfernung von demselben, eine Abbaustrecke nach der östlichen Grenze zu ausgelängt und von dieser aus der Thonpfeiler N in Abbau genommen werden. 6.) J. A. Zeitschel. Der Abbau in diesem Grubenfelde soll sich vorläufig nur auf die westlich vom Schachte No. III und nördlich vom Schachte No. II gelegenen und bereits in Aushieb befindlichen Thonpfeiler O und P beschränken. 7.) Louis Anton Schülke, nördliches Grubenfeld. Der Betrieb daselbst soll bis auf Weiteres eingestellt werden. Außerdem ist noch auf Parzelle No. 20 des Flurbuchs für Löthain zwischen dem dasigen Communicationswege und dem mit Nr. 16 bezeichneten Wohnhause von der Sächsischen Ofenfabrik ein Schacht zur Aufschließung des Thonlagers und ebenso südlich von der Thongrube der Gebrüder von Römer von denselben ein Schacht behufs Aufschließung von Porzellanerde in Abteufen genommen werden, welche beide Anlagen nachträglich noch auf dem vorliegenden Risse zu bezeichnen sind. In Letzterem sind nun, um stets über die Lage der unterirdischen Baue zur Tagesoberfläche orientirt zu sein und rechtzeitig Gefahr von denselben abwenden zu können, am Schlusse jeden Jahres die abgebauten Felder sowie die für das nächste Betriebsjahr projectirten Baue einzutragen und von einem Sachverständigen zu controliren. In welcher Weise dies einzurichten sei, stelle ich aber in das Ermessen der Königlichen Amtshauptmannschaft, auch glaube ich von, einen rationelleren und mithin auch gefahrloseren Betrieb als dem jetzigen bezweckenden allgemeinen, bergpolizeilichen Bestimmungen absehen zu dürfen, da ich nicht den von dem Königlichen Ministerium des Innern in Aussicht gestellten diesbezüglichen Belehrungen vorgreifen möchte. Indem ich mir schließlich nur noch die Bemerkung gestatte, daß nach einer Mittheilung des Königlichen Bergamtes zu Freiberg meine Mitwirkung in Thongrubenangelegenheiten für jeden einzelnen Fall von der Genehmigung des Königlichen Finanzministeriums abhängig zu machen sei, ein derartiges Verfahren aber zu ganz umständlichen Weiterungen führen dürfte, so ersuche ich die Königliche Amtshauptmannschaft von meiner Zuziehung als Sachverständiger in derartigen Angelegenheiten künftig abzusehen. Die Liquidation meiner Gebühren sowie eine Eingabe der Meißner Ofen- und Chamottewaarenfabrik lege ich bei. Dresden, den 29.
September 1877. Dem können wir wohl entnehmen, daß Herr Köttig die von ihm zusammengestellte Karte der Amtshauptmannschaft in Meißen übersandt hat, wo sie irgendwann in deren Akten verschwunden ist. Daß man gerade einmal 3 m Sicherheitsabstand zu öffentlichen Wegen einhielt, erscheint doch ziemlich knapp bemessen, zumal auch in früherer Zeit schon wenigstens 10 m breite Sicherheitspfeiler gefordert worden sind. Hinsichtlich der Kosten für zukünftige Gutachten fand man immerhin schon recht bald eine Lösung und brummte den Grubenbetreibern diese Gebühren auf. Daher wurde auch dem Ersuchen Köttig's, ihn nicht mehr hinzuzuziehen, nicht entsprochen. In einem Nachtrag zu diesem Schreiben vom 30. September teilte Herr Köttig der Amtshauptmannschaft übrigens noch mit, er habe bei seinen Befahrungen auf den Schächten der Gebrüder von Römer, im Zeitschel'schen Schacht sowie im Helenenschacht von L. Schülke so morsche Zimmerung vorgefunden, daß er sofort mündlich deren Auswechslung angeordnet habe. Diesbezügliche schriftliche Anordnung an die Grubenbetreiber erging durch die Amtshauptmannschaft unter dem 19. Januar 1878 (40024-12, Nr. 268, Blatt 25ff). Bei der im Text noch genannten Eingabe der Meißner Ofenfabrik handelte es sich um deren Mitteilung über das Vorfinden von schlagenden Wettern und die deshalb getroffenen Vorsichtsmaßregeln, unterzeichnet von C. Schuster namens der Geschäftsleitung und am 9. Juli 1877 bei der Amtshauptmannschaft eingegangen (40024-12, Nr. 268, Blatt 11f). Man werde zukünftig nach jedem Stillstand der Arbeiten nur noch mit Sicherheitslampen anfahren, auch zukünftig bei Annäherung an alte Strecken 1 bis 2 m vorbohren. Sie wurde natürlich wieder an den Inspektor zur Begutachtung gesandt, der aber gegen diese, schließlich der Sicherheit dienenden Regelungen, nichts einzuwenden hatte (40024-12, Nr. 268, Blatt 13). Da sich diese Akte inhaltlich auf das Löthain'er Teilrevier beschränkt, sind die in Kaschka, Oberjahna, Mehren und Seilitz zeitgleich umgängigen Gruben hier noch gar nicht enthalten.
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Da er dieses Aufgabenfeld nun einmal nicht
wieder los wurde, kam auch schon im Oktober 1877 ein neuer Betriebsplan der
Sächsischen Ofenfabrik, vormals Ernst Teichert, auf seinen Tisch,
beinhaltend das Abteufen des oben schon angekündigten neuen Schachtes und die
Ausrichtung des Grubenfeldes, unterzeichnet von einem Herrn Haase seitens
der Geschäftsführung und von Steiger Thiemann (40024-12, Nr. 268,
Blatt 14). Eine Begutachtung zu diesem ist hier aber nicht aufzufinden, vielmehr
ein Schreiben Köttig's an die Amtshauptmannschaft vom 4. Dezember 1877, daß man
im Falle von Unzulässigkeiten in den Betriebsplänen doch schnell für eine
Gefahrenabwehr sorgen müsse und daß man dergleichen Angelegenheiten daher „seitens
der Behörde mit der größten Beschleunigung“ bearbeiten sollte (40024-12,
Nr. 268, Blatt 15f).
Stattdessen zeigte Rittmeister a. D. Paul von Römer am 7. Dezember 1877 bei der Amtshauptmannschaft an, daß sich im Garten des Gutes „Brüche und Senkungen der Oberfläche in solcher Ausdehnung zeigten, daß es augenscheinlich von den Thongruben auf dem Grundstück des Herrn Schülke No. 23“ herrühre, welcher wohl nicht nur mehrere Strecken über die Flurgrenze hinaus getrieben, sondern auch umfangreicheren Tonabbau von denselben aus vorgenommen haben dürfte (40024-12, Nr. 268, Blatt 17). Die Amtshauptmannschaft wies Herrn Schülke daraufhin am 11. Dezember 1877 erst einmal an, sich des weiteren Tonabbaus im fraglichen Gebiet bis zu einer Begutachtung durch den Sachverständigen „gänzlich zu enthalten.“ (40024-12, Nr. 268, Blatt 18) Am 16. Februar 1878 wurde dann Inspektor Köttig zu einer gutachterlichen Äußerung hierüber aufgefordert (40024-12, Nr. 268, Rückseite Blatt 31f). Am 27. März hat sich daraufhin Herr Köttig an Ort und Stelle begeben und über- wie untertage Lokalbesichtigungen angestellt, „bei denen sich ergeben hat, daß die erwähnten Senkungen zweifellos von unterirdischem Thonabbau herrühren, nach dem mir vorgelegten Grubenrisse aber, außer dem Bereiche der gegenwärtigen Baue sich befinden und daher früheren Thonabbauen an der bezeichneten Stelle zuzuschreiben sein dürften.“ Bevor er sich dazu genauer aussprechen könne, seien aber zuerst die Grubenrisse durch den mit deren Führung beauftragten Markscheider Heuchler in Freiberg nachzubringen (40024-12, Nr. 268, Blatt 33). Dies zog sich allerdings hin. Derweil zeigte Eduard Melzer namens der Gemeindevorstände von Löthain, Canitz und Sauernitz am 22. August 1878 bei der Amtshauptmannschaft an, daß nun auch das Armenhaus der Gemeinde Risse im Mauerwerk aufweise, daß man die Ansicht gewonnen habe, daß Schülke's Abbau auch die Grenzen der Gemeindeparzelle No. 24 überschritten habe und forderte Entschädigung (40024-12, Nr. 268, Blatt 46). Danach befragt, meinte Köttig, daß noch immer keine brauchbaren Risse vorlägen und man deshalb Herrn Schülke doch anweisen solle, zum einen den Abbau sofort einzustellen, die Strecken sicher zu verwahren und zweitens, unter Androhung einer Strafe dieselben umgehend durch einen verpflichteten Markscheider zu Riß bringen zu lassen (40024-12, Nr. 268, Blatt 47). Am 10. Dezember 1878 reichte Schülke endlich die Risse ein und nahm zugleich in einem mehrseitigen Schreiben zu den Beschwerden Stellung, worin es heißt, so lange er den Tonabbau betreibe, habe er die Grubenfeldgrenzen niemals überfahren (40024-12, Nr. 268, Blatt 60ff). Nachdem dies dann also erfolgt war, äußerte sich auch Köttig am 13. Dezember 1878 zunächst zu den Oberflächensenkungen im Garten des Rittergutes: „Gegenwärtiger Fall beweist abermals zur Evidenz, zu welchen Inconvenienzen die mangelhafte Rißführung auf den Thongruben führt...“ Anhand des Rißwerks der Schülke'schen Grube lasse sich freilich weder, daß dieser hier früher unzulässigen Abbau betrieben habe, noch das Gegenteil mit Bestimmtheit folgern (40024-12, Nr. 268, Blatt 52f). Was dagegen die Mauerwerksschäden am Armenhaus anbetreffe, meinte er in einem zweiten Gutachten vom 14. Dezember des Jahres, so bestehe der einzige unterirdische Bau Schülke's hier in einer in 4 m Entfernung von demselben getriebenen Strecke. Durch diese könnten die Schäden am Bauwerk nicht ausgelöst sein. Der Berginspektor empfahl der Amtshauptmannschaft jedoch, von Schülke vor Einleitung weiteren Abbaus einen Betriebsplan zu fordern, aus dem auch die Dimensionen der einzuhaltenden Sicherheitspfeiler hervorgingen (40024-12, Nr. 268, Blatt 54f).
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Darüber war schon wieder ein Jahr vergangen
und inzwischen gingen bei der Amtshauptmannschaft neue Betriebspläne für das
Jahr 1879 ein, zuerst am 25. Januar von J. A. Zeitschel, unterzeichnet
von Obersteiger Thiemann (40024-12, Nr. 268, Blatt 68). Am 28. Januar
folgte der Betriebsplan der Villeroy & Boch'schen Tongrube in
Löthain, ebenfalls von Obersteiger Thiemann erstellt (40024-12, Nr. 268,
Blatt 69). Die für die Tongruben der beiden Meißner Fabriken von Ernst
bzw. Carl Teichert sind in der Akte nicht enthalten, doch beziehen sich
Köttig's Bemerkungen auf diese vier Betriebspläne (40024-12, Nr. 268,
Blatt 72f). Am 18. März 1879 forderte die Amtshauptmannschaft auch die Gebrüder
von Römer auf, endlich einen Betriebsplan einzureichen, worauf diese aber
unter dem 8. Mai erwiderten, daß sie den eigenen Tongrubenbetrieb doch schon vor
zwei Jahren eingestellt hätten (40024-12, Nr. 268, Blatt 78).
Bis zum 10. Juni 1879 lag dann endlich alles vor und Berginspektor Köttig gab sein Gutachten für die Amtshauptmannschaft ab (40024-12, Nr. 268, Blatt 87ff). Gegen die beabsichtigen Abbaue hatte er im Allgemeinen nichts einzuwenden, wies jedoch zum wiederholten Male darauf hin, daß man doch zukünftig möglichst alle Tonpfeiler mit zwei Hauptstrecken zum Aushieb vorrichten und diese durch Querschläge verbinden solle, um stets einen zweiten Fluchtweg für die Arbeiter zur Verfügung zu haben.
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Am 25. Juli 1879 teilte dann Heinrich Rühle der Amtshauptmannschaft mit, daß er die Schülke'sche Tongrube am 12. Juli käuflich erworben habe (40024-12, Nr. 268, Blatt 94). Damit traten neue Akteure ins Geschehen ein, die ‒ einschließlich des Sohnes Erich Rühle ‒ den Tonabbau im Revier noch bis 1945 fortführten; ja, man könnte sagen, diesen sogar nicht unerheblich mitbestimmten. Für die erworbene Grube reichte er zugleich einen präzisierten Betriebsplan für den Abbau im nördlichen, wie im südlichen Grubenfeld ein, den nach Begutachtung durch Köttig auch die Amtshauptmannschaft am 5. August 1879 zuließ (40024-12, Nr. 268, Blatt 97). Auch der betreffenden
Berechtigungsakte ist zu entnehmen, daß
am 11. Dezember 1879 als
weiteres Bergbauunternehmen im Revier
die Löthainer Thonwerke im
Handelsregister beim Amtsgericht Meißen eingetragen worden sind (40024-12,
Nr. 244, Blatt 1f). Als Inhaber wurden Kaufmann Franz Theodor Pabst in
Cölln bei Meißen ‒ ein Familienname, der uns
Herr Pabst ist allerdings bereits 1880 aus der Inhaberschaft wieder ausgeschieden. Ab 1883 firmierte das Unternehmen dann unter dem Namen Löthain- Meißner Thonwerke Heinrich Rühle.
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Schauen wir aber zunächst auf den Fortgang der Dinge in den
Grubenakten: Auf das folgende Jahr 1880 liegen wieder
Betriebspläne vor für die Tongruben von
Sein Gutachten dazu setzte Inspektor Köttig am 17. März 1880 auf (40024-12, Nr. 268, Blatt 104f). Abgesehen von kleineren risslichen Unstimmigkeiten hatte er gegen die darin aufgeführten, beabsichtigten Ausführungen diesmal keine Bedenken geltend zu machen. Nur seien die beiden benachbart zueinander gelegenen Teichert'schen Unternehmen noch anzuweisen, entweder jeweils selbst für einen zweiten Tageschacht, oder aber für einen Durchschlag zwischen beiden Gruben Sorge zu tragen. Auf letzteres konnten sich die beiden Geschäftsführungen dann aber doch nicht einigen. Auch im Jahr 1881 blieb es bei diesen Unternehmen im Löthain'er Teil des Tonreviers. Alle fünf Betriebspläne liegen in der Akte vor (40024-12, Nr. 268, Blatt 121ff). Für das Jahr 1882 bewertete der Berginspektor unter dem 21. Mai nur vier Betriebspläne (40024-12, Nr. 268, Blatt 133f). Offenbar hatte die Meißner Ofenfabrik, vormals C. Teichert, den Betrieb ihrer Tongrube eingestellt und keinen solchen eingereicht. Zu den übrigen vier schätzte Herr Köttig ein, daß gegen die geplanten Betriebsausführungen „polizeiliche Bedenken in der Hauptsache nicht vorliegen.“ Weil das Jahr schon fast zur Hälfte um war, ergänzte er nur den zwischenzeitlich bereits erfolgten Abbau und daß Heinrich Rühle zusätzlich 1 Acker Grubenfeld von der von Römer'schen Verwaltung erworben und dort bereits einen Schacht abgeteuft habe. Interessanterweise zeichnete nun Obersteiger Friedrich Wilhelm Thiemann die Betriebspläne für drei der oben aufgeführten Grubenbetriebe ab ‒ nur Herr Zeitschel schrieb seinen Betriebsplan noch selbst.
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![]() Auf dem Blatt 48: Section Meißen, der Äquidistantenkarten von Sachsen, erste Ausgabe aus dem Jahr 1881, findet man auch östlich von Mehren bei Kaschka nun ,Thonschächte'.
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![]() Auf demselben Blatt findet man rund um Löthain weitere Tongruben und an der Straße von Nossen nach Meißen auch eine Ziegelei. Bei dem südlich der Chaussee von Nossen nach Meißen eingezeichneten ,Thon Scht.' könnte es sich um die Krister'sche Grube handeln. |
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Zur folgenden Kartenausgabe von
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Zum
Tongrubenbetrieb ab 1882 unter Begutachtung durch O. Choulant
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Am 21. Juni 1882 teilte die Kreishauptmannschaft Dresden der Amtshauptmannschaft in Meißen einen Beschluß des Ministeriums des Innern vom 17. Juni mit, daß man bezüglich des von Inspektor Köttig vorgebrachten Wunsches, ihn von der Funktion des Sachverständigen und technischen Beirates bei der Beaufsichtigung der Kalk- und Tongruben für die Amtshauptmannschaften Meißen und Pirna zu entbinden, entschieden habe, diesem Wunsch zu entsprechen und daß sie sich künftig in dieser Hinsicht an Markscheider Oscar Choulant in Freiberg zu wenden habe (40024-12, Nr. 268, Blatt 145ff). Allerdings war auch der „nicht selbständiges Revisions- und Aufsichtsorgan, sondern hat nur auf Requisition der betreffenden Amtshauptmannschaften in dem von letzteren vorgegebenen Umfange in Thätigkeit zu treten.“ Nur dann, wenn Gefahr im Verzuge sei, durfte er „mit Vorbehalt nachträglicher Gutheißung der Amtshauptmannschaft“ unaufgefordert Erörterungen vornehmen. Zur Vermeidung weitergehender Belastung der Staatskasse sollten sich die Amtshauptmannschaften aber „auf das Nothwendige beschränken.“ Und hier wurde auch verfügt, daß, „soweit die Werksbesitzer zur Bezahlung der Gebühren des Markscheiders verpflichtet erscheinen“, sie von diesen zu erheben sind. Herr Choulant bekam auch alsbald zu tun, denn am 10. und 13. Januar 1883 reichten Heinrich Rühle und Obersteiger Thiemann namens der Sächsischen Ofen- und Chamottefarik, vormals Ernst Teichert, sowie namens der Tongruben von Villeroy & Boch und der Tongrube von A. Zeitschel die nächsten vier Betriebspläne bei der Amtshauptmannschaft ein (40024-12, Nr. 268, Blatt 148ff). Am 27. Januar 1883 sandte Choulant seine Einschätzung dazu an die Amtshauptmannschaft (40024-12, Nr. 268, Blatt 152ff). Diesen Unterlagen ist zu entnehmen, daß Herr Rühle in dem vom Rittergut erworbenen Abbaufeld den Linnaschacht weiter betrieb. Dazu forderte der Gutachter, noch einen genaueren Betriebsplan nachzureichen, bevor hier Abbau aufgenommen werde, um „etwaige Vorkehrungen gegen Beschädigungen der Oberfläche, die früher vorgekommen zu sein scheinen, ins Auge fassen zu können.“ Die Fortsetzung des Abbaus am Rühle'schen Erichschacht hielt er für unbedenklich. Am März 1883 bekräftigte Choulant noch einmal, daß zwar gegen die Untersuchung des Tonlagers unter dem Rittergutspark keine Bedenken vorlägen, doch „sobald man den nöthigen Aufschluß über die Abbauwürdigkeit des Thons erhalten“ habe, noch genauere Anzeige zu erstatten sei (40024-12, Nr. 268, Blatt 159). Auch gegen die geplanten Betriebe der Teichert'schen und Zeitschel'schen Gruben waren für Choulant keine Bedenken zu erheben, nur solle in dem zuvor abgebauten Terrain bei Pfeiler E „dieser noch offenstehende Bau bezüglich seines etwaigen Niedergehens fortwährend gut im Auge“ behalten werden. Im Hinblick auf die Grube von Villeroy & Boch meinte er, daß „bei dem auch hier fast ganz druckfreien Dachgebirge diese Abbaue ebenfalls ohne Bedenken zu genehmigen“ seien. Überhaupt, so fügte er noch an, könne er „den guten Stand dieser unter der umsichtigen Leitung des Herrn Obersteiger Thiemann stehenden Grubenbetriebe“ nur lobend erwähnen. Einen Kritikpunkt gab es aber doch: Herr Choulant sprach sich zwar einerseits für die Beibehaltung des Dispenses aus, daß „bei dessen bergmännischer Vorbildung“ Obersteiger Thiemann die Risse für die Gruben selbst nachbringen dürfe, doch solle er sie nach dem astronomischen Meridian ausrichten, um die inzwischen ja bekannten Veränderungen der Deklination auszugleichen. Seiner Liquidation dazu ist übrigens zu entnehmen, daß man damals für 5,20 Mark mit der Eisenbahn von Freiberg über Dresden nach Meißen und zurück reisen konnte. Die Fahrt mittels Geschirr von Meißen nach Löthain war mit 6,50 Mark teurer... (40024-12, Nr. 268, Blatt 155)
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Anfang des Jahres 1884 gingen dann die
nächsten Betriebspläne bei der Amtshauptmannschaft ein (40024-12, Nr. 268,
Blatt 161ff). Auch der für die Heinrich Rühle'schen Gruben ist nun von
Obersteiger Thiemann mit abgezeichnet (40024-12, Nr. 268, Blatt 164f). Da
sich der Abbau bei allen vier Gruben „in schon bekanntem Terrain bewegt,“
hielt Choulant diesmal nicht einmal eine besondere Befahrung der Gruben
für erforderlich (40024-12, Nr. 268, Blatt 166ff). Er wies nur auf die
Einhaltung der Sicherheitsabstände zu den öffentlichen Wegen im Abbaufeld der
Villeroy & Boch'schen Grube und auf den Sicherheitspfeiler des
Schachts II
der Teichert'schen Grube hin, welchletzterem sich der Abbau inzwischen
nähere. Mit den Untersuchungsstrecken am Rühle'schen Linnaschacht
in Richtung des Rittergutsparkes hatte man das Tonlager „nicht mächtig genug
aufgefunden,“ weswegen auch die im Vorjahr getroffenen Anweisungen
entfielen. Die bis an besagte Flurgrenze noch anstehenden Tonpfeiler könne man
abbauen und dann den Schacht abwerfen, wobei man nur „die strenge
Inobachtnahme des schließlich rings vom Abbaue umgebenen Schachtes in Erinnerung
zu bringen habe, um ein vorzeitiges Zusammenbrechen desselben zu vermeiden.“
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![]() Grund- und Saigerriß der Löthain- Meißner Thonwerke des Herrn Heinrich Rühle in Cölln, aufgenommen von F. W. Thiemann im Jahr 1884. Quelle: Sächsisches Staatsarchiv, Bergarchiv Freiberg, Bestand 40037-1 (Deponierte Risse der Steine- und Erdenindustrie, Teilbestand Risse), Nr. B22850, Gesamtansicht, Norden ist links unten. Digitalisat:
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![]() Ausschnitt aus obigem Riß: H. Rühle's Abbau südlich der Straße, neben der auch noch eine Röhrenwasserleitung des Rittergutes verlief, ging 1884 vom Gertrudschacht aus. Östlich davon lag auch der ,von Roemers verlassene Schacht'. Man sieht gut, daß man am Ende der Ausrichtungsstrecken mit dem streifenförmigen Aushieb des Tonlagers begann.
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![]() Ausschnitt aus obigem Riß: H. Rühle's Abbau nördlich der Straße am Erichschacht. Während er sich nach Norden und Osten mit den Ausrichtungsstrecken exakt an die Flurstücksgrenze hielt, überfuhr er diese nach Westen deutlich - wahrscheinlich hatte er also auch auf dem dort angrenzenden Grundstück die Abbaurechte erworben. Nicht nur die Abbauführung, auch die Rißführung durch Obersteiger Friedrich Wilhelm Thiemann kann man angesichts dieses Grubenrisses nur als ausgesprochen ordentlich bezeichnen...
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![]() Auch bei diesem Riß gelingt es uns ganz gut, die Lage in die heutige Topographie einzupassen. Der abgeworfene Roemerschacht sowie der Gertrudschacht lagen demnach nördlich, der Erichschacht südlich - im späteren Johannaschacht'er Feld - der heutigen Canitzer Straße in Löthain.
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![]() Noch ein Ausschnitt aus diesem Riß: An der Straße Richtung Meißner Chaussee stand nicht nur ein ,Thonschuppen', sondern hier auch die ,Centesimal- Waage'. Mit letzterem Begriff wurden ungleicharmige Brückenwaagen benannt, bei denen die Massen des Gegengewichtes zur zu wiegenden Last im Verhältnis 1:100 stehen - bei beladenen Fuhrwerken sicher eine hilfreiche Einrichtung.
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Am 29. Dezember 1884 hatte auch Frau verw. Venus einen Antrag auf Genehmigung der Absinkung zweier neuer Tonschächte bei Kaschka bei der Amtshauptmannschaft in Meißen eingereicht (40024-12, Nr. 24, Blatt 149f). Um Auskunft bezüglich ggf. zu erlassender Anordnungen in bergpolizeilicher Hinsicht befragt, fand Markscheider Oscar Choulant am 6. Januar 1885 gegen den Plan nichts einzuwenden, insofern die Schächte mit dauerhafter Zimmerung versehen und Fahr- und Fördertrum getrennt werde und überhaupt den betreffenden Vorschriften allenthalben nachgekommen werde (40024-12, Nr. 24, Blatt 152). Der Betriebsbeginn aber sollte noch gesondert angezeigt werden.
Die Kaschka- Mehrener
Thonwerke J. G. Venus bestanden nach Angaben auf dem eigenen Briefkopf
oder in der
Unter dem Namen des Unternehmensgründers fanden wir im Adreßbuch der Stadt Meißen im Jahr 1880 noch einen Eintrag. Bereits in der nächstfolgenden Ausgabe des Adreßbuchs aus dem Jahr 1885 ist dann Frau Augustine verw. Venus als ,Thonhändlerin' und noch bis 1893 als ,Thonwerksbesitzerin' aufgeführt. Ziemlich gewiß hat J. G. Venus auch die Augustinenschächte nach seiner Ehegattin benannt. Ab 1892 unterzeichnete dann erneut ein Herr J. G. Venus ‒ nun aber vielleicht ein Sohn ähnlichen Vornamens ‒ im Auftrage der Witwe die Schreiben an das Bergamt. Wenn dessen Unterschrift auf späteren Dokumenten echt und nicht nur ein Stempel ist, dann blieb J. G. Venus in Meißen aber nach 1892 wohl eher ein ,stiller Teilhaber'. Am 12. Mai 1894 hat diese Tonwerke dann Herr Hugo Oswald Schröter, Kaufmann in Meißen und Hausbesitzer in Mehren, erworben und ist auch in den Akten als Inhaber des Unternehmens genannt (40024-12, Nr. 188, Blatt 19ff und 40024-1, Nr. 282, Blatt 224ff). Obwohl das nun nicht gerade als ein sehr verbreiteter Familienname erscheint, haben wir weder zum Vater, noch zum Sohn in Meißen bisher weitere Angaben finden können. Allerdings haben wir in den Akten des Hauptstaatsarchives einen Festungshauptmann namens Friedrich Venus zu Wittenberg schon während des Dreißigjährigen Krieges finden können (11237, Loc. 10823/13). Auch gab es 1765 einen Former namens Gotthold Leberecht Venus in den Gehaltslisten der Porzellanmanufaktur zu Meißen (Altes Archiv, Bestand IAb, Nr. 40, Blatt 291).
Ein Johann Gottfried Venus war Ende des
18. Jahrhunderts und noch bis 1817 Bürgermeister in (Bad) Schandau
(13761, Nr. 50/01). Er scheint viele Kinder gehabt zu
haben, denn im Staatsarchiv findet man reichlich weitere Akten um dessen Nachlaßregulierung. Ob auch jene Frau Venus, welcher 1867
das damals noch gangbare
Zur gleichen Zeit gab es aber auch einen Notar namens Carl August Ferdinand Venus in Zittau (50141, Nr. 765), wenig später einen Färber namens Johann Gottlob Venus in Wolkenstein (10078, Nr. 1508) und einen Friedrich Samuel Venus in Dresden (10002, Nr. 01909). 1920 bis 1925 war Herr Dr. Ernst Walther Venus Amtmann in Stollberg und von 1926 bis 1928 Amthauptmann in Annaberg (30050, 30041). In welcher verwandtschaftlichen Beziehung diese Personen untereinander gestanden haben, werden wir hier nicht aufklären können...
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Unter dem 22. Februar 1884 ging auch eine Unfallmeldung durch Gendarm Gebauer bei der Amtshauptmannschaft ein, nach welcher der Arbeiter Carl Leubner die Nachtschicht auf einer der Zeitschel'schen Gruben ganz allein verfahren und dabei ‒ wohl durch schlechte Wetter erstickt oder durch eine Explosion derselben ‒ zu Tode gekommen war. Obwohl die zum Betrieb der Ventilation aufgestellte Dampfmaschine den ganzen Tag mit voller Kraft arbeitete, sei es bis zum Abend des Tages noch nicht möglich gewesen, zum Verunglückten vorzudringen (40024-12, Nr. 268, Blatt 171). Der Besitzer wurde auch gleich am folgenden Tag vernommen, wobei er angab, man habe inzwischen den Verunglückten erstickt finden können. Herr Zeitschel führte weiter an, ihm sei „bisher noch kein Fall vorgekommen, in welchem sich in der Thongrube böse Wetter entwickelt hätten. Nur manchmal, wenn wir in alte Baue kommen, wo verfaultes Holz und desgl. sich vorfindet, fanden sich auch geringe Quantitäten solcher Gase vor. Wie in diesem Falle die Gase sich gebildet haben, hat der Obersteiger noch nicht zu ermitteln vermocht.“ Die Amtshauptmannschaft beauftragte daher O. Choulant mit einer Untersuchung. Da es sich um einen tödlichen Unfall auf einer Grube handelte, eilte derselbe auch gleich am 25. Februar nach Löthain. Der Unglücksort lag nach seinen Ermittlungen vor dem nördlichen Ort der Hauptstrecke W, die gerade vom Schacht No. IV aus zur Untersuchung des nördlichen Feldes unter der Straße nach Lobschütz hindurch getrieben wurde. Zu dem Ereignis muß es gegen 4 Uhr früh gekommen sein, als C. Leubner bereits ausfahren wollte, da sein Arbeitsort bereits aufgeräumt gewesen sei. In diesem Moment muß der Verunglückte durch „zudringende schwere Kohlensäure- Gase“ erstickt worden sein. Erst danach scheinen sich auch Schlagwetter an dessen Lampe entzündet und deren Verpuffung eine Druckwelle bis zur Hängebank bewirkt zu haben, weshalb die Frühschicht auch die Kaue teils „demolirt“ und deren Türen offenstehend vorgefunden hat. Die besagte Strecke war eigentlich in unverritztes Feld getrieben, doch hatte man am Ende der Strecke X alte Baue erreicht und daher von dieser ausgehend nur östlich neue Abbauörter angelegt. Diese alten Baue sind wahrscheinlich zwischen 1864 und 1869 vom damaligen Schacht No. I aus aufgefahren worden. Beim Anfahren von Bauen aus den 1870er Jahren hingegen hätten sich ‒ wie das auch der Besitzer richtig angegeben hatte ‒ stets nur geringe Mengen Gase gezeigt. Herr Choulant hat deshalb ‒ weil ja Gefahr im Verzuge war ‒ gleich vor Ort selbst angeordnet, daß die Abbaue auf der Strecke X bis auf weiteres einzustellen sind. Man solle vielmehr versuchen, durch ein Gegenort von der Strecke W aus die schlechten Gase aus den vorliegenden alten Bauen zu zäpfen. Bei deren Vortrieb müsse immer wieder mindestens 1 m vorgebohrt werden. Weil er ja aber eigentlich selbst gar keine Anweisungen treffen durfte, war der Amtshauptmannschaft schließlich noch zu empfehlen, entsprechende Verordnung an den Grubenbesitzer zu erlassen, was denn auch am 29. Februar 1884 geschah (40024-12, Nr. 268, Blatt 178).
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Weitere
Betriebspläne derselben Tongruben liegen für das Jahr 1885 vor
(40024-12, Nr. 268, Blatt 180ff). Hinsichtlich des Betriebs auf der
Zeitschel'schen Grube wies Herr Choulant am 19. Januar 1885
gleich zuerst noch einmal darauf hin, daß beim Betrieb der Örter nahe der
alten Baue „alle Vorsicht anzuwenden“ sei, zumal die frühere
Wetterstrecke nach dem benachbarten Schacht A der Villeroy &
Boch'schen Grube wegen des fortgeschrittenen Abbaus nicht offen zu
erhalten gewesen sei. Die letztere war darauf hinzuweisen, daß damit
natürlich auch deren Fluchtweg verlorengegangen war und man deshalb
besonders die Instandhaltung des Schachtes A im Blick haben müsse.
Das Rühle'sche Feld am Linnaschacht war inzwischen gänzlich
abgebaut und mit dessen Verfüllung begonnen worden. Schließlich war noch
zu bemerken, daß seitens der Sächsischen Ofen- und Chamottefabrik, vormals
Ernst Teichert, neues Grubenfeld erworben worden ist und man dort
zur Ausrichtung einen neuen Schacht anlegen wolle. Bevor man dort aber zum
Abbau schreite, sei auf „baldige Anlage eines Fluchtweges durch einen
zweiten Schacht Bedacht zu nehmen.“ (40024-12, Nr. 268, Blatt 184ff)
Am 29. August 1885 zeigte Heinrich Rühle an, daß er auf Parzelle No. 75 der Rittergutsfluren weitere Abbaurechte erworben habe und dort einen Schacht von knapp 31 m Teufe niedergebracht habe (40024-12, Nr. 268, Blatt 188). Daß er dies nicht vorher gemeldet habe, fand Choulant natürlich nicht in Ordnung. Ansonsten stehe der Aufschließung des neuen Grubenfeldes aber nichts entgegen (40024-12, Nr. 268, Blatt 189). Am 25. Oktober 1885 war Choulant wieder vor Ort, da Rühle noch einen zweiten Versuchsschacht auf Parzelle No. 72 anzulegen beabsichtigte, und fand dabei diesen ersten Schacht bereits „in vollem Betriebe,“ sonst aber hier keinen Anlaß für Ausstellungen. Bei der Gelegenheit fand er aber auch noch zwei neue Schächte der Teichert'schen und der Villeroy & Boch'schen Tongruben vor. Die hatten deren Abteufen doch beide auch noch nicht angezeigt... Beide waren allerdings gerade „wegen zu starken Wasserandrangs bis zum Einbau stärkerer Maschinen außer Betrieb gesetzt.“ Beide lägen im unverritzten Feld und waren bezüglich der Oberfläche so platziert, daß Choulant keine Veranlassung zu Anweisungen fand. Die betreffenden Anzeigen kamen dann zusammen mit den Betriebsplänen für das folgende Jahr 1886 auf seinen Tisch (40024-12, Nr. 268, Blatt 196ff). Außerdem kam im Jahr 1886 mit den Herren L. & C. Hardtmuth aus Budweis / České Budějovice in Löthain neue Unternehmer ins Revier, welche das vormals Zeitschel'sche Tonwerk erkauft hatten (40024-12, Nr. 268, Blatt 199). Choulant's Bewertung vom 23. Januar 1886 zufolge hatte das Unternehmen von Villeroy & Boch einen anderen Teil der Zeitschel'schen Grubenfelder erworben (40024-12, Nr. 268, Blatt 201ff). Man sehe noch gesonderter Anzeige entgegen, wie von dem dort neu angelegten Schacht aus der Abbau erfolgen solle, ansonsten aber sei gegen die Fortführung des Abbaus in den vormals Zeitschel'schen Gruben nichts einzuwenden. Der neue Rühle'sche Schacht vom Oktober 1885 hatte inzwischen den Namen Waltherschacht erhalten. Hier wies Choulant darauf hin, daß man die Strecke N vom Erichschacht aus möglichst schnell mit dem neuen Schacht zum Durchschlag bringen solle, um für beide Schächte wieder einen Fluchtweg zu gewinnen. Außerdem hat Rühle auch den Versuchsschacht auf Parzelle 72 niedergebracht, der nun in Choulant's Begutachtung mit dem Namen von Roemer- Schacht belegt ist. Hier empfahl der Gutachter, aus denselben Gründen möglichst bald einen Durchschlag mit der benachbarten, nun Hardtmuth'schen Tongrube herzustellen. Eine gleichartige Verbindung schlug er auch für den neuen Teichert'schen Schacht vor, für den man entweder bald einen zweiten Schacht teufen oder aber einen Durchschlag zur Villeroy & Boch'schen Tongrube auffahren müsse.
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Auch in der nächsten Akte
aus dieser Zeit (40024-12, Nr. 269) sind wieder Betriebspläne und deren Bewertungen durch Markscheider
Choulant, nun aus dem Zeitraum von 1887 bis 1891, enthalten, welche die
Tongruben betreffen:
Außerdem findet sich hier nun auch diverser Schriftverkehr mit den Frohberg'schen Tonwerken, der Krister'schen Porzellanerdegrube und dem Kollrepp'schen Unternehmen. Namens der oben zuerst aufgeführten Firma reichte am 13. Januar 1887 wieder Obersteiger Friedrich Wilhelm Thiemann einen Betriebsplan ein, aus dem man erfährt, daß ihr 1887 neben dem Claraschacht noch oben schon genannter ,Schacht A' gehörte. Bei letzterem wolle man „in der begonnenen Weise“ auch weiter abbauen und zwar im laufenden Jahr die Pfeiler M und N. Beim Claraschacht hatte man wohl weniger Glück, denn die beiden Ausrichtungsstrecken A und B, hatte man, „A wegen Waßer, B wegen vorliegenden alten Abbauen“ nicht weiter treiben können. Nun setzte man die Strecke C und D in östlicher und westlicher Richtung vom Schacht aus im oberen Bau an, „um die Qualität des in dieser Höhe anstehenden Thones zu erforschen.“ Vor Anlegung eines Abbaues werde aber weitere Meldung geschehen (40024-12, Nr. 269, Blatt 1). Derselbe Obersteiger war auch Verfasser des Betriebsplans vom 19. Januar 1887 für die H. Rühle'schen Löthain- Meißner Tonwerke (40024-12, Nr. 269, Blatt 2f). Der war schon etwas umfänglicher, betrieb Herr Rühle doch nun zugleich den Erichschacht, den Gertrudschacht, den Roemerschacht sowie einen ,Schacht No. II'. Das Abbaurecht an letzterem hatte er zuvor von den Herren Hardtmuth übernommen ‒ die tschechischen Investoren sind also nur kurze Zeit im Revier geblieben. Das Abbauprinzip war überall mehr oder weniger gleich und ist zum Beispiel so beschrieben: „Die Hauptstrecke A soll als Versuchsstrecke bis Bohrloch No. IV weiter fortgesetzt, die Hauptstrecken C und D, erstere bis gegen den vorliegenden Abbau, letztere bis an das Ausgehende des Thonlagers, weiter getrieben und sodann Abbaustrecken in südlicher Richtung gegen die Feldgrenze der Parzelle 72 angelegt werden. Den Wetterzug vermittelt die Strecke E.“ Die im Vorjahr angemahnten Flucht- bzw. Wetterstrecken zwischen diesen gab es offenbar noch nicht. Markscheider O. Choulant hielt in seiner Begutachtung der beiden Betriebspläne vom 23. Januar 1887 (40024-12, Nr. 269, Blatt 4ff) den Betrieb aber dennoch für unbedenklich, wenn jeweils „nur dieser Schacht selbst in gutem Zustande erhalten wird.“ Außerdem wies er hinsichtlich des Betriebs am Rühle'schen Erichschacht auf das Belassen eines genügenden Sicherheitspfeilers neben der Wetterstrecke E hin. Zum Schacht No. II sollte vom Erichschacht aus eine Verbindungsstrecke getrieben werden und dann der dort noch anstehende Ton gewonnen werden. Weil diese durch alten Mann führe, wies Choulant auch hier besonders darauf hin, den Ausbau in gutem Zustand zu erhalten. Ansonsten war „ein Bedenken nicht zu erheben.“ Das Gutachten kostete der Liquidation zufolge übrigens damals 25,23 Mark, welche die Amtshauptmannschaft für das Bergamt einzutreiben hatte. Da für beide Unternehmen aber keine kostenaufwendigen Forderungen aus diesem Gutachten resultierten, werden sie die Gebühren sicher gern getragen haben.
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Für die beiden Tongruben von
Villeroy & Boch und Heinrich Rühle in Löthain reichte
Obersteiger Thiemann am 19. Januar 1888 wieder zwei neue Betriebspläne
auf das Jahr 1888 ein (40024-12, Nr. 269, Blatt 20ff). Das Abbauprinzip blieb
natürlich dasselbe: Auf beiden Werken war das Abbaufeld in Pfeiler
untergliedert, die von Hauptstrecken ausgehend durch Abbaustrecken
hereingewonnen werden sollten.
Bei den Rühle’schen Tonwerken kam nun aber der Glückauf Schacht hinzu. Ob das der im vorangegangenen Jahr noch als Schacht No. II benannte gewesen ist, ersieht man aus dem Text nicht, da Herr Choulant die beigefügten Grundrisse immer wieder zur Fortbringung an die Betriebe zurücksandte und in der Akte keine Kopien enthalten sind. Letzterer sandte am 27. Januar 1888 seine Stellungnahme an die Amtshauptmannschaft ein (40024-12, Nr. 269, Blatt 23ff). Man erfährt daraus, daß der Glückaufschacht durch eine Förderstrecke, die zugleich als Fluchtweg diente, mit dem Erichschacht in Verbindung stand – also wird es wohl der frühere Schacht No. II gewesen sein. Beim Gertrudschacht wies Choulant darauf hin, daß die Strecke F gegen alte Baue führe und man stets für gute Ventilation zu sorgen habe, um gefährliche Gase fernzuhalten – daß solche hier auftreten können, war ja auch damals schon längst bekannt. Im Hinblick auf die Tongrube von Villeroy & Boch fand Markscheider Choulant die Bemerkung vonnöten, daß man weder im Baufeld vom ,Schacht A‘ noch in dem vom Claraschacht bislang einen zweiten Tagesausgang besäße und deshalb auf die Instandhaltung des Ausbaus der Schächte und Hauptstrecken besonderer Wert zu legen sei. Am 25. Juli 1888 reichte Prokurist Schmidt namens der Firma Ofen- und Porzellanfabrik Ernst Teichert in Cölln eine Anzeige bei der Amtshauptmannschaft ein, daß das Unternehmen einen Tonschacht auf Löthain‘er Flur zu teufen beabsichtige. Dazu kam am 20. August noch eine Anzeige des Gemeindevorstands Robert Steiger nach, daß man auf der Parzelle 97 bereits mit dem Schachtabteufen begonnen habe (40024-12, Nr. 269, Blatt 32f). Die Amtshauptmannschaft forderte daraufhin am 25. August 1888 das Unternehmen auf, „schleunigst“ einen Betriebsplan einzureichen. Prokurist Schmidt reichte demgemäß am 3. September einen solchen ein und beantragte gleich noch die Baugenehmigung für eine Schachtkaue und einen Tonschuppen (40024-12, Nr. 269, Blatt 35ff). Die „Beschreibung des... neu errichteten Thongrubenwerkes“ lautet ziemlich knapp: „Der angelegte Schacht soll eine Tiefe von höchstens 25 Meter erhalten und wird in der solidesten Weise mit Holz ausgebaut. Der Zugang wird durch einen äußerst festen und dauerhaften Leitergang ermöglicht. Der Thon wird in zwei Strecken, welche je eine Höhe von 2,25 mtr. und eine Breite von 1,40 mtr. erhalten, abgebaut und mittelst einer Seilwinde zu Tage gefördert, um in dem neu zu erbauenden Thonschuppen aufgespeichert zu werden. Das Schachthaus dient zur Deckung der Einfahrt in den Schacht und zur Aufbewahrung der Utensilien. (...) Sonstige Maschinen oder mechanische Vorrichtungen für den Schacht sind nicht nötig.“ Markscheider Choulant nahm am 13. September 1888 dazu Stellung (40024-12, Nr. 269, Blatt 37ff). Nach seiner Kenntnis läge der bereits in Betrieb befindliche Schacht in einem schon früher in Abbau gewesenen Grubenfeld und „weil dies bei allen den dortigen Thongruben immer der Fall gewesen, der alte Bau sich wahrscheinlich schon längst wieder fest zusammengesetzt hat, so ist... im Allgemeinen gegen das Niederbringen des Schachtes... ein Bedenken nicht zu erheben...“ Choulant wies aber auf mögliche Gefahren beim Durchschlagen auf alte Baue und natürlich auf die Einhaltung der Bergpolizeivorschriften hin.
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Bei der Gelegenheit teilte
Choulant der Amtshauptmannschaft aber auch mit, daß er bei seinen kürzlich
vorgenommenen Revisionen „in Löthain und Oberjahna Thongruben in Betrieb
gefunden habe, von welchem mir Betriebspläne etc. nicht bekannt sind“ und
führte hier auf:
Weiter schrieb Choulant: „Da auf diesen Gruben auch bereits Unglücksfälle beim unterirdischen Betriebe vorgekommen sein sollen, so erlaube ich mir ganz ergebenst, (...) der sehr geehrten Königl. Amtshauptmannschaft davon zugleich mit Kenntniß zu geben.“ Unglaublicherweise bat daraufhin die Amtshauptmannschaft Herrn Choulant am 18. September 1888, ihnen doch die gültigen Bergpolizeivorschriften vom 25. März 1886 zu übersenden, da „diese hier weder bekannt, noch zur Einsichtnahme vorhanden sind.“ (40024-12, Nr. 269, Blatt 40) Am 23. September sandte er daraufhin zwei Exemplare derselben nach Meißen mit dem Bemerken, daß diese auch auf die Tongruben anzuwenden sind, für je 20 Pf. beim Verlag Craz & Gerlach in Freiberg zu bekommen seien und daß schon früher – nämlich 1876 – auch Bergrat Köttig auf die Notwendigkeit einer Überwachung der unterirdischen Betriebe hingewiesen habe. Choulant hat auch in die Bergamtsakten geschaut und dabei festgestellt, daß die oben genannten Unternehmen wenigstens seit 1877 zugange sind und zu dieser Zeit (seitens der Firma von Frau Venus im Jahr 1884) letztmals Anzeigen oder Genehmigungsanträge eingereicht hätten. Zunächst einmal genehmigte die Amtshauptmannschaft aber der Firma Ernst Teichert am 16. Oktober 1888 den Abbau und die Errichtung der Übertageanlagen unter den von Choulant vorgeschlagenen Maßregeln, namentlich wurde nun wieder die jährliche Einreichung eines Betriebsplanes gefordert (40024-12, Nr. 269, Blatt 49). Unter dem gleichen Datum wurden auch die übrigen fünf, oben angeführten Unternehmen zur Einreichung von Betriebsplänen aufgefordert (40024-12, Nr. 269, Blatt 50).
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Namens des Tielsch’schen
Unternehmen dagegen sandte ein Herr Schultz am 10. November die
Grubenrisse der beiden Porzellanerdegruben in Löthain und Kaschka an die
Amtshauptmannschaft (40024-12, Nr. 269, Blatt 52). Das fand aber Choulant nicht ausreichend, weil aus den Bleistifteintragungen auf diesen Rissen
sich kein Anhalt über Größe und Umfang des Betriebes ergäbe, nicht einmal der
Verfasser der Risse aufgetragen sei, und zumal aus den Rissen zu ersehen sei, daß das in Schlag stehende Porzellanerdelager an beiden Standorten bis zu 16
Meter Mächtigkeit erreiche und daher in mehreren (und zwar bis zu fünf) „Etagen“
abgebaut werde. Der Markscheider konnte auf den Rissen aber immerhin sehen, daß
es in Kaschka neben dem Schacht einen Stolln gab und daß in Löthain zwei
Schächte No. 4 und 5 in Betrieb standen. Wir können es leider nicht sehen, weil
keine Kopien der Risse in der Akte enthalten sind. Er forderte daher zur
Nachbringung der Risse und vorschriftsmäßigen Führung derselben auf und behielt
sich seinerzeit eine Befahrung der Grube vor (40024-12, Nr. 269, Blatt 53ff). Aus diesem Grund blieb auch
die Amtshauptmannschaft bei ihrer Forderung und stellte am 16. November 1888 dem
Unternehmen eine Frist von drei Wochen zur Einreichung ordnungsgemäßer Risse und
Betriebspläne (40024-12, Nr. 269, Blatt 56).
Die anderen Unternehmen haben wohl die vorbeschriebenen Vorgänge erst einmal abgewartet und am 28. November sandte Carl Friedrich Frohberg für seine Tongrube in Oberjahna und unter demselben Datum C. Schuster namens der Direktion der vormals Carl Teichert’schen Ofen- und Porzellanfabrik in Meißen Betriebspläne ein (40024-12, Nr. 269, Blatt 57f). Seine Stellungnahme zu diesen brachte Markscheider Choulant am 2. Dezember 1888 zu Papier (40024-12, Nr. 269, Blatt 59f): Weil aus den „fälschlich als Betriebsplan bezeichneten Grubenrissen“ die Flucht- und Wetterstrecken nicht zu ersehen seien, hielt er auch diese für ungenügend, hatte andererseits aber gegen den Weiterbetrieb der C. Teichert‘schen Tonabbaue keine Einwendungen zu erheben. Was die Frohberg’sche Tongrube anbetraf, so hielt Choulant den Weiterbetrieb – wegen seiner geringen Ausdehnung – ebenfalls für unbedenklich, forderte aber noch Aufklärung, in welchem Niveau die betriebene „2. Etage“ denn läge und ob sie etwa unter einer früher schon abgebauten Sohle betrieben werde. Ziemlich ausführlich war dagegen dann der am 30. November 1888 von einem Prokuristen Lorenz namens des Unternehmens von Tielsch & Comp. für das Jahr 1889 eingereichte Betriebsplan (40024-12, Nr. 269, Blatt 62). Er beschrieb in drei Anstrichen, daß der Abbau in Löthain jeweils in einer Sohle von dem zum Schacht entferntesten Punkt ausgehend durch Streckenbetrieb erfolge, wobei ein Schachtsicherheitspfeiler von 10 m Radius belassen werde. Die Firma hatte in ihrem Abbauvertrag ein jährliches Quantum mit dem Grundeigentümer vereinbart und sah deshalb im Feld des Schachts No. 5 je einen Pfeiler in der 1. und der 2. Etage zum Abbau vor. Ein Fluchtweg sollte über eine Verbindungsstrecke ,AB‘ zwischen beiden Schächten in der 1. Etage noch aufgefahren werden. Für die Grube in Kaschka reichte ein H. Ludwig Kneisel am 9. Dezember 1888 einen zweiten Plan ein (40024-12, Nr. 269, Blatt 63), aus dem zu erfahren ist, daß hier zwei Stolln und ein „Senkschacht“ in Betrieb standen. Mit dem Stolln I hatte man auf 21 m Länge „abgebautes Feld“ durchfahren und dahinter dann neuen Abbau vorgerichtet. Stolln II war 2,25 m tiefer angesetzt und 26 m durch schon abgebautes Feld getrieben und sollte noch bis zur Feldgrenze „in anstehendem Kaolin“ fortgebracht werden, danach rückschreitend das Feld in Verhieb genommen werden. Schließlich hatte man von dem Senkschacht aus bereits eine 4. und 5. Etage gänzlich abgebaut. Er sollte vorerst noch „zur Untersuchung der Mächtigkeit des Kaolinlagers“ offen und befahrbar gehalten werden. Oscar Choulant hielt diese Pläne in seiner Bewertung vom 16. Dezember 1888, weil der geschilderte Abbau mit den Stolln „doch immerhin ziemlich schnell fortschreite und (ein Fluchtschacht) mit zuviel Kosten verbunden“ wäre, für ungefährlich und machte nur für die Grube in Löthain zur Bedingung, daß vor der Fortsetzung des Abbaus die Verbindungsstrecke durchschlägig gemacht werde (40024-12, Nr. 269, Blatt 64f). Derselbe Herr Kneisel reichte am 18. Januar 1889 auch einen Betriebsplan für die der Frau Venus gehörige Tongrube in Kaschka ein (40024-12, Nr. 269, Blatt 69). Der Betrieb war hier anscheinend auch nicht sehr umfangreich, denn es war nur zu beschreiben, daß man von den zwei, untereinander verbundenen Schächte aus die Strecken A und B forttreibe, um dann rückschreitend Abbaustreifen anzulegen. Dagegen fand Herr Choulant in seiner Bewertung vom 22. Januar 1889 keine Einwände (40024-12, Nr. 269, Blatt 73). In der Zwischenzeit waren auch die nächsten Betriebspläne für die Tongruben von Villeroy & Boch und Heinrich Rühle für das Jahr 1889 eingegangen (40024-12, Nr. 269, Blatt 70ff). Hier hatte der Gutachter keine Bedenken, wies nur den Steiger Thiemann erneut auf die „rechtbaldige“ Anlage eines zweiten Fluchtschachtes am Schacht A der Villeroy & Boch’schen Tongrube hin, da sich der Abbau dort immer weiter ausbreite. Gegen den Betrieb auf den Rühle’schen Tonwerken hatte Herr Choulant keine Bedenken, da dort überall Verbindungsstrecken zwischen wenigstens zwei Schächten bestanden haben.
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Am 12. April 1889 hat
Choulant die Gruben in Löthain und Kaschka befahren, um sich von der
Ausführung der diesen aufgegebenen Sicherheitsvorkehrungen zu überzeugen.
Offenbar hatte er dazu aber in seinem Bericht keine wesentlichen
Beanstandungen zu machen; es war nur zu erwähnen, „daß ich wieder zwei Werke
im Betriebe getroffen habe, von denen mir nicht bekannt ist, daß zu deren
Inangriffnahme die sehr geehrte Königliche Amtshauptmannschaft ihre Genehmigung
ertheilt“ habe. An dieser Stelle führte Choulant auf:
Weil durch eine „nachlässige Urbarmachung derartiger Anlagen aber leicht großes Unglück herbeigeführt werden“ könne, ihm aber gemäß der Verfügung vom 16. Juni 1882 nach wie vor keine selbsttägige Revision erlaubt sei; er vielmehr doch nur auf Anforderung der polizeilichen Organe tätig werden dürfe, wies er die Amtshauptmannschaft darauf hin, daß es doch sehr wünschenswert wäre, wenn auch ihm darüber Anzeige erstattet werde (40024-12, Nr. 269, Blatt 81f). Wohl daraufhin von der Amtshauptmannschaft zur Einreichung eines Betriebsplanes aufgefordert, teilte aber Oswald Finke am 25. April 1889 derselben mit, daß „der geteufte kleine Versuchsschacht außer Betrieb gesetzt worden ist.“ (40024-12, Nr. 269, Blatt 88) Am 6. Mai des Jahres schrieb auch ein Herr Ziesler namens der Firma Chamotte- und Thonwaaren- Fabrik Fr. Kollrepp aus Meißen an die Amtshauptmannschaft, daß man in Löthain’er Flur gar kein Tonwerk besitze, jedoch in Kaschka schon seit Anfang der 1870er Jahre, welches aber außer Betrieb sei. Man sei aber „mit einer neuen Anlage wieder beschäftigt“ und werde, sobald man so weit fortgeschritten sei, einen Betriebsplan einreichen (40024-12, Nr. 269, Blatt 90). Stattdessen hatte dann schon am 4. Mai Herr Kneisel einen Betriebsplan eingereicht, welcher besagte, daß man in Pröda’er Flur zwei Saigerschächte Nr. 1 und 3 angelegt und von diesen aus Ausrichtungsstrecken „auf unbestimmte Länge“ fortbringen wolle. Das Förderquantum werde sich nach dem Bedarf der eigenen Fabrik richten und voraussichtlich 40.000 Ctr. jährlich betragen. Das im Grubenriß verzeichnete nördlich gelegene „Leuben- Schleinitzer Tonwerk“ sei früher von Herrn Kollrepp mitbetrieben worden, nun aber an einen anderen Besitzer übergegangen. Darunter findet sich die Notiz, daß man die Versuchsstrecken „wegen unbrauchbaren Thones“ wieder eingestellt habe (40024-12, Nr. 269, Blatt 91). Vom 1. Mai stammen weitere „Erläuterungen zum Grubenriß“ zu den Tongruben in Kaschka aus der Hand von Kneisel, worin es heißt, daß der Abbau dort zuletzt von den Schächten IV und IVa aus betrieben, wegen „gewordener Unbrauchbarkeit des Tones“ aber eingestellt und die Schächte verfüllt worden seien. Man lege nun einen Schacht V an. Auch der Betrieb auf dem Kaolinschacht IIIa solle eingestellt werden (40024-12, Nr. 269, Blatt 92).
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Am 18. Mai 1889 brachte Oscar
Choulant seine Bemerkungen zu diesen Betrieben zu Papier (40024-12, Nr. 269,
Blatt 94f). Zum Betrieb in Kaschka mahnte er zur Vorsicht beim Teufen, da der
neue Schacht ganze 5 m vom früheren Baufeld entfernt und mithin unsicher sei, ob
man nicht in alten Mann gerate. Hinsichtlich der Schächte in Pröda vermutete
Choulant, daß sich der Abbau wohl nur noch auf die Schachtpfeiler
beschränken werde und man daher auf deren Ausbau und Sicherheit achten solle.
Dies alles vorausgesetzt, habe er aber keine Bedenken zu erheben.
Was den wieder eingestellten Versuchsschacht von Finke in Löthain anbetraf, so wies Choulant nur darauf hin, daß er – solange er nicht wieder verfüllt sei – beaufsichtigt werden müsse. Auch im Jahr 1889, am 7. Juni, reichte dann Christian Teichert aus Cölln, der Sohn von Ernst Teichert, einen Antrag zur Genehmigung eines neuen Schachtabteufens auf Parzelle 9 in Kaschka ein und erbat zugleich die Grubenrisse für seine Tongrube in Löthain zum Zwecke deren Nachbringung zurück (40024-12, Nr. 269, Blatt 98f). Die „Bemerkungen zum Grubenriß“ waren schon am 10. Mai 1889 wieder von Herrn Kneisel verfaßt und berichten, daß man 15 m vom Wirtschaftsweg entfernt neben den Kollrepp’schen Tongruben eingeschlagen habe und in nur 5 m auf Ton gekommen sei und „da ein Abbau an dieser Stelle schon früher einmal betrieben wurde, so wird sich der jetzige Abbau ganz nach dem Vorfinden von brauchbarem Material richten und ein Betriebsplan nicht gut aufzustellen sein.“ Dazu meinte Herr Choulant in seiner Beurteilung vom 11. Juni, daß man hier, wie nebenan auch, zwar wisse, daß man in alte Baue einschlagen werde, nicht jedoch, wie alt diese seien und ob sie sich inzwischen wieder ganz geschlossen haben, weswegen es angezeigt sei, bei allen Auffahrungen die nötige Vorsicht walten zu lassen (40024-12, Nr. 269, Blatt 100). Ansonsten hatte er „gegen die ja bereits ohne Genehmigung fertiggestellte Schachtanlage nachträglich“ keine Bedenken. Schließlich beantragte derselbe Herr Kneisel auch im Auftrage von Frau Tonwerksbesitzerin Venus unter dem 30. Juli 1889 das Abteufen zweier neuer Schächte, zum einen in Kaschka auf dem Gut von Th. Steude, zum anderen auf Mehren’er Flur auf dem Grund und Boden von Gutsbesitzer Stroisch (40024-12, Nr. 269, Blatt 103). Die Lage des Schachtes in Mehren war noch nicht ganz sicher und von noch auszuführenden Bohrungen abhängig gemacht, weswegen in der Skizze 2 zwei mögliche Standorte angegeben sind. Markscheider Choulant äußerte sich am 7. August 1889 dazu dahingehend, daß – wenn sonst den Bergpolizeivorschriften entsprochen werde – gegen das Niederbringen dieser Schächte keine Bedenken bestünden (40024-12, Nr. 269, Blatt 106f).
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Der nächste Antrag auf ein
Schachtabteufen stammt vom 3. Oktober 1889 und ist diesmal seitens der
Geschäftsführung der Ernst Teichert’schen Ofenfabrik von einem Herrn Haase
sowie von Obersteiger Thiemann abgezeichnet (40024-12, Nr. 269, Blatt
111). Man beabsichtige, „anstelle des 1885 begonnenen und wegen
wasserhaltiger Treibsandschicht nicht durchgebrachten Schachtes Nr. 1“ auf
Parzelle 39 in Löthain einen neuen Schacht von zirka 36 m Tiefe am Ort eines
Bohrlochs No. 3 abzusenken, welches die Möglichkeit eines glücklichen Durchsinkens
der Sandschicht ergeben habe. Die wasserhaltige Sandschicht war hier nur 0,5 m
mächtig.
Aufgrund der Bohrergebnisse und der Leitung des Unternehmens durch den „in solchen Arbeiten erfahrenen Obersteiger Thiemann“ fand auch Oscar Choulant am 11. Oktober gegen diesen Plan nichts einzuwenden (40024-12, Nr. 269, Blatt 112f).
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Für das Jahr 1890 reichte die
Sächsische Ofen- und Chamottewaren- Fabrik, vormals Ernst Teichert, am
21. Januar ihren Betriebsplan für die Grube in Löthain ein, dieses Mal neben
Obersteiger Thiemann von einem August Ulrichsohn namens der
Geschäftsführung abgezeichnet (40024-12, Nr. 269, Blatt 124). Der am 11. Oktober
vorangegangenen Jahres von Markscheider Choulant genehmigte Schacht war
inzwischen 35 m tief abgesenkt, womit die Sohle des abbauwürdigen Tonlagers
erreicht war. Man wolle nun zuerst eine Verbindungsstrecke nach dem benachbarten
Schacht von Villeroy & Boch in südlicher Richtung, daneben
Ausrichtungsstrecken in östliche Richtung treiben.
Am 16. Januar 1890 wurde auch der Betriebsplan für die Nachbargrube von Villeroy & Boch in Dresden zu Papier gebracht (40024-12, Nr. 269, Blatt 125). Hier setzte man den Abbau am Claraschacht fort. Am 22. Januar schließlich ist auch der Betriebsplan der Heinrich Rühle‘schen Tonwerke von Obersteiger Thiemann niedergeschrieben worden (40024-12, Nr. 269, Blatt 126ff). Hier setzte man zum einen den Abbau am Erichschacht und Gertrudschacht fort und hatte weitere Abbaurechte auf einer Parzelle der Rittergutsfluren erworben, wo man einen weiteren Schacht absenken wollte. Zum anderen ging auch am Glückaufschacht und am Roemerschacht weiter Abbau um. Der Glückaufschacht sollte zubruchgebaut werden, wobei man die Förderung auf den Erichschacht verlegen werde. Der vierte Betriebsplan für das Jahr 1890 betraf die von H. Rühle erworbene Tongrube des verstorbenen C. Frohberg in Oberjahna (40024-12, Nr. 269, Blatt 129). Hier wollte man im nördlichen Revier weiter abbauen und zugleich zwei Strecken zur Untersuchung des südlichen Reviers treiben. So langsam bekam Herr Choulant richtig Arbeit damit, alle Betriebspläne zu bewerten... Sein Gutachten dazu ist auf den 29. Januar 1890 datiert (40024-12, Nr. 269, Blatt 130ff). Dem Betriebsplan zur Ausrichtung der neuen Tongrube der Sächsischen Ofen- und Chamottewaren- Fabrik hatte er dabei nichts hinzuzufügen, nur sei geplante Verbindung zwischen dem neuen Ernst Teichert’schen Schacht östlich und dem Claraschacht der Villeroy & Boch’schen Tongrube westlich des Weges nach Mehren vor Abbaubeginn aufzufahren, weil „die Herstellung einer offenen Verbindung für beide Werke von der größten Wichtigkeit ist.“ Bei den H. Rühle’schen Schächten bestanden solche Verbindungen bereits, weshalb Herr Choulant gegen den dort geplanten Abbau keine Bedenken zu erheben hatte. Er wies nur darauf hin, daß man auf eine gute Ventilation achten solle, da der Abbau mit den Strecken Q und R vom Gertrudschacht aus dem alten Schacht inzwischen nahekomme. Bezüglich der von Heinrich Rühle erworbenen, vormals Frohberg’schen Tongrube in Oberjahna meinte Choulant, daß hier „bei dem geringen Umfange des Grubenfeldes eine zweite Schachtanlage kaum verlangt werden könne.“ So gab die Amtshauptmannschaft die Anweisungen am 4. Februar 1890 auch an die Grubenbetreiber weiter. |
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Am 14. April 1890 zeigten die
Ernst Teichert’schen Tonwerke auch das Niederbringen einen neuen
Tonschachtes in Kaschka an (40024-12, Nr. 269, Blatt 135). Wie immer dazu
befragt, schrieb Choulant am 24. April an die Amtshauptmannschaft, da dem
Antrag kein Riss beigefügt gewesen ist, sei ihm nichts anderes übriggeblieben,
als sich selbst ein Bild vor Ort zu machen (40024-12, Nr. 269, Blatt 138f).
Dabei nun habe er die zur Genehmigung vorgelegte Anlage „nicht nur bereits
vollständig fertiggestellt, sondern ebenso auch schon einen zweiten Schacht im
Abteufen begriffen“ gefunden. Dazu kam noch, daß die Schächte zu klein
ausgeführt und sich daher – entgegen §38 der Bergpolizeivorschriften – die
Fahrung in einem der Fördertrümer befinde. „Es kann nicht genugsam auf die
Gefährlichkeit solcher fehlerhaften, in der dasigen Gegend leider sehr beliebten
Schachtanlagen aufmerksam gemacht werden,“ schrieb er weiter und schlug der
Amtshauptmannschaft daher die Bedingung in deren Genehmigung vor, daß der eine
Schacht nur als Fahr-, der andere nur als Förderschacht benutzt werden dürfe. Im
Übrigen sei auch noch ein Betriebsplan nachzufordern. Den sandte das Unternehmen
dann auch am 1. September 1890 nach Meißen (40024-12, Nr. 269, Blatt 144f).
Offenbar hatte man sich fachliche Unterstützung bei Ingenieur Franz Göthe in Seilitz geholt, der diesen Betriebsplan als ,Betriebsleiter‘ abzeichnete. Eigentlich war für die Löthain’er Gruben der Plan ja schon bestätigt, aber sicherheitshalber führte man in dem neuen noch einmal kurz auf, daß man von den Schächten I und II auf den Parzellen 81 und 97 in Löthain aus auf den Strecken A, B, C und D Abbau fortführe. Hinsichtlich der neuen Schächte in Kaschka ist dem Betriebsplan zu entnehmen, daß man gerade auf der Parzelle Nr. 2 den neuen Schacht III teufe, weswegen Schacht I zurzeit außer Betrieb stehe. Schacht II habe man zwar absenken, dort aber den Abbau „wegen zuviel Wasserandrang“ nicht aufnehmen können. Man sehe daher nun vor, eine Communicationsstrecke vom Schacht III aus zu diesem zu treiben, wodurch man sich Wasserlösung erhoffte. In Löthain wurde dabei ein Ausbringen von 40.000 Zentnern und in Kaschka von 19.000 Zentnern Ton erwartet. Ein Nachtrag hierzu vom 15. September 1890 berichtet noch, daß am Schacht I in Kaschka das Baufeld „in der Hauptsache erschöpft und die Abbauflächen a und b nur noch abzusuchen sein würden.“ (40024-12, Nr. 269, Blatt 146) In seiner Beurteilung vom 18. September 1890 meinte Choulant dazu, daß nach seiner „vorgenommenen Besichtigung und gehabten Auseinandersetzung“ mit den Herren Göthe und Obersteiger Schütze sowohl aus dem neuen Betriebsplan als auch aus den neu angefertigten Rissen „der geplante Betrieb nun ohne Weiteres zu ersehen und dessen Zulässigkeit zu beurtheilen“ sei. Hinsichtlich der Schächte in Löthain meinte Choulant, daß sie „in einem alten zubruche gegangenen Felde angelegt“ seien, wo man den tiefer anstehenden Ton, welchen man wegen „seiner mehr sandigen Beschaffenheit“ früher nicht mit gewonnen habe, nun abbauen wolle, doch habe man dabei „das Gebirge in einem so fest zusammengefritten Zustande angetroffen, daß weder der Schacht, noch der... Streckenbetrieb irgendwie gefährdet erscheint“ und man den Betrieb daher unbedenklich genehmigen könne. Hinsichtlich der Schächte in Kaschka urteilte Choulant, daß der neue Schacht III nun vorschriftsmäßig angelegt sei, und da man vor dem Durchschlagen der Verbindungsstrecke die Schächte I und II auspumpen wolle, könne man auch diesen Betrieb ohne Bedenken genehmigen (40024-12, Nr. 269, Blatt 147ff).
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Für das folgende Jahr 1891
liegen wieder Betriebspläne vor
Die beiden letzteren sind äußerst knapp und beide von Grubensteiger Carl August Krätzer erstellt. Am 2. Februar 1891 fertigte Markscheider Choulant zunächst sein Gutachten zu den ersten beiden und außerdem zur Grube der Firma Villeroy & Boch (40024-12, Nr. 269, Blatt 155ff). Weil dort der Betrieb aber „nur in einer Fortsetzung des früheren“ bestehe, hatte er zum vorgesehenen Betrieb keine Einwände vorzubringen. Zu den beiden letztgenannten Tongruben äußerte er sich am 16. Februar 1891 (40024-12, Nr. 269, Blatt 162ff). Hinsichtlich der Kollrepp’schen Tongrube verwunderte ihn zwar, daß man mit dem rückschreitenden Abbau schon 10 m von der Feldgrenze entfernt beginne, doch sei vermutlich der dort anstehende Ton nicht abbauwürdig oder das Lager keile gar ganz aus, was freilich aus dem ziemlich unordentlichen Grubenriß nicht zu ersehen sei. Bis auf „die etwas unordentliche Bezeichnung der nach dem Betriebsplan gerade in Frage kommenden Strecken“ auf dem eingereichten Grubenriß hatte Herr Choulant dagegen hinsichtlich des Betriebsplanes für die Venus’schen Tonwerke keine Einwendung zu machen. Namens der Kollrepp’schen Unternehmungen teilte Herr Ziesler auf die Aufforderung der Amtshauptmannschaft, ordnungsgemäße Grubenrisse einzureichen, am 21. März 1891 mit, daß er damit Herrn Markscheider Choulant beauftragt habe, der aber „wegen vieler Aufträge“ dafür längere Zeit benötige (40024-12, Nr. 269, Rückseite Blatt 166). Clever gelöst... Da er sich natürlich nicht selber beurteilen konnte, hat nach Aussage seiner Beurteilung der Risse vom 28. Juli 1891 aber dann doch der Markscheider Heuchler aus Freiberg dieselben erstellt (40024-12, Nr. 269, Blatt 175f). Nach einigem weiteren Hin und Her teilte schließlich aber ein Herr Schönlein namens der Firma am 16. September 1891 an die Amtshauptmannschaft mit, daß der Betrieb eingestellt und sämtliche Schächte in Schletta und Kaschka verfüllt seien (40024-12, Nr. 269, Blatt 183).
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Zeitlich an
die bisherigen Aktenauszüge schließt nun die Akte
Nr. 25 aus dem Bestand des Landesbergamtes (40024-12) an. Auch sie
enthält im wesentlichen Betriebspläne und deren Begutachtungen, nunmehr aus dem
Zeitraum von 1892 bis 1894 und zwar für die Tongruben:
Außerdem ist hier der
Antrag der
Carl Krister'schen Porzellan- Erden- Gruben und Dampf- Schlämmerei
zu Seilitz vom August 1893 abgelegt, für deren Löthain'er Grube an der Straße von Löthain nach Garsebach
einen neuen Schacht abzuteufen, auf den wir
Die erstgenannte Firma besaß 1892 Tongruben in Kaschka und in Mehren. In Kaschka wollte man damals, wie es üblich war, von der Feldgrenze aus rückschreitend auf „der nördlichen Strecke“ 80 m vom Schacht beginnend nach Osten das Tonlager abzubauen. Zu der Tongrube in Mehren gehörten die Glück Auf Schächte I und II, von denen der erste aber „wegen Wasserdurchbruchs nicht betriebsfähig“ gewesen ist. Am Glück Auf Schacht II wollte man den Abbau in gleicher Weise, wie in Kaschka, „Rückbau von Ost nach Süd (...) mit einer Verlängerung von 40 m“ ausführen. Der ganze Betriebsplan paßte auch jetzt noch noch auf eine A4- Seite und ist von Augustine verw. Venus unterzeichnet (40024-12, Nr. 25, Blatt 1). Am 25. Juni 1892 zeigte Frau Venus der Amtshauptmannschaft in Meißen an: „Unterzeichnete meldet hierdurch den Bau eines Schachtes auf dem Besitz des Herrn Gutsbesitzers Starke, Mehrener Flur, Parzelle No. 65 wie im Situationsplan... ersichtlich ist.“ Diese Anzeige trägt zwei Unterschriften, vermutlich neben der Mutter die eines Sohnes (40024-12, Nr. 188, Blatt 1f). Wie üblich, sandte die Amtshauptmannschaft die Anzeige mit dem ,Situationsplan' an Markscheider Choulant, welcher aber nicht viel zu bemerken fand, außer die „baldigste Anlegung eines zweiten Ausgangs“ zu fordern (40024-12, Nr. 188, Blatt 3ff).
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Nicht umfangreicher fiel der Betriebsplan für das Jahr 1892 bei der Tongrube der Sächsischen Ofen- und Chamottefabrik in Löthain aus: „Im südlichen Revier soll von der Strecke G eine Strecke J bis gegen Strecke A getrieben und von Strecke J Abbaustrecken in südlicher Richtung gegen den vorliegenden Abbau getrieben werden... Bei Bedarf sollen noch die Pfeiler L und M östlich und westlich der Strecke G abgebaut werden.“ Bedauerlicherweise sind auch in dieser Akte die Grubenrisse nicht enthalten. Außerdem beabsichtigte man, eine Verbindungsstrecke „mit dem Schachte der Herren Villeroy & Boch“ zu treiben. Diesen Betriebsplan zeichnete namens des Unternehmens ein Herr Haas, sowie der inzwischen zum Obersteiger ernannte Friedrich Wilhelm Thiemann (40024-12, Nr. 25, Blatt 2). Der schon genannte, offenbar benachbarte Schacht der Herren Villeroy & Boch in Löthain war der Clara Schacht. Der Betriebsplan besagt, man wolle hier im Jahr 1892 „von der Hauptstrecke K im südlichen Reviere die Thonpfeiler W und Z durch östlich und westlich auszulängende Strecken“ abbauen. Auch die Verbindungsstrecke zum Nachbarwerk ist erwähnt. Herr Villeroy unterzeichnete den Plan selbst und auch hier war der oben schon genannte Herr Thiemann als Obersteiger bestellt (40024-12, Nr. 25, Blatt 3).
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Dem Betriebsplan der Löthain- Meißner Thonwerke Heinrich Rühle ist zu entnehmen, daß 1892 erstens zu Löthain der Johanna Schacht betrieben wurde. Das Abbauprinzip war auch hier dasselbe, wie bei den anderen Werken: Von ,Zugstrecken‘ ausgehend sollten Abbaustrecken getrieben werden. Auch die Bezeichnung der Strecken und Pfeiler mit Buchstaben scheint man überall ähnlich verwendet zu haben. „Im östlichen Reviere“ betrieb das Unternehmen den Gertrud Schacht, „im westlichen Reviere“ außerdem noch den Erich Schacht. Am ersten trieb man gerade eine Richtstrecke bis „ans Ausgehende des Tones“, um dann auch hier rückschreitend zu den Schächten hin den Ton auszuhauen. „Um nicht werthvollen Schachtpfeiler beim Erich Schachte verloren gehen zu lassen, soll aus dem Erich Schachte noch so lange gefördert werden, als die Druckverhältnisse es gestatten. Später soll aller Thon durch den Gertrud Schacht gefördert werden.“ Hier war man also mit dem Abbau schon wieder beim Schachtsicherheitspfeiler angelangt. Schließlich betrieb man im südlichen Revier noch einen der übernommenen Roemerschächte. Auch dieser Schacht dürfte bereits zuvor durch die damaligen Besitzer des Rittergutes Löthain, die Familie von Römer (oder Roemer geschrieben), angelegt worden sein. Auch der Name des Steigerschachts dürfte schon auf Abbau durch die Familie dieses Namens, an die das Rittergut ab 1845 verpachtet war, zurückgehen. Herr Heinrich Adolph Steiger war
Um hier jedenfalls „genügend Wetterzug für das nördliche Revier zu schaffen, sollen die Strecken E. und O. getrieben und mit Strecke Q. des Steiger Schachtes verbunden werden...“ Der Betriebsplan ist von Heinrich Rühle und – auch hier – von Obersteiger Friedrich Wilhelm Thiemann unterzeichnet (40024-12, Nr. 25, Blatt 4f). Für die Rühle’sche Grube in Oberjahna wurde erneut ein separater Betriebsplan eingereicht (40024-12, Nr. 25, Blatt 6). Der benennt uns wieder nur die Strecken und die für den Aushieb vorgesehenen Pfeiler, ohne daß in der Akte ein Grubenriß enthalten wäre, auf welchem man ersehen könnte, wo diese denn eigentlich gelegen haben.
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Diese fünf Betriebspläne wurden also von den Besitzern wieder an die Amtshauptmannschaft eingereicht, von dieser dann an die regional zuständige Berginspektion Freiberg I zur Begutachtung gesandt, wo nach wie vor Markscheider Oskar Choulant mit deren Prüfung beauftragt gewesen ist. Derselbe sandte am 3. Februar 1892 seine Bewertung zurück an die Amtshauptmannschaft in Meißen (40024-12, Nr. 25, Blatt 7ff). Er fand zum ersten „eine Einwendung nicht zu erheben,“ doch solle man nach Verfüllung des zweiten Schachtes „doch wieder auf Herstellung eines zweiten Ausgangs als Fluchtweg Bedacht nehmen,“ insbesondere, wenn sich Abbau noch weiter über die Flurgrenze nach Mehren hinaus ausbreite. Da sich dasselbe auch in der „Thongrube in der anstoßenden Flur Mehren, wo der zweite Tageschacht ebenfalls außer Betrieb gesetzt ist, nöthig machen wird,“ schlug Herr Choulant vor, beide miteinander in Verbindung zu setzen und bemängelte in diesem Zusammenhang, daß die Grubenrisse „ganz unabhängig voneinander aufgestellt“ seien. Ein gleichartiges Problem sah der Gutachter für die benachbarte Grube der Sächsischen Ofen- und Chamottefabrik, weil die bestehende Verbindungsstrecke zur Grube von Villeroy & Boch durch die geplanten Abbaue mit der Zeit unterbrochen werde. Sobald eine neue Verbindung also hergestellt sei, stehe den geplanten Betrieben „ein Bedenken nicht entgegen.“ Auch dem geplanten Abbau des Schachtsicherheitspfeilers am Erich Schacht der Rühle’schen Tongruben stimmte Herr Choulant zu, wenn „mit der nöthigen Vorsicht zu Werke gegangen“ werde.
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Im April des gleichen Jahres
1892 teilte Herr Rühle noch mit, daß er die bisher gepachtete Tongrube von den
C. Frohberg’schen Erben nunmehr erkauft habe (40024-12, Nr. 25,
Blatt 11c). In den Grubenakten findet man deshalb auch ein Aktenfaszikel zu den Carl Friedrich Frohberg'schen Tongruben in Oberjahna und
Kaschka (40024-12, Nr. 239, Blatt 106ff). Zwei
Revisionsprotokolle der Gewerbeinspektion aus den dem Verkauf an Rühle
vorausgegangenen Jahren 1889 und 1891 bemängelten dabei die Sicherheit
der Übertageanlage am Carolaschacht: „Der Hauptriemen der
Dampfmaschine ist abzusperren. Schwungrad sowie Kurbel und Pleuelstange der
Dampfmaschine sind zu umwehren.“ Herr Rühle zeigte nun an, hier den „oberen Bau ganz verlassen“ und stattdessen
„in der
III. Etage“ ein neues Füllort aushauen und von dort aus
die nächste Abbauscheibe in Angriff nehmen zu wollen. Bei der Schachterweiterung
sei nämlich „im östlichen Stoße bei 9,32 m Teufe ein Thonlager angefahren,
welches die Qualität des bekannten Meissner Begußthones besitzt.“ Hier wird
außerdem mitgeteilt, die Belegschaft sei gering und bestehe aus 4 Häuern und
Förderleuten, 1 Zimmerling und 1 Maschinenwärter, respektive 6 Mann insgesamt.
Hierzu von der Amtshauptmannschaft befragt, fand Herr Choulant am 10. August 1892, daß „besondere Ausstellungen nicht zu machen sind, da die Anlage einer tieferen, dritten Abbauetage nach erfolgtem Abbau durch die Verhältnisse geboten ist.“ (40024-12, Nr. 25, Blatt 11e) Er hielt es nur für angeraten, die neuen Ausrichtungsstrecken nicht gerade unter die vorherigen, sondern versetzt anzulegen. Bei einer Besichtigung durch die Gewerbeinspektion am 6. Juli 1892 hatte der neue Besitzer den Bismarckschacht abgeteuft. Außerdem liest man hier: „Nach mündlichen Mittheilungen des Besitzers... (ist) vor kurzem ein reiches Lager bester Kaolinerde – Begußthon – 3-4% sandhaltig im Werthe von 100.000 ‒ 200.000 Mark angeblich aufgeschlossen worden.“ (40024-12, Nr. 239, Blatt 108) Die Aktenfaszikel der Amtshauptmannschaft Meißen und der Gewerbeinspektion ebendort in der Grubenakte enthalten zu den Rühle'schen Gruben noch weitere, gleichartige Protokolle über ,Fabrik- Revisionen' ab 1893, wie wir sie auch schon zu den beiden Weißerdenwerken in Seilitz gefunden haben. Sie sind auch genauso knapp formuliert. Über eine Revision des Gertrudschachtes am 28. Dezember 1893 etwa ist nur festgehalten: „Zu wesentlichen Erinnerungen war keine Veranlassung vorhanden.“ (40024-12, Nr. 239, Blatt 57). Exakt dasselbe ist im betreffenden Protokoll auch über den Roemerschacht notiert (40024-12, Nr. 239, Blatt 73).
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Eine Umfrage der Amtshauptmannschaft aus dem Jahr 1893 zu den Arbeiterverhältnissen gibt uns auch einen Einblick in das soziale Gefüge zwischen Werksleitung und Belegschaft zu dieser Zeit (40024-12, Nr. 239, Blatt 68ff). Herr Rühle beantwortete die Fragen nach Vergünstigungen für seine Arbeiter mit folgenden Notizen: „Die alten und zerbrochenen Grubenhölzer werden an die Arbeiter vertheilt; das Quantum ist groß genug, jedem geeignete Holzfeuerung zu verschaffen. Die Arbeiter beziehen einfach Bier direct vom Brauer, verschänken es sich selbst, zahlen pro ½ Liter 5 Pfennige und trinken den erzielten Überschuß gemeinschaftlich. Auf jedem Schachte ist ein heizbares Zimmer zum Erwärmen des Essens und Einnahme der Mahlzeiten.“ Auf die Frage ,Gibt es regelmäßige Arbeitervergnügungen?‘ antwortete er: „In jedem Jahr wird den Arbeitern unter Theilname des Arbeitgebers ein Sommerfest, bestehend in Vogelschießen, Prämienvertheilung, Tafel und Ball frei gegeben. Im Jahr 1893 wurde den Arbeitern ein Banner gestiftet. Im Winter veranstalten die Arbeiter einen Ball auf eigene Kosten mit mäßigem Beitrag vom Arbeitgeber und dessen Betheiligung.“ Auch in einem Revisionsprotokoll der Gewerbeinspektion vom 11. Oktober 1897 zum Steigerschacht ist festgehalten (40024-12, Nr. 239, Blatt 90ff): „Die Arbeiter bekommen das Grubenholz unentgeldlich und müssen als Gegenleistung nur das für die Haushaltungen von Rühle und Thiemann nöthige Holz klar machen.“ Ganz uneigennützig war es also auch wieder nicht. Aber für die Arbeiter war es sicherlich eine Kostenersparnis und nur zufriedene Mitarbeiter sind gute Mitarbeiter, heißt es, und das wußte auch Herr Rühle umzusetzen... Ersichtlich wird daraus auch, daß die letzten Jahrzehnte des 19. Jahrhunderts für die Tongruben- Unternehmen keine schlechten Jahre waren, denn die ,Beiträge vom Arbeitgeber' mußte derselbe ja auch erst einmal übrig haben. Über die Kaschka- Mehren'er Tonwerke liest man übrigens einige Jahre später in einem Fahrbericht aus dem Jahr 1904, daß auch deren Besitzer H. O. Schröter seinen Angestellten „ein Bergfest ausgab“ (40024-12, Nr. 189, Blatt 36ff). Ähnlich blieben die Verhältnisse auf den Gruben auch in den folgenden zwei Jahren, aus denen hier noch gleichartige Unterlagen erhalten geblieben sind (40024-12, Nr. 25, Blatt 12ff). Der Erichschacht der Rühle’schen Tongrube ist 1892 „zubruche gebaut und verfüllt worden.“ Der Betriebsplan der Meißner Ofen- und Chamottefabrik ist diesmal besonders knapp und teilte nur mit, daß der „projectirte Abbau der Pfeiler K, L und M... durch verminderte Belegschaft restlich geblieben“ sei und diese sollten nun im Jahr 1893 abgebaut werden. Für die Tongrube von Villeroy & Boch teilte der Betriebsplan auf 1893 ebenfalls mit, daß die Belegschaft von 17 auf 12 Mann reduziert worden sei. Demzufolge sei das „für das Vorjahr in Aussicht genommene zu Bruche bauen des Clara Schachtes noch nicht erfolgt.“ Man wolle nun die Pfeiler J, K, L und M „der Reihe nach dem Schachte zu“ abbauen und diesen dann aufgeben. Auch hier wies O. Choulant in seiner Bewertung vom 31. Januar 1894 darauf hin, daß das Zubruchbauen des Schachtes „mit der größten Vorsicht“ geschehen müsse und daß das Rauben der Zimmerung nach §28, Abschnitt 3 der Allgemeinen Bergpolizeivorschriften „nur ausnahmsweise zu gestatten“ sei (40024-12, Nr. 25, Blatt 22). Auch im Jahr 1893 zeigte die Firma Ernst Teichert an, daß man beabsichtige, auf dem Grund und Boden von Burckhardt in Schletta eine neuen ,Thonschacht‘ zu teufen (40024-12, Nr. 25, Blatt 24). Der beigefügten Skizze zufolge baute die E. Teichert’sche Grube bisher weiter westlich in Kaschka bereits Ton ab. Zwischen diesem und dem neuen Schacht lag noch der Bismarckschacht der H. Rühle’schen Tonwerke.
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Wie
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Der Betriebsplan auf das Jahr
1894 für die Kaschka- Mehrener Tonwerke J. G. Venus und die Bewertung von
Markscheider Choulant sind in der betreffenden Grubenakte zu finden
(40024-12, Nr. 188, Blatt 7ff).
Demnach hatte der 1892 geteufte Schacht auf Parzelle 65 den Namen ,Katharinaschacht'
erhalten. er war nun bis auf das Tonlager 32 m tief, die Abbaustrecke dort aber
erst 10 m ausgelängt. Nach weiteren 5 m Auslängung wollte man parallel zur
Flurgrenze einschwenken, noch zirka 40 m Strecke auffahren und dann einen
zweiten Fluchtschacht teufen und den Abbau ausrichten. Glückauf- Schächte
gab es bereits zwei, so daß hier der Fluchtweg eigentlich gesichert war.
Allerdings war es 1892 zu einem Wasserdurchbruch in die Grube gekommen, so daß
im zurückliegenden Zeitraum erst einmal die Verbindungsstrecke wieder
hergestellt werden mußte. Rund 100 m östlich von diesen gab es noch einen ,Mittelschacht'
und noch einmal 240 m östlich war der ,Fundgrubeschacht' geteuft worden,
der nun mit dem Mittelschacht in Verbindung gesetzt wurde.
Die Revisionsprotokolle der Gewerbeinspektion in den von der Berginspektion III übernommenen Aktenfaszikeln sind hier gleichermaßen knapp und wenig aussagekräftig. Immerhin erfährt man daraus, daß auf einem der Venus'schen Schächte bereits eine Dampfmaschine installiert war, denn über die Fabrik- Revision vom 4. Dezember 1894 findet sich die Notiz: „Zu Erinnerungen fand sich am Kesselhause keine Veranlassung vor.“ (40024-12, Nr. 188, Blatt 68) Ein Jahr darauf heißt es unter dem 17. Dezember 1895: „Der Kessel ist seit 10 Monaten außer Betrieb und soll wahrscheinlich translocirt werden. Nichts zu erinnern.“ (40024-12, Nr. 188, Blatt 69)
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Einen weiteren Betriebsplan von
Obersteiger Thiemann für die Heinrich Rühle'schen Tonwerke für das Jahr
1894 findet man im Band 1 der Grubenakten (40024-12, Nr. 239, Blatt 1f). Hier
heißt es für die Abteilungen:
a. Johanna- Schacht. „Durch die Strecken K des Johannaschachtes und V des Gertrudschachtes ist das Ausstreichen des Thonlagers im westlichen Reviere festgestellt worden. Von einem Abbau soll zunächst abgesehen werden, um die Verbindungsstrecke H offen zu erhalten. Im östlichen Reviere soll der Abbau der Pfeiler J, L und M fortgesetzt werden...“ b. Gertrud- Schacht. „Im östlichen Reviere sollen die Reste der Pfeiler H und Z zu Ende gebaut werden. Zu gleicher Zeit die Pfeiler L und Q im nördlichen Reviere, um hierauf die Pfeiler P, N, R und M folgen zu lassen... Von der Strecke S nahe dem Gertrud- Schachte soll noch eine Strecke U bis an die Verbindungsstrecke H in das früher von Römer’sche Grubenfeld nach etwa stehen gelassenen Pfeilern getrieben werden.“ c. von Roemer Schacht. „Im südlichen Reviere sollen die Pfeiler K westlich der Hauptstrecke A und hierauf die Pfeiler L und M südlich der Strecke B abgebaut werden...“ Schacht zu Oberjahna. „Die Qualität des Thones im unteren Baue genügt den von den Consumenten gemachten Ansprüchen nicht mehr und soll der Betrieb voraussichtlich im April d. J. eingestellt werden... Im oberen Baue soll ein Abbau von der Strecke B in östliche Richtung angelegt werden.“ Auch im Revisionsprotokoll der Gewerbeinspektion vom 12. September 1894 heißt es zu letzterem: „Das Thonwerk soll... wegen Minderwerthigkeit des jetzt geförderten Materials gänzlich eingehen.“ (40024-12, Nr. 239, Blatt 108ff). Hier hatten sich die Erwartungen nicht erfüllt. Wie üblich übersandte die Amtshauptmannschaft auch diesen Betriebsplan zur Bewertung an Markscheider O. Choulant nach Freiberg, welcher am 1. Februar 1894 dazu meinte (40024-12, Nr. 239, Rückseite Blatt 2f): „Da bei diesem, ganz rationell von den Abbaugrenzen nach dem Schachte zu sich bewegendem Abbaue die so nothwendigen Verbindungen zwischen beiden Schächten (...) offen erhalten bleiben, so ist auch gegen den in diesem Feldtheile geplanten Betrieb ein Bedenken nicht zu erheben, derselbe vielmehr in allen seinen Theilen zu genehmigen...“ Daraufhin wurde er auch ohne weitere Auflagen genehmigt. Nebenbei bemerkt, kostete die Begutachtung des Betriebsplanes durch Herrn Choulant dem Unternehmer damals 25,- Mark. Bei einer Revision der Gewerbeinspektion am 26. November 1894 ist hinsichtlich des Geschäftsganges festgehalten (40024-12, Nr. 239, Blatt 74): „Umsatz erhöht, Preis z. Theil nicht, weil Kaschka’er Steingut- Thon bevorzugt würde... Andauernd hohe Kosten für Geschirrtransport zum Bahnhof Meißen vertheuern die Waare... Bei Thongruben, einzelnen Chamotte & Ofenfabriken gehörend, regelte sich der Absatz nach Geschäftsgang der letzteren.“ Im Betriebsplan auf das folgende Jahr 1895 (40024-12, Nr. 239, Blatt 5f) liest man dann unter dem Punkt 3. von Roemer Schacht auch, „die neu angelegte Verbindungsstrecke D zwischen dem Steiger- und von Roemer Schachte wird in wenigen Wochen durchschlägig.“ Die Betriebsleitung war ganz offenbar auf die Sicherheit in ihren Abteilungen bedacht. Der Bismarckschacht in Oberjahna blieb weiter ohne Belegung. Ein Jahr später warf man den Roemerschacht ab. Im Betriebsplan auf 1896 heißt es dazu (40024-12, Nr. 239, Blatt 8f), er werde nun zubruchgebaut und soll durch einen neuen ersetzt werden, „nachdem durch Bohrungen in den Streckensohlen festgestellt ist, daß unter jetziger Sohle noch ein Vorkommen von ca. 2,5 m fetter und magerer Thon ansteht. Die Anlage eines neuen Schachtes erscheint ungefährlich, da der Abbau des dort lagernden Thones im Jahre 1886 geschehen und das Deckgebirge in dieser Zeit wieder gesetzt hat. Da für das Jahr 1896 genügend Thon im oberen Lager ansteht, so soll noch nach Fertigstellung des neuen Schachtes vorerst die Verbindung mit dem Steigerschachte hergestellt werden.“ Markscheider Choulant vermerkte in seiner Bewertung des Planes noch, daß der Abbau bis 1886 am Roemerschacht durch das Hardtmuth’sche Werk fortgeführt worden sei, bis es anschließend H. Rühle erworben habe. Hinsichtlich der Betriebssicherheit fand die Gewerbeinspektion bei der Amtshauptmannschaft Meißen auch in diesen Jahren nur wenig zu bemängeln. Bei Befahrungen des Roemerschachtes am 17. Dezember 1895 etwa ist nur festgehalten: „Der Dampfkessel mit Maschine dient nur zum Wasserhalten. Nichts zu erinnern.“ Über die Schachtkauen wurde am 18. Juli 1896 notiert: „Entweder ist das Schachtgebäude zu verschließen, oder sonst in geeigneter Weise der Zugang zum Schacht zu verwahren.“ Nach einer Besichtigung am 19. November 1896 hielt der Inspektor in seinem Protokoll fest: „Die in der Arbeiterstube ausgehängte zerrissene Arbeitsordnung ist zu erneuern.“ (40024-12, Nr. 239, Blatt 57ff). Wenn es sonst nichts zu bemerken gab, scheint ja alles betriebssicher abgelaufen sein.
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Heinrich Rühle
war offenkundig ein tatkräftiger Unternehmer: Ein Jahr darauf hatte er südlich
vom Johannaschacht auf weiteren 1,66 Hektar Grubenfeld von den Gebrüdern
von Roemer die Abbaurechte erworben. Außerdem hat er 1897 den Carl Teichert'schen
Tonwerken die zuvor Th. A. Markowsky gehörigen ,Markowsky- Schächte'
abgekauft.
Im Betriebsplan auf 1897 (40024-12, Nr. 239, Blatt 12f) liest man dann, daß vom Johannaschacht aus zunächst eine reichlich 100 m lange Untersuchungsstrecke in dieses Feld getrieben werden sollte, bevor man dort dann einen weiteren Schacht teufen wollte. Dort hatte man bereits eine Bohrung niedergebracht, mit der man allerdings im Hangenden des Tonlagers auf eine 5 m mächtige Schwimmsandschicht gekommen war. Um sie zu durchteufen, sollte von der Untersuchungsstrecke aus vorgebohrt und das Wasser gezäpft werden, um das Sandlager trocken zu legen. Man wagte sich offenbar zu dieser Zeit an Feldteile heran, die die Vorgänger umgangen haben, um Wasser- und Schwimmsandeinbrüche zu vermeiden. Der im Vorjahr neu geteufte Schacht wurde nun nach dem langjährigen Steiger als Thiemannschacht benannt. Oberjahna hatte man noch nicht wieder belegt. Stattdessen zeigte H. Rühle am 24. Mai 1897 an, daß er auch auf der Parzelle 48a der Flur Mehren einen Schacht teufen wollte. In seiner Stellungnahme für die Amtshauptmannschaft bemerkte O. Choulant dazu, daß westlich der Straße nach Mohlis hier bereits die Ernst Teichert'schen Tongruben und nördlich des geplanten Standortes ein Eulitz'sches Werk abbaue und empfahl, statt eines zweiten Flucht- und Wetterschachtes eine Verbindungsstrecke zu einer dieser Gruben aufzufahren (40024-12, Nr. 239, Blatt 16). Dem Betriebsplan auf 1898 (40024-12, Nr. 239, Blatt 19ff) zufolge war der neue Schacht südlich vom Johannaschacht inzwischen auf 13 m abgesenkt, ohne daß man bisher Wassereinbrüche verzeichnen mußte. Der alte Roemerschacht dagegen war bereits verfüllt und zwischen Steiger- und Thiemannschacht ist auch in der 2.Sohle Verbindung hergestellt worden. Der Bismarckschacht in Oberjahna blieb weiter unbelegt. Die Gewerbeinspektion protokollierte im Oktober 1896, das Schachtgebäude dort sei bereits abgetragen und am 6. Mai 1897 heißt es: „Der Betrieb ist eingestellt, Gebäude (Kesselhaus) ist abgebrochen. Der Kessel liegt entmauert im Freien.“ (40024-12, Nr. 239, Blatt 108ff) Auch im neuen Feld bei Mehren hatte man wenig Glück: Mit dem Schacht I ist man in Schwimmsand gekommen. Da man ihn nicht halten und durchsinken konnte, wurde das Schachtabteufen vorerst abgebrochen und ein weiterer Schacht II nur 53 m entfernt vom ersten begonnen. Mit dem traf man in 20,9 m Tiefe ebenfalls auf eine Sandschicht, die hier aber nur 2,10 m mächtig war und durchteuft werden konnte. Darunter folgte erst 3 m „wilder Ton“, dann guter Ton. Geplant war nun, „nachdem in Schacht II durch das in Spund und ganzem Schrot abfließende Wasser die Schwimmsandlage sich trocken gelegt hat, soll Schacht I bis zur Thonsohle geteuft werden.“ Auf diesem Wege hat man die Sache damals also gelöst... Es gelang aber diesmal nicht wirklich und so liest man ein Jahr später in den Betriebsakten, daß der Schachtbetrieb in Mehren wieder eingestellt worden ist.
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![]() Grund- und Saigerriß von der Thongrube des Herrn Robert Fritzsche in Löthain bei Meißen, aufgenommen von F. W. Thiemann im Juni 1896, nachgebracht 1897 - in diesem Jahr hat H. Rühle auch noch dieses ziemlich kleine Grubenfeld erworben. Quelle: Sächsisches Staatsarchiv, Bergarchiv Freiberg, Bestand 40037-1 (Deponierte Risse der Steine- und Erdenindustrie, Teilbestand Risse), Nr. H22864, Gesamtansicht, Norden ist rechts unten. Digitalisat:
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![]() Auch hier eine Ausschnittsvergrößerung zur Art und Weise der Abbauführung. Anscheinend unterfuhr man hier bereits in einer zweiten Sohle darüberliegende alte Abbaue. Die Nachbringungen sind nur mit Bleistift hineinskizziert.
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Schauen wir wieder auf die
benachbarten J. G. Venus'schen Tonwerke zu Kaschka und Mehren: Dort hatte am 18.
April 1896 wieder eine Kontrolle durch die Gewerbeinspektion bei den
Glückauf- Schächten stattgefunden, wobei aber offenbar wieder nur die
Maschinenanlage inspiziert und notiert worden ist: „Zwischen Kessel und Wand
darf kein Holz getrocknet werden...“ und: „Der Kesselraum darf nicht als
Mannschaftsraum für Arbeiter benutzt werden.“ Der Beamte hat sich diesmal
aber wohl etwas umgeschaut und noch ausführlicher notiert: „Im übrigen noch
mitzutheilen, daß auf dem Glückaufschacht außer dem Kesselhaus anscheinend ohne
behördliche Erlaubniß errichtet wurden: 1 Förderhaspelraum, 1 Leutestube – 1
Ofen eingebaut ohne Schornstein, mit Blechrohr direct durch Brettwand geführt –
1 Zimmerer- Vorratsschuppen, 1 Thonschuppen. Zum Theil sollen die Baulichkeiten
noch mit Ziegeln ausgesetzt werden. Da immer noch – wie vor mehreren Jahren –
die Meinung obwaltet, die Thongruben- Baulichkeiten bedürfen keinerlei
behördlicher Genehmigung, so wolle die Kgl. Amtsh. dieser Meinung nunmehr in
kräftigster Weise entgegentreten, wobei in Vorschlag gebracht wird, einmal
allgemein feststellen zu lassen, welche Baulichkeiten eigentlich in Löthain,
Kaschka, Mehren und Oberjahna behördlich genehmigt worden sind.“
(40024-12, Nr. 188, Blatt 70f)
Na ja, so geht einfach geht das aber auch nicht.
Die Angelegenheit löste jedenfalls weitere Nachforschungen bei der Amtshauptmannschaft aus. Am 17. Juni 1896 fragte man zunächst einmal bei den Gemeindevorständen nach, von wo aber die Antwort kam, daß alles genehmigt worden sei (40024-12, Nr. 188, Blatt 73f). Herr Gewerberat Merbach notierte dann aber am 23. Juli 1896, daß diese Angaben „bezweifelt werden“, weil zu den Venus’schen Tongruben weder Akten noch Bauzeichnungen in der Amtshauptmannschaft vorlägen. Die wurden daraufhin nachgefordert und offenbar – zumindest ein paar – auch von Besitzer Schröter eingereicht. Am 19. August 1896 kam dazu dann eine Stellungnahme von Gew. Insp. Assistent Müller zurück an die Amtshauptmannschaft mit folgenden Forderungen: „1. Alle zum Aufenthalt und Verkehr der Arbeiter dienenden Räume haben eine der Tageszeit entsprechende gute Beleuchtung zu erhalten. 2. Für eine kräftige Ventilation sämmtlicher Arbeits- und Arbeiteraufenthaltsräume ist in umfassender Weise Sorge zu tragen. 3. Sämmtliche Fußböden müssen eben und trittsicher sein, Oeffnungen in denselben sind mit Geländer zu umschließen oder sicher abzudecken. Namentlich ist der Zugang zu den Schächten sicher zu verwahren. 4. Alle Thüren haben in die Richtung nach dem nächsten Ausgang nach außen zu schlagen... 5. Die Leutestube, welche für die Arbeiter zum Einnehmen der Mahlzeiten einzurichten ist, hat eine Höhe von mindestens 2,85 m zu erhalten, da bekanntermaßen in solchen Räumen keine gute Luft herrscht. 6. Sollten vom Abtritt üble Gerüche in's Schachthaus oder in die andern Räumlichkeiten dringen, so ist dieser nach anderem, entsprechend entfernten Platz zu verlegen.“ Da kann man sich wohl vorstellen, was das für Bretterbuden gewesen sind. Am 30. Oktober 1896 gab es übrigens noch eine weitere ,Fabrik- Revision' auf den Venus'schen Tonwerken, bei welcher erneut der Arbeiterraum bemängelt worden ist, der nur „reichlich 2 m im Quadrat und 1,7 m hoch, ganz aus Holz“ und an die „Schachtbude“ angebaut war. Von der Gewerbeinspektion wurde daraufhin auch der Amtshauptmannschaft angezeigt, daß der für bis zu 8 Mann Belegschaft natürlich viel zu klein und unzulänglich ist. Die letztere forderte dann zunächst aber nur der Feuergefahr halber die Beseitigung des kleinen Kanonenofens in dem Holzbau und wies darauf hin, daß bei einem beabsichtigten, vorschriftsmäßigen Neubau die Bauzeichnungen einzureichen sind (40024-12, Nr. 188, Blatt 94f).
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Den Betriebsplan für die J. G. Venus'schen
Tonwerke auf das Jahr 1896 hat dann wieder Ingenieur Franz Göthe
unterzeichnet ‒ derselbe, der zu dieser Zeit bei den Krister'schen
Porzellanerdegruben in Seilitz und Löthain angestellt war
(40024-12, Nr. 188, Blatt 14).
Vermutlich hat sich Herr Schröter also fachkundige Unterstützung geholt, denn
eigentlich war er doch nur ,Hausbesitzer' in Mehren... Diesem Unternehmen
gehörten zu diesem Zeitpunkt die Fundgrube nebst Mittelschacht in
Kaschka, sowie der Katharinaschacht, der Augustinenschacht und die
Glückaufschächte I
und II
in Mehren'er Flur.
Markscheider Choulant war diesmal aber ganz und gar nicht zufrieden und nahm am 20. Juli 1896 gegenüber der Amtshauptmannschaft wie folgt Stellung (40024-12, Nr. 188, Blatt 15): In Flur Kaschka ist der Betrieb jedenfalls nicht wie im vorherigen Plan vorgesehen, was man hatte ohne Bedenken genehmigen können, erfolgt, „Stattdessen ist jedoch ein ganz unrationeller Betrieb und daher auch nicht zum Vortheil des Besitzers geführt worden, indem Vom Mittelschachte aus der zunächst anstehende und am leichtesten zu gewinnende Thon zwar abgebaut, die Schacht- und anderen Thonpfeiler aber stehen gelassen und mit dem Schachte selbst verfüllt worden sind, während bei Fundgrube auch nur eine ganz kurze Auffahrung nach West stattgefunden hat und dann sogleich wieder mit dem Abbaue des zunächst dort anstehenden Thons vorgegangen worden ist. Bei einer solchen willkürlichen Abänderung der Betriebspläne verlieren dieselben vollständig ihren Werth.“ Dem neuen Plan stehen aber „bergpolizeiliche Bedenken insofern nicht entgegen, als der Abbau zwar nur von einem Schachte aus, aber doch nicht in großer Entfernung von demselben erfolgt.“ Choulant empfahl aber einen systematischen Abbau und die Auffahrung von Feldstrecken bis zur Abbaugrenze und dann rückschreitende Abbauführung. „Die weiter in der Flur Mehren entgegen der Bestimmung in §11 der Bergpolizeivorschriften ohne vorherige Anzeige und Genehmigung niedergebrachten Schächte scheinen sämmtlich wieder nur auf kurze Dauer berechnet zu sein, da man ohne die Strecken weit ins Feld zu erlängen, sofort mit dem Abbau des Thones beginnen will,“ womit die Glückauf- Schächte gemeint waren. „Wenn aber endlich sämmtliche von der Firma J. G. Venus ausgeführte Betriebe nicht gerade den Eindruck eines sehr rationellen und sicher betriebenen Thonabbaus machen, so will eine besondere Überwachung derselben, wie überhaupt angezeigt erscheinen, sich über die Führung des Betriebes einmal durch den Augenschein zu überzeugen.“ Zu letzterem traf die Amtshauptmannschaft am 1. September 1896 auch die Anordnung, „wegen der an Ort und Stelle vorzunehmenden Untersuchung des (...) Thongrubenbetriebes durch den Hrn. Sachverständigen das Erforderliche“ nunmehr zu verfügen. Am 11. September erstatte Markscheider Choulant daraufhin auch einen ziemlich ausführlichen, gutachterlichen Bericht über seine Befahrung „mit dem jetzigen Inhaber, Herrn H. O. Schroeter und dem Steiger Kraetzer“ an die Amtshauptmannschaft (40024-12, Nr. 188, Blatt 19ff). Darin heißt es zum ersten über die Glückaufschächte in Mehren, bei dem erst neu angelegten Schacht I die Zimmerung schon verdrückt war und der Schacht wieder frei gemacht werden müsse. Er war auch gar nicht „weit genug angelegt“, weshalb die Fahrten saiger, abwechselnd an dem einen oder anderen langen Schachtstoß angestellt werden mußten. Hier erfolgten auch Förderung und Wasserhaltung. Bei Glückauf Schacht No. II war zu bemängeln, daß die Fahrten in einem der Fördertrümer angebracht waren, weswegen er nur als Wetter- und Fluchtschacht, aber nicht zur Förderung genutzt werden konnte. Ferner bemerkte Choulant allgemein: „Was den Grubenbetrieb anlangt, so bewegt sich derselbe immer wieder nur in ganz engen Grenzen, so daß sich die dafür wieder neu angelegten Glück Auf Schächte wohl kaum bezahlt machen können.“ Der Steiger begründete sein Vorgehen mit dem Schwimmsand in der Firste und auch Choulant bemerkte den ziemlich starken Druck und das Aufquellen des Tons in der Streckensohle, weswegen man ziemlich starkes Ausbauholz verwenden müsse. Der Tonabbau wird dennoch „in der leider dort noch sehr üblichen Weise von einzelnen, immer wieder neu niederzubringenden Schächten aus und nur in der nächsten Nähe derselben betrieben...“ Markscheider Choulant meinte aber dazu, daß die Bergbehörde nur über die Sicherheit und nicht über die Wirtschaftlichkeit zu wachen habe. Weiter wurde hier berichtet, daß der nordwestlich von diesen gelegene Augustinenschacht schon wieder eingestellt war. Im Feld vom Katharinaschacht waren die Ablagerungsverhältnisse besser, indem hier kein Schwimmsand im Hangenden angetroffen wurde. Das hier in der oberen Sohle in Angriff genommene Feld ist zudem durch Bohrungen bereits erkundet, nun sollte südwestlich ein zweiter Schacht geteuft und mit dem ersten in Verbindung gebracht werden. Choulant verlangt aber, daß der Schacht diesmal mit genügender Weite geteuft werde, um Fahr- und Fördertrum abzutrennen und daß die kurze Schachtachse wenigstens 1,25 m lang genommen werde, um die Fahrten schräg anstellen zu können. Außerdem seien Wandruthen zu empfehlen, um den Gebirgsdruck auf mehrere Jöcher zu verteilen. Schließlich war in Kaschka der Mittelschacht bereits wieder verfüllt, nur noch der Schacht bei Fundgrube in Betrieb. Auch hier trat weniger Gebirgsdruck auf und ein zweiter Schacht nordöstlich vom bestehenden war hier ebenfalls geplant. Abschließend notierte Herr Choulant: „Bei Gelegenheit des Besuchs der Mehrener Schächte besichtigte ich auch noch in Anwesenheit des Herrn Obersteigers Thiemann den von demselben für die Sächsische Ofen- und Chamottewaaren- Fabrik von Ernst Teichert östlich vom Katharina Schachte angelegten, jetzt noch in Arbeit begriffenen Schacht.“ Hier war aber alles vorschriftsmäßig und „im Gegensatze zu den Venus'schen Schächten auffallend solide“ ausgeführt, so daß es zu Ausstellungen keine Veranlassung gab.
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So richtig ordnungsgemäß lief es auch im
folgenden Jahr auf den Kaschka- Mehrener Tonwerken nicht, denn als F. Göthe
und J. G. Venus (Es ist unklar, warum diese Unterschrift nach wie vor auf dem
Schreiben ist, denn Besitzer war doch H. O.
Schröter.) am 27. März 1897 ihren Betriebsplan einreichten, mußten sie
mitteilen, man habe einen neuen Augustinenschacht niedergebracht,
„wozu hierdurch noch nachträglich um behördliche Genehmigung höflichst
gebeten wird...“ (40024-12, Nr. 188, Blatt 23ff)
In seiner Stellungnahme vom 4. April 1897 dazu (40024-12, Nr. 188, Blatt 26ff) schrieb Choulant, da es bei der Fundgrube in Kaschka derzeit nur einen Schacht gab, sei hier vor Abbaufortführung ein Fluchtschacht zu teufen. Bei den Glückaufschächten in Mehren „scheint man die früher in Bezug auf die Druckhaftigkeit des Gebirges geltend gemachten Schwierigkeiten überwunden zu haben“ und die östliche Verbindungsstrecke zwischen den beiden Schächten offen erhalten. Der Abbau südlich der Schächte wurde von ihm daher genehmigt. Am neuen Augustinenschacht sollte schon wieder nur 25 m nördlich mit dem Abbau begonnen werden, was Choulant zwar nicht verbietet, aber aus schon genannten Gründen nicht für rentabel hält. Er schlug daher vor, eine Verbindungsstrecke zu dem nur 200 Meter nördlich gelegenen Katharinaschacht aufzufahren und so ein größeres Abbaufeld auszurichten. Und auch dort war´s schon wieder ein neuer Schacht und wieder sollte sofort zum Abbau geschritten werden, was Choulant „schon mehr als Raubbau“ bezeichnete. Da man sogar im Schachtpfeiler abbaute, drohte Choulant, daß das Bergamt auch die „gänzliche Einstellung der dortigen Venus'schen Tongruben“ anordnen könne. Fast vom selben Tage, vom 8. April 1897, stammt wieder eine Fabrikrevision der Gewerbeinspektion, in der man liest (40024-12, Nr. 188, Blatt 67): „Anwesend: Niemand. Die Schachtgebäude waren unverschlossen, im Schachte wurde auch, wie zu hören war, gearbeitet. Zu Erinnerungen kein Anlaß.“ Wahrscheinlich wäre es besser, die Bergbehörde mit den Kontrollen zu beauftragen... Auch am 29. September 1897 fand die Gewerbeinspektion nichts zu erinnern (40024-12, Nr. 188, Blatt 75). Allerdings wurde im Protokoll vom gleichen Tage zum Augustinenschacht Steiger Karl August Krätzer erinnert: „Da in der Regel mehr als 20 Leute beschäftigt werden sollen, so ist (...) eine Arbeitsordnung zu erlassen, bei der K. Amtsh. einzureichen und jedem Arbeiter eine solche auszuhändigen.“ (40024-12, Nr. 188, Blatt 79) Wie man dann im Betriebsplan für 1898 lesen kann, hat es diesmal im Fundgrubeschacht I einen Wasser- und Schlammeinbruch gegeben, so daß dieser vorläufig hat eingestellt werden müssen. Schacht II war aber nicht betroffen. Auch den neuen Augustinenschacht hatte man wegen Schwimmsand erneut aufgegeben (40024-12, Nr. 188, Blatt 30f). Choulant meinte hierzu, daß der Wassereinbruch am Fundgrube Schacht I wahrscheinlich durch den zu nah an die Verbindungsstrecke heran getriebenen Abbau verursacht sei, und vor Fortsetzung des Abbaus ist unbedingt ein zweiter Tageschacht zu teufen. Dasselbe gelte im Übrigen auch für den Katharinenschacht. Choulant wies darauf hin, daß für alle Unglücksfälle nebst dem Besitzer der Betriebsleiter verantwortlich ist. Gegen den Abbau an den Glückaufschächten hatte er keine Bedenken zu erheben (40024-12, Nr. 188, Blatt 32f).
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Am 15. Dezember 1898 erbat der
neue Obersteiger Carl August Feldmann im Auftrag des Besitzers
Heinrich Rühle die Genehmigung für das schon 1896 vorgesehene Schachtabteufen in der
Abteilung am Johannaschacht auf Parzelle 72 in Löthain (40024-12,
Nr. 239, Blatt 24f). Das hier erworbene Grubenfeld umfaßte 4 Acker Fläche (8
Morgen oder rund 4,5 Hektar).
Auch hier hatte man ja eine wassergesättigte Sandschicht zu durchsinken, wozu uns der Betriebsplan für 1899 mitteilt (40024-12, Nr. 239, Blatt 27f), daß man eine „eiserne Spundwand“ aus „in einander verfugten Spundteilen“ verwandte, die man in der Sohle niedertrieb – wir würden das heute „Vertikalpfändung“ nennen – aber auch damit steckengeblieben war. Daraufhin wurde der Standort aufgegeben und „eine schwimmsandfreie Stelle“ gesucht, um dort erneut einen anderen Schacht anzusetzen. Wenn er dann niedergebracht sei, sollte der neue Prinz Friedrich August Schacht heißen. Beim Gertrudschacht standen nur noch Restpfeiler in Abbau; nachdem diese abgebaut waren, werde dieser Schacht abgeworfen und verfüllt. Außerdem hatte man nun einen Erichschacht II bis auf 25,7 m Teufe abgesenkt und dort Ausrichtungsstrecken in Betrieb. Einen Erichschacht gab es ja schon zuvor, doch dürfen wir wohl annehmen, daß Heinrich Rühle den neuen Schacht nach seinem Sohn Erich Rühle, der vermutlich inzwischen geboren war, so benannt hat. Weil dieser Schacht etwas abseits lag und noch keine Verbindung zu den anderen Schächten besaß, empfahl Markscheider Choulant diesmal, während der Ausrichtung des Tonlagers zunächst auf einen zweiten Schacht zu verzichten unter der Bedingung, daß man zwei Parallelstrecken vortreibe, diese in kürzeren Abständen durch Querschläge verbinde und daß man natürlich besonders gutes Augenmerk auf den Schachtausbau richte (40024-12, Nr. 239, Blatt 29f). Das tat man auch, mußte aber bereits Anfang Mai den Plan wieder ändern, weil man nur 7,25 m nach Westen vom Schacht aus sandiges und wasserführendes Material angefahren hatte (40024-12, Nr. 239, Blatt 31f). Dem Revisionsprotokoll der Gewerbeinspektion vom 6. April 1898 zufolge waren zu dieser Zeit auf dem Gertrudschacht 24 Arbeiter angelegt (40024-12, Nr. 239, Blatt 57ff), auf der Steiger- und Thiemannschachtanlage waren es 27 Mann. Die Sache mit einem ordnungsgemäßen Verschluß der Schachtzugänge war offenbar noch nicht zufriedenstellend gelöst, denn auch am 8. Juni 1899 fand der Inspektor wieder zu bemerken: „Die Schächte sind nach dem Fördern zu verwahren. Die Arbeiterstuben sind reinlicher zu halten.“ Am 12. November 1899 ist im Revisionsprotokoll der Gewerbeinspektion noch die Notiz enthalten „Geschäftsgang wie 1898: Im Kampfe mit ungünstigen Abbau- und Abfuhrverhältnissen ist zufolge lebhaften Betriebes der Thon- und Porzellan- Industrie der Absatz nicht unlohnend, jedoch etwas gedrückter, als 1898 gewesen.“ (40024-12, Nr. 239, Blatt 65) |
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![]() Obersteiger C. A. Feldmann hat diese Grube im 1900 erneut aufgenommen und diesmal etwas mehr der Oberflächentopographie aufgenommen. Gelb koloriert der Oberbau, rot die Tiefbausohle. Der Riß ist danach von Obersteiger E. Weiße noch bis November 1907 nachgebracht und zeigt in der Mitte des kleinen Baufeldes schon den ,Neuen Bismarckschacht', welcher 1900 geteuft und danach noch bis
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![]() Die charakteristische Schleife der Zufahrt zum Bismarckschacht haben wir auf den Topographischen Karten wiedergefunden und können damit diesen Riß (rechts des Tales und nach Norden eingedreht) ziemlich genau in die heutige Topographie einpassen. Westlich der Straße sind hier außerdem zwei jüngere Risse der J. G. Venus'schen Fundgrubeschächte eingepaßt.
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![]() Noch ein weiterer, bis 1899 nachgebrachter Grubenriß der einst Robert Fritzsche, dann Theodor Alexander Markowsky und nun ebenfalls Heinrich Rühle gehörigen Tongrube auf der Parzelle 95. Letzterer hatte offenbar Abbaurechte auf den benachbarten Parzellen 94 und 96 hinzugekauft und plante nun die Untersuchung dieser Flächen. Es gab auch hier zwei Bausohlen, wie der Saiger- unten und der Kreuzriß rechts zeigen. Obersteiger Thiemann hat diesmal außer den Flurgrenzen keinerlei topographische Anhaltspunkte aufgenommen, so daß es uns nicht möglich ist, die Lage dieses Feldes sicher zuzulegen. Quelle: Sächsisches Staatsarchiv, Bergarchiv Freiberg, Bestand 40037-1 (Deponierte Risse der Steine- und Erdenindustrie, Teilbestand Risse), Nr. i22863, Gesamtansicht, Norden ist rechts unten, noch kein Digitalisat online verfügbar.
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![]() Eine Kopie desselben Risses, nun aber nachgebracht bis 1901. Mit dem Abbau ist Herr Rühle offenbar doch innerhalb der einen Parzelle und auf der oberen Sohle geblieben. Man sieht schön die Abbautechnologie mit den streifenweise nebeneinander liegenden Abbauörtern; aber anhand des Vergleichs mit dem Riss darüber auch, mit welchem Tempo der Abbau binnen kurzer Zeit voranschritt. Quelle: Sächsisches Staatsarchiv, Bergarchiv Freiberg, Bestand 40037-1 (Deponierte Risse der Steine- und Erdenindustrie, Teilbestand Risse), Nr. i22862, Gesamtansicht, Norden ist rechts unten, noch kein Digitalisat online verfügbar.
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Zu den Venus'schen
Tongruben gibt es noch einen ,Betriebsbericht' vom 12. Juni 1899 in der
Grubenakte, dem zu folge man nun den neuen Fundgrubeschacht
II fertig
und durch zwei Strecken mit Schacht I
verbunden habe. Im Augustinenschacht'er Feld
hatte man zwei neue Schächte auf Parzelle 46b östlich des Weges nach Mohlis
geteuft, welche man gerade untereinander in Verbindung setzte. Auch im
Grubenfeld der Katharinenschächte verfügte man in zwischen über zwei Schächte. Beide waren
schon bis auf eine zweite Sohle abgesenkt, obwohl man zunächst noch die obere
Abbauscheibe gewann (40024-12,
Nr. 188, Blatt 41f).
Choulant schrieb hierzu am 25. Juni 1899: man scheine „nun doch zu
einer regelrechten Thongewinnung gelangt zu sein, so daß der Weiterführung
(der Betriebe) in der geplanten Weise bergpolizeiliche Bedenken nicht
entgegenstehen.“ (40024-12,
Nr. 188, Rückseite Blatt 42)
Im Jahr 1899 ereignete sich aber auch ein tödlicher Unfall auf den Venus'schen Tongruben. Im Aktenfaszikel der Amtshauptmannschaft ist ein Schreiben der Gewerbeinspektion vom 29. September 1899 an die Amtshauptmannschaft enthalten, daß sich „nach erhaltener Mittheilung in letzter Zeit in den Thongruben der Firma J. G. Venus Mehren ein tödlich verlaufener Unfall im unterirdischen Betrieb ereignet“ habe und bat um Übersendung der Unfallanzeige. Die Anzeige und die erfolgte Erörterung besagen dann, daß am 12. September 1899, um 9 Uhr morgens der Tonschläger Hermann Mann aus Robschütz durch einen streckenbreiten und rund 1 m hohen Löser von ungefähr 20 Ctr. Gewicht erschlagen worden ist (40024-12, Nr. 188, Blatt 81f). Dazu haben wir auch die Abschrift einer knappen Zeitungsmeldung aus dem Freiberger Anzeiger vom 16. September des Jahres gefunden. Sie berichtet davon, daß im Augustaschacht bei Mehren der „32 Jahre alte Thonschläger Hermann Mann aus Robschütz verunglückte. Ein hereinstürzendes Stück Thon fügte ihm einen Halswirbelbruch zu und verursachte seinen sofortigen Tod. Er hinterläßt Frau und drei unerzogene Kinder.“ (40024-12, Nr. 13, Blatt 57) In Zusammenhang damit ist sicherlich auch der gleich dahinter abgeheftete Zeitungsausriß aus der Monatsschrift der Steinbruchs- Berufsgenossenschaft zu sehen, worin sich dieselbe im September 1899 über „Klagen der Gewerbeaufsichtsbeamten über Steinbrüche etc.“ äußerte (40024-12, Nr. 13, Blatt 60f). Hier heißt es zwar einerseits, daß die Beschwerden zu allgemein gehalten seien, um Schlüsse daraus zu ziehen und Verbesserungen abzuleiten; andererseits aber ist „die Zahl der Unfälle in Steinbrüchen und Gräbereien im Vergleich... (mit) anderen Industrien allerdings verhältnismäßig hoch.“ Dies beruhe vornehmlich „auf der Gefährlichkeit der Steinbruchbetriebe an sich,“ aber auch an den stetig wechselnden Betriebsverhältnissen und an der oft geringen Dimension der Unternehmen, wo es an der nötigen Instandhaltung fehle. Man sah auch, daß die Akkordarbeit dazu beitrage: „So lassen Arbeiter, um einen thunlichst hohen Lohn zu erzielen, bei gewissen, im Akkord entlohnten Arbeiten sich leicht zu hastigem und unvorsichtigem Arbeiten, ja zu direkten Verstößen gegen die Unfallverhütungsvorschriften verleiten.“
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Zur folgenden Kartenausgabe von
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Wie eingangs schon erwähnt, kam es Ende des
19. Jahrhunderts nicht zuletzt auch aufgrund der zahlreich eingetretenen Anforderungen der Amtshauptmannschaften nach Begutachtungen der Gruben durch bergmännisch
ausgebildete Fachleute zu einer Neufassung der Allgemeinen
Bergpolizeivorschriften für das Königreich Sachsen mit Wirkung ab 16. Januar 1896. In deren Umsetzung wandte sich das
Königlich- Sächsische Ministerium des Innern (für die Gewerbeinspektionen bei
den einzelnen Ämtern zuständig) am 4. August 1898 an das Finanzministerium
(als dem Landesbergamt in Freiberg vorgesetzter Dienststelle) mit der Mitteilung, daß es ‒ aufgrund
der mit der Zahl der Betriebe naturgemäß gleichermaßen angestiegenen Anzahl von Unfällen in der zurückliegenden Zeit ‒ nun „dringend
erwünscht sei, Kenntnis davon zu erhalten, ob und unter welchen Bedingungen das
Finanzministerium geneigt sei, die Berginspektionen mit der Beaufsichtigung der
ausschließlich oder theilweise unterirdisch betriebenen Kalkbrüche zu
beauftragen...“ Unter dem 9. August 1898 forderte das Finanzministerium in
Dresden daraufhin das Landesbergamt auf, unter Gehör der
Berginspektoren, binnen drei Wochen Bericht zu erstatten, unter welchen Bedingungen den Wünschen des
Ministeriums des Innern Rechnung getragen werden könne (40024-12, Nr. 12,
Rückseite Blatt 216). Dem ist eine ,Uebersicht über die ganz oder theilweise
unterirdisch betriebenen Brüche und Gräbereien im Königreich Sachsen'
beigefügt, aus der ersichtlich ist, daß es dabei nicht nur um die zuvor ausdrücklich genannten Kalkwerke, sondern um sämtliche ,gewerbliche'
Gruben ging.
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Digitalisat:
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Diese Aufstellung nennt
uns im Zuständigkeitsbereich der Gewerbeinspektion Meißen 19 solcher Gruben,
davon nur vier Kalkwerke ‒ der Rest, also 15 Unternehmen, waren Kaolin- und Tongruben.
Diese Liste ist
für unser Thema noch dahingehend von Interesse, daß hier zur Bewertung der Größe
und Bedeutung der einzelnen Betriebe zumindest Belegschaftszahlen genannt
wurden. Daraus erfahren wir, daß das H. Rühle'sche Unternehmen in Löthain
mit 74 Arbeitern bereits damals das bei weitem größte derartige
Unternehmen im Meißen'er Revier
gewesen ist. Erst mit großem Abstand folgen die Kaschka- Mehren'er Tonwerke J.
G. Venus mit 25 Arbeitern (die Heinrich Rühle 1908 erwarb) und die Ernst Teichert'schen Tongruben in Oberjahna
mit 21 Arbeitern. Alle übrigen Gewinnungsbetriebe hatten nicht mehr als 12 ‒ die meisten kaum 10 ‒
angestellte Arbeiter.
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Mit Verordnung des Finanzministeriums wurde im Einvernehmen mit dem Ministerium des Innern vom 25. Oktober 1898 ab 1. Januar des Folgejahres beginnend die Beaufsichtigung der „ganz oder teilweise unterirdisch betriebenen Kalkbrüche, insoweit es sich um Schutz der Arbeiter dieser Betriebe gegen Gefahren für Leben und Gesundheit handelt,“ dann zunächst den regional zuständigen Berginspektionen übertragen, hier im Kreis Meißen war dies die Berginspektion Freiberg I. Infolge der Verordnung, die Aufsicht über unterirdisch betriebene Brüche und Gruben betreffend, vom 12. Mai 1900 wurde dann mit Wirkung ab Mai 1900 als revierübergreifend tätige Fachaufsicht die Berginspektion III in Freiberg als Fachaufsicht ausschließlich für die Beaufsichtigung der „gewerblichen Gruben“ gebildet. Dieselbe forderte nun von den Gewerbeinspektionen die dort vorliegenden Unterlagen zu den Betriebsrevisionen der letzten Jahre auf den betreffenden Gruben an, wie wir Beispiele bereits oben im Text gesehen haben. Auf den 13. Mai 1900 datiert das Anschreiben des Herrn Merbach von der Königl. Gewerbe- Inspektion bei der Amtshauptmannschaft zu Meißen, mit dem er ,45 Aktenhefte' (es waren also noch mehr, als die 19 in der Liste oben) an die Berginspektion III übersandte und zugleich vermerkte, daß eigentlich sogar 48 Anlagen bestünden, die Anlagen No. 5 und 34 allerdings entstanden seien, „ohne daß die Gewerbe- Inspektion hierüber ein den Bau der Thongruben betreffendes Gutachten abgeben konnte, beide Anlagen auch noch nicht revidirt wurden. Beigefügt ist ferner ein Gutachten vom 18. April 1898, welches sich wahrscheinlich auf den Johannaschacht Löthain bezieht. Die Aktenvorgänge der Anlagen 37, 38 sind in einem Aktenstück enthalten, weil es nicht möglich ist, die Einzelheiten nach ,alter' und ,neuer' Fundgrube zu trennen.“ (Hervorhebungen durch uns) Herr Merbach fügte dem noch hinzu: „Im Allgemeinen ist zu bemerken, daß die Überwachung der Thongrubenbauten, soweit die oberiridischen derselben in Betracht kommen, zu wesentlichen Schwierigkeiten um deswillen geführt hat, als bei der eigenartigen Betriebsweise der Thongruben in Löthain, Mehren, Mohlis und Oberjahna in Folge der vorgekommenen Schlammeinbrüche verunglückten Schachtbauten usw. mitunter für die Besitzer es nötig war, rasch einen neuen Schacht zu schaffen, nur um die Fabrik mit dem nöthigen Rohmateriale ungestört versorgen zu können. Hierbei hat sich ein Vorgehen, bestehend in unerlaubten Errichten kleiner und größerer Thongrubenanlagen, auch mit Kesselhaus und Dampfmaschinen, in unliebsamer Weise ausgebildet, was zu allerhand Schwierigkeiten Ansatz gab. Nicht unerwähnt bleibe, daß dieses Verhalten zu empfindlichen Bestrafungen der Besitzer ‒ z. B. Ernst Teichert Löthain ‒ geführt hat; es sind auch ‒ z. B. J. G. Venus Mehren ‒ besondere behördliche Erörterungen nöthig geworden, nur um festzustellen, welche Anlagen überhaupt genehmigt waren; und hat erst in jüngster Zeit ‒ 9. Juni 1900 ‒ eine eingegangene Anzeige, wie folgt
,Hierdurch benachrichtige ich Sie, daß ich meinen Dampfkessel erneut ergeben, daß dieses geschilderte gesetzwidrige Vorgehen noch keinen Stillstand erreicht hat... Über die größere Zahl der Thongruben sind keine Gutachten bei Errichtung derselben behördlich eingefordert worden, können deshalb nicht mit übersendet werden, weil die Entstehung derselben als Versuchsbauten in Form von kleinen Brettschuppen vielfach als nicht genehmigungspflichtig angesehen worden ist und erst bei später erfolgenden Anbauten Genehmigung nachgesucht wurde.“ (40024-12, Nr. 13, Blatt 223f) Die von Herrn Merbach selbst angeführten Gründe mögen in Bezug auf den Tonbergbau durchaus einige Berechtigung besitzen. Sicherlich ist die rasche Entwicklung der Steine- und Erdenindustrie in den Jahren der Industrialisierung, und speziell nach der Gründerzeit, nicht überall in gleichem Umfange, und mit denselben Erscheinungen verknüpft, erfolgt, wie es der Beamte der Gewerbeinspektion hier beklagte; doch illustriert dieses Schreiben sehr schön, warum auch das Königlich- Sächsische Innenministerium nicht mehr umhin kam, sich Gedanken um eine Neuordnung des Aufsichtswesens zu machen. Und wahrscheinlich war man auch bei den Gewerbeinspektionen nicht unbedingt verärgert darüber, einen Teil der Aufgaben wieder los zu werden... Die Berginspektion III hatte dann allerdings nur wenige Jahre Bestand. Bereits im Laufe des Jahres 1902 wurde diese Aufgabe wieder den einzelnen Berginspektionen zugewiesen. Nach diesem Seitenblick auf die parallel
ablaufenden Veränderungen in der Bergverwaltung
wenden wir uns nun zunächst wieder dem Kaolinabbau bei Seilitz zu. Zum Fortgang
des Tonabbaus im Revier in den ersten Jahrzehnten des neuen Jahrhunderts mögen
unsere Leser ein
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Zum Bergbau
im Revier ab 1900
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Die Ausgaben der
Jahrbücher für das Berg- und Hüttenwesen in Sachsen aus dem Zeitraum von 1901
bis 1938 widmen den gewerblichen Gruben dann einen eigenen Abschnitt, aus dem wir
viele Informationen über den Betrieb der Kaolin- und Tongruben im Seilitz-
Löthain'er Tonrevier entnehmen können.
Mit einer Ausnahme: Aufgrund der geplanten Anfügung eines 3. Teils in den Jahrbüchern, die gewerblichen Gruben betreffend, fragte das Landesbergamt am 28. März 1901 mit einem Rundschreiben die betroffenen Bergwerksbetriebe an, ob sie auch einer Veröffentlichung der Produktionsmengen, wie sie bei den Erzgruben in den Jahrbüchern bereits seit langem und inzwischen auch bei den Kohlenwerken gang und gäbe war, zustimmen (40024-12, Nr. 14). Die Mehrzahl lehnte dies rundweg ab, u. a. die Börtewitz'er Kaolingruben mit dem Bemerken, daß sie „das Ausbringen unserer Kaolinwerke für eine interne Angelegenheit halten.“ (40024-12, Nr. 14, Blatt 8) Namens der Sächsischen Kaolinwerke GmbH in Kemmlitz antwortete Herr Ortlepp auf das Rundschreiben des Landesbergamtes, daß anhand der Angaben ja „die Concurrenz (...) in der Lage ist, sich Kenntnis von internen Geschäftsangelegenheiten zu verschaffen, welche wir als Geheimnis streng hüten.“ Von 11 bis Mitte April 1901 eingegangenen Antwortschreiben waren 6 Unternehmen grundsätzlich gegen jede Veröffentlichung von Produktionsziffern, ein Teil nur unter gewissen Bedingungen und lediglich zwei Unternehmen (die Meißner Thonwaren- und Kunststeinfabrik, vormals F. Kollrepp in Meißen und die Firma von Otto Kaufmann in Niedersedlitz und Schwochau) waren dafür. Auch vom Königlichen Finanzministerium, II. Abteilung, als der dem Bergamt seinerzeit vorgesetzten Behörde, kam am 28. Juli 1901 die Anweisung an das Landesbergamt, daß die Veröffentlichungen „in der Hauptsache auf diejenigen Angelegenheiten zu beschränken sind, welche unter der polizeilichen Aufsicht des Bergamtes stehen. Die Veröffentlichung der übrigen Verhältnisse dieser, nicht unter dem Berggesetze stehenden Gruben ist im Wesentlichen den Handels- und Gewerbekammern zu überlassen...“ (40024-12, Nr. 14, Blatt 14) Tatsächlich wurden dann ab der Ausgabe der Jahrbücher für das Berg- und Hüttenwesen im Königreich Sachsen vom Jahr 1901 die einzelnen gewerblichen Gruben mit ihren Vertretern und Betriebsleitern zwar aufgeführt, dabei aber nur die summarischen Gesamtfördermengen von Steine- und Erden- Rohstoffen im Land Sachsen angeführt, während die Produktionsmengen der einzelnen Werke im Jahrbuch nicht genannt wurden. Aber die Aufzeichnungen der Berginspektion III aus dem Zeitraum von 1901 bis 1903 sind an anderer Stelle erhalten geblieben (40024-12, Nr. 15), so daß wir zumindest aus diesem Zeitraum auch die Fördermengen der uns hier interessierenden Unternehmen erfahren. Übrigens verfügte die Abteilung für Ackerbau, Gewerbe und Handel des Königl. Ministeriums des Innern am 24. September 1900 aufgrund einiger Unklarheiten hinsichtlich der Übergabe der Aufsicht über die gewerblichen Gruben an die Berginspektion III auch, daß die Gewerbeinspektionen nach wie vor für den Betrieb der Brennöfen auf den Kalkwerken zuständig bleiben sollten, hingegen „die Beaufsichtigung der mit den Kaolingruben verbundenen Kaolinschlämmereien mit Rücksicht auf den engen Zusammenhang dieser Betriebe zweckmäßigerweise durch das Bergamt Freiberg“ erfolgen solle (40024-12, Nr. 14, Blatt 35). Dementgegen beschloß man in Freiberg am 13. Oktober 1900, daß „die Schlämmerei der Manufaktur in Meißen der Gewerbeinspektion unterstellt bleiben möchte, weil sie von den Gruben weit entfernt mit der Porzellanfabrik in vollständigem örtlichen Zusammenhang steht, daß dagegen die Schlämmerei in Seilitz der bergamtlichen Aufsicht unterliegen möchte, (da sie) mit dieser ein abgeschlossenes Ganzes“ bilde (40024-12, Nr. 14, Blatt 40).
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Auch innerhalb der wissenschaftlichen
Abhandlungen in den Jahrbüchern erschienen nun einige Beiträge über die Gewinnung keramischer Rohstoffe, von denen wir den
folgenden Beitrag vollständig zitieren wollen, den der damalige Betriebsinspektor der
Porzellanmanufaktur, Herr Max Winkler, für die Ausgabe des Jahres 1902
der Jahrbücher für das Berg- und Hüttenwesen im Königreiche Sachsen
verfaßte und in dem er auch die Rohstoffquellen der früheren Betriebsphasen und
aus seiner Zeit beschrieb (S.129ff):
Beitrag
zur Geschichte der Kaolingruben Nach urkundlichen
Unterlagen zusammengestellt von „Wie hinlänglich bekannt ist, gelang es Böttger im Jahre 1707 durch Verwendung von weißbrennendem Colditzer Thon und Gyps das erste weiße Porzellan herzustellen. Bis zum Jahre 1710 wurde dasselbe unter fortlaufenden Versuchen und Verbesserungen im Kleinen in einem Theil des Dresdner Schlosses angefertigt, und erst mit diesem Jahre, nachdem man vorher mit Hilfe der Auer Erde umfassende Versuche angestellt hatte, wurde die Betriebsstätte zur Herstellung von Porzellan im Großen in die Albrechtsburg zu Meißen verlegt. Es läßt sich denken, daß man bei der Wichtigkeit, die der Erfindung des Porzellans mit Recht beigemessen wurde, in erster Linie danach strebte, sich das kostbare Material für alle Zeiten zur alleinigen Verwendung zu sichern, aber auch nach neuen noch unbekannten Vorkommnissen derselben oder verwandter Art zu suchen. Es wurde deshalb von der Verwaltung der K. P.-M. im ganzen Lande auf Kaolin gemuthet, aber auch von vielen Grundstücksbesitzern privatim nach brauchbarem Material gegraben, um bei Erfolg entweder den Fund der K. P.-M. zur käuflichen Übernahme anzubieten oder aber den Abbau auf eigene Kosten zu betreiben und das gewonnene Gut an die K. P.-M. zu verkaufen. Das Erzgebirge galt zu Anfang des achtzehnten Jahrhunderts noch als die einzige Gegend Sachsens, in welcher man mit Aussicht auf einigen Erfolg auf Kaolin muthen zu können glaubte, und es entstand daher in diesem Gebirge eine ganze Anzahl Gruben, von denen jedoch nur wenige zeitweilig eine gewisse Bedeutung erlangten, die aber sofort aufhörte, als in Meißens nächster Nähe beträchtliche Kaolinlager entdeckt wurden. In Nachfolgendem soll in aller Kürze dargelegt werden, welche Weißerdenlager von der K. P.-M. seit deren Bestehen abgebaut wurden, beziehungsweise aus welchen Fundstätten die zu Porzellan verarbeitete weiße Erde im Verlauf von nahezu zwei Jahrhunderten gewonnen worden ist. St. Andreas Fdgr. Der Schneeberger Handelsherr Hans Veit Schnorr begann im Jahre 1700 am Heidelberg oberhalb Aue in einer ,St. Andreas Fdgr.' genannten Grube Eisenstein abzubauen, wobei er auf eine weiße Erde stieß, welche er auf dem ihm ebenfalls gehörigen Blaufarbenwerk Niederpfannenstiel als Zuschlag bei der Bereitung von Eschel (Kobaltglas) verwendete. Im Jahre 1709 kam er auf den Einfall, mit einer Ladung blauer Eschel auch eine Probe dieser Erde an Böttger zu senden, durch den sehr bald die Brauchbarkeit derselben erkannt wurde. Schnorr erhielt das ausschließliche Privileg, weiße Erde abzubauen, doch wurde dasselbe 1730 insofern beschränkt, als ihm jede weitere Ablieferung an das Blaufarbenwerk verboten wurde, er vielmehr nur an die K. P.-M. liefern durfte. Das Grubenfeld erstreckte sich von Nord nach Süd auf eine Länge von 100 m, von Ost nach West auf eine Breite von 60 m. Der ältere Granit, der in der Gegend von Schneeberg eine sehr unebene Oberfläche zeigt und an mehreren Stellen unter dem ihn bedeckenden, in feinen Schichten streichenden Glimmerschiefer hervorstößt, tritt auch auf der Ostseite des Heidelbergs in mehreren kegelförmigen Erhöhungen hervor. Auf einem solchen, nicht ganz bis zu Tage hervorstoßenden, noch mit einer oft nur 4 m mächtigen Glimmerschieferlage bedeckten, etwas breit gedrückten Granitkegel ruhte die Kaolinlagerstätte dergestalt, daß zu oberst eine Weißerdenschicht von 1,5 bis 2 m Mächtigkeit lag, dann aufgelöster Granit von 0,5 bis 2 m Stärke kam, unter welchem sich abermals eine Erdenschicht von 1,5 m Mächtigkeit ausbreitete, auf die zuletzt das Grundgebirge, der Granit, folgte. Umschlossen war dieser kaolinführende Granitkegel von einem breiten Gürtel von Eisenstein, auf welchem auch während der ganzen Dauer der Erdegewinnung im ,rothen Andreasstolln' mitgebaut wurde. Die Masse des Erdenlagers bestand aus einem Konglomerat von Quarz, Glimmer und Kaolin und war häufig durchsetzt von Eisenstein- und Braunsteintrümern, denen sich oftmals der mineralogisch seltene Pinit zugesellte. Bei der Wichtigkeit, die der sog. Auer Erde damals mit Recht beigelegt wurde, ist es nur natürlich, daß der König die Grube wenigstens zum Theil in seinen Besitz zu bringen suchte. So erwarb dieser die Hälfte der Kuxe, während die andere Hälfte anfänglich der Familie Schnorr allein verblieb und späterhin durch Erbschaft an die drei Schneeberger Familien Schnorr, Springer und Gottschald kam, von denen die Schnorr's ihren Antheil von 420/27 Kuxen schließlich noch an den sächsischen Fiskus abtraten. In Folge dessen besaß der letztere, einschließlich des königlichen Antheils, 6820/27 Kuxe, während 597/27 sich in Privathänden befanden. Dieses Verhältniß bestand bis ins erste Jahrzehnt des neunzehnten Jahrhunderts, ohne daß man an eine Änderung gedacht hätte, obgleich es zu mancherlei Unzuträglichkeiten führte. Denn die Gewerkschaft war auf der einen Seite durch die Landesgesetze, welche den Verkauf von Porzellanerde an Fremde verboten, mit dem Vertriebe ihrer Produktion auf die K. P.-M. beschränkt, auf der anderen Seite aber war die Größe dieses Absatzes von dem stärkeren oder schwächeren Betrieb der letzteren, die Bezahlung der Erde aber im Allgemeinen von der Bereitwilligkeit der K. P.-M. abhängig. Diese dagegen war wiederum genöthigt, sobald sie mit guter Erde hinreichend versorgt sein wollte, den auf möglichste Ausnutzung ihres Antheils gerichteten Forderungen der Gewerkschaft bei der Erdebezahlung mehr oder weniger Genüge zu leisten. Erst 1817 trat man, um diesen Mißstand zu beseitigen, dem Gedanken näher, die Kuxe der an der Weißerdenzeche ,St. Andreas Fdgr.' betheiligten Gewerkschaft aufzukaufen, nachdem man in den Jahren 1816 und 1817 abermals Versuchsschürfe auf den weiter unten näher beschriebenen Gruben ,Gottes Geschick Fdgr.' und ,Weiße Maus Fdgr.' eingeleitet hatte, die zu keinem befriedigenden Resultat führten. Die Thatsache aber, daß seit dem Jahre 1803 die Qualität der Auer Erde stetig zurückgegangen war, ließ den Gedanken nicht so schnell zum Beschluß reifen, und ein neues Moment brachte die ganze Angelegenheit zu Fall, nämlich die Auffindung der Sornziger Erde, von der später ausführlich gesprochen werden soll. Von den neben ,St. Andreas Fdgr.' in Betracht kommenden erzgebirgischen Fundstätten weißer Erde verdienen Erwähnung die Gruben ,St. Barbara' oder ,Gottes Geschick Fdgr.' und „Weiße Maus Fdgr.', sowie die erst später entstandene ,Weißes Glück Fdgr.' ,Gottes Geschick Fdgr.' zwischen Sosa und Bockau bei Schwarzenberg im Staatswalde gelegen, wurde 1725 vom Bäcker Johann Deutsch in Schneeberg erschürft, und es ward von ihm im Jahre 1726 mit der Gewinnung von Erde begonnen. Allein anfänglich verweigerte die K. P.-M. die Verarbeitung der ausgebrachten Erde, und so mußten die Arbeiten laut Landesgesetz wieder eingestellt werden; erst nach den sich bis zum Jahre 1733 hinziehenden Verhandlungen wurde die Grube von der K. P.-M. angekauft. Nachdem die während der langen Zwischenzeit zu Bruch gegangenen Baue auf Kosten der K. P.-M. 1734 wieder hergestellt worden waren, wurde in dieser Grube bis 1736 zeitweise gearbeitet, sie dann aber wieder aufgelassen. Erst in den Jahren 1816 und 1817 ward nochmals ein Versuchsbau angelegt, der, wie schon oben erwähnt, wiederum unbefriedigend ausfiel. Die Lagerstätte war ein Flötz, die Erde selbst erwies sich als derbe, gleichförmige Masse, nur von geringen gefärbten Trümern durchsetzt, an manchen Punkten in sandigen, an anderen in lettigen Thon übergehend. Nächst ,Gottes Geschick Fdgr.' scheint die bei Grünstädtel gelegene ,Weiße Maus Fdgr.' näherer Betrachtung werth; sie wird 1731 zuerst erwähnt. Ein gewisser Schreyer nämlich muthete angeblich auf Kupfer, stieß beim Schürfen auf weiße Erde und förderte nach Einsendung einer Probe an die K. P.-M. noch 100 Zentner Vorrath. Auf hohen Befehl aber wurde ihm das fernere Bauen auf weiße Erde „bei harter Leibesstrafe“ untersagt und, um Entwendung derselben zu verhüten, dem Justizamt zu Grünhain die Wiederzufüllung der Grube anbefohlen. Über die näheren Verhältnisse von Grube und Erde liegen keine bestimmten Nachrichten vor. Was schließlich die Grube ,Weißes Glück Fdgr.' betrifft, so sei folgendes erwähnt: Gelegentlich eines Straßenbaus wurde im November 1832 im sogenannten Höllengrund an der kleinen Bockau unweit Sosa am Fuß des Auersbergs eine gangartige Lagerstätte von kaolinähnlichem Charakter aufgefunden, welche bei anfänglicher Mächtigkeit von 1 m nach der Tiefe ganz bedeutend zuzunehmen schien. Die Erde, fast durchgängig weiß, fühlte sich ungemein fettig und doch grobkörnig an und verdankte jedenfalls ihre Entstehung verwittertem thon- und kalkreichen Gestein, da die Gebirgsmasse sich als sehr mürber, aufgelöster, grobkörniger Granit mit vorwaltendem Feldspath zeigte, dem hie und da kleine Partien Turmalin beigemengt waren. Da die mit dieser Erde zusammengesetzte Masse ein überaus durchscheinendes Porzellan lieferte, verwendete sie die K. P.-M. bei Anfertigung von Lichtbildern und Biskuitporzellan, auch hoffte man mit ihrer Hilfe das dünne chinesische Porzellan nachahmen zu können. Es erfüllten sich jedoch die auf diese Erde gestellten Hoffnungen nicht, und so wurde ,Weißes Glück Fdgr.' zu gleicher Zeit aufgelassen wie ,St. Andreas Fdgr.', nämlich mit Ablauf des Jahres 1838. Weißerdenwerk Seilitz Schon lange bevor man die erneuten Versuche machte, die im Erzgebirge neben der ,St. Andreas Fdgr.' noch vorhandenen Fundstätten weißer Erde abzubauen und bei der K. P.-M. zu verarbeiten, hatte man ganz in der Nähe von Meißen bei dem Dorfe Seilitz ein mächtiges Kaolinlager entdeckt. Bereits im Jahre 1763 wurde Seilitzer Erde bei der K. P.-M. zur Massenbereitung mit verwendet. Während wohl in den ersten Jahren die Erde von den Bauern selbst in Tagebauen gegraben und an die K. P.-M. in einer Art Frohndienst abgeliefert wurde, ging die letztere seit 1814 Kontrakte mit einigen Gutsbesitzern derart ein, daß sie das alleinige Abbaurecht auf allen diesen gehörigen, in das Seilitz'er Flurbuch eingetragenen Grundstücken erwarb. Erst im Jahre 1872 wurde ein Theil des dem Gutsbesitzer Beulich gehörenden Gebiets auf Bitten des Letzteren, mit der Erlaubniß, darüber frei verfügen zu dürfen, an diesen zurückgegeben, da die unter der betreffenden Flur liegende weiße Erde für die Zwecke der K. P.-M. ungeeignet sei. Beulich trat das Abbaurecht sofort an die Firma Krister in Waldenburg in Schlesien ab, die auf benachbarter Pröda'er Flur Erdenabbau treibt, und diese hat das fragliche Stück bis zum Jahre 1883 vollständig abgebaut. Die Erde tritt als Lager in liegendem Stock auf und ist als ein Verwitterungsprodukt des Porphyrs anzusehen, wie solcher nach allen vier Windrichtungen bei Seilitz zu Tage tritt. Besonders in der Richtung des nördlichen Ausstreichens zeigt sie Übergänge in Thon und Einstreuungen von Feldspath und Quarz und geht in den tiefsten Schichten in zum Theil verwitterten Felsitporphyr über. Die Seilitzer Erde ist noch heute das wichtigste Rohmaterial für die K. P.-M. und wird augenblicklich durch unterirdischen Streckenbau bergmännisch abgebaut. Weißerdenwerk Sornzig Von fast gleicher Wichtigkeit für die K. P.-M. ist das Vorkommen von Sornzig. Bei der im Jahre 1816 abgehaltenen Lokalrevision des Stiftes Sornzig bei Mügeln entdeckte der Stiftssekretär Hauptmann Flachs in einem zum Klostergut gehörigen, beim Dorfe Baderitz gelegenen Holze, dem ,Fichtengraben', eine ganz weiße Erde, welche völlig zu Tage lag, nahm eine Probe davon mit nach Dresden, untersuchte sie durch Schlämmen und ,als er sich' — wie es in den Akten heißt — ,von der guten Qualität und Feuerbeständigkeit derselben überzeugt zu haben glaubte', meldete er die Entdeckung dieser Kaolinlagerstätte an den Oberhofmeister von Gablenz, den Administrator des Stiftes Sornzig. Letzterer machte dem geheimen Finanzkollegium davon Mittheilung, und dies ordnete an, daß einige Zentner davon auf Kosten der K. P.-M. gegraben und zu Versuchen an letztere verabfolgt werden sollten, vor der Hand aber und bis über ihre Brauchbarkeit entschieden sei, an keinen Privatmann etwas abgegeben werden sollte. Da nun nach den angestellten, sehr günstig ausgefallenen Versuchen in Meißen die K. P.-M. das Erdenlager zu erwerben wünschte, wurde im Jahre 1818 der Entwurf zu einem Kontrakt ausgearbeitet, der aber schließlich nicht abgeschlossen wurde, da die K. P.-M. die Erde noch nicht benöthigte und man sich über die dem Grundzins zu Grunde zu legenden Zahleneinheiten nicht einigen konnte. Erst im Jahre 1836 wurde auf Veranlassung des Königlichen Finanzministeriums mit Erlaubniß des Dresdner Bischofs Mauermann das Erdenlager eingehend durch vorgenommene Bohrungen von der K. P.- M. untersucht, 1837 mit dem Stifte Sornzig ein Kontrakt abgeschlossen und 1839 mit dem Abbau begonnen. Die Sornziger Erde, welche aus einer erdigen Hauptmasse mit darin liegenden, sehr gleichförmig vertheilten Quarzkörnern ohne Glimmer besteht, ist durch Verwitterung eines Lagers von Porphyrschichten entstanden. Diese Annahme findet Bestätigung, wenn man den südlich von der Grube gelegenen Porphyrsteinbruch betrachtet, dessen gelblichweiße Hauptmasse ebenso wie die nächst den Quarzkörnern darin liegenden Feldspatkörner nicht allein kleine, ganz aufgelöste Partien enthält, sondern überhaupt schon einen gewissen, wahrscheinlich durch angehende Verwitterung entstandenen Grad von Weichheit besitzt. Die Erde steht derjenigen von Seilitz an Weiße merklich nach, zeigt jedoch größere Duktilität; sie ähnelt mehr der Auer Erde und verarbeitet sich sogar besser wie die letztere, an deren Stelle sie in der K. P.-M. getreten ist. Sie wird mit Hilfe zweier Schächte in Strecken abgebaut; das Abbaufeld umfaßt bei 12 bis 16 m Mächtigkeit einen Flächenraum von 5,5 Hektar. Tagebau Schletta Nächst diesen für die K. P.-M. wichtigsten Fundstätten von Kaolin ist noch das Vorkommen zu Schletta bei Meißen zu erwähnen. Die ersten Bohrungen fanden hier schon 1821 seitens der K. P.-M. statt, und 1853 untersuchte man die Schlettaer Gegend abermals, ohne indessen zu einem befriedigenden Resultat zu gelangen. Als aber später bei landwirtschaftlichen Arbeiten im Obstgarten des Ritterguts eine brauchbare weiße Erde gleich unter dem Rasen aufgefunden worden war, ging die K. P.-M. im Jahre 1861 mit dem Rittergutsbesitzer Burckhardt einen Kontrakt ein, welcher der K. P.-M. das Abbaurecht dieses Lagers sicherte. Noch in demselben Jahre fing man an, einen Schacht zu teufen und die gewonnene Erde in Meißen in beschränktem Maaße mit zu verarbeiten. Das Vorkommen ist ein eigenartiges. Die Schlettaer Erde ist ein Verwitterungsprodukt des Pechsteins, hat thonigen Charakter, unterscheidet sich aber von wirklichem Thon durch den großen Gehalt an beigemengten sandigen und steinigen, ihr beim Anfühlen eine magere Beschaffenheit ertheilenden Partien. Die Gewinnung der Erde mittels Schachtes und Strecken führte, da nur in Zwischenräumen von drei bis vier Jahren abgebaut wurde, zu mancherlei Unannehmlichkeiten. Die Lage mitten im Dorf und im Rittergutsgarten erforderte besondere Sicherheitsvorrichtungen für die Zeit der Betriebsruhe und bei Wiederaufnahme der Erdegewinnungsarbeiten konnte gewöhnlich die Schacht- und Streckenzimmerung nicht ohne Gefahr erneuert werden. Seit dem Jahre 1869 wird deshalb die benöthigte Erde, gleichfalls in mehrjährigen Zwischenräumen, durch einen Tagebau gewonnen, welcher mit dem Ende der ungefähr zweimonatlichen Abbauperiode wieder zugestürzt und mit Rasen bedeckt, hiernach aber dem Rittergutsbesitzer zur wirthschaftlichen Benutzung wieder übergeben wird. Erdenlager bei Rasephas Schließlich sei noch einer Fundstätte Erwähnung gethan, die noch des Abbaus harrt. Im Jahre 1882 wurde von der K. P.-M. das Recht erworben, Porzellanerde auf einem der Königlich Sächsischen Staatseisenbahn- Verwaltung gehörigen Areal von 17,98 qm an der Linie Altenburg-Gößnitz abzubauen, welches zur Zeit als Schießstand an die Garnison Altenburg verpachtet ist und eine halbe Stunde vom Bahnhof Altenburg auf Flur Rasephas liegt. In nächster Nähe davon befinden sich zwei Kaolingruben, welche das Rohmaterial für die Porzellanfabriken in Ohrdruff und Gotha liefern. Außer den in Vorstehendem näher besprochenen gab es noch eine ganze Anzahl anderer Fundstätten weißer Erde, die der K. P.-M. vor allem in der ersten Hälfte des achtzehnten Jahrhunderts angeboten wurden. So fand sich unter anderem 1727 Kaolin auf dem Gute eines gewissen Faktor Müller in Raschau bei Schwarzenberg und 1736 auf dem Besitzthum des Kammer- und Bergraths von Wichmannshausen bei Zittau. Die K. P.-M. hatte aber für diese jedenfalls minderwerthigen Kaoline ebensowenig Verwendung wie für die 1816 im ,Weißen Schwan Stolln' bei Bockau abgebaute weiße Erde oder wie für die gegenwärtig aus allen Gegenden der Welt zum Kauf angebotenen Kaoline.“
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Der im Kapitel zur
„Die Besitzer des Grund und Bodens bauen den Thon nicht selbst ab, nur ein Gutsbesitzer befaßt sich damit, in allen anderen Fällen ist von Unternehmern das Abbaurecht unter den Feldparzellen vom Grundstücksbesitzer erst erworben worden. Letztere sind für das Abtreten dieses Rechtes theils in ganzer Summe entschädigt worden, theils wird für die Gewichts- oder Raumeinheit gewonnener Maße ein Zins gezahlt, der wiederum zum Theil in einheitlicher Höhe für alle gewonnenen Thonsorten, zum Theil aber auch nach der Beschaffenheit der verschiedenen Thonsorten sich richtet. Volkswirtschaftlich ist es jedenfalls richtiger, die Entschädigung erfolgt in ganzer Summe, denn die Unternehmer und namentlich solche, die nicht gleichzeitig Besitzer einer Thonwaarenfabrik sind, wo auch für die geringeren Sorten immer noch Bedarf vorhanden ist, werden in dem erklärlichen Bestreben nach in kürzerer Zeit zu erlangendem höheren Gewinne nur zu leicht dazu veranlaßt, ständig die besten, ihnen den meisten Gewinn bringenden Mittel abzubauen und solchen Thon, der für sie weniger abwirft, in der Grube zu belassen. Diese theilweise geübte Praxis bringt es dann mit sich, daß Massen in der Grube belassen und zum Nachtheile des Grundstücksbesitzers einer späteren Gewinnung entzogen werden, die ein, wenn auch nicht sehr werthvolles, so doch immerhin noch recht brauchbares Material abgeben würden. Es mag dabei zugegeben werden, daß es vielleicht im Interesse der Verkäufer liegt, geringwerthige Sorten überhaupt nicht abzusetzen, um das Renommee, dessen sich die Meißner Thone mit Recht erfreuen, nicht durch das Angebot geringwerthiger Waaren herabzusetzen; es bleibt aber darüber die Thatsache des unwiederbringlichen Verlustes doch bestehen. Sonst sind in der Vergebung der Ausbeutung des Thonlagers die Besitzer ziemlich vorsichtig. So findet man es in vielen Fällen beim Verkauf von Grundstücken, unter welchen noch kein Thon abgebaut ist, daß der Verkäufer das Abbaurecht auf Thon ausdrücklich sich vorbehält, um es später entweder selbst auszuüben oder noch besonders zu veräußern. Die Ausrichtung der Lagerstätte erfolgt ausschließlich durch seigere Schächte, welche eine Tiefe von 20 bis 35 m besitzen und in denen bei einem Querschnitte von ungefähr 1,70 x 3,25 m die Einrichtungen für die Förderung, Fahrung und Wasserhaltung Platz finden. Dieses Querschnittsmaß hat sich im Allgemeinen als das vortheilhafteste für die dortigen Verhältnisse herausgestellt, sowohl in Rücksicht auf die Größe des Gebirgsdruckes, als auf die Zwecke, denen die Schächte zu dienen haben. Nur bei der Thongrube der Firma Ernst Teichert in Mohlis ist von der bisherigen Art insofern abgewichen worden, als dort neuerdings ein Schacht in Ziegelmauerung bei rundem Querschnitt mit einem Durchmesser von 2,5 m im Lichten auf 26,5 m Tiefe hergestellt worden ist. Der Ausbau der sonstigen Schächte besteht in Schrotzimmerung und zwar bei geringerem Druck in Bolzenschrot, wobei die einzelnen Geviere nicht über 0,80 m von einander entfernt sind, bei stärkerem Druck in vollem Schrot; man verwendet dazu meist Rundholz, mitunter auch Vierkantholz. Der Ausbau hält sich erfahrungsgemäß etwa acht Jahre, dann ist er so wandelbar geworden, daß er ausgewechselt werden muß. Vor Beginn des Abteufens der Schächte wird das Gelände erst durch Abbohren untersucht, um die Stelle zu finden, an welcher der Schacht am vortheilhaftesten niederzubringen ist. Es ist während der letzten zwei Jahre bei sämmtlichen Grubenanlagen durchgeführt worden, daß für jede derselben wenigstens zwei Schächte vorhanden sind, damit es beim Unfahrbarwerden des einen Tageausganges der angefahrenen Mannschaft möglich ist, durch den anderen die Tagesoberfläche zu erreichen. Hierdurch ist auch eine weit bessere Beschaffenheit der Wetter zum Vortheile der in der Grube Arbeitenden durch schnelleren Wetterwechsel erzielt worden, und letzterer hat weiter zur natürlichen Folge, daß das Ausbauholz länger in gesundem Zustande erhalten bleibt, und auch die Schlagwettergefahr, deren später Erwähnung gethan werden wird, vermindert wird. Das Abteufen selbst hat in der dortigen Gegend noch seine großen Schwierigkeiten, weil die zum Durchteufen des vielfach anzutreffenden schwimmenden Gebirges üblichen neueren Methoden außer Acht gelassen und bis jetzt noch nirgends angewendet worden sind. Es wird der Schachtquerschnitt ausgegraben und dem Fortschreiten dieser Arbeit entsprechend die Schrotzimmerung nachgezogen. Stößt man nun auf eine Schicht von Schlamm oder von Schwimmsand, so werden durch alle Hebevorrichtungen, die zu Gebote stehen, das Wasser und die zudringenden schlammigen Massen bzw. das zudringende Gemisch von Schlamm und Wasser gehoben, bis es gelingt, ein Schachtgevier einzubauen, und nun beginnt das Spiel von Neuem, bis die 3 oder 4 m mächtige lockere Schicht durchteuft ist. Gelingt die Arbeit, so haben die gehobenen, dem Nebengebirge entzogenen Massen in letzterem zumeist in unmittelbarer Nähe des Schachtes einen Hohlraum hinterlassen, das Gebirge setzt sich infolgedessen nach einer Seite und der neue Schacht ist sammt seiner Ausbauzimmerung bereits, ehe er fertiggestellt, aus seiner Lage gebracht und hat sich verzogen. In neuester Zeit hilft man sich auch damit, daß man beim Antreffen solcher Schichten die bereits eingebauten untersten Geviere durch Keile oder Winden in die schlammigen Schichten soweit niederdrückt, bis an den Stellen, wo die Treibkeile gesessen haben oder die Winden angelegt gewesen sind, ein neues Gevier eingelegt werden kann, worauf wiederum die Keile eingeschlagen und neue Geviere eingelegt werden, bis schließlich die Schlammschicht durchsunken ist. Mit weit geringerem Arbeits- und Zeitaufwand und weniger Kosten sowie vor allen Dingen auch sicherer, erlangte man dasselbe Ziel freilich, wenn ein passender Senkschuh, wie sonst in diesen Fällen in der Bergtechnik üblich, zu Hilfe genommen würde. Die Strecken werden im Streichen des Lagers in einem Querschnitt von 2,25 x 1,55 m getrieben; sie werden in voller Thürstockzimmerung und in den Thongruben zumeist mit Schalung ausgebaut, da im Allgemeinen einem sehr starken Druck von allen Seiten zu begegnen ist. Mitunter wird die Schalung in der Strosse, der Forste und den beiden Ulmen angebracht, um eine möglichst gleichmäßige Vertheilung des Gebirgsdruckes zu erzielen, weil dieser, wie erwähnt, ein sehr starker ist, denn die plastische und verschiebbare Thonmasse drängt sich an die Umwandungen des durch die Grubenbaue geschaffenen freien Raumes von allen Seiten, und auf die Zimmerung wird ein Druck ausgeübt ähnlich wie ihn ein in eine Flüssigkeit getauchtes, allseitig geschlossenes Gefäß erleidet. Die Zimmerung bedarf daher fortwährender Instandhaltung, und der Holzverbrauch wird ein ganz bedeutender. Die Ausgaben für das Ausbauholz schwanken, je nachdem das letztere wiedergewonnen oder in der Grube belassen wird, je nach den Druck- und den sonstigen in Frage kommenden Verhältnissen zwischen 2 M. 12 Pfg. und ‒ M. 45 Pfg. für die Tonne geförderten Thon, im Allgemeinen ist sie zu etwa 1 M. f. d. Tonne anzunehmen. Laufend mit dem Fortschreiten der Ortsbetriebe findet in den Thongruben eine regelmäßige Entnahme von Proben aus der anstehenden Masse statt. Es werden in der Regel aus einer Ulme zehn Proben durch Ausstemmen mit dem Meißel in gleichen Abständen zwischen Forste und Sohle entnommen. Die erste Nummer erhält die unmittelbar unter der Forste, die letzte die unmittelbar über der Strosse ausgehobene Probe, auf welche Weise sich ohne Weiteres aus der Nummer ersehen läßt, welcher Orthöhe die Probe entstammt. Die Proben gelangen dann in die Versuchsöfen zum Brennen. In den Kaolingruben erübrigt sich die öftere Probeentnahme wegen der größeren Gleichmäßigkeit des Materials. Die Vorrichtung zum Abbau erfolgt in der Weise, daß, wie in nachstehender Skizze schematisch dargestellt, von der vom seigeren Schacht ausgehenden Fahr- und Förderstrecke bis zur Grenze des Abbaufeldes im Streichen eine Grundstrecke b aufgefahren wird, von der aus mehrere Strecken, c, c1, c2, c3, annähernd in der Fallinie wieder bis zur Abbaufeldgrenze getrieben werden. Von diesen letztgenannten Strecken werden streichend und von der Abbaufeldgrenze an beginnend nach beiden Richtungen unmittelbar neben einander Abbauörter d von 1,5 m Weite und 2,5 m Höhe getrieben. Auf einigen Gruben werden sechs solche Örter neben einander angelegt und dann wird ein Sicherheitspfeiler e von 3 bis 4 m Stärke stehen gelassen, auf den meisten Gruben aber wird das Thonlager ohne Belassung solcher gewonnen.“
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Wie wir oben schon gelesen haben, wurde in der Lagerstätte
Zurück zum Text von Bergmeister Seemann aus dem Jahr 1902:
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„Die Thongewinnung selbst erfolgt durch die Thonschläger. Schießarbeit findet gar nicht statt. Sie ist mit Zuhilfenahme von Pulver versucht worden, es zeigte sich jedoch, daß infolge der Plastizität die Löcher die Massen nicht lossprengten oder auflockerten, sondern daß kugel- und birnenförmige Schußkessel mit stark zusammengepreßten Wänden entstanden. Auch im weiteren Umkreise war die Masse nicht gelockert worden. Beim Betriebe der eigentlichen Örter, dort gezwungene Örter genannt, wie auch der Abbauörter wird der Ortstoß in drei Höhen angegriffen. Man unterscheidet die Strosse, die Bank und den Einbruch. Zur Arbeit bedient man sich des unten zugeschärften Thonschlageisens und des Thonschlägels. Das stählerne Schlageisen wird in die plastische, aber dem Eindringen großen Widerstand entgegensetzende Thonmasse mittels des hölzernen Schlägels hineingetrieben. Nach Ausführung einiger Schläge wird das Schlageisen herausgezogen und zur Verminderung der Reibung mit Wasser benetzt, um von Neuem wieder hineingeschlagen zu werden. Es wird dabei in einer Linie ein Schlageisen neben das andere hineingetrieben, und schließlich werden durch eine hinter die Köpfe der Schlageisen gesteckte Hacke Thonwürfel von 25 bis 50 cm Seitenlänge losgezogen. Die wöchentliche Leistung eines Mannes beträgt 4 bis 6 cbm anstehender Thonmasse. Der Abbaubetrieb erfolgt nicht auf allen Werken immer in der Weise, wie es für deren dauernden Nutzen erwünscht wäre. Es wird nicht in allen Fällen streng daran festgehalten, ihn von hinten nach vorn, nach dem Schachte zu, in seiner ganzen Ausdehnung vorrücken zu lassen, vielmehr werden oft genug einzelne bessere Partien, ehe sie an der Reihe sind, ausgeschlagen, und die Folge ist, daß die Strecken vorzeitig unter Druck kommen und viel Holzausbau zu ihrer Wiederherstellung erfordern, mitunter wird dann auch solcher Ausbau so schwerköstig, daß davon abgesehen wird, die Strecken wieder fahrbar zu machen, und es vorgezogen wird, auf die Gewinnung des noch anstehenden Thonmittels zu verzichten. Die Zimmerung in den Abbauen wird analog derjenigen in den Strecken ausgeführt. In Abständen von etwa 80 cm werden volle Thürstöcke gesetzt, Firste und Sohle erhalten öfters Schwartenverzug. Zu letzterem sah man sich durch den Umstand veranlaßt, daß sich beim Mangel an Schwartenverzug einzelne Thürstöcke soweit in die Thonmasse eindrückten, daß sie den darüber oder darunter befindlichen Schwimmsand erreichten und dieser dann in die Grubenbaue eindrang. Der Schwimmsand ist als ein Gemisch von Sand und Wasser sehr gefürchtet. Wird zwar der Abbau schon in der Weise vollführt, daß im Hangenden, und, wo nöthig, auch im Liegenden immer l m bis 1,5 m Thon als Schutz belassen wird, so ist es doch bei dem Mangel einer überall erkennbaren Schichtung im Thone nicht immer zu vermeiden, daß einmal in die Schwimmsandschicht geschlagen wird. Die Folge davon ist dann, daß sich das Gemenge von Wasser und Sand unter Druck in die offenen Grubenbaue ergießt. Gelingt es dabei nicht schnell eine genügende Abdämmung herzustellen, so gehen ungeachtet aller für die Wasserhebung verfügbaren maschinellen Hilfsmittel die Grubenwasser in den Grubenbauen so schnell auf, daß letztere mitunter in einigen Stunden bis wenige Meter unter die Hängebank mit Wasser und Sand angefüllt sind. Mit diesem Vorgange verstopft sich aber auch in der Regel durch die Ablagerung des Sandes in den Grubenbauen ohne weiteres Zuthun die Durchbruchsstelle von selbst. Wird später der Wasserspiegel künstlich wieder niedergezogen, so findet man, daß die Strecken, soweit nicht Luftsäcke ein Zudringen des Wassers mit dem mitgeführten Sande verhindert haben, bis zur Firste vollständig mit abgesetztem feinen Sande ausgefüllt sind. An der Erdoberfläche entstehen hierauf, wenn die Schwimmsandschicht sich im Hangenden der Lagerstätte befand, in der Regel bald nach dem Einbruch ein oder mehrere, mehr oder weniger große Tagebrüche, da der den Sand überlagernde Löß infolge der ihm entzogenen Unterlage und seines eigenartigen Aufbaues bald nachbricht. Er zeigt dann die für ihn charakteristischen senkrecht abfallenden Bänder, bei größeren Tagebrüchen sogar in terrassenförmiger Anordnung. Solche Brüche brauchen nicht immer grade senkrecht über der Einbruchsstelle zu entstehen, sie sind von dieser in 30 m und mehr Entfernung beobachtet worden. Das Holz, welches in den Strecken und namentlich in den Abbauen verwendet worden ist, wird zumeist in der Grube belassen. Man scheut sich der Gefahr und der allerdings nicht unbedeutenden Mühe und Kosten wegen, dasselbe zu rauben. Oft ist man auch zu dessen Belassung dadurch genöthigt, daß beim Rauben das Deckgebirge schnell nachkommen würde und dann Ergüsse von Schwimmsand in die offenen Grubenbaue zu befürchten wären. Werden die geschaffenen Hohlräume mit ihrem Ausbau sich selbst überlassen, so brechen theilweise die Hölzer, oder sie drücken sich langsam in die Masse ein, welche den durch den erfolgten Abbau geschaffenen leeren Raum auszufüllen sucht. Diese Hohlraumsausfüllung hat bei der verhältnißmäßig geringen Mächtigkeit des Deckgebirges über dem Thonlager zur Folge, daß an der Tagesoberfläche ausgedehnte Einsenkungen entstehen, die die Gegend als ein vollständiges Bergbaugebiet kennzeichnen; nur bemüht sich hier mehr als anderwärts die sehr ergiebige Landwirthschaft, die ihr vorübergehend entzogene Fläche möglichst bald für die Bewirtschaftung zurückzugewinnen und damit die Spuren der bergbaulichen Thätigkeit zu verwischen. Nur ein größeres Werk, bei welchem Schwimmsand im überlagernden Gebirge nicht anzutreffen ist, raubt das Ausbauholz fast vollständig und erlangt neben der Holzgewinnung damit den Vortheil, daß das Gebirge sich gleichmäßig setzt und keine Hohlräume entstehen können, in denen sich durch das Faulen des Grubenholzes Schlagwetter bilden und ansammeln können. Die keinen Betriebszwecken mehr dienenden Schächte sucht man möglichst ihrer Zimmerung zu berauben und mit gering werthigen Thonmassen, die sorgfältig festgestampft werden, auszufüllen, wodurch erreicht wird, daß die den Schacht über dem Thonlager umgebenden Grundwasser nicht durch ihn nach der Tiefe abgeleitet werden. Eine sehr interessante Erscheinung sind die eben erwähnten Schlagwetter in den Thongruben. In der Literatur sind über deren Auftreten in diesen Gruben, soweit dem Verfasser bekannt, nur im 7. Hefte der Annales des Mines 1895 einige Angaben veröffentlicht worden. Diese Schlagwetter entstehen in der plastischen Thonmasse durch Fäulniß des in der Grube belassenen Ausbauholzes bei Gegenwart von Wasser und Abschluß der Luft, also stets im alten Mann. Der Gehalt des als Bläser austretenden Gases an Methan ist ein sehr hoher, er beträgt nach einer Bestimmung durch Herrn Professor Dr. Brunck in Freiberg 64,5%; im Übrigen sind noch 19,0% Kohlensäure, 0,1% Kohlenoxyd, 0,5% Sauerstoff und 15,9% Stickstoff darin vorhanden. Die Anwesenheit des Gases läßt sich jedoch glücklicherweise infolge des süßlichen Geruches leicht erkennen, und da es in verhältnißmäßig nicht großen Mengen auftritt, so ist es, sobald es von den Arbeitern wahrgenommen worden ist, gleich an der Austrittstelle bisher immer angezündet worden. Es brennt dann oft mehrere Tage lang mit einer der Spiritusflamme ähnlichen Farbe. Auch die geringen Gasmengen, die sich zeitweilig an der Firste angesammelt haben, wurden bisher zumeist von den Arbeitern mit der offenen Lampe weggebrannt. Es sind aber auch bereits Unfälle eingetreten, wo infolge der Unterschätzung der angesammelten Gasmenge seitens der Arbeiter die Explosion sich von der Arbeitsstelle in der Grube durch den Tageschacht bis zur Hängebank fortpflanzte und mehrere Arbeiter dabei schwere Brandwunden und Kontusionen erlitten. Im Grubenbetriebe wird in der Regel die Vorsicht gebraucht, bei Annäherung eines Baues an den alten Mann vorzubohren, das Gas tritt dann unter Druck als Bläser aus, nach dem Anzünden oft eine lange Stichflamme bildend, mitunter aber auch tagelang ruhig fortbrennend. Für besondere Fälle sind auf einigen Werken Sicherheitslampen angeschafft worden.“
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Die Betriebsakten zu den
Heinrich Rühle'schen Tonwerken zu Löthain vermelden uns einen ersten Unglücksfall vom
12. April 1888, bei dem die beiden Häuer Carl Ehregott Weber und
Gotthelf Ludwig Küchler während der Nachtschicht um dreiviertel Zwölf zu
Schaden gekommen sind (40024-12, Nr. 239, Blatt 52f). In der Unfallanzeige heißt
es zum Hergang: „Die Häuer Küchler und
Weber waren gemeinschaftlich in der Hauptstrecke No. 41 des Gertrud Schachtes
mit Loshauen des Thones beschäftigt. Dabei bemerkten sie ein zischendes
Geräusch, wollten nach ihren Lampen greifen, und da sie orientiert waren, daß
besagtes Geräusch nur von ausströmenden Wettern herrühren kann, sich schnell
entfernen. In diesem Augenblicke entzündeten sich dieselben und verbrannten sich
Küchler und Weber Gesicht und Hände.“ Zum Glück kamen die beiden Häuer mit
Verbrennungen an unbedeckten Körperstellen davon und sie waren auch damals schon
ordnungsgemäß bei der Ziegelei- Berufsgenossenschaft und bei dem
Gemeindeversicherungsverband Krögis versichert, welche die Arztkosten übernahmen.
Das Auftreten von
Schlagwettern in den Tongruben hat Berginspektor Seemann
schon in seinem ersten
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Die Schlagwetter auf den Tongruben fanden auch in die Jahrbücher für das Berg- und Hüttenwesen mehrfach Eingang. Zum Beispiel heißt es in der Ausgabe von 1902 im Abschnitt: Wichtige Ausführungen und Betriebsvorgänge bei den gewerblichen Gruben 1901.
1. Neue
Lagerstättenaufschlüsse und geognostisch oder bergmännisch „1. Im Katharinen- Schachte der Kaschka- Mehrener Thonwerke J. G. Venus in Mehren erfolgte im September ein größerer Schwimmsanddurchbruch, welcher, wenn die von der Bergbehörde angeordnete Herstellung einer Verbindung zwischen der oberen und unteren Bausohle nicht zuvor ausgeführt worden wäre, für die Arbeiter in der unteren Bausohle hätte verhängnisvoll werden können. Auch in die Baue des Glückauf- Schachtes II und III desselben Werkes trat Schwimmsand ein, wodurch dem Werke schwerer Schaden verursacht wurde. 2. Das, wenn auch nicht ständig, so doch immerhin häufige Auftreten von Schlagwettern im Betriebe der Thongrube von Villeroy & Boch in Löthain veranlaßte die Berginspektion zu der Anordnung, daß mangels durchgehenden Wetterstromes die Grubenbaue täglich vor Beginn der Arbeit von einem Beamten mit Sicherheitsgeleucht durchfahren werden sollen und beim Auftreten von Schlagwettern alle die Grube Befahrenden Sicherheitsgeleucht zu führen haben.“ Zwei Jahre später liest man im Kapitel: V.
Allgemeine Mitteilungen über die unterirdischen 2. Bergpolizeilich wichtige Vorgänge. „Am 7. Januar 1903 erfolgte in einer Tongrube des Meißner Tonreviers, welche bis dahin als schlagwetterfrei galt, eine Schlagwetterexplosion, durch welche 2 Mann verletzt und vorübergehend arbeitsunfähig gemacht wurden. Von einem Streckenorte aus war nach einer verbrochenen Strecke, welche ungefähr 2 Jahre vorher noch fahrbar gewesen ist, zwecks Wasserzäpfung vorgebohrt worden. Während sich zu Beginn der Mittagspause an einer Lichtflamme, die der Betriebsleiter, um in das Vorbohrloch hineinzusehen, vor dieses hielt, nichts Verdächtiges zeigte, trat 1½ Stunden darauf, als die beiden Ortsarbeiter sich mit ihrem offenen Geleuchte vor Ort begaben, die Explosion ein. Hatte bis dahin die Ansicht gegolten, daß die Schlagwetter im alten Manne nur durch langandauernde Zersetzung des in der Grube belassenen Ausbauholzes bei Gegenwart von Wasser unter Luftabschluß und Druck entstünden, so entsprach das in Rede stehende Schlagwettervorkommen dieser Auffassung nicht, da der völlige Luftabschluß in übrig gebliebenen Hohlräumen der betreffenden Strecke, welche ungefähr 2 Jahre vorher fahrbar gewesen ist, noch später erfolgt sein muß und die in der übrig gebliebenen verhältnismäßig kurzen Zeit vor sich gegangene Zersetzung des Zimmerungsholzes der Strecke wohl nicht so weit gediehen ist, daß sich daraus bei der kalten Grubentemperatur eine zu der erfolgten Explosion genügende Menge von Methan gebildet haben könnte. Es läßt sich vielmehr die Vermutung aufstellen, daß zur Methanentwickelung bez. Ansammlung die Gegenwart alten Grubenholzes in von Grubenbauen herrührenden luftdicht abgeschlossenen Hohlräumen gar nicht immer notwendig ist, sondern daß auch die im Tone enthaltenen, zumeist fein verteilten organischen Substanzen genügen, um in luftdicht abgeschlossenen Hohlräumen Methan zu entwickeln. Um einer Wiederholung einer solchen Explosion vorzubeugen, wurden von einer unweit gelegenen Grube, welche mit Sicherheitsgeleucht ausgerüstet war, sofort mehrere Sicherheitslampen herbeigezogen und von der Berginspektion einstweilige Sicherheitsmaßregeln gegeben, welche durch besondere Sicherheitsvorschriften abgelöst wurden, die in Kap. VI Abschnitt 3 des weiteren erwähnt werden.“ Blättern wir also zurück zum Kapitel VI, Abschnitt 3: 3. Wetterversorgung und Grubenbeleuchtung. dann können wir dort lesen: „Zumeist reichte das Vorhandensein je zweier Schächte zur Bewetterung der Grubenanlagen aus. In einigen Tongruben jedoch, die erst in der Ausrichtung und Vorrichtung begriffen waren, mußten in der warmen Jahreszeit kleine Zentrifugalventilatoren, die mit einer Ausnahme durch die Hand angetrieben wurden, durch Luttenstränge frische Wetter in die Grubenbaue blasen — kurze Zeit war auch zu gleichem Zwecke ein Blasebalg in Betrieb. In einem Falle war der Ventilator an die zur Förderung und Wasserhaltung dienende Dampfmaschine gekoppelt worden. Bei insgesamt 11 Anlagen der Tongruben Robert Fritzsche in Löthain (5), Kaschka- Mehrener Tonwerke J. G. Venus (7), Löthain- Meißner Tonwerke, Heinrich Suhle (10), Meißner Chamotte- Ofenfabrik, vorm. Th. Alexander Markowsky (15), Meißner Ofen- und Porzellanfabirik (vorm. C. Teichert) (16), Villeroy & Boch (23) ist Sicherheitsgeleucht eingeführt worden. Es werden ausnahmslos die bekannten Benzinsicherheitslampen der Firma Friemann & Wolf in Zwickau in Sachsen verwendet. Zu ihrer Wartung bestehen 5 Lampenstationen mit Benzinniederlagen, deren Einrichtung den vom Bergamte aufgestellten, im Jahrbuch 1901, S. 76 veröffentlichten Grundsätzen für die bergbehördliche Beaufsichtigung der Benzinlampenwirtschaft entspricht. Zum Zwecke der richtigen Handhabung der Sicherheitslampen und der Verhütung von Schlagwetterexplosionen wurden von der Berginspektion gemeinschaftlich mit den betreffenden Betriebsleitern Sicherheitsvorschriften unter Anlehnung an die vom Bergamte im Jahrbuche 1902, S. 33 veröffentlichten Vorschläge zu Wettersicherheitsvorschriften gemäß § 151 der Allgemeinen Bergpolizeivorschriften aufgestellt, welche Anweisungen über die Anwendung und Behandlung der Sicherheitslampen, über die Untersuchung der Grubenbaue auf Schlagwetter sowie Maßregeln beim Vorhandensein solcher, ferner Bestimmungen über die Prüfung und Instandhaltung der Wetterversorgung umfassen.“
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![]() Ende des 19. und noch weit ins 20. Jahrhundert gebräuchliches Geleucht waren solche Karbidlampen. Bei der Reaktion von Karbid und Wasser entsteht Wasserstoff, der hier als Brennstoff dient und mit offener Flamme brennt.
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![]() Eine Friemann & Wolf'sche Benzinsicherheitslampe mit geschlossenem Flammenraum, wie sie in schlagwettergefährdeten Bergwerken und 1903 auch hier im Löthain'er Tonrevier Vorschrift geworden ist, wird noch im Museum Mehren bewahrt.
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Digitalisat:
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![]() Anhand der Flammenform und Größe konnte man mit diesen Lampen nicht nur das Vorhandensein von brennbaren Grubengasen (in erster Linie Methan) an sich feststellen, sondern sogar ungefähr deren Konzentration feststellen. Ab 4,4% Methananteil in den Wettern wird das Gasgemisch explosiv; bei über 17,0% ist es dagegen zu ,fett', um sich schon durch den kleinsten Funkenschlag zu entzünden - dann konnten die Hauer vor Ort das Gasgemisch tatsächlich anzünden und abbrennen. Der gefährliche Bereich dazwischen wird durch die beiden vorletzten Darstellungen rechts illustriert. Quelle: Sächsisches Staatsarchiv, Bergarchiv Freiberg, Bestand 40044-1 (Generalrisse), Nr. k20922, Gesamtansicht. Digitalisat:
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![]() Dieselbe Firma aus Zwickau stellte in den 1920er Jahren auch schon die ersten elektrischen Grubenlampen her. Foto: O. Kaubisch, Bildquelle: Deutsche Fotothek. Digitalisat:
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Die Ausgabe der
Jahrbücher aus dem Jahr 1904 enthält noch einen ausführlichen Bericht des Zwickau'er
Berginspektions- Assistenten H. E. Müller zu diesem Thema:
Gasexplosionen in
Tongruben Hier kann man lesen: „Das in dem Verlaufe der letzten Jahrzehnte in den französischen und belgischen unterirdischen Tongruben beobachtete Auftreten von entzündbaren Gasgemischen und die dabei in Frage kommenden Neben umstände sind in erschöpfender Weise durch die Berichte der Ingenieure Oppermann, Humbert und Roberti- Lindermann in den Annales des mines 1895 Heft 7 bekannt gegeben und auch von C. von Ernst in der Österreichischen Zeitschrift für Berg- und Hüttenwesen 1895 Seite 475 in deutscher Sprache im Auszuge veröffentlicht worden. Die Beobachtungen, welche in den unterirdischen Tongruben Sachsens über Vorkommnisse derselben Art gemacht worden sind, lassen es angebracht erscheinen, einen Rückblick auf obgenannte Veröffentlichungen zu werfen, um von neuem an die Frage der Entstehung jener Gase heranzutreten...“ „Wie in Frankreich, so sind auch in Sachsen einzelne Gruben des Tonrevieres besonders reich an solchen Ausbrüchen von verhältnismäßig hochprozentigen brennbaren Gasen. Besonders scheint der Ton in der nächsten Umgebung vom Dorfe Löthain für die Gasentwicklung günstig zu sein. Entsprechend den einzelnen Meldungen über das Auftreten von Bläsern, welche zuweilen unter starkem Druck auspfeifen, werden vom Königlichen Bergamte zu Freiberg folgende Gruben*) als gefährlich angesehen:
Hierzu dürften noch
zu rechnen sein. Nach Mitteilung des Obersteigers Schütze war in dem ehemaligen Tonwerk von Ernst Teichert im Rittergutspark zu Löthain das Tonlager auf 2 m Mächtigkeit abgebaut worden. Nach längerer Betriebseinstellung wurde ein neuer Schacht abgeteuft, in welchen beim Anfahren der früheren Abbausohle einige Tage lang Grase eintraten, die, entzündet, die Belegschaft zum Verlassen des Abteufens zwangen. Die genannte Grube ist schon seit 1886 wieder auflässig und wegen der Nähe der Gutsgebäude nicht wieder in Betrieb genommen worden. Dieselbe Erscheinung wurde in neuerer Zeit bei dem auf der Flurparzelle 74 gelegenen ehemaligen Tonwerk von Rühle in Löthain beobachtet, bei welchem früher ebenfalls nur ein Teil des Tonlagers gewonnen worden war...“ An dieser Stelle führte Herr Müller auch das im Vorjahr von Bergmeister Seemann erwähnte Vorkommnis und die Explosion im Gertrud Schacht im Jahr 1888, über die wir oben schon berichtet haben, an: „Um die zurückgelassene Mächtigkeit des Tonlagers festzustellen, wurden 5 Bohrlöcher angesetzt, die, mit Ausnahme des Bohrloches I, bei Annäherung an die alten Baue im Bereiche des fetten Tones unter Druck stehende Gase anfuhren. Das Brausen des in den Bohrlöchern befindlichen Wassers, durch das Aufsteigen der Gase verursacht, machte die Bohrenden auf die Gefahr aufmerksam. Die Bohrlöcher hatten die auf S. A 8 angegebenen Schichten durchsunken und in hellbraunen, organische Substanzen enthaltenden Tonen stets Gas angetroffen. Das Bohrloch II fuhr bei 29 m Teufe das Gas an, während bei 29,9 m altes Holz angebohrt wurde. Das Bohrloch III erreichte die Gaszone bei 21 m und stieß bei 26,8 m auf altes Grubenholz. Das entzündete Gas brannte 1 Stunde lang. Das Bohrloch IV erbohrte mit 26 m Abbauholz und mit 26,6 m entzündbares Gas. Bohrloch V dagegen traf bei 27 m Gas an, das durch Entzündung explodierte und, verbunden mit einer hohen Feuersäule, eine große Menge Schlamm aus der Tiefe heraufförderte und in die Höhe warf. Die Flamme erhielt sich von 6 Uhr bis zum Verlassen der Arbeit gegen 10 Uhr abends. Am folgenden Morgen bei Beginn der Schicht war sie jedoch erloschen. Dieses abgebohrte Feld wird zur Zeit durch einen Neuschacht wieder aufgeschlossen. Am 13. Oktober 1903 traten hierbei matte Wetter auf, so daß die von der Teufe von 15 m an vorgeschriebenen und benutzten Sicherheitslampen verlöschten.“ Über die anderen Tonwerke wurde berichtet: „Des Weiteren wurden in der zur Zeit in Betrieb befindlichen Steiger und Thiemannschachter Abteilung der Löthain- Meißner Tonwerke von Heinrich Rühle in Löthain in dem Zwangsort 46 nach 48 stündiger Arbeitsunterbrechung am 10. August 1903 Spuren von Grubengas nach gewiesen. In derselben Abteilung wurde andererseits auch die nicht uninteressante Beobachtung gemacht, daß im alten Abbau das Grubenholz, das 10 ‒ 14 Jahre in dem Tone gewesen war, sich frisch und trocken erhalten hatte. Gase sind daselbst nicht beobachtet worden. In dem Grubenfelde von Villeroy & Boch in Löthain wurde das Auftreten von Gas sehr frühzeitig bemerkt. Am 3. November 1886 war der Arbeiter K. mit Wasserpumpen und Tonfördern beschäftigt. Hierbei wurde er gewahr, daß aus einer gegen den alten Mann gefahrenen Strecke Wasser sickerte. Er sah auch, da ihm das damit verbundene Gasauftreten bekannt war, nach dem Risse, aus welchem das Wasser floß, und konnte entzündbare Wetter nicht nachweisen. Nach dem Frühstück, als der Mann gegen 10¼ Uhr wieder zu arbeiten begonnen hatte, kam es zu einer Entzündung der an seiner Arbeitsstelle vorbeistreichenden Gase, die inzwischen unbemerkt aus dem obengenannten Risse ausgeströmt waren und die Strecke erfüllt hatten. K. erlitt Verbrennungen des Gesichtes, beider Hände und der Vorderarme. Am 27. Juli 1895 wurde von der Grube der Sächsischen Ofen- und Chamottewarenfabrik vorm. E. Teichert in Löthain aus der alte Mann des damals außer Betrieb befindlichen Schachtes von Villeroy & Boch angefahren. Es hatte sich ein Wasserzufluß aus den alten Abbauen bemerkbar gemacht, und der Arbeiter P. wollte, während der unter irdische Betrieb im Übrigen eingestellt war, die Grube befahren, um nach dem Ausbau und den Wasserzugängen zu sehen. Als er mit der offenen Lampe sich dem Durchschlage mit dem alten Mann näherte, wurden die angesammelten, aus dem alten Abbau herrührenden Gase zur Entzündung gebracht und P. durch die Flamme an den bloßen Körperteilen verbrannt. Im April 1902 wurde das Auftreten von nicht unbedeutenden Mengen entzündbarer Gase nachgewiesen, und der Aufseher von Villeroy & Boch entdeckte bei Befahrung der Grube mit der Sicherheitslampe nach der Mittagspause in der ersten Hälfte des Jahres 1902 selbst in der Wetterstrecke 71, also nicht vor Ort, eine Gasansammlung. Am 28. Januar 1903 konnte bei dein Abbau 52, 6 m vom Hauptwetterstrom entfernt, des weiteren das Auftreten von Gas aus einem Risse, der nach einem 3 Jahre alten Abbau führte, mit der Sicherheitslampe beobachtet werden, nachdem schon im vorhergehenden Herbste daselbst Bläser angefahren worden waren, welche entzündet 2 Tage lang brannten. Ein Arbeiter, der in Folge einer solchen Explosion vor Jahren verbrannt wurde und 6 Wochen krank darniederlag, erzählte über den Hergang seines Unfalles: Er sei mit Tonschlagen vor einem Streckenort beschäftigt gewesen. Seine Lampe habe er etwa in der Mitte der Ortshöhe an einem Stempel aufgehängt. Auf einmal sei es von der Firste wie ein Blitzschlag nach der Lampe niedergefahren. Es habe ihn nieder geworfen, und es seien ihm alle Haare und die Haut, soweit sie nicht durch die Kleidung bedeckt war. verbrannt. Dieselben Erscheinungen sind in den benachbarten Gruben von E. Teichert in Oberjahna und Kaschka aufgetreten. Nach Mitteilung des Obersteigers Schütze ist im Jahre 1886 eine bedeutende Explosion daselbst in einem etwa 60 m vom Schachte entfernten Abbau erfolgt. Ein Mann wurde durch den Luftdruck am Füllort an die Wand geworfen und verletzt. Über Tage wurden die Abdeckpfosten der Hängebank abgehoben und der Schachtdeckel herausgerissen. Im Jahre 1892 kamen hier 4 Arbeiter durch Explosion von Gasen zu Schaden. Ferner wird von den Tongruben zu Mehren ebenfalls über zeitweiliges Anfahren von entzündbaren Gasen in alten Bauen berichtet. In dem Johanna- und Prinz Friedrich August- Schachte war am 14. Februar 1901 am Stoße eines Ortes durch mehrere Risse und Sprünge des Tones Gas ohne Druck ausgetreten, das mit einer Flamme ähnlich der Spiritusflamme brannte. Der Betrieb vor Ort mußte der Explosionsgefahr wegen zwei Tage eingestellt werden. Am 7. Januar 1903 war in dem Tonwerk von Fritzsche in Löthain ein Bohrloch gegen eine seit 2 Jahren verbrochene Strecke vor gestoßen worden. Bei 1,5 m Tiefe des Loches drang etwas Wasser heraus. Die Arbeiter fuhren hierauf zur Mittagspause aus. Als 2 Mann der Belegschaft wieder in die Zwangsstrecke kamen, entzündete sich das inzwischen aus dem Bohrloch ausgetretene und an der Firste angesammelte Gas und verbrannte die beiden Arbeiter, bevor sie das Ort erreicht hatten. Es wird bis jetzt allseitig mit Bestimmtheit angenommen, daß die Gasentwicklungen in alten, von der äußeren Luft abgeschlossenen Bauen von Tongruben durch Gärung und Faulwerden der Grubenhölzer im nassen Tone hervorgerufen werden. Die weitere Annahme, daß das in Frage kommende Gas im Wesentlichen mit Methan, CH4, identisch sei, hat ihre Bestätigung durch eine Analyse gefunden, welche Herr Professor Dr. Brunck im Laboratorium der Königlichen Bergakademie zu Freiberg mit einer Gasprobe von Kühles Tonwerk in Löthain vorgenommen hat. Darnach bestand das aufgefangene Gas aus:
Infolge des grossen CH4- Gehaltes konnte der CO- Gehalt des Gases nicht mit der wünschenswerten Schärfe festgestellt werden... Bei ständigem Luft- und Sauerstoffzutritt wird bei der Zersetzung der organischen Reste die höchste Oxydationsstufe des C in Form von C02 erzielt und dieses Gas abgegeben. In abgeschlossenen Räumen dagegen, in welchen der Sauerstoff allmählich verdünnt und durch den ersten Fäulnisprozeß gebunden worden ist, kann man in dem sich bildenden Gasgemische CH4, CO und H2 neben CO2 beobachten. Diese Tatsache wurde besonders durch französische Forscher festgestellt... Charakteristisch ist, daß sowohl in den französischen und belgischen, als auch in den sächsischen Tonrevieren das deutlich bemerkbare Auf treten von Methan sich stets auf gewisse Gruben beschränkt hat. Für diese auf den ersten Blick befremdende Tatsache scheinen nun die vor stehend geschilderten Forschungsergebnisse eine Erklärung insofern zu bieten, als es nahe liegt, anzunehmen, daß die Zersetzung des Holzes unter Methanentwicklung dort vor sich geht, wo bestimmte Mikroorganismen (...) tätig sind... Betrachtet man nun die Tonablagerungen Sachsens näher, insbesondere den Tonhorizont, in welchem bei Löthain der Abbau umgegangen ist und Gasansammlungen angetroffen wurden, so findet man, daß man es mit keiner rein weißen Porzellanerde zu tun hat, sondern mit einer meist hellbraunen bis schwarzen, bei stärkerer Trocknung hellere und im Grundton zuweilen hellrosa Farbe annehmenden Masse, wie dies bei Proben von der Explosionsstelle in Fritzsches Tonwerk, ähnlich dem Tone von Bollenne, beobachtet werden konnte. (...) Dieser Ton brennt sich rein weiß und glasig. Es seien hier die Analysen von Dr. Bischof (1 und 2) und der Königlichen Porzellanmanufaktur zu Berlin angeführt:
Eine Analyse der Grubenwasser von Löthainer Gruben ist nicht bekannt geworden. In dem Glühverlust sind außer Wasser noch organische Substanzen inbegriffen, und diese fein im Tone verteilten Pflanzenstoffe betragen durchschnittlich 2 ‒ 5 Gewichtsprozente. Unter dem Mikroskop erscheinen sie häufig als zersplitterte gelbdurchschimmernde Stückchen. Treten dagegen die Pflanzenreste in größerem Umfange auf, so sind die Zellen nicht nur durch die erhaltene fasrige Struktur der braunen Masse gekennzeichnet, sondern noch mikroskopisch deutlich nachweisbar. Dem gegenüber zeigt Grubenholz aus einem 1 Jahr alten Bruche, aus welchem Methan ausgetreten ist (Villeroy & Boch), geringe Abweichungen im Bilde. Dasselbe kann von frischem Grubenholz gesagt werden. In allen Fällen sind merkwürdigerweise weder die Formen der Zellen verändert, noch deren Wände zerfallen. Dies würde nach meiner unmaßgeblichen Meinung eher auf eine chemische Zersetzung der Cellulose, als auf eine Zerstörung durch kleine Lebewesen hinweisen. Aus Vorstehendem lassen sich nun weitere Schlüsse ziehen. In den Erzgruben, die Jahrzehnte lang ersoffen waren, hat man mehr das Auftreten von H2 bei Anwesenheit von Grubenholz beobachten können. In den Tongruben dagegen machte sich schon nach kürzester Zeit stark CH4- haltiges Gas ohne H2 bemerkbar. In Anbetracht der (...) Erzgruben kann ferner die Ansicht nicht von der Hand gewiesen werden, daß ‒ entgegen der ursprünglichen Annahme, das Grubenholz sei allein der Gasentwickler ‒ dem Gehalt des Tonlagers an fein verteilten organischen Resten ein guter Teil, wenn nicht der Hauptanteil der Erzeugung an Methan zugeschrieben werden kann. Hierdurch wird die schon angedeutete Frage von neuem aufgeworfen: Wie geht die Entwicklung des CH4 und C02 aus den organischen Substanzen vor sich? In den angeführten Versuchen mit (Mikroorganismen) wurde schon auf die Möglichkeit der Zersetzung durch Hydroxyde der Alkalien hingewiesen. Was in letzterem Falle der tierischen Energie zugewiesen wäre, vermag in ändern Fällen die verschiedene Affinität der Elemente und die Möglichkeit, daß ein Element das andere aus einer Verbindung verdrängt, herbeizuführen... Die vorstehenden Analysen der Tone von Löthain lassen keinen unmittelbaren Rückschluß zu, da die Natur der in Wirklichkeit bestehen den Verbindungen vor dem Glühen nicht erkennbar ist. Daß man es in den Gruben und Hohlräumen, in welchen Gas vorkommt, mit alkalischen Lösungen zu tun hat, zeigte Lackmuspapier, das durch das mit Schlamm und Sand eingedrungene Wasser, wie man dies in Fritzsches Tonwerk bemerken konnte, rasch blau gefärbt wurde. Nach der Äußerung eines Betriebsleiters soll eine harte, graue Sandschicht über dem braunen Tone zuweilen vorhanden sein, die bei Berührung mit atmosphärischer feuchter Luft zerfließt und weich wird. Dies würde weiter für das Vorhanden sein hygroskopischer Salze der Alkali- und Erdalkalimetalle sprechen. Man wird nicht fehlgehen, wenn man entsprechend dem Kalk- und Bittererdegehalt, sowie dem Kali mit einem Gehalt von Chloriden und Karbonaten (Sulfaten) der Alkalien und Erdalkalien im Tone und. in den Grubenwassern von Löthain rechnet und wenn man die Entstehung der mächtigen Tonablagerungen aus dem Pechstein nicht allein den Atmosphärilien, sondern auch zu einem kleinern Teile den oben erwähn ten chemischen Reaktionen zuweist. Eine stetige geringe Entwicklung von C H4 im Tone ist daher von vorn herein anzunehmen, und das eigentümliche Geräusch von platzenden Gasbläschen, die aus den Stößen der Strecken im Tone hervordringen, rührt wohl davon her. Auch die Bildung von zartgefiederten, scheinbar farnartigen Abdrücken auf dem Tone ähnelt sehr dem Eindringen von flüssigen organischen Verbindungen in die feinen im Tone vorhandenen Schichtenspalten.“ Berginspektions- Assistent Müller kommt daher zu folgender Bewertung hinsichtlich umzusetzender Polizeivorschriften. „Faßt man Vorstehendes zusammen, so kommt man zu dem Schlusse: Die Entstehung des Methans in den Tongruben bei Löthain ist 1. größtenteils auf die im Tone fein verteilten organischen Substanzen und deren Umsetzung auf chemischem und bakteriologischem Wege, 2. zum anderen Teile, entsprechend der Dauer der Verwesungszeit, auf das in den Gruben zurückbleibende Grubenholz ‒ bei Gegenwart von Wasser ‒ zurückzuführen. Der Entwicklung von Methan aus Grubenholz könnte durch das allerdings im Betriebe schwer durchführbare vollständige Rauben der Zimmerung aus den alten Abbauen und Strecken vorgebeugt werden. Diese Maßregel erscheint aber in Anbetracht des ersten Punktes nicht weiter empfehlenswert. Auch das Imprägnieren des Holzes erscheint nutzlos. Da die organischen Substanzen aus dem Tone nicht entfernt werden können, so ist der einzige Weg, die Arbeiter vor den Explosionen zu schützen, derjenige, das Gas in erster Linie durch gute Wetterführung möglichst zu verdünnen, die Entzündung etwaiger Gasansammlungen aber durch Benützung von Sicherheitsgeleucht zu vermeiden. In Sachsen, woselbst die bestehenden Schlagwettervorschriften nicht ohne weiteres auf die Tongruben ausgedehnt werden konnten, da diese nicht dem Allgemeinen Berggesetze unterstehen, wurden von der Berginspektion Freiberg III i. J. 1901 Sondervorschriften für die betreffenden Werke festgesetzt. Bei Villeroy und Boch in Löthain wurde angeordnet, daß ein Beamter vor Beginn der Arbeit die Grube mit Sicherheitslampe zu befahren habe. Beim Auftreten von Schlagwettern hatten sodann alle die Grube Befahrenden Sicherheitsgeleucht zu tragen. Tabakrauchen, sowie das Entzünden der Bläser wurde untersagt. Im folgenden Jahre wurde diese Vorschrift auf weitere Gruben ausgedehnt. Ferner wurde der § 41 der Allgemeinen Bergpolizeivorschriften vom 2. Januar 1901, der, insofern alte Baue in Frage kommen, das Vorbohren vor dem Durchschlage vorsieht, auf den Betrieb in Tongruben übertragen. Die im Jahre 1903 mit den Betriebsbeamten gemeinsam durchberatenen Wettersicherheitsvorschriften ‒ ähnlich den im Jb. auf 1902, Anh. C, S. 33 flg. abgedruckten ‒ fanden die Genehmigung des Königl. Bergamts. Die Werke führten hierauf die Sicherheitslampe von Friemann & Wolf ein. Diese Firma stellte auch die für die dortigen Verhältnisse sehr praktischen Lampenstationen aus Wellblech her. Die Häuschen können jederzeit leicht an andere Stellen versetzt werden, was besonders bei den Tongruben, deren Schächte gewöhnlich nur wenige Jahre offen gehalten werden können und deren Schachtanlagen daher ein Wanderleben führen, von besonderer Bedeutung ist. Von sämtlichen Gruben wird ferner schon des Fluchtweges wegen die baldigste Herstellung eines zweiten fahrbaren Schachtes verlangt, woran sich die Forderung knüpft, die Abbaue möglichst mit direktem Wetterstrom zu versehen.“ Von Interesse ist für uns hier noch die Bemerkung des Verfassers, daß die ‒ für Erz- und Kohlengruben schon bestehenden ‒ Schlagwettervorschriften ,nicht ohne Weiteres auf die Tongruben ausgedehnt werden konnten'. Der Tonabbau war immer noch grundeigener Bergbau, für den es gleichartige Regelungen, wie im staatlichen ,Regalbergbau' und auf gewerkschaftlichen Gruben eben noch nicht gab, sondern nur zivilrechtliche Abbauverträge mit den Grundbesitzern und allgemeine Sicherheitsvorschriften, die bis zum Jahr 1900 noch ausschließlich von der Gewerbeinspektion bei der Amtshauptmannschaft umzusetzen waren. Es sei noch hinzugefügt, daß auf den Kaolingruben im Seilitz'er Teilrevier Schlagwetter nicht auftreten. Der Kaolin ist bedeutend steifer als der Ton, weswegen man den Ausbau gewöhnlich rauben muß, will man das Hangende überhaupt zubruch bringen, wodurch zum einen schon einmal bedeutend weniger Grubenholz in abgeworfenen Bauen verbleibt. Zum anderen ist hier der liegende Horizont, wo der bauwürdige Kaolin in steinigen Porphyrzersatz übergeht, ziemlich gut durchlässig, so daß es kaum zu Wasseransammlungen in den Gruben kommt. Daher ist auch eine Gaszirkulation gegeben und es kommt nicht zu Fäulnisprozessen, die Luftabschluß voraussetzen. Die von Herrn Müller angeführten Maßnahmen wurden jedenfalls sukzessive umgesetzt und fast zehn Jahre später hatte man auch eine deutliche Verbesserung erreicht, wie in der Jahrbuchausgabe von 1913 im Abschnitt zu lesen steht: 3. Schlagwetter und Wetterversorgung. „Das Auftreten von Schlagwettern und besonders matten Wettern ist in den letzten Jahren im Löthain- Meißner Tonreviere nur noch verhältnismäßig selten beobachtet worden. Die Ursache hierfür ist darin zu suchen, daß infolge des immer planmäßiger durchgeführten Abbaubetriebes dieser, sowie das Auffahren von Strecken bei weitem mehr als früher in noch unverritztem Felde hat erfolgen können. Zudem ist durch Beschaffung guter Wetterwege, durch Niederbringen von Bohrlöchern von über Tage her, die der Wetterführung dienen, und durch Aufstellung von kleineren Ventilatoren allgemein die Wetterführung innerhalb sämtlicher Grubenräume erheblich gebessert worden.“
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Damit können wir wieder zum Bericht von Berginspektor Seemann aus dem Jahr 1902 zurückkehren: „Bei den Kaolingruben ist die Aus- und Vorrichtung der Lagerstätte analog, nur daß hier die Schwierigkeiten wegfallen, die das Vorhandensein von Schwimmsand und Gebirgsdruck bietet. Die Strecken werden so angesetzt, daß deren Firste etwa 1,5 m unterhalb des Hangenden der Lagerstätte sich befindet. Beim Abbaue werden auch hier die zuvor vorgerichteten Pfeiler in Streifen gewonnen, doch stellt man letztere in 2 m Breite her. Ist man mit dem ersten Streifen am Ende des Pfeilers angelangt, so wird der dortige letzte Thürstock entfernt und durch Spieße die Masse über der Strecke hereingenommen. Ist sie beseitigt, so wird wieder die letzte Zimmerung entfernt und die Masse hereingebracht und so fort, bis man an der Vorrichtungsstrecke ankommt. Die aus Sand und Lößlehm bestehende Decke läßt man zu Bruche gehen und baut daneben einen neuen Streifen in derselben Weise ab. Ist die Masse in einer Sohle abgebaut, so verfährt man bei der Gewinnung in einer tieferen Sohle entsprechend derjenigen in der oberen Sohle. Darüber, wo in früheren Jahren Kaolin oder Thon gewonnen worden ist, fehlen alle rißlichen Unterlagen. Erst in den letzten Jahrzehnten sind auf Veranlassung der Aufsichtsbehörde einzelne Risse von den Werken angelegt worden, zumeist aber nicht von verpflichteten Markscheidern, sondern in der Hauptsache nur von den Steigern. Es genügen deshalb diese Risse den zu stellenden Anforderungen noch keineswegs. Die Förderung der gewonnenen Masse aus den Schächten ist zur Zeit noch eine äußerst primitive. Sie erfolgt durch zweimännische Handhaspel ohne Vorgelege. Durch Einführung von Kleinmotoren könnten viel Mühe, Arbeit und namentlich auch Arbeitslöhne erspart werden. Ist doch an einem Kaolinwerke außerhalb des hier gedachten Bezirkes, wo vor einigen Monaten an Stelle der früheren Haspelförderung durch Menschen der Haspel nunmehr durch einen Petroleummotor angetrieben wird, eine Ersparniß an Arbeitslöhnen bei der Förderung von 57,5% gegen früher festgestellt worden. Vereinzelt wird damit begonnen, maschinelle Förderung einzurichten; so ist bei der Thongrube der Firma Ernst Teichert in Mohlis eine Dampfförderanlage im Bau begriffen und ziemlich vollendet. Die Streckenförderung in den Thongruben erfolgt zumeist durch Karren. Dagegen wird sich zunächst auch wenig thun lassen, denn die Strecken sind bei vielen Gruben nicht söhlig im Streichen aufgefahren, sondern vielfach hat man bei deren Herstellung die Schichten des zu gewinnenden guten Thones einfach durch Aufsteigen oder Einfallenlassen der Strecken verfolgt. Daher würde die Förderung mit Wagen schwer ausführbar sein. Theilweise macht sich auch ein so starker Auftrieb in der Streckensohle geltend, daß die Förderung mit Wagen sehr großen Störungen ausgesetzt sein würde. In den Kaolingruben, wo die Streckensohle keinen Druckbewegungen ausgesetzt ist, ist die Förderung mit Wagen eingeführt. Die Wasserhaltung erfolgt meistens durch Pumpen und zwar durch Überhubsätze, weniger durch Pulsometer. Erstere werden durch Windräder, Gas-, Dampf- oder auch Heißluftmotoren angetrieben. Vereinzelt wird Wasser noch mit dem Kübel gezogen. Die zu hebenden Wasser laufen den Grubenbauen fast nur aus den Schächten zu, durch die Strecken und Abbaubetriebe werden Grundwasser nur ausnahmsweise erschroten. Infolge des geologischen Aufbaues der Gegend, der über dem wasserundurchlässigen Thonlager befindlichen Kies- und Sandschichten, ist allerorten ein ziemlicher Wasservorrath vorhanden, so daß trotz des lebhaften unterirdischen Grubenbetriebes Wasserentziehungen durch denselben zu den Seltenheiten gehören. Sie finden nur statt, wenn durch die Herstellung eines Schachtes oder durch andere Maßnahmen das stagnirende oder fließende Grundwasser angezapft worden ist. Da aber der Grubenbetrieb das größte Interesse daran hat, die erschrotenen Wasser möglichst schnell und vollständig abzudämmen, so werden auch die Brunnen durch solche Abzapfungen wenig beeinflußt. Nur wenige Fälle von dauernden Wasserentziehungen sind bekannt; so wurde das Löthainer Rittergut im Jahre 1872, als auf dem Gehänge zwischen dem Dorfe und der Meißen Nossener Staatsstraße ein Schacht abgeteuft wurde und in diesem bei 26 m Teufe unter Tage die in Sanden und Kiesen über dem Thonlager fließenden Grundwasser angefahren wurden, dazu veranlaßt, an anderer Stelle nach Wasser zu suchen, das sich auch bald fand, und in Seilitz versiegten die bis in den frischen Porphyr hinabreichenden Brunnen in den Gehöften, als die dortigen Kaolingruben zur Entwässerung des Kaolinlagers einen Stolln unter dem Tiefsten dieser Brunnen anlegten. Hier liegen aber die Verhältnisse insofern etwas anders, als die schutzgewährende Thondecke nicht vorhanden war; es handelte sich nur um eine künstlich herbeigeführte Entwässerung des wasserführenden Porphyrs. Es wird nunmehr das erschrotene Stollnwasser künstlich nach den einzelnen Höfen emporgehoben.
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Der durch die Grubenbetriebe gewonnene Thon wird stets roh an die Fabriken abgeliefert, nachdem er in großen Trockenschuppen einige Zeit gelagert hat. Für die Aufbereitung des Kaolins hingegen ist eine größere Schlämmerei von der Karl Krister'schen Porzellanfabrik zu Waldenburg in Schlesien für deren Kaolingruben in Löthain und Seilitz an letztgenanntem Orte gebaut. Durch Kugel- und Trommelmühlen wird die Rohmasse aufgeschlossen. Die abgehende Trübe enthält den Kaolin fein suspendirt und fließt in die Mehlführung, damit Sand und Schliff sich absetzen. Unter letzterem werden die feineren Sande, die feineren Überreste verschiedener Mineralien verstanden zur Unterscheidung von dem meist nur in Quarzkörnern bestehenden gröberen Sande. Aus der Mehlführung fließt die Kaolintrübe in Behälter, in denen sich der Kaolinschlamm absetzt, und zwar wird dieselbe der Reihenfolge nach in die einzelnen Behälter eingeleitet, bis diese gefüllt sind. Ist dies beim letzten erfolgt, so hat sich inzwischen im ersten der Kaolinschlamm soweit abgesetzt, daß das darüberstehende Wasser abgelassen und neue Trübe nachgefüllt werden kann. Letzteres wiederholt man mehrere Male. Nach dem letzten Einlaufen bleibt der Behälter drei Tage lang gefüllt ruhig stehen, dann wird wiederum das darüberstehende Wasser abgelassen und die abgesetzte Masse möglichst sorgfältig durchgemengt. Mittelst Pumpen wird sie dann ausgehoben, in Tücher geschlagen und das Wasser ausgepreßt, bis sie einen plastischen Zustand annimmt. Sie wird schließlich in Trockenräumen völlig ausgetrocknet, in Stücke geschlagen und zum Versand in Säcke verpackt. Da das Revier einen Eisenbahnanschluß bis jetzt noch nicht erlangt hat, so müssen die sämmtlichen gewonnenen Massen durch Fuhrwerke nach Meißen, dem Orte ihrer Verwendung bzw. Eisenbahnverladung geschafft werden. Wegen der das gewöhnliche Maß weit überschreitenden Inanspruchnahme und Abnutzung der Kommunikationswege werden die Thongrubenbesitzer auf Grund von § 17 des Gesetzes vom 12. Januar 1870 zu besonderen Wegebaubeiträgen herangezogen, und zwar ist mit den hauptsächlich in Frage kommenden Gemeinden ein Vertrag dahinlautend abgeschlossen worden, daß jeder Gemeinde für je 1 km benutzter Weglänge und 1.000 dz auf letzterer zur Abfuhr gelangten Thones ein Betrag von 5 Mark von den einzelnen Grubenbesitzern gewährt wird. Die sicherheitspolizeiliche Aufsicht über den Betrieb der Thongruben führte bis zum 1. Juni 1900 als allgemeine Polizeibehörde die Königliche Amtshauptmannschaft Meißen. Sie bediente sich vereinzelt und in besonderen Fällen zur Beihilfe eines oder des anderen bergmännischen Sachverständigen. Da jedoch der Betrieb der Thongruben anfangs der siebziger Jahre des vorigen Jahrhunderts bedeutend an Umfang zunahm und bei der Aufsichtsbehörde infolge davon Klagen über Beschädigung an Gebäuden und Wegen, Wasserentziehungen u. dergl. einliefen, zu deren Beurtheilung technisch- bergmännische Kenntnisse nothwendig waren, da auch Zweifel über die Notwendigkeit und den nothwendigen Umfang der Sonntagsarbeit auftauchten, zu deren Beseitigung der Rath des Technikers nicht entbehrt werden konnte, so wurde vom Jahre 1876 an der Berginspektor Köttig in Dresden der Amtshauptmannschaft als technischer Beirath zur Seite gegeben. Derselbe wurde 1882 auf sein Ansuchen von dieser Funktion entbunden und die Amtshauptmannschaft angewiesen, sich künftig behufs der nöthigen technischen Mitwirkung bei der Beaufsichtigung der Thongruben des Markscheiders Choulant in Freiberg zu bedienen, welcher jedoch nicht als selbständiges Revisions- und Aufsichtsorgan, sondern nur auf Requisition der Amtshauptmannschaft in dem ihm von letzterer bezeichneten Umfange in Thätigkeit zu treten hatte. Durch Verordnung der Königlichen Ministerien des Innern und der Finanzen, die Aufsicht über unterirdisch betriebene Brüche und Gruben betreffend, vom 12. Mai 1900 (Gesetz- und Verordnungsblatt 1900 S. 256) ging dann die betriebspolizeiliche Aufsicht über diese nicht unter das Berggesetz fallenden Gruben von der Ortsverwaltungsbehörde, der Königlichen Amtshauptmannschaft, an das Königliche Bergamt über, und letzterem wurde zur Wahrnehmung derselben eine achte Berginspektion, Freiberg III, beigegeben. Die Gewerbe- Beaufsichtigung im Sinne von § 189b der Gewerbeordnung und § 1 der Verordnung, die Gewerbe-Beaufsichtigung betreffend, vom 6. April 1892 wurde der Berginspektion Freiberg III übertragen. Dagegen ist der Ortsverwaltungsbehörde die Aufsicht über die Dampfkessel und über die Kranken- und Invalidenversicherung verblieben. Nach der letzten Arbeiterzählung vom 1. Mai 1901 waren bei den 8 im Betriebe befindlichen Thongruben 178 Arbeiter und 11 Beamte, bei den 4 Kaolingruben 13 Arbeiter und 3 Beamte und bei den Kaolinschlämmereien 21 Arbeiter und 2 Arbeiterinnen beschäftigt, zusammen 212 Arbeiter, 2 Arbeiterinnen und 14 Beamte. Jugendliche Arbeiter werden nicht angenommen, die Arbeit in den Thon- und theilweise in den Kaolingruben ist eine so schwere, daß nur kräftige Männer ihr gewachsen sind. Die Arbeiterinnen sind im Schlämmereibetriebe angelegt. Die Arbeiter werden fast nur im Gedingelohn beschäftigt. Für die Gewinnung von 1 cbm anstehenden Thon wird ungefähr 3 M. 75 Pfg. und für die Förderung vom Gewinnungspünkte bis über Tage 2 M. 75 Pfg., für die Gewinnung und Förderung bis über Tage von 1 cbm anstehenden Kaolin 2 M. 50 Pfg. an die Arbeiter gezahlt. In Zeiten geringeren Absatzes ist es im Allgemeinen nicht üblich, Leute zu entlassen, vielmehr wird ihnen dann ein gewisses Ziel gestellt, über welches hinaus ihre Arbeit vom Werke nicht angenommen wird, oder die Arbeitszeit wird verkürzt. Der tägliche durchschnittliche Arbeitsverdienst stellt sich auf etwa 4 M. Eine Gewinnbetheiligung der Arbeiter oder Beamten findet nirgends statt. Das Brennöl zur Arbeit in der Grube stellen die Werke umsonst, das kleine Gezäh für die Gewinnungsarbeiten müssen die Leute jedoch auf eigene Kosten sich beschaffen und unterhalten. Die Auslohnung erfolgt an den Sonnabenden für die vom Freitage der letztvergangenen Woche bis zu dem dem Lohntage unmittelbar vorausgegangenen Freitage geleistete Arbeit. Besondere Lohnbücher oder Lohnzettel für jeden einzelnen Arbeiter sind nicht eingeführt. Meist sind die Lohnbeträge in ein auf dem Werke verbleibendes Buch eingetragen, woraus jeder Arbeiter die Höhe des jedesmaligen Verdienstes und der Abzüge für Kranken- und Invaliditätsversicherung ersehen kann; hinter diesen Eintragungen quittirt er über den richtigen Empfang. Auf den größeren Werken bestehen Arbeiterausschüsse und sind, obwohl ein gesetzlicher Zwang hierzu nicht besteht, auch die gegenseitigen Beziehungen zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer regelnde Arbeitsordnungen eingeführt. Arbeitgeberverbände bestehen ebensowenig wie Arbeiterverbände. Im Allgemeinen hat jedes Werk seinen alten Arbeiterstamm. Ein häufiger Wechsel in den Arbeitern findet nicht statt. Sie sind zumeist bis zu ihrer Militärzeit in der Landwirthschaft thätig gewesen. Nachher treten sie, wohl des höheren Verdienstes wegen, zur Thongräberei über. Sie wohnen zu etwa neun Zehntel auf dem Lande in Häusern, die für zwei bis drei Familien eingerichtet sind, zu ein Zehntel an Meißen. Für eine Wohnung, bestehend in Stube, Kammer und Küche, werden auf dem Lande 54 bis 72 Mark, in der Stadt 100 bis 120 Mark gezahlt. Die Lebensführung ist im Allgemeinen als eine gute zu bezeichnen. Fleisch kommt, wo nicht eine zu starke Familie vorhanden, ziemlich alle Tage auf den Tisch. Die Leute nehmen sich zur Arbeit Brot und Kaffee vom Hause mit und wärmen sich letzteren in der Mittagspause; abends nach Beendigung ihrer Arbeit nehmen sie in ihrer Behausung das Hauptmahl ein. Die auf dem Lande Wohnenden haben meist ein Stück Feld von einem halben bis zwei Scheffel Größe, wenn auch nicht immer in Besitz, so doch in Pacht, wobei für einen Scheffel etwa 24 M. Pacht gezahlt wird. In den Hauptbestellzeiten für das Feld wird ihnen ganz oder halbtageweise Urlaub gewährt, außerdem' werden zur Feldbestellung die Sonnabende, wo nach langer Gepflogenheit nur während weniger Morgenstunden bis zur Auszahlung des Lohnes gearbeitet wird, und theilweise auch die Sonntage benutzt. Bezüglich der Versicherung gegen Krankheit gehören die Beamten und Arbeiter dem Gemeindekrankenversicherungsverbande Krögis als Mitglieder an, während sie gegen Unfälle theilweise bei der Töpferei-, theilweise bei der Ziegelei- Berufsgenossenschaft versichert sind. Der Töpferei- Berufsgenossenschaft sind die Kaolingrubenbetriebe und diejenigen Thongrubenbetriebe zugetheilt, welche einer Porzellan- oder Thonwaarenfabrik als Nebenbetriebe zugehören, der Ziegelei- Berufsgenossenschaft aber alle selbständigen Thongrubenbetriebe. Gegen Invalidität sind die Leute bei der Landesversicherungsanstalt des Königreichs Sachsen versichert. Besondere, von den Arbeitgebern geschaffene Wohlfahrtseinrichtungen sind nicht vorhanden.“
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Zum
staatlichen Kaolinbergbau in Seilitz bis 1945
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Der Betrieb im
staatlichen Weißerdenwerk setzte sich nach der Jahrhundertwende ungestört fort; auch das Personal blieb dasselbe. Nur ist die technische Aufsicht von der
Gewerbeinspektion der Amtshauptmannschaft Meißen nun an die Berginspektion
III in
Freiberg übergegangen.
Man trieb im Jahr 1900 südlich der im
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Wie eingangs bereits
erwähnt, trat am
12. Mai 1900 die Verordnung, die Aufsicht über unterirdisch betriebene Brüche
und Gruben betreffend in Sachsen in Kraft. Als revierübergreifende Aufsicht
für diese Betriebe wurde damals die Berginspektion
III in
Freiberg eingerichtet. Als deren Mitarbeiter war hier Bergverwalter Seemann,
den wir durch seinen eben schon zitierten, ausführlichen Bericht über den Ton-
und Kaolinbergbau in diesem Revier für die Ausgabe des
Jahrbuchs für das Berg- und Hüttenwesen im Königreich Sachsen von 1902 schon
kennen, zuständig, und dieser berichtete über seine erste Befahrung des
Weißerdenwerkes am 28. März 1900 etwas ausführlicher, als die früheren Revisoren
der Gewerbeinspektion (40024-12, Nr. 392a, Blatt
1, die Blattnummerierung in der Akte beginnt hier noch einmal von vorn):
„Betriebsleiter ist der Betriebsinspektor Winkler von der Manufaktur. Die Belegschaft besteht aus 4 Mann, die in der eigenen Werkskrankenkasse und in der Töpferei- Berufsgenossenschaft versichert sind. Die Leute verdienen 18 M in der Woche. Arbeitszeit ist von ½ 7 – 12 Uhr früh und von ½ 2 – 6 Uhr nachmittags. Die Lagerstätte ist hier 13 – 14 m mächtig. Es werden vom Werke an den Grundstücksbesitzer 24 (pf.?) p. dz gewonnene rohe Porzellanerde Zins gezahlt. Letztere wurde früher im Tagebau gewonnen und ist man vor einigen Jahren, als das Deckgebirge zu stark wurde, zum unterirdischen Betriebe in der Weise übergegangen, daß man mit wenig Ansteigen aus dem Tagebruche eine Strecke in die Lagerstätte trieb, diese bis zur Abbaufeldgrenze fortführte und Pfeiler für den Aushieb vorrichtete. Auch hier werden die Pfeiler in einzelnen Streifen gewonnen, man nimmt diese 2 m breit und 2½ m hoch, raubt das Holz und läßt das Deckgebirge zu Bruch gehen. Die Baue stehen nicht unter großem Druck, es ist in den Strecken nur wenig Ausbau durch Thürstöcke nothwendig. Ein zweiter Tagesausgang als Fluchtweg ist in einem alten Tagebruch vorhanden. Die gewonnenen Massen werden durch Karren zu Tage gelaufen und in der Schlämmerei in der Manufaktur geschlämmt, wobei 23% Kaolin gewonnen werden. Wasserhaltung ist nicht nothwendig.“ Wie wir auch aus den Betriebsjournalen der Jahre 1886 bis 1899 im Unternehmensarchiv der Manufaktur schon erfahren haben, wurde noch bis ,vor einigen Jahren' ‒ nämlich noch bis 1898 ‒ in Seilitz das Kaolin auch im Tagebau gewonnen. Berginspektor Seemann war 1901 noch zweimal, am 8. Mai und am 8. November, auf dem Werk, notierte aber beide Male in seinem Fahrbogen nur kurz (40024-12, Nr. 392a, Blatt 5ff): „Es fand sich nichts zu erinnern.“ Offenbar hatte sich im Betrieb der Grube nichts verändert und alles lief, dem Ermessen des Inspektors nach, in geordneten Bahnen. Auch im Betriebsjournal des Weißerdenwerkes aus dem Jahr 1900 hat Betriebsinspektor M. Winkler vermerkt, daß der neue Berginspektor am 22. März erstmals auf der Grube gewesen ist und sich „befriedigt über Anlage und Zustand derselben“ ausgesprochen habe (Altes Archiv, Bestand IIIA, Nr. 101A, Blatt 114ff). Wie uns dann die Skizzen zur Abbauführung aus dem Betriebsjournal von 1901 zeigen, hatte man auch schon vor 1899 in mehreren Sohlen bzw. Abbauscheiben Kaolin gefördert, wo das Lager genügende Mächtigkeit hatte, denn auf folgendem Grundriß wird nun unterschieden zwischen ,oben' und ,unten' abgebaut. Im Block nördlich des alten Ziehschachtes waren bereits beide Scheiben abgebaut, während östlich davon bislang nur „die obere Schicht“ abgebaut war (Altes Archiv, Bestand IIIA, Nr. 101A, Blatt 121ff). Beim Ausrichten der zweiten Scheibe kam es 1901 zum Verbruch einer neuen Strecke, die man ungewollt gerade oberhalb einer aus dem Jahr 1876 stammenden Strecke auf der unteren Sohle getrieben hatte. Normalerweise suchte man dies stets zu vermeiden und neue Strecken in versetzter Lage zu den bekannten, alten Strecken zu treiben. Wie es der folgende Schnitt illustriert, scheint aber deren Lage nicht korrekt im Riß eingetragen gewesen zu sein. Glücklicherweise war zum Zeitpunkt des Zusammenbrechens der Strecke gerade Frühstückspause und die Arbeiter waren ausgefahren. So kam niemand zu Schaden.
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Außerdem hatte man eine
neue Tagestrecke ,b' auf der unteren Sohle herangebracht. Von dieser aus
brach man 1901 nordöstlich des alten Baufeldes ein Überhauen reichlich 8 m hoch, um auch hier die oberen Scheiben zu
untersuchen und bei Eignung noch zu gewinnen. Dort erwies sich die Erde aber „als
sehr gelb.“ (Altes Archiv, Bestand IIIA, Nr. 101A, Blatt 121ff)
Dennoch fuhr man auch
1902 damit fort, von dem Überhauen aus die höher liegende Sohle zu untersuchen.
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Im Jahr 1902 wurde
Berginspektor Seemann in die Berginspektion Leipzig
versetzt. Die Berginspektion III
wurde wieder aufgelöst und die Aufsicht über die Gewinnungsbetriebe wieder der
ohnehin regional zuständigen
Berginspektion Freiberg I
übertragen, wo nun der Berginspektor Roch für Seilitz zuständig war.
Dieser nun berichtete nach seiner ersten Befahrung der Grube am 10. Juli 1902 (40024-12,
Nr. 392a, Blatt 10f):
„1.) Es giebt 2 Stölln, welche als Förder- Flucht- und Wetterwege dienen. Außerdem ist noch ein Wetterschächtchen vorhanden. Es arbeiteten nur 2 Mann, von denen einer den Vorarbeiter machte. Die Grubenbaue waren soweit erforderlich gut ausgebaut. 2.) Die Grubenaufsicht wird außer vom Vorarbeiter vom Betriebsinspektor Winkler in der in Anzeige vom 11. Juli 1902 (...), die andere fiskalische Weißerdegrube betreffend, ausgeübt.“ Mit der ,anderen fiskalischen Weißerdegrube' ist hier das Erdenwerk zu Sornzig bei Mügeln gemeint. Ansonsten aber fand der Inspektor offenbar nichts am Betrieb auszusetzen. Herr Roch war am 27. Dezember 1902 noch ein zweites Mal in diesem Jahr vor Ort und berichtete diesmal (40024-12, Nr. 392a, Blatt 12f): „Man befuhr mit dem Vorarbeiter die jetzige Abbaustelle. Dieselbe liegt in der mittleren Sohle und ist nur durch ein blindes Schächtchen von ca. 3 m Teufe zugänglich. Die Fortsetzung dieses Schächtchens bildet eine bis zur Fördersohle führende Rolle. In kurzer Entfernung zweigt allerdings ein nach der oberen Tagestrecke führender Fluchtweg ab. Man schlägt vor, von der Betriebsleitung einen Betriebsplan und den Grubenriß – die Berginspektion besitzt noch keine Kopie von diesem – einzufordern und von vornherein darauf hinzuweisen, daß auf das Vorhandensein zweier, von der jeweiligen Abbaustelle nach der Tagesoberfläche führender Wege, die sich nicht berühren, Bedacht zu nehmen ist.“ Dem Vorschlag des Inspektors folgte auch das Landesbergamt und forderte die Betriebsleitung am 27. Februar 1903 auf, einen Betriebsplan und den Grubenriß einzureichen. Eine Aktennotiz vom 30. Mai 1903 besagt dann, daß man den Betriebsplan genehmigt habe (40024-12, Nr. 392a, Rückseite Blatt 15). Der folgte dann auch nach (40024-12, Nr. 392a, Blatt 16), paßte noch auf ein A4- Blatt und lautete: „Es sollen im weiteren Verlauf des Jahres 1903 vom Ende der noch fertigzustellenden Förderstrecke c aus in südlicher Richtung rechtwinklig zu derselben in Abständen von 3 m in die anstehende weiße Erde mehrere ungefähr 13 m lange Abbaustrecken getrieben werden. Nach jedesmaliger Fertigstellung einer solchen Abbaustrecke soll die Erde durch 1,5 m lange Gewinnungsstrecken abgebaut werden, welche, am Ende der Abbaustrecken beginnend, rechtwinklig zu dieser und parallel zur Förderstrecke angelegt werden sollen. Abbau- und Gewinnungsstrecken werden in Thürstock- Zimmerung gesetzt...“ Leider ist dieser Grubenriß in der Akte nicht enthalten, so daß wir nicht sagen können, wo denn ,die Förderstrecke c' eigentlich gelegen hat. Das Überhauen am Ende der Tagestrecke ,b' hat man 1903 offenbar noch weiter hochgebrochen und die Sohlen jetzt von oben nach unten durchnummeriert. Die beiden Tagestrecken der Hauptbausohlen kamen so nun auf die 3. und 4. Sohle zu liegen. Die hier verwendete Farbgebung der Sohlen entsprach bereits den auch heute noch gültigen Regelungen für bergmännische Risswerke (vgl. etwa TGL 6429: Bergmännisches Rißwerk oder heute DIN 21900: Richtlinien für die Herstellung und Ausgestaltung des bergmännischen Risswerks). Bei der Abbauvorrichtung auf der oberen Sohle kam es aber erneut zu einem Verbruch (Altes Archiv, Bestand IIIA, Nr. 101A, Blatt 137ff). Auf diesen oberen Sohlen hatten die Vorgänger schon vom Tage herein alles Brauchbare abgebaut.
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Berginspektor Roch kontrollierte kurz vor Weihnachten noch einmal die Grube in Seilitz und notierte über seine Befahrung vom 23. Dezember 1903 (40024-12, Nr. 392a, Blatt 19): „Man kam gegen 1 Uhr nachmittags zur Grube, fand aber in dieser sowie in der Nähe niemand von der Belegschaft, welche aus 2 Mann besteht, an. Die Tür der Fördertagestrecke, über deren Mundloch ein den Zutritt Unbefugter untersagender Anschlag angebracht war, stand offen, so daß man die Grube befahren konnte. Gegen ¾ 2 Uhr nachmittags verließ man die Grube wieder, ohne die Arbeiter gesehen zu haben. Tageschächte sind nicht vorhanden. Eine Fluchtverbindung war in ausreichendem Maße da. Der Betriebsplan war eingehalten worden.“ Das im Fahrbogen vom Vorjahr genannte ,Wetterschächtchen' zählte wohl nicht als Tageschacht. Daß die Grube unbelegt und unverschlossen war, hätte eigentlich auch zu einer Rüge führen können. Aus dem Jahr 1904 gibt es nur eine kurze Mitteilung an das Bergamt in den Akten, daß Sornzig außer Betrieb stehe, vielleicht aber 1905 wieder in Betrieb kommen solle.
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In den Ausgaben der
Jahrbücher für das Berg- und Hüttenwesen im Königreich Sachsen werden infolge
der 1900 in Kraft getretenen Verordnung, die Aufsicht über unterirdisch betriebene Brüche
und Gruben betreffend auch die gewerblichen Gruben ab der Ausgabe auf das
Jahr 1901 (Zahlenangaben für das Jahr 1900 enthaltend) aufgeführt. Wie eingangs
dieses Kapitels zu lesen war, wurden in den
gedruckten Ausgaben leider nicht, wie bei den Erz- und Kohlengruben üblich,
auch die Fördermengen und Erlöse genannt. In den Zuarbeiten der Berginspektion
III in
Freiberg für die Jahrbücher haben wir diese Angaben zumindest für die Jahre
1901 bis 1903 aber finden können (40024-12, Nr. 15). Hier ist für das Jahr 1901
ein Ausbringen von 472 t Kaolin für das fiskalische Weißerdenwerk in Seilitz
angeführt, weitere 230 t kamen in diesem Jahr aus dem fiskalischen Werk zu
Sornzig. Die Seilitz'er Erde wurde damals zu 12,- Mark die Tonne, die Sornzig'er
Erde dagegen zu 11,- Mark die Tonne mit der Manufaktur verrechnet.
Im gleichen Jahr förderte das Krister'sche Werk 3.500 t Rohkaolin und gewann 1.000 t geschlämmtes Kaolin. Aufgrund der von Seemann genannten, geringeren Kaolingehalte im Krister'schen Abbaufeld von kaum 20% muß man davon ausgehen, daß für die 1.000 t eigentlich rund 5.000 t Rohkaolin abgebaut worden sein dürften. Zur Relativierung dieser Fördermengen sei auch noch angeführt, daß im gleichen Jahr im Mehren- Löthain'er Tonrevier von zehn dort aktiven Gruben insgesamt 41.595 t Ton verschiedener Qualität abgebaut wurden. Dieselbe Quelle nennt uns für das Jahr 1902 ein fast identisches Ausbringen des Seilitz'er Werkes von 469 t, hinzu kamen 320 t aus Sornzig. Während bei der Krister'schen Porzellanerdegrube die Produktion auf 3.900 t Rohkaolin und 1.150 t geschlämmtes Kaolin anwuchsen, sank das Ausbringen des Tonreviers auf 34.802 t spürbar ab. 1903 wurden im fiskalischen Weißerdenwerk Seilitz 540 t Kaolin gefördert, dagegen ruhte der Betrieb in Sornzig in diesem Jahr ganz. Beim Krister'schen Werk in Seilitz sank der Absatz im gleichen Jahr auf 2.075 t Rohkaolin und 889 t geschlämmtes Kaolin, während die im südlichen Revier ausgebrachte Menge an Ton bei noch neun aktiven Gruben wieder auf 41.614 t Ton anwuchs. Leider endet diese Aktenüberlieferung an dieser Stelle.
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Etwas davon abweichende
Zahlen haben wir in den betreffenden Betriebsjournalen gefunden, wo das
Ausbringen des Weißerdenwerkes mit 492,5 t im Jahr 1901, mit 552,5 t im Jahr
1902 und mit 545,5 t im Jahr 1903 beziffert sind (Altes
Archiv, Bestand IIIA,
Nr. 101A, Blatt 121ff).
Die Abweichungen können aber darin eine Ursache haben, daß nicht jedes Jahr die
gesamte geförderte Menge auch nach Meißen abgefahren worden, sondern ein Teil
auf dem Werk im Vorrat verblieben ist.
Aus diesen Betriebsjahren verraten uns die Betriebsjournale des Weißerdenwerkes ferner noch, daß man nun die alte Binge (sie wurde hier immer wieder als ,alte Tagebaue' bezeichnet, aber der Tagebau lag ja eigentlich weiter südlich) an ihrer Ostseite zum Schieritzer Weg hin umfuhr (Altes Archiv, Bestand IIIA, Nr. 101A, Blatt 137ff).
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![]() Diese drei zeitlich aufeinanderfolgenden grundrisslichen Darstellungen aus der Zeit ab 1903 illustrieren wieder, wie man bei der Aus- und Vorrichtung vorgegangen ist. Quelle: Unternehmensarchiv der Staatlichen Porzellanmanufaktur Meißen, Bestand IIIA (Betrieb der Manufaktur), Nr. 101A, Blatt 137ff.
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Wie die letzte Skizze
oben zeigt, unterfuhr man nun von Norden her auch die Böschungen des alten
Bruchfeldes. Dabei kam es vermutlich zu einem Böschungsbruch und die alte
Fluchttür von der Tagestrecke auf der 3. Sohle zur Pinge ging 1904 verloren. Man hat aber
sehr schnell einen neuen Tagesausgang an benachbarter Stelle hergestellt
(Altes
Archiv, Bestand IIIA,
Nr. 101A, Blatt 144ff).
Über das Jahr 1905 ist in den Betriebsjournalen vermerkt, daß es im Oktober viel Regen gegeben habe. Infolgedessen sei vom offenen Sturzplatz „viel Feingut weggeschwemmt“ worden. Man plante deshalb den Bau eines überdachten „Erdeschauers“. Dieser Lagerschuppen ist dann im folgenden Jahr 1906 auch errichtet worden und erfüllte noch bis 2024 seinen Zweck (Altes Archiv, Bestand IIIA, Nr. 101A, Blatt 152ff).
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Im Jahr 1905 war
Berginspektor Roch dreimal in Seilitz. Über seine Befahrung vom
18. Januar 1905 berichtete er (40024-12, Nr. 392a, Blatt 25):
„Der Zustand der Grube war ein (...) guter, so daß man aus ihm nicht auf
Unzulänglichkeiten der Aufsicht schließen kann. Schächte sind nicht vorhanden,
auch besitzen beide Tageausgänge keine Vorbaue, so daß Feuersicherheitsmaßregeln
nicht in Frage kommen. Ein Fluchtweg ist vorhanden und gut fahrbar.
Schwimmsandgefahr besteht nicht, nicht einmal Grubenwässer sind abzuleiten. Den
Grubenriß hat Betriebsleiter Winkler in Meißen in Verwahrung und bringt ihn nach
Betriebsbedarf mit.“
Bei seiner Befahrung am 17. Mai des Jahres fand der Inspektor alles in gleicher Weise vor, aber hervorhebenswert (40024-12, Nr. 392a, Blatt 26): „Man bemerkte, daß der Hundestößer, welcher die Förderung aus der Grube besorgt, um von der weißen Kaolinhalde nicht in schädlicher Weise geblendet zu werden, eine vom Werke gelieferte graue Brille trug.“ Als staatliches Werk war die Manufaktur natürlich vorbildlich um Arbeitsschutz bemüht. Schließlich notierte er in seinem Fahrbericht vom 22. Dezember 1905 noch (40024-12, Nr. 392a, Blatt 29): „Die beiden Arbeiter waren damit beschäftigt, die Grube für eine mehrere Wochen währende Betriebspause vorzubereiten, weil vom 27. Dezember 1905 ab in der Grube Sornzig zu Baderitz gearbeitet werden soll. Vorarbeiter Schubert soll dort die gleichen Dienste versehen, wie in Seilitz. Der letzte Abbau hatte bis zu dem Überhauen (Verbindungsschächtchen), von welchem aus das Freie auf mehreren Wegen erreicht werden kann, gegen 30 m entfernt gelegen; indessen befand sich ca. 6 m vom Abbau ein in den alten Tagebau mündendes Wetterloch, welches binnen weniger Minuten derartig hätte erweitert werden können, daß eine Flucht bei Verlorengehen des Zugangs zum Abbau leicht möglich gewesen wäre. Anlaß zu Erinnerungen gab die Befahrung nicht.“ Es war also in sicherheitlicher und bergpolizeilicher Hinsicht nichts zu beanstanden. Da man im folgenden Jahr also die Grube bei Mügeln wieder belegte, für die die Berginspektion in Leipzig zuständig gewesen ist, gab es für Herrn Roch in Seilitz eigentlich nichts zu tun. Aber am 31. August 1906 fand er Anlaß zu einem Bericht an das Landesbergamt, „Kaolingewinnung der Königlichen Porzellanmanufaktur im Rittergutsgarten zu Schletta. Erörterung, Aufsichtszuständigkeit betreffend.“ Darin heißt es (40024-12, Nr. 392a, Blatt 30f): „Man hatte zufällig gehört, daß die Belegschaft der staatlichen Kaolingrube Seilitz (3) im Rittergutsgarten zu Schletta einen ,neuen Schacht machte.‘ Eine Erörterung ergab folgendes: Die aus einem Vorarbeiter und einem Arbeiter bestehende Seilitzer Belegschaft war durch Zuweisung eines von der Fabrik zeitweilig abkömmlichen Mannes und eines für die Dauer der Schlettaer Kaolingewinnung neu angelegten Fördermanns verdoppelt worden. Die Lokalaufsicht führte der genannte Vorarbeiter. Von diesem erfuhr man, daß die Oberleitung des Betriebes in den Händen des Oberbergrats Dr. phil. Heintze in Meißen ruhe, daß dieser den Betrieb aber selbst noch nicht in Augenschein genommen, sondern bisher den Assistenten der Königlichen Porzellanmanufaktur, Dipl. Ingenieur (Hütteningenieur) Dr. phil. Funk aus Meißen mit einer Besichtigung betraut habe. Es war, wie in unten stehenden Skizzen dargestellt ist, eine Grube von 8 m Länge und ca. 4 m Breite hergestellt worden.“
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Digitalisat:
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„Am Erörterungstage
war sie 4 m tief, an den Längsseiten auf die obere Hälfte etwas abgeböscht und
weiter unten mit zwei Gevieren ausgebaut. Auf einer auf 2 über diese Grube
gelegten Stämmen ruhenden Bühne war ein Haspel aufgestellt, mit dem in Kübeln
der gewonnene Kaolin gefördert wurde. Da nach Angabe des Vorarbeiters diese
Grube nur um 1 m oder wenig mehr vertieft und nach etwa 3 Wochen wieder
zugefüllt werden sollte, so sieht man die Anlage für einen Tagebau, der nicht
unter die Verordnung vom 12. Mai 1900 fällt. Nach Angabe des Vorarbeiters wird
eine derartige Grube jedesmal 1½ bis 2 Monate beanspruchende Kaolingewinnung
seit langer Zeit aller 5 Jahre vorgenommen, weil damit der Bedarf an der dort
vorkommenden Kaolin gedeckt wird; nur Ende der 60er Jahre vorigen Jahrhunderts
ist westlich vom jetzigen Bau angeblich ein kleines Schächtchen geteuft und von
diesem eine kurze Strecke getrieben worden. Das Schächtchen ist bald wieder
verfüllt worden. Wenn einmal der oben beschriebene Tagebau – der jetzt noch in
der Dölauer Haide bei Halle a. S. so betrieben wird und bis vor kurzem von Gramp
in Nerchau (5a) betrieben worden ist – der Strecke zu nahe kommen sollte, so
würde es nicht unmöglich sein, daß kleine Schlagwettermengen austreten, die bei
Entzündung im Stande wären, Verletzungen von Menschen hervorzubringen. Zur
Vermeidung dieser vielleicht bestehenden Gefahr würde es alsdann genügen, wenn
nur bei Tageslicht gearbeitet würde und die betreffenden Arbeiter keinerlei
Feuer – auch keine Pfeife oder Cigarre – bei sich führten. Man wird sich daher
gelegentlich in der Königlichen Porzellanmanufaktur zu Meißen über die genaue
Lage des Schächtchens nebst Strecke zu unterrichten suchen.“
Die Angaben (3) und (5a) benennen hier die Nummerierung in der Auflistung der gewerblichen Gruben im Jahrbuch für das Berg- und Hüttenwesen (hier Ausgabe aus dem Jahr 1907). Zunächst einmal erfährt man hieraus, daß Herr Winkler aus der Administration der Manufaktur ausgeschieden und durch Herrn Dr. Heintze abgelöst worden ist, welcher wiederum die Beaufsichtigung der Bergbaubetriebe dem Herrn Dr. Funk übertragen hatte. Diesen Wechsel in der Betriebsführung der Weißerdenwerke teilte die Manufaktur erst am 17. November 1906 auch offiziell dem Bergamt mit (40024-12, Nr. 392a, Blatt 34). Dann
erscheint von Interesse, daß man es offenbar nicht für nötig gehalten hat, die
zuständige Bergbehörde von dem (wiederholt)
aufgenommenen Abbau in Schletta zu informieren. Es war aber auch nur ein kleiner
Tagebau und gar kein „richtiges“ Bergwerk... Wie sie seinerzeit auch schon ausgesehen haben könnten,
erfahren wir aus
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Da der Abbau in Schletta bald wieder beendet
und die Grube in Seilitz wieder belegt war, machte sich am 10. Dezember 1906
seitens der Berginspektion Freiberg diesmal der Herr Inspektor Bachmann
auf den Weg. In seinem Fahrbericht liest man
(40024-12, Nr. 392a, Blatt 35):
„Der Fluchtweg befindet sich ebenso wie die ganze Grube in gutem Zustande. Die schon vor vielen Jahren aufgefahrenen Strecken stehen teilweise noch heute ohne jeden Ausbau. Sie machen den Eindruck, als ob sie in einem weißen, fetten Gestein mit Schlägel und Eisen hergestellt worden seien. Von Wasser ist in der ganzen Grube auch nicht eine Spur zu bemerken. Schwimmsand ist nicht vorhanden. (...) In der Mannschaftsstube hingen noch die Unfallverhütungsvorschriften der Töpferei- Berufsgenossenschaft vom Jahre 1887 aus. Dr. Funk, der an der Befahrung und Tagebesichtigung teilnahm, sagte die Beseitigung dieses Mangels zu.“ Daß ,viele Jahre' alte Strecken ohne Ausbau im Kaolin lange unverbrochen stehen bleiben, ist tatsächlich nicht ungewöhnlich, wie es auch die Autoren der Bergschadenkundlichen Analyse 1973 festgehalten haben (40073-1, Nr. 21). Das geschieht aber auch nur im Kaolin und nur dort, wo solche Baue nicht später von Abbau auf tieferer Sohle unterfahren worden sind. Spätestens dann kommt das Hangende unweigerlich in Bewegung. Die Tone des Löthain- Mehren'er Reviers reagieren, ganz anders als der ziemlich steife Kaolin, plastisch und durch den Überlagerungsdruck des Hangenden gehen Hohlräume sogar ,unter Umfließung verbliebenen Ausbaus' binnen weniger Jahre wieder völlig in sich zusammen. Daß gelegentlich alte Abbaue in Seilitz lange offen verblieben sind, hängt vielleicht aber auch mit einer anderen, eher einer Art Firstenbau vergleichbaren Abbaumethode zusammen, die von den Alten hier offenbar auch angewandt worden ist, wie folgende Fotos illustrieren, die uns freundlicherweise von der Betriebsleitung des Weißerdenwerkes zur Verfügung gestellt worden sind.
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![]() Tatsächlich werden nicht nur im Tagebau nebenan gelegentlich noch alte Grubenbaue des Krister'schen Werkes und dessen Nachfolgebetrieben angetroffen; auch im staatlichen Weißerdenwerk in Seilitz traf man solche alten Baue schon an. Diese Strecke wirkt tatsächlich - wie es Berginspektor Bachmann 1906 beschrieb - als wäre sie mit Schlägel und Eisen ausgehauen worden... Bildquelle: Betriebsleitung Weißerdenwerk.
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![]() Nachdem man die nur wenige Meter voraus getriebene, auf der Sohle etwas verschlammte und nicht sehr hohe ,Grundstrecke' durchfahren hatte, öffnete sich bei gleichbleibender Breite plötzlich die Firste... Diese schmale Weitung ist kaum mehr als einen Meter breit, aber bis zu 5 m hoch und endet nach rund 20 m Länge an einem Streckenkreuz. Bildquelle: Betriebsleitung Weißerdenwerk.
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![]() Der Blick zurück zu dem Punkt, wo man mit der Ausrichtungsstrecke die Grundstrecke dieses ,Abbauschlitzes' angefahren hatte. Wie man auch gut erkennt, ist die Firste hier gewölbt ausgeschlagen. Dort vorn nahm der Weißgrad des Kaolins so weit ab, daß es die Kunden wohl nicht mehr abnahmen, darum hörte man an diesem Punkt auch mit dem Abbau auf. Bildquelle: Betriebsleitung Weißerdenwerk.
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![]() Hier nun setzte im rechten Winkel zum ersten ein zweiter, gleichartiger Abbau an. Solche - vielleicht am besten als ,Firstenbau' zu beschreibenden Baue - sind (auch im Vergleich mit der Beschreibung durch Berginspektor Seemann aus dem Jahr 1902) für das Revier jedenfalls sehr ungewöhnlich und entstammen wahrscheinlich schon dem frühen 19. Jahrhundert. Genau an dem vorderen Kreuz und über zwei Meter weit oben im linken Abbaustoß ist auch eine Lampennische eingeschlagen. Bildquelle: Betriebsleitung Weißerdenwerk.
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![]() Am Ende des zweiten Abbaus sieht man gut, wie diese hohen Baue hergestellt worden sind: Die Bergarbeiter standen einfach auf dem ausgehauenen Material und gruben sich weiter nach oben. Später wurde das gewonnene Haufwerk dann abgezogen und ausgefördert. Bildquelle: Betriebsleitung Weißerdenwerk.
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![]() An diesem Punkt zweigen auch zwei weitere Querschläge ab und bildeten die Ausrichtungsstrecken für einen Pfeilerbruchbau. Ganz ähnlich wird auch noch heute der Abbau ausgeführt. Der hier dazwischen stehende Pfeiler von vielleicht 3 m x 4 m Grundfläche steht deutlich erkennbar unter Druck und ist bereits diagonal durchgerissen. Bildquelle: Betriebsleitung Weißerdenwerk.
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![]() In die Gegenrichtung geht hier ein Fallort ab, welches vermutlich in den erst Anfang des 20. Jahrhunderts aufgegebenen und verfüllten Tagebau führte. Rechts im Stoß sind auch hier zwei Lampennischen sichtbar. Das braune Material auf der Sohle der Strecken ist offensichtlich mit der Schachtverfüllung hier hineingelangt. Bildquelle: Betriebsleitung Weißerdenwerk.
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Aber zurück zum Grubenbetrieb in der ersten
Hälfte des 20. Jahrhunderts...
Nach seiner nächsten Befahrung der Grube am 10. Juli 1907 lobte Berginspektor Bachmann (40024-12, Nr. 392a, Blatt 36): „Der bauliche Zustand der Grube ließ nichts zu wünschen übrig...“ Und auch im Fahrbericht vom 17. März 1908 (40024-12, Nr. 392a, Blatt 39) fand er „zu Erinnerungen keinen Anlaß.“ Wie man dem Antrag der Porzellanmanufaktur vom 26. November 1907 auf Verlängerung des Dispenses entnehmen kann, wurde das Grubenrißwerk bis dahin nicht durch einen Markscheider, sondern durch den Betriebsleiter selbst geführt (40024-12, Nr. 392a, Blatt 37). Berginspektor Spitzner hat am 21. April 1909 die gerade von Dr. Funk nachgebrachten Risse eingesehen und fand daran nichts zu kritisieren (40024-12, Nr. 392a, Blatt 43f). Am 13. Februar 1909 teilte die Betriebsleitung dem Bergamt mit: „Der Betrieb auf dem Weißerdenwerk in Seilitz ist ein ununterbrochener. Auf dem Erdenwerk in Sornzig läuft der Betrieb jährlich ein bis zwei Monate. In diesem Jahr vom 1. März ab bis der Jahresbedarf gewonnen ist.“ (40024-12, Nr. 392a, Blatt 42) Als Inspektor Spitzner am 26. März 1909 zu einer Befahrung in Seilitz weilte, fand er dort aber dennoch den Betrieb unterbrochen vor, nur ein Mann war übertage „mit dem Durchwerfen des Kaolins durch ein Durchwurfsieb beschäftigt.“ (40024-12, Nr. 392a, Blatt 43) Noch einmal liest man in diesem Fahrbericht: „Der Zustand der fast ohne jede Unterstützung stehenden Strecken und Zwischenschächtchen ist ein einwandfreier. Fluchtwege sind in gut fahrbarem Zustande vorhanden. Die zeither zu Tage führende Fluchtstrecke ist wegen beendeten Abbaus abgeworfen, eine andere derartige Fluchtstrecke aber zuvor schon fertiggestellt worden...“ Da man noch auf der obersten Sohle aus dem Tagebau und zwei Stolln heraus Örter trieb, ging das offenbar noch fast ohne jeden ‒ ja meist sehr kostenträchtigen ‒ Ausbau ab.
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Bei seiner Befahrung am 18. Oktober 1909 ging
in Seilitz auch untertage wieder Betrieb um. Und auch am 22. September 1910 fand
Inspektor Spitzner alles in bester Ordnung vor
(40024-12, Nr. 392a,
Blatt 47ff). Im Jahr darauf
notierte er dann in seinem Fahrbericht vom 12. Juli, der
Betrieb ruhe wieder. „Wie man von einem in der Nähe arbeitenden Feldarbeiter
erfuhr, sind zurzeit die Grubenarbeiter in dem auf Schlettaer Flur gelegenen
Tagebaue tätig, der nicht der Beaufsichtigung durch die Bergbehörde unterliegt.“ (40024-12,
Nr. 392a, Blatt 51)
Das kennen wir doch schon: Da sagen die einfach nicht in der Berginspektion Bescheid... Außerdem steht´s hier klipp und klar: Der Tagebau in Schletta ging die Bergbehörde nichts an, sondern unterstand noch immer nur der Beaufsichtigung durch die Gewerbeinspektion der Amtshauptmannschaft in Meißen. Daran hatte sich auch im nächsten Jahr nichts geändert und so regte Inspektor Spitzner in einem Bericht an das Bergamt vom 27. August 1912 an, diese Tagebaue in die Bergaufsicht einzuschließen. Am 26. Oktober des Jahres berichtete er ferner, er habe mit der Porzellanmanufaktur in vorstehender Angelegenheit Rücksprache gehalten und: „Zufällig begegnete man dem Gewerbeinspektionsassistenten Dr. Voigt aus Meißen, der von dem Vorhandensein der Erdengräberei in Schletta überhaupt nichts wußte und auch glaubte, daß dieser Betrieb der Gewerbeinspektion auch sonst nicht bekannt und infolgedessen auch nicht von ihr überwacht worden sei...“ (40024-12, Nr. 392a, Blatt 60) Schau an... Wo kein Kläger, da kein Richter. Zuvor war Herr Spitzner am 4. Oktober 1911 auch wieder auf der Grube in Seilitz und befand den Grubenbetrieb auch jetzt mängelfrei. In diesem Fahrbericht ist nur bemerkt, daß für das abseits der Grube stehende Mannschaftshaus im Falle eines Brandes kein Wasser bereitstehe, da die, der Gemeinde gehörige, nahegelegene Pumpe gerade defekt war. Und: „Die Absperrung des Bruchgebietes war ausreichend.“ (40024-12, Nr. 392a, Blatt 53) Die Brüche gingen also auch bis nach übertage aus. Am 11. Juli 1912 zeigte die Manufaktur dem Bergamt noch einmal ,offiziell' an, daß man ab 16. Juli die Leitung der „fiskalischen Erdengruben in Seilitz und Sornzig und der Erdengräberei in Schletta unserem 1. Betriebsassistenten, Diplom- Hütteningenieur Dr. phil. William Funk“ übertragen werde (40024-12, Nr. 392a, Blatt 55). Ansonsten ging im Erdenwerk in Seilitz alles geruhsam weiter. In den Fahrbögen der Berginspektoren vom 10. Dezember 1912 und vom 17. Januar 1913 fand sich keine Veranlassung zu Kritik am Grubenbetrieb (40024-12, Nr. 392a, Blatt 61ff). In letzterem ist nur besonders vermerkt, daß in diesem Jahr ab 17. Februar beide Werke in Sornzig und Seilitz parallel in Betrieb gehen sollten. Außerdem gab es wieder ein Lob: „Nach Angabe Funks ist vorsichtshalber noch ein weiterer Fluchtweg zum Teil durch alte, aber gut stehende Strecken geschaffen worden, da in der Nähe des jetzt bestehenden Fluchtausganges abgebaut wird und es infolgedessen nicht ausgeschlossen scheint, daß dieser unter starken Druck kommen und dadurch unfahrbar werden könnte (...) falls sich eine Flucht, was sehr unwahrscheinlich ist, überhaupt nötig machen sollte.“ Das Gebirge stand ja augenscheinlich gut.
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![]() In der ersten Ausgabe der Messtischblätter aus dem Jahr 1911 ist die Grube nun mit ,Porzellanerde' beschriftet. Westlich des Schieritzer Weges lag das staatliche Weißerdenwerk, östlich davon das Krister'sche. Gut zu sehen sind noch immer die Konturen der Tagebaue.
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Nichts anderes steht auch
in den Fahrberichten des Berginspektors Spitzner vom 10. Juli 1913 und
vom 3. April 1914 zu lesen. Auch 1914 waren Seilitz und Sornzig wieder
zeitgleich in Betrieb und der einzige Kritikpunkt war, daß Aufseher Schubert
in Sornzig weilte und von den beiden Arbeitern in Seilitz keiner als
Aufsichtsführender benannt war. Letzteres wurde von Betriebsleiter Funk
am 30. April schnell nachgeholt (40024-12, Nr. 392a, Blatt 64ff). Über Seilitz
liest man 1914 außerdem im Fahrbericht:
„Das eine im Betriebe befindliche Zwangort war bis an den Stoß heran gut
ausgebaut. Sämtliche anderen Grubenbaue befanden sich in gutem baulichen
Zustande... Das Bruchgebiet ist hinreichend abgesperrt.“
Dann begann der 1. Weltkrieg. Der Betrieb der Manufaktur in Meißen ging sicher auch zurück, wurde aber auch in diesen Jahren nie ganz eingestellt und so bestand auch weiter Bedarf an Rohstoffen. Auch der Grubenbetrieb in Seilitz ging ‒ wenn auch mit reduzierter Belegschaft ‒ weiter: Bei seiner Befahrung am 8. Juni 1915 fand Herr Sickel von der Berginspektion die Zugänge zum Bergwerk „gut verschlossen, nur 1 Mann übertage mit Durchwerfen der gewonnenen Erde beschäftigt.“ (40024-12, Nr. 392a, Blatt 69ff) Am 22. Oktober fand erneut eine Befahrung statt, über die diesmal ein Herr Ditzsch (aber Name schlecht leserlich) berichtete, es sei niemand auf der Grube, aber alles verschlossen. Derselbe berichtete am 28. Januar 1916, „angeblich soll tageweise noch 1 Arbeiter beschäftigt sein.“ Es war aber gerade niemand da... Am 9. November 1916 fand er das Weißerdenwerk wieder mit zwei Mann belegt, beim Betrieb aber nichts auszusetzen: „Erinnerungen waren nicht zu ziehen.“ Am 26. Februar 1918 nahm diesmal ein Herr Fuchs in Meißen Einsicht in die Grubenrisse und fand sie ordnungsgemäß bis Ende 1917 nachgebracht. Der Betrieb in Seilitz war wieder eingestellt, weil in Sornzig gearbeitet werde (40024-12, Nr. 392a, Blatt 75).
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Am 16. April 1918 war Berginspektor Roch wieder einmal auf dem staatlichen Weißerdenwerk in Seilitz und berichtete ziemlich ausführlich (40024-12, Nr. 392a, Blatt 76): „Die beiden Tongrubenarbeiter der Königlichen Porzellanmanufaktur arbeiteten seit kurzer Zeit wieder auf dem Seilitzer Werk. Von ihnen ist Hutmann Paul Wilhelm Gustav Schubert, Schwiegersohn des früheren Hutmannes Dolch, Vorarbeiter. Schubert ist am 26. September 1864 in Baderitz (Bez. Leipzig) geboren und steht seit dem 3. Pfingstfeiertag 1887 im Dienste der Porzellanmanufaktur. Die von ihm geführte Aufsicht genügt bei den einfachen und sicheren Verhältnissen der Grube, da ab und zu der Betriebschemiker Dr. Frank aus Meissen mit nach dem Rechten sieht. Beide Tagestrecken und ihre Mundlöcher waren in Ordnung, der Grubenausbau, soweit als er überhaupt nötig ist, ebenfalls. Ein Fluchtweg von der I. zur II. und III. Sohle ist durch Überhauen hergestellt, war aber nur zum Teil fahrbar, weil eine Fahrt herausgenommen war. Auf Vorhalt versprach Schubert, die fehlende Fahrt schleunigst wieder einzubauen. Das Bruchfeld ist genügend abgesperrt. Gefördert wird nur mit der Hand auf söhliger Strecke, so daß Förderseile nicht in Frage kommen. (...) Als Grubengeleucht werden Azetylenlampen verwendet. Das Karbid wird in dem nahe liegenden, massiv gebauten, aber unbewohnten Huthause aufbewahrt... Der Grubenriß befindet sich in Meissen bei Dr. Frank in der Manufaktur...“ Hier war sicherlich Herr Dr. Funk gemeint. Bei seiner nächsten Befahrung am 26. Juni 1918 war die fehlende Fahrt jedenfalls wieder an Ort und Stelle und daher: „Sonst war nichts zu erinnern.“ (40024-12, Nr. 392a, Blatt 77) Am 11. Dezember nahm Inspektor Roch in der Manufaktur die Grubenrisse in Augenschein. Das Original des Grubenrisses war allerdings abhanden gekommen und nur noch eine von der Bergamtsmarkscheiderei gefertigte Kopie vorhanden. Die war aber für das ablaufende Jahr schon nachgebracht. Über seine Besprechung mit Dr. Funk über die weitere Betriebsführung notierte er (40024-12, Nr. 392a, Blatt 80): „Bis auf weiteres langt diese Rißführung zu, zumal da in der Hauptsache für lange Zeit nur Abbaustreifen einzumessen sein werden und Neuauffahrungen nicht notwendig sind. Bei Besprechung der Fortführung des Grubenbetriebes ergab sich kein Anlaß, die Aufstellung eines Betriebsplanes zu fordern. Anfang nächsten Jahres soll der Betrieb in den der bergbehördlichen Aufsicht unterstehenden Weißerdegruben auf mehrere Wochen ausgesetzt bleiben, weil zur Porzellanherstellung zunächst wieder etwas Kaolin aus der Schlettaer Gräberei benötigt wird.“ Na, das waren doch gleich zwei Erleichterungen, die man da wieder behielt: Man brauchte keinen Betriebsplan einzureichen und mußte auch keinen Markscheider bezahlen, um die Grubenrisse nachzubringen... Am 14. Dezember 1920 teilte der Berginspektor aber an das Bergamt über eine erneute Besprechung mit Dr. Funk mit, letzterer wolle nun doch einen Markscheider mit der Rißwerksführung beauftragen. Dazu meinte Herr Roch (40024-12, Nr. 392a, Blatt 88): „Im Laufe der Besprechung äußerte der Unterzeichnete, daß er mit Rücksicht auf Art und Umfang der beiden Werke einen Anschluß an die Landesvermessung für überflüssig und eine Kompaßaufnahme für völlig genügend hielte.“ Na wenn schon, dann macht´s euch nicht selber unnötig teuer... Das wäre heutzutage keinesfalls durchgegangen.
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Wie wir schon wissen,
dauerte der Abbau in Schletta immer nur wenige Monate und am 27. August 1919
fand Herr Roch in Seilitz
„2 Streckenörter in der unteren Sohle betriebsfertig, ruhten aber am
Befahrungstage, weil der Vorarbeiter nicht anwesend war.“ (40024-12,
Nr. 392a, Blatt 82) Sonst gab es nichts zu erinnern. Ab Oktober ruhte der
Betrieb in Seilitz ganz, da man wieder in Sornzig Kaolin abbaute. Auch über seine
Befahrung am 29. September 1920 notierte sich Inspektor Roch
nur, „Erinnerungen machten sich nicht notwendig.“ (40024-12, Nr. 392a,
Blatt 87)
Ab dem folgenden Jahr faßten die Berginspektionen ihre Fahrberichte zu ,Monatsberichten' zusammen. Der erste von Inspektor Roch berichtet über seine Befahrung der Grube vom 3. März 1921, daß der Arbeiter Dommitzsch und der Sohn des Aufsehers Schubert untertage arbeiteten, Schubert selbst aber in Sornzig arbeite (40024-12, Nr. 392a, Blatt 93). Weiter liest man: „Es stellte sich heraus, daß vor 2 Tagen der in den früheren Tagebau mündende zweite Tageausgang infolge Verbrechens der alten Tagebaustöße verloren gegangen ist, nachdem schon vorher seine Verschüttung beseitigt worden war. Da wegen der ins Schieben geratenen Tagebaustöße ohne erhebliche bauliche Vorkehrungen und Kosten der Fluchtausgang an der bisherigen Stelle nicht dauernd offen gehalten werden kann, besprach man mit Dr. Funk in Meißen die Anlegung eines neuen zweiten Ausganges und riet zu einem kleinen Tageschächtchen an passender Stelle.“ Die Rißführung war nun einem konzessionierten Markscheider übertragen, „im übrigen ist... nichts Neues gegenüber dem Vorjahre zu berichten.“ Eine Aktennotiz vom 30. März besagt dann, daß sich die Betriebsleitung dafür entschieden habe, als zweiten Fluchtweg einen Tageschacht von 1 m x 1 m Profil zu teufen. Außerdem riet Roch, den Vorarbeiter Schubert förmlich als Aufsichtsbeamten bestätigen zu lassen. Das tat man denn auch und beantragte am 8. April 1921, Hutmann Paul Wilhelm Gustav Schubert und Vorarbeiter Karl Dommitzsch Beamteneigenschaft im Sinne des §111 der Allgemeinen Polizeivorschriften zuzuerkennen (40024-12, Nr. 392a, Blatt 89), was von der Berginspektion am 24. April auch genehmigt worden ist. Auch die Anlage des Fluchtschachtes genehmigte Inspektor Roch am 11. April 1921 unter der Maßgabe, daß er in Bolzenschrot ausgebaut und mit einer Kaue überbaut werde. Nach seiner Befahrung am 31. Januar 1922 konnte, nun der Regierungs- Bergrat Sarfert, dann schon berichten, daß der Schacht und die Kaue fertiggestellt waren. Na ja, der Schacht war ja auch nicht gerade sehr tief. Am 23. August 1922 hielt Bergrat Sarfert in seinem Bericht fest, daß die Grube nicht in Betrieb stehe, weil zwei Mann im Urlaub waren und nur Schubert anwesend war. Ansonsten lobte auch er: „Die Grube war in bester Ordnung. (...) Der Bericht zu den übrigen Punkten des Befahrungsnachweises erübrigt sich für die kleine Grube, deren Betrieb einfach ist und keine Schwierigkeiten bietet.“ (40024-12, Nr. 392a, Blatt 95f) Am 31. März 1923 fand er die Grube wieder mit zwei Mann belegt, dafür war Grubenaufseher Schubert wieder in Sornzig (40024-12, Nr. 392a, Blatt 97). Auf Herrn Sarfert folgte 1924 Regierungs- Bergrat Wolf in dessen Funktion nach. Der war am 30. November dieses Jahres in Seilitz, fand alle drei Arbeiter dort beschäftigt und im übrigen alles in bester Ordnung vor (40024-12, Nr. 392a, Blatt 102). So blieb es auch 1925: Bei seinen Befahrungen am 5. Februar und am 30. Juni hatte Bergrat Wolf am Grubenbetrieb nichts auszusetzen (40024-12, Nr. 392a, Blatt 104f). Am 28. März 1925 teilte Wolf nur an das Bergamt in Freiberg mit, Dr. Funk habe um Nachsicht dahingehend gebeten, den Grubenriß nicht alle 2, sondern nur alle 5 Jahre nachbringen zu lassen. Man einigte sich dann auf 3 Jahre Frist (40024-12, Nr. 392a, Blatt 107f).
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In seinem Monatsbericht
vom 29. Januar 1926 schrieb Bergrat Wolf, es seien im Staatlichen
Weißerdenwerk nach wie vor 3 Mann einschließlich Schubert beschäftigt.
„Abbau findet wechselseitig auf dem südlichen und nördlichen Flügel statt, um
das magere Material des Nordflügels mit dem des Südflügels zu mischen,“ fand
er außerdem bemerkenswert (40024-12, Nr. 392a, Blatt 110).
Kurz darauf, am 13. Februar 1926, zeigte die Betriebsleitung beim Bergamt an, daß der erst 1921 geteufte Fluchtschacht infolge des Abbaus demnächst verloren gehen werde. Man bat um Genehmigung, vorläufig nur die zu Tage gehende Hauptstrecke als ausreichend anzusehen. Hierzu teilte Wolf aber am 25.2.1926 an das Bergamt mit, er habe der Betriebsleitung empfohlen, anstelle des Schachtes einen zweiten Stolln zu treiben, der dann bis zum Schluß des Betriebes als zweiter Tagesausgang dienen könne, worauf Dr. Funk eingegangen sei (40024-12, Nr. 392a, Blatt 111). Der Fahrbericht vom 30. November 1926 von Bergrat Wolf besagt dann, daß der zweite Stolln bis dahin schon durchschlägig geworden ist, worüber hinaus es aber im Grubenbetrieb nichts Neues gäbe. Auch die Risse für beide Werke in Seilitz und Sornzig sind 1925 durch den Markscheider und Bergassessor a. D. H. E. Müller ordnungsgemäß nachgebracht worden (40024-12, Nr. 392a, Blatt 112). Genauso schritt der Betrieb auch 1927 fort. Erst in seinem fünften Monatsbericht aus diesem Jahr hatte Bergrat Wolf Veranlassung zu bemerken, daß der (doch gerade erst aufgefahrene) zweite Stolln „auf längere Erstreckung“ verbrochen war und man nun damit befaßt sei, einen neuen an dessen Stelle vorzutreiben. „Im Übrigen war nichts zu erinnern.“ (40024-12, Nr. 392a, Blatt 118) Bei dem weichen Gestein ging es flott und schon am 31. Oktober konnte Herr Wolf dann berichten, daß der neue Stolln fertig war. Schubert war in Sornzig mit Streckenausbau beschäftigt. In Seilitz gab es, wie meistens, nichts zu erinnern. Außerdem notierte er nach Rücksprache mit Dr. Funk, daß im folgenden Jahr mittels eines Schachtes mit der Untersuchung der nächsttieferen Sohle begonnen werden solle (40024-12, Nr. 392a, Blatt 119). So ging es gemächlich weiter und auch 1928 und 1929 fand die Berginspektion im Grubenbetrieb nichts auszusetzen (40024-12, Nr. 392a, Blatt 121ff). Stattdessen findet man einmal zwei kurze Notizen über das Staatliche Weißerdenwerk in der Jahrbuchausgabe von 1929, wo es heißt: V. Wichtige Ausführungen und Betriebsvorgänge. 1. Lagerstättenaufschlüsse; geologisch Bemerkenswertes. „5. Staatliches Weißerdewerk Seilitz in Seilitz (3). Von der tiefsten bisher erschlossenen Sohle wurde ein 5,5 m tiefes Bohrloch gestoßen. Es muß aber noch geprüft werden, ob die gesamte durchbohrte Schicht aus abbauwürdigem Kaolin besteht, was anscheinend der Fall ist.“ 5. Grubenausbau. „1. Staatliches Weißerdewerk Seilitz in Seilitz (3). Im Berichtsjahre wurde erstmalig das neu einzubauende Grubenholz mit Flurasil der Farbwerke Brand-Erbisdorf getränkt.“ Auch am 30. April 1929 ist im Monatsbericht der Berginspektion nur festgehalten, daß zurzeit kein Betrieb umgehe, denn „die Belegschaft ist mit Einebnen ziemlich umfangreicher Tagesbrüche im Grubenfeld beschäftigt“ sei (40024-12, Nr. 392a, Blatt 129). Am 14. Juli 1929 heißt es, daß diesmal kein Betrieb umgehe, weil „genügende Mengen Kaolins vor dem Stollnmundloch lagern und die Abfuhr durch die Staatl. Porzellanmanufaktur nur sehr langsam erfolgt. Aus diesem Grunde ist auch der eine Mann Belegschaft entlassen worden. Beim Werke ist jetzt nur Hutmann Schubert und dessen Sohn beschäftigt. Die Arbeit besteht im Durchwerfen des geförderten Rohkaolins durch ein Sieb und Aushaltung der Steine. Die Grubenbaue waren in Ordnung, zu irgendwelchen Erinnerungen war (...) kein Anlaß.“ (40024-12, Nr. 392a, Blatt 131) Nun, es war auch der Höhepunkt der Weltwirtschaftskrise und da sank sicher auch der Absatz an Luxusgütern, wie es das Meißen'er Porzellan nun einmal ist.
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Am 13. Januar 1930 wird
vom Bergamt die Anstellung von Kurt Schubert aus Schieritz (sicher der
Sohn des bisherigen) als neuer Grubenaufseher in Seilitz genehmigt (40024-12,
Nr. 392a, Blatt 135). Der hatte aber zunächst als solcher nicht wirklich viel zu
tun, denn Bergrat Wolf hatte schon nach seiner ersten Befahrung in diesem
Jahr anzuzeigen, daß Seilitz von Februar bis Juni 1930 ganz eingestellt bleibe.
Auch am 22. Juli konnte er nur mitteilen, daß die Betriebsaufnahme nochmals
verschoben sei, da die gesamte Belegschaft im Jahresurlaub sei (40024-12,
Nr. 392a, Blatt 137f).
Schließlich liest man dann im Monatsbericht vom 31. Januar 1931, daß nur Grubenaufseher K. Schubert und der frühere Hutmann G. Schubert angelegt seien, und „infolge der ungünstigen wirtschaftlichen Lage wird überdies noch um 15% verkürzt gearbeitet.“ (40024-12, Nr. 392a, Blatt 141ff) Aus dem Jahr 1932 gibt es in der Grubenakte gar keine Fahrberichte. Als nächstes folgt dann ein Jahresbericht für 1933, den wieder Herr Spitzner, nun aber im neuerrichteten Bergamt in Dresden tätig, aufgesetzt hat. Darin heißt es über das staatliche Weißerdenwerk, daß vom 1. März bis 31. Mai kein Betrieb in Seilitz umgegangen, da Kaolin- Gewinnung in Sornzig erfolgt sei. Die Grubenrisse waren bis 25. Februar 1931 nachgebracht, sonst war nichts zu bemerken (40024-12, Nr. 392a, Blatt 146). Dem nächsten Jahresbericht für 1934 ist zu entnehmen, daß auch in diesem Jahr der Betrieb in Seilitz zweimal längere Zeit unterbrochen gewesen ist (40024-12, Nr. 392a, Blatt 147). Schließlich ist 1936 der langjährige technische Betriebsleiter Dr. Funk ausgeschieden, denn an seiner Stelle wird Kurt Schubert als verantwortlicher Betriebsleiter in Seilitz bestellt, was das Bergamt Dresden am 10. Juni 1936 genehmigte (40024-12, Nr. 392a, Blatt 149).
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Die 1939 und 1941 anstelle der früheren
Jahrbücher für das Berg- und Hüttenwesen in Sachsen erschienenen ,Bergwerksverzeichnisse'
führen nur noch tabellarisch die in Umgang stehenden Unternehmen auf. Immerhin
enthalten sie noch die folgenden statistischen Angaben zu den beiden
fiskalischen Weißerdenwerken (der gelegentliche Abbau im Tagebau in Schletta ist
auch hier überhaupt nicht angeführt).
*) Abbau hat 1941 in Sornzig nicht stattgefunden. Es wurden lediglich Ausbesserungsarbeiten ausgeführt. Die Fördermengen der staatlichen
Weißerdenwerke, die ja ausschließlich die Porzellanmanufaktur in Meißen
belieferten, steht in keinem Verhältnis zum Ausbringen der ,industriellen'
Gewinnungsbetriebe im Umfeld. Zum Vergleich führen wir weiter
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Zum
Kaolinbergbau durch Krister's Erben bis 1914 in Seilitz
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Wie wir schon wissen, war
ab dem Jahr 1900 Bergmeister Seemann in der Berginspektion
III in
Freiberg für die gewerblichen Gruben zuständig. Seine erste Befahrung der
Krister'schen Grube in Seilitz erfolgte am 28. März dieses Jahres, worüber
sein Fahrjournal berichtet (40024-12, Nr. 394, Blatt 20ff):
Tagebesichtigung und
Befahrung „Das Werk ist im Besitze der Karl Krister’schen Porzellanfabrik in Waldenburg in Schlesien. Die Oberleitung wird von dem auf dem Werke wohnenden Inspektor Göthe ausgeübt, verantwortlicher Betriebsleiter für den unterirdischen Betrieb ist Steiger Sagner in Seilitz, dieser besitzt keine Bergschulbildung. Das Werk hat eine Belegung mit 30 Mann einschließlich Steiger, davon sind 4 Mann im unterirdischen Betriebe und 26 Mann in der Schlämmerei angelegt. Die jährliche Produktion beläuft sich auf 25.000 dz geschlämmte Porzellanerde, die in Meißen auf der Eisenbahn verladen wird, um nach Waldenburg befördert zu werden. Es werden für einen dz gewonnene rohe Porzellanerde 24 (pf...?) Zins an den Grundstücksbesitzer gezahlt. Die Arbeitszeit dauert von früh 6 bis abends 6 Uhr. Der Lohnverdienst beträgt durchschnittlich 18 Mark in der Woche. Das Lager besitzt eine durchschnittliche Mächtigkeit von etwa 7 m. Es ist aus der Verwitterung von Porphyr und Pechstein entstanden. Nur die aus dem Porphyr entstandene Porzellanerde von weißer Farbe ist brauchbar, während die aus dem Pechstein hervorgegangene, von grünlich weißer Farbe und sich fettig anfühlend, für die Porzellanfabrikation unbrauchbar ist. Einlagerungen von unzersetztem Porphyr finden sich vielfach bis in Cubikmetergröße. Die rohe Masse enthält 18% Kaolin. Das Porzellanerdelager ist durch einen saigeren und in Bolzenschrot ausgezimmerten Schacht aufgeschlossen. Dieser Schacht bildet den einzigen Tagesausgang, man glaubt aber anempfehlen zu können, von der Forderung einen Fluchtweg herzustellen, abzusehen, weil der Schacht sich bezüglich des Ausbaus in gutem Zustande befindet, trocken ist, nach der Versicherung des Steigers Sagner Schwimmsand im dortigen Abbaufeld nicht in Frage kommt und schließlich bis zur Erschöpfung des Lagers noch 2 bis 3 Jahre vergehen werden. Die Arbeiten in der Grube werden im Akkord verrichtet. Es werden von den 4 Mann wöchentlich 24 cbm rohe Porzellanerde gewonnen und aus dem Schachte herausbefördert. Nachdem bereits die obere Etage abgebaut und zu Bruch gegangen ist, geht jetzt der Abbau in der unteren Etage um. Unterhalb der letzteren steht die Porzellanerde nicht mehr in gewinnbarer Mächtigkeit an. Der Aushieb erfolgt durch Pfeiler- Rückbau, wobei die einzelnen Pfeiler bis zu 10 m Stärke genommen werden, während die Bauhöhe 2½ m beträgt. Die einzelnen Pfeiler werden in Streifen genommen. Nachdem ein solcher Streifen bis zum Pfeilerende ausgehauen ist, wird von hinten nach vorne die Zimmerung weggenommen. Ist die Decke zu Bruch gegangen, so wird unmittelbar der nebenliegende Streifen zum Aushieb gebracht, geht sie nicht zu Bruch, so läßt man einen etwa 1 m starken Sicherheitspfeiler stehen und gewinnt letzteren von hinten nach vorne beim Rauben der Zimmerung, nachdem dann der Bruch des durch den Sicherheitspfeilers abgesonderten Streifens regelmäßig eingetreten ist. Der Ausbau ist durchweg in gutem Zustande. Zur Förderung bedient man sich Wagen mit darauf ruhenden Kästen, welche in die Fördertrümer des Schachtes hineingefahren werden. Dort werden die Kästen an das Haspelseil befestigt und zu Tage gefördert. Wasserhaltung ist nicht nothwendig, die Grundwasser versickern. In sicherheitspolizeilichen Hinsicht ist Folgendes auszusetzen. 1. Verschlag des Fahrtrums gegen das Fördertrum fehlt in der oberen Etage. 2. Verwahrung des Füllortes gegen die Fördertrümer in der unteren Etage fehlt. Die modern eingerichtete Schlämmerei liegt etwa 10 Minuten vom Schachte entfernt. Es sind daselbst aufgestellt 2 Dampfkessel, 1 Dampfmaschine von etwa 40 Pferdestärken, 4 Schlämmapparate, 4 Trommelmühlen, 1 Kugelmühle, 7 Filterpressen und 4 Wasserpumpen, außerdem sind 10 Schlämmbassins angelegt. Freiberg, den 1. April 1900, Seemann, Bergverwalter.“ Die eingangs von Seemann genannte Förderung von 25.000 Doppelzentnern entsprach einem jährlichen Ausbringen von 2.500 t Kaolin um die Jahrhundertwende. Seine Empfehlung, in Anbetracht der noch verbleibenden Betriebsdauer dieses Schachtes auf einen zweiten Fluchtschacht zu verzichten, nahm er allerdings bereits am 24. August 1900 wieder zurück, da sich bei seiner Befahrung am 22. August 1900 gezeigt habe, daß sich „die Verhältnisse inzwischen verändert haben... Der Schacht hat sich nämlich, soweit er in Lehm durchsunken ist, vor einigen Wochen auf einer Seite gesenkt, so daß der Ausbau nunmehr um 20 cm auf einer Seite tiefer liegt... Die Ursache ist dem Betriebsleiter Sagner nicht bekannt. Der Abbau hat sich nicht in solcher Nähe des Schachtes bewegt, daß er hätte von Einfluß sein können.“ Zunächst wurde nun der Schacht in Seilitz neu ausgebaut. Zwar war die Grube überhaupt in gutem baulichem Zustande, aber da es sich wiederholen könnte, empfahl Seemann nun folgerichtig dem Bergamt in Freiberg, die Herstellung eines zweiten Tageschachtes anzuweisen (40024-12, Nr. 394, Blatt 24f). Die Fertigstellung dieses Fluchtschachtes und der Verbindungsstrecke konnte Faktor Göthe am 5. Januar 1901 an das Bergamt mitteilen (40024-12, Nr. 394, Blatt 55).
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Bereits am 9. März 1900
war Herr Seemann auch auf dem Krister'schen Schacht in Löthain
zugegen und hielt darüber in seinem Fahrjournal ausführlich fest (40024-12, Nr. 394, Blatt
A43ff):
Tagebesichtigung und Grubenbefahrung „Das Werk ist unmittelbar an das vorgenannte (welches das war, wird hier nicht gesagt, erfährt man aber später aus anderen Akten...) angrenzend gelegen. Es ist im Besitze des Porzellanfabrikanten Carl Krister in Waldenburg in Schlesien. Die Aufsicht führt Steiger Sagner, in Seilitz wohnend. Die Belegschaft besteht nur in zwei Mann, deren Angehörigkeit zu Versicherungen durch Befragen nicht festgestellt werden konnte. Die Unfallverhütungsvorschriften der Töpferei- Berufsgenossenschaft sind in der Mannschaftsstube in Aushang gebracht. Die Gewinnungsarbeit wird im Akkord verrichtet. Für 1 cbm gewonnene Massen erhalten die Leute 2,50 M, der Verdienst stellt sich auf etwa 18 M in der Woche. Die Produktion wird theilweise an umliegende Ofenfabriken verkauft, theilweise der Porzellanfabrik in Waldenburg zugesendet, nachdem die rohe Porzellanerde zuvor in der demselben Werke gehörigen Schlämmerei in Seilitz geschlämmt worden ist, wobei aus der Rohmasse 45% Kaolin gewonnen werden. An den Grundstücksbesitzer werden für 1 dz gewonnener Rohmasse 20 (Pf?) Zins gezahlt. Es sind zwei Schächte niedergeteuft, der Haspel- und Fahrschacht und der Fluchtschacht. Beide sind mit hölzerner Kaue überdeckt, wobei diejenige des Haspel- und Fahrschachtes noch mit harter Dachung und Blitzableiter versehen ist. Die Schächte sind etwa 28 m tief und in Bolzenschrotzimmerung ausgebaut. Bei ihrer Herstellung im Jahre 1893 durchteufte man zunächst 9 m Lehm, dann 10 m Sand und darauf Porzellanerde, deren Liegendes noch nicht erreicht worden ist. Der Abbau wird derart vollführt, daß mit Strecken bis zur Grenze gegangen wird und dann rechtwinklig zur ersteren 1½ m breite und 2½ m hohe Abbauörter getrieben werden. Ist man bis wiederum zur Grenze oder zum alten Mann gelangt, dann wird die Zimmerung geraubt und das Dach geht unmittelbar darauf zu Bruche, worauf von der Strecke aus gleich daneben wieder ein Abbauort von derselben Breite angelegt wird. So wird im Allgemeinen die ganze Lagerstätte gewonnen, nur läßt man einen kleinen Streifen als Sicherheitspfeiler stehen, wenn beim Zubruchgehen Sand mitkommt. Die Lagerstätte wird in zwei Etagen gewonnen. Die obere Etage ist bald abgebaut und hat man durch einen bereits 10 m ausgelängten Streckenbetrieb die untere Etage für den Abbau vorzurichten begonnen. Nach ihrer Angabe gewinnen und fördern die beiden Mann täglich 100 Kübel = 6,58 cbm zu Tage. Die Strecken werden durch 1,25 m von einander entfernte Thürstöcke ausgebaut, die in der Förste theilweise mit Brettern verzogen sind. Der Ausbau befindet sich in gutem Zustande. Die Förderung ist wie beim vorgenannten (…?) Werke eingerichtet, die Massen werden durch einen mit Vorgelege versehenen Haspel zu Tage gehoben. Die Grundwasser versickern sich auch hier. Betriebspolizeilich war folgendes auszusetzen: 1. An der Hängebank fehlt die Umzäunung der Fahröffnung, auch ist kein Schachtdeckel vorhanden. 2. Abstreicheisen in der Fahrschachtkaue fehlt. 3. Die Fördertrümer sind vom Füllortraum nicht verwahrt. Freiberg, den 1. April 1900, Seemann, Bergverwalter.“ Die Funktion von Markscheider Oscar Choulant für die Amtshauptmannschaft war eigentlich seit Einrichtung der Berginspektion III hinfällig, doch wurde er von dieser noch einmal zu einem neuen Antrag auf Schachtabsenkung, diesmal auf der Parzelle No. 53 der Löthain'er Flur, welchen Faktor Göthe am 2. Mai 1900 einreicht hatte, befragt (40024-12, Nr. 394, Blatt 15ff). Diesmal verwies er darauf, daß im fraglichen Bereich alter Abbau durch Oswald Finke läge. Nur zwei Monate später, am 29. Mai 1900 war auch Inspektor Seemann deshalb erneut vor Ort und berichtete über seine... (40024-12, Nr. 394, Blatt 45f, Filmbildnummer 0012): Besichtigung des Schachtabteufens. „In einer Entfernung von 25 m von der Staatsstraße Meißen – Nossen in West und in ungefähr gleicher Entfernung von dem von Garsebach nach Kaschka führenden Communicationswege in Nord ist die (...) bereits genannte Porzellanfabrik von Carl Krister (...) seit dem 7. Mai dieses Jahres damit beschäftigt, einen Schacht zur Gewinnung der Porzellanerde auf dem Feldgrundstück des Gutsbesitzers Finke in Löthain abzuteufen. Der Schacht hat einen Querschnitt 3 x 1,13 m erhalten, ist in Bolzenschrotzimmerung gesetzt und hat bis jetzt bei 12 m Teufe nur Lehm erschlossen. Die Bolzen haben jetzt eine Länge von 0,71 m, so bald der Sand eintrifft, sollen sie eine solche von 0,56 m erhalten., die Gevierte sind mit 35 mm starken Brettern hinterzogen. Die einzubauenden Schachtscheider sollen direkt auf die langen Jöcher gelagert werden. Der Schacht ist 3 m aufgesattelt und vorläufig nur mit einem hölzernen Regenschutz überbaut. Steiger Sagner wurde darauf aufmerksam gemacht, daß das Zutrittsverbot zum Schacht fehlt und die Einfahröffnung noch keinen Schachtdeckel erhalten hat, er traf sofort die nothwendigen Anordnungen...“ Herr Sagner, welcher 1894 bereits 72 Jahre alt, bereits 38 Jahre bei Krister angestellt und seit 4 Jahren Träger der ,Medaille für Treue in der Arbeit' gewesen ist, war also auch 1900 noch immer als Steiger für den Krister'schen Grubenbetrieb tätig.
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Inzwischen hatte sich
auch bei der Werksleitung in Seilitz herumgesprochen, daß Herr Choulant
gar nicht mehr zuständig war und die nächsten Betriebspläne reichte Faktor
Göthe deshalb am 5. Juli 1900 beim Königlich- Sächsischen Landes- Bergamt in
Freiberg ein. Der Betrieb in Seilitz solle wie bisher fortlaufen, die
Verbindungsstrecke zum neuen Fluchtschacht wurde inzwischen aufgefahren. In
Löthain baute man noch
„in der oberen Etage“,
hatte den Tageschacht aber inzwischen auf 31 m Teufe niedergebracht (40024-12,
Nr. 394, Blatt 26). Dagegen hatte auch Inspektor Seemann nichts
einzuwenden.
Bei seiner nächsten Befahrung fand er allerdings so einiges zu bemängeln (40024-12, Nr. 394, Blatt 33ff):
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Was den neuen Schacht in
Löthain anbetraf, so gab es am 30. Januar 1901 eine Besprechung im Büro in
Seilitz mit den Betriebsleitern Göthe und Dr. Oppelt von der
in Dobritz (tatsächlich bildet die Straße nach Garsebach auch heute noch
zugleich die Gemarkungsgrenze) geplanten Tongrube des Meißner Chamottewerks, die Anlage
von Fluchtwegen in Löthain betreffend. Daraufhin zeigte Herr Göthe am
3. Februar 1901 im Bergamt an,
man wolle „im Verein mit der Meißner Chamotte- und Thonwarenfabrik GmbH
unsere vis a vis liegenden Schächte durch eine (...) unter der Meißen- Nossener
Straße hindurch führende Fluchtstrecke verbinden“ und so einen gemeinsamen
Fluchtweg herstellen (40024-12, Nr. 394, Blatt 56ff).
Hier erfahren wir nebenbei, welches Werk der Inspektor bei seiner ersten Befahrung anfangs des vergangenen Jahres als dem Krister'schen in Löthain benachbart vorfand. Nun ist die ,Meißen- Nossener Straße' aber auch die heutige Bundesstraße B 101, und diese zu unterfahren, erforderte auch damals schon einige Behördenbeteiligung.
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Das Landesbergamt erteilte jedenfalls seine
Genehmigung unter den Auflagen, die Fluchtstrecke unter und beiderseits der
Straße auf 10 m Länge auszumauern, auch mit dem Abbau 10 m Abstand zur Straße
einzuhalten und die Strecke nach Beendigung des Abbaus dicht auszusetzen.
Nachdem auch das Straßenamt und die Amtshauptmannschaft in Meißen unter den
genannten Bestimmungen zugestimmt hatten, kam am 19. Juli 1901 auch die
Genehmigung aus Dresden zur Unterfahrung der Chaussee
(40024-12, Nr. 394, Blatt 66f).
Nachdem alles genehmigt war, mußte Inspektor Seemann am 19. November 1901 aber dem Bergamt mitteilen, daß die beiden Gesellschaften sich nun doch nicht vereinigt haben, von dem Querschlag unter der Straße absehen und jede einen separaten Fluchtschacht teufen wollten... (40024-12, Nr. 394, Blatt 70) Am 8. November 1901 war der Inspektor wieder vor Ort. In Seilitz wurde von ihm ein fehlendes Geländer an der Auslaufbrücke für die Schlämmereirückstände bemängelt, sonst aber alles für in Ordnung befunden (40024-12, Nr. 394, Blatt 73f). Auch in Löthain befand er den Grubenbetrieb bis auf den noch fehlenden Fluchtschacht in Ordnung. Dafür gab es nun folgenden neuen Plan.
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Der neue Fluchtschacht sollte mit 11 m
Abstand zur Chaussee gerade außerhalb des Sicherheitspfeilers zu stehen kommen,
die zu ihm führende Fluchtstrecke allerdings nur 6 m neben der Kaschka-
Garsebach'er Verbindungsstraße liegen. Dem stimmte Inspektor Seemann am
2. Januar 1902 zu (40024-12, Nr. 394, Blatt 77). Schon am 8. März 1902 konnte
Betriebsleiter Göthe dann die Fertigstellung des Fluchtweges mitteilen
(40024-12, Nr. 394, Blatt 79).
So fand der Inspektor auch bei seinen Grubenbefahrungen am 16. Januar und am 10. März 1902 nichts zu erinnern. Über Löthain fand er diesmal in seinem Bericht vom 1. April noch bemerkenswert (40024-12, Nr. 394, Blatt 83ff): „Vor einem Orte war die Fluidalstruktur des Dobritzer Porphyrs im Kaolin noch sehr gut bemerkbar, auch die generell geschichteten Lamellen von Eisenoxyd, wie sie der Porphyr zeigt, sind durch das Hervortreten heller und dunkler Streifen deutlich erkennbar. Eine eigenthümliche Erscheinung bilden ferner die mitten in der Kaolinmasse mitunter auftretenden Massen von tertiären, sehr feinen Sanden und von Kiesen bis zur Wallnußgröße.“ An dieser Stelle ist auch jene Skizze entstanden, welche er später in seinem umfangreichen Bericht für die Jahrbuchausgabe 1902 verwendete...
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Im Sommer 1902 wurde Seemann nach
Leipzig versetzt und durch
Berginspektor Roch in seiner Funktion in Freiberg abgelöst. Der neue Inspektor war am
22. Juli 1902 das erste Mal in Löthain und berichtete anschließend ausführlich
in seinem ersten Fahrjournal
(40024-12, Nr. 394, Blatt 88ff, Filmbildnummer 0146ff), zunächst unter der
Rubrik ,Sonstige Bemerkungen':
„Die Löthain'er Grube Kristers besteht aus 2 durch die Döbelner Chaussee getrennten Abteilungen, den Gildner Schacht und den Margarethenschacht, deren jede neben dem Förder- und Fahrschacht einen Fluchtschacht besitzt. Die andere Krister'sche Porzellanerdegrube befindet sich in Seilitz, gegen eine deutsche Meile von jener entfernt. Zufällig befand sich Obersteiger Sagner, ein in Seilitz wohnhafter Beamter Krister's im Gildnerschachte, um zu ziehen. Man befuhr mit ihm die Löthainer Grube. Sagner ist 80 Jahre alt, hat ein Auge verloren und leidet bei starker Körperanstrengung (Fahrt anfahren) an kurzem Atem. Gleichwohl war er verhältnismäßig rüstig ‒ er ließ es sich nicht nehmen, mit dem Berichterstatter zu fahren, obwohl ihm derselbe diese Mühe ersparen wollte ‒ und scheint, wiewohl er nicht Betriebsleiter ist, auf die Ausführung der Grubenarbeiten bedeutenden ‒ und zwar günstigen Einfluß auszuüben. Sagner ist, wie er angab, schon 46 Jahre auf den Krister'schen Porzellanerdegruben thätig.“ Respekt: Herr Sagner ist in diesem hohen Alter noch immer als Grubensteiger tätig! Mit dem ,Ziehen' meinte Herr Roch hier einen Kompaßzug, also einen Nachtrag in der Vermessung der Grube. Der Gildnerschacht wurde später auch als ,Güldnerschacht' bezeichnet und den Namen ,Margarethenschacht' haben wir doch auch schon als eine Grube des Kollreppwerkes gefunden... Als ,Bergpolizeiliche Bemerkungen' notierte der Inspektor: „1. Die Schächte befanden sich (...) in gutem Zustande. 2. Fluchtverbindungen waren so hergestellt, daß man von den Betriebspunkten aus zum betreffenden Fluchtschacht gelangen kann, ohne den betr. Hauptschacht zu berühren oder in dessen Sicherheitspfeiler zu gelangen und umgekehrt. Indessen mußte von den Oertern bis zur Abzweigung der Flucht- und Wetterstrecke ein verhältnismäßig langer Weg zurückgelegt werden. Man beabsichtigt zur möglichsten Beseitigung dieses Umstandes, demnächst gelegentlich anderer Dienstgeschäfte Rücksprache mit dem Betriebsleiter, Ingenieur Göthe, zu nehmen. 3. Der Grubenriß befand sich nach Sagner's Angabe in Seilitz und konnte daher nicht eingesehen werden. 4. Im Gildnerschachte waren 3 Mann vor 2 Oertern und am Haspel beschäftigt, im Margarethenschacht ‒ ebenfalls vor 2 Örtern ‒ 2 Mann, von denen einer als Vorarbeiter bei der in der Regel bestehenden Abwesenheit des Betriebsleiters Göthe und des Obersteigers Sagner die Aufsicht über den Löthainer Betrieb führt. Da unter und über Tage Ordnung herrschte, kann man die Aufsichtsführung nicht als unzulänglich bezeichnen. 5. Die Schächte besitzen keine Brandabdeckungen; es erscheinen solche auch nicht nothwendig. 6. Am Fluchtschachte des Gildnerschachtes, dessen Kauenthür während des Betriebes offen steht, fehlte eine Zutrittsverbotstafel. Sagner versprach, eine solche anbringen zu lassen.“ Ein guter Inspektor findet immer was... Am 22. September war vertretungshalber für Herrn Roch Berginspektor Anshelm zu einer Revision der Schlämmerei, Einsichtnahme in die Risse und Erörterungen mit der Betriebsleitung in Seilitz (40024-12, Nr. 394, Blatt 93f, Filmbildnummer 0150f). Über den Grubenbetrieb berichtete er nur, daß gerade der obere Teil des Schachtes umgebaut werde und daher kein Abbau umgehe. „Man konnte von der Hängebank aus sehen, daß die genannte Schachtarbeit ordnungsmäßig ausgeführt wurde.“ Auch nach seiner ersten Grubenbefahrung am 27. Dezember 1902 in Seilitz notierte Berginspektor Roch in seinem Fahrjournal „Der gute Zustand der Grube zeugte von der Zulänglichkeit der Aufsicht.“ (40024-12, Nr. 394, Blatt 97, Filmbildnummer 0002)
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Im folgenden Jahr 1903 war Inspektor Roch
am 19. Februar in Löthain und fand die Warntafel angebracht, auch „die
Umzäunungen der Tagebrüche waren in Ordnung“
‒ auch hier brachen die zubruchgeworfenen Baue natürlich bis übertage durch
(40024-12, Nr. 394, Blatt 98, Filmbildnummer 0154f). Eine weitere Revision durch
Inspektor Roch fand am 11. September 1903 statt (40024-12, Nr. 394,
Blatt 106, Filmbildnummer 0162f). In Löthain befand er den Grubenbetrieb für in
Ordnung. Obersteiger Sagner befuhr noch immer wöchentlich alle
Grubenbaue. In Seilitz war nur noch ein Ort mit einem Mann belegt, ein zweiter
arbeitet an der Haspel. Wie der Obersteiger mitteilte, werde der Abbau hier Ende
des Jahres eingestellt, weil „die
Porzellanerde durch eisenschüssige Beimengungen an guter Beschaffenheit sehr
verloren“ habe.
Am 29. Oktober 1903 nahm man dann bei der Berginspektion in Freiberg zu Protokoll, daß Betriebsleiter Göthe persönlich vorgesprochen habe, um mitzuteilen, daß Obersteiger Gottlieb Sagner am 22. Oktober des Jahres verstorben ist (40024-12, Nr. 394, Blatt 104f, Filmbildnummer 0160). Er teilte außerdem noch einmal mit, daß beim Grubenbetrieb in Seilitz nur 2 Mann angelegt seien und daß dieser im kommenden Jahr ganz eingestellt werden solle. Die beiden Grubenabteilungen in Löthain standen noch abwechselnd in Betrieb und waren mit dem Vorarbeiter Franz Scholz und zwei weiteren Mann belegt. Herr Göthe gab weiter an, daß Scholz bereits seit 1875 auf dem Werk und seit 1890 als Vorarbeiter stets zuverlässig tätig war. Aufgrund des geringen Umfangs der Kaolingewinnung, „welcher aller Voraussicht nach eine Erweiterung nicht erfahren wird,“ beantragte Herr Göthe, daß der Vorarbeiter zukünftig in Löthain anstelle von Obersteiger Sagner die Aufsicht führen solle. Dem stimmte auch die Berginspektion zu. Am 23. März 1904 reichte Herr Göthe für alle drei Grubenabteilungen Risse und Betriebspläne ein (40024-12, Nr. 394, Blatt 110, Filmbildnummer 0166f). Die Berginspektion stimmte diesen am 30. März zu und empfahl nur, für den Abbau südlich der Meißner Chaussee auf Parzelle 65 und 66 und in der 2. Sohle eine neue, kürzere Fluchtstrecke zu treiben, da der Weg zum geplanten Abbaupfeiler schon über 70 m betrage. Leider sind die betreffenden Risse in der Akte nicht enthalten. In Seilitz näherte sich der Abbau nun bereits wieder dem Schacht auf nur noch 8 m. Weil in diesem gerade erst der Ausbau erneuert worden ist und „im Hinblick auf die Trockenheit des Gebirges, welches das Bestreben hat, bei eintretenden Brüchen saiger niederzugehen,“ befand die Berginspektion auch diesen Abbau für zulässig und hielt einen Schachtsicherheitspfeiler von nur 5 m für ausreichend. Unter den genannten Auflagen stimmte auch das Bergamt am 7. April 1904 diesen Plänen zu.
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Eine weitere Grubenrevision erfolgte dann am
18. Mai 1904 (40024-12, Nr. 394, Blatt 113, Filmbildnummer 0169f). Der
Berginspektor, inzwischen ein Herr Scholz, fand nichts grundsätzliches zu
bemängeln und schlug nur der Feuersicherheit wegen vor, in den über den
Schächten stehenden Gebäuden und den angebauten Mannschaftsstuben das Rauchen zu
untersagen. Außerdem sollten, „wegen der ziemlich rasch aufeinander folgenden
Änderungen,“ die Grubenrisse häufiger nachgebracht werden.
Am 15. Dezember 1905 war Inspektor Roch wieder zu einer Tagebesichtigung in Seilitz, fand dabei aber „nichts zu erinnern.“ (40024-12, Nr. 394, Blatt 121, Filmbildnummer 0169f) Die nächste Befahrung erfolgte am 22. April, bei der Betriebsleiter Göthe zur Kenntnis gab, daß die Unternehmer im Revier gemeinsam einen Markscheider bestellen wollten, welcher zukünftig die Risse nachbringen solle (40024-12, Nr. 394, Blatt 122, Filmbildnummer 179f). Über die noch in Betrieb stehenden Schachtanlagen in Löthain heißt es im Fahrbericht, „dem ordentlichen Zustand der Grube nach zu urteilen, genügt die Aufsicht durch Göthe und den Vorarbeiter Scholz.“ Am 17. Juni 1905 war Inspektor Roch auch auf den Seilitz'er Schächten und meinte, daß sich Anordnungen erübrigen, da der Abbau bald beendet sein werde (40024-12, Nr. 394, Blatt 124, Filmbildnummer 181). In dem von Herrn Göthe am 2. August des Jahres eingereichten Betriebsplan heißt es bereits, daß die Seilitz'er Schächte nun abgetragen und verfüllt werden sollen (40024-12, Nr. 394, Blatt 125, Filmbildnummer 183). Dazu erließ die Berginspektion nur die Auflage, daß der Schachtausbau im Zuge der Verfüllung zu rauben sei. Nach einer Befahrung am 9. Juli 1905 notierte Berginspektor Roch noch, daß Göthe auf sein Befragen angegeben habe, daß der in den statistischen Fragebögen noch immer als Besitzer der Werke angegebene Herr Carl Krister schon seit langer Zeit tot sei (nämlich schon seit 1869) und die jetzigen Besitzer Haenschke's Erben in Waldenburg, vertreten durch den Rittmeister a. D. A. Haenschke ebendort, seien (40024-12, Nr. 394, Blatt 126, Filmbildnummer 0185). Am 20. September 1905 fand Inspektor Roch die Seilitz'er Schächte bereits verfüllt vor, nur das Bruchfeld war noch einzuebnen. Dazu gab Göthe aber an, daß der Grundbesitzer Arndt Mierisch aus Goselitz bei Ostrau gemäß des ‒ bei der Bergbehörde allerdings nicht vorliegenden ‒ Abbauvertrages durch den gezahlten Grundzins voll entschädigt und das Werk zur Einebnung nicht verpflichtet sei (40024-12, Nr. 394, Blatt 127, Filmbildnummer 186f). Für die Jahre 1906 und 1907 reichte Göthe nur noch einen Betriebsplan für die beiden Löthain'er Gruben ein (40024-12, Nr. 394, Blatt 131, Filmbildnummer 190). Hier sollte bei der Grube Margarethe noch einmal ein neuer Fahr- und Förderschacht geteuft werden, um den nächsten, östlich gelegenen Pfeiler gewinnen zu können. Außer den üblichen Hinweisen auf die bergpolizeilichen Vorschriften hatte man in Freiberg dagegen keine Einwendungen, forderte aber, daß die Rißnachbringung durch einen Markscheider binnen einem Vierteljahr erfolgen solle. Am 26. Juni 1906 war der Berginspektor wieder vor Ort. Beim Güldnerschacht war die Haspel nicht in Ordnung und im Margaretenschacht waren einige Zimmerungsschäden zu sehen, was jedoch in Anbetracht des geplanten neuen Schachtes nicht als von Bedeutung angesehen wurde. In der Schlämmerei hing ein veraltetes Exemplar der Unfallverhütungsvorschriften aus (40024-12, Nr. 394, Blatt 137, Filmbildnummer 196f). Am 8. September 1906 fand der Inspektor den neuen Fahr- und Förderschacht in Löthain bereits abgeteuft vor und man war gerade beim Aufstellen des Fördergerüstes (40024-12, Nr. 394, Blatt 139, Filmbildnummer 198). Die Betriebsbereitschaft des neuen Schachtes zeigte Betriebsleiter Göthe am 29. Oktober an. Allerdings hatte Inspektor Bachmann am 11. Dezember des Jahres auch anzuzeigen, daß das Bruchfeld am Seilitz'er Schacht noch immer nicht eingeebnet worden ist (40024-12, Nr. 394, Blatt 146, Filmbildnummer 205).
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Bis Februar 1907 konnte Göthe
mitteilen, daß endlich auch die Grubenrisse durch den Markscheider Jakob
in Freiberg neu aufgenommen worden sind (40024-12, Nr. 394, Blatt 149,
Filmbildnummer 208).
Für den Abbau in Löthain in den Jahren 1907 und 1908 reichte Göthe am 7. Juni 1907 wieder einen Betriebsplan ein. Neben dem Fortgang des Abbaus sollte auch vom neuen Schacht aus eine Untersuchungsstrecke nach Südost getrieben und an deren Ende auch ein neuer Fluchtschacht geteuft werden (40024-12, Nr. 394, Blatt 153, Filmbildnummer 0213). Dagegen hatte Berginspektor Bachmann keine Einwände, nur die Länge der Untersuchungsstrecke wurde auf 120 m vom Hauptschacht begrenzt, damit sie dem Verbindungsweg Löthain- Garsebach nicht zu nahe komme. Am 24. Juni befuhr der Berginspektor auch die Schächte in Löthain wieder, wobei er alle vier „im großen und ganzen in sicherem Zustande“ fand, nur beim Margaretenschacht war der Verzug des Schachtausbaus morsch (40024-12, Nr. 394, Blatt 154, Filmbildnummer 0214). Eine Erneuerung wurde aber nicht mehr angeordnet, da dieser ja ohnehin im nächsten Vierteljahr durch den neuen Schacht ersetzt und dann abgeworfen werden solle. Inzwischen hatte Göthe auch den Obersteiger Ernst Moritz Schütze aus Schletta, welcher bei der Kaolingrube der Meißner Chamotte- und Tonwarenfabrik angestellt war, mit der Mitbeaufsichtigung und Rißnachbringung in den Löthain'er Gruben betraut. Darüber machte der Betriebsleiter am 7. August 1907 dem Bergamt Mitteilung (40024-12, Nr. 394, Blatt 159, Filmbildnummer 0221). Außerdem sollte August Gotter aus Semmelsberg den bisherigen Vorarbeiter Franz Scholz bei der Beaufsichtigung der Arbeiten auf dem neuen Schacht unterstützen. Letzterer wurde dann aber wegen Trunkenheit entlassen und durch Eduard Otto Voigt aus Wachtnitz ersetzt (40024-12, Nr. 394, Blatt 164, Filmbildnummer 0227). Was bis dahin aber immer noch nicht erledigt war, war die Einebnung des Bruchfeldes in Seilitz.
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Am 10. Oktober 1907 fand Inspektor
Bachmann den Fluchtschacht in Bau vor (40024-12, Nr. 394, Blatt 169,
Filmbildnummer 0233). Bemerkenswert war dabei, daß man vom Ende der
Untersuchungsstrecke aus nach Übertage eine Bohrung von 20 cm Durchmesser
gestoßen hatte, welcher man nun mit dem Schachtabteufen folgte. Den Aushub aus
dem Schachtprofil verstürzte man durch die Bohrung nach untertage, wo man das
Material als Versatz verwandte. Bei seiner Befahrung am 27. November 1907
war alles fertig und auch der alte Fluchtschacht verfüllt (40024-12, Nr. 395,
Blatt 1, Filmbildnummer 0005). Die Ausgabe der Jahrbücher für das Berg-
und Hüttenwesen in Sachsen auf das Jahr 1908 berichtet uns aber auch, daß am
15. Oktober der Grubenarbeiter Wilhelm Hermann Rohleder infolge eines
Streckenverbruchs beim Rauben der Zimmerung tödlich verunglückt ist.
Bei seiner nächsten Befahrung der Schlämmerei am 17. März und der Löthain'er Schachtanlagen am 23. März 1908 fand Berginspektor Bachmann zum wiederholten Male nichts am Grubenbetrieb auszusetzen (40024-12, Nr. 395, Blatt 2f, Filmbildnummer 0006f). Auch bei seiner Befahrung am 24. November des Jahres 1908 in Löthain fand Berginspektor Bachmann nichts zu erinnern. Nur der feuerhemmende Anstrich der Kaue über dem neuen Förderschacht fehlte noch, weil ein solcher bei Frost nicht erfolgen könne (40024-12, Nr. 395, Blatt 18, Filmbildnummer 0022). Am 16. Januar 1909 war Inspektor Spitzner in Löthain, fand den Abbau aber „infolge schlechten Geschäftsganges“ unterbrochen vor (40024-12, Nr. 395, Blatt 20, Filmbildnummer 0024). Auch nach seiner Befahrung der Schlämmerei in Seilitz am 26. März 1909 notierte der Berginspektor, daß „der Geschäftsgang ein schleppender“ sei (40024-12, Nr. 395, Blatt 21, Filmbildnummer 0025). Das hatte sich auch bis zu seinen nächsten Befahrungen am 30. April und am 19. Mai 1909 nicht geändert (40024-12, Nr. 395, Blatt 22 und 25, Filmbildnummer 0026 und 0029). Doch für das Jahr 1909 wurde noch ein neuer Betriebsplan durch Betriebsleiter Göthe eingereicht. Zugleich zeigte er an, daß er die Belegschaft der Gruben auf nur noch je zwei Mann reduzieren müsse. Seitens der Berginspektion wurden keine Einwände erhoben, so daß er auch durch das Bergamt genehmigt worden ist (40024-12, Nr. 395, Blatt 23, Filmbildnummer 0028). Bis zur Befahrung am 19. November 1909 war zumindest der Anstrich der Kaue erfolgt, nennenswerter Abbaubetrieb aber immer noch nicht wieder aufgenommen (40024-12, Nr. 395, Blatt 31, Filmbildnummer 0037). Was aber noch immer nicht erfolgt war, war die Einebnung des Bruchfeldes in Seilitz. Am 2. Juli 1909 zeigte Inspektor Spitzner im Bergamt an, man habe „gelegentlich erfahren, (daß) ein Gutsbesitzer, dessen Name man jedoch nicht in Erfahrung bringen konnte, in etwas angetrunkenem Zustande im vorigen Jahre in die von den Bauen der ehemaligen Krister'schen Kaolingruben in Seilitz herrührenden Bingen gestürzt (sei), ohne dabei verwunderlicherweise Schaden zu nehmen...“ Kinder und Betrunkene, sagt der Volksmund, haben Schutzengel... Der Berginspektor suchte daraufhin Herrn Ing. Göthe auf, welcher ihm aber diesmal den Nachtrag vom 1. Juli 1868 zum Abbauvertrag mit dem damaligen Grundbesitzer Heinrich Oskar Mierisch in Göselitz bei Ostrau vorlegte, nach welchem der Grundbesitzer, inzwischen der Herr Arndt Mierisch, gegen die bewilligte Entschädigung auch die Einebnung vorkommender Senkungen selbst zu bewerkstelligen habe. Daraufhin empfahl die Berginspektion dem Landesbergamt, den Grundbesitzer nun direkt zur Verwahrung aufzufordern (40024-12, Nr. 395, Blatt 27f, Filmbildnummer 0031f).
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Am 2. Juni 1910 gab es wieder eine Befahrung
auf den verbliebenen Krister'schen Gruben in Löthain und am 22. September 1910
in der Schlämmerei in Seilitz. Herr Spitzner fand an beiden Orten nichts
zu bemängeln, nur beim Güldnerschacht werde demnächst infolge des Abbaus
eine Fluchtstrecke unfahrbar, weswegen eine neue herzustellen sei. Der
Abbaubetrieb war also wieder in Gang gekommen (40024-12,
Nr. 395, Blatt 32f, Filmbildnummer 0038f). Außerdem befand der
Berginspektor, daß es aufgrund der einfachen und übersichtlichen
Betriebsverhältnisse eines Betriebsplanes bis auf Weiteres nicht mehr bedürfe.
Auch die Zulassung der Rißwerknachbringung durch Steiger Schütze wurde
noch einmal bestätigt.
Auch in der Ausgabe der Jahrbücher für das Berg- und Hüttenwesen vom Jahr 1911 liest man im Kapitel V. Allgemeine Mitteilungen über die gewerblichen Gruben. 1. Wirtschaftliche Lage der Gruben. daß sich die wirtschaftliche Lage im zurückliegenden Jahr wieder gebessert habe: „(...) Beim Rohkaolin hat sich sowohl die zu Tage geförderte Menge als auch der Durchschnittswert im Jahre 1910 erhöht, und zwar wurden 219 t = 1,67 % mehr Rohkaolin als im Vorjahre verkauft. Der durchschnittliche Verkaufswert hat sich für die Tonne um 0,17 M gesteigert, so daß der Geldwert des Gesamtausbringens auf 62.515 M gegen 59.200 M im Vorjahre heraufgegangen ist. Das Gesamtausbringen an geschlämmtem Kaolin ist neben dem erhöhten Bedarfe an Kaolin in den Porzellan- und Papierfabriken auch infolge von Anknüpfung kaufmännischer Verbindungen nach dem Auslande um 6.397 t = um 33,0%, der Gesamtverkaufswert um 130.984 M gestiegen. Der durchschnittliche Wert auf 1 t geschlämmten Kaolin hat jedoch seine vorjährige Höhe nicht zu behaupten vermocht; er ist um 1,76 M, zum Teil infolge des erhöhten Konkurrenzkampfes im Inlande selbst, zurückgegangen. Durch die Steigerung, die die Herstellung künstlichen Kalksandsteines in letzter Zeit erfahren hat, ist hauptsächlich der im Jahre 1910 erzielte Mehrverkauf an Sand als Nebenerzeugnis aus den Kaolinschlämmereien, der sich gegenüber dem Vorjahre um 1.218 t = um 26,62% erhöht hat, bedingt worden. Der Preis für 1 t Sand hat sich um 0,12 M erhöht.“ Am 17. März 1911 mußte Herr Spitzner dann anzeigen, daß der Betriebsleiter, Dipl.-Ing. F. Göthe, einen Schlaganfall erlitten habe und in der Schlämmerei vorläufig durch den Vorarbeiter Anton Mietzsch vertreten werde, während die Beaufsichtigung der Gruben bei Obersteiger Schütze bleibe. Herr Göthe genas zwar wieder, trat jedoch der Erkrankung halber aus der Betriebsleitung zurück, wovon die Berginspektion, nachdem man davon erfahren hatte, am 22. Juli 1911 auch das Bergamt in Kenntnis setzte. An seiner Stelle sandte man aus Waldenburg Herrn Paul Böhm nach Seilitz. Derselbe habe auch informiert, daß man in Waldenburg gesonnen sei, die Schlämmerei zu verkaufen (40024-12, Nr. 395, Blatt 35f, Filmbildnummer 0041f). Hinsichtlich des Schlämmerei- und Grubenbetriebes fand der Berginspektor auch am 15. Mai und 12. Juli 1911 nichts auszusetzen. Den Margarethen Schacht hatte man noch einmal um 5 m verteuft und eine Versuchsstrecke in dieser 2. Sohle ins Feld getrieben. Die Aufschlüsse waren offenbar erfolgversprechend. Auch in Seilitz hatte man noch einmal Bohrungen vorgenommen, deren Ergebnisse zwar „nicht sehr glänzende“ waren, doch sollte auch hier der Abbau im folgenden Jahr noch einmal aufgenommen werden. Außerdem ist im Fahrbericht vom 15. Mai noch festgehalten, daß das Krister'sche Privatunternehmen in eine Aktiengesellschaft umgewandelt werden solle (40024-12, Nr. 395, Blatt 37ff, Filmbildnummer 0043ff). Über die Bohrergebnisse kann man auch in der Ausgabe der Jahrbücher für das Berg- und Hüttenwesen vom Jahr 1912 lesen: Vl.
Wichtige Ausführungen und Betriebsvorgänge auf den gewerblichen Gruben 1. Neue
Lagerstättenaufschlüsse und geognostisch oder bergmännisch „1. Neben verschiedenen Bohrungen auf Ton, die u. a. auf Löthainer, Kaschkaer, Mehrener und Dobritzer Flur im Laufe des Berichtsjahres vorgenommen worden sind, haben auch Bohrungen auf Kaolin auf der Flur Seilitz stattgefunden. Während im ersten Falle die Bohrungen zum Teil keinen nennenswerten Erfolg hatten, führten die Bohrungen auf Kaolin zu einem nicht ungünstigen Ergebnisse.“ Da demnach die Bohrungen bei Löthain weniger Erfolg hatten, zeigte Schütze am 25. Oktober beim Bergamt an, daß man die Margarethenschachtanlage auf Finke's Grund stillegen wolle (40024-12, Nr. 395, Blatt 40ff, Filmbildnummer 0046ff). Tatsächlich wurde der Margaretenschacht noch im Dezember 1911 abgeworfen und verfüllt, der Fluchtschacht war bis zum 18. Januar 1912 ebenfalls verfüllt. Die Güldnerschachtanlage aber blieb auch 1912 in Betrieb. Bei seiner Befahrung am 18. Januar fand Inspektor Spitzner hier auch jetzt nichts auszusetzen (40024-12, Nr. 395, Blatt 44f, Filmbildnummer 0051f). Am 15. Mai 1912 teilte der Berginspektor dann an das Bergamt mit, daß der neue Schlämmerei- Inspektor Böhm ihn davon informiert habe, daß die Firma Verkaufsverhandlungen eingeleitet habe und in wenigen Wochen auf einen Abschluß hoffe. Sollte der Verkauf nicht zustandekommen, werde man den Betrieb in jedem Falle einstellen (40024-12, Nr. 395, Rückseite Blatt 45, Filmbildnummer 0053). Bis zum 17. Dezember 1912 war ein Verkauf zwar noch nicht erfolgt, aber die Prospekte einer neuen Aktiengesellschaft waren bereits gedruckt. Nur war „infolge des Balkankrieges die Beschaffung des erforderlichen Kapitals zurzeit unmöglich geworden.“ (40024-12, Nr. 395, Rückseite Blatt 50, Filmbildnummer 0058) Da der Sitz der Gesellschaft Paris sein sollte, ist auch das Gründungskapital mit 2,5 Millionen Francs benannt.
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Dem Abschnitt Gesellschaftszweck in
diesem Prospekt ist zu entnehmen, daß die Firma Carl Krister außer den
Kaolinabbau- Konzessionen auf 2 ha, 15 a in Löthain und auf 18 ha
in Seilitz noch
auf weiteren 14 ha in Morl bei Halle sowie Tonabbau- Konzessionen in Peißen bei
Bebitz auf 30 ha innehatte. Man warb wieder damit, daß es durch die
verschiedenen Lagerstätten möglich sei, „die beiden Erdarten mischen zu
können (...), um die gleiche Erde hervorzubringen, welche der Königl. Porzellan-
Manufaktur für ihre weltbekannte Fabrikation dient.“
Erster Vorstandsvorsitzender des
Aufsichtsrates war Leopold Rudolf Pabst, Kaufmann in Halle. Ob dieser mit
jenem Franz Theodor Pabst verwandt war, welcher 1879
Im Prospekt wurde vorgerechnet, daß die Gestehungskosten in Seilitz zuletzt 170,- Mark pro 10 t (eine Bahnwaggon- Ladung) gelegen hätten, der Verkaufserlös für diese Menge jedoch 340,- Mark betragen habe ‒ allein aus der Kaolingewinnung in Seilitz erwartete man folglich jährliche Einnahmen von 306.000,- Mark. Man wollte daraus das Aktienkapital mit 5% verzinsen und zusätzlich 3,41% Dividende auszahlen... Im Schlußwort heißt es: „Wir glauben, daß der Ankauf der Aktien (...) der Meissner Kaolin- und Tonwerke AG eine sichere Anlage bedeutet, welche man den Sparern in jeder Hinsicht empfehlen kann.“ Nun ja, sehr optimistisch. Im Jahr 1912 war die Berginspektion noch dreimal in Seilitz und Löthain vor Ort, da der Betrieb weitgehend ruhte, fand sich aber nichts zu erinnern... Auch unter dem 23. Juli 1913 konnte Inspektor Spitzner nur berichten, daß auch die Schlämmerei nunmehr ganz zum Stillstand gekommen sei und nur noch geringe Vorräte bereits geschlämmten Kaolins verkauft würden. Als Schwierigkeit sah er die veralteten Maschinen der Schlämmerei sowie deren ungünstige Verkehrslage, sowohl zu den Schächten, wie auch zu den Abnehmern an. Beides werde hohe Investitions- und Transportkosten verursachen (40024-12, Nr. 395, Rückseite Blatt 67, Filmbildnummer 0075). |
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Am 8. September 1913 teilte Rudolf Pabst
der Berginspektion
den erfolgten Verkauf des Seilitz'er Kaolinwerkes mit und
beantragte zugleich das Abteufen zweier neuer Schächte auf dem Flurstück 72 auf Seilitz'er Flur (40024-12,
Nr. 395, Blatt 71, Filmbildnummer 0002). Der Antrag ist außer von Herrn
Pabst noch von den Herrn (wahrscheinlich Vorstandsmitgliedern) Louis
Lange und Paul Kroppenstädt in Halle sowie Herrn Willi
Kroppenstädt in Naumburg gezeichnet.
Ein Abbauvertrag mit dem Grundeigentümer war Ernst Hugo Däbritz zugunsten von Rudolf Pabst ist in Abschrift beigefügt, wonach die ,Abbaupflicht' über 25.000 Zentner jährlich am 1. Januar 1914 beginne. Pro Zentner sollte ein Zins von 10 Pfennigen und von 2 Pfennigen pro in Anspruch genommenen Quadratmeter Fläche jährlich an den Grundbesitzer entrichtet werden. Im Gegenzug übernahm der Grundbesitzer das Einebnen der Flächen nach Ende des Abbaus. Ferner übernahm Herr Pabst aus dem bestehenden Abbauvertrag mit der Firma Krister vom 2. Juni 1912 die Abbaurechte auf den Flurstücken 3, 34 und 35 in Seilitz, im Eigentum desselben Herrn Däbritz befindlich, wo er weitere 12.500 Zentner Kaolin jährlich abbauen wollte. Das Bergamt genehmigte am 23. Oktober 1913 das Abteufen und forderte Herrn Pabst wie üblich noch auf, seine technischen Beamten zu benennen. Aus dem diesbezüglichen Schreiben der Berginspektion erfährt man außerdem, daß Vorstandsvorsitzender Rudolf Pabst selbst ‒ und zwar bis dahin nur eine Anzahlung ‒ von 5.000,- Mark an die Firma Krister geleistet habe (40024-12, Nr. 395, Blatt 70, Filmbildnummer 0077). Am 4. und 25. November 1913 befuhr Inspektor Spitzner die Gruben wieder und fand den Betrieb beim Güldnerschacht wieder aufgenommen (40024-12, Nr. 395, Blatt 98, Filmbildnummer 0106). Auch bei der Schlämmerei hatte man den Betrieb wieder aufgenommen. Der nach wie vor amtierende Betriebsleiter Böhm wußte aber noch nicht zu sagen, ob man den Abbau auch in Seilitz tatsächlich wieder aufnehmen werde.
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Die Bergamtsgebühren in Höhe von 20,- Mark
für die erteilte Genehmigung zu begleichen, hatte Herr Pabst offenbar
vergessen, was ein Pfändungsverfahren nach sich zog (40024-12,
Nr. 395, Blatt 88f, Filmbildnummer 0096f).
Erst am 11. Januar 1914 teilte Herr Pabst auch mit, er beabsichtige, Obersteiger Schütze mit der technischen Aufsicht zu betrauen und berief sich im Hinblick auf die Verzögerung auf den noch nicht abgeschlossenen Kauf des Werkes und den demzufolge auch fehlenden Handelsregistereintrag. Dem Briefkopf dieses Schreibens zufolge befaßte sich Herr Pabst übrigens mit dem „An- und Verkauf von Braunkohlen- und Thonfeldern (...) Vermittlung geologischer und wirtschaftlicher Gutachten (...) Beschaffung von Kapitalien für industrielle Unternehmungen.“ (40024-12, Nr. 395, Blatt 91, Filmbildnummer 0099) Am 4. März 1914 fragte dann das Königliche Bergamt sicherheitshalber selbst bei der Firma Krister nach, ob denn der Verkauf nun eigentlich zustandegekommen sei, was man aber aus Waldenburg am 23. März abschlägig beantwortete (40024-12, Nr. 395, Blatt 99f, Filmbildnummer 0107f). Auch in der Jahrbuchausgabe von 1915 liest man in der Auflistung der gewerblichen Bergbauunternehmen über Krister's Kaolinwerke in Seilitz und Löthain, daß der Betrieb im Mai 1914 eingestellt worden sei. Nach seiner Befahrung am 3. April berichtete Inspektor Spitzner aber, daß mit dem Abteufen des einen Schachtes begonnen worden ist. Die Arbeiten waren aber unterbrochen, da Herr Pabst die erforderlichen Geldmittel nicht zur Verfügung stellen konnte. Außerdem schied der Betriebsleiter der Schlämmerei Böhm demnächst aus. Bereits am 11. Mai 1914 hatte der Inspektor dann anzuzeigen, daß Herr Böhm bereits abgegangen und eine Stellung bei der Firma Gebrüder Baensch in Dölau bei Halle angenommen habe, welche die Güldner Schächte erworben habe. Das waren allerdings alles Angaben Dritter, vielleicht war es also auch das Börtewitz'er Kaolinwerk, welches die Abbaurechte in Löthain von der Firma Krister übernommen hatte... Jedenfalls wandte sich das Bergamt 1914 an dieses, weil die Einzäunungen der Bruchfelder in Löthain erneuerungsbedürftig waren (40024-12, Nr. 395, Blatt 113, Filmbildnummer 0122). Die bestätigten daraufhin auch am 3. Oktober 1914 den Erwerb der Güldnerschächte, lehnten aber eine Verwahrung im Bereich der Margarethenschächte ab. Die wurde anschließend dem Grundbesitzer Oswald Fincke auferlegt. Am 2. Juni 1915 schlug die Berginspektion dem Bergamt dann schon vor, die ehemals Krister'sche Margarethenschachtanlage aus der Bergaufsicht zu entlassen, da der Abbau seit längerer Zeit ruhe und „auch voraussichtlich nicht wieder aufgenommen werden wird.“ (40024-12, Nr. 395, Blatt 130, Filmbildnummer 0139) Die Schlämmerei in Seilitz hingegen ist am 7. Mai 1914 versteigert worden. Dort wurden nun die (ohnehin veralteten) Maschinen demontiert und die Trockenböden abgebrochen. Auch die Firma Krister bestätigte in Erwiderung einer Gebührenforderung des Bergamtes am 19. Juni 1914, daß sie ein Grubenfeld in Seilitz'er Flur nicht (mehr) besitze (40024-12, Nr. 395, Blatt 107, Filmbildnummer 0117). Da der neue Besitzer im Bergamt aber noch nicht namhaft war, forderte daher das Bergamt nun den Grundbesitzer Däbritz zum Zufüllen des Schachtes auf... Überhaupt ist die Anzahl der in den Jahrbüchern aufgelisteten, gewerblichen Kaolin- und Tongruben während des 1. Weltkrieges von zuvor über 20 auf danach nur noch 14 Unternehmen gesunken.
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Zum
Kaolinbergbau in der Grube Anna durch die Gewerkschaft Neu Hedwigsburg- Gotha
und die Deutsche Feldspat- und Kaolinwerke AG von 1915 bis 1931
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Als neuer Besitzer des vormals Krister'schen
Erdenwerkes stellte sich dann am 11. September 1915 Herr Pabst persönlich
im Bergamt in Freiberg vor. Dort nahm man zu Protokoll, derselbe habe angezeigt,
eine neue Erdengrube unter dem Namen Anna anlegen zu wollen ‒ nun bis auf
den neuen Grubennamen wissen wir das ja eigentlich schon. Die technische
Aufsicht solle Obersteiger Schütze übernehmen, der immer noch auf den
Ernst Teichert'schen Tongruben in Löthain angestellt war (40024-12, Nr. 390,
Blatt 1). Wie üblich, folgte darauf die Aufforderung, einen Betriebsplan
vorzulegen.
Der erste Fahrbericht der Berginspektion zum neuen Werk in Seilitz datiert auf den 6. November 1915 (40024-12, Nr. 390, Blatt 6). Demnach war der zukünftige Hauptschacht bereits 16 m „bis zur beabsichtigten obersten Bausohle“ geteuft, dazu noch 3 m aufgesattelt und in Bolzenschrotzimmerung ausgebaut. Die Fertigstellung des Schachtausbaus war gerade im Gange. Von der erreichten Teufe standen 10 m im Deckgebirge und 6 m im Kaolin. Das Gebirge war vollständig trocken. Anschließend beabsichtigte Pabst das Aushauen des Füllortes und den Vortrieb einer Strecke nach West bis an die Feldgrenze. Dort sollte dann ein Fluchtschacht geteuft werden. Ferner ist hier festgehalten: „Dem Vernehmen nach beabsichtigt Herr Pabst, für das Unternehmen einer Gesellschaft mit beschränkter Haftung ins Leben zu rufen.“ Außerdem stellte Herr Pabst gleich noch einen Bauantrag für eine Schachtkaue, den das Bergamt aber diesmal in Behördenbeteiligung an die Amtshauptmannschaft in Meißen weiterreichte. Diesem kann man noch entnehmen, daß die Gesellschaft Meissner Kaolin- und Tonwerke GmbH heißen solle. Mit der Gründung einer Aktiengesellschaft mit Sitz in Paris war während des inzwischen ausgebrochenen 1. Weltkrieges auch nicht mehr zu rechnen... Die Baugenehmigung wurde von der Amtshauptmannschaft auch am 27. Dezember 1915 erteilt (40024-12, Nr. 390, Blatt 11). Der nächste Fahrbericht der Berginspektion vom 28. Januar 1916 berichtet uns, daß der Anna Schacht betriebsbereit, nur die Kaue noch provisorisch sei. Die Hauptstrecke nach Süd war bereits 60 m ausgelängt, wobei man aber kein verwendungsfähiges Kaolin angetroffen hatte. Auch der dort geplante Fluchtschacht kam schon ab 2 m Teufe in „steiniges Gebirge“ und wurde daher wieder verfüllt. Der Inspektor notierte noch: „Infolge der ungünstigen Aufschlüsse ist der Weiterbetrieb der Grube fraglich geworden... Aus diesem Grunde ist auch die Vornahme der Bauten übertage hinausgeschoben worden.“ Herr Pabst hingegen setzte die Erschließung unverdrossen fort und zeigte der Amtshauptmannschaft an, daß er nun auch am ,Schacht II' Übertageanlagen errichten wolle. Über den zweiten Schacht sagt der Fahrbericht vom 11. August 1916 aus, dieser sei inzwischen 11 m tief und dazu 1 m aufgesattelt. Schacht I hingegen sollte um weitere 10 m verteuft werden und in diesem Niveau ein neues Ort nach Süd zum Schacht II aufgefahren werden (40024-12, Nr. 390, Blatt 15). Am 20. Oktober 1917 fand man den Schacht I auf 26 m Teufe niedergebracht, den Betrieb aber bis auf die Wasserhaltung eingestellt. Bei dem nagelneuen Schacht hatte die Berginspektion keine bergpolizeilichen Erinnerungen zu machen. Geplant sei aber, „in Richtung der ehemaligen Schlämmerei eine Tagestrecke“ zu treiben (40024-12, Nr. 390, Blatt 21). Herr Pabst ließ inzwischen auch bei Schletta Bohrungen stoßen, wobei man in 4,7 m Teufe auf Kaolin gekommen sei (40024-12, Nr. 390, Blatt 28).
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Kurz vor Kriegsende hatte Herr Pabst
dann einen Käufer gefunden und teilte am 29. März 1918 an das (noch) Königliche
Landesbergamt in Freiberg mit, er habe die Grube Anna an die
Gewerkschaft Neu Hedwigsburg- Gotha mit Sitz in Dresden verkauft, bleibe
aber als Gewerke beteiligt (40024-12, Nr. 392, Blatt 1). Außerdem teilte er
jetzt mit, daß er in Schletta und Löthain erworbene Tonfelder abbohre. Am 6. April
bestätigte auch die Gewerkschaft den Kauf (40024-12, Nr. 392, Blatt 2). Die
Gewerkschaft besaß ursprünglich noch ein Bergwerk namens Gefunden Glück in Gera
(damals noch im Herzogtum Sachsen- Coburg- Gotha) sowie zeitgleich eine Schwerspat- Grube
in Hagendorf bei Waidhaus/Oberpfalz und hatte 1.000 Kuxe ausgegeben (40024-12, Nr. 390,
Blatt 39ff und Nr. 392, Blatt 2ff). Der bisherige Vorstand, Kaufmann
Albert Linz in Gotha, Otto Eichenberg in Hamburg und Frau Hedwig
Linz in Gotha, hatte nach dem Erwerb der Grube Anna allerdings sein Amt
niedergelegt. Der neue Vorstand dieser Gewerkschaft bestand aus Fabrikdirektor
F. Otto Eichler, Vorsitzender, Fabrikbesitzer Hermann Wolfram in
Dresden als Stellvertreter, sowie Rudolf Pabst. Später kamen noch
Generalkonsul a. D. Karl Meyer in Hamburg, Bankdirektor Curt Hempel,
Lommatzsch, Fabrikbesitzer Louis Bach, Limbach und Konsul a. D. Juan
Kock, Hamburg, hinzu. Wer möchte, kann auch das Statut der Gewerkschaft
nachlesen (40024-12, Nr. 392, Blatt 6ff).
Die Gewerkschaft teilte jedenfalls am 12. April 1918 an das Bergamt mit, daß sie Herrn Otto Hermann Richter in Zehren, zuvor technischer Leiter der Kaolinwerke in Kemmlitz, als Betriebsleiter angestellt habe. Als Vorsitzender des Grubenvorstands unterzeichnete das Schreiben Herr Eichler (40024-12, Nr. 390, Blatt 25). Auch Berginspektor Roch erfuhr von dem Verkauf der Grube durch Pabst an diese Gewerkschaft und teilte dies am 16. April 1918 an das Bergamt mit (40024-12, Nr. 390, Blatt 29). In seinem Monatsbericht vom 6. Juli 1918 berichtete Inspektor Roch aber (40024-12, Nr. 390, Blatt 30), daß bei der Grube Anna noch kein Betrieb umgehe. Dagegen würden bei der „in der in Nähe von Zehren gelegenen, ehemaligen Krister’schen Schlämmerei, die so ziemlich ausgeräumt ist, (...) Vorbereitungen zu einer neuen Kaolinaufbereitung getroffen...“ Von dort solle ein tiefer Stolln angesetzt werden, der bei 514 m söhliger Länge die Grube Anna erreichen würde, allerdings auch 40 m tiefer als die jetzige tiefe 26 m- Sohle. Möglicherweise wolle die Königliche Porzellan- Manufaktur die gewonnene Porzellanerde, „die jetzt mit sechsspännigen Pferdegeschirren aus der Delle, in welcher das Werk liegt, herausgeschafft werden muß, auch durch den Stolln dieses Werks“ fördern. Direktor Richter gab ferner an, daß das vom Stolln gequerte Grundstück ebenfalls Hugo Däbritz gehöre, und daß der Gewerkschaft das „Kaolinunterirdische“ vertragsmäßig zur Verfügung stehe. Die Abbauverträge hatte Herr Pabst also ebenfalls an die Gewerkschaft übertragen. Einen Monat später berichtete Inspektor Roch (40024-12, Nr. 390, Blatt 35), daß die Arbeiten zur Neueinrichtung der Schlämmerei und zum Stollnvortrieb nur langsam vorwärts gingen. Außerdem vermerkte er, daß Direktor Richter angegeben habe, daß die Gewerkschaft „das neue Unternehmen des Kfms. Pabst“ (das bei Schletta) nicht erwerben wolle. Dort hatte Rudolf Pabst inzwischen die Schletta- Löthainer Kaolin- und Tonwerke, später auch hier eine ,Gewerkschaft Otto' gegründet, die über Grubenfelder in Schletta und Löthain bei Meißen sowie in Börtewitz bei Mügeln verfügte, deren Geschichte wir hier aber nicht weiter verfolgen wollen (40024-12, Nr. 245).
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Über seine Befahrung vom 21. September 1918 notierte Herr Roch, es gehe noch immer kein Betrieb auf der Grube um, auch der Stolln ist nur 20 m vom Mundloch wieder aufgegeben worden, weil man in hartes Gestein gekommen ist und viel Wasser zusaß. Es soll aber ein neuer tiefer Stolln weiter südlich angesetzt werden. Ab 1. Oktober 1918 soll die Betriebsleitung der Obersteiger Ernst Adolf Löffler aus Kemmlitz übernehmen (40024-12, Nr. 390, Blatt 59). Auch am 5. November 1918 hatte der Berginspektor wieder nur zu berichten, daß alles sehr langsam vorwärts gehe und es namentlich an Baustahl fehle. Der neue Stolln stand bei 16 m Länge, jedoch ist der Stolln erneut „aus dem Gehängelehm (...) in ziemlich stark verwitterten Fels eingetreten, der sich bis jetzt gut hacken läßt.“ Hinsichtlich der Belegung und Aufsichtsführung heißt es, „Vorarbeiter ist der schon unter Krister seit 1880 im Werk beschäftigte Friedrich Wilhelm Zinke“ und angelegt waren „drei kriegsgefangene Russen.“ (40024-12, Nr. 390, Blatt 66) Am 28. Dezember 1918 erbat die Gewerkschaft um die Genehmigung zum Sprengstoffeinsatz, da man nun „lockeren Felsen angefahren habe, der sich mit der Hacke schwer brechen läßt.“ (40024-12, Nr. 390, Blatt 67) Die Amtshauptmannschaft genehmigte noch im Januar 1919 auch die Verwendung von Astralit; wie der Inspektor im Monatsbericht vom April 1919 berichtete, wurde der aber vorerst nicht gebraucht. Der Stolln hatte bereits 108 m Länge erreicht und momentan brauche nicht geschossen zu werden. Der Stollnbetrieb war jetzt in drei Drittel zu je 3 Mann belegt. Ein Teil der Schlämmerei könne demnächst in Betrieb gehen (40024-12, Nr. 390, Blatt 76). Über das neue Unternehmen in Seilitz wurde auch in der Jahrbuchausgabe von 1919 berichtet, wo man lesen kann: VI. Wichtige Ausführungen und Betriebsvorgänge im Jahr 1918. 1. Neue Lagerstättenaufschlüsse und bergmännisch oder geognostisch bemerkenswerte Vorkommnisse. „1. Auffindungen bisher völlig unbekannter Lagerstätten sind auch im Jahre 1918 nicht zu verzeichnen. Wohl aber wurden in dem bekannten Ton- und Kaolinrevier östlich und nordöstlich von Meißen durch zahlreiche Bohrungen die Ausdehnungen der in Form und Beschaffenheit dort lebhaft wechselnden Ton- und Kaolinlager weiter aufgeschlossen. Diese Bohraufschlüsse haben Anlaß zur Errichtung mehrerer kleiner Grubenanlagen gegeben, die z. T. noch in das Berichtsjahr fallen. 2. Der Schachtbetrieb der Grube Anna der Seilitzer Kaolinwerke (1a) in Seilitz, die im April des Berichtsjahres in den Besitz der Gewerkschaft Neu Hedwigsburg- Gotha in Dresden übergegangen ist, wurde unterbrochen und es wurde unweit der zugehörigen Schlämmerei an einem Bergabhange in halber Höhe ein Förderstolln angesetzt, der Ende 1918 auf rund 90 m erlängt war.“ Ferner liest man an gleicher Stelle im Abschnitt: 5. Aufbereitung. „1. Die bisherige Schlämmerei der Seilitzer Kaolinwerke (1a) in Seilitz wurde bis auf einige Gebäude und Gebäudeteile abgetragen und mit dem Bau einer neuen umfänglichen Kaolinaufbereitung begonnen, deren Fertigstellung am Jahresschlusse nicht zum wenigsten wegen der herrschenden Knappheit von Baustoffen und der stark zurückgegangenen Leistungsfähigkeit der die Maschinenteile liefernden Fabriken noch weit zurückstand.“ Bis zur nächsten Befahrung durch Inspektor Roch am 12. Juni 1919 hatte man mit dem Stolln 135 m Länge erreicht. Inzwischen wurden wieder 38 Arbeiter, davon 9 untertage, auf dem Werk beschäftigt (40024-12, Nr. 390, Blatt 77). Am 31. Juli schied dann Otto Richter als Betriebsleiter aus. Obersteiger Löffler sollte die Funktion vorläufig übernehmen. Ab Oktober 1919 ist dann August Schödel als Direktor in Seilitz tätig. Von Herrn Richter trennte man sich wohl in Ungnade, denn die Gewerkschaft bat um Begutachtung ihres Werkes durch das Bergamt, weil man im Vorstand glaubte, der bergmännische Teil der Anlage sei von Herrn Direktor Richter „verfehlt angelegt worden“ (40024-12, Nr. 390, Blatt 80f). Na ja, das kann man durchaus so sehen, denn in über 60 m Teufe kann man hier in Seilitz kaum noch mit Kaolinvorkommen rechnen... Im Monatsbericht der Berginspektion vom 27. August 1919 liest man denn auch, daß der noch von Richter angelegte Stolln eine Länge von 171 m erreicht habe, aber nun endgültig eingestellt worden sei, da das Weitertreiben in festem Gestein zu teuer werde. Man hatte sich vielmehr entschlossen, Grube und Schlämmerei mit einer Hochseilbahn zu verbinden. Außerdem hatte man den Umbau des Annaschachtes in Angriff genommen, weil der Schacht eine elektrische Förderanlage bekommen sollte. Eine Anzeige über den Schachtumbau an die Berginspektion hatte man allerdings vergessen... Außerdem sollte ein neuer Luft- und Fluchtschacht geteuft werden (40024-12, Nr. 390, Blatt 84).
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Die neue Etappe des Betriebes der Meißner
Kaolinwerke zu Seilitz unter Leitung von Herrn Schödel und Steiger
Löffler begann allerdings auch mit einem Streit der Gewerkschaft mit dem Bergamt,
eigentlich mit der Redaktion der Jahrbücher für das Berg- und Hüttenwesen in
Sachsen bei der Bergakademie, aber der strittige Beitrag war ja von Inspektor
Roch bei der Berginspektion verfaßt. In der Ausgabe auf 1916 wurde nämlich
über den Neubeginn des Kaolinabbaus durch Pabst in Seilitz unter der
Rubrik:
VI.
Wichtige Ausführungen und Betriebsvorgänge 2. Schacht- und Maschinenanlagen. berichtet: „Als einzige bemerkenswerte Erscheinung ist die Aufnahme des Kaolinbergbaues in Seilitzer Flur durch ein neues Werk zu bezeichnen. Die Grube „Anna" hat auf der östlichen Seite des Zehren- Seilitzer Weges auf Seilitzer Flur im Oktober 1915 das Abteufen eines Hauptschachtes begonnen, das, abgesehen von einer 3 m hohen Aufsattelung, bis zu 16 m Teufe, davon die letzten 6 m in Kaolin anstehend, niedergebracht wurde. Beim weiteren Verteufen kam man nur 2 m unter der Füllortsohle auf steiniges Gebirge, so daß man diesen Teil des Schachtes wieder verfüllte. Die Hauptstrecke wurde 60 m weit in südlicher Sichtung nach der Feldgrenze zu erlängt, wo das Teufen eines Fluchtschachtes geplant ist. Die Hauptstrecke und einige von ihr in östlicher und westlicher Richtung um je 10 m weit fortgebrachte Flügelstrecken sind in Kaolin getrieben worden. Dieser hatte sich aber bis Jahresschluß so mager und wenig verwendungsfähig erwiesen, daß man seinen Wert mit höchstens 3 M auf die Tonne bemessen hat, und daß es, wenn nicht mit noch weiter anzusetzenden Örtern bessere Ergebnisse erzielt werden, fraglich ist, ob man den Betrieb noch fortsetzen oder das ganze Unternehmen wieder stillegen wird. — Im übrigen bleibt nur festzustellen, daß einige Werke wegen Mangels an Petroleum und Benzin ihre Antriebsmaschinen durch Dieselmotoren ersetzt haben oder Naphthalin, verwenden, und bei der Beleuchtung mehr Karbid verwendet wurde.“ Die Aussage, daß der angetroffene Rohkaolin ,wenig verwendungsfähig' sei, stand natürlich ganz im Gegensatz zu den Geschäftsinteressen der Gewerkschaft... Die forderte nun eine Korrektur vom Verlag Craz & Gerlach in Freiberg als Herausgeber der Jahrbücher. Eigentlich bestätigten diese Aufschlüsse aber nur den doch bekannten Umstand, daß das Kaolin auf den vormals Krister'schen Baufeldern sehr sandig gewesen ist und hohen Aufwand beim Schlämmen erfordert hatte. Weder die Redaktion, noch das Bergamt erklärten sich daher zur Veröffentlichung einer Richtigstellung bereit. Derweil konnte Inspektor Roch in seinem Monatsbericht vom 7. November 1919 an das Bergamt berichten, daß auf der Grube Anna inzwischen 16 Mann angelegt waren (40024-12, Nr. 390, Blatt 91). Der Fluchtschacht war inzwischen 5 m tief und sollte noch bis auf die 26 m- Sohle abgesenkt werden. Auch der Umbau des Förderschachts war fertig und der Ausbau ohne Mängel. Bei 22 m sollte noch eine Zwischensohle angelegt werden. Die elektrische Gestell- Förderanlage war aber noch nicht gebaut. Die Hauptstrecke stand nur im vorderen Teil in Ausbau, der weitere Verlauf sollte abgesperrt oder der Ausbau nachgezogen werden. Außerdem wies die Berginspektion darauf hin, daß August Schödel noch einen Befähigungsnachweis als technischer Betriebsleiter vorweisen müsse. Dies forderte auch das Bergamt in Bayern, da er auch dort als solcher für die Schwerspatgrube von der Gewerkschaft angemeldet worden ist. Daraufhin teilte die Gewerkschaft am 10. Dezember 1919 nach Freiberg mit, daß Herr Schödel Keramiker und seit 35 Jahren in der Porzellan- und Kaolinbranche tätig sei, aber keine Bergschule besucht hatte (40024-12, Nr. 390, Blatt 107f). Aus diesem Grunde lehnte die Berginspektion ihn aber als Leiter eines Gewinnungsbetriebes ab. Er wurde schließlich 1920 als „Direktor“ anerkannt, Obersteiger Löffler wurde Leiter des Grubenbetriebes und Karl Otto Zill wurde Maschinenmeister der Schlämmerei. Bemerkenswert daran ist, daß die Aufbereitungsanlage ‒ ähnlich, wie es bei Kokereien und Brikettfabriken war ‒ nach wie vor unter Bergaufsicht stand. Wie der Monatsbericht von Inspektor Roch vom 1. Dezember 1919 aussagt, stand der Fluchtschacht inzwischen bei einer Teufe von 18 m. Auch waren die Anbrüche besser geworden, denn dessen Tiefstes stand in „anscheinend gutem Kaolin.“ In der ersten Sohle bei 16 m Teufe war bis dahin auch eine Verbindung zwischen beiden Schächten hergestellt worden. In dieser Sohle standen drei Versuchsörter in Betrieb, „mit denen stellenweise guter Kaolin aufgeschlossen war; gleichmäßig war aber die gute Beschaffenheit nicht, der Kaolin enthielt vielmehr eine Menge Steinnester und auch ausgedehnte Quarzitpartien.“ (40024-12, Nr. 390, Blatt 104f)
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Auch in der Jahrbuchausgabe von 1920 wurde
wieder ausführlich berichtet:
VI. Wichtige Ausführungen und Betriebsvorgänge im Jahre 1919. 1.
Lagerstättenaufschlüsse und bergmännisch oder geognostisch „1. Eine Neuauffindung von Lagerstätten ist im Berichtsjahre nicht zu verzeichnen; aber die bekannten Tonlager nordwestlich von Meißen und der Kaolin südlich von Kemmlitz wurden durch Bohrungen weiter aufgeschlossen, wobei sich verschiedentlich Tone oder Kaolin von besonders guter Beschaffenheit auf für den Abbau genügende Erstreckungen ergaben. Bei dem staatlichen Weißerdewerk Seilitz (3) fand man beim Auffahren einer Abbaustrecke mitten in dem, dort gleichmäßig auftretenden Kaolinlager grünliche Einschlüsse von basischem Eisensulfat, wie sie in so ausgeprägt deutlicher Form bisher nicht beobachtet worden waren. Es handelt sich um ein örtlich engbegrenztes Vorkommen. 2. Der Grubenbetrieb auf Grube Anna in Seilitz der von Gewerkschaft Neu Hedwigsburg- Gotha betriebenen Seilitzer Kaolinwerke (1a) wurde wieder aufgenommen, und es wurde mit dem Auffahren von Versuchsörtern begonnen, wobei sich das Kaolinlager in besserer Beschaffenheit zeigte, als in dem in früheren Jahren aufgeschlossenen Teil. 2. Schacht- und Maschinenanlagen. 1. Der Annaschacht der Seilitzer Kaolinwerke (1a) wurde umgebaut und für den Einbau einer maschinellen Gestellförderanlage erweitert. Ein Flucht- und Wetterschacht wurde abgeteuft und mit ihm wurden die Grubenbaue durchschlägig gemacht.“ Über die Modernisierung der Schlämmerei kann man an gleicher Stelle lesen: 9. Aufbereitung. „1. Der Bau und die Einrichtung der Schlämmerei bei den Seilitzer Kaolinwerken der Gewerkschaft Neu Hedwigsburg- Gotha (1a) wurde in der Hauptsache fertiggestellt, obwohl wiederholt durch verzögerte Lieferung von Maschinenteilen und Baustoffen, die der mißlichen allgemeinen Wirtschaftslage und den zeitweise sehr schlechten Transportverhältnissen zur Last zu legen ist, erhebliche Unterbrechungen eintreten mußten. Der Gang der Aufbereitung ist folgender: Der geförderte Kaolin geht zunächst durch ein Walzwerk und wird dann der nassen Aufbereitung, der Schlämmerei, übergeben. In einem Mischapparat (Patent Hilber), Bavaria-Apparat genannt, wird der Kaolin innig mit Wasser vermengt. Dieser Apparat besteht aus einem mit Wasser gefüllten Troge, in dem eine Siebtrommel läuft; in dieser dreht sich in entgegengesetzter Richtung ein Quirl. Schon bei dieser Mischung mit Wasser fällt der grobe Sand aus, führt allerdings noch viele tonige Bestandteile und wird mittels Becherwerks in 3 mit Wasser gefüllte Behälter gehoben. Der Sand setzt sich hier und wird zur Halde gebracht. Der Überlauf, in dem sich viele feine Kaolinteilchen befinden, wird mit dem aus dem Bavaria Apparat kommenden Gemenge von Wasser und Kaolin, der Kaolinmilch, die noch viel feinen Sand enthält, folgendermaßen weiter verschlämmt: Die Kaolinmilch gelangt durch Schnecken, wobei schon ein großer Teil des in ihr enthaltenen Feinsandes ausgeschieden wird, in eine Mehlführung von zusammen gegen 80 m Rinnenlänge, in der sich die noch nicht ausgeschiedenen feinen Sande niederschlagen, und darnach in Klärbassins von rd. 400 qm Gesamt- Klärfläche, von denen das geklärte Wasser abgezogen wird. Der Bodensatz ist geschlämmter Kaolin, wird in einen Behälter gepumpt und geht von dort in Kessel, aus denen er mit gegen 8 at Überdruck in Trockenpressen gedrückt wird. Diese vermindern den Wassergehalt der Masse auf rund 25%. Die aus den Pressen genommenen Kaolinkuchen werden durch Lufttrocknung bis auf höchstens 10% Wassergehalt weiter getrocknet und dadurch versandfertig.“ Am 1. April 1920 berichtete der Berginspektor dann, inzwischen sei die Schlämmerei auch in Betrieb genommen, „der geschlämmte Kaolin sah etwas gelb aus“, es sollten aber noch Änderungen vorgenommen werden. Erinnerungen hinsichtlich der Verwahrung beweglicher Teile machten sich nicht notwendig (40024-12, Nr. 390, Blatt 126). Bei seinen Befahrungen im Juli fand Herr Roch demzufolge auch die Schlämmerei wieder außer Betrieb vor, da die Mehlführung umgebaut wurde. Übertage waren 18 Arbeiter und 2 Arbeiterinnen beschäftigt, untertage weitere 9 Mann in zwei Dritteln. Über die Grubenbefahrung heißt es: „Man fuhr im Flucht- und Wetterschacht ein bis zur 1. Sohle, auf der jetzt kein Betrieb umgeht und durch einen Bremsberg (...) in die 2. Sohle, in der drei Ortsbetriebe umgingen. Sowohl in den Schächten, als auch in den Strecken war der Ausbau gut...“ (40024-12, Nr. 390, Blatt 137f)
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Am 15. August 1920 zeigte die Gewerkschaft auch den bevorstehenden Einbau der elektrischen Förderanlage an. Sie sollte von der Firma A. C. & O. Wapler in Leisnig geliefert werden und durch einen Drehstrommotor mit 10,2 PS angetrieben werden (40024-12, Nr. 390, Blatt 127). Nicht zuletzt wurde 1920 auch der Bauantrag für die Förderseilbahn gestellt (40024-12, Nr. 390, Blatt 143ff). Diese sollte von der bekannten Firma Adolf Bleichert & Co. in Leipzig errichtet werden. Im September 1920 begann der Umbau der Übertagegebäude für den Einbau der Förderanlage. Zur Konstruktion dieser Seilbahn gibt uns eine Akte des späteren VEB Vereinigte Kaolin- und Tonwerke Seilitz- Löthain aus dem Jahr 1958 nähere Auskunft (40069, Nr. 632, ohne Blattnummerierung). Auf einer Strecke von zirka 800 m überwand diese Förderseilbahn einen Höhenunterschied von knapp 69 m zwischen der Kopfstation am Förderschacht bei Seilitz und der Talstation bei der Schlämmerei im Grutschenbachtal. Die beiden Tragseile ruhten (neben der Aufhängung an den beiden Endpunkten) auf insgesamt 8 Stützen, die aus Holz errichtet und bis zu 10 m hoch waren. Gespannt wurden die zwei Tragseile durch je ein Gewicht in der Talstation. Die Förderkörbe wurden in ein umlaufendes Förderseil eingeklinkt, welches seinerseits über ein Gewicht in der Kopfstation straff gehalten worden ist. War kein Korb eingeklinkt, lief das Zugseil unterhalb der Tragseile auf Rollen. Zwischen den besonders weit voneinander entfernten Seilstützen I und II im Nordosten hatte man zusätzliche Rollen direkt auf der Geländeoberfläche errichtet, damit das durchhängende, leere Zugseil dort nicht auf dem Boden schliff. Alles in allem waren 54 solcher Förderkörbe im Umlauf, die jeweils 500 kg bis 600 kg Kaolin (bzw. auf dem Rückweg Waschsand zur Verfüllung) laden konnten. Das Zugseil lief mit einer Geschwindigkeit von 2 m/s (zirka 7 km/h), so daß man bei vollem Betrieb in einer Schicht bis zu 35 t Kaolin von der Grube in die Schlämmerei transportieren konnte. Auf Antrag der Betriebsleitung wurde die fertige Hängeseilbahn durch Roch am 18. April 1921 besichtigt. Es war nur die noch unfertige Absperrung und Überdachung der Be- und Entladestationen zu bemängeln und der Betrieb wurde freigegeben. Dagegen hatte die Firma aus Leisnig an der Fördermaschine des Schachtes eine andere als die genehmigte Bremse angebaut (40024-12, Nr. 390, Blatt 167). Das wurde im Februar 1922 wieder abgeändert. |
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Zwischendurch mußte die Gewerkschaft noch mitteilen, daß Obersteiger Löffler „plötzlich und ohne Einhaltung der gesetzlichen Kündigungsfrist“ ausscheide. Mitte Januar 1921 benannte man Ernst Böhm, zuletzt Obersteiger auf der Grube Alte Hoffnung zu Kleinvoigtsberg als neuen Aufsichtsbeamten (40024-12, Nr. 390, Blatt 156ff). Über die neuen Einrichtungen wurde auch in der Jahrbuchausgabe von 1922 berichtet: VI. Wichtige Ausführungen und Betriebsvorgänge im Jahre 1921. 2. Schacht- und Maschinenanlagen. „1. Im Annaschacht der Seilitzer Kaolinwerke (1a) wurde elektrische Doppelförderung mittelst eines 10 PS-Drehstrommotors für 500 kg Nutzlast und 0,5 m/sek Fördergeschwindigkeit eingebaut.“ 6. Förderung. „1. Bei den Seilitzer Kaolinwerken (la) ist zur Beförderung des Rohkaolins von der Grube nach der Schlämmerei eine 700 m lange Bleichertsche Hochseilbahn in Antrieb genommen worden.“ Dann gab es 1921 noch einige personelle Veränderungen, denn die Gewerkschaft teilte mit, daß für das Werk in Seilitz ab sofort Kaufmann Richard Rust sowie Georg Karl Aurich, beide in Zehren, Prokura erteilt wurde. Letzterer sollte die technische Oberleitung innehaben. Außerdem wurde ein Josef Scheitler als Schlämmmeister angestellt (40024-12, Nr. 390, Blatt 169). Aurich schied aber schon 1922 wieder aus. Auch Vorstandsvorsitzender Eichler trat aus gesundheitlichen Gründen am 13. Oktober 1921 aus dem Vorstand aus (40024-12, Nr. 392, Blatt 10).
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Der Monatsbericht von Berginspektor Roch
vom 25. Juni 1921 berichtet uns, daß sonnabends nicht mehr gearbeitet werde, „angeblich,
weil sich das Anfeuern der Kessel an den Tagen, an denen nur halbe Arbeitszeit
bestand, nicht lohne, in Wirklichkeit aber wohl zur Streckung der Arbeit.“
Auch Steiger Böhm werde wieder ausscheiden, „er hat sich nicht die
Zufriedenheit der Unternehmer zu erwerben verstanden.“ (40024-12, Nr. 390,
Blatt 184)
Den Monatsbericht vom 1. Februar 1922 erstellte Bergrat Sarfert. Der Absatz hatte sich wohl verbessert, denn es waren inzwischen 30 Arbeiter übertage und 11 untertage in zwei Dritteln angelegt. Allerdings bemerkte Herr Sarfert auch: „Das Kaolin ist nicht gut und sieht grünlichgelb aus.“ (40024-12, Nr. 390, Blatt 185) Am 2. Mai 1922 hatte Bergrat Sarfert zu berichten, daß die Trockeneinrichtung für das geschlämmte und gepreßte Kaolin eingebaut werde, der Riß von Markscheider W. Friedemann in Oelsnitz/E. nachgebracht worden ist, somit nichts zu bemängeln sei. Man hatte auch Nachtschichten in der Schlämmerei eingeführt (40024-12, Nr. 390, Blatt 194). Im Juli 1922 genehmigte auch die Berginspektion Überarbeit, denn „Der Bedarf an Kaolin ist jetzt sehr groß, weil die Papier- und Porzellanindustrie stark beschäftigt und der Wettbewerb der tschechoslowakischen Kaolinwerke durch die hohe Valuta fast ausgeschaltet ist...“ (40024-12, Nr. 390, Rückseite Blatt 200) In seinem Monatsbericht vom August 1922 beschrieb der Bergrat die neu erbaute Trockeneinrichtung genauer, welche aus drei Kammern bestand, in welche die Kaolinkuchen auf Förderwagen hineingeschoben wurden und in die durch Abdampf erwärmte Luft hineingeblasen wurde. Untertage waren immer noch nur Vorrichtungsstrecken in Betrieb. Sonst fand sich nichts zu erinnern. Nur sei geplant, die Gewerkschaft in eine AG umzuwandeln (40024-12, Nr. 390, Blatt 202). Über die neue Trockenanlage findet man auch wieder eine kurze Notiz in der Jahrbuchausgabe von 1924: V. Wichtige Ausführungen und Betriebsvorgänge im Jahr 1924. 9. Aufbereitung. „1. Beim Seilitzer Kaolinwerk (1a) ist im Jahre 1922 die Pressenanlage durch Aufstellung von 7 neuen Filterpressen erweitert und zur Trocknung des preßfeuchten geschlämmten Kaolins ein Trockenofen nach dem Kalorifer- Trocknungsverfahren mit einer Leistung von 15 t getrockneten Kaolins in 8 Stunden erbaut worden.“ Im Dezember 1922 berichtete Bergrat Sarfert: „Die Grubenbaue wurden allenthalben für in Ordnung befunden.“ Bewetterung erfolge durch einige Bohrlöcher, Grubenwasser war nicht vorhanden. „Abbaue waren nur an einer Stelle getrieben worden, wo nun nachgewiesen ist, daß das Kaolinlager hier zu Ende ist. (...) Bruchfeldabsperrung ist vorhanden.“ (40024-12, Nr. 390, Blatt 205) Anfang 1923 soll anstelle des wieder ausgeschiedenen Herrn Aurich Dr. Ing. E. Roth die technische Oberleitung übernehmen. Da gerade Wirtschaftskrise und Inflation gewesen ist, betrugen die Gebühren für die bergbehördliche Bestätigung Roth´s diesmal sage und schreibe 10.000,- Mark... Schließlich war noch festzuhalten, daß die Gewerkschaft in eine Deutsche Feldspat- und Kaolinwerke AG Seilitz umgebildet worden ist. Die neue Gesellschaft wurde am 30. Dezember 1922 in das Handelsregister beim Amtsgericht Meißen eingetragen (40024-12, Nr. 392, Blatt 12). Als Grundkapital waren 12 Millionen Mark eingetragen, bestehend aus 12.000 Inhaberaktien zu je 1.000,- Mark. Der Geschäftsbericht für das erste Jahr 1922 berichtet von Einnahmen in Höhe von 20.336.000,- Mark, vorwiegend aus dem Verkauf des geförderten und aufbereiteten Kaolins. Unkosten und Abschreibungen beliefen sich aber auf dieselbe Höhe, so daß es auf eine ,schwarze Null' hinauslief... (40024-12, Nr. 392, Blatt 15ff) Der Monatsbericht der Berginspektion vom März 1923 sagt uns, daß der Abbau tatsächlich in den letzten Jahren sehr fortgeschritten ist, denn: „Durch Fortsetzung des Abbaus hat sich das Bruchfeld erweitert, es war genügend abgesperrt.“ (40024-12, Nr. 390, Blatt 209). Im Juli 1923 war zu berichten, daß zwar 16 Mann unter- und weitere 2 übertage auf der Grube angelegt, aber gerade mit dem Umbau des Schachtes befaßt waren. In der Schlämmerei wurden noch drei weitere Pressen aufgestellt, so daß man nun über insgesamt 15 Stück verfügte. Die Nachtschichten hatte man aber wieder eingestellt (40024-12, Nr. 391, Blatt 3). Zum Grubenbetrieb hatte die Betriebsleitung der Aktiengesellschaft am 23. Juni 1923 mitgeteilt, daß der untere Teil des Schachtes umgebaut werden müsse, „da derselbe an dieser Stelle durch Gebirgsdruck infolge von tonigen Schichten soweit verschoben ist, daß die Förderung Schwierigkeiten macht.“ (40024-12, Nr. 391, Blatt 5) Bergrat Sarfert hat sich die Sache am 6. Juli angeschaut und befunden, es gehe um die unteren 10 m der Schachtsäule. Zu besonderen Anordnungen bestehe aber kein Anlaß, denn „die Beaufsichtigung liegt bei Obersteiger Böhm in guten Händen.“
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Ab Oktober war Bergrat Wolf hier zuständig, welcher dem Bergamt mitteilte, daß der Schachtumbau nun abgeschlossen sei. Es waren noch die 18 Mann auf der Grube angelegt, jedoch nur noch bei 50% Arbeitszeit. Die Betriebsleitung beabsichtige, den Abbau einzustellen (40024-12, Nr. 391, Blatt 7). Wohl aufgrund einer diesbezüglichen Nachfrage von höherer Stelle antwortete das Bergamt am 7. November 1923 an das Ministerium für Wirtschaft und Arbeit in Dresden, der Betrieb solle aufgrund der geringen Auftragslage vorläufig verkürzt mit 24 statt 42 Wochenstunden Arbeitszeit aufrechterhalten werden und eine Betriebsstillegung würde einschließlich der Belegschaft übertage 49 Arbeiter und 3 Angestellte betreffen (40024-12, Nr. 391, Blatt 6). Die Wirtschaftskrise der ,Goldenen Zwanziger' holte auch das Revier in Seilitz ein... Im April 1924 hielt Bergrat Wolf in seinem Monatsbericht fest, es seien noch 25 Arbeiter in der Schlämmerei, weitere 7 Mann untertage und einer übertage in einem Drittel auf der Grube beschäftigt. Man arbeite nur noch von früh 6 bis ½ 4 Uhr, weil „eine höhere Belegung die mindere Qualität des erzeugten Kaolins (Papierkaolin) nicht gestattet, bzw. die Pressen nicht im Stande sind, mehr zu verarbeiten.“ Sonst aber wurde alles als in bester Ordnung befunden (40024-12, Nr. 391, Blatt 10). Auch personelle Veränderungen fanden wieder statt: Herr Roth schied wieder aus und an seiner Stelle kam ein Direktor Karl Lang aus Weiden in den Vorstand. Im April 1924 verließ auch Direktor Rust das Werk in Seilitz, so daß die technische Leitung nun allein Obersteiger Böhm oblag. Der hatte anscheinend aber erstmal nicht viel zu tun, denn dem Fahrbericht von Bergrat Wolf vom 6. November 1924 sagt uns, daß Kaufmann Richard Rust wieder in seiner Funktion in Seilitz war und daß „eine baldige Betriebsaufnahme zu erwarten“ sei – tatsächlich war der Grubenbetrieb also zwischendurch ganz eingestellt (40024-12, Nr. 391, Blatt 13). Am 6. Dezember teilte die Betriebsleitung dann dem Bergamt die Wiederaufnahme des Betriebes mit. Nun schied aber Obersteiger Böhm aus dem Dienst aus und die bergmännische Leitung sollte wieder Obersteiger Ernst Löffler übernehmen. Dem wurde aber seitens des Bergamtes nicht zugestimmt, weil der in Kemmlitz wohnhaft war, zumal „die Grubenbaue einschließlich des Förderschachtes unter großem Druck leiden...“ (40024-12, Nr. 391, Blatt 17) Das hatte Bergrat Wolf nach seiner Befahrung am 6. Januar 1925 nämlich festgestellt: Infolge des Betriebsstillstands „sind in der Grube der größte Teil der Strecken zusammengequetscht worden, und zwar besonders in der Nähe des Schachtes, wo zuletzt Abbau umgegangen ist. (...) Der Schacht, der ebenfalls durch den Druck gelitten hatte, ist wieder in Ordnung gebracht worden.“ (40024-12, Nr. 391, Blatt 18) Daraufhin stellte die Aktiengesellschaft Herrn Löffler einen PKW zur Verfügung, damit er notfalls schnell vor Ort sein könne. Auch Bergrat Wolf stimmte nach seiner Befahrung vom 2. März 1925 dem zu, weil sich „der Zustand der Grubenbaue... erfreulicherweise gebessert“ habe. Außerdem berichtete er, es seien wieder 11 Mann untertage und 2 Mann übertage unter Leitung des Vorarbeiters Richter auf der Grube beschäftigt und: „Die Aufräumungsarbeiten in der Grube haben erfreuliche Fortschritte gemacht, so daß zur Zeit 4 Streckenörter in Betrieb gehalten werden und nur noch 3 Mann mit Ausbau beschäftigt sind.“ (40024-12, Nr. 391, Blatt 22) Bis Ende des Jahres war soweit alles wieder aufgeräumt und am 5. Oktober fand auch Bergrat Wappler nichts mehr zu bemängeln, nur war „der Kaolin vor den Abbauörtern... meist von minderwertiger Beschaffenheit.“ (40024-12, Nr. 391, Blatt 24ff) Auch war zu vernehmen, daß die Aktiengesellschaft einem bayrischen Werk angegliedert werden solle...
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Im Monatsbericht vom 31. Januar 1926 gab es
hinsichtlich Schachtanlagen keine Erinnerungen, allerdings ist festgehalten, daß
nur noch Vorarbeiter Richter allein angelegt sei, der sie bauhaft
erhalte. Offenbar war der Abbau also wieder eingestellt… Direktor Rust
habe ferner mitgeteilt, daß Kaufmann Eichler „bis 15.1.1926 den Besitz
an der Hand habe und das Unternehmen auszuschlachten gedenke...“ Es gab wohl
noch andere Interessenten, nicht nur ein bayrisches Werk… (40024-12, Nr. 391, Blatt 37)
Tatsächlich steht im Monatsbericht der Berginspektion vom April 1926, der Betrieb in Seilitz ruhe weiter, weil Verhandlungen mit der Porzellanfabrik Firma Pohl in Schmiedeberg / Kowary in Niederschlesien liefen (40024-12, Nr. 391, Blatt 40). Bis August 1927 hat sich aber nichts ergeben. Erst im Monatsbericht auf September 1927 (40024-12, Nr. 391, Blatt 49) konnte Bergrat Wolf festhalten, daß Herr Rust ihm angezeigt habe, daß nun ein Erwin Huppert in Dresden auf Kredit der Dresdner Stadtbank 94% des Aktienkapitals erworben habe. Daraufhin trat der bisherige Aufsichtsrat zurück. Neben den Kaufleuten Erwin und Manfred Huppert in Dresden setzte sich der neue Aufsichtsrat aus Stadtrat Dr. Hermann Krumbiegel und Stadtbankdirektor Dr. Max Grauper, einem Rechtsanwalt namens Johannes Flatter und einem Industriellen Otto Ellinger aus Dorfhain zusammen. Nun beabsichtigte die neue Unternehmensführung, als erstes die 250 PS- Dampfmaschine zu ersetzen und das Werk an das elektrische Netz anzuschließen. Schon am 3. Oktober 1926 hatte die AG mitgeteilt, daß die alte Dampfmaschine in der Schlämmerei so unrentabel arbeite, daß ein Umbau auf eine andere Kraftquelle geplant werde, was eine vorübergehende Stillegung erforderlich mache. Außerdem wollte besagter Herr Huppert nun auch die Abfälle zur Ziegel- und Kunststeinfabrikation verwerten. Die Grubenanlagen hatte Vorarbeiter Richter gepflegt und sie wurden vom Berginspektor „vollkommen in Ordnung und gut fahrbar“ befunden. Die folgenden Monatsberichte vom Oktober und November 1927 besagen, daß man auch die Filterpressen durch modernere Apparate ersetzen wolle. Bis Ende des Jahres kam es aber noch nicht zur Betriebsaufnahme, da es nun an Bauholz für die Ausbesserung der Seilbahnstützen fehlte... (40024-12, Nr. 391, Blatt 50f) Versuche mit einem „Wolf’schen Filterapparat“ liefen noch bei den Grusonwerken in Magdeburg. Auch sollten die Trockenöfen zukünftig mit billigem Nachtstrom betrieben werden, womit die Dampfkesselanlage entfallen könnte. Offensichtlich nahm man Geld in die Hand, um das Kaolinwerk wieder konkurrenzfähig zu machen... Als neuen Grubenleiter wurde am 30. Januar 1928 der Steiger Ernst Münch aus Planitz, als Aufseher in der Schlämmerei Paul Richter aus Niedermuschütz von der Bergbehörde bestätigt (40024-12, Nr. 391, Blatt 55f). Die technische Oberleitung sollte Bergassessor a. D. Müller in Freiberg übernehmen, auch Kaufmann Rust war noch in der Werksleitung in Seilitz. Aus den 1920er Jahren stammen auch die folgenden Aufnahmen.
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Digitalisat:
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![]() Tonschacht ,bei Zehren', Fotograf unbekannt, Aufnahme vor 1926. Der links sichtbaren Kopfstation der Seilbahn halber handelt es sich hier definitiv um den Förderschacht der Deutschen Feldspat- und Kaolinwerke AG, vormals Gewerkschaft Neu Hedwigsburg- Gotha, bei Seilitz. Dieser Teil der Transportanlagen wurde im Digitalisat:
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![]() Auf dem Blatt 48 der nächsten Ausgabe der Messtischblätter aus dem Jahr 1922 ist die Hängeseilbahn zwischen den vormals Krister'schen Schächten und der Schlämmerei im Grutschenbachtal eingezeichnet.
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Digitalisate:
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Im Januar 1928 konnte Bergrat Wolf
berichten, daß der Stromanschluß in Bau, die Seilbahn
„durchrepariert“, die Übertageanlagen „gründlich gereinigt“ waren,
nur in der Grube wurden noch keine Instandsetzungsarbeiten durchgeführt (40024-12, Nr. 391, Blatt 58).
Im Februar waren wieder 10 Mann angestellt, die gerade die Schachtkaue umbauten
und mit der Aufsäuberung der Strecke zwischen Förder- und Fluchtschacht begonnen
hatten. Im April 1928 ist auch der Betrieb in der Schlämmerei mit 15 Arbeitern
wieder aufgenommen worden (40024-12, Nr. 391, Blatt 59ff).
Schon im September 1928 waren untertage aber nur noch 3 Mann angelegt (40024-12, Nr. 391, Blatt 64). Die Betriebsleitung zeigte am 25. September 1928 an, daß Steiger Münch den Betrieb auf eigenen Wunsch das Werk wieder verlasse. Man beantragte daher, zu gestatten, daß Aufseher Paul Richter die Betriebsleitergeschäfte übernehme, da das Werk mit Absatzschwierigkeiten zu kämpfen und die Belegschaft verringert habe. Das wurde auch genehmigt, solange nicht mehr als 5 Arbeiter angelegt seien (40024-12, Nr. 391, Blatt 66f). Als Bergrat Wolf die Grube im September 1928 mit Direktor Rust und einem Steiger Schilling (...?) befuhr, fand er untertage nur 4 Mann angelegt, die Grube ohne wesentliche Mängel. Die Schlämmerei wurde mit 14 Mann betrieben, wobei abwechselnd geschlämmt und gepreßt wurde, da man zu wenig Personal habe (40024-12, Nr. 391, Blatt 68). Im Oktober 1928 konnte der Bergrat berichten, daß es gelungen sei, „sich Kaolinabsatz in der keramischen Industrie zu verschaffen.“ (40024-12, Nr. 391, Blatt 71) Und im Dezember des Jahres notierte er, daß man, um bessere Kaolinschichten anzufahren, nun einen Haspelberg von 40 m Länge auffahre. Im Winter war der Betrieb wieder ganz eingestellt, aber im Monatsbericht vom März 1929 liest man dann, daß man auch den Grubenbetrieb wieder aufgenommen habe und daß sich die Absatzverhältnisse besserten (40024-12, Nr. 391, Blatt 79). Hinsichtlich des Untertagebetriebes fand Herr Wolf nichts zu bemängeln. Auch Nebenprodukte wurden ins Auge gefaßt: Im Juni 1929 notierte Bergrat Wolf, daß man plane, den über dem Kaolin lagernden Lehm zu verwerten und dazu eine Klinkersteinfabrik errichten wolle (40024-12, Nr. 391, Blatt 81). Dazu wurde im Oktober des Jahres ein Großversuch mit 20 t Material in der Klinkerfabrik der Grube Ilse bei Senftenberg durchgeführt (40024-12, Nr. 391, Blatt 83). Der Plan wurde aber schon im Dezember 1929 aus Kapitalmangel wieder fallengelassen.
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Am 14. März 1930 mußte die Betriebsleitung
dann der Bergbehörde mitteilen, man habe den Betrieb
„auf kurze Zeit eingestellt. Der Versand erfolgt von unseren großen
Lagervorräten.“ (40024-12, Nr. 391, Blatt 88) Auch im Monatsbericht von
Bergrat Wolf vom August 1930 steht zu lesen, daß „infolge ungünstiger
Geschäftslage der keramischen Industrie (...) voller Betrieb noch nicht
aufgenommen werden“ könne. Nur Aufseher Richter und 1 Mann waren
untertage mit Erhaltungsarbeiten befaßt (40024-12, Nr. 391, Blatt 90).
Noch im Januar 1931 war nichts Neues zu berichten, außer, daß man nun Oberengersdorf'er Kaolin in Lohnarbeit in der Schlämmerei aufbereite. Erst im März 1931 konnte die Betriebsleitung mitteilen, daß man nun den eigenen Abbau mit 3 Mann Belegung wieder aufnehme (40024-12, Nr. 391, Blatt 97f). Auch Bergrat Wolf fand im Mai 1931 übertage 9 Arbeiter, untertage 3 Mann beschäftigt, da man aktuell guten Absatz hatte (40024-12, Nr. 391, Blatt 100). Die Grubenbaue und Schächte „waren vollkommen in Ordnung.“ Außerdem hielt er fest, daß man auf Anraten eines Spezialisten namens Schleich aus Bonn nun Versuche vorbereitete, Rohkaolin aufzumahlen und zu pressen. Diese waren bis Juni abgeschlossen und belegten, daß man damit „einen Versatz herstellen könne, der gieß- und stanzfähig ist und am Ende ein elfenbeinfarbenes Porzellan liefert.“ Die gute Geschäftslage hielt aber wieder nicht lange an und schon im September 1931 ruhte der Abbau wieder. Der Umsatz war vielmehr so schlecht, daß Direktor Rust nicht einmal die Rechnung von Markscheider Friedemann für die Rißnachbringung begleichen konnte... (40024-12, Nr. 391, Blatt 104f)
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Zum
Kaolinbergbau durch Rust & Krögel von 1932 bis 1945
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Erst im Juni 1932 konnte Bergrat Spitzner
‒ jetzt vom neu eingerichteten Bergamt in Dresden ‒ an das ebenfalls wieder
eingerichtete Oberbergamt in Freiberg berichten, daß man den Abbau mit 4 Mann
und den Schlämmereibetrieb mit ebenfalls 4 Arbeitern wieder aufgenommen habe (40024-12, Nr. 391, Blatt 108).
Den Betrieb führte jetzt aber nicht mehr die Aktiengesellschaft selbst. Dem Jahresbericht auf 1932 ist vielmehr zu entnehmen, daß die Feldspat- und Kaolinwerke AG ihren Betrieb in Seilitz an die Firma „Hans Krögel, Richard Rust, Vertrieb der Erzeugnisse der Deutschen Feldspat- und Kaolinwerke AG“ verpachtet habe und durch letztere der Betrieb im Juni wieder aufgenommen worden ist. Die beiden Herren, Direktor Rust und Landwirt Hans Krögel in Seilitz, hatten das Werk am 31. Mai 1932 zunächst auf ein Jahr gepachtet (40024-12, Nr. 392, Blatt 33ff). Der Pachtvertrag wurde zweimal um ein Jahr verlängert; da es in dieser Zeit aber nicht zu einem Verkauf kam, dann 1935 „auf unbestimmte Zeit verlängert“ (40024-12, Nr. 392, Blatt 46). Aus dem Jahr 1933 gibt es gar keine Fahrberichte der Berginspektoren. Im Jahresbericht auf 1934 liest man dann, daß der Betrieb in kleinem Umfange ‒ mit 5 Mann übertage und 3 Mann untertage ‒ fortgesetzt worden ist. Immerhin hatte man im Jahr 1934 dabei 2.191 t Rohkaolin gefördert und 785 t geschlämmten Kaolin verkauft. Für das Bergamt war noch ein meldepflichtiges Ereignis bemerkenswert: Am 2. November 1934 war es zu einem Seilbruch im Förderschacht mit einem Verletzten gekommen. Auch aus dem Jahr 1935 gibt es keine aussagekräftigen Fahrberichte, nur mehrere Anzeigen von Bergrat Spitzner, daß zum einen die Rißnachbringung noch nicht erfolgt, aber in den zurückliegenden Jahren auch nur geringer Betrieb umgegangen sei. Rust sagte die Beauftragung von Markscheider Friedemann zu. Außerdem hatte aber der als Aufsicht bestätigte Grubenarbeiter Paul Richter auf dem Betriebsriß die von ihm selbst mit Kompaß gemachten Vermessungen laufend nachgetragen. Zum anderen war im August 1935 zu berichten, daß sich infolge von Bodensenkungen das Schachtgebäude neige, was wohl dessen Abbruch und die Errichtung eines neuen erforderlich machen werde (40024-12, Nr. 391, Blatt 116ff). Schließlich war am 21. November 1936 auch noch zu melden, daß es an der Straße von Seilitz nach Zehren auf 15 m Länge zu einer Einsenkung gekommen ist, welche mit Abbau im Jahr 1922 in Zusammenhang stehen dürfte, welcher damals in zirka 10 m Teufe und 15 m von der Straße entfernt umgegangen ist. Spitzner vermutete, daß sich die Abbaue geschlossen haben, was die Oberflächeneinsenkung bewirkt habe. Eine Gefahr plötzlicher Brüche sah er aber nicht, vielmehr werde die Setzung zur Ruhe kommen. Amtsstraßenmeister Eckardt schloß sich dieser Auffassung an. Herr Spitzner wies an, daß die Reparatur durch das Unternehmen des Direktors Rust auszuführen ist. Das hat dieser auch ausführen lassen und Inspektor Spitzner fand am 8. Dezember 1936 alles wieder in Ordnung gebracht vor (40024-12, Nr. 391, Blatt 126f).
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![]() Lagerstätten keramischer Rohstoffe im Freistaat Sachsen, Kartendarstellung im Maßstab 1:500.000, herausgegeben von der Deutschen Keramischen Gesellschaft in Berlin, 1933, Gesamtansicht. Quelle: Sächsisches Staatsarchiv, Bergarchiv Freiberg, Bestand 40044-1 (Generalrisse), Nr. H18637. Digitalisat:
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![]() Ausschnittsvergrößerung aus obiger Karte mit Vorkommen keramischer Rohstoffe im nordsächsischen Lößhügelland zwischen Leipzig und Dresden. Rot gefüllte Kreise markieren Kaolinvorkommen, offene, rote Kreise Vorkommen von keramischen Tonen.
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![]() Die beiden Detailkarten A und B zu den bedeutendsten Kaolin- Lagerstätten in Sachsen: Bei Kemmlitz zwischen Mutzschen und Mügeln und bei Löthain westlich von Meißen neben der großmaßstäblichen Karte. Seilitz ist im unteren Ausschnitt B nicht enthalten und liegt weiter nördlich (Vorkommen Nr. 14 auf der großmaßstäblichen Karte), dafür ist oben der Standort Sornzig vermerkt.
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![]() Eine weitere Ausgabe der Messtischblätter gibt es noch aus dem Jahr 1939, doch hat sich hier in Seilitz gegenüber der vorangegangen nichts verändert...
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Durch das Oberbergamt wurde am 15. Dezember
1937 zusätzlich zu Paul Richter noch ein Hermann Hentschel aus
Riesa als Aufsichtsführer und Betriebsobmann auf dem Seilitz'er Kaolinwerk
bestätigt (40024-12, Nr. 391, Blatt 128).
Durch einen Herrn Weise vom Bergamt Dresden wurde anhand von „Richtlinien für die Einheitsbewertung im Kaolinbergbau“ der Wert der Anlagen und des Kaolinlagers, von dem man meinte, es wenigstens ein Drittel des aufgeschlossenen Teiles abgebaut, am 7. November 1938 auf gerade einmal 5.500,- RM geschätzt (40024-12, Nr. 391, Blatt 131). Offenbar war die Verpächterin, die Deutsche Feldspat- und Kaolinwerke AG, schon Ende der 1930er Jahre zahlungsunfähig. Aus einem Schreiben des Grundbuchamtes aus dem Jahr 1945 erfährt man, daß es am 8. September 1941 zu einer Zwangsversteigerung gekommen ist (40024-12, Nr. 392, Blatt 148). Dabei hat der eine der beiden Pächter, Landwirt Hans Krögel in Seilitz, das Kaolinwerk „durch Zuschlag“ erworben, nebenbei auch eine „Villa an der Dresden- Leipziger Landstraße mit Garten und Teich“ aus dem Vermögen der Deutschen Feldspat- und Kaolinwerke AG. Bereits zum 31. März 1941 ist zuvor schon die Firma Krögel & Rust aufgelöst worden. Krögel's Partner, Direktor Rust, ist aus dem Pachtvertrag ausgeschieden und hat eine neue Stelle bei den Böhmischen Kaolin- und Quarzmehl- Werken in Pomeisl / Nepomyšl angenommen, was er aber erst am 27. November 1941 dem Bergamt mitteilte (40024-12, Nr. 392, Blatt 49). Daraufhin fragte das Oberbergamt am 8. Dezember 1941 beim Bergamt in Dresden und beim Amtsgericht in Meißen nach, ob die Deutsche Feldspat- und Kaolinwerke AG überhaupt noch bestehe, woraufhin das Amtsgericht am 11. Dezember 1941 mitteilte, daß die Aktiengesellschaft von Amts wegen gelöscht sei. Auch der nunmehrige Alleinbesitzer Krögel teilte erst am 18. Januar 1942 den Erwerb der Grube und zugleich seinen Plan, die Förderung und den Schlämmereibetrieb in Seilitz in bisherigem Umfange weiterzuführen, dem Oberbergamt mit (40024-12, Nr. 392, Blatt 54).
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Die 1939 und 1941 anstelle der früheren
Jahrbücher für das Berg- und Hüttenwesen in Sachsen erschienenen ,Bergwerksverzeichnisse'
führen nur noch tabellarisch die in Umgang stehenden Unternehmen auf. Immerhin
enthalten sie noch einige statistische Angaben zu den in Betrieb stehenden
Weißerdenwerken, zu den Seilitz'er Kaolinwerken die folgenden:
Zum Vergleich führen wir weiter
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Eine letzte Episode aus dieser Zeit
beinhaltet einen Streit um Abbaurechte auf dem Flurstück 53 in Seilitz zwischen
Herrn Krögel und der Staatlichen Porzellan- Manufaktur, welche die
Abbaurechte auf diesem Flurstück schon lange vorher erworben hatte.
Der Sachbearbeiter Buck im Bergamt Dresden berichtete am 25. Februar 1942 an das Oberbergamt, daß Krögel befürchte, daß ihm die Vorräte ausgingen. Gelegentlich einer vorgenommenen Grubenbefahrung zusammen mit Dr. Kirnbauer von der Bergwirtschaftsstelle habe man die Möglichkeit diskutiert, ob das Grubenfeld des Krögel'schen Kaolinwerkes auf Kosten des der Manufaktur gehörigen Feldes erweitert werden könne. Gegebenenfalls könne ein „Zulegungsverfahren“ eingeleitet werden (40024-12, Nr. 392, Blatt 57). Das lehnte die Porzellan- Manufaktur aber kategorisch ab (40024-12, Nr. 392, Blatt 61), woraufhin Herr Krögel dann am 14. August tatsächlich einen Zulegungsantrag beim Oberbergamt einreichte (40024-12, Nr. 392, Blatt 62). Dabei ging es um folgendes Teilstück des genannten Flurstückes, das an der dem Schacht gegenüberliegenden, westlichen Seite der Straße von Seilitz nach Zehren lag.
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Digitalisat:
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Die Porzellanmanufaktur wurde natürlich zum
Antrag gehört, lehnte aber weiter jeden Flächentausch ab, Krögel hätten die
Verhältnisse beim Erwerb ja bekannt sein müssen. Außerdem verwies man auf die
kulturelle Bedeutung des eigenen Unternehmens und steigenden Bedarf. Da die
Manufaktur eine landeseigenes Unternehmen sei, habe letztlich der
Reichstatthalter bzw. das Ministerium für Wirtschaft und Arbeit die Entscheidung
zu treffen (40024-12, Nr. 392, Blatt 66).
Durch das Oberbergamt wurde eine Verhandlung im Gasthof Seilitz für den 14. Oktober 1942 anberaumt. Das Protokoll fehlt zwar in der Akte, aber da der Schriftwechsel weitergeht, ist es zu diesem Termin ganz sicher nicht zu einer Einigung gekommen. Auch das Bergamt Dresden wurde befragt und nahm am 29. Januar 1943 Stellung (40024-12, Nr. 392, Blatt 81ff). Darin heißt es: „Das nordöstliche Abbaugebiet ist zur Zeit zugänglich durch die Grubenbaue des Seilitzer Kaolinwerkes und des Staatlichen Weißerdewerkes. Es erstreckt sich bis unter den Ort Seilitz, wie erst in den letzten Jahren niedergegangene Brüche, die von dem Bergamte unbekannten Abbauen herrühren, beweisen...“ Schau an: Was Carl Krister's Unternehmen auf des Bauern Beulich und seiner Nachbarn in der zweiten Hälfte des 18. und Anfang des 19. Jahrhunderts hier getrieben hat, hat damals ja niemand aufgezeichnet... Weiter liest man: „Das zweite Abbaugebiet liegt südwestlich des Ortes Seilitz. In ihm ist nach Kenntnis des Bergamtes um das Jahr 1900 durch die Firma Krister Kaolin gewonnen worden...“ und: „Nach den Angaben der (...) Staatlichen Porzellanmanufaktur hat dieselbe auf den Flurstücken, unter denen ihr, beginnend mit dem Jahr 1814, Abbaurechte auf Kaolin eingeräumt worden sind, keine Bohrungen vornehmen lassen. Sie ist daher auch nicht in der Lage, anzugeben, daß der Kaolin, der in dem von Herrn Krögel beantragten Feldesteil ansteht, für die Zwecke der Manufaktur geeignet ist. Aus folgenden Gründen ist vielmehr damit zu rechnen, daß dies nicht der Fall ist...“ Unter anderem wurde nun ins Feld geführt, daß es sich um genau die Fläche handele, welche Bauer Beulich im Nachtrag von 1872 zum Abbauvertrag von 1840 von der Manufaktur zurückgekauft und das Abbaurecht anschließend an die Firma Krister übertragen hatte. Man schloß daraus, daß das dort anstehende Kaolin nicht für die Zwecke der Manufaktur brauchbar (und wo es das war, schon früher abgebaut) sei. Jedenfalls kam das Bergamt in Dresden zu der Auffassung, daß ein wirtschaftlicher Abbau des Kaolins – sofern er überhaupt noch bauwürdig anstehe – im beantragten Feldteil nur durch Krögel möglich sein würde. Das Krögel’sche Werk gewinne seit Jahren nur Restpfeiler zwischen alten Brüchen, der rund 50% bis 60% Sand enthalte. Am 26. März 1943 fragte das Oberbergamt auch noch beim Ministerium für Wirtschaft und Arbeit in Dresden nach. Unter Verweis auf die Einstufung des Krögel’schen Werkes als ,W-Betrieb' (wehrwirtschaftlich bedeutend) und Zuweisung einer „Kriegsaufgabe“ von 1.000 t Reinkaolin geschlämmt pro Jahr befürwortete das Oberbergamt den Antrag Krögel’s (40024-12, Nr. 392, Blatt 84ff). Laut Eintragung im Handelsregister vom 3. Februar 1943 ist Inhaber der Firma Hans Krögel inzwischen Ernst Johannes Krögel geworden. Aus dem Ministerium für Wirtschaft und Arbeit der Landesregierung erging am 15. Juli 1943 ein abschlägiger Bescheid an das Oberbergamt: Der Antrag Krögel’s sei abzulehnen. Fraglicher Standort bilde die einzige Reserve der Manufaktur und der Abbau sei schon länger geplant, nur durch die Kriegsereignisse bisher verhindert worden (40024-12, Nr. 392, Blatt 99).
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Dazu nun nahm wiederum Sachbearbeiter Buck
im Bergamt Dresden am 11. August 1943 erneut Stellung, beharrte aber auf seinem
bisherigen Standpunkt (40024-12, Nr. 392, Blatt 100f). Daraufhin hörte das
Oberbergamt auch den pensionierten Betriebsleiter Dr. Funk. Der
antwortete aber salomonisch, daß ihm auch nichts Genaues bekannt sei, weil
während seiner Dienstzeit Untersuchungen dort noch nicht erforderlich gewesen
seien, die Qualität des Kaolins jedenfalls über das ganze Feld betrachtet, sehr
wechselhaft sei (40024-12, Nr. 392, Blatt 104).
Nun wurde der Manufaktur am 6. Oktober 1943 mitgeteilt, daß das Oberbergamt die Absicht habe, dem Zulegungsverfahren zuzustimmen und aufgefordert, den Nachweis zu erbringen, daß der im strittigen Feld anstehende Kaolin für ihre Zwecke überhaupt brauchbar ist. Die Betriebsleitung der Manufaktur beschwerte sich postwendend in Dresden, woraufhin ein Oberregierungsrat Dr. Protze vom Ministerium die an die Porzellanmanufaktur gerichtete Aufforderung des Oberbergamtes „zerriss“, das Oberbergamt verkenne die Rechtslage und sei in seinen Ausführungen anfechtbar. Den Nachweis, daß die Manufaktur nicht demnächst den Abbau aufnehmen könne und daß die zwangsweise Übertragung des Abbaurechtes daher notwendig sei, habe das Oberbergamt als die entscheidende Behörde zu erbringen. Die Zulegungsverordnung verfolge den Zweck, den Abbau sicherzustellen. Ein staatlicher Eingriff erfolge dann, wenn der Abbau von den Berechtigten nicht betrieben wird. Daß der Abbau für die Fabrikationszwecke des Berechtigten erfolgen muß, verlange die Verordnung nicht. Insofern muß das Material gar nicht unbedingt für die Manufaktur geeignet sein, die Absichtserklärung der Betriebsaufnahme reicht aus. Schließlich verwies der Oberregierungsrat noch darauf, daß die Zulegung, wenn sie sich gegen ein Land richte – was bei der landeseigenen Manufaktur der Fall war – der Genehmigung der obersten Landesbergbehörde bedürfe, letztlich also des Reichswirtschaftsministeriums... Die Akte ist mit weiterem Schriftverkehr dazu angefüllt, bis das Oberbergamt am 26. Februar 1945 den Zulegungsantrag Krögel's dann doch endgültig ablehnte (40024-12, Nr. 392, Blatt 123f).
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Zum Tonbergbau
bei Löthain und Mehren bis 1945
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Wenn die folgenden
Abschnitte zum Tonabbau hinsichtlich der vielen anderen Unternehmen weniger umfangreich
ausgefallen sind, so liegt das zum ersten daran, daß die Grubenakten zu den von
uns näher beschriebenen Werken fast alle bereits durch das Sächsische
Staatsarchiv digital bereitgestellt werden, was uns die Recherchen natürlich
erheblich erleichterte... Zudem handelt es sich sowohl bei den Venus'schen,
als auch bei den Rühle'schen Unternehmen um reine Gewinnungsbetriebe,
während viele andere (übrigens auch das Staatliche Weißerdenwerk) stets
Nebenbetriebe der Keramikhersteller gewesen sind. Nicht zuletzt ist es
eigentlich fast unmöglich, die Betriebsgeschichte
aller im Revier tätigen Unternehmen gleichermaßen ausführlich zu recherchieren
und in einem Beitrag zusammenfassend darzustellen.
Tatsächlich aber dürften sich die Betriebsabläufe auf allen Werken geähnelt haben, so daß wir glauben, das vormals Venus'sche und das Heinrich Rühle'sche Unternehmen, ab 1908 beide in den Händen von Erich Rühle, durchaus beispielhaft für alle anderen Tonbergwerke im Revier ausführlicher betrachten zu können, zumal sich diese zwei zusammengenommen hinsichtlich des Ausbringens bis Mitte des 20. Jahrhunderts zum größten Bergbauunternehmen im Revier weiterentwickelt haben.
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Wie schon erwähnt, findet man aus der Zeit ab 1900 und noch
bis 1938 Angaben über die Ton- und Kaolingruben, welche zu den gewerblichen
Gruben gezählt wurden, in einem separaten Kapitel der Jahrbücher für das
Berg- und Hüttenwesen in Sachsen. Im Jahr 1900 wurden in der hier
betrachteten Region die folgenden 15 Werke aufgeführt:
Die Zahlen in Klammern geben eine Ordnungsziffer an, unter
der das betreffende Werk beim Bergamt erfaßt war. Dieselbe Übersicht haben wir das nächste Mal für das Jahr
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| Über den Betrieb der Tongruben Anfang des 20. Jahrhunderts geben uns die dazu erhalten gebliebenen Grubenakten ausführliche Auskunft. Kommen wir dabei wieder auf die Löthain- Meißner Kaolinwerke im Besitz von Heinrich Rühle: Hier findet sich darin auch eine Arbeitsordnung von 1892 sowie Werksvorschriften aus dem Jahr 1903 (40024-12, Nr. 241, Filmbildnummer 0004ff). Letztere galten gleichermaßen für die Tongruben von Villeroy & Boch in Löthain, für welche Obersteiger Thiemann ebenfalls zeichnete, für die Löthain- Meißner Tonwerke von Heinrich Rühle, über die Obersteiger Feldmann von nun an ebenso die Aufsicht führte, sowie die Kaschka- Mehrener Tonwerke J. G. Venus, wo der Obersteiger Ernst Eduard Weiße die Betriebsleitung innehatte. | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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Der Betriebsplan auf das Jahr 1900 für das H. Rühle'sche Werk in Löthain berichtet uns (40024-12, Nr. 239, Blatt 33f), daß im südwestlichen Feld die Verbindungsstrecke vom Johannaschacht nach dem Prinz Friedrich August Schacht aufgefahren war; der letztere nun 27,375 m Teufe erreicht hatte und nun die Ausrichtung für den Abbau in Richtung Süden im Gange war. Zugleich baute man westlich vom Johannaschacht Pfeiler ab. Am Erichschacht war man „in jeder Richtung auf sandiges
und wasserhaltiges Material“ gestoßen und konnte nur einige kleinere Pfeiler
in Verhieb nehmen. Der Abbau am Gertrudschacht war beendet und der
Schacht bereits verfüllt. Südlich vom Thiemannschacht ging Pfeilerabbau
um, während der Steigerschacht „wegen ungenügenden Absatzes des hier
gewonnenen Materials“ außer Betrieb stand. Auch den Versuchsbetrieb
in
Stattdessen reichte Herr Rühle am 25. April 1900 noch einmal einen Antrag für das Abteufen eines neuen Bismarckschachtes auf Parzelle 26 in Oberjahna ein (40024-12, Nr. 239, Blatt 113). Noch war Markscheider Choulant hier durch die Amtshauptmannschaft mit der Begutachtung der Betriebspläne beauftragt und dieser lobte am 23. Februar 1900 (40024-12, Nr. 239, Blatt 35f), daß der Johannaschacht und der Friedrich August- Schacht, sowie der Steigerschacht und der Thiemannschacht jeweils untereinander „mehrfach in offene Verbindung gebracht“ seien und daß nun „eine rationelle und vortheilhafte Thongewinnung von zwei Schächten aus erfolgen kann.“ Folglich waren von seiner Seite Einwendungen gegen den geplanten Betrieb nicht zu erheben. Da beim Erichschacht nur noch begrenzter Abbau erfolge, könne auch weiter auf einen zweiten Schacht verzichtet werden unter der Bedingung, daß Schacht und Fahrstrecken jederzeit in gutem Stand gehalten werden. Was den neuen Schacht in Oberjahna anging, so war Herr Choulant wohl nicht ganz auf dem Laufenden, denn er beanstandete in seiner Stellungnahme vom 3. Mai 1900, daß die Anzeige erst nach Fertigstellung des Schachtes eingehe. Einen Bismarckschacht hätte Rühle doch schon 1894 im vormals Frohberg’schen Feld betrieben... Ein ordentlicher Riß sei vor der weiteren Begutachtung nachzureichen.
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Mitte des Jahres 1900 wurde dann die
Berginspektion III
in Freiberg eingerichtet und revierübergreifend mit der Beaufsichtigung aller
,gewerblichen Gruben' betraut.
Zuständiger Mitarbeiter der Berginspektion war der uns von seinem oben
zitierten, ausführlichen Bericht über die Tongruben im Seilitz- Löthainer Revier
schon bekannte Herr Seemann, der selbst mit ,Bergverwalter' oder ,Bergmeister',
jedoch nie mit seinem vollen Namen unterschrieb.
Über seine ersten Grubenbefahrungen ,zur Instruktion des Beamten' finden wir in den Grubenakten regelmäßig sehr ausführliche Fahrberichte, von denen wir nun denjenigen über seine Befahrung der Rühle'schen Tonwerke zu Löthain am 9. März 1900 zitieren wollen. Zu diesem Zeitpunkt war die neue Berginspektion noch gar nicht aus der Taufe gehoben und so steht hier auf dem Fahrjournal, daß Herr Seemann diese Befahrung noch als ,Hilfsarbeiter des Bergamtes' ausgeführt habe (40024-12, Nr. 239, Blatt 38ff): „Die Thongrube ist in der Flur des Rittergutes Löthain gelegen. Die Tagesoberfläche des Abbaufeldes gehört zum Besitze des Rittergutes. An letzteres wird vom Grubenbetriebsunternehmer Rühle in Meißen ein Zins gezahlt, der z. Z. für einen cbm anstehend ausgehauenen und geförderten Thon = 20 dz (gemeint ist hier der Doppelzentner = 100 kg) 8 bis 10 M je nach der Güte des Thones beträgt. Da die Produktion sich auf etwa 150.000 dz im Jahre stellt, so sind in den letzten Jahren jährlich über 60.000,- Mark Zins gezahlt worden. Betriebsleiter ist Karl August Feldmann, in Meißen wohnend, in der Woche jedoch in der Regel auf dem Werke auch während der Nacht bleibend. Er hat von 1871 – 1875 die Bergschule in Freiberg besucht. Außerdem sind noch zwei Untersteiger ohne Bergschulausbildung angestellt. Die Belegschaft besteht in 75 Mann, die bei der Ziegelei- Berufsgenossenschaft und in der Bezirks Krankenkasse Krögis versichert sind... Der gewonnene Thon wird an Steingut-, Ofen-, Porzellan- und Glasfabriken verkauft. Er ist von sehr verschiedener Güte, so daß der Preis für einen dz zwischen 0,70 und 3,- M schwankt. Der gute Thon ist außerordentlich begehrt. Welcher Werth ihm beigemessen wird, geht daraus hervor, daß eine der größten Steingutfabriken Deutschlands, Villeroy & Boch in Dresden, ein ziemlich ausgedehntes Nachbargrundstück mit Thonlager seit Jahren käuflich erworben hat, jedoch den Betrieb nicht aufnimmt, sondern ihren Bedarf von den anderen Löthainer Werken deckt, obwohl dort der Thon von ihnen weit theurer bezahlt werden muß, als sie selbst sich ihn schaffen könnten. Nach Erschöpfung der anderen Werke, wo dann der gute Thon sehr schwer zu haben sein wird, soll dann erst an die Ausbeutung der eigenen Lager gedacht werden. Die Gewinnungs- und Förderungsarbeiten werden im Akkord verrichtet. Die Schläger erhalten 3,75 M für 1 cbm gewonnenen Thon, die Förderleute 2,75 M für das Fördern bis nach übertage. Im Allgemeinen beträgt der Verdienst der Akkordarbeiter 25 M, derjenige der Stundenarbeiter 18 M wöchentlich. Die Arbeitszeit dauert von früh 6 Uhr bis nachmittags ½ 6 Uhr bei 1½ stündiger Pause. Das Thonlager ist durch 5 saigere Schächte aufgeschlossen. Die Schächte haben alle einen rechteckigen Querschnitt von 1,70 x 3,25 m. Dieses Maß hat sich als das vortheilhafteste in dortiger Gegend herausgestellt, sowohl in Rücksicht auf die Größe des Gebirgsdruckes, als auf die Zwecke, denen die Schächte zu dienen haben. Von diesen Schächten stehen der Thiemannschacht und der Steigerschacht, sowie der Johannaschacht und der Prinz Friedrich August Schacht durch in der Lagerstätte getriebene Strecken mit einander in Verbindung, während der Erichschacht mit den anderen Schächten in keiner Verbindung steht. Der Thiemannschacht und der Steigerschacht bilden ein Revier für sich, in welchem ein Untersteiger die Aufsicht führt. Erstgenannter Schacht ist 28,98 m, letzterer 28,10 m tief. Beide Schächte sind mit hölzernen Kauen ohne Blitzableitung überdeckt. Beim Abteufen des Thiemannschachtes im Jahre 1898 (oder 1896 – s. o.?) wurden 7 m Lehm, dann eine Schicht von 10 m feinem Sand, ein Gemenge von Lehm und Sand, wieder 1 m feiner Sand mit etwas Wasser durchsunken. Letzterer konnte angeblich als Schwimmsand noch nicht bezeichnet werden, er stand und brauchte auch deshalb vom gewöhnlichen Ausbau im Schachte nicht abgewichen zu werden. Darunter folgte eine 1½ m mächtige Schicht schlieriger Masse, ein Gemenge von Sand und Thon, die einem „wilden“ Thon von 4 m Mächtigkeit überlagerte, das ist Thon, der noch zu viel Sand enthält, um verwerthet werden zu können. Unter diesem endlich lagerte in 6 m Mächtigkeit der zu gewinnende gute Thon, unter welchem dann der sogenannte braune Thon liegt, welcher zur Verwerthung wieder zu sandig ist. Der ganze Schacht war in 8 Wochen fertiggestellt. Es wird in diesem Revier der Thon bereits in der zweiten, der unteren Etage gewonnen, die obere ist vollständig abgebaut und der Bruch hat sich genügend gesetzt. Das Gebirge ist sehr druckhaft. Die Strecken stehen in voller Thürstockzimmerung, die Kappen sind mit Brettern hinterzogen und die einzelnen Thürstöcke liegen noch nicht 1 m von einander entfernt. Man richtet sich beim Streckenbetriebe ganz nach der zu gewinnenden Thonlage, daher steigen und fallen die Strecken abwechselnd. Der Abbau wird regelrecht von hinten auf den Schacht zu verführt, es werden keine Sicherheitspfeiler stehengelassen, vielmehr werden die zum Abbau vorgerichteten Pfeiler in einer Größe von etwa 15 – 20 m im Quadrat durch nebeneinanderliegende Abbauörter von 1,55 m Breite und 2,25 m Höhe zum Aushieb gebracht. Die Thürstöcke setzt man in den Abbauörtern in der Regel 1 m von einander. Das eingebaute Holz wird nicht geraubt, weil der Bruch des Hangenden ein zu plötzlicher wird und man ein Eindringen des Sandes in die Grubenbaue besorgt. Als Leistung eines Schlägers rechnet man 7 cbm Thon in der Woche. Für ihre Beleuchtung und ihr Schlagzeug müssen die Leute selbst sorgen. Die Förderung nach dem Schachte erfolgt in Karren, im Schachte durch Handhaspel mit Hanfseil. Für die Wasserlösung ist für das Revier ein Windrad und eine Lokomobile vorhanden, welche je einen Drucksatz in Gang setzen. Die Befahrung erfolgte in Begleitung des Obersteigers Feldmann. Es wurden sämmtliche 3 belegte Abbaue und die 3 belegten Ortbetriebe sowie die beiden Schächte befahren. In betriebspolizeilicher Hinsicht waren folgende Ausstellungen zu erheben: 1.) in der Nähe der Hängebank beider Schächte fehlten die Abstreicheisen. 2.) Über der Hängebank beim Thiemannschacht war die Hängekappe abgetreten. 3.) Bei beiden Schächten waren auf den Füllörtern die Fördertrümer nicht verwahrt. 4.) Im Steigerschacht waren einige Gevierte und Verzugbretter wandelbar (...) sonst befindet sich der Ausbau der Grube in gutem Zustande.“ Na ja, ein guter Inspektor findet immer etwas zu verbessern, aber die aufgeführten Dinge waren keine wesentlichen Mängel und insgesamt befand er die Grube doch in gutem Zustand. Mit einer Belegung von 75 Arbeitern und drei Beamten muß dem Rühle'schen Werk zu dieser Zeit im Vergleich mit anderen Bergwerken ‒ von den großen Steinkohlengruben vielleicht abgesehen ‒ eine ganz beachtliche Ausdehnung zugemessen werden. Obwohl die eigentliche Gewinnung und Förderung noch überwiegend händisch erfolgte, verfügte man doch über technische Einrichtungen auf dem Stand der Zeit ‒ wie die genannte Lokomobile und ein Windrad zum Betrieb der Wasserhebung. Solche ,Windturbinen' gab es zu
dieser Zeit auch auf anderen Gruben der ferneren Umgebung, etwa auf dem Kalkwerk
zu
Wenn wir die hier angeführten Kosten an Grundzins und Arbeiterlöhnen einmal zusammenrechnen, so kommt man auf rund 82 Pfennig pro ausgeförderten Doppelzentner Ton (ohne Transportkosten und Bahnverladung, die hier nicht genannt sind). Demgegenüber werden von Seemann Verkaufserlöse für einen Doppelzentner zwischen 70 Pfennig und 3 Mark angegeben. Beim ,guten Ton' war das sicher kein schlechtes Geschäft ‒ der Verkauf geringerwertiger Tone dagegen trug kaum die Gestehungskosten...
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![]() Bilddokumente solcher Windkraftanlagen an den Löthain'er Tonschächten werden im Museum in Mehren bewahrt.
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![]() Der Thiemannschacht auf einer historischen Aufnahme - so die Datierung korrekt ist, bereits um 1885. Bildquelle: Unternehmensarchiv des ehemaligen VEB Kaolin- und Tonwerke Löthain- Seilitz beim heutigen Standort Mehren der Unternehmensgruppe SIBELCO Deutschland GmbH, Fotosammlung.
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![]() Der Steigerschacht auf einer historischen Aufnahme - undatiertes Foto, aber vor 1930, denn noch ohne Windturbine. Bildquelle: Unternehmensarchiv des ehemaligen VEB Kaolin- und Tonwerke Löthain- Seilitz beim heutigen Standort Mehren der Unternehmensgruppe SIBELCO Deutschland GmbH, Fotosammlung.
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![]() Die Belegschaft auf dem Steigerschacht. Bildquelle: Unternehmensarchiv des ehemaligen VEB Kaolin- und Tonwerke Löthain- Seilitz beim heutigen Standort Mehren der Unternehmensgruppe SIBELCO Deutschland GmbH, Fotosammlung.
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![]() Die Förderbrücke am Johannaschacht, Aufnahme undatiert. Bildquelle: Unternehmensarchiv des ehemaligen VEB Kaolin- und Tonwerke Löthain- Seilitz beim heutigen Standort Mehren der Unternehmensgruppe SIBELCO Deutschland GmbH, Fotosammlung.
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![]() Verladung des Tons, Aufnahme undatiert. Bildquelle: Unternehmensarchiv des ehemaligen VEB Kaolin- und Tonwerke Löthain- Seilitz beim heutigen Standort Mehren der Unternehmensgruppe SIBELCO Deutschland GmbH, Fotosammlung.
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![]() Abtransport des geförderten Tons noch mit Geschirr, Aufnahme undatiert. Bildquelle: Unternehmensarchiv des ehemaligen VEB Kaolin- und Tonwerke Löthain- Seilitz beim heutigen Standort Mehren der Unternehmensgruppe SIBELCO Deutschland GmbH, Fotosammlung.
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![]() Verschiffung des Tons über den Elbkai in Meißen, Aufnahme undatiert. Bildquelle: Unternehmensarchiv des ehemaligen VEB Kaolin- und Tonwerke Löthain- Seilitz beim heutigen Standort Mehren der Unternehmensgruppe SIBELCO Deutschland GmbH, Fotosammlung.
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Offenbar waren ,sämmtliche Baue'
selbst bei der Löthain'er Betriebsabteilung nicht an einem Tag zu besichtigen, so daß Herr Seemann seine Befahrung am
10. März fortsetzte:
„Zum zweiten Reviere werden die Baue vom Johanna- Schacht, Prinz Friedrich August- Schacht und Erich- Schacht gerechnet. Erstgenannte beide Schächte stehen durch mehrere Strecken mit einander in Verbindung, letztgenannter Schacht ist aber ohne andere Verbindung und bildet für die zugehörigen Grubenbaue den einzigen Tageausgang. Der Johanna- Schacht ist 21,96 m, der Prinz Friedrich August- Schacht 27,37 m und der Erich- Schacht 25,70 m tief, sie sind sämmtlich mit hölzernen Schachtkauen überdeckt, auch ist auf jedem Schacht eine heizbare Mannschaftsstube eingerichtet. Im Johanna- Schacht wurden die 3 im Betriebe stehenden Abbaue und die 4 Streckenörter befahren. Im Prinz Friedrich August- Schacht- Revier ist man noch mit der Vorrichtung zum Abbau beschäftigt, die 5 umgehenden Streckenörter wurden befahren. Im Erich- Schacht- Revier, das wohl nur etwa noch bis zum nächsten Herbst in Betrieb sein wird, weil das Feld ziemlich abgebaut ist, sind noch zwei Abbaue in Schlag. Die Förderung erfolgt auf den drei Schächten durch Handhaspel. Für die Wasserhebung ist auf dem Erich- Schacht und dem Prinz Friedrich August- Schacht je ein Windrad mit angehangenem Drucksatz aufgestellt, auf dem Johannaschacht wird der Drucksatz durch eine Lokomobile wöchentlich einmal 3 bis 4 Stunden lang in Gang gesetzt. Zur Ansammlung der Grundwasser sind besondere Wasserstrecken hergestellt. Behufs Behebung etwaiger Wetternöthigkeit ist auf dem Erich- Schacht ein mittels Vorgelege und mit Hand in Bewegung gesetzter Centrifugalventilator aufgestellt. Bemerkenswerth ist, daß bei den Löthainer Schächten schon mehrfach Unglücksfälle, wenn auch bis jetzt, soweit ermittelt werden konnte, nicht sehr schwerer oder tödlicher Art, infolge von Grubengasexplosionen sich ereignet haben. Das Grubengas entsteht der Erfahrung nach in alten, theilweise oder ganz verbrochenen und von der Luft abgeschlossenen Bauen durch Faulen des massenhaft in der Grube belassenen Holzes. In der Nähe sehr alter Baue tritt mitunter das Grubengas unter knisterndem Geräusch als Bläser aus der Thonmasse aus. Es wird angebrannt und brennt dann mitunter tagelang fort. Geringe Ansammlungen in der Förste brennen die Arbeiter mit der offenen Lampe weg. Ein Arbeiter, der an den Folgen einer Verbrennung sechs Wochen krank gelegen, beschrieb auf Befragen den Hergang folgendermaßen: Er sei mit dem Thonschlagen vor einem Streckenort beschäftigt gewesen, seine Lampe habe er etwa in der Mitte Orthöhe an einem Stempel aufgehangen, auf einmal sei von der Förste es wie ein Blitzschlag nach der Lampe niedergefahren, es habe ihn niedergeworfen und seien ihm alle Haare und die Haut, soweit nicht durch Kleidung bedeckt gewesen, weggebrannt, so daß er 6 Wochen krank zu Hause gelegen habe. Nach Mitteilung des Obersteigers ist beim Einschlagen in alten Mann das Vorhandensein von Grubengas eine gewöhnliche Sache. Es ist deshalb auf jedem Schachte des Werkes eine Sicherheitslampe vorhanden. Nähert man sich einem alten Bau, so wird 6 – 7 m vorgebohrt und nur mit der Sicherheitslampe gearbeitet. Das Bohrloch schafft in der Regel einen Bläser. Ist er nach einiger Zeit erloschen, so wird auf besonders gute Wetterführung gehalten und der Betrieb fortgesetzt. Über Gasexplosionen in französischen Thongruben finden sich auch in der Österreichischen Zeitschrift 1895 (...) die den Annales des Mines entnommenen Angaben. Zu Bedenken gab ein Verfahren, wie es im dortigen Revier beim Vorhandensein mehrerer Schächte zur Beschaffung besserer Wetter üblich ist, zu Zeiten, wo der Wetterzug nicht kräftig genug ist. Es wird dann in den Wetterabzugsschacht ein aus Bandeisen hergestellter 70 cm hoher Feuerkorb in den Schacht gehangen und darin ein kräftiges Holzfeuer unterhalten. Der Ausbau der Schächte und Strecken befindet sich in gutem Zustande. In sicherheitspolizeilicher Hinsicht sind folgende Ausstellungen zu erheben: 1.) An der Laufbrücke vom Johanna- Schacht nach dem Verladeschauer fehlt die Bodenleiste und die mittlere Stange. 2.) An der Hängebank des Johanna- Schachtes ist die Hängekappe abgetreten. 3.) In Höhe der ersten Fahrt unter der Hängebank ist das Fahrtrum nicht gegen das Kunstkreuz verwahrt. 4.) Bei allen Schächten fehlt die Verwahrung der Fördertrümer (die Vertonnung). Wie in Erfahrung gebracht wurde, wird von dem Werkbesitzer zwischen Kaschka und Oberjahna behufs Thongewinnung ein Schacht niedergebracht, der bis 12 m unter Tage abgeteuft ist. Dieser Betrieb ist bei der königlichen Amtshauptmannschaft noch nicht angemeldet worden.“ Seine Kenntnisse zur Problematik der
Ob er es eher für empfehlenswert oder eher
für problematisch ‒ jedenfalls für bedenkenswert ‒ hielt, müssen wir
offenlassen: Aber den Wetterzug durch eine Heizung in der Grube ,anzuheizen'
war ein durchaus gängiges Verfahren; freilich suchte man gewöhnlich derartige
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Ach ja, in Oberjahna besaß Herr Rühle ja auch noch das vormals Frohberg'sche Grubenfeld und der Abbau dort ist 1895 nur sistiert worden. Es ist wohl nur vergessen worden, die Wiederaufnahme des Betriebes anzuzeigen... Am 8. Mai 1900 war Herr Seemann deshalb auch in Kaschka und berichtete anschließend darüber (40024-12, Nr. 239, Blatt 120f): „Die Anlage ist in der Flur Kaschka etwa 150 m östlich vom Punkte 168,2 der Generalstabskarte 1:25.000 gelegen. Betriebsleiter ist der bereits im Fahrberichte vom 9. und 10. März dieses Jahres genannte Obersteiger August Feldmann in Meißen. Der Schacht ist 13 m tief, sein Querschnitt 2,85 x 1,27 m. Er ist in Bolzenschrotzimmerung ausgebaut und mit Brettern hinterzogen. Die einzelnen Geviere liegen 90 cm im Lichten von einander entfernt. Bei seinem Niederbringen durchteufte man 9 m lehmige Masse, 2 m thonigen Schutt, 2 m guten Thon, der in der Chamottewaarenfabrikation als sogenannter Begußthon sehr gesucht ist, worunter dann wieder thonige Schuttmassen folgten. Der Begußthon wird ab Meißen mit 6 und 8 Mark pro dz bezahlt. Von dem Schachte aus soll der Rest eines bereits in früheren Jahren der Gewinnung unterzogenen, aber zum Erliegen gekommenen Abbaufeldes herausgeholt werden und sind im Thonlager erst wenige Meter Strecke vom Schachte aus aufgefahren. Über letzterem ist eine hölzerne verschließbare Kaue ohne Blitzableitung errichtet, auch eine kleine Mannschaftsstube in seiner Nähe ist vorhanden. Die Förderung der Massen erfolgt durch Handhaspel. Grundwasser treten bis jetzt nicht auf. In betriebspolizeilicher Hinsicht ist auszusetzen, daß 1.) von der vom Schachte in gerader Richtung nach Nordwest ausgehenden Strecke bereits in 4 m Erlängung rechtwinklig wieder eine Strecke abgeht, wodurch der Sicherheitspfeiler geschwächt wird, 2.) der Rundbaum des Haspels keine Schutzvorrichtung gegen das Herabfallen in den Schacht bei einem Achsenbruch hat, 3.) das Zutrittsverbot zur Schachtkaue fehlt, 4.) die Absperrung des Schachtes am Füllorte fehlt und 5.) Verbandszeug nicht vorhanden ist.“ Hinsichtlich des
Am 1. September 1900 antwortete Obersteiger Feldmann darauf, man habe den Betrieb vorerst erneut eingestellt. Bei einer Wiederaufnahme werde ein zweiter Flucht- und Wetterschacht angelegt (40024-12, Nr. 239, Blatt 124). Schon am 12. Juli 1900 mußte der Obersteiger auch anzeigen, daß der Erich- Schacht zusammenzubrechen drohte, weswegen der Betrieb dort eingestellt worden sei. Von einer Gewältigung werde abgesehen, da die bauwürdigen Pfeiler in diesem Feld ohnehin weitgehend abgebaut waren (40024-12, Nr. 239, Blatt 45f).
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Im Jahr 1900 ereigneten sich auch zwei
tödliche Arbeitsunfälle auf den Rühle'schen Tongruben, über die in der
Jahrbuchausgabe von 1901 berichtet wird. Am 12. Juni ist der der Tonschläger
Karl August Adam „von aus dem Hangenden hereingehenden Thonmassen, deren
rechtzeitige Stützung der Verunglückte trotz erhaltener Anordnung unterlassen
hatte, verschüttet und getödtet worden.“ Am 10. August rutschte Tonschläger
Friedrich August Pärsch „beim Hereinziehen von Thonmassen mit der
Spitzhacke ab, fiel auf den Rand eines daneben stehenden Wasserkübels und zog
sich dadurch eine am 10. November den Tod herbeiführende Leberquetschung zu.“
Einem dritten tödlichen Unfall erlag der Zimmerling Oskar Volkert bei der vormals C. Teichert'schen Tongrube der Meißner Ofen- und Porzellanfabrik. Er „erlitt beim Schachtbau einen Schädelbruch dadurch, daß beim Einhängen eines Wandruthenstempels in den Schacht ersterer sich aus der Seilschlinge herauszog und ihm auf den Kopf fiel. Die Anwendung von Heftstrick und Klammer war versäumt worden.“ Noch bevor Herr Seemann erstmals auch über die Venus'schen Tongruben ausführlich berichtete, hatte er dem Bergamt am 2. Juni 1900 anzuzeigen, daß sich wegen einer durchteuften Schwimmsand- Schicht „in Verbindung mit der für die Verhältnisse nicht geeigneten Art des Abbaus und einer fehlerhaften Schwächung des Schachtpfeilers“ der neue Augustinenschacht einseitig gesenkt und sich der Bolzenschrotausbau verzogen habe. Außerdem fand er die Bewetterung durch einen durch zwei Mann betriebenen, im Treibehaus aufgestellten Ventilator und über nur 80 mm weite Wetterrohre im Schacht ungenügend. Es fehlten auch noch etwa 30 m Strecke, um die Verbindung zum zweiten Tageschacht herzustellen. Seemann schlug deshalb dem Bergamt vor, die Einstellung der Abbaubetriebe bis zur Herstellung des Fluchtweges anzuordnen. Das tat das Bergamt auch am 11. Juni 1900 (40024-12, Nr. 188, Blatt 45f). Nebenbei erfährt man hier, daß die gesamte Belegschaft der Venus'schen Tongruben jetzt 50 Mann umfaßte, davon waren auf dem Augustinenschacht aber nur 4 Mann angelegt.
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Weil er uns wieder einen gründlichen Überblick über den Betrieb der Tongrube zu diesem Zeitpunkt gibt, sei hier nun auch der erste Fahrbericht Inspektor Seemann's vom 8. Mai 1900 über die Kaschka- Mehrener Tonwerke vollständig zitiert (40024-12, Nr. 188, Blatt 48ff): „Das Werk besitzt ein ziemlich ausgedehntes Abbaufeld in den Fluren Mehren und Kaschka, Eigenthümer desselben ist ein Hausbesitzer Schröter in Mehren. Grund und Boden gehört nicht zum Werke, letzteres hat sich vielmehr bei einer Reihe von Gutsbesitzern nur das Recht erworben, das Thonlager unter ihren Feldern abzubauen, wobei ein Bruchzins, und zwar nicht nach der Güte des geförderten Thons bzw. der Höhe des Verkaufspreises, wie vielfach anderwärts, sondern je nach dem Abschluß der Verträge von 10 bis 30 Pf. (Kürzel unleserlich ?) pro dz. gewonnenen Thons an den Grundbesitzer gezahlt wird. Beschädigungen der Tagesoberfläche fallen letzteren zur Last. Ob die Art der Entschädigung des Grundbesitzers die richtige ist, soll dahingestellt bleiben. Mir erscheint sie nicht vortheilhaft, denn der Grubenbesitzer wird immer dahin streben, nur den besten Thon zu gewinnen und die Masse, welche ihm nicht so hohen Gewinn einbringt, unabgebaut stehen zu lassen, wodurch sowohl ein volkswirtschaftlicher Schaden entsteht, als auch der Grundbesitzer in nicht unerheblichem Maaße geschädigt wird. Für 1 dz ab Meißen wird 1 M bis 2,20 M je nach der Güte gezahlt, für den besonders guten, den sogenannten Begußthon, aber bis zu 8 M. Das Absatzgebiet erstreckt sich auf Sachsen, Österreich- Ungarn und in Rußland bis Moskau. Die Produktion hat sich im vergangenen Jahr auf 94.000 dz (also 4.700 t) belaufen. Es sind zur Zeit 8 Schächte im Betriebe: Der Fundgrube Schacht und der Fluchtschacht, der Augustinenschacht I und II, der Katharinenschacht und der Glück Auf Schacht I, II und III. Die erstgannten beiden Schächte (...) befinden sich in der Flur Kaschka, alle übrigen in der Flur Mehren. Betriebsführer ist der Steiger Karl August Krätzer, er ist ohne Bergschulausbildung, wohnt in Mehren, ist bereits 16 Jahre auf dem Werke und war zuvor Zimmerling auf Himmelfahrt Fundgrube in Freiberg. Sein Stellvertreter ist der Steiger Paul Stephan in Mehren. Die Belegschaft besteht außer dem Steiger in 48 Mann, sie sind in der Ziegelei- Berufsgenossenschaft und in der Ortskrankenkasse von Krögis versichert. Die Arbeitszeit dauert von früh 6 bis nachmittags ½6 Uhr. Als Normalleistung wird gerechnet, daß ein Mann in einer Woche 100 dz Thon gewinnt. (Das sind 5 Tonnen !) Es wurde zuerst der Fundgrube Schacht und der Fluchtschacht befahren, welche beiden Schächte mit einander in offener Verbindung stehen und ein Revier für sich bilden. Sie sind beide erst vor zwei bzw. drei Jahren abgeteuft worden. Der Fundgrube- Schacht ist mit einem Hause in Fachwerk und weicher Dachung, der Fluchtschacht mit einer einfachen hölzernen Kaue überbaut. Auf erstgenanntem Schacht befindet sich die heizbare Mannschaftsstube. Die Schächte sind in Bolzenschrotzimmerung mit Einstrichwandruthen ausgebaut. Mit beiden sind Lehm, Sand und Kiesschichten sowie eine nur 0,5 m mächtige, schlammig- Sandige und wasserführende Schicht durchteuft worden. Unter der letzteren liegt eine 2 m mächtige, sandige und steinige, wilde Thonschicht, welche von der liegenden und der Gewinnung unterzogenen, etwa 3 m mächtigen Schicht guten Thons die wasserführenden schlammigen Massen abhält. Der Fundgrubeschacht besitzt einen Querschnitt von 3,5 x 1,65 m und ist nach dem Grubenriß etwa 23,5 m tief. Der Abbau findet in regelrechter Weise von den Abbaufeldgrenzen nach den Schächten zu statt. Die Abbaupfeiler erhalten eine Breite bis etwa 12 m, die einzelnen Abbaustreifen eine Breite von 1,6 m und eine Höhe von 2 m. In die Strosse geht man mit dem Abbau soweit die Beschaffenheit des Thones es gestattet hinab und läßt, um nicht in die hangende Schlammschicht zu gerathen, guten Thon in der Förste anstehen. Im Abbau wird das Holz, soweit es möglich ist, geraubt. Die Förderung erfolgt auf diesen, wie auf allen übrigen Schächten dieses Werkes durch Handhaspel mit angehängtem Kübel, in dem die auf Karren nach dem Füllort geschafften Thonmassen ausgefördert werden. Die Grundwasser werden mit dem Kübel gezogen. Die Wetter fallen im Fluchtschachte ein und ziehen im Fundgrube- Schacht aus. Der allgemeine Zustand des Ausbaus ist nicht als genügend zu bezeichnen. Namentlich im Fundgrube- Schacht wurden mehrfach faule Hölzer angetroffen, deren baldige Auswechslung umsomehr nothwendig ist, als sich die ganze Zimmerung im Schachte nicht unbedeutend verzogen hat. Im Einzelnen ist noch folgendes auszusetzen: 1. Am Haspel des Fundgrube- Schachtes sind zu kurze Hängekappen angebracht. 2. Den Anschlägern sind keine Haken zum Herüberziehen der Fördergefäße zugetheilt worden. 3. Am Füllorte des Fluchtschachtes sind keine Absperrrungen. 4. An den Schachtgebäuden fehlen die Zutrittsverbote. Bei dem hierauf befahrenen, in der Flur Mehren gelegenen Augustinenschacht II ist man noch im Abteufen begriffen. Mit einem vor Beginn der Verteufungsarbeiten an der Stelle des jetzigen Schachtes angesetzten Bohrloche hatte man von Tage nieder 6 m Lehm, 2 m Kies und Sand, 6 m ganz dunkel gefärbtes Kiesgeröll, 0,5 m wässrigen Schlamm, 2 m wilden Thon, 2 m Kies und hierunter den guten Thon aufgeschlossen. Der Schacht ist 19 m tief und besitzt einen Querschnitt von 3,5 x 1,7 m. Den abbauwürdigen Thon hat man bereits erreicht. Er ist in Bolzenschrotzimmerung ausgebaut, die Gevierte liegen 0,8 m voneinander entfernt. Die Scheider liegen nicht an deen Wandruthen, sondern sind unmittelbar an die Gevierte angelegt. Auch hier ist wieder der Fehler gemacht worden, die schon vorher durch die vorausgegangene Bohrung bekannte Schwimmsandschicht ohne Getriebezimmerung zu durchteufen. Dadurch sind sehr viel Schlamm- und Geröllmassen beim Abteufen in den Schacht gedrungen, die herausgefördert werden mußten. Der im Nebengebirge entstandene Hohlraum hat sich nicht genügend ausgefüllt, das Gebirge hat sich nach einer Seite gesetzt und der neue Schacht ist bereits ehe er fertig gestellt, aus seiner Lage verschoben. Würde zunächst eine solche Schlammschicht mit Zuhilfenahme von Getriebezimmerung durchteuft, dann in vollem Schrot mit verstempelten Wandruthen in den Ecken ausgebaut, so sollte es nicht schwer halten, einen solchen an sich nicht tiefen Schacht in gutem Zustande niederzubringen und zu erhalten und würde ganz wesentliche an Kosten gespart werden, denn an vielen Stellen sieht man jetzt angefangene und wieder ausgestürzte Schächte, welche sich während der Arbeit so verzogen haben, daß man sich nicht traute, die Arbeit in letzteren fortzusetzen und dafür an anderer Stelle einen neuen Schacht abteufte. Der Schacht ist mit einer hölzernen Kaue überdeckt, deren Eingang nicht verschließbar ist und kein Zutrittsverbot enthält. Man beabsichtigt, mit den von diesem Schachte aus zu treibenden Strecken eine offene Verbindung mit den vom Augustinenschacht I aus getriebenen Bauen herzustellen. Letztgenannter Schacht, der Augustinenschacht I, bildet den einzigen Tageausgang der von ihm ausgehenden Baue. Er ist in Bolzenschrotzimmerung mit Einstrichwandruthen ausgebaut und hat sich arg verzogen, was seinen Grund einestheils in der verkehrten Art des Ausbaus beim Abteufen, anderntheils darin hat, daß gleich vom Schachtfüllort aus von einer Seite desselben rechtwinklig auslaufend zwei Strecken getrieben sind. Bei dem im dortigen Revier auftretenden, lockeren und rolligen Gebirge muß unbedingt darauf geachtet werden, daß der in einer Stärke von wenigstens 12 m zu belassende Schachtpfeiler so wenig wie möglich durchörtert wird. In Folge der begangenen Fehler haben die Strecken großen Druck bekommen, dem zu begegnen auch das massenhaft eingebaute Holz nicht vermag. Nach Angabe des Steigers hat sich nach Fertigstellung des Schachtes kein Druck mehr in demselben gezeigt, auch die Schachthölzer sind, soweit sich beim Durchfahren beurtheilen ließ, noch gesund, es liegt deshalb für die in den Bauen Arbeitenden zunächst wohl keine unmittelbare Gefahr vor, vorausgesetzt, daß in den letzten Jahren wirklich keine Bewegung im Schachte stattgefunden hat, es dürfte indessen, da auch die Wetter so matt waren, daß das Feuer kaum erhalten werden konnte, dem Besitzer aufzugeben sein, den Betrieb bis zur Herstellung der offenen Verbindung mit dem Augustinenschacht II einzustellen. Ein wirthschaftlicher Nachtheil dürfte ihm dadurch nicht entstehen, weil in den Bauen dieses Schachtes nur 4 bis 5 Mann arbeiten, die ebenso gut woanders hin verlegt werden können. Zur Wassergewältigung ist ein Pulsometer aufgestellt, der den benöthigten Dampf durch einen in einem 1 m vom Treibehause entfernten Fachwerkgebäude aufgestellten kleinen Kessel zugeführt erhält. Die Bewetterung der Grube wird mit einem von 2 Mann in Bewegung gesetzten, im Treibehause befindlichen Flügelventilator von 280 mm Durchmesser bewirkt, die Wetterrohre besitzen die Weite von 80 mm. Bei dem hierauf befahrenen Glückauf- Schacht III ist erst am 1. Februar dieses Jahres mit dem Abteufen begonnen worden, er ist 22 m tief, das Füllort ist fertiggestellt und wird bereits Strecke getrieben, um mit dem Glückauf- Schacht II eine offene Verbindung zu erhalten. Der Schacht hat einen Querschnitt von 3,50 x 1,75 m und ist in Bolzenschrot ohne Wandruthen ausgebaut. Er ist bis jetzt nur überdacht, der Zugang ist vollständig frei, ein Zutrittsverbot ist nicht vorhanden. Man ist jetzt dabei, einen Pulsometer im Schacht aufzustellen und ein an das Schachtgebäude stoßendes Kesselhaus zu erbauen.“ Im II. Jahrgang des ,Technischen Generalanzeigers für den Oberschlesischen Industriebezirk' aus dem Jahr 1896 (sbc.org.pl, S. 21ff des Digitalisats) haben wir übrigens eine dreiseitige Anzeige der in Burg bei Magdeburg ansässigen Firma des Ingenieurs Haussmann gefunden, in welcher deren damals schon seit 10 Jahren patentierte Membranpumpen angepriesen wurden und eine „Probelieferung nach Übereinkunft“ angeboten wurde. In der dort auch abgedruckten, langen Liste von Unternehmen, die bisher bereits eine solche Pumpe gekauft hatten, sind auch die „Kaschka- Mehrener Thonwerke J. G. Venus Meissen a. E.“ aufgeführt.
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Link zum Digitalisat
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Das in Seemann's Fahrbericht erwähnte ,Pulsometer' ist eine
aus der Dampfpumpe von Thomas Savery abgeleitete,
dampfbetriebene, kolbenlose Pumpe, die wir auch schon andernorts bei Recherchen
zu Bergwerken dieser Zeit gefunden haben. Besitzer Schippan etwa plante
im Jahr 1890, eine solche in seinem Braunkohlentiefbau in
H. Hall's Dampfpumpe oder „Pulsometer“. Nach dem Scientific American, August 1873, S. 217. Mit einer Abbildung auf Tab. II. „Der Erfinder macht bei diesem Apparate die Wasserdämpfe in zweierlei Sinne nutzbar: zunächst dienen sie zur Erzeugung eines luftleeren Raumes, in welchen das Wasser durch den atmosphärischen Druck gehoben wird, dann fördern sie das gehobene Wasser durch ihren directen Druck weiter in die Höhe. Fig. 13 stellt den Apparat im senkrechten Durchschnitte dar. Zwei langhalsige Behälter D und E vereinigen sich an ihren oberen Enden zu einer gemeinschaftlichen Ventilkammer, worin ein metallenes Kugelventil C frei zwischen den Sitzen an der Verbindungsstelle oscillirt, um abwechselnd die Mündung des einen und des anderen Behälters abzusperren. Der Dampf strömt von oben ein und die Kugel C ist es, von der sein Eintritt in den einen oder den anderen Behälter abhängt. Das zu hebende Wasser gelangt durch das Saugrohr B zunächst in die Ventilkammer F und aus dieser durch kreisrunde Oeffnungen, welche durch Kugelventile geschlossen sind, in den einen oder den anderen der beiden Behälter D und E. An diese schließt sich das gemeinschaftliche (in der Abbildung durch punktirte Linien angedeutete) Steigrohr A. Den Uebergang zu dem letzteren vermittelt eine Ventilkammer, worin eine Kugel zwischen zwei kreisförmigen Ventilsitzen oscillirt und das Wasser abwechselnd aus den Behältern in das Steigrohr strömen läßt. An dem Boden der Behälter sind Oeffnungen mit Flantschen und aufgeschraubten Deckeln angebracht, um die Kugelventile nöthigen Falles entfernen zu können. Der ganze Apparat mit allen seinen Kammern und Passagen ist in einem Stück gegossen. Sein Spiel ist sehr einfach. Unserer Abbildung gemäß befindet sich die Kugel C auf ihrem Ventilsitze rechter Hand. Der Dampf strömt daher ungehindert in den Behälter D, welchen wir in diesem Augenblicke als mit Wasser gefüllt annehmen, und wirkt mit seinem directen Druck auf die Oberfläche des letzteren, wobei wegen der birnförmig sich verjüngenden Gestalt des Behälters der geringste Grad von Condensation stattfindet. Das Wasser wird daher allmählich hinab und durch das unten angebrachte Kugelventil in die Ventilkammer des Steigrohres gedrückt, deren Kugel nach der rechten Seite hin fällt. In dem Maaße als das Niveau in dem Behälter D sich senkt, dehnt sich der Dampf vermöge der Form des letzteren allmählich aus, so daß die Senkung des Wasserspiegels ruhig vor sich geht, bis derselbe die Ausströmungsöffnung erreicht. In diesem Augenblicke aber entsteht eine stürmische Bewegung; das kalte Wasser kommt plötzlich mit dem Dampf in Berührung, der letztere wird condensirt, und mit einem Schlag hat sich der dampferfüllte Raum D in ein Vacuum verwandelt. In dem nämlichen Momente fällt die Kugel C auf die linke Seite und verschließt den Hals des Behälters D; eben so bewegt sich die Kugel in der Ventilkammer des Steigrohres nach der linken Seite, so daß sie das Zurückfließen des gehobenen Wassers hindert; zugleich wird das untere Kugelventil durch die unter dem atmosphärischen Drucke im Steigrohr B aufsteigende und dem Vacuum in D zustrebende Wassersäule aufgestoßen. Zur Milderung des Stoßes der andringenden Flüssigkeit dient die „Vacuumkammer“ G, welche durch eine in der Abbildung nicht sichtbare Passage mit der Ventilkammer F communicirt. So oft nun in der Kammer G eine Luftverdünnung eintritt, d.h. bei jedem „Pulsschlag“ des Apparates, öffnet sich ein kleines, in dieselbe geschraubtes Luftventil nach innen, und läßt eine kleine Quantität Luft eintreten, die mittelst einer Schraube regulirt werden kann. Der ganze mit Bezug auf den Behälter D beschriebene Vorgang wiederholt sich, sobald die Kugel C ihren Sitz gewechselt hat, auf gleiche Weise in dem Behälter E. Beide Behälter füllen und entleeren sich abwechselnd, und erfüllen somit die Bedingung einer doppeltwirkenden Pumpe. Die Hall'sche Dampfpumpe dient zur Förderung des Grubenwassers in Bergwerken, sowie zur Entwässerung bei Fundamentirungen; sie findet bei Schiffen Anwendung, sowohl zur Entfernung des in Folge eines Leckes eingedrungenen Wassers, als auch zum Waschen des Verdeckes oder zum Löschen eines ausgebrochenen Feuers; ferner bei Locomotiven, um den Tender nöthigen Falles aus vorüberfließenden Gewässern zu speisen, und noch zu verschiedenartigen anderen Zwecken.“
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Digitalisat:
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Auch auf den Venus'schen Tonwerken reichte
unserem gründlichen Bergmeister Seemann ein Tag nicht aus, alle
Schachtanlagen in Augenschein zu nehmen und so setzen wir nun unser Transkript
mit seinen Aufzeichnungen vom 9. Mai 1900 fort (40024-12, Nr. 188, Blatt 55ff):
„Der darauf befahrene Glückauf- Schacht I steht mit dem Glückauf- Schacht II in offener Verbindung. Der erste ist 26 m, der letztere 30 m tief. Beide Schächte stehen in Bolzenschrotzimmerung, die sich arg verzogen hat. So hat sich im Glückauf- Schacht I die eine Seite des Schachtes so viel gesenkt, daß die nur 90 cm langen Scheider auf der einen Seite um 35 cm tiefer liegen, als auf der anderen Seite. Die Fahrten in diesem Schacht stehen saiger, das Material des Ausbaus erscheint aber noch in gutem Zustande. Die Strecken sind nur 1,44 m hoch. Beim Anfahren alter Baue treten zeitweilig Schlagwetter auf, die man bis jetzt immer mit der Grubenlampe weggebrannt hat. Unglücksfälle aus dieser Ursache sind noch nicht eingetreten. Sicherheitslampen sind nicht vorhanden. Der Glück Auf Schacht II wird zur regelmäßigen Fahrung nicht benutzt. Er hat sich verzogen und verschoben, auch fanden sich einige angegangene Hölzer. Der Grund für das Verziehender Schächte liegt wiederum im fehlerhaften Niederbringen und in der unverantwortlichen Schwächung der Schachtpfeiler infolge mehrfacher Durchfahrung mit Strecken. Die Fahrt ist in einem Fördertrum eingebaut, steht fast saiger und ist auf die 30 m Höhe ohne Absatz oder Ruhesitz, dazu noch von Thonschmannt überzogen, so daß die Hand des Fahrenden zumal bei kaltem Wetter fortwährend der Möglichkeit ausgesetzt ist, die Fahrtsprosse nicht festhalten zu können und abzugleiten. Im Einzelnen ist noch zu erinnern, daß die Hängekappen abgetreten waren und die Zutrittsverbote an den Eingängen der Treibehäuser fehlten. Der letzte der auf diesem Werke zu befahrenen Schächte ist der Katharinaschacht. In diesem Schachte sind zwei Abbausohlen, die eine in 25 m Tiefe, die andere in 33 m Tiefe unter der Hängebank. Er ist in Bolzenschrotzimmerung ausgebaut und mit einer hölzernen Kaue überdeckt. In der tiefen Abbausohle ist eine Verbindung mit den vom Teichert Schacht des Nachbarwerkes, das der Sächsischen Ofen- und Chamottewaarenfabrik, vorm. Ernst Teichert, gehörig ist, ausgehenden Bauen hergestellt worden. Die Verbindungsstrecke ist aber, soweit sie zum Katharinaschacht gehört, so verdrückt, daß das Durchgehen nur mit Gefahr bewerkstelligt werden konnte. Es waren zwar zwei Zimmerlinge mit der Instandsetzung der Strecke beschäftigt, doch waren diese augenscheinlich erst am Tage vorher, wo die Befahrung durch den Unterzeichneten stattfand, dahin geschickt worden. Wenn trotz der Unmengen Holz, welche in die Grube eingebaut sind, sich das Werk in einem in sicherheitspolizeilicher Hinsicht sehr wenig erfreulichen Zustande befindet, so liegt das zweifellos darin, daß dem Betriebsleiter Steiger Krätzer, der im Übrigen ein ganz sorgsamer und pflichtgetreuer Beamter zu sein scheint, ein Überblick über die Grubenverhältnisse und jede Dispositionsgabe mangelt. So kommt es, daß Strecken und Schächte vorzeitig unter Druck kommen und eine Menge Material und Arbeit erfordern, was bei einigermaßen zweckentsprechender Disposition recht gut hätte vermieden werden können und dem Besitzer unberechenbaren Schaden zufügt. Da letzterer verreist war, so konnte mit ihm in der Angelegenheit nicht Rücksprache genommen werden. Es wird beabsichtigt, ihm den Rath zu ertheilen, das Werk unter die Leitung eines geschulten Bergmannes zu stellen und den bisherigen Steiger zur unmittelbaren Aufsicht, zu der er sich ganz gut eignen wird, zu belassen. Man wird suchen, dem Besitzer klar zu machen, daß micht allein vom sicherheitspolizeilichen Standpunkte aus eine andere Betriebsleitung gefordert werden wird, sondern daß auch ein Wechsel in derselben seinen materiellen Interessen sehr förderlich sein wird. Der Grubenriß ist im Jahre 1893 bzw. 1896 von dem vormaligen Betriebsdirektor Stohe in Miltitz angelegt, darauf von dem Ingenieur Göthe, dem Betriebsinspektor der Karl Krister’schen Porzellanerdegrube und Schlämmerei, nachgetragen und schließlich im vergangenen Jahre noch von dem Markscheider Otto Richter in Freiberg zum letzten Male nachgetragen worden.“ Außerdem fügte Herr Seemann seinem Fahrbericht noch an: „Um einen ungefähren Begriff von der örtlichen Lage der einzelnen Schächte zu geben, ist nebenstehende Handskizze angefertigt worden.“ Das Bergamt folgte den Empfehlungen des Berginspektors auch und ordnete am 7. August 1900 die Auswechslung der faulen Schachthölzer, die Einstellung der Förderung im Augustinenschacht bis zur Herstellung eines Fluchtweges, ebendasgleiche im Katharinenschacht bis zur Instandsetzung der Fluchtstrecke an (40024-12, Nr. 188, Rückseite Blatt 57).
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Sicherheitshalber kontrollierte Bergmeister
Seemann am 8. Juli 1900, ob der Verfügung des Bergamtes auch Folge
geleistet wurde, was aber der Fall gewesen ist (40024-12, Nr. 188, Blatt 59f).
Nach seiner Befahrung am 13. September des Jahres konnte er dann festhalten, daß
die Fluchtstrecke zwischen den Augustinenschächten
I
und II
fertiggestellt und im Niveau des Schwimmsandhorizonts Vollschrotausbau eingebaut
war; der Betrieb demnach wieder aufgenommen durfte (40024-12, Nr. 188,
Blatt 62f). Im Schachtrevier waren nun auch wieder 3 Örter mit 5 Tonschlägern
und 4 Förderleuten belegt. Wegen des Schwimmsandes ließ man in der Firste über
den Bauen „3 m guten Ton“ stehen.
Weiter heißt es noch: „Der neue Augustinenschacht II, der mit Beginn der bergamtlichen Aufsicht schon ein gutes Stück niedergebracht war, ist wie die untenstehende Handskizze zeigt, so angesetzt worden, daß wieder ein höchst unvollkommener Sicherheitspfeiler für den Schacht vorhanden ist. Beim Ausbau waren noch einige Einzelheiten zu erinnern...“ Dummerweise fehlt diesmal die genannte Skizze, doch kann man sich schon vorstellen, was Herr Seemann meinte. Schon am 18. September 1900 hatte Seemann aber erneut eine Anzeige an das Bergamt aufzusetzen, daß der jetzige Besitzer der Kaschka- Mehrener Thonwerke Schröter einen neuen Schacht in der Nähe des Fundgrube Schachtes ohne bergamtliche Genehmigung teufen lasse ‒ das war nun Fundgrube Schacht III (40024-12, Nr. 188, Blatt 103). Vom Bergamt zu einer Stellungnahme aufgefordert, schrieb Schröter am 2. Oktober 1900 zurück, den neue Schacht solle hauptsächlich als „Reserve und Luftschacht“ dienen. Wenn Schacht I etwa bei Wassereinbruch betriebsunfähig würde, könne er auf Schacht III sofort weiter arbeiten lassen. Weiter heißt es hier: „Der Thon in der ganzen Umgegend von Fundgrube III nach I zu ist von schwarzer Färbung und häufig von Kohle oder so etwas ähnlichem durchzogen und giebt dieser Thonbestandteil eine sehr schlechte Luft. Da dieser Thon von meiner Kundschaft sehr in Anspruch genommen ist und infolgedessen dort viele Leute schlagen und fördern, langt die zugeführte gute Luft nicht mehr aus... No. II fördert einen anderen Thon und dringt auch die durch die Verbindung mit I zugeführte Luft nicht so weit vor.“ Abschließend schrieb er noch: „Ich bitte um Genehmigung des Weiterbaus sowie um Zusendung einer Vorschrift, um mich mit den Gesetzen vertraut zu machen und danach handeln zu können.“ (40024-12, Nr. 188, Blatt 105) War das nun blauäugig oder clever...
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Wenn auch die Genehmigung vom Bergamt für
Schacht III
nachträglich erteilt wurde, war damit aber
kein Ende erreicht, denn schon am 27. Oktober 1900 folgte die nächste Anzeige
Seemann's, in der es diesmal um die unzulässige Durchörterung des
Schachtsicherheitspfeilers im Schacht
I
ging (40024-12, Nr. 188, Blatt 109). Sein
Fahrbericht vom 25. Oktober berichtet uns darüber hinaus, daß man auch bei der
Fundgrube nun einen „Windmotor“
zum Antrieb der Wasserpumpe aufgestellt habe, daß inzwischen 62 Mann und die
beiden Steiger angelegt waren und daß man in den Strecken viel Zimmerung
ausgewechselt hatte, „so daß sich der Zustand des Ausbaus der Fluchtwege im
Allgemeinen... in gutem Zustande befindet.“ Mit dem Fundgrubeschacht
III
war man inzwischen auf 15 m Teufe
niedergekommen, wobei 8 m Schwimmsand durchsunken werden mußten. Die Grubenrisse
führte Markscheider Luja.
Die Stellungnahme der Geschäftsführung dazu vom 13. November 1900 ist diesmal von J. G. Venus unterzeichnet ‒ in welcher geschäftlichen Beziehung die beiden Herren Schröter und Venus jun. standen, ist uns bislang nicht klar geworden. Jedenfalls schrieb dieser nun nach Freiberg, daß er inzwischen den Sicherheitspfeiler abbaue, anschließend Schacht I abwerfen und deshalb zurzeit nur noch als Luftschacht offenhalten wolle (40024-12, Nr. 188, Blatt 116). Seemann nahm dazu am 19. November 1900 folgendermaßen Stellung: „Das Schreiben von Venus zeigt, welche eigenartigen Anschauungen über den Grubenbetrieb bei diesem Werke herrschen. Die sich ganz von selbst verstehende bergmännische Anforderung, daß der Sicherheitspfeiler eines Schachtes nur von einem anderen Schachte aus abgebaut werden kann, wird vollständig außer Acht gelassen.“ Seemann schlug deshalb erneut eine bergamtliche Verfügung unter Strafandrohung bei Nichtbefolgung vor, daß Schacht I außer zur Wetterführung in keiner Weise mehr benutzt werden dürfe, wenn der Sicherheitspfeiler abgebaut werde, und „um dieser Forderung auch Gewähr zur Befolgung zu verschaffen, daß die Förderhaspel über dem Schachte abgebrochen wird.“ (40024-12, Nr. 188, Blatt 117) Das haben schon die alten Geschworenen gemacht: Wenn sie einen Schachtbetrieb untersagten, wurden Haspelwelle, Seil und Kübel abgelegt und eingezogen. Nach seiner Befahrung vom 21. Dezember 1900 konnte der Berginspektor dann berichten, daß der Fundgrubeschacht III fertig geteuft und das Füllort angehauen war. Herr Seemann hatte diesmal nur noch das Fehlen der Wandruthen in den Ecken der Schachtgeviere zu bemängeln (40024-12, Nr. 188, Blatt 122).
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Auf dem Stand des Vorjahres wird das Tonrevier in der
Jahrbuchausgabe von 1902 im Kapitel
Wichtige Ausführungen und Betriebsvorgänge bei den gewerblichen Gruben. mit folgenden Angaben aus dem Jahr 1901 erwähnt: 1. Neue Lagerstättenaufschlüsse und
geognostisch oder bergmännisch „1. Im Katharinen- Schachte der Kaschka- Mehrener Thonwerke J. G. Venus in Mehren erfolgte im September ein größerer Schwimmsanddurchbruch, welcher, wenn die von der Bergbehörde angeordnete Herstellung einer Verbindung zwischen der oberen und unteren Bausohle nicht zuvor aus geführt worden wäre, für die Arbeiter in der unteren Bausohle hätte verhängnisvoll werden können. Auch in die Baue des Glückauf-Schachtes II und III desselben Werkes trat Schwimmsand ein, wodurch dem Werke schwerer Schaden verursacht wurde. 2. Das, wenn auch nicht ständig, so doch immerhin häufige Auftreten von Schlagwettern im Betriebe der Thongrube von Villeroy & Boch in Löthain veranlaßte die Berginspektion zu der Anordnung, daß mangels durchgehenden Wetterstromes die Grubenbaue täglich vor Beginn der Arbeit von einem Beamten mit Sicherheitsgeleucht durchfahren werden sollen und beim Auftreten von Schlagwettern alle die Grube Befahrenden Sicherheitsgeleucht zu führen haben.“ 2. Schacht- und Maschinenanlagen. „1. Bei der Fritzsche'schen Thongrube in Obermuschütz ist der Betrieb insoweit eröffnet worden, als ein etwa 20 m tiefer, zur Fahrung, Förderung und Wasserhaltung dienender Schacht niedergebracht und ein Stück Strecke behufs Untersuchung des Thonlagers aufgefahren worden ist. 2. Bei den Kaschka- Mehrener Thonwerken J. G. Venus ist in der Kaschka'er Flur zum weiteren Aufschluß und. Abbau des Thonlagers nach Abteufung eines neuen Schachtes, des Fundgrube-Schachtes III, dieser mit Fundgrube-Schacht I und II in offene unterirdische Verbindung gebracht werden. 3. Bei der Villeroy und Boch'schen Thongrube in Löthain ist der Durchschlag mit dem Nachbarwerke zur Beschaffung eines Fluchtweges hergestellt worden. (...) 5. Bei dem Oberjahna mit Kaschka, Canitz und Mohlis'er Thonwerke von Ernst Teichert wurde in der Flur von Mohlis ein neuer Schacht auf 24 m Teufe niedergebracht, der in rundem Querschnitt ausgemauert worden ist. Zur Massenförderung gelangte eine Dampfmaschine nebst Kessel zur Aufstellung, an welche auch das Kunstgestänge für die Wasserhaltung angeschlossen ist.“ Schwere Unfälle im Tonrevier sind im Jahr 1901 nicht eingetreten.
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Die weiteren Fahrberichte von Berginspektor
Seemann zu den Rühle'schen Tongruben aus den Jahren 1900 bis 1902 fallen bedeutend kürzer aus.
Gelegentlich war zu bemängeln, daß eine
Fluchtstrecke mit altem Holz und Haufen hereingewonnenen Tons verstellt war,
woraufhin
Obersteiger Feldmann sofortige Abhilfe versprach. „Im Übrigen war nichts zu
erinnern.“ Also war bei den Rühle'schen Tonwerken alles in Ordnung...
(40024-12, Nr. 239, Blatt 127ff)
Am 7. und 14. Februar 1901 war zu berichten, daß ein Sturm am 28. Januar den Mast des Windrades am Johannaschacht umgeworfen und die Einhausung der Lokomobile zerstört hatte. Außerdem senkte man wieder einen neuen Schacht ab, der den Namen Prinzessin Louise- Schacht erhalten solle. Man teufte im Querschnitt von 3,0 x 1,3 m, war bereits 17,5 m niedergekommen, aber ab 16 m in Schwimmsand geraten, weswegen man nun statt dem sonst üblichen Bolzenschrot Vollschrotausbau aus 14 x 14 cm starken Vierkanthölzern einbrachte (40024-12, Nr. 239, Blatt 133ff). Bereits im Fahrjournal vom 3. und 19. April ist dann aber festgehalten, daß man das Abteufen wieder aufgegeben habe, da „nach Aufschließen der Schwimmsandschicht die Zimmerung rege geworden und nicht mehr standgehalten hat.“ Außerdem hatte Heinrich Rühle für seine Löthain- Meißen'er Tonwerke bereits im Januar 1901 für den Fall von Schlagwettern in der Grube zunächst 4 Sicherheitslampen von Friemann & Wolf in Zwickau angeschafft. Am 16. Januar 1902 schrieb das Bergamt aufgrund der immer wieder auftretenden Schlagwetter dann die Einführung von Sicherheitslampen auf allen Tongruben des Reviers vor. Geleucht mit offener Flamme durfte von nun an nur noch in einziehenden Wetterschächten verwendet werden. Das diente gewiß der Sicherheit, erforderte bei den Unternehmen aber auch den Neubau einer Lampenstube sowie eines Benzinaufbewahrungsraumes (40024-12, Nr. 239, Blatt 142ff). Aus Anlaß einer erneuten Schlagwetterentzündung am 7. Januar 1903 auf der Robert Fritzsche'schen Tongrube in Löthain drängte das Bergamt noch einmal alle Unternehmen auf eine baldige Umsetzung der neuen Vorschriften (40024-12, Nr. 239, Blatt 179f): „Am 7. laufenden Monats ist auf der bisher schlagwetterfreien Tonwerke von Robert Fritzsche in Löthain nach – Wassers halber erfolgter – Anbohrung einer bis Ende des Jahres 1900 noch fahrbar gewesenen Strecke durch das Bohrloch Grubengas in die Lösungsstrecke ausgetreten und hat sich an dem Geleucht der Belegschaft entzündet; beide Arbeiter haben Verbrennungen zweiten Grades im Gesicht und an beiden Händen, als den durch Kleidung nicht geschützten Körperteilen, davongetragen; schlimmere Explosionswirkungen sind bei diesem Vorkommnisse glücklicherweise nicht eingetreten... Durch dieses Vorkommnis wird die bei den Meißner Tongruben allgemein verbreitete und bisher auch von unterzeichneter Behörde geteilte Ansicht, daß die dort auftretenden Schlagwetter in längst abgebauten Räumen aus der Fäulnis von zurückgebliebenem Grubenholz hervorgingen, widerlegt; vielmehr muß nunmehr jeder noch so kurze Zeit abgeschlossen gewesene Raum als schlagwetterverdächtig angesehen werden. Indem wir Sie hiervon in Kenntnis setzen, erwarten wir, daß Sie zur Entlastung eigener Verantwortlichkeit der auf der von Ihnen geleiteten Grube in Gemäßheit unserer Verfügung vom 16. Januar vorigen Jahres in Gang befindlichen Durchführung allgemeinen Sicherheitsgeleuchtes die notwendige Sorgfalt widmen werden.“ Nach einigem Schriftverkehr um die Baugenehmigung und die technischen Anforderungen war im Jahr 1903 auch die erste Lampenstube auf den Heinrich Rühle'schen Werken fertig. Am 14. März nahm Berginspektor Roch die technische Abnahme vor und am 12. Mai 1903 wurde von der Amtshauptmannschaft die allgemeine Betriebserlaubnis erteilt (40024-12, Nr. 239, Blatt 188ff).
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Auch im Hinblick auf die benachbarten
Venus'schen Tonwerke wurden die Fahrjournale Seemann's nun kürzer. Nach
seinen Befahrungen dort am 8. und 14. Februar 1901 etwa „fand sich nichts zu
erinnern.“ Der Fundgrubeschacht
I
wurde nur noch zur Wasserhaltung genutzt, aber die Ausbauhölzer wurden schon
faul (40024-12, Nr. 188, Blatt 130). Ein Quartal später folgte am 9. April 1901
wieder eine Anzeige von Seemann an das Bergamt, daß der Ausbau im Schacht
I
noch immer nicht ausgewechselt und auch der Streckendurchschlag von Schacht
II
nach Schacht
III
noch nicht hergestellt war (40024-12, Nr.
188, Blatt 132). In seinem Fahrbericht vom 19. April kann man dann aber lesen,
daß Schacht I
nun endgültig abgeworfen und verfüllt war (40024-12, Nr. 188, Blatt 139f).
Außerdem hatte Herr Venus anstelle des Steigers Krätzer einen
neuen Obersteiger angestellt ‒ freilich wieder vergessen, den Wechsel im
Aufsichtspersonal auch dem Bergamt mitzuteilen... Der zweite Steiger Paul
Heinrich Stephan blieb dagegen auf dem Werk.
Darauf von Seemann hingewiesen, holte dies Herr Venus am 6. Mai 1901 schnell nach und informierte das Bergamt, daß er den bisher auf der Kaisergrube zu Gersdorf als solchen angestellten Steiger Ernst Eduard Weiße als solchen annehmen wolle (40024-12, Nr. 188, Blatt 135ff). Bergrat Wappler fragte zu dessen Person bei der dort zuständigen Berginspektion Oelsnitz/E. nach und erhielt Bescheid, daß gegen Herrn Weiße dort nichts vorläge, worauf die Anstellung genehmigt worden ist. Zugleich teilte ‒ nun aber wieder Herr Schröter ‒ dem Bergamt mit, daß Schacht I abgeworfen und verfüllt und die Tagegebäude nach Schacht II umgesetzt würden, den man nun zur Förderung herrichte (40024-12, Nr. 188, Blatt 138). Am 7. August 1901 äußerte sich Seemann in seinem Fahrjournal endlich zufrieden: „Das Revier der Fundgrubeschächte befindet sich nunmehr baulich im Allgemeinen in gutem Zustande.“ Am Fahrschacht war nun auch eine Art Markentafel aufgestellt, wo jeder Anfahrende mit einem Kreidestrich vermerkt wurde (40024-12, Nr. 188, Blatt 144f). Über seine Befahrung vom 10. Oktober 1901 auf dem Katharinenschacht berichte Seemann, daß es hier am 27. September 1901 einen Schwimmsanddurchbruch in die obere Bausohle gegeben habe, glücklicherweise aber während der Frühstückspause, als die Mannschaft ausgefahren war. Über die Fluchtstrecke sind Wasser und Schlamm bis in das Nachbarwerk der Sächsischen Ofen- und Chamottefabrik eingedrungen. Übertage war eine Pinge mit 8 m Durchmesser und zirka 5 m Tiefe entstanden. Der Berginspektor wies an, daß bis zur Wiederherstellung der Fluchtwege auf beiden Sohlen jeder Gewinnungsbetrieb zu ruhen habe (40024-12, Nr. 188, Blatt 146f). Wie der Fahrbericht Seemann's vom 19. Dezember 1901 aussagt, arbeitete man denn auch am Kataharinaschacht an zwei neuen Fluchtstrecken (40024-12, Nr. 188, Blatt 151f). Jetzt hatte es aber auch die Schachtzimmerung verdrückt, weshalb Seemann anordnete, daß die Streckenauffahrung einzustellen und zuerst die Schachtzimmerung zu erneuern ist. Auch Herr Schröter erhielt am 16. Januar 1902 die Aufforderung des Bergamtes, daß er für die Arbeiter auf den Kaschka- Mehrener Tonwerken Sicherheitslampen zu beschaffen habe und daß offenes Geleucht nicht mehr zu verwenden ist (40024-12, Nr. 188, Blatt 148). Daraufhin beschwerte sich Schröter aber am 28. Januar 1902, daß dies für ihn eine Härte darstelle, welche „die weitere Existenz resp. die Rentabilität meiner Thongruben in Frage stellt“ und bat um Milderung der Vorschrift, da er im frischen Feld baue und nur dort, wo in zwei Sohlen abgebaut werde, sich überhaupt „Spuren von Gasen“ zeigten. Er wolle nur für solche Fälle, wo „die Anfahrung alter Strecken in Aussicht steht“, eine Anzahl Sicherheitslampen bereithalten müssen (40024-12, Nr. 188, Blatt 150). So pauschal, wie es beantragt sei, könne er diesen Antrag „dem Bergamt nicht zur Berücksichtigung empfehlen,“ nahm Seemann dazu am 29. März 1902 Stellung (40024-12, Nr. 188, Blatt 159). Der Fahrbericht vom März 1902 besagt dann, daß es auch an den Glückaufschächten im Dezember 1901 einen Schwimmsanddurchbruch gegeben habe, welcher „dem Werk schweren Schaden zugefügt“ hatte. Blöderweise sind zu dieser Zeit gerade einige Türstöcke in Schachtnähe ausgewechselt worden, wo infolge des Wasseraufgangs nun die Firste hereingekommen ist, wodurch hat sich der Glückaufschacht III einseitig um ½ m gesenkt hatte und die Schachtzimmerung stark beschädigt wurde. Seemann ordnete natürlich an, alle anderen Arbeiten zu sistieren, bis der Schacht wieder in ordnungsgemäßen Zustand gebracht sei (40024-12, Nr. 188, Blatt 156f). Sein letzter Fahrbericht in der Funktion eines Inspektors bei der Berginspektion III zu den Venus'schen Tonwerken datiert auf den 28. April 1902 (40024-12, Nr. 188, Blatt 165f). Zufrieden konnte er berichten, daß der Glückaufschacht III instand und auf den ersten 5½ m über dem Füllort in Vollschrotausbau gesetzt war.
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Im September 1902 war Inspektor Seemann
bereits nach Leipzig versetzt. Ihn vertrat in der Berginspektion
III
zunächst Berginspektor Anshelm, bis ab Mitte 1902 dann die
Berginspektion Freiberg
I und dort der Berginspektor Roch aus Freiberg für
das Löthain'er Revier zuständig wurde. Auch jetzt befand man die Rühle'schen
Tongruben regelmäßig als in gutem baulichen Stand befindlich. Herr Anshelm
notierte nebenbei in seinem Fahrjournal noch, daß sich die durchschnittliche
Förderung pro Jahr jetzt auf 300.000 Zentner
(15.000 t) belaufe. Man führte wieder Bohrungen durch und plante auch wieder,
einen neuen Schacht abzuteufen, da man mit den letzten Versuchen ja wenig Erfolg
hatte (40024-12, Nr. 239, Blatt 152ff). Auf Steiger- und
Thiemannschacht waren 2 Abbaue und 3 Streckenörter mit insgesamt 18 Mann
belegt, während in der Abteilung Johanna- und Prinz Friedrich August-
Schacht neben 3 Streckenörtern 6 Abbaue in Umgang standen. Kaschka blieb
außer Betrieb.
Ende 1902 setzte man wieder einmal einen neuen Schacht an. Dazu berichtete Berginspektor Roch in seinen Fahrjournalen vom Februar 1903, man habe den Neuschacht auf Parzelle 75 wegen zu starker Wasserzuläufe bei 14, 5 m Teufe wieder aufgeben müssen, obwohl nahegelegene Bohrungen schon bei 9 m Teufe auf Ton gekommen waren. Da man mit dem Füllort in sandigen, wasserführenden Schichten zu stehen gekommen wäre, machte auch ein Querschlagsbetrieb hier keinen Sinn. Also setzte man unweit
entfernt wieder einen anderen Schacht an, mit dem man schon bei 8,5 m Teufe
glücklich das Tonlager ersunken hatte (40024-12, Nr. 239, Blatt 183f). Einen
Monat später berichtete Herr Roch noch, daß das Tonlager hier 3,5 m
mächtig sei und der Ton „schön weiß brennend, von bräunlicher
Farbe, darunter guter Ton von grauer Farbe, dessen Liegendes noch nicht bekannt“
sei. Die Schachtsohle des Neuschachts stand nun bei 16 m, das Füllort war
im Niveau 13 m Teufe angehauen und eine erste Strecke in Süd angesetzt
(40024-12, Nr. 239, Blatt 188ff). Über das Absenken dieses Schachtes
wurde auch in den
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Berginspektor Roch befuhr die
Venus'schen Tonwerke das erste Mal am 6. und 11. Juni 1902 (40024-12, Nr. 188,
Blatt 167ff). Bei den Glückaufschächten fand er nur eine defekte Spreize
im Glückaufschacht II
zu bemängeln. Der neue Steiger machte sich offensichtlich für die Grubenbesitzer
bezahlt. Auf dem Katharinaschacht waren in letzter Zeit die
Wasserzuflüsse sehr stark, so daß man nur mit Wasserhalten und Säubern der stark
verschlämmten Strecken befaßt gewesen ist. Gegenwärtig waren aber wieder zwei
Streckenörter belegt. „Man entdeckte über Tage 50 m südöstlich vom
Katharinaschacht ca. 1 m südlich eines Wassergrabens einen voll Wasser stehenden
Tagebruch von ca. 1,5 m Durchmesser.“
Am 24. Juni teilte Obersteiger Weiße noch mit, daß der „Thon an Abbauwürdigkeit zu sehr einbüße“ und man deshalb den Fundgrubeschacht III wieder abwerfen wolle (40024-12, Nr. 188, Blatt 171). Dem von J. G. Venus erläuterten Betriebsplan für 1902 stimmte Inspektor Roch am 7. Juni 1902 zu (40024-12, Nr. 188, Blatt 173ff). Auch im Hinblick auf eine erfolgte Durchörterung des Sicherheitspfeilers am Glückaufschacht III begründete er sein Einverständnis damit, daß es sich eigentlich nur um 1,5 m an dessen Rand handelte, daß ein Wiederausstopfen der Strecke und die Auffahrung einer anderen, weiter entfernteren dem Sicherheitspfeiler keinesfalls mehr Stabilität verleihe und daß der Ausbauzustand der Strecken und Schächte auf der Grube ein guter war. Allerdings betonte er auch, „daß der vorliegende Fall der Durchörterung in keiner Weise als Präcedenzfall zu gelten habe und daß bei der geringsten Veränderung an der Zimmerung des Glückaufschachtes III und des besagten Verbindungsstreckenteiles dieselbe sofort wieder durch Reparatur in tadellosen Stand versetzt werde.“ Ein Grundriß ist der Stellungnahme beigefügt, der uns näherbringt, wo das Problem steckte.
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Am 26. Juni 1902 erging eine Anzeige von
Berginspektor Roch ans Bergamt, diesmal
die Feuersicherheit des Katharinaschachtes betreffend (40024-12, Nr. 188,
Blatt 182). Demnach war die seit Ende 1901 zur Wasserhaltung dienende Lokomobile
ist in einem hölzernen Schuppen aufgestellt, der direkt an die hölzerne Schachtkaue und an den Tonschuppen angebaut war, auch das Brennmaterial –
böhmische Braunkohle – wurde direkt daneben gelagert. Wegen der Brandgefahr
sollte der Schuppen mit der Lokomobile baulich vom Schacht um mindestens 2 m
abgetrennt und eine eventuelle Bedachung der Transmission aus nicht brennbarem
Material hergestellt werden. (Das wies das Bergamt dann auch so an.) Außerdem gab
Obersteiger Weiße an, daß demnächst ein neuer Schacht geteuft und die
Wasserhaltung dorthin verlegt werden solle.
Die weiteren Fahrjournale aus dem Jahr 1902 berichten im Allgemeinen von einem guten baulichen Zustand der Gruben. Weil er wohl die Kosten scheute, betonte in Zusammenhang mit der Übersendung von Grubenrissen Schröter am 20. Juni 1902 aber nochmals, daß seine derzeitigen Baue von alten so weit abseits lägen, daß sie als „unbedingt schlagwettersicher zu bezeichnen“ seien (40024-12, Nr. 188, Blatt 182). Diesmal nahm Inspektor Roch am 12. September 1902 dazu Stellung, daß man sich beim Augustinenschacht tatsächlich im ganz unverritzten Feld bewege, wo kein früherer Bergbau bekannt sei, auch noch nie Schlagwetter beobachtet worden seien, weshalb Schröter’s Aussage dort zutreffend sei. Beim Katharinaschacht waren zwar südlich alte Strecken vorhanden, jedoch zu Riß gebracht. „Bei der nötigen Aufmerksamkeit (erkennt man) rechtzeitig die Annäherung an diese Baue,“ meinte Herr Roch (40024-12, Nr. 188, Blatt 191ff). Auf den Glückaufschächten dagegen wurden zeitweilig Schlagwetter beobachtet. Hier lagen auch keine Risse zum früher umgegangenen Bergbau vor, so daß „niemals Sicherheit vorhanden ist, (...) in alten Mann unvermutet einzuschlagen.“ Roch schlug daher vor, daß Sicherheitsgeleucht dann vorgeschrieben werden solle, wenn man sich an alte Strecken annähere und, daß Schlagwetter- Ansammlungen nicht mehr abgebrannt werden dürfen, sondern „durch starken Wetterzug aus der Grube entfernt“ werden sollen. Im Feld der Fundgrube- und Glückauf- Schächte dagegen solle bei allen Örtern mindestens ¾ m weit vorgebohrt werden. Wenigstens beim Vorbohren dürfen nur Sicherheitslampen vor Ort verwendet werden. Dem folgte auch das Bergamt. Der Fahrbericht vom 28. Dezember 1902 berichtet noch von einer Besprechung mit Obersteiger Weiße, die Einführung des Sicherheitsgeleuchts betreffend. Schröter und Weiße wehrten sich nur noch halbherzig und beantragten Aufschub für den Umbau einer früheren Mannschaftsstube als Benzinlager und Lampenstube (40024-12, Nr. 188, Blatt 203f). Nachdem das Bergamt am 20. Januar 1903 wegen der oben schon erwähnten Schlagwetterexplosion auf der Fritzsche'schen Grube noch einmal nachdrücklich alle Grubenbesitzer dazu aufforderte (40024-12, Nr. 188, Blatt 206), reichte schließlich auch Schröter am 1. Februar 1903 einen Bauantrag für einen „Benzingefäßraum“ bei der Amtshauptmannschaft ein. Der wurde 17. März 1903 in Meißen genehmigt (40024-12, Nr. 188, Blatt 218).
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Die Jahrbücher berichten uns auch in den Folgejahren über
wichtige Ereignisse im Tonrevier. Nur die Nummerierung der Werke in der
Auflistung der gewerblichen Gruben, ihrer Besitzer, Vertreter und Beamten
veränderte sich ab der Ausgabe 1903, da man nun Tongruben, Kalkwerke,
Steinbrüche und Sandgruben getrennt aufführte. Über
VI. Wichtige Ausführungen und Betriebsvorgänge bei den gewerblichen Gruben. wird aus dem Jahr 1902 berichtet: 1. Neue
Lagerstättenaufschlüsse und geognostisch oder bergmännisch „1. Um Ersatz für ein seinem Ende entgegengehendes Steingutton Abbaufeld in Kaschka zu suchen, wurden seitens der Firma Ernst Teichert, G. m. b. H. in Meißen verschiedentlich Bohrungen angestellt, welche insofern Erfolg hatten, als im Süden der Schlettaer Flur an der sogenannten „alten Döbelner Straße" direkt unter Sand und Kies ein gegen 1,5 m mächtiges Tonlager ausfindig gemacht wurde, welches infolge der guten Beschaffenheit des zur Steingutfabrikation sich eignenden Tones und wegen der Trockenheit der überlagernden Schichten für abbauwürdig anzusehen war, und ferner, als südlich der bisherigen Abbaufelder in Kaschka die Fortsetzung des Tonlagers festgestellt wurde. 2. Das im vorigen Jahresberichte erwähnte Schlagwettervorkommen in der Tongrube von Villeroy & Boch zu Löthain hat sich auch im Berichtsjahre bemerkbar gemacht. Da das Auftreten von Bläsern, welche mitunter nicht unbeträchtlichen Druck aufweisen, plötzlich und jederzeit erfolgen kann, wurde vom Bergamt sowohl bei genannter Grube, als auch bei den Löthain- Meißner Tonwerken von Heinrich Rühle in Löthain, den Kaschka- Mehrener Tonwerken J. G. Venus in Mehren, denjenigen der Firma Ernst Teichert in Oberjahna und Kaschka und schließlich bei der Tongrube der Meißner Chamotte- Ofenfabrik, vormals Theodor Alexander Markowsky, bei welchen das Auftreten von Schlagwettern in durchfahrenem Felde zu gewärtigen ist, die Einführung von Sicherheitsgeleucht vorgeschrieben oder wenigstens angeregt. Die hierzu nötigen Einrichtungen, wie Benzinniederlagen und Lampenstuben, waren allerdings Ende 1902 noch nicht fertiggestellt, so daß die Durchführung genannter Vorschrift im Berichtsjahre noch nicht möglich war.“ Weiter findet man die folgenden Angaben unter der Überschrift: 2. Schacht- und Maschinenanlagen. „(...) 3. Für die noch im Entstehen begriffene Tongrube der Ofen-, Porzellan- und Tonwarenfabrik Mügeln in Mehren war ein 28 m tiefer zweiter Schacht bis nahe an das Liegende des Tonlagers niedergebracht worden, der sowohl zur Förderung und Wasserhaltung, wie als Flucht- und Wetterschacht dienen sollte. An demselben Tage (25. Juni), an welchem das Füllort bei 25 m Teufe angehauen werden sollte, brach Grundwasser durch die verbohlte Sohle in solcher Menge ein, daß es sich mit der vorhandenen Pumpe und durch Ziehen nicht halten ließ. Die Unternehmerin beabsichtigt eine Sümpfung des ersoffenen Schachtes; die hierzu nötigen Wasserhebungsvorrichtungen wurden aber im Betriebsjahre noch nicht beschafft. 4. Die Firma Ernst Teichert G. m. b. H. in Meißen brachte auf Schlettaer Flur (...) einen Versuchsschacht von 13,5 m Teufe nieder, um von ihm aus zunächst mit Versuchsstrecken das am Schachte mit 1,3 m Mächtigkeit angetroffene Steinguttonlager auf seine Ausdehnung und Beschaffenheit hin genauer zu untersuchen, als dies durch Bohrungen erfolgen konnte. 5. Ein auf Parzelle 75 der Löthainer Flur von den Löthain- Meißner Tonwerken Heinrich Rühle bis zu 14,15 m geteufter Schacht war wider Erwarten nicht auf fetten Ton, sondern auf unbrauchbaren grauen sandigen Ton, der zudem ziemlich viel Wasser führte, gestoßen und wurde wieder verfüllt.“
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Im Fahrbericht von Inspektor Roch vom
5. Mai 1903 über den Betriebsteil Steiger- und Thiemannschacht der
H. Rühle'schen Tonwerke liest man, daß der bauliche Zustand der Anlagen
in Ordnung gewesen ist (40024-12, Nr. 240, Blatt 2f). Allerdings war für zwei
Abbaue auf der 38 m- Sohle durch Fortschreiten des Abbaus der Fluchtweg
verlorengegangen. Das löste natürlich eine sofortige Anordnung des Inspektors
aus, den Abbau hier einzustellen und sich zunächst um die Wiederherstellung
eines zweiten Fahrweges zu einem der
Schächte zu kümmern. Daneben fand er noch bemerkenswert, daß sich auf „vom
regelmäßigen Betriebe abgelegenen Strecken zwei hölzerne Abortkübel mit
Holzdeckeln“ befanden, und obwohl „zur Desinfection nichts angewendet
wurde, verbreiteten die Kübel keinen üblen Geruch.“ Vielleicht standen sie
in kräftigem Wetterzug, aber dann wird ja der Hintern kalt ?
Am 9. Juni 1903 waren dann der Johanna- und Friedrich August- Schacht der Rühle'schen Tonwerke wieder mit einer Revision an der Reihe (40024-12, Nr. 240, Blatt 13f). Auch hier fand Inspektor Roch alles im wesentlichen in gutem Zustand vor und auch hier gab es einen Abbau, dem der zweite Fluchtweg noch fehlte. Alles in allem standen 7 Streckenörter und 3 Abbauörter in Betrieb, daneben wurde an 3 Stellen der Streckenausbau erneuert. Damit waren 22 Tonschläger, 16 Förderleute, 4 Zimmerlinge und 1 ,Wassermann' befaßt, respektive zusammengenommen 43 Mann angelegt. Inzwischen ‒ so hob der Berginspektor in seinem Fahrbericht hervor ‒ war auch das Sicherheitsgeleucht eingeführt und alle Arbeiter, die er befragte, ob sie damit zufrieden seien, bejahten diese Frage; einer sogar sagte unaufgefordert, daß er die neuen Lampen insbesonder deswegen vorziehe, „weil er nun nicht mehr den Ölqualm einatmen müsse und der Beschwerden, welche dieses im Gefolge habe, nun ledig sei.“ Allerdings stellte der Inspektor auch fest, daß die meisten Arbeiter nicht wußten, wie man damit beim Untersuchen auf Schlagwetter vorgehe. Die Unternehmen waren zwar schon damit befaßt, dazu Sicherheitsvorschriften zu erarbeiten, die jedoch noch der Genehmigung des Bergamtes harrten. Aus demselben Grund kam auch der Tonschläger Hermann Mehler, den Herr Roch bei seiner Befahrung beim Rauchen untertage erwischte, nur mit einem Verweis des Inspektors und sonst ungestraft davon... Obersteiger Feldmann erhielt aber die Anweisung, die Arbeiter auch jetzt schon darüber zu unterweisen. Im August des Jahres 1903 wurde auch durch Obersteiger Feldmann angezeigt, daß man auf Parzelle 74 der Rittergutsfluren „in altem Abbauterrain“ und nur 9 m vom alten Erichschacht entfernt, einen neuen Schacht zu teufen beabsichtige (40024-12, Nr. 240, Blatt 18). Seitens der Berginspektion gab Herr Roch seine Zustimmung, da der Abbau am Erichschacht ja auch schon durch die Rühle'schen Tonwerke, und zwar ausweislich der vorliegenden Akten zwischen 1882 und 1892 ausgeführt worden ist und dies Obersteiger Feldmann hinlänglich bekannt sein müsse. Er empfahl dem Bergamt nur, in der Genehmigung die Verwendung von Sicherheitsgeleucht schon beim Abteufen vorzuschreiben, da man ja wissentlich in alten Mann kommen werde. Ausweislich der der Anzeige beigefügten Lageskizze lagen der alte Erichschacht, wie der neue auch nördlich der Straße von Löthain nach Canitz.
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Auch von seiner Befahrung am 10. August 1903
auf dem Steiger- und Thiemannschacht berichtete der Berginspektor
nur Gutes (40024-12, Nr. 240, Blatt 23f). Die eine der im Frühjahr
zubruchgebauten Fluchtstrecken auf der 38 m- Sohle war bereits wieder
hergestellt; bei der zweiten fehlten bis zum Durchschlag keine 8 m Vortrieb
mehr. Nur an einem, derzeit unbelegten Ort fand der Inspektor „Spuren von
Grubengas“ und wies den Obersteiger an, das Ort nicht ohne vorherige
Bewetterung wieder zu belegen. Auch die empfohlene Belehrung der Arbeiter über
die Untersuchung der Wetter auf Grubengase hatte Obersteiger Feldmann
inzwischen durchgeführt. Nur mit der ,Reibezündvorrichtung' der
Sicherheitslampen war man allgemein unzufrieden, da sie oft versagte und die
Lampen dann nur übertage in der Lampenstube wieder in Betrieb gesetzt werden
durften.
Den ,Neuschacht' auf Parzelle 74 hat Inspektor Roch dann am 7. Oktober 1903 besichtigt und ihn bis dahin auf 12,2 m Teufe abgesenkt gefunden (40024-12, Nr. 240, Blatt 29). Das Abteufen erfolgte nach den Vorschriften der Genehmigung, so daß der Berginspektor sich zufrieden äußerte. Die bereits früher abgebaute, obere Sohle hatte man noch gar nicht erreicht, als am 13. Oktober Obersteiger Feldmann erstmals das Auftreten schlechter Wetter an die Berginspektion meldete. Vor jeder Schicht prüfte man dies durch Ablassen einer im Förderkübel stehenden Sicherheitslampe, welche diesmal erloschen sei. Da die matten Wetter auch nach einigen Stunden nicht ausgezogen waren (oder schneller nachströmten, als sie oben abzogen), sollte nun ein Ventilator beschafft werden. Bei seiner Befahrung am 30. Dezember 1903 hat Berginspektor Roch den Rühle'schen ,Neuschacht' auf Parzelle 74 bis auf 16,5 m Teufe niedergebracht vorgefunden (40024-12, Nr. 240, Blatt 30). Nun allerdings hatte man eine wassergesättigte Sandschicht erreicht, in der „jeder Spatenstich... sich sofort mit Wasser füllte und bald mit Sandbrei verfüllt“ wurde. Durch Vorbohren hatte man ermittelt, daß die Schicht etwa 2 m mächtig war, worauf in deren Liegendem erst sandiger Ton und in 20 m Teufe sandfreier Ton folgte. Der Inspektor beschrieb daraufhin ausführlich, auf welche Weise man diese Schicht nun zu durchteufen suchte, indem man nämlich „beim Schmied zu Mehren 3 m lange, 8 mm starke und 18 bis 20 cm breite, schmiedeeiserne Pfähle mit aufgenieteten Nutschienen“ bestellt hatte und diese „mit Hülfe eines 88 kg schweren Rammbärs, der von 5 auf der Hängebank stehenden Arbeitern bedient wurde,“ nun in die Schachtsohle trieb. Wenn die dichte Tonschicht erreicht worden sei, werde man den Sand ausschaufeln und diese eiserne Spundwand noch durch hier im Revier so benannte ,Kastenzimmerung' ‒ „einer Art Vollschrot aus miteinander verblatteten fichtenen Kanthölzern von 10 cm Stärke und 24 cm Höhe“ ‒ verstärken. Auch der Ventilator war inzwischen betriebsbereit; nur hatte sich ein Austritt schlechter Wetter seitdem noch nicht wieder ereignet.
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Im Februar 1903 beantragte Schröter
für seine Kaschka- Mehrener Tonwerke J. G. Venus die Genehmigung für das
Abteufen eines Versuchsschachts auf Parzelle No. 6 in Kaschka. Auf der
Nachbarparzelle No. 9 hatte das Teichert’sche Tonwerk bereits einen
Schacht und auch auf Parzelle No. 6 gab dessen Obersteiger Schütze an,
habe um 1870 die Fa. Kollrepp & Co. bereits Ton und Kaolin abgebaut.
Daher wurde hier die Verwendung von Sicherheitsgeleucht vom Bergamt angeordnet
(40024-12, Nr. 188, Blatt 215ff).
Die Fahrjournale von Berginspektor Roch aus diesem Jahr berichten uns, daß bei seiner Anwesenheit im März auf den Fungrub'ner Schächten augenscheinlich alles in gutem Zustand war. In dieser Grubenabteilung waren jetzt 24 Mann auf 7 Streckenörtern, 3 Abbauen und bei 2 Streckenreparaturen angelegt, dazu 4 Mann übertage (40024-12, Nr. 189, Blatt 1f). Im April 1903 besichtigte Herr Roch die Augustinenschächte, wo er 5 Tonschläger und 3 Förderleute auf 1 Streckenumbau, 1 Streckenort und 1 Abbau angelegt vorfand. Man hatte hier mehrere alte Strecken durchfahren, dabei auch noch ganz frisch erscheinendes Holz gefunden, aber keine Schlagwetter festgestellt. Bei den Glückaufschächten waren nur zwei Gegenörter in Betrieb. Nach deren Durchschlag solle der Abbau fortgeführt werden. Das Baumaterial für das Benzinlagerhäuschen war auch schon angeliefert. Dessen Bau verzögerte sich aber, diesmal, weil der Baugrund zu naß ist und noch ein Bauveränderungsantrag an die Amtshauptmannschaft gesandt werden mußte (40024-12, Nr. 189, Blatt 4f). Deren Genehmigung kam dann am 25. Juni 1903 (40024-12, Nr. 189, Blatt 15) Außerdem waren aber noch Sicherheitsvorschriften vom Unternehmer einzureichen (40024-12, Nr. 189, Blatt 19). Auch auf den Katharinaschächen fand Inspektor Roch im Mai 1903 den Schachtausbau instandgesetzt und alles in gutem Stand. Vom nördlichen Schacht aus hatte man auch hier alte Strecken angefahren, ohne daß Schlagwetter bemerkt wurden (40024-12, Nr. 189, Blatt 13f). Am 7. Oktober 1903 war die Lampenstube fast fertig, nur ein Blitzableiter fehlte noch (40024-12, Nr. 189, Blatt 32f). Nach seiner Befahrung vom 12. November 1903 konnte Berginspektor Roch dann mitteilen, daß die Lampenstube endlich fertig war und daß die Amtshauptmannschaft die Ingebrauchnahme genehmigt hatte (40024-12, Nr. 189, Blatt 34f). Ferner aber war auch zu vermelden, daß infolge eines Wassereinbruchs und da sich die Wasserhaltungsanlage als zu schwach erwies, die Glückaufschächte ersoffen waren und zwar so gründlich, daß das Wasser am niederen Schacht zutage austrat. Nach einiger Zeit verringerte sich der Zulauf wieder, wie man das schon mehrfach in abgesoffenen Tongruben beobachtet hat, und man setzte die Wasserhaltung wieder in Betrieb; konnte die Schächte auch sümpfen. Gegenwärtig würden die Strecken wieder aufgesäubert. Da die Nachfrage nach Ton gerade hoch war, kam die Sache „der Firma… sehr ungelegen.“ Nebenbei erfährt man hier, daß Herr Schröter vielleicht auch noch ein Haus in Mehren besaß, inzwischen aber in Meißen wohnte.
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Aus der Jahrbuchausgabe von 1904 erfahren wir noch über das
Jahr 1903 im Kapitel:
VI. Wichtige Ausführungen und Betriebsvorgänge bei den gewerblichen Gruben. 1. Neue
Lagerstättenaufschlüsse und geognostisch oder bergmännisch „1. Die Schachtpfeiler der beiden der Firma Ernst Teichert G. m. b. H. in Meißen (22) gehörigen Steinguttonschächte in Kaschka wurden, nachdem das übrige Grubenfeld abgebaut war, nacheinander bis auf 3 m von den Schachtstößen abgebaut. Hierzu war vorgeschrieben worden, daß kein Abbau breiter als in doppelter Streckenbreite hergestellt und eher angehauen werden dürfte, als bis der vorige mit Versatzmassen dicht ausgesetzt sei, und jede Abbaustelle gangbare Verbindung nach jedem der beiden Schächte hin habe in der Weise, daß bei etwaigem Verlorengehen des einen Schachtes die Belegschaft ohne Berührung des Füllortes dieses Schachtes den anderen erreichen könne. Dieser Schachtpfeilerabbau ging glatt von statten. Die gleichen Sicherheitsmaßnahmen bezüglich der Abbaubreite und des Versatzes bewährten sich im Schutzpfeiler eines Kommunikationsweges. — Durch Bohrung wurde von der selben Firma die Ausdehnung des guten Tones in Kaschka weiter nach S. als bisher bekannt war, festgestellt.“ 2. Schacht- und Maschinenanlagen. 1. Für den auf Parzelle 75 von Löthain verfüllten Schacht (vergl. Jahrbuch für 1903 B, Seite 243) wurde 25 m südlich von demselben von H. Rühles Löthain- Meißner Tonwerken (10) ein neuer Schacht, welchem der Name König Georg Schacht gegeben wurde, bis zu 16 m verteuft, bei 13 m Teufe wurde ein Füllort angeschlagen und das Tonlager in dieser Sohle durch Auffahren von Strecken untersucht. — Von demselben Unternehmer wurde auf Parzelle 74 von Löthain ein Förderschacht geteuft, um den unter altem Manne daselbst liegenden Ton zu gewinnen. Da gelegentlich im Jahre 1901 angestellter Bohrungen dieser alter Mann als stark schlagwetterführend erkannt worden war, wurde von vornherein Sicherheitsgeleucht benutzt. Schlagwetter wurden indessen beim Teufen nicht angetroffen, wohl aber traten bei 13 m Teufe derartig matte Wetter auf, daß das Weiterverteufen auf 2 Tage ausgesetzt werden mußte. Bei 16 m Teufe wurde feuchter, anscheinend dicht und festgelagerter Sand erreicht. Jeder Spatenstich in diesen wurde jedoch sofort mit Wasser und bald darnach mit Sandbrei erfüllt. 2 senkrechte Bohrlöcher im Schachtquerschnitte ergaben bei 18,5 m eine sandige Tonschicht. Mit Hülfe von schmiedeeisernen Pfählen, welche mit Nuten versehen waren, sollte bis in die sandige Tonschicht eine Spundwand eingetrieben werden. Dieser Versuch scheiterte an dem Vorhandensein größerer Steine in der wasserführenden Sandschicht und es wurde nun zur Herstellung eines Holzsenkschachtes, welcher aus 14 x14 cm starken, verblatteten, fichtenen Kanthölzern als Jöchern bestehend, in Vollschrotzimmerung — im Meißner Tonrevier Kastenzimmerung genannt — ausgeführt wurde, übergegangen. Zum Niederdrücken wurden Bauwinden verwendet. Die Sohle wurde dabei mit Brettern abgeschlossen und mit Ton abgedichtet; beim Senken und Herausnehmen von Sand wurde zur Dichtung ebenfalls Ton verwendet. Da der Auftrieb des Schwimmsandes nur gering war, gelang die Durchsinkung der wasserführenden Sandschicht auf diese Weise. Die Kastenzimmerung, welche noch durch Wandruten verstärkt wurde, ist bis zum Schachttiefsten bei 33 m beibehalten worden. 2. Um ihr auf Dobritzer Flur gelegenes Kaolinlager abbauen zu können, teufte die Meißner Chamotte- und Tonwarenfabrik G. m. b. H. in Meißen (14) ein Fluchtschächtchen von 23 m Teufe mit einem quadratischen Querschnitte von nur 1,1 m Seitenlänge, die Abteufmassen wurden nicht gezogen, sondern — die Deckschichten waren trocken — durch ein Bohrloch in der Mitte des Schachtquerschnitts in eine Unterfahrungsstrecke verstürzt und unter Tage versetzt. 3. Da die geplante Sümpfung des Schachtes II der Mehrener Tongrube der Ofen-, Porzellan- und Tonwarenfabrik Mügeln (17) trotz Anwendung zweier von einer Lokomobile angetriebener Schachtpumpen nicht gelang, wurde er wieder verfüllt und in 25 m Entfernung von ihm ein weiterer Schacht abgeteuft, wobei zwei ungefähr 3 m mächtige wasserführende Sandschichten mittels eiserner Senkkästen zu durchsinken waren. 4. Nachdem sich die Firma Ernst Teichert, G. m. b. H. in Meißen (22) durch Versuchsstrecken von ihrem Schachte auf Schlettauer Flur aus von der Abbauwürdigkeit des dortigen Tonlagers überzeugt hatte, wurde dort ein nur der Fahrung Raum bietender Fluchtschacht von 13 m Teufe niedergebracht. Die Steinguttonschächte in Kaschka wurden nach Ausbeutung ihres Grubenfeldes verfüllt und zu ihrem Ersatz in derselben Ortsflur eine neue Tongrube angelegt. Der Förderschacht wurde bis 29 m Teufe, um Schachtpfeilerverluste zu vermeiden, an einer Stelle abgeteuft, welche sich, wie durch Bohrungen festgestellt war, in einiger Entfernung von dem abbauwürdigen Ton befand, und dieser selbst durch einen Querschlag angefahren.“
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Bis zum 18. Januar 1904 fand Herr Roch
das Schachtabteufen dann aber immer noch nicht vollendet vor (40024-12, Nr. 240,
Blatt 32). Offenbar lagerten an der Basis des Schwimmsandes größere Gerölle,
wodurch sich die eisernen Pfähle nach innen verbogen. Nunmehr suchte man diese
Schicht mit einem hölzernen Senkkasten, welchen man mittels Bauwinden in den
Sand drückte, zu durchteufen. Stöße und Sohle wurden während des Ausschaufelns
mit Brettern und Ton abgedichtet. Zu bemängeln war, daß der Berginspektor bei
den Arbeitern im Schachtabteufen mehrere Sicherheitslampen mit gesprungenen
Glaskolben vorfand, was diese auf die „sehr nasse Arbeit“ im Schacht
zurückführten. Die Arbeiter beklagten sich in dem Zusammenhange auch darüber,
daß ihnen die Kosten für Lampenreparaturen auferlegt würden. Darauf aufmerksam
gemacht, versprach der Obersteiger aber, dafür Sorge zu tragen, daß dies künftig
‒ zumindest bei solchen Arbeiten ‒ nicht mehr erfolge.
Bei einer Besprechung im Büro des Obersteigers am 28. Januar 1904 konnte Herr Feldmann dann mitteilen, daß man mit dem Neuschacht nun auf 23¼ m Teufe niedergekommen war und hier schon auf 2 m Teufe in Ton stehe (40024-12, Nr. 240, Blatt 35). Zugleich teilte der Obersteiger dabei mit, daß man beabsichtige, in Oberjahna, im Feld des schon länger außer Betrieb gewesenen Bismarckschachtes, noch „etwas Kaolin herauszunehmen.“ Roch erinnerte an die rechtzeitige Einreichung eines diesbezüglichen Betriebsplanes. Zunächst einmal zeigte Obersteiger Feldmann dann am 23. April 1904 aber das Abteufen eines neuen, gegen 11 m tiefen Schachtes auf Parzelle No. 75 an (40024-12, Nr. 240, Blatt 37). Er sollte als Flucht- und Wetterschacht für den König Georg- Schacht dienen. Das wurde auch am 4. Mai 1904 genehmigt (40024-12, Nr. 240, Blatt 38).
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Am 15. Mai 1904 mußte Obersteiger Feldmann
an die Berginspektion mitteilen, daß mit dem Schacht auf Parzelle 74 zwar nun
eine Teufe von 33,5 m erreicht hatte, jedoch der Schachtsumpf sich mit 1,7 m
Tiefe als zu klein erwies, um die zusitzenden Wässer lange genug aufspeichern zu
können (40024-12, Nr. 240, Blatt 40). Eigentlich wollte man den Sumpf daher auf
3,5 m Teufe unter der Füllortsohle vertiefen, mußte diesen Plan aber
aufgeben, da man beim Vorbohren auf Grundwasser gestoßen war. Man plane nun eine
,Sumpfstrecke' mit fallendem Verlauf vom Schacht weg und wollte das dem
Schacht zusitzende Wasser mittels verrohrter Bohrungen in diese überleiten.
In der Zustimmung des Berginspektors Roch vom 16. Mai 1904 zu diesem Plan ist nun vom Vaterlandschacht die Rede ‒ diesen Namen hatte man wohl inzwischen dem ,Neuschacht' beigelegt (40024-12, Nr. 240, Blatt 41).
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Am 10. Juni 1904 war ausnahmsweise Berginspektor Scholz in Löthain und fand den Fluchtschacht für den König Georg- Schacht bereits auf 13 m Teufe niedergebracht vor (40024-12, Nr. 240, Blatt 43f). Nur die Wandruthen fehlten noch und eine Kaue über dem Schacht. Bis zur nächsten Befahrung durch Inspektor Roch am 30. Juni war aber alles fertig ‒ bis auf den Feuerschutzanstrich der hölzernen Kauen über beiden Schächten (40024-12, Nr. 240, Blatt 51f). Die Vaterlandgrube hat Inspektor Roch am 14. Juni 1904 befahren, wobei er alles zu seiner Zufriedenheit und die Sumpfstrecke im Vortrieb begriffen fand (40024-12, Nr. 240, Blatt 51). Zu diesem Zeitpunkt waren hier 5 Tonschläger, 4 Förderleute und 1 Zimmerling angelegt. Die Wasserhaltung erfolgte noch mittels einer Lokomobile. Man wollte die Sumpfstrecke aber außerdem mit einem Gegenort der benachbarten Grube der Meißner Ofenfabrik, vormals Carl Teichert, zum Durchschlag bringen, um so zugleich einen zweiten Fluchtweg zu erlangen. Daß man diesen Plan allerdings wieder fallenließ, weil „die Gebirgsverhältnisse dieses Terrains infolge starker Wassersandschichten das Durchtreiben einer geeigneten Strecke geradezu unmöglich machen,“ teilte Obersteiger Feldmann am 5. Dezember 1904 an die Berginspektion mit (40024-12, Nr. 240, Blatt 63). Man werde daher nun an geeigneter Stelle auch für die Vaterlandgrube einen eigenen Flucht- und Wetterschacht teufen. Am 13. Dezember 1904 präzisierte Feldmann seine Anzeige noch dahingehend, daß der neue Schacht ein größeres Profil, als für Fluchtschächte üblich, erhalten solle, um ihn bei Bedarf auch als Förderschacht nutzen zu können (40024-12, Nr. 240, Blatt 65). Nicht zuletzt hat Heinrich Rühle die bis 1897 noch Robert Fritzsche, danach Theodor Alexander Markowsky gehörige Tongrube nach dem Konkurs des letzteren am 4. Juni 1904 ersteigert und seinem Unternehmen einverleibt (40024-12, Nr. 283 und Nr. 240, Blatt 48). Zur Konsolidation dieses Grubenfeldes hat H. Rühle außerdem einen ,Streifen' des angrenzenden, Villeroy & Boch'schen Grubenfeldes dazu erkauft. Einen Betriebsplan für diese neue Betriebsabteilung, die in der Zustimmung zu diesem seitens der Berginspektion als ,Grube Freiberg' benannt ist, sandte Obersteiger Feldmann am 2. September 1904 nach Freiberg (40024-12, Nr. 240, Blatt 48). Aus diesem geht auch hervor, daß der schon bei Markowsky als solcher schon angestellte Steiger Straube von Rühle als Grubenaufsicht übernommen worden ist. Damit waren bei den Rühle'schen Tonwerken nunmehr mit den Steigern Straube, Weber und Angermann sowie Obersteiger Feldmann 4 Aufsichtsbeamte angestellt ‒ was Herrn Roch freilich am 4. Oktober 1904 auch angemessen erschien, da schließlich die Gesamtbelegschaft inzwischen 94 Mann ( !! ) umfaßte (40024-12, Nr. 240, Blatt 71). Aus dem Fahrbericht vom 18. September erfährt man dann, daß Herr Rühle auch auf Parzelle 86a von Löthain noch eine weitere neue Tongrube unter dem Namen ,Gute Hoffnung' in Angriff genommen hat. Der erste Schacht war hier unter Aufsicht von Steiger Straube bereits auf 9 m abgesenkt (40024-12, Nr. 240, Blatt 60). Überhaupt scheinen diese Jahre für das Heinrich Rühle'sche Tonwerk in Löthain sehr gute gewesen zu sein, denn aus einem Fahrbericht von Inspektor Roch vom 10. August (40024-12, Nr. 240, Blatt 58) erfährt man auch, daß der Besitzer aus Anlaß des 25jährigen Bestehens der Firma zwei seiner Arbeiter Prämien in Höhe von 50,- Mark, allen übrigen in Höhe von 25,- Mark zukommen ließ.
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Die Fahrberichte Roch's vom ersten
Quartal 1904 berichten davon, daß bei den Katharinaschächten der Venus'schen
Tonwerke südlich vom Schacht
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auf Parzelle 73 der Flur Mehren wieder ein neuer Schacht geplant war und auch der
Augustinenschacht I
sollte um 2 m verteuft werden
(40024-12, Nr. 189, Blatt 36ff). Auf
den Glückaufschächten waren am Ausbau „größere Mängel nicht zu erkennen.“
Zurzeit ging dort aber kein Abbau um, da die Verbindungsstrecke nach dem
Wassereinbruch im Dezember 1903 noch nicht wieder durchgängig fahrbar war. Eine
Verdämmung der Einbruchstelle war nicht erforderlich geworden, „da durch das
Zusammenquellen der Strecke dem Weitergreifen des Schwimmsandeinbruchs Einhalt
getan war.“
Nach den Befahrungen am 10. und 18. Mai 1904 war zu berichten, daß die Verteufung des Katharinaschachts I beendet war, jetzt wurde hier die Windturbine zur Wasserhaltung aufgestellt, die erst am Glückaufschacht III gestanden hatte. Der Obersteiger wollte die Verbindungsstrecke nach den Teichertschächten in stark durchörtertem Feld aufgeben und stattdessen vom neuen Schacht III aus in „anscheinend unverritzes Feld“ gehen. Der Schacht III stand am 10. Mai erst 1,6 m unter Rasensohle, war aber für den Haldensturz bereits zirka 3,5 m aufgesattelt (40024-12, Nr. 189, Blatt 42f). Am 18. Mai war das Abteufen auf 5 m gekommen und im Juni war man auf 18,5 m Teufe gekommen, die Schachtzimmerung werde „sehr kräftig ausgeführt.“ Die Haldenschüttung näherte sich inzwischen dem Niveau der Hängebank (40024-12, Nr. 189, Blatt 53f). Bei seinen Befahrungen am 3. und 10. August 1904 fand Herr Roch die Kaue auf dem Katharinaschacht III fertig vor. Im Katharinaschacht II hatte sich Schachtausbau verzogen, aber weil das Holz kräftig und im Gefüge fest war, sei „ein Schachtbruch vor der Hand nicht zu besorgen.“ Der Durchschnittsschacht zwischen den Bausohlen war nicht mehr fahrbar, daher fehlte nun der oberen Sohle der zweite Fluchtweg. Es wurde aber ein Streckenort Richtung Schacht III getrieben. Auf der unteren Sohle bestand noch die Fluchtstrecke nach den Teichertschächten und die war auch in Ordnung (40024-12, Nr. 189, Blatt 59f). Die Gesamtbelegschaft der Schröter’schen Gruben lag nun bei 86 Mann, davon zirka 60 auf den Fundgrubeschächten, zzgl. der beiden Steiger Weiße und Stephan. Die beiden wurden bei der Aufsichtsführung auf der etwas abgelegenen Fundgrube in Kaschka von dem Vorarbeiter Christoph Sasse unterstützt. Roch meinte jedoch, es wäre anzuraten, einen weiteren Betriebsbeamten anzustellen oder die Aufsichtsführung zumindest durch einen „außer Accordarbeit stehenden Vorarbeiter“ zu verstärken, zumal dem Obersteiger ja außerdem die Rißwerkführung, die Löhnung, die Verladung und zum großen Teile auch noch die Disposition für die Abfuhr des Tons obliege. Bei etwa vergleichbarer Anzahl von Personal bei den H. Rühle’schen Tonwerken seien dort neben dem Obersteiger noch drei Aufseher bzw. Steiger angestellt. Am 6. September 1904 beantragte Grubenbesitzer Schröter auch wieder in Kaschka, auf der Parzelle 19 und zirka 120 m oberhalb vom Fundgrubeschacht I ein neues Schachtabteufen beim Bergamt. Die genaue Lage stand aber noch nicht genau fest, da noch Bohrungen erfolgten (40024-12, Nr. 189, Blatt 56). Schließlich wurde am 5. November 1904 von J. G. Venus noch ein Bauantrag für die Erweiterung der Arbeiterstube und zugleich für den Neubau eines Dampfkesselhauses nebst Kohlenschuppen in Kaschka an die Amtshauptmannschaft gestellt (40024-12, Nr. 189, Rückseite Blatt 66). Am 2. Dezember 1904 erläuterte er hierzu noch, daß der Grund für diesen Bau war, daß die Windturbine „wegen Mangel an Wind oft steht.“ (40024-12, Nr. 189, Blatt 70). Die Genehmigung kam am 6. Dezember 1904 (40024-12, Nr. 189, Blatt 85).
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Wie es auch anhand der in unserem Kapitel zur
Geologie gezeigten Ausgaben der geologischen Karten ersichtlich ist, wurden um
die Jahrhundertwende im Revier zahlreiche Bohrungen niedergebracht. Darüber
liest man etwa in der Ausgabe der Jahrbücher vom Jahr 1905 im Kapitel:
VI. Wichtige Ausführungen und Betriebsvorgänge bei den gewerblichen Gruben. 1. Neue
Lagerstättenaufschlüsse und geognostisch oder bergmännisch „1. Sowohl durch die fortschreitenden Grubenbaue als auch durch Bohrungen im Meißner Tonreviere hat sich wiederholt das Vorhandensein bez. eine bisher nicht bekannt gewesene Ausdehnung sog. Feinen Tons, dessen Verkaufswert seine unterirdische Gewinnung mit Vorteil zuläßt, ergeben, und bei H. Rühles Löthain- Meißner Tonwerken (10), bei den Kaschka- Mehrener Tonwerken (7) und bei den Tongruben der Firma Ernst Teichert (22) sowohl zu Erweiterungen der bestehenden als auch zum Beginn neuer Gruben- Anlagen auf Löthainer, Mehrener und Kaschkaer Flur geführt.“ Außerdem liest man hier: „2. Wiederholt sind Tongruben der Kaschka- Mehrener Tonwerke (7) ersoffen. Plötzliche Wassereinbrüche, wie sie in Bergwerken durch Bruch festen Gesteins gleichsam augenblicklich die unterirdischen Räume füllen, sind in letzter Zeit nicht zu beobachten gewesen. Es handelt sich hier vielmehr um ein Überhandnehmen der in der Regel nur gering zusitzenden Grubenwässer aus Rissen, welche sich im Ton infolge Abbaudrucks bilden. Die zumeist unbedeutenden Wasserhaltungseinrichtungen sind einer wesentlichen Verstärkung der Wasserzuflüsse nicht gewachsen und können so die Strecken nicht bis zur Herstellung einer Verdammung wasserfrei halten. Es ist häufig der Fall, daß das eindringende Wasser etwas Sand mit sich führt, aber in den letzten drei Jahren war es nicht soviel, daß man von Schwimmsandeinbrüchen reden könnte. Auch ist das Eindringen des Wassers in die Grubenbaue nicht so rasch erfolgt, daß der Belegschaft dabei ernstliche Gefahr gedroht hätte. Wiederholt war die Erfahrung gemacht worden, daß sich die Risse in den Streckenstößen, durch welche das Wasser austritt, in wenig Tagen zufolge Gebirgsdrucks von selbst wieder schließen, wenn man den Stand des aufgegangenen Wassers nicht durch Pumpen oder Ziehen stört, so daß also hinter den Wasseraustrittsstellen ‒ den Rissen in der Grube ‒ für eine längere Dauer derselbe Wasserdruck besteht wie in den Grubenbauen und somit das Fließen durch die Risse unterbleibt. Wenn dann nach etwa 8 bis 14 Tagen beim Heben des Wassers der Wasserspiegel sinkt und nicht schnell wieder aufgeht, so hat man ein Zeichen, daß sich die Wasseraustrittsstelle geschlossen hat, und es ist so ‒ z. B. in den Glückaufschächten in Mehren ‒ wiederholt gelungen, durch Ziehen und Pumpen die Grube zu sümpfen. Ist dies geschehen, so wird die Wasseraustrittsstelle durch eine Verdammung verwahrt.“ 2. Schacht- und Maschinenanlagen. „1. Um den Abbau des Katharinenschachts der Kaschka- Mehrener Tonwerke (7) weiter nach S verlegen zu können, wurde 110 m südlich vom Katharinenschacht II in Mehren der Katharinenschacht III abgeteuft Die Zimmerung wurde teils als Bolzenschrot teils als Kastenzimmerung sehr kräftig ausgeführt, und namentlich dem Einbau starker Eckwandruten ist es zuzuschreiben, daß der Schacht, als die Schachtstöße bei einem Ersaufen stark ausgespült wurden, erhalten blieb. Als Wasserhaltungsmaschine wurde eine Lokomobile, welche eine Schachtpumpe treibt, beschafft und in einem Schuppen neben dem Schachtgebäude unter Beobachtung zweckdienlicher Vorkehrungen gegen Brandgefahr aufgestellt. 2. Die Firma Otto Kauffmann in Niedersedlitz (8) begann, nachdem der zuletzt vor 4 Jahren in Schwochau gewonnene Ton aufgebraucht war, im Oktober 1904 einen neuen Tongrubenbetrieb unweit der auflässigen Kaufmannschen Tongrube in Schwochau an der Lommatzsch- Nossener Chaussee. Noch im Berichtsjahre wurde ein Haspelförderschacht, der zugleich der regelmäßigen Fahrung bestimmt war, 12 m tief geteuft und ein zweiter Schacht, der als Förder-, Wetter- und Fluchtschacht dienen soll, begonnen. 3. Nachdem vom König Georg- Schacht von H. Rühles Löthain- Meißner Tonwerken (10) in Löthain aus durch Versuchsbaue feiner Ton in bauwürdiger Menge festgestellt worden war, wurde ein zweiter Schacht als Förder-, Wetter- und Fluchtschacht abgeteuft. Zur Wasserhaltung bediente man sich bei dieser Grubenanlage zeitweilig einer Lokomobile. Derselbe Unternehmer hatte durch Bohrung das Vorhandensein feinen Tons auf Parzelle 86 Löthainer Flur festgestellt und teufte daselbst einen 36 m tiefen Schacht, dem er den Namen Hoffnungschacht beilegte. Im Berichtsjahre wurden von diesem Schachte aus nur Versuchsstrecken getrieben. Am 4. Juli 1904 ging die bis dahin der in Liquidation stehenden Aktiengesellschaft Meißner Chamotte- Ofenfabrik vorm. Theodor Alexander Markowsky gehörige Tongrube zu Löthain in H. Rühleschen Besitz über und wurde vom Unternehmer ,Grube Freiberg' benannt. Der mit einer Nachbargrube durchschlägige Schacht mußte von Grund aus umgebaut werden. Der an die Schachtkaue angebaute Maschinenraum für den die Wasserhaltung treibenden Benzinmotor wurde durch Schutzanstrich und Blechbeschläge in einen feuersicheren Stand versetzt. 4. Die auf Parzelle 18 in Kaschka gelegene Grubenanlage der Firma Ernst Teichert (22), welche schon im Jahre 1903 als Ersatz für die auflässigen alten Steinguttonschächte begonnen wurde, erhielt einen zweiten Schacht, in welchem Platz für eine Dampfförderanlage vorgesehen ist. Die beiden Schächte dieser Grube werden die ,neuen Steinguttonschächte' genannt.“
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Am 24. Januar war der Berginspektor wieder
auf den Rühle’schen Tonwerken und berichtete über die Vaterlandgrube,
daß man mit dem Flucht- und Wetterschacht inzwischen 11 m Teufe erreicht habe. Die Aufsicht
führte hier Steiger Angermann. Lobend war hervorzuheben, daß der
Abteufhaspel (Und Inspektor Roch betonte besonders: Als erster im Meißner
Tonrevier.) mit Sperr- Rädern und Klinken versehen war. Außerdem war er noch auf
der Grube Hoffnung, wo er aber nur zu berichten wert fand, daß die Werksleitung
„auf früher wiederholte Anregung“ hin, der Feuersicherheit halber, die
Gebäude nicht aus Holz zu errichten; des Gewichts halber aber auch nicht aus
Stein zu mauern, hier „ein sehr praktisches Wellblechhäuschen als
Mannschaftsstube aufgestellt (hatte), das gegen die Einflüsse der
Sonnenhitze und der Winterkälte innen mit einem Holzfutter ausgestattet ist.“ (40024-12,
Nr. 240, Blatt 73)
In seinem Fahrbericht vom 9. März 1905 berichtete Inspektor Roch über die Grube Freiberg, daß hier zurzeit kein Abbau umgehe. Der Schacht diene aber, nachdem man Durchschläge zu den eigenen Bauen am Steigerschacht und zur Nachbargrube von Villeroy & Boch hergestellt hatte, als Flucht- und Wetterschacht (40024-12, Nr. 240, Blatt 78). Allerdings war die Feuersicherheit übertage bei den üblicherweise nur aus Holz errichteten Bauten nicht gegeben. Da die Schächte auf der Hängebank auch keine Brandklappen besaßen, ordnete das Bergamt am 28. März an, alle Gebäude mit einem feuerhemmenden Schutzanstrich zu versehen (40024-12, Nr. 240, Blatt 76). Auch in seinen Fahrberichten vom 14. und 24. März fand der Berginspektor keine Veranlassung zu anderen Ausstellungen (40024-12, Nr. 240, Blatt 83ff), fragte aber am 29. April bei der Werksleitung nach, wann und wie man die Schachtkauen „in einen einigermaßen feuersicheren Stand“ setzen wolle. Obersteiger Feldmann gab daraufhin an, daß man Kalkmilch beschafft habe und am 1. Mai mit dem Auftragen beginnen werde (40024-12, Nr. 240, Blatt 85). Bei seiner Befahrung am 9. Juni 1905 fand Herr Roch dies denn auch ausgeführt vor (40024-12, Nr. 240, Blatt 87). Inzwischen hatte die Rühle'sche Werksleitung auch die meisten anderen Haspeln mit Sperrklinken ausgerüstet, wobei der Berginspektor jedoch bemerkte, daß die Haspler sie nicht einlegten. „Angeblich empfanden die Haspler das Schnarren der Klinken unangenehm,“ notierte er, was aber als Grund für ihre Nichtbenutzung nicht hingenommen werden könne. Am 4. Mai hatte Obersteiger Feldmann die Genehmigung zum Abteufen eines neuen Fahr- und Förderschachts im Johannschacht‘er Grubenfeld zur Aufschließung eines neu erworbenen Abbaufeldes auf Parzelle 72 in Löthain beantragt (40024-12, Nr. 240, Blatt 80). Bis zum 9. Juni war man damit auf 9 m Teufe niedergekommen (40024-12, Nr. 240, Blatt 87). Am 7. und 17. August 1905 befuhr Berginspektor Scholz sämtliche Gruben der Löthain- Meißen‘er Tonwerke, fand aber – außer dem Umstand, daß auch er beobachtete, daß die Sperrklinken nicht eingelegt waren – keine Veranlassung zu Anordnungen (40024-12, Nr. 240, Blatt 91ff). Im September 1905 teilte Obersteiger Feldmann auch mit, daß Heinrich Rühle das von Villeroy & Boch aufgelassene Grubenfeld erkauft habe und daß man plane, den in tieferer Sohle hier noch anstehenden Ton zu gewinnen (40024-12, Nr. 240, Blatt 94). Ob Herr Rühle dies schon früher geplant hatte und deshalb den Querschlag von der Grube Freiberg aus hat auffahren lassen, kann er uns nicht mehr verraten – jedenfalls rentierte sich nun dieser Aufwand. Auch als Herr Roch am 4. Oktober 1905 wieder vor Ort war, zeigte er sich mit dem Ausbau des Johanna- und des Friedrich August- Schachts zufrieden, aber bei den hölzernen Bauten übertage war auch hier noch der Brandschutz zu bemängeln. Die Wasserhaltung wurde hier mit einer Windturbine angetrieben und da die zusitzenden Mengen nicht groß waren, reichte deren nur zeitweiliger Gang völlig aus. Angelegt waren hier in der Tagschicht 21 Mann, in der Nachtschicht nur vier Förderleute (40024-12, Nr. 240, Blatt 74). Anschließend fuhr er mit Steiger Weber noch auf dem Steiger- und auf dem Thiemannschacht an. Auch hier fand er untertage nichts Ernsthaftes zu kritisieren, nur bei den übertägigen Gebäuden fehlte ebenfalls ein Feuerschutzanstrich. In dieser Grubenabteilung waren weitere 23 Mann angelegt, dazu noch einmal 5 Mann auf der Grube König Georg (40024-12, Nr. 240, Blatt 75). Über den neuen Schacht findet man in diesen Fahrberichten keine Bemerkungen, erst einen Tag später besichtigte Roch auch diesen und notierte im betreffenden Fahrbogen, daß der neue Schacht den Namen ,Kaiserschacht‘ erhalten habe (40024-12, Nr. 240, Blatt 97f). Einen Durchschlag auf die Baue am Johannaschacht hatte man bereits hergestellt. Im Oktober 1905 zeigte Feldmann auch noch an, daß man beabsichtigte, am Vaterlandschacht eine maschinelle Förderanlage einzubauen, die mittels einer 6 PS starken Lokomobile angetrieben werden solle. Inspektor Roch stimmte dem zu, wies aber darauf hin, daß auch bei der Amtshauptmannschaft diesbezüglich Genehmigung einzuholen sei (40024-12, Nr. 240, Blatt 95f). Als Inspektor Roch am 14. Dezember 1905 noch einmal zugegen war, hatte man mit dem Einbau bereits begonnen (40024-12, Nr. 240, Blatt 105).
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Bei den Venus'schen Tonwerken mußte Obersteiger Weiße
am 1. Februar 1905 anzeigen, daß südlich vom Katharinenschacht III
auf den bisherigen Versuchsstrecken das Tonlager „derartig geringmächtig
liegt, daß selbst Streckentriebe von 2 m lichte Höhe nicht möglich sind, da das
Wasser (...) durch die Firste brach.“ Die Versuchsstrecken wurden abgedämmt
und nun wurden erst einmal zwei Sumpfstrecke unterhalb des Füllortes von beiden
kurzen Stößen ausgehend getrieben, um mehr Wasser fassen zu können. Das wurde
auch genehmigt (40024-12, Nr. 189, Blatt 86).
Hierzu berichtete auch Berginspektor Roch am 18. Januar 1905, daß der Katharinenschacht III infolge des Wassereinbruchs beim Treiben der Versuchsstrecken ersoffen war, inzwischen aber wieder gesümpft, und nun wurde eine neue Verbindungsstrecke nach Ost angeschlagen. „Nach dem Einfallen einiger sichtbarer Schichten im Ton war aber zu befürchten, daß auch mit dem neuen Orte bald das wasserführende Hangende erreicht würde,“ meinte der Berginspektor (40024-12, Nr. 189, Blatt 91f). Über Kaschka war zu berichten, daß dort gerade ein Glückaufschacht IV geteuft wurde und 3 m niedergebracht war, das Kesselhaus war fertig, die neue Mannschaftsstube noch in Bau. Es fehlte noch der Feuerschutzanstrich und ein geeigneter Funkenfang am Schornstein. Der Kessel war in Betrieb und speiste eine im Schacht I eingebaute Membranpumpe (das Pulsometer?). Die Windturbine hatten „heftige Stürme zerstört,“ weswegen man die Dampfwasserhaltung vorzeitig in Betrieb nehmen mußte, wollte man nicht die Grube ersaufen lassen. Seitens der Amtshauptmannschaft ist daher am 16. Januar eine „Notstandsabnahme“ erfolgt. Bedauerlicherweise hat die Betriebsleitung aber vergessen, die Ingebrauchnahme auch beim Bergamt anzuzeigen und genehmigen zu lassen...
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Nach seinen Befahrungen im Februar 1905 hielt Herr Roch in seinen Fahrberichten fest, daß es auch am Katharinenschacht II einen Wassereinbruch gegeben hatte, der wegen der Fluchtstrecke zu den Teichertschächten auch das benachbarte Werk betroffen hatte. Inzwischen war der Schacht wieder gesümpft und die Aufsäuberung der Strecken im Gange. Am 15. Februar fand er am Glückaufschacht die Dampfwasserhaltung außer Betrieb, da man eine neue Windturbine beschafft hatte. „Sie unterscheidet sich von den üblichen Windturbinen dadurch, daß die Flügel unverstellbar und um ihre Längsrichtung (d. h. radial zum Windrade) gewölbt, sowie, daß die Radübersetzung des Motors eingekapselt und mit selbsttätiger Schmiervorrichtung versehen ist,“ fand er noch bemerkenswert (40024-12, Nr. 189, Blatt 99f). Bis zum März 1905 war man mit dem Glückaufschacht IV auf 19 m Teufe niedergekommen (40024-12, Nr. 189, Blatt 120). Am 8. April 1905 fand Herr Roch die Glückaufschächte schon wieder ersoffen vor. Das Wasser war bis 5 m unter Hängebank aufgegangen. Steiger Stephan berichtete, daß es keinen eigentlichen Wassereinbruch gegeben hatte, nur der Zudrang sich so vermehrt habe, daß sie mit der einen Membranpumpe nicht zu halten waren. Außerdem hat man das Aufsichtspersonal durch Friedrich Emil Raabe, zuvor als Schachtzimmerling auf der Kaisergrube in Gersdorf tätig, verstärkt (40024-12, Nr. 189, Blatt 121f). Am 7. August 1905 wurde Herr Roch durch Inspektor Scholz vertreten, der in seinem Fahrbericht festhielt, daß bei den Glückaufschächten mit Gegenortbetrieb eine neue Verbindungsstrecke aufgefahren wurde, da die alte nach dem Absaufen noch nicht wieder hergestellt war. Der Abbau war deshalb unterbrochen. Bei den Augustinenschächten war alles in Ordnung, am niederen Schacht wurde gerade der Sumpf umgebaut (40024-12, Nr. 189, Blatt 138). Am Katharinenschacht III wurde anstelle der Lokomobile nun eine „Benzinmotoranlage“ zum Antrieb der Wasserhaltung gebaut. Diesmal war alles ordentlich genehmigt, die Fertigstellung wurde der Amtshauptmannschaft und dem Bergamt angezeigt und am 7. September 1905 erfolgte die Abnahme durch das Bergamt und Genehmigung der Inbetriebsetzung durch Berginspektor Scholz (40024-12, Nr. 189, Blatt 146). Als „Feuerschutzanstrich“ der meist nur hölzernen oder Fachwerk- Gebäude diente übrigens „mit Antimerulion gemengte Kalkmilch.“ Diese Bemerkung war uns ein Nachsuchen wert, wobei wir in Merck’s Warenlexikon, 3. Auflage vom Jahr 1884, fündig geworden sind. Dort steht auf S. 653 zu lesen: „Antimerulion, ein von Dr. H. Zerener erfundenes und für das deutsche Reich patentiertes Schutzmittel gegen Schwamm in Gebäuden, 1 kg flüssiges oder trockenes A. halb mit Wasser verdünnt schützt 8 qm Holzwerk gegen Schwamm. - Zoll gem. Tarif Nr. 5 h, da der Hauptbestandteil kieselsaures Natron sein soll.“ Auch in Dingler’s Polytechnischem Journal, fanden wir im Band 282, Jahrgang 1890, S.133, einen Artikel über Surrogate im Hochbauwesen, eine vergleichende Studie von O. Gruner, damals erster Baukommissar in Dresden, wo man lesen kann: „So lebhaft man auch das Bedürfniss empfunden hat, den hölzernen Gebälken einen grösseren Widerstand gegen Feuer und Wasser (Schwamm) oder Luftmangel (Trockenfäule) zu verleihen, findet man sich doch immer mehr mit dem Gedanken ab, dass das Holz diesen Ansprüchen nie gerecht werden wird. Erfüllten die feuersicheren Imprägnirungen das, was sie versprechen, oder auch nur, was man billiger Weise von ihnen verlangen kann, so wäre die Lösung des Problems hinsichtlich Feuersicherheit eine sehr einfache. Auch an Holzconservirungsmitteln zur Verhütung des Schwammes fehlt es eigentlich nicht; das Carbolineum z. B. leistet in dieser Hinsicht unter Umständen wirklich gute Dienste; auch das Antimerulion von H. Zerener (D. R. P. Nr. 378), eine Mischung von Kieselguhr mit 6 Proc. Chlornatrium und 3 Proc. Borsäure, mit Wasserglas aufgestrichen, mag von Nutzen sein...“ Das Antimerulion wurde übrigens von der Chemischen Fabrik Gustav Schallehn in Magdeburg bezogen. Nachdem wir nun wissen, was das war, kehren wir wieder zum Betrieb bei den Venus'schen Tonwerken zurück. Von seinen Befahrungen im Juli 1905 berichtete Inspektor Roch, daß auf dem Katharinenschacht III nun „zwei Saug- und Hub- Pumpen“ eingebaut und beide Schächte II und III in gutem Zustand waren. Auch die Fluchtstrecke zwischen beiden Schächten war nun durchschlägig, aber mußte noch aufgesäubert werden, ebenso die Strecke zu den Teichertschächten, die gab´s ja auch noch (40024-12, Nr. 189, Blatt 148ff). Im September 1905 waren dann endlich auch alle Brandschutzanstriche bei den Fundgrubeschächten erfolgt (40024-12, Nr. 189, Blatt 159ff).
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Die Jahrbuchausgabe von 1906 berichtet uns wieder über das
Vorjahr:
VI. Wichtige Ausführungen und Betriebsvorgänge bei den gewerblichen Gruben. 1. Neue
Lagerstättenaufschlüsse und geognostisch oder bergmännisch „1. In der Nähe der Grenze des Grundstücks, unter welchem die Firma Otto Kauffmann zu Niedersedlitz (8) in Schwochau Ton abbaut, traten am 28. Dezember des Berichtsjahres beim Bohren eines Firstenloches, welches der Betriebsleiter zur Untersuchung der Lagerstätte bohren ließ, Schlagwetter aus, glücklicherweise in so geringer Menge, daß sie keinen Schaden anrichteten. Das Bohrloch wurde sofort wieder verstopft. Die angestellten Erörterungen ließen, obwohl rißliche Unter lagen darüber fehlen, erkennen, daß die Schlagwetter aus dem Überbau einer benachbarten untertägigen Tongewinnung, die vor etwa einem Jahr zehnt zum Erliegen gekommen ist, stammen. Eine weitere Erklärung über das Entstehen von Schlagwettern in Tongruben als diejenige im Jahrbuche für das Berg- und Hüttenwesen im Königreiche Sachsen, Jahrgang 1902, A, Seite 19 und Jahrgang 1904, B, Seite 237 gegebene, brachte dieses Schlagwettervorkommen nicht. — Für die in Rede stehende Grube wurde Sicherheitsgeleucht vorgeschrieben und eingeführt.“ 2. Schacht- und Maschinenanlagen. „1. Um für den südlichen Teil des Grubenfeldes der zu den Kaschka- Mehrener Tonwerken (7) gehörigen ,Fundgrube' in Kaschka einen kürzeren Förder- und Wetterweg zu erhalten, wurde 120 m südlich von dem bisherigen einzigen Hauptschachte ein diesem gleichwertiger Schacht von 23,2 m Teufe niedergebracht. In dem im Vorjahre abgeteuften Katharinenschacht III derselben Werke in Mehren baute der Unternehmer, um dem zuweilen sich vervielfachenden Wasserzuflusse unter Tage gewachsen zu sein und eine Wiederholung des Ersaufens dieser Grube zu vermeiden, eine zweite Schachtpumpe ein und stellte zu deren Antrieb einen vierpferdigen Benzinmotor neben der Schachtkaue in einem Gebäude auf, welches gegen Feuersgefahr in zweckdienlicher Weise geschützt ist. 2. Von dem im Vorjahre in Löthain abgeteuften Hoffnungsschachte der Rühleschen Löthain-Meißner Tonwerke (10) wurde eine Flucht- und Wetterverbindung nach der Grube II der Meißner Ofen- und Porzellanfabrik (vorm. C. Teichert) (16) getrieben und nach deren Durchschlag die erstgenannte Grube zum Abbau vorgerichtet. — Bei Grube Vaterland der Rühleschen Tonwerke (10) wurde nach dem ebenfalls im Berichtsjahre erfolgten Abteufen eines Flucht- und Wetterschachts für die Schachtförderung eine Gestellförderanlage mit Dampfantrieb eingebaut. Der Antrieb erfolgt durch eine sechspferdige Lokomobile. — Die Friedrich August- und Johannaschachter Grube wurde durch Erwerbung des Tonunterirdischen der Parzelle 72 Löthainer Flur nach Westen wesentlich erweitert und erhielt als neuen dritten Förderschacht den Kaiserschacht. (...) 4. Die Meißner Ofen- und Porzellanfabrik (vorm. C. Teichert) (16) hat in Mohlis einen 18 m tiefen Versuchsschacht geteuft und von diesem zur Untersuchung des dortigen Tonlagers Strecken getrieben. Da schon beim Teufen ziemlich viel Wasser zusaß, wurde eine achtpferdige Lokomobile, welche in einen feuersicher gestrichenen Schuppen gestellt worden ist, zum Antriebe einer Saug- und Hubpumpe beschafft.“
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Aus dem Jahr 1906 berichtete Berginspektor
Roch in seinem ersten Fahrbogen vom 4. Januar über die Rühle’schen Tonwerke
in Löthain, daß man den Schacht der Grube Freiberg erweitere, dabei aber
Wasser und Schwimmsand in den Schacht eingedrungen sei. Mit Getriebezimmerung
konnte man die fragliche Schicht aber ohne größere Probleme sichern. Dieselbe
Schicht sei früher auch beim Abteufen der benachbarten Grube 1 der
Meißner Ofen- und Porzellanfabrik, vormals C. Teichert, angefahren
worden. Dort sei der Wasserzulauf in gleichem Maße zurückgegangen. Für die
Arbeiter beim Schachtumbau sind „wasserdichte Anzüge“ angeschafft worden
(40024-12, Nr. 240, Blatt 106). Am 12. Januar wurde auch die Betriebserlaubnis
für die Dampfförderanlage am Vaterlandschacht erteilt. Bei seiner
Befahrung der Grube Hoffnung am 22. Januar 1906 fand er auch hier
einschließlich der bestehenden Fluchtstrecke zur Grube 2 der Meißner
Ofen- und Porzellanfabrik alles in Ordnung (40024-12, Nr. 240, Blatt 107).
Am 27. März 1906 zeigte Obersteiger Feldmann bei der Berginspektion an, daß man den Betrieb am Bismarckschacht in Kaschka bei Oberjahna, der seit sechs Jahren geruht hatte, noch einmal aufnehmen wolle und dazu den Schacht neu ausgezimmert habe. Weil es hier nur noch um den Abbau von zwei kleinen Restpfeilern ging, erbat er zugleich Dispens, einen zweiten Fluchtschacht niederbringen zu müssen (40024-12, Nr. 240, Blatt 108). Nachdem Herr Roch sich am gleichen Tage alles angeschaut hatte, stimmte er namens der Berginspektion am 2. April 1906 unter der Bedingung zu, daß höchstens 5 Arbeiter untertage angelegt werden dürfen (40024-12, Nr. 240, Rückseite Blatt 108ff). Bei seiner Anwesenheit auf der Grube Freiberg am 10. April 1906 waren in der tieferen Sohle die ersten zwei Ausrichtungsstrecken im Vortrieb begriffen. Eine Fluchtstrecke zum Thiemannschacht wollte man auffahren, sobald die Ausrichtungsstrecken einige Erlängung erreicht haben (40024-12, Nr. 240, Blatt 119f). Am 11. Mai hat Inspektor Roch die Grubenabteilung Johanna-, Friedrich August- und Kaiserschacht befahren und hatte einmal überhaupt nichts zu bemängeln gefunden, selbst der Feuerschutzanstrich der Schachtkauen war erfolgt (40024-12, Nr. 240, Blatt 122). Am 26. Juni 1906 erteilte Roch außerdem seine Zustimmung, am Kaiserschacht ein zweites Füllort in tieferer Sohle anzuhauen (40024-12, Nr. 240, Rückseite Blatt 123). Bei einer Befahrung der Rühle’schen Tonwerke im Juli 1906 nahm auch Bergrat Borchers vom Bergamt in Freiberg teil (40024-12, Nr. 240, Blatt 127). Zu beanstanden fand man nichts. Für seine Grube Meißen hatte H. Rühle eine zweite Dampfförderanlage angeschafft, die der im Vorjahr am Vaterlandschacht aufgestellten entsprach. Die Betriebserlaubnis seitens der Berginspektion erteilte Herr Roch am 11. Oktober 1906 (40024-12, Nr. 240, Blatt 124). Im Oktober 1906 übernahm dann Inspektor Bachmann das Amt von Herrn Roch in der Berginspektion.
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Auf den 24. Januar 1906 datiert ein Schreiben
der Betriebsleitung der J. G. Venus'schen Tonwerke an das Bergamt, in welchem
man mitteilte, daß man die zwei
Mügeln- Schächte der Ofen-, Porzellan und Ton- Fabrik Mügeln GmbH in Mehren
erworben habe (40024-12, Nr. 189, Blatt 169).
Für die Jahre 1906 bis 1907 reichte die Betriebsleitung auch einen Betriebsplan ein, in dem folgende Ausführungen vorgesehen wurden (40024-12, Nr. 189, Blatt 165f): Bei den Katharinaschächten sollte eine zweite Verbindungstrecke von der tiefen Abbausohle am Schacht II zur oberen am Schacht III aufgefahren werden. Am Schacht II erfolgte nur noch Restpfeilerabbau auf der oberen Sohle, am Schacht III dagegen die Ausrichtung der oberen Sohle nach Norden. Auf den Glückaufschächten waren bei Schacht III alle Strecken mit Abraum ausgesetzt und vom Schacht II aus war Streckenvortrieb zur Erkundung der Ausdehnung des Tonlagers vorgesehen. Bei den Augustinenschächten waren nur noch zwei Baue in Betrieb, hier sollte aber nun ebenfalls ein neuer Schacht III geteuft werden und nach der Herstellung einer Verbindungsstrecke nach Schacht I sollte Schacht II abgeworfen werden. Schließlich war bei Fundgrube am Schacht I weiterer Abbau nach Nordwesten geplant, am Schacht II waren nur noch Restpfeiler abzubauen, am Schacht III war die Feldgrenze zu den Teichert’schen Steingutthonschächten erreicht. In seiner Stellungnahme vom 22. Februar 1906 hatte Berginspektor Roch keine besonderen Einwendungen dazu, nur, da die Glückaufschächte „neuerdings wieder vollständig ersoffen sind“, möchte nach derem Sümpfen für diese ein neuer Betriebsplan einzufordern sein. Nach den Ergebnissen einer Vorbohrung am neuen Augustinenschacht- Standort gab es wieder wasserführende Sande im Hangenden, weswegen beabsichtigt sei, einen eisernen, ringförmigen „Senkschuh“ von 3 m lichter Weite, mit Ziegelmauerwerk belastet, zur Durchsinkung der Schicht einzusetzen.
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Über seine Befahrung am 27. März 1906 hielt Inspektor Roch fest, daß die Glückaufschächte noch immer ersoffen waren. Das Wasser lief „an der Rasensohle des unteren Schachtes noch beträchtlich ab.“ Wenn der Zulauf abnimmt, sollen sie mittels der Lokomobile gesümpft werden und wenn der Pulsator am oberen Schacht wieder frei fällt, sollte das weitere Sümpfen schneller gehen (40024-12, Nr. 189, Blatt 175). Bei den Augustinenschächten hatte man das geplante Schachtabteufen noch nicht begonnen. Stattdessen beantragte J. G. Venus am 11. Juni 1906 erst einmal die Genehmigung für das Absenken eines neuen Schachtes 80 m nordwestlich vom Fundgrube Schacht I in Kaschka, um die Förderwege dort zu verkürzen. Dessen Teufe sollte nur rund 8 m erreichen und anschließend sollte der Sicherheitspfeiler am Schacht II abgebaut werden. Der Berginspektor äußerte keine Bedenken, nur die üblichen Sicherheitshinweise (40024-12, Nr. 189, Blatt 176f). Der Fahrbericht vom 11. Mai 1906 sagt uns, daß der untere Glückaufschacht nun gesümpft war, im oberen Schacht dagegen waren die noch immer starken Zuläufe nicht niederzuhalten. Die Verbindungsstrecke hat sich durch das Aufquellen des Tones „von selbst wasserdicht geschlossen.“ Anstelle des oberen Schachtes sollte nun ein zusätzliches Fluchtschächtchen geteuft werden (40024-12, Nr. 189, Blatt 178). Am 26. Juni 1906 fand Herr Roch dann das Abteufen am Augustinenschacht III im Gange, wo man aber durch den Schwimmsand aufgehalten war. Man setzte nun den eisernen Senkkasten ein. Sonst fand der Inspektor nichts zu erinnern (40024-12, Nr. 189, Blatt 179f). Das Abteufen des Augustinenschachts III ging auch im Juli nur langsam voran, da der starke Wasserzulauf mit der Lokomobile gehalten werden mußte und viel lockerer Sand immer wieder ein Hinterfüllen der Spundwand erforderlich machte (40024-12, Nr. 189, Blatt 182f). Stattdessen zeigte Obersteiger Weiße dann am 8. September 1906 im Bergamt an, daß man vom 31. Juli bis 27. August das Fluchtschächtchen „welches in die Scheibe des seit vielen Jahren verfüllten Glückaufschachts I fällt“ geteuft habe, es hatte nur 1 m x 1 m lichtes Profil und 15 m Teufe. Die Strecken nach dem ersoffenen Schacht III waren dicht verdämmt und eine Verbindung zu Schacht II aufgefahren. Zurzeit waren zwei Streckenörter belegt, mit denen schon die Grenzen des vor 12 Jahren abgebauten Feldteiles erreicht waren, „wie man an dem noch vollständig gefundenen alten Bauholz sah.“ (40024-12, Nr. 189, Blatt 185f) Am 26. November 1906 war Berginspektor Bachmann auf den Venus'schen Gruben und berichtete, daß nun auch das Schachtabteufen bei Fundgrube im Gange war, man aber erst 3 m unter Rasensohle stand. Den Abbau des Sicherheitspfeilers des Schachts II hatte man aufgenommen. Alle drei Schächte wurden für in gutem Stand befunden. Auch die Mügelnschächte sowie deren Verbindungsstrecke waren in gutem Stand. Der Förderschacht verfügte ebenfalls über eine Windturbine zur Wasserhaltung sowie über einen Benzinmotor, falls der Wind nicht ausreichte. Angelegt waren hier 6 Tonschläger und 4 Förderleute. Den Augustinenschacht III dagegen hatten man bei zirka 15 m Teufe (davon 7,5 m im Schwimmsand) eingestellt, da die insgesamt rund 12,8 m starke, wasserführende Sandschicht nicht durchsunken werden konnte. Er wurde wieder verfüllt und nun wurde 20 m weiter südlich ein neuer Schacht III geplant (40024-12, Nr. 189, Blatt 188f). |
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Die Jahrbuchausgabe 1907 nennt uns sechs Jahre nach der
ersten zu den gewerblichen Gruben erschienenen
Während es zum einen immer noch kleine ,Eigenbetriebe',
wie etwa die von Benndorf in Löthain oder der Rittergutsbesitzer in
Graupzig gegeben hat, macht sich auf der anderen Seite hier bereits eine
Konzentration auf immer weniger Besitzer, unter denen die Unternehmer
Teichert und Rühle hervorzuheben sind, bemerklich. Dieser
Über betriebliche Besonderheiten des Jahres 1906 findet man Angaben wieder im Abschnitt VI. Wichtige Ausführungen und Betriebsvorgänge bei den gewerblichen Gruben. 1. Neue
Lagerstättenaufschlüsse und geognostisch oder bergmännisch „Ein bereits 15 m niedergebrachter Schacht der Kaschka- Mehrener Tonwerke (7) in Mehren (Augustinenschacht III) mußte wegen der vorhandenen Schwimmsandschicht von 15 m Mächtigkeit aufgegeben werden, nachdem bereits 7,5 m Schwimmsand durchteuft waren. An Stelle des aufgegebenen Schachtes soll etwa 20 m weiter südlich ein Schacht geteuft werden, da man dort durch ein Bohrloch eine Schwimmsandschicht von nur 3,3 m Mächtigkeit festgestellt hat.“ 2. Schacht- und Maschinenanlagen. „1. Auf Flurstück Nr. 19 des Flurbuchs für Kaschka wurde, um kürzere Förderwege zu erhalten, von den Kaschka- Mehrener Tonwerken (7) ein neuer Schacht (Fundgrube Schacht IV) abgeteuft, der jedoch erst Anfang 1907 vollständig niedergebracht worden ist,. Auf Mügelnschacht II derselben Firma, auf dem bereits ein 4 pferdiger Benzinmotor zum Zwecke der Wasserhaltung steht, ist noch eine Windturbine aufgestellt worden, um einen Teil der Ausgaben für Benzin, das im Berichtsjahre im Preise sehr in die Höhe gegangen ist, zu ersparen. (...) 4. Auf Grube ,Meißen' der Rühleschen Löthain- Meißner Tonwerke (10) wurde für die Schachtförderung eine Gestellförderanlage mit Dampfbetrieb eingebaut. Der Antrieb erfolgt ebenso wie auf Vaterlandschacht derselben Firma durch eine 6 pferdige Lokomobile. Auf Kaiserschacht genannter Firma wurde zum Zwecke der Wasserhaltung eine Windturbine aufgestellt. 5. Die Firma Ernst Teichert (22) in Meißen hat im Jahre 1906 auf dem Flurstücke Nr. 53 des Flurbuchs für Schletta einen Schacht (III) niedergebracht, um den Schacht I verfallen und den Sicherheitspfeiler für diesen Schacht abbauen zu können.“
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Über die Betriebsvorgänge bei den Rühle’schen
Tonwerken in Löthain berichtete Inspektor Bachmann in seinen
Fahrberichten vom 14. und vom 29. Januar 1907 nur Gutes. Der Steiger- und
der Thiemannschacht sowie der Georgschacht und der zugehörige
Flucht- und Wetterschacht waren sämtlich ohne Beanstandungen, auch deren
Verbindungsstrecken vollkommen in Ordnung. Am Georgschacht waren 8 Mann
und in der Abteilung Steiger- und Thiemannschacht 15 Mann
untertage angelegt. Auch beim Förder- und beim Fluchtschacht der Grube
Vaterland fand der Inspektor keine Veranlassung zu Anordnungen (40024-12,
Nr. 240, Blatt 138f).
Am 16. Februar 1907 ist der langjährige Betriebsleiter, Obersteiger Feldmann, infolge eines Schlaganfalls plötzlich und unerwartet verstorben. Seine Funktion übernahm kommissarisch zunächst Steiger Angermann (40024-12, Nr. 240, Blatt 140). Am 26. Februar teilte Prokurist Boitz namens der Geschäftsführung an das Bergamt mit, daß als neuer Obersteiger Hermann Pfeiffer angestellt werden solle (40024-12, Nr. 240, Blatt 141f). Derselbe stammte aus Hettenleitelsheim in Rheinlandpfalz, hatte in Hildburghausen und Bingen das Technikum besucht und war zuvor im Saarrevier, zuletzt bei den Pfälzischen Tonwerken Hagenburger, Schwalb & Co. in Hettenleitelsheim bereits als Betriebsleiter tätig. Derweil hat Inspektor Bachmann Ende Februar den Bismarckschacht in Oberjahna befahren. Auch hier fand er alles in Ordnung vor (40024-12, Nr. 240, Blatt 146). Die erste Amtshandlung des neuen Obersteigers Pfeiffer für die Rühle’schen Tonwerke bildete der Genehmigungsantrag für einen neuen Schacht auf Parzelle 76 in Löthain am 9. April 1907. Er sollte etwa 30 m Teufe erreichen und mit der benachbarten Grube Hoffnung durchschlägig gemacht werden. Für die Förderung sollte eine gleichartige Dampfförderanlage, wie am Hoffnungschacht angeschafft werden (40024-12, Nr. 240, Blatt 148). Inspektor Bachmann hatte keine Einwände vorzubringen.
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Am 12. April 1907 befuhr Inspektor
Bachmann die Schächte der Grube Hoffnung, ohne in seinem Fahrbericht
Mängel beanstanden zu müssen. Auch bei seiner Befahrung in der Abteilung
Johanna-, Friedrich August- und Kaiserschacht am 17. April
fand er alle Schächte in gutem, baulichen Zustand vor (40024-12, Nr. 240, Blatt 152f).
Lediglich bei der Kaue über dem Johannaschacht, wo man zuletzt einige
Schalbretter ausgewechselt hatte, war der Feuerschutzanstrich noch nicht wieder
aufgebracht.
Am 24. April 1907 beantragte Obersteiger Pfeiffer dann, daß auch er – wie sein Vorgänger – die Grubenrisse selbst nachbringen dürfe (40024-12, Nr. 240, Blatt 151). Auch dagegen hatte Inspektor Bachmann keine Bedenken vorzubringen. Schließlich besuchte Bachmann am 30. April auch noch das Schachtabteufen auf Parzelle 76, wo man bis dahin auf 18 m Teufe gekommen war. Erinnerungen hatte er auch hier nicht zu machen (40024-12, Nr. 240, Blatt 153). Nachdem Inspektor Bachmann im Juni 1907 wieder in Löthain war, notierte er im Fahrbericht, daß der Tonabbau am Georgschacht in Löthain, wie auch am Bismarckschacht in Oberjahna beendet sei und die Schächte verfüllt werden (40024-12, Nr. 240, Blatt 155). Nach seiner Befahrung vom 17. August berichtete Herr Bachmann, daß auch bei der Grube Meißen der Abbau „wegen zu geringwertigen Tones“ eingestellt und der Schacht bereits verfüllt sei (40024-12, Nr. 240, Blatt 160). Im September ließ Herr Rühle in Kaschka aber wieder neue Bohrungen stoßen (40024-12, Nr. 240, Blatt 162). Am 17. Juli hat Heinrich Rühle bei der Amtshauptmannschaft in Meißen auch die Genehmigung zur Errichtung einer Förderseilbahn zwischen dem neuen Schacht II südwestlich und dem Hoffnungschacht nördlich des nach Lobschütz führenden Weges beantragt (40024-12, Nr. 240, Blatt 156). Die Berginspektion befürwortete das Vorhaben. Bei seiner Befahrung am 22. Oktober 1907 fand Inspektor Bachmann die Anlage am Schacht I bereits betriebsbereit vor, während man am Schacht II noch das Seilscheibengerüst aufstellte (40024-12, Nr. 240, Blatt 170). Die Baugenehmigung der Amtshauptmannschaft erging allerdings erst am 18. November des Jahres (40024-12, Nr. 240, Blatt 173). Erst im folgenden Jahr wurde die Anlage fertig. In der Zwischenzeit hatte Heinrich Rühle die vormals Venus’schen Tonwerke in Mehren und Kaschka erworben. Die Restarbeiten am Bismarckschacht beaufsichtigte daher nun „aus Zweckmäßigkeitsgründen“ der dort angestellte Obersteiger Weiße mit. Daneben hielt Bachmann in seinen Fahrberichten vom November 1907 nur fest, daß er auch auf den anderen Grubenabteilungen der Rühle’schen Tonwerke keine Mängel zu beanstanden gefunden habe (40024-12, Nr. 240, Blatt 173). |
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Über die Übernahme der Venus'schen Tongruben
durch Heinrich Rühle haben wir eine ausführliche Mitteilung in der ,Keramischen
Rundschau' gefunden, wo es heißt (Jahrgang
XV,
Nr. 21, Mai 1907, S. 492f):
Vereinigung der Kaschka- Mehrener Tonwerke mit den Löthain- Meißner Tonwerken. „Wie uns durch Zirkular mitgeteilt wird, sind die seit einer langen Reihe von Jahren bestehenden Kaschka- Mehrener Tonwerke J. G. Venus, Sitz in Meißen, von dem Inhaber der rühmlichst bekannten Löthain- Meißner Tonwerke, Herrn Heinrich Rühle, auf Katharinenhof Meißen, erworben worden. Aus wohlerwogenen Gründen werden beide Firmen weitergeführt. Wir bringen damit die Mitteilung über ein industrielles Ereignis, das wir insofern als dem Zuge der Zeit entsprechend bezeichnen möchten, als sich immer mehr in der Industrie das Bestreben geltend macht, größere renommierte Betriebe zu einem einheitlichen Ganzen zu vereinigen, um dadurch eine möglichst weitgehende Vielseitigkeit in der Leistungs- bezüglich Lieferungsfähigkeit bei Vereinfachung des Verwaltungs- Apparates herbeizuführen. Sowohl die Löthain- Meißner Tonwerke, Heinrich Rühle, als auch die Kaschka- Mehrener Tonwerke, J. G. Venus, sind ja seit Jahren in der ganzen keramischen Branche, sei es in der Porzellan-, Steingut-, Fliesen- und Ofenfabrikation, ferner auch in der Glasindustrie, wie in allen verwandten Industriezweigen, die mit edleren Tonen zu arbeiten pflegen, zu bekannt, als daß wir Veranlassung hätten, uns darüber des Weiteren zu verallgemeinern. Es wird genügen, wenn wir zur Charakteristik der ganz bedeutenden Grubenbetriebe einige kurze Angaben machen. Die beiden vereinigten Tongrubenwerke beschäftigen in 25 Schächten etwa 250 Arbeiter und Angestellte, in einigen Schächten ist Dampfförderung eingerichtet. Von besonderem Interesse für die Maschinenindustrie wird die Angabe sein, daß dabei nicht weniger als 10 Windmotoren, System Reinsch und Brauns, und 10 andere Kraftmaschinen in Form von Dampfmaschinen (Lokomobilen usw.) und Benzinmotoren, teils zur Hebung des Tones, teils für die Wasserhaltung Verwendung finden. Es gebührt dabei Herrn Heinrich Rühle das Verdienst, daß er die Verwendbarkeit der Windmotoren oder Windturbinen für den Tongrubenbetrieb zuerst voll zu schätzen wußte und für ihre Einführung in der keramischen Industrie für diese Zwecke von maßgebendem Einfluß war. Wie vielseitig der Charakter und der Wert der gewonnenen Tonsorten ist, geht daraus hervor, daß die Preise derselben in den weiten Grenzen von Mk. 60 bis 500, ja bis 1.000 für 10.000 Kilo schwanken und dürften die hochwertigen Tone wohl vor allem für den Export mit in Betracht kommen, denn die vorgenannten Werke werden nach wie vor ihre Aufgabe mit darin sehen, nicht nur für den Inlandsbedarf, sondern auch für den Auslandsbedarf eine wichtige Bezugsquelle zu bilden. Ständig auf der Suche nach neuen Lagerstätten, besonders von Steinguttonen und stets bestrebt, den verbesserten Betrieb in voller Leistungsfähigkeit zu erhalten, sind wiederum neue Schachtanlagen auch in Mauerung im Abteufen begriffen, so daß die seit 1843 bestehende Löthainer Tonindustrie und die seit 1863 bekannte Kaschka- Mehrener Industrie ihren alten Ruf nicht nur zu erhalten, sondern weiter zu heben bestrebt sind. Wir glauben dem Interesse der Allgemeinheit zu dienen, wenn wir in den nächsten Nummern ausführliche Berichte über Untersuchungsergebnisse mit neuen Tonfunden bringen, die vor allem für die feinere Keramik in weitgehendem Maße in Betracht kommen dürften.“ Tatsächlich veröffentlichten die Herausgeber der Zeitschrift auch schon einen Monat später (Jahrgang XV, Nr. 23, Juni 1907, S. 538f): folgende Mitteilungen aus dem
Anmerkung: Dr.-Ing. Carl Loeser in Halle war Mit- Herausgeber der Zeitschrift und lobte das beprobte Material wie folgt: „ln den vergangenen Wochen wurden im Laboratorium des Technisch-chemischen Unterrichtsinstitutes für die Ton-, Mörtel- und Glasindustrie, Halle a. S., verschiedene edlere Tone der Vereinigten Löthain- Meißner Tonwerke, Heinrich Rühle auf Katharinenhof- Meißen und der Kaschka- Mehrener Tonwerke, J. G. Venus, Sitz in Meißen, einer eingehenden Untersuchung unterworfen. Es wird nicht ohne Interesse sein, über die dabei gemachten Befunde hier Mitteilung zu geben, da ja die Tonsorten der genannten Werke in der Keramik eine häufige Verwendung finden. Es wird denen, die mit diesen Tonen arbeiten, deshalb von Wert sein, das Verhalten bestimmter neuer Sorten bei verschiedenen Temperaturen kennen zu lernen, um nötigenfalls auf den hier gemachten Angaben im Betriebe fußen zu können. (...) Es soll nicht unterlassen werden, darauf hinzuweisen, daß also zwar die Untersuchung eines einzelnen Bohrkernes eine Gewähr für die Eigenart eines Tonfundes geben kann, nicht aber dafür, daß nicht wechselnde Schichten im Tonlager auftreten. Dies zu beurteilen muß Sache des Fachmannes bleiben, der die Bohrarbeiten überwacht und der durch sorgfältige äußere Feststellungen sofort herausfinden muß, ob eine Änderung in der Eigenart der Schicht eingetreten ist und ob demnach weitere Proben der Untersuchung unterzogen werden müssen, sei es aus wechselnden Schichten desselben Bohrloches, sei es aus Bohrlöchern an anderer Stelle. Beschreibung des rohen Tones. Dei Ton hatte im rohen Zustande eine graue bis graublaue Färbung. Der Bohrkern, der zur Untersuchung vorlag, war dabei mit bräunlichen Partien durchsetzt, die auf organische Einschlüsse rechnen ließen. Der Ton gab vor allem im lufttrocknen Zustande beim Reiben mit dem Finger einen guten Glanz und war lufttrocken auch recht hart, was Erkennungszeichen für gut plastische Tone zu sein pflegen. Schlämmprobe. Um einen etwaigen Gehalt an verunreinigenden, schädlichen bezüglich auch unschädlichen gröberen unplastischen Beimengungen zu erkennen, wurde ein Teil des Tones durch ein Sieb von 5.000 Maschen auf den qcm geschlämmt. Trotz der Feinheit dieses Siebes, das bei gewöhnlichen Tonuntersuchungen durch ein Sieb von 900 Maschen auf den Quadratzentimeter ersetzt zu werden pflegt, betrug der Rückstand auf dem 5.000 Maschensieb nur 0.28%. Derselbe bestand in der Hauptsache aus klaren zackigen Quarzkörnern, geringen Mengen von halbzersetzten bezüglich unzersetzten Silikatresten und vereinzelt kohligen Beimengungen, fast alles weit unter Stecknadelkopf- Größe, so daß dieser Rückstand seiner Menge und Art nach auch für feinkeramische Produkte als unschädlich zu betrachten ist, umsomehr, wenn die Masse einen Prozeß durchmacht, der die Ausschaltung dieser vereinzelten gröberen Körnchen bezweckt. Verhalten beim Verarbeiten und Trocknen. Das rohe ungeschlämmte Material war beim Anmachen mit Formwasser sehr bildsam. Es wurden auf 100 Teile ganz trocknen Ton 50,3 Teile Formwasser verbraucht, um den Ton in formweichen Zustand überzuführen. Mit anderen Worten: 100 Teile formweiche Masse gaben beim Trocknen 33,5% Feuchtigkeit ab. Dies sind Mengen, wie sie nur von hochplastischen Tonen verbraucht werden. Die geformten Stücke hatten ein sauberes Aussehen, waren sehr fest und ließen sich, wie schon erwähnt, im trocknen Zustande zu lebhaftem Glanz polieren. Auf der Oberfläche waren dieselben etwas eingefallen, ebenfalls eine Erscheinung, die sich bei sehr plastischen Tonen im ungemagerten Zustande häufiger zu zeigen pflegt. Dementsprechend war auch eine gewisse Empfindlichkeit des ungemagerten Tones vorhanden. Die Trockenschwindung betrug in Übereinstimmung mit dem Gesagten 9,6%. (...) Begutachtung. Bei dem vorliegenden Ton hat man es zweifellos mit einem hochplastischen, für feinkeramische Zwecke durchaus geeigneten Material zu tun, das vor allem für die Steingutfabrikation Verwendung finden dürfte. Infolge seiner schon bei geringen Temperaturgraden, wie sie für weiches Steingut in Betracht kommen, guten Härte und infolge seiner bei höheren Temperaturen, wie sie für hartes Steingut nötig sind, lebhafter ein¬ tretenden Verdichtung und ebenfalls großen Härte, ist das Material als Bindeton ausgezeichnet. Der Ton hat eine rein weiße Brenn-Farbe, die durch verunreinigende Beimengungen nicht beeinträchtigt wird. (...)“ Wenige Ausgaben später folgte noch ein zweiter Bericht über die Untersuchung eines zweiten Bohrkerns (Jahrgang XV, Nr. 27, Juli 1907, S. 636f), aus dem wir nur die Zusammenfassung zitieren: Begutachtung. „Aus den vorstehenden Befunden ergibt sich, daß man es bei dem vorliegenden Material mit einem Steingutton von tadellos weißer Brennfarbe zu tun hat, der in seiner natürlichen Zusammensetzung und in seinem ganzen Verhalten beim Trocknen und Brennen zu der Annahme berechtigt, daß man diesem Ton nur geringe Zuschläge an Fluß- und Magerungsmitteln zu geben braucht, um bei Mitverwendung von fetterem Zuschlagton bezl. auch Kaolin eine brauchbare Hartsteingutmasse zu erhalten. Dr.-Ing. Loeser.“ Herr Rühle wußte schon um Marketing Bescheid... Noch im folgendem Jahrgang der Zeitschrift standen folgende Inserate noch nebeneinander:
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![]() Die Inserate der Heinrich Rühle'schen Tonwerke in denselben Ausgaben bis zum Jahrgang XV, Nr. 27 vom 4. Juli 1907 (S. 641).
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![]() Die letzteren wurden dann um die Neuerwerbung ergänzt: In dieser Form haben wir sie das erste Mal im XV. Jahrgang, Nr. 28 vom Juli 1907 auf S. 665 gefunden.
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![]() Aus demselben Jahrgang (S. 843) stammt auch diese Anzeige, in der sich Herr Rühle von der Neugründung im Nachbarfeld unter ähnlichem Namen distanzierte.
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Berginspektor Bachmann war natürlich ebenso für die
vormals Venus’schen Tonwerke zuständig und berichtete unter dem 12. März 1907 über die
Fundgrube in Kaschka, daß ‒ außer Schacht
II,
wo man im Sicherheitspfeiler baute ‒ alle Schächte
I
bis IV
in gutem Stande waren. Der Abbau am Schacht
II
hatte dessen Sicherheitspfeiler aber noch
nicht wesentlich geschwächt. Bei den Katharinenschächten war Schacht
II
neu ausgebaut und nun wurde die
Verbindungsstrecke zwischen Schacht
II
und
III
„verumbrucht“, da sie stark
zusammengedrückt war (40024-12, Nr. 189, Blatt 192).
Am 6. April 1907 teilte Obersteiger Weiße unter Bezug auf Fundgrubeschacht II der Berginspektion mit, daß seit 1. April des Jahres Herr Heinrich Rühle neuer Inhaber der Kaschka- Mehrener Tonwerke ist. Der Schacht solle des Abbaus des Pfeilers wegen nicht noch einmal instandgesetzt werden, vielmehr verfüllt und zirka 15 m nach Nordwest ein neuer, zirka 11,5 m tiefer Schacht V niedergebracht werden (40024-12, Nr. 189, Blatt 193). Bei seinen Befahrungen im Mai 1907 fand Inspektor Bachmann wenig zu bemängeln, nur fiel wieder einmal auf, daß die Haspler die Sperrklinken nicht einlegten. Am 10. Mai 1907 zeigte Obersteiger Weiße auch an, daß Herr Rühle nun den neuen Augustinenschacht III absenken lasse und auch der Fundgrube Schacht V war in Angriff genommen (40024-12, Nr. 189, Blatt 196f). Eine weitere Episode aus diesem Jahr soll hier eingefügt sein, da sie einen Einblick in die Verhältnisse zwischen der (neuen) Geschäftsführung und der Betriebsleitung gibt: Am 16. Juni 1907 bat Obersteiger Weiße den früheren Berginspektor Roch um ein Gutachten über seine Betriebsführung während dessen Zuständigkeit im Revier, weil sich die Arbeiter beim neuen Besitzer über seine Betriebsführung beschwert hätten, es würde ihnen unter seiner Leitung heute „nicht mehr so leicht gemacht wie früher, überall, wo es den Leuten gefiel, einen Abbau herzurichten.“ (40024-12, Nr. 189, Blatt 199f) Eigentlich hatte Inspektor Bachmann dazu bereits notiert, daß die Angelegenheit „zu Zufriedenheit des Obersteigers erledigt sei und daß Rühle ihn ersucht habe, die Sache nicht an die große Glocke zu hängen.“ Indessen kam die Antwort von Inspektor Roch – inzwischen in Oelsnitz/E. tätig – an das Bergamt in Freiberg, ob er ein solches Gutachten überhaupt abgeben dürfe. Er könne „aber bezeugen, daß die von Weisse ausgeführten Schacht- und Streckenbauten während seiner Amtszeit als Vorstand der Berginspektion III durchaus notwendig waren und daß der Abbaubetrieb ein rationeller und im Allgemeinen (...) nicht hätte wesentlich erhöht werden können.“ Weiter schrieb er: „Man geht nicht fehl, wenn man annimmt, daß der jetzige Besitzer H. Rühle, nachdem er seit etwa zwei Jahren Tongrubenfelder zu ganz außergewöhnlich hohen Preisen, die einen Gewinn höchst unwahrscheinlich machen, erworben hat, bestrebt ist, auch auf Ratschläge unverantwortlicher Ratgeber hin, an allem zu sparen, so auch an der Schacht- und Streckenunterhaltung. Dies würde aber, was Rühle vielleicht nicht zu beurteilen vermag, nur auf Kosten der Sicherheit (...) geschehen können und bald auch pekuniäre Nachteile für den Unternehmer zeitigen. Für die behördlicherseits zu fordernde Sicherheit wäre es daher ein Nachteil, wenn Weisse, der die Freiberger Bergschule mit Erfolg durchgemacht und im Oelsnitzer Reviere bergmännische Erfahrungen gesammelt hat, einem weniger qualifizierten Betriebsleiter weichen müßte, zumal die Stelle des verstorbenen Obersteigers Feldmann in Löthain bereits mit einem Manne besetzt worden ist, der nicht Bergschulausbildung besitzt.“ Roch fügte abschließend noch hinzu, er meine, daß „eine kräftige Unterstützung Weisses gegen den sicherlich nicht uneigennützigen Einflüsterungen zugänglichen Betriebsunternehmer nicht nur der Person des um den Kaschka- Mehrener Tonbergbau ohne Zweifel verdienten Obersteigers Weisse, sondern der Betriebssicherheit im Meißner Tonrevier im Allgemeinen nützlich sein würde.“ (40024-12, Nr. 189, Blatt 201f) Ob auch Heinrich Rühle dieses Schreiben gelesen hat, wissen wir nicht. Aber auf den ihm schon gehörigen Löthain- Meißner Tonwerken war ja schon Hermann Pfeiffer als neuer Obersteiger eingesetzt ‒ der übernahm nun also die Funktion für beide Tonwerke. Obwohl nun beide Unternehmen, die Kaschka- Mehrener Tonwerke, vormals J. G. Venus, sowie die Löthain- Meißner Tonwerke H. Rühle, denselben Besitzer hatten, blieben sie als selbständige Einheiten bestehen und auch die Bergbehörde führte die Betriebsakten getrennt fort. |
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Die folgenden Fahrberichte von Inspektor
Bachmann berichten aus dem Jahr 1907 noch, daß man im Juni mit dem
Fundgrubeschacht V
das Tonlager bei 11 bis 13 m Teufe durchsunken hatte. Am neuen
Augustinenschacht III
ist mit dem Teufen begonnen worden. Am 2. Juli war dort bei 5 m Teufe unter
Rasensohle die Senkmauer eingebaut. Am 17. August stand man hier bei 13 m Teufe
und hatte bereits 3,2 m Schwimmsand durchteuft, zur Wasserhaltung war wieder die
Lokomobile eingesetzt. Die Schächte
I
und II
waren in gutem Stand und die Verbindungsstrecke wurde gerade in ihrem
druckhaften Teil mit einer 1½ Stein starken Ellipsenmauerung versehen. Das ist
bisher übrigens die erste Erwähnung in den Akten, daß man vom zeither üblichen
Holzausbau abging und wichtige Grubenbaue mit zwar kostenaufwendigerem, aber
dauerhafterem Ausbau versah (40024-12, Nr. 189, Blatt 206ff).
Am 5. September hat man dann nach Fertigstellung der Verbindungsstrecke zum Fundgrubeschacht V mit der Verfüllung des bisherigen Schachts II begonnen. Der Glückaufschacht III stand immer noch „voll Wasser.“ Das Teufen des Augustinenschachts III gelang auch jetzt wieder nicht: Die Senkmauer sank nicht weiter ab. Obersteiger Weiße ließ daher von Tage nieder die Senkmauer überteufen, um die Mantelreibung zu verringern. Erst am 26. September begann die Senkmauer dann, weiter abzusinken, blieb aber nur 1 m tiefer erneut stecken. Am 2. November notierte Bachmann hierzu, der Schacht solle nun „abschnittsweise von untern herauf“ durch Mauerung auf eisernen Ringankern (Das würden wir heute Hängeverbau nennen.) ausgebaut werden (40024-12, Nr. 189, Blatt 210ff). Dem Fahrbericht Bachmann's vom 27.
November 1907 ist noch zu entnehmen, daß der Bismarckschacht in Oberjahna
verfüllt wurde und der Augustinenschacht
III
vorläufig eingestellt worden ist (40024-12, Nr. 189, Blatt 229). Das Abteufen
des Augustinenschachts
III
wurde erst 14 Jahre später fortgesetzt und
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Auch in der nächsten Jahrbuchausgabe wird über betriebliche
Besonderheiten aus dem Jahr 1907 berichtet, wobei die Rühle'schen Unternehmen
wieder Erwähnung finden:
VI. Wichtige Ausführungen und Betriebsvorgänge bei den gewerblichen Gruben. 2. Schacht- und Maschinenanlagen. „1. Die Löthain- Meißner Ton- Bergbaugesellschaft Janetzky & Klimpel (5) in Meißen hat auf dem Flurstück Nr. 81 des Flurbuchs für Obermuschütz einen zweiten Förderschacht, der zugleich für die bereits vorhandenen Grubenbaue als Fluchtschacht dient, niedergebracht. Auch hat sie auf dem Flurstück Nr. 93 in Löthain, auf dem schon früher einmal Ton- Abbau umgegangen ist, einen Schacht geteuft. Schwimmsandschichten und starke Wassserzugänge erschwerten jedoch die Abteufarbeiten in hohem Grade. Die Wasserhaltung erfolgte mittels einer Gestängepumpe, die von einer Lokomobile betrieben wurde. 2. Von den Kaschka- Mehrener Tonwerken (7) wurde ganz in der Nähe von Fundgrube- Schacht II in Kaschka ein Schacht geteuft, um Schacht II abwerfen und den Sicherheitspfeiler für diesen Schacht gewinnen zu können. Ferner versuchte die genannte Firma an Stelle des im Vorjahre wegen vorhandenen Schwimmsandes aufgegebenen Schachtabteufens (Augustinenschacht III) in Mehren etwas weiter südlich einen Schacht als gemauerten Senkschacht niederzubringen. Bei 14 m Teufe aber war die Senkmauer nicht mehr zum Sinken zu bringen, so daß man sich entschloß, sie absatzweise von unten herauf herzustellen. Dies gelang auf eine Länge von etwa 6 m. Dann aber traten infolge des großen Gebirgsdruckes und des in nicht unbedeutenden Mengen zu sitzenden Wassers soviel Schwierigkeiten auf, daß man auf diese Weise nicht mehr weiter kam. Bei diesem Stande des Abteufens stellte der Tongrubenbesitzer gegen Ende 1907 die Abteufarbeiten ein. Sie sollen im Jahre 1908 wieder aufgenommen werden. (...) 4. Behufs Abbaues des südlich des Löthain- Löbschützer Weges befindlichen Tonlagers haben die Löthain- Meißner Tonwerke H. Rühle (10) auf dem Flurstück Nr. 76 in Löthain einen Fahr- und Förderschacht (Grube Hoffnung II) angelegt. Dafür sind die Schächte ,Georg' und ,Grube Meißen' in Löthain und der Bismarckschacht in Oberjahna wegen beendeten Tonabbaues abgeworfen worden. (...) 6. Ferner ist von der Meißner Ofen- und Porzellanfabrik (vorm. C. Teichert) in Meißen (16) in der Flur Mohlis nach Verfüllung des ersten Schachtes in dieser Flur ein anderer Schacht niedergebracht worden. 7. Ein Schachtabteufen (17 a) des Gutsbesitzers Melzer aus Kaisitz auf dem Flurstücke Nr. 40 in Mohlis scheiterte bei einer Tiefe von 24 m an einer 4 m mächtigen Schwimmsandschicht. 8. Da bei der Schlettaer Tongrube der Firma Ernst Teichert (22) der Abbau zu Ende ging, so wurde weiter nördlich auf dem Flurstücke Nr. 53 der Flur Schletta ein neuer Schacht angelegt. Dieses Schachtabteufen mußte jedoch wegen einer etwa 6 m mächtigen Schwimmsandschicht aufgegeben werden. Durch nochmals vorgenommene Bohrungen fand man dann etwa 60 m weiter nördlich auf dein Flurstück Nr. 56 eine Stelle, an der Schwimmsand nicht vorkam und statt Ton Kaolin vorhanden war. Hier wurde der Schacht niedergebracht. Zum Abbau gelangt aber nicht der Kaolin, sondern das südlich davon befindliche Tonlager. Die alten Schlettaer Schächte sind verfüllt worden. Dasselbe ist wegen beendeten Tonabbaues mit den Schächten in Canitz und Oberjahna geschehen.“ 4. Wetterversorgung und Grubenbeleuchtung. „Mit bergamtlicher Genehmigung dürfen auf einigen Tongruben zur Erzeugung eines genügenden Wetterwechsels in den Grubenbauen an sehr schwülen Tagen unter Einhaltung gewisser Bedingungen Feuerkörbe mit Holzfeuer benützt werden. Betreffs der Grubenbeleuchtung ist zu berichten, daß auf der Tongrube der Löthain- Meißner Tonbergbau- Gesellschaft Janetzky & Klimpel (5) in Obermuschütz (früher Grube Ickowitz, jetzt Grube Meißen genannt) mit Anfang des Jahres 1907 Sicherheitslampen mit Petroleum-Rübölbrand eingeführt worden sind.“ 5. Grubenausbau. „Hierüber ist zum Teil schon unter Abschnitt 2, Ziffer 2 berichtet worden. Zu erwähnen ist noch, daß auch im Jahre 1907 die Firma Ernst Teichert auf ihrer Tongrube in Mohlis (16) die Ausmauerung von Strecken fortgesetzt hat und in diesem Jahre auch die Kaschka- Mehrener Tonwerke zur Ausmauerung von Hauptstrecken und zwar bei den Augustinenschächten übergegangen sind. In Anwendung kommt Ellipsen- Mauerung.“ Außer einem tödlichen Unfall am 15. Oktober 1907 beim Rauben von Ausbau auf der Krister'schen Grube in Löthain ist unter der Überschrift 2. Bergpolizeilich wichtige Vorgänge, noch festgehalten: „Am 14. Juli 1907 stürzte Schacht II der von Zehmen'schen Tonwerke in Graupzig infolge mehrtägiger sehr starker Regengüsse in seinem oberen Teile zusammen. Durch die großen Wassermassen wurde auf der Wetterseite des Schachtes der Lehmboden weggeschwemmt, so daß der Schachtausbau auf dieser Seite freigelegt wurde, der dann infolge der Gewalt des eindringenden Wassers in sich zusammenbrach. Glücklicherweise sind Menschenleben hierbei nicht in Mitleidenschaft gezogen worden. Der Schacht ist aufgewältigt und neu ausgebaut worden.“
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Am 17. Januar 1908 konnte Inspektor
Bachmann zunächst die Förderseilbahn zwischen den Schächten
I
und II
der Grube Hoffnung abnehmen und die Betriebserlaubnis erteilen (40024-12, Nr. 240, Blatt 176). Lediglich die beiden hölzernen Seilscheibenstühle waren noch
mit einem Schutzanstrich zu versehen, was man verständlicherweise aber erst bei
trockener Witterung ausführen konnte. Die Verfüllung des Georgschachts
war bis zum 31. Januar 1908 beendet (40024-12, Nr. 240, Blatt 177).
Der Erwerb der Kaschka- Mehrener Tonwerke von Schröter im Vorjahr erlaubte es Heinrich Rühle auch, sein Unternehmen technisch neu auszurichten. So fand Inspektor Bachmann am 8. April 1908 die zuvor am Mehren’er Katharinaschacht aufgestellte Lokomobile samt deren Einhausung aus Wellblech zum Kaiserschacht in Löthain umgesetzt vor (40024-12, Nr. 240, Blatt 179f). Ansonsten fand der Berginspektor auf allen Schächten der Rühle’schen Tonwerke nichts zu beanstanden, auch das Schachtbuch und die Arbeitsverzeichnisse waren ordnungsgemäß geführt und die Risse durch Obersteiger Pfeiffer regelmäßig nachgebracht. Selbst Schlagwetter sind „seit Jahren“ nicht mehr beobachtet worden. Auch von seinen Befahrungen im Mai und Juni 1908 war nichts anderes zu berichten (40024-12, Nr. 240, Blatt 181). In der Abteilung Johanna- und Kaiserschacht, sowie bei der Grube Vaterland führte Steiger Straube nebst dem Obersteiger die Aufsicht über insgesamt 52 Mann Belegschaft. Auf dem Steiger- und Thiemannschacht, sowie bei der Grube Hoffnung hatte daneben Steiger Weber die Aufsicht inne. Unter dem 19. Juni 19080 heißt es nebenbei noch, daß man den Betrieb auf dem Schacht Hoffnung II eingestellt habe, weil „der Ton hier nicht viel taugt.“ (40024-12, Nr. 240, Blatt 183)
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Obersteiger Weiße der vormals
Venus'schen Tonwerke ist von H. Rühle zum 1. Januar 1908 gekündigt worden. Er erhielt aber im
Kaolinwerk Hedwigsfreude in Hohburg eine neue Anstellung (40024-12, Nr. 189,
Blatt 234). Prokurist Boitz teilte dem Bergamt unter dem 13. Januar 1908
offiziell mit, daß Obersteiger Pfeiffer für beide Rühle’schen Werke die Aufsicht
übernehmen solle, wogegen Berginspektor Bachmann keine Einwände hatte
(40024-12, Nr. 189, Blatt 232).
Schließlich zeigte der Inspektor am 16. April 1908 im Bergamt an, daß auch Steiger Raabe auf eigenen Wunsch ausgeschieden sei, folglich nun nur noch Pfeiffer und Stephan die Aufsicht führen. Das sah er aber als unbedenklich an, da Rühle den Betrieb auf den Glückauf-, den Mügeln- und den Katharinaschächten zumindest vorläufig eingestellt hatte und dadurch auch die Belegschaft von 89 Mann Anfang 1908 nun auf 54 Mann gesunken war. Bei seiner Befahrung am 15. April 1908 fand Inspektor Bachmann dann bei den beiden Augustinenschächten alles in Ordnung und die Verteufung von Schacht III noch nicht wieder aufgenommen vor, „da die Kosten für die Weiterverteufung des Schachtes nicht im Einklange mit dem Nutzen, den der Schacht dann brächte, stünden.“ Bei den Glückaufschächten war die Fluchtschachtkaue schon zurückgebaut, der sollte abgeworfen und verfüllt werden, da der Abbau hier ruhte. Dies war dann im Juni auch erfolgt, neuer Betrieb ging noch nicht wieder um (40024-12, Nr. 280, Blatt 4ff). Obersteiger Pfeiffer zeigt am 12. Juni 1908 an, daß Betrieb auf den Katharina- und den Mügelnschächten wieder aufgenommen werden soll. Allerdings sei die Fluchtstrecke zwischen den Schächten Mügeln I und II verloren gegangen und Mügeln II solle deshalb abgeworfen werden. Bachmann hatte nichts einzuwenden, da Mügeln I gerade erst neuen Ausbau erhalten hat und nur noch zwei Tonschläger für einen Zeitraum von noch 1 bis 2 Jahren dort angelegt werden sollten (40024-12, Nr. 280, Blatt 12a). Dann gab es vom 20. Juni 1908 wieder eine Anzeige von Bachmann an das Bergamt, diesmal wegen ungenehmigter Sonn- und Feiertagsarbeit auf den Fundgrubeschächten. Demnach hatte die Grube „eine Schiffsladung von 650 t“ am 29. Mai abzusenden; das Schiff war aber erst am 21. Mai gestellt worden. Eine Nachtschicht einzulegen, war nicht möglich, weil „der Mannschaftsbestand auf die für den laufenden Betrieb notwendige Zahl herabgezogen wurde.“ Da am vorhandenen Vorrat bis Donnerstag vor Himmelfahrt aber noch etwa 500 Doppelzentner fehlten, hat Obersteiger Pfeiffer beim Gemeindevorstand Fischer in Oberjahna die Genehmigung erbeten und von diesem auch erhalten. Der Obersteiger wußte schon, daß er eine Genehmigung brauchte, wurde vom Berginspektor aber darauf aufmerksam gemacht, daß er sich in solchen Fällen an die Amtshauptmannschaft in Meißen zu wenden habe. Noch Jahrzehnte später luden die Schleppkähne der Elbe- Schiffer um die 700 t. Schließlich ließ Herr Rühle im November noch neue Bohrungen „auf dem oberhalb (südlich) der Ernst Teichert’schen Schächte gelegenen Feld“ ausführen, aber dem diesbezüglichen Fahrbericht von Herrn Bachmann zufolge hat man dort keinen bauwürdiger Ton angetroffen (40024-12, Nr. 280, Blatt 24).
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Die Übersicht der gewerblichen Gruben in der Jahrbuchausgabe aus dem Jahr 1908
berichtet dann zunächst, daß die Tongrube ,Rudolf' der
Tonbergbaugesellschaft Janetzky & Klimpel in Konkurs ging. Anfang
1909 wurde aus deren Grubenfeldern die Tongrube ,Meißen' abgetrennt und
von Gutsbesitzer Robert Fritzsche in Löthain erworben. Außerdem
versuchte sich Obersteiger E. Weiße, eigentlich angestellt auf den Kaschka- Mehrener Tonwerken,
vormals J. G. Venus, mit einer eigenen Tongrube bei
Mohlis (17a), aus der im nächsten Jahr die Mohlis- Meißner Tonwerke gebildet
wurden, und auch in Garsebach begann eine neue Gesellschaft Otto &
Schlosser aus Meißen mit Aufschlußarbeiten in einem Kaolinlager (17b). Unter dem
Firmennamen E. Rühle & O. Schlosser haben wir übrigens auch ein
Bauunternehmen in Meißen gefunden, das für die Porzellanmanufaktur noch nach
1946 Bauleistungen erbrachte (u. a. Neues Archiv, Nr. 1157).
Über wichtige Betriebsvorgänge im Revier aus dem Jahr 1908 kann man lesen: VI. Wichtige Ausführungen und Betriebsvorgänge bei den gewerblichen Gruben. 1. Neue
Lagerstättenaufschlüsse und geognostisch oder bergmännisch „3. Auf dem Flurstücke Nr. 40 in Mohlis hat der Gutsbesitzer Melzer aus Kaisitz, nachdem ihm im vorigen Jahre das Abteufen eines Schachtes mißlungen war, einen neuen Schacht (17a) mit Erfolg niedergebracht. Auch diesem Abteufen stellten sich nicht unbeträchtliche Schwierigkeiten infolge einer 0,65 m mächtigen, stark wasserführenden Kiesschicht entgegen. Mit Hilfe eines eisernen Kastens gelang es jedoch, den Schacht bis zu einer Teufe von 39 m niederzubringen. Das Wasser wird durch zwei Gestängepumpen, die durch eine Lokomobile angetrieben werden, gehoben. 4. Die Firma Otto und Schlosser in Meißen hat auf dem Flurstücke Nr. 170 der Garsebacher Flur (17b) neben dem bisher daselbst betriebenen Tagebaue auf Kaolin zwei Schächte bis zu einer Teufe von je 7 m niedergebracht, so daß der unterirdische Abbau demnächst aufgenommen werden kann.“ 2. Schacht- und Maschinenanlagen. „2. Die beabsichtigte Weiterverteufung des in Mehren er Flur gelegenen Augustinen- Schachtes II der Kaschka- Mehrener Tonwerke (7) ist der sich notwendig machenden, unverhältnismäßig hohen Kosten wegen aufgegeben, und der begonnene Schacht wieder verfüllt worden. Infolge Unbrauchbar werdens der zwischen den beiden Mügeln-Schächten bestehenden Verbindungsstrecke wurde der Mügeln- Schacht II in Mehren ausgestürzt und vorübergehend der Abbau durch zwei Tonschläger auf der Schachtanlage I bergbehördlich gestattet, bis auch Schacht I gegen Ende 1908 verfüllt worden ist. 3. Der bisherige Fluchtschacht bei Kauffmanns Tongrube (8) in Schwochau ist des in der Nähe dieses Schachtes beendeten Abbaues halber verfüllt, und mit dem Abteufen eines zweiten, zugleich als Flucht weg dienenden Förderschachtes ist begonnen worden. 4. Bei Krister's Kaolinwerken (9) in Löthain ist einer der beiden Güldner- Schächte zugestürzt, und auf Flurstück Nr. 65 der Flur Löthain ein neuer Fluchtschacht abgeteuft worden.“ 3. Wetterversorgung und Grubenbeleuchtung. „1. Die auf Vaterland- Schacht in Löthain bei Rühles Löthain- Meißner Tonwerken (10) befindliche Sicherheitslampenstube ist mit einem kleinen Anbaue aus Ziegelfachwerk versehen worden. 2. Bei der zu Ernst Teicherts Tonwerken (22) gehörigen Tongrube in Schletta, die vorläufig nur einen Schacht besitzt, ist zur Bewetterung der Grubenbaue ein drehbarer Windfang angebracht worden. Bisweilen machte sich trotzdem das Ausfeuern des Schachtes mittels eines Feuerkorbes erforderlich.“ 4. Grubenausbau. „Die Ausmauerung der Strecken bei der Ernst Teichert'schen Tongrube (22) in Mohlis ist im Berichtsjahre fortgesetzt worden.“ 6. Wasserhaltung. „Die bisher auf der Katharinen- Schachtanlage in Mehren bei den Kaschka- Mehrener Tonwerken (7) stehende, zum Antrieb einer Gestängepumpe dienende Lokomobile ist auf dem in LöthainerFlur gelegenen, zu Rühles Löthain- Meißner Tonwerken (10) gehörigen Kaiser- Schachte zum gleichen Zwecke aufgestellt worden.“ |
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1908 begannen auch die Bauarbeiten für die Schmalspurbahnstrecke zwischen Wilsdruff und Löthain. Nach etwas mehr als einem Jahr konnten diese abgeschlossen werden und am 1. Oktober 1909 verkehrte der erste Zug zwischen Wilsdruff und Meißen beziehungsweise Löthain. Der Abschnitt bis Lommatzsch konnte zum 1. Dezember 1909 dem Betrieb übergeben werden. Ab 27. November 1911 fuhren die Züge auch bis Gärtitz bei Döbeln. Der Bahnhof Löthain gehörte zu den bedeutendsten Unterwegsbahnhöfen auf der Schmalspurstrecke Lommatzsch- Meißen. Der Personenverkehr stand allerdings lange Zeit zurück. Wichtigste Transportgüter stellten, neben Hausbrandstoffen sowie Tonerden aus dem Löthain'er Revier, Dünger und landwirtschaftliche Erzeugnisse dar. Eine dominierende Rolle nahm dabei die Abfuhr von Zuckerrüben zur Zuckerfabrik in Döbeln ein: Von September bis Januar wurden während der sogenannten „Kampagne“ tausende Tonnen Hackfrüchte verfrachtet, was an Mensch und Material höchste Anforderungen stellte. Eigens für diese Zeit stockte man sogar die Fahrzeugbestände auf, indem man Maschinen insbesondere aus dem Erzgebirgsraum zu den Dienstellen im mittelsächsischen Schmalspurnetz überstellte (heimatverein-kaebschuetztal.org, sachsenschiene.net).
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![]() Die Region in der Ausgabe der Äquidistantenkarten aus dem Jahr 1909: Hier ist das erste Teilstück der Schmalspurbahn verzeichnet, welches zu diesem Zeitpunkt die Verbindung von Löthain über Robschütz im Triebischtal und von dort weiter nach Wilsdruff und natürlich nach Meißen herstellte. Löthain hatte nun einen Verladebahnhof, was nicht nur dem Transport der Tonerden zugute kam.
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![]() Die Region um Löthain auf der Ausgabe der Messtischblätter aus dem Jahr 1911. Zwei Jahre später war die Schmalspurbahnstrecke nach Nordosten bis Döbeln verlängert.
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![]() Beim genauen Hinschauen findet man nun auf den nachfolgenden Kartenausgaben auch einige der Windräder neben den Tongruben verzeichnet - wir haben hier die am Kaiserschacht, am Steiger- und am Thiemannschacht bei Löthain markiert.
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![]() Eine historische Aufnahme des Schmalspur- Bahnhofs in Löthain. Bildquelle: eisenbahnrelikte.de (Sammlung D. Frank, Meißen) |
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Die Verladerampe gibt es
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Bereits 1964 wurde die
Stillegung der Bahnstrecke beschlossen, da die Kraftverkehrsbetriebe die frühere
Rolle der Schmalspurbahnen mehr und mehr übernehmen konnten. Nur die hier
verladenen Mengen an Ton waren der Grund dafür, daß die Strecke bis nach Lommatzsch
noch bis zum 28. Oktober 1972 weiter betrieben wurde, während der Abschnitt bis
Meißen schon zuvor stillgelegt war. In Löthain hat sich der Heimatverein für die
Erhaltung der verbliebenen Zeugnisse engagiert und ein kleines Museum
eingerichtet (eisenbahnrelikte.de, heimatverein-kaebschuetztal.org sowie
Hinweise von Herrn D. Frank).
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![]() Zur Ergänzung hier auch noch die Region um Mehren in der Ausgabe der Messtischblätter aus dem Jahr 1911.
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Die weiteren Fahrberichte der Berginspektoren Bachmann aus den Jahren ab 1908 und Spitzner ab 1909 zu den Löthain- Meißner Tongruben Heinrich Rühle (der Sohn behielt den alten Firmennamen bei) besagen, daß der Grubenbetrieb zu dieser Zeit im Wesentlichen ohne größere Mängel geführt worden ist (40024-12, Nr. 241, Blatt 1ff, Filmbildnummer 0016ff). Die Rißnachbringung erfolgte durch den Obersteiger Hermann Pfeiffer; außerdem waren noch die beiden Steiger Straube und Weber mit der Aufsichtsführung auf den einzelnen Schachtanlagen betraut. Das war auch nötig, denn das Werk verfügte zu diesem Zeitpunkt ‒ nach der Fusion mit den vormals Venus'schen Kaschka- Mehrener Tonwerken ‒ über etliche Schachtanlagen an mehreren Standorten, wie:
Außerdem gab es auch noch den Bismarckschacht bei Oberjahna, welcher aber 1909 endgültig abgeworfen war und zu diesem Zeitpunkt gerade verfüllt worden ist (40024-12, Nr. 241, Blatt 18). Aufgrund des Absaufens des Hoffnungschachts II wurde als Fluchtweg 1909 die ja auch noch bestehende Verbindungsstrecke zum Förderschacht II der Meißner Ofenfabrik C. Teichert benutzt (40024-12, Nr. 241, Rückseite Blatt 13).
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Gleich am 6. Januar 1909 zeigte Obersteiger
Pfeiffer namens der Kaschka- Mehrener Tonwerke der Berginspektion an, daß man auf der Parzelle No. 17 in
Kaschka einen neuen Schacht teufen wolle (40024-12, Nr. 280, Blatt 26). Herr
Spitzner hatte nichts einzuwenden und erteilte nur die üblichen
Sicherheitsauflagen.
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Digitalisat:
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Am 15. Februar 1909 war man mit diesem
Schacht schon bis auf 13 m Teufe niedergekommen und am 29. Juni 1909 zeigte Obersteiger
Pfeiffer dann an, daß die Lokomobile von den Kaiserschächten auf die neue
Grube in Kaschka gebracht werden solle. Berginspektor Spitzner hatte
keine Einwände und notierte, daß „die neue Schachtanlage den Namen ,Viktoria-
Schacht‘ erhalten hat (...). Nach Angabe Pfeiffers wird auf dieser Schachtanlage
Begußton gewonnen werden; indessen sprach sich Pfeiffer in Bezug auf Ausdehnung
des Lagers und auf Güte des Tones nicht allzu vertrauensvoll aus.“
(40024-12, Nr. 280, Blatt 39ff)
Der Fahrbericht von Spitzner vom 7. Oktober 1909 sagt dann aus, daß der Viktoriaschacht inklusive Sumpf 34,5 m Teufe erreicht hatte und daß man bei 24,5 m Teufe eine nur 0,4 m mächtige Schicht wasserreichen Sand ohne besondere Probleme durchsunken habe; hier hatte man einen 0,55 m hohen Eisenkasten aus 10 mm starkem Blech eingebaut. Aber: „Die Aufschlüsse sind derart ungünstige, daß (...) der Schacht alsbald wieder abgeworfen werden wird.“ (40024-12, Nr. 280, Blatt 47) Am 13. Oktober hat Spitzner auch die Fundgrubeschächte I und IV befahren. Hier war alles in Ordnung, es waren insgesamt 60 Mann angelegt, davon aber nur 17 Tonschläger, weil verschiedene Tonsorten auftraten und eine Konzentration des Betriebes daher nicht möglich war. Am 12. November 1909 teilte dann Prokurist Richard Boitz der Berginspektion III mit, daß G. Heinrich Rühle verstorben und daß nunmehr Dipl.-Ing. Erich Rühle in Meißen alleiniger Inhaber sowohl des Unternehmens seines Vaters als auch der Kaschka- Mehren'er Tonwerke, vormals J. G. Venus sei (40024-12, Nr. 244, Blatt 3; 40024-12, Nr. 241, Blatt 19 und 40024-12, Nr. 280, Blatt 50). Dazu sei noch die Episode aus späterer Zeit angeführt, daß man bei der Bergbehörde 1936 erfahren hatte, daß der bisherige Prokurist der Kaschka- Mehrener Tonwerke, Kaufmann Hermann Wilhelm Paul Bragulla in Meißen, verstorben sei und das inzwischen wieder eingerichtete Oberbergamt forderte daher zur Benennung eines neuen Vertreters auf (40024-12, Nr. 282, Blatt 214). Auf die Nachfrage hin erfuhr man dann, daß derselbe bereits am 30. August 1933 verschieden war und seitdem Kaufmann Otto Matthäus in Meißen Prokura innehabe (40024-12, Nr. 282, Blatt 223). In diesem Zusammenhang eingeholte Handelsregisterauszüge belegen auch, daß schon seit der Eintragung der Firma am 13. April 1886 Frau Augustine verw. Venus geb. Zimmermann in Meißen Inhaberin dieses Unternehmen gewesen ist. Ab 12. Mai 1894 gehörte das Unternehmen Hugo Oswald Schröter, Kaufmann in Meißen. Georg Wilhelm Heinrich Rühle, Bergwerksbesitzer in Meißen, wurde am 12. April 1907 der Inhaber. Schon ab 8. November 1907 wurde Dipl.-Ing. Erich Rühle Inhaber der Kaschka- Mehrener Tonwerke, vormals J. G. Venus (auch hier wurde der alte Name weiter beibehalten, wenn auch mit dem Vorsatz ,vormals' versehen); die Löthain- Meißner Tonwerke, vormals H. Rühle, waren ihm ab 8. November 1909 offiziell übertragen. Prokura hatte Ernst Richard Boitz ab 1907 nur für die Kaschka- Mehrener Tonwerke, ab 1922 Hermann Wilhelm Paul Bragulla für beide Unternehmen. Über den neuen Prokuristen des E. Rühle'schen Unternehmens gab es auch im XXX. Jahrgang der ,Keramischen Rundschau', und zwar in Nr. 3 vom Januar 1922 auf S. 30 unter der Rubrik ,Firmennachrichten', eine kurze Mitteilung: „Meissen. Kaschka- Mehrener Tonwerke J. G. Venus und Löthain- Meißner Tonwerke Heinrich Rühle. Prokura ist erteilt dem Kaufmann Hermann Wilhelm Paul Bragulla.“
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Aber auch ein tödlicher Unfall auf den Rühle'schen Tonwerken am 16. April 1909 ist in der Ausgabe der Jahrbücher von 1910 vermerkt. Der allerdings schon vorerkrankte Fördermann Friedrich August Schumann ist infolge eines Sturzes untertage an einer zugezogenen Lungenentzündung verstorben. Im Dezember 1909 ist auf dem Johannaschacht beim Verladen auch ein Fördermann namens Clauß verunglückt (40024-12, Nr. 241, Blatt 20). Beim Friedrich August- und beim Johannaschacht war wieder eine Rekonstruktion des Ausbaus fällig. Auch die Benzin- Sicherheitslampen wurden regelmäßig durch die Berginspektoren geprüft und für in Ordnung befunden. In seinem Fahrbericht vom 26. November 1909 notierte Inspektor Spitzner hierzu noch lobend: „Schlagwetter sollen beim Johannaschacht mitunter beim Durchfahren alter Strecken in kleinen Hohlräumen auftreten. Am Befahrungstage ließ sich das Auftreten von Schlagwettern nirgends wahrnehmen. Die Arbeiter sind, den eingezogenen Erkundigungen nach zu urteilen, gut im Untersuchen der Grubenbaue auf Schlagwetter hin unterrichtet.“ Der ersoffene Hoffnungschacht II wurde ab Ende 1909 verfüllt. Dagegen sollte der ebenfalls abgesoffene Mügelnschacht II wieder gesümpft und noch einmal genutzt werden (40024-12, Nr. 241, Rückseite Blatt 21). Am 30. Dezember 1909 war Herr Spitzner noch auf den Augustinenschächten und den Katharinaschächten, befand hier alles für in Ordnung; bei den Glückaufschächten ging gar kein Betrieb um und die Schächte waren ersoffen, die Mügeln- Schächte bereits verfüllt. Auch der Hoffnungschacht I in Löthain war wieder eingestellt und sollte nun verfüllt werden (40024-12, Nr. 280, Blatt 59f).
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Am 14. Januar 1910 hatte
Obersteiger Pfeiffer anzuzeigen, daß auf Parzelle 14 in Kaschka
stattdessen nun erneut eine neue Schachtanlage geplant war. Herr Spitzner
stellte die üblichen Anforderungen, sonst gab es keine Bedenken. Er bemerkte
noch, daß dort „wertvoller Begußton (abgebaut werden soll), der hier
allerdings nur ein 30 cm mächtiges Lager bildet.“
Im März 1910 war man dann schon beim Abteufen (40024-12, Nr. 280, Blatt 61).
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Digitalisat:
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Über die Versuchsarbeiten bei den Kaschka- Mehrener Tonwerken durch E. Rühle können wir auch in der Jahrbuchausgabe einige Informationen finden: VI. Wichtige Ausführungen und Betriebsvorgänge bei den gewerblichen Gruben. 1. Neue
Lagerstättenaufschlüsse und geognostisch oder bergmännisch „1. Auf Kaschkaer Flur wurde von den Kaschka- Mehrener Tonwerken (7) ein Versuchsschacht niedergebracht und von diesem aus einige Versuchsstrecken aufgefahren. Die Ergebnisse waren indessen von so geringem Erfolge begleitet, daß diese Anlage, „Viktoria-Schacht“ benannt, nach Verfüllung des 34,s m tiefen Schachtes wieder völlig auf gegeben worden ist.“ Über die anderen Gruben im Revier findet man noch folgende Angaben: 2. Schacht- und Maschinenanlagen. „2. Da sich bei Kauffmanns Tongrube (8) in Schwochau der Abbau seinem Ende nähert, wurde der als Fluchtweg dienende Schacht verfüllt. Gegen Ende des Jahres erfolgte mit bergamtlicher Genehmigung der Abbau der letzten Pfeiler bei Vorhandensein nur eines Tageschachtes. 3. Gegen Ende des Jahres 1909 wurde der zu den Löthain- Meißner Tonwerken (10) in Löthain gehörige Hoffnung- Schacht I, zu dem als Fluchtschacht der Förderschacht der benachbarten Schachtanlage Löthain II der Meißner Ofenfabrik (vorm. C. Teichert) (16) gehört, zugefüllt. Da der Hoffnung- Schacht II bereits früher außer Betrieb gestellt wurde, ruht diese Betriebsanlage nunmehr völlig.“ 3. Schlagwetter und Wetterversorgung. „1. Bei der Tongrube ,Meißen' (14b) in Obermuschütz ist man beim Auffahren einer Strecke, als man in eine seit 3 Jahren verlassene, teilweise zu Bruch gegangene Strecke schlug, auf eine größere Schlagwetteransammlung gestoßen, die sich durch lautes, eine Viertelstunde etwa andauerndes Ausblasen aus dem etwa handtellergroßen Durchschlagsloche bemerkbar machte. Durch Zuführung von frischen Wettern gelang es binnen kurzem, die Schlagwetter völlig zu beseitigen.“ 4. Grubenausbau. „1. Die Streckenausmauerung bei der Ernst Teichert'schen Tongrube (22) in Mohlis wurde noch fortgeführt und vorläufig beendet. Die Ausmauerung der stark unter Druck stehenden Strecken hat sich bisher ausgezeichnet bewährt. 2. Beim Abteufen des Viktoria- Schachtes auf Kaschkaer Flur — vergl. VI, 1 — stieß man bei einer Teufe von 29,5 m auf eine äußerst wasserreiche Sandschicht, die den Einbau eines 0,55 m hohen, viereckigen Eisenkastens erforderlich machte.“ 6. Förderung. „1. Bei den Mohlis- Meißner Tonwerken E. Weiße (17a) in Mohlis ist die Errichtung einer maschinellen Dampfförderanlage mit Kübelforderung gegen Jahresende in Angriff genommen worden.“
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Erich Rühle erwarb 1910 noch die Tongrube ,Meißen' in Obermuschütz von Robert Fritzsche (40024-12, Nr. 244, Blatt 4). Außerdem kam mit der Colditz'er Tonwerke GmbH noch ein neues Unternehmen ins Löthain'er Revier. Nördlich der Straße von Löthain nach Stroischen ließ das Rühle'sche Unternehmen im Jahr 1910 erneut Bohrungen vornehmen. Dabei erwiesen sich aber Geschiebelehme mit hohem Steinanteil als hinderlich (40024-12, Nr. 241, Blatt 26). Im April 1910 mußte Inspektor Spitzner auch protokollieren, daß sich beim Johannaschacht „in der letzten Zeit auffallend viele Tagesbrüche ereignet“ haben (40024-12, Nr. 241, Blatt 27). Bei seiner Begehung am 20. April fand er alles in allem 10 Tagesbrüche vor und „das Niedergehen eines Bruches von 2½ m Durchmesser stand, nach den kreisförmigen Rissen zu urteilen, unmittelbar bevor.“ Den Grund dafür sah Obersteiger Pfeiffer darin, daß „gerade in diesem Feldteile (...) der hier sehr wertvolle Ton ziemlich nahe an den überlagernden Schichten, die leicht hereinbrechen, gewonnen wird, und daß bei der Gewinnung ein Stehenbleiben etwa unreiner, kleinerer Tonpfeiler sich hier nicht nötig macht.“ Nach seiner Befahrung am 19. Dezember 1910 notierte der Inspektor in seinem Fahrbericht hierzu, er sehe, „obwohl diese Tagebrüche durch Schwimmsandeinbrüche in der Regel hervorgerufen werden, (...) hierdurch für die Belegschaft zur Zeit keine Gefahr,“ da sie über einem bereits verlassenen und gegen die offenen Grubenbaue abgesperrten Bereich erfolgt seien. Auch die Tagesbruchpingen übertage wurden vorläufig nur eingezäunt (40024-12, Nr. 241, Blatt 42). Die Bohrungen dagegen scheinen Erfolg gehabt zu haben, denn die Betriebsleitung beantragte noch 1910 das Absenken zweier neuer Schächte beim Hoffnungschacht, um von diesen aus einen dort aufgefundenen, Restpfeiler abzubauen (40024-12, Nr. 241, Blatt 28ff).
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Am 4. März 1910 teilte Inspektor Spitzner
dem Bergamt die Mitteilung Pfeiffer's mit, daß man die
Viktoriaschachtanlage wieder aufgegeben und mit dem Verfüllen des Schachtes
begonnen habe. Die nur wenigen Versuchsstrecken waren ordnungsgemäß zu Riß
gebracht (40024-12, Nr.
280, Blatt 70).
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Über den auf Parzelle 14 in Kaschka
abgeteuften Schacht berichtet der Fahrbericht Spitzner's vom 20. April
1910, daß dieser „Tongrube Fritz“ genant worden sei. Im Umfeld war früher
die Kollrepp’sche Tongrube in Umgang, daher schrieb er
Sicherheitsgeleucht vor. Mit dem Förderschacht war man auf 18 m Teufe gekommen
und hat dort das Füllort ausgehauen und eine erste Strecke in Richtung des noch
niederzubringenden Fluchtschachtes angeschlagen. Das Wasser wurde noch „mit
der Tonne gezogen“
(40024-12, Nr. 280, Blatt 80).
Demselben Fahrbericht ist auch zu entnehmen, daß er am gleichen Tage neue Bohrarbeiten besichtigt habe. Einige 100 m östlich von „Fritz“ auf Schletta‘er Flur ließ Grundbesitzer Beulich durch die Firma Kröber aus Brandis Bohrungen stoßen, aber bisher erfolglos. Bei seiner Befahrung am 21. Mai bereitete man schon das Abteufen des Fluchtschachtes bei der Tongrube Fritz vor (40024-12, Nr. 280, Blatt 83).
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Nicht uninteressant ist die Bemerkung des
Berginspektors in einem Fahrbericht vom 12. Juli 1910, daß man auf den Rühle'schen
Tonwerken immer noch eine
„zu Reserve dienende Windturbine
zum Antriebe der Pumpe“
besaß. Aufgrund der sehr abgenommenen Wasserzuflüsse in der Grube wurde die aber
gerade abgebrochen, weil die außerdem vorhandene Lokomobile für den Antrieb der
Pumpen ausreiche (40024-12, Nr. 241, Blatt 34).
Hinsichtlich der „Wetternot“ in einem Abbau auf den Mehren’er Werken hat man im Juli 1910 die Lösung gefunden, von untertage her ein Bohrloch zur Oberfläche zu stoßen. Es wurde „mit Rohren ausgekleidet“ und darüber „eine Holzluttenesse mit Windfänger“ errichtet, womit die Wetternot völlig beseitigt werden konnte (40024-12, Nr. 280, Blatt 85). Der Fluchtschacht bei Fritz war 12 m niedergebracht und bis zum 3. August fertig geworden. Am 24. September des Jahres hatte Inspektor Spitzner dann anzeigen, daß der eine der zwei neuen Schächte beim früheren Hoffnungschacht bereits eine Teufe von 18 m erreicht hatte (40024-12, Nr. 241, Blatt 35). Mit dem zweiten Schacht dagegen war man in 12 m Teufe in eine 3 m mächtige Schwimmsandschicht geraten, die nicht zu halten war und so das weitere Verteufen unmöglich machte. Da man hier nur einen Restpfeiler gewinnen wollte, was voraussichtlich bereits nach Ablauf eines Jahres beendet sei, bat die Betriebsleitung nun um Genehmigung, für diesen Zeitraum auf das Niederbringen eines weiteren Schachtes verzichten zu dürfen. Am 13. Dezember war Herr Spitzner dieserhalb wieder auf der neuen Schachtanlage und befand den Ausbau des Schachts und der inzwischen getriebenen Strecken für ,einwandfrei' (40024-12, Nr. 241, Blatt 37f). Weil kaum Druck auf dem Ausbau und nur geringe Wasserzuflüsse zu verzeichnen waren, äußerte der Berginspektor gegen den Abbau ohne Fluchtschacht hier keine Bedenken, wenn nur der Ausbau täglich kontrolliert werde und bei Gefahr die Mannschaft ,sofort zurückgezogen' werde, auch der Abbau ordentlich rückschreitend geführt und nie mehr als ein Abbau belegt werde. Unter diesen Auflagen genehmigte auch das Bergamt in Freiberg am 20. Januar 1911 diese Abbauführung (40024-12, Nr. 241, Blatt 39). Bei seiner Befahrung am 28. März 1911 fand der Berginspektor auch alle Auflagen vom hier zuständigen Steiger Weber umgesetzt und notierte, daß der Abbau nun nur noch 2 bis 3 Monate andauern werde (40024-12, Nr. 241, Blatt 49).
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Über die anderen Gruben im Revier finden wir in der
betreffenden Jahrbuchausgabe für das Jahr 1910 noch die folgenden Angaben:
VI. Wichtige Ausführungen und Betriebsvorgänge bei den gewerblichen Gruben. 1. Neue
Lagerstättenaufschlüsse und geognostisch oder bergmännisch „1. Bei der Tongrube der Colditzer Tonwerke (5) in Löthain, der früheren Tongrube ,Rudolf', soll nach nunmehr erfolgtem Niederbringen eines zweiten Schachtes und nach beendetem Auffahren der Vorrichtungsstrecken der Abbau demnächst aufgenommen werden. 2. Auf Kaschkaer Flur wurden von den Kaschka- Mehrener Tonwerken (7) 2 Schächte niedergebracht, die als Betriebsanlage ,Fritz' bezeichnet worden sind. Die Aufschlußarbeiten sind noch im Gange; man hofft, den wertvollen Begußton in abbauwürdiger Beschaffenheit hier anzutreffen. 3. Auf Schlettaer Flur hat die Firma Ernst Teichert G. m. b. H. in Meißen (22) mit dem Abteufen zweier Schächte begonnen. 4. Wegen vollendeten, bez. nicht mehr lohnenden Tonabbaues wurden die drei in der Umgebung von Lommatzsch gelegenen Tongruben stillgelegt. Es sind dies die von Zehmensche Tongrube (6) in Graupzig, Kauffmanns Tongrube (8) in Schwochau und die Tongrube ,Margarethe' (12) in Eulitz.“ 2. Schacht- und Maschinenanlagen. „1. Bei den Löthain- Meißner Tonwerken (10) in Löthain wird bei der Betriebsabteilung Hoffnungschächte der Abbau demnächst beendet sein. Mit bergamtlicher Genehmigung wurde gegen Jahresschluß der Abbau eines noch vorhandenen Schachtsicherheitspfeilers nach erfolgtem Abteufen eines zugleich der Förderung und Fahrung dienenden Schachtes ohne Vorhandensein eines zweiten Schachtes in Angriff genommen. 2. Bei den Mohlis- Meißner Tonwerken (17a) in Mohlis ist das Abteufen eines zweiten Schachtes, der als Fluchtweg zu dienen hat, in Angriff genommen worden.“ 3. Schlagwetter und Wetterversorgung. „1. Das Auftreten von Schlagwettern in den Tongruben wurde im Berichtsjahre nicht beobachtet. 2. Um eingetretener Wetternot abzuhelfen, wurden bei den Löthain- Meißner Tonwerken (10) in Löthain und bei den Kaschka- Mehrener Tonwerken (7) in Kaschka bei je einer Betriebsabteilung Bohrlöcher von der Strecke aus nach oben gestoßen, die, mit Esse und Windfang versehen, die erwünschte Auffrischung der Wetter herbeiführten.“ 6. Förderung. „1. Je eine Dampfförderanlage unter Verwendung von Kübeln ist bei der Hauptschachtanlage der Mohlis- Meißner Tonwerke (17 a) in Mohlis sowie der Tongrube der Colditzer Tonwerke (5) in Löthain in Betrieb genommen worden.“ Im folgenden Jahr verkaufte Steiger Weiße seine Mohlis- Meißner Tonwerke an die Colditz'er Tonwerke GmbH.
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Da man einen großen Auftrag zur möglichst
sofortigen Lieferung eine bestimmten Steingutton- Sorte erhalten habe, welcher
durch Bohrungen auf den Flurstücken 4 und 4a in Kaschka, Gutsbesitzer Arthur
Steudte gehörig, nachgewiesen sei, beantragte Pfeiffer am 19. Januar
1911 gleich durch persönliche Vorsprache im Bergamt das Niederbringen zweier
neuer Schächte dort. Spitzner erteilte seine Genehmigung dazu unter den
üblichen Auflagen
(40024-12, Nr. 280, Blatt 96).
Bei seiner nächsten Befahrung am 17. Februar 1911 fand Inspektor Spitzner diesen neuen Schacht in Kaschka bis auf 12 m Teufe niedergebracht, wobei man schon bei 8,5 m den Ton erreicht hatte (40024-12, Nr. 280, Blatt 97). Wahrscheinlich hat man die Mannschaft hierhin umgesetzt, denn auf der Tongrube Fritz ging jetzt kein Betrieb um. Am 8. März 1911 beantragte die Betriebsleitung der Rühle'schen Tongruben auch bei der Amtshauptmannschaft die Errichtung einer neuen, dampfmaschinen- betriebenen Förderanlage am Steigerschacht (40024-12, Nr. 241, Blatt 44). Der Stellungnahme der Berginspektion vom 26. April 1911 ist zu entnehmen, daß diese Anlage zuvor auf dem Hoffnungschacht in Betrieb gewesen sei. Abgesehen von dem Hinweis auf die üblichen Sicherheitsvorschriften fand Inspektor Spitzner keine Bedenken gegen die Umsetzung dieser Förderanlage vorzubringen und so wurde der Bau auch genehmigt (40024-12, Nr. 241, Blatt 45). Der alte Hoffnungschacht I wurde im Sommer 1911 verfüllt. Am 6. November 1911 konnte für die Anlage am Steigerschacht die Betriebserlaubnis erteilt werden (40024-12, Nr. 241, Blatt 63). Am 5. April zeigte Obersteiger Pfeiffer an, daß der bisherige Förderschacht bei der Grube Vaterland infolge des auf ihn zulaufenden Abbaus unter Druck gerate und daß er daher beabsichtige, die Dampfförderanlage an diesem zu demontieren und durch Handhaspelförderung auf dem bisherigen Fluchtschacht zu ersetzen. Ein neuer Fluchtschacht sollte stattdessen etwa 20 m westlich vom alten abgesenkt werden (40024-12, Nr. 241, Rückseite Blatt 52). Unter der Voraussetzung, daß der Abbau sich dem bisherigen Förderschacht bis zur Herstellung des neuen Fluchtschachtes nicht weiter annähern dürfe, fand Herr Spitzner auch hiergegen nichts einzuwenden (40024-12, Nr. 241, Blatt 51f). Bereits im Mai des Jahres hatte der neue Fluchtschacht eine Tiefe von 17 m erreicht (40024-12, Nr. 241, Blatt 59). Im Oktober war man mit dem Schachtabsenken fertig und begann nun damit, den alten Vaterlandschacht auszustürzen (40024-12, Nr. 241, Blatt 66). Fahrung und Bühnen hatte man geraubt, den übrigen Ausbau im Schacht belassen. Am 9. Mai 1911 mußte Berginspektor Spitzner anzeigen, daß man von dem neuen Schacht in Kaschka aus gleich am nordöstlichen Stoß eine alte Strecke angefahren hatte, woraufhin der Schacht ersoffen war und sich senkte, das Wasserziehen ist nicht geglückt. Er mußte daher aufgegeben werden. Der Fluchtschacht war dagegen inzwischen ohne Probleme auf 12 m niedergekommen. Die Tongrube Fritz war wieder belegt, die Fluchtstrecke durchschlägig geworden und nun Vorrichtungsbaue in Betrieb (40024-12, Nr. 280, Blatt 100f).
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Ein Jahr zuvor, im Jahr 1910, hatte E. Rühle die Tongrube ,Meißen' in Obermuschütz erworben und sie seinem Unternehmen als Abteilung eingegliedert. Der erste Fahrbericht zu dieser Grube in den Akten der Rühle'schen Tonwerke datiert auf den 13. März 1911 (40024-12, Nr. 241, Blatt 48), wobei Herr Spitzner aber im Grubenbetrieb nichts zu bemängeln vorfand. Der zuvor schon hier angestellte Steiger Matthes blieb unter der Oberleitung durch Obersteiger Pfeiffer auch weiter auf diesem Werk. Aus den Akten der vormals Venus'schen Tonwerke erfährt man, daß E. Rühle unweit des Fundgrubeschachts I außerdem einen Elisabeth Glück- Schacht besaß. Ob der zuvor ebenfalls zur Tongrube ,Meißen' gehört hat, geht hier aus dem Text nicht hervor. Nach seinem Besuch hielt ‒ diesmal ein Herr Schwartz ‒ in seinem Fahrbericht für das Landesbergamt fest, daß die Erschöpfung des Tonlagers schon im kommenden Jahr zu erwarten sei und man nur noch mit 150 Doppelwagen (wahrscheinlich sind damit Eisenbahnwaggons gemeint, die üblicherweise 10 t, hier also dann 20 t laden konnten) Ausbringen rechnete. Man hatte hier aber nur einen Tageschacht und einen zweiten schon zweimal vergeblich niederzubringen versucht, da man in Schwimmsand gekommen war. Daher wurde nun eine Ausnahmegenehmigung für den Fortbetrieb durch Obersteiger Pfeiffer beantragt. Die wurde von Berginspektor Schwartz in Anbetracht des nur noch kurzen Bestehens und des Umstands, daß man keinen Pfeiler- sondern nur Örterbau betreibe, befürwortet (40024-12, Nr. 280, Blatt 106f).
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Der Fahrbericht von Inspektor Spitzner vom 29. September 1911 zur Grube Fritz sagt uns, daß hier nur ein Streckenort mit 2 Mann belegt war. Offenbar waren die Tonschuppen schon reichlich gefüllt, denn es heißt hier: „Infolge des niedrigen Wasserstandes der Elbe sind große Massen Ton aufgestapelt worden, deren Verladung zurzeit nicht möglich ist.“ (40024-12, Nr. 280, Blatt 108f) Wie Inspektor Spitzner bereits unter dem 22. Juli 1911 aber auch an das Bergamt berichtete (40024-12, Nr. 241, Blatt 57), hatte die Zusammenlegung der beiden Werke auch zur Folge, daß sich unter den Belegschaften „eine gewisse Unzufriedenheit bemerkbar mache.“ Der Grund lag seines Erachtens in der hiesigen, „wohl eigenartigen Gedingefestsetzung.“ Die Arbeiter wurden demnach ausschließlich nach dem Ausbruchvolumen bezahlt, unabhängig davon, ob sich der Ton gut oder schlecht gewinnen lasse. Verständlicherweise wollten die Arbeiter, wo sie es mit dem Lösen der Tonmassen schwerer hatten und demzufolge kaum auf einen auskömmlichen Wochenverdienst kamen, in solchen Fällen einen höheren Gedingelohn haben. Die Betriebsleitung lehnte das zunächst ab, weil sich ihrer Ansicht nach die Abbauverhältnisse oft und plötzlich änderten, so daß ein passender Lohn nur schwer zu bestimmen sei und ungleiche Löhne eher zu noch mehr Unzufriedenheit führten. Da die Gewerkschaft der Töpfereiarbeiter sich der Sache annahm und um einen Streik abzuwenden, erklärte sich die Betriebsleitung aber dann doch mit einer Zulage von 30 Pfennigen pro Raummeter Ausbruch einverstanden.
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Noch eine weitere Episode aus dem Jahr 1911
ist in den Grubenakten zu den vormals Venus'schen Tonwerken enthalten: Dem
Bergamt teilte die Amtshauptmannschaft in Meißen eine Beschwerde der
Rittergutsbesitzerin Frau Wilhelmine von Heinecken, geb. von Ende,
auf Niederjahna vom 18. August 1911 über den Eintrag von Ton aus den Rühle’schen
Tongruben in das Wasser des Jahnabachs mit. Die Karpfenbrut in ihrem Fischteich
sei gänzlich umgekommen
(40024-12, Nr. 280, Blatt 102). Von
der Amtshauptmannschaft wurde zunächst die Gewerbeinspektion dazu gehört, die im
Falle der Tongruben aber an die Bergbehörde verwies.
Parallel wurde von der Amtshauptmannschaft eine Begutachtung durch Flußmeister Aurich in Meißen veranlaßt, welcher darüber am 18. September 1911 berichtete, daß die Kläranlage am Rühle’schen Tonschacht nur ein 350 Liter- Faß bilde, während man beim benachbarten Teichert’schen Tonwerk zwei Becken von zusammen 2,73 m³ angelegt habe. Aus letzterem fließen nur „ziemlich helle Abwässer“ in den Bach, während das bei den E. Rühle'schen Tonwerken keinesfalls ausreiche (40024-12, Nr. 280, Rückseite Blatt 102).
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In ihrer Stellungnahme vom 24.
Oktober 1911 erklärte die Berginspektion dazu, daß noch mehr Gruben hier in
Umgang stünden, als nur die beiden vom Flußmeister begutachteten Schächte.
Spitzner hielt es einerseits für unwahrscheinlich, daß allein der Tongehalt
die Fische umbringen könne, andererseits für unverhältnismäßig aufwendig, den
feinen Tonschlamm „gänzlich zum Absatz bringen“ zu wollen, zumal die
meist kleinen Tongruben ständig wechselnde Schachtanlagen betrieben. Vielleicht
wäre es daher zweckmäßig, wenn sich die Werke auf eine gemeinsame
Entschädigungszahlung vereinigen würden oder unterhalb ihrer Tongruben eine
gemeinsame Kläranlage errichteten, war seine Empfehlung (40024-12, Nr. 280,
Blatt 104ff). Das hielt man auch im Bergamt für „empfehlenswert“ und gab das
Gutachten an die Amtshauptmannschaft weiter.
Am 25. Januar 1912 hat Inspektor Spitzner vor Ort die Umsetzung geprüft und „die jetzige Klärung als genügend“ angesehen. Außerdem hatten die Kaschka- Mehrener Tonwerke noch eine Geldzahlung an die Klägerin entrichtet (40024-12, Nr. 280, Blatt 111ff).
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Über die Betriebsabläufe auf den anderen Gruben im Revier
finden wir in der betreffenden Jahrbuchausgabe für das Jahr 1911 noch folgende
Angaben:
VI. Wichtige Ausführungen und Betriebsvorgänge bei den gewerblichen Gruben. 1. Neue
Lagerstättenaufschlüsse und geognostisch oder bergmännisch „1. Neben verschiedenen Bohrungen auf Ton, die u. a. auf Löthainer, Kaschkaer, Mehrener und Dobritzer Flur im Laufe des Berichtsjahres vorgenommen worden sind, haben auch Bohrungen auf Kaolin auf der Flur Seilitz stattgefunden. Während im ersten Falle die Bohrungen zum Teil keinen nennenswerten Erfolg hatten, führten die Bohrungen auf Kaolin zu einem nicht ungünstigen Ergebnisse. 3. Bei den Kaschka- Mehrener Tonwerken (7) ist auf Kaschkaer Flur bei der einen Förder- und einen Fluchtschacht besitzenden Neuanlage ,Elisabethglück' der Abbau des wertvollen Begußtones eingeleitet worden.“ 2. Schacht- und Maschinenanlagen. „1. Die Hoffnung- Schächte der Löthain- Meißner Tonwerke (10) in Löthain sind nach beendetem Abbau verfüllt worden; ebenso der Förder schacht bei der Vaterland-Schachtanlage in Löthain. Hier wurde der vorhandene Fluchtschacht zum Förderschachte umgebaut und zur Ausrichtung eines unverritzten Feldteiles in der Nähe des Löthainer Bahnhofes ein neuer Fluchtschacht abgeteuft. Nach gleichfalls beendetem Abbaue beim Friedrich August- Schachte ist dieser verstürzt worden. Da als Fluchtwege für genannte Schachtanlagen der Johanna- Schacht mit seinem Fluchtschachte in Frage kommt, hat sich das Abteufen eines neuen Schachtes hier nicht erforderlich gemacht. 2. Der bei den Colditzer Tonwerken (5) in Löthain noch unter den Vorbesitzern der Grube niedergebrachte Schacht kam derart unter Druck, daß er abgeworfen, und der 1910 abgeteufte Schacht zum Förderschachte ausgebaut wurde. Noch vor dem Unbrauchbarwerden des zuerst genannten Schachtes ist das Abteufen eines neuen Fluchtschachtes vollendet worden.“ 3. Schlagwetter und Wetterversorgung. „Schlagwetter traten im Löthainer Tonreviere im Berichtsjahre nirgends auf. Zur besseren Bewetterung einzelner Grubenbaue mußten mehrfach Ventilatoren mit maschinellem Antriebe oder mit Handantrieb beschafft, sowie Bohrlöcher bis über Tage hergestellt werden.“ 4. Grubenausbau. „1. Infolge des Auftretens von Schwimmsandschichten machte sich bei einigen Schachtabteufen, wie z. B. bei den Schächten der Colditzer Tonwerke (5) in Löthain, der Einbau von Vollschrotzimmerung und, wenn dieser nicht ausreichte, der Einbau eiserner Senkkästen erforderlich. Beim Abteufen des Fluchtschachtes bei der früheren Tongrube der Mohlis- Meißner Tonwerke (17a) in Mohlis, die im Berichtsjahre in den Besitz der Colditzer Tonwerke übergegangen ist, gelang es trotz der Verwendung solcher eiserner Senkkästen nicht, den Schacht völlig niederzubringen. Das Abteufen mußte aufgegeben werden, weil auch mittels eines von der Schachtsohle auf eine Strecke niedergebrachten, verrohrten Bohrloches infolge Verstopfens desselben und trotz Aufstellung einer Windturbine über dem etwas zu klein angelegten Schachte die diesem zusitzenden Wasser nicht bewältigt werden konnten.“ 6. Förderung und Transportmittel. „1. Eine Dampfförderanlage mit einfachen Kübeln ist auf dem Steiger- Schachte der Löthain- Meißner Tonwerke (10) in Löthain eingerichtet worden.“ 7. Wasserhaltung. „2. Besondere Schwierigkeiten bot infolge des außergewöhnlich großen Wasserzuflusses ein Schachtabteufen der Kaschka- Mehrener Tonwerke (7) bei der neugeschaffenen Betriebsanlage ,Elisabethglück' in Kaschka. Dort war unterhalb der Schachtsohle eine 0,50 m mächtige Tonschicht, die eine das Wasser führende Kiesschicht überlagerte, bei Herstellung des Sumpfes durchteuft worden. Wegen des starken Auftretens von Wasser von der Schachtsohle her mußte das Abteufen aufgegeben und ein neuer Schacht angelegt werden. Dieser wurde ohne Schwierigkeiten niedergebracht, die erwähnte Tonschicht wurde unverritzt belassen.“ |
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Zur folgenden Kartenausgabe von
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Anfang Februar 1912 entschied
sich die Betriebsleitung der vormals Venus'schen Werke dann doch, den
Elisabeth Glück- Schacht nicht abzuwerfen und es noch einmal zu versuchen,
einen zweiten Fluchtschacht zu teufen (40024-12, Nr. 280, Blatt 114f). Als
Berginspektor Spitzner am 7. März 1912 die Grube besichtigte, war der
Fluchtschacht schon abgeteuft und die Verbindungsstrecke durchschlägig, somit
hier alles in Ordnung. Auf der Grube Fritz wurde durch die zwei Arbeiter
gerade nur Wasser gezogen (40024-12, Nr. 280, Blatt
116).
Am Friedrich August- Schacht der Rühle'schen Tonwerke in Löthain wurde der Abbau dagegen Anfang 1912 beendet und der Schacht verfüllt. Die benachbarten Schächte Johanna- und Kaiser- Schacht blieben weiter in Betrieb (40024-12, Nr. 241, Blatt 68). Stattdessen beantragte Obersteiger Pfeiffer am 25. März 1912 das Absenken eines neuen Förder- und Wetterschachtes auf Parzelle No. 72 der Löthain'er Flur, unweit der von Löthain nach Canitz führenden Straße (40024-12, Nr. 241, Rückseite Blatt 72). Da auch die Berginspektion dagegen keine Einwände vorzubringen fand, wurde das Schachtabteufen am 16. April 1912 vom Bergamt genehmigt (40024-12, Nr. 241, Blatt 73). Dem Schriftverkehr mit der Amtshauptmannschaft zur Baugenehmigung für die Schachtkaue (40024-12, Nr. 241, Blatt 75ff) ist noch zu entnehmen, daß dieser neue Schacht den Namen Heinrich- Schacht zu Ehren des verstorbenen Firmengründers erhalten hatte. Bereits am 4. Juni 1912 war der Schacht fertig und an der hölzernen Kaue fehlte nur noch der Anstrich mit brandhemmender Farbe (40024-12, Nr. 241, Blatt 82). Am gleichen Tage war Inspektor Spitzner auch auf dem Steiger- und dem Thiemannschacht zugegen und fand hier alles in sehr gutem Zustande. Ein weiterer Fahrbericht vom April 1912 (40024-12, Nr. 241, Blatt 85ff) berichtet davon, daß im Winterhalbjahr fast die gesamte Belegschaft (82 Mann !!) auf der Johanna- und Kaiserschachtanlage angelegt werde, da der in den anderen Betriebsabteilungen abgebaute Ton „bei der herrschenden Kälte nicht viel tauge, weil er im Frost leicht zerbröckele.“ Obwohl der Berginspektor den Zustand der Grubenbaue im allgemeinen für gut befand, hatte er diesmal zu rügen, daß die Zimmerung in den Abbauen nicht weit genug nachgebracht war, ja, in zweien ließ er den weiteren Abbau sofort und so lange einstellen, bis die Zimmerung nachgebracht worden sei. Die Arbeiter und Steiger Straube entschuldigten dies damit, daß die Befahrung diesmal früh am Tage erfolge, die Schicht gerade begonnen habe und sie noch nicht zum Stellen neuen Ausbaus gekommen seien. „In Wahrheit war jedoch der Grund der, daß an dem Befahrungstage die Abnahme der aufgefahrenen Länge erfolgen sollte und die Leute eine möglichst große Länge erreichen wollten,“ vermutete Berginspektor Spitzner. Bei seiner Befahrung der Vaterlandschächte im November 1912 fand Herr Spitzner auch hier kaum etwas auszusetzen, nur einer der Arbeiter wußte nicht mit der Sicherheitslampe umzugehen und mußte unterwiesen werden (40024-12, Nr. 241, Blatt 89). Von den Katharinaschächten und von den Fundgrubeschächten der vormals Venus'schen Gruben berichtete der Berginspektor im Juni 1912. Hier war nichts zu bemängeln und nur zu bemerken, daß man bei ersteren den Durchschnittsschacht endgültig abgeworfen und eine neue Verbindung zwischen den Abbausohlen mittels schiefer Ebene hergestellt hatte (40024-12, Nr. 280, Blatt 129ff). Am 24. August 1912 zeigte Obersteiger Pfeiffer ein neues Schachtabteufen auf Parzelle 19 westlich der Fundgrube in Kaschka an. Bis zur Befahrung durch die Berginspektion am 14. November war dieser schon 15 m bis Sumpf niedergebracht und in 12 m Teufe eine Bausohle angehauen (40024-12, Nr. 280, Blatt 140). Am 30. November 1912 beantragte Pfeiffer auch das Abteufen eines zirka 12 m tiefen Fluchtschachtes für diese, nun als „Grube Richard“ benannte Tongrube. Stattdessen wurde Elisabeth Glück „vollendeten Abbaus wegen“ nun doch eingestellt. Am 17. Januar 1913 fand Spitzner sie bereits verfüllt vor.
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Die erst 1908 gegründete Gesellschaft Otto &
Schlosser setzte ihre Grube bei Garsebach bereits 1912 wieder außer Betrieb.
Über die betrieblichen Vorgänge bei den anderen Tongruben in diesem Jahr wird in
der Jahrbuchausgabe berichtet:
VI. Wichtige Ausführungen und Betriebsvorgänge bei den gewerblichen Gruben. 1. Neue
Lagerstättenaufschlüsse und geognostisch oder bergmännisch „1. Eine neue Betriebsanlage ist bei den Kaschka- Mehrener Tonwerken (7) auf Kaschkaer Flur mit zwei Schächten, ,Richard- und Herthaschacht', angelegt worden. Der Abbau richtet sich auf die Gewinnung von Steingutton. Bei der erst im Vorjahre geschaffenen Betriebsabteilung ,Elisabethglück' in Kaschka sind beide Schächte nach bereits im Berichtsjahre beendetem Abbaue wieder verstürzt worden.“ 2. Schacht- und Maschinenanlagen. „2. Die beiden auf Löthainer Flur gelegenen, die Betriebsabteilung ,Margarethenschächte' der Krister'schen Kaolinwerke (9) bildenden Schächte sind nach vollendetem Abbaue gegen Anfang des Berichtsjahres ausgestürzt worden. 3. Die Löthain- Meißner Tonwerke (10) haben bei ihrer bereits 2 Schächte besitzenden Betriebsanlage ,Johanna- Schacht' in Löthain der besseren Wetterführung halber einen gleichzeitig zur Förderung und als Fluchtweg dienenden Schacht dicht an der von Löthain nach Krögis führenden Straße niedergebracht.“ 3. Schlagwetter und Wetterversorgung. „Das Auftreten von Schlagwettern und besonders matten Wettern ist in den letzten Jahren im Löthain- Meißner Tonreviere nur noch verhältnismäßig selten beobachtet worden. (...)“ 4. Grubenausbau. „Bei der den Colditzer Tonwerken (5) gehörigen Tongrube in Mohlis (früher 17a) wurde abermals das Abteufen eines Fluchtschachtes begonnen. Trotz Anwendung mehrerer eiserner Senkkästen, die ineinander gesteckt wurden, und deren Durchmesser sich nach unten zu verjüngte, glückte es nicht, das Abteufen zu Ende zu führen. Die zu durch teufende Schwimmsandschicht zeigte besonders starken Auftrieb und führte ganz außergewöhnlich zähen Schwimmsand, in dem vereinzelt kleinere und auch größere Gerölle eingelagert waren. Gegen Ende des Berichtsjahres entschlossen sich daher die Werksbesitzer, das Angebot einer Bohrfirma anzunehmen, die Schwimmsandschicht mit Hilfe von Tübbings zu durchteufen.“ 6. Förderung und Transportmittel. „4. Infolge der gegen Ende des Berichtsjahres ziemlich durchgeführten Legung der elektrischen Leitungen durch die Überlandzentrale in Gröba bei Riesa beabsichtigen einige Werke im Löthain- Meißner Tonreviere, die bisher noch vielfach verwendete Handhaspelförderung durch kleinere elektrische Förderanlagen zu ersetzen.“ 7. Wasserhaltung. „Die zur Wasserhaltung dienenden, bisher durch Dampfkraft betätigten Gestängepumpen im Löthainer Tonreviere werden voraussichtlich im kommenden Jahre teilweise mit elektrischem Kraftantriebe ausgestattet werden.“
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Die Unternehmensführung achtete offenkundig auch auf eine genügende Vorfelderkundung, denn im Januar 1913 wurden wieder Bohrungen bei den Rühle'schen Tonwerken ausgeführt. Diesmal machten Geschiebe im Lehm so sehr zu schaffen, daß man eine Sprengung in einem Bohrloch ausführen wollte, um damit tiefer niedergehen zu können (40024-12, Nr. 241, Blatt 91). Zugleich zeigte man im Bergamt an, daß man auf den Rühle'schen Tongruben nun „die Elektrizität einführen“ wolle und erfragte, ob die für die Sächsischen Kaolinwerke mbH zu Kemmlitz genehmigten Betriebs- und Sicherheitsvorschriften für die elektrischen Anlagen übertragbar seien und angewendet werden dürften (40024-12, Nr. 241, Blatt 94). Am 5. März 1913 reichte man die für die eigenen Werke verfaßten Vorschriften beim Bergamt zur Genehmigung ein (40024-12, Nr. 241, Blatt 96). Ein Druckexemplar zum Nachlesen findet man in der Grubenakte (40024-12, Nr. 241, Blatt 103ff). Nachdem diese erteilt war, beantragte die Betriebsleitung auch gleich am 31. März bei der Amtshauptmannschaft die Genehmigung zum Einbau einer 3 PS starken, elektrischen Haspelmaschine auf dem Johannaschachte (40024-12, Nr. 241, Rückseite Blatt 98). Wie immer danach befragt, erteilte auch das Bergamt am 10. April 1913 seine Genehmigung zur Errichtung. Bereits am 30. Mai teilte die Betriebsleitung die Fertigstellung mit und bat um Abnahme und Betriebserlaubnis (40024-12, Nr. 241, Blatt 114). Am 25. Juni bestätigte Inspektor Spitzner, daß diese in seinem Beisein durch einen Elektroingenieur des Sächsischen Dampfkessel- Revisionsvereines erfolgt ist und die Betriebserlaubnis für die Haspel und ,cirka 10 Glühlampen' erteilt werden könne (40024-12, Nr. 241, Blatt 115). Zugleich teilte er dem Bergamt mit, daß der Besitzer der Tonwerke weitere Anlagen auf elektrischen Antrieb umzustellen beabsichtige. Im Kaiserschacht etwa sei bereits ein Kabel eingebaut, wo man die Pumpenanlage im Sumpf zukünftig elektrisch betreiben wolle und in Füllortnähe ließ Ingenieur Rühle dort gerade Versuche mit elektrischen Bohrhämmern, später auch mit Sägen, der Siemens- Schuckert- Werke ausführen. Wie der Berginspektor meinte, würden wohl vor allem zahlreiche Reparaturen an den doch „ziemlich kompliziert gebauten Maschinen“ die erzielten Vorteile überschatten. Die Fahrberichte der Berginspektion vom Mai 1913 bezeugen dann wieder einen technisch gut und sicher geführten Grubenbetrieb. Nur, daß in den Abbauen der Ausbau oft zu weit zurückstehe und daß die Haspler die Sperrklinken nicht einlegten, war für Inspektor Spitzner Verwarnungen an die Arbeiter wert (40024-12, Nr. 241, Blatt 119f).
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Bei seiner Befahrung am 7. Januar 1913 auf den vormals Venus'schen Tongruben fand Inspektor Spitzner die Grube Fritz außer Betrieb und am Fundgrubeschacht I Schachtumbau im Gange. Der Schachtkranz hatte sich so weit verzogen, daß die darüber stehende Windturbine zu kippen drohte und demontiert werden mußte. Erich Rühle plante die Elektrifizierung der Antriebsanlagen „sobald von der Gröba’er Überlandzentrale elektrischer Strom geliefert werde.“ (40024-12, Nr. 280, Blatt 144f) Der Fluchtschacht bei der Grube Richard hat den Namen Hertha- Schacht erhalten, war 14 m bis Sohle Sumpf tief und nun die Verbindungsstrecke in Bau. „Obwohl der Haupt- oder Richardschacht nur 30 m entfernt ist, sind die aufgeschlossenen Tonablagerungen von ganz verschiedener Art,“ bemerkte der Berginspektor in seinem Fahrbericht. Am 8. Mai 1913 war man hier durchschlägig geworden (40024-12, Nr. 280, Blatt 156). Schon am 8. März 1913 beantragte Obersteiger Pfeiffer auch noch ein neues Abteufen, diesmal auf Parzelle 40 in Mehren (40024-12, Nr. 280, Blatt 151f). Am 16. April hatte man das aber schon wieder aufgegeben, da man in Schwimmsand gekommen war (40024-12, Nr. 280, Blatt 167). Man machte sich nun bei den Colditzer Tonwerken kundig, die beim Durchsinken einer Schwimmsandschicht mit einem Senkschacht Erfolg hatten. Im Juli hatte man noch nicht wieder mit dem Teufen begonnen, weil „der Geschäftsgang... augenblicklich ein äußerst schleppender ist.“ (40024-12, Nr. 280, Blatt 168) Im Mai 1913 stand nur bei den Fundgrubeschächten Abbau in Betrieb. Am 30. Juni fand Herr Spitzner auch Richard- und Herthaschacht außer Betrieb. Am 8. November 1913 zeigte die Berginspektion dann in Freiberg an, daß auf dem Flurstück 40 in Mehren nun ein Tagebau eröffnet werden solle (40024-12, Nr. 280, Blatt 172). Der erhielt auch gleich einen Stromanschluß für eine elektrische Beleuchtung, die am 16. Dezember abgenommen wurde (40024-12, Nr. 280, Blatt 174). Als Inspektor Spitzner am 19. Dezember 1913 erneut in Mehren war, wurde im künftigen Tagebau bereits „der Abraum weggeschafft.“ (40024-12, Nr. 280, Blatt 177) Auch auf dem Steigerschacht und auf dem Herthaschacht bei den vormals J. G. Venus gehörigen Kaschka- Mehrener Tonwerken plante E. Rühle im Jahr 1913 die Errichtung einer elektrischen Anlage. Am 11. November 1913 erging dafür die Genehmigung seitens des Bergamtes und bereits am 12. Dezember 1913 wurde sie auf dem Steigerschacht abgenommen (40024-12, Nr. 241, Blatt 124ff). Am 25. April 1914 nahm man dann schließlich auch eine elektrische Anlage auf den Fundgrubenschächten in Mehren in Betrieb, welche dort neben der Beleuchtung in der Steiger- und der Lampenstube aber nur den Antrieb von Pumpe und Ventilator im Schacht sowie einer Kreissäge übertage umfaßte (40024-12, Nr. 241, Blatt 138f). |
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Zum Vergleich mit der letzten, von uns hier angeführten
Während der Kriegsjahre von 1914 bis
Hervorhebenswerte betriebliche Vorgänge im Jahr 1913 werden im Jahrbuch wie folgt geschildert. VI. Wichtige Ausführungen und Betriebsvorgänge bei den gewerblichen Gruben. 1. Neue
Lagerstättenaufschlüsse und geognostisch oder bergmännisch „1. Von den Colditzer Tonwerken (5) wurde auf Löthainer Flur, nördlich der von Canitz nach Löthain führenden Straße, oberhalb des Bahnhofes Löthain eine neue Betriebsanlage errichtet, die den Namen ,Grellmann- Schacht' erhalten hat. Neben dem Niederbringen eines etwa 30 m tiefen Förderschachtes wurden vorläufig nur einige Vorrichtungsstrecken aufgefahren, durch die die Abbauwürdigkeit des Tonlagers erwiesen wurde, so daß der Abbau nach Fertigstellung eines zweiten Schachtes im kommenden Jahre in Angriff genommen werden kann. 2. In unmittelbarer Nähe der Augustinen- Schächte in Mehren versuchten die Kaschka- Mehrener Tonwerke (7) einen Schacht abzuteufen. Infolge des bereits in einer Teufe von nur wenigen Metern unter der Tagesoberfläche dem Schachtabteufen reichlich zusitzenden Wassers wurde der Abteufenbetrieb eingestellt und der Schacht verfüllt. Anstelle des beabsichtigt gewesenen unterirdischen Gewinnungsbetriebes wurde mit den Vorarbeiten zu einem Tagebaubetriebe begonnen. 3. Auf Mehrener Flur, nördlich der von Stroischen nach Meißen führenden Straße beabsichtigte die Meißner Ofen- und Porzellanfabrik (vorm. C. Teichert) (16) die Errichtung einer neuen Betriebsanlage auf Grund mehrerer günstiger Bohrergebnisse. Nach dem Niederbringen eines 35 m tiefen Schachtes und der Auffahrung einer Anzahl Strecken zeigten sich indessen eine so unregelmäßige Ablagerung und eine so wechselnde Beschaffenheit des Tones, daß die neue Betriebsanlage aufgegeben und das Zustürzen des Schachtes in die Wege geleitet werden mußte.“ 2. Schacht- und Maschinenanlagen. „1. Die Inbetriebnahme der elektrischen Überlandzentrale in Gröba bei Riesa hat für einige der gewerblichen Gruben den nicht zu unterschätzenden Vorteil der elektrischen Kraftanwendung mit sich gebracht. Im Meißner Tonreviere haben sich folgende Werke an die genannte Zentrale angeschlossen: die Colditzer Tonwerke (5), die Kaschka- Mehrener Tonwerke (7), Rühles Löthain- Meißner Tonwerke (10), die Meißner Ofen und Porzellanfabrik (vorm. C. Teichert) (16) und die Tonwerke der Firma Ernst Teichert (22). Ferner haben sich im Kaolinreviere der Umgegend von Mügeln bei Oschatz die Börtewitzer Kaolinwerke (1), die Sächsischen Kaolinwerke (20) in Kemmlitz, sowie die Kemmlitzer Kaolinwerke (24) in Kemmlitz an diese Uberlandzentrale angeschlossen, um die bereits durch eigene Kraftanlagen erzeugte elektrische Kraft zu erhöhen bez. um sich eine Reserve zu schaffen. Die Kaolingrube der Ofen-, Porzellan- und Tonwarenfabrik Mügeln (18) in Poppitz und die Zweiganlage der Sächsischen Kaolinwerke (20) in Glossen, sowie das Wolfsche Kalkwerk (49) in Schrebitz und Uhlemanns Kalkwerk (45) in Görlitz, die bisher elektrische Kraft noch nicht besaßen, empfangen diese nunmehr auch von der er wähnten Zentrale. In der Hauptsache ist bei mehreren der in Frage kommenden Grubenanlagen die mühevolle und zeitraubende Handförderung in den Förderschächten in Wegfall gebracht worden. Außerdem sind auf einigen Werken die Windturbinen, die die Pumpengestänge anzutreiben hatten, durch Elektromotoren ersetzt worden. Auch die elektrische Beleuchtung über und unter Tage hat sich Eingang bei mehreren Gruben verschafft.“ 3. Grubenausbau. „Wie bereits im vorjährigen Berichte erwähnt, wurde das Abteufen eines Fluchtschachtes bei der Tongrube der Colditzer Tonwerke (5) in Mohlis der Bohrfirma Schmidt in Hohenturm bei Halle übertragen, der es trotz mannigfacher Schwierigkeiten, die vor allem durch das Vorhanden sein größerer Gesteinsgerölle verursacht wurden, nach einem völlig miß glückten Versuche gelang, einen zweiten Schacht mittels Tübbings bis in das Tonlager niederzubringen. Die lichte Weite dieser Tübbings betrug anfänglich 80 cm, im unteren Schachtteile konnten jedoch nur noch solche von 70 cm Weite verwendet werden.“ 5. Wasserhaltung. „Dem Abteufen bei der Hilda- Schachtanlage in Schletta der Firma Ernst Teichert (22) drang bei einer Teufe von 18 m soviel Wasser zu, daß es vorläufig eingestellt werden mußte. Nach erfolgter Unterfahrung des Schachtes mit einer Strecke vom Förderschachte her und nach Zäpfung des Wassers durch ein von dieser Strecke aus nach oben gestoßenes Bohrloch gelang es, den Schacht bis zu einer Teufe von rd. 37 m niederzubringen.“
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Glimpflich ging dann wieder ein
Schlagwetteraustritt im Januar 1914 auf den Rühle'schen Tonwerken ab: Darüber berichtete Obersteiger
Pfeiffer an die Berginspektion (40024-12, Nr. 241, Blatt 133f):
„Am Donnerstag den 29. Januar (machten sich) nachmittags 3 Uhr Schlagwetter in der rot markierten Strecke bemerkbar. Die in der Strecke mit Tonschlagen beschäftigten Arbeiter ließen sofort den Aufseher Straube benachrichtigen, während dessen der Zimmerling Feist den Ort bei klein brennend auf der Strosse stehender Sicherheitslampe verbaute. Als Aufseher Straube (...) an die in Betracht kommende Strecke kam, waren die dort beschäftigten Arbeiter im Begriffe auszufahren. Bei Untersuchung der Strecke auf Schlagwetter stellte Straube fest, daß sich dieselben bereits 50 mtr. vorgedrückt hatten. Daraufhin ließ er alle in der Nähe beschäftigten Arbeiter ausfahren und sämtliche, mit der Strecke in Verbindung stehenden Zugänge mit Brettern vernageln... Am andern Tage früh ½5 Uhr für Unterfertigter mit Aufseher Straube ein und untersuchte sämtliche Arbeitspunkte auf Schlagwetter. Hierbei wurden nur noch kleinere Mengen (hie und da eine Mütze voll) in der bezeichneten Strecke gefunden. Nachdem Unterzeichneter diese Strecke noch zweimal vor Ort untersucht hatte, konnte man auch dort von Schlagwettern nichts mehr wahrnehmen. Folgedessen wurden sämtliche Bretterverschläge beseitigt und die Arbeiten frei gegeben.“ Auch die Einsenkungen, die man bereits im Mai 1913 am Löthain- Löbschütz'er Fahrweg festgestellt hatte, blieben ohne größere Folgen. Weil sie sich im Winterhalbjahr verstärkt hatten, besichtigte Inspektor Spitzner den Bereich und berichtete anschließend darüber (40024-12, Nr. 241, Blatt 135f): „Der Abbau ist bei einer Teufe von rd. 30 m in den Jahren 1912 und 1913 umgegangen und hat sich, wie dies allgemein im Löthainer Tonreviere für ausreichend erachtet zu werden pflegt, etwa 13 m von der Straße entfernt gehalten. Über die fraglichen Senkungserscheinungen ist dem Königlichen Bergamte bereits laufend Bericht erstattet worden... Seit der letzten Besichtigung haben sich allerdings die konzentrisch verlaufenden Risse stark erweitert. Der den Weg in Mitleidenschaft ziehende Riß hat sich offenbar auch unterhalb des Bohlenbelages erweitert und vertieft, so daß die Bohlen beim Darüberfahren von Geschirren etwas niedergedrückt werden und dadurch ein dumpfklingendes, klapperndes Geräusch hervorgebracht wird, was jedenfalls zum Scheuwerden der Pferde und den Fuhrwerksbesitzern zu der Befürchtung Veranlassung geben kann, daß ein naher Einbruch bevorstehe...“ Der Berginspektor sah es aber nicht als sonderlich gefährlich und jedenfalls völlig normal an und ordnete nur an, die Senke aufzufüllen und anschließend eine stärkere Bohlenlage wieder aufzubringen. „Bei gewissenhafter Befolgung dieser Forderungen glaubt die Berginspektion, daß eine Gefährdung der die Straße begehenden Menschen nicht vorliegt. Sollten allerdings die Risse sich noch wesentlich erweitern und wirkliche Tagesbrüche sich einstellen, so müßte an eine Verlegung des Weges herangegangen werden...“
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Aufgrund der Tarifverhandlungen Mitte des
Jahres 1914 auf den Rühle'schen Tonwerken erfahren wir aus den Grubenakten auch,
was die Arbeiter zu dieser Zeit für einen Verdienst hatten. Am 16. Juni des
Jahres zeigte E. Rühle dem Bergamt
an, daß „meine Arbeiterschaft den bestehenden Lohntarif gekündigt hat und
erhöhte Lohnforderung stellt...“ (40024-12, Nr. 241, Blatt 150) Bis dahin
war ein Tarifvertrag aus dem Jahr 1911 in Kraft (40024-12, Nr. 241, Blatt 151f).
Darin war nach Zeitlöhnen und Akkordlöhnen unterschieden. Erstere kamen für
übertägige Arbeiten und beim Schachtabteufen zur Anwendung und lagen zwischen 34
und 38 Pfennig für die Stunde, bei Teufarbeiten waren es 38 bis 50 Pfennig für
die verfahrene Stunde. Akkordlöhne wurden den Tonschlägern und Förderleuten
gezahlt. Je nach Grube und Art des Tones lagen sie zwischen 3,25 und 4,25 Mark
pro Kubikmeter für den Häuer und bei 2,60 bis 3,50 Mark für die Förderleute. Da
wir oben einmal gelesen hatten, daß man mit etwa 7 m³ Abbauvolumen pro Mann und
Woche rechnete, kann man sich nun auch den ungefähren Wochenlohn ausrechnen.
Die Betriebsleitung bot nun eine Anhebung der Zeitlöhne auf mindestens 38 Pfennig pro Stunde und der Akkordlöhne auf mindestens 4,50 Mark pro Kubikmeter für die Häuer an. Die Förderleute sollten mindestens 3,50 Mark erhalten, wenn der Weg bis zum Füllort 100 m Länge nicht überschritt, für je 50 m mehr sollte es einen Zuschlag von 5 Pfennigen geben. Das Angebot scheint die Arbeiter zunächst nicht befriedigt zu haben, denn in einer Bewertung eines kurz darauf eingegangenen Antrages der Betriebsleitung sprach Inspektor Spitzner noch von einem „bevorstehenden Streik“. Im Juli 1914 teilte die Betriebsführung dann aber mit, man habe sich auf den neuen Tarif bei dreijähriger Gültigkeit geeinigt. Besagter Antrag richtete sich auf die Einführung von Schießarbeit im Tonabbau. Man beantragte zunächst den Einsatz von ,Romperit C', entschied sich später aber für den schlagwettersicheren Sprengstoff ,Wetter Romperit E'. Da Obersteiger Pfeiffer bereits „Sprengungen in Kohle im Saar- Revier und in Ton in der Rheinpfalz“ vorgenommen hatte, wurde dem Antrag auch stattgegeben.
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Als Inspektor Spitzner am 15. Januar
1914 die vormals Venus'schen Gruben befuhr, ging wegen starkem Frost im Tagebau
kein Betrieb um. Außerdem hat er die Fundgrubenschächte befahren, aber
dort alles
bestens vorgefunden (40024-12, Nr. 280, Blatt 179). Ab April 1914 wurde
begonnen, am Katharinaschacht noch einen Restpfeiler nah am Schacht,
unter Auflagen auch ohne Erhaltung der Fluchtstrecke, abzubauen. Hier standen
noch etwa 2.400 m³ Ton zum Abbau an und wie Inspektor Spitzner einschätzte,
könne das binnen 4 Monaten bei 4 Mann Belegung erledigt sein (40024-12, Nr. 280,
Blatt 185). Mit der Sächsischen Ofen-
und Chamottefabrik hatte man sich schon geeinigt, daß die ja noch vorhandene
Fluchtstrecke vom Katharinaschacht
II
zu deren Schächten ab Mai 1914 in deren Besitz übergehen solle (40024-12, Nr.
280, Blatt 209).
Sein Fahrbericht vom 25. April 1914 besagt dann, daß Erich Rühle einen elektrisch angetriebenen Bagger gekauft habe, der aber noch nicht geliefert sei, daher ruhte der Tagebaubetrieb. Der Strom „wird von der Gröba’er Hochspannungsleitung direkt entnommen.“ Dazu hatte die Überlandzentrale bereits einen „fahrbaren Transformator“ angeliefert (40024-12, Nr. 280, Blatt 184). Bei seiner nächsten Befahrung im Juni 1914 war der vom Altmärker Eisenwerk in Seehausen gebaute Eimerketten- Bagger für den Tagebau vor Ort und im Probebetrieb. er besaß eine Antriebsleistung von 13,6 PS, eine 5 m lange „Baggerleiter“ und statt Eimern „flachmuldige Bleche“, was sich „für fette Böden“ gut eigne, aber den Nachteil hatte, daß er „keine großen Stücke löst, wodurch der Handelswert vermindert wird.“ (40024-12, Nr. 280, Blatt 192f)
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![]() Der elektrische Eimerkettenbagger im Tagebau Merkur nördlich von Mehren im Jahr 1914. Das Windrad im Hintergund müßte zu einem der Augustinenschächte gehören. Bildquelle: Unternehmensarchiv des ehemaligen VEB Kaolin- und Tonwerke Löthain- Seilitz beim heutigen Standort Mehren der Unternehmensgruppe SIBELCO Deutschland GmbH, Fotosammlung.
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![]() Ein zweites Bilddokument zum Eimerkettenbagger im Tagebau Merkur vom Jahr 1914. Bildquelle: Unternehmensarchiv des ehemaligen VEB Kaolin- und Tonwerke Löthain- Seilitz beim heutigen Standort Mehren der Unternehmensgruppe SIBELCO Deutschland GmbH, Fotosammlung.
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Dann begann der 1. Weltkrieg. Bereits im
August 1914 wurde Obersteiger Pfeiffer eingezogen. Schriftverkehr aus dem
folgenden Jahr ist aber zu entnehmen, daß Herr Pfeiffer „in Meißen in
Garnison“ stand und regelmäßig nach Löthain kam, auch, um dort die Risse
nachzubringen. An seiner Stelle übernahmen auf den Gruben in Löthain die Steiger
Hermann Straube und Wilhelm Weber, in Kaschka und Mehren Steiger
Paul Heinrich Stephan und in Obermuschütz Steiger Carl Matthes die Aufsicht
vor Ort. Nachdem Straube im August 1915 auch eingezogen wurde, wurde
Matthes in Löthain eingesetzt. Im Oktober 1914 wurden weitere 44 Mann aus
der Belegschaft zum Militär eingezogen. Auch Inspektor Roch scheint mit
anderen Aufgaben betraut gewesen zu sein und wurde von Berginspektor Sickel
vertreten. Bei seiner Befahrung auf den Rühle'schen Tongruben fand der letztere trotz der stark reduzierten
Mannschaft aber keine Anlässe für bergpolizeiliche Erinnerungen (40024-12,
Nr. 241, Blatt 174).
Auch bei den vormals Venus'schen Augustinenschächten ging im November 1914 nur noch schwacher Betrieb um, sie waren mit jeweils 4 bzw. 6 Mann belegt. Umfangreicher war der Betrieb wohl nur noch bei den Fundgrubeschächten, die Grube Richard lag still. Im Tagebau wurde mittels Bagger Abraum abgetragen (40024-12, Nr. 280, Blatt 201).
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Wie auch in der betreffenden Jahrbuchausgabe vermerkt ist,
zog sich die Firma Krister im ersten Kriegsjahr 1914 ganz aus dem
Seilitz- Löthain'er Revier zurück, stellte den Betrieb in Seilitz ein und
verkaufte die Anlagen in Löthain an die Börtewitz'er Kaolinwerke bei Kemmlitz.
Auch die schon mehrfach zitierte Rubrik der Jahrbücher fällt diesmal kürzer aus:
VI. Wichtige Ausführungen und Betriebsvorgänge bei den gewerblichen Gruben. 1. Neue
Lagerstättenaufschlüsse und geognostisch oder bergmännisch „Aufsuchung neuer oder weitere Aufschließung bereits bekannter Lagerstätten ist, abgesehen von dem durch die regelmäßige Betriebsführung notwendigen Forthieb der Strecken, im allgemeinen nicht vorgekommen. Sie ist auf die Zeit nach Beendigung des Krieges verschoben worden...“ Dennoch blieb die Förderung ja im Gange und so liest man weiter über: 2. Schacht- und Maschinenanlagen. „Das s. Z. von der Meißner Ofen- und Porzellan-Fabrik (vorm. C. Teichert) begonnene Schachtabteufen auf Mehrener Flur ist wegen schwieriger Gebirgsverhältnisse und starker Wasserzugänge wieder auf gegeben und der hergestellte Schachtteil wieder verfüllt worden. Im übrigen ist nur erwähnenswert, daß von der genannten Firma auf dem Schachte in Mohlis der Handhaspel durch einen elektrisch angetriebenen ersetzt worden ist. Ferner ließen die Ernst Teichert'schen Tongruben in Mohlis, Kaschka und Schletta auf ihrem in letztgenannter Flur gelegenen Hildeschacht eine Dynamomaschine für Förderung und Wasserhaltung aufstellen...“
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Am 1. März 1915 berichtete die Berginspektion über die Rühle'schen Tonwerke an das Bergamt, daß der Betrieb auf den Vaterlandsschächten ruhe, wo in der Folge die Wasser aufgingen. Ebenso war der Heinrichschacht eingestellt. Der Betrieb wurde auf dem Johanna- und Kaiserschacht sowie auf dem Steiger- und Thiemannschacht mit nur noch 24 Mann unter- und 22 Mann übertage aufrecht erhalten (40024-12, Nr. 241, Blatt 177). Nur einen Tag darauf zeigte Prokurist Boitz bei der Berginspektion an, daß man nun auch die so bezeichnete „Abteilung Ickowitz“ in Obermuschütz, „ungefähr 50 – 60 m südlich der Meißen- Leipziger Straße“ eingestellt habe und die beiden Schächte verfüllt würden. Am 23. September 1915 bat Erich Rühle selbst um die Befürwortung seiner Zurückstellung vom Militärdienst, da schließlich bereits ein Teil seiner Beamten eingezogen sei, andere aber nicht zu bekommen seien und er sonst seine Betriebe ganz stillegen müsse (40024-12, Nr. 241, Blatt 184). In seinem Gesuch verwies er auf seine Abnehmer, einschließlich der Heereswirtschaft, bei denen dann ebenfalls Einschränkungen des Betriebes drohten. Dazu findet sich kein weiterer Akteninhalt, aber vermutlich wurde die Rückstellung genehmigt. Im Mai 1916 bat Rühle ferner um Beurlaubung „meines früheren Tonschlägers Bruno Eichhorn. Der empfindliche Mangel an geeigneten Arbeitern... ist der Berginspektion ja bekannt.“ Über die vormals Venus'schen Tongruben berichtete Inspektor Sickel am 30. Juni und 3. Juli, daß der Abbau bei den Katharinaschächten beendet sei. Auch am Augustinenschacht II zeigen sich wegen des nahrückenden Abbaus nun Druckerscheinungen und der Ausbau dort müsse gewechselt werden. Auf den Fundgrubeschächten ging zurzeit kein Abbau mehr um. Im Tagebau wurde der Einbau einer Haspelförderanlage vorbereitet und ein Sumpfschächtchen für die Wasserhaltung geteuft. Bei den Kaschka- Mehrener Tonwerken arbeiteten überhaupt nur noch 8 Mann, alle übrigen waren bei den Löthain- Meißner Tonwerken angelegt (40024-12, Nr. 280, Blatt 203f). Im September 1915 war selbst der Tagebau ersoffen und der Betrieb ruhte wegen Mangel an Arbeitern, nur auf den Augustinenschächten waren noch 8 Tonschläger und 6 Förderleute angelegt. Im November 1915 wurde dann mitgeteilt, daß auf dem Augustinenschacht II nur noch über den Winter abgebaut werde, dann sollen beide Schächte abgeworfen werden (40024-12, Nr. 280, Blatt 207f).
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Die Übersicht in der betreffenden Jahrbuchausgabe berichtet
in der Aufstellung der im Jahr 1915 gangbaren, gewerblichen Gruben, daß anstelle
der Krister'schen Kaolinwerke nun die von R. Pabst gegründete
Grube Anna den Betrieb in Seilitz wieder aufnahm. Zum Unternehmen der Herren
Otto & Schlosser in Garsebach ist vermerkt, es sei „im Juli
1915 aus der bergbehördlichen Aufsicht ausgeschieden“ ‒ entweder also wurde
es ganz stillgelegt oder man baute nur noch oberirdisch im Tagebau ab.
Schwere Unfälle sind 1915 auf keiner der gewerblichen Gruben vorgekommen. Im Kapitel V. Allgemeine Mitteilungen über die gewerblichen Gruben steht dann allerdings gleich im ersten Punkt über die Auswirkungen des Kriegseintritts zu lesen: 1. Wirtschaftliche Lage der Gruben. „Die stark verminderte Anzahl der beschäftigten Arbeiter hat naturgemäß auch einen nicht unbeträchtlichen Rückgang des Ausbringens der Gruben im Gefolge gehabt. Immerhin ist der Rückgang geringer gewesen, als man voraussetzen durfte. Es ist in Betracht zu ziehen, daß im wesentlichen nur die älteren, weniger kräftigen Arbeiter und ein Teil solcher Neuangenommener Beschäftigung fanden, denen die bergbauliche Gewinnung noch fremd war. Während jedoch die Zahl der Arbeiter um 46,2 vom Hundert zurückging, fiel das Ausbringen nur um 35,6 vom Hundert (von 140.002 auf 90.167 t), woraus sich eine nicht unbeträchtlich höhere Durchschnittsgewinnung auf den einzelnen Mann ergibt. Diese findet ihre Erklärung im wesentlichen darin, daß infolge des Arbeitermangels die Abbaue im Verhältnis zu den Versuchs- und Vorrichtungsbetrieben stärker als vorher belegt wurden. Ziemlich allgemein waren die Klagen über verminderte Absatzmöglichkeit. Wegen Mehrbedarfs von Pferden waren vielfach die nötigen Fuhrwerke nicht zu erhalten, öfter hinderte auch der Wagenmangel bei der Eisenbahn und die deshalb von der Bahn Verwaltung verfügten verkürzten Be- und Entladungsfristen den Absatz...“ Auch im Kapitel VI. Wichtige Ausführungen und Betriebsvorgänge steht nur lapidar: 1. Neue Lagerstättenaufschlüsse und
geognostisch oder bergmännisch „Neue Lagerstätten sind ebenso wenig bekannt geworden, als bereits bekannte in anderen Sohlen durch Strecken, die sie noch nicht erreicht hatten, angefahren worden sind; vielmehr bewegten sich alle Versuchs und Abbaue nur in bereits bekannten, in Betrieb genommenen Lagerstätten fort.“ 2. Schacht- und Maschinenanlagen. „Als einzige bemerkenswerte Erscheinung ist die Aufnahme des Kaolinbergbaues in Seilitzer Flur durch ein neues Werk (die ,Grube Anna') zu bezeichnen...“
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Dennoch war im Grubenbetrieb bei den Befahrungen von Inspektor Sickel im März 1916 auf den Rühle'schen Tongruben alles in Ordnung, jedenfalls hatte er wieder keine wesentlichen Erinnerungen. Im Juni 1916 sollten nun auch die Versuche mit Schießarbeit aufgenommen werden – da aber gerade Romperit nicht zu bekommen ist, nun mit Koronit. Das wurde auch genehmigt, zunächst im Johannaschacht, später auch im Steigerschacht. Eine untertägige Sprengstoffniederlage hatte in 25 m Teufe und 35 m östlicher Entfernung in einer extra getriebenen Strecke am Kaiserschacht eingerichtet (40024-12, Nr. 241, Blatt 186f). Am 3. Juli 1916 teilte die Betriebsleitung die Abbaueinstellung bei den vormals Venus'schen Augustinenschächten mit. Im Fahrbericht vom 13. Juli 1916 wird der Tagebau bei Mehren dann erstmals als „Grube Merkur“ bezeichnet. Hier waren jetzt 17 einheimische Arbeiter und 25 serbische Kriegsgefangene beschäftigt. Wenn die Witterung wieder schlechter werde, sollten die noch offenen Katharina- und Augustinenschächte verfüllt werden. Das war dann im Juni 1917 erledigt (40024-12, Nr. 280, Blatt 218ff). Nach seiner Befahrung im August 1916 wurde von Sickel berichtet, daß „der Erfolg (des Schießens) angeblich befriedigt, nur hat das Sprengen den Nachteil, daß viel klarer Tonfall entsteht, der sich weniger gut für den Verkauf eignet... Das Schießen wird daher wahrscheinlich nur für die Dauer des Krieges beibehalten werden.“ Im Fahrbericht vom September 1916 heißt es dazu noch: „Der Koronit findet lediglich Verwendung zur Hereingewinnung des sehr zähen, schwarzen Tones, der durch eingesprengte Kohle gefärbt ist und beim Brennen seine Farbe vollständig in Weiß umändert.“ (40024-12, Nr. 241, Blatt 199ff) Darüber hinaus war bis auf „fortgeschrittene Fäulnis“ des Ausbaus im Steigerschacht, der demnächst ausgewechselt werden müsse, auch jetzt alles in Ordnung. Im Oktober 1916 waren nur noch 7 Mann untertage und 4 Mann sowie 3 Frauen übertage auf dem Steigerschacht in Arbeit. Im November beantragte die Betriebsleitung „wegen der starken Verminderung der Belegschaft durch Einberufungen Feiertagsarbeit (am Buß- und Bettag), um die Belieferung derjenigen Fabriken, die mein Rohmaterial zur Herstellung von Artikeln, die dem Heeresbedarf dienen“, sicherzustellen. Die wurde natürlich auch genehmigt (40024-12, Nr. 241, Blatt 199ff).
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Der Jahrgang 1917 der Jahrbücher für das Berg- und
Hüttenwesen in Sachsen trägt dann den Vermerk, daß die statistischen Angaben zu
den einzelnen Betrieben (auf dem Stand von 1916) „streng vertraulich zu
behandeln“ sind.
Ansonsten waren Neue Lagerstättenaufschlüsse und geognostisch oder bergmännisch bemerkenswerte Vorkommnisse „auch diesmal nicht zu verzeichnen, aus den im Vorjahr bereits dargelegten Gründen.“
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Die nächste Grubenbefahrung auf den Rühle'schen Tongruben erfolgte im April 1917 durch Bergrat Herold. Gefördert wurde nur auf Johanna- und dem Heinrichschacht. Angelegt waren hier 17 Mann untertage, außerdem 6 dänische Arbeiter, geschossen wurde jetzt mit Perchlorit, da auch Koronit nicht mehr lieferbar war, und: „Es herrschte im allgemeinen gute Ordnung.“ (40024-12, Nr. 241, Blatt 207) Über seine Befahrung auf der Johannaschachtanlage im August 1917 berichtete Bergrat Herold (40024-12, Nr. 241, Blatt 212ff), daß der Kaiserschacht nur als Fluchtschacht diene, der Heinrichschacht war nur Förderschacht und zurzeit außer Betrieb. Zur technischen Ausstattung hielt er noch fest, daß im Johannaschacht eintrümig Kübelförderung elektrisch betrieben wurde, in Kaiser- und Thiemannschacht zweitrümig, doch noch mit der Haspel. Am Kaiserschacht arbeitete eine elektrische Wasserpumpe anstelle der außer Betrieb gesetzten Windturbine, am Steigerschacht war eine solche noch in Betrieb, am Thiemannschacht stand eine Dampflokomobile zur Wasserhebung. In Kaschka- Mehren gab es außerdem die Schächte Fundgrube I und III. Untertage waren auf der Johannaschachtanlage 7 Tonschläger auf 7 Abbauörtern, 1 Zimmerling und 6 Förderleute angelegt, also alles in allem 14 Mann. Wieder einmal fiel dem Inspektor auf, daß in den Abbauörtern der Ausbau nicht nachgezogen worden ist: „Wenn auch sonst der Zustand aller Strecken und namentlich auch der beiden Schächte ein nicht zu tadelnder war, so waren doch an drei Ortsbetrieben die mangelhafte, z. T. gänzlich fehlende Zimmerung auszustellen. Steiger Straube wurde angehalten, (...) die Belegschaft gehörig anzuweisen.“ Anschließend wurde mit Steiger Matthes der Thiemannschacht und der Steigerschacht befahren, wo aber nur der Steiger mit 2 Zimmerlingen mit Reparaturen der Zimmerung im Steigerschacht befaßt war. Obersteiger Pfeiffer hatte im Oktober 1917 wieder Urlaub und brachte die Risse nach.
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Auch die folgende Ausgab der Jahrbücher für das Berg- und
Hüttenwesen in Sachsen berichtet nur ziemlich knapp über das Jahr 1917:
VI. Wichtige Ausführungen und Betriebsvorgänge bei den gewerblichen Gruben. 1. Neue
Lagerstättenaufschlüsse und geognostisch oder bergmännisch „1. Neu aufgefundene Lagerstätten sind nicht zu verzeichnen. Bohrungen und Streckenauffahrungen, die ausgeführt worden sind, ergaben geognostisch lediglich nebensächliche Aufschlüsse über die Beschaffenheit bereits bekannter Vorkommnisse. 2. Hertha- und Richard- Schacht der Kaschka- Mehrener Tonwerke in Kaschka und Mehren (7) standen wegen Mangels an geeigneten Arbeitern außer Betrieb. Aus demselben Grunde wurde bei den Schachtanlagen I in Löthain und III in Mohlis der Meißner Ofen- und Porzellanfabrik vormals C. Teichert (16), sowie bei dem auf Schlettaer Flur gelegenen Hildeschacht von Ernst Teichert's Tongruben (22) der Betrieb eingestellt.“ 2. Schacht- und Maschinenanlagen. „1. Die bisher mit Dampf angetriebene Förder- und Wasserhaltungsanlage des Josephschachtes der Colditzer Tonwerke (5) in Löthain wurde mit elektrischem Antriebe versehen. (...) 4. An Stelle des eingestellten Hildeschachtes I (vgl. Abschnitt 1 Nr. 2) von Ernst Teicherts Tongruben (22) wurde, und zwar ebenfalls in Schletta, aber in einem anderen Ortsteil, ein nur 11 m tiefer Schacht, der Hildeschacht II, abgeteuft, der weniger Arbeitskräfte zu beanspruchen versprach als jener, weil mit geringerem Druck und weniger Wasser zufluß zu rechnen war.“ 3. Gewinnungsarbeiten. „Bei den Kaschka- Mehrener Tonwerken (7) in Kaschka und Mehren, bei den Löthain- Meißner Tonwerken (10) in Löthain, sowie bei den Tongruben der Meißner Ofen- und Porzellanfabrik, vormals C. Teichert (16) wurde im Berichtsjahre zur Abkürzung und Erleichterung des Hereingewinnens des Tones Schießarbeit eingeführt. Durch die Sprengwirkung sollte der Ton gelockert und damit das zeitraubende und viel körperliche Anstrengung erfordernde Einschlagen der Toneisen in den zusammen hängenden zähen Ton abgekürzt und erleichtert werden.“
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Bei der nächsten Befahrung im Februar 1918 waren auf Johanna- und Kaiserschacht der Rühle'schen Tonwerke nebst dem Steiger schon wieder 10 Tonschläger, 6 Förderleute und 2 kriegsgefangene Serben, dazu 3 Tagelöhner für die Wasserhaltung, übertage 9 Mann, dazu 3 Frauen angestellt, zusammen also 33 Arbeiter und ein Beamter. In der Abteilung Thiemannschacht war noch immer die Reparatur des Schachtausbaus im Gange, hier waren neben dem Steiger 7 Mann sowie 6 Serben untertage angelegt, respektive noch einmal 13 Arbeiter und ein Beamter. Bemerkenswert war für den Bergrat noch, daß untertage nur noch Wolf‘sche Benzinsicherheitslampen verwendet werden. „Zu erinnern gab sich nichts.“ (40024-12, Nr. 241, Blatt 219f) Als im April 1918 wieder Berginspektor Roch auf der Grube zugegen war, wurde von ihm die Beschäftigung von Arbeiterinnen an der Haspel untersagt. Nach den Gewerbe- und Arbeitsschutzbestimmungen dürften Frauen hier nur noch beim „Ton- Abputzen und Verladen“ beschäftigt werden ‒ was davon vielleicht die weniger schwere körperliche Arbeit gewesen ist, bleibt allerdings dahingestellt... Auch bei seinen Befahrungen im Sommer 1918 fand Inspektor Roch in der Abteilung Steiger- und Thiemannschacht nur unwesentliche Mängel im Grubenbetrieb, allerdings die elektrische Pumpe defekt vor, weswegen das Wasser „mit der Tonne gezogen“ werden mußte. Hier waren nur 4 Mann untertage angelegt. In der anderen Abteilung war man mit dem Umbau des Heinrichschachtes fast fertig, womit 8 Mann beschäftigt gewesen sind und „der allgemeine Zustand genügte.“ (40024-12, Nr. 242, Blatt 1ff) Geschossen wurde nicht mehr. Da der Abbau langsam voranschreite, gab es auch keine Tagesbrüche, „höchstens Risse, die schleunigst wieder verschlossen werden.“ Etliche der Sicherheitslampen waren verschlissen, was Pfeiffer damit entschuldigte, daß „das Ölgemisch mitunter ganz schlecht und auch gar nicht mit der Zündvorrichtung anzubrennen sei.“ Bemerkenswert war für den Inspektor noch: „Der Werksbesitzer Rühle sorgt gut für Lebensmittel, welche Steiger Straube an die Arbeiter ausgibt.“ Das war kurz vor Kriegsende keineswegs üblich, daß sich die Unternehmensleitung auch um das leibliche Wohl der Arbeiter kümmerte... Allerdings liest man auch in der Ausgabe des Jahrbuchs für das Berg- und Hüttenwesen in Sachsen von 1919 im Kapitel: V. Allgemeine Mitteilungen über die gewerblichen Gruben mit unterirdischem Betrieb. 1. Wirtschaftliche Lage der Gruben. „Im Berichtsjahre hat es bei den gewerblichen Gruben mit unterirdischem Betrieb an Nachfrage nach ihren Erzeugnissen nicht gefehlt; sie überstieg im Gegenteil die Leistungsfähigkeit der Werke, die bis zur Einstellung der Kriegskämpfe durch Arbeitermangel, Mangel an Betriebsstoffen, namentlich an Kohlen, Rückgang der Arbeiterleistungen und Mangel an Beförderungsmitteln, namentlich an Eisenbahnwagen, stark beeinträchtigt wurde. Nach Eintritt des Waffenstillstandes schwand zwar der Arbeitermangel, aber die übrigen Hindernisse wuchsen...“ Ferner heißt es hier im Abschnitt: 4. Arbeiterwesen. „Auch im Berichtsjahre sind die Betriebsunternehmer, namentlich diejenigen der größeren Werke, bestrebt gewesen, für ihre Arbeiter und deren Familien Nahrungsmittel zu beschaffen und haben diese — meist erheblich — unter dem Selbstkostenpreis abgegeben. Trotz dem erwähnten Rückgange der Arbeiterleistungen, der sich nach und nach auf ziemlich alle Arbeiter erstreckte, stiegen die Löhne erheblich. Die Lohnsteigerungen wurden zuweilen unter Ausnutzung der durch Nachfrage und Lieferungsverpflichtungen bedingten Lage der Werke mit Streikdrohungen und örtlich auftretenden Arbeitsverweigerungen erzwungen. Die aus dem Krieg Zurückkehrenden sind, soweit wie sie sich an ihre früheren Arbeitgeber gewendet haben, wieder eingestellt worden. Hierbei wurde auf Kriegsverletzte in der Auswahl ihrer Beschäftigung die gehörige Rücksicht genommen.“ Ende November 1918 hatte die Marineführung durch einen Flottenbefehl den Kiel'er Matrosenaufstand ausgelöst, welcher zur Novemberrevolution in Deutschland und am 9. November 1918 zur Abdankung Kaiser Wilhelms, II. führte. Am 11. November endete mit dem Waffenstillstand von Compiègne der 1. Weltkrieg. Die Fahrberichte aus den letzten Monaten des Jahres 1918 zu den Rühle'schen Tongruben berichten uns davon, daß wieder 11 dänische Arbeiter untertage angelegt waren. Sie wurden „da anders Ton nicht zu erhalten ist, von einer Kopenhagener Fabrik hergeschickt worden und werden auch von dieser entlohnt.“ (40024-12, Nr. 242, Blatt 9f) Außerdem erfährt man hier davon, daß die Gruben abweichend von der Regel Erleichterungen hatten: „Betriebspläne bestehen für die Löthain- Meißner Tongruben nicht, erscheinen auch nicht notwendig.“ Auch die Belegung hatte ‒ nicht nur durch die dänischen Arbeiter ‒ wieder zugenommen: Allein in der Betriebsabteilung Johanna-, Kaiser- und Heinrichschacht arbeiteten nun wieder 16 Tonschläger, 13 Förderleute, 2 Zimmerlinge und 2 ,Wassermänner' untertage, dazu 7 Arbeiter und 2 Arbeiterinnen übertage. Das waren 18 Mann mehr, als ein Jahr zuvor. Angefahren wurde normalerweise nur einschichtig früh. Allerdings gab es dienstags keinen Strom, weswegen an diesem Tag die Förderleute auch die Mittelschicht belegen mußten. Die Berginspektoren lobten den Ausbau, namentlich der Schachtausbau war tadellos, freilich auch drei Mann ständig mit Zimmerungsarbeiten befaßt. Über die vormals Venus'schen Tonwerke war nicht viel zu berichten. Im Sommer wurde der Tagebau betrieben, im Winter die Fundgrube, im Mai 1918 war dann aber auch die eingestellt. Bei den Kaschka- Mehrener Tonwerken waren zu diesem Zeitpunkt noch 11 Arbeiter und 6 Arbeiterinnen sowie 8 Kriegsgefangene beschäftigt (40024-12, Nr. 280, Blatt 218ff). Am 22. Juli 1918 war Berginspektor Roch wieder zugegen und berichtete, daß 4 Mann und 4 Kriegsgefangene im Tagebau bei Mehren Ton abbauten. Der Hertha- Schacht war wegen Mangel an Arbeitern noch außer Betrieb. Auf der Fundgrube in Kaschka waren weitere 11 Mann mit Tonabbau befaßt. Während der Inspektor sonst nichts zu erinnern fand, war hier die Zimmerung des Schachts III und der Fluchtstrecke zu erneuern (40024-12, Nr. 281, Blatt 3f).
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Hinsichtlich technischer Betriebsvorgänge auf den Gruben im
Tonrevier berichtet uns die Jahrbuchausgabe von 1919 wie immer im
Kapitel:
VI. Wichtige Ausführungen und Betriebsvorgänge im Jahr 1918. 1. Neue Lagerstättenaufschlüsse und
bergmännisch oder geognostisch „1. Auffindungen bisher völlig unbekannter Lagerstätten sind auch im Jahre 1918 nicht zu verzeichnen. Wohl aber wurden in dem bekannten Ton- und Kaolinrevier östlich und nordöstlich von Meißen durch zahlreiche Bohrungen die Ausdehnungen der in Form und Beschaffenheit dort lebhaft wechselnden Ton- und Kaolinlager weiter aufgeschlossen. Diese Bohraufschlüsse haben Anlaß zur Errichtung mehrerer kleiner Grubenanlagen gegeben, die z. T. noch in das Berichtsjahr fallen.“ 2. Schacht- und Maschinenanlagen. „1. Die Schletta- Löthainer Kaolin- und Tonwerke (10a) begannen ihren Betrieb im Juni des Berichtsjahres mit dem Abteufen des ,Rittergutsschachtes' am Osteingange des Dorfes Schletta, mit dem bei rd. 10 m Teufe das durch Bohrungen festgestellte Kaolinlager angetroffen wurde. Die Schachtförderung erfolgte vorläufig mittels Handhaspel. Im Dezember folgte das Abteufen des ,Margaretenschachtes' auf Löthainer Flur östlich von diesem Dorfe. Das dort erbohrte Kaolinlager wurde im Berichtsjähre noch nicht erreicht. (...) 3. An Stelle des 1917 eingestellten Hildeschachtes legte die Firma Ernst Teichert (22) an anderer Stelle in Schletta einen neuen Schacht, den Hildeschacht II, an, weil die günstigeren Wasser- und Druckverhältnisse voraussehen ließen, daß hier mit weniger Arbeitern als bei Hildeschacht I abgebaut werden könnte; aber schon nach geringer Streckenauffahrung, wobei man auch auf Spuren zeitlich weit zurückliegenden Tonabbaues traf, stellte es sich heraus, daß der noch anstehende gute Ton nicht in einer Menge mehr vorhanden war, die den Weiterbetrieb hier bezahlt machen könnte. Der Hildeschacht wurde daher und, weil auftretender Druck für die Offenhaltung des Schachtes besondere Aufwendungen verursacht hätte, noch im Berichtsjahre wieder verfüllt, unweit davon aber als Ersatz ein neuer Schacht, der Hildeschacht III, abgeteuft.“ 3. Gewinnungsarbeiten. „Die im Vorjahre eingeführte Schießarbeit in unterirdischen Tongruben hat sich nicht eingebürgert, weil die Wirkung der Schüsse in dem zähen Ton zumeist nicht in seiner Lockerung durch ausgedehnte Risse, sondern in einer Zermalmung in geringem Umkreise um das Bohrloch besteht.“ |
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In der Übersicht über die gewerblichen Gruben mit
unterirdischem Betrieb auf das Jahr 1919 werden nach dem Kriegsende folgende
Gruben aufgeführt:
Der Vergleich mit der von uns zuletzt für das Jahr 1913
vor dem Weltkrieg aus den Jahrbüchern entnommenen
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Nachdem es am 24. März 1919 auf dem Grellmannschacht zu einem tödlichen Unfall gekommen war, weil eine Fördertonne „seillos“ geworden und in den Schacht gestürzt war, wurden bei den Befahrungen im April auch auf den Rühle'schen Tonwerken die Tonnen besonders geprüft, aber für sicher befunden (40024-12, Nr. 242, Blatt 13f). Zugleich zeigte Inspektor Roch dem Bergamt aber den Verlust von Fluchtstrecken an, die zubruchgingen, weil Arbeiter unerlaubt und heimlich Ausbau als Feuerholz raubten. Das hätte früher die sofortige Entlassung zur Folge gehabt, heute aber klagten die Arbeiter mit Hilfe der Gewerkschaften gegen ihre Entlassung, weswegen auch Obersteiger Pfeiffer sich machtlos fühlte und bei Durchsetzung des Rauswurfs schlimmere Übergriffe der Arbeiter befürchtete. Roch schrieb „Man sollte meinen, daß §321 StGB zu einer Bestrafung der Arbeiter führen müsse, wenn auch eine unterirdische Tongrube vor dem allgemeinen Berggesetz nicht als ein Bergwerk gilt, denn daß die der Wetterführung und in gewissen Notfällen der Fahrung dienende Fluchtstrecken durch das Holzrauben beschädigt, wenn nicht zerstört werden, wissen die Arbeiter zweifellos...“ Da muß die Not der Arbeiter schon groß gewesen sein... Gleiches hatte Inspektor Roch ein Jahr später übrigens auch von den Kaschka- Mehrener Tonwerken zu berichten (40024-12, Nr. 281, Blatt 23). Für uns ist hier aber die Bemerkung Roch's interessant, daß die Tongruben zwar seit 1900 der technischen Aufsicht durch die Berginspektionen unterstellt waren, aber nach wie vor nicht als Bergwerke im Sinne des Allgemeinen Berggesetzes galten. Bei Befahrungen im Oktober war die Instandsetzung der Fluchtstrecken zwar in Arbeit, bis November aber immer noch nicht wieder alle fahrbar (40024-12, Nr. 242, Blatt 24ff). Nach dem Kriegsende hatte die Gesamtbelegschaft bei den Kaschka- Mehrener Tonwerken wieder auf 30 Mann angestiegen (40024-12, Nr. 281, Blatt 7). Bei seiner Befahrung am 7. Januar 1919 fand Herr Roch den Tagebau natürlich außer Betrieb vor, während auf Fundgrube wieder 7 Tonschläger untertage durch 5 Förderleute und 4 Mann übertage unterstützt wurden. Ab Februar war auch der Tagebau wieder belegt, zunächst fanden aber nur „Aufräumarbeiten und Neuverlegung der Gleisbahn für die Förderwagen“ statt. Die Aufsicht hier hatte der Vorarbeiter Gustav Niemand (40024-12, Nr. 281, Rückseite Blatt 7). Folgende Skizze in dem Antrag der Kaschka- Mehrener Tonwerke auf ein Schachtabteufen beim Tagebau zeigt uns die Lage dieser Grube (40024-12, Nr. 281, Blatt 15f). Wie immer vom Bergamt nach einer Stellungnahme befragt, hat Inspektor Roch die Örtlichkeit besichtigt und darüber am 22. Oktober 1919 berichtet, daß das Schachtabteufen schon im Gange war. An der Schachtstelle „liegt 2 m unter Tage guter dunkler Hafenton, unter dem bei 9 m Teufe heller Hafenton folgt. Die Sorten braucht Werksbesitzer Rühle zur Erfüllung von Abschlüssen in nächster Zeit. Die Gewinnung durch Tagebau, die unter diesen Lagerungsverhältnissen vom bergtechnischen Standpunkte unbedingt vorzuziehen wäre, würde soviel Vorarbeitungen... erfordern, daß sie zu spät einsetzte. Vom betriebspolizeilichen Standpunkte aus ist gegen die untertägige Gewinnung beider Tonsorten in einer 9 m- und einer 11 m- Sohle nichts einzuwenden...“ Der Tagebau war außer Betrieb und alle Arbeiter auf das Schachtabteufen verlegt. Bei seiner Besichtigung am 10. November 1919 fand Roch diesen „Tagebauschacht“ reichlich 10 m tief und mit 17 Mann in drei Dritteln belegt. Vom oberen Füllort aus hatte man bereits eine Strecke und 6 m vom Schacht entfernt von dieser aus einen Querschlag angehauen. Einen Fluchtweg zum Tagebau wollte man nicht anlegen, vielmehr zu gegebener Zeit einen Flucht- und Wetterschacht teufen, weil „bei den Unregelmäßigkeiten in der (...) Stromzuführung leicht die Wasser im Tagebau aufgehen können.“ Dann wäre der Schacht gleich mit ersoffen (40024-12, Nr. 281, Blatt 18).
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Digitalisat:
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Am 28. April 1919 war der Berginspektor auch wieder beim Herthaschacht auf Mehren'er und dem Richardschacht auf Kaschka'er Seite der Flurgrenze zwischen beiden Orten. Man wollte beide Schächte wieder aufnehmen, aber der Richardschacht mußte zugefüllt werden, da der Ausbau nach der Standzeit über die Kriegsjahre stark verdrückt und dessen Gewältigung zu aufwendig war. Der Herthaschacht ließ sich dagegen durch Auswechslung einiger Jöcher wieder instandsetzen. Dort war nur das Füllort „wie vermutlich alle Strecken der Anlage völlig zusammengedrückt“ und deshalb wurde gerade ein neues ausgehauen. Obwohl der Betrieb auch hier eigentlich längst industrielle Züge angenommen hatte, meinte Inspektor Roch noch immer: „Ein Betriebsplan besteht nicht und ist auch nicht notwendig.“ (40024-12, Nr. 281, Blatt 10) Auch die Glückauf Schächte sind wegen Arbeitermangel im Krieg außer Betrieb gewesen. Als Herr Roch sie am 17. August 1919 begutachtete, fand er wie bei Fundgrube Schacht III den Ausbau stark verdrückt vor und durch „Zusammengehen der Schächte waren Senkungen entstanden, die sich namentlich durch die immer schiefer werdende Lage der Schachtgebäude bemerklich machten.“ Die Schächte sind daher im Juli 1919 verfüllt worden. Nach einem neuen Fluchtschacht nach Aufgabe des Richardschachts befragt, gab Obersteiger Pfeiffer an, daß auch der Herthaschacht in Kürze abgeworfen werden soll, da dort nur noch solcher Ton anstehe, der im Handel nicht gut ging und übertage davon noch genug Vorrat lagere (40024-12, Nr. 281, Blatt 13).
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Im betreffenden Abschnitt der Jahrbuchausgabe von 1920 kann man lesen, daß auch die anderen die Tonwerksgesellschaften im Revier nach dem Kriegsende ihren normalen Betrieb wieder aufnahmen. VI. Wichtige Ausführungen und Betriebsvorgänge im Jahre 1919. 1. Neue Lagerstättenaufschlüsse und
bergmännisch oder geognostisch „1. Eine Neuauffindung von Lagerstätten ist im Berichtsjahre nicht zu verzeichnen; aber die bekannten Tonlager nordwestlich von Meißen und der Kaolin südlich von Kemmlitz wurden durch Bohrungen weiter aufgeschlossen, wobei sich verschiedentlich Tone oder Kaolin von besonders guter Beschaffenheit auf für den Abbau genügende Erstreckungen ergaben. Bei dem staatlichen Weißerdewerk Seilitz (3) fand man beim Auffahren einer Abbaustrecke mitten in dem dort gleichmäßig auftretenden Kaolinlager grünliche Einschlüsse von basischem Eisensulfat, wie sie in so ausgeprägt deutlicher Form bisher nicht beobachtet worden waren. Es handelt sich um ein örtlich engbegrenztes Vorkommen. (...) 4. Bei der Mohliser Förderschachtanlage der Colditzer Tonwerke (5) brannte in der Nacht zum 4. Januar, während der Betrieb ruhte, das Schachtgebäude nebst dem angebauten Fördermaschinen- und dem Mannschaftsraume sowie einem Kohlenschuppen ab. Diese Gebäude bestanden mit Ausnahme des hölzernen Kohlenschuppens aus Ziegelfachwerk; eingedeckt waren sie mit Pappdächern. Der Maschinenraum war mit Ziegeln gepflastert. Der Befund ergab keinen Anhalt dafür, daß das Feuer durch Schlacken aus der Kesselfeuerung der lokomobilartigen Fördermaschine oder aus dem Öfen der Mannschaftsstube entstanden wäre, sondern deutete auf Brandstiftung hin... 5. Von den Kaschka- Mehrener Tonwerken (7) wurde der Herthaschacht, der im Kriege wegen Mangels an geeigneten Arbeitern stillgelegt werden mußte, wieder in Betrieb genommen. 6. Die Löthain- Meißner Tonwerke (1) erbohrten auf Flurstück 75 von Löthain den Ton auf größere Erstreckung in guter Beschaffenheit. 7. Die Schletta- Löthainer Kaolin- und Tonwerke (10a) gingen in den Besitz der Gothaer Gewerkschaft Otto l in Dresden über und wurden durch ein Kaolingrubenfeld auf Börtewitzer Flur südlich von Kemmlitz, woselbst der Kaolin in guter Beschaffenheit erbohrt worden war, erweitert. Die Untersuchungsarbeiten des Rittergutsschachtes in Schletta und des Margarethenschachtes in Löthain wurden fortgesetzt und sowohl 450 m östlich des ersteren als auch in Börtewitz ein Versuchsstolln getrieben. Im letzteren wurde die gleichmäßig gute Beschaffenheit des Kaolins auf weitere Erstreckung bestätigt. Auch die Aufschlüsse des Margaretenschachtes in Löthain waren gut. 8. Die Aktiengesellschaft Meißner Ofen- und Porzellanfabrik vorm. C. Teichert (17), die seit langer Zeit Tongruben in Löthain und Mohlis betreibt, erbohrte in Oberjahna mit 14 Bohrlöchern am Gehänge südöstlich vom Oberjahna- Kaschkaer Weg den Ton auf wesentliche Erstreckung in guter Beschaffenheit und legte dort eine neue Tongrube an. Die Tongrube I in Löthain, die seit 1916 still lag, wurde dagegen endgültig abgeworfen.“ 2. Schacht- und Maschinenanlagen. „3. Die Colditzer Tonwerke (5) wollten die Tongewinnung auf einer im Kriege wegen Mangels an geeigneten Arbeitern eingestellten Tongrube in Löthain wieder aufnehmen und teuften, da der frühere Förderschacht daselbst, der Grellmannschacht, inzwischen verbrochen und verfüllt war, den Grellmannschacht II gegen 30 m tief ab. Da aber die Werksverwaltung von der Gewinnung des dort anstehenden Tones zunächst wieder abgekommen war, blieb der Schacht ohne Betrieb und litt unter zusitzendem Wasser. Um Schachtumbau zu sparen und das unbeschädigt gebliebene Schachtausbauholz nicht einzubüßen, wurde letzteres unter gleichzeitigem Verfüllen des Schachtes vollständig geraubt. Um den Betrieb der Mohliser Tongrube wieder aufnehmen zu können, wurde 130 m südlich des in Abschnitt 1 unter Ziffer 4 erwähnten verloren gegangenen Förderschachtes ein neuer angesetzt... Nach einiger Zeit erfolgte aber, obwohl außer der genannten Schwimmsand schicht nachweislich keine weitere vorhanden ist, erst im weiteren und dann im engeren Rohre von unten ein Schwimmsanddurchbruch... Der Ausbau des Flucht- und Wetterschachtes derselben Tongrube war schadhaft geworden und hätte, weil die Gewinnung des dort an stehenden Tones wegen des Mißlingens des beschriebenen Abteufens nicht etwa aufgegeben werden sollte, erneuert werden müssen, wenn nicht auch dieser Schacht verloren gehen sollte. Um aber den wegen des vorhandenen Wassers und Schwimmsandes sehr schwierigen Schachtumbau zu sparen, wurde ein eisernes Rohr, von 80 cm Weite in dem schad haften Schacht eingesetzt und der Zwischenraum zwischen Schachtstößen und Bohr ausgestopft, wodurch er für lange Zeit gesichert worden ist. 4. Die wegen Arbeitermangels im Kriege stillgelegten Glückauf- Schächte der Kaschka- Mehrener Tonwerke (7) waren zusammengebrochen und wurden vollends verfüllt. — Auf Grube Merkur derselben Werke in Mehren würde vom Tagebau zum Tiefbau übergegangen und ein Förderschacht abgeteuft. Der im April nach mehrjähriger Pause wieder in Betrieb genommene Herthaschacht wurde endgültig abgeworfen und nach Bergung seines Einbaues verfüllt. 5. Bei Margaretenschacht der Gewerkschaft Otto l (10a) wurde eine elektrisch angetriebene Schachtförderanlage nach Art der jetzt in Fabriken üblichen Fahrstuhleinrichtungen für eine Nutz-Förderleistung von 160 t in der 8-stündigen Schicht eingebaut. 6. Die Aktiengesellschaft Meißner Ofen- und Porzellanfabrik vorm. C. Teichert (16) brachte in Oberjahna bei Meißen 50 m nördlich vom früheren Bismarckschacht einen neuen Förderschacht von 23 m Teufe nieder, wovon die untersten 7 m in Ton stehen. Beim Abteufen war eine gegen 3,5 m mächtige Schicht aus groben Quarzblöcken, die sich schon bei den Bohrungen hinderlich gezeigt hatte, zu überwinden, was um so mehr Schwierigkeiten bereitete, als sich in dieser Schicht ein bedeutender Wasserzufluß einstellte. Der Schacht konnte daher erst nach 4 Monaten fertiggestellt werden. 8. Der im Vorjahre in Schletta geteufte Hildeschacht III der Firma Ernst Teichert (22) wurde, nachdem sich das mit ihm verschlossene Tonlager in seiner guten Beschaffenheit als nicht aushaltend erwiesen hatte, wieder verfüllt. Dafür wurden die Begußtonschächte in Kaschka, die während des Krieges stillgelegen hatten, wieder in Betrieb genommen. Da hier der Flucht- und Wetterschacht verloren gegangen war, wurde als zweiter Tageausgang ein weiterer Schacht geteuft. 10. Die Firma Ernst Teichert (22) wurde durch Kohlenmangel veranlaßt, bei ihrer Tongrube in Mohlis die der Schachtförderung und der Wasserhaltung dienende Dampfmaschinenanlage abzuwerfen und dafür eine elektrische Anlage einzubauen. Diese umfaßt einen Drehstromzähler für 3x210 V. und 3x50 Amp., eine Schalttafel und einen Drehstrommotor für 380 V, 24 Amp. mit einer Leistung von 10 KW bei 60 U./Min.“ 8. Wetterlösung. „Bei der Wiederaufnahme des Betriebes der Begußtonschächte (vgl. Abschnitt 2, Ziff. 8) der Firma Ernst Teichert (22), von denen nur noch der 14 m tiefe Förderschacht offen stand, war am Verlöschen eines hineingehängten Lichtes erkannt worden, daß matte Wetter im Schachte standen. Zu ihrer Beseitigung genügte das Einhängen eines Wetterluttenstranges, der oben über das Kauendach hinausgeführt und mit einem Windfangtrichter versehen wurde. Ein zweiter Schacht wurde sofort geteuft und mit jenem durchschlägig gemacht. Seitdem haben sich matte Wetter nicht wieder bemerklich gemacht.“
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Auch in den Grubenakten der Rühle'schen
Tonwerke findet man Schriftverkehr zu dem noch immer bestehenden und auch im Jahrbuch
angesprochenen (Punkt 2. Ziffer 4) Arbeitermangel. Erich Rühle beantragte
am 15. Juli 1920 beim Bergamt ‒ weil ihm die erfahrenen Tonschläger ausgingen
(viele Jüngere waren ja im Krieg geblieben) ‒ abweichend von bestehenden
Regelungen, auch solche Grubenarbeiter mit Tonhauen beschäftigen zu dürfen, die
noch nicht wenigstens ein halbes Jahr untertage gearbeitet und Erfahrungen
gesammelt haben (40024-12, Nr. 242, Blatt 33f).
Berginspektor Roch befürwortete diesen Antrag, da nach dem Kriege erfahrene Bergarbeiter überall fehlen und in „den kleinen Tongruben“ die Beaufsichtigung während des Anlernens leicht umzusetzen wäre. Was auch häufig vorkomme, war, daß die Söhne als Helfer mit ihren Vätern anfuhren. An dieser Stelle hat Herr Roch auch eine kleine Tabelle eingefügt, nach der auf den Rühle'schen Werken 1920 in der Kaschka- Mehren'er Abteilung 23 Tonschläger und 13 Förderleute, im Löthain'er Werk 28 Tonschläger und 18 Förderleute untertage anfuhren, alles in allem sogar 82 Mann. Die Fahrberichte vom Juli und Oktober 1920 berichten über die Rühle'schen Tonwerke, daß der Ausbau im Heinrichschacht inzwischen morsch war, der aber ohnehin bald abgeworfen werde. Ansonsten aber war der technische Zustand der Gruben gut (40024-12, Nr. 242, Blatt 36ff). Zu bemängeln war wieder einmal, daß die Haspler die Sperrklinken nicht einlegten. Außerdem wurde festgestellt, daß die Sicherheitslampen durch die Arbeiter zwecks Putzen in der Mittagspause selbst geöffnet, oft aber nicht wieder richtig geschlossen würden. Darauf angesprochen, beschwerte sich der Betriebsrat, daß auf der Nachbargrube offene Azetylenlampen zugelassen wären. Sicherheitslampen müssen dagegen bei Verlöschen nach übertage in die Lampenstube zum Anzünden gebracht werden, was natürlich ziemlich unzumutbar war, bei der schlechten Beschaffenheit des Benzins und der Zündstreifen aber häufiger vorkam (40024-12, Nr. 242, Blatt 50). Über die vormals Venus'schen Kaschka- Mehrener Tonwerke hatte Inspektor Roch im Januar 1920 zu berichten, daß der Tagebau „hohen Wasserstand (hatte), weil seit mehreren Tagen Tau- und Regenwetter herrschte und der Sturm die Zuleitung des Betriebsstroms zur Wasserhaltungspumpe oft... unterbrochen hatte. Der Wasserstand war jedoch noch nicht so hoch, daß der neben dem Tagebau gelegene Mercur- Schacht – so hieß er nun – gefährdet wäre, zudem die Pumpe wieder im Gange“ gewesen ist (40024-12, Nr. 281, Blatt 21). Einen Monat später berichtete Roch in seinem Monatsbericht über den Mercurschacht (40024-12, Nr. 281, Blatt 22): „Das nach Nord ansteigende Gelände bewegt sich langsam, aber ständig, zumal in wasserreichen Zeiten, nach dem südlich gelegenen Tagebau zu. Der Mercurschacht hat darunter zu leiden. Sein nördlich gelegenes Fahrtrum war daher von der oberen bis zur unteren Sohle, d. i. rd. 2½ m, nicht mehr fahrbar“ – nach nur drei Monaten seit dem Abteufen – auch war „die obere Sohle nicht in Betrieb und die Strecken dort bis an das obere Füllort zusammengedrückt.“ Aus diesen Gründen zeigte Obersteiger Pfeiffer kurz darauf an, daß man nun auf der westlichen, hangabwärtigen Seite des Tagebaus einen anderen Schacht teufen wolle (40024-12, Nr. 281, Blatt 24). In der Stellungnahme der Berginspektion vom 6. Juni 1920 hierzu heißt es, der „weiße Ton“ liege offenbar tiefer, als die Tagebausohle. Die Genehmigung erging daher unter dem Vorbehalt, daß der Tagebau nicht unterfahren werde. Wieder hatte der Berginspektor bei seiner zuvor vorgenommenen Inaugenscheinnahme den Mercurschacht II ‒ auch hier erhielten die Schächte jetzt einfach eine nachgestellte Nummer ‒ schon im Abteufen begriffen vorgefunden. Bei seiner Befahrung des Mercurschacht I am 24. Juni 1920 fand Inspektor Roch dessen Schachtausbau infolge des seitlichen Gebirgsdrucks stark geschädigt vor. Man befürchtete zwar aufgrund des allmählichen Verschiebens kein plötzliches Zusammenbrechen des Schachtes, aber da man nicht wissen könne, wie lange er – nämlich bis zur Fertigstellung des anderen Schachtes – noch betrieben werde, ordnete er die Erneuerung des Schachtausbaus an. Am 28. Juli war das Teufen des Mercurschachts II beendet und in 11 m Tiefe das Füllort angehauen, zugleich hatte Pfeiffer Holz für den neuen Ausbau des Schachts I beschafft (40024-12, Nr. 281, Blatt 26ff). Im Monatsbericht zum September 1920 berichtete der Berginspektor, daß beide Mercurschächte in Betrieb standen, auf dem Schacht I jedoch die tiefe Sohle bereits wieder abgeworfen. Beim neuen Schacht II war „kein sonderlicher Druck zu bemerken.“ (40024-12, Nr. 281, Blatt 31) Bereits im Dezember des Jahres heißt es dann, „der bei den Mercur Schächten anstehende Ton geht jetzt im Handel weniger, als der Löthainer Ton. Der Vorratsschuppen soll noch ganz gefüllt, danach der Betrieb der Schächte unterbrochen werden.“ Der Mercurschacht I dagegen werde „dem Zusammenbrechen überlassen.“ (40024-12, Nr. 281, Blatt 40)
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![]() Tonverladung am Elbkai in Meißen in den 1920er Jahren. Noch waren die Fuhrwerke nicht ganz von Lastkraftwagen verdrängt. Bildquelle: Unternehmensarchiv des ehemaligen VEB Kaolin- und Tonwerke Löthain- Seilitz beim heutigen Standort Mehren der Unternehmensgruppe SIBELCO Deutschland GmbH, Fotosammlung.
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![]() Für die Krister'schen Kaolinwerke in Seilitz war der Weg zum Anleger in Zehren natürlich kürzer. Hier ein Blick vom rechten Elbhang auf Zehren im Jahr 1913. Foto: Verlag Brück & Sohn, Bildquelle: Deutsche Fotothek. Digitalisat:
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![]() Verladen wurde in Zehren auch am rechten Elbufer, allerdings vor allem Werk- und Pflastersteine aus den Steinbrüchen an der Karpfenschänke. Foto: Fritz Schimmer, 1927, Bildquelle: Deutsche Fotothek. Digitalisat:
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![]() Wohl einer der ersten Lastkraftwagen, der beim Tontransport im Revier eingesetzt wurde. Bildquelle: Unternehmensarchiv des ehemaligen VEB Kaolin- und Tonwerke Löthain- Seilitz beim heutigen Standort Mehren der Unternehmensgruppe SIBELCO Deutschland GmbH, Fotosammlung, Aufnahme undatiert.
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![]() Ein Anhänger im Jahr 1920 - noch mit Bremserhäuschen... Bildquelle: Unternehmensarchiv des ehemaligen VEB Kaolin- und Tonwerke Löthain- Seilitz beim heutigen Standort Mehren der Unternehmensgruppe SIBELCO Deutschland GmbH, Fotosammlung.
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![]() Mit Ton beladene Lastkraftwagen am Elbkai in Meißen. Bildquelle: Unternehmensarchiv des ehemaligen VEB Kaolin- und Tonwerke Löthain- Seilitz beim heutigen Standort Mehren der Unternehmensgruppe SIBELCO Deutschland GmbH, Fotosammlung, Aufnahme undatiert.
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![]() Tonerdeverladung an der Elbe in Meißen. Hier sehen wir noch einen Anhänger mit Bremserhäuschen. Foto: Emil Zöllner, vor 1945, Bildquelle: Deutsche Fotothek. Digitalisat:
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Auch in der Jahrbuchausgabe von 1921 finden sich wieder
umfangreiche Informationen zum Tongrubenbetrieb im Revier. Zunächst einmal ist
festgehalten:
V. Allgemeine Mitteilungen über die gewerblichen Gruben mit unterirdischem Betrieb. 1. Wirtschaftliche Lage der Gruben. „Das Wirtschaftsjahr 1920 war, wie im allgemeinen, auch für die gewerblichen Brüche und Gruben Sachsens, die der betriebspolizeilichen Aufsicht der Bergbehörde unterstehen, wiederum sehr schwierig. Die Kosten für die unentbehrlichen Betriebsstoffe und für die zu beschaffenden Maschinen und Maschinenteile gingen ständig stark in die Höhe. Dies, verbunden mit einem der Verschlimmerung der allgemeinen Teuerung entsprechenden Anwachsen der Arbeiterlöhne, führte zu einer beispiellosen Steigerung der Preise aller Erzeugnisse der in Rede stehenden Werke. Andererseits ließ namentlich in der zweiten Hälfte des Jahres die Anfrage, die im Vorjahre nicht befriedigt werden konnte, im allgemeinen nach. Immerhin war sie, abgesehen vom gebrannten Kalk, noch so groß, daß das Gesamtausbringen von 1920 dasjenige von 1919 um 45,3 v. H. überstieg. Ermöglicht wurde dies dadurch, daß der Mangel an Betriebsstoffen und elektrischem Strom sowie der Mangel an Transport mitteln zurückgegangen war...“ Zum Betriebsablauf auf den Tongruben liest man dann wie immer im Kapitel: VI. Wichtige Ausführungen und Betriebsvorgänge im Jahr 1920. 1.
Lagerstättenaufschlüsse und bergmännisch oder geognostisch „2. In dem erst 1920 geteuften Grellmannschacht III in Löthain der Colditzer Tonwerke (5) wurde mit einer Strecke im tieferen Teil des dortigen Tonlagers soviel Wasser angefahren, daß die tiefe Sohle ersoff. Diese konnte aber nach Beschaffung einer, stärkeren Pumpe wieder gesümpft werden. (...) 4. In den Bauen der Begußtonschächte in Kaschka der Firma Ernst Teichert (22) trat Kaolin in solchem Umfange neben dem Begußton auf, daß, zumal da der Preis des Kaolins bedeutend gestiegen war, dieser im Gegensatz zu früher mit gewonnen wurde und in der Porzellanfabrik der Firma Verwendung findet.“ 2. Schacht- und Maschinenanlagen. „1. Der Güldnerschacht in Löthain der Börtewitzer Kaolinwerke (1) wurde nach Erschöpfung der II. Abbausohle zur Anlegung einer weiteren Sohle um 3,5 m verteuft. 2. Die Colditzer Tonwerke (5) teuften an Stelle des im Vorjahre aufgegebenen und verfüllten Grellmannschachtes II 8 m südlich von diesem einen neuen Schacht, den Grellmannschacht III 34 m tief ab. Eine Wiederaufgewältigung des ersteren in dem weichen Gebirge versprach namentlich wegen des Auftretens von Wasser im Tiefen keine Ersparnis an Zeit und an Kosten einer Neuanlage gegenüber. Hierbei war eine stark wasserführende Kies- und Sandschicht von rd. 5 m Mächtigkeit bei 23 m Teufe zu durchsinken, was mittels Kastenzimmerung rasch gelang... 3. Bei der in den letzten Jahren nur im Tagebau betriebenen Grube Merkur in Mehren der Kaschka- Mehrener Tonwerke (7) wurde außer dem im Vorjahre bereits abgeteuften Merkurschacht I, der infolge des Schiebens der Gebirgsschichten nach dem nahegelegenen Tagebau sehr viel Instandsetzungsarbeiten erforderte, an günstigerer Stelle ein zweiter Schacht niedergebracht. — Der Herthaschacht in Kaschka, der im Vorjahre wieder in Betrieb genommen worden war, wurde, weil die aus ihm gewinnbare Tonsorte in den nächsten Jahren voraussichtlich nicht gebraucht wird, verfüllt. 4. Der Heinrichschacht in Löthain der Löthain- Meißner Tonwerke (10) wurde als Fahr- und Förderschacht abgeworfen und nur noch als Wetterschacht benutzt, bis eine neue Wetterverbindung zwischen Johanna- und Kaiserschacht, mit denen er in Verbindung stand, durch schlägig geworden war. 5. Die Kaue des Förderschachtes von der Oberjahnaer Tongrube der Meißner Ofen- und Porzellanfabrik vorm. C. Teichert (16) wurde aus Holz erbaut, aber innen und außen mit feuerfestem Anstrich versehen; ein sich an die Kaue anschließender Schuppen für den elektrischen Schachtpumpenantrieb besteht aus einem Eisengerüst mit Wellblech wänden. (...) 7. Die Somag Sächsischen Ofen- und Wandplattenwerke (21) begannen im Mai 50 m nordöstlich von dem Förderschachte ihrer Tongrube in Mehren einen zweiten Schacht zu teufen. Dieser erreichte aber nur 14 m Teufe, weil die zur Verfügung stehenden Pumpen zu schwach waren, das bei 18 m aus .einer etwa 15° einfallenden Kies- und Sandschicht zusitzende starke Wasser, das auch etwas feinen Sand mitbrachte, rasch genug zu bewältigen. Durch längeres Stehen unter Wasser wurden die Schachtstöße so ungünstig beeinflußt, daß das Teufen aufgegeben werden mußte. Der Schacht wurde unter Wiedergewinnung des gesamten Ausbaues verfüllt und an seiner Statt 50 m südsüdöstlich davon ein anderer Schacht niedergebracht. Auch in diesem Schacht war eine 2 m mächtige, 17° einfallende Schwimmsandschicht zu überwinden. Dies gelang mit Hilfe eines eisernen Senkkastens, der unter ständigem Aufsetzen von Vollkanthölzern als Schachtgevieren mit Bauwinden tiefer gedrückt wurde, weil eine leistungsfähige Saug- und Hubpumpe mit elektrischem Antrieb beschafft worden war und in 3 Dritteln mit Ablösung vor Ort gearbeitet wurde... 8. Die Kaolin- lndustrie- Gesellschaft Börtewitz (22a), auf welche das in Börtewitzer Flur gelegene Grubenfeld der Gewerkschaft Otto I übergegangen ist, stellte als zweiten Tageausgang für die dortige Stollnanlage ein Fluchtschächtchen her.“ 5. Grubenausbau. „1. Das Füllort und die Füllortstrecke des Förderschachtes der Oberjahnaer Tongrube der Meißner Ofen- und Porzellanfabrik vorm. C. Teichert (16) wurden, weil der starke Druck, der sich namentlich auch seitlich bemerkbar machte, häufiges, kostspieliges und den regelmäßigen Betrieb störendes Umbauen erforderte, in Zementziegelmauerung gestellt. 2. Für die Baue des Kirschbergstollns in Schletta der Gewerkschaft Otto I (10a) wurde zu Anfang des Berichtsjahres ein Fluchtschächtchen abgeteuft, aber bald wieder verfüllt, weil dieser Stollnbetrieb eingestellt wurde...“ 6. Förderung. „Im Margarethenschacht der Gewerkschaft Otto I (10a), später den Kaolin- und Tonwerken in Korbitz (10a) gehörig, wurde eine elektrisch angetriebene Schachtförderanlage errichtet. Bedient wird sie von der Hängebank aus vom Ausläufer. Die Schachtverschlüsse sind — nach Art der Verschlüsse an Personenaufzügen in Häusern — sowohl an der Hängebank wie an den Füllörtern so eingerichtet, daß sie sich nicht öffnen lassen, wenn das Fördergestell nicht dahinter hält. Am Ende des Aufzuges wird der Förderhaspel selbsttätig ausgerückt.“ Ach, schau an, da hat doch Herr Pabst ‒ man schlage einige Kapitel zurück bis zur Gewerkschaft Neu Hedwigsburg- Gotha ‒ auch Käufer für die Grubenfelder seiner Gewerkschaft Otto in Schletta und in Börtewitz (bei Mügeln) gefunden. 7. Wasserhaltung. „Die Colditzer Tonwerke (5) mußten sowohl für den Grellmannschacht III in Löthain als auch für den Neuschacht in Mohlis stärkere Schachtpumpen beschaffen, weil die vorhandenen den auftretenden Wasserzuflüssen nicht gewachsen waren. In den rd. 46 m tiefen Neuschacht der Mohliser Anlage wurde eine einfache Saug- und Hubpumpe mit 135 mm Kolben- und 115 mm Steigrohrdurchmesser eingebaut, die über Tage durch einen 220 voltigen Drehstrommotor von 6 PS angetrieben wird...“ 8. Wetterlosung. „1. Wetternötigkeit hat sich in der Hauptsache nur bei den Tongruben bemerkbar gemacht. Da die Teufen bei ihnen gering sind, werden hier zur Sönderbewetterung, wo sie sich nötig machte, in der Regel Lutten und Ventilatoren nicht angewendet, sondern Löcher von der Tagesoberfläche in die zu bewetternden Baue gebohrt und nötigen falls verrohrt. Gewöhnlich genügte dies zur Wetterlosung. Auf der Mohliser Anlage der Colditzer Tonwerke (5) mußte aber ein über Tage stehender Ventilator mit elektrischem Antrieb an ein solches Luftloch angeschlossen werden.“ 9. Aufbereitung. „3. Die Kaolin- und Tonwerke in Korbitz bei Meißen (10 a), welche Betriebsnachfolgerin der Gewerkschaft Otto I in Schletta und Löthain wurden, erwarben eine Trockenaufbereitung in Korbitz. Der Rohkaolin, der 20 bis 25% Wasser hält, kommt zunächst in ein Walzwerk, das ihn zur Beschleunigung des Trocknens bis auf Nußgröße vorzerkleinert. Dieses zerkleinerte Gut gelangt in einen Trockenapparat, der Heißluft gase von +400°C aus einer Koksfeuerung erhält. Der sich beim Trocknen bildende Staub wird mit der verdunstenden Feuchtigkeit mittels Ventilators in einen Zyklon abgesaugt, in dem der Staub sich abscheidet und in die Grube eines Becherwerkes I fällt, während die mit Feuchtigkeit gesättigte Luft in das Freie entweicht. Das gröbere Gut aus dem Trockenapparat gelangt mittels eines Becherwerkes II auf einen Kollergang I, das hier erzielte feinere Gut mittels des Becherwerkes I zugleich mit dem aus dem Trockenapparat abgesaugten Staub in einen Sichter, der das Gut in Reinkaolin und ,Grieß' scheidet. Der durch den Sichter ausgeschiedene Reinkaolin fällt in an Lutten gehängte Säcke und ist lieferbar. Der aus dem Sichter kommende Grieß, Quarz und Feldspatsand, der noch ziemlich viel Kaolin enthält, kommt, nach dem er durch einen Kollergang II gegangen ist, mittels Becherwerkes II noch einmal in den Sichter.“ 10. Sonstiges. „1. Die Börtewitzer Kaolinwerke (1) errichteten für ihren Güldnerschacht in Löthain ein neues Gebäude mit Mannschaftstube und Lagerraum, weil das bisherige diesem Zweck dienende Haus ‒ namentlich durch die Abbausenkungen ‒ baufällig geworden war. 2. Die Meißner Ofen- und Porzellanfabrik vorm. C. Teichert (16) erbaute ein eine Mannschaftsstube, eine Steigerstube und einige Aufbewahrungsräume umfassendes Häuschen.“
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Über das Jahr 1921 finden sich im Jahrbuch die folgenden
Bemerkungen zum Tonrevier:
VI. Wichtige Ausführungen und Betriebsvorgänge. 1. Lagerstättenaufschlüsse und
bergmännisch oder geognostisch „1. Die Korbitzer Kaolin- und Tonwerke (10a) haben im Flurstück 53 für Schletta ein Kaolinlager erschlossen, über dessen Beschaffenheit sich aber noch nichts Bestimmtes sagen läßt. Wegen des nesterweisen Vorkommens ist eine Beurteilung des Kaolins erst beim Abbau möglich.“ 2. Schacht- und Maschinenanlagen. „1. Im Annaschacht der Seilitzer Kaolinwerke (1a) wurde elektrische Doppelförderung mittelst eines 10 PS-Drehstrommotors für 500 kg Nutzlast und 0,5 m/sek Fördergeschwindigkeit eingebaut.“ 3. Gewinnungsarbeiten. „1. Bei den Korbitzer Kaolin- und Tonwerken (10a) wird zur Auflockerung des Kaolins vor der Gewinnung mit der üblichen Hacke Sprengung mit Romperit C angewendet.“ 6. Förderung. „1. Bei den Seilitzer Kaolinwerken (1a) ist zur Beförderung des Rohkaolins von der Grube nach der Schlämmerei eine 700 m lange Bleichert'sche Hochseilbahn in Antrieb genommen worden.“
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Nur aus einer Pressemeldung, die als
Faksimile in der Grubenakte enthalten ist, erfahren wir, daß es am 2. Januar
1921 wieder einmal eine Schlagwetterexplosion auf dem Steigerschacht gegeben
hat. Offenbar ging es aber wieder glimpflich und mit nur einem Verletzten ab
(40024-12, Nr. 242, Rückseite Blatt 70).
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Digitalisat:
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Den Heinrichschacht fand Inspektor
Roch bei seiner Befahrung der Rühle'schen Tonwerke im März 1921 dann
verfüllt vor. Während er aber im Juni 1919 noch notiert hatte, daß es nur kleine
Nester von Schwimmsand im Grubenfeld von Steiger- und Thiemannschacht
gäbe und eine ausreichend starke Tonschwebe unter dem Hangenden belassen werde,
so daß es keine Tagesbrüche, sondern nur zu allmählichen Senkungen komme
(40024-12, Nr. 242, Blatt 20), war im März 1921 dann festzuhalten, daß nun doch
einige Tagesbrüche auf den umgebenden Feldflächen entstanden seien. Sie waren
aber eingefriedet und daher war auch für den Inspektor für's erste alles in
Ordnung (40024-12, Nr. 242, Blatt 55).
Auf den 26. April 1921 datiert auch eine Mitteilung von Inspektor Roch an das Bergamt in Freiberg, daß die Tongrubenarbeiter im Meißner Revier „unter Anleitung des Verbandes der Fabrikarbeiter Deutschlands... wegen Lohnerhöhungen bei den einzelnen Werken vorstellig geworden“ sind und eine Erhöhung um 30% forderten. Ein Streik konnte aber abgewendet werden, indem die Unternehmer direkt mit der „Zahlstelle Meißen des genannten Verbandes“ in Verhandlung traten (40024-12, Nr. 9, Blatt 65f). Der Berginspektor schätzte zu dem geschlossenen Tarifvertrag ein, daß man darin versucht habe, „durch die Vielgestaltigkeit der Löhne der Billigkeit und Gerechtigkeit in der Lohngebung möglichst zu dienen,“ andererseits gebe diese Vielgestaltigkeit aber auch viele Angriffspunkte zu Beanstandungen. Außerdem werde die Lohnabrechnung „verwickelter,“ was letztlich auf die Werksaufsichtsbeamten zurückfalle. Seinem Schreiben legte Herr Roch auch eine Abschrift des ausgehandelten Tarifvertrags bei, welchem zuerst zu entnehmen ist, daß dieser interessanterweise für praktisch alle Unternehmen im Revier gelten solle, namentlich bei den Rühle’schen und vormals Venus’schen Tonwerken, für die Somag, die Ernst Teichert’schen Tongruben sowie die Löthain’er Tongruben der Colditz‘er Tonwerke GmbH in Bad Lausick. Der Stundenlohn betrug demnach ab 1921 für Arbeiten übertage 4,65 Mark und untertage 5,00 Mark. Urlaub mit Lohnfortzahlung gab es mindestens 4 Tage im Jahr bei 1 Jahr Betriebszugehörigkeit, bei mehr als 7 Jahren Tätigkeit im Unternehmen stieg der Urlaub bis auf maximal 9 Tage pro Jahr an. Auch die Akkordlöhne pro Kubikmeter ausgebrachten Tons wurden auf 40,70 Mark bis 46,20 Mark für die Tonschläger und auf 25,30 Mark bis 42,90 Mark für die Förderleute – je nach Schachtanlage und Förderweg – angehoben. Dagegen teilte Dr. Nieß am 7. September 1921 an das Bergamt mit, daß im Mügeln’er Kaolinrevier schon am 18. August ein „Gesamtstreik... zwecks Erzwingung einer 25% Lohnerhöhung“ ausgebrochen ist, der noch immer andauere (40024-12, Nr. 9, Blatt 75). Über seine Befahrung im September 1921 auf den Rühle'schen Tongruben hielt diesmal auch Dr. Nieß fest, daß der Grubenbetrieb „zu Ausstellungen kein Anlaß“ böte. Er fand alles in allem 15 Abbaue und 6 Streckenörter in zwei Schichten belegt, in der Nachtschicht werde nur gefördert (40024-12, Nr. 242, Blatt 67). Ab Dezember 1921 war seitens der Berginspektion dann Regierungsbergrat Sarfert für das Tonrevier zuständig. Auch er fand bei seiner ersten Befahrung am 14. Dezember 1921 aber wenig Grund zu Erinnerungen (40024-12, Nr. 242, Blatt 69). |
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Bei den vormals Venus'schen Tonwerken
besichtigte Inspektor Roch am 16. Februar 1921 die Fundgrube, fand
hier den Ausbau in Schacht
III erneuert und „im übrigen war am
Zustande der Grubenbaue nichts zu tadeln.“ (40024-12, Nr. 281, Blatt 41)
Über den Betrieb bei den Kaschka- Mehrener
Tonwerken liest man weiter im Monatsbericht Roch's vom März 1921, daß
Obersteiger Pfeiffer nun den Plan verfolge, anstelle eines Fluchtschachts
für die Grube Mercur den nahegelegenen Augustinenschacht
III,
dessen Abteufen
Im Herbst befuhr Herr Dr. Nieß die Gruben, berichtete am 25. Oktober 1921, daß die Ausmauerung des Augustinenschachts III nun beendet sei und fand nur lobende Worte: „Die neue Schachtanlage mit dem ausgemauerten Füllorte, Pumpenorte und der angefahrenen Förderstrecke ist mustergültig.“ Abbau ging aber noch immer nicht um und Dr. Nieß empfahl dem Bergamt, einen Betriebsplan zu fordern (40024-12, Nr. 281, Blatt 48). Im Dezember wurden hier die Übertageanlagen errichtet. Am 1. Dezember 1921 erbat Obersteiger Pfeiffer ferner die Genehmigung für ein Schachtabteufen eines neuen Herthaschachts II auf Flurstück Nr. 37 in Mehren, 60 m nördlich vom 1919 verfüllten Herthaschacht I. Inzwischen war bei der Berginspektion Freiberg Bergrat Sarfert tätig und genehmigte es, der Zustimmung des Bergamtes vorgreifend, weil es wieder einmal „eilig“ gewesen ist (40024-12, Nr. 281, Blatt 51).
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Zu erneuten Lohnkämpfen kam es im Februar
1922, worüber Bergrat Sarfert an das Bergamt berichtete, daß sämtliche
Tongruben im Meißen’er Revier vom 20. bis 25. Februar 1922 bestreikt worden
sind, woran sich nur die Arbeiter der Kaolinwerke in Seilitz, Korbitz und
Löthain nicht beteiligt haben (40024-12, Nr. 9, Blatt 86). „Die Forderungen
der Arbeiter sind in dem neuen Tarifvertrag nicht ganz erfüllt worden,“
heißt es hier weiter, doch haben sich die Arbeitgeber bereit erklärt, sämtliche
etwa 250 am Streik beteiligte Arbeiter wieder einzustellen und keinen zu
maßregeln.
Der Monatsbericht von Bergrat Sarfert im August 1922 berichtet uns dann, daß bei den Rühle'schen Tonwerken in der Abteilung Johanna und Kaiser- Schacht 14 Tonschläger, 7 Förderleute, 2 Zimmerlinge und 2 Pumpenleute, alles in allem also 25 Mann untertage angelegt waren und: „In den Strecken und vor den Örtern war nichts zu bemängeln.“ Auf dem Steiger- und Thiemannschacht waren zur gleichen Zeit 18 Tonschläger, 8 Förderleute, 2 Zimmerlinge und 3 Pumpenleute, also 31 Mann untertage angelegt und auch hier war „im allgemeinen in Ordnung.“ (40024-12, Nr. 242, Blatt 73) Am 25. Februar 1922 reichte Obersteiger Pfeiffer namens der Kaschka- Mehrener Tonwerke auch den im Vorjahr geforderten Betriebsplan für den Augustinenschacht III ein. Der ganze Plan paßte auf eine halbe A4- Seite und abgesehen davon, daß der Schacht eine elektrische Förderhaspel erhalten sollte, sollte eigentlich alles so, wie immer, ablaufen (40024-12, Nr. 281, Blatt 56). Die Genehmigung des Bergamtes erging bereits am 18. März unter den allgemein üblichen Auflagen, insbesondere wurde ein zweiter Tageschacht als Fluchtweg gefordert. Am 3. April teilte Bergrat Sarfert auch die Fertigstellung des Herthaschachts II mit. Als Fluchtschacht solle hier ein neu zu teufender Fundgrubeschacht V auf angrenzendem Flurstück 19 der Kaschka’er Flur dienen (40024-12, Nr. 281, Blatt 64). Den Antrag auf dessen Niederbringung reichte Obersteiger Pfeiffer am 27. März 19212 nach (40024-12, Nr. 281, Blatt 65). Bei seinen Befahrungen im Mai 1922 fand Herr Sarfert auf dem Augustinenschacht III tags 7 Mann und 5 Mann in der Nachtschicht angelegt und mit Streckenmauerung befaßt. Die übrigen Arbeiter waren bei Merkur mit Tongewinnung in „einer schachtartig ausgebauten, etwa 3 x 3 m weiten und höchstens 6 m tiefen Grube“ angelegt, was aber – bis die Ausmauerungsarbeiten im Augustinenschacht III beendet sind – nur als „Notbehelfsarbeit anzusehen“ anzusehen war. Der Abbau sonst war hier beendet, auch das Tagesfallort verfüllt. Auch das Abteufen des Fundgrubeschachts V war beendet und es wurde die Verbindungsstrecke nach dem Herthaschacht I aufgefahren. Über Fundgrube I und III war „nichts besonderes zu berichten,“ und folglich alles in gutem Zustand (40024-12, Nr. 281, Blatt 73f). Dagegen ging der Abbauplan am Augustinenschacht III offenbar nicht auf, denn am 12. Juni 1922 beantragte J. G. Venus (…?) „auf meinem Augustinenschacht in Mehren“ die Unterfahrung des Mehren- Mohlis’er Weges, „da eine andere Möglichkeit, auf dem genannten Schacht Ton abzubauen, z. Zt. nicht vorhanden ist.“ Die Strecke solle ebenfalls ausgemauert werden (40024-12, Nr. 281, Blatt 71). Dem stimmte auch die Berginspektion zu und verlangte nur einen Sicherheitspfeiler von 10 m Breite beiderseits der Straße einzuhalten. Auch das ging anscheinend nicht auf, denn im weiteren Akteninhalt findet man eine nicht unterschriebene, handschriftliche Mitteilung vom 30. August 1922, daß man wegen des großen Drucks die weitere Vorrichtung am Augustinenschacht III vorerst aufgegeben habe (40024-12, Nr. 281, Blatt 80). Zuvor schon hatte Bergrat Sarfert unter dem 13. Juli 1922 an das Bergamt berichtet, daß man auf dem Flurstück 37 in Mehren, etwa 75 m östlich vom Gasthof, erneut einen Schacht ansetze. Am 12. August berichtete er noch, daß dieser neue Schacht den Namen Glückaufschacht III erhalten habe. Der solle Ersatz für den im Augustinenschachter Feld aufgegebenen Abbau bieten (40024-12, Nr. 281, Blatt 76ff). Dem Monatsbericht vom September 1922 ist dann zu entnehmen, daß auf Fundgrubeschacht V und auf dem Herthaschacht II zusammengenommen zurzeit 21 Mann angelegt waren. Die Verbindungsstrecke zwischen beiden war nun fertig. Auch der Glückaufschacht III war niedergebracht, hier waren 5 Mann angelegt, aber die Baue stünden unter sehr großem Druck. Bergrat Sarfert notierte hierzu: „Es ist zweifelhaft, ob der Schacht und die Tongewinnung lange erhalten werden kann, da sich die Gebirgsverhältnisse noch schlechter herausgestellt haben, als (...) zu erwarten war.“ Schließlich war noch zu berichten, daß bei Merkur ist die „schachtartige Grube“ wieder verfüllt war, östlich daneben aber eine neue solche angelegt werde. Die Haspelstelle war nur überdacht und „mit Planen gegen den Wind geschützt.“ (40024-12, Nr. 281, Blatt 85) Bis zum Jahresende 1922 hatte man zufolge der weiteren Monatsberichte den Betrieb beim Augustinenschacht III noch nicht wieder aufgenommen, da man der Wasserzuläufe nicht Herr geworden ist. Das Wasser ist daraufhin wieder bis etwa 10 m unter Hängebank aufgegangen. Im Tagebau Merkur war die Tongewinnung eingestellt, weil das Tonlager erschöpft war. Wegen starken Drucks mußte auch die Verbindungsstrecke zwischen Fundgrubeschacht V und Herthaschacht II aufgegeben und eine neue westlich der alten getrieben werden (40024-12, Nr. 281, Blatt 89ff). Nicht zuletzt wurde im Dezember auch noch das beantragte Wiederaufnehmen des verfüllten Glückaufschachts II genehmigt (40024-12, Nr. 281, Blatt 100).
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![]() Die Umgebung von Mehren in der Ausgabe der Messtischblätter aus dem Jahr 1922: Die meisten Gruben sind hier mit ,Ton' bezeichnet.
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![]() Die Umgebung von Löthain in derselben Kartenausgabe: Östlich der Ortslage findet man hier noch Gruben, die auf ,Porzellanerde' bauen. |
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Zur folgenden Kartenausgabe von
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![]() Auch in Schletta östlich von Mehren wurden 1922 neue Pläne gemacht und Bohrungen gestoßen. Die Lage ist leider nicht herauszufinden, da der einzige Lagebezug auf diesem Plan die Eintragung der ,Straße durch Schletta' und nicht einmal der Auftraggeber benannt ist. Oben links ist auch nur festgehalten: ,Vermutlich Parzelle 8 oder 9'. Quelle: Sächsisches Staatsarchiv, Bergarchiv Freiberg, Bestand 40037 (Deponierte Risse der Steine- und Erden- Industrie), Nr. H22889. Digitalisat:
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![]() Wie uns der Schnitt am rechten Rand des obigen Risses verrät, war hier eine reichlich 60 m lange ,fallende Förderstrecke' angedacht, um an das in nur wenigen Metern Tiefe unter der Oberfläche liegende Kaolin heranzukommen.
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Auch in den Fahrberichten Sarfert's aus dem Jahr 1923 gab es bei den Rühle'schen Tonwerken keine wesentlichen Mängel im Grubenbetrieb festzuhalten. Am Steigerschacht wurden zwei neue Tonschuppen errichtet und am Johannaschacht war eine neue Mannschaftsstube geplant (40024-12, Nr. 242, Blatt 91). Wie die in dieser Zeit grassierende Inflation Geld vernichtete, illustrieren auch folgende Beispiele aus den Grubenakten: Weil nämlich die Wände der alten Mannschaftsstube am Johannaschacht durch Abbaueinwirkungen „schief geworden“ waren und nun eine neue errichtet werden sollte, war nicht nur eine Baugenehmigung von der Amtshauptmannschaft, sondern auch wieder eine Genehmigung vom Bergamt einzuholen. Die Berginspektion erteilte dazu unter dem 11. Januar 1923 nur die Auflage, daß die neue „in genügender Weise mit Heizung, Beleuchtung, Tischen, Bänken und Kleiderhaken ausgestattet“ werden solle. Vom Bergwerksunternehmer war für diese Amtshandlung entsprechend des Gebührenverzeichnisses eine Summe von 1.000,- Mark zu entrichten (40024-12, Nr. 242, Blatt 77). Nur einen Monat später beantragte E. Rühle, den Zimmerling Otto Rentzsch für die Abteilung Steiger- und Thiemannschacht als Steiger annehmen zu dürfen. Die wurde auch erteilt, wofür aber jetzt schon Bergamtsgebühren in Höhe von 3.000,- Mark, zuzüglich 400,- Mark „anteilige Reisekosten“, zu löhnen waren (40024-12, Nr. 242, Blatt 79). Am 29. August 1923 war erneut eine Amtshandlung erforderlich, da Bergingenieur Michael Radionoff nun als Steiger angestellt werden sollte. Für dessen Bewertung und die Zustimmung der Berginspektion wurden nun schon 18.000,- Mark Gebühren fällig... (40024-12, Nr. 242, Blatt 89) Nach seiner Befahrung im September 1923 hielt Bergrat Sarfert fest, daß der Betrieb „infolge Absatzstockung und Lohngeldmangel stark verkürzt“ worden sei und die Grube vorige Woche nur 3 Tage, seit dieser Woche nur noch 1 Tag belegt werde. Nahezu wortgleich berichtete er auch von den Kaschka- Mehrener Tonwerken (40024-12, Nr. 281, Blatt 113). Die Druckereien konnten ja das immer wertlosere Papiergeld gar nicht mehr schnell genug nachliefern... Ab Oktober 1923 war für das Tonrevier dann Regierungsbergrat Wolf in der Berginspektion Freiberg zuständig. Nach seiner ersten Befahrung der Rühle'schen Gruben fand auch er hier keinen Anlaß zu Erinnerungen, berichtete jedoch, daß auf den beiden Löthain'er Grubenabteilungen zusammengenommen nun insgesamt 109 Mann angestellt waren, die jedoch nur die Hälfte der Schichten verfuhren und daß der Stundenlohn gegenwärtig 24.000.000,- Mark betrage (40024-12, Nr. 242, Blatt 92ff). Er fügte seinem Bericht auch folgenden Durchschlag des eigentlich erst seit 29. September 1923 gültigen Nachtrags zum Tarifvertrages bei.
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Ähnliche Kapriolen gab es natürlich auch bei den Kaschka- Mehrener Tonwerken: Für die Genehmigung vom Dezember 1922 sollten noch 1.000,- Mark, für eine gleichartige Amtshandlung im April 1923 bereits 5.000,- Mark Gebühren zuzüglich 1.100,- Mark anteiliger Reisekosten fällig werden (40024-12, Nr. 281, Blatt 96ff). Was den Betrieb angeht, so hatte weder Bergreferendar Wappler im Januar, noch Bergrat Sarfert im April 1923 Mängel zu vermelden (40024-12, Nr. 281, Blatt 93ff). Letzterer fand im März den Augustinenschacht III wieder in Betrieb und gesümpft. Man trieb dort jetzt eine Strecke nach Norden entlang des Straßensicherheitspfeilers vor. Bei Fundgrube hingegen ruhte der Betrieb, „weil für den dort vorhandenen Ton kein Absatz vorliegt.“ Bei Merkur hingegen war das erst am 28. April 1923 angezeigte Schachtabteufen von nur 7 m Teufe innerhalb des Mehren’er Tagebaus am 24. April 1923 schon aufgenommen, „weil nach der dort anstehenden Tonsorte Nachfrage vorliegt.“ Erst am 7. Mai 1923 meldete Herr Wappler dem Bergamt einen schon am 24. April eingetretenen Schlagwetteraustritt am Augustinenschacht III. Diesmal ist es nicht zu einer Entzündung gekommen, die Mannschaft ist ausgefahren und durch Lutten und Handventilator sind frische Wetter in die Grube geblasen worden, was die Schlagwetter verdrängt hat. Zur Beseitigung der Schlagwettergefahr wurde gerade ein etwa 28 m tiefes Bohrloch gestoßen, über das die Wetterzirkulation verstärkt werden sollte (40024-12, Nr. 281, Blatt 95). Am 20. Juli war Bergrat Sarfert wieder auf den Gruben und hielt in seinen Fahrberichten fest, man habe auf dem Bohrloch am Augustinenschacht III einen elektrischer Ventilator aufgestellt und seitdem keine Schlagwetteranreicherungen mehr beobachtet. Angelegt waren hier 13 Mann in der Tagschicht und 4 Tonschläger nebst 2 Maurern in der Nachtschicht. Die Ausmauerung der Hauptstrecke wurde fortgeführt und die Mehren- Mohlis’er Straße solle nun an anderer Stelle, als zuvor gedacht, unterfahren werden. Alles in allem war nichts auszusetzen (40024-12, Nr. 281, Blatt 107f). Wie wir schon wissen, hat Bergrat Wolf dann Herrn Sarfert in seiner Funktion abgelöst und berichtete am 5. Oktober 1923 über die Kaschka- Mehrener Tonwerke, daß der Betrieb beim Herthaschacht II noch ganz ruhe. Auf den Fundgrubeschächten I, III und V werde mit 14 Mann, doch nur von Mittwoch bis Freitag gearbeitet. Der Schacht im Tagebau Merkur hatte 10 m Teufe erreicht und nun werde eine Verbindungstrecke nach dem Augustinenschacht III getrieben. Dort sollte wohl auch ausgefördert werden, denn über den Tagebau wäre es zu umständlich. Vom Augustinenschacht III kam man mit einem Gegenort entgegen, außerdem betrieb man hier die Unterfahrung der Mohliser Straße weiter. Allerdings arbeitete man auch hier nur mit der halben Belegschaft in einem Drittel der Woche (40024-12, Nr. 281, Blatt 114). |
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In der folgenden Jahrbuchausgabe aus dem Jahr 1923 ‒ dem
Höhepunkt der Inflation ‒ ist auf das Kapitel
IV. und folgende gleich
ganz verzichtet worden; in der Ausgabe von 1924 ist es aber wieder enthalten.
Demnach waren im Löthain- Mehren- Seilitz'er Revier im Jahr 1923 die folgenden
Grubengesellschaften aktiv:
Der Vergleich mit unserem letzten
Auch im Bergbau wirkten sich die Krisen der gar nicht so ,goldenen' Zwanziger natürlich aus, worüber man im Jahrbuch zu den Jahren 1922 und 1923 lesen kann: IV. Allgemeine Mitteilungen über die gewerblichen Gruben mit unterirdischem Betrieb. 1. Wirtschaftliche Lage der Gruben. „Den Schwierigkeiten, die im Deutschen Reiche während des Jahres 1922 in der wirtschaftlichen Lage allgemein bestanden, waren auch die gewerblichen Gruben unterworfen. An Nachfrage nach den Erzeugnissen fehlte es jedoch nicht, so daß das Ausbringen im ganzen von 173.574 t im Jahre 1921 auf 220.004 t im Jahre 1922, also um 26,7 v. H. gesteigert werden konnte. Im Jahre 1923 dagegen, in dem die Lage des deutschen Wirtschaftslebens immer ungünstiger wurde, sank das Gesamtausbringen wieder auf 163.576 t, also um 25,6 v. H. gegen 1922. Dieser Rückgang ist namentlich auf die Kurzarbeit, die sich wegen Absatzstockungen nötig machte, zurückzuführen...“ 5. Arbeiterwesen. „Die Arbeitszeit ist in den beiden Berichtsjahren im allgemeinen gleich geblieben, doch machte sich in der 2. Hälfte des Jahres 1923 infolge Absatzmangels vielfach die Einführung von Kurzarbeit und zeitweilige Stillegung ganzer Betriebe notwendig, was zum Schluß des Jahres noch andauerte und seine Ursache in dem Steigen der Gestehungskosten der Ton- und Kaolinwerke über den Weltmarktpreis hinaus hatte, so daß die böhmischen und englischen Werke billiger zu liefern im Stande waren, als die inländischen Werke.“ Demzufolge fielen auch die Bemerkungen zum Betrieb bei den Gruben in den zwei zurückliegenden Jahren diesmal erheblich kürzer aus. Das Tonrevier ist hier nur zweimal erwähnt und auch das nicht unbedingt mit Erfolgsmeldungen: V. Wichtige Ausführungen und Betriebsvorgänge. 1. Lagerstättenaufschlüsse und
bergmännisch oder geognostisch „3. Auf dem Steingutschachte in Kaschka der E. Teichert, G. m. b. H.. Meißen (22), erfolgte im Jahre 1923 ein geringer Wassereinbruch, der auch etwas Schwimmsand mitbrachte. Die Einbruchsstelle konnte in kurzer Zeit versetzt werden.“ 2. Schacht- und Maschinenanlagen. „2. Bei den Löthainer Ton- und Kaolinwerken A.-G. (5) wurde im Jahre 1923 auf Flurstück Nr. 92 in Löthain eine neue Schachtanlage errichtet, die mit Maschinenförderung und Wasserhaltung versehen worden ist. Die Schachtanlage auf Flurstück Nr. 10 ist verfüllt worden, da das abbauwürdige Tonlager erschöpft war und der auf tieferer Sohle noch anstehende Ton z. Zt. nicht abbaufähig ist.“
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Von seinen Befahrungen der Rühle'schen
Tonwerke im Februar und September 1924 hatte Bergrat Wolf nur zu berichten, daß
der Betrieb ganz ruhe und nur Unterhaltungsarbeiten durch die Steiger erfolgten.
Das Tagebruchfeld war ordnungsgemäß eingezäunt, somit war für die Behörde alles
in bester Ordnung (40024-12, Nr. 242, Blatt 98f).
Am geringen Betrieb bei den Löthain- Meißner Tonwerken hatte sich auch im folgenden Jahr 1925 nicht viel verändert (40024-12, Nr. 242, Blatt 100ff). Ergänzend sei aber noch hinzugefügt, daß die Inflation überstanden war und eine Bescheinigung des Bergamts behufs Belieferung der Werke mit Zement nun wieder für 3,10 Mark Gebühren zu haben war. Da die Wirtschaftskrise aber noch nicht überwunden war, zeigte die Berginspektion am 14. Januar 1924 dem Sächsischen Ministerium für Wirtschaft und Arbeit an, daß man der beantragten Betriebseinstellung „bis auf weiteres“ und der dadurch erfolgenden Entlassung der Arbeiter halber mit der Geschäftsführung und der Arbeitervertretung im Dezember und 11. Januar 1924 Verhandlungen geführt habe. Herr Rühle führte hohen Holzverbrauch, hohe Löhne und hohe Grundzinsen als Argumente an, daß der Betrieb unwirtschaftlich arbeite und das Ausland billiger liefern könne. Seitens der Bergbehörde und auch seitens der Arbeitervertretung wurde dies anerkannt und die Vereinbarung zu Protokoll genommen, daß Herr Rühle, wenn nach einigen Monaten der Betrieb wieder aufgenommen werde, sich verpflichte, „langjährig Beschäftigte, und kinderreiche Arbeiter an erster Stelle wieder anzunehmen.“ (40024-12, Nr. 281, Blatt 117) Zu ähnlichen Vorgängen ist es einige Jahre
In der Zwischenzeit wurde immerhin aber der Bau einer Lampenstube und eines Benzinlagerraums am Augustinenschacht III beantragt (40024-12, Nr. 281, Blatt 128). Obwohl der Betrieb weitgehend ruhte, fand Bergrat Wolf bei seinen Befahrungen mit Besitzer Rühle und Obersteiger Pfeiffer am 3. September 1924 den „Ausbau (...) vollkommen in Ordnung.“ Der letzte Merkurtiefbauschacht „hat sich nicht halten lassen und ist verfüllt worden.“ Daher hatte man auch den Vortrieb der Verbindungstrecke abgebrochen. Auf dem Augustinenschacht III standen wieder 3 Streckenörter und zwei „Streckenaufbaue“ in Betrieb (40024-12, Nr. 281, Blatt 134). Als im Oktober seitens des gerade wieder eingerichteten Bergamtes Freiberg Herr Bachmann zugegen war, fand er den Augustinenschacht und die Fundgrubeschächte bereits wieder mit 35 Mann belegt (40024-12, Nr. 281, Blatt 135). Auf den 16. Oktober 1924 datiert auch die
Zustimmung der Berginspektion zum geplanten Abteufen des Glückaufschachtes
V,
welcher 60 m östlich des verfüllten Glückaufschachts
III,
42 m südlich des ebenfalls verfüllten Glückaufschachts
II,
37 m südlich des ebenfalls verfüllten Glückaufschachts
I
und „nach den vorliegenden Unterlagen in altes Abbaufeld“ aus der Zeit
1897/98 zu liegen kommen solle (40024-12, Nr. 281, Blatt 137). Der
Glückaufschacht V
ist der letzte dieser Tonschächte, der bis
heute erhalten ist und im
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Digitalisat:
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![]() Errichtung der Schachtkaue am Glückaufschacht V im Jahr 1925. Bildquelle: Unternehmensarchiv des ehemaligen VEB Kaolin- und Tonwerke Löthain- Seilitz beim heutigen Standort Mehren der Unternehmensgruppe SIBELCO Deutschland GmbH, Fotosammlung.
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![]() Errichtung der Schachtkaue am Glückaufschacht V im Jahr 1925. Bildquelle: Unternehmensarchiv des ehemaligen VEB Kaolin- und Tonwerke Löthain- Seilitz beim heutigen Standort Mehren der Unternehmensgruppe SIBELCO Deutschland GmbH, Fotosammlung.
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Die nächste Ausgabe der Jahrbücher für das Berg- und
Hüttenwesen berichtet uns zunächst einmal von einer Veränderung in der
bergbehördlichen Zuständigkeit im Jahr 1924:
IV. Allgemeine Mitteilungen
über die gewerblichen Gruben mit unterirdischem Betrieb. Einleitung. „Bis 1. Oktober 1924 unterstanden die Gruben mit wenigen Ausnahmen der betriebspolizeilichen Aufsicht des Bergamts Freiberg. Von diesem Zeitpunkte ab ist die Beaufsichtigung unter sämtliche Bergämter gemäß der Verordnung zur Änderung berggesetzlicher Bestimmungen vom 15. September 1924 (Sachs. Ges.-Bl. Seite1 525) so verteilt worden, daß jedem Bergamt auch die in seinem Aufsichtsbezirk liegenden gewerblichen Gruben unterstellt worden sind. Die Aufsichtsbezirke wurden gleichzeitig neu eingeteilt. In der vorersichtlichen Übersicht I ist in Spalte c mit angegeben, zu welchem Bergamtsbezirk die einzelnen Betriebe jetzt gehören.“ Bei der ,Übersicht I' handelt es sich um die Aufstellung der in Betrieb stehenden Unternehmen, ihrer Eigentümer und Betriebsbeamten. Für das Tonrevier zwischen Seilitz und Löthain änderte sich dadurch nichts: Hier blieb auch weiter statt der früheren Berginspektion nun das Bergamt Freiberg zuständig. Über die ökonomische Lage der Unternehmen wurde berichtet: 1. Wirtschaftliche Lage der Gruben. „Zu Beginn des Jahres 1924 machte sich infolge der Wiedereinführung der festen Währung im deutschen Wirtschaftsleben wohl überall Geldmangel fühlbar. Bei den gewerblichen Gruben führte dies zu einem starken Rückgang des Absatzes, der mehrfach die Ursache zu Betriebsstillegungen wurde. Im Laufe des Jahres trat jedoch allmählich eine Besserung in den Absatzverhältnissen ein, die den Ausfall zu Beginn des Jahres insofern wieder wettmachen konnte, als die Gesamterzeugung der Gruben im Jahre 1924 an Menge die Erzeugung des Vorjahres nicht nur erreichte, sondern z. T. sogar noch etwas übertraf.“ Außer, daß die Elektrifizierung auch im Tonbergbau weiter voranschritt, gab es aber über den Betrieb bei den Tongruben im Revier nicht viel zu berichten: V. Wichtige Ausführungen und Betriebsvorgänge. 1. Lagerstättenaufschlüsse und
bergmännisch oder geognostisch „3. Bei den Löthain-Meißner Tonwerken (10) wurde durch Bohrungen ein neues Tonlager gefunden; doch ist dieses Lager in einem derartigen Umfange mit Schwefelkies durchsetzt, daß seine Ausbeutung kaum in Frage kommt.“ 2. Schacht- und Maschinenanlagen. „1. Auf dem Tonschacht der Meißner Ofen- und Porzellanfabrik in Löthain (16) wurde die Lokomobile, die zum Antrieb des Förderaufzuges und einer Gestängepumpe diente, außer Betrieb gesetzt. Die Förderung erfolgt jetzt durch einen 10 PS- Drehstrommotor mit Wendeselbstanlasser. Die beiden der Wasserhaltung dienenden Gestängepumpen werden von einem besonderen 4 PS-Drehstrommotor angetrieben. 2. Bei der Tongrube in Mohlis von Ernst Teichert G.m.b.H. in Meißen (22) machte sich die Neuanschaffung eines 12 PS- Motors erforderlich.“
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Am 5. März 1925 erging seitens des Bergamts
Freiberg auch noch die Genehmigung zum Abteufen des Fundgrubeschachts
VI
an die Kaschka- Mehrener Tonwerke (40024-12,
Nr. 281, Blatt 139).
Aus den Fahrberichten von Bergrat Wolf vom 4. und 5. Mai 1925 geht dann hervor, daß der Glückaufschacht V bis dahin fertiggestellt und nun 4 Mann mit dem Ausmauern von Füllort und Sumpf befaßt waren. Eine elektrische Förderanlage solle noch aufgestellt werden. Auf dem Augustinenschacht III waren 20 Mann angelegt, alles befand sich in gutem Zustand, nur der zweite Tageschacht fehlte immer noch. Aufgrund der soliden Ausmauerung von Schacht und Hauptstrecke wurde die Ausnahmegenehemigung dazu aber wieder verlängert. Auf Fundgrube waren weitere 29 Mann angelegt und auch hier alle drei in Umgang stehenden Schächte I, III und V in Ordnung (40024-12, Nr. 281, Blatt 149). Ende Mai 1925 kam es auch zu einer rund dreiwöchigen Arbeitsniederlegung bei den Kaschka- Mehrener Tonwerken, worüber Herr Wolf anschließend an das Bergamt mitteilte, daß die Belegschaft nun einen um 10 Pfennige auf 66 Pfennige erhöhten Stundenlohn erhalte (40024-12, Nr. 281, Blatt 151). Von seiner Befahrung im August 1925 hatte Herr Wolf zu berichten, daß auf dem Glückaufschacht V gerade die elektrische Fördermaschine eingebaut wurde (40024-12, Nr. 281, Blatt 152ff). Vermutlich ging der Schacht daraufhin also im Oktober 1925 in Betrieb. Vom 24. November 1925 war dann schon mitzuteilen, daß bei Glückaufschacht V nun auch eine Preßluftanlage errichtet werde. „Bei der Erprobung erwiesen sich die Tonspaten aber als zu schwer. Daher soll von den Deutschen Werken leichteres Gerät beschafft werden, bevor die Versuche wieder aufgenommen werden.“ (Wie wir weiter hinten in den Akten noch gefunden haben, war mit den ,Deutschen Werken' vermutlich auch hier die „Mitteldeutsche Stahlwerke AG Riesa“ gemeint.) Auf Fundgrube war auch der Schacht VI inzwischen niedergebracht. Im Januar 1926 wurden hier die Verbindungsstrecken aufgefahren (40024-12, Nr. 281, Blatt 162).
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Im Jahr 1925 kam noch einmal ein neues Bergbauunternehmen im
Revier hinzu, welches in der Übersicht die Ordnungsnummer (62) erhielt. Die
Erben der Rittergutsbesitzer von Römer begründeten 1925 erneut ,von
Römer'sche Tongruben' in Löthain; als Unternehmer und Vertreter der
Vermögensgesellschaft ist Regierungsrat a. D. A. von Römer in den
Jahrbüchern benannt.
Die zu dieser Grube überlieferte Akte ist nicht so umfangreich, wie die bisherigen, jedoch ist daraus zu erfahren, daß als Eigentümer des Rittergutes Löthain neben den noch lebenden Erben der inzwischen verblichene Herr Julius Ferdinand Friedrich von Römer noch im Grundbuch eingetragen war (40024-12, Nr. 260, Blatt 8). Wie in der Einleitung schon einmal bemerkt, geht die Familie von Römer (die Schreibweise wechselt und die mit ,oe' ist mindestens genauso häufig vertreten) in Löthain tatsächlich auf jene Gebrüder Martin und Nicol Römer in Zwickau zurück, die sich als Bergmeister und Zehntner in Schneeberg verdient gemacht hatten und die am 5. Februar 1470 von Kaiser Friedrich, III. höchstselbst den Adelsbrief erhielten. Belehnt waren sie damals mit Steinpleis und mit Niederalbertsdorf, heute Landkreis Zwickau. Außerdem gab es später auch eine kurländische Linie. Das Rittergut Löthain gehörte ihnen ab 1796 und wurde mit der Bodenreform 1946 enteignet. Nun hatte Bergassessor Müller beim Bergamt angezeigt, daß auf dem Flurstück 39b des Flurbuchs von Löthain ein neuer Schacht geteuft werden solle. Daraufhin fragte man seitens des Bergamtes nach, wer denn der Grundbesitzer und wer der Unternehmer sei (40024-12, Nr. 260, Blatt 1). Wie sich herausstellte, waren die acht Herren
wie man sieht, bis auf den jüngsten Enkel sämtlich sicherlich nicht schlecht situierte Staatsbedienstete und gemeinsam Eigentümer des Rittergutes. Dieselben hatten eine Vermögensgesellschaft gebildet, deren Generalvollmacht eigentlich Rudolf von Römer innehatte, die Leitung des Bergbauunternehmens und Vertretung desselben gegenüber Dritten aber Armin von Römer übertragen war. Als Betriebsführer war ein Dipl.-Ing. Scheunert angestellt. Die später als ,Römerwerk' bezeichnet Schachtanlage blieb bis 1945 unter dieser Leitung. Vielmehr Inhalt findet sich bis dahin allerdings nicht in der Grubenakte.
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Über den Betrieb im Revier war im Jahrbuch für 1925 bemerkenswert: V. Wichtige Ausführungen und Betriebsvorgänge. 1. Lagerstättenaufschlüsse und
bergmännisch oder geognostisch 3. Kaolingrube der Meißner Ofen- und Porzellanfabrik in Löthain (16c). „Im 1. Vierteljahr 1925 wurde ein Förderschacht zur Gewinnung von Kaolin auf Rittergutsflur Löthain unmittelbar an der Meißen- Nossener Staatsstraße abgeteuft. Bei etwa 19 m Teufe erschloß man das Kaolinlager und brachte sodann den Schacht noch bis auf 26 m nieder.“ 4. von Römersche Tonwerke in Löthain (62). „Auf Flurstück Nr. 39b der Flur Löthain wurde zur Einleitung des Tonabbaus ein 43 m tiefer Förderschacht niedergebracht. Hierbei mußte eine 13,4 m mächtige wasserführende Gebirgsschicht durchteuft werden.“ 2. Schacht- und Maschinenanlagen. 1. Kaschka- Mehrener Tonwerke in Kaschka- Mehren (7). „Auf Flurstück Nr. 6a der Flur Mehren wurde eine neue Tonschachtanlage „Glückaufschacht V" errichtet und in Betrieb genommen.“ 2: Tongruben der Meißner Ofen- und Porzellanfabrik (16). „Bei der Tongrube in Oberjahna wurde der alte Flucht- und Wetterschacht abgeworfen und für das neue Abbaufeld ein anderer solcher Schacht geteuft.“ Der Glück Auf- Schacht Nummer 5 ist übrigens
derjenige, auf welchen das
5. Grubenausbau. 1. Tongruben der Meißner Ofen- und Porzellanfabrik (16). „Bei der Tongrube Oberjahna wurden im Anschluß an die Streckenmauerung von 1920 im Berichtsjahre weitere 22 m Hauptförderstrecke ausgemauert.“ 10. Sonstiges. 1. Ernst Teicherts Tongruben (22). „Auf der Tonschachtanlage in Mohlis wurde ein neuer Tonschuppen errichtet.“
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Aus dem Jahr 1926 liegen Fahrberichte von
Bergrat Wolf vom Februar, August und Oktober zu den Rühle'schen Tonwerken
vor (40024-12, Nr. 242, Blatt 105ff). Es heißt darin:
„Der allgemeine Zustand der Grubenbau ließ keine Mängel erkennen,“ was
man eigentlich nur als Lob für die Betriebsleitung betrachten kann. Von
August bis Oktober war der Abbau auf
der Steiger- und Thiemannschachtanlage erneut sistiert, da
genügend Ton vorrätig sei und es keine Nachfrage nach dieser Sorte gab. Die
Arbeiter wurden aber nicht entlassen, sondern auf die Abteilungen Johanna-
und Kaiserschacht sowie nach Kaschka und Mehren verteilt.
Seitens der Kaschka- Mehrener Tonwerke wurde am 26. Februar 1926 angezeigt, daß auf Flurstück Nr. 76 in Mehren nun der Katharinenschacht IV sowie der Glückaufschacht VI als Fluchtschacht für den dortigen Schacht V abgeteuft werden solle (40024-12, Nr. 281, Blatt 163ff). Der letztere sollte etwa 40 m östlich vom Schacht V angesetzt werden. Dazu heißt es im Fahrbericht von Bergrat Wolf vom 30. März 1926, daß auf den Glückaufschächten 12 Mann angelegt waren und die Verbindungsstrecke zwischen Glückaufschacht V und VI bereits im Vortrieb begriffen war. Schacht VI war bis auf 12 m Teufe niedergebracht. Dagegen hatte man beim Katharinenschacht IV wegen starker Wasserzuläufe das Teufen erst einmal abgebrochen. Auf den Fundgrubeschächten fuhren nur 9 Mann an, „da die Nachfrage nach dunklem Ton, der hier vorwiegend ansteht, nachgelassen hat.“ (40024-12, Nr. 281, Blatt 171f) Am 29. April 1926 berichtete Herr Wolf, daß beim Streckenvortrieb bei Augustinenschacht III so starke Zuflüsse angetroffen worden seien, daß man sie mit der Zentrifugalpumpe und Wasserziehen mit der Tonne nicht mehr niederhalten konnte, woraufhin der Schacht bis 12 m unter Rasen abgesoffen war (40024-12, Nr. 281, Blatt 174). Nachdem eine stärkere Pumpe beschafft wurde, konnte er bis 15. Juni 1926 wieder gesümpft werden (40024-12, Nr. 281, Blatt 178). Am 12. Juli 1926 fand Herr Wolf auch die Glückaufschächte IV und V ersoffen vor, und um „schnell wieder Ton zu bekommen,“ hatte man in Freiberg daher die Wiederinbetriebnahme und das Ausräumen des verfüllten Glückaufschacht II genehmigt. Damit war man inzwischen 10 m niedergekommen und fand die Schachthölzer „vollständig wasserhart“ geworden noch an Ort und Stelle vor (40024-12, Nr. 281, Blatt 179f). Im August übernahm Erich Rühle von der Löthainer Ton- und Kaolinwerke AG auch noch den Otto Rudolf- Schacht. Der dort als Steiger angestellte Dipl.-Berging. und Markscheider Ernst Herbert Tanneberger sollte eigentlich die Tätigkeit fortführen, wurde aber dann doch schon im September 1926 „infolge Differenzen mit Obersteiger Pfeiffer und Besitzer Rühle“ entlassen (40024-12, Nr. 281, Blatt 181f). Außerdem erhielt man am 6. November 1926 auch noch die Genehmigung für das Schachtabteufen „Grube Ernst“ auf Flurstück 27a der Flur Mohlis (40024-12, Nr. 281, Blatt 188). Dem Fahrbericht vom 18. November des Jahres zufolge, war man damit bis dahin schon auf 10 m (40024-12, Nr. 281, Blatt 182) und bis Anfang Januar 1927 auf 18 m Teufe gekommen (40024-12, Nr. 281, Blatt 198).
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Über wichtige Ausführungen im Tonrevier im Jahr 1926 steht im
Jahrbuch außerdem noch zu lesen:
V. Wichtige Ausführungen und Betriebsvorgänge. 1. Lagerstättenaufschlüsse; geologisch Bemerkenswertes. 2. von Römer'sche Tonwerke in Löthain (62). „Das Tonlager wurde in nördlicher und östlicher Erstreckung im allgemeinen unverändert in gleichbleibender Mächtigkeit und Beschaffenheit bis an die Sicherheitspfeiler der Straßen festgestellt. Dies wurde auch durch Bohrungen im noch nicht aufgefahrenen Feld bestätigt.“ 2. Schacht- und Maschinenanlagen. 1. Kaschka- Mehrener Tonwerke in Kaschka und Mehren (7). „Auf Flurstück Nr. 6a der Flur Mehren wurde ein neuer Tonschacht „Glückaufschacht VI" niedergebracht und der im Jahre 1908 verfüllte Glückaufschacht II wieder aufgewältigt und in Betrieb genommen. Ferner wurde auf Flurstück Nr. 76 der Flur Mehren eine neue Tonschachtanlage „Katharinenschacht IV" errichtet und auf Flurstück Nr. 27a der Flur Mohlis ein neuer Tonschacht „Grube Ernst" geteuft.“ 2. Kaolin- und Tonwerke in Schletta, Löthain und Korbitz (10a). „Auf Flurstück 56 der Flur Schletta wurde eine neue Tonschachtanlage „Hildeschacht IV" errichtet.“ 3. Tongruben der Meißner Ofen- und Porzellanfabrik (16). „Bei der Tongrube in Oberjahna machte sich infolge Aufschlusses des südwestlichen Teiles des Grubenfeldes im Berichtsjahr die Anlage eines neuen Wetterschachtes erforderlich. Der bisherige Wetterschacht wurde verfüllt.“ 4. Ernst Teicherts Tongruben in Kaschka, Mohlis und Schletta (22). „Bei der Begußtonschachtanlage in Kaschka wurde ein neuer Förderschacht geteuft.“ 6. von Römersche Tonwerke in Löthain (62). „Ein elektrischer Haspel von 10 PS Leistung wurde in Betrieb genommen.“ 3. Gewinnungsarbeiten. 1. Kaschka- Mehrener Tonwerke in Kaschka und Mehren (7). „Die Versuche, durch Preßlufthammer eine billigere Tongewinnung zu erreichen, mußten infolge Betriebsstörung in der betreffenden Schachtanlage bis auf weiteres aufgegeben werden.“ 7. Wasserhaltung. 1. Kaschka- Mehrener Tonwerke in Kaschka und Mehren (7). „Erhebliche Schwierigkeiten in Bekämpfung von Wassereinbrüchen führten teilweise zu einer wesentlichen Verstärkung der Pumpenanlagen.“ 3. von Römersche Tonwerke in Löthain (62). „Eine 35 m lange Sumpfstrecke wurde angelegt.“ 8. Wetterlosung. 1. Börtewitzer Kaolinwerke in Börtewitz (1). „Zur besseren Bewetterung der Grube wurde im Frühjahr ein Ventilator aufgestellt.“ 2. Ernst Teicherts Tongruben in Kaschka, Mohlis .und Schletta (22). „Zur besseren Wetterführung wurde auf dem Steingutschacht in Kaschka sowie auf dem Arbeitstonschacht in Mohlis je ein Luftloch gebohrt und ein Ventilator mit 2500 cbm Stundenleistung aufgestellt.“ 3. von Römersche Tonwerke in Löthain (62). „Die Wetterführung wurde durch einen im Füllort stehenden, saugend wirkenden 1,8 KW-Schlotterlüfter mit anschließenden verzinkten Eisenblechlutten von 350 mm Durchmesser aufrechtgehalten.“ Das neue Werk der Familie von Römer ist hier natürlich gleich mehrfach mit der Neueinrichtung der Schachtanlagen erwähnt.
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Über den Betrieb bei den Kaschka- Mehrener
Tonwerken berichtet der Fahrbericht von Bergrat Wolf vom Februar 1927,
daß auf Fundgrube V
nur 2 Tonschläger, auf Fundgrube
VI
dagegen 18 Mann angelegt und ansonsten alles in Ordnung gewesen ist.
Fundgrube III
war abgeworfen und verfüllt. Auf dem Augustinenschacht
III
waren 19 Mann angelegt. Weil der Schacht solide ausgemauert und nicht druckhaft
war, durfte auch weiter auf die Herstellung eines zweiten Tageschachtes
verzichtet werden. Auf dem dem neuen Katharinaschacht
IV
arbeiteten nur 3 Mann. Der Glückaufschacht
II
war bis zur Sohle ausgeräumt und hier waren nun 2 Mann mit Aufsäubern befaßt.
Auch das Schachtabteufen bei der ganz neuen Grube Ernst in Mohlis war bei
28 m Teufe beendet. Hier waren 8 Mann in zwei Schichten mit dem Aushauen des
Füllortes beschäftigt (40024-12, Nr. 281, Blatt 199f).
Bezüglich des Otto Rudolf- Schachts in Löthain berichtete Wolf am 15. März 1927, daß dort Steiger Rentzsch von der Steigerschachtanlage die hier angelegten 20 Mann mit beaufsichtigte. Wolf hielt es für angezeigt, einen besonderen Steiger für diesen Schacht zu bestellen. Ansonsten fand er die zwei Schächte in gutem Zustand (40024-12, Nr. 281, Blatt 204). Im April nahm man Kurt Bormann als Vorarbeiter an, der in Abwesenheit von Rentzsch hier die Aufsicht führen sollte (40024-12, Nr. 281, Blatt 207). Im April 1927 war dann auch der Glückaufschacht VI wieder gesümpft (40024-12, Nr. 281, Blatt 209). Auch für Grube Ernst wurde am 28. Juni 1927 beantragt, auf einen zweiten Tageschacht verzichten zu dürfen, weil „das Tonflöz... von geringer Ausdehnung ist und kaum mehr als 5.000 t Ton liefern wird und daher in annähernd 2 Jahren erschöpft ist.“ Die Genehmigung wurde auch erteilt ebenso die, gleichartige Ausnahmegenehmigung für den Augustinenschacht III wieder verlängert (40024-12, Nr. 282, Blatt 3). Im Fahrbericht von Bergrat Wolf vom 2. Juni 1927 heißt es, man habe nun am Augustinenschacht eine größere Pumpe installiert und die Förderung wieder aufgenommen, sonst war hier nichts zu bemerken (40024-12, Nr. 282, Blatt 5). Dafür war am 21. Juni im Katharinaschacht IV das Wasser wieder ½ m aufgegangen (40024-12, Nr. 282, Blatt 6). Am Otto Rudolfschacht war bis zur nächsten Befahrung am 16. September 1927 der Schachtumbau beendet und die Förderung wieder im Gang. Man hatte hier ein Tonlager von „vorzüglicher Beschaffenheit“ angefahren, welches „die Lebensdauer der Grube auf lange Zeit sichern“ werde, heißt es im Fahrbericht (40024-12, Nr. 282, Blatt 16).
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Die nächste Jahrbuchausgabe berichtet uns dann über das Jahr
1927:
V. Wichtige Ausführungen und Betriebsvorgänge. 1. Lagerstättenaufschlüsse, geologisch Bemerkenswertes. 2. Kaolin- und Tonwerke in Schletta, Löthain und Korbitz (10a). „Auf den Flurstücken Nr. 54 und 56 der Flur Schletta wurden neue Bohrungen auf Ton vorgenommen. Auf Flurstück Nr. 56 wurden 12 Bohrlöcher, auf Flurstück Nr. 54 5 Bohrlöcher niedergebracht. Die Bohrergebnisse waren größtenteils günstig und lieferten den Beweis von weiterer Erstreckung des Tonlagers. Bei den Bohrungen wurden fette Tone mit 3,5 bis 7,5 m Mächtigkeit und magere Tone mit 4 bis 7 m Mächtigkeit festgestellt.“ 3. Ernst Teicherts Tongruben in Kaschka, Mohlis und Schletta (22). „Durch mehrere Bohrungen wurde festgestellt, daß bei der Begußtonschachtanlage in Kaschka noch guter Begußton in 2 Schichten vorhanden ist.“ 2. Schacht- und Maschinenanlagen. 1. Kaolin- und Ton werke in Schletta, Löthain und Korbitz (10a). „Auf Flurstück 56 der Flur Schletta wurde ein neuer Förderschacht bis auf 36 m Teufe niedergebracht. Er hat am Tagkranz einen Durchmesser von 1,8 m und verjüngt sich nach unten bis auf 1,6 m. Der Schachtausbau besteht aus 10 mm starkem Flußeisenblech. Das Fahrtrum ist mit eisernen Fahrten und Riffelblechen als Fahrtbühnen ausgestattet. Der Abschluß des Fahrtrumes gegen das Fördertrum besteht aus Drahtnetz.“ 2. Tongruben, der Meißner Ofen- und Porzellanfabrik in Löthain, Oberjahna und Mohlis (16). „In Mohlis wurde der Förderschacht infolge Erschöpfung des oberen Tonlagers um 4 m bis unter das zweite Tonlager verteuft. Bei der Tonschachtanlage in Löthain machte sich wegen fortschreitenden Abbaus und damit verbundenen Unbrauchbarwerdens der Hauptwetterstrecke das Teufen eines neuen Wetterschachtes erforderlich. Der neue Schacht wurde bei 22 m Teufe mit der Grube durchschlägig.“ 3. von Römersche Tonwerke in Löthain (62). „An der Nordgrenze des Grubenfeldes wurde durch die Firma Reinhard Zänsler in Brandis bei Leipzig als Flucht- und Wetterschacht ein Bohrschacht niedergebracht. Die Teufe des Schachtes beträgt bis Streckensohle in der Grube 46 m. Die durchsunkenen Schichten bestanden aus wechselnden Letten- und Sandschichten, die zum Teil auch Wasser führten. Der Ausbau besteht aus autogen verschweißten Rohren mit 5 mm Blechstärke. Überdies sind die Zwischenräume zwischen den einzelnen Rohrsträngen ausbetoniert worden. Der Anfangsdurchmesser des Schachtes beträgt 1.550 mm und verjüngt sich bis 1.020 mm. In der Grube ist der Schacht unter Vergrößerung des Querschnittes auf 1,50 m lichte Weite auf 3,7 m in Mauerung gesetzt worden. Die Fahrung besteht aus senkrecht stehenden eisernen Fahrten mit Abtretebühnen aus Rundeisenstäben und ebensolchen Fahrklappen.“ 3. Gewinnungsarbeiten. 1. Kaolin- und Tonwerke in Schletta, Löthain und Korbitz (10a). „Es wurde versucht, mit halbrunden Toneisen eine Leistungserhöhung im Tonschlagen herbeizuführen. Im mittelharten Tone bewährten sich diese runden Schlageisen und ermöglichten eine Leistungserhöhung gegenüber dem Arbeiten mit den üblichen geraden Toneisen.“ Die älteren, flachen, wie auch die neuen, halbrunden Toneisen
kann man noch im
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![]() Mit solchen ,Toneisen' wurde der zähe Ton aus dem Gebirgsverband von Hand abgestochen.
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![]() Zum Einschlagen wurden früher solche Vorschlaghämmer benutzt.
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![]() Ein Tonschläger mit seinem Gezähe übertage. Bildquelle: Unternehmensarchiv des ehemaligen VEB Kaolin- und Tonwerke Löthain- Seilitz beim heutigen Standort Mehren der Unternehmensgruppe SIBELCO Deutschland GmbH, Fotosammlung, Aufnahme undatiert.
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![]() Händische Gewinnung mit geraden Tonspaten untertage. Der zähe Ton wurde quasi stückweise ausgeschält. Bildquelle: Unternehmensarchiv des ehemaligen VEB Kaolin- und Tonwerke Löthain- Seilitz beim heutigen Standort Mehren der Unternehmensgruppe SIBELCO Deutschland GmbH, Fotosammlung, Aufnahme undatiert.
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![]() Links unten sieht man hier im Bergbaumuseum einen halbrunden ,Tonspaten', wie er im Revier noch in den 1980er Jahren verwendet wurde. Der Druckluftantrieb machte sicher die schwere Arbeit der Tonschläger etwas leichter; die Vibrationen des schweren Geräts führten aber unweigerlich zu Gelenkerkrankungen...
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![]() Eine historische Aufnahme zur Arbeitsweise mit den preßluftbetriebenen ,Tonspaten'. Bildquelle: Unternehmensarchiv des ehemaligen VEB Kaolin- und Tonwerke Löthain- Seilitz beim heutigen Standort Mehren der Unternehmensgruppe SIBELCO Deutschland GmbH, Fotosammlung, Aufnahme undatiert.
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![]() Auch diese zwei Bilddokumente aus den 1980er Jahren im
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Am 27. Januar 1928 wurde den vormals
Venus'schen Tonwerken das Abteufen des Katharinaschachts
V
auf Flurstück 78 in Mehren genehmigt, damit die Anlage endlich einen zweiten
Tageschacht bekommt (40024-12, Nr. 282, Blatt 24f). Bei der Grube Ernst
hat man die Grundstrecke vom Schacht weg auf 25 m Länge in Mauerung gesetzt.
Sonst war nichts zu bemerken. Auch der Augustinenschacht war nur schwach
belegt, da man des Frostes wegen den Hafenton nicht fördern konnte.
Am 24. Februar 1928 wurde schon wieder ein neues Schachtabteufen genehmigt, nun unter dem Namen „Drei Brüder- Schacht“ bei Canitz. Mit dem Katharinaschacht V war man inzwischen 7 m niedergekommen und erwartete bei 11 m Teufe die produktiven Tonschichten zu erreichen (40024-12, Nr. 282, Blatt 27f). Bis zur Befahrung im April 1928 war der Katharinaschacht V fertig abgesenkt und nun war man mit dem Aushauen einer Pumpenkammer befaßt (40024-12, Nr. 282, Blatt 32). Von seinen Befahrungen im Mai 1928 berichtete Bergrat Wolf, der Glückaufschacht II in Mehren sei wieder zugefüllt, auf dem Glückaufschacht V gelinge es nicht, die Wasser niederhalten und so blieb er weiterhin abgesoffen. Bei Glückaufschacht VI waren 6 Mann angelegt, die Untersuchungsstrecken vortrieben, um einen günstigen Platz für einen neuen Tageschacht zu finden, da man Schacht V noch nicht dauerhaft sümpfen konnte (40024-12, Nr. 282, Blatt 33). Am 12. Juli 1928 erging dann die Genehmigung zum Abteufen des Glückaufschachts VII als neuer Fluchtschacht. Am 25. September 1928 wurde auch die Anlage eines Tagebaus unter dem Namen „Drei Brüder Grube“ in Canitz, Schlag II, Flurstück Nr. 15, genehmigt (40024-12, Nr. 282, Blatt 36f). Im September fand Bergrat Wolf das Abräumen bereits im Gange, wobei der Ton fast unter dem Rasen anstand, denn er notierte, der Abraum bestehe nur aus Lehm und Sand und war höchstens 6 m mächtig, teils gar nicht vorhanden (40024-12, Nr. 282, Blatt 39). Im Monatsbericht vom November 1928 liest man, die Abraumarbeiten in Canitz auf der Drei Brüder Grube gingen bereits dem Ende entgegen und es gäbe dazu nichts zu bemerken. Herr Wolf fügte seinem Fahrbericht nur noch hinzu: „Da Tagebau, kommt Anlegung eines Grubenrisses nicht in Frage.“ (40024-12, Nr. 282, Blatt 44f) Das erzähle mal heute einer der Bergbehörde... Noch im Oktober 1928 hatten die Kaschka- Mehrener Tonwerke auch noch angezeigt, daß sie den gerade erst übernommenen Societätsschacht in Mohlis sümpfen wollen, da gerade nach dem hier anstehenden Ton besondere Nachfrage bestehe. Zum Zeitpunkt seiner Besichtigung im Oktober fand Herr Wolf das Wasser aber erst bis 24 m unter Rasen abgesenkt und bis dahin den Schacht in Ordnung (40024-12, Nr. 282, Blatt 40ff). Im November des Jahres war dann am Societätsschacht eine Pumpe aufgestellt, da man das Wasser durch Ziehen mit der Tonne allein nicht weiter absenken konnte. Das hat aber auch offenbar nicht funktioniert und wurde am 30. November aufgegeben. Nun sollte „an trockener Stelle“ ein neuer Schacht geteuft werden.
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Aus dem Jahr 1928 gab es offenbar für die Verfasser des
Jahrbuchs nicht viel zu berichten, neben dem Staatlichen Weißerdenwerk ist
diesmal nur erwähnt:
V. Wichtige Ausführungen und Betriebsvorgänge. 1. Lagerstättenaufschlüsse; geologisch Bemerkenswertes. 6. Kaschka- Mehrener Tonwerke in Kaschka und Mehren (7). „Auf Kanitzer Flur wurde ein Tagebau auf Ton eröffnet.“ Der neue Tagebau zwischen Löthain und Canitz erhielt später den Namen Drei Brüder- Grube zugelegt. Zufolge der Grubenakte wurde den Rühle'schen Tonwerken am 24. Februar 1928 vom Bergamt auch die Genehmigung zum Abteufen des Kaiserschachts II bei der Johanna- und Kaiserschachtanlage erteilt (40024-12, Nr. 242, Blatt 206). Er sollte freilich nur 14 m Teufe erreichen und war bereits im Juli 1928 fertig (40024-12, Nr. 242, Blatt 219f). Auf der Johanna- und Kaiserschachtanlage waren im Jahr 1928 alles in allem 51 Mann angelegt, darunter 25 Tonschläger und 16 Förderleute, auf der Steiger- und Thiemannschachtanlage waren es zur gleichen Zeit 38 Mann, darunter 15 Tonschläger und 15 Förderleute (40024-12, Nr. 242, Blatt 207f). Aus dem Jahr 1928 stammen auch die folgenden Bilddokumente. |
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Derselbe Blick
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![]() Ein gut gefüllter Trockenschuppen am ,Tonschacht' östlich des Weges von Kaschka nach Oberjahna, Aufnahme Oskar Kaubisch, 1928. Bildquelle: Deutsche Fotothek. Digitalisat:
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![]() Tongruben bei Kaschka, vermutlich die Teichert'schen Tonschächte gegenüber der Venus'schen Fundgrube, leider undatiertes Foto. Unternehmensarchiv des ehemaligen VEB Kaolin- und Tonwerke Löthain- Seilitz beim heutigen Standort Mehren der Unternehmensgruppe SIBELCO Deutschland GmbH, Fotosammlung. Heute ist auch von diesen
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![]() Trockenschuppen am Weg nach Mohlis - es könnte sich um das Gelände der Augustinenschächte und im Bildhintergrund um den Glückaufschacht V handeln, Aufnahme Oskar Kaubisch, 1928. Bildquelle: Deutsche Fotothek. Digitalisat:
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Bergrat Wolf fand zu den Rühle'schen
Tonwerken in Löthain und Mehren im
Januar 1929 nicht viel zu berichten, abgesehen davon, daß „wegen
Absatzstockung“ wieder einmal nur noch die Hälfte der Schichten verfahren
werde (40024-12, Nr. 242, Blatt 235f). Am 12. August 1929 war die Kurzarbeit
wieder beendet und Herr Wolf notierte in seinem Fahrbericht:
„Zur Zeit macht sich sogar ein Mangel an Tongrubenarbeitern bemerkbar.“
Und weiter heißt es: „Bei
dem 50jährigen Jubiläum der Werke sind 25 Arbeiter mit 25 bis 40 Jahren
Dienstzeit mit Geldspenden bis 150 RM ausgezeichnet worden. Seit Mitte Juni
beträgt der Stundenlohn über Tage 84 Pfennige, unter Tage 86 Pfennige...“
(40024-12, Nr. 242, Blatt 242ff)
Erst im März des Jahres 1929 war Bergrat Wolf wieder auf den Kaschka- Mehrener Tonwerken zugegen und berichtete, daß die Fundgrubeschächte mit 29 Man und Steiger Karl Teupel belegt seien. Am Augustinenschacht III waren 12 Mann in drei Schichten und Steiger Stefan angelegt. Der Glückaufschacht VI war unbelegt, nur die Wasserhaltung in Betrieb, weil auch hier frostempfindlicher Hafenton gewonnen werden soll. Auf Katharinaschacht IV und V waren 16 Mann unter Aufsicht von Vorarbeiter Arthur Barth angelegt. Zu bemängeln fand sich nichts (40024-12, Nr. 282, Blatt 56ff). Dem Fahrbericht vom April 1929 ist noch zu entnehmen, daß auf der Grube Ernst in Mohlis nur 3 Mann unter der Aufsicht von Vorarbeiter Paul Krebs arbeiteten. Der Drei Brüder- Tagebau in Canitz war noch außer Betrieb, da noch Schnee lag (40024-12, Nr. 282, Blatt 59f). Im Mai 1929 fand Bergrat Wolf den Glückaufschacht VI mit 16 Mann belegt und der Durchschlag auf Schacht VII sollte demnächst hergestellt sein. Dieser Schacht VII stand bei nur 12 m Teufe „in produktivem Ton, der mit dem Spaten gestochen werden kann.“ (40024-12, Nr. 282, Blatt 61) Schließlich erfährt man noch vom Juni 1929, daß auch der Otto Rudolfschacht mit 15 Mann belegt und alles in bester Ordnung sei (40024-12, Nr. 282, Blatt 62). Von seiner Befahrung im August 1929 hatte Herr Wolf zu berichten, daß der Durchschlag der Verbindungsstrecke zwischen den Glückaufschächten VI und VII nun vollbracht war. Der Betrieb im Tagebau zu Canitz solle, nachdem hier „größere Probenmengen entnommen sind, in nächster Zeit voll aufgenommen werden.“ Die Grube Ernst wollte E. Rühle verkaufen, angeblich habe die Löthain’er Ton- und Kaolin AG Interesse, ansonsten aber solle der Schacht verfüllt werden. Am 7. September teilte Wolf dazu mit, daß die Grube Ernst nun stillgelegt worden sei (40024-12, Nr. 282, Blatt 67ff). Stattdessen wurde unter dem Namen „Hohe Grube“ am 20. Dezember 1929 erneut ein Schachtabteufen auf Flurstück 42 in Mohlis genehmigt (40024-12, Nr. 282, Blatt 74).
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Aus dem Jahr 1929 war zum Löthain'er Tonrevier im Jahrbuch
nur bemerkenswert:
V. Wichtige Ausführungen und Betriebsvorgänge. 1. Lagerstättenaufschlüsse; geologisch Bemerkenswertes. 2. Löthain- Meißner Tonwerke in Löthain (10). „Durch Bohrungen in der näheren Umgebung des Meißner Beckens wurde ein ausgedehntes Lager weißbrennenden Tones festgestellt, das infolge seiner günstigen Ablagerung gute Abbaumöglichkeit verspricht.“ 4. Grubenausbau. Ernst Teicherts Tongruben in Kaschka, Mohlis und Schletta (22). „Bei den Steinguttonschächten in Kaschka hat sich der Streckenausbau in Zementformsteinen, System Bauschäfer, gut bewährt.“
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![]() Auch die Mauerung erlitt bei großem Gebirgsdruck Schäden und war kein Allheilmittel, ersparte aber doch wenigstens die ständige Unterhaltung des Türstockausbaus auf den Hauptstrecken. Bildquelle: Unternehmensarchiv des ehemaligen VEB Kaolin- und Tonwerke Löthain- Seilitz beim heutigen Standort Mehren der Unternehmensgruppe SIBELCO Deutschland GmbH, Fotosammlung, Aufnahme undatiert.
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![]() Schon in den 1930er Jahren begann man deshalb, solchen Stahlbogenausbau auch im Tonrevier einzusetzen. Bildquelle: Unternehmensarchiv des ehemaligen VEB Kaolin- und Tonwerke Löthain- Seilitz beim heutigen Standort Mehren der Unternehmensgruppe SIBELCO Deutschland GmbH, Fotosammlung, Zeitungsmeldung im ,Neuen Deutschland' aus dem Jahr 1957.
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Der Aufschwung des Vorjahres hat auch bei den
Rühle'schen Tonwerken nicht lange angehalten, schließlich kam es bekanntermaßen
im Jahr 1929 zu einer Weltwirtschaftskrise. Im Januar 1930 mußte E. Rühle
im sächsischen Arbeits- und Wohlfahrtsministerium dann die Entlassung
von 50 Mann, rund die Hälfte seiner Belegschaft von 124 Mann auf den beiden
Löthain'er Werken, beantragen. Vom Ministerium damit beauftragt, hat das Bergamt
am 3. Februar 1930 dazu mit „Vertretung der Firma, Betriebsvertretung und
Berufsorganisation“ eine Verhandlung geführt und diesem Protokoll zufolge
haben wegen des eingetretenen Auftragsrückgangs auch alle Beteiligten zugestimmt
(40024-12, Nr. 242, Blatt 259ff).
Dem Fahrbericht Wolf's vom Februar 1930 ist zu entnehmen, daß auch übrige Belegschaft ab 14. Februar nur an 4 Tagen die Woche arbeite, da „fast alle Tonschuppen voll sind und der Geschäftsgang noch sehr schwach ist.“ Dennoch war man nicht untätig und „im Drei Brüder Tagebau in Canitz soll der Betrieb mit Eintritt der milden Witterung aufgenommen werden. Das Abteufen der ,Hohen Grube‘ in Mohlis ruht zur Zeit, da man... Kostenanschläge wegen Niederbringung eines Bohrschachtes an dieser Stelle einholt.“ Und am Kaiserschacht II soll ein neuer Tonschuppen gebaut werden (40024-12, Nr. 242, Blatt 263). Die Kurzarbeit hielt noch bis Juli des Jahres an. Im Monatsbericht vom August 1930 schrieb Bergrat Wolf dann nieder, daß die Stundenlöhne um 2 Pfennige auf nun 80 Pf. über- und 82 Pf. untertage gesenkt worden seien (40024-12, Nr. 242, Blatt 269ff). Im Oktober 1930 standen alle Betriebsabteilungen wieder in voller Arbeit. Zu Erinnerungen war, wie meistens, auch jetzt auf den Rühle'schen Tonwerken kein Anlaß (40024-12, Nr. 242, Blatt 286). Im Zusammenhang mit einem Streit über die Qualität der Risswerkführung zwischen der Geschäftsführung, die damit den konzessionierten Markscheider H. E. Müller in Freiberg beauftragt hatte, weil das Bergamt nur noch die Rissnachbringung durch den Obersteiger zulassen wollte, worauf Markscheider Walter Friedmann in Oelsnitz/Erzg. damit beauftragt wurde, welcher dann in den Müller'schen Rissen Fehler gefunden haben wollte, und der schon mehrere Jahre andauerte ‒ auf den wir hier aber nicht weiter eingehen wollen ‒ stellte Bergrat Wolf im November 1930 eine kleine Liste zusammen, welche Betriebsabteilungen es denn eigentlich alles beträfe. Weil diese uns einmal anschaulich macht, wie viele Schächte bei den Löthain- Meißner und den Kaschka- Mehren'er Tonwerken inzwischen betrieben wurden, wollen wir sie hier kurz anführen. Es waren nämlich:
Auch die Grube Georg, 1904 als König Georg Schacht geteuft, muß es noch gegeben haben. Hier auch nicht aufgeführt, weil dazu kein Rißwerk (mehr) gefordert war, sind noch zu nennen:
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![]() Die Belegschaft der Grube Georg im Jahr 1930. Unternehmensarchiv des ehemaligen VEB Kaolin- und Tonwerke Löthain- Seilitz beim heutigen Standort Mehren der Unternehmensgruppe SIBELCO Deutschland GmbH, Fotosammlung.
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![]() Der Steigerschacht auf einer historischen Aufnahme um 1930, mitten in der durch die Landwirtschaft geprägten Region. Bildquelle: Unternehmensarchiv des ehemaligen VEB Kaolin- und Tonwerke Löthain- Seilitz beim heutigen Standort Mehren der Unternehmensgruppe SIBELCO Deutschland GmbH, Fotosammlung.
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![]() Die Windturbine am Steigerschacht um 1930. Auffällig ist die Bauweise der Beflügelung dieses Rotors. Bildquelle: Unternehmensarchiv des ehemaligen VEB Kaolin- und Tonwerke Löthain- Seilitz beim heutigen Standort Mehren der Unternehmensgruppe SIBELCO Deutschland GmbH, Fotosammlung.
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Aus dem Monatsbericht von Regierungsbergrat
Wolf vom Januar 1930 zu den Kaschka- Mehrener Tonwerken erfährt man, daß
der Betrieb im Tagebau Canitz ruhte und die Arbeiter mit der Errichtung eines
Knüppeldamms vom Tonschuppen zur Canitzer Straße sowie einer Haspel befaßt
waren, mit der man die Tonhunte über eine Rampe aus dem Tagebau ziehen wollte.
Bei Hohe Grube in Mohlis hat man Bohrungen ausgeführt, aber noch kein
Abteufen begonnen (40024-12, Nr. 282, Blatt 89). Ab 1. Januar 1930 löste
außerdem Vorarbeiter Arthur Barth den in Ruhestand getretenen Steiger
Stephan als Aufsicht ab (40024-12, Nr. 282, Blatt 80), desgleichen Paul
Krebs bei den Fundgrubeschächten (40024-12, Nr. 282, Blatt 82).
Der Monatsberichte vom April und Mai 1930 berichten wieder von Absatzschwierigkeiten und daß ein Drittel der Belegschaft entlassen worden ist. Die übrigen arbeiten nur 4 Tage in der Woche. Otto Rudolf- und Katharinenschächte waren nicht belegt. Die Tonschuppen waren zumeist gut gefüllt und Betrieb ging nur noch dort um, wo noch Lagermöglichkeiten bestanden. Beim Glückaufschacht V war es aber nun endlich gelungen, der Wasser Herr zu werden und den Schacht zu sümpfen. Der Schacht wurde nun vom Tage herein ausgemauert. Fundgrube Schacht V dagegen sollte abgeworfen werden. Im Tagebau in Canitz waren 2 Mann mit Abraumarbeiten beschäftigt. Nur auf Augustinenschacht III, wo man Hafenton förderte, für den noch Absatz bestand, wurde noch 6 Schichten die Woche mit 15 Mann Belegschaft gearbeitet (40024-12, Nr. 282, Blatt 93ff). Ab Juli 1930 besserte sich der Absatz wieder etwas und sowohl im Tagebau Canitz als auch auf den Fundgrubeschächten wurde wieder in sechs Schichten die Woche gearbeitet (40024-12, Nr. 282, Blatt 98). „Wegen der ungünstigen Geschäftslage in der keramischen Industrie“ hatte E. Rühle das Abteufen bei der Hohen Grube dagegen ganz aufgegeben (40024-12, Nr. 282, Blatt 99). Ab Oktober 1930 wurde auch der Otto Rudolfschacht wieder belegt, wo aber erst einmal der Schachtausbau erneuert werden mußte (40024-12, Nr. 282, Blatt 101).
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Mit dem Jahr 1930 zog noch einmal ein weiteres Unternehmen in
das Revier ein: Mit der Ordnungszahl (71) ist diesmal in der Übersicht der
gewerblichen Ton- und Kaolingruben die Meißner Tonverwertungsgesellschaft mbH
mit Sitz in Zwickau und einer Grube bei Schwochau mit der Anmerkung „neu
eröffnet im Juli 1930.“ neu aufgeführt. Bereits ein Jahr später steht an
gleicher Stelle aber zu lesen: „Betrieb im Mai 1931 eingestellt.“
Über die Betriebsvorgänge im Revier wurde berichtet: V. Wichtige Ausführungen und Betriebsvorgänge. 1. Lagerstättenaufschlüsse; geologisch Bemerkenswertes. 2. Meißner Tonverwertungs-Gesellschaft in Schwochau (71). „Durch Bohrungen wurde in Schwochau ein ausgedehntes Lager weißbrennender Tone mit günstiger Ablagerung festgestellt.“ 3. Kaolin- und Tonwerke in Schletta (10a). „Auf dem Flurstück Nr. 54a der Flur Schletta wurden neue Bohrungen vorgenommen. Bei zwei Bohrlöchern wurde ein sehr brauchbarer Kaolin mit 15 m Mächtigkeit und bei weiteren drei Bohrlöchern, in Richtung gegen den Hildeschacht II zu, fetter Steingutton in einer Mächtigkeit von 3,5 ‒ 9,3 m festgestellt.“ 2. Schacht- und Maschinenanlagen. 1. Meißner Tonverwertungs-Gesellschaft in Schwochau (71). „Zur Erschließung des in Schwochau neu festgestellten Tonlagers wurde auf Flurstück Nr. 3 ein 22 m tiefer Schacht in Bolzenschrotzimmerung niedergebracht. Die für den Betrieb notwendigen Bauten wurden aus Wellblech mit Eisengerippe hergestellt. Als Kraftmaschine dient ein Benz-Rohölmotor von 40/56 PS, der eine Druckluftanlage für 4,5 cbm/min Ansaugleistung antreibt. Ein mit Preßluft angetriebener Förderhaspel wurde im Förderturrn über dem Fördertrum so eingebaut, daß er von der Hängebank aus leicht bedient werden kann.“ 3. Gewinnungsarbeiten. 1. von Römersche Tonwerke in Löthain (62). „Die Firma Flottmann stellte Versuche der Tongewinnung mit Preßluftspaten an, da solche Versuche im Tonbergbau über Tage zu guten Erfolgen geführt hatten. Für die Preßlufterzeugung wurde ein fahrbarer Benzinmotor- Kompressor über Tage aufgestellt. Die Versuche gaben wohl eine Leistungssteigerung gegenüber Handgewinnung, jedoch blieb die Leistung weit hinter der von der Firma in Aussicht gestellten zurück, so daß von einer endgültigen Aufstellung einer Preßluftanlage Abstand genommen wurde. Weiter wurden Schießversuche vorgenommen, die nicht ungünstig ausfielen. Sie konnten aber vorerst nicht weitergeführt werden, da sie mit Rücksicht auf das Hangende nur in der unteren Sohle stattfinden sollen, die zur Zeit wegen Absatzmangels in dieser Tonsorte nicht betrieben wird. Nach Wiederaufnahme dieses Betriebes sollen die Schießversuche fortgesetzt werden. Gebohrt wurde mit Siemens- Schuckert- Bohrmaschine, geschossen mit Ammonit 1.“ 5. Grubenausbau. 1. Ernst Teicherts Tongruben in Kaschka, Mohlis und Schletta (22). „Bei den Steinguttonschächten in Kaschka wurde der Streckenausbau in Zernentformsteinen, Bauart Bauschäfer, da er sich gut bewährt, auch im Berichtsjahre fortgesetzt.“ „Ferner wurden bei den 2. Kaschka- Mehrener Tonwerken (7) auf Augustinenschacht VI in Mehren und bei den 3. Kaolin- und Tonwerken in Schletta (10a) auf Hildeschacht III größere Streckenteile in solchen Formsteinen ausgebaut.“ 7. Wasserhaltung. 1. Tongrube der Cölln- Meißner Ofenfabrik Saxonia in Löthain (5b). „Anfang Januar 1930 brach in einer nach Norden vorgetriebenen Versuchsstrecke Wasser ein. Dadurch steigerte sich die zu hebende Wassermenge auf etwa das Fünffache des gewöhnlich zufließenden Wassers und infolgedessen reichten die beiden vorhandenen Hubpumpen bei weitem nicht aus. Nachdem die ersoffenen Grubenbaue leergepumpt worden waren, wurde am Füllort des Förderschachtes eine Kreiselpumpe von 800 l/min Leistung eingebaut und die alten Hubpumpen aus dem Schacht Herausgenommen. Fast genau ein Jahr floß das Wasser in unverminderter Menge zu; verschiedentliche Verdämmungen hatten keinen Erfolg. Erst in der Nähe der Einbruchstelle getriebener Abbau mit seiner unmittelbar folgenden Deckgebirgssenkung dämmte das Wasser ab.“ 2. Meißner Tonverwertungs-Gesellschaft in Schwochau (71). „Zur Hebung der nicht allzu großen Wasserzuflüsse bei der Tongrube in Schwochau dient eine mit Preßluft angetriebene Schmiedelpumpe von 150 l/min Leistung.“ 9. Aufbereitung. 2. von Römersche Tonwerke in Löthain (62). „Gegen Ende des Berichtsjahres wurde eine Tonreinigungsmaschine als Versuchsanlage aufgestellt, um zu versuchen, ob und inwieweit sich gröbere schädliche Einlagerungen, wie Schwefelkies, Holz usw., entfernen lassen.“ |
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Die Wirtschaftskrise hielt aber noch an und
machte natürlich auch vor den Rühle'schen Tonwerken nicht halt. Am 12. Februar
1931 beantragte E. Rühle wegen Auftragsmangel, voller Tonschuppen und zu
hoher Gestehungskosten gegenüber den Preisforderungen der Kundschaft die
gänzliche Werksstillegung. Weil damit auch die Entlassung von weiteren 52 Mann,
so daß nur noch Steiger Rentzsch und Obersteiger Pfeiffer als
Beamte und 8 weitere Arbeiter in Kaschka verblieben, verbunden war, ging die
Sache wieder über den Tisch des sächsischen Arbeitsministeriums. Einen ähnlichen Vorgang gab es sieben Jahre
Laut der Verhandlungsniederschrift bestanden zu diesem Zeitpunkt Lagerbestände von 2.608 t Ton, davon 1.180 t erste Sorte. Bei normalem Betrieb würde ein Ausbringen von 180 bis 200 t pro Woche hinzukommen. Weder Lohnsenkungen (rund 50% der Kosten) noch eine Senkung des Tonnenzinses an die Grundeigentümer (was 16,25% bei der Abteilung Steigerschacht und 20% bei der Abteilung Johannaschacht ausmache) könne er, Rühle, derzeit nicht durchsetzen, so daß er den Preisforderungen der Kunden nicht nachkommen kann. Auch jetzt erklärte sich der Betriebsrat mit der Kündigung einverstanden, forderte nur, daß bei Wiederaufnahme des Betriebes die jetzt entlassenen Arbeiter wieder angenommen werden sollten (40024-12, Nr. 242, Blatt 288ff). Dem Monatsbericht von Bergrat Wolf auf Juni 1931 ist dann zu entnehmen, daß E. Rühle die Löhne weiter gesenkt und auch niedrigere Tonnenzinsen ausgehandelt hatte und nun den Betrieb mit zunächst 15 Mann in der Abteilung Johannaschacht und mit 21 Mann auf dem Steigerschacht wieder aufnahm (40024-12, Nr. 243, Blatt 3).
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Dem Monatsbericht vom Januar 1931 zu den
Kaschka- Mehrener Tonwerken zufolge blieben auch die Grube Ernst und der
Societätsschacht außer Betrieb; beide waren ersoffen, die Schachtkauen
standen noch. Auf dem Augustinenschacht
III
ruhte die Förderung wegen Auftragsmangel, hier hatte man zuletzt ebenfalls ein „größeres
Streckenstück“ versuchsweise mit „Formsteinen System Bauschäfer“
ausgemauert (40024-12, Nr. 282, Blatt 108).
Im März 1931 beantragte Rühle auch für die Kaschka- Mehrener Tonwerke, 40 Arbeitnehmer zu entlassen, was wieder das Arbeits- und Wohlfahrtsministerium genehmigen mußte. Am 27. März 1931 fanden diesbezüglich Verhandlungen zwischen dem Arbeitgeber und der Arbeitervertretung unter Moderation des Bergamtes statt und dem Protokoll dazu ist zu entnehmen, daß die Betriebsstillegungsanzeige „eine vorsorgliche“ sei, die nach der Sperrfrist nur dann in Kraft treten solle, wenn die Absatzstockung andauere (40024-12, Nr. 282, Blatt 110). E. Rühle setzte zu diesem Zeitpunkt nur noch etwa 40 t Ton aus Kaschka und 15 t Hafenton in der Woche ab und „die Aussichten für Absatz... (sind) trostlos.“ Der Befahrungsbericht Wolf’s vom April 1931 berichtet dann, daß sich die Arbeiter – um Entlassungen zu vermeiden – damit einverstanden erklärt hätten, die Löhne bis zum Abschluß eines neuen Tarifs vorläufig zu kürzen. Im Hinblick auf den technischen Betrieb fanden sich keine Mängel (40024-12, Nr. 282, Blatt 117ff). Laut Monatsbericht vom Juni 1931 war im Tagebau Canitz, auf dem Otto Rudolfschacht und bei den Katharinenschächten der Betrieb noch nicht wieder aufgenommen (40024-12, Nr. 282, Blatt 122). Nur Fundgrube, Augustinen- und Glückaufschächte waren belegt. Am 4. Juli 1931 beantragte Rühle außerdem das Anlegen von „einem oder mehreren Schurfschächten“ auf Flur Ballendorf bei Colditz (40024-12, Nr. 282, Blatt 121). Einer davon ist auch niedergebracht worden und beprobt worden. Ein Jahr darauf teilte das Bergamt Leipzig nach Freiberg aber mit, daß hier keine weiteren beabsichtigt seien – offenbar waren die Proben nicht gut ausgefallen (40024-12, Nr. 282, Blatt 136). Auch im August 1931 hatte „das Geschäft... (noch) keine Belebung erfahren.“ E. Rühle verhandelte nun mit dem Fabrikarbeiterverband über eine Stundenlohnkürzung auf 70 bzw. 73 Pfennig (40024-12, Nr. 282, Blatt 128). Nur mit „äußerster Reduktion der Belegschaft“ sei es ihm möglich, den Betrieb aufrecht zu erhalten.
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Über das Jahr 1931 klagte man auch im Jahrbuch- Abschnitt
IV. Allgemeine Mitteilungen. 1. Wirtschaftliche Lage der Gruben. „Wie überall, so hat sich auch bei den gewerblichen Gruben die Wirtschaftslage im Berichtsjahr gegenüber 1930 noch verschlechtert. Wegen Absatzmangels machten sich viele Entlassungen nötig. Fast alle Werke waren gezwungen, kurz zu arbeiten. Ohne Ausnahme ist in dem Ausbringen der Gruben gegenüber dem Vorjahre ein Rückgang zu verzeichnen. An Ton sind 11.050 t oder 25,4 v. H., an Rohkaolin 11.848 t oder 22,7 v. H. und an geschlämmtem oder gesichtetem Kaolin 12.059 t oder 25,6 v. H. weniger ausgebracht worden...“ Entsprechend kürzer fallen auch wieder die Erwähnungen zum Grubenbetrieb im Jahrbuch aus: V. Wichtige Ausführungen und Betriebsvorgänge. 5. Grubenausbau. 1. Kaolin- und Tonwerke in Schletta (10a). „Das Füllort des Hilde- Schachtes II sowie 50 m der Hauptförderstrecke wurden in Betonmauerung gesetzt. Die. Arbeit führte die Firma Gewerkschaft Bauschäfer in Bad Salzbrunn nach dem ihr patentamtlich geschützten Verfahren aus.“ 2. von Römersche Tonwerke in Löthain (62). „Das nördliche Füllort und rd. 20 m Strecke im Schachtsicherheitspfeiler wurden in Zementformsteinen, Bauart Bauschäfer, ausgebaut.“
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Am 12. März 1932 ist der langjährige Obersteiger Hermann Pfeiffer verstorben. Von der Geschäftsführung wurde daraufhin Dipl.-Berging. Gottfried Döbler als neuer Betriebsleiter angestellt, was das Bergamt auch am 20. Juni 1932 genehmigte (40024-12, Nr. 243, Blatt 10f). Anfang der 1930er Jahre hatte man auch das Landesbergamt wieder in Oberbergamt umbenannt und anstelle der Berginspektionen hatte man nun in Freiberg, Zwickau und Dresden wieder Bergämter eingerichtet, welche die Aufgaben der früheren Inspektionen übernahmen. Für unsere Region war das Bergamt in Dresden und dort Regierungsrat Spitzner für Löthain zuständig. Der letztere hat nach seiner ersten Befahrung am 28. Juli 1932 nach Freiberg berichtet, daß alle fünf in Betrieb stehenden Schächte in Löthain ohne Mängel seien. Seit der Wiederaufnahme betrugen die Löhne nun 70 Pfennig pro Stunde über- und 72 Pfennig pro Stunde untertage (40024-12, Nr. 243, Blatt 13). Auf das Jahr 1932 datieren auch neue Bohrungen, die E. Rühle auf der Flur Naundörfel ausführen ließ, und eine erneute Beantragung von Sprengstoffeinsatz für das Auflockern der besonders zähen Tone (40024-12, Nr. 243, Blatt 16ff). Herr Spitzner hielt dann in seinem Jahresbericht für 1932 zu den Rühle'schen Tongruben fest, es sei „infolge der allgemein schlechten Wirtschaftslage und der damit zusammenhängenden schlechten Absatzmöglichkeit für Tone ist im Verhältnis zu früheren Jahren nur wenig Betrieb umgegangen.“ Immerhin war die Sprengstoffniederlage fertig und das Schießen werde nur bei bestimmten Tonen eingesetzt, aber auch, um auf Halde gestürzten Ton aufzulockern. Die Nachbringung der nun von Friedmann angefertigten Risse erfolgt weiter durch Betriebsleiter Döbler. Sonst gab es nichts zu berichten (40024-12, Nr. 243, Blatt 23).
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Der Jahresbericht Spitzner's vom 28.
Juli 1932 über die Kaschka- Mehrener Tonwerke besagt, daß die Grube Ernst
und der Societätsschacht in Mohlis nicht wieder in Betrieb gegangen sind
und verfüllt werden sollten. Ursächlich für den schlechten Geschäftsgang waren
unter anderem auch Umstellungen in der Glasindustrie, welche den Glashafenton
entbehrlich machten. E. Rühle hat von den bereits genehmigten
Entlassungen nur für 18 Arbeiter ‒ statt 40 ‒ Gebrauch gemacht, aber auch hier
die Stundenlöhne von ursprünglich 80 bzw. 82 Pfennig auf nunmehr 70 bzw. 72
Pfennig herabgesetzt. Über den technischen Betrieb fand auch Bergrat Spitzner
nichts zu beanstanden: „Sämtliche Schächte waren in Ordnung und gut fahrbar.“
(40024-12, Nr. 282, Blatt 138f)
Am 16. August 1932 gab es auf dem Fundgrubeschacht VI in einer Vorrichtungsstrecke wieder einen Schlagwetteraustritt, der aber durch starke Bewetterung beseitigt werden konnte (40024-12, Nr. 282, Blatt 141).
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Auch im Jahrbuch wurde im Jahr 1932 erneut über die
wirtschaftliche Lage der Unternehmen Klage geführt:
IV. Allgemeine Mitteilungen. 1. Wirtschaftliche Lage. „Die schwierige wirtschaftliche Lage beeinflußte auch die unter bergbehördlicher Aufsicht stehenden gewerblichen Betriebe. Vor allem wurden die Ton- und Kaolingruben davon betroffen. Mehrere Werke sahen sich zu Betriebs- und Arbeitszeitbeschränkungen auf mehr oder weniger lange Dauer sowie zu vorübergehenden Einstellungen des Betriebes und zur Einlegung von Feierschichten auf einzelnen Betriebsanlagen gezwungen. Das Ausbringen der gewerblichen Gruben hat im Vergleich zum Vorjahr im ganzen mengenmäßig zugenommen, dagegen an Wert abgenommen...“ Über den Betrieb der Tongruben im Revier wurde berichtet: V. Wichtige Ausführungen und Betriebsvorgänge. 3. Gewinnungsarbeiten. Löthain- Meißner Tonwerke in Löthain und Kaschka- Mehrener Tonwerke in Kaschka, Löthain und Mehren. „Im Laufe des Berichtsjahres wurden Sprengversuche unter Tage mit Wetter- Detonit C vorgenommen, die ein günstiges Ergebnis zeitigten. Infolgedessen wurde bei beiden Werken auf einzelnen Schächten Schießarbeit eingeführt. Zur Aufbewahrung des Sprengstoffes und der Zündmittel wurde eine übertägige Sprengstoffniederlage in der Halde des ehemaligen Prinz-Friedrich-August-Schachtes in Löthain errichtet.“ 5. Grubenausbau. 1. Kaolin- und Tonwerke in Schletta. „In den Jahren 1931 und 1932 war ein Teil der Hauptförderstrecke in Betonformsteinen, Bauart Bauschäfer, ausgebaut worden. Der eirunde Streckenausbau hielt jedoch dem außerordentlich hohen Druck nicht stand und wurde allmählich zertrümmert. Eine Instandsetzung dieser Betonstrecke mußte der hohen Kosten wegen unterbleiben, so daß dieser Streckenteil völlig aufgegeben wurde. Dagegen hat sich der kreisrunde Ausbau in Betonformsteinen bei dem Füllort des Schachtes II gut bewährt.“ 2. von Römersche Tonwerke in Löthain. „Das südliche Füllort im Addy- Schacht und rd. 25 m Strecke im Sicherheitspfeiler des Luftschachtes wurden mit Betonformsteinen, Bauart Bauschäfer, ausgebaut.“ 10. Sonstiges. 3. Tongruben der Meißner Ofen- und Porzellanfabrik in Löthain, Oberjahna und Mohlis. „Die Tongrubenanlage in Oberjahna wurde stillgelegt, da für den bisher dort geförderten Ton voraussichtlich auf lange Zeit hinaus jedwede Absatzmöglichkeit fehlt.“
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Der Jahresbericht Spitzner's zu den
Rühle'schen Gruben in Löthain für das Jahr 1933 berichtet uns, daß man sowohl im
Johanna- wie auch im Kaiserschacht
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einen Teil des Ausbaus erneuert hat. Die
Einführung der Schießarbeit sowie von „Abbauhöhen“ und „Prämiengedingen“
durch den neuen Betriebsleiter Döbler habe eine wesentliche Erhöhung der
Leistungen erbracht. Außerdem ist es ‒ wie auch im Jahrbuch zu lesen ist ‒ am 5.
Oktober 1933 erneut zu einer Schlagwetterexplosion gekommen, diesmal auf dem
Augustinenschacht III
in Mehren (40024-12, Nr. 243, Blatt 27). Herr Spitzner empfahl daraufhin,
auch künftig auf den Tongruben nur Sicherheitsgeleucht zuzulassen; was freilich
für die Rühle'schen Werke ohne Bedeutung war, weil dies hier ohnehin schon seit
1903 vorgeschrieben war. Das Oberbergamt erließ aber am 2. März 1934 eine neue
Verfügung, nach der Sicherheitslampen ‒ und nun für alle Tongruben des Reviers ‒
vorgeschrieben wurden.
Ansonsten enthält auch der Jahresbericht Spitzner's zu den Rühle'schen Gruben für 1934 nichts Neues (40024-12, Nr. 243, Blatt 36).
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Zum Betrieb bei den Kaschka- Mehrener
Tonwerken berichtet der Jahresbericht
von Bergrat Spitzner vom 4. Juli 1933 ebenfalls nicht wirklich Neues
(40024-12, Nr. 282, Blatt 151f).
Am 5. Oktober 1933 hat es aber wieder eine Schlagwetterexplosion, diesmal am Augustinenschacht III gegeben, bei der ein Arbeiter erhebliche Verletzungen erlitt (40024-12, Nr. 282, Blatt 159). Schließlich hat E. Rühle auch sein Grubenfeld 1933 weiter konsolidiert und für die Kaschka- Mehrener Betriebsabteilung von der erst seit 1923 im Revier agierenden Cölln- Meißner Ofenfabrik Saxonia GmbH die Tongrube Saxonia erworben (40024-12, Nr. 243, Blatt 33). Am 2. Januar 1934 wurde Vorarbeiter Kurt Bormann hier als Aufsicht neben Dipl.-Ing. Döbler bestellt (40024-12, Nr. 282, Blatt 154).
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Das Jahr 1933 brachte bekanntlich gesellschaftliche Umbrüche
in Deutschland. Die Bergbehörde in Sachsen vermeldete daraufhin zur
wirtschaftlichen Situation der gewerblichen Gruben in der Jahrbuchausgabe unter:
IV. Allgemeine Mitteilungen. 1. Wirtschaftliche Lage. „Wenngleich auch im Berichtsjahr die unter bergbehördlicher Aufsicht stehenden gewerblichen Gruben zu zeitweiligen Betriebs- und Arbeitszeiteinschränkungen gezwungen waren, so führten doch die Bemühungen der Reichsregierung zur Behebung der Arbeitslosigkeit zu insgesamt 48 Neueinstellungen (d. s. 6,3 v. H. der Belegschaft von 1932) und zu einer Belebung des Absatzes...“ Über den technischen Betrieb wurde berichtet: V. Wichtige Ausführungen und Betriebsvorgänge. I. Lagerstättenaufschlüsse; geologisch Bemerkenswertes. 1. Kaolin- und Tonwerke in Schletta. „Auf dem Flurstück Nr. 53 der Flur Schletta wurden im Sommer 1933 11 Bohrlöcher niedergebracht. Dabei wurden Kaolin und verschiedene Sorten von Steingutton erbohrt. Die Mächtigkeit des Deckgebirges betrug zwischen 4,5 und 12,0 m. Die Mächtigkeit des erbohrten Kaolin- und Tonlagers schwankte zwischen 8 und 13 m. Auf Grund dieser Bohrergebnisse wurde auf diesem Flurstück ein Schurfschacht niedergebracht. Von ihm aus sollen Strecken im Kaolin- und Tonlager aufgefahren werden, um die erbohrten Lager noch genauer zu untersuchen.“ II. Schacht- und Maschinenanlagen. 1. Börtewitzer Kaolinwerke in Löthain. „Die beiden Schächte — Förderschacht und Luftschacht — der Güldenerschachtanlage in Löthain wurden Mitte des Jahres verfüllt.“ 2. Tongruben der Meißner Ofen- und Porzellanfabrik in Löthain, Oberjahna und Mohlis. „Bei der am 18. Juni 1932 stillgelegten Tongrube in Oberjahna wurden am Jahresende der Förderschacht und der Fluchtschacht verfüllt.“ IV. Betrieb der Baue. 1. Tongruben der Meißner Ofen- und Porzellanfabrik in Löthain und Mohlis und Ernst Teicherts Tongruben in Kaschka und Mohlis. „Zwischen den beiden Tongruben in Mohlis wurde eine etwa 51 m lange Verbindungsstrecke aufgefahren. Die Strecke wurde mit Betonformsteinen, Bauart Bauschäfer, ausgebaut.“ V. Grubenausbau. 1. Kaolin- und Tonwerke in Schletta. „Da der Ausbau mit Betonformsteinen, Bauart Bauschäfer, dem in einzelnen Grubenteilen herrschenden Drucke nicht standhielt, wurden verschiedene Strekkenabschnitte versuchsweise in Vieleckzimmerung ausgebaut. Die sechseckigen Baue wurden ohne Zwischenraum aneinandergesetzt. Dieser Ausbau scheint sich nach den am Ende des Jahres vorliegenden Ergebnissen gut zu bewähren.“ 2. von Römersche Tonwerke in Löthain. „Der Streckenausbau mit Betonformsteinen, Bauart Bauschäfer, hat sich gut bewährt.“ Schließlich ist erwähnt unter: X. Sonstiges. 2. Kaschka- Mehrener Tonwerke in Canitz, Kaschka, Löthain und Mehren. „Die Tongrube der Meißner Wandplattenwerke Saxonia in Löthain wurde mit den dazu gehörigen Abbaurechten von den Kaschka- Mehrener Tonwerken J. G. Venus, erworben. Die Kaschka- Mehrener Tonwerke J. G. Venus, veräußerten den auf der Flur Mohlis befindlichen „Societäts- Schacht" mit den dazugehörigen Abbaurechten an die Ton- und Kaolinwerke, AG in Meißen.“ Auch, wenn die Kaschka- Mehren'er Tonwerke immer noch mit dem Namen des Gründers ,J. G. Venus' belegt sind, wissen wir doch, daß dahinter ebenfalls Herr E. Rühle stand, der offenbar seine Grubenfelder für einen wirtschaftlicheren Abbau neu ordnete. Außerdem ist hier zum gleichen Werk vermerkt: „Am 5. Oktober 1933 ereignete sich auf Augustinenschacht III in Mehren in einem Streckenorte eine Schlagwetterexplosion. Der vor diesem Orte beschäftigte Tonschläger wollte, wie er angegeben hat, seine vom Tonstoße heruntergefallene und verloschene Sicherheitslampe wieder anzünden. Da ihm dies aber nicht gelang, öffnete er die nichtverschlossene Sicherheitslampe. Beim Versuche, sie im offenen Zustande anzuzünden, explodierten vor dem Streckenorte stehende, angeblich vorher nicht wahrgenommene Schlagwetter. Der Tonschläger wurde im Gesicht, an den Händen und Armen und auf dem Rücken schwer verbrannt.“ 3. von Römersche Tonwerke in Löthain. „Am 22. Juli 1933 ereignete sich in einem Abbauorte eine Schlagwetterexplosion. Die beiden Tonschläger, die in dem Orte arbeiteten, merkten den Gasaustritt und verließen ihren Arbeitspunkt. Sie gingen jedoch dann nochmals nach dem Ort zurück, um das Gezähe ihrer Kameraden von der anderen Schicht noch aus dem Orte zu holen. Dabei entzündeten sich die Schlagwetter an der Flamme der offenen Karbidlampe. Der eine Tonschläger erlitt durch die Explosion Verbrennungen zweiten Grades im Gesicht und an beiden Händen, der andere kam mit dem Schrecken davon.“
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![]() Aus dem Jahr 1933 stammt auch diese Kartendarstellung von Lagerstätten keramischer Rohstoffe im Freistaat Sachsen im Maßstab 1:500.000, herausgegeben von der Deutschen Keramischen Gesellschaft in Berlin, die wir oben im Text schon einmal eingefügt haben. Quelle: Sächsisches Staatsarchiv, Bergarchiv Freiberg, Bestand 40044-1 (Generalrisse), Nr. H18637. Digitalisat:
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![]() Ausschnittsvergrößerung aus obiger Karte mit Vorkommen keramischer Rohstoffe im nordsächsischen Lößhügelland zwischen Leipzig und Dresden. Rot gefüllte Kreise markieren Kaolinvorkommen, offene, rote Kreise Vorkommen von keramischen Tonen.
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![]() Die beiden Detailkarten A und B zu den bedeutendsten Kaolin- Lagerstätten in Sachsen: Bei Kemmlitz zwischen Mutzschen und Mügeln und bei Löthain westlich von Meißen neben der großmaßstäblichen Karte. Seilitz ist im unteren Ausschnitt B nicht enthalten und liegt weiter nördlich (Vorkommen Nr. 14 auf der großmaßstäblichen Karte), dafür ist oben der Standort Sornzig vermerkt.
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Der Jahresbericht von Bergrat Spitzner
vom 24. April 1934 berichtet über die Kaschka- Mehrener Tonwerke, daß man
aufgrund der Schlagwetterexplosion im Vorjahr der Betriebsleitung nahegelegt
habe, einen zweiten Tagesausgang auch bei Augustinenschacht
III
zu schaffen. Stattdessen sei jetzt ein Wetterbohrloch mit Ventilator übertage
vorgesehen. Sonst gab es nichts Besonderes zu bemerken (40024-12, Nr. 282, Blatt
163f).
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Über den Grubenbetrieb im Tonrevier im Jahr 1934 berichtet
uns die Jahrbuchausgabe:
V. Wichtige Ausführungen und Betriebsvorgänge. I. Lagerstättenaufschlüsse; geologisch Bemerkenswertes. 1. Kaolin- und Tonwerke in Schletta. „Die Ergebnisse der im letzten Bericht erwähnten Untersuchungsarbeiten auf dem Flurstück Nr. 53 der Flur Schletta hatten zur Folge, daß der Plan einer untertägigen Kaolingewinnung aufgegeben wurde. Mit den Vorarbeiten zur Erschließung eines Tagebaues wurde begonnen.“ II. Schacht- und Maschinenanlagen. 1. Ernst Teicherts Tongrube in Kaschka. „Der bei der Begußton- Schachtanlage vorhandene Fluchtschacht wurde als Förderschacht ausgebaut und eine neue Schachtkaue mit Motorraum errichtet.“ III. Gewinnungsarbeiten. 1. Kaschka- Mehrener und Löthain- Meißner Tonwerke in Kaschka- Mehren und Löthain. „Die im Jahre 1933 eingeführte Schießarbeit mit Wetter- Detonit C hat sich gut bewährt. Die Arbeiter haben sich sehr schnell an diese ihnen völlig neue Gewinnungsweise gewöhnt. Die durch die Schießarbeit hervorgerufene größere Zerstückelung des gewonnenen Tones hat zu keinerlei Absatzschwierigkeiten geführt. Insgesamt wurden im Berichtsjahre nahezu 1.000 kg Wetter- Detonit C verbraucht.“ V. Grubenausbau. 1. Kaolin- und Tonwerke in Schletta. „Der im Vorjahre bereits begonnene Ausbau der Hauptförderstrecken in sechseckiger Vieleckszimmerung wurde fortgesetzt.“ 2. Tongruben der Somag, Sächsische Ofen- und Wandplattenwerke in Mehren. „Bei einem Streckenkreuze wurde der Holzausbau durch Mauerung ersetzt.“ VI. Förderung. Ernst Teicherts Tongrube in Kaschka. „Die Handhaspelförderung bei der Begußton- Schachtanlage wurde durch eine Kübel- Förderanlage mit elektrischem Antrieb ersetzt.“ VII. Wasserhaltung. 1. Kaolin- und Tonwerke in Schletta. „Die Wasserhaltung der Grube wurde durch Aufstellung zweier Kreiselpumpen in den tiefer gelegenen Abbaustrecken verbessert.“ X. Sonstiges. 1. Ernst Teicherts Tongruben in Kaschka und Mohlis. „Die Männschaftsräume wurden erneuert und teilweise mit elektrischer Beleuchtung versehen.“ 2. Römerwerk Tongrube in Löthain. „Auf Grund amtshauptmannschaftlicher Verfügung, die Abwässer vor Einleitung in den Käbschützbach zu klären, wurde der auf Flurstück 25 der Flur Löthain gelegene sogen. Finkesche Teich, der eine Oberfläche von etwa 600 qm hat und 600 bis 700 cbm Wasser aufnehmen kann, durch Einbau von Trennwänden als Klärbecken eingerichtet. Dieses Becken dient gleichzeitig zur Klärung der Abwässer von zwei Schachtanlagen der Kaschka- Mehrener Tonwerke in Löthain. 3. Aus Anlaß der beiden Schlagwetterexplosionen, die sich im Jahre 1933 auf zwei Tongruben des Meißner Tonreviers ereignet hatten, wurde für sämtliche sächsischen Tongruben die Verwendung offenen Geleuchts unter Tage verboten und die Einführung von Sicherheitsgeleucht angeordnet. Seit Dezember 1934 wird nunmehr auf allen sächsischen Tongruben Sicherheitsgeleucht (teils Benzinteils elektrische Sicherheitslampen) verwendet.“
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Auch im Jahr 1935 sind, dem Jahresbericht von
Spitzner vom 18. Juni 1935 zufolge, bei Augustinenschacht
III erneut „erhebliche Schlagwettermengen aufgetreten.“ Das Wetterbohrloch
war aber eingebracht und der Ventilator in Betrieb. Ohnehin wurde schon lange Sicherheitsgeleucht verwendet. Außerdem gab es bei den Katharinaschächten
und den Saxoniaschächten Kohlensäureaustritte (40024-12, Nr. 282, Blatt
168f).
Am 22. November 1935 teilte Spitzner dem Oberbergamt eine vom Amtsstraßenmeister an die Amtshauptmannschaft gemeldete Straßensenkung auf der Löthain- Lobschütz’er Straße mit, wobei es sich aber um eine der früher den Meißner Wandplattenwerken Saxonia gehörige Tongrube ‒ wohl die kurz zuvor erst von Rühle erworbenen Saxoniaschächte ‒ handele (40024-12, Nr. 282, Blatt 170).
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Zum Grubenbetrieb im Jahr 1935 heißt es im Jahrbuch: V. Wichtige Ausführungen und Betriebsvorgänge. 1. Ernst Teicherts Tongruben in Kaschka. „Bei den Begußtonschächten in Kaschka wurde der Mannschaftsraum vergrößert und die Einrichtung wesentlich verbessert.“ 2. Kaolin- und Tonwerke in Jahna, Ortsteil Schletta. „Der im Vorjahre auf dem Flurstück Nr. 35 der Flur Schletta begonnene Tagebau- Aufschluß wurde fortgesetzt. Es wurde eine Fläche von 20 x 20 m freigelegt und das anstehende Tonlager an einer Stelle erschlossen. Zur Stapelung der gewonnenen Tonvorräte wurde ein Tonschuppen errichtet.“ 3. Seilitzer Kaolinwerke der Deutschen Feldspat- und Kaolinwerke A. G., Seilitz. „Das Gebäude des Förderschachtes wurde vollständig neu umgebaut. Beim Versuch, die IV. Sohle aufzuschließen, wurde eine kräftige Wasserader freigelegt. Da sich die eingebauten Pumpanlagen als zu schwach erwiesen, würde der Aufschluß zunächst zurückgestellt.“ 4. Römerwerk, Tongrube in Löthain. „Der Förderschacht wurde von der Hängebank bis zu 27 m Teufe in Bolzenschrotzimmerung neu ausgebaut. Der weitere Ausbau durch den Schwimmsand hindurch soll nach vorheriger Entwässerung durch Bohrlöcher im Frühjahr 1936 erfolgen. Infolge des Schachtumbaues trat im engen Schachtteil erhöhter Druck auf, so daß an einer Stelle die Kastenzimmerung brach. Da dieser Schachtteil auf etwa 2 m vorsorglich mit einem Betonklotz verfüllt wurde, mußte der Fluchtschacht vorübergehend als Förderschacht verwendet werden.“ |
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1936 wurde von E. Rühle zunächst der Saxoniaschacht
abgeworfen, worüber es einigen Streit mit den Grundeigentümern, Benndorf’s
Erben, gab, da diese glaubten, den Schacht an einen anderen Interessenten
weiterveräußern zu können (40024-12, Nr. 282, Blatt 179ff). Weil der Schacht
unter Druck gekommen und wandelbar geworden ist, hatte Spitzner die
sofortige Ausstürzung des Schachtes erlaubt. Diese Angelegenheit führte einige Jahre später
noch zu einem
Der Name Carl Ludwig Benndorf ist uns
doch etliche Jahre
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Choulant äußerte sich unter dem 6. Dezember 1893 dazu und hatte keine Einwände, man solle nur für die vorbeiführenden Wege Sicherheitspfeiler festlegen und die Allgemeinen Bergpolizeivorschriften einhalten (40024-12, Nr. 249, 2. Faszikel, Blatt 3). Danach war eine Weile wieder Ruhe und erst am 16. Mai 1898 erbat Ludwig Benndorf erneut die Genehmigung zum Abteufen eines Tonschachtes, nur diesmal auf der anderen Seite seiner Parzelle (40024-12, Nr. 249, 2. Faszikel, Blatt 5). Auch diese ging wieder zur Begutachtung an Choulant, der diesmal schrieb (Rückseite Blatt 5f), es sei nicht außer Acht zu lassen, daß auf derselben Parzelle schon früher ein Schacht – wenn nicht wirklich geteuft worden sei, so doch wenigstens geteuft werden sollte. Weitere Anzeige über diesen Schacht läge ihm aber nicht vor, auch keine Grubenrisse. Es sei aufgrund des großen Abstands des neuen zu dem früher an der anderen Parzellengrenze geplanten Schachtes nun zwar kein Bedenken zu erheben, doch sollte der Besitzer durch die Amtshauptmannschaft doch veranlaßt werden, die Grubenrisse seiner früheren Baue einzureichen. Daraufhin teilte L. Benndorf mit, daß der frühere Versuchsschacht bereits 1894 wieder eingestellt worden sei (Blatt 8), was wiederum an Herrn Choulant ging, welcher nun meinte, in der kurzen Zeit kann nicht viel geschehen sein, die Genehmigung könne folglich erteilt werden und es sei nur ein Betriebsplan einzufordern. Letzteren reichte L. Benndorf denn auch unter dem 16. Januar 1899 ein, worin zu lesen ist, der Schacht habe bei reichlich 36 m die Sohle des Tonlagers erreicht und nun sollten Feldstrecken getrieben werden und mehr könne vorerst nicht geplant werden. Der Betriebsplan, wie auch der beigefügte Grubenriß, ist von dem uns gut bekannten Obersteiger F. W. Thiemann gezeichnet (40024-12, Nr. 249, Blatt 10). Ein zweiter Betriebsplan für das nächste Jahr 1900 (Blatt 12) besagte, daß zwei der drei Ausrichtungsstrecken wegen zu geringer Qualität des Tones schon wieder eingestellt seien und nur die Strecke nach Süden noch weiter betrieben werden solle. „Mangels Absatzes“ habe man 1899 nur 17 m Vortrieb erreicht und im Übrigen die Wasser gehalten. Wenn er Kundschaft für die Ware gewonnen habe, wollte Benndorf den Betrieb wieder aufnehmen.
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Am 9. Oktober 1899 wurde die Grube auch durch
die Gewerbeinspektion kontrolliert, wobei man drei Mann angelegt und die Kaue
verschlossen fand, somit nichts zu bemerken hatte (40024-12, Nr. 249, 1.
Faszikel, einziges Blatt).
Obwohl auch weiterhin nicht wirklich viel geschehen sein dürfte, zeigte Benndorf am 18. Mai 1901 bei der Amtshauptmannschaft an, daß er eine Windturbine – vermutlich zur Wasserhaltung – aufstellen wolle. Der erste Fahrbericht von Berginspektor Seemann vom April 1901 besagt, daß der Betrieb auch weiter ruhte, die Kaue aber ordnungsgemäß verschlossen war und nur von Zeit zu Zeit werde Wasser gezogen, um eine spätere Wiederaufnahme zu erleichtern (40024-12, Nr. 249, Blatt 17f). Schon nach seiner zweiten Befahrung am 10. August 1901 empfahl Seemann aber dem Bergamt, eine Geldstrafe von 150,- M bei Unterlassung der Befolgung seiner Anweisungen anzudrohen; dem folgte auch das Bergamt. Einer der Mitbesitzer nebst einem Arbeiter wechselte nämlich selbst faule Beläge der Umtrittbühnen in „systemloser Weise“ und solche Arbeiten dürften nur von erfahrenen Zimmerlingen ausgeführt werden, zumal der Besitzer in Verkaufsverhandlungen stehe, mithin mit Befahrungen der Grube durch „Kauflustige“ zu rechnen sei (40024-12, Nr. 249, Blatt 19f). Passiert ist danach nichts mehr. Erst dem Fahrbericht vom November 1902 von Inspektor Roch ist dann zu entnehmen, daß die Windturbine wieder demontiert und alles verschlossen war. Der untere Teil des Schachtes war inzwischen verbrochen, der obere Abschnitt noch halbwegs gut. Benndorf’s Sohn Robert gab dazu an, der Schacht solle Anfang 1903 verfüllt werden (40024-12, Nr. 249, Blatt 28f). Das geschah denn auch. Im Juni 1904 hat Inspektor Roch die Schachtstelle auf Sackungen kontrolliert, aber nur geringe Setzungen gefunden. Außerdem notierte Herr Roch, daß der Besitzer in der Nähe mit einem Knecht und einer Magd eine Bohrung auführte, deren Ergebnis den Aufschlüssen im Schacht natürlich entsprach. Der Besitzer wolle das Tonvorkommen verkaufen (40024-12, Nr. 249, Blatt 44). Weil dies immer noch nicht geschehen war, empfahl Roch unter dem 16. Dezember 1905 dem Bergamt, die Grube aus der Bergaufsicht zu entlassen (40024-12, Nr. 249, Blatt 51). Erst am 18. April 1921 interessierte sich dann die Firma Junghänel & Taegtmeyer in Meißen – eigentlich ein Hersteller von Glasurfarben, welcher aber auch mit „Rohtonen“, unter anderem aus Nerchau, Ballendorf und Ockrilla (vgl. 40024-12, Nr. 307 und 308; ebendort Nr. 31 bis 33 sowie 40069, Nr. 659 bis 661), handelte – für die Tonvorkommen und fragte im Bergamt, ob es zur fraglichen Parzelle Risse gäbe. Dem Interessenten konnte man seitens des Bergamts aber damit nicht helfen (40024-12, Nr. 249, Blatt 59). Ob es damals zu einem Verkauf der Abbaurechte gekommen ist, scheint unwahrscheinlich. Jedenfalls glaubten die Besitzer wohl auch später noch, daß sie schon einen Käufer finden würden, obwohl ihre eigenen Aktivitäten eigentlich gescheitert waren.
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Die Befreiung von der Herstellung eines zweiten Tageschachtes beim Glückaufschacht V wurde von Spitzner noch einmal befürwortet, da hier kaum Betrieb umgehe; beim Augustinenschacht III jedoch nicht, da Bohrungen ergeben hätten, daß auf dieser Anlage noch für wenigstens 20 Jahre Vorräte vorhanden sind und somit eine nur noch kurze Dauer des Weiterbetriebes nicht zu erwarten sei (40024-12, Nr. 282, Blatt 201). Daraufhin wies das Oberbergamt am 17. April 1936 die Niederbringung eines Fluchtschachtes an (40024-12, Nr. 282, Blatt 203).
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![]() Grundriß der Glückaufschächte III, V und VI in Mehren, aufgenommen 1934 und nachgebracht bis 1936 von Berg- Ing. Döbler. Quelle: Sächsisches Staatsarchiv, Bergarchiv Freiberg, Bestand 40044-1 (Generalrisse), Nr. K17610, Gesamtansicht, Norden ist oben. Digitalisat:
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![]() Die Ausschnittsvergrößerung zeigt uns links Schacht V und rechts Schacht VI und beide sind offenkundig nicht aufeinander durchschlägig gemacht worden.
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Die Betriebsleitung hat sich dazu auch Gedanken gemacht und am 26. Mai 1936 erging die Genehmigung zum Abteufen des Augustinenschachts IV (40024-12, Nr. 282, Blatt 205). Der Schacht sollte etwa 33 m Teufe erreichen und die bekannten Schwimmsande sollten mit Hilfe eines eisernen Rohrzylinders von 6 m bis 7,5 m Länge durchteuft werden. Weil sich dessen Lieferung aber verzögerte, konnte das Abteufen nicht vor dem Frühjahr 1937 aufgenommen werden (40024-12, Nr. 282, Blatt 212). An dieser Stelle ist als Lieferant des Stahlrohres übrigens eine „Mitteldeutsche Stahlwerke AG Lauchhammerwerk Riesa“ benannt, was zunächst etwas seltsam klingt, aber vielleicht gehörte das alte Lauchhammerwerk inzwischen derselben Aktiengesellschaft in Riesa.
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Am 4. November 1936 meinte aber das
Oberbergamt, man könne doch mit dem Abteufen der oberen 16 m bereits beginnen,
um die Niederbringung des Schachts nicht weiter zu verzögern (40024-12, Nr. 282,
Blatt 219).
Am 10. Februar 1937 war dann der Zylinder geliefert und die Betriebsleitung zeigte den Beginn des Schachtabteufens an (40024-12, Nr. 282, Blatt 228). Bis zum 27. April war der Schacht bereits fertig abgeteuft (40024-12, Nr. 282, Blatt 232).
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![]() Ausnahmsweise haben wir in diesem Ausschnitt aus obigem Riß einmal die gänzlich fehlende Benennung der Schächte ergänzt. Schacht III ist anhand der kreisrunden Ausmauerung am besten zuzuordnen. Schacht IV dürfte wohl der Fluchtschacht im Norden gewesen sein, denn auf folgender, älterer Kopie dieses Risses aus dem Jahr 1923, welche wir im Unternehmensarchiv der Vorgängerbetriebe der heutigen SIBELCO Deutschland in Mehren gefunden haben, ist der isoliert im Süden gelegene und schon ins Zeichnungsfeld geratene Schacht mit ,Merkur- Tiefbau' beschriftet.
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![]() Grubenriss über Augustinenschacht 3, kopiert von Berg- Ing. M. Radionoff 1923. Quelle: Unternehmensarchiv des ehemaligen VEB Kaolin- und Tonwerke Löthain- Seilitz beim heutigen Standort Mehren der Unternehmensgruppe SIBELCO Deutschland GmbH, Rissarchiv, Rollrisse, Teilansicht. |
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In der Auflistung der gewerblichen Gruben in der Jahrbuchausgabe von 1936 (Stand von Ende Juni 1936) sind im Zuständigkeitsbereich des Bergamtes in Dresden neben dem Staatlichen Weißerdenwerk der Porzellanmanufaktur (Nr. 6 der Liste) nur noch folgende private Unternehmen aufgeführt:
In der
1939 werden in der Übersicht darüber hinaus noch die Kaolingruben von Neubert & Co. in Schletta aufgeführt.
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2 Seilitzer Kaolinwerke 3 Staatliches Weißerdenwerk 6 Kaschka- Mehrener Tonwerke 7 Löthainer Tonwerke 8 Kaolin- und Tonwerke Schletta 9 Tongruben der Meißner Ofen- und Porzellanfabrik 12 Tongrube der SOMAG 13 Ernst Teicherts Tongruben 16 Römerwerk Bildquelle: Deutsche Fotothek. Digitalisat:
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Die Jahrbuchausgabe von 1937 berichtet uns noch über das Jahr 1936 unter Punkt: D. Gewerbliche Gruben. I. Neue Lagerstättenaufschlüsse, geologisch Bemerkenswertes. „1. Kaolin- und Tonwerke in Schletta (Jahna). Der im Jahre 1934 auf der Flur Schletta begonnene Tagebauaufschluß wurde nicht zu Ende geführt, da kein genügender Absatz vorhanden war. 2. Tongruben der Somag Sächsische Ofen- und Wandplattenwerke in Mehren (Löthain). Seit Mitte des Berichtsjahres wurde im Abbau zur Tongewinnung teilweise Schießarbeit angewendet, sie hat sich bisher bewährt.“ II. Schacht- und Maschinenanlagen. „1. Kaolin- und Tonwerke in Schletta (Jahna). Der Querschnitt des Fluchtschachtes (Schacht III) wurde anläßlich eines Schachtumbaues vergrößert.“ Außerdem war inzwischen auch eine Staatliche Lagerstätten- Forschungsstelle beim Oberbergamt eingerichtet, aus deren Tätigkeit im Jahrbuch berichtet wurde: V. Bericht der Staatlichen Lagerstätten-Forschungsstelle für das Jahr 1936/37 „Der Vierjahresplan, den der Führer und Reichskanzler Adolf Hitler im September 1936 verkündigte, hat das gesamte deutsche Rohstoffproblem für die kommenden Jahre in den Vordergrund des deutschen Wirtschaftslebens gestellt. Durch ihn hat besonders auch der Bergbau in allen seinen Zweigen einen neuen starken Anreiz zur weiteren Entfaltung erhalten...“ Hier heißt es im Abschnitt: B. Steine und Erden. „1. Bestandsaufnahme der Lagerstätten von Steinen und Erden. An der schon in früheren Jahren begonnenen Bestandsaufnahme und Untersuchung der Vorkommen wirtschaftlich nutzbarer Steine und Erden wurde weitergearbeitet. Im Zusammenhange mit der Nachfrage nach hochwertigen Kalken für die chemische Industrie wurden die sächsischen Kalkvorkommen in ihrer Zusammensetzung, Ausbildung und Leistungsfähigkeit erfaßt. Die lagerstättenkundliche Bearbeitung der sächsischen Ton- und Kaolinvorkommen wurde fortgesetzt; ihr wird im kommenden Jahr besonders starke Aufmerksamkeit gewidmet werden.“
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Im folgenden Jahr 1938 liest man in der Jahrbuchausgabe im V. Tätigkeitsbericht der Staatlichen Lagerstätten Forschungsstelle auf das Geschäftsjahr 1937. im Abschnitt: B. Steine und Erden. „Zur näheren Untersuchung sächsischer Tonvorkommen hatte die Dienststelle einen Bohrplan ausgearbeitet, der im Geschäftsjahr 1938 mit Unterstützung der Reichsstelle für Bodenforschung durchgeführt werden wird.“ Aus den folgenden Jahren von 1939 bis 1941 gibt es dann nur noch ,Bergwerksverzeichnisse' anstelle der früheren Jahrbücher, so daß wir aus dieser Quelle nicht mehr erfahren, ob auch im Tonrevier bei Meißen neue Bohrungen ausgeführt worden sind... |
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Zu dem 1936
Dem Grubenrißauszug zufolge (40024-12, Nr. 287, Blatt 2) lagen diese Abbaufelder südwestlich und östlich vom Otto Rudolf- Schacht an der Löthain- Stroischen’er Straße. Auf diesen Feldern lagerten noch Restvorräte, die man mit gewinnen wolle, deren begrenzte Menge aber die Anlage eines separaten Schachtes unrentabel mache. Man könne sie aber von den auf den Benndorf’schen Feldern schon vorhandenen Schächten ausgehend mit abbauen. Nun weigerten sich die beiden ersten aber, entsprechende Verträge abzuschließen. Mit Rentzsch hingegen hatte Rühle bereits einen Abbauvertrag abgeschlossen. Das Oberbergamt forderte die betreffenden Parteien am 19. Dezember 1940 zur Stellungnahme auf (40024-12, Nr. 287, Blatt 3). M. Benndorf schrieb am 2. Januar 1941 zurück (40024-12, Nr. 287, Blatt 6f), daß der Abbauvertrag mit den Kaschka- Mehrener Tonwerken eigentlich am 31. März 1940 abgelaufen sei. Außerdem „kämpfen wir mit dieser Firma seit Jahren um einen gerechten Grubenzins,“ denn Rühle zahle nur 7,22 Pfennig pro Zentner, während andere Werke und Rühle selbst mit Rentzsch einen Zins von 25 Pfennig pro Zentner Verkaufston vereinbart habe. Das wiederum bestritt E. Rühle, er habe ihnen für diesen Tonabbau 1,- M pro Zentner angeboten (40024-12, Nr. 287, Blatt 12). Außerdem hatten die Erben vor dem Amtsgericht Meißen gegen Rühle geklagt und wollten das Erlöschen des Pachtvertrages gerichtlich erzwingen (40024-12, Nr. 287, Blatt 13ff). Das Gericht wies die Klage aber ab. Daraufhin ordnete das Oberbergamt für den 8. April 1941 einen Ortstermin in Löthain an (40024-12, Nr. 287, Blatt 18). Dem Protokoll zu dieser Verhandlung zufolge (40024-12, Nr. 287, Blatt 25f) einigte man sich darauf, daß Rühle eine Untersuchungsstrecke unter den Finke’schen Grundstücken treiben dürfe. Für den dabei ausgehauenen Ton wird ein Zins von 5,- Mark pro Kubikmeter vereinbart. Nach der Ernte werden Bohrungen vorgesehen, um die Lagerungsverhältnisse zu klären. Die Benndorf’schen Erben erklärten sich dabei „ausnahmsweise“ bereit, die Tonförderung durch besagte Strecke ohne zusätzliche Entschädigung zu gestatten. Ansonsten wurde die Entscheidung über den Zulegungsantrag bis zum Vorliegen der Bohrergebnisse vertagt. Am 5. Dezember 1940 teilte E. Rühle dann dem Oberbergamt mit, daß die Bohrungen ausgeführt worden seien, aber „abbauwürdigen Ton nicht ergeben haben,“ womit sich dieser Teil des Verfahrens erledigt habe (40024-12, Nr. 287, Blatt 29). Am 13. Januar 1942 erneuerte E. Rühle aber den Zulegungsantrag für die Benndorf’schen Felder (40024-12, Nr. 287, Blatt 30), da die Eigentümer auch einen Zins von 2,50 Mark pro Kubikmeter Ton abgelehnt hätten. Daraufhin ordnete das Oberbergamt einen erneuten Verhandlungstermin in Meißen am 5. März 1942 an (40024-12, Nr. 287, Blatt 31). Dem Protokoll hierzu (40024-12, Nr. 287, Blatt 38) ist zu entnehmen, daß die Benndorf’schen Erben nun eine Zahlung von 3.500,- Mark als Ausgleich für den angeblich zu niedrig gezahlten Grubenzins forderten. Der war seinerzeit vertraglich so geregelt, daß den Grundbesitzern 5% des erzielten Verkaufspreises des hier abgebauten Tones zustand. Weil eine Einigung nicht zu erzielen war, verwies Oberbergrat Weigel vom Oberbergamt nun auf die „Kriegsaufgabe“ der Tonwerke und auf das Gesetz zur Erschließung von Bodenschätzen vom 1. Dezember 1933. Nach weiterem Hin und Her schrieb E. Rühle am 2. September 1942 dann aber an das Oberbergamt, da der deutschen Wirtschaft Rationalisierungsmaßnahmen zur Pflicht gemacht worden und Betriebe stillzulegen seien, die weniger wirtschaftlich arbeiten und da die Tonqualität in besagten Grundstücken stetig abnehme, erachte er es nun nicht mehr für zweckmäßig, in erneute Verhandlungen einzutreten (40024-12, Nr. 287, Blatt 58). Am 9. Oktober 1943 stellte dann umgekehrt auch die von Roemer'sche Tongrubenverwaltung einen Zulegungsantrag, aber der wurde diesmal schon vom Bergamt Dresden direkt abgewiesen, weil auf dem betreffenden Flurstück schon die Rühle’schen Löthain- Meißner Tonwerke das Abbaurecht innehatten (40024-12, Nr. 260, Blatt 9).
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![]() Bei Mohlis sind auch auf dem Kartenblatt von 1939 Tongruben verzeichnet. Mit den vertikal schraffierten Flächen ist hier nun das jeweilige Bergwerksfeld markiert.
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![]() Die Region um Mehren und Kaschka auf dem Kartenblatt aus dem Jahr 1939.
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![]() Schließlich noch der Ort Löthain in der Darstellung des Kartenblattes aus dem Jahr 1939: Auch hier sind rund um das Dorf nun große Bergwerksflächen markiert. Bei den vormals Krister'schen Schächten südlich der Fernverkehrsstraße 101 (rechter Bildrand) sind Schlägel und Eisen nunmehr umgekehrt. |
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Zur topographischen Karten der DDR
aus dem Jahr
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Die 1939 und 1941 anstelle der früheren
Jahrbücher für das Berg- und Hüttenwesen in Sachsen erschienenen ,Bergwerksverzeichnisse'
führen nur noch tabellarisch die in Umgang stehenden Unternehmen auf. Immerhin
enthalten sie noch die folgenden statistischen Angaben zu den in Umgang
stehenden Kaolin- und Tongruben.
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Der tendenzielle Rückgang sowohl in den Belegschaftszahlen, wie des Ausbringens an Ton und Kaolin in unserer Tabelle ist anhand des Zeitraumes des beginnenden 2. Weltkrieges, aus dem diese Angaben stammen, leicht verständlich. Mit der von uns hier auch
eingefügten Berechnung des Anteils der beiden E. Rühle'schen Tonwerke,
nach der diese beiden Betriebe in Löthain, Mehren und Kaschka fast ein Drittel
des Ausbringens des gesamten Reviers an Ton lieferten, begründet sich auch
unsere
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Zum Bergbau
im Revier Löthain- Mehren- Seilitz nach 1945
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Zu Entstehung
und Betrieb des VEB Vereinigte Kaolin- und Tonwerke
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Zunächst ein kurzer Rückblick: Nach dem Allgemeinen Berggesetz war seit
1910 die Berginspektion Dresden nur für den Steinkohlenbergbau im
Weißeritzgebiet, den Braunkohlenbergbau in der Kreishauptmannschaft
Bautzen sowie für den Erzbergbau im Altenberg'er Revier und in der Region
der
Kreishauptmannschaft Bautzen (wo es zu diesem Zeitpunkt aber eigentlich
nur noch den Ende des 1. Weltkrieges wieder eingegangenen Betrieb der
Nickelerzgruben bei
Beim Bombenangriff im Februar 1945 sind sämtliche Akten des Bergamtes, das seinen Sitz im Landtagsgebäude in Dresden hatte, verbrannt. Die Behörde setzte zunächst bei der Firma Rühle in Meißen, danach im Kalk- und Diabaswerk Nentmannsdorf bei Pirna ihre Tätigkeit so gut es ging fort. Nach dem Zweiten Weltkrieg führte es seine Tätigkeit mit einer Außenstelle in Freiberg fort, wurde aber durch Befehl der Sowjetischen Militäradministration in Deutschland (SMAD) vom Juli 1946 aufgelöst (40050). Am 6. August 1945 ordnete die Sächsische Landesverwaltung die Errichtung einer sächsischen Bergverwaltung an. Mittelbehörde wurde zunächst wieder das Oberbergamt. Untere Bergbehörden ‒ Bergämter ‒ bildete man wieder in Dresden, Leipzig, Stollberg, Zwickau und Görlitz. Im Juli 1946 wies die Sowjetische Militäradministration in Deutschland (SMAD) an, die Bergämter in Technische Bergbauinspektionen (TBBI) umzubenennen und der Deutschen Zentralverwaltung zu unterstellen (40027). Bis 1959 bestanden in Sachsen die beiden TBBI in Freiberg und Zwickau sowie eine eigene Inspektion für Belange der damaligen Wismut AG / SDAG. Mit dem Wissen um diese Vorgeschichte erklärt sich auch der folgende Schriftwechsel zwischen Erich Rühle und Bergrat Buck – man kannte sich, nicht nur aus der schon früheren Zuständigkeit der Berginspektion heraus, gut. Der erstere teilte bereits am 7. Juni 1945 dem anderen über den Zustand der Schachtanlagen im Meißen‘er Tonrevier mit, die Schächte seien sämtlich abgesoffen, die Gebäude aber leidlich unversehrt, jedoch habe man die Einrichtungen „vielfach beschädigt und weggenommen.“ (40069, Nr. 784, ohne Blattnummerierung) Einen Monat später hielt Bergrat Buck in einer Aktennotiz fest, er habe erneut mit Rühle gesprochen, wobei ihm dieser mitgeteilt hatte, er habe einen Herrn Kaulfuß angestellt, welcher vor allem zur Aufgabe hatte, die früheren Abnehmer des Tons aufzusuchen, deren wirtschaftliche Lage und die Absatzmöglichkeiten für Ton zu prüfen. Am 31. Juli 1945 informierte Herr Rühle wiederum Herrn Bergrat Buck, daß ihm eine Wiederaufnahme des Abbaus noch nicht möglich sei und daß er die ihm noch zur Verfügung stehenden Arbeitskräfte an die Landwirtschaft abgebe, um die Einbringung der Ernte zu unterstützen. In diesem Zusammenhang ist auch festgehalten, daß Hans Krögel, letzter Besitzer der Kaolinwerke in Seilitz, nach dem Kriegsende nicht wieder dorthin zurückgekehrt sei. Auf den 8. August 1945 datiert eine weitere Niederschrift des Bergrats über ein Gespräch mit Herrn Rühle, daß die Teichert’schen Porzellanwerke in Meißen „ausgebaut“ – also nicht etwa erweitert, sondern als Reparationsleistung demontiert – würden und daß er nur eine minimale Belegschaft zur Unterhaltung der Gruben habe. Jedoch werde auf den Gruben von Neubert & Co. bei Schletta bereits gesümpft und demnächst sollen auch die von Römer’schen Schächte in Löthain gesümpft werden.
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Derweil brachte am 25. August 1945 ein Herr Dipl.-Ing. Sauereßig, Direktor der Stadtwerke in Meißen, den Plan zu Papier, den Tongrubenbetrieb unter staatlicher Leitung wieder aufzunehmen und versandte folgendes Rundschrieben an die Unternehmen (auszugsweise Abschrift in 40069, Nr. 784): „Die zukünftige Wirtschaft wird es sich nicht leisten können, Betriebe, die an sich ausbaufähig und der Allgemeinheit von Nutzen sind, brach oder nur halb ausgenutzt liegen zu lassen, bloß weil der Besitzer nicht in der Lage oder nicht willens ist, seinen Betrieb nach modernen technischen Gesichtspunkten so auszubauen, daß er ein Optimum an Leistung erzielt. Ebenso wenig aber kann die Wirtschaft dulden, daß nutzlos Geld in Betrieben investiert wird, die von vornherein als unabbauwürdig oder praktisch wertlos bezeichnet werden müssen. Um nun nach modernen Gesichtspunkten den lebensfähigen Betrieben die Möglichkeit zu geben, sich zu entwickeln, haben wir uns entschlossen, die mineralische Rohstoffe gewinnenden, Rohstoffe verarbeitenden und veredelnden Betriebe von Meißen und Umgebung zu der ,Gewerkschaft Mineral Ost‘ zusammenzufassen. Diese Gewerkschaft soll sich auch mit dem Handel mit Berg- und Hüttenprodukten beschäftigen und beabsichtigt, sobald als möglich, über die Handelsvertretung der UdSSR nutzbare Mineralien aller Art, besonders Asbest, Glimmer, Feldspat, Baryt, Magnesit und Talkum, einzuführen und teilweise hier zu veredeln.“ Man weiß nicht so genau, in wessen Auftrag Herr Sauereßig hier handelte. Auch Herr Rühle fragte sich, ob bei der Bildung einer Gewerkschaft als Bergbaubetreiber nicht auch das Oberbergamt zu befragen sei und sandte das Rundschreiben daher mit der Bitte um ein Gespräch an Bergrat Buck. Indessen blieb auch Erich Rühle aber nicht untätig. Am 31. August 1945 teilten die Löthain- Meißner Tonwerke dem Bergamt Dresden offiziell mit, daß man die Kaiserschächte in Löthain gesümpft habe, wobei allerdings der Kaiserschacht II zubruchgegangen war. Am 9. September 1945 hielt auch Bergrat Buck fest, daß man die Steigerschachtanlage, die Augustinen- und die Glückaufschächte wohl wieder in Betrieb nehmen könne, weil aufgrund des schon vor dem Krieg weit fortgeschrittenen Formsteinausbaus der Hauptstrecken mit deren Überdauern während des Ersaufens gerechnet werden könne. Anders sehe es freilich bei den Fundgrube’ner Schächten und beim Otto Rudolf- Schacht aus (40069, Nr. 784). Nach einem Gespräch mit dem Betriebsleiter Döbler, die Kaiserschachtanlage betreffend, war ferner festzuhalten, daß nach dem Sümpfen festgestellt worden ist, daß nicht nur Schacht II, sondern auch die Verbindungsstrecke zwischen beiden Schächten verbrochen sei. Ein erster Fahrbericht des Bergamts Dresden zu den Löthain- Meißner Tonwerken datiert auf den 13. September 1945. Demzufolge lag der Tagebau in Canitz noch still und auf den Kaiserschächten waren 5 Mann, auf der Steigerschachtanlage vorerst 3 Mann mit dem Sümpfen und Aufräumen befaßt. Inzwischen war das Oberbergamt in Freiberg wieder ins Leben gerufen und fragte unter dem 9. Oktober 1945 beim Bergamt in Dresden an, wie der Stand der Wiederinbetriebnahme der Tonwerke sei. Von dort kam am 18. Oktober die Antwort, die Wiederaufnahme des Grubenbetriebes scheitere noch am Fehlen der Abnehmer nach dem Abbau der keramischen Betriebe in Meißen, aber auch an fehlenden Transportkapazitäten. Man werde aber von sich aus berichten (40069, Nr. 784).
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Währenddessen wurde in Meißen statt einer Gewerkschaft die Genossenschaft ,Mineralia' gegründet. Auf den Befehl Nr. 124 der Sowjetischen Militäradministration in Deutschland (SMAD) hin übernahm am 5. Oktober 1945 die Genossenschaft ,Mineralia' die noch bestehenden Werke:
Befehl Nr. 124 der Sowjetischen Militäradministration in Deutschland (SMAD) wurde am 30. Oktober 1945 von Marschall Georgi Shukow erlassen und beinhaltete die „Beschlagnahme und provisorische Übernahme einiger Eigentumskategorien in Deutschland, um den Raub und anderen Mißbrauch des Eigentums, das früher dem Hitlerstaat, den Militärbehörden, den durch das Sowjetische Militärkommando verbotenen und aufgelösten Gesellschaften, Klubs und Vereinigungen gehört hat, zu verhindern sowie um dieses Eigentum am rationellsten für die Bedürfnisse der örtlichen Bevölkerung und der Besatzungstruppen auszunutzen.“ (reichsgesetzblatt.de) Das Nachvollziehen dieser Vorgänge in den Berechtigungsakten des Bergamtes ist allerdings sehr schwierig, zumal ja auch die Bergbehörden selbst in dieser Zeit ja mehrfach umgebildet und zunächst einmal im Land Sachsen durch eine ,Sonderabteilung' bei der Verwaltung der Kohlenindustrie in Sachsen, etwas später dann durch die Technischen Bezirks- Bergbau- Inspektionen (TBBI) unter zentraler Leitung durch die Deutsche Wirtschaftskommission ersetzt worden sind. Am 13. November 1945 teilte die inzwischen zur GmbH umgebildete Genossenschaft ,Mineralia‘ noch an das Bergamt in Dresden mit, man werde nunmehr aus dem E. Rühle’schen Besitz auch noch die Löthain- Meißner Tonwerke, vormals H. Rühle und die Kaschka- Mehrener Tonwerke, vormals J. G. Venus, ferner auch das Staatliche Weißerdenwerk in Seilitz in der Genossenschaft zusammenschließen (40069, Nr. 784). Den betreffenden Grubenakten zufolge übergab Erich Rühle die beiden, ihm bis dahin gehörigen Bergbaubetriebe am 21. November 1945 an die Genossenschaft (40024-12, Nr. 244, Blatt 8). Praktisch identischen Akteninhalt findet man auch in den Grubenakten zu den Kaschka- Mehrener Tonwerken (40024-12, Nr. 287, Blatt 66ff) sowie zu den von Römer'schen Tonwerken (40024-12, Nr. 260). Auch in der Berechtigungsakte des Staatlichen Weißerdenwerkes Seilitz (40024-12, Nr. 393) findet man obenauf gleich zwei Übersichtsblätter. Das zweite ist das ältere, auf den 22. März 1946 datiert und darin ein Herr Neuhaus als Treuhänder vermerkt. Im Besitz der Manufaktur waren zu diesem Zeitpunkt Abbaurechte unter Flurstücken von Grundmann, Merzdorf, Kohlstrunk und Däbritz, alle in Seilitz wohnhaft. Das erste Blatt ist dagegen mit einem Stempel vom 29. April 1947 versehen und hier ist als Unternehmer eine Aktiengesellschaft für Baustoffe in Deutschland sowie die Staatliche Porzellanmanufaktur eingetragen. Als Betriebsdirektor der Porzellanmanufaktur war Dipl.-Ing. Herbert Schindler auch für das Weißerdenwerk zuständig. Auf dem Blatt 2 der Akte (Blätter sind allerdings hier nicht nummeriert) heißt es unter dem Stichwort ,Unternehmer' nun: „Kombinat der Sowjet AG“. Mir was bis dahin unbekannt, daß es eine solche jemals gegeben hat... Vielleicht aber ist es auch nur ein Irrtum der Verwaltung, die dieses Formular in der wirren Zeit nach dem Kriegsende auszufüllen hatte. Zumindest eine Staatliche Aktiengesellschaft für Baustoffe namens ,Zement' scheint es eine Zeitlang tatsächlich gegeben zu haben, welcher offenbar auch die Porzellanmanufaktur angehört hat (40069, Nr. 784). Das letzte Blatt in der Akte enthält eine Aktennotiz vom 7. Juli 1948, wonach nun „die Union der SSR auf allen Grundbuchblättern als Bergbaurechtsinhaber eingetragen worden“ sei (40024-12, Nr. 393). Analoge Angaben findet man unter demselben Datum (29. April 1947) auch in der Berechtigungsakte des Staatlichen Erdenwerkes zu Sornzig (40024-12, Nr. 276, Blatt 17).
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![]() Ein Schreiben der Staatlichen Porzellanmanufaktur an die Technische Bezirks- Bergbau- Inspektion Dresden aus dem Jahr 1950. Quelle: Sächsisches Staatsarchiv, Bergarchiv Freiberg, Bestand 40069 (Bergbehörde Freiberg), Nr. 784, Akte ohne Seitennummerierung.
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In der Grubenakte der Grube Anna, zuletzt Kaolinwerk Seilitz im Besitz von Hans Krögel, gibt es ebenfalls gleich zwei Übersichtsblätter. Das erste davon benennt als neuen Unternehmer die Mineralia GmbH mit Sitz in der Dresdner Straße 50 in Meißen, ein Kommunales Wirtschaftsunternehmen (KWU) von Stadt und Landkreis Meißen. Erster Geschäftsführer war hiernach Ing. Kurt Böttcher in Meißen, technischer Leiter der Kaolingrube blieb auch nach Kriegsende Paul Richter (40024-12, Nr. 392). Das zweite Übersichtsblatt enthält ausschließlich Angaben zum Betriebsteil Kaolingrube Seilitz, vormals H. Krögel. Demnach besaß dieses Werk noch Abbaurechte auf den Flurstücken Nr. 61, 62, 64, 65, 66 und 73 der Flur Seilitz. Am 5. November 1945 teilte die Genossenschaft Mineralia e. GmbH ‒ so also hieß sie nun laut eigenem Briefkopf ‒ an das Oberbergamt mit: „Auf Befehl Nr. 124 des obersten Chefs der sowjetischen Militärverwaltung und im Auftrag der Stadt und des Landrates Meißen haben wir die (im Übersichtsblatt genannten) Betriebe übernommen.“ Als technischer Betriebsleiter wird hier nun Dipl.-Berging. Gottfried Döbler benannt, den Vorstand bildeten Direktor Dipl.-Ing. Friedrich Sauereßig und Dipl.-Ing. Kurt Böttcher, beide in Meißen. Die Geschäftsstelle befand sich ab 1. Dezember 1945 in der Talstraße 9 in Meißen ‒ also am Sitz der Staatlichen Porzellan- Manufaktur (40024-12, Nr. 392, Blatt 132). Am 21. Januar 1946 nahm man in Freiberg zu Protokoll, daß der Vorstand der GmbH persönlich vorgesprochen habe, um zu erklären, daß noch ungeklärt sei, ob aus der treuhänderischen Verwaltung der genannten Werke eine PGH oder eine GmbH gebildet werden solle. Die Werke seien zwar beschlagnahmt, aber noch nicht enteignet (40024-12, Nr. 392, Blatt 133). Die Vollmacht für Vorstand Sauereßig vom 13. Juli 1946, ausgestellt vom Amt für Betriebsneuordnung im Landkreis Meißen, über die treuhänderische Verwaltung nennt uns den Grund: „Sie haben die Aufgabe, den Betrieb im Sinne des heutigen demokratischen Aufbaus unserer Wirtschaft und mit der Sorgfalt eines ordentlichen Kaufmannes zu leiten. Für all Ihre Handlungen sind Sie der Landesverwaltung voll verantwortlich. Durch diese Maßnahme werden die Eigentumsverhältnisse der Betriebe nicht berührt, eine solche bleibt einer späteren Regelung vorbehalten...“ (40024-12, Nr. 392, Blatt 137) Inzwischen war in Freiberg die Direktion der Brennstoffindustrie des Landes Sachsen gebildet und die sandte am 13. März 1947 einen Fragebogen „zu unserer Unterrichtung über die Rechtsform und über die Abbaurechte der (ihnen) ... unterstehenden Betriebe“ an die Mineralia GmbH. Um die Angelegenheit zu klären, wurde die Genossenschaft Mineralia e. GmbH als solche am 24. April 1947 dann endlich auch ins Handelsregister eingetragen (40024-12, Nr. 392, Blatt 138f, auch 40024-12, Nr. 244, Blatt 14).
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Die Fahrberichte des zu dieser Zeit noch bestehenden Bergamtes Dresden vom 4., 6. und 11. Dezember 1945 zu den Löthain'er Tongruben sagen aus, daß der Otto Rudolf- Schacht noch abgesoffen und unbelegt sei, hingegen die Steigerschachtanlage sowie der Glückaufschacht II inzwischen ebenfalls gesümpft waren. Allerdings ging gerade kein Abbau um, denn der größte Teil der Belegschaft war mit Tonverladung am Elbkai beschäftigt (40069, Nr. 784). Am 19. Juni 1946 informierte Betriebsleiter Döbler Bergrat Buck im Bergamt Dresden über die Absicht, anstelle des verbrochenen Kaiserschachts II, da sich dessen Gewältigung als technisch zu aufwendig erweise, unweit davon einen neuen Kaiserschacht III als neuen Fluchtschacht zu teufen, um auch diese Anlage wieder in Gang bringen zu können. Bei seiner Anwesenheit in Löthain am 16. Juli 1946 genehmigte Herr Nestler vom Bergamt das Absenken dieses Schachtes an der angedachten Position, forderte jedoch noch zu Einreichung eines Betriebsplanes auf. Am 19. November 1946 konnte Herr Döbler – inzwischen nun an die TBBI Freiberg – den Abschluß der Teufarbeiten melden und am 18. Dezember des Jahres berichtete er, man habe auch einen neuen Verbindungsquerschlag zwischen Schacht III und Schacht I aufgefahren, nutze die alte Sumpfstrecke des Kaiserschachts II wieder zu Wasserhaltung und habe „die Schachtanlage damit gerettet.“ (40069, Nr. 784) Vom 21. August 1946 stammt auch eine Rückfrage des Bergamtes an die Mineralia GmbH, den Kaiserschacht betreffend, in der es heißt, „bei einer früheren Besichtigung des Kaiserschachtes wurde mit Rücksicht auf die Silikosegefahr bei Unterbringung der Arbeitskleidung im Aufenthaltsraum vereinbart, daß die auf Kaiserschacht vorhandene zweite Wellblechbaracke zur Hälfte als Aufbewahrungsraum für die Unterbringung der Grubenkleidung der Belegschaft eingerichtet wird.“ Man erwarte Mitteilung, ob dies umgesetzt wurde. Die hat die Werksleitung aber vielleicht vergessen und erst am 11. Juli 1947 ist dann in einem Fahrbericht festgehalten, daß eine solche ,Schwarzkaue‘ nun eingerichtet sei. Offenkundig wußte man bereits damals von dieser Gefahr für die Belegschaft untertage...
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Mit Wirkung vom 1. Januar 1947 wurden die Löthain- Meißner Tonwerke, vormals H. Rühle, aus der Genossenschaft Mineralia wieder ausgegliedert und an die Industrieverwaltung 30 (Keramik Meißen) übertragen (40024-12, Nr. 392, Blatt 143 bzw. 40024-12, Nr. 244, Blatt 15 und 40069, Nr. 784). Am 13. Januar 1947 teilte man von dort aus mit, daß die vormals Heinrich Rühle’schen und die vormals J. G. Venus’schen Bergbauunternehmen zu einem Betrieb zusammengelegt werden (40069, Nr. 784). Im Gegensatz zu den anderen Tongruben im Revier sind diese beiden Bergbauunternehmen aus dem E. Rühle'schen Besitz auf Grundlage des Volksentscheides vom 30. Juni 1946 – eigentlich erst nachträglich, denn sie gehörten zu diesem Zeitpunkt ja schon dem kommunalen Unternehmen an – enteignet worden (40024-12, Nr. 244, Blatt 13). Eine Abschrift der Urkunde über die Rechtskraft der Enteignung ist im Unternehmensarchiv der Vorgängerbetriebe in Mehren erhalten geblieben und datiert auf den 1. Juli 1948 (Unternehmensarchiv des ehemaligen VEB Kaolin- und Tonwerke Löthain- Seilitz beim heutigen Standort Mehren der Unternehmensgruppe SIBELCO Deutschland GmbH, Aktenablage). Als Bergbauberechtigter für die Industrieverwaltung 30 war laut Übersichtsblatt in der Berechtigungsakte der Löthain- Meißner Tonwerke in Mehren (40024-12, Nr. 244) 1947 danach das Land Sachsen eingetragen. Vertreter und technischer Betriebsleiter war weiterhin Dipl.-Ing. Döbler in Mehren. Die Liste der Flurstücke, auf denen das vereinigte Unternehmen 1947 Abbauberechtigungen innehatte, ist zu lang, um sie hier wiederzugeben ‒ sie umfaßte aber Teile der Fluren von Mehren, Kaschka, Löthain und Canitz. Außerdem gehörte die Kaolinschlämmerei in Seilitz zum Unternehmen. Am 29. November 1947 bat Ingenieur Döbler die TBBI um Befürwortung des Bauantrages für eine neu zu errichtende Ton- Mahlanlage bei den Kaiserschächten in Löthain. In seiner kurzen Baubeschreibung heißt es dazu (40069, Nr. 784): „Das Gebäude enthält im linken Teil den Vorratsraum für mahltrockenen Rohton, in der Mitte ist das Mühlengebäude dargestellt, rechts schließt der Vorratsraum für die Fertigware an... An maschineller Ausrüstung erhält die Mahlanlage einen Vorbrecher mit 5 PS- Einzelantrieb, im Vorratsraum für den Rohton untergebracht; von da wird das vorgebrochene Gut durch ein Becherwerk, mit Holzkasten verkleidet, am linken Teil des Mühlengebäudes sichtbar, auf den Schüttboden III des Mühlengebäudes gefördert... Das Gut läuft der Kapazität der Mühlen entsprechend in die beiden unter dem Bunker auf dem Mühlenboden II errichteten Mühlen, die durch je ein 10 PS- Motor im Einzelantrieb angetrieben werden. Auf dem Abfüllboden I wird das gemahlene Gut in Säcke abgefüllt. Das gemahlene Gut wird in dem zweiräumigen Vorratsschuppen untergebracht. Der Raum unter dem Füllboden dient als Lagerraum für leere Säcke.“ Zur Verarbeitung konnten hier natürlich keine milden, für keramische Zwecke viel besser geeigneten Tone kommen. Vielmehr dürfte man hier harte Tongesteine, die sonst auf Halde gelandet wären, einem nützlichen Zweck zugeführt haben. Der gemahlene Ton sollte unter anderem an chemische Betriebe geliefert werden. Er wurde aber auch für ganz triviale Zwecke, wie etwa zur Produktion von Schneiderkreide, verwendet. Die TBBI stimmte dem Bauantrag am 10. Dezember 1947 zu.
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Bauzeichnung der geplanten Ton- Mahlanlage in Löthain aus dem Jahr 1947. Quelle: Sächsisches Staatsarchiv, Bergarchiv Freiberg, Bestand 40069 (Bergbehörde Freiberg), Nr. 784, Aktenbeilage ohne Seitennummerierung, Gesamtansicht.
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Am 1. September 1948 wurde dann auf Befehl Nr. 70 der Sowjetischen Militäradministration im Land Sachsen (SMAS) in Freiberg das Technische Büro des Bergbaus und der Brennstoffindustrie Sachsens als Nachfolger des früheren sächsischen Oberbergamtes gebildet. Es hatte die Aufgabe, die Bergbaubetriebe in ingenieurtechnischer und geologischer Hinsicht anzuleiten, zu kontrollieren und Investitionen zu begutachten. Es bestand aber nur bis zur Auflösung der Länder und Bildung der Bezirke der DDR im Jahr 1952 (40064). Die für das Tonrevier zuständige TBBI wurde von Freiberg nach Dresden verlegt und war innerhalb der Landesregierung der Hauptverwaltung Kohle beim Ministerium für Wirtschaft und Arbeit unterstellt. Nach Gründung der DDR 1949 bildete man auch im Ministerium für Industrie in Berlin eine länderübergreifend zuständige Technische Bergbauinspektion (TBI). Die brachte sich auch schon kurz darauf mit Forderungen zur Gewährleistung des Brandschutzes, die einfach nicht zu erfüllen ‒ und selbst, wenn man wollte, nicht umzusetzen waren, denn es fehlte ja an jeglichem Material ‒ im Tonrevier unliebsam ein. Das zog einigen Schriftverkehr nach sich, aber schließlich auch die Gründung einer eigenen Werksfeuerwehr bei den Vereinigten Kaolin- und Tonwerken (40069, Nr. 610). Natürlich war der Neubeginn nach dem Kriegsende nicht einfach. Dringend benötigtes Material war teils überhaupt nicht, teils nur in unzureichender Menge zu beschaffen und noch 1950 mußte die Werksleitung die TBBI um eine Dringlichkeitsbestätigung für die Lieferung von Grubenholz und Wetterlutten bitten. Auch die Arbeitsschutzinspektion war schon wieder aktiv und weil diese bei einer Grubenbefahrung im März 1947 Benzin- Sicherheitslampen ganz ohne oder mit defektem Magnetverschluß vorgefunden hatte, bekam Betriebsleiter Döbler am 31. März 1947 von dort eine Straffestsetzung über 50,- Mark ‒ zuzüglich 7,50 Mark Auslagen ‒ weil er „die zum Schutze des Lebens und der Gesundheit der Beschäftigten erlassenen Vorschriften nicht erfüllt“ hatte (40069, Nr. 784). Wahrscheinlich konnte Herr Döbler aber gar nichts dafür ‒ es gab einfach keine Ersatzteile... Der Abschnitt zum Betriebsablauf im vergangenen Jahr im eingereichten Betriebsplan für das Jahr 1949 sagt uns, daß man aller widrigen Umstände zum Trotz 1948 auf den beiden Schachtanlagen Steiger-/Thiemann- Schacht und Kaiserschacht in Löthain immerhin schon wieder 3.103 t Ton ausbringen konnte (40069, Nr. 784). Bei den Glückaufschächten in Mehren und auf den Fundgrubeschächten in Kaschka wurden 1948 weitere 2.006 t Ton gefördert. Die früheren Industrieverwaltungen hatte man wieder aufgelöst und der VEB Vereinigte Kaolin- und Tonwerke Seilitz- Löthain war nun der Vereinigung Volkseigener Betriebe (VVB) Keramik angegliedert. Die Römerschächte gehörten noch zur Mineralia GmbH.
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![]() Die Rißbeilagen zum Betriebsplan der Vereinigten Kaolin- und Tonwerke aus dem Jahr 1949 waren noch mit Tusche auf Pergamentpapier abgezeichnet. Vom Kaiserschacht II nach Süden führt die dortige Sumpfstrecke und dort sieht man auch das Auge des 1946 geteuften Kaiserschachts III. Ganz im Süden sieht man zwei vorgerichtete Blöcke, die nun zum Aushieb kommen sollten. Quelle: Sächsisches Staatsarchiv, Bergarchiv Freiberg, Bestand 40069 (Bergbehörde Freiberg), Nr. 784, Aktenbeilage ohne Seitennummerierung, Gesamtansicht.
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![]() Der Lageplan der Schächte in Kaschka aus dem Betriebsplan für 1949. Auch hier ist mit roter Tusche ergänzt, welche Pfeiler man für das laufende Jahr in Verhieb nehmen wollte. Quelle: Sächsisches Staatsarchiv, Bergarchiv Freiberg, Bestand 40069 (Bergbehörde Freiberg), Nr. 784, Aktenbeilage ohne Seitennummerierung, Gesamtansicht.
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![]() Der Vollständigkeit halber hier auch der Lageplan der Glückaufschächte in Mehren aus dem Betriebsplan für 1949. Der Glückaufschacht VIII diente ausschließlich als Wetterschacht. Quelle: Sächsisches Staatsarchiv, Bergarchiv Freiberg, Bestand 40069 (Bergbehörde Freiberg), Nr. 784, Aktenbeilage ohne Seitennummerierung, Gesamtansicht.
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![]() Schließlich noch der Grubenriß des Kaolinwerkes in Seilitz, rot: 2. Sohle, gelb koloriert: 3. Sohle. Hier sah man die Unterfahrung der Straße nach Zehren mit einer Strecke ,B‘ vor, um das Kaolinlager unter der westlich der Straße liegenden Parzelle 53 aufzuschließen. Mit der Strecke ,A' wollte man die südlich liegenden Flächen untersuchen. Quelle: Sächsisches Staatsarchiv, Bergarchiv Freiberg, Bestand 40069 (Bergbehörde Freiberg), Nr. 784, Aktenbeilage ohne Seitennummerierung, Gesamtansicht.
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Die Fahrberichte der Technischen Bezirks- Bergbauinspektion aus dem Frühjahr 1949 zu den Vereinigten Löthain- Seilitzer Kaolin- und Tonwerken blieben sämtlich ohne Beanstandungen. Über die Glückauf- Schachtanlagen in Mehren heißt es sogar: „Der gesamte Grubenbetrieb machte einen sehr ordentlichen und sauberen Eindruck.“ In Betrieb stand die Fundgrube in Kaschka, wo man mit 10 Mann Untertagebelegschaft auf eine Tagesförderung von rund 5 t kam, dann der Steigerschacht in Löthain, wo 11 Mann untertage angelegt waren, die es auf 16 t Tagesförderung brachten, auf den Glückaufschächten brachten 6 Mann einschichtig untertage rund 8 t Ton pro Tag aus und auch auf dem Kaiserschacht fuhren je 6 Mann an. Außer auf den Glückaufschächten, wo mildere Tone gewonnen wurden, suchte man die Gewinnung zu beschleunigen, indem man die Tonschicht durch Schießarbeit auflockerte. Zusammen mit den Übertagebetrieben hatten die Vereinigten Kaolin- und Tongruben inzwischen wieder wenigstens 87 Mitarbeiter (40069, Nr. 784). Im April 1949 begann man damit, den abgesoffenen Tagebau in Canitz auszupumpen, um auch diesen wieder in Betrieb nehmen zu können. Er hatte zu dieser Zeit eine Flächenausdehnung von etwa 60 m x 80 m. Dort bemängelte die TBBI aber, daß die Einzäunung und Warnschilder fehlten. Am 29. Oktober 1949 teilte die Werksleitung der TBBI die Übernahme der vormals Teichert'schen Gruben in Kaschka, Mohlis und Löthain mit; nur wenige Tage darauf, daß man deren Löthain'er Tongrube sowie den Schacht Kaschka II aber wegen Unrentabilität und erschöpfter Vorräte stillegen werde. Aus einem Fahrbericht vom 23. November 1949 erfährt man nebenbei, daß mit Herrn Vales nun ein neuer ,Revier- Berginspektor' bei der TBBI zuständig war und daß Bergrat Buck bei der Landesregierung Sachsen neue Aufgaben übernommen hatte. Außerdem steht darin zu lesen, daß der (zumindest der in Kaschka) geförderte Ton zu einem Preis von 35,- Mark je Tonne verkauft wurde (40069, Nr. 785). Aus dem Betriebsplan für das folgende Jahr 1950 erfährt man über den Betriebsablauf im Jahr 1949, daß die Vereinigten Kaolin- und Tonwerke mit ihren Betriebsteilen in Löthain, Mehren und Kaschka in diesem Jahr 13.373 t Ton gefördert haben ‒ eine beachtliche Steigerung gegenüber dem Vorjahr. Hinzu kam noch ein Ausbringen von 8.888 t auf den erst im Jahr 1949 übernommenen Gruben. Das Kaolinwerk in Seilitz hat im gleichen Zeitraum 1.668 t geschlämmten Kaolin produziert (40069, Nr. 785).
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Grundriß der 1949 von den Vereinigten Kaolin- und Tongruben übernommenen, vormals Teichert'schen Tongrube - der ,Steinguttonschacht' in Kaschka. Kaschka II war die früher ,Begußtonschacht' benannte Schachtanlage. Quelle: Sächsisches Staatsarchiv, Bergarchiv Freiberg, Bestand 40069 (Bergbehörde Freiberg), Nr. 785, Aktenbeilage ohne Seitennummerierung, Gesamtansicht.
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Grundriß der vormals Teichert'schen Tongrube I in Mohlis. Quelle: Sächsisches Staatsarchiv, Bergarchiv Freiberg, Bestand 40069 (Bergbehörde Freiberg), Nr. 785, Aktenbeilage ohne Seitennummerierung, Gesamtansicht.
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Grundriß der vormals Teichert'schen Tongrube II in Mohlis, nördlich der Grube I. Hier wurden später die August Bebel- Schächte geteuft. Quelle: Sächsisches Staatsarchiv, Bergarchiv Freiberg, Bestand 40069 (Bergbehörde Freiberg), Nr. 785, Aktenbeilage ohne Seitennummerierung, Gesamtansicht.
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Unter dem 1. Januar 1950 faßte der ‒ inzwischen in das Kaolin- und Tonwerk Wiesa bei Kamenz versetzte ‒ Betriebsleiter Döbler seine Kenntnisse über das Meißner Tonrevier und seine Vorschläge für die Fortsetzung des Betriebes in einem zwölfseitigen ,Kurzbericht' zusammen, weil „mit jedem Wechsel in der Leitung zunächst ein technischer Stillstand eintritt, bis das Organisationstempo der nachfolgenden das der abgelösten Leitung erreicht hat.“ (40069, Nr. 785) Zu diesem Zeitpunkt betrieben die Vereinigten Werke schließlich 5 Schachtanlagen mit 10 einzelnen Schächten und einen Tagebau, verteilt auf einer Fläche von rund 8 km in Ost- West- und 13 km in Nord- Süd- Richtung. Insbesondere formulierte Herr Döbler hier, daß „der Bergbau des Löthain- Meißner Tonreviers der schwierigste Tonbergbau überhaupt ist, weil 1. die abbauwürdige Tonscheibe fast überall mit wasserführendem Gebirge verschiedener Art überlagert ist... Aus dieser Tatsache ist in fast jeder Grube die zweckmäßig anzuwendende Abbaugestaltung (...) verschieden. 2. Weil in den älteren Grubenfeldern die ursprünglich bis 12 m mächtige Tonlagerstätte durch Abbau verschiedener Scheiben stark verzerrt ist, da der Abbau von der Sohle des Tonlagers erfolgt. Unverritzte Felder gibt es nur noch im Hafen- und Ofentongebiet von Mehren und Mohlis.“ Unter Bezug auf den ersten Punkt heißt es einige Absätze weiter, daß infolge der in den zurückliegenden Jahren vorgenommen Ausmauerungsarbeiten ‒ auf deren Fortsetzung man auch in Zukunft keineswegs verzichten dürfe ‒ größere Schwimmsanddurchbrüche in den letzten 10 Jahren nicht mehr vorgekommen sind; dennoch müsse man sich auch in Zukunft auf bis zu drei kleinere Sand- oder Wassereinbrüche pro Jahr und auf entsprechende Folgekosten und Stillstandszeiten vorbereiten. Damit könne aber „die Scheu vor dem Abbau im wassergefährdeten Gebiet überwunden werden, das begreiflicherweise und erfahrungsgemäß noch den besten Ton birgt, der aus Furcht vor dem Wasser in der ersten Abbauzeit stehengeblieben“ ist. Anschließend ging Herr Döbler auf die einzelnen Schachtanlagen ein und hielt zunächst zum Kaiserschacht fest, daß hier zuletzt 1936 die „wertvolle (Sorte) I dunkel, schwarz, fett, höchstplastisch, gießfähig, im Brande rein weiß mit blaßbläulichem Stich“ gefördert worden ist. Da man dazu den Alten Mann durchfahren müsse, seien eventuell noch im Johannaschacht'er Feld noch vorhandene Reste von den Kaiserschächten aus freilich nur schwer abzubauen. Allerdings hätten Bohrungen in den 1930er Jahren schon belegt, daß nördlich jenseits der Canitz- Löthain'er Straße im Bereich der ehemaligen Grube Vaterland und des Erichschachts noch „eine Scheibe bauwürdigen Tons vorhanden“ ist. Auch nordöstlich beim ehemaligen Heinrichschacht sei noch Ton zu vermuten, was aber noch nicht durch Bohrungen belegt war. Da man im Vorjahr die Abbaurechte auf den genau dazwischen liegenden Teichert'schen Flurstücken übernommen habe, die vorher „jeden weiteren Aufschlußplan illusorisch machten,“ sollte man diese Erkundung nun baldigst in Angriff nehmen. Der gegenwärtig auf den Kaiserschächten geförderte Ton der Sorte I helle Sortierung sei jedenfalls „qualitätsmäßig nur als notdürftiger Ersatz für den früheren“ anzusehen und das aufgeschlossene Lager werde wohl auch nur noch wenige Jahre ausreichen. Ein Fahrbericht der TBBI zum Kaiserschacht vom 1. März 1950 besagt ebenfalls, daß man hier „nach stehengebliebenen Restpfeilern“ suche und die Lebensdauer der Anlage wohl nur noch begrenzt sei. Während man auf allen anderen Schächten inzwischen auch wieder über funktionierende Preßluftanlagen verfügte, hatte man eine solche aus diesem Grunde hier noch nicht eingerichtet. Stattdessen wurde nur hier 1950 noch Schießarbeit angewandt. Am Steigerschacht wurden nach Döbler's Bericht die Tonsorten I hell, I hell extra und II R gefördert. Wie am Kaiserschacht waren auch hier die besten Partien bereits in bis zu vier Scheiben abgebaut. Zumindest die erste Sorte aber stand noch reichlich in guter Qualität an und durch die Übernahme der Abbaurechte der früheren SOMAG eröffneten sich hier gute Perspektiven. Perspektiven sah Herr Döbler auch für das unterhalb der damaligen Abbausohle an den Saxoniaschächten noch vorhandene Lager gelblich brennenden, sehr fetten Steinguttones und für das nördlich der Altdöbelner Landstraße gegenüber vom Römerschacht II in der Qualitätsstufe Römerton dunkel anstehende Lager. Daneben brachte Herr Döbler hier seine Gedanken zu Papier, es müsse doch möglich sein, „die ungeheuren Rohstoffreserven... die in Löthain in Form der 2. Sorte lagern,“ „zu fördern und so zu veredeln, daß sie nicht nur den jetzigen 1. Sorten qualitativ gleichzustellen, sondern überzuordnen sind,“ zumal der Abbau der 1. Sorte immer schwieriger und die Fundstellen immer spärlicher werden. Aufbereitungsversuche mit einer ,Hydroseparationsanlage' hatte man schon durchgeführt. Über das Mehren'er Hafenton- und Ofentongebiet schrieb Herr Döbler, daß die Glückaufschächte V und VIII durchaus modern und „auf Jahrzehnte hinaus vorgerichtet“ seien. Er rechne hier mit Vorräten von bis zu 500.000 t Ton, warne jedoch auf dieser „schönsten und rentabelsten Grubenanlage“ vor unplanmäßiger Ausrichtung, Vorrichtung und Abbauweise, die ein vorzeitiges Ende, wie beim Römerwerk nach sich ziehen werde. Auch der noch bessere Hafenton im Augustinenschacht'er Revier könne von einem westlich der Straße von Mehren nach Mohlis an der tiefsten Stelle des Tonlagers neu zu teufenden Schacht V aus noch restlos abgebaut werden, wenngleich dies hier „das letzte Stadium des Abbaus“ sei. Auch das Mohlis'er Ofentongebiet sei noch außerordentlich reich an hochwertigem Ofenton, der zudem frei von Schwefelkies sei. Durch den Zusammenbruch der früheren SOMAG- Schächte 1945 müsse man hier freilich einen Neuaufschluß oder den Abbau von den rund 200 m entfernt liegenden Teichertschächten aus in Erwägung ziehen. Auch hinsichtlich der Gruben in Kaschka, wo man jüngst erst die dortigen Teichertschächte übernommen hatte, auf denen vorwiegend Steingutton gefördert wurde, müsse man das Konzept zur weiteren Ausrichtung noch überdenken. Das Verantwortungsbewußtsein dieses Mannes spiegelt sich in folgenden seiner Sätze in diesem Bericht wider: „Dem Betriebsleiter in Löthain sind viele Millionenwerte kostbaren Volksgutes in Gestalt der Tonlager zur Verwaltung übergeben. Daß qualitativ vorzüglich geliefert wird, ist hier nur eine Voraussetzung, keine besondere Leistung. Der Werkleiter erfüllt seine Pflicht auch nicht nur durch hohe Förderleistungen. Er erfüllt seine Pflicht gegenüber dem Volke erst dann, wenn er imstande ist, das Höchstmögliche an Bodenschätzen aus diesen wassergefährdeten Bereichen herauszuholen und die Abbauverluste so niedrig wie möglich zu halten. Und hier kann der Bergbau zur wahren Kunst entwickelt werden. Das ist die Aufgabe des Löthainer Werkleiters und hierin besteht auch seine Leistung.“ Diese Sätze kann man sich auch heute noch ins Stammbuch schreiben...
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Nach dem Wechsel von Herrn Döbler nach Wiesa wurde Jakob Paffen die Betriebsleitung der Vereinigten Kaolin- und Tonwerke Löthain- Seilitz übertragen, der allerdings bereits im Juni 1950 verstarb. Daraufhin wurde der zuvor als kaufmännischer Leiter tätige Helmut Franz mit der Werksführung betraut. Technischer Betriebsleiter für den Untertagebetrieb blieb Obersteiger Otto Hähnel (40069, Nr. 785). Ab dem 4. Juli 1950 war auch der ,SAG- Betrieb' der Porzellanmanufaktur, also das Staatliche Weißerdenwerk in Seilitz, in die VVB Keramik eingegliedert. Mit Wirkung vom 1. September 1950 übernahmen die Vereinigten Kaolin- und Tonwerke schließlich noch das Römerwerk von der Mineralia GmbH. Dem Betriebsplan der Vereinigten Kaolin- und Tonwerke für 1951 kann man entnehmen, daß sich das Ausbringen im abgelaufenen Jahr 1950, einschließlich des erst kurz zuvor hinzugekommenen Römerwerkes, auf 26.389 t Ton und 1.272 t geschlämmten Kaolins summierte. Die Belegschaft hatte sich bis 1951 auf 265 Arbeiter und Angestellte, davon 111 untertage beschäftigt, vergrößert (40069, Nr. 785). Die neue Werksleitung hat den Bericht von Herrn Döbler sicherlich auch gelesen und ging die weitere Aus- und Vorrichtung nach Kräften an: Bereits am 19. Oktober 1950 hatte die Werksleitung der TBBI mitgeteilt, daß man mittels eines Blindschachtes die 2. Sohle bei Mohlis II wieder erschließen wolle und auf den 7. Februar 1951 datiert dann die Anzeige über das Abteufen des Römerschachts VI (40069, Nr. 785). Die Kaolin- Schlämmerei bei Seilitz wurde 1951 einer ,Generalreparatur' unterzogen. Die Errichtung von Neubauernhöfen in Löthain nach der Bodenreform brachte auch die weitere Ausrichtung des Abbaus beim Kaiserschacht gleich wieder auf den Tisch, grenzten diese Grundstücke doch an der Ostseite des alten Abbaufeldes an. 1951 wurden hier Bohrungen durchgeführt, um zu klären, wie weit nach Osten hin denn noch bauwürdiger Ton anstehe. Die Bohrungen erreichten in 20 m bis 50 m Tiefe die Oberkante des unverwitterten Porphyrs, konnten aber keine bauwürdigen Tonlager aufschließen und so konnten die Neubauernhöfe gebaut werden (40069, Nr. 610).
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![]() Lageplan über die 1951 östlich vom Kaiserschacht - ab 1951 Ernst Thälmann- Schacht - ausgeführten Bohrungen. An der Westseite der von der Fernverkehrsstraße 101 aus nach Löthain hinein führenden Straße sind die beiden betroffenen Neubauernhöfe verzeichnet. Die Ostgrenze des bisher abgebauten Grubenfelds markiert die unterbrochene und mit roter Schraffur markierte Linie. Quelle: Sächsisches Staatsarchiv, Bergarchiv Freiberg, Bestand 40069 (Bergbehörde Freiberg), Nr. 610, Aktenbeilage ohne Seitennummerierung, Gesamtansicht, Norden ist nach rechts oben verdreht. |
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![]() Diese Aufnahme zeigt einige der Neubauernhöfe in Löthain. Fotograf unbekannt, Aufnahme dat. 1951, Bildquelle: Deutsche Fotothek. Hier sieht es Digitalisat:
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Zum 1. Mai 1951 erfolgte auch die Umbenennung einiger Schachtanlagen: Aus der Kaiserschachtanlage in Löthain wurden nun die Ernst Thälmann- Schächte, aus der früheren Fundgrube bei Kaschka wurden die Karl Marx- Schächte, die Schächte bei Mohlis bekamen die Benennung August Bebel- Schacht und die früheren Römerschächte zwischen Löthain und Mehren erhielten den neuen Namen Karl Liebknecht- Schacht. Steiger- und Thiemannschacht in Löthain sowie die Glückaufschächte in Mehren behielten ihren alten Namen. Die Rühle'sche Drei Brüder Grube zwischen Löthain und Canitz wurde später einfach nur noch ,Grube Canitz' benannt (40069, Nr. 610, Akte ohne Seitennummerierung). Weil nun aber „der Bergbau des Löthain- Meißner Tonreviers der schwierigste Tonbergbau überhaupt ist,“ ging freilich auch jetzt nicht alles glatt: Bereits am 12. Juli 1950 hatte ein Wassereinbruch die Augustinenschächte zum Ersaufen gebracht. Ein weiterer schwerer Wassereinbruch in Mohlis brachte am 4. November 1951 dort die 3. Sohle zum Ersaufen und am 19. Dezember 1951 soffen die Karl Marx- Schächte nach einem Wassereinbruch ab. Schon am 10. November hatte es auf den Kaschka'er Schächten wieder einmal einen Schlagwetteraustritt gegeben ‒ dieser aber glücklicherweise ohne größere Folgen. Außerdem ereignete sich im Winter 1951 im Tagebau in Canitz ein Böschungsbruch, bei dem das Stollnmundloch verschüttet worden ist ‒ auch hier kam niemand zu Schaden, da die Grube gerade unbelegt war (40069, Nr. 785). Am 21. Januar 1952 brannte dann auch noch die Ton- Mahlanlage samt Kreidefabrik in Löthain ab (40069, Nr. 611 und Nr. 613). Weil die Kosten für den Wiederaufbau natürlich nicht eingeplant waren, konnte man erst ein Jahr später mit dem Wiederaufbau beginnen (40069, Nr. 785). Trotz all dieser Schwierigkeiten konnte das Ausbringen an Ton im Jahr 1951 auf 34.900 t weiter gesteigert werden. Auch die Planauflage zu Kaolinförderung hat man mit 2.585 t in diesem Jahr deutlich übererfüllt (40069, Nr. 610). Die bergmännischen Arbeiten im folgenden Jahr 1952 auf den wichtigsten Schachtanlagen illustrieren wir des Umfangs halber am besten anhand der dem Betriebsplan beigegebenen Grubenrisse. Unter anderem wurde im Jahr 1952 der Thälmannschacht III, vormals Kaiserschacht III, mit Gestellförderung ausgestattet und bei den früheren Römerwerken wurde der Karl Liebknecht- Schacht VI im Norden des Baufelds, südlich der Alten Döbelner Landstraße abgeteuft. Auf den Wassereinbruch vom 4. November 1951 in den August Bebel- Schächten reagierte die Werksleitung am 20. Dezember 1952 mit einem Betriebsplannachtrag, dem zufolge man die 3. Sohle in Mohlis bis auf Weiteres aufgab und die Gewinnung komplett auf die 2. Sohle verlegte (40069, Nr. 611).
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![]() Grundriß der Baue von Ernst Thälmann-, früher Kaiserschacht I und III für den Betriebsplan auf das Jahr 1952. Quelle: Sächsisches Staatsarchiv, Bergarchiv Freiberg, Bestand 40069 (Bergbehörde Freiberg), Nr. 610, Aktenbeilage ohne Seitennummerierung, Teilansicht, Norden ist oben.
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![]() Grundriß der Baue am August Bebel- Schacht, früher Grube Mohlis, für den Betriebsplan auf das Jahr 1952. Förderschacht I führte nur auf die 2. Sohle (rot), Schacht II hingegen nur auf die 1. Sohle (blau koloriert). Der Blindschacht etwa in der Bildmitte verband die 1. mit der 3. Sohle, nördlich von diesem führte von der 1. Sohle außerdem ein 52 m langer Haspelberg zur 2. Sohle. Mit der Schraffur sind bis zum Vorjahr abgebaute Feldflächen gekennzeichnet, die überwiegend noch auf der 3. Sohle lagen, bevor die 3. Sohle zuletzt wieder abgesoffen war. Quelle: Sächsisches Staatsarchiv, Bergarchiv Freiberg, Bestand 40069 (Bergbehörde Freiberg), Nr. 610, Aktenbeilage ohne Seitennummerierung, Teilansicht, Norden ist oben.
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![]() Grundriß der Baue am Karl Marx- Schacht in Kaschka, die im wesentlichen Verbindungsstrecken zwischen den einzelnen Schächten umfaßten, im Betriebsplan für das Jahr 1952. Am oberen Bildrand gerade verdeckt befand sich einer der Fundgrubeschächte, der noch als Wetterschacht genutzt wurde. Ausrichtungsstrecken findet man am westlichen Baufeldrand mit unterbrochenen Linien eingetragen. Quelle: Sächsisches Staatsarchiv, Bergarchiv Freiberg, Bestand 40069 (Bergbehörde Freiberg), Nr. 611, Aktenbeilage ohne Seitennummerierung, Teilansicht, Norden ist oben.
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Nachdem sich deren letzte Besitzer, laut Akten ein Herr Gießen, „in den Westen abgesetzt“ hatte, wurde 1953 auch die Firma Neubert & Co. mit den Hildeschächten bei Schletta von der Mineralia GmbH in die Treuhandschaft übernommen (40069, Nr. 612, Akte ohne Seitennummerierung). Der VEB Vereinigte Kaolin- und Tonwerke teilte dazu am 20. Juli 1954 an die Bergbehörde in Freiberg mit, daß dieses Unternehmen mit Wirkung vom 1. Juli des Jahres wieder aus der Genossenschaft ausgegliedert und nun ebenfalls an die Vereinigten Kaolin- und Tonwerke übertragen worden sei (40069, Nr. 611, Akte ohne Seitennummerierung). Da dort aber die Hauptwetterstrecke zwischen den Schächten 2 und 7 verbrochen und wegen starken Gebirgsdrucks nicht zu gewältigen war, war zu diesem Zeitpunkt nur noch ein Tagebau in Schletta, wo man roten und weißbrennenden Ton förderte, in Betrieb (40069, Nr. 612 und 613, Akten ohne Seitennummerierung).
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Urriß der Tongrube Schletta der vormaligen Gesellschaft Neubert & Co., Blatt 1, angelegt von Markscheider Friedemann in Oelsnitz/Erzg. im Jahr 1941, von demselben nachgebracht bis 1945. Quelle: Unternehmensarchiv des ehemaligen VEB Kaolin- und Tonwerke Löthain- Seilitz beim heutigen Standort Mehren der Unternehmensgruppe SIBELCO Deutschland GmbH, Rissarchiv, Rollrisse, Gesamtansicht.
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Urriß der Tongrube Schletta der vormaligen Gesellschaft Neubert & Co., Blatt 2, angelegt von Markscheider Friedemann in Oelsnitz/Erzg. im Jahr 1942, von demselben nachgebracht bis 1945. Quelle: Unternehmensarchiv des ehemaligen VEB Kaolin- und Tonwerke Löthain- Seilitz beim heutigen Standort Mehren der Unternehmensgruppe SIBELCO Deutschland GmbH, Rissarchiv, Rollrisse, Teilansicht.
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Im Jahr 1953 standen damit insgesamt acht Betriebsteile bei den Vereinigten Kaolin- und Tonwerken in Betrieb (40069, Nr. 613). Bereits im Betriebsplan für 1954 taucht aber der Betriebsteil Schletta, vormals Neubert & Co., nicht mehr auf, sondern wurde stillgelegt und die Hildeschächte wurden verfüllt. Wir verfolgen die Geschichte natürlich weiter, werden aber unter Beachtung des Datenschutzes und der Persönlichkeitsrechte von hier ab keine Personennamen mehr nennen.
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![]() Ein Belegschaftsfoto von 1953; wahrscheinlich war es einer der Hildeschächte der früheren Gesellschaft Neubert & Co., die in diesen Jahren stillgelegt worden sind. Unternehmensarchiv des ehemaligen VEB Kaolin- und Tonwerke Löthain- Seilitz beim heutigen Standort Mehren der Unternehmensgruppe SIBELCO Deutschland GmbH, Fotosammlung.
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Weil einerseits die
Beschaffung von Ersatzteilen für die Flottmann- Preßluftspaten aus Herne
immer schwieriger wurde, andererseits die Plankommission die
Produktionsvorgabe auf 45.000 t Ton weiter angehoben hatte, kam 1953
wieder die Frage auf, ob man die Gewinnung nicht durch Anwendung von
Schießarbeit erleichtern und beschleunigen könne. Die Betriebsleitung nahm
aber gegenteilig dazu Stellung
(40069, Nr. 611).
Konkrete Fördermengen aus dem Vorjahr werden in den Betriebsplänen ab 1953 leider nicht mehr genannt, nur noch prozentuale Angaben hinsichtlich der Erhöhung der Planauflagen und deren Erfüllung. Während man die um fast 16% angehobene Planauflage an Rohton 1952 gerade so erfüllt hatte, wurde der Plan an geschlämmtem Kaolin nach einer Anhebung des Solls um knapp 80% nur mit 83% erfüllt. Als Ursache wurden „katastrophale Stromsperren“ im Juli und August, das Fehlen von Ersatzteilen für die nach wie vor verwendeten Flottmann- Preßluftspaten sowie die unzureichende Waggongestellung durch die Deutsche Reichsbahn angeführt. „Infolge Fehlens der Mittel“ konnte die im Vorjahr abgebrannte Ton- Mahlanlage in Löthain noch nicht wieder aufgebaut werden. Die Gesamtzahl der Mitarbeiter umfaßte nun 280 Beschäftigte, davon 106 Mann untertage (40069, Nr. 613). Zur Entwicklungsperspektive hielt man fest, daß für die Gruben mit den wertvollsten, weißbrennenden Tonvorkommen nur noch eine Lebensdauer von 5 bis 6 Jahren zu erwarten sei. Namentlich in Löthain baue man eigentlich nur noch Restpfeiler ab oder überfahre alte Abbaue, um den aus der Firste hereingedrückten Ton noch zu gewinnen, was natürlich kaum wirtschaftlich sein könne. Die Vorräte in der Grube Canitz werden voraussichtlich sogar schon in 4 Jahren vollständig abgebaut sein. In Kaschka auf den Karl Marx- Schächten sowie nördlich von Löthain bei den früheren Römerwerken, jetzt Karl- Liebknecht Schacht, baue man zwar weniger gefragte, elfenbeinfarben brennende Tone als Steingut- oder Bindetone ab, die aber voraussichtlich noch 20 Jahre lang ausreichen könnten. In der Kaolingrube in Seilitz hatte man auf der 1. Sohle nach allen Seiten das Deckgebirge erreicht und damit die Vorrichtung beendet (40069, Nr. 613).
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Auch 1954 blieben die
Fundgrubeschächte, die nur noch als Flucht- und Wetterschächte für die
Karl Marx- Schachtanlage genutzt wurden, sowie der 1950 ersoffene
Augustinenschacht (Man nannte diesen jetzt oft verkürzt nur ,Augustschacht')
außer Betrieb. Die Produktionsauflagen waren wieder etwas gesenkt worden
und man werde sie – sowohl beim Ton, als auch beim Kaolin –
voraussichtlich erfüllen. Die günstigsten Bedingungen für den Abbaubetrieb boten
noch das Glashafentonvorkommen von Mehren sowie das Ofentonvorkommen in Mohlis.
Hier hatte man jeweils 10 geologische Bohrungen für 1954 beantragt, um die
Ausdehnung genauer festzustellen (40069, Nr. 613).
Östlich der Thälmann- Schächte, wo eigentlich einige Jahre zuvor schon Bohrungen erfolgt waren, als es um die Frage der Errichtung von Neubauernhöfen innerhalb der Bergbauvorrangfläche ging, hatte man mit den neuen Bohrungen im Jahr 1951 dann offenbar doch noch ein Vorkommen weißbrennenden Steinguttons – wenn auch nur in geringer Ausdehnung – angetroffen. Der Plan, dieses durch Vortrieb einer rund 150 m langen Strecke durch den mit Schlamm und Schwimmsand angefüllten alten Mann im Johanna- und Friedrich August- Schacht’er Feld hindurch anzufahren, erwies sich nach mehrmaligem Versuch aber als undurchführbar. Deswegen plante man nun, östlich der alten Baufelder eine neue Schachtanlage (Ernst Thälmann- Schächte IV und V) zu errichten (40069, Nr. 613). Um die immer noch abgesoffene 3. Sohle der August Bebel- Schächte wieder frei zu bekommen, plante man im Sommer 1954, das Grundwasser im Liegenden zu zäpfen. Den Glückauf- Schacht V hat man 1954 ebenfalls mit Gestellförderung ausgerüstet und damit die Kübelförderung hier abgelöst. In diesem Ausbauzustand ist der Schacht heute noch im Museum in Mehren zu sehen. Das östliche Baufeld an den Glückauf- Schächten mußte man aber nach einem Wassereinbruch am 12. Juni 1954 aufgeben. Bei einer Befahrung durch die TBBI am 14. Juli 1954 war zu konstatieren, daß dieses Ostfeld bereits durch Dämme verschlossen und das Aufräumen der Strecken im Gange war. Am 12. Dezember 1954 kam es auch auf den Karl Liebknecht- Schächten wieder zu einem Wassereinbruch (40069, Nr. 611). 1954 konnte schließlich auch die 1952 abgebrannte Tonmahlanlage und Kreidefabrik am Thälmannschacht in Löthain endlich wieder in Betrieb genommen werden (40069, Nr. 612, Akte ohne Seitennummerierung). Allerdings gab es Ärger mit der Bergaufsicht, weil die bei einer Befahrung am 19. November 1954 feststellte, daß die Anlage „verbotswidrig“ in Betrieb genommen worden ist, da die Entstaubungsanlage noch nicht installiert war. Erst am 24. Januar 1955 war dann alles betriebsbereit (40069, Nr. 624, auch diese Akte ohne Blattnummerierung). Inzwischen wurden auch erste Preßlufthämmer aus DDR- Produktion eingesetzt (40069, Nr. 613). Die Einführung elektrischer Kopflampen begann dagegen erst 1957 (40069, Nr. 607).
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![]() Grundriß der Baue von Ernst Thälmann-, früher Kaiserschacht I und III für den Betriebsplan auf das Jahr 1955. Quelle: Sächsisches Staatsarchiv, Bergarchiv Freiberg, Bestand 40069 (Bergbehörde Freiberg), Nr. 614, Aktenbeilage ohne Seitennummerierung, Teilansicht, Norden ist oben.
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![]() Der für das Jahr 1955 geplante Abbau am Steiger- und Thiemannschacht in Löthain. Quelle: Sächsisches Staatsarchiv, Bergarchiv Freiberg, Bestand 40069 (Bergbehörde Freiberg), Nr. 614, Aktenbeilage ohne Seitennummerierung, Teilansicht, Norden ist oben.
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![]() Die Reihenfolge des Abbaus der letzten Pfeiler in der Grube Canitz im Jahr 1955. Quelle: Sächsisches Staatsarchiv, Bergarchiv Freiberg, Bestand 40069 (Bergbehörde Freiberg), Nr. 614, Aktenbeilage ohne Seitennummerierung, Teilansicht, Norden ist oben.
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![]() Der für 1955 vorgesehene Abbau bei den Karl Marx- Schächten bei Schletta. Quelle: Sächsisches Staatsarchiv, Bergarchiv Freiberg, Bestand 40069 (Bergbehörde Freiberg), Nr. 614, Aktenbeilage ohne Seitennummerierung, Teilansicht, Norden ist oben.
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![]() Dieses Blatt aus den Grubenrissen des VEB ist in diesem Jahr - kurz vor der Betriebseinstellung - letztmalig enthalten und räumlich südlich der früheren Fundgrubeschächte zu verorten.
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![]() Bei den August Bebel- Schächten in Mohlis suchte man im Norden die 3. Sohle (grün) wieder in Gang zu bekommen und plante bereits den Abbau eines Pfeilers. Auf der 2. Sohle (rot koloriert) richtete man das Südfeld weiter aus und begann an der Südostgrenze mit dem systematischen Abbau. Quelle: Sächsisches Staatsarchiv, Bergarchiv Freiberg, Bestand 40069 (Bergbehörde Freiberg), Nr. 614, Aktenbeilage ohne Seitennummerierung, Teilansicht, Norden ist oben.
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![]() Im Kaolinwerk Seilitz näherte man sich mit dem Abbau auf der 1. Sohle 1955 bereits dem Wetterschacht. Quelle: Sächsisches Staatsarchiv, Bergarchiv Freiberg, Bestand 40069 (Bergbehörde Freiberg), Nr. 614, Aktenbeilage ohne Seitennummerierung, Teilansicht, Norden ist oben.
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1955 nahm man die Neuanlage der
Thälmannschächte
IV und
V
in Angriff, während man sich westlich des alten Baufeldes mit dem
geplanten Abbau bereits dem Sicherheitspfeiler des Schachts III
näherte (40069, Nr. 614). Sowohl der Fahr- und Förderschacht
IV,
als auch der Flucht- und Wetterschacht V,
erhielten zunächst ganz normalen Bolzenschrotausbau. Man schlug hier drei
Sohlen in zirka 20 m, 30 m und 36 m Teufe an. 1956 wurden die Tagesanlagen
am Schacht IV
errichtet und die Verbindungsstrecke zum Schacht V
aufgefahren. Mit dem Abbau westlich des alten Baufeldes hat man
in diesem Jahr den Schacht
III
überfahren und abgeworfen. Auch der Abbau in Canitz ging mit dem
Jahr 1955 zu Ende. Damit sank die Anzahl der Betriebsteile ab.
Am 7. Dezember 1955 kam es auf den Karl Liebknecht- Schächten wieder zu einem Wassereinbruch. Im Januar des Folgejahres begann man mit dem Sümpfen und Räumen der Strecken, wurde jedoch am 14. Januar 1956 von einem erneuten Wassereinbruch überrascht. Bis Ende des Monats war es gelungen, das Wasser wieder niederzuhalten, mußte aber konstatieren, daß die Schächte IV und V „für die Befahrung verloren“ waren, „da die Sandmassen den Zugang unmöglich machen.“ Die an diesen ganz oder zeitweise wegfallenden Standorten sonst erbrachte Förderleistung mußte die August Bebel- Schachtanlage übernehmen, die sich damit zum größten Gewinnungsbetrieb des VEB Vereinigte Kaolin- und Tonwerke entwickelte (40069, Nr. 612). Beim Kaolinwerk in Seilitz baute man in diesem Jahr nur auf der 1. Sohle westlich des Zehrener Weges ab. Um den Sicherheitspfeiler des Wetterschachtes ebenfalls abbauen zu können, wurde dieser Schacht 1956 abgeworfen und stattdessen auf der 2. Sohle eine Tagestrecke in nördliche Richtung aufgefahren (40069, Nr. 614). Im Bereich der abgelegten Schächte von Neubert & Co. in Schletta, die 1953 zunächst durch die Mineralia und dann durch den VEB übernommen worden sind, wurden unter Leitung der Staatlichen Geologischen Kommission noch einmal Bohrungen durchgeführt, um zu entscheiden, ob und wie die dortigen Tonvorkommen vielleicht wieder in Angriff genommen werden können. Zu einer Wiederaufnahme ist es danach aber doch nicht gekommen. Allerdings hatte man von dem ehemaligen Unternehmen auch deren Ton- Mahlanlage im Rauhental in Meißen übernommen und setzte diese 1955 noch einmal in Betrieb. Hinsichtlich der technischen Ausstattung gab es nur wenige Veränderungen: Die elektrischen Anlagen untertage wurden sukzessive schlagwettergeschützt umgebaut. Hinsichtlich des Streckenausbaus ging man von Mauerung mit Ziegeln oder selbstgefertigten Formsteinen zum Ortbetonausbau, ab 1956 auch zu Stahlbogenausbau über. Nach wie vor wurden vorwiegend die Flottmann- Tonspaten zur Gewinnung benutzt. Die Streckenförderung erfolgte ausschließlich in Hunten manuell. Bis auf die Steiger- und Thiemannschächte, für deren Lebensdauer man nur noch mit wenigen Jahren rechnete, waren nun alle Schächte in Mauerung gesetzt und mit Gestellförderung ausgerüstet. Außerdem wurde im Jahr 1955 ein Kulturhaus in Löthain errichtet und zum Tag des Bergmanns übergeben. Die Belegschaft ist 1954 auf insgesamt 293 Arbeiter und Arbeiterinnen weiter angestiegen; davon waren 125 Mann untertage angelegt. Der Höchststand wurde in den Jahren von 1955 bis 1957 erreicht, als insgesamt 303 Mitarbeiter, davon 125 bis 127 untertage, im VEB beschäftigt waren (40069, Nr. 614). Von den bereits für 1954 beantragten Erkundungsbohrungen wurden die ersten 1956/57 im Gebiet zwischen Mehren und Mohlis und östlich der August Bebel- Schächte ausgeführt (40069, Nr. 607).
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Im ersten Quartal 1956 stellte man den Abbau bei den Karl Marx- Schächten in Kaschka ein. Am 3. April 1956 gab es hier eine Abschlußbefahrung durch die Bergbehörde. Mitte April 1956 war der alte Fundgrübner Wetterschacht bereits verfüllt und bis Ende Mai des Jahres waren auch die Raubearbeiten in den Karl Marx- Schächten beendet. Deren Verfüllung war dann bis Anfang Oktober 1956 abgeschlossen (40069, Nr. 624). Ende 1957 teilte die Werksleitung an die TBBI mit, daß man auch den Wetterschacht bei den Augustinenschächten abgeworfen und verfüllt habe (40069, Nr. 607). Dagegen begann im Jahr 1957 am Ernst Thälmann- Schacht IV und V in Löthain die Ausrichtung des östlichen Feldteils (40069, Nr. 615). Wie in der Einleitung zum nächsten Betriebsplan über das vergangene Jahr 1957 zu lesen steht, konnte man hier aber zunächst nur Ton der zweiten Sorte aufschließen (40069, Nr. 616). Parallel wurde ab Mai 1957 der alte Kaiserschacht I verfüllt (40069, Nr. 624). Probleme bereitete 1957 auch wieder eine unzureichende Waggongestellung durch die Deutsche Reichsbahn, wodurch mangels Lagerkapazität zeitweise die Förderung heruntergefahren werden mußte (40069, Nr. 616). Am 19. November 1957 kam es auf den Karl Liebknecht- Schächten wieder einmal zu einem Wassereinbruch. Mit drei „1.000 Liter- Pumpen“ war man nicht imstande, das zulaufende Wasser niederzuhalten und erst zwei Wochen später gelang dann die Sümpfung. „Weil sich solche Ereignisse in regelmäßigen Abständen von einigen Jahren wiederholen,“ sollte beim Geologischen Dienst in Freiberg dazu ein Hydrogeologisches Gutachten eingeholt werden, welches auch am 23. Dezember 1957 vorlag. Darin heißt es, daß „das Problem der Wassereinbrüche (...) so alt, wie der Bergbau im Löthainer Gebiet“ sei. Problematisch sei dabei, daß bei schwankender Mächtigkeit der Tonlager deren Oberfläche keine Ebene, sondern eine unregelmäßig eingemuldete Fläche darstelle. Namentlich in den Einmuldungen sammelt sich in porösen Hangendschichten und Sanden natürlich Wasser an. Nach vorliegenden Bohrergebnissen hatte man in dem zuletzt vom Wasserdurchbruch aus dem Hangenden betroffenen Feldteil eigentlich noch über 4 m Ton im Hangenden stehengelassen; dennoch sei es zu dem Durchbruch gekommen. Lösungen sah man entweder im Niederbringen und Betreiben einer größeren Anzahl von Brunnenbohrungen, wobei man aufgrund der unregelmäßigen Hangendkontur aber nicht sicher sein könne, ob man alle Einsenkungen damit erfasse, oder im Übergang zum Tagebau (40069, Nr. 608). Nachdem man durch die Wassereinbrüche 1955 und 1957 einen Teil des Abbaufeldes und zeitweise auch zwei der Schächte verloren hatte, begann man bei den Karl Liebknecht- Schächten 1957 damit, die Alte Döbelner Straße mit zwei Parallelstrecken zu unterfahren und das Feld nördlich und östlich der Straße nach Mehren zu untersuchen (40069, Nr. 615). Die neuen Thälmann- Schächte IV und V hatte man sofort mit Schwimmerschaltung und Warnsignal übertage bei Wasseranstieg ausgerüstet (40069, Nr. 607). In den Folgejahren wurde diese Technik auf allen Schächten üblich. Ab 1958 begann man auch damit, eiserne Dammtüren untertage einzubauen, um zu vermeiden, daß jedesmal die ganze Grube absoff. Nichtsdestoweniger besagt eine Aktennotiz der TBBI, daß es schon am 4. Juli 1958 erneut zu einem Wassereinbruch bei den Karl Liebknecht- Schächten gekommen ist (40069, Nr. 608). Auch bei den Glückauf- Schächten ereignete sich am 21. August 1958 wieder ein Schwimmsanddurchbruch auf der ,Erkundungsstrecke Ost' nach dem Anfahren von Altem Mann. Diesmal war auch übertage ein Tagesbruch von 2 m Tiefe und über 10 m Durchmesser entstanden. Mit der Sümpfung begann man Anfang Januar 1959, mußte sie aber nach einer Woche abbrechen, da die Zuläufe wieder stark anstiegen. Erst am 2. März 1959 gelang es, die Grube zu sümpfen. Nun sollten auch hier eiserne Dammtüren eingebaut werden (40069, Nr. 609).
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![]() Grundriß der Baue bei den Ernst Thälmann- Schächten für den Betriebsplan auf das Jahr 1957. Östlich des alten Abbaufeldes des Johanna-, Friedrich August- und Kaiserschachtes waren die Ernst Thälmann- Schächte IV und V abgeteuft; nun wurde das Netz der Ausrichtungsstrecken aufgefahren. Quelle: Sächsisches Staatsarchiv, Bergarchiv Freiberg, Bestand 40069 (Bergbehörde Freiberg), Nr. 615, Aktenbeilage ohne Seitennummerierung, Teilansicht, Norden ist oben.
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![]() Der Ausschnitt mit dem ,Ostfeld' aus der Rißbeilage zu den Ernst Thälmann- Schächten IV und V im Betriebsplan des Folgejahres 1958 zeigt uns den Fortgang dieser Aufschlußarbeiten. Auch die Tagegebäude am Förderschacht sind nun errichtet. Quelle: Sächsisches Staatsarchiv, Bergarchiv Freiberg, Bestand 40069 (Bergbehörde Freiberg), Nr. 616, Aktenbeilage ohne Seitennummerierung, Teilansicht, Norden ist oben.
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![]() Grundriß der Baue an den Karl Liebknecht- Schächten im Betriebsplan für 1957. Zwischen den alten Schächten des Römerwerks im Süden und dem Karl Liebknecht- Schacht VI im Norden sowie an der nordöstlichen Feldgrenze plante man Abbau; zugleich wurden aber auch nach Nordosten unter der Alten Döbelner Landstraße hindurch neue Ausrichtungsstrecken getrieben. Quelle: Sächsisches Staatsarchiv, Bergarchiv Freiberg, Bestand 40069 (Bergbehörde Freiberg), Nr. 615, Aktenbeilage ohne Seitennummerierung, Teilansicht, Norden ist oben.
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![]() Grundriß der Baue an den August Bebel- Schächten zu Mohlis im Betriebsplan für 1957: Die 3. Sohle war noch immer nicht wieder in Betrieb und der gesamte Abbau ging auf der 2. Sohle um. Quelle: Sächsisches Staatsarchiv, Bergarchiv Freiberg, Bestand 40069 (Bergbehörde Freiberg), Nr. 615, Aktenbeilage ohne Seitennummerierung, Teilansicht, Norden ist oben.
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![]() Grundriß der Baue im Kaolinwerk Seilitz im Betriebsplan für 1957. Der Sicherheitspfeiler des Wetterschachtes westlich der Zehrener Straße konnte nun, nachdem man nach Norden aus der 2. Sohle heraus die ,Strecke 8' bis nach Übertage als neue Flucht- und Wetterstrecke durchgeschlagen hatte, abgebaut werden. Quelle: Sächsisches Staatsarchiv, Bergarchiv Freiberg, Bestand 40069 (Bergbehörde Freiberg), Nr. 615, Aktenbeilage ohne Seitennummerierung, Teilansicht, Norden ist oben.
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Der Betriebsplan des VEB Vereinigte
Kaolin- und Tonwerke für das Jahr 1959 berichtet davon, daß man im Vorjahr
erneut mit Wassereinbrüchen auf dem Karl Liebknecht- und am
Glückauf- Schacht zu kämpfen hatte. Bis Ende 1958 waren dann alle
Grubenbetriebe mit automatischer Wasserhaltung ausgerüstet.
Außerdem hatte man den Steigerschacht II niedergebracht und ausgemauert und hatte sich nun für das nächste Planjahr die Auffahrung einer direkten Verbindungsstrecke zum Thiemannschacht vorgenommen. Mit der Inbetriebnahme rechnete man aber erst nach Fertigstellung der Tagesanlagen im Jahr 1960. Die Augustinenschächte werde man dagegen auch 1959 nicht wieder aufnehmen. Die Belegschaft ist mit insgesamt 274 Arbeitern und Angestellten angegeben, davon 120 Mann untertage (40069, Nr. 617, Akte ohne Blattnummerierung).
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Grundriß der Baue im Kaolinwerk Seilitz im Jahr 1958, rot umrandet die im Jahr 1959 zum Verhieb bestimmten Pfeiler westlich der Zehrener Straße. Neben einem letzten auf der 1. Sohle begann man nun auch, erste Pfeiler ganz im Westen und ganz im Süden der 2. Sohle abzubauen. Die Bewetterung erfolgte nun über die Tagestrecke im Norden ein- und über den Förderschacht ausziehend. Quelle: Sächsisches Staatsarchiv, Bergarchiv Freiberg, Bestand 40069 (Bergbehörde Freiberg), Nr. 617, Aktenbeilage ohne Seitennummerierung, Gesamtansicht, Norden ist oben.
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Grundriß der Baue am August Bebel- Schacht im Jahr 1958, auch hier sind die für das folgende Jahr zum Aushieb kommenden Pfeiler rot umrandet. Quelle: Sächsisches Staatsarchiv, Bergarchiv Freiberg, Bestand 40069 (Bergbehörde Freiberg), Nr. 617, Aktenbeilage ohne Seitennummerierung, Gesamtansicht, Norden ist oben.
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Grundriß der Ausrichtungsstrecken nordöstlich der Straße nach Mehren im sogenannten „Nordfeld“ aus dem Jahr 1959. Gerade südlich der Straße lag der Karl Liebknecht- Schacht VI nebst eines zusätzlichen Wetterschachtes. Quelle: Sächsisches Staatsarchiv, Bergarchiv Freiberg, Bestand 40069 (Bergbehörde Freiberg), Nr. 617, Aktenbeilage ohne Seitennummerierung, Teilansicht, Norden ist oben.
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Grundriß der Grubenbaue im „Südfeld“ mit den Karl Liebknecht- Schächten IV, V und VI. Quelle: Sächsisches Staatsarchiv, Bergarchiv Freiberg, Bestand 40069 (Bergbehörde Freiberg), Nr. 617, Aktenbeilage ohne Seitennummerierung, dat. 1959, Teilansicht, Norden ist oben.
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Grundriß der Ausrichtungsstrecken an den Ernst Thälmann- Schächten IV und V, östlich des alten Baufeldes der Kaiserschächte. Nach Südwesten plante man weitere Ausrichtungsstrecken – dort, wo die 1951 ausgeführten Bohrungen doch eigentlich schon keinen bauwürdigen Ton mehr nachgewiesen hatten. Im Nordosten nahm man zwei kleinere Pfeiler in Verhieb. Quelle: Sächsisches Staatsarchiv, Bergarchiv Freiberg, Bestand 40069 (Bergbehörde Freiberg), Nr. 617, Aktenbeilage ohne Seitennummerierung, dat. 1959, Teilansicht, Norden ist oben.
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Grundriß der Baue an den Steigerschächten. Mit dem Abbau näherte man sich hier bereits von Süden her dem Steigerschacht I; im Norden ist nun der Steigerschacht II nordöstlich neben der Straße nach Stroischen zu finden. Quelle: Sächsisches Staatsarchiv, Bergarchiv Freiberg, Bestand 40069 (Bergbehörde Freiberg), Nr. 617, Aktenbeilage ohne Seitennummerierung, dat. 1959, Teilansicht, Norden ist oben.
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Dem Betriebsplan der Vereinigten Kaolin- und Tonwerke für das Jahr 1960 ist hinsichtlich des Betriebsablaufes im vorausgegangenen Jahr zu entnehmen, daß man diesmal ohne größere Probleme alle Vorhaben realisieren konnte. Das größte Vorhaben im neuen Planjahr stellte das Abteufen des Karl Liebknecht- Schachts VII dar, von dem aus das dortige „Nordfeld“ weiter aufgeschlossen und dann auch abgebaut werden sollte. Um die Jahresmitte 1960 wollte man die Förderung im Feld der Steigerschächte auf den neuen Steigerschacht II verlegen. Dort hatte man 1959 die Stroischener Straße verlegt, um auch den Ton im Sicherheitspfeiler des bisherigen Straßenverlaufs abbauen zu können. Dagegen hatten die Untersuchungen an den neuen Ernst Thälmann- Schächten IV und V bisher „kein gutes Ergebnis“ gebracht (40069, Nr. 618, Akte ohne Blattnummerierung). Bei den August Bebel- Schächten ist es 1960 endlich gelungen, die 3. Sohle wieder in Betrieb zu nehmen. Damit die Bäume nicht in den Himmel wachsen, kam es aber am 13. April 1960 auf den Glückauf- Schächten schon wieder zu einem Wassereinbruch, der aber diesmal weniger stark gewesen ist, als die der Vorjahre. Obwohl man das Wasser eigentlich mit den Pumpen niederhalten konnte, beschloß man in Abstimmung mit der TBBI, den Schacht wieder absaufen zu lassen, um eine natürliche Abdichtung durch den aufquellenden Ton zu erreichen. Die Wasser gingen daraufhin bis Rasensohle Glückauf Schacht V auf, wo am 17. April ein Überlauf von 40 Litern pro Minute ermittelt worden ist (40069, Nr. 609). Auch wegen dieser Ereignisse wurde nach wie vor im Betriebsplan unterstrichen, daß man keine Planung auf mehrere Jahre erstellen könne, weil „die Anfänge unseres Bergbaues im vorigen Jahrhundert liegen und wir heute nur noch Restpfeiler der Tonlagerstätten zur Verfügung haben.“ (40069, Nr. 618) Die Gesamtbelegschaft hat gegenüber dem Vorjahr auf 269 Mitarbeiter erstmals leicht abgenommen. Der VEB verfügte für die Mitarbeiter inzwischen neben dem Kulturhaus auch über einen Sportplatz für die Betriebssportgemeinschaft (BSG) „Aktivist“ in Löthain, zwei Küchen für die Versorgung der Arbeiter und Angestellten in Löthain und in Seilitz sowie über 30 werkseigene Wohnungen. Im Vorjahr hat man auch die Grubenrettungsstelle in Mehren übergeben können (40069, Nr. 618).
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Grundriß der Baue im Kaolinwerk Seilitz im Betriebsplan für 1960. Der Abbau auf der 1. Sohle ist beendet und nun wird von Westen und Süden aus rückschreitend in der 2. Sohle abgebaut. Quelle: Sächsisches Staatsarchiv, Bergarchiv Freiberg, Bestand 40069 (Bergbehörde Freiberg), Nr. 618, Aktenbeilage ohne Seitennummerierung, Gesamtansicht, Norden ist oben.
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Grundriß der Baue am August Bebel- Schacht im Betriebsplan auf das Jahr 1960. Der Abbau auf der 2. Sohle (rot) näherte sich inzwischen von Süden und Osten her dem Förderschacht I; die 3. Sohle war noch immer nicht wieder aufgenommen. Quelle: Sächsisches Staatsarchiv, Bergarchiv Freiberg, Bestand 40069 (Bergbehörde Freiberg), Nr. 618, Aktenbeilage ohne Seitennummerierung, Gesamtansicht, Norden ist oben.
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![]() Oben gezeigtes Blatt der Grubenrisse des VEB ist südöstlich der Ortslage Mohlis zuzuordnen.
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Grundriß der Baue an den Glückaufschächten aus dem Betriebsplan für 1960. Quelle: Sächsisches Staatsarchiv, Bergarchiv Freiberg, Bestand 40069 (Bergbehörde Freiberg), Nr. 618, Aktenbeilage ohne Seitennummerierung, Teilansicht, Norden ist oben.
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![]() Nach unserer Zulage müßte der Wetterschacht VIII fast gegenüber der Betriebsleitung in Mehren Nr. 11 gelegen haben.
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Auf dem Grundriß der Ausrichtungsstrecken nordwestlich der Straße nach Mehren ist (im Nordosten) im Betriebsplan für das Jahr 1960 nun auch der geplante Ansatzpunkt des Karl Liebknecht- Schachts VII vermerkt. Quelle: Sächsisches Staatsarchiv, Bergarchiv Freiberg, Bestand 40069 (Bergbehörde Freiberg), Nr. 618, Aktenbeilage ohne Seitennummerierung, Teilansicht, Norden ist oben.
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Im Südfeld der Karl Liebknecht- Schächte näherte man sich nun von Südosten her dem Schacht VI. Quelle: Sächsisches Staatsarchiv, Bergarchiv Freiberg, Bestand 40069 (Bergbehörde Freiberg), Nr. 618, Aktenbeilage ohne Seitennummerierung, dat. 1960, Teilansicht, Norden ist oben.
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Nordöstlich des Sicherheitspfeilers der Ernst Thälmann- Schächte IV und V scheint man noch einmal brauchbare Tonvorkommen ausgerichtet zu haben, die man im Jahr 1960 abbauen wollte. Quelle: Sächsisches Staatsarchiv, Bergarchiv Freiberg, Bestand 40069 (Bergbehörde Freiberg), Nr. 618, Aktenbeilage ohne Seitennummerierung, Teilansicht, Norden ist oben.
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Im Grubenfeld der Steigerschächte hat man im Vorjahr die direkte Verbindung zwischen Steigerschacht II und Thiemannschacht aufgefahren (jetzt blau koloriert). Der für 1960 geplante Abbau sollte den Sicherheitspfeiler des Steigerschachts I in diesem Jahr von Süden her erreichen. Quelle: Sächsisches Staatsarchiv, Bergarchiv Freiberg, Bestand 40069 (Bergbehörde Freiberg), Nr. 618, Aktenbeilage ohne Seitennummerierung, Teilansicht, Norden ist oben.
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![]() Hier haben wir die zuletzt gezeigten Blätter der Grubenrisse aus den Betriebsplänen des VEB für die bei Löthain gelegenen Betriebe einmal ungefähr zugelegt.
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Über den Betriebsablauf im Jahr 1960 berichtet uns der nächste Betriebsplan für 1961 wieder von einer Reihe von Problemen: Ein Stromausfall im Karl Liebknecht- Schacht im Januar 1960 hat zum Glück nur zu Produktionsausfall geführt. Wie oben schon angeführt, war es am 11. April des Jahres zu einem Wassereinbruch auf den Glückauf- Schächten gekommen, der zur zeitweiligen Aufgabe der Schachtanlage führte. Erst ab 7. Juni begann man hier mit dem Sümpfen. Außerdem beschwerte man sich: „In der zweiten Jahreshälfte wurde die Bereitstellung der Waggons durch die Deutsche Reichsbahn zur Katastrophe. Uns fehlten zeitweise bis zu 140 Waggons, was zwangsläufig zu erheblichen Produktionsschwierigkeiten durch Überfüllung der Schuppen führte.“ Auch das Absenken des Karl Liebknecht- Schachts VII ging wegen einer 4,5 m mächtigen Sandschicht nicht ohne Schwierigkeiten ab: „Die Durchteufung der Schwimmsandschicht konnte am Ende nach vielen Versuchen mit einem Eisenkasten durchgeführt werden... Bei Erreichen der Schachtsumpfsohle hatten wir das Pech, daß das Liegendwasser durchbrach.“ Die Schachtsohle wurde dann mit einem „Betonklotz“ abgedichtet, woraufhin man mit dem Ausmauern des Schachtes beginnen konnte. Im Betriebsjahr 1961 sollten nun die Sicherheitspfeiler der Karl Liebknecht- Schächte IV und V abgebaut werden (40069, Nr. 619). An Erfolgen war zu vermelden, daß man 1960 den Steigerschacht II in Betrieb nehmen konnte. Den Steigerschacht I warf man dagegen ab und begann im September mit dessen Verfüllung, die Ende November 1960 beendet war. Die Planvorgaben einer Lieferung von 4.200 t Kaolin und einer Förderung von 53.300 t Ton konnte man übererfüllen (40069, Nr. 619). Bereits 1959 hatte der Ministerrat der DDR auch die Neubildung einer Obersten Bergbehörde der DDR veranlaßt, die aus der Technischen Bergbauinspektion als zentrales, dem Ministerrat unmittelbar unterstelltes Organ der staatlichen Verwaltung, zunächst mit Sitz in Leipzig, entstand. Damit war die Umwandlung der Technischen Bezirks- Bergbau- Inspektionen in Bergbehörden mit regionalen Zuständigkeitsbereichen verbunden (40072). Zum 1. Oktober 1967 erfolgte die Auflösung der Bergbehörden Freiberg und Zwickau, deren gesamte bisherige Aufgaben der Bergbehörde Karl-Marx- Stadt zugewiesen wurden, welche noch bis 1989 zugleich Oberste Bergbehörde der DDR gewesen ist (40070). Anfang der 1960er Jahre wurde der VEB Vereinigte Kaolin- und Tonwerke dem VEB (K) Silikatrohstoff- Kombinat Kemmlitz angegliedert (40150). Ab dem Jahr 1962 wurden daher auch die Grubenrisse von der Markscheiderei der Vereinigten Kemmlitzer Kaolinwerke geführt und von dieser auch die Anlagen zu den Betriebsplänen erstellt.
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Über das Jahr 1961 heißt es in der
Einleitung zum Betriebsplan für 1962, es „kann wohl als das bisher
beste seit Jahren bezeichnet werden.“ Bis auf die wieder mangelnde
Waggonbereitstellung gab es diesmal „keine ernsthaften
Schwierigkeiten.“ Die Ausmauerung des Karl Liebknecht- Schachts
VII
wurde abgeschlossen und 1962 wurden hier die Übertageanlagen errichtet.
Die Restpfeiler am Karl Liebknecht- Schacht
IV
und
V wurden 1962 abgebaut. Bei den
Thälmannschächten
IV
und
V setzte man die Untersuchung
und Ausrichtung fort. Am Bebelschacht in Mohlis war der Abbau der
2. Sohle nahezu beendet und die Wiederinbetriebnahme der 3. Sohle nun
gelungen. In diesem Jahr arbeiteten noch 267 Mitarbeiter bei den
Vereinigten Kaolin- und Tonwerken, davon 191 Mitarbeiter unmittelbar „in
der Produktion.“ Die Planvorgaben von 4.300 t Kaolin und 56.500 t
Ton konnte man mit einem Ausbringen ‒ hier sind noch einmal tatsächliche
Förderzahlen genannt ‒ von 4.450 t Kaolin in Seilitz und von
58.700 t Ton wieder übererfüllen (40069, Nr. 620).
Auch der Betrieb im Jahr 1962 wurde im nächsten Betriebsplan als „im Allgemeinen normal“ bezeichnet. Auf der Steiger- und der Bebel- Schachtanlage ging man sogar vom Drei- zum Zweischichtbetrieb über. Trotzdem konnte man die weiter angehobenen Planvorgaben beim Kaolin mit 4.650 t fast und mit 60.600 t beim Ton (die bisher höchste dokumentierte Jahresförderung) übererfüllen (40069, Nr. 621). 1964 wurden die Planziele dann nicht mehr immer weiter angehoben, sondern gingen beim Ton sogar erstmals wieder um 1.000 t, im Jahr 1965 nochmals um 4.000 t zurück. Auch die Belegschaftszahl sank in diesen Jahren stetig auf nur noch 215 Mitarbeiter im Jahr 1965 ab. Der Karl Liebknecht- Schacht VII konnte am 1. Juli 1963 „der Produktion übergeben werden,“ obwohl fehlende Baukapazitäten die Fertigstellung der Übertageanlagen noch verzögert hatten. Ab 1963 kamen dann die ersten Preßluftspaten aus der Produktion des Ernst Thälmann- Werkes in Suhl zum Einsatz, zunächst auf der Steiger- und der Karl Liebknecht- Schachtanlage ‒ bei den übrigen waren noch immer die althergebrachten Flottmann- Hämmer im Einsatz (40069, Nr. 622). Auch das Jahr 1964 wurde zurückschauend als „normal“ angesehen. Den Streckenausbau mit Beton setzte man ‒ namentlich erwähnt bei den August Bebel- Schächten in Mohlis ‒ kontinuierlich fort, weil „die Gebirgsdruckverhältnisse auf unserer großen Anlage wiederum nur schwer zu beherrschen sind.“ Bereits im Vorjahr hatte man eine 22. Presse in der Schlämmerei in Seilitz in Betrieb nehmen können und auch 1964 wurde die Modernisierung der Aufbereitung, die „Vollmechanisierung des Trockenprozesses“, hier fortgesetzt, auch, wenn sie nicht abgeschlossen werden konnte, da es hinsichtlich der beim VEB Industriestahlbau Leipzig bestellten Maschinen Lieferschwierigkeiten gab. Mit einem Ausbringen von 5.400 t Kaolin erreichte man 1964 in Seilitz einen neuen Höchststand (40069, Nr. 623). Auch im Jahr 1964 erfolgten durch die Forschungsstelle Kaolin des Kombinats in Kemmlitz weitere Bohrungen, diesmal zur näheren Erkundung der Ton- und Kaolinvorkommen bei Schletta. Dabei kam auch eine Brunnenbohranlage der Firma Thiele aus Mutzschen zum Einsatz, mit der man Bohrkerne von zirka 80 cm Durchmesser als Probenmaterial gewann. Die Kerne wurden dann an die verschiedenen Abnehmer zur Prüfung auf die Verwendbarkeit des Materials versandt.
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![]() Wir übernehmen die Beschriftung der Fotos, so daß wir sie nicht selbst durch Bildunterschriften erläutern müssen. Bildquelle: Unternehmensarchiv des ehemaligen VEB Kaolin- und Tonwerke Löthain- Seilitz beim heutigen Standort Mehren der Unternehmensgruppe SIBELCO Deutschland GmbH, Bericht zur Erkundung 1964, Anlage 31.
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![]() Bildquelle: Unternehmensarchiv des ehemaligen VEB Kaolin- und Tonwerke Löthain- Seilitz beim heutigen Standort Mehren der Unternehmensgruppe SIBELCO Deutschland GmbH, Bericht zur Erkundung 1964, Anlage 31.
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![]() Bildquelle: Unternehmensarchiv des ehemaligen VEB Kaolin- und Tonwerke Löthain- Seilitz beim heutigen Standort Mehren der Unternehmensgruppe SIBELCO Deutschland GmbH, Bericht zur Erkundung 1964, Anlage 31.
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Die Vorkommen bei
Schletta wurden in diesem Zuge auch durch kleine Schürfe untersucht. Die
dazu erhaltenen Bilddokumente illustrieren, wie wohl einst auch die
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![]() Die zur Rückverfüllung der Schürfe benutzten ,Kapselscherben' dürften wohl aus der Produktion der Manufaktur gestammt haben... Bildquelle: Unternehmensarchiv des ehemaligen VEB Kaolin- und Tonwerke Löthain- Seilitz beim heutigen Standort Mehren der Unternehmensgruppe SIBELCO Deutschland GmbH, Bericht zur Erkundung 1964, Anlage 31.
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![]() Aufschluß des Kaolins im Stoß des Schurfes. Bildquelle: Unternehmensarchiv des ehemaligen VEB Kaolin- und Tonwerke Löthain- Seilitz beim heutigen Standort Mehren der Unternehmensgruppe SIBELCO Deutschland GmbH, Bericht zur Erkundung 1964, Anlage 31.
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In den Geschäftsberichten des Kombinates und in den Zuarbeiten der einzelnen Betriebsteile dafür aus den 1970er Jahren findet man alle Probleme wieder, die man aus eigenem Erleben in der DDR noch selbst kennengelernt hat. So beklagte man etwa im Geschäftsbericht vom 11. Februar 1974 (40150-1, Nr. 5) über das zurückliegende Jahr, daß Mittelzuweisungen für die Beschaffung von Ausrüstungen – etwa für Bagger – gar nicht oder nur zum Teil erfolgten, weil es einfach nicht genug gab. Die Weiternutzung überalterter Technik führte unvermeidlich zu erhöhtem Reparaturaufwand und zu Produktionsausfällen. Leider sind in diesen Berichten wieder nur noch prozentuale Angaben zur Planerfüllung enthalten, so daß wir nur in einzelnen Fällen auch die tatsächliche Förderung in diesen Jahren angeben können. Den Volkswirtschaftsplan im Jahr 1973 konnte man trotz aller Schwierigkeiten jedenfalls mit 108% erfüllen. Über den Betrieb erfährt man hier, daß es 1972 noch einmal zwei Schwimmsanddurchbrüche auf der August Bebel- und auf der Karl Liebknecht- Schachtanlage gab. Bereits hier liest man auch: „Eine Steigerung des Exports ist nicht beabsichtigt, da das Vorkommen unserer Tone stark rückläufig ist und bis 1985 einige Sorten bereits in Wegfall kommen.“ (40150-1, Nr. 5) Auch im Geschäftsbericht des Kombinates zum Jahr 1974 (40150-1, Nr. 6) konnte man zwar die Planerfüllung vermelden, mußte jedoch wieder darauf hinweisen, daß „die Überalterung vieler Betriebsanlagen“ zum Problem werde. Außerdem kam in diesem Jahr Trockenheit und Niedrigwasser in der Elbe hinzu, so daß auch der Transport des Tones durch die Binnenschiffahrt zu den Kunden erschwert und verzögert wurde. Das ganze Kombinat, einschließlich der Betriebsteile Salzmünde, Caminau, Walbeck/Weferlingen und Hohenbocka hatte in diesem Jahr übrigens 1.848 Beschäftigte, davon 1.371 „in der Produktion.“ Aus der Zuarbeit des Betriebsteils VEB Kaolin- und Tonwerke Seilitz- Löthain erfährt man darüber hinaus, daß man in diesem Jahr Ausrichtungsstrecken am Steigerschacht II und am Karl Liebknecht- Schacht VII aufgefahren hat, wobei aber teils gar kein, teils nur minderwertiger Ton erschlossen worden ist: „Die Ausbeute an verwertbarem Ton geht zurück und die bergtechnischen Gewinnungsbedingungen durch notwendig werdende Zwischenfördereinrichtungen (Fallorte, Haspelberge) verschlechtern sich zunehmend.“ Erstmals seit Jahren wurde daher auch die Planvorgabe bei Ton für das folgende Jahr um 2.000 t gesenkt. Beim Kaolin sah es noch besser aus, doch plante man nun auch, den Abbau in Seilitz möglichst schon ab 1977 im Tagebau fortzusetzen. Im Betriebsteil arbeiteten 1974 noch 184 Beschäftigte, davon 143 Produktionsarbeiter. Hinsichtlich der Arbeitsbedingungen wurde vermerkt, daß man durch die Einführung der Sonderbewetterung seit den 1960er Jahren die Staubbelastung nahezu beseitigt habe. Unvermeidbar aber seien „Überschreitungen der Normative bei Lärm und Vibration.“ (40150-1, Nr. 6) Aus dem Jahr 1975 liegt heute kein solches Dokument mehr vor.
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Zum Zeitpunkt der Erstellung der Bergschadenkundlichen Analyse (BSA) für das Tonrevier im Jahr 1973 waren noch folgende Schächte in Betrieb: 1. Im Südteil:
2. im Mittelteil:
3. im Kaolinrevier bei Seilitz:
Die Schächte hatten mit der 3. Sohle bei Mohlis eine größte Tiefe von 58 m erreicht. Die Karl Marx- Schächte im Bereich der früheren Fundgrube in Kaschka sowie die Grube Canitz waren zu diesem Zeitpunkt längst abgeworfen und die Schächte und Stollnmundlöcher verfüllt. Die Bergschadenkundliche Analyse zum Tonrevier von 1974 enthält auch einige Bilddokumente aus den 1970er Jahren, die wir hier einfügen wollen.
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![]() Die Fotos sind alle beschriftet, so daß wir nichts hinzufügen müssen. Quelle: Sächsisches Staatsarchiv, Bergarchiv Freiberg, Bestand 40073 (Bergschadenkundliche Analysen), Nr. 1-21, Anlage 9, Bild 3 und folgende.
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![]() Quelle: Sächsisches Staatsarchiv, Bergarchiv Freiberg, Bestand 40073 (Bergschadenkundliche Analysen), Nr. 1-21, Anlage 9, Bild 31.
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Die Bearbeiter der Bergschadenkundlichen Analyse (BSA) für das Tonrevier Löthain- Mehren- Seilitz (40073-1, Nr. 21) fanden in den Akten bis 1975 allein 78 Schächte im südlichen Teil des Reviers, 116 Schächte und Stolln (diese meist aus Tagebauen heraus getrieben) im mittleren Teil und weitere 22 Tagesöffnungen im Seilitz'er Teilrevier. Sie wurden zwar sämtlich verfüllt, jedoch sind bis 1973 an einigen Schächten Setzungen der Füllsäule eingetreten. Sie kamen im Jahr 1973 auch zu dem Schluß, daß „alle Abbaue und mit Holz ausgebaute Strecken nach spätestens 2 bis 3 Jahren geschlossen sind; eine Eigenheit, die dem Tone als plastisches Material anhaftet.“ Die Senkungen über den Abbaufeldern der Tongruben gehen tatsächlich relativ stetig vonstatten, so daß sich auch die Oberfläche allmählich und gleichmäßig absenkt. Abrisse sind nur selten beobachtet worden. Etwas anders sieht das bei den Kaolingruben aus, da sowohl das Kaolin, als auch der hangende Lößlehm größere Steifigkeit besitzen. Nur durch den Bruch der tragenden Pfeiler können sich die Hohlräume schließen und es kann daher hier auch noch im Nachgang zu Tagesbrüchen (z. B. über Steckenkreuzen) kommen. Da beim Weißerdenwerk zu Seilitz über seinen langen Bestand das Kaolinlager im Nordfeld in insgesamt 5 Sohlen (Abbauscheiben) von oben nach unten bis auf den liegenden, unverwitterten Porphyr ausgehauen worden ist, können sich je nach Deckgebirgsverhältnissen Abbauhohlräume untertage gelegentlich verlangsamt füllen, wobei sich dann für eine längere Zeit tragende Gewölbe bilden können, die erst nach vielen Jahren völlig unvermittelt bis nach übertage durchbrechen (40073-1, Nr. 21, S. 27). Deshalb bleibt auch das Baufeld im Bereich der Abraumhalde des Staatlichen Weißerdenwerkes in Seilitz für die nächsten Jahrzehnte eingezäunt.
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Die Zuarbeit des Betriebsteils zum Geschäftsbericht des Kombinates für das Jahr 1976 (40150-1, Nr. 7) sagt aus, daß man auch im Jahr 1976 den Plan im Wesentlichen erfüllen konnte, obwohl man im ersten Quartal mit einer Grippewelle zu kämpfen hatte. Durch Sonderschichten der Belegschaft konnte der Ausfall im Laufe des Jahres wieder wettgemacht werden. Jedoch brachte die Aufschließung der 2. Sohle am Karl Liebknecht- Schacht immer noch keine ausreichenden, neuen Vorräte an Ton, vielmehr „verstärkten Haldenanfall.“ „Entgegen der geologischen Erkundung der 1950er Jahre“ wurde hier „überwiegend nicht verkaufsfähiger Ton“ angetroffen. Hinzu kam auch, daß „durch die untertägige Gewinnung unsere Tone teurer, als Tagebautone“ waren. Dies führte naturgemäß auch zu einem Absatzrückgang. Hinsichtlich der Arbeitsbedingungen konnte man mitteilen, daß es seit den Schwimmsandeinbrüchen im Jahr 1972 noch nicht wieder neue, ernsthafte Havarien gegeben hat. Als Grund nannte man unter anderem die Fortsetzung des Einbaus von Dammtüren in den Strecken. Auch dieser technische Aufwand machte die Gewinnung und Förderung natürlich nicht preiswerter. Ab 1976 gehörte aber außerdem der Tagebau in Ockrilla zum Betriebsteil. In der Kaolinschlämmerei in Seilitz konnte man 1976 die letzte handbetriebene Filterpresse gegen eine hydraulische Presse austauschen. Der untertägige Kaolinabbau in Seilitz werde aber voraussichtlich 1978 zu Ende gehen, so daß es um so dringlicher werde, ab 1979 den Tagebau in Betrieb nehmen zu können. Vorbereitungsarbeiten durch den VEB Erzprojekt in Leipzig seien immerhin 1976 schon angelaufen (40150-1, Nr. 7). Auch für das Jahr 1977 konnten wir keinen Geschäftsbericht mehr finden. Der nächste entstammt dann dem Jahr 1978 (40150-1, Nr. 151). Hier kann man lesen, daß man den Volkswirtschaftsplan 1978 nur mit 96,8% erfüllen konnte. Ursächlich sei vor allem nun der Mangel an geeigneten Arbeitskräften – besonders den Beruf des Bergmanns wollte kaum noch jemand ergreifen: „Es wird immer schwerer, ausreichend Werktätige für die körperliche Schwerstarbeit im Untertagebereich zu bekommen.“ Statt der eigentlich benötigten 17 Häuer pro Schicht fuhren nur noch 12 bis 13 Mann untertage an. Die Anzahl der Beschäftigten im Betriebsteil hat gegenüber 1974 auf insgesamt 181 weiter abgenommen, davon waren 127 unmittelbar „in der Produktion.“ Das durchschnittliche Jahresgehalt der Produktionsarbeiter lag übrigens 1978 bei 8.000,- Mark. Um mehr Arbeitskräfte – namentlich für den Untertagebereich – zu gewinnen, dachte man nun über eine „materielle Stimulierung“ nach, aber auch über eine Verkürzung der Schichtzeiten. Tatsächlich wurde dann 1980 die Arbeitszeit der Untertagebelegschaft von 8 Stunden auf 7 Stunden pro Schicht verkürzt, wobei man sogar verzeichnen konnte, daß die Schichtleistung dadurch nicht absank (40150-1, Nr. 176). Vielmehr hätten Untersuchungen ergeben, daß die Arbeitsleistung in den letzten Stunden der früheren Schichtarbeitszeit ohnehin abnahm. Auch die Vorratssituation wurde nicht besser: Auf dem Karl Liebknecht- Schacht VII zwischen Löthain und Mehren hatte die Ausrichtung der 2. Sohle nur 65% verkaufsfähigen Ton ergeben. Auch die „Qualitätsparameter einiger Tonsorten“ konnten nicht mehr voll eingehalten werden. Auf der Ernst Thälmann- Schachtanlage in Löthain wurde 1978 die letzte Tonne Ton ausgebracht. Hier waren die Vorräte nun gänzlich abgebaut, die Anlage wurde stillgelegt und im folgenden Jahr wurden die Schächte verfüllt. Wegen Mangel an Baukapazität zog sich der Abriß der Übertageanlagen noch hin (40150-1, Nr. 151 und Nr. 204).
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Im Geschäftsbericht über das Jahr 1979 liest man, daß aufgrund der „katastrophalen Arbeitskräfte- Situation“ drei der vier noch betriebenen Schächte zeitweise stillgelegt werden mußten. Nur der Steigerschacht II war ganzjährig in Betrieb und lieferte zwei Drittel der Jahresproduktion an Ton (40150-1, Nr. 204). Die Anzahl der Beschäftigten war auf insgesamt 177, davon noch 116 in der Produktion, weiter gesunken. Deshalb hatte selbst die staatliche Plankommission die Produktionsvorgaben senken müssen. Außerdem hatte die „komplizierte Witterungssituation“ im Frühjahr mehrfach Stromsperren verursacht und im November 1979 kam es wieder einmal zu einem Schlammeinbruch auf den August Bebel- Schächten – dank der inzwischen zahlreich installierten Dammtore aber ohne schwerwiegende Folgen. In Seilitz hat man 1979 nur noch Restvorräte auf der 3. Sohle abgebaut, welche aber „nur mit erhöhtem Aufwand zu erschließen und zu gewinnen“ waren. Bereits 1979 begann man darüber nachzudenken, wegen der bevorstehenden, gänzlichen Austonung, nach den Ernst Thälmann- Schächten nun nach 1981 auch die August Bebel- Schächte und ab 1984 auch den Karl Liebknecht- Schacht VII stillzulegen. Nur die Sorte „Rohton II R“ vom Steigerschacht war „durch keinen anderen bekannten Ton innerhalb der DDR zu ersetzen.“
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Über den Ablauf im Jahr 1980 berichtet der Geschäftsbericht des Betriebsteiles, daß man den Plan wieder mit 104,8% übererfüllen konnte (40150-1, Nr. 176). Da hier wieder einmal die Übererfüllung des Planes nicht nur in Prozent, sondern auch in Tonnen angegeben ist, konnten wir zurückrechnen, daß der VEB Vereinigte Kaolin- und Tonwerke 1980 eine Förderung von 31.896 t Ton sowie ein Ausbringen von 8.358 t Kaolin liefern konnte. Hinzu kamen weitere 23.395 t aus Ockrilla. Beim Kaolin hatte man sogar eine Verbesserung der Qualität erreicht, was aber erneut zur Folge hatte, daß die Abnehmer weniger davon benötigten: Die Nachfrage „nach fast allen Rohtonsorten und Kaolin ist stark zurückgegangen.“ Wieder einmal reichte die Waggongestellung durch die Deutsche Reichsbahn nicht aus; inzwischen wurde aber ein zunehmender Anteil auch mittels LKW transportiert. Die Ton- Rundspaten bezog man jetzt aus dem Preß- und Schmiedewerk in Brand- Erbisdorf, doch war deren Qualität unbefriedigend, besonders sei die „Bruch- Quote“ deutlich erhöht. Das Tagebauprojekt in Seilitz lag auch weiter nicht im Plan, doch sollten im folgenden Jahr 1981 nun endlich die ersten Bauleistungen zur Geländeregulierung beginnen (40150-1, Nr. 176). Aus dem Jahr 1981 findet man noch einen weiteren Geschäftsbericht des Betriebsteiles im Bestand des Kombinates (40150-1, Nr. 177). Auf gleiche Weise, wie im Vorjahr können wir uns wieder errechnen, daß der Betriebsteil in Löthain und Mehren 1981 noch 28.416 t Ton und in Seilitz 8.092 t Kaolin ausgebracht hat. Hinzu kamen 17.912 t Kaolin aus dem Tagebau in Ockrilla. Das war in allen Positionen deutlich weniger, als im Vorjahr und insgesamt nur 94,5% Planerfüllung. Auf den Glückauf- Schächten wurden die Förderwege immer länger, so daß es auch hier zu einer Minderleistung kam. Um die Lieferaufträge halbwegs zu erfüllen, mußten die Werktätigen „absatzbedingt... vielfach von einer Schachtanlage auf die andere“ umgesetzt werden. Den Transport hatte man in der Zwischenzeit zu 81% auf LKW verlagert, doch nun verlangte ein Ministerratsbeschluß, zur Einsparung von Kraftstoff den Transport wieder stärker auf die Schiene zu verlagern. Da der Bahnhof in Deutschenbora (die Schmalspurbahn in Löthain gab es schon nicht mehr) aber keine überdachte Verladerampe besaß, kam es zu Kundenreklamationen, weil der Ton zuviel Feuchte aufgenommen hatte. In Seilitz baute man noch Restvorräte auf der 3. Sohle ab und hatte zugleich den Aufschluß einer 4. Sohle begonnen. Dadurch lagen aber die Arbeitsorte ziemlich dicht beieinander und der Gebirgsdruck nahm zu. Hinzu kam dann hier am 14. Mai 1981 ein tödlicher Unfall, welcher „einschneidende Auswirkungen auf die Abbautechnologie im Kaolinrevier“ zur Folge hatte. Trotz intensiver Nachsuche in verschiedenen Beständen des Bergarchivs (40070, Nr. 4, Kartons 53 bis 58, 40150, Nr. 259 sowie 40103, Nr. 49 und 1250) haben wir zu Hergang und Folgen dieses Unfalls überhaupt keine Unterlagen finden können. Selbst in den Ordnern über Unfallmeldungen aus dem betreffenden Zeitraum im Unternehmensarchiv am heutigen Standort Mehren der SIBELCO Deutschland GmbH wurden wir nicht wirklich fündig: Aus dem fraglichen Zeitraum sind hier nur zwei Zeichnungen der Markscheiderei abgelegt ‒ die eigentliche Unfallmeldung, was üblicherweise doch einen Berg von Formularen nach sich zog ‒ fanden wir auch dort nicht. Den Zeichnungen ist immerhin zu entnehmen, daß wohl ein Löser aus der Firste eines Abbaus die Ursache gewesen ist. Wahrscheinlich nicht zuletzt aus diesem Grund wurde im Jahr 1981 nun endlich mit dem Tagebauaufschluß in Seilitz begonnen. Um den durch die Einstellung des Tiefbaus zunächst eintretenden Produktionsrückgang auszugleichen, sollte der Tagebau spätestens 1984 in die Produktion übergehen. 1981 hatte der Betrieb noch 170 Beschäftigte, davon 120 in der Produktion (40150-1, Nr. 177).
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Oben: Auszug aus dem Rißwerk - wahrscheinlich mit der Lage des Unglücksortes - und unten: Situationsskizze zum Unfall, erstellt durch die Markscheiderei am 15./18. Juli 1981. Aus Gründen des Datenschutzes haben wir den Namen des Verunglückten in der zweiten Grafik gelöscht. Quelle: Unternehmensarchiv des ehemaligen VEB Kaolin- und Tonwerke Löthain- Seilitz beim heutigen Standort Mehren der Unternehmensgruppe SIBELCO Deutschland GmbH, Aktenablage.
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Von ähnlichen
Problemen berichtet auch der Geschäftsbericht
des Betriebsteils aus dem Jahr 1982 (40150-1, Nr. 166). In diesem Jahr
konnte man den Plan für die Förderung sowohl bei geschlämmten Kaolin aus
Seilitz, als auch bei Rohkaolin aus dem Tagebau Ockrilla wieder
übererfüllen, doch blieben teils aus Transportgründen, teils wegen
Qualitätsmängeln 2.000 t in Seilitz und 5.000 t in Ockrilla auf Lager. An
die Kahla'er Porzellanfabrik mußte sogar eine Vertragsstrafe in Höhe von
10.678,- Mark gezahlt werden, weil der Grobkornanfall beim Sieben die Norm
überschritten hatte.
Dagegen machte sich im Tonrevier zunehmend Arbeitskräftemangel spürbar. Mit einer Förderung von 25.191 t Ton konnte hier der Plan nur mit 91,1 % erfüllt ‒ eigentlich also eben nicht erfüllt werden. Das Ausbringen in Seilitz belief sich auf 8.118 t Kaolin; dazu kamen 17.352 t Rohkaolin aus Ockrilla. Die Anzahl der Beschäftigten war auf 168 insgesamt, davon 121 Produktionsarbeiter, weiter abgesunken. In langen Tabellen am Ende der Berichte sind nun auch Angaben zur Warenproduktion enthalten, aus denen hervorgeht, daß im Jahr 1982 ,Gesamtselbstkosten' in Höhe von 4.166.000,- Mark für die ,realisierte Warenproduktion' ‒ also die tatsächlich ausgelieferte Ton- und Kaolinmenge ‒ angefallen sind. Addieren wir einmal ganz pauschal die oben genannten Förderzahlen und ziehen den Lagerbestand wieder ab, so errechnen sich daraus im Durchschnitt Kosten von 95,42 Mark pro geförderter Tonne Ton und Kaolin. Der Geschäftsbericht für 1983 berichtet fast gleichlautend von dem zunehmenden Mangel an Untertagepersonal. Im Abschnitt 10. Zusammenfassende Schlußfolgerungen liest man darüber (40150, Nr. 158, Blatt 32f): „Insgesamt gesehen beginnen wir das Jahr 1984 mit großen Sorgen. Zwei größere Probleme stehen vor uns, deren Lösung nicht bzw. nur wenig durch unser Betriebskollektiv zu beinflussen ist. Es sind dies: Die Arbeitskräftesituation im Bereich des Untertagepersonals im Tonrevier. Trotz größter Bemühungen und Werbemaßnahmen gelang es bisher nicht, die infolge Erreichung der Altersgrenze bzw. aus gesundheitlichen Gründen aus diesem Bereich ausscheidenden Hauer und Förderleute zu ersetzen. Die bisher vom Rat des Kreises zugewiesenen Arbeitskräfte sind meist sehr unzuverlässig und nur bedingt für eine solche verantwortungsvolle Tätigkeit geeignet. Es muß aber festgestellt werden, daß sich alle leitenden Mitarbeiter größte Mühe beim Anlernen neuer Werktätiger geben.“ Aller ,materiellen Stimulierung' zum Trotz wollten immer weniger Jugendliche den Beruf des Bergmanns ergreifen und wenn sie es schon waren, dann zahlten vielleicht die Kali- Bergbaubetriebe, der VEB Zinnerz Altenberg oder die SDAG Wismut die höheren Löhne. Aus diesem einen resultierte zwangsläufig auch das zweite Problem: „Die Aufrechterhaltung der geforderten Mindeststärke unserer Grubenwehr. Infolge der prekären Lage bei den Untertagearbeitskräften war es uns im Jahr 1983 nicht immer möglich, die lt. Sonderregelung 10/81 der Zentralstelle für Grubenrettung- und Gasschutzwesen Leipzig geforderte Mindeststärke der Wehr einzuhalten. Somit wurden entsprechende Sicherheitsmaßnahmen verletzt, was auch durch ein Ordnungsstrafverfahren der Bergbehörde Karl- Marx- Stadt geahndet wurde. Anfang 1984 wurden deshalb entsprechende Untersuchungen (...) eingeleitet. Diese Untersuchungen werden ergeben, inwieweit es möglich ist, die Sollstärke unserer Grubenwehr weiter zu verringern, ohne daß die Sicherheit unserer Untertagebelegschaft eingeschränkt wird.“ Wie man dazu aus dem Schriftverkehr mit der Zentralstelle für Grubenrettungs- und Gasschutzwesen (ZGG) in Leipzig erfährt, fuhren auf den noch vier Schachtanlagen 1984 gerade einmal noch 20 Mann in der Frühschicht und 8 Mann in der Mittelschicht, respektive 28 Mann insgesamt, untertage an (40103, Nr. 49, ohne Blattnummerierung). Dennoch war nach §9, Abs. 2 der Anordnung über das Grubenrettungswesen im Bergbau vom 22. Juli 1970 eine Sollstärke der betriebseigenen Grubenwehr von 16 Mann gefordert. Nach einer Aussprache mit der ZGG vor der Obersten Bergbehörde der DDR in Karl Marx- Stadt wurde mit einer neuen Sondergenehmigung der ZGG die Sollstärke auf 8 Mann halbiert. Stattdessen wurden nun für den Fall der Fälle Hilfeleistungsverträge mit den Grubenwehren des Braunkohlenwerkes in Borna und des Betriebsteiles „Willi Agatz“ der SDAG Wismut in Freital abgeschlossen.
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Aber auch die Beschaffung von Geleucht und Ersatzteilen für die Grubenlampen für die Untertagebelegschaft erwies sich als Problem und hätte 1983 beinahe zur Anordnung einer Betriebseinstellung durch die ZGG geführt. Ersatz wurde dann kurzfristig vom Braunkohlenwerk Borna zur Verfügung gestellt, so daß die Abbaueinstellung noch einmal vermieden werden konnte (40103, Nr. 49).
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Weil 1983 „mit Genehmigung der Bergbehörde Karl- Marx- Stadt die vorzeitige Nutzung des Tagebaus“ in Seilitz begonnen werden konnte, lag man dort gut im Plan und konnte sechs Häuer in das Tonrevier umsetzen (40150, Nr. 158). Umgekehrt wurde diesmal in Ockrilla das Planziel nur zu rund 84 % erreicht, weil die Tagebautechnik zeitweise in den neuen Tagebau nach Seilitz gebracht worden ist. Dann mußte man aber auch konstatieren, daß die Kaliumoxyd- Gehalte des Tagebau- Kaolins aus Seilitz zu hoch waren. Durch Untermischen von Tiefbau- Kaolin (noch lief der Abbau offenbar parallel weiter) konnte man aber die Qualitätsanforderungen der Abnehmer wieder erfüllen. Im Jahr 1983 wurden an den Standorten des VEB mit einer weiter gesunkenen Zahl von nur noch 163 Beschäftigten, davon 117 Produktionsarbeiter, 25.350 t Ton, 6.668 t Kaolin aus Seilitz und 14.000 t Rohkaolin aus Ockrilla ausgebracht. Dabei konnte man mit berechtigtem Stolz auch wieder darauf verweisen, daß es seit 1972 (einmal abgesehen von dem tödlichen Unfall zwei Jahre zuvor) keine schwerwiegenden Havarien, wie Schwimmsandeinbrüche, im gesamten Revier mehr gegeben hat. |
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![]() Kaolinabbau im Tagebau Seilitz Anfang der 1980er Jahre, im Vordergrund ein Hydraulikbagger vom Typ NOBAS UB 1232, der ab 1975 und noch bis 1984 gebaut worden ist. Der Transport erfolgte mit dem W50, vielleicht auch mit sowjetischen LKW vom Typ Kras (der Drei- Achser im Bildhintergrund). Unternehmensarchiv des ehemaligen VEB Kaolin- und Tonwerke Löthain- Seilitz beim heutigen Standort Mehren der Unternehmensgruppe SIBELCO Deutschland GmbH, Fotosammlung. Der Tagebau ist bis
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Wie das so in der
DDR gewesen ist, rief aus Anlaß des 35. Jahrestages der Gründung der DDR
eine Jugendbrigade im Kombinat, natürlich ganz spontan, zu einem
Wettbewerb und zu ,Höchstleistungs- Schichten' auf. Die wurden auch
verfahren und die Kombinatsleitung erklärte danach eine Brigade in Seilitz
zum Sieger dieses Wettbewerbs. In der Begründung dafür heißt es, daß „1 %
Übererfüllung dort größere Anstrengungen verlangt, als anderswo.“
(40150-1, Nr. 72) Nun ja, hier wurde auch immer noch untertage abgebaut...
Dem Volkseigenen Kombinat Silikatrohstoffe gehörten im Jahr 1984 neben dem Stammbetrieb, dem VEB Vereinigte Kaolinwerke Kemmlitz, außerdem noch an:
Warum das Kombinat zu diesem Zeitpunkt wieder aufgelöst worden ist und es seine Tätigkeit daraufhin zum Ende des Jahres 1984 beendete, ist uns aus den Akteninhalten heraus nicht so richtig klar geworden. Jedenfalls wurde der Stammbetrieb als VEB Kaolin- und Tonwerke Kemmlitz danach dem VEB Kombinat Feinkeramik Kahla unterstellt. Nach der Wende wurde dieser Gewinnungsbetrieb als Vereinigte Kaolinwerke Kemmlitz GmbH privatisiert (40150). Auch der VEB Vereinigte Kaolin- und Tonwerke Seilitz- Löthain bestand ‒ nun als Betriebsteil im VEB Kombinat Feinkeramik Kahla ‒ bis zur Wende weiter. Der Abbau im Tonrevier von Mehren und Löthain ist schon in der DDR heruntergefahren worden. Die Schachtanlage August- Bebel- Schacht bei Mohlis wurde im Jahr 1989 geschlossen und verwahrt. Als Grund werden in der Bergschadenkundlichen Analyse für das Tonrevier neben dem Ausgehen der bauwürdigen Vorräte in erster Linie die „regelmäßigen Wasser-, Sand- und Schlammeinbrüche“ angeführt. Obwohl Schlamm- und Wassereinbrüche seit 1972 nicht mehr mit ernsthaften Folgen verbunden gewesen waren, waren in den Jahren 1979 und 1986 wieder solche eingetreten, wobei durch die nachsackenden Schwimmsande übertage Tagesbrüche von bis zu 4 m Tiefe und bis zu 10 m Durchmesser entstanden sind (40073-1, Nr. 21, Blatt 46 bzw. Nachtrag zur BSA von 1989, Blatt 7). Vor allem aber bestand das Arbeitskräfteproblem weiter. In einem Schreiben der Betriebsleitung an die ZGG vom 5. Januar 1988 (40103, Nr. 49, ohne Blattnummerierung) ist die inzwischen dramatisch gewordene Situation geschildert: „In den letzten Wochen des abgelaufenen Jahres haben wir uns eingehend mit Vertretern des Stammbetriebes über die Perspektive unseres Betriebsteiles und insbesondere der Untertageanlagen beraten. Dabei kam zum Ausdruck, daß wir, trotz noch vorhandener Lagerstätten, dieselben nicht restlos im Untertagebetrieb abbauen können, da uns die dazu benötigten Arbeitskräfte fehlen. Die Entwicklung und Prognose unserer Untertagebetriebe sieht folgendermaßen aus: 1956: 7 untertägige Schachtanlagen mit 45 Häuern und 40 Förderleuten 1988: 5 untertägige Schachtanlagen mit 8 Häuern und 8 Förderleuten“ Nur vier Jahre zuvor waren noch 28 Mann untertage angelegt... „Von diesen 5 Schachtanlagen sind nur noch der Steigerschacht und der Glück Auf- Schacht in Betrieb. Die Grube Seilitz ruht seit Anfang 1987, weil keine Arbeitskräfte mehr da sind. Der August Bebel- Schacht wurde im III. Quartal 1987 wegen fehlender Arbeitskräfte stillgesetzt. Der Karl Liebknecht- Schacht wurde 1986 infolge des Liegendwasserdurchbruches geflutet, sollte in ca. 4 Jahren wieder aufgewältigt und weiter betrieben werden. Von den jetzt vorhandenen Häuern und Förderleuten werden 1988 1 Hauer und 2 Förderleute aus gesundheitlichen Gründen ihre Untertagetätigkeit aufgeben. Die Prognose ergibt, daß 1991 bis 1993 maximal noch 4 Werktätige als Häuer und Förderleute untertage arbeiten. Die Situation im Kreis Meißen ist so, daß keine weiteren Werktätigen für die Untertagearbeit gewonnen werden können... Zusammenfassend ist zu sagen, daß damit das Todesurteil für den Seilitz- Löthainer Kaolin- und Tontiefbau ausgesprochen wurde.“ Aus diesen Gründen wurde nun seitens des Stammbetriebes die Ausrichtung von Tagebauen forciert. In Seilitz war der erste ja schon Anfang der 1980er Jahre in Betrieb gegangen, nun wurde als nächste die Lagerstätte am Steigerschacht ins Auge gefaßt. Analoge Vorhaben bestanden damals aber auch für den Bereich von Glück Auf- und Karl Liebknecht- Schacht; für später war sogar „die Erschließung der ehemaligen Kaschka- Schächte für die Gewinnung aus dem Tagebau“ vorgesehen.
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![]() Seilitz in der Ausgabe der Topographischen Karten der DDR aus dem Jahr 1988. Zu dieser Zeit gab es die Förderseilbahn noch. Wir haben das heutige Relief unterlegt, so daß man sieht, daß im Bereich der zuvor Krögel'schen Kaolingrube heute der Tagebau der Unternehmensgruppe SIBELCO liegt. Bildquelle: geoportal.sachsen.de
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Der Betriebsriß auf dem Stand von 1991 illustriert, daß der Tagebau bis dahin bereits einiges an Teufe gewonnen hatte. Quelle: Unternehmensarchiv des ehemaligen VEB Kaolin- und Tonwerke Löthain- Seilitz beim heutigen Standort Mehren der Unternehmensgruppe SIBELCO Deutschland GmbH, Rissarchiv, Schrank 2, Fach 5.
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![]() In der Kartenausgabe von 1988 sind auch bei Mohlis und bei Mehren die noch aktiven Tongruben, hier waren es die August Bebel- und die Glückauf- Schächte, verzeichnet.
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![]() Auch nördlich und nordwestlich von Löthain beim Karl Liebknecht- Schacht VII und beim Steigerschacht II wurden 1988 Schlägel und Eisen noch aufrecht dargestellt. Die Trasse der Schmalspurbahn ist bereits zurückgebaut und nur noch im Relief zu erkennen. |
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Nach den politischen Umbrüchen 1989 wurde aus dem VEB zunächst ebenfalls eine GmbH gebildet. Gleichzeitig wurde der Untertagebetrieb in den 1990er Jahren endgültig eingestellt. Den Angaben in einer interaktiven Karte des Mitteldeutschen Rundfunks (treuhand-mythos.de) zufolge wurde diese GmbH nie an die Treuhandgesellschaft des Bundes übertragen. Das Unternehmen bestand als GmbH weiter und wurde dann von der Fuchs'schen Tongruben GmbH & Co. KG im Westerwald übernommen. Auf Grundlage eines Verschmelzungsvertrages vom 10. Juni 2013 wurde das Unternehmen dann durch die SIBELCO Deutschland GmbH, einem Unternehmen der belgischen SIBELCO- Unternehmensgruppe, übernommen. Nach dem Kurzporträt dieses Unternehmens auf der Internetseite des BKRI, Bundesverband Keramische Rohstoffe und Industrieminerale e.V. (bkri.de) bildet die GmbH seitdem eine vollständige Tochtergesellschaft der SIBELCO Deutschland GmbH. Der Betrieb behielt auch weiter seinen Sitz in Mehren Nr. 11 und setzt den Abbau von Kaolin und Ton nunmehr in zwei Tagebauen bei Canitz und bei Seilitz bis heute fort.
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Zum Kaolinabbau
durch das Staatliche Weißerdenwerk Seilitz nach 1945
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Auch der
Kaolinabbau im Staatlichen Weißerdenwerk zu Seilitz geht bis heute im
früheren Umfang weiter. Nur sind der Tagebau und das Bruchfeld inzwischen mit Abraum gänzlich wieder aufgefüllt und
man baute nun nördlich
des Tagebaus untertage ab. Nach dem Kriegsende war der Betrieb freilich
auch hier voller Probleme ‒ nicht einmal vernünftige Arbeitskleidung war so einfach
zu bekommen. Am 25. Juni 1946 mußte die Staatliche Porzellanmanufaktur
daher ,Bezugsscheine' für Arbeitskleidung für ihre beiden Bergleute
in Seilitz beantragen. Das hieß aber nicht etwa, daß dann auch welche
geliefert worden wäre, nein, aber falls es denn welche gab, durfte die
Manufaktur sie dann bevorzugt kaufen... Aus diesen Anträgen erfahren wir
nebenbei, daß zu dieser Zeit
hier Hans Hammer und Richard Winkler als Bergleute
beim staatlichen Weißerdenwerk angelegt waren.
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Am 1. Juli 1947 teilte die Manufaktur an
die Berginspektion mit, daß die
Oberaufsicht Dipl.- Berging. Döbler von den Löthain- Meißner
Tonwerken, vormals Heinrich Rühle (die inzwischen der Genossenschaft ,Mineralia'
angehörten), mit übernehmen solle, was bei der Bergbehörde auch genehmigt
worden ist (40069, Nr. 792, Aktenblätter nicht nummeriert). Die Benennung von Herrn Döbler stand in
Zusammenhang mit Neuaufschlüssen in Seilitz sowie mit der beabsichtigten
Wiederaufnahme des Abbaus in Sornzig, der dort seit 1941 geruht hatte. Bei
Gelegenheit einer Befahrung durch die Berginspektion am 11. Juli 1947 wurde auch festgehalten, daß
für das Werk in Sornzig eigentlich die andere Berginspektion in Leipzig zuständig war (40069, Nr. 792).
Die Zusammenarbeit und Partnerschaft zwischen dem Staatlichen Weißerdenwerk und dem VEB Vereinigte Kaolin- und Tonwerke (die ja auch das unmittelbar benachbarte, zuletzt Krögel'sche Werk weiter betrieben) setzt sich bis heute fort.
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Einem Fahrbericht
vom 4. Februar 1949 zufolge war man zu diesem Zeitpunkt mit dem Vortrieb
eines neuen Stollns befaßt, den man bis dahin bereits 40 m fallend ins Gebirge
getrieben hatte. Da die zwei Bergleute offenkundig alles ordentlich
ausführten, waren „betriebliche Beanstandungen nicht erforderlich.“
(40069, Nr. 792) Dieses „Tagesfallort“ setzte bereits dort an, wo
später der Förderschacht 1 abgeteuft wurde, der noch bis 2023 in Betrieb
gewesen ist. Damals führte dieser Stolln auf die gerade ausgerichtete 4.
Sohle hinunter.
Nach Gründung der DDR 1949 wurde auch die „Sowjetische Aktiengesellschaft Baustoffe“ wieder aufgelöst. Als der Betriebsplan für das Weißerdenwerk in Seilitz vom 6. Februar 1951 erstellt wurde, gehörte die Staatliche Porzellanmanufaktur bereits der VVB Keramik an. Diesem Betriebsplan ist zu entnehmen, daß das Bauerngut, unter dessen Flur das Staatliche Erdenwerk Kaolin abbaute, inzwischen Herrn Wallrabe gehörte. Angelegt waren zwei Arbeiter, über die nach wie vor Kurt Schubert die Aufsicht führte. Man ging davon aus, daß der „in unserem Erdenwerk angeschnittene Kaolinvorrat (...) auf mehrere Jahrzehnte“ noch ausreichen werde. Weiter heißt es hier: „Zur Erzielung einer gleichmäßigen Erdequalität wird an mehreren Stellen zugleich abgebaut... und gemischt in den Vorratsschuppen eingelagert. (...) Die Strecken stehen ausschließlich unter Holz. Abgebaut wird ohne Schieß- und Bohrarbeit mit Hacke und Schaufel. Eingefahren wird gegenwärtig durch einen 20 m langen, schwach schräg geneigten Einfahrschacht. Über die geneigte Ebene wird durch einen Seilaufzug auch gefördert und zwar in dreirädrigen Karren. Da die Holzauskleidung dieses Schrägschachtes nicht mehr allzu lange steht (...), so ist vorgesehen, neben dem jetzigen Mundloch einen Schacht von etwa 3 m Tiefe abzuteufen und diesen Schacht sowohl als Einstieg- wie als Förderschacht mit Schalenförderung zu betreiben. Eine künstliche Bewetterung ist nicht notwendig. Sie erfolgt in ausreichendem Maße durch den kaminartig hochgelegenen, im Vorjahre fertiggestellten Fluchtschacht.“ Als Grubengeleucht dienten Karbidlampen. Einer Wasserhaltung bedurfte es nicht. Der Schacht ist im Folgejahr auch abgesenkt worden, führte wie zuvor schon das Tagesfallort auf die 4. Sohle hinab, war mit einer hölzernen Kaue überbaut und mit einer Handhaspel mit Vorgelege ausgerüstet, um die beladenen Hunte auszufördern (40069, Nr. 792). Weiter liest man hier: „Um den werkeigenen Seilitzer Kaolin möglichst lange für eine einheitliche Porzellanherstellung zur Verfügung zu haben, wird der Abbau derart geführt, daß die Abbauverluste nur einen Bruchteil der im Kaolinbergbau üblichen betragen. (...) Steinfallgefahr in der Grube besteht so gut wie nicht, da vor Ort immer unter Holz gearbeitet wird. Das Gestein steht gut (...), so daß auch der Ausbau der Zimmerung verlassener Strecken ohne besondere Gefahr vorgenommen werden kann.“ Im Anschreiben zu diesem Betriebsplan verwies die Betriebsleitung der Manufaktur darauf, daß es sich „um einen Zwergbetrieb handelt, der nur für den eigenen Bedarf arbeitet.“ Weil die für Nordsachsen zuständige TBBI (deren Sitz inzwischen von Leipzig nach Zeitz verlegt war) sich bezüglich des Erdenwerkes in Sornzig damit auch einverstanden erklärt habe, bat man auch die TBBI in Dresden darum, nur alle drei Jahre einen neuen Betriebsplan einreichen zu müssen. Der Betriebsplan wurde einschließlich der erbetenen Zulassungsdauer am 16. April 1951 auch von der TBBI Freiberg genehmigt.
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Ab 1952 stellte man
in der Manufaktur die Art der Massebereitung um und verwendete zunehmend
Kemmlitz’er Kaolin. Infolge dieser Umstellung überstieg „die
Roherdenproduktion im Erdenwerk Seilitz unseren Bedarf so erheblich,“
daß man sich gezwungen sah, den Abbau in Seilitz ab Mai dieses Jahres erst
einmal einzustellen (40069, Nr. 792).
Schon am 5. Januar 1953 zeigte die Betriebsleitung der TBBI dann aber an, daß man „einen unter dem Wege Schieritz – Seilitz (...) stehengebliebenen Stock guter Erde, der unseren Abbauvorrat möglicherweise um 15 Jahre verlängern würde,“ durch Strecken mit kleinem Querschnitt untersuchen wolle. Der für den Zeitraum 1954 bis 1957 am 21. Januar 1954 eingereichte Betriebsplan entspricht dem oben zitierten fast wortgleich. Warum sollte es auch anders sein, denn: „Solange grundlegende Strukturveränderungen in der Produktion der Porzellan- Manufaktur Meißen... nicht vor sich gehen, sind Änderungen im Stand des Abbaues im Seilitzer Erdewerk nicht zu erwarten.“ Nur wurde das Wallrabe’sche Grundstück– soweit es nicht durch den Abbau betroffen war – inzwischen von der LPG ,Der Weg ins Leben‘ Seilitz bewirtschaftet und auch die Manufaktur ist inzwischen ein Volkseigener Betrieb geworden. Am 8. Februar 1954 gab es zum Betriebsplan eine Besprechung, verbunden mit einer Befahrung des Erdenwerkes durch Ing. Nestler von der TBBI in Freiberg, in deren Ergebnis der Betriebsplan wieder für drei Jahre genehmigt worden ist. Bei der Befahrung war nur zu bemängeln, daß in der hölzernen Förderschachtkaue noch kein Feuerlöscher vorhanden war. Ansonsten aber waren die Anlagen „in sehr gutem Zustand.“ (40069, Nr. 792) Mit einem Nachtrag zum Betriebsplan zeigte die Manufaktur im April 1954 an, daß man von Juli bis August des Jahres auch wieder in Schletta tagebauweise Erde fördern werde. Am 4. Juni 1954 besichtigte Herr Lenk von der TBBI den dort angelegten Tagebau, fand „gegen diese Abbauweise keine Bedenken“ und so wurde auch der Nachtrag genehmigt (40069, Nr. 792). 1955 reichte die Betriebsleitung auch einen neuen Betriebsplan für den Abbau in Sornzig ein, wo man in diesem Jahr zwischen Oktober und Dezember wieder einmal Kaolin gewinnen wollte. „Wegen des kurzen und seltenen Abbaus in Sornzig (letztmalig 1949/50)“ war dieser Plan „im Wesentlichen derselbe, wie er der TBBI Zeitz 1950 vorgelegen hat.“ (40069, Nr. 792)
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Noch bis zu seiner
Pensionierung im Jahr 1956 leitete der frühere Grubenaufseher Kurt
Schubert den Betrieb des Erdenwerkes, dann ging er im Alter von 70
Jahren in Pension. Auf ihn folgte als
Betriebsleiter eigentlich Herr Kurt Pech. Diesen verfolgte leider
dasselbe und nach einem Wegeunfall mit dem Motorrad mußte er schon kurz darauf
aus dem Beruf leider ganz ausscheiden. Daraufhin wurde Herr Fritz Wendt
Betriebsleiter, welcher 1951 das Bergtechnikum der Wismut AG in
Freiberg besucht und dort die
„Befähigung für
den technischen Aufsichtsdienst im Grubenwesen“
erworben hatte. So hieß das damals... Mit ihm arbeitete außerdem jetzt Herr Erich Köppe auf
dem Erdenwerk (Neues Archiv, Nr. S889 und
40069, Nr. 792).
Auch in diesem Abschnitt werden wir aus Gründen des Datenschutzes an
dieser Stelle einen Schnitt ziehen und im Weiteren keine Personennamen
mehr nennen.
Nachdem der Betrieb in Sornzig wieder eine für einige Jahre ausreichende Menge der ,Sornziger Erde‘ ausgebracht hatte, wurde ab 14. Januar 1956 die Grube in Seilitz wieder belegt. Bei einer Befahrung durch die TBBI am 20. Februar fand der Inspektor keine wesentlichen Mängel. Man sah in diesem Jahr eine Förderung von 4.000 bis 5.000 Zentnern (250 t) in Seilitz vor, wollte im Sommer aber auch in Schletta noch einmal Erde gewinnen (40069, Nr. 792). Die 1953 bei der TBBI angezeigte Untersuchung des unter dem Schieritzer Weg gelegenen Restpfeilers war offenbar erfolgreich verlaufen. Am 23. November 1956 zeigte die Betriebsleitung daher der TBBI an, daß man mit der Gemeinde Zehren und der LPG verhandele, diesen Wirtschaftsweg temporär nach Osten zu verlegen.
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Um die Realisierung
dieses Planes gab es allerdings zahlreiche Debatten, insbesondere mit der LPG,
die in der Zwischenzeit an der Ostseite des Schieritzer Weges auf dem
wieder eingeebneten Bruchfeld des früheren Krister’schen Baufeldes
Hühnerställe errichtet hatte. Schließlich wurde der Streit sogar vor das
Kreisgericht Meißen getragen, das aber erst einmal eine gutachterliche
Stellungnahme bei der TBBI anforderte. Nach einer Grubenbefahrung am 7.
Juni 1957 äußerte sich der Gutachter dahingehend, daß die vorgenommenen
Untersuchungen ergeben hätten, daß – nachdem der betreffende Bereich ja
schon früher auf den oberen Sohlen durch die Krister’sche
Porzellanerdegrube durchfahren worden ist – nur noch ein Pfeiler bis an
den westlichen Wegrand des derzeit bestehenden Wegeverlaufs bauwürdig sei.
Um diesen gewinnen zu können, sei eine Wegverlegung auf etwa 50 Meter
Länge um zirka 4 m nach Osten hinreichend, was „in volkswirtschaftlich
erträglichen Grenzen zu liegen“ scheine. Weil es sich bei dem zu
fördernden Kaolin um „volkswirtschaftlich hochwertiges Material“
handele, falle seiner „hochprozentigen Ausbeutung erhöhte Bedeutung
zu.“ Außerdem errechnete die Markscheiderei, daß es auf der 2., 3. und
4. Sohle um voraussichtlich über 7.000 t Kaolin gehe, deren Gewinnung bei
350 t jährlicher Förderung den Bedarf sogar für 20 Jahre decken könne
(40069, Nr. 792).
Erst am 2. Mai 1958 kam es dann zu einer „Lokalverhandlung“, über deren Ergebnis die Betriebsleitung die TBBI am 5. Mai informierte: Insbesondere werde die Manufaktur die Baukosten von rund 2.000,- Mark für die Wegverlegung übernehmen. Bis zum 19. August hatten die Bauarbeiten aber noch nicht begonnen, weil man das Baumaterial nur scheibchenweise unter Ausnutzung der Rückfahrten nach dem Abtransport des Kaolins von Seilitz nach Meißen wieder heranbrachte.
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Auch der am 28.
Januar 1957 für die nächsten drei Jahre eingereichte Betriebsplan des
Staatlichen Weißerdenwerkes Seilitz lautete fast wortgleich wie der
vorangegangene und paßte noch auf nur anderthalb A4- Seiten. Geplant war
eine Förderung von jährlich 420 t Kaolin. Die Kopie in der Grubenakte
trägt einen Genehmigungsvermerk vom 26. Februar 1957 (40069, Nr. 792).
Für das Werk in Sornzig wurde am 23. Januar 1959 wieder ein Betriebsplan eingereicht, in welchem es gleich einleitend heißt: „Der Betriebsplan dieser kleinen und nur in größeren Abständen in Abbau genommenen Grube wird sich naturgemäß... wenig ändern.“ Die Gewinnung der Sornziger Erde, „deren Feinkaolin im übrigen kaolinitischer Natur und von mittlerer Plastizität ist, wird sich (...) unter Beibehaltung der jetzigen Produktion... im Rahmen der jetzigen geringen Förderung halten. Im übrigen gelten die relativ großen Vorräte in Sornzig als unsere hauptsächliche Kaolinreserve.“ Die Schlämmerei in Sornzig hatte man allerdings schon einige Jahre zuvor abgetragen, da die gesamte Aufbereitung inzwischen in Meißen erfolgte (40069, Nr. 792). Nach der Umbildung der Vereinigungen Volkseigener Betriebe kam das Staatliche Weißerdenwerk, wie der VEB Vereinigte Kaolin- und Tonwerke auch, zum Volkseigenen Kombinat VEB (K) Silikatrohstoffe mit Sitz in Kemmlitz. Allerdings kostete 1958 die bergmännisch geförderte Seilitz'er Erde damals rund achtmal so viel, wie Kaolin aus den Tagebauen bei Kemmlitz. 1959 baute man auch wieder in Schletta Porzellanerde ab. Wegen „Verschlechterung der Erde und zunehmender Wasserführung“ zeigte die Betriebsleitung diesmal am 6. August an, daß man den Abbau dort schon Mitte Juli eingestellt habe und den Tagebau wieder verfülle. Ein neuer Betriebsplan war für die Jahre 1960 bis 1962 wieder fällig, den die Betriebsleitung am 25. Januar 1960 einreichte. Er enthielt nicht wirklich etwas neues. Die jährliche Fördermenge wurde mit 400 t erwartet. Am 10. März 1960 wurde er von der Bergbehörde Freiberg ohne bemerkenswerte Nebenbestimmungen genehmigt (40069, Nr. 792). Die nächste Befahrung durch die Bergbehörde am 26. September 1960 war durch den am 13. August angezeigten Plan veranlaßt, im Osten des Baufeldes einen neuen Wetterschacht anzulegen, um die Wetterführung auf der 4. Sohle zu verbessern. Im Protokoll heißt es, daß die Arbeiten gemäß der Genehmigungsbedingungen durchgeführt werden und „gravierende Mängel“ nicht in Erscheinung träten. Nur seien später noch Brandklappen anzubringen. Im April 1961 wurde noch eine Kaue über der Tagesöffnung des Schachtes errichtet (40069, Nr. 792).
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Bei einer Befahrung
am 16. März 1961 gab es einige Mängel, so fehlte etwa ein Kontrollbuch für
das Seil im Förderschacht und das Geländer der Brücke zum Lagerschuppen
besaß zu geringe Höhe. Außerdem fuhr die Mannschaft ohne „feste
Kopfbedeckung“ (Helme) an. Inzwischen wurden auch hier Benzin-
Sicherheitslampen verwendet. Einen Havarieplan gab es auch noch nicht – so
änderten sich die Vorschriften... Bezüglich des letzten Punktes wollte die
Bergbehörde nach einer Befahrung am 12. September 1961 dem
Weißerdenwerk „gewisse Erleichterung“ zugestehen, forderte aber
zumindest den Einbau einer Telefonanlage. Der Restpfeiler
an der östlichen Feldgrenze war bis dahin auf der 3. Sohle bereits weitgehend abgebaut
(40069, Nr. 792).
Nach einer Zusammenstellung aus dem Jahr 1962 wurde im Weißerdenwerk zu Seilitz im Zeitraum von 1945 bis 1962 eine Menge von 4.669,7 t Rohkaolin ausgebracht. Im gleichen Zeitraum lieferte das Erdenwerk in Sornzig weitere 1.323,3 t und aus Schletta kamen noch einmal 586,6 t dazu (Neues Archiv, Nr. S889). Aus den 1960er Jahren stammen auch die folgenden Bilddokumente aus dem Unternehmensarchiv der Staatlichen Porzellanmanufaktur.
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![]() Der 1906 errichtete Erdenschuppen im Tal des Seilitzbachs wurde auch in den 1960er Jahren weiter genutzt. Bildquelle: Unternehmensarchiv der Staatlichen Porzellanmanufaktur Meißen, Fotoarchiv, Nr. FA 1273, Bild 1.
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![]() Gewinnung vor Ort mit der Keilhaue in den 1960er Jahren. Bildquelle: Unternehmensarchiv der Staatlichen Porzellanmanufaktur Meißen, Fotoarchiv, Nr. FA1273, Bild 4.
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![]() Verladung untertage in den 1960er Jahren. Bildquelle: Unternehmensarchiv der Staatlichen Porzellanmanufaktur Meißen, Fotoarchiv, Nr. FA1273, Bild 12.
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![]() Streckenförderung untertage in den 1960er Jahren. Vorn am Hunt war noch eine Karbid- Lampe angehängt. Bildquelle: Unternehmensarchiv der Staatlichen Porzellanmanufaktur Meißen, Fotoarchiv, Nr. FA1273, Bild 7.
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![]() Die Belegschaft des Erdenwerkes in den 1960er Jahren. Noch immer fuhren offensichtlich einige Arbeiter ohne „feste Kopfbedeckung“ (Helm) an... Bildquelle: Unternehmensarchiv der Staatlichen Porzellanmanufaktur Meißen, Fotoarchiv, Nr. FA1273, Bild 10.
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![]() Ausfördern der Hunte in den 1960er Jahren. Im Hintergrund ist die alte, hölzerne Haspelschachtkaue noch zu sehen. Bildquelle: Unternehmensarchiv der Staatlichen Porzellanmanufaktur Meißen, Fotoarchiv, Nr. FA1273, Bild 11.
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![]() Der Erdenschuppen wurde noch bis zum Ende des Abbaus im ,Nordfeld' im Jahr 2024 weiter genutzt. Bildquelle: Unternehmensarchiv der Staatlichen Porzellanmanufaktur Meißen, Fotoarchiv, Nr. FA1273, Bild 3.
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1963 baute man in
Schletta wieder ein paar Monate lang Erde ab (40069, Nr. 792). 1965 verlagerte
man den Abbau in Seilitz auf die 4. Sohle, während auf der 3. Sohle nur
noch Restpfeiler von Osten her rückschreitend zum Förderschacht hin
abgebaut wurde (40070, Nr. 655). Schon damals ist es „mehrfach (zu)
Auftreten steiniger Partien und Anfahren alten Mannes“ gekommen.
1967 war der Abbau auf der 3. Sohle weitgehend beendet. Die weiteren
Betriebsabläufe werden am besten anhand der Grubenrisse verdeutlicht.
Für das Sommerhalbjahr 1966 wurde letztmalig ein Betriebsplan für den Tagebaubetrieb bei Schletta bei der Bergbehörde in Karl- Marx- Stadt eingereicht (40070, Nr. 655). Diesem Betriebsplan zufolge sollte im Zeitraum von Anfang Mai bis Ende Juli 1966 „im Obstgarten der LPG Jahna- Schletta“ wieder ein Tagebau von 7,70 m x 3,50 m lateraler Ausdehnung abgesenkt werden. Unter einer Decke von 2,0 m bis 2,5 m mächtigem Lößlehm lag hier das Kaolin, dem man bis auf 6 m Teufe folgen und dabei 130 t bis 150 t der „Schlettaer Erde“ gewinnen wollte. Der kleine Tagebau erhielt wie üblich Ausbau aus Rundholzrahmen und Schwartenverzug. Nach dem Abbau wurde alles wieder verfüllt. Zuletzt hatte man hier 1963 einen gleichartigen Abbau betrieben. Wie früher benötigte man von diesem speziellen Material auch jetzt nicht so viel in Meißen und die rund 150 t reichten wieder für mehrere Jahre aus.
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![]() Rissbeilage zum Betriebsplan für die Jahre 1966 bis 1968 für das Staatliche Weißerdenwerk Seilitz. Der Abbau auf der 3. Sohle (grün) war bis auf die äußerste Nordostecke beendet. Von den Ausrichtungsstrecken auf der 4. Sohle (violett) ausgehend wurden im Osten und Norden nun weitere Feldflächen in Verhieb genommen. Quelle: Sächsisches Staatsarchiv, Bergarchiv Freiberg, Bestand 40070-1 (Bergbehörde Karl-Marx-Stadt), Nr. 655, Ausschnitt. |
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Am
24. Februar 1970 teilte die Direktion für Technik des damaligen VEB
Staatliche Porzellanmanufaktur Meißen der Bergbehörde die Einstellung des Kaolintiefbaus in
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![]() Grundriß des Kaolintiefbaufeldes zu Sornzig aus dem Jahr 1970. Quelle: Sächsisches Staatsarchiv, Bergarchiv Freiberg, Bestand 40070-1 (Bergbehörde Karl-Marx-Stadt), Nr. 655, Anlage zum Auslaufplan des VEB Porzellanmanufaktur Meißen vom 24. Februar 1970, Gesamtansicht.
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![]() Ausschnitt aus obigem Grundriß. Ob die mit unterbrochenen Linien gezeichneten Strecken überhaupt aufgefahren worden sind oder nur so geplant waren, wissen wir noch nicht.
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Die bis dahin noch hölzerne Kaue über dem Förderschacht I in Seilitz, der damals noch nur bis zur 4. Sohle hinab reichte, wurde 1970 durch ein festes Gebäude ersetzt. Der 1960 geteufte Wetterschacht II wurde 1974 abgeworfen und verfüllt, stattdessen der Wetterschacht I mit Fahrung als Rettungsweg im Gefahrenfall ausgerüstet. 1974 wurde auch die bis dahin noch manuell betriebene Haspel im Förderschacht durch eine in Bulgarien gebaute, elektrische Haspel ersetzt. Diese tat bis zur Einstellung des Abbaus im ,Nordfeld' im Jahr 2023 treu ihren Dienst.
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![]() Rissbeilage zum Betriebsplan für die Jahre 1969 bis 1971. Im äußersten Südosten sind hier jetzt - beschriftet mit „übernommen von Schwerdtner 8/65“ - mit gestrichelten Linien auflässige
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![]() Rissbeilage zum Betriebsplan für die Jahre 1972 bis 1974 für das Staatliche Weißerdenwerk Seilitz. Die rot umrandete und schraffierte Fläche zeigt das für diesen Zeitraum zum Abbau vorgesehene Feld auf der 4. Sohle. Quelle: Sächsisches Staatsarchiv, Bergarchiv Freiberg, Bestand 40070-1 (Bergbehörde Karl-Marx-Stadt), Nr. 655, Ausschnitt.
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![]() Rissbeilage zum Betriebsplan für die Jahre 1975 bis 1977 für das Staatliche Weißerdenwerk Seilitz. Die rot umrandete und schraffierte Fläche zeigt wieder das für diesen Zeitraum zum Abbau vorgesehene Feld auf der 4. Sohle. Quelle: Sächsisches Staatsarchiv, Bergarchiv Freiberg, Bestand 40070-1 (Bergbehörde Karl-Marx-Stadt), Nr. 655, Ausschnitt.
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Aus der Bergschadenkundlichen Analyse aus dem Jahr 1973 (40073-1, Nr. 21) stammen auch die folgenden Bilddokumente zu den beiden Weißerdenwerken in Seilitz.
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![]() Vermutlich stand der Fotograf bei dieser Aufnahme auf dem Schieritzer Weg hinter dem Däbritz’schen Gut, an der Ostseite der heutigen Abraumhalde. Im Hintergrund ist das Gehölz im Bereich der früheren Krister'schen Schächte westlich von Seilitz zu erkennen. Quelle: Sächsisches Staatsarchiv, Bergarchiv Freiberg, Bestand 40073 (Bergschadenkundliche Analysen), Nr. 1-21, Anlage 9, Bild 43.
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![]() Der Blick in den 1970er Jahren vom gleichen Standort über das Gelände hinter dem Bauernhof hinweg. Im Hintergrund sieht man das Ketzerbachtal und (rechts) das Tal des Grutschenbaches. Quelle: Sächsisches Staatsarchiv, Bergarchiv Freiberg, Bestand 40073 (Bergschadenkundliche Analysen), Nr. 1-21, Anlage 9, Bild 44.
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![]() Zu dieser Zeit stand auch noch die von der bekannten Firma Adolf Bleichert & Co. in Leipzig im Auftrag der damaligen Gewerkschaft Neu Hedwigsburg- Gotha errichtete Hängeseilbahn zwischen den Schächten des Kaolinwerks Seilitz und der Schlämmerei im Grutschenbachtal. Waren keine Förderwagen in das Zugseil eingeklinkt, dann hing dieses schlaff durch und lief lose auf Rollen auf den unteren Querträgern der Seilbahnstützen. Quelle: Sächsisches Staatsarchiv, Bergarchiv Freiberg, Bestand 40073 (Bergschadenkundliche Analysen), Nr. 1-21, Anlage 9, Bild 47.
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![]() Mit dem 1. Mundloch ist vermutlich dasjenige des von der Gewerkschaft ab 1915 vorgetriebenen Tiefen Stollns gemeint. Wie man auf dem Foto gut erkennt, hatte man zwischen den weit auseinander stehenden Seilbahnstützen I und II zur Führung der Zugseile der Seilbahn hier Rollen am Boden des Geländeeinschnittes aufgestellt. Quelle: Sächsisches Staatsarchiv, Bergarchiv Freiberg, Bestand 40073 (Bergschadenkundliche Analysen), Nr. 1-21, Anlage 9, Bild 48.
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![]() Das Mundloch der 1956 als Flucht- und Wetterweg aufgefahrenen Tagestrecke von der 2. Sohle des benachbarten Kaolinwerkes des VEB Vereinigte Kaolin- und Tonwerke in Seilitz. Quelle: Sächsisches Staatsarchiv, Bergarchiv Freiberg, Bestand 40073 (Bergschadenkundliche Analysen), Nr. 1-21, Anlage 9, Bild 50.
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![]() Über die Lage dieser Stolln und der Baufelder östlich des Schieritzer Weges gibt uns die Bergschadenkundliche Analyse Auskunft. Die hier rot umrandeten Bereiche wurden zuletzt nach 1945 noch abgebaut und noch als tagesbruchgefährdet bewertet, weil der Abbau noch nicht wieder zusammengegangen ist. Blau umrandet sind die alten Krister'schen Abbaufelder, in denen sich die Bewegung im Untergrund längst wieder beruhigt haben dürfte. Quelle: Sächsisches Staatsarchiv, Bergarchiv Freiberg, Bestand 40073 (Bergschadenkundliche Analysen), Nr. 1-21, Anlage 2.20.
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![]() Um die Lage dieser Stollnmundlöcher genauer herauszufinden, versuchen wir einmal das obige Blatt aus der Bergschadenkundlichen Analyse von 1974, so gut es halt geht, in die heutige Topographie einzupassen. Das Mundloch der 1956 aufgefahrenen Tagestrecke auf der 2. Sohle westlich der Zehrener Straße dürfte demnach heute von den Betriebsanlagen an der Westseite des Zehrener Weges überbaut sein. Auch vom Mundloch des Oberen Stolln findet man im heutigen Relief keine Indizien mehr. Quelle der hinterlegten Karte: Sächsisches Staatsarchiv, Bergarchiv Freiberg, Bestand 40073 (Bergschadenkundliche Analysen), Nr. 1-21, Anlage 2.20.
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![]() Über den Baufeldern des Kaolinwerks Seilitz hatten sich zu dieser Zeit ziemlich bedeutende Brüche gebildet, da das Kaolin im Gegensatz zum Ton nicht plastisch reagiert, sondern zu einem kaum vorhersehbaren Zeitpunkt bricht und dann die darüber lagernden, steifen Lößlehme nach sich zieht, soweit es nicht zuvor gezielt zubruchgeworfen worden ist. Im Hintergrund sieht man hier auch die markante Silhouette des Ritterguts Schieritz im Ketzerbachtal. Quelle: Sächsisches Staatsarchiv, Bergarchiv Freiberg, Bestand 40073 (Bergschadenkundliche Analysen), Nr. 1-21, Anlage 9, Bild 51.
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![]() Man sieht hier gut die steilen Bruchkanten und die Dimensionen der Geländeabsenkung. Quelle: Sächsisches Staatsarchiv, Bergarchiv Freiberg, Bestand 40073 (Bergschadenkundliche Analysen), Nr. 1-21, Anlage 9, Bild 52.
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![]() Quelle: Sächsisches Staatsarchiv, Bergarchiv Freiberg, Bestand 40073 (Bergschadenkundliche Analysen), Nr. 1-21, Anlage 9, Bild 56.
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![]() Die Blickrichtung des Fotografen dürfte mehr nach Südosten orientiert sein, denn bei den Gebäuden rechts im Hintergrund müßte es sich um das damals Däbritz’sche Bauerngut handeln. Dieses Bruchfeld ist heute mit der Abraumhalde des Weißerdenwerkes vollständig überkippt. Quelle: Sächsisches Staatsarchiv, Bergarchiv Freiberg, Bestand 40073 (Bergschadenkundliche Analysen), Nr. 1-21, Anlage 9, Bild 59.
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Während man im Nachbarwerk des VEB Vereinigte Kaolin- und Tonwerke in den 1980er Jahren zum Tagebaubetrieb überging, fuhr man mit dem Abbau des Kaolins im Weißerdenwerk der Porzellanmanufaktur in bewährter Weise untertage fort. Technologisch änderte sich dabei wenig, nur fuhren die nach wie vor nur zwei bis drei Bergleute inzwischen auch hier nun alle mit ordentlichem Helm und „Selbstrettern“ (Atemgeräte für den Fall eines Brandes untertage) an. Untertage hielten zwar Grubentelefon, elektrisch angetriebene Pickhämmer und elektrische Beleuchtung Einzug, doch wurden noch immer auch Karbidlampen als persönliches Geleucht vor Ort benutzt. |
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![]() Streckenförderung im Weißerdenwerk Seilitz, inzwischen mit gummibereiften Karren, Aufnahme Gerhard Weber, 1988. Bildquelle: Deutsche Fotothek. Digitalisat:
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![]() Die Belegschaft im Weißerdenwerk Seilitz, Aufnahme Gerhard Weber, 1988. Bildquelle: Deutsche Fotothek. Digitalisat:
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![]() Seilitz in der Ausgabe der Topographischen Karten der DDR aus dem Jahr 1988. Wir haben das heutige Relief unterlegt, so daß man sieht, daß im Bereich der früheren Krister'schen Kaolingrube heute der Tagebau der Unternehmensgruppe SIBELCO liegt. Bildquelle: geoportal.sachsen.de
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Bereits in den 1970er Jahren erfolgte auch eine Bohrerkundung in den südöstlich angrenzenden Flächen; außerdem wurden in den 1980er und Anfang der 1990er Jahre noch Rammkern- Sondierungen im Bereich des südöstlich angrenzenden Bauerhofes ausgeführt, dessen Fläche noch zum Bergwerkseigentum der Manufaktur gehörte. Der bestehenden Bebauung und Nutzung halber hätte die Krister’sche Kaolingrube dort zuvor keinesfalls abbauen dürfen. Die Resultate der Sondierungen gaben die Hoffnung, daß man auf dieser Fläche noch für viele Jahrzehnte die begehrte Seilitz’er Erde gewinnen könne. Wieviel Rohkaolin das Staatliche Weißerdenwerk zu Seilitz während seiner Betriebszeit bis dahin tatsächlich ausgebracht hat, ist nur schwer nachzuvollziehen, da die Überlieferungen hinsichtlich der Fördermengen – wie dies eigentlich meistens im Nichterz- Bergbau der Fall ist – nur lückenhaft sind. Über größere Zeitspannen sind nur Angaben zum Ausbringen an geschlämmter Erde vorhanden, welche man nur mittels Annahmen zum durchschnittlichen Anteil der ,feinen‘ in der ‚rohen‘ Erde wieder auf die tatsächliche Fördermenge zurückrechnen könnte. Außerdem muß man berücksichtigen, daß bis zur Einführung des metrischen ‚Zoll- Zentners‘ ab den 1830er Jahren auch hier sehr wahrscheinlich in Bergzentnern von 112 bis 114 Leipzig’er Pfund gewogen und abgerechnet worden ist. Dennoch liegen für das Staatliche Weißerdenwerk aus seinem langen Betriebszeitraum vergleichsweise viele Zahlenangaben vor, welche wir in den folgenden Diagrammen graphisch aufbereitet haben. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts dürfte die Förderung um 200 t jährlich gelegen haben, wenn man voraussetzt, daß der Anteil nutzbarer Erde im Rohmaterial um 20% gelegen hat. Zu dieser Zeit konnte in Meißen ja auch noch Kaolin aus der Weißerdenzeche in Aue verarbeitet werden. Aus dem dritten Viertel des 19. Jahrhunderts – als sich allein die Gewerbeaufsicht um die nötigste technische Sicherheit in den gewerblichen Gruben kümmerte – fehlen uns bislang noch jegliche Angaben zu Fördermengen. Ende des 19. Jahrhunderts wurde dann mit einer Jahresförderung von 500 t bis 700 t Seilitz’er Kaolin der Höhepunkt erreicht, wonach die Förderung – mit Tiefpunkten während der beiden Weltkriege – stetig absank. Mit Schwankungen aus unterschiedlichen Ursachen – etwa abwechselnd Abbau in Sornzig und Schletta durch dieselbe Belegschaft – dürfte die Förderung auch nach 1945 zwischen 200 t und 300 t pro Jahr gelegen haben. Wie dem die zweite Grafik mit logarithmisch geteilter Ordinate gegenüberstellt, lag die gesamte Kaolinförderung in Sachsen mit rund 10.000 t im Jahr 1900 und über 100.000 t Ende der 1930er Jahre um mehrere Größenordnungen höher. Auch das vormals Krister'sche Werk in Seillitz förderte mit einigen Tausend Tonnen jährlich eine um eine Größenordnung größere Menge (Roh-) Kaolin. Das Staatliche Weißerdenwerk zu Seilitz hatte an diesem Quantum nur einen marginalen Anteil, auch wenn sich alle Keramikhersteller gern auf die Qualität dieses Materials berufen haben…
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![]() Graphische Zusammenstellung des Ausbringens der staatlichen Weißerdenzechen, leider nicht ohne Lücken - so fehlen etwa jegliche Mengenangaben zu den nur im Abstand mehrerer Jahre betriebenen Tagebauen in Schletta. Ausgewertete Quellen: Jahrbücher für das Berg- und Hüttenwesen (ab 1825), Auflistungen für die Jahre 1780 bis 1822 in 40001, Nr. 1823, ältere Angaben über die Weißerdenzeche zu Aue aus den Berichten der Porzellan- Kommission an das Geheime Kabinett (Bestand 10026, Loc. 0522/01 bis /07), Angaben aus den 1930er Jahren aus 40028, Nr. 1319, jüngere Angaben aus den Betriebsplänen des Staatlichen Weißerdenwerkes in Seilitz (Bestand 40070, Nr. 655).
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![]() Vergleich der Fördermengen der Staatlichen Erdenwerke (und einiger sehr lückenhafter Angaben über die Krister'schen Seilitz'er Kaolinwerke und deren Nachfolgebetriebe) mit der Kaolinförderung in Sachsen insgesamt zwischen 1900 und 1940. Da in der in den Jahrbüchern aus dieser Zeit aufgeführten Gesamtförderung im Land Sachsen z. B. auch die großen Tagebaubetriebe bei Kemmlitz mit einer um Größenordnungen höheren Förderung eingegangen sind, mußten wir hier eine logarithmische Skalierung der Ordinate verwenden, um es halbwegs anschaulich zu gestalten.
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Das Staatliche Weißerdenwerk Seilitz nach 1990
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Nach dem Ende der DDR wurde der VEB Porzellanmanufaktur Meißen in eine landeseigene GmbH überführt. Dabei wurde auch das Bergwerkseigentum in Seilitz bestätigt. Das Weißerdenwerk in Seilitz ist heute das einzige Bergwerk, das von der Manufaktur noch selbst betrieben wird. Nicht ohne Schmunzeln sagen die hier tätigen Männer selbst, daß sie im kleinsten Bergwerk Europas arbeiten. Tatsächlich fuhren hier auch 2023 nur ein Steiger und ein Häuer an, die bis dahin noch im Nordfeld des Bergwerkseigentums jährlich zwischen 150 t und 250 t Rohkaolin abbauten. Demungeachtet erfordert gerade das Abbauverfahren des Pfeilerbruchbaus jedoch sehr viel Sachkenntnis und Erfahrung, denn dabei verzeiht die Natur keine Fehler...
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![]() Das Grubenbild um 1990. Auch auf der 4. Sohle war nun fast die gesamte Feldfläche nördlich des ehemaligen Tagebaus schon abgebaut. Quelle: Betriebsunterlagen des Staatlichen Weißerdenwerkes. Dicht nördlich hinter dem Bauerngut ist hier auch ein etwa rechteckiger Tagebruch eingezeichnet.
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![]() Nur mit der violetten Kontur angerissen ist hier auf dem Grubenbild auf dem Stand von 2017 noch die 4. Sohle dargestellt. Die gelb kolorierten Strecken liegen nun schon auf der 5. Sohle; die mit Kreuzschraffur versehenen Flächen darin waren zu diesem Zeitpunkt bereits abgebaut. Quelle: Betriebsunterlagen des Staatlichen Weißerdenwerkes.
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Ende 2023 wurde von der 5. Sohle dieses Teilfelds der letzte Hunt Kaolin zutage ausgefördert. Danach wurde das Nordfeld abgeworfen, weil der bauwürdige Teil der Lagerstätte hier nun vollständig abgebaut und in der Sohle die Verwitterungszone des Porphyrs erreicht war. Anschließend konnte zu diesem Zeitpunkt mit der Ausrichtung des ,Südostfeldes' vom neuen Förderschacht 2 aus begonnen werden. Zuvor hatten wir im Jahr 2018 noch einmal die Gelegenheit, diesen Grubenteil zu befahren, wobei die folgenden Aufnahmen entstanden sind.
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![]() Die Straße von Pröda nach Seilitz erhebt sich neben einem Hochbehälter des Wasserzweckverbandes noch einmal auf etwas über 200 m und bietet hier bei klarer Sicht einen hervorragenden Aussichtspunkt.
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![]() Östlich unterhalb der Ortslage Seilitz liegen die Halden des Tagebaus des Nachbarwerkes.
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![]() Die Übertageanlagen des Weißerdenwerkes der Porzellanmanufaktur lagen damals noch versteckt im Tal.
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![]() Diese Gebäude vor dem damaligen Werksgelände stammen aus dem 19. Jahrhundert, gehörten zu dieser Zeit aber schon nicht mehr zum Betrieb.
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![]() An dem Lagerschuppen fielen uns die schmiedeeisernen Gitter an den Fenstern auf...
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![]() Das eigentliche Werksgelände im Tal am Westrand des ,Nordfeldes'.
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![]() Gleich links vom Tor der ,Erde- Schuppen', in dem das ausgebrachte Rohmaterial bis zum Abtransport in die Manufaktur gelagert wurde.
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![]() Dahinter stand das Huthaus - wahrscheinlich auch schon im 19. Jahrhundert erbaut.
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![]() Und so sieht das Roh- Kaolin aus...
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![]() Über diese Förderbrücke gelangte man noch immer vom Schacht aus auf die Schüttebene...
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![]() ...wo die Förderwagen händisch ausgeleert wurden. Die waren inzwischen aus Aluminium und leichter als die alten.
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![]() Die 1988 noch verwendeten
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![]() Wahrscheinlich werden manche bei diesem Foto lächeln: Dieses kleine Gebäude verbarg nämlich den Förderschacht. Nichtsdestoweniger: Auch das war ein Schacht und auch dieser unterlag der Bergaufsicht. Ist er auch nur klein, so sind doch zumindest die wesentlichen Vorschriften der Technischen Anweisungen für Schacht- und Schrägförderanlagen (TASS) auch hier einzuhalten, und das wird natürlich auch von der Bergbehörde kontrolliert.
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![]() Die Hängebank mit der 1970 eingebauten, elektrischen Haspel...
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![]() ...und das Fördergestell mit einem leeren Förderwagen darauf. Der paßte gerade so hinein...
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![]() ...deswegen mußte die Mannschaft auch daneben und per pedes anfahren.
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![]() Das war aber nicht schlimm, denn die Sohlenabstände liegen nur bei reichlich zwei Metern und wir müssen ja auch nur zur 5. Sohle hinunter: Hier das Füllort auf der 5. Sohle.
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![]() Vom Füllort aus führte eine Richtstrecke in das Baufeld...
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![]() ...bis vor Ort. Vor diesem Ort hat sich eine der Erkundungsbohrungen aus den 1970er Jahren erhalten und wurde beim Vortrieb angefahren. Die Strecken werden - wie schon vor 200 Jahren - im Regelprofil mit Deutschem Türstock ausgezimmert und bei Bedarf mit Brettern verzogen.
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![]() Von der Richtstrecke zweigen dann in regelmäßigen Abständen die eigentlichen Abbauörter ab. Dieses hier wurde gerade abgeworfen und der Druck des Hangenden machte bereits eine Unterstützung der Kappen mit einem zusätzlichen Stempel nötig.
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![]() Beim Blick dahinter sieht man, daß das Hangende ganz unweigerlich zubruch geht. Im Normalfall wird der Holzausbau vorher geraubt, wodurch das Niedergehen des Hangenden beschleunigt und Gasansammlungen durch dessen Faulen (wie mehrfach in den Tongruben dokumentiert) vermieden werden.
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![]() Hier ist im Streckenstoß unbrauchbares, weil zu eisenhaltiges, Material aufgeschlossen.
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![]() Auch vor dieser Ortsbrust ist nicht alles Anstehende brauchbar. Der Abbau erfolgt deshalb selektiv und bereits bei der Gewinnung wird unbrauchbares Material ausgeklaubt. Unter der Firste sieht man dunkelbraunes Füllmaterial der darüberliegenden und mit diesem Ort wieder unterfahrenen 4. Sohle.
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![]() Folgen wir der Richtstrecke noch weiter...
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![]() Dabei umfahren wir auch den früheren - heute wieder verfüllten - Tagebau aus dem 19. Jahrhundert. Auch hier ist das dunkelbraune Material im Streckenstoß Bruchmasse aus der darüber liegenden 4. Sohle, die sich infolge des Niederbrechens des Hangenden nach unten verschoben hat.
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![]() Ein Streckenkreuz.
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![]() Auch hier illustriert die angebrochene Kappe nur allzu deutlich den Gebirgsdruck des im Hangenden bereits durchbauten Gesteins.
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![]() Aha: Wir sind gleich da. Wie in jedem ordentlichen Bergwerk gibt es natürlich auch hier einen ,Notausgang'.
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![]() Da sind wir schon: Nach ungefähr 200 m untertage ist das Baufeld schon ganz durchfahren und wir stehen am Wetterschacht.
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![]() Das ist der Hauptgrubenlüfter. Genauso klein, wie das ganze Bergwerk, aber vollkommen ausreichend. |
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![]() Und hier könnten wir im Notfall ausfahren.
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![]() Wieder zurück. Der grüne Pfeil neben dem abgestellten Förderwagen zeigt: Hier gibt es noch einen zweiten Fluchtweg...
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![]() Die Fahrt war schon nicht mehr ganz frisch, wurde aber auch schon damals nur noch selten benutzt. Der kleine Durchhieb führte auf die 4. Sohle hinauf.
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![]() Wie schon erwähnt: Die vertikalen Abstände der Sohlen, oder Abbauscheiben, liegen gerade einmal bei etwa 2,5 m.
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![]() Die 4. Sohle war zu diesem Zeitpunkt bereits gänzlich abgebaut und nur deren westlicher Teil wurde noch als Fahr- und Wetterweg unterhalten.
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![]() Hier sieht man wieder eindrucksvoll, wie sich das Hangende trotz des an diesem Ort belassenen Ausbaus niederlegt und das Holz zerdrückt, als wären es Streichhölzer.
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![]() Von hier gelangte man nun wahlweise zurück zum Förderschacht...
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![]() ...oder über den Stolln auf der 4. Sohle wieder zurück ans Tageslicht.
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![]() Geht man im Dorf ein Stück den Schieritzer Weg entlang, kommt man hinter der Abraumhalde über dem früheren Tagebau und dem Nordfeld auch zur Tagesöffnung des
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![]() Nach Osten grenzt hier das vormals Krister'sche Baufeld und dahinter der heutige Tagebau der Unternehmensgruppe SIBELCO an. |
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![]() Etwas unterhalb im Tal des Seilitzbaches gab es übrigens ein Röschenmundloch. Wir vermuten, daß es sich hier um den bereits
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![]() Zweifellos gehörte es zu den hier früher umgängigen Kaolingruben des Weißerdenwerkes. Im aktuellen Risswerk des Weißerdenwerkes ist dieser Wasserlösestolln längst nicht mehr vermerkt.
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![]() Die Rösche trug zwar zum Zeitpunkt unserer Befahrung noch immer Wasser ab, war jedoch schon damals in einem erbärmlichen Zustand und dürfte inzwischen wohl ganz verfallen sein...
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Verbliebene Zeugnisse |
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Eine Rundfahrt
durch die Landschaft...
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Es ist noch nicht alles aus der Landschaft verschwunden. Gehen wir also einmal auf Rundreise durch die Orte, die in unserem Text Erwähnung gefunden haben. Wir beginnen mit den Edukten der Kaoline und Tone, die nirgendwo sonst so schön aufgeschlossen sind, wie im Triebischtal. Die folgenden Aufnahmen entstanden bei Wanderungen im Frühjahr 2025.
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![]() Als ,Wanderkarte' nutzen wir in bewährter Weise die Reliefkarten vom Geoportal Sachsen.
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![]() An der Talstraße in Garsebach findet man zwar eine schicke Hinweistafel, aber leider nirgendwo einen Parkplatz...
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![]() Der Wanderwegewart gibt sich offensichtlich Mühe: Das Geländer hier unten am Aufstieg vom Nauweg ist zwar etwas wacklig, aber nagelneu. Der kleine schwarze Uhu auf der gelben Tafel erinnert noch einmal daran: Die Pechsteinklippen stehen in ihrer Gesamtheit unter Naturschutz. Bitte respektiert auch ihr das !
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![]() Oben verliert sich dann der Pfad aber in dornigem Gestrüpp. Da kehren wir lieber um. |
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![]() Wir steigen besser mal von der Talstraße aus entlang der alten Förderhaspelbahn zu den oberen Steinbrüchen hinauf.
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![]() Von unten wirken die Felsklippen irgendwie auch viel größer, als wenn man oben drauf steht...
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![]() Den Wall an der Vorderkante der Bruchsohle werden die Steinbrucharbeiter wohl mit Bedacht aufgeschüttet haben, damit kein abbrechendes Gestein mit Schwung die Böschung hinunter und auf die Talstraße rollt.
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![]() Noch ein Stück weiter Richtung Meißen setzt der größte der alten Pechsteinbrüche direkt auf Höhe der Straße an.
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![]() Sehr imposant. Die Bruchsohle liegt bei etwas über 130 m, die Felsklippen ragen bis knapp 200 m über dem Meer auf. Aus dem Jahr
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![]() Aus einer verwitternden Kluft rollt hier auch immer mal wieder etwas frisches Material herunter, so daß der Sammler leicht ein paar Belegstücke finden kann, ohne an den unter Naturschutz stehenden Klippen herumklopfen zu müssen.
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![]() Binnen ein paar Minuten aufgelesen...
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![]() Auch der Dobritz'er Porphyrbruch ist heute außer Betrieb und verschlossen. Aktuelle Fotos aus dem Steinbruch können wir also nicht bieten, doch ist das typische - immer etwas violettrötliche - Baumaterial in der ganzen Umgegend zwischen Meißen und Rothschönberg zu finden.
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![]() Man findet darin auch illustrative Beispiele, wie die - schon von den alten Geologen beschriebene - Kaolinisierung von Klüften ausgehend in das Gestein hinein greift.
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![]() Da wir einmal hier sind, nehmen wir uns noch ein Ziel vor: Da hinten talwärts ragt der ,Götterfelsen' auf.
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![]() Die Wanderwegmarkierungen sind auch hier neu und gut gepflegt.
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![]() Erst einmal etwas für's Auge und für's Herz der Naturfreunde.
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![]() Beim Aufstieg fallen uns diese stark gerundeten Gerölle auf...
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![]() Und ganz oben liegt tatsächlich schon gelbbrauner Geschiebelehm auf der Hochfläche.
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![]() Dann haben wir's geschafft: Das Triebischtal unter uns liegt nur noch auf rund 126 m Seehöhe und wir stehen hier auf etwa 192 m. Links steht an der vordersten Kante das sogenannte St. Afra- Kreuz. Seit 1812 fand hier oben alljährlich aus Anlaß der Stiftung der Fürstenschule im Jahr 1543 eine Morgenandacht statt. 1825 wurde zunächst ein Holzkreuz errichtet, 1843 dann ein vom Malervorsteher G. F. Kersting der Porzellanmanufaktur entworfenes, im Jakobiwerk Meißen gegossenes, kunstvolles eisernes Kreuz. Nachdem es über 100 Jahre der Witterung ausgesetzt war, mußte es 1945 entfernt werden und wurde 1958 durch den heutigen, sehr schlichten Bau ersetzt. Der Sockel mit den Inschriften auf Bronzetafeln stammt aber noch von dem Original aus dem Jahr 1843.
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![]() Das gußeiserne Kreuz im Jahr 1903 auf einer Aufnahme des Postkartenverlags Brück & Sohn. Bildquelle: Deutsche Fotothek. Digitalisat:
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![]() Wir interessieren uns heute mehr für die Landschaft und genießen den Blick talaufwärts Richtung Garsebach. Am nördlichen Talhang fallen dort wieder die Pechsteinklippen ins Auge.
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![]() Ach - und deswegen sind wir eigentlich hier hinauf gekraxelt: Auch dieser Felsen besteht aus hellgraugrünem Pechstein...
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![]() Wo wir einmal oben sind, wandern wir auch noch hinüber zur ,Hohen Eifer' und staunen nicht schlecht: Solch einen Hinweis habe ich noch nie gesehen...
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![]() Tatsächlich liegt hier an den steilen Hängen ziemlich viel morsches Altholz herum.
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![]() Unterhalb der ,Hohen Eifer' liegt diese ,Schöne Aussicht'.
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![]() Na ja - der Blick talaufwärts fällt auf das Industriegebiet am ,Buschbad' in der Triebischaue - das erscheint nicht mehr so richtig idyllisch.
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![]() Aber andersherum geht der Blick talabwärts bis zur Albrechtsburg mit dem Dom.
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![]() Das war´s doch wert... |
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![]() Am Rand der Hochfläche nördlich der Aussicht liegt dagegen die sogenannte ,Hohe Eifer'. Ein Teil des Burgwalls ist noch ganz gut zu erkennen.
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![]() Das Ding geht schon auf die Bronzezeit zurück... Wieder was gelernt !
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![]() Die Klippe mit der ,Schönen Aussicht' dagegen besteht bereits aus Glimmer- Porphyrit. In dem matten Gestein erkennt man gut die Einsprenglinge verschiedener Minerale.
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Im Südteil des
Reviers
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Nachdem wir uns angeschaut haben, was unter dem Kaolinit liegt, begeben wir uns nun auf Spurensuche nach den verbliebenen Zeugnissen des Ton- und Kaolin- Abbaus. Weil es von der ersten Station unserer Wanderungen aus am nächsten liegt, fangen wir in Löthain damit an... Die folgenden Aufnahmen entstanden im Spätsommer 2025.
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![]() Man reist gewöhnlich von Meißen oder Nossen entlang der B101 an und gelangt daher zuerst nach Löthain. Wir markieren in unserer Karte mit der punktierten Linie auch den Radwanderweg, den der Tourismusverband der Lommatzscher Pflege dem Bergbau gewidmet hat und der hier in Löthain am ehemaligen Bahnhof der Schmalspurbahn seinen Anfang nimmt.
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![]() Hier kreuzen sich die heutige B 101, die Straße von Mehren und der alte Fahrweg hinunter nach Dobritz. In dem verwilderten Brachland gegenüber haben einst die Krister'schen Porzellanerdeschächte gelegen.
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![]() Man kann ein Stück weite herumlaufen, stellt dabei aber nur fest, daß das Gelände als Müllkippe mißbraucht wird.
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![]() Wo sich das Gestrüpp lichtet, findet man nur Brachland. Mehr ist nicht mehr da.
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![]() Auch gegenüber hat die nachfolgende Bewirtschaftung der Ackerflächen alles wieder plan gemacht. Also fahren wir noch ein Stück weiter und biegen dann nach Löthain ab. |
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![]() Von der 101 kommend, biegen wir in die Steigerstraße ab und stoppen kurz für dieses Foto: Ungefähr von hier aus könnte das historische
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![]() Wo wir einmal da sind, schauen wir auch nach und spazieren den Buschweg ein Stück hinunter. Auf der Feldfläche links müßten die Ernst Thälmann- Schächte 4 und 5 gelegen haben.
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![]() Von den Standorten der alten Rühle'schen Schächte - hier rechts im Bild zur Canitzer Straße hin müßte der Johannaschacht gelegen haben...
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![]() ...zeugt heute nur noch eine von der Natur längst wieder zurückeroberte Wildnis in einer ziemlich bedeutenden Senkungsmulde.
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![]() Entlang der Canitzer Straße kommt man dann an der Zufahrt zu den Kaiserschächten - zuletzt Ernst Thälmann- Schacht 3 - vorbei, von deren Übertageanlagen aber auch fast nichts mehr zu finden ist. Stattdessen gibt es hier heute eine Kindertagesstätte.
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![]() Ach doch: Neben der Einfahrt liegt noch die LKW- Waage... |
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![]() Dann kommt man zum ehemaligen Schmalspur- Bahnhof. Die lange Verladerampe rechts der - komplett rückgebauten - Gleisanlagen diente einst auch der
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![]() Früher schaute es hier so aus. Bildquelle: Informationstafel der Eisenbahn- und Heimatfreunde am ehemaligen Bahnhof Löthain.
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![]() Auf dieser Aufnahme in nordöstliche Richtung sieht man im Hintergrund bereits den Steigerschacht 2. Bildquelle: Informationstafel der Eisenbahn- und Heimatfreunde am ehemaligen Bahnhof Löthain.
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![]() Ja, das war´s dann: Dann war die Schmalspur- Bahnverbindung Geschichte. Bildquelle: Informationstafel der Eisenbahn- und Heimatfreunde am ehemaligen Bahnhof Löthain.
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![]() Die Heimatfreunde haben das kleine Bahnhofshäuschen schön restauriert und bewahren so einen Teil der Geschichte...
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![]() Hier findet man auch dieses Fahrgestell, und bei genauerem Hinschauen sieht man, daß einst Normalspurwagen - ohne die Fracht umladen zu müssen - auf solche Gestelle für die Schmalspur geschoben werden konnten.
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![]() Wir folgen vom Bahnhof aus zunächst einmal ein Stück weit der alten Bahntrasse nach Süden, die heute zum Radwanderweg ausgebaut ist, und blicken noch einmal von der anderen Seite auf den ehemaligen Standort der Kaiserschächte. Die Kinder, die heute diese Kita besuchen, haben hier sehr viel Platz zum Spielen...
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![]() In der Senkungsmulde über dem Abbaufeld hinter der Kita bestehen ein paar Kleingärten. Mehr als das ist von diesen Schachtanlagen und der Kreidemühle heute nicht mehr zu finden.
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![]() Schnürt man die Wanderstiefel und wendet sich vom ehemaligen Bahnhof aus nach Westen, errecht man schnell Canitz; ein Dörfchen, das im Wesentlichen aus diesem ziemlich großen, alten Gut und einigen wenigen Häusler- Grundstücken besteht...
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![]() Unten im Tal hinter der alten Bahntrasse, wo das Gelände zur B101 hin wieder ansteigt, lag in dem Waldstück der zweite Rühle'sche Tagebau, der noch bis in die 1950er Jahre hinein als Grube Canitz weiter betrieben worden ist.
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![]() Ein Blick zurück auf's Dorf. Hier quert man den Bachlauf und die alte Bahntrasse...
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![]() ...und läuft dann auf der anderen Bachseite wieder ein Stück ostwärts. Ein paar niedrige Mauerreste am Waldrand könnten einmal eine Verladerampe gewesen sein.
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![]() Der Zugang in den Tagebau ist heute völlig verwachsen.
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![]() Auch, wenn man am Feldrand um das Waldstück herumwandert, kann man nicht viel mehr, als den einen oder anderen Blick durch das Unterholz in das Restloch hinein erhaschen.
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![]() Also kehren wir um...
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![]() ...und auf dem Rückweg entdecken wir links am Bildrand über dem Wald noch den Steigerschacht 2, dessen Gelände heute von SIBELCO genutzt wird. |
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![]() Bevor wir Löthain verlassen, schauen wir uns noch schnell das einstige Rittergut der Familie von Römer an. Was davon noch übrig ist, steht zum Verkauf...
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![]() Auch dieses Wirtschaftsgebäude am Siedlerweg hat wohl einst zum Rittergut dazugehört.
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![]() Und irgendwo hier im Rittergutsgarten, wo die Steigerstraße ihre charakteristische S- Kurve macht und die Straße Am Römerhaus abzweigt, haben 1879 die
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Rund um Mehren
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Unser nächstes Ziel ist
Mehren. In Mehren befindet sich
auch das Bergbaumuseum Glück Auf- Schacht V,
aber diesem widmen wir einen separaten
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![]() Der mittlere Teil unseres Reisegebietes mit den ehemaligen Gruben bei Mehren, Kaschka bzw. Oberjahna und Schletta. Südlich der Fundgrube- Schächte lagen außerdem die Karl Marx- Schächte des VEB.
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![]() Dieses Gebäude des Karl- Liebknecht- Schachtes VII des VEB Kaolin und Tonwerke steht auf dem Hügel östlich der Straße von Löthain nach Mehren. Zum Zeitpunkt der Erarbeitung der Bergschadenkundlichen Analyse
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![]() Auf dieser Ansichtskarte aus dem Jahr 1983 ist oben links auch der Karl Liebknecht- Schacht in seinem damaligen Zustand zu sehen. Aufnahmen vom Kunstverlag Brück & Sohn in Meißen, Bildquelle: Deutsche Fotothek. Digitalisat:
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![]() Das Gelände gehört heute SIBELCO und wird als Zwischenlager genutzt. Bitte haltet Euch an das Zutrittsverbot !
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![]() Wirklich zu sehen gibt es hier eh nichts mehr. Die imposanten Lagerhallen links und rechts der Schachthalle dienten schon früher als Tonlagerschuppen.
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![]() Auch dieser Schacht ist verfüllt und mehr gibt es hier heute nicht mehr zu sehen.
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![]() Das Bergbaumuseum in Mehren schauen wir uns später genau an, lassen es deshalb jetzt zunächst rechts liegen und halten am Ortsausgangschild in Richtung Mohlis kurz an.
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![]() Hinter dem Waldrand auf den Foto oben rechts und links der Straße haben einst die Venus'schen Augustinenschächte gelegen. Ein breite, flache Mulde in der Feldfläche zeugt noch von deren Abbaufeld - ansonsten hat die stetige landwirtschaftliche Nutzung hier längst alles wieder eingeebnet...
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![]() Hinter der Bachbrücke zweigt nach rechts auch ein Fahrweg zum ersten der E. Rühle'schen Tagebaue ab.
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![]() Ziemlich hoch am Baum angebracht, wo man es fast übersehen könnte, weisen uns aber hier zwei Schilder darauf hin, daß der dahinterliegende Grund in Privatbesitz ist. Dann respektieren wir das...
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![]() Vom Waldrand oberhalb aus kann man zumindest mal einen Blick durch das Unterholz in den Tagebau erhaschen, wo sich ein Teich gebildet hat. Sicher heute ein schönes Biotop, das uns der Bergbau hier hinterlassen hat.
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Im Osten des
Reviers bei Kaschka und Schletta
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Um hier hin zu gelangen, muß man von der Route des Radwanderweges ziemlich weit nach Osten abbiegen ‒ am besten fährt man wieder ein Stück zurück bis zur Kreisstraße K8073 und nimmt den nächsten Abzweig nach Norden.
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![]() Der mittlere Teil unseres Reisegebietes mit den ehemaligen Gruben bei Mehren, Kaschka bzw. Oberjahna und Schletta. Südlich der Fundgrube- Schächte lagen außerdem die Karl Marx- Schächte des VEB.
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![]() Den Flecken Kaschka kann man eigentlich nicht einmal ein Dorf nennen - ähnlich wie Canitz besteht er im Wesentlichen aus diesem großen alten Bauernhof und ein paar wenigen Bauten jüngerer Entstehungszeit. Schon längst ist er nach Oberjahna eingemeindet.
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![]() Rechts der Straße vom Ort nach Süden haben hier einst die Venus'schen Fundgrube- Schächte gelegen.
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![]() Tatsächlich findet man in den Waldstücken oberhalb des Örtchens noch die Geländebuckel der alten Schachthalden.
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![]() Auch hier...
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![]() ...und noch mehr. Der Fundgrubeschächte hat es ja auch etliche gegeben.
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![]() Bedauerlicherweise weiden hier gerade Rinder drauf, so daß wir die Halden heute lieber nicht genauer in Augenschein nehmen. Wo die Bäume die Grasnarbe unterdrücken und die Rinder das bißchen Humus weggetreten haben, schimmert der hellgraue Abfallsand aus den flachen Halden aber noch heraus.
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![]() In dem nächsten Waldstück an der Straße haben einst die Karl Marx- Schächte des VEB Kaolin- und Tonwerke Löthain- Seilitz gelegen. Ach, und schau an: Rechts vom Wald schaut auch der Karl Liebknecht- Schacht VII wieder über den Horizont.
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![]() Beim näheren Hinsehen erweist sich aber auch hier das Gelände der früheren Karl Marx- Schächte als völlig verwildert und praktisch unzugänglich.
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![]() Noch ein Blick von oben auf die Halden der Fundgrubeschächte... |
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![]() ...und auf den Gegenhang des Tales. In dem Einschnitt gegenüber müßten einst die Teichert'schen Tonschächte gelegen haben, wie es auf einem historischen |
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![]() Da es im Tal keine Straße mehr gibt, mußten wir bis Oberjahna weiter fahren und von dort wieder nach Westen abbiegen, um diesen Blick festhalten zu können... Anstelle der weißen Abraumhalden auf dem
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![]() Der charakteristische, Z- förmige Knick im Bachlauf unten in der Talsohle ist noch da - also müßten wir hier zumindest ungefähr am selben Ort stehen, wie 1928 Oskar Kaubisch.
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Verlassen wir also Kaschka und fahren noch ein Stück weiter nach Osten... Auch bei Schletta gab es noch etliche Tongruben und die Porzellanmanufaktur grub hier im Rittergutsgarten alle paar Jahre eine kleine Menge der ,Schletta'er Erde' für ihren Bedarf aus.
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![]() Drum halten wir nun hier in Schletta auf dem Parkplatz hinter der Buswendeschleife. Das breite Dach oben hinter der Wiese gehörte einst zum Rittergut.
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![]() Auch, wenn vieles ziemlich sanierungsbedürftig ist, machen die Gebäude des Rittergutes noch immer einen imposanten Eindruck.
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![]() Was vom Gut erhalten geblieben ist, befindet sich heute in privatem Besitz.
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![]() Der barocke Schmuck der Gauben zeugt noch von dem einstigen Glanz dieses Gutshofes.
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![]() Wie diese Aufnahme der damaligen Meßbildstelle Dresden aus dem Jahr 1983 verrät, war zu DDR- Zeiten im Nordflügel des Gutes eine Konsum- Verkaufsstelle eingerichtet... Digitalisat:
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![]() Zur Rittergutsgeschichte gibt es Dank der Initiative einiger Heimatfreunde eine Informationstafel für die vorbeikommenden Neugierigen.
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![]() Eine Aufnahme des Innenhofes des Rittergutes Schletta des bekannten Postkartenverlages Brück & Sohn in Meißen aus dem Jahr 1905 zeigt den dekorativen Schmuck der Fassade in seiner alten Pracht. Digitalisat:
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![]() Diesen traurigen Zustand der Gebäude hat dagegen die damalige Meßbildstelle Dresden im Jahr 1983 festgehalten. Digitalisat:
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![]() Eine zweite Aufnahme des Innenhofes des Rittergutes Schletta des bekannten Postkartenverlages Brück & Sohn in Meißen aus dem Jahr 1905. Dieser Flügel steht heute schon nicht mehr. Digitalisat:
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![]() Auch hierzu haben wir eine Aufnahme der Meßbildstelle Dresden aus dem Jahr 1983 gefunden. Digitalisat:
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![]() Eine dritte Aufnahme, diesmal des ganzen Gebäudekomplexes des Rittergutes Schletta von einem Standort etwas oberhalb am Hang, auch diese vom Postkartenverlag Brück & Sohn in Meißen und aus dem Jahr 1905. Digitalisat:
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![]() Der Zustand des östlichen Flügels auf dem Foto vom Innenhof aus der Meßbildstelle Dresden aus dem Jahr 1983 - wohl schon kurz vor dem Abriß. Digitalisat:
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![]() Inzwischen ist ein großer Teil der einstmals vierflügeligen Anlage, wie unser Blick vom Feldrand oberhalb auf den Hof verrät, seiner Baufälligkeit halber aus dem Ortsbild verschwunden.
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![]() Von den Tonerde- Tagebauen der Manufaktur, die jedesmal nach wenigen Monaten Abbau wieder ganz verfüllt worden sind, sieht man heute natürlich gar nichts mehr... Es ist nicht einmal mehr so richtig zu sehen, wo denn der zum Rittergut gehörige Garten eigentlich gelegen hat.
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Bei Mohlis
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Damit kehren wir in Schletta um und setzen unsere Fahrt nun von Mehren aus wieder weiter nach Norden fort. Wir bleiben dabei auf der welligen Hochfläche und folgen der Kreisstraße in Richtung Mohlis... Die folgenden Fotos entstanden bei unserer ersten Wanderung durch das Revier im Frühjahr 2025.
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![]() Der Verlauf des Radwanderweges nördlich von Mehren.
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![]() Ein Stück außerhalb von Mehren stoppen wir kurz an dieser Gabelung…
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![]() …denn von hier aus hat man noch einmal einen schönen Rückblick über das Jahnatal in Mehren bis zum Karl Liebknecht- Schacht VII auf dem Geländerücken am Horizont.
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![]() Links herum führt von hier aus ein Feldrain zum Standort der 1906 von den Venus’schen Tonwerken übernommenen Schächte der ,Ofen-, Porzellan und Thonwaaren- Fabrik' zu Mügeln. Gleich an der Straße hat auch der Meierschacht gelegen.
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![]() Von den Schachtanlagen ist natürlich nichts mehr übrig, nur eine etwas sumpfige Senke und das verwilderte Wäldchen markieren den Standort noch. Kehren wir also zurück zur Straße und folgen dem Radweg weiter nach Norden.
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![]() Einen Kilometer nördlich von Mehren kommt man dann auf die Kreisstraße nach Kaisitz.
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![]() Rechts im Hintergrund sieht man schon das Örtchen Mohlis. Der Feldweg gegenüber führte einst zum August Bebel- Schacht…
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![]() Bis zu der flachen Halde links des Feldweges kann man schon von hier aus schauen.
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![]() Östlich unterhalb - dort wo bis Ende der 1980er Jahre auf drei Sohlen übereinander Ton abgebaut worden ist - hat sich auch hier eine signifikante Senke gebildet.
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![]() Von den übertägigen Schachtanlagen ist natürlich auch hier nichts mehr geblieben. Die sind nach der Abbaueinstellung 1989 allesamt abgerissen worden.
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![]() Doch die Einsenkung über den Abbauflächen ist schon ziemlich markant. Auf dem Gegenhang im Hintergrund haben auch die Teichert- Werke Tonschächte betrieben.
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Das
Kaolinrevier von Seilitz
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Also folgen wir dem Radwanderweg weiter, biegen westlich von Mohlis nach Pröda ab und bleiben dabei auf dem Sattel zwischen dem Quellgebiet des Grutschenbachs im Osten und dem Kaisitzer Wasser im Westen. Fast schon am Ende der Tour kommen wir dann im Norden des Reviers in Seilitz an. Von hier aus nordwärts fällt das Gelände steil zu den tief eingeschnittenen Tälern des Grutschenbachs im Osten und des Ketzerbachs im Norden ab. Von Schieritz aus ist es auch nicht mehr weit bis zur Elbe bei Zehren, wo der trainierte Radwanderer seine Fahrt dann auf dem Elbe- Radweg fortsetzen kann...
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Damit sind wir einmal herum durch das ganze Revier. Außer bei den aktiven Bergbauunternehmen ist vom früher so umfangreichen Bergbau in der Landschaft nur noch wenig und auch nur für den kundigen Betrachter zu sehen. Deshalb kehren wir nun zurück nach Mehren, um uns dort noch das Museum anzuschauen.
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Bergbaumuseum
Mehren
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Das Bergbaumuseum in
Mehren bewahrt die verbliebenen Übertageanlagen des ehemaligen Glück
Auf- Schachts V
und viele andere kleine und größere Zeugnisse der Geschichte des Tonabbaus im Revier
und ist uns schon aufgrund seiner Einzigartigkeit einen eigenen Abschnitt
wert. Das Informationsblatt zum Museum können Sie sich hier
Als Bergbauschauanlage ist das Museum ab 1993 entstanden, nachdem der Schacht und das angeschlagene Baufeld endgültig außer Dienst gestellt worden sind.
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Faksimile aus der Meißner Zeitungsbeilage der Sächsischen Zeitung vom September 1993. Quelle: Unternehmensarchiv des ehemaligen VEB Kaolin- und Tonwerke Löthain- Seilitz beim heutigen Standort Mehren der Unternehmensgruppe SIBELCO Deutschland GmbH, Aktenablage.
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In der Regionalpresse wurde mehrfach darüber berichtet (Auszug aus dem nachstehenden Zeitungsartikel vom 8. Juli 2001): „Eine touristische Attraktion in Käbschütztal ist zweifellos das Kleinbergbaumuseum im Mehren. Über 70 Jahre lang bauten Bergmänner in Mehren Ton ab. Besonders für die keramische Industrie. Kurz vor Schließung des Bergbauwerkes im Jahr 1997 richtete hier die Kaolin- und Tonwerke Seilitz- Löthain GmbH ein Museum ein. (...) Zu sehen ist u. a. die schwere Arbeit eines Fördermannes, eines Hauers und eines Fördermaschinisten. Immerhin wogen die einzelnen Schwarten zwischen 25 und 30 Kilogramm und damit ein vollbeladener Förderwagen, Hunt genannt, etwa 350 Kilogramm. In den Museumsräumen im früheren Funktionsgebäude des Glück Auf- Schachtes sind Werkzeuge des Bergmannes, Utensilien der Grubenwehr, eine Holzausbaustrecke und anderes mehr ausgestellt. Dann geht es in einen Schaustollen. Auf einem 50 Meter langen Streckensystem werden verschiedene Ausbauarten ‒ aus Ziegelstein, Beton, Stahl und Holz ‒ gezeigt. Zu den Attraktionen des Museums gehört auch eine Seilbahn- Beladestation...“ Letzteres ist ganz zweifellos eines der interessantesten, noch zu besichtigenden Objekte, denn unserer Kenntnis nach handelt es sich dabei um die einzige, in ganz Sachsen (zumindest noch teilweise) erhalten gebliebene Förderseilbahn aus der Produktion der weltbekannten Leipzig'er Firma Bleichert & Co.
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Das frühere Betriebsgelände ist Privatgrund und für das Museum gepachtet. Unterhalten und betrieben wurde das Museum in der zurückliegenden Zeit hauptsächlich durch die Mitarbeiter sowie mit Unterstützung seitens der Standortleitung Mehren der SIBELCO Deutschland GmbH. Leider mußte der Betreiberverein vor kurzem aus Altersgründen aufgelöst werden, da es kaum noch kundige und interessierte Mitstreiter gibt. Der Zustand der noch fast komplett erhaltenen Übertageanlagen des ehemaligen Glückauf- Schachts V, der 1924 bis auf 22,7 m Teufe niedergebracht wurde und noch bis Anfang der 1990er Jahre hinein in Betrieb gewesen ist, hat aber auch deshalb zuletzt sehr gelitten, weil es sich bei den Schachtanlagen natürlich schon früher um reine Zweckbauten handelte, die eigentlich nur für eine Betriebszeit von wenigen Jahrzehnten konzipiert und deshalb möglichst ,preiswert' überwiegend aus Holz errichtet waren. Die Bausubstanz bedarf heute umfangreicher Sanierung und so ist das Fortbestehen des Bergbaumuseums, welches auch mit europäischen Mitteln aus dem LEADER- Programm gefördert worden ist, leider nicht mehr gesichert. Wir freuen uns aus diesen Gründen umso mehr, daß wir das Museum Anfang Februar 2025 noch einmal besichtigen durften. Die folgenden Aufnahmen aus dem Museum in Mehren entstanden zum Teil schon bei einem früheren Besuch der Schauanlage, zum Teil bei der Führung 2025.
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![]() Kleine Orientierungshilfe für die Anreise...
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![]() Der frühere Sitz der Betriebsleitung des VEB Kaolin- und Tonwerke in Mehren, Nr. 11 (Das Dorf ist so klein, daß es hier keine Straßennamen gibt, nur Hausnummern). Hier hat heute auch die Standortleitung von SIBELCO ihren Sitz und hier muß man sich zu einem Besuch - am besten vorher telefonisch - anmelden.
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![]() Unten im Tal, wenn man fast schon wieder aus dem Dorf hinaus gefahren ist, macht ein Hunt am Straßenrand auf den Museumsstandort aufmerksam.
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![]() Kommt man von Norden aus Richtung Mohlis nach Mehren, fällt den Vorbeifahrenden diese Informationstafel ins Auge.
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![]() Hinter der Einfahrt befindet sich ein kleiner Gästeparkplatz und von hier aus überblickt man schon fast das gesamte Gelände.
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![]() In der Ausstellung finden sich auch solche einrädrige Karren, mit denen von den Förderleuten noch im 19. Jahrhundert der Ton zum Schachtfüllort und übertage in die Lagerschuppen transportiert wurde.
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![]() Elektrischen Zugbetrieb hat es auch im 20. Jahrhundert im Revier nicht gegeben. Bis zuletzt erfolgte die Streckenförderung in Handarbeit mit solchen - immerhin schon gleisgebundenen - Hunten.
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![]() Und so sah der hier bevorzugt ausgebrachte Ton aus. Die halbrunde Form der abgeschälten Tonstücke entstand durch den Einsatz der Druckluft- betriebenen
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![]() Zum Museum gehört auch ein kleiner Schaustollen, in dem man sich typische Ausbauformen anschauen und von der Abbauweise ein Bild machen kann. |
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![]() Die Drehkreuze in den Gleisen waren hier besonders einfach gebaut und bestanden eigentlich nur aus einem Blech... Voraus ein Abbauort mit eingeschlagenen (noch geraden) Toneisen.
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![]() Mauerung und später Ortbetonausbau in den Hauptstrecken gab es bereits in den 1920er Jahren, um die wichtigen Strecken in dem sehr druckhaften Gebirge langfristiger zu sichern und den Verbrauch an Ausbauholz zu reduzieren.
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![]() Die ganze Anlage wurde freilich erst später für das Museum errichtet. Einen Stolln hat es hier zu Betriebszeiten nicht gegeben.
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![]() Die folgenden Aufnahmen entstammen der jüngsten Betriebsgeschichte und illustrieren, wie noch bis 1989 Gewinnung und Förderung abliefen. Sie sind sämtlich am Steigerschacht untertage entstanden. Bildquelle: Unternehmensarchiv des ehemaligen VEB Kaolin- und Tonwerke Löthain- Seilitz beim heutigen Standort Mehren der Unternehmensgruppe SIBELCO Deutschland GmbH, Diasammlung, 1989.
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![]() Bildquelle: Unternehmensarchiv des ehemaligen VEB Kaolin- und Tonwerke Löthain- Seilitz beim heutigen Standort Mehren der Unternehmensgruppe SIBELCO Deutschland GmbH, Diasammlung, 1989.
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![]() Bildquelle: Unternehmensarchiv des ehemaligen VEB Kaolin- und Tonwerke Löthain- Seilitz beim heutigen Standort Mehren der Unternehmensgruppe SIBELCO Deutschland GmbH, Diasammlung, 1989.
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![]() Türstockausbau in einer unter starkem Druck stehenden Abbaustrecke. Bildquelle: Unternehmensarchiv des ehemaligen VEB Kaolin- und Tonwerke Löthain- Seilitz beim heutigen Standort Mehren der Unternehmensgruppe SIBELCO Deutschland GmbH, Diasammlung, 1989.
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![]() Eine fast schon ganz zusammengegangene Strecke. Bildquelle: Unternehmensarchiv des ehemaligen VEB Kaolin- und Tonwerke Löthain- Seilitz beim heutigen Standort Mehren der Unternehmensgruppe SIBELCO Deutschland GmbH, Diasammlung, 1989.
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![]() Der in den 1930er Jahren - parallel zur Ausmauerung - aufgekommene Stahlbogenausbau mit Holzverzug nahm den Druck des Gebirges bedeutend besser auf und wurde in wichtigen Wetter- und Förderstrecken eingesetzt. Bildquelle: Unternehmensarchiv des ehemaligen VEB Kaolin- und Tonwerke Löthain- Seilitz beim heutigen Standort Mehren der Unternehmensgruppe SIBELCO Deutschland GmbH, Diasammlung, 1989.
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![]() Der Spannweite an Streckenkreuzen oder Füllörtern halber wandte man an solchen bevorzugt Gewölbe- Mauerung als Ausbau an. Bildquelle: Unternehmensarchiv des ehemaligen VEB Kaolin- und Tonwerke Löthain- Seilitz beim heutigen Standort Mehren der Unternehmensgruppe SIBELCO Deutschland GmbH, Diasammlung, 1989.
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![]() Die gesamte Streckenförderung geschah noch manuell. Bildquelle: Unternehmensarchiv des ehemaligen VEB Kaolin- und Tonwerke Löthain- Seilitz beim heutigen Standort Mehren der Unternehmensgruppe SIBELCO Deutschland GmbH, Diasammlung, 1989.
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![]() Bildquelle: Unternehmensarchiv des ehemaligen VEB Kaolin- und Tonwerke Löthain- Seilitz beim heutigen Standort Mehren der Unternehmensgruppe SIBELCO Deutschland GmbH, Diasammlung, 1989.
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![]() Der Steigerschacht war immerhin schon mit zweitrümiger Förderung ausgerüstet. In die Gestelle paßte aber immer nur ein Hunt hinein. Bildquelle: Unternehmensarchiv des ehemaligen VEB Kaolin- und Tonwerke Löthain- Seilitz beim heutigen Standort Mehren der Unternehmensgruppe SIBELCO Deutschland GmbH, Diasammlung, 1989.
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![]() Auch wir fahren nun wieder aus...
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![]() Eigentlich könnte man nun über die Förderbrücke direkt zur Bunkeranlage laufen, aber das alte Holz der Brücke hält nur noch die Trägheit zusammen und müßte dringend erneuert werden... |
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![]() Links steht der Tonbunker. Unter dem Spitzdach rechts davon verbergen sich die Gewichte der Seilspannanlage der zirka 800 m langen Förderseilbahn, die von Bleichert & Co. aus Leipzig im Auftrag der damaligen Gewerkschaft Neu Hedwigsburg- Gotha 1919 erbaut wurde und die vormals Krister'schen Tonschächte mit der Schlämmerei in Zehren verband. Aus den 1920er Jahren stammen zwei
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![]() Die Umlenkscheibe des Zugseils.
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![]() Die Umlenkscheibe des Zugseils von unten gesehen: Sie war verschiebbar gelagert. An der Achse war ein Seilzug befestigt und über ein paar Umlenkrollen zu einem Gewicht geführt, dessen Masse das Zugseil immer gespannt hielt.
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![]() Das Spanngewicht für das Zugseil bildete dieser frei hängende Kasten, der nach Bedarf mit Gestein befüllt wurde, um die nötige Spannkraft zu entwickeln.
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![]() So muß man sich das Funktionsprinzip dieses Seilspanners vorstellen. Ähnlich hat wahrscheinlich auch der Spannbock für die Tragseile an der Talstation funktioniert.
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![]() Auf dem Bogen oben lag das Tragseil auf und unten auf der Rolle lief das Zugseil. Die Seile sind heute nicht mehr vorhanden. Hier wurden jedenfalls die ankommenden leeren Förderkörbe aus der Schlämmerei aus dem Zugseil ausgeklinkt und auf die Schiene oberhalb des Tragseils geschoben.
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![]() Auf der Schiene liefen sie genauso, wie auf dem Tragseil, auf Rollen und konnten dann zur Verladung geschoben werden...
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![]() Die Schiene führt in einem Omega- förmigen Bogen unter die Rollenschnauzen...
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![]() Es gab drei Bunker und darunter auch drei Rollen.
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![]() Mit den Hebeln wurden die Rollenschnauzen geöffnet, wenn die leeren Körbe darunter hingen. Da die ganze Anlage nur überdacht, sonst aber offen war, muß das im Winter ein sehr unangenehmer Arbeitsplatz gewesen sein...
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![]() Die Anlage noch einmal von der Stirnseite betrachtet: Unter dem Vordach sieht man den Schienenbogen, über den die Förderkörbe gewissermaßen gewendet und dann unter die anderen beiden Rollen rechts geschoben wurden.
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![]() Neben den Ton- und Holzlagerschuppen ist das Schachtgebäude noch am originalen Standort und, von ständig erforderlichen Reparaturen abgesehen, auch noch fast im originalen Zustand. Nur der Schacht selbst wurde nach der Betriebseinstellung verfüllt.
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![]() Das markante Spitzdach bildet die Einhausung des Fördergerüstes. Man beachte die gelbe Rundumleuchte auf derem Dach: Wie früher die Glöckchen auf den Wächterhäuschen über den Kunstschächten mit ihrem gleichmäßigen Schlagen dem Kunststeiger den richtigen Gang der Kunstgezeuge anzeigten, so zeigte den Elektrikern des VEB das Aufleuchten dieser Signalleuchte schon von weitem an, wenn hier die Pumpen ausgefallen waren.
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![]() Der Ladeplatz vor dem Schacht.
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![]() In dem gemauerten Gebäudeteil hinter dem Drukluftbehälter stand der Kompressor.
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![]() Dieser auch hier aufgestellte Tonschrapper ist eine Schenkung eines anderen Bergbauvereines und war hier nie im Einsatz.
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![]() Eine klappbare Brücke führte hier von der Hängebank in der Schachthalle links hinüber zum Tonlagerschuppen rechts. So konnte man die Hunte auf einer Höhe leicht hinüberschieben und LKW's hatten bei aufgezogener Brücke die Möglichkeit, um den Schacht herum in einem großen Bogen zu wenden...
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![]() Vor der Schachthalle sind auch noch ein paar der Stahl- Ausbauelemente gelagert.
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![]() Schau an: Da kamen sie seinerzeit her.
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![]() Im Schachtgebäude links direkt zwischen den Seilscheibenstützen steht die Fördermaschine.
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![]() Das gesamte Fördergerüst ist aus Holz gebaut... Dort oberhalb der Bühne unter dem Dach befindet sich die Seilscheibe.
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![]() Der Scheibenstuhl auf dem Fördergerüst von der anderen Seite gesehen...
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![]() Auf der anderen Seite des Raumes die Hängebank. Der Schacht war eintrümig und das Gestell faßte immer nur einen Hunt. Die Hunte wurden dann von hier aus über eine - wie oben gezeigt, hochklappbare (damit auch LKW's durch den Hof fahren konnten) - Förderbrücke hinüber zum Tonlagerschuppen geschoben.
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![]() Der Arbeitsplatz des Anschlägers.
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![]() Die Zähltafel für die Hunte. Das ging früher auch ohne Elektronik und funktionierte mindestens genauso zuverlässig.
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Die Gestelle waren nur zur Förderung, nicht zur Mannschaftsfahrung zugelassen. Die Bergleute fuhren wie früher per pedes auf Fahrten ein und aus.
Es gäbe natürlich
noch mehr hier zu präsentieren, aber unsere Dokumentation soll
Ihnen ja auch nur einen kleinen Einblick geben, was es hier so alles zu
sehen gibt. Sie können es sich bei Gelegenheit ja selbst einmal
anschauen... Bitte den
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Aktiver Bergbau |
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Tagebaue Canitz
und Seilitz (SIBELCO Deutschland GmbH)
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Wie oben im Text schon erwähnt, ist der Bergbau im Meißener Tonrevier noch nicht erloschen: Zwei Unternehmen setzen den Abbau von keramischen Rohstoffen bis heute fort. Der ehemalige VEB Vereinigte Kaolin- und Tonwerke Seilitz- Löthain ist heute ein Standort der SIBELCO Deutschland GmbH.
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In der Publikation zu Gewinnung und Verwendung des Kaolins in Deutschland (BGR, 2017) der Bundesanstalt heißt es: „Mit dem Betrieb von Steinbrüchen, Gruben und Bergwerken sind teils erhebliche Eingriffe in die Umwelt und Belastungen der Verkehrsinfrastruktur verbunden. Die Zulassung von Rohstoffgewinnungsvorhaben ist daher an eine Vielzahl von umwelt- und naturschutzrechtlichen Gesetzen geknüpft. Zu diesen Gesetzen zählen beispielsweise das Wasserhaushaltsgesetz (WHG), das Bundes- Immissionsschutzgesetz (BImSchG), das Bundes- Bodenschutzgesetz (BBodSchG), das Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG) oder auch aus das Gesetz über die Umweltverträglichkeitsprüfung (UVPG). Durch die Umsetzung dieser Gesetze wurden in den letzten Jahrzehnten die Belastungen durch die Rohstoffgewinnungsbetriebe in Deutschland auf ein Minimum reduziert.“ Im gleichen Umfang hat sich freilich auch der bürokratische, zeitliche und Kostenaufwand für Genehmigungsverfahren erhöht. Der Abbau in Canitz wurde bereits seit 1988 geplant. Über die Inbetriebnahme berichtete die Sächsische Zeitung im Juli 2008 ‒ also 20 Jahre ( !! ) später: „Rund zwei Millionen Tonnen Ton lagern in Canitz. Die Kaolin- und Tonwerke Seilitz- Löthain haben jetzt mit dem Abbau des Rohstoffes auf einem rund acht Hektar großen Gelände in 30 Metern Tiefe begonnen. Maximal 50.000 Tonnen sollen jährlich gewonnen werden...“ In einem Tagungsbericht der Deutschen Keramischen Gesellschaft e. V. fanden wir dazu noch die Angaben, daß hier in Canitz eine geologisch interessante, gestörte Abfolge von plastischen Tonen und Kaolinen vorliegt, deren Genese noch nicht im Detail geklärt ist. Bei den Kaolinen handelt es sich um Verwitterungsprodukte von Arkosen und von Quarzporphyren. Die Rohkaoline werden in der Fliesenindustrie eingesetzt, die aufbereiteten Kaoline für die Herstellung von Elektro- und Geschirrporzellan. Die Aufbereitung erfolgt auf nassem Wege am Unternehmensstandort in Seilitz. Nach der Reinigung in Läutertrommeln durchläuft das Rohkaolin dort eine Hydrozyklontrennstufe von 50 μm und anschließend eine Entwässerung in Kammerfilterpressen bis zum verkaufsfähigen Produkt (DKG, 2011).
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Im Abschnitt über die nun einmal unvermeidlichen Umweltauswirkungen des Kaolin- und Tonabbaus formulierte die Bundesanstalt übrigens auch: „Ökologen und Biologen entdeckten aber auch den hohen ökologischen Wert von Gewinnungsstätten und zwar sowohl von aktiv betriebenen als auch von bereits stillgelegten. Es gibt zahlreiche Beispiele für ein Miteinander von Naturschutz und Rohstoffgewinnung. In Steinbrüchen, Kies-, Ton- und Kaolingruben leben eine Vielzahl verschiedener Tier- und Pflanzenarten. Manche von ihnen, darunter viele Insekten, sind unscheinbar und auf den ersten Blick gar nicht zu entdecken. Häufig handelt es sich um besonders spezialisierte und streng geschützte sogenannte Pionierarten, die in der umgebenden, durch intensive Landwirtschaft geprägten Kulturlandschaft, keine entsprechenden Lebensräume mehr finden. Es gibt aber auch spektakuläre, gut erkennbare Arten: Häufig findet man in flachen Teichen, Pfützen oder Tümpeln, wie sie gerade auch für die Gewinnungsstätten von Kaolin typisch sind, eine große Anzahl von Amphibien wie die Gelbbauchunke, Geburtshelferkröte oder den Kammmolch. Diese Amphibien werden durch eine nachhaltige Gewinnung von Rohstoffen gefördert, da sie zeitweise flache und vegetationsarme Stillgewässer zum Leben brauchen.“ (BGR, 2017) Schau an: Bergbau steht gar nicht unbedingt ,contra' der Umwelt ‒ ganz im Gegenteil findet Umweltschutz eben auch ,durch' den Bergbau statt...
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Mit Hilfe des Geoportals kann man leicht noch folgende Angaben zur Dimension des hier beschriebenen Tagebaus zwischen Canitz und Löthain herausfinden: Die Betriebsflächen des Tagebaus nehmen bei zirka 200 m Breite in Südwest- Nordost- Richtung und 250 m in Nordwest- Südost- Richtung gegenwärtig etwa 6,5 ha Fläche ein. Die Lagerhallen und Verladeanlagen am Steigerschacht 2 sind nur rund 500 m entfernt, bis zur Kaolin- Aufbereitung in Seilitz sind es dagegen zirka 7,5 km. Nach Nordosten rückt derzeit der Abraumschnitt weiter vor. Ungefähr 7 m Deckgebirge sind hier mindestens abzutragen. Im Norden werden die Abbauflächen dagegen durch den als Zufahrt genutzten Wirtschaftsweg und im Westen durch den Löthainer Binnengraben begrenzt. Das Gelände fällt nach Süden zum Löthainer Wasser ab und erreicht mit etwa 220 m DHHN an der Nordspitze des Tagebaus seine größte Höhe; im Süden liegt die Oberfläche nur noch 202 m hoch. Die tiefste Sohle liegt gegenwärtig auf etwa 196 m Höhe. Daher wird auch die größte Tiefe mit zirka 24 m ganz im Norden des Tagebaus erreicht. Der Abraumschnitt erfolgt auf vier bis sechs Sohlen, deren Abstände ziemlich regelmäßig bei etwa 2 m Höhe liegen. Die Anschnitte im Kaolin sind auch etwas höher. Abgebaut wird nach Bedarf und bei nasser Witterung im Winter gewöhnlich gar nicht. Bis zum Herbst müssen die Vorratslager gefüllt sein. Leider haben wir bis heute keine Genehmigung durch den Betreiber für eine Besichtigung der Tagebaue erhalten, so daß wir unseren Lesern keine Bilder, über das folgende Luftbild hinaus, zeigen können.
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![]() Noch einmal unsere Übersichtskarte zur Lage dieses Tagebaus westlich von Löthain.
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![]() Das Geoportal macht für uns noch mehr Details sichtbar, wenn wir Schummerungsrelief und Orthofotos einmal übereinanderlegen. Letztere stammen hier aus dem Frühjahr 2024. Bedauerlicherweise verläuft gerade die Grenze zwischen zwei Befliegungstagen über den Tagebau in Canitz. Bis hierhin kommen wir auch allein - von nun an geht es nur noch bei geeignetem Wetter und natürlich nur mit der Erlaubnis und unter Begleitung durch das Unternehmen weiter.
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Der zweite Tagebau in Seilitz ist bereits Anfang der
Auch zu diesem Tagebau greifen wir schnell einige geometrische Daten aus dem Geoportal ab, um uns einen Überblick zu seiner Dimension zu verschaffen: Ohne die Betriebsanlagen an der Nordseite der Straße von Seilitz nach Zehren hinzuzurechnen, umfaßt die Fläche des eigentlichen Tagebaugeländes bei etwa 275 m Ausdehnung in Ost- West- Richtung und 375 m in Nord- Süd- Richtung auch hier knapp 6,5 ha. Die Kaolin- Aufbereitung im Tal des Grutschenbachs ist nur etwa 800 m entfernt ‒ aber da die Förderseilbahn inzwischen außer Dienst und demontiert ist, muß diese Strecke heute mittels LKW bewältigt werden. Im Nordwesten ist die Abbaufläche durch den Sicherheitspfeiler der Straße begrenzt, nach Osten fällt die Oberfläche ziemlich steil ab. Von Süden und Westen her wird die abgebaute Fläche bereits wieder aufgefüllt. So kann der Abbau hier nur noch nach Nordosten und in die Tiefe entwickelt werden. An der Nordwestseite des Tagebaus liegt das Gelände bei zirka 188 m, im Südosten nur noch bei 170 m über dem Meer. Die Tagebausohle liegt gegenwärtig auf zirka 157 m Höhe. Demzufolge erreicht der Abbauschnitt auch im Nordwesten mit bis zu 31 m seine größte Höhe. Die bis zu sechs Abbaubermen im Tagebaustoß liegen hier zwischen 2 m und 7 m Höhe auseinander. Von der abgebauten Westseite her und im Süden wird der Tagebau bereits wieder mit Abraum aufgefüllt.
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![]() Die Lage des Tagebaus Seilitz und des Staatlichen Weißerdenwerkes.
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![]() Wie schon oben, nehmen wir auch hier die technischen Möglichkeiten des sächsischen Geoportals gern in Anspruch, um uns zunächst aus der Ferne ein Bild zu machen. Auch hier entstammen die Luftbilder dem Frühjahr 2024, sind also nicht mehr ganz aktuell. Bis hierhin stehen jedem die heutigen Mittel zur Einsichtnahme frei. Aufgrund der anstehenden, tonigen und schluffigen Gesteine im Tagebau und durchaus nicht zu vernachlässigender Gefahren raten wir aber noch einmal dringend von unerlaubtem Betreten auch dieses Tagebaus ab und empfehlen, sich bei geeignetem Wetter rechtzeitig vorher die Erlaubnis und fach- und ortskundige Begleitung seitens des Unternehmen einzuholen.
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Obwohl uns die Mitarbeiter des Unternehmens vor Ort ‒ unter anderem durch eine ausführliche Führung im Bergbaumuseum und durch das Ermöglichen der Einsichtnahme in das von ihnen bewahrte Archiv der Vorgängerbetriebe ‒ bei unseren Recherchen bereits sehr unterstützt haben, wofür wir uns an dieser Stelle noch einmal herzlich bedanken wollen, sind unsere mehrfachen Anfragen bei der heutigen Unternehmensführung bedauerlicherweise ‒ wie sag ich's am nettesten: Anscheinend auf völliges Desinteresse gestoßen. Nun, daß wir mit diesem Thema und mit unserem Ansinnen im Westerwald oder gar in Belgien vielleicht nicht ganz oben in der Prioritätenliste stehen, wenn man Bestandteil eines weltweit operierenden Rohstoff- Konzerns ist, ist uns schon bewußt. Aber daß wir der Unternehmensführung seit inzwischen anderthalb Jahren gar keine Antwort wert sind ‒ selbst mit einer hinsichtlich einer Befahrung der Tagebaue abschlägigen hätten wir ja leben können ‒ das ist unseres Erachtens schon bemerkenswert. Ein findiger Jurist wird uns vielleicht eines Besseren belehren können, aber wenn man sich trotz wiederholter Aufforderung, gegebenenfalls bestehende Korrekturanforderungen doch bitte zur Sprache zu bringen, in Schweigen hüllt, nehmen wir dies ‒ jedenfalls, was den historischen Teil unseres Beitrages anbetrifft ‒ als stillschweigende Duldung und mithin als Freigabe unseres voranstehenden Textes hin. Anders sieht es aber bei den in Betrieb befindlichen, sich durch den Abbau ständig verändernden und schon dadurch einem ortsunkundigen Besucher durchaus nicht ungefährlichen Tagebauen aus. Spätestens seit dem Böschungsbruch in Nachterstedt sollte selbst jedem Laien bewußt sein, daß man sich auch in einem Ton- Tagebau in ein durchaus gefahrenträchtiges Terrain begibt, wo man besser sach- und ortskundige Begleitung neben sich hat. Wir werden jedenfalls unsere eigenen Regeln nicht selber brechen und uns ohne Genehmigung Zugang zu den Tagebauen verschaffen ‒ was nicht unbedingt das eigentliche Problem darstellen würde ‒ auf keinen Fall aber dann hinterher im Internet auch noch darüber schreiben. Einen visuellen Eindruck vom Stand und den Methoden des Abbaus in den beiden Tagebauen, über die oben angeführten, für jeden verfügbaren Luftbilder hinaus, können wir daher in diesem Fall unseren Lesern leider nicht bieten. Das bedauern wir sehr, denn wir haben schon die Vorstellung, daß es ein anderer Eindruck sein wird, wenn man einmal selbst vor dem weißen Tagebaustoß stehen kann.
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Staatliches Weißerdenwerk
Seilitz (Porzellanmanufaktur Meißen GmbH)
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Umso mehr freuen wir uns über die Genehmigung der staatlichen Porzellanmanufaktur Meißen GmbH, über das staatliche Weißerdenwerk in Seilitz im Folgenden auch einige aktuelle Fotos zum aktuellen Stand des Abbaus zeigen zu dürfen. Vielleicht hat bei dieser Entscheidung der verantwortlichen Mitarbeiter in der Geschäftsführung ja auch eine Rolle gespielt, daß die Manufaktur im Gegensatz zu SIBELCO ein in dieser Region verwurzeltes Unternehmen ist, dessen ureigenste Geschichte wir mit unseren Recherchen auch berührt haben. Parallel zum ausklingenden Abbau im ,Nordfeld' wurde jedenfalls durch die Manufaktur als Betreiber des Bergwerks in Seilitz das ,Südostfeld' erschlossen. Vorbereitende Arbeiten für die Errichtung eines neuen Förderschachtes begannen im Jahr 2017 ‒ die Planungen gehen jedoch auch hier bereits auf die 1970er Jahre zurück. Voraussetzung dafür war auch, daß der alte Bauernhof Anfang der 1990er Jahre aufgegeben und danach nicht weiter bewirtschaftet worden ist. Im Jahr 2017 wurden die zunehmend verfallenden Ruinen dieses Hofes auf Rechnung der Manufaktur abgerissen. Im Jahr 2020 wurde dann durch die Schachtbau Nordhausen GmbH der ,Förderschacht 2' geteuft und ausgebaut. Nach der Errichtung des Schachtgebäudes und des neuen Erdeschuppens durch die Bergsicherung Sachsen GmbH, dem Einbau der Förderanlage und den technischen Abnahmen durch den Sachverständigen und die Bergbehörde konnten der Betrieb des neuen Schachtes und die bergmännische Ausrichtung des Südostfeldes Ende des Jahres 2023 aufgenommen werden.
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Auch hier entnehmen wir dem Geoportal noch einige geometrische Angaben, was jedoch weniger einfach ist, da der Abbau hier ja untertägig erfolgt. Dennoch kann man abschätzen, daß das nunmehr gänzlich abgebaute Nordfeld etwa 0,9 ha Fläche einnahm. Kaolin hat man im Laufe der Geschichte hier auf fünf Sohlen abgebaut, was rein rechnerisch einem Volumen von ungefähr 112.500 m³ Rohstoff entspricht. Das nun in Betrieb gegangene Südostfeld umfaßt dagegen ‒ abzüglich der Sicherheitspfeiler zur Straße und zum Schieritzer Weg ‒ nur rund 0,26 ha. Die Geländehöhe an der Straßenkreuzung liegt bei zirka 184 m DHHN, der Betriebshof und die Rasenhängebank des Förderschachts 2 liegen auf zirka 178 m Höhe. Die 1. Sohle wird gegenwärtig in nur 5 m Teufe unter Hängebank zum Abbau vorgerichtet. Insgesamt sind drei Abbausohlen vorgesehen, welche wie im Nordfeld auch jeweils 2,5 m untereinander liegen werden; die dritte folglich in 10 m Teufe oder bei zirka 168 m Höhe über dem Meer. Tiefer hinunter reicht die Lagerstätte hier nicht ‒ dort geht sie in steinigen und unbrauchbaren Porphyr- Zersatz über.
Obwohl auch die gerade vorgestellten
Tagebaue nun nicht unbedingt gewaltige Dimensionen aufweisen, erscheinen
demgegenüber die Dimensionen des aktuellen Tiefbaufeldes des Staatlichen
Weißerdenwerkes geradezu winzig. Doch multipliziert man die genannte Fläche mit den
erwarteten 7,5 m Rohstoffmächtigkeit, so lagern im Südostfeld im
günstigsten Fall immerhin etwa 20.000 m³ Kaolin. Durch das Abbauverfahren
im Örter- Bruchbau kann im Prinzip das komplette Volumen hereingewonnen
werden. Bei einer Förderung von
durchschnittlich 200 t jährlich könnte diese Menge demzufolge wieder für
rund 100 Jahre ( !! )
Betriebsdauer ausreichen... Wie wir aus unserem montanhistorischen
Abschnitt aber schon wissen, ist das gesuchte, weiße und feinkörnige
Material jedoch ungleichmäßig verteilt, so daß es wohl weniger werden wird. Für
die Zukunft besteht dann noch die Möglichkeit, wie es schon
Wir bedanken uns an dieser Stelle auch noch einmal bei der Geschäftsführung der Manufaktur und dem Betriebsführer des Weißerdenwerkes, daß wir auch hier anfahren durften und unseren Lesern den Stand der Ausrichtungsarbeiten im Jahr 2024 einmal zeigen dürfen.
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![]() Das Gebäude des neu errichteten Förderschachts 2 im ,Südostfeld' im Jahr 2023, im Hintergrund rechts am Rand der Abraumhalde die Kaue des weiter genutzten Wetterschachtes am Südostrand des ,Nordfeldes'. Bildquelle: Projektarchiv der TABERG-OST GmbH.
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Ein Blick hinter die Kulissen: Die Hängebank des nagelneuen Förderschachtes auf der Rasensohle... Bildquelle: Projektarchiv der TABERG-OST GmbH.
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...und das Füllort auf der 1. Sohle. Bildquelle: Projektarchiv der TABERG-OST GmbH.
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Von hier ostwärts ist die Ausrichtungsstrecke zum Wetterschacht angehauen. Wie es fast überall bis heute Tradition ist, wacht auch hier eine Barbara über das Glück der Bergleute.
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![]() Hier beginnt nun alles von vorn: Wir durften bei unserem Besuch im Jahr 2024 der Richtstrecke einmal folgen...
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![]() Dieses zwar ganz schick gebänderte, aber eben eisenschüssige Material ist nicht brauchbar, steht aber auch noch im Sicherheitspfeiler des Schachtes in der Lüfterkammer an...
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![]() Die Richtstrecke wird als Ausrichtungsbau quer durch das Südostfeld hindurch zunächst bis auf den Wetterschacht durchschlägig gemacht, bevor von dieser ausgehend dann mit dem eigentlichen Abbau begonnen werden kann.
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![]() Vor dem Ort der Richtstrecke sieht das anstehende Material doch schon viel besser und fast reinweiß aus. |
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![]() Und dann kommt es hier an: Einer der Vorratskeller unter den 1863 errichteten Gebäuden der Staatlichen Porzellanmanufaktur in der Talstraße 9 in Meißen.
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![]() Früher wurde das Kaolin auch hier in solchen hölzernen Karren transportiert, um jede Verunreinigung mit Eisen zu vermeiden.
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![]() Nach dem mechanischen Aufbereitungsprozeß wird das Rohkaolin dann mit Wasser versetzt und als dünnflüssige Suspension über solche Aufgabekästen in die Schlämmbecken gefüllt.
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![]() Das alte Gezähe der Schlämmereiarbeiter wird hier heute nur noch zu Anschauungszwecken für Besucher aufbewahrt.
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![]() Die Suspension steht dann wochen- und monatelang in diesen Becken, wo sich das feinstkörnige Kaolin ganz langsam absetzt. Faßt man hier mit der Hand hinein - was man allerdings bei einer Führung besser läßt - fühlt sich die Substanz weich wie Milch an.
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![]() Im Prinzip funktioniert die Aufbereitung des Kaolins noch genauso, wie schon vor mehr als 120 Jahren. Diese Schlämmbecken werden tatsächlich schon seit 1867 immer wieder benutzt...
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![]() Am Ende des Schlämmvorganges wird der ,Bodensatz' aus den Becken ausgestochen, über Filterpressen entwässert und zu diesen dicken, runden Stücken gepreßt. Die werden dann hier im sogenannten ,Mauk- Keller' kühl und feucht gelagert und wenn oben in den Werkstätten frisches Material gebraucht wird, sticht man aus dem Stapel quer die benötigte Menge ab.
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Wie man hier sehen kann, erfolgt die Verarbeitung des
Rohkaolins in den Katakomben der Manufakturgebäude also noch immer
Welche Meisterschaft die Ingenieure, Meister und Handwerker der Manufaktur dabei aber erreicht haben, das kann man nicht nur in der Porzellansammlung im Dresden'er Zwinger, sondern seit kurzem auch in der Meißen'er Frauenkirche bestaunen: Hier befindet sich nämlich nicht nur und bereits seit dem Jahr 1929 das weltweit erste stimmbare Porzellan- Glockenspiel. Bereits zu Zeiten August's, des Starken, bemühte man sich in der Porzellanmanufaktur auch, klingende Orgelpfeifen aus Porzellan herzustellen. Der frühere künstlerische Leiter der Staatlichen Porzellan- Manufaktur, Herr Ludwig Zepner (*1931, †2010), hatte 1950 auf dem Dachboden der Manufaktur Bruchstücke von Porzellan- Orgelpfeifen gefunden, die auf ergebnislose Versuche um 1730 durch Johann Joachim Kaendler (*1706, †1775), Modellierer bei der Manufaktur, Arkanist und ab 1749 sächsischer Hofkommissar, sowie von Prof. Emil Paul Börner (*1888, †1970), damals Leiter des Meisterateliers der Manufaktur, aus der Zeit um 1920 zurückgingen. Erst im Jahr 2000 wurden neue Versuche dann endlich auch von Erfolg gekrönt: Den beiden traditionsreichen sächsischen Firmen, der Staatlichen Porzellan- Manufaktur Meißen GmbH und dem bekannten Unternehmen Jehmlich Orgelbau Dresden GmbH, gelang es nach intensiver Zusammenarbeit, weltweit erstmals klingende Porzellanpfeifen herzustellen. Die Herausforderungen dabei bestehen unter anderem darin, geeignete Formen zu fertigen, die Schwindung der Masse um fast 17% ihres Volumens beim Trocknen und Brennen zu berücksichtigen, Verformungen der langen und dünnen Stücke beim Brand zu verhindern und im Ergebnis die Teile so genau herzustellen, daß auch der richtige Ton beim Anblasen erzeugt wird. Als erste wurde eine kleine, einmanualige Orgel mit insgesamt acht Registern, darunter eines mit 22 Porzellan- Pfeifen von 48 cm bis 112 cm Länge (nur ein halbes Register), gebaut, welche heute in der Schauhalle der Manufaktur zu sehen und zu hören ist; eine von bislang nur drei in der Welt (jehmlich-orgelbau.de, frauenkirche-meissen.de, Informationen von Herrn D. Frank). |
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![]() Um diese weltweit erste Orgel mit Pfeiffen aus Meißen'er Porzellan zu sehen, muß man das Museum der Manufaktur besuchen. Das hat heute einen modernen Vorbau bekommen...
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![]() ...hinter dem sich aber noch die Fassade des früheren Ausstellungsgebäudes befindet, wo O. Kaubisch
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![]() Die Verkaufsausstellung im modernen Anbau.
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![]() Und dahinter das Museum im alten Gebäude.
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![]() Natürlich findet man hier auch Bergleute...
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![]() Und die kleine Orgel: Da steht sie...
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![]() 22 Stück - alle da.
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![]() Das Gütesiegel.
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![]() Diese war vielleicht zum Üben...
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In der Frauenkirche zu Meißen gibt es nun in Sachsen seit kurzem auch ein Orgelwerk mit Porzellan- Orgelpfeifen, bislang das einzige derartige weltweit; auch dieses gefertigt von der Orgelbaufirma Jehmlich und die Pfeifen selbst natürlich in der Manufaktur in Meißen. Im Zusammenhang mit der Restaurierung der von der Firma Jehmlich von 1930 bis 1937 erbauten Kirchenorgel in den zurückliegenden Jahren wurden nicht nur mehrere, original erhaltene Pfeifen des aus dem Jahr 1670 stammenden Vorgängerinstrumentes entdeckt; diesem Instrument wurde dabei nun auch ein vollständiges Register aus 37 Meißen'er Porzellan- Orgelpfeifen beigefügt. Die aus jeweils drei Teilen bestehenden Porzellanpfeifen besitzen dabei eine Länge von bis zu 1,60 m. Am Sonntag, dem 8. Juni 2025, fand die feierliche Wiedereinweihung der damit komplettierten Orgel statt (jehmlich-orgelbau.de, frauenkirche-meissen.de, Informationen von Herrn D. Frank und während der Führung durch Frau J. Franke).
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![]() Vor der Brüstung der Orgelempore mit der rekonstruierten Kirchenorgel aus den 1930er Jahren schwebt seit Juni 2025 nun ein zusätzliches Register aus strahlend weißen Orgelpfeifen. Im Dämmerlicht des Hauptschiffs kann man den Eindruck eines Engels mit ausgebreiteten Flügeln bekommen...
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![]() Es sind alles in allem 37 Pfeifen und im Gegensatz zu der ersten Orgel, die noch in den Ausstellungsräumen der Manufaktur steht, umfassen sie ein komplettes Register, das durch nur wenige hölzerne Basspfeifen und einige Metallpfeifen ergänzt worden ist. Es handelt sich bisher weltweit um das einzige Exemplar, das in einer Kirche steht.
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![]() Ja: Und sie sind aus Meißen'er Porzellan... Man muß sich freilich etwas heranzoomen, um die recht kleine Plakette mit den blauen Schwertern darauf auf der mittleren Pfeife zu entdecken.
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![]() Porzellan- Glockenspiele gibt es dagegen inzwischen schon etliche: Eines der ältesten, zumindest das erste frei bespielbare aus Meißen'er Porzellan, hängt im Turm der Frauenkirche am Markt zu Meißen...
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![]() Da oben hängt es seit der 1.000- Jahrfeier der Gründung Meißens im Jahr 1929... Es verfügt über 37 Glocken, mit denen - mit Unterbrechungen in den Jahren der DDR - mehrfach am Tag verschiedene Choräle passend zum Kirchenjahr angespielt werden.
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Digitalisat:
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![]() Die regelmäßigen Glockenspiele der Choräle werden noch immer, wie nun schon seit fast 100 Jahren, von einer Klangwalze gesteuert, von der aus die Hämmer elektromechanisch angesteuert werden, welche die einzelnen Glocken anschlagen und zum Klingen bringen. Zum Spielen anderer Musik kann die Mechanik heute aber auch manuell von einem Computer aus angesteuert werden.
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![]() Die Viertel- und die Stundenschläge der Turmuhr, zu denen neben zwei Bronzeglocken unter der Turmhaube die Porzellanglocken im Westminsterspiel angeschlagen werden, werden nach wie vor von dieser Mechanik gesteuert.
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Ein Porzellanglockenspiel hängt übrigens auch - oben unter der Turmuhr - im Rathausturm zu Freiberg; nur werden hier täglich um die Mittagszeit die Bergleute mit dem ,Steigerlied' zum Schichtwechsel gerufen.
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Es ist etwas kleiner, hat nur 11 Glocken, aber für diese eine Melodie reicht´s aus. Womit wir nun aber wieder zu Hause angekommen wären...
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Zum Schluß...
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In diesem Beitrag verfolgen wir reichlich 300 Jahre Bergbaugeschichte ‒ beginnend bei den Experimenten Böttcher's mit der ,Weißen Erde' aus Aue ‒ zurück. Fast 150 Jahre hat die dortige ,Weißerdenzeche' den Rohstoff für das weltbekannte Meißen'er Porzellan geliefert. Dann war diese Lagerstätte komplett ausgebeutet. Bis 1970 hat auch Sornzig über 130 Jahre lang einen Teil der ,Weißen Erde' geliefert. Wie lange vorher schon man den ,Kapselthon' in Mehren, Mohlis und Schletta gefördert hat, ist weniger genau bekannt. Noch länger aber ‒ inzwischen schon seit 260 Jahren ‒ kommt das Kaolin aus Seilitz. Die Manufaktur zu Meißen hat immer hochwertigstes Porzellan produziert. Dieses Porzellan war immer ein Luxusgut, das in eher kleinen Stückzahlen und in vollendeter Präzision geschaffen worden ist. Es wäre aber ein Trugschluß, daraus zu folgern, daß dementsprechend gering auch die Menge des Rohstoffbedarfs gewesen sei. Nein ‒ die Technologie, wie man das bewerkstelligt, mußte man ja auch erst einmal durch zahllose Versuche herausfinden. Dennoch sind Fördermengen von wenigen hundert Tonnen pro Jahr natürlich ein Grund für den langen Bestand dieser Weißerdenwerke. Mit dem Einzug einer Massenproduktion an Gebrauchsgütern aus Porzellan, die für uns heute völlig selbstverständlich sind, und entsprechendem Bedarf an Kaolin- reichen Tonen um die Mitte des 19. Jahrhunderts wurden die in der Meißen'er Region vorhandenen Lagerstätten immer stärker ausgebeutet. Daß auch noch heute in Seilitz und in Canitz bei Löthain Tonerde gefördert wird, ist nur dem zu danken, daß diese Tonlagerstätten ziemlich ausgedehnt sind und dem Umstand, daß heute auch Kaoline geringerer Qualität nach entsprechender Aufbereitung nutzbar gemacht werden können.
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![]() Diese Medaille aus Porzellan legte die Manufaktur im Jahr 2014 auf. Das Erinnerungsstück wurde uns vom amtierenden Steiger des Staatlichen Weißerdenwerkes zur Verfügung gestellt.
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Übertage sind von diesem Bergbau im Revier kaum noch Zeugnisse erhalten. Die Übertageanlagen der letzten beiden Schächte des VEB Kaolin- und Tonwerke mit ihren Lagerhallen sind wohl die imposantesten Landmarken in der Landschaft, gegen die das versteckt im Tal in Mehren gelegene Bergbaumuseum leider optisch weit zurücktritt.
Es war der pure Zufall, daß ausgerechnet im Jahr unseres oben geschilderten
Wenn der Berufsstand des Bergmanns ausstirbt, wird auch das Traditionsbewußtsein aussterben und die schöne ,Montanregion' wird zu einem Trachtenverein verkommen. Das haben wir so klar noch selten ausgesprochen, aber in Anbetracht des gegenwärtigen Zustands dieses Museums erachten wir es als nötig, diesen Satz hier hinzuzufügen. Und es wäre ein Jammer, und es wäre ein Armutszeugnis für unser Land und seine Kultur- und Denkmalschutz- Behörden, wenn es nicht gelänge, dieses einzigartige Museum auch für unsere Nachfahren zu erhalten. Vielleicht können wir ja mit unserem Bericht einen kleinen Beitrag dazu leisten, daß dies gelingt.
Dieses Museum berichtet uns
Nachgeborenen nämlich auch von der
harten und gefährlichen Arbeit der Bergarbeiter: Unfälle sind zuhauf
dokumentiert. Gefahren beim Abbau brachten aber nicht nur Löser, Wassereinbrüche
oder Schlagwetter mit sich. Was in Anbetracht des doch eigentlich milden und
plastischen und meist feuchten Tones, der hier gefördert worden ist, selbst für
uns neu zu erfahren war, ist, daß auch sehr viele der Ton- Bergleute hier im
Revier nicht alt geworden und an Silikose früh verstorben sind. Aber wenn wir
nur an das Ausbringen der Schlämmereien zurückdenken, dann wissen wir ja
eigentlich, daß
nur etwa 20% bis 25% Kaolinit und keramisch verwertbare Tonminerale im Rohmaterial
enthalten sind. Der überwiegende Rest ist Quarzsand. Wo der nicht ohnehin schon
sehr feinkörnig im Gestein eingeschlossen war, wurden die Körner durch die
druckluftbetriebenen Tonspaten zerschlagen und der Staub im Wetterzug
aufgewirbelt. Diese Gefahr ist durch den Einsatz der pneumatisch angetriebenen
Gewinnungstechnik erst richtig zum Tragen gekommen und war auch in der
Bergbehörde wenigstens
Die ausdrucksvolle Plastik im Eingangsbereich des Bergbaumuseums in Mehren ist deshalb in unseren Augen eine Verneigung vor den Leistungen dieser Bergarbeiter.
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![]() Plastik eines knieenden Bergmannes im Eingangsbereich des Bergbaumuseums in Mehren, als Steingußfigur geschaffen von dem Meißen'er Bildhauer Robert Georg Türke (*1884, †1972) wahrscheinlich um 1930. Im Jahr
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Auch aus diesem Grund bedanken uns noch einmal sehr herzlich bei allen Mitwirkenden an diesem Beitrag, insbesondere aber bei den verbliebenen, aktiven Bergbauunternehmen im Revier, dafür, daß sie uns einen Einblick in ihre Archive gaben, daß wir einen Eindruck von den Lagerstätten und den heute ganz unterschiedlichen Abbaumethoden gewinnen konnten und wünschen, daß ihnen das bergmännische Glück und die Nachfrage nach dem Rohstoff nicht ausgehen werden. Glück Auf! Das Team vom u. b.
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Weiterführende Quellen
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Hinweis: Die verwendeten Digitalisate des
Sächsischen Staatsarchives stehen unter einer
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Allgemeine Quellen
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Sächsisches Hauptstaatsarchiv Dresden
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Staatsarchiv Chemnitz
Staatsarchiv Bautzen
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Bergarchiv Freiberg
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Archiv der Staatlichen Porzellanmanufaktur Meißen
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Archiv des früheren VEB Vereinigte Kaolin- und Tonwerke
Seilitz ‒ Löthain und dessen Vorgängerbetriebe (jetzt SIBELCO Deutschland GmbH, Standort Mehren)
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