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Ein Beitrag von www.unbekannter-bergbau.de

  

Einiges zur Lage und aus der Geschichte der Region
Aus der Geschichte der geologischen Erforschung
Zur Montangeschichte

Zum Abbau bei Hohnstein und Zeschnig
Zum Abbau bei Saupsdorf
Zum Abbau bei Hinterhermsdorf
Verbliebene Zeugnisse
Bei Hinterhermsdorf
Bei Saupsdorf
Bei Zeschnig
Bei Hohnstein
Jenseits der Landesgrenze
(K)ein Abschied
Weiterführende Quellen 

  

Zum Kalksteinabbau rechts der Elbe in der Region um Hohnstein, bei Saupsdorf und bei Hinterhermsdorf

Gezielte Recherchen für diesen Beitrag haben wir im April 2021 aufgenommen. Bedingt durch mehrfache Schließungen der Lesesäle des Staatsarchives aufgrund der Corona- Wellen zogen sich vor allem die Archivrecherchen diesmal lange hin. Ein Stand, auf dem dieser Beitrag unseres Erachtens erstmals auf unserer Seite publiziert werden kann, konnte dennoch bis zum Januar 2022 erreicht werden.

Für die Unterstützung bei der Erstellung dieses Beitrages bedanken wir uns insbesondere

  • bei den Bergbaufreunden aus Pirna, namentlich Herrn N. Kaiser und Herrn Dr. Chr. Bieberstein, für Hinweise auf weitere Quellen und für die Bereitstellung von Untertageaufnahmen aus dem ehemaligen Kalkwerk bei Zeschnig,
  • bei dem Geschäftsführer der Geowissenschaftlichen Sammlungen und Kustos der Mineralogischen Sammlungen der TU Bergakademie Freiberg, Herrn Dr. A. Massanek,
    für die Vermittlung des Kontaktes und bei Frau Dr. B. Gaitzsch, Betreuerin der Paläontologischen Sammlung, für das Ermöglichen unseres Besuches, für das Heraussuchen der Belege und Fossilien aus den Sammlungsschränken sowie für die technische Unterstützung bei den Fotoaufnahmen der historischen Fundstücke,
  • bei den Mitarbeitern der Standorte des Sächsischen Staatsarchives für ihre Geduld mit unseren Wünschen, insbesondere aber bei Frau R. Petrak für Hinweise auf Fehler in unserer Transkription der Archivalien,
  • bei Herrn E. Donner für Hinweise auf weitere Literaturquellen zur geologischen Erforschung der Lausitzer Überschiebung, sowie
  • bei der Geschäftsführung der Bergsicherung Freital GmbH, namentlich Herrn Dr. Pfütze,
    für die Einsichtnahme in Archivunterlagen des früheren VEB Bergsicherung Dresden.

Da sich im Zuge der Recherchen natürlich immer noch weitere Quellen zum Thema auftun, die noch längst nicht alle von uns selbst gesichtet werden konnten, kann und will unsere aktuelle Fassung auch diesmal nicht den Anspruch einer vollständigen und allumfassenden Abhandlung von sich geltend machen. Ganz im Gegenteil würden wir uns auch diesmal sehr freuen, wenn andere Heimatfreunde, die sich vor Ort auskennen, sich schon länger mit diesem Thema befassen und inzwischen mehr wissen als wir, oder auch einige, in unserem Text offen gebliebene Fragen schon beantworten können, mit uns in Kontakt treten würden. Die Anschrift der Herausgeber finden Sie dazu wie immer über den Button Impressum auf unserer Hauptseite rechts unten.

Letzte Ergänzung im Juli 2022.

Sie können diesen Beitrag auf dem Recherchestand vom August 2022 vom Qucosa- Server der Sächsischen Landes- und Universitätsbibliothek Dresden im PDF- Format herunterladen.

https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bsz:14-qucosa2-811050

  

 

 

Einiges zur Lage und aus der Geschichte der Region

 

Diese Region ist vielleicht die schönste überhaupt, die unser kleiner Freistaat zu bieten hat: Wir sind rechts der Elbe in der Sächsischen Schweiz unterwegs. Und wer hätte das gedacht: Auch hier gab es einst Bergbau ‒ vor allem auf Kalkstein, aber auch verschiedene Versuche auf Gold, Eisen- und Buntmetall- Erze.

Unsere Materialsammlung zum Abbau des Kalksteins in dieser Gegend ist gewissermaßen „aus Versehen“ entstanden: Eigentlich nämlich haben wir zeitgleich zum fiskalischen Kalkwerk in Hermsdorf im Osterzgebirge nahe Frauenstein recherchiert. Dabei stolperten wir aber unvermeidlich auch über den fast namensgleichen Ort Hinter-Hermsdorf in der Sächsischen Schweiz. Was wir dabei gefunden haben, erschien uns dann so interessant, daß wir im folgenden Beitrag einmal zusammengestellt haben, was in den Archiven alles dazu zu finden ist...

  


Übersichtskarte der Region von Hinterhermsdorf bis Hohnstein.
Quelle der Hintergrundkarte: geoportal.sachsen.de

 

Früher wurde die Region gewöhnlich als „Meißnisches Oberland oder auch als Heide über Schandau“ bezeichnet. Der Name Sächsische Schweiz“ geht erst auf die Schweizer Maler Adrian Zingg und Anton Graff zurück, die 1766 an die Dresdner Kunstakademie berufen worden sind und er wurde später auch auf die „Böhmische Schweiz“ / České Švýcarsko übertragen. Von der Schönheit der Landschaft waren zahlreiche Künstler der Romantik, deren bekanntester Vertreter wohl der Maler Caspar David Friedrich ist, fasziniert.

Schon seit 1956 steht das Gebirge unter Landschaftsschutz. Seit 1990 bilden zwei Teilflächen von insgesamt 93,5 km² Ausdehnung rechts der Elbe das Kerngebiet des Nationalparks Sächsische Schweiz im sächsischen Teil des Gebirges. Der auf tschechischem Gebiet südlich angrenzende Teil der „Böhmischen Schweiz“ wurde 1972 unter Landschaftsschutz gestellt und ist seit dem Jahr 2000 ebenfalls Nationalpark (wikipedia.de).

  


Ein erster Blick bei der Anreise von der Straße von Rathewalde nach Hohnstein auf die die Ebenheit überragenden Tafelberge, die die Elbe und ihre Nebenflüsse hier aus dem Sandstein geformt haben; vorn rechts in der Sonne der Lilienstein, im Hintergrund der Große Zschirnstein.

   

Das gebirgige und ursprünglich geschlossen bewaldete Land beiderseits des Durchbruchstales der Elbe durch das Elbsandsteingebirge stellte schon immer eine natürliche Grenze dar. Zugleich bildete das Elbtal aber auch schon in frühester Zeit einen wichtigen Handelsweg.

Um den Beginn unserer Zeitrechnung erreichten in den Germanenkriegen selbst römische Legionen von Westen her den Fluß. Zu dieser Zeit bestand südlich des Erzgebirges ein germanisches Königreich unter König Marbod. Der erst später erscheinende Name Böhmen soll auf die zuvor dort siedelnden und von den Markomannen unter Marbod verdrängten Boier, einen keltischen Stamm, zurückgehen (wikipedia.de).

Während der Völkerwanderung verschoben sich die Siedlungsgebiete und von Osten her drangen Slawen in das Elbland und bis an die Saale vor. Südöstlich der Gebirgsscheide entstand das Mährische Königreich, von dem jedoch unbekannt ist, wie weit es sich tatsächlich schon in das Elbland hinein erstreckt hat. Um 900 n. C. schufen dann die Přemysliden mit dem Königreich Böhmen einen neuen Staat, der schließlich auch Teil des Heiligen Römischen Reiches wurde.

Nördlich der Gebirge war dagegen im Jahr 843 n. C. durch die Teilung von Verdun das Karolingische Großreich zerfallen. Das Ostfränkische Reich war zu dieser Zeit der am wenigsten entwickelte und nur dünn besiedelte Teil des Frankenreiches. Mit der Wahl Heinrich's, I. (*um 876, †936) im Jahr 919 n. C. sind in Ostfranken die Sachsen an die Königswürde gekommen. König Heinrich hatte zunächst mit innenpolitischen Machtkämpfen unter den Herzögen sowie mit Einfällen der Ungarn zu kämpfen. Dabei wurden aber auch die slawischen Siedlungsgebiete allmählich unterworfen und die Herrschaft durch die Gründung neuer Markgrafschaften im Osten gefestigt. Eine davon war die Markgrafschaft Meißen, die auf das Jahr 929 zurückgeht.

  

Erst mit der Gründung des Erzbistums Magdeburg und dessen Suffragandiözesen in Havelberg, Brandenburg, Merseburg, Zeitz und Meißen im Jahr 968 durch Heinrich's Sohn und (ab 962) Kaiser des Heiligen Römischen Reiches, Otto, I. (*912, †973), nach dem die Sachsenkönige auch als Ottonen bezeichnet werden, begann dann eine neue und nun auch anhaltende Phase der deutschen Kolonisation in den Ostmarken.

Auch der sogenannte Gau Nizan, die spätere Oberlausitz, zu dieser Zeit vorwiegend von slawischen Milzenern besiedelt, wurde seit dem 10. Jahrhundert Expansionsziel der angrenzenden Länder. Das Gebiet war zuerst vom deutschen König abhängig, dann kurze Zeit polnisch, später wechselte der Besitz mehrfach zwischen den böhmischen Königen und den Markgrafen von Meißen, ehe das Land Budissin, wie die Oberlausitz damals auch hieß, ab 1158 für mehr als 450 Jahre ein Nebenland des Königreichs Böhmen wurde. Schon seit Anfang des 11. Jahrhunderts hatte aber auch das Hochstift Meißen durch verschiedene Schenkungen Besitzungen in der Oberlausitz erlangt, vor allem um Stolpen, Bischofswerda und Göda bei Bautzen (wikipedia.de).

Sowohl die Meißner Bischöfe als auch die Könige von Böhmen holten nun, verstärkt ab der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts, Kolonisten ins Land, ließen die Wälder roden und neue Dörfer anlegen. Die meisten Ortsgründungen in der Oberlausitz gehen daher auf die Jahrzehnte zwischen 1150 und 1240 zurück. Um 1220 war das zur Besiedlung geeignete Land schon weitgehend verteilt. Daraufhin entstanden zwischen den Gefolgsleuten des deutschen und des böhmischen Königs sowie des Bischofs zahlreiche Grenzstreitigkeiten (wikipedia.de). Die Errichtung von Grenzbefestigungen und Burgen war die logische Folge dieser Entwicklung.

Zwischen 1213 und 1223 wurde durch eine gemeinsame Kommission erstmals der Verlauf der Grenze zwischen den Meißnischen Besitzungen in der Lausitz und dem Böhmischen Königreich vermessen. Es dauerte aber noch bis zum Jahr 1241, bis der böhmische König Wenzel auf der Burg Königstein die sogenannte „Oberlausitzer Grenzurkunde“ unterzeichnete. in dem uns hier vorrangig interessierenden Gebiet unmittelbar rechts der Elbe bildete damals das Sebnitztal von seiner Mündung in die Elbe nach Norden die Grenzlinie zwischen den böhmischen Besitzungen östlich davon und den meißnischen Besitzungen westlich der Sebnitz. Die weiter westlich gelegenen Herrschaften Lohmen und Wehlen bildeten als böhmische Afterlehen zu dieser Zeit noch Enklaven innerhalb des meißnischen Territoriums.

Auf linkselbischem Gebiet verblieb auch die Burggrafschaft Dohna noch bis zum Ende der Dohna'ischen Fehde, in der die Burggrafen 1402 schließlich dem Markgrafen Wilhelm, I., genannt der Einäugige (*1343, †1407) unterlagen, unter böhmischer Lehnshoheit. Die ob ihrer spektakulären Lage weltberühmte Festung auf dem Königstein blieb sogar noch länger, bis zum Vertrag von Eger im Jahr 1459, mit dem die Grenzziehung zwischen dem Königreich Böhmen und dem nunmehrigen Kurfürstentum Sachsen, dessen Teil die Markgrafschaft Meißen jetzt war, geregelt wurde, in böhmischem Besitz (Nach dem Aussterben der Askanier im Herzogtum Sachsen- Wittenberg wurde 1423 bekanntlich den Wettinern dieses Herzogtum und damit auch die Kurwürde vom böhmischen König und (ab 1419) deutschen Kaiser Sigismund von Luxemburg (*1368, †1437) zugesprochen).

Erst nach der Auflösung des Heiligen Römischen Reichs im Zuge der Napoleonischen Feldzüge fielen im Jahr 1806 diese böhmischen Lehen endgültig an Sachsen.

   

Auch die spätere Stadt Hohnstein geht auf eine wehrhafte Burganlage aus dieser frühen Zeit zurück und wurde auf einem Felssporn über dem Polenz- Tal wahrscheinlich um 1236, zunächst aus Holz und erst nach und nach mit steinernen Mauern, errichtet. Erste urkundliche Erwähnungen einer Burg Hohnstein erfolgten 1317 als Hoinstein und 1333 als territorium Honsteinense. Wahrscheinlich erhielt der unterhalb der Burg gelegene Ort im Jahr 1444 das Stadtrecht. Die erste gesicherte urkundliche Nennung der Stadt selbst erfolgte 1445 als das statichen zcum Honsteyne sowie als stadichin under dem Honsteine (wikipedia.de, isgv.de).

Die erste urkundliche Erwähnung einer Herrschaft Hohnstein fällt auf den 16. August 1353, als Hinco de Dube dictus Berka (genannt Berka, altslawisch: die Eiche) dem böhmischen König und deutschen Kaiser Karl, IV. (*1316, †1378) sein Schloß Hohnstein mit allem Zubehör zum Lehen antrug (hohnstein.de, Knothe 1881).

  

Die Berken von Dubá / Berkové z Dubé gehörten dem böhmisch- mährischen Uradel an. Gemeinsam mit den Geschlechtern von Leipa / z Lipé, von Lichtenburg / z Lichtenburka, den Mirzan von Klingenstein / z Klinštejna und denen von Žleb / Waltersdorf bei Hannsdorf / Hanušovice in Mähren nahmen die Berka von Dubá schon in der ältesten böhmischen Herrenstandordnung vom Jahre 1501 einen der ersten Ränge ein. Alle diese Adelsfamilien gehen auf das Haus Krzineczky von Rohnau / Ronova, auch Ronow oder Ronburg (eine Feste östlich der Neiße nahe Zittau), zurück.

Ein Peter Berka soll schon 1235 Oberster Meister der Herren des Templerordens in Böhmen gewesen sein. Als Stammvater des urkundlich nachweisbaren Geschlechtes derer von Dubá gilt aber ein Hynek Berka von der Dubá (*1249, †1306), der Anfang des 14. Jahrhunderts als Burggraf von Prag genannt wurde (wikipedia.de).

Sie erwarben in der nachfolgenden Zeit insbesondere in Nordböhmen und in der ‒ damals zu Böhmen gehörigen ‒ Lausitz sowie in der Sächsischen Schweiz umfangreiche Ländereien, neben Dauba / Dubá und Leipa / Lípa (im heutigen Kreis Česka Lipá) zum Beispiel die Herrschaften Tollenstein / Tolštejn (heute als Rozhled ein Ortsteil von Georgenthal / Jiřetín pod Jedlovou) und Schluckenau / Šluknov. Ein Hinko II. auf Hohnstein ist 1388 Statthalter König Wenzel's in Mühlberg an der Elbe und von 1397 bis 1407 Landvogt der Niederlausitz gewesen. Bei der in dieser Familie später üblich gewordenen Sitte, mehreren Söhnen den Vornamen Heinrich (Hinko oder Hynek) zu geben, sind die familiären Zusammenhänge der Besitzer der einzelnen Herrschaften allerdings nicht immer einfach nachzuvollziehen (Knothe, 1881).

Nach einem Zerwürfnis um die Herrschaft Rohnau bei Zittau mit König Wenzel im Jahr 1396 widmeten sich die Berken wiederholt der Wegelagerei und bedrohten dabei die Handelswege des Oberlausitzer Sechsstädtebundes. Infolge der Dohnaischen Fehde 1402 und der Verpfändung der Orte Rathen und Wehlen 1404 waren nun aber neben den Meißner Bischöfen auch die Meißner Markgrafen in unmittelbare Nachbarschaft zu denen von Dubá gekommen, wobei nachbarliche Händel natürlich nicht ausblieben. In der schwierigen Zeit der Hussiteneinfälle ab 1409 und des Interregnums im Königreich Böhmen nach dem Ableben König Albrechts, II. im Jahr 1439 wechselten die Bündnisse an der meißnisch- böhmischen Grenze so schnell, wie die Windrichtung. Daraufhin wurden die Felsenburgen der Berken in der Sächsischen Schweiz mehrfach belagert und die meisten schließlich zerstört (Knothe, 1881).

Zu diesen heutigen Burgruinen gehört die Burg Neurathen an der berühmten Aussichtsbrücke der „Bastei“ hoch über dem Elbtal. Sie wurde von Friedrich von Oelsnitz, Vogt auf Rathen und dem Königstein, im Auftrag des Kurfürsten Friedrich, IV. genannt der Streitbare und ab 1423 als Friedrich I. erster Kurfürst von Sachsen (*1370, †1428), im Jahr 1426 erobert. Nach vielen Streitigkeiten und Vermittlungsversuchen wurde sie 1469 erneut belagert und diesmal niedergebrannt (wikipedia.de).

Auch die ehemalige Burg Wildenstein, zwischen Schmilka und Lichtenhain nahe der Felsgruppe des Kuhstalls gelegen, bestand wahrscheinlich schon vor 1299. Nach einer Erbteilung 1410 unter den Söhnen Hinko's, II. Berka von der Dubá bildete sie den Mittelpunkt einer von Hohnstein abgetrennten, kleinen Herrschaft Wildenstein, zu der die Städte Neustadt und Sebnitz, sowie weitere 18 Dörfer ‒ u. a. auch Saupsdorf ‒ gehörten. Die Burg Wildenstein wurde erstmals 1425 und erneut 1435 belagert und schließlich auch eingenommen. Auf Vermittlung durch Kaiser Sigismund kam es zwar zu einem Friedensschluß, den die Berken allerdings wieder einmal nicht einhielten, so daß die Burg 1439 erneut durch Truppen Friedrich's II. genannt der Sanftmütige (*1412, †1464) belagert worden ist. Dabei wurde Albrecht Berka von der Dubá, ein Neffe Hinko's, II., gefangen genommen und sein Bruder Benesch getötet (Knothe, 1881).

Nachdem Friedrich der Sanftmütige 1443 von Hinko Berka von der Dubá schon die Herrschaft Hohnstein im Tausch gegen die Herrschaft Mühlberg erworben hatte, nahm er nun auch Verhandlungen über eine Übernahme der Herrschaft Wildenstein auf, die 1451 in Neustadt zu einer Einigung führten. Albrecht Berka von der Dubá erhielt demnach zum Ausgleich für die Abtretung Wildensteins an die Wettiner deren Anteile an den Herrschaften Tollenstein / Tolštejn sowie von Schluckenau / Šluknov in Böhmen.

Während die Wettiner damit die Grenze zum Königreich Böhmen weiter sichern konnten, blieben die Herrschaften im Schluckenauer Zipfel“ nicht lange im Besitz der Berken. Aufgrund ihrer wechselnden Bündnisse in der Auseinandersetzung zwischen Hussiten und Katholiken in Böhmen mußte Albrecht Berka von der Dubá bald danach nach Breslau / Wrocław in Schlesien fliehen, wo er sich unter den Schutz der katholischen Bischöfe stellte. Seine Bemühungen, Schluckenau und Tollstein von dort aus zurückzuerlangen, blieben jedoch ohne Erfolg (Knothe, 1881). Der böhmische Zweig dieser Adelsfamilie ist 1706 erloschen (wikipedia.de).

Die nur kleine Herrschaft Wildenstein wurde nach 1451 wieder dem Amt Hohnstein angegliedert und bildete nun das sogenannte Hinteramt Hohnstein. Bei der Gelegenheit dieses Tausches wurde übrigens der Ort Hinterhermsdorf ausgeschlossen, so daß dieses Dorf fortan zu Kursachsen gehörte. Mit dem Vertrag von Eger wurde 1459 Kursachsen der Besitz von Hohnstein bestätigt; doch blieb auch dieses noch bis 1806 ein erbliches böhmisches Lehen (A. Meiche, 1927, S. 119).

   


Bei diesem Blick vom Hockstein aus von Westen über das Polenztal hinweg auf Hohnstein erklärt sich der Ortsname von selbst... Foto: Hermann Krone, um 1885. Bildquelle: deutschefotothek.de 

http://www.deutschefotothek.de/documents/obj/89040993

   


Blick auf die Stadt und die Burg Hohnstein von Osten aus, Foto: Hermann Krone, um 1886. Bildquelle: deutschefotothek.de 

http://www.deutschefotothek.de/documents/obj/89040994

   


Auch dieses Foto macht die kühne Lage der Burg Hohnstein deutlich.
Foto: Konrad Klemm, 1906. Bildquelle: deutschefotothek.de 

http://www.deutschefotothek.de/documents/obj/33048603

  

Hinsichtlich der weiteren Regionalgeschichte schlagen wir einmal in Friedrich August Gottlob Schumann's Vollständigem Staats-, Post- und Zeitungslexikon von Sachsen, hier im Band 4, erschienen 1817, nach und finden dort das Folgende, an dieser Stelle zunächst als Überblick zum kursächsischen Amt Hohnstein:

Hohnstein, mit Lohmen, ein sogenanntes Gränzamt in dem Königr. Sachsen, im Meißner Kreise, auf dem rechten Ufer der Elbe gelegen…

In alten Zeiten bestand dieses Amt, mit Einschluß von Lohmen, aus zwei besonderen Herrschaften, nämlich der Herrschaft und Pflege Hohnstein und der Herrschaft und Pflege Wehlen, deren jede ihren besonderen Besitzer hatte. Jene ist das gegenwärtige Amt Hohnstein, und diese das niedere Amt Lohmen… Das erstere gehörte nach der Organisation des Meißnischen durch die Deutschen zum Gau Budisin (Bautzen), das letztere zum Gau Nisen und beide standen unter böhmischer Hoheit.

Die ältesten angeblichen Besitzer der Pflege Hohnstein waren die Herren von Cluhmen (Lohmen), die ältesten historisch gewissen aber die Herren Birken von der Duba, beides böhmische Edelleute…

Hinco (Heinrich) von Birken kommt zuerst 1330 als Besitzer der Pflege vor. Gleich den Burggrafen von Dohna trieben auch die Birken viel Plackereien und hielten es immer mit den Hussiten... Es war kein Wunder, daß so mächtige und dem Katholizismus abholde Nachbarn den Meißnischen Bischöfen gefährlich erschienen. Der Meißnische Bischof Johann IV., der in Stolpen residierte, ruhte und rastete nicht, bis er es dahin gebracht hatte, daß Hohnstein unter Meißnische Hoheit kam. Markgraf Friedrich der Sanftmütige nahm es im Jahre 1444 nach vieler Mühe ein...

Wahrscheinlich suchte Friedrich Hohnstein, nebst anderen böhmischen Lehen deshalb an sich zu bringen, um dadurch Kaiser Karl IV. gewissermaßen das Gleichgewicht zu halten... Die darüber entstandenen Streitigkeiten wurden im Jahre 1459 im Eger’schen Vertrage vom 23. April und 1482 gütlich, auch für die Sachsen vortheilhaft beigelegt, doch so, daß Hohnstein, Wehlen nebst mehreren Städten und Schlössern im Meißnischen, Böhmische Afterlehen blieben... Vermöge des letzteren, zu Torgau abgeschlossenen Vertrages setzte Kurfürst Friedrich einen Amtshauptmann nach Hohnstein...

Nach dem Tode des letzten Birken von der Duba 1470 kam Hohnstein... an den Herzog Albrecht von Sachsen, der es seinem Ober- Marschall Heinrich von Schleinitz im Jahr 1486 schenkte… Heinrich's Söhne überließen Hohnstein im Jahre 1524 käuflich an Ernst von Schönburg den Jüngeren, welcher im Jahre zuvor auch die Herrschaft Wehlen an sich gebracht hatte. Wegen der beständigen Streitigkeiten, welche die strengen Schönburg'er mit ihren Nachbarn, den mächtigen Schleinitz'ern hatten, vertauschten endlich Ernst's von Schönburg’s unmündige Söhne im Jahre 1543 die Pflege Hohnstein mit Lohmen und Wehlen gegen das ihnen bequemer liegende Penig, Zschillen (Wechselburg) und Zinnberg an den Herzog Moritz von Sachsen; und seit dieser Zeit sind die Pflegen Hohnstein und Lohmen beständig bei dem Kurhause Sachsen geblieben…“

  

Die hier genannte Familie von Schleinitz gehörte dem meißnischen Uradel an. Ein Ulrich von Slynicz soll bereits 1184 königlich- böhmischer Mundschenk gewesen und dem böhmischen Herrenstand angehört haben. Die weit verzweigte Familie hatte mehrfach auch hohe geistliche Stellungen inne, wie unter anderem mit Johann, II. von Schleinitz, der von 1422 bis 1434 Bischof in Naumburg gewesen ist, oder mit Johann, VII. von Schleinitz, welcher zwischen 1518 und 1536 Bischof zu Meißen war (12613, Amtsgericht Wurzen, Nr. 282).

Namensgebender Stammsitz der Familie war die Wasserburg Schleinitz in der gleichnamigen Gemeinde bei Meißen, südwestlich von Lommatzsch gelegen. Hier ist erstmals 1231 ein Herrensitz, 1443 ein Rittersitz und 1551 ein altschriftsässiges Rittergut urkundlich nachgewiesen. Schleinitz gehörte während des Mittelalters zu den flächenmäßig größten Grundherrschaften in Sachsen. Die Besitzungen der Familie von Schleinitz reichten bis in die Lausitz und nach Nordböhmen. Der Stammsitz blieb bis 1594 im Besitz der Familie. Im Jahr 1598 kam Schleinitz an Christoph von Loß und weitere 70 Jahre später an die Familie von Bose (10548).

Die meißnische Linie erlosch 1891 mit dem Tod des Hermann Otto von Schleinitz. Eine zweite Linie existierte jedoch in Preußen weiter (wikipedia.de).

Auch diese Adelsfamilie hatte, wie gerade gesagt, zugleich Besitzungen in Böhmen inne: Der 1465 urkundlich genannte Haubold (Hugold oder Haugold) der Ältere von Schleinitz (*um 1425; †1490) etwa war ab 1481 auf der Burg Tollenstein sowie auf Schluckenau in Nordböhmen ansässig. Er war bei Kurfürst Ernst (*1441, †1486) in Wittenberg zum Obermarschall bestellt. Hugold's zwei Söhne waren dann zum einen der hier von A. Schumann gemeinte Heinrich von Schleinitz (*um 1450; †1518), ab 1486 auf Burg Hohnstein, welcher nach der Leipziger Teilung 1485 als Obermarschall in den Diensten Herzog Albrecht, III. genannt der Beherzte (*1443, †1500) in Meißen gestanden hat; zum anderen Hugold, der Jüngere von Schleinitz (* um 1455; † um 1512), auf dem Stammsitz der Familie in Schleinitz.

Kaiser Karl V. (*1500, †1558) bestätigte den Brüdern Ernst und Georg von Schleinitz sowie deren Vettern Hans und Simon Juda von Schleinitz am 1. Mai 1532 in Regensburg den böhmischen Freiherrenstand und die Namensführung „Freiherr zu Tollenstein und Schluckenau“ (wikipedia.de). Nach dem Tod des Heinrich's von Schleinitz 1518 (nach anderen Quellen bereits 1515) und bis zu dem oben von Schumann erwähnten Verkauf an die Schönburg'er im Jahr 1524 waren Ernst und Georg von Schleinitz auch im Besitz der Herrschaft Hohnstein.

Hinsichtlich dieses von A. Schumann genannten Jahres des Verkaufs von Hohnstein durch die von Schleinitz an die von Schönburg ist allerdings noch anzumerken, daß die betreffende Urkunde des Gesamthauses Schönburg nicht auf das Jahr 1524, sondern erst auf den 28. November 1525 datiert ist (30569, Nr. 132).

   

Bei den von A. Schumann genannten Angehörigen der Geringswalder Linie der wahrscheinlich schon um 1180 auf Geringswalde und ab 1256 in Glauchau ansässigen Familie von Schönburg handelte es sich um Ernst, II. Freiherr von Schönburg, und neben dem Stammsitz Glauchau bereits Besitzer der Grafschaft Hartenstein und der Herrschaft Waldenburg (*1486, †1534), dem vierten Kind des Ernst, I. von Schönburg auf Glauchau (*1458, †1489) ‒ der Namensgleichheit halber verwandte Schumann hier wohl den Zusatz „der Jüngere.

Aus der Ehe des ersteren mit Anna von Leisnig (*?, †1559) gingen neben dem bereits früh verstorbenen Erstgeborenen Wolf (*1527, †1532), die Brüder Johann Ernst (*1528, †1545), Georg, I. von Schönburg- Glauchau (*1529, †1585), Hugo, I. Freiherr von Schönburg- Waldenburg (*1530, †1566), Wolf (oder Wolfgang), I. Freiherr von Schönburg- Penig (*1532, †1581), und zwei weitere Töchter hervor (wikipedia.de). Johann Ernst ist als ältester der Söhne folglich 1543 erst 15 Jahre alt ‒ also auch nach heutigen Maßstäben damals noch „unmündig ‒ gewesen. Sein jüngster Bruder Wolf hat nach dem Tausch der Ländereien mit dem Kurfürsten später die Herrschaft Penig erhalten (wikipedia.de).

Eine besondere Regelung enthielt die Hausordnung der Schönburger, nach der bei Erlöschen einer Linie deren Besitzungen stets an das sogenannte Gesamthaus Schönburg zurückfielen. Auf diese Weise gelang es den Schönburg'ern, Verlust und Zersplitterung ihrer Besitzungen durch Erbfolge zu vermeiden.

Nicht uninteressant ist in Anbetracht der grenznahen Lage der Herrschaften Hohnstein, Wehlen und Lohmen auch, daß die Schönburg'er als frühere Ministeriale im Pleißenland nicht nur zu den Reichsständen des Heiligen Römischen Reichs deutscher Nation und zu den Landständen der sächsischen Kurfürsten, sondern ebenfalls zu den Landständen der Könige von Böhmen zählten. Lediglich die Grafschaft Hartenstein in ihrem Besitz ging auf ein Reichsafterlehen vonseiten des Kurfürstentums Sachsen zurück, während sie ihre drei frühen Reichslehen Glauchau, Lichtenstein und Waldenburg nach dem Zerfall des Pleißenlandes den böhmischen Königen aus dem Hause Luxemburg, die damals auch die deutschen Kaiser stellten, als Reichsafterlehen aufgetragen hatten, um sie vor kursächsischem Einfluß zu bewahren. Tatsächlich gelang es den Herren und Grafen von Schönburg, als einem von nur ganz wenigen sächsischen Herrengeschlechtern, auf diese Weise bis in das 18. Jahrhundert hinein eine verfassungsrechtliche Sonderstellung gegenüber den wettinischen Kurfürsten und damit eine ‒ wenn auch eingeschränkte Souveränität mit eigenen staatlichen Strukturen zu bewahren.

Erst im sogenannten Hauptrezeß vom 4. Mai 1740 verzichteten sie nach langwierigen Verhandlungen auf die meisten der noch aus der ursprünglichen Reichsunmittelbarkeit resultierenden Autonomierechte. In den folgenden Jahrzehnten wurden die nun als Schönburg'ische Rezeßherrschaften bezeichnete Territorien dann schrittweise in den kursächsischen Staat integriert. Davon unbenommen wurde Otto Carl Friedrich Graf von Schönburg- Waldenburg (*1758, †1800) von Kaiser Leopold II. (*1747, †1792) am Tag seiner Krönung, dem 9. Oktober 1790, noch in den Fürstenstand erhoben, womit sie an die zweite Stelle der Rangfolge im Lande nach den Wettinern gerückt waren. Das Gesamthaus Schönburg hatte daher seit 1831 auch zwei ständige Sitze in der Ersten Kammer der Ständeversammlung des Königreichs Sachsen inne (wikipedia.de).

   

Doch zurück zu Schumann's Beschreibung der Ämter im Jahr 1817:

Das Niederamt Lohmen oder die ehemalige Herrschaft Wehlen gehörte in alten Zeiten den böhmischen Herren von Cluhmen. Urkundlich gewiß findet man im Jahre 1355 die von Köckeritz als Besitzer von Wehlen unter böhmischer Lehnsherrschaft. Allein im Jahre 1404 verpfändete König Wenzel von Böhmen … auch Wehlen an den Markgrafen Wilhelm von Meißen und hat es seitdem nie wieder eingelöst.“

Danach folgten mehrfache Besitzerwechsel, bis auch Wehlen im Jahr 1523 an Wolf und Ernst von Schönburg verkauft wurde. „Von den Nachkommen letzterer kam die Pflege im Jahr 1543 gleich Hohnstein durch Tausch an das Kurhaus Sachsen.“

   

Nachdem die ehemaligen Herrschaften Hohnstein, Wehlen und Lohmen durch den Tausch im Jahr 1543 also von den Herren von Schönburg an Herzog Moritz (*1521, †1553), ab 1547 erster Kurfürst von Sachsen aus der albertinischen Linie der Wettiner, gelangt waren, wurden sie zu einem Amt zusammengefaßt, wobei Lohmen mit Wehlen das sogenannte Niederamt bildete. Diese Jahreszahl 1547 wird uns noch mehrfach wiederbegegnen, denn eine Reihe von urkundlichen Ersterwähnungen geht just auf dieses Jahr zurück. Wahrscheinlich wurde zu dieser Zeit eine Art „Bestandsaufnahme“ der Amtsgebiete durchgeführt, bei der die nunmehr kursächsisch verwalteten Besitzungen erstmals systematisch aufgezeichnet worden sind.

Diese Ämter oder Vogteien, die unter Einbeziehung bzw. Umbildung älterer Formen der Landesorganisation, wie der Supanien oder Burgwarde, schon seit dem 13. Jahrhundert in der Mark Meißen das Land mit einem immer engeren Netz überzogen, bildeten den räumlichen Bezugspunkt für die Erhebung landesherrlicher Abgaben, für die Einforderung von Frondiensten, für Rechtsprechung, Polizei und Heeresfolge. Die Amtsburgen waren zudem Stützpunkte des umherziehenden landesherrlichen Hofes. Im Laufe des 14. Jahrhunderts wurde die Ämterorganisation das in der Lokalverwaltung vorherrschende Prinzip. Die Begriffe Vogt und Amtmann bestanden lange Zeit nebeneinander und wurden als Synonyme gebraucht; im 16. Jahrhundert hatte sich die Bezeichnung Amtmann schließlich durchgesetzt. Seine Aufgaben bestanden in der Ausübung der Grundherrschaft und der Gerichtsbarkeit über die Amtsuntertanen, Einberufung und Ausübung des militärischen Aufgebots, Gewährleistung der öffentlichen Sicherheit und Verwaltung der Einkünfte des Amtes. Er war in seinem Amtsgebiet der Stellvertreter des Landesherrn. Nur Adelige konnten eine solche Position innehaben.

Seit 1784 bestand dann eine Ressorttrennung in Justiz- und Rentamt, wobei die Teilung in zwei selbständige Behörden aber erst 1831 erfolgte. Die Aufgaben des Justizamtes übernahm 1856 das Gerichtsamt Hohnstein. Das Rentamt wurde 1858 dagegen nach Schandau verlegt und wechselte dabei auch den Namen. Seine Aufgaben übernahm 1865 das Forstrentamt Schandau (10055).

   

Bei A. Schumann heißt es weiter: „Hinsichtlich der natürlichen Beschaffenheit hat das Amt Hohnstein fast denselben Boden, dasselbe Klima und dieselben Gebirgsformationen, welche im Erzgebirge gefunden werden; nur ist es reicher an Felsen und Felsenketten... Das Amt Hohnstein und Lohmen... oder die ganze Gegend von der Grundmühle unter Liebethal an, bis nach Hinter- Hermsdorf an der Böhmischen Gränze, 5 Meilen in der Länge, ...pflegt man bekanntlich die Sächsische Schweiz zu nennen... Bis vor etwa 20 Jahren waren jene romantischen Gegenden für Fremde und Einheimische ein gleich unbekanntes Land. Durch Naturfreunde, Reisende und Künstler haben sie aber an Berühmtheit sehr gewonnen und werden jetzt in der schönen Jahreszeit häufig besucht, durchwandert und durchklettert...

Die Hauptsteinarten beider Ämter sind Sandstein, Granit und Basalt... Übrigens giebt es Kalkbrüche bei Hinterhermsdorf, wo sie schon im Jahre 1600 gangbar waren, und bei Zeschnig; kreideartigen Kalkstein in der Wesenitz bei Dittersbach und schwärzlichgrauen bei Hohnstein... Eisen und Kupfer enthält die Gegend am häufigsten.“

Anmerkung: Schumann führt hier noch ein weiteres Kalksteinvorkommen beim Dorf Dittersbach, welches noch einmal etwa 12 Kilometer nordwestlich von Hohnstein liegt, an. Über Kalksteinabbau dort konnten wir allerdings bislang keinerlei Unterlagen finden, lediglich Versuche auf Goldseifen muß es dort gegeben haben (40024-16, Nr. 20). Auch Schumann selbst erwähnt unter dem Stichwort dieses Ortsnamens (abgesehen davon, daß es noch mindestens vier weitere Orte dieses Namens allein in Sachsen gibt) im drei Jahre zuvor erschienenen ersten Band seines Postlexikons nichts darüber; auch in dem 1828 schon von A. Schiffner verfaßten Ergänzungsband findet man keinen weiteren Hinweis darauf. Da wir unser Betrachtungsgebiet nicht zu weit ausdehnen wollen, lassen wir den Ort in diesem Bericht außen vor und kehren noch einmal zu Schumann's Text im Band 4 aus dem Jahr 1817 zurück:

In der That hat man vor alters in dem Bezirk des Amtes lebhaften Bergbau getrieben; viele Spuren zeugen noch jetzt davon. Das Daseyn von Gold und anderen edlen Metallen in der Gegend ist unbezweifelt, nur sind, nach den angestellten Untersuchungen, die edlen Erze hier viel zu geringhaltig, als daß das Aufsuchen und Ausscheiden derselben die Mühe und Kosten lohnen dürfte... Ähnliche bergmännische Versuche auf Kupfer, Silber, Schwefel und Vitriol machte man bei Hohnstein, bei Hertigswalde, unter Mittelndorf usw., aber magere und taube Erze oder Uneinigkeit der Gewerken zerstörten bald alle Hoffnungen.“

Die älteste urkundliche Erwähnung von Bergbau in der Region, die wir bisher aufgefunden haben, ist übrigens ein Lehnbrief des Kurfürsten Ernst und des Herzogs Albrecht für Heinrich von Starschedel und seine Mitgewerken über sämtliche Bergwerke binnen einer Meile Wegs um das neue Städtchen in der Pflege Hohnstein,“ ausgestellt in Dresden, am Donnerstag nach Invocavit 1472 (10005, Loc. 4321/11, Bl. 134c).

  
Bereits 1925 wurde auf der Burg Hohnstein auf Initiative des Zweigausschusses Sachsen im Verband für Deutsche Jugendherbergen e. V. eine Jugendherberge eingerichtet (10762, Nr. 4474). Sie wurde bald eine der schönsten und größten in ganz Deutschland. In den Jahren der Weimarer Republik war sie auch Tagungsort für Jugendverbände der Arbeiterbewegung. Der damalige Leiter der Jugendburg, Konrad Hahnewald, an den heute eine Gedenktafel in der Burg erinnert, war deshalb 1933 selbst der erste Häftling des Lagers Hohnstein.

Mit der Burg Hohnstein war während der Zeit des Nationalsozialismus ein unrühmliches Kapitel verknüpft: Nach der Ernennung Adolf Hitlers zum Reichskanzler am 30. Januar 1933 zögerten die Nationalsozialisten nicht lange, politische Gegner im gesamten Deutschen Reich zu verfolgen. Zu deren Inhaftierung und Terrorisierung errichtete das NS- Regime im Zeitraum zwischen 1933 und 1934 mindestens 70 Lager, 30 sogenannte Schutzhaftabteilungen in Justiz- und Haftanstalten und weitere 60 Haftstätten der Gestapo, der SA und der SS. Nachdem der Reichstagsbrand am 27. Februar 1933 den Anlaß und die nur einen Tag später erlassene „Verordnung zum Schutz von Volk und Staat“ die juristische Grundlage boten, wurden allein zwischen Februar und April 1933 mehr als 45.000 Menschen inhaftiert (Stiftung sächsischer Gedenkstätten, 2005).

Da sie schon ab 1859 als „Correctionsanstalt genutzt worden ist, wurde auch die Burg Hohnstein von März 1933 an als eines dieser ersten Schutzhaftlager in Deutschland, in Sachsen neben der Sachsenburg bei Frankenstein, dem Arbeitsdienstlager im Kupferhammer bei Bautzen sowie der Verwahrungsanstalt auf der Burg Colditz, genutzt (50013, Nr. 4022).

Bei den Inhaftierten handelte es sich überwiegend um NS- Gegner – vor allem Kommunisten, Sozialdemokraten und Gewerkschafter – aber auch um andere, den Nationalsozialisten Mißliebige aus dem Großraum Dresden, wie etwa 17 Zeugen Jehovas. In Hohnstein waren in diesen Jahren bis zu 5.600 Häftlinge, darunter 109 Frauen und 400 Jugendliche, inhaftiert. Eine Auswahl von Häftlingsakten wird im Staatsarchiv aufbewahrt (vgl. 13412, Nr. 0064 bis 0069, sowie 11228, Nr. A5988 und 5989). Sie wurden u. a. im Steinbruch Heeselicht zu schwerster Zwangsarbeit eingesetzt. Mindestens 40 Häftlinge starben an den Folgen der Peinigung durch Angehörige der SA (ab 30. Juni 1934 durch die SS), einige nahmen sich das Leben. Der Widerstandsbewegung gelang es aber auch, mit Hilfe der Bergsteiger der Vereinigten Kletterabteilung, 30 Insassen die Flucht über die Tschechoslowakei ins Exil zu ermöglichen (Stiftung sächsischer Gedenkstätten, 2005).

Nach der Auflösung des Schutzhaftlagers auf der Burg wurden die Häftlinge ab 25. August 1934 bis 1. September d. J. in das KZ Sachsenburg, andere in das Zuchthaus Waldheim verlegt. Danach wurde sie von der Hitlerjugend bis 1939 wieder als Jugendburg genutzt (10762, Nr. 4474). Seit Beginn des Zweiten Weltkrieges diente die Burg dann als Gefangenenlager (Oflag) für zirka 800 polnische und danach auch französische Offiziere, später als Stalag IV-A für jugoslawische und sowjetische Kriegsgefangene (wikipedia.de).

Nach Kriegsende wurde 1948 erneut eine Jugendherberge eingerichtet. Die Herberge Hohnstein befindet sich heute in der Trägerschaft der Naturfreundehäuser- Liegenschaftsverwaltung. Daneben dient die Burg als Museum, Besichtigungs- und Feierstätte und möchte ihren Gästen einen erlebnisreichen und erholsamen Aufenthalt in der Sächsischen Schweiz bieten (burg-hohnstein.info).

  

Heute gehören auch die Ortsteile Cunnersdorf, Ehrenberg, Goßdorf mit Kohlmühle und Waitzdorf, Lohsdorf, Rathewalde mit Hohburkersdorf und Zeschnig, sowie Ulbersdorf zur Stadtgemeinde Hohnstein hinzu. Damit hat die Stadt Hohnstein heute rund 3.500 Einwohner.

Das kleine Dorf Zeschnig, westlich des Polenztales unweit von Hohnstein gelegen, ist als Waldhufendorf begründet worden und wurde im Jahr 1359 als Czesnik erstmals urkundlich erwähnt. Im Jahr 1445 wurde es auch als das wuste dorffe Czaßnigk bzeichnet, war also möglicherweise eine Zeitlang verlassen. Nur wenige Jahre später, im Jahr 1454, wird es aber als Czeschnigk wieder genannt. Es hatte aber auch noch 1547 nur 5 besessene Mann ‒ nebst 22 Häuslern ‒ auf gerade einmal 3 Hufen Land zu je 24 Scheffel Aussaat zu verzeichnen. Zu dieser Zeit gehörte es noch zum Rittergut Prossen, nach 1696 dann unter die Gerichtsbarkeit des Rittergutes Dittersbach. 1661 schrieb man den Namen Zscheschnigk und erst ab 1791 Zeschnig (isgv.de).

Zeschnig wurde bereits 1965 mit dem Nachbarort Hohburkersdorf und 1972 noch mit Rathewalde vereinigt. Seit 1994 ist es wie die anderen Dörfer auch ein Ortsteil der Stadt Hohnstein.

  

Das östlich des Sebnitztales, dem Grenzfluß zwischen der Markgrafschaft Meißen und dem Königreich Böhmen nach der Oberlausitzer Grenzurkunde von 1241, gelegene und daher damals noch zum Königreich Böhmen gehörende Waldhufendorf Saupsdorf wurde als Sawpirstorff unter der Lehnsherrschaft der Berka von Dubá 1445 erstmals urkundlich erwähnt (wikipedia.de). Wahrscheinlich aber ist der Ort älter und auch schon während der Kolonisationsphase im 12. oder 13. Jahrhundert von böhmischer Seite aus gegründet worden.

1446 schrieb man den Ortsnamen Supensdorff und 1447 Supirstorff. 1547 lebten hier 25 Bauern und 53 weitere Einwohner von der Bewirtschaftung von 10 ⅛ Hufen Land, welche hier aber 1764 nur zu 12 Scheffeln Aussaat gerechnet wurden. Zum Lehngericht gehörte davon eine Hufe Land (isgv.de).

1994 wurde Saupsdorf mit seinem am Zusammenfluß von Saupsdorfer und Räumichtbach gelegenen Ortsteil Räumicht, sowie mit Ottendorf und Lichtenhain zur Landgemeinde Kirnitzschtal zusammengelegt. Heute hat es etwa 430 Einwohner und ist nach Sebnitz eingemeindet.

Saupsdorf ist ein Staatlich anerkannter Erholungsort (wikipedia.de, saupsdorf.de).

  


Die meisten Besucher verbinden mit dieser Gegend wohl vor allem die wildromantische Kirnitzsch- Klamm. Dieser Blick bei klarer Sicht über Weifberg, Saupsdorfer und Hinterhermsdorfer Feldfluren nach Süden gegen die Vulkankegel des Böhmischen Mittelgebirges, fotografiert von Walter Hahn im Jahr 1935, zeigt uns aber auch die Schönheit der Landschaft... Bildquelle: deutschefotothek.de 

http://www.deutschefotothek.de/documents/obj/72054707

   

Der besonders weit abgelegene Ort Hinterhermsdorf ganz im Osten, über den wir bei anderen Recherchen eigentlich erst auf diese Standorte aufmerksam geworden sind, wurde 1445 als Hermannstorff erstmals urkundlich erwähnt. Auch dieser Ort ist wahrscheinlich aber älter und schon im 12. oder 13. Jahrhundert gegründet worden, nur stand auch er damals noch unter böhmischer Lehnshoheit, so daß in sächsischen Archiven aus dieser Zeit wenig zu finden ist. Ursprünglich gehörten zu dem vergleichsweise großflächigen Dorf wohl 13 Hufen Land; die Bewohner lebten aber mehrheitlich von der Holzwirtschaft und der Flößerei. Vermutlich hieß der Dorfgründer Hermann und er hatte bereits ein Erbgericht zum Lehen, zu dem 3 Ruthen Land gehört haben.

Spätere urkundliche Nennungen lauten Hermistorff (1466) und „bhemischin Hermeßdorff“ (noch  um 1480), was noch auf die einstige Zugehörigkeit des Dorfes zum Königreich Böhmen verweist. Infolge des oben auch schon erwähnten Tauschvertrags von Neustadt war das Dorf 1451 unter wettinische Hoheit gekommen und wurde nun dem „Hinteramt Hohnstein zugeschlagen. Um 1488 kam die Schreibweise Hinder Hermeßdorff für den Ortsnamen auf. Noch bis 1542 war Hinterhermsdorf allerdings nach Nixdorf / Mikulášovice in Böhmen gepfarrt, erst seitdem nach Sebnitz (wikipedia.de, hinterhermsdorf.de, isgv.de).

Bereits im 16. Jahrhundert besaß die Gemeinde auch umfängliche Waldrechte „in der Herren Weldern haben sie vor der Förster und Binder Anweisung und Erlaubnis für ihr Haus ... freie Hutung und Gräserei, d. h. sie waren berechtigt, Bau- und Brennholz unentgeltlich aus den Wäldern zu entnehmen, ihr Vieh im Walde zu hüten und Waldgras und Streu für ihren Bedarf zu holen. Erst 1853 kommt es zu einer Ablösung dieser Waldgerechtsame, für die das Königreich Sachsen mehrere Tausend Thaler an Entschädigungen zahlte (hinterhermsdorf.de).

Nach 1651 kamen im Zuge der Gegenreformation in Nordböhmen etwa 10 Exulantenfamilien aus Böhmen nach Hinterhermsdorf. Vermutlich geht darauf der Ortsteil Neudorf bzw. Neudörfchen zurück, was aber urkundlich nicht genau belegbar ist (hinterhermsdorf.de). Außerdem gehört zum Ort noch die Streusiedlung des Schäferräumichts.

Hinterhermsdorf ist wie Saupsdorf ein Staatlich anerkannter Erholungsort und seit 1. Oktober 1998 in die Große Kreisstadt Sebnitz eingemeindet. Heute leben hier etwa 650 Einwohner.

  

Von 1952 bis 1994 war Sebnitz die Kreisstadt des Kreises Sebnitz im Bezirk Dresden. Seit der letzten Gemeindegebietsreform gehört die rechtselbische Region nun zum die Elbe übergreifenden Landkreis Sächsische Schweiz- Osterzgebirge.

  

 
 
 

Aus der Geschichte der geologischen Erforschung

  

Morphologisch ist die Region durch die Heraushebung der Lausitzer Scholle im Nordosten, der Erzgebirgischen Scholle im Südwesten einerseits und dem Absinken des Elbtalgrabens andererseits geprägt. Während die Hebungen im Wesentlichen erst im Tertiär erfolgt und von stetigem Absinken des Egergrabens im Südwesten begleitet worden sind, senkte sich der herzynisch streichende Grabenbruch entlang der Elbe wahrscheinlich schon seit dem Mesozoikum allmählich ab und wurde dabei immer wieder mit neuen Sedimenten aufgefüllt. Entlang des Elbtalgrabenbruchs sowie im Böhmischen Becken haben sich daher auch die kreidezeitlichen Sedimentgesteine erhalten, während diese auf den umgebenden Höhenzügen bis auf wenige Reste der Erosion anheimgefallen sind. Im Wechselspiel der pleistozänen Warm- und Kaltzeiten haben danach die Elbe und ihre Nebenflüsse die einzigartige Felsenlandschaft entlang ihres Durchbruchstales modelliert.

Das vor allem aus kreidezeitlichen Sandsteinen des Cenoman und Turon aufgebaute Tafelland erstreckt sich heute noch über etwa 700 km² Fläche beiderseits des Elbe- Durchbruchstales von Pirna im Norden bis zum böhmischen Tetschen / Děčín im Süden. Auf böhmischer Seite bilden der Hohe Schneeberg mit 723 m, auf sächsischer Seite dagegen der Große Zschirnstein mit 561 m Höhe ihre höchsten Erhebungen.

Während das Lausitzer Bergland auf der Granodioritscholle im Nordosten kaum höher herausragende Gipfel aufweist, wird das Elbtal südwestlich durch den Weselstein / Loučná (965 m) bei Horní Litvínov / Oberleutensdorf und durch den Kahleberg (905 m) bei Altenberg im Kammbereich ds Osterzgebirges noch einmal deutlich überragt. Im Lausitzer Bergland sind nördlich der Landesgrenze die Kreidesedimente ebenfalls nahezu vollständig abgetragen. Dagegen schließt sich in Böhmen vom „Schluckenauer Zipfel“ nach Osten das Lausitzer Gebirge / Lužické hory an, wo sich die Sedimenttafel noch einmal bis hin zum Dreiländereck zwischen Sachsen, Polen und Nordböhmen, dem Zittauer Gebirge und dem Isergebirge / Jizerské hory ausdehnt (wikipedia.de).

Die für das Elbsandsteingebirge charakteristischen und die sogenannte „Ebenheit“ überragenden Tafelberge und Felswände kann man hinsichtlich ihrer Entstehung durchaus mit dem Monument Valley vergleichen ‒ nur ist das Elbsandsteingebirge aufgrund seines humiden Klimas, der unwegsamen Talschluchten und der steilen, für eine landwirtschaftliche Nutzung wenig geeigneten Felsabhänge bis heute noch zu großen Teilen dicht bewaldet.

   

Einen Zwischenbericht zu den Resultaten der geognostischen Landesuntersuchung, namentlich zu den „aufgefundenen Lagerstätten gemeinnützlicher und besonders brennlicher Fossilien,“ schrieb Obereinfahrer Carl Amandus Kühnauf allerhöchsten Befehl“ mit Datum vom 20. August 1818 nieder (40003, Nr. 59). Über das uns hier interessierende, östlich der Elbe gelegene Gebiet Sachsens, schrieb er im Paragraph 12 seines Berichtes (Rückseite Blatt 56):

Aus der Klasse der nicht brennlichen nutzbaren Fossilien möchte zunächst des Kalksteins, als eines der nützlichsten Mineralien, Erwähnung zu thun seyn. An diesem leidet aber die überblickte Gegend großen Mangel, dem auch schwerlich abzuhelfen seyn wird, indem sich in ihr keins derjenigen Lager findet, in denen gemeiniglich mächtige Lager eines guten Kalksteins inne zu liegen pflegen, sondern nur solche, in denen man als gleichsam Ausnahme, z. Th. höchst selten, hier und da etwas davon antrifft.“

Weiter führte er in seinem Bericht (Rückseite Blatt 57 ff) aus:

§13.

b) Flötzkalk im Plänergebirge bei Weinböhla, Hohnstein, Kopitz und Hinterhermsdorf,
bei Oberau und Niederau auf Kalkstein vorzunehmende Versuche.

„Außer diesem Urkalklager trifft man in dem betrachteten Landestheile nur Flötzkalk. Dieser gehört zu dem sogenannten Plänergebirge, welches an einzelnen Punkten so viele Kalktheile enthält, daß es auf Kalk benutzt werden kann.

Vorzüglich muß hier die Gegend von Weinböhla zwischen Dresden und Meißen angeführt werden, wo man verschiedene Parthien tauglichen Kalksteins kennt, von denen die zunächst vorm Spitzgrunde gelegene schon, so weit sie bauwürdig befunden worden, abgebaut ist, die nordöstlichste noch gegenwärtig in verschiedenen Brüchen bebaut wird, die mittlere, auf welcher der ehemals Becker’sche Weinberg liegt, aber noch unangegriffen ist. Die gegenwärtig bebaute Kalksteinparthie ist wohl die wichtigste, denn in ihr liegt der Kalkstein in der Mitte bis über 20 Ellen mächtig. Ihre ganze Erstreckung beträgt jedoch nur 250 Schritt in die Länge und 30 bis 60 in die Breite. Die mittlere Parthie ist noch nicht hinlänglich untersucht, doch anscheinend von minderem Umfange, als die vorige.

Nächstdem finden sich noch kleine, auf Kalkstein zu benutzende Parthien dergleichen Plänerkalks zu Kopitz bei Pirna und bei Hohnstein und zu Hinterhermsdorf in der Schandau’ischen Gegend. Hier trifft man den Kalkstein fast überall nur in Kugeln und Stücken in Sandmergel inneliegend und zwar an letzterem Punkte wie es scheint, eine große Spalte oder Rachel im Sandstein ausfüllend...“

In Zusammenhang mit unserem historischen Abschnitt zum Vorkommen in Saupsdorf sei an dieser Stelle darauf hingewiesen, daß C. A. Kühn hier wohl diejenigen bei Hohnstein und Hinterhermsdorf anführt, jedoch nicht ein gleiches bei Saupsdorf.

  

Auch in ihren Erläuterungsheften zu den Geognostischen Karten der ersten geologischen Landesaufnahme Sachsens aus der Zeit zwischen 1835 und 1845 wiesen Carl Friedrich Naumann und Bernhard Cotta auf die wirtschaftliche Bedeutung der Kalkgesteine an der Grenzlinie zwischen dem Lausitzer Granodiorit und dem Kreidesandstein hin, da in der näheren Umgebung keine anderen Kalksteinlagerstätten bekannt waren und daher größere Mengen Kalk auf weiten Wegen ‒ entweder aus dem linkselbischen Gebiet (z. B. von der Pirna'er Ziegelscheune und aus dem Elbtalschiefergebirge) oder auch aus dem Böhmischen (z. B. Daubitz / Doubice und einige Nachbarorte) ‒ aufwendig herantransportiert werden mußten.

  

Zur Einführung in den Aufbau des geologischen Untergrundes wählen wir einen Abschnitt aus der Einleitung des Erläuterungsheftes zur Geologischen Specialkarte, Blatt 85, niedergeschrieben von R. Beck 1895:

Allgemeine geologische Zusammensetzung und Oberflächengestalt.

„Von Section Sebnitz- Kirnitzschthal gehört der grössere, etwa zwei Drittel ihres Gebietes umfassende nördliche Theil dem Lausitzer Granitgebiet*), der südliche kleinere Theil dem Elbsandsteingebirge oder der Sächsischen Schweiz an. Die Grenze zwischen beiden wird durch die Lausitzer Hauptverwerfung gebildet, welche sich von Oberau bei Meissen über Weinböbla, Hohnstein und Saupsdorf in Sachsen, Sternberg und Khaa in Böhmen bis zum Jeschkengebirge verfolgen lässt. Sie durchzieht die Section zwischen der Kohlmühle und der Ostrauer Mühle in südöstlicher Richtung, wendet sich aber dann in östlichem Verlaufe über den Kimitzschberg und die Lichtenhainer Mühle, sowie südlich von Ottendorf und Saupsdorf vorbei bis zur Sectionsgrenze...

Das von dem Quadersandstein der oberen Kreideformation und zwar fast ausschliesslich vom Brongniartiquader*) gebildete Elbsandsteingebirge stellt ein aus vielen fast horizontal gelagerten gleichartigen Gesteinsschichten aufgebautes Tafelgebirge dar, welches sammt seiner Unterlage durch die Lausitzer Dislocation abgeschnitten und in die Tiefe verworfen wurde, wobei der Granit streckenweise eine Ueberschiebung über den Quader erlitt und wobei zugleich (so bei Saupsdorf und an der Lichtenhainer Mühle) einzelne Lappen der die obere Kreide local unterlagemden Juraformation an die Oberfläche geschleppt wurden...“

*) Anmerkungen: Innerhalb des Lausitzer Massivs gibt es natürlich auch echte Granite, etwa bei Königshain oder bei Rumburg / Rumburk im Böhmischen. Die Hauptmasse dieses Komplexes bilden aber Granodiorite, die petrographisch zwischen dem eigentlichen Granit und dem Diorit einzuordnen sind, da der Anteil des Kalifeldspats unter den Feldspäten nur noch zwischen 10% und 35% liegt. Auch treten vermehrt Amphibole (Hornblende), die es im Granit nicht gibt, sowie der dunkle Glimmer Biotit auf. Ansonsten ähneln sich beide Gesteine aber sehr und wurden von den alten Geologen daher noch nicht konsequent unterschieden.

Der Begriff ,Brongniartiquader´ wird noch öfter in Textzitaten auftauchen. Gemeint war damit von den alten Geologen ein Horizont des kreidezeitlichen Quader- Sandsteins, welcher durch das Auftreten eines bestimmten Leitfossils ‒ nämlich der nach dem französischen Geologen und Zoologen Alexandre Brongniart (*1770, †1847) benannten und an der Kreide- Tertiär- Grenze ausgestorbenen Muschelgruppe Inoceramus brongniarti SOWERBY ‒ gekennzeichnet ist. Der Quadersandstein wird heute stratigraphisch den Abteilungen des Cenoman und des Turon der Kreidezeit zugeordnet.

Der Überbegriff des ,Quadersandsteins´ geht dabei auf die durch ihre meist kaum geneigte, fast horizontale Lagerung der Sandsteinschichten, sowie deren vorherrschend sehr steil bis vertikal stehende Zerklüftung bewirkten, charakteristischen Erosionsformen zurück.

  

Da die Sächsische Schweiz geologisch nun wirklich nicht zum Erzgebirge gehört, sind die hiesigen Kalksteinvorkommen auch nicht in der Bergbaumonographie Marmor im Erzgebirge erwähnt (Hoth et al., 2010). Wir greifen deshalb wieder auf die Beschreibungen der alten Geologen zurück und stellen dabei fest, daß ganz besonders die Vorkommen der entlang der Lausitzer Überschiebung ‒ welche die Westgrenze des Lausitzer Granodioritmassives zum Elbe Lineament hin bildet ‒ tektonisch empor geschobenen Bruchstücke vorkreidezeitlicher Sedimentgesteine, vorwiegend jurassischer Kalksteine und Mergel, schon Anfang des 19. Jahrhunderts bei den Geologen auf großes Interesse gestoßen sind. Nicht zuletzt deshalb, weil die flach geneigte Lage der Lausitzer Überschiebung dazumal die Diskussion zwischen Neptunisten und Plutonisten ebenso entfachte, wie der Basalt des Scheibenberges, der ja ebenfalls auf Sedimentgesteinen aufliegt.

War Abraham Gottlob Werner (*1747, †1817) ein vehementer Verfechter des Neptunismus, so hat sein Schüler und späterer Professor an der Bergakademie zu Freiberg, Christian Samuel Weiß (*1780, †1856) eine andere Sicht entwickelt. Seiner Abhandlung aus dem Jahr 1827 entnehmen wir hierzu die folgenden Sätze:

Der uns im Süden zunächst vorliegende Zug von anstehendem älterem Gebirge, welcher sich am rechten Ufer der Elbe von der Gegend von Meißen an stromaufwärts zieht und in den Oberlausitzer Gebirgsrücken fortsetzt, zeigt an seinem gegen das Elbthal gekehrten Rande... eine Reihe von Punkten, die in der That ein überaus merkwürdiges Gegenstück bilden zu den berühmten Phänomenen von Predazzo, die kürzlich in der Geognosie nicht allein ein so grosses Aufsehen erregt, sondern durch die Darstellungen unseres v. Buch im Zusammenhang mit seinen lichtvollen Entwickelungen der wichtigsten Verhältnisse in den südlichen Alpen überhaupt, eine wahre, bleibende Epoche in der Gebirgskunde hervorgerufen haben, und unter seinen Händen der Schlüssel zum Verständnis der Alpen, zu den Erhebungen unserer Gebirge überhaupt geworden sind. Vor kurzem würde es nur Erstaunen und Befremden haben erregen können, was der genannte Gebirgsstrich in unserer Nähe von ganz ähnlichen Verhältnissen in sich schließt; seit den Arbeiten unseres berühmten Collegen können sie das nicht mehr; es kann nur noch eine erfreuliche Überraschung sein, in unserer Nähe selbst so sprechende Zeugen der allgemeinen Wahrheit der neuen, durch ihn begründeten Ansichten über die Durchbrechung der älteren Gebirgsmassen durch die geborstenen jüngeren, und über die Neuheit dieses großen Ereignisses, von welchen die jetzigen Oberflächenverhältnisse unserer Gebirge abhängen, so klar und unabweislich vor uns zu haben.

Wären die natürlichen Entblößungen in dem angegebenen Bergstriche häufiger und in einem größeren Maaßstabe, und hierin den Alpen vergleichbar, was würde der gegen das Elbthal gekehrte Rand unseres Gebirges dem erstaunten Auge zeigen! Was würde die ganze Linie im Zusammenhang erblicken lassen, deren Punkte wir jetzt noch sparsam und vereinzelt auffinden und sammeln lernen. Denn nur zufällige und oft an der einzelnen Stelle selbst unvollständige Entblößungen waren es, welche die bis jetzt aufgefundenen Thatsachen erkennen ließen, Thatsachen, welche die Schule des verewigten Werner, seit sie von ihrer Existenz erfuhr, nur für Spiele des Zufalls nehmen konnte, oder für unglaubwürdig erklären mußte, so lange dieselben noch irgend zweifelhaft oder zu unvollständig beobachtbar vorlagen...“

Das hier so wortreich gelobte, neue Weltbild der Geologen, stellt die (germanotype) Schollen-Tektonik dar und wird von Professor Weiß anhand einzelner Punkte entlang der Lausitzer Überschiebung so zusammengefaßt: „(Der Granit) kann vielmehr nur in erstarrtem, festen Zustande durch diese neue Gebirgsrinde durchgedrängt worden sein; dies ist es, wofür alle Erscheinungen hier sprechen...

  

Hierzu zitieren wir noch aus Thaddäus Eberhard Gumprecht's Beiträgen zur geognostischen Kenntnis einiger Theile Sachsens und Böhmens, gedruckt 1835:

Die genauere Untersuchung der Grünsandformation in Sachsen und Böhmen, da, wo dieselbe bei Meißen und Hohnstein mit den Syeniten und Graniten ... unmittelbar gränzt, hat in den letzten zehn Jahren Resultate ergeben, die durchaus von den bis dahin allgemein angenommenen Lehren über die Altersverhältnisse der Granite und Porphyre abwichen und deshalb von den Beobachtern als wichtige Belege für das neuere Entstehen der Gebirge mittelst Emportreten aus dem Innern der Erde angesehen wurden. So beschrieb Herr Professor Weiss zuerst eine unzweifelhafte Lagerung des Granites über dem Plänerkalke bei Weinböhla und erwähnte nach den Angaben des Steigers Starke zu Hohnstein eines ähnlichen Vorkommens bei letzterer Stadt, nämlich einer Bedeckung des Quadersandsteins durch den Granit in den Kalkbrüchen am linken Ufer der Polenz...

Später als Herr Professor Weiss seine Darstellung gegeben hatte, wurden auf Veranstaltung des Oberbergamts zu Freiberg in der sächsischen Schweiz mehrere Schürfversuche auf Kalk und zwar die ersten im Jahre 1828, Hohenstein gegenüber, am rechten Ufer der Polenz angestellt. Sie ergaben nach der Mittheilung des Bergmeisters Grafen Holzendorf und des Geschwornen C. C. Lose zu Altenberg an Herrn Klippstein ein durchaus ähnliches Resultat. Der Granit fand sich nämlich auch hier über dem Quadersandsteine gelagert.

Der Erscheinungen ... wurde erst wieder im Jahre 1830 bestätigend durch Herrn Professor Naumann gedacht, der sich zugleich das Verdienst erwarb, bei Oberau einen dritten Punkt aufzufinden, an dem die Bedeckung des Pläners durch den Granit eben so deutlich wie bei Weinböhla zu Tage liegt. Das übereinstimmende Zeugnis der genannten drei Beobachter musste demnach das positive Factum für die Geognosie feststellen, daß ein Theil der granitischen Bildungen Sachsens jünger seyn könne, wie die Kreide und die ihr zugehörenden Sandsteine.

Einige Eigenthümlichkeiten der Auflagerungsfläche des Granits, ... benutzte Herr Professor Weiss ... zu einer weiteren Begründung der Ansicht, daß der Granit selbst noch die Glieder der Grünsandformation... bei seinem Emportreten durchbrochen habe. Es findet sich nämlich ... eine dunkle Letten- (Mergel) Schicht vor, in der nach der Angabe des Steigers Starke der Kalkstein fragmentarisch eingelagert liegt. Ein so auffallendes Vorkommen von Bruchstücken auf der Scheide der jüngern Gebirgsglieder ... gab Herrn Professor Weiss Veranlassung, den Ursprung der Lettenschicht aus einem mechanischen Reibungsprocesse bei dem Durchbrechen und Emporquellen des Granits herzuleiten, den Kalkstein selbst aber als die Fragmente einer größeren mit demselben gleichartigen Ablagerung unter dem Pläner, auf jeden Fall also als die Reste einer ältern Bildung wie der Pläner anzusehen. Aus dieser Ansicht mußte aber unmittelbar folgen, daß man die jetzige Lagerstätte des Hohnstein'er Kalks als eine secundaire anzusehen habe…“

Nebenbei haben wir aus diesem Text auch schon erfahren, daß um 1835 ein Herr Starke auf dem Hohnstein'er Kalkwerk als Steiger tätig gewesen ist.

  

Tatsächlich erschienen den alten Geologen die Verhältnisse entlang der Lausitzer Überschiebung lange Zeit so verwickelt, daß Bernhard Cotta 1836 in dem in Stuttgart erscheinenden Jahrbuch für Mineralogie, Geognosie, Geologie und Petrefactenkunde (S. 14ff) eine Aufforderung an das geognostische Publikum richtete, doch weitere Forschungen zu den Altersbeziehungen zwischen Granit und Kreide in Sachsen zu unterstützen. „Es ist zwar neu, schrieb er darin, „dass man die Geognosten zu einem gemeinsamen Unternehmen dieser Art auffordert; scheint mir jedoch nicht unpassend, und vielleicht auf mehrere Fälle von besonderer Wichtigkeit anwendbar. Denn Thatsachen zu sammeln und verworrene Verhältnisse der Beobachtung so viel als möglich zugänglich zu machen, muss noch immer ein Hauptbestreben der Geognosie seyn...

Um welche Frage es ging, erläuterte er so: „Die Grenze der Kreideformation gegen den Granit zwischen Meissen und Zittau in Sachsen ist seit mehreren Jahren der Gegenstand vielseitiger geognostischer Untersuchungen und Spekulationen gewesen, und hat mit Recht ein sehr allgemeines Interesse erregt. Es ist unverkennbar: die Meinungen, welche man darüber aussprach, wurden nicht allein durch die lokalen Umstände, welche eben vorlagen, sondern auch durch die Verschiedenheit der Ansichten über Entstehung der Gebirge und Gebirgsarten überhaupt bedingt... Über die Hauptthatsachen wurde man bald einig... Der Granit liegt an dieser ganzen Grenze in der Regel... schräg über den Gliedern der Kreideformation; zwischen beiden findet man zuweilen kalkige, mergelige und sandige Schichten mit Versteinerungen der Juraformation. Ob man den Granit... für älter oder jünger als Pläner und Quadersandstein halten sollte? war die wichtigste Frage, welche sich hier erhob. Auf welche Weise er im ersteren, und in welchem Zustande er im letzteren Falle über die Kreide zu liegen gekommen, und wie die Jurakalk- Zwischenlagerung zu erklären sey? das waren die speciellen Probleme... Die Juraglieder, welche bei Hohnstein, Saupsdorf, Hinterhermsdorf und Daubitz unter dem Granit, aber auf dem Quader- Sandstein liegen, sprechen sehr unzweideutig für eine Umkehrung der ursprünglichen Lagerungsverhältnisse; denn an was Anderes als an eine solche Umwälzung soll man da glauben, wo man eine ganze Reihenfolge von Gebirgsarten in verkehrter Ordnung vorfindet?

(...) Wo die Natur so viele scheinbare Widersprüche gehäuft hat, die den gewöhnlichen Deutungen widerstreben, da verdient sie gewiss mit vereinten Kräften erforscht zu werden. Der vorliegende Fall aber ist einer gründlichen Untersuchung um so mehr werth, da er nicht nur über sehr bedeutende geologische Fragen zu entscheiden geeignet ist, sondern auch in einer der schönsten und besuchtesten Gegenden Deutschlands sich findet...“

Zur Frage, warum er auf private Initiative hoffe, äußerte B. Cotta: „Die Sächsische Regierung hat auf Bevorwortung des Oberbergamtes, welche durch Herrn Berg- Commissions- Rath Kühn veranlasst wurde, mit wahrhaft gemeinnützigem und wissenschaftlichen Sinne schon viel gethan, um durch Untersuchung dieser Grenze bestimmte Resultate herbeizuführen. Da man aber hierbei, als bei einem Unternehmen des Staates, das Interessante stets mit dem Nützlichen zu verbinden suchen musste, so konnte man nur an der Oberfläche bleiben und war auf diejenigen Lokalitäten beschränkt, wo auf fiskalischem Grund und Boden eine Zwischenlagerung von Kalkstein gehofft werden konnte... Es ergeht deshalb an alle Geognosten Deutschlands, so wie an die Freunde der Geologie die Aufforderung, durch gemeinschaftliche Beiträge eine mässige Geldsumme zusammen zu bringen, mittelst welcher die Grenz- Verhältnisse des Granites zur Kreideformation in Sachsen bis zur Evidenz aufgeschlossen werden können...

Cotta sah vor, im Raum zwischen Rathewalde und Hohnstein Bohr- Versuche und Abräumungen vorzunehmen, um den lateralen Verschiebungsbetrag des Granodiorits über den Quadersandstein hinweg festzustellen und die Ausbildung der Grenzfläche genau zu untersuchen. Außerdem beabsichtigte er, „alle diese Punkte in einen Zustand zu bringen, dass sie von Reisenden leicht aufgefunden und beobachtet werden können. Dafür veranschlagte Cotta eine Summe von 240 bis 400 Reichsthalern.

Neben Bernhard Cotta ist der Aufruf unterzeichnet von Alexander von Humboldt, Christian Samuel Weiß, K. Cäsar von Leonhard, Carl Friedrich Naumann, Gustav Rose und Jacob Nöggerath.

  

Der eindringliche Aufruf verfehlte seine erstrebte Wirkung nicht. Die Geldsammlung erfolgte in der Art einer Aktiengesellschaft, in welche die Spender sich durch Subscription einbrachten. Die Liste der Subscribenten liest sich wie das Who is Who der geologischen Elite ihrer Zeit: Neben den oben schon genannten Unterzeichnern, findet man unter den 153 Spendern u. a. noch Oberberghauptmann Freiherr von Herder, Bergrath Freiesleben und (damals noch Bergamtsassessor) von Beust, aber auch das sächsische Fürstenhaus erwarb 15 Aktien. Bis Mai 1836 waren 316 Thaler zusammengekommen.

So konnte Cotta noch in derselben Ausgabe des Jahrbuchs (S. 571f und S. 577) berichten, daß er die Untersuchungsarbeiten bei Hohnstein am 2. Mai 1836 habe aufnehmen können. Zunächst wurden zwei neue Schürfe am Hang des Wartenberges zwischen der Ebenheit südlich von Zeschnig und dem Polenztal angelegt. Ein Jahr später berichtete Cotta an gleicher Stelle ausführlich Über die bisherigen Resultate der geognostischen Untersuchungen bei Hohnstein (Jahrgang 1837, S. 1ff).

Bevor wir auf diesen Bericht aber weiter eingehen, wollen wir uns zunächst den Verlauf der Gesteinsgrenze und die schon gefallenen Ortsnamen auf den betreffenden Blättern der Geognostischen Karte von Sachsen, die ab Ende des 18. Jahrhunderts auf Grundlage der Geognostischen Landesuntersuchung erstellt und die zwischen 1836 und 1846 gedruckt worden sind, näher anschauen. Sie zeigen uns auch, welche dieser Kalkstein- Vorkommen bereits den Bearbeitern dieses ersten geologischen Kartenwerkes von Sachsen bekannt gewesen sind.

 

Der Verlauf der Lausitzer Überschiebung folgt im Wesentlichen dem herzynischen Streichen des Elbtalgrabens von Meißen bis Hinterhermsdorf. Im Norden ist der Grabenbruch vom Meißner Plutonitkomplex „verheilt“ und südlich des Kreuzungspunktes mit dem Eger- Graben von anderen Sedimenten des Böhmischen Beckens verhüllt. Die entlang dieser großen, tektonisch noch immer aktiven Struktur angeordneten Kalksteinvorkommen verteilen sich über gleich mehrere Blätter der Geologischen Specialkarten des Königreichs Sachsen.

  


Ausschnitt aus der Geognostischen Charte von Sachsen, Blatt
X: Riesa- Stolpen, gedruckt 1846.
Links unten im Ausschnitt die Schleife der Elbe bei Wehlen, rechts oben (rot dargestellt, der - früher noch als Granit bezeichnete - Lausitzer Granodiorit. Die Grenze bildet die Lausitzer Überschiebung und genau dort ist bei Hohnstein eine hellblaue Lage Kalkstein eingezeichnet. Allerdings auch nur südöstlich von Hohnstein, was dafür spricht, daß das Vorkommen nordwestlich auf Zeschniger Flur tatsächlich erst später entdeckt wurde.

Diese Karten findet man inzwischen digital im Bergarchiv Freiberg.
archiv.sachsen.de

      

Zum Blatt X des Kartenwerkes gehört das Heft 5 der Erläuterungen aus dem Jahr 1845. Hier wird des Kalksteinvorkommens im siebenten Kapitel gedacht:

Jurakalk bei Hohnstein.

So unbedeutend die räumliche Ausdehnung dieser Formation ist, so verdient sie doch aus vielen Gründen eine ganz besondere Aufmerksamkeit. Der Hohnstein'er Jurakalk ist nicht nur der einzige seiner Art in ganz Sachsen, sondern er versorgt auch einen weiten Umkreis mit seinem unentbehrlichen Material und bezeichnet durch seine höchst merkwürdige Lagerungsweise eine der großartigsten Gebirgsdislocationen, deren außerdem vielleicht noch zweifelhafte Existenz durch sein Vorhandensein auf das bestimmteste dargethan wird...

Die Gesamtmächtigkeit dieser Juraschichten ist nicht genau bekannt, wird aber bei der Hohnstein'er Kalkgrube wohl über 200 Ellen betragen. Noch schwieriger ist es, ihre Längenerstreckung zu bestimmen... Die eigentliche Kalkeinlagerung ist bei Hohnstein nur sehr unbedeutend, höchstens 30 bis 50 Ellen mächtig, und wahrscheinlich nur einige Hundert Fuß in der Länge...“

Die Vorkommen bei Saupsdorf und Hinterhermsdorf waren zu dieser Zeit bekannt, gehören aber bereits dem angrenzenden Kartenblatt an und werden daher in diesem Heft nur erwähnt.

  


Ausschnitt aus der Geognostischen Charte von Sachsen, Blatt VI: Bischofswerda- Görlitz, gedruckt 1846.
Leider ist die Farbqualität der Blätter untereinander nicht ganz identisch. Am unteren Blattrand aber sind südlich von Saupsdorf und südöstlich von Hinterhermsdorf zwei Kalksteinvorkommen mit blau- violetter Farbe an der Grenze zwischen dem Granodiorit im Norden und den Kreidesedimenten im Süden eingezeichnet.

archiv.sachsen.de

 

Zum Blatt VI der geognostischen Karten gehört das Heft 3 der Erläuterungen, das von B. Cotta bearbeitet wurde und das bereits 1839 erschienen ist. Die Kalkvorkommen werden im Vierten Capitel. Quadersandstein (S. 48ff) angeführt. Hier heißt es:

Gänzlich abweichend von der horizontalen Lage der Sandsteinschichten verhalten sich die Kalk- und Mergellager, welche man zunächst der Granitgrenze bei Saupsdorf und bei Hinterhermsdorf bergmännisch abbaut.

Bei Saupsdorf schießt die Grenze zwischen Granit und Sandstein nach Gumprecht's Beobachtungen etwa 30°, im neuen Stollen jedoch ungefähr mit 60° unter den Granit ein, und zwischen beiden liegt eine nach beiden Seiten zu sich bald auskeilende Masse von Mergel und gelbem Kalkstein.

In den Erläuterungen zu Section X wird gezeigt werden, daß dieser Kalk, wie der bei Hinterhermsdorf, vielleicht der Juraformation angehört. Versteinerungen sind neuerlich leider weder in dem einen, noch in dem anderen gefunden worden...

Im Heidelbachthale bei Hinterhermsdorf wird nach Götzinger schon seit dem Jahre 1600 gelblicher und grauer Kalkstein gewonnen, dessen Schichten eine ziemlich senkrechte Stellung haben bei einem Streichen H. 6 bis 7 und 60° Fallen gegen NNO. Nach Hangendem und Liegendem zu werden Kalk und Mergel immer sandiger und gehen endlich in Sandstein über, in der Streichrichtung sind sie gegen Westen vom Granit scharf abgeschnitten...“

   


Ausschnitt aus der Geognostischen Charte von Sachsen, Blatt VII: Tetschen / Dečin- Zittau, gedruckt 1846.
Der Ausschnitt mit dem Ort Daubitz / Doubice liegt bereits auf nordböhmischem Gebiet.

archiv.sachsen.de

   

Zum Blatt VII gehört das vierte Heft der Erläuterungen. Darin ist auch das Daubitz'er Kalksteinvorkommen (S. 21ff) erwähnt.

  

Unter den zahlreichen geologischen Beschreibungen der nachfolgenden Jahre zitieren wir hier noch die Geognostischen Skizzen von Christian August von Gutbier (*1798, †1866), in Buchform gedruckt 1858. Darin schrieb er (S. 47 ff): Wenden wir uns jetzt zu der bisher nur angedeuteten Ueberschiebung des Lausitz- Granites über den Pläner und Quadersandstein. Seit dem Jahre 1826, wo die Aufmerksamkeit der Geognosten auf diese merkwürdige Erscheinung gelenkt wurde, haben zahlreiche Schriften dieselbe behandelt und außer allen Zweifel gestellt...

Am wichtigsten ist die Umgebung von Hohnstein. Auf beiden Gehängen des Polenzthales, in der Stadt Hohnstein und von da östlich bis jenseits der Kalksteingrube, ferner an dem Abhange zum Tiefen Grunde, liegt der Granit, wie viele bergmännische Arbeiten bestätigen, deutlich, jedoch nicht unmittelbar über dem Quadersandstein, denn es findet sich noch ein Zwischenglied, dichter, grauer Kalkstein der Juraformation, wie 30 bis 40 Arten früher hier vorkommender Versteinerungen*) beweisen...

In der Fußnote vermerkte Gutbier, daß Ende Juni 1826, wo der Verfasser diesen Punkt zuerst sah, ... Ammoniten von 1 Fuß Durchmesser auf den Klaftern des Stockholzes (lagen), damit der Wind die einzelnen schwächeren Stücke nicht entführe, und in den nachfolgenden Jahren wurden die Sammlungen in Freiberg, Tharandt und Baireuth durch jene Schätze bereichert.

  


Eine Zeichnung einiger der in den Kalksteinen von Hohnstein und Zeschnig am häufigsten gefundenen Fossilien (aus: A. v. Gutbier: Geognostische Skizzen aus der Sächsischen Schweiz und ihrer Umgebung, Leipzig, 1858).

   

Das eigentlich Überraschende an den ‒ unter den von uns in diesem Beitrag behandelten Fundpunkten allerdings nur in Hohnstein ‒ offenbar recht zahlreich vorkommenden Fossilfunden war, daß diese tatsächlich der Jurazeit angehören, also einer älteren Schichtenfolge, die demzufolge doch unter den Sandsteinen der Kreidezeit liegen müßte. Zahlreiche Geologen haben sich deshalb intensiv damit befaßt, unter anderem auch Georg Bruder, der 1885 ‒ also zu einer Zeit, als der Abbau in Hohnstein wahrscheinlich schon eingestellt war ‒ anhand der in den verschiedenen Sammlungen vorhandenen Belegstücke noch einmal eine umfassende Beschreibung der dort vorgekommenen Fossilien veröffentlichte. Aus dieser haben wir die nachfolgenden Zeichnungen entnommen.

  


Daß im Laufe der folgenden Jahrzehnte tatsächlich zahlreiche verschiedene Fossilien in den Kalklagern gefunden worden sind, zeigen diese und die folgenden Tafeln (aus G. Bruder: Die Fauna der Juraablagerung von Hohnstein in Sachsen, Wien, 1885, Tafel
I: Conchylien und Bruchstücke von Ammoniten aus den schwarzen Mergeln).

  


Weitere Fossilfunde aus dem Kalksteinbruch bei Hohnstein (aus G. Bruder: Die Fauna der Juraablagerung von Hohnstein in Sachsen, Wien, 1885, Tafel II: Funde aus den Kalksteinen).

  


Weitere Fossilfunde aus dem Kalksteinbruch bei Hohnstein (aus G. Bruder: Die Fauna der Juraablagerung von Hohnstein in Sachsen, Wien, 1885, Tafel III: Funde aus den Kalksteinen).

  


Weitere Fossilfunde aus dem Kalksteinbruch bei Hohnstein (aus G. Bruder: Die Fauna der Juraablagerung von Hohnstein in Sachsen, Wien, 1885, Tafel IV: Funde aus den Kalksteinen).

  


Weitere Fossilfunde aus dem Kalksteinbruch bei Hohnstein (aus G. Bruder: Die Fauna der Juraablagerung von Hohnstein in Sachsen, Wien, 1885, Tafel V: Funde aus den Kalksteinen).

  

G. Bruder hatte in den Erläuterungen zu seinen Zeichnungen auch vermerkt, wo die einzelnen Belege zu seiner Zeit zu finden gewesen sind. Darunter findet sich auch mehrfach die Notiz, daß die von ihm zeichnerisch dokumentierten Stücke den Sammlungen der Königlich Sächsischen Bergakademie zu Freiberg entstammten. Das nun ist für uns natürlich ein Heimvorteil: Auf unsere Nachfrage hin wurde uns ein Besuch der Paläontologischen Sammlungen der heutigen Technischen Universität Bergakademie Freiberg kurzfristig ermöglicht und dort haben wir tatsächlich noch einige dieser Stücke wiedergefunden.

Für das Ermöglichen der im Folgenden von uns gezeigten Aufnahmen möchten wir uns auch an dieser Stelle noch einmal beim Leiter geowissenschaftlichen der Sammlungen, Herrn Dr. A. Massanek, ganz besonders aber bei der zuständigen Mitarbeiterin, Frau Dr. B. Gaitzsch, für die Mühe beim Aus- und Einräumen und die freundlichen Erläuterungen sehr herzlich bedanken.

  


Ein Ammonit aus der Jurazeit. Diese Kopffüßer mit ihrem einem großen Schneckenhaus ähnlichen Gehäuse lebten im Meer und sind mit den dort heute noch lebenden Nautiliden verwandt. Ganz ähnliche hat G. Bruder auf den oberen beiden der von uns gezeigten Tafeln aus seiner Veröffentlichung ebenfalls dargestellt. Belegstück aus der Paläontologischen Sammlung des Geologischen Instituts der TU Bergakademie Freiberg.

    


Die Markierung und Nummerierung der Belegstücke hat sich im Zuge späterer Neubearbeitungen sicherlich mehrfach verändert, aber auf diesem Etikett steht noch deutlich lesbar dran: Dieses Stück stammt aus Hohnstein.

   


Gewöhnlich werden in den geowissenschaftlichen Sammlungen auch alle früheren Etiketten noch aufbewahrt. Spätere Bearbeiter haben die Artbestimmung dieses Ammoniten bestätigt: Es handelt sich hier um die Art
Aspidoceras longispinum (SOWERBY, 1825). Auf dem unteren de
r zwei handschriftlichen Etiketten ist hier sogar noch vermerkt: „Bruder: Fauna v. Hohnstein, pag. 21.“

   


Anhand der an der Außenseite der Schale „gabelförmig“ auseinanderlaufenden Rippen erkennt auch der Laie, daß dieses Teilstück eines Ammonitengehäuses zu einer anderen Art gehört haben muß. Belegstück aus der Paläontologischen Sammlung des Geologischen Instituts der TU Bergakademie Freiberg.

   


Bruder bestimmte diese Art als Perisphinctes cf. crusoliensis FONT. Da neue Etikett unten verrät uns, daß es erst jüngst (1998) noch einmal untersucht, dabei der Art Crussoliceras tenuicostatum - wenn auch mit Fragezeichen - zugeordnet worden ist, wobei vielleicht aber auch eine inzwischen modernere Klassifizierung angewendet worden ist. Der Bearbeiter vermerkte 1998 auch, daß das Stück von Bruder nicht explizit beschrieben worden sei, jedoch findet sich auf den beiden älteren handschriftlichen Etiketten wieder der Vermerk: „Bruder: Fauna v. Hohnstein, pag. 22.“ Auf der obersten der von uns weiter oben im Text schon gezeigten Tafeln aus seiner Veröffentlichung findet man oben links ein ganz ähnliches Stück.

    


Noch ein weiteres Belegstück eines anderen Ammoniten aus Hohnstein in der Paläontologischen Sammlung des Geologischen Instituts der TU Bergakademie Freiberg. Bruder hat es als Perisphincties polygratus REIN. sp. bestimmt, später wurde es der Art Perisphinctes (Dichotomtoceras) cf. bouranensis DELORIOL 1902 zugeordnet.

  


Auf den zugehörigen handschriftlichen Etiketten findet man auch bei diesem wieder der Vermerk:
Bruder: Fauna v. Hohnstein, pag. 24.“

   


Ein kleiner Deckel einer noch juvenilen Auster der Art Aptychus laevis latus Quenst. Belegstück aus der Paläontologischen Sammlung des Geologischen Instituts der TU Bergakademie Freiberg.

   


Schau an, auch dieses Stück stammt wieder aus der Sammlung G. Bruder's: „Bruder: Fauna v. Hohnstein, pag. 30.“

  


Steinkern eines Schneckengehäuses der Art Pleurotomaria suprajurensis Roem. Belegstück aus der Paläontologischen Sammlung des Geologischen Instituts der TU Bergakademie Freiberg.

   


Das Gehäuse herumgedreht zeigt uns wieder die alte Etikettierung und den Fundort Hohnstein.

   


Die zugehörigen Etiketten nennen die Art und vermerken wieder: „Bruder: Fauna v. Hohnstein, pag. 31.“

    


Zwei kleinere Belegstücke für die Art Pleurotomaria cf. sublineata Münst. aus der Paläontologischen Sammlung des Geologischen Instituts der TU Bergakademie Freiberg.

     


Auch hier wieder: „Bruder: Fauna v. Hohnstein, pag. 32.“

  


Muschelabdruck der Art Pleuromya tellina Ag. var. Voltzii von Hohnstein. Belegstück aus der Paläontologischen Sammlung des Geologischen Instituts der TU Bergakademie Freiberg.

   


Hier lautet der Vermerk: „Bruder: Fauna v. Hohnstein, pag. 33.“

  


Steinkerne von zwei Muscheln der Art Trigonia papillata Ag. aus Hohnstein. Belegstücke aus der Paläontologischen Sammlung des Geologischen Instituts der TU Bergakademie Freiberg.

   


Es fehlen jüngere Bestimmungen, sie war wohl eindeutig. Diesmal lautet der Vermerk:
Bruder: Fauna v. Hohnstein, pag. 34.“

  


Steinkerne zweier kleiner Herzmuscheln der Art Rhynchonella Lacunosa var. dichotoma Quenst., diesmal aber gefunden „auf dem Wartenberg bei Rathewalde“ - also auf der Zeschnig'er Seite des Polenztales. Belegstücke aus der Paläontologischen Sammlung des Geologischen Instituts der TU Bergakademie Freiberg.

  


War ja klar: „Bruder: S. 43.“ - nach diesen haben wir ja auch bevorzugt gesucht. Ob auf dem mittleren der Etiketten G. Bruder's eigenhändiges Signum zu lesen ist, oder ob nur ein Verwalter der Sammlungen in späterer Zeit vermerkt hat, daß auch diese Stücke aus der Sammlung desselben stammen, wissen wir noch nicht.

   


Drei Bruchstücke von Stacheln eines Stachelhäuters der Art Cidaria cf. coronata Quenst. Zu dieser Tierfamilie gehören zum Beispiel auch Seeigel, die es noch heute in den Meeren gibt. Belegstücke aus der Paläontologischen Sammlung des Geologischen Instituts der TU Bergakademie Freiberg.

    


Diesmal fehlt ein Vermerk, daß diese kleinen Bruchstücke auch schon bei Bruder 1885 beschrieben worden wären, aber auf dem oberen Etikett ist dafür das Fundjahr vermerkt: 1884. Sie könnten also vielleicht von Georg Bruder noch selbst gesammelt worden sein.

  

Nun blieb natürlich noch die oben von B. Cotta aufgegriffene Frage offen: Wie kommen diese Jurakalksteine eigentlich hier hin und wieso liegen sie eingeklemmt zwischen Gesteinen völlig unterschiedlicher Entstehung und verschiedenen Alters ?

Lesen wir dazu weiter bei Gutbier nach: Wenn nun der Quadersandstein ein jüngeres Gebilde ist, als die Glieder der Jura- Gruppe, wenn ferner im Bereich Sachsens und des benachbarten Böhmens Juragesteine nirgends sich vorfinden, so wird hierdurch das abnorme Verhältnis noch verwickelter und erscheint als eine vollkommene Umkehr der Reihenfolge der drei Gesteine. Da dies nun nicht wörtlich angenommen werden kann, so ist nur an eine Ueberschiebung des festen Granites schräg aus der Tiefe zu denken, wobei der Kalkstein selbst mit hervorgetrieben wurde, und die Beschaffenheit des letzteren bestätigt dies vollkommen.

Wo er am vollständigsten vorhanden war, in der Hohnstein'er Kalkgrube südöstlich der Stadt, standen einst Kalkschichten zutage aus; es ist aber zur Gewinnung des schräg im Mittel etwa mit 40° nach Osten unter den Granit einfallenden Kalksteins schon längst ein Schacht abgeteuft worden, welcher nach den vor 30 Jahren gemachten Angaben des Steigers Starke damals folgendes Profil ergab:

1) rothe Lage aus bunten, meist rothen Thonen bestehend, 40 bis 60 Fuß;
2) schwarze Lage, aus schwarzem, bituminösen Thon bestehend,
    oft mit Pechkohle und vielen Versteinerungen, 2 bis 24 Fuß;

3) Mergel mit Kalksteinknollen, 2 bis 28 Fuß;

4) fester, dunkelgrauer Kalkstein, Talkerde enthaltend, aus lauter
    unzusammenhängenden Massen bestehend, mit vielen Versteinerungen, 2 bis 32 Fuß;

5) Sandsteinkonglomerat mit einzelnen Kalkknollen, den Schichten der sogenannten
    Sandwand über Tage entsprechend.

Westlich davon über den Abhängen gegen den Bärengarten und südlich davon unfern des Weges nach dem Brand findet man sehr bald wieder den nothwendig darunterliegenden Quadersandstein, der überall unverändert mit senkrechten Absonderungen und wagrechten Klüften auftritt.“

In einer Fußnote vermerkte Herr von Gutbier an dieser Stelle außerdem noch, daß Steiger Starke noch immer denselben Posten versähe ‒ er war also wenigstens schon zu Gumprecht's Zeiten (1835) im Dienst des Amtsverwalters Hedenus tätig und jetzt (1858) noch immer. Das hier wiedergegebene, idealisierte Profil wurde auch später noch oft von den Geologen zitiert, nachdem die Gruben längst schon auflässig geworden und damit nicht mehr zugänglich waren.

  


Die zugehörige Skizze aus A. v. Gutbier: Geognostische Skizzen aus der Sächsischen Schweiz und ihrer Umgebung, Leipzig, 1858, hat der Autor nach der Bildunterschrift den Berichten B. Cotta's entnommen.

   


Die der Jura- Formation bei Hohnstein gewidmete Vitrine in der Paläontologischen Sammlung der TU Bergakademie Freiberg mit ausgewählten Belegstücken der Gesteine und der wichtigsten Fossilien. Die vertikal schraffierten, weißen Fläche deuten optisch an, daß in Hohnstein bedeutende Teile der sonst üblichen Jura- Ablagerungen quasi fehlen und nur eine kleine Schichtenfolge der Beobachtung zugänglich gewesen ist. Das Präteritum im letzten Satz des vorigen Textabschnitts ist bewußt gewählt, denn zurzeit existieren bedauerlicherweise keine Aufschlüsse in Hohnstein mehr.

  


Diese Darstellung in der Vitrine ist sicherlich recht stark schematisiert, illustriert aber, daß die moderne Geologie nicht mehr von einer „Aufbiegung“ der Juragesteine, wie noch Bernhard Cotta, sondern von einem Staffelbruch an der Granodioritgrenze ausgeht. Dieses neue Modell erklärt auch besser, warum nur punktuell größere Kalksteinmassen in Oberflächennähe - und nur dadurch für die Vorfahren ja auch auffindbar und bergmännisch gewinnbar - entlang der Lausitzer Überschiebung vorkommen.

   

Weiter heißt es bei Gutbier: Aehnliche Konglomerate, wie hier die Sandwand enthielt, wurden auch in mehren Schürfen am Wartenberge unter dem Granit angetroffen, und der seit einigen Jahren zu Gewinnung von Kalkstein unfern der Ziegelscheune und des Gasthofes von Zeschnig niedergebrachte Schacht bietet ganz dasselbe Gestein, ein sandiges Konglomerat mit vielen Kalkknollen.

Für den Kalkstein (nur für diesen, nicht den Mergel mitsamt der Kalkknollen insgesamt) wird hier ferner folgende chemische Analyse angegeben:

kohlensaurer Kalk 52,5 %
kohlensaure Talkerde 31,8 %
lösliches Eisen und Thon   5,9 %
Unlöslicher Thon und Quarz 10,5 %

Die Analyse zeigt, daß es sich bei Zeschnig eher um dolomitische Kalksteine gehandelt hat.

Da nun der unterliegende Sandstein im Polenzthale am weitesten im Nordosten bei der Hohnsteiner Mühle angetroffen wird, während dessen Begrenzung durch den Granit in einem Winkel stattfindet, dessen westlicher Schenkel in der Kohlige aufsteigt, sich aber zuletzt in Nordwesten wendet, der südliche Schenkel dagegen über die Kalkgrube streift, so ist berechnet worden, daß hier einst vor der Thalbildung eine Ueberschiebung des Granits über den Sandstein auf mehr als 900 Fuß stattgefunden haben muß, und wir erlangen schon hierdurch einen Begriff von der Großartigkeit dieser Dislokation, bei welcher der Jurakalk nur als verschieden modifizirtes Reibungskonglomerat mit hervorgeschoben wurde und jetzt den einzigen Zeugen abgibt, daß zur Periode der Jurabildung auch in diesen Gegenden ein Meer wogte, welches in seinen kalkigen Niederschlägen die Reste zahlreicher Geschöpfe jener Periode begrub...“

Welch wortgewaltige Beschreibung. Aber sie spiegelt den Wandel der Anschauungen sehr schön wider und zeigt, daß inzwischen die geologischen Zusammenhänge klarer geworden waren. Auch Herr von Gutbier meinte hier noch im Jahr 1858 übrigens, daß man erst seit einigen Jahren den Kalkstein auch bei Zeschnig abbaue.

Nun wollen wir auch einmal zeigen, wie dieser Kalkstein denn ausgesehen hat. Da nun leider eigene Funde heute praktisch nicht mehr möglich sind, greifen wir dazu wieder auf Belegstücke aus den Geowissenschaftlichen Sammlungen der Bergakademie Freiberg zurück.

  


Dichter, grau durchgefärbter Kalkstein aus Hohnstein. Dieses Material war bevorzugt gesucht und zum Kalkbrennen gut geeignet. Handstück aus der Vitrine in der Paläontologischen Sammlung des Geologischen Instituts der TU Bergakademie Freiberg, zirka 10 x 9 cm.

  


Brekziöser Kalkstein aus Hohnstein. Neben verschiedenen Gesteinsbruchstücken sind im Anschliff auch - freilich „quer durchgeschnittene“ - Fossilien zu erkennen. Belegstück aus der Paläontologischen Sammlung des Geologischen Instituts der TU Bergakademie Freiberg, polierte Fläche zirka 8 x 10 cm.

  


Die zum zweiten, oben gezeigten Belegstück aufbewahrten Etiketts. Anhand der unterschiedlichen Schriften erkennt man ganz gut das unterschiedliche Alter dieser Etiketten und, daß sich die stratigraphische Einordnung dieser Kalksteinbrekzie bei späteren Bearbeitern vom Jura in die Kreide (Cenoman) verschoben hat.

    


Ganz ähnlich sieht auch dieses einseitig angeschliffene und polierte Stück aus Hohnstein aus. In einer hellgrauen, feinsandigen Grundmasse sind deutlich sichtbar abgerundete Gerölle gelblich gefärbten Kalksteins eingebettet. Belegstück aus der Paläontologischen Sammlung des Geologischen Instituts der TU Bergakademie Freiberg, Polierte Fläche zirka 9 x 8 cm.

  


Die zu diesem Beleg gehörigen Etiketten verschiedenen Alters. Dem obersten und - nach der Handschrift zu urteilen - wahrscheinlich ältesten ist zu entnehmen, daß dieses Stück aus der „2ten Lage vom Liegenden“ des eigentlichen Kalklagers in Hohnstein stammte.

 


Ein ganz ähnliches Belegstück brekziösen Kalkstein, wie oben, jedoch ohne Anschliff, ebenfalls aus der Paläontologischen Sammlung des Geologischen Instituts der TU Bergakademie Freiberg. 

   


Die zum oben gezeigten Belegstück aufbewahrten Etiketts. Auch hier sieht man, daß die Bearbeiter sich anfangs uneins waren, ob es nun dem Jura der Kreidezeit (Cenoman) angehört. Bei aktuellen Bearbeitungen wurde es dem „Zeschnig- Konglomerat“ - respektive dem Cenoman - zugeordnet.

    


Sandstein mit kalkigem Bindemittel im Liegenden. Im Vergleich mit dem ganz feinstkörnigen bis nahezu dichten Kalkstein- Stückes oben ist die deutlich größere Korngröße des Sandsteins gut zu erkennen. Auch, wenn er noch Kalk enthielt, war er seines hohen Quarzsandgehaltes halber für die Vorfahren zum Brennen ungeeignet. Belegstück aus der Paläontologischen Sammlung des Geologischen Instituts der TU Bergakademie Freiberg.

   


Die zugehörigen Etiketten. Dem wahrscheinlich ältesten (ganz unten) ist zu entnehmen, daß dieses Stück aus
des Liegenden dritter Lage“ entstammt.

  

Schon bedeutend genauer ‒ vor allem auch in ihrer kartographischen Grundlage ‒ sind dann die Geologischen Specialkarten des Königreichs Sachsen, die in kleinerem Maßstab (1 : 25.000) als die geognostischen Karten rund 50 Jahre vorher, erstellt wurden und die ab 1880 sukzessive erschienen sind.

Wir setzen unsere Darstellung daher nun standortbezogen von Nordwesten nach Südosten fort und beginnen wieder mit Hohnstein, das auf dem Blatt 84 dieses Kartenwerks enthalten ist.

  


Ausschnitt aus den Geologischen Specialkarten des Königreichs Sachsen, Blatt 84: Section Königstein- Hohndorf, gedruckt 1892. Die Lausitzer Überschiebung streicht diagonal durch das Stadtgebiet von Hohnstein. Südöstlich der Stadt ist das blaugrüne Band der am Kontakt der (rot dargestellten) Granodiorite zum hellgelb dargestellten Elbsandstein aufgeschleppten Jura- Kalksteine zu sehen. Die Farbgebung entspricht noch immer weitgehend der Werner'schen Farbtafel der geognostischen Karten. Der Ort Zeschnig liegt auf der Hochebene rechts des Polenztales gegenüber von Hohnstein. Unterhalb davon sind an der Bergschänke jetzt einige Steinbrüche im Bereich der Lausitzer Überschiebung und sogar ein Kalkofen (K.O.) vermerkt, jedoch keine Eintragung von jurassischen Kalksteinvorkommen. Nur südöstlich von Hohnstein zieht sich ein blauer Streifen - der das Kalkvorkommen markiert - an der Granodioritgrenze entlang. Die Standorte der Brennöfen haben wir in diesem Ausschnitt markiert.

   


Ausschnitt aus dem am Blattrand des Kartenblattes dargestellten Profilschnittes vom Polenztal mitten im Elbsandstein bis zum Galgenberg nördlich von Hohnstein. Die hier etwa 40° bis 45° geneigte Aufschiebung des Granodiorites auf die cretazischen Sedimente ist gut zu erkennen. Genau an dieser Grenze wurden auch die Jura- Kalksteine nach oben geschoben. Die im Profil angedeutete „Verbiegung“ der Überschiebung in größerer Tiefe nach Süden entspricht der oben schon gezeigten Zeichnung von B. Cotta.

  

Über diesen Standort berichtet der spätere Professor für Geologie an der Bergakademie zu Freiberg, Richard Beck, im zum Kartenblatt gehörigen Erläuterungsheft im Kapitel:

IV. Die Lausitzer Hauptverwerfung.

unter anderem auch zu dem uns hier interessierenden Kalkstein- Vorkommen: 

2. Die auf der Lausitzer Hauptverwerfung emporgeschleppten Fetzen von jurassischen und cenomanen Gesteinen und ihre Lagerungsverhältnisse.

Bei Zeschnig und zwar in der Nähe der Bergschenke und der Ziegelscheune hatte man, wie Gumprecht (S. 136) aus Götzinger's ,petrographischer Charte´ dieser Gegend nachwies, bereits zu Anfang dieses Jahrhunderts auf Kalk gebaut. (Also um 1800 ?) Ein später eröffneter Tagebau und ein zugehöriger Grubenbau sind noch heute zugänglich. Man sieht hier nach B. Cotta Conglomerate anstehen mit Geröllen und eckigen Bruchstücken von ockergelbem thonigem Jurakalk und feinkörnigem Oolith, die von einem Glaukonit führenden, kalkig- sandigen Bindemittel zusammengehalten werden.

Diese Conglomerate wies H. B. Geinitz der cenomanen Stufe der Ostrea carinata zu, nachdem es ihm gelungen war, in ihrer Grundmasse drei Leitfossilien dieser Zone, nehmlich Cidaris Sorigneti DESOR (Stacheln), Rhynchonella compressa LAM. und Ostrea diluviana L. aufzufinden.

Die hier angesprochene Petrographische Karte des Herrn Götzinger haben wir in Landes- und Universitätsbibliothek Sachsen- Anhalt bei der Martin Luther- Universität Halle finden können.

  


Topo- und Petrographische Reisekarte durch die Meissnischen Aemter Hohnstein und Lohmen und einen Theil der Aemter Pirna und Stolpen oder die sogenannte Sächsische Schweiz, entworfen von M. W. L. Götzinger, (das M. ist kein dritter Vornamen, sondern steht hier für ,Magister') aus: Wilhelm Lebrecht Götzinger: Schandau und seine Umgebungen oder Beschreibung der sogenannten Sächsischen Schweiz, gedruckt bei G. G. Monse, 1804, Gesamtansicht, Norden ist links oben.

Digitalisat von der Landesbibliothek Sachsen-Anhalt bei der Martin Luther- Universität Halle

   


Ausschnitt aus obiger Karte mit der (rechts unten) eingefügten Legende. In der rechten Spalte, im Ausschnitt dritte Zeile von unten die Signatur für Kalkstein.

  


Ausschnitt aus obiger Karte mit dem Gebiet des Polenztals bei Hohnstein. Tatsächlich findet man auf Götzinger's Karte die Signatur im oberen Kohlgtgrund zwischen dem Hockstein und Zeschnig; seltsamerweise dagegen auch nach langem Suchen nicht bei Hohnstein. Wie wir später lesen werden, hat Amtsverwalter J. G. Hedenus den Steinbruch südöstlich der Stadt wohl erst im Jahre 1806 wieder aufgenommen - somit konnte Götzinger diesen 1804 natürlich noch nicht kennen. 

 

Zurück zu den Erläuterungen zum geologischen Kartenblatt aus dem Jahr 1892:

Auch anderwärts in Sachsen ist es eine nicht seltene Erscheinung, dass die untersten Schichten des Cenomans Gerölle von denjenigen Gesteinsarten enthalten, welche ihren Untergrund bilden... Hier bei Zeschnig lieferte die bis auf geringe Reste denudirte Juraformation das Material.

Sehr häufig bemerkt man Kalkgerölle mit dattelförmigen Löchern einer Bohrmuschel, Pholas Zeuschneri GEIN., deren Ausfüllung dem Cement des Conglomerates gleicht... 

Südöstlich von dem Zeschnig'er Kalkwerk, in dem oberen Theile des ,die Kohligt' genannten Seitenthales, hat man die Granitgrenze in früherer Zeit durch eine Reihe von Schürfen zur Gewinnung von Kalkstein blossgelegt, über welche C. A. Kühn (S. 751) berichtet hat. Besonders lehrreich ist das beistehende, bei Kühn entnommene Profil, welches die Verhältnisse in einem gegen NNO. getriebenen Versuchsstolln darstellt.“

„Mit diesem Stolln durchfuhr man zuerst 8,5 m Sandstein- und Granitgerölle, dann 28 m eisenschüssigen, lettigen Sandstein (a), welcher Gerölle von Quarz und Kalkstein, sowie Brauneisensteinpartien enthielt. Ihm waren bei b einige Lettenlagen eingeschaltet. Darüber folgten 8 m fester Sandstein (c) und endlich der Granit (d), dessen Grenze unter 50° nach NNO. einschoss, während die Schichten des Sandsteines unter 45° ebenfalls nach NNO. einfielen.

Das ziemlich flache Einfallen der Gebirgsscheide nach NO. findet seinen Ausdruck in dem beträchtlichen, fast einen rechten Winkel bildenden nordöstlichen Ausbiegen der Granitgrenze an der Stelle, wo letztere das hier von SSW. nach NNO. verlaufende Polenzthal durchquert. In diesem Thale selbst sind folgende Verhältnisse zu beobachten: An der westlichen felsigen Thalwand steht von der Thalsohle bis hinauf zum Aussichtspunkt des Hocksteines der Brongniartiquader in 109 m starker Mächtigkeit mit einem unter etwa 5° nach NNW. gerichteten Einfallen seiner Bänke an. Etwa 50 m nördlich von der Ausmündung des nach dem Kalkofen hinauf führenden Kohligtthälchens stellt sich entgegengesetztes, also nach SSO. gerichtetes flaches Fallen ein. Noch 100 m weiter nördlich scheint ‒ die Vegetation verhindert hier die directe Beobachtung, ‒ eine Verwerfung aufzusetzen, denn von jetzt ab herrschen Sandsteine mit 0,3 - 0,5 m mächtigen Conglomeratbänken, welche anfangs unter 5°, zuletzt, dicht südwestlich von der Stadtmühle, unter 15° nach NW. einschiessen. Die Gerölle dieser augenscheinlich wie bei Zeschnig cenomanen Conglomerate bestehen aus Quarz und Jurakalkstein. Genau bei der Stadtmühle setzt die Granitgrenze über den Fluss.

Ganz dieselben conglomeratischen Sandsteine mit Kalksteingeröllen findet man an mehreren Punkten zwischen hier und dem Markte zu Hohnstein in Gräben und an Böschungen unmittelbar an der Granitgrenze anstehen. Letztere zieht sich schräg durch den Marktplatz und war nach B. Cotta im Keller der Apotheke nebst einer sie begleitenden ,Mergelschicht' aufgeschlossen, die auch in neuerer Zeit mehrmals, nehmlich vor dem Schmarander'schen Hause, in der Fundamentgrube der Laternensäule und beim Bau des Tanzsaales im Gasthofe zur Sächsischen Schweiz blossgelegt worden ist.“

Die Einstufung der Zeschnig'er Konglomerate, als Transgressionskonglomerat aus der unteren Oberkreide (Cenoman), in welchem vorher wieder erodierte, mitteljurassische Kalksteine als Gemengteile auftreten und die schon auf Hans Bruno Geinitz zurückgeht, wurde durch spätere Untersuchungen bestätigt. Bei den Vorkommen bei Zeschnig rechts der Polenz handelt es sich also im engeren Sinne nicht mehr um Jura- Kalkstein. Aus diesem Grund sind sie auf der geologischen Karte auch nicht mit derselben blauen Farbe, wie die Vorkommen bei Hohnstein markiert.

Wie die folgenden Fotos zeigen, war die Lausitzer Überschiebung beim Bau der neuen Wartenbergstraße in den 1920er Jahren direkt aufgeschlossen.

   


Rutschflächen der Lausitzer Hauptverwerfung an der damals gerade im Bau befindlichen Wartenbergstraße bei Hohnstein, Fotograf unbekannt, Aufnahme um 1924. Bildquelle: deutschefotothek.de 

http://www.deutschefotothek.de/documents/obj/72017897

   


Aufschluss der Lausitzer Überschiebung des Granits auf Sandstein an der Wartenbergstraße im Polenztal bei Hohnstein, Foto: Max Nowak, vor 1930. Bildquelle: deutschefotothek.de 

http://www.deutschefotothek.de/documents/obj/72032414

   


Rutschflächen (,Harnische´) im Sandstein an der Wartenbergstraße im Polenztal bei Hohnstein, Foto: Max Nowak, vor 1930. Bildquelle: deutschefotothek.de 

http://www.deutschefotothek.de/documents/obj/72032417

   

Sind auch die von den Geologen damals angestellten Untersuchungen zur Lagerung der Lausitzer Überschiebung von großem Interesse, so interessiert uns doch hier vor allem das Folgende:

Südöstlich von Hohnstein liegt der wichtigste und meist genannte Aufschlusspunkt der ganzen Lausitzer Hauptverwerfung, das alte Hohnstein'er Kalkwerk. Ende Juni 1826 erkannte zuerst A. von Gutbier die dortigen Lagerungsverhältnisse, welche von nun ab die Aufmerksamkeit der Geologen auf lange Zeit fesseln sollten. Er regte Chr. Sam. Weiss zur Beschreibung derselben an und lieferte ihm hierzu eine Profilskizze. Die Weiss'sche Auffassung ist trotz vieler anderer Deutungsversuche im Allgemeinen noch die heute gültige geblieben.

Die Aufschlüsse am Hohnstein'er Kalkwerk bestehen aus einer jetzt (also um 1890) schon sehr verfallenen steinbruchartigen Entblössung und aus längst nicht mehr zugänglichen unterirdischen Abbauen. An der südöstlichen Wand der ersteren war nach B. Cotta eine Schichtengruppe aufgeschlossen, welche in directer Nachbarschaft des Granites unter 47°, weiter entfernt von der beiderseitigen Grenze nur noch mit 37° unter den am Schachthause anstehenden Granit einschoss. Unter letzterem lagerten, nach dem Liegenden zu, die folgenden Schichten:

1. Fester gelblichgrauer Sandstein, 1,1 m mächtig.
2. Sehr mürber grauer Sandstein mit kohligen Theilen und Kalksteinknollen,
    oft Cidaridenstacheln und Stücke von
Belemnites canaliculatus enthaltend,
    1,4 m mächtig.
3. Andeutungen einer mürben sandigen Schicht.
4. Lockerer gelbJichgrauer Sandstein, 2,2 m mächtig.
5. Fester gelbgrauer Sandstein mit vielen kleinen Kohlentheilchen,
    nach Cotta mit
Terebratula Grafiana (= Rhynchonella lacunosa var. dichotoma
   
Quenst.) und Terebratula perovalis (= T. subsella Leym).
6. Mürber grauer Sandstein mit vielen Kalksteinknollen und Thoneisenstein-
    Geschieben, 2,8 m mächtig.
7. Fester, gelblicher Kalkstein mit vielen undeutlichen Resten der Geschlechter
   
Ostrea, Exogyra, Terebratula, Belemnites, Cidarites und Pentacrinus, die erst
    durch Verwitterung hervortreten, 0,5 m mächtig.
8. Mürber gelblichgrauer Sandstein mit einzelnen Lagen von Kalkknollen
    und Thoneisensteingeröllen, 2,8 m mächtig.
9. Fester Kalkstein, wie No. 7, 0,5-0,8 m mächtig.
10. Gelblichgrauer Sandstein, 0,5 m mächtig.
11. Sandstein, dem gewöhnlichen Quadersandstein nahe stehend.

  

In den unterirdischen Grubenbauen folgte hingegen nach v. Gutbier und Cotta unter dem Granit:

1. Die "rothe Lage", bestehend aus rothem, weissem und gelbem Thon, mit 30-40° unter den Granit einschiessend, 11-17 m mächtig, von Bruder als Rothliegendes angesprochen.
2. Die "schwarze Lage", aus schwarzem bituminösem Thon bestehend, welcher oft Fragmente von Pechkohle und viele Versteinerungen enthielt, 0,5 - 7 m mächtig.
3. Mergel mit festen Kalksteinknollen, 0,5 - 8 m mächtig.
4. Fester, dunkel blaugrauer, etwas dolomitischer Kalkstein, aus lauter unzusammenhängenden Massen bestehend, mit vielen Versteinerungen, 0,5 - 9 m mächtig.
5. Sandstein mit einzelnen Kalkknollen (nach Bruder S.7 mit Exogyra columba LAM.).

Bruder (S.6, mit einer Ansicht des Aufschlusses) bemerkte bei seinem Besuche von Hohnstein im Jahre 1881 in der nordöstlichen Ecke der steinbruchartigen Entblössung nahe an dem mit Schutt und Vegetation bedeckten Granit zwei nach NO. einschiessende Sandsteinbänke, von denen er sagt: ,Sie sind durch beigemengte Kohlentheilchen dunkel gefärbt und von sehr lockerem Gefüge; zwischen beiden lagert eine festere, gelblichgraue Sandsteinschicht. In den mürben Sandsteinen wurden spärliche Reste von Belemnites canaliculatus und Cidaridenstacheln gefunden. Nach Cotta folgen dann weiter noch Sandsteine, welche Terebratula grafiana und perovalis enthalten, die jedoch gegenwärtig fast vollständig unter Gerölle und Pflanzenwuchs verborgen sind.'

Die unterirdischen Grubenbaue waren bei Bruder's Besuch längst unzugänglich. Die meisten der in ihnen nach Cotta anstehenden Schichten sind nach Bruder ,über Tage zum Theile ausgekeilt, theils unter Rasen verborgen oder so in ihrer Natur verändert, dass man sie nicht wieder erkennt.´

Während der geologischen Aufnahme dieser Gegend waren ausser den von Bruder gesehenen und mit No. 2-3 des Cotta'schen Steinbruchprofiles identischen Schichten weiter nach SW. zu noch Gesteinsbänke aufgeschlossen, welche völlig den cenomanen Kalksteinconglomeraten von Zeschnig gleichen. Eine Identificirung derselben mit bestimmten Bänken des Cotta'schen Profiles war bei der Unvollständigkeit der jetzigen Aufschlüsse nicht mehr möglich...“

    

„Verfolgt man vom Hohnstein'er Kalkwerk aus die Granitgrenze weiterhin nach SO. zu, so findet man im sogenannten Schützengehänge südwestlich von der Schanze noch heute die Spuren der früheren Schürfe auf Kalkstein, welche Kühn (S. 751) beschrieben hat. Den einen derselben illustrirt das beistehende Profil Fig. 4, welches nach Kühn's Fig. 7 gezeichnet ist.

Unter dem Granit (e), dessen Grenze hier unter 25° gegen NO. einschiesst, folgte zunächst eine bis 0,56 m mächtige schwarze schieferige Mergellage (d), dann eine 1,5 - 2 m starke Sandsteinbank mit Kalksteingeröllen (c), hierunter wieder eine Mergellage von 4 - 8 cm Mächtigkeit (b) und endlich Sandstein (a). Bruchstücke eines Conglomerates mit Jurakalkgeröllen und einem sandigkalkigen Bindemittel, ganz dem cenomanen Conglomerat von Zeschnig gleichend, findet man noch heute dort umherliegen. Gumprecht erwähnt aus dem Mergel dieses oder eines benachbarten Schurfes das Vorkommen zahlreicher Cidaridenstacheln.

  


Die sogenannte Napoleonschanze, südöstlich von Hohnstein. In der kreuzförmigen Vertiefung hatte ein Blockhaus gestanden. 1813 ließ Napoleon diese Artilleriestellung zum Schutze der Militärstrasse Stolpen - Halbestadt anlegen. Fotograf nicht bekannt, Aufnahme um 1935, Bildquelle: deutschefotothek.de.

http://www.deutschefotothek.de/documents/obj/72017949

Den heutigen Zustand zeigen wir  hier.

   

„Aehnliche Verhältnisse zeigte nach Kühn ein etwa 240 m weiter südöstlich gelegener Schurf, dessen Spuren man ebenfalls noch vorfindet und dessen Verhältnisse durch das beistehende Profil Fig. 5 illustrirt werden.

Die Granitgrenze schiesst hier unter nur 20° nach NO. ein; ihr entsprechend geneigt sind die folgenden Schichten: zunächst ein bis 3,5 m mächtiger conglomeratischer Mergel mit Kalkstein- und Quarzgeröllen (d), sodann ein Sandstein (c), darunter ein 1 m mächtiger Mergel mit Kalksteinbrocken (b) und endlich Quadersandstein (a), Einen ganz ähnlichen Schichtencomplex traf man nach Kühn (S.753) an der Granitgrenze weiter südöstlich nahe bei der jetzigen Schleuse 14 an. Hier war die unter 25° gegen NO. einschiessende Gebirgsscheide reich an Quarzausscheidungen.

Da das jurassische Alter auch nur eines Theiles dieser Mergel mindestens sehr zweifelhaft ist, alle übrigen Gebilde aber offenbar in die Stufe der Ostrea carinata gehören, wurde diese ganze Ausstrichzone an der Dislocation zwischen dem Hohnstein'er Kalkofen und dem Tiefen Grunde auf der Karte als Cenoman eingetragen.“

Schauen wir nun zurück auf den Ausschnitt der geologischen Karte, finden wir diese Zone als blaßgrünen Streifen an der Granodioritgrenze südlich von Zeschnig und auch in südöstlicher Verlängerung des Hohnstein'er Vorkommens.

  

In der oben schon von Naumann und Cotta und hier wieder von R. Beck mehrfach angeführten Schrift von T. E. Gumprecht heißt es im Kapitel (S. 98ff)

II. Jüngere Granite.

ab S. 126 zu:

d) Hohenstein.

Der Ober- Lieutenant von Gutbier scheint der erste gewesen zu seyn, der den Angaben des 28 Jahre mit der Leitung des unterirdischen Kalkbruchs von Hohenstein beauftragten Steigers Starke Aufmerksamkeit schenkte. Denn weder der mit der Hohensteiner Gegend so genau bekannte Götzinger, noch Freiesleben erwähnen etwas von dem hiesigen, für die Werner'sche Geognosie so abnormen Lagerungsverhältnisse des Granits gegen den Sandstein; ja Freiesleben spricht sogar ausdrücklich von einer Bedeckung des ersteren Gesteins durch den Sandstein, wahrscheinlich nur a priori den damaligen Ansichten folgend, da bis jetzt weder bei Hohenstein selbst, noch irgendwo in der Umgegend der Stadt eine Lagerung des Sandsteines über dem Granite aufgefunden wurde. Die Angaben, welche die Herren Weiss und v. Gutbier von dem Steiger über die in seinem Bruche von ihm beobachtete Lagerung des Granits über dem Kalk und Sandsteine erhielten, stimmen vollkommen mit denjenigen überein, die ich bei meiner häufigeren Anwesenheit zu Hohenstein von demselben erfragte.

Die späteren Schürfversuche an dem Wartenberge und namentlich auf dem linken Polenzufer von der Stadt bis zum tiefen Grunde hin ergaben ganz dasselbe Resultat, so daß bei Hohenstein selbst die Bedeckung des Sandsteins durch den Granit auf fast eine Stunde Ausdehnung bekannt ist. Leider ist es dem reisenden Geognosten nicht mehr vergönnt, an Ort und Stelle von der Richtigkeit der für die Wissenschaft durch die Schürfversuche gewonnenen Resultate sich selbst zu überzeugen, da auch hier die Schürflöcher sämmtlich zugeworfen sind. Eins derselben fand ich noch im Jahre 1833 offen und werde die Skizze der in ihm beobachteten Lagerungsverhältnisse in Fig. 8 mittheilen; ein Jahr später war dasselbe gleichfalls verschüttet. Auch unmittelbar neben dem Fahrschachte des Hohenstein'er Kalkbruchs soll früher nach der Angabe des Steigers die zu Tage liegende Gränze des Granits und Sandsteins nebst einer rothen Lettenlage, die beide Gesteine trennte, deutlich sichtbar gewesen seyn; bei meiner Anwesenheit war selbst diese Stelle mit Gerölle und Erde verdeckt... 

Die sächsische Bergbehörde wurde bei ihren Schürfversuchen weniger von einem wissenschaftlichen Zwecke, als von dem Wunsche geleitet, Kalk aufzufinden, dessen Einfuhr in die Gränzörter von Böhmen aus und namentlich von Daubitz nicht unbeträchtlich seyn soll.

Die nächste Anregung aber zu dem Entschlusse, den Kalkstein unmittelbar unter der Auflagerungsfläche des Granits auf dem Sandsteine aufzusuchen, wurde durch den unter den Bewohnern der sächsischen Schweiz ganz allgemein verbreitetem und auch von Herrn Prof. Weiss erwähnten Glauben von einem steten Vorhandenseyn des Kalkes auf der Granitscheide gegeben. Und in der That ist es recht auffallend, wie diese Meinung bei den Schürfversuchen in der Umgegend von Hohenstein überall ihre Bestätigung gefunden hat. Ich habe bereits S. 139 angeführt, daß durch dieselben am Schützengehänge östlich von Hohenstein ein ansehnliches Kalklager entdeckt wurde und umstehend angegeben, daß die Versuche im Lohmen'er Walde ebenfalls die Anwesenheit des Kalksteins auf der Scheide erwiesen. Ganz ebenso erwähnt Herr Prof. Kühn das Auffinden von Mergel und Kalkstein in der Nähe von Elbersdorf, ein Vorkommen, das ich durch eine schon im Jahre 1786 gegebene Notiz von Götzinger bestätigt sehe. In seiner Beschreibung der Aemter Hohenstein und Lohmen führt derselbe nämlich das häufige Vorkommen von weißen, kreideartigen Kalkbruchstücken mit Kalkspath, zugleich aber auch von Fragmenten eines derben, blauen und körnigen Kalksteins an den Ufern der Wesenitz und zwar bei Dittersbach an...

Ebenso erwähnt Herr Klippstein nach den von dem Geschworenen Lose empfangenen Mittheilungen das Vorhandenseyn des Plänerkalkes auf der Scheide der Granite und Sandsteine am Wartenberge. Schon früher hatte man, wie auch das Zeichen des Kalkes auf der Götzinger'schen petrographischen Charte andeutet, bei Zeschnig und zwar im Anfange dieses Jahrhunderts auf Kalk gebaut, in einer Zeit, als die jetzt betriebenen Hohenstein'er Brüche verlassen lagen. Noch vor 20 Jahren (also um 1815) war ein Bauer durch den ansehnlichen Kalkgehalt des Sandsteins im Eingange zur Thalschlucht des Kohlichts unmittelbar unterhalb Zeschnig veranlaßt worden, denselben brechen und brennen zu lassen.

Der Kalkstein scheidet sich hier nämlich zunächst der Auflagerungsfläche des Granits als rundliche, leberbraune Geoden aus dem Sandsteine aus und giebt dadurch demselben ein ganz eigenthümliches, conglomeratisches Ansehen, doch zeigt eine genauere Besichtigung der Kalkausscheidungen, daß diese sich ganz allmählig in den Sandstein verlaufen und keinesweges für wahre Conglomerateinschlüsse in demselben gelten können.

Der Förster von Hohenstein ließ nämlich im Herbste des vergangenen Jahres (also 1834), um den für den Pflanzenwuchs äußerst vortheilhaften schwarzen Mergel zu gewinnen, an dem Abhange nach dem tiefen Grunde hin einen Stollen von 8 Fuß Höhe treiben, der nur in dem Mergel selbst stand; einen zweiten ähnlichen Stollen von gleicher Höhe fand ich an einem anderen Punkte zu demselben Zwecke, aber in dem rothen Letten angelegt...

Schwefelkies findet sich ziemlich häufig in dem Hohnstein'er Kalksteine eingesprengt und vererzt besonders in der schwarzen Lage niedliche kleine Ammoniten. Der Steiger berichtete mir ferner, daß die Längserstreckung des Kalklagers nur 200 Ellen von Süden nach Norden beträgt; daß der schwarze Letten 10 Ellen etwa auf beiden Seiten über den Kalk hinweg greift, und daß die oberen Theile des Lagers aus mergligem Kalke, die unteren dagegen mehr aus festem Stein bestehen. Ebenso soll die rothe Lage sich noch 20 Ellen weiter als die schwarze erstrecken und bei ihrem Aufhören eine Art Kohlenschiefer sich einfinden, nach dessen Abschneiden, wie der so weit fortgesetzte Versuchsbau belehrte, Granit unmittelbar auf Kalkknauern haltendem Sandsteine gelagert war...“

Die alten Geologen verraten uns hier auch wieder einiges zum Stand der Grubenbaue während der Erscheinungszeit ihrer Berichte...

   

Den Sätzen R. Beck's aus der Erläuterung zum geologischen Kartenblatt No. 85 aus dem Jahr 1895, die wir ganz oben zur Einleitung dieses Kapitels gewählt haben, war zu entnehmen, daß auch bei der Lichtenhainer Mühle jurassischer Kalkstein vorgekommen sei. Dieses Vorkommen ist auf dem Kartenblatt vermerkt, jedoch so winzig, daß man genau hinschauen muß, um es zu finden.

  


Ausschnitt aus den Geologischen Specialkarten des Königreichs Sachsen, Blatt 85: Section Sebnitz- Kirnitschthal, gedruckt 1893. Man muß genau hinsehen, weil es nur ein kleiner dunkelblauer Keil in der Talsohle unterhalb der Lichtenhainer Mühle ist: Noch ein kleines Kalksteinvorkommen an der Granodioritgrenze.

   

Im betreffenden Abschnitt des Erläuterungsheftes:

IV. Die Lausitzer Hauptverwerfung und
die längs derselben zu Tage tretenden Fetzen der Juraformation.

liest man dazu: „Der nächste Punkt nach Osten zu, an dem Schürfversuche veranstaltet worden sind, ist das rechte Gehänge des KirnitzschthaIes, 400 bis 500 m westsüdwestlich von der Lichtenhainer Mühle. Hier will man zwischen dem Granit und dem Quader einen Kalkstein angetroffen haben, der auch auf Grund dieser Nachrichten in die Karte eingetragen worden ist, obwohl Näheres über dieses Vorkommniss nicht zu ermitteln war.

Hinsichtlich der Schürfversuche, auf welche Professor Beck sich hier bezog, verweist seine Fußnote auf T. E. Gumprecht's Schriften, aus denen wir oben schon zitiert haben. Jener wiederum bezieht sich darin auf die um 1828 unter Federführung des Bergamtes Altenberg auf fiskalischem Grund mit dem Ziel, weitere Kalksteinvorkommen aufzufinden, ausgeführten Sucharbeiten. Darauf kommen wir in den historischen Kapiteln noch ausführlicher zurück.

Verfolgen wir nun die Lausitzer Überschiebung weiter nach Südosten, so ist das nächste (oben auch schon einmal erwähnte) Vorkommen von Kalksteinen das bei Saupsdorf.

  


Ausschnitt aus den Geologischen Specialkarten des Königreichs Sachsen, Blatt 85: Section Sebnitz- Kirnitschthal, gedruckt 1893. Die Lausitzer Überschiebung streicht hier annähernd in West- Ost- Richtung. Südwestlich des Ortes Saupsdorf ist wieder eine blau dargestellte Linse der hier aufgeschleppten Jura- Kalksteine zu sehen. Zum Zeitpunkt des Erscheinens dieser Kartenausgabe wurde hier schon die Beschriftung „Ehem. Kalkwerk“ eingefügt - doch dazu im historischen Abschnitt mehr...

   


Auch dieses Kartenblatt enthält Profilschnitte - u. a. diesen Ausschnitt etwa in Süd- Nord- Richtung vom Kirnitzschtal bis Saupsdorf - aus dem die Lage der hier aufgeschlossenen Jura- Kalksteinlinse hervorgeht.

   

Auch das Erläuterungsheft zu diesem Kartenblatt verfaßte Professor Richard Beck aus Freiberg. Da das Saupsdorf'er Vorkommen auf diesem Kartenblatt das einzige ist, welches bergmännisch genauer untersucht worden ist, führte es der Verfasser im selben Kapitel ohne weitere Untergliederung auf:

Der allgemeine Verlauf der grossen Dislocation durch das Sectionsgebiet wurde bereits in der Einleitung beschrieben, auch auf die Druckerscheinungen, die zu beiden Seiten der Verwerfung in dem Lausitzer Granit und in dem Quadersandstein sich geltend machen, wurde schon S. 11 und 24 hingewiesen. Dieselben bestehen bei beiden Gesteinen in einer sehr starken Zerklüftung und in Harnischen, die beweisen, dass sich auf manchen dieser Klüfte gewaltsame Verschiebungen vollzogen haben... 

Noch genauer sind die Verhältnisse an der Gebirgsscheide südwestlich von Saupsdorf durch den ehemaligen unterirdischen Abbau von Kalkstein festgestellt worden. Aus Gumprecht's Darstellung der dortigen Aufschlüsse ergiebt sich Folgendes: Im Jahre 1830 wurde auf der Höhe von Richters Haide im SSW. von Saupsdorf mit Erfolg auf Kalkstein geschürft und schliesslich ein Schacht abgeteuft, mit welchem die folgenden Schichten durchsunken wurden (vergl. nebenstehendes Profil):

Granit 2,8 -3,3 m

Mergel 0,14-0,28 m

Fester Kalkstein 3,3 m

Mergel 2,8 -3,3 m

Lockerer Sand 0,28-1,1 m

Fester Quadersandstein.“

   

Vom Tiefsten dieses Schachtes aus trieb man eine Strecke nach N., also in der Richtung nach dem Granit, durchfuhr mit derselben die nehmlichen Schichten in umgekehrter Reihenfolge und gelangte dann in den Granit. Aus dem anbei nach Gumprecht's Darstellung wiedergegebenen, höchst instructiven Profile ergiebt sich, dass die Granitgrenze, sowie sämmtliche im Schachte und Stolln angetroffene Schichten unter 35° - 45° nach N. einfallen.

Das hier aufgeschlossene Kalksteinlager wurde später auch durch einen 252 m langen Stolln angefahren, den man vom rechten Gehänge des Dorfbachthales aus auf dasselbe trieb. Dieser Stolln wurde in seiner ganzen Erstreckung nur auf der durchweg steil nach N. einfallenden Gebirgsscheide zwischen Granit und Sandstein geführt, die sich, wie Gumprecht's Skizze zeigt, als mannigfach gekrümmt erwies. Den Kalkstein traf man erst in der Gegend des beschriebenen Schachtes an. Dahingegen wurde die Gebirgsscheide vielfach von ,blauem Letten' begleitet. Die auch nach West hin rasch sich auskeilende Kalksteinmasse wurde ausserdem noch durch einen zweiten Schacht, der nur 40 Schritte von dem ersten entfernt angesetzt war, aufgeschlossen. Mit demselben wurde von Tage aus bis zu 7,6 m Tiefe fast ausschliesslich fester Kalkstein durchsunken.

Das Gestein erschien in der oberen Teufe massig und war ohne Andeutung von Schichtung. Petrefacten sollen in ihm nur äusserst selten vorgekommen sein und sind nicht genauer untersucht worden. Nach Analogie mit den Verhältnissen bei Hohnstein, Hinterhermsdorf, Khaa und Daubitz darf jedoch auch dieser Saupsdorf'er Kalkstein als ein bei der Granitüberschiebung mit emporgeschleppter Fetzen der Juraformation betrachtet werden.“

   


Dieses kleine Stück haben wir im Wegeschotter unterhalb der Richterheide in Richtung Saupsdorf aufgelesen. Es reagiert mit Säure; ist also kalkhaltig. Ob es allerdings tatsächlich aus dem Thiermann'schen Kalkbruch stammt oder mit dem Wegebaumaterial von ganz anderer Stelle hier hingekommen ist, können wir nicht mit Sicherheit sagen...

  

Zu diesem Standort gibt es auch eine kurze Beschreibung durch Bernhard Cotta in seinen Geognostischen Wanderungen aus dem Jahr 1838, wo es heißt (S. 34):

Bei Saupsdorf

ist die Grenze selbst und ein zwischen Granit und Sandstein liegendes Kalksteinlager wieder sehr schön durch Grubenbaue aufgeschlossen…

Die Grenzscheide fällt 30°, zum Theil steiler, im Stollen wahrscheinlich bis 60°. Unter dem Granit folgt mit gleichem Fallen zunächst Mergel, dann gelblicher dichter Kalkstein, hierauf wieder Mergel, Sand und Sandstein, die Schichten des letzteren liegen in dem nahen Kirnitzschthale völlig horizontal. Die Mächtigkeit dieser ganzen Zwischenlagerung, sowie die ihrer einzelnen Glieder nimmt nach beiden Seiten hin in der Richtung des Streichens sehr schnell ab und in dem 900 Fuß langen, höchst interessanten Stollen liegt an einigen Orten der Granit unmittelbar auf Sandstein, von dem er auch hier für gewöhnlich durch Mergel getrennt ist. Der spezielle Verlauf der Grenze macht ziemlich unregelmäßige Biegungen, die Grenzfläche scheint keineswegs eine Ebene zu sein, obwohl sie der allgemeinen Richtung sehr treu bleibt.

Mit dem 54 Fuß tiefen, senkrechten Schachte durchfuhr man von oben nach unten

12 Fuß Granit  
3 Fuß Mergel 30° geneigt
12 Fuß Kalkstein
12 Fuß Mergel
4 Fuß Sand  
11 Fuß Sandstein.  

Die Mächtigkeit des Kalksteins ward in einem zweiten Schachte weit beträchtlicher gefunden. Leider ist es mir nicht gelungen, irgend eine Versteinerung aus dieser Zwischenlagerung zu erlangen, obwohl nach Angabe der Arbeiter und des Grubenbesitzers Herrn Thiermann zuweilen dergleichen vorkommen sollen. Ich vermag daher auch noch nicht, diese Schichten auf eine bestimmte Weise mit denen bei Hohnstein zu vergleichen.“

Dieses Bergwerk bei Saupsdorf war also zu Cotta's Zeiten gerade gangbar und im Besitz von Herrn Thiermann. Die Geschichte heben wir uns wieder für unser historisches Kapitel auf und lesen nun noch nach, was auf dem östlich angrenzenden Kartenblatt zu Hinterhermsdorf und dessen Nachbarorten auf böhmischer Seite der Grenze noch zu finden ist...

  


Ausschnitt aus den Geologischen Specialkarten des Königreichs Sachsen, Blatt 86: Section Hinterhermsdorf- Daubitz (Doubice), gedruckt 1895. Die Lausitzer Überschiebung weicht hier in einem weiten Bogen um das tschechische Jagdschloß Sternberg (Šternberk u Brtníků) herum nach Norden aus. Das Kirnitzschtal im Süden und Südosten sowie das Tal des Weißbachs im Nordosten bildeten hier schon seit langer Zeit stets die Grenze der beiden Länder (violett markiert).

   


Wir beginnen auf der sächsischen Seite: in Hinterhermsdorf, im äußersten südöstlichen Zipfel der Sächsischen Schweiz. Die geologische Karte aus dem Jahr 1895 weist zwei Vorkommen der Jura- Kalksteine aus (hier dunkel- blaugrün dargestellt): zum einen an der Obermühle im Heidebachtal östlich von Hinterhermsdorf und zum anderen weiter nordöstlich im Weißbach- Tal, direkt an der sächsisch- böhmischen Grenze.

   


Ausschnitt aus einer Profildarstellung auf dem geologischen Kartenblatt Nr. 86 mit einem Schnitt vom Schäferräumicht nordöstlich von Hinterhermsdorf in südlicher Richtung. Die Schnittlinie schneidet hier beide oben gezeigte Kalklager im Heidelbach- und im Weißbachtal nicht, sondern führt westlich an ihnen vorbei. Im Bereich der Lausitzer Überschiebung zeigt die Schnittdarstellung daher nur eine schmale, hellgraugrün dargestellte Bank, die nach der kaum zu erkennenden Beschriftung c1 von den Geologen in die untere Oberkreide (Cenoman) gestellt wurde und die wohl den auch bei Zeschnig abgebauten, kalkhaltigen Transgressionskonglomeraten des Kreidemeeres entspricht. Der Lang (oder hier Langke) ist der Höhenrücken zwischen dem Heidelbach und dem Neudörfler Tal, dessen südöstliche Fortsetzung auch die Klause genannt wird.

   

Das betreffende Erläuterungsheft erschien 1897 und ist gemeinsam von R. Beck und O. Herrmann verfaßt. Wir zitieren zuerst aus der Einleitung:

Allgemeine geologische Zusammensetzung.

„Der grössere Theil von Section Hinterhermsdorf – Daubitz gehört dem Lausitzer Granitgebirge, der kleinere, südliche, dem Gebiete des sächsisch- böhmischen Quadersandsteines an. Die Grenze zwischen beiden Arealen wird durch die Lausitzer Hauptverwerfung gebildet, welche sich von Oberau bei Meissen über Weinböhla und Hohnstein bis zum Jeschkengebirge verfolgen lässt, in das Sectionsgebiet beim Saupsdorfer Räumicht eintritt und innerhalb desselben in einem gegen S. geöffneten Bogen über Hinterhermsdorf, Hemmehübel und Khaa bis Neudaubitz verläuft... 

Als Reste von ehemals wahrscheinlich weit ausgedehnten, später aber von der Erosion zerstückelten und vom Quader über deckten Ablagerungen treten an der Lausitzer Hauptverwerfung, zwischen Granit und Quadersandstein eingequetscht, bei Wolfsberg Gesteine des Rothliegenden sowie im Heidelbachthale bei Hinterhermsdorf, bei Zeidler (Brtniky), bei Nassendorf (Hely) unweit Khaa (Kyjov) und bei Neudaubitz (Nova Doubice) Schollen der Juraformation zu Tage…“

Auch in diesem Heft sind die Kalksteinvorkommen (ab S. 27ff) im Kapitel:

IV. Die Lausitzer Hauptverwerfung und die längs derselben zwischen dem Granit und dem Brongniartiquader zu Tage tretenden Schollen des Rothliegenden, der Juraformation und des Cenoman.

genauer beschrieben, wobei die Geologen auch hier wieder ihr Augenmerk besonders auf den Verlauf der großen tektonischen Störung richten. Im Einzelnen lesen wir dort:

Die Lausitzer Hauptverwerfung, deren Verlauf im Allgemeinen schon in der Einleitung skizzirt worden ist, erleidet im Sectionsgebiete sehr auffällige Abweichungen von ihrem sonst nach WNW. bis NW. gerichteten Hauptstreichen.

Bei ihrem Eintritt in die Section südlich von Saupsdorf behält sie zunächst noch die bereits auf der angrenzenden Section Sebnitz- Kirnitzschthal eingeschlagene Richtung nach OSO. bis zu einem Punkte südöstlich von Neudörfchen bei Hinterhermsdorf bei. Hier aber schwenkt sie mit einer scharfen Biegung nach NO. um und verläuft so bis zu dem etwa in der Mitte des Blattes gelegenen Dorfe Hemmehübel...“  

Die Lagerungsverhältnisse bei Neudörfchen.

„Bei Hinterhermsdorf ist jetzt und in früherer Zeit nichts Näheres über die Verhältnisse an der Gebirgsscheide zu ermitteln gewesen. Zu erwähnen ist nur, dass bei Neudörfchen die zunächst der Granitgrenze umherliegenden Bruchstücke von Sandstein häufig Gerölle von Quarz und von sandigem Brauneisenstein führen.

Dagegen beginnt südöstlich von Neudörfchen kurz vor der Umbieguug der Grenze nach NO. eine Reihe von Schürfen auf Kalkstein, deren Lage nach den noch erhaltenen Vertiefungen und Haldenresten auf Grund des von Cotta gemachten, den Oberbergamtsacten 10 624 Vol. II einverleibten Berichtes wieder festgestellt und auf der Karte durch beigedruckte rothe Ziffern bezeichnet werden konnte. In der Richtung von S. nach N. reihen sich aneinander:

Schurf I. Eine 20 Lachter lange Rösche zwischen den Grenzsteinen No. 236 und 237 am Lehmhübel bei Neudörfchen. Die Grenzscheide fällt senkrecht, der horizontal geschichtete Sandstein ist nur durch eine 1 Zoll mächtige Lettenlage vom Granit getrennt.

Schurf II. in 39 Lachter südlicher Entfernung vom Grenzstein No. 238 ebendaselbst. Die Grenzscheide fällt 70° gegen N., der horizontal geschichtete Sandstein ist durch eine 1 ljt Zoll mächtige Lettenlage vom Granit getrennt.

Schurf III. Ein Fallort nebst Abteufen von mehreren Lachtern Teufe bei dem Grenzsteine No. 240 ebendaselbst. Die Grenzscheide fällt 60 bis 65° gegen NW. Zwischen Granit und Sandstein liegt ein 2 bis 3 Lachter mächtiges breccienartiges Gestein, bestehend aus sandigem Kalk mit Körnern und Knollen von Quarz, Kalkstein und Thoneisenstein.

Schurf IV bei den Grenzsteinen Nr. 241 und 242 ebendaselbst. Die Grenzscheide fällt 50° gegen WNW.; das breccienartige Zwischenmittel ist genau so beschaffen wie bei Schurf III, aber nur noch 24 bis 30 Zoll mächtig.

Schurf V. Ein 13 Lachter langes Fallort an der Klause bei Neudörfchen, 20 Lachter südöstlich von dein Grenzsteine Nr. 403. Die Grenzscheide fällt 45° gegen NW. Thon und Mergel mit Kalkknollen bilden ein 6 bis 7 Lachter mächtiges Zwischenmitte].

Schurf VI in 24 Lachter Entfernung von dem Grenzsteine Nr. 414 daselbst. Man traf nur Sandstein, dessen Schichten 12° gegen NW. geneigt sind.

Schurf VII. 10 Lachter südöstlich vom Grenzsteine Nr. 414 daselbst. Die Grenzscheide fallt 50° gegen NW.; Sand, Thon und Mergel mit kalkigen Knollen bilden ein 8 bis 10 Lachter mächtiges Zwischenmittel.

Schurf VIII. Ein Suchort bei dem Grenzsteine Nr. 525 am westlichen Gehänge des Heidelbachthales, mit welchem man nur Sandstein antraf.

Schurf IX. Eine Rösche beim Grenzsteine Nr. 524 daselbst neben dem alten königlichen Kalkbruche. Die Grenzscheide fällt 60° gegen NW. Unreiner, schwach kieseliger Kalkstein bildet ein 10 bis 12 Lachter mächtiges Zwischenmittel.

Schurf X. Ein Schurfschacht von 10 ½ Lachter Teufe nebst Suchort von 40 Lachter Länge zwischen den Grenzsteinen Nr. 577 und 578, am Steinberge bei Neudörfchen. Man baute ausschliesslich in Sandstein, dessen Schichten 10 bis 12° gegen NW. fallen.

Schurf XI. Ein Suchort bei dem Grenzstein Nr. 586 daselbst. Die Grenzscheide fällt 50° gegen N. Zwischen Granit und Sandstein hegt ein sandiger weisser Thon, 20 bis 25 Zoll mächtig. Die Sandsteinschichten sind 20° gegen den Granit geneigt.

Tatsächlich findet man die Eintragungen der Schürfe und Versuchsbaue mit roten römischen Ziffern in diesem geologischen Kartenblatt...

  


Ausschnittsvergrößerung aus der Geologischen Specialkarte, Blatt 86, mit dem Gebiet zwischen Neudörfchen bei Hinterhermsdorf und dem Heidelbachtal. Bei genauem Hinsehen findet man die römischen Ziffern, welche die o. g. Schürfe und Versuchsbaue kennzeichnen. Wir haben den Kontrast etwas aufgezogen, um die kleinen Zahlen besser sichtbar zu machen, wodurch sich die Farbe der Kalkscholle aber noch mehr ins dunkelgrüne verschiebt...

  


Auch die Brauneisenstein führenden Gerölle haben wir bei unseren Wanderungen noch gefunden. Hier zwei Belege mit fast einem Zentimeter breiten Klüften, auf denen sich Brauneisenstein (Limonit) angereichert hat.

   


Das größere Stück von der Seite betrachtet. Charakteristisch ist die einseitige Bleichung des Sandsteins, was auf sekundäre Auswaschung und Wiederanreicherung des Limonits hinweist.

   


Wo solche Sandsteine tektonische Beanspruchung unterlagen, entstanden solche Brekzien mit unregelmäßig geformten Brauneisensteinsplittern und sandigem Bindemittel. Belegstück aus der Paläontologisch- Stratigraphischen Sammlung des Geologischen Instituts der TU Bergakademie Freiberg.

   


Die zu diesem Belegstück gehörigen Etiketten. Es stammt demnach aus einem der um 1830 angelegten Schürfe
(siehe dazu weiter unten im montanhistorischen Abschnitt) und wurde von Bernhard Cotta selbst gefunden und den Sammlungen beigegeben !

   

Über den Erzbergbau östlich der Elbe aber sagte schon Albert Schiffner in seiner Beschreibung von Sachsen und der ernestinischen... Lande im Jahr 1845 ganz allgemein, daß er nie größere Bedeutung erlangt habe, im Gegenteil (S. 84): Jenseits der Elbe sind alle Versuche auf Silber, Kupfer und Eisen unbelohnt geblieben, wenn man vom Raseneisensteine einiger Niederungen absieht...“

  

Zurück zu den Erläuterungen zum geologischen Kartenblatt aus dem Jahr 1897 und zur Beschreibung der Gesteinsgrenze: Nach diesen Angaben nimmt die am Lehmhübel senkrecht stehende Gebirgsscheide zugleich mit der Umbiegung der Verwerfungskluft nach NO. ein Einfallen von 50° bis 65° nach NW., also gegen den Granit hin an. Die Sandsteinschichten sind local flach gegen den Granit geneigt. Die auf der Gebirgsscheide angetroffenen Zwischenmittel dürften als bei der Ueberschiebung über den Brongniartiquader emporgeschleppte Fetzen von cenomanen Conglomeraten, ähnlich denen von Zeschnig bei Hohnstein, gedeutet werden müssen…“

Dann folgt der Abschnitt zum einstigen Kalkwerk im Heidebachtal (in den alten Quellen liest man manchmal ,Heydebach´ und manchmal ,Heidelbach´):

Die Scholle von jurassischem Kalk im Heidelbachthal.

„Ueber die Lagerungsverhältnisse eines ehemals an der Obermühle im Heidelbachthal abgebauten Kalklagers gewähren die heute noch vorhandenen Aufschlüsse nur ein sehr unzulängliches Bild.

In dem alten Bruche am rechten Ufer des Baches ist früher hauptsächlich ein dichter, lichtgrauer Kalkstein von wahrscheinlich jurassischem Alter gewonnen worden. Neben ihm steht ein grauer feinsandiger Kalkstein und mit scharfer Grenze an diesen stossend ein harter lichtgrauer Sandstein mit kalkigem Bindemittel an, der wesentlich aus stumpfeckigen, bis haselnussgrossen Quarzkörnern besteht, aber auch eckige Fragmente von blaugrauem Kalkstein und Putzen von Eisenocker umschliesst. Die beiden letztgenannten Complexe dürften dem Cenoman zuzurechnen sein.

Der auf dem linken Bachufer gelegene grössere Bruch bot schon zu Cotta's Zeiten keine bemerkenswerthen Aufschlüsse mehr. Nach ihm besassen die dort anstehenden Kalk- und Mergelschichten ein ungefähr ostwestliches Streichen und fielen unter 60° gegen NNO. Der Kalkstein, welcher den mittleren Theil einnimmt, besteht nach C. C. Martini's Beschreibung aus lauter abgesonderten, von Mergel eingehüllten Massen. Im Liegenden, wie im Hangenden sollen damit kalkleere Sandsteinschichten abwechseln. (S. 41 im Berichte Cotta's.) Versteinerungen seien früher, wenn auch nur vereinzelt, vorgekommen. Zur Zeit lassen sich diese Angaben nicht mehr controlliren, da der Bruch gänzlich verwachsen, seine Sohle mit Wasser erfüllt ist.“

   

Lassen wir Bernhard Cotta ‒ der rund 60 Jahre früher die Gegend mehrfach besuchte ‒ hierzu selbst noch einmal zu Wort kommen. Im Jahrbuch für Mineralogie, Geognosie, Geologie und Petrefactenkunde, Jahrgang 1837, S. 1ff berichtete er der Fachwelt über die von ihm durchgeführten Untersuchungen:

Die obere zu dem Ende des Wartenberges gemachte Entblößung; welche wir mit Nro. I bezeichnen wollen, liegt ungefähr 400 Fuss tief im Thale, also eben so tief unter dem gewöhnlichen Niveau der Gegend. Hier wurde die Grenze ungemein deutlich aufgeschlossen, siw fällt unter einem Winkel von 25 bis 30° gegen N.O.

Im zweiten Schurf, etwa noch hundert Fuss tiefer im Thale... (mit Nro. II bezeichnet) ist die Grenze bis jetzt noch weniger bestimmt zu beobachten, da der Granit nicht als fester Felsen ansteht; doch erkennt man bereits mit Bestimmtheit, dass sie auch hier höchstens 30° gegen N. geneigt seyn kann...

Es ist somit als sicher begründet anzunehmen, dass der Granit bei Hohnstein gegen 1.000 Fuss über den Quadersandstein übergreift.

Um zu erfahren, ob auch unter der Thalsohle der Überhang noch fortsetze, lies ich etwa 110 Fuss von der Sandsteingrenze entfernt ein Bohrloch schlagen. Aber leider erreichten wir bei 72 Fuuss Tiefe, wie es scheint, die Grenze noch nicht, das mitgenommene Gestänge war zu Ende, und die Kosten des Tiefbohrens würden sich durch die Nothwendigkeit grösserer Vorrichtungen über die vorhandenen Geldmittel erhoben haben... Sicherer und anschaulicher für Jedermann bleiben immer die Entblößungen übertage, sie sollen deshalb erweitert und fortgesetzt werden, so lange es die Geldmittel erlauben...

Der zweite Hauptzweck, nämlich die scharfe Trennung der Jura- Schichten von Quadersandstein zu ermitteln, ist bis jetzt noch nicht in dem gewünschten Grade erreicht. Der Wunsch vom Hohnsteiner Kalkbruch aus durch die sogenannte Sandwand hindurch einen tiefen Graben bis in den entschiedenen Quadersandstein treiben zu lassen, muste unerfüllt bleiben, da der betreffende Grundbesitzer, Herr Hedenus, aus besonderen Gründen es nicht gestattete.

Letztgenannter habe die ohnehin schwer zugängliche Hohnsteiner Kalkgrube inzwischen „für Geognosten sogar gänzlich verschlossen.

Cotta kam damals zu dem Schluß: „Die ungewöhnliche Auflagerung des Granites deutet zugleich darauf hin, dass er der Störer der Ordnung gewesen sey; da sich aber von diesem Granit Geschiebe und Bruchstücke in jenen Juraschichten finden, und da ferner viele Beziehungen desselben zum Quadersandstein nicht wohl gestatten, ihn für später entstanden (später festgeworden) zu halten, so erscheint allerdings die erste von Weiss gegebene Erklärung, wonach der Granit und Syenit des rechten Elbufers als fertige Gesteinsmassen emporgehoben und hie und da zugleich mit einigen anhängen Juratheilen über den Quadersandstein und Pläner hinweggeschoben sind, für den Augenblick noch als die annehmbarste; obwohl auch ihr noch manches Phänomen entgegenzustellen ist...

Auf Seite 307 desselben Jahrgangs des Jahrbuchs kündigte Cotta noch die Herausgabe des Heftes II seiner Geognostischen Wanderungen an.

   

Darin schrieb B. Cotta (auf eben der oben von R. Beck und O. Herrmann angeführten S. 41) dann im Jahr 1838 erneut über:

Gegend bei Hinterhermsdorf. 

Zwischen Ottendorf und dem Weißbachthale bei Hinterhermsdorf sind vor einigen Jahren auf Kosten der königlich sächsischen Regierung zahlreiche Untersuchungsarbeiten auf der Grenze zwischen Granit und Sandstein angestellt worden, in der Absicht, ein bauwürdiges Kalksteinlager auf fiskalischem Grund und Boden aufzufinden; wenn nun auch dieser spezielle Zweck nicht erreicht wurde, so sind doch die Resultate jener Arbeiten in geologischer Beziehung sehr wichtig und es möge deshalb hier ein Auszug aus einem Bericht des Bergamtes Altenberg an das hohe Oberbergamt zu Freiberg vom 6. September 1834 folgen.

Es wurden zwischen Ottendorf und der Weißbach im Ganzen einige 40 Versuchsarbeiten angestellt, von denen hier nur die, welche zu interessanten Resultaten führten, einzeln aufgezählt sind. Die angegebene Neigung der Grenzfläche findet stets nach der Seite des Granites hin statt... 

Leider sind die meisten der ... aufgezählten Versuchsarbeiten zur Zeit wieder gänzlich verfallen und daher zu Wiederholung der Beobachtungen ungeeignet, ihre treue Darstellung ist jedoch gut verbürgt und es ergiebt sich daraus, wie constant die Ueberlagerung des Granites über den Sandstein ist. Die Neigung der fremdartigen Zwischenglieder, welche bei Hohnstein Versteinerungen der Juraformation enthalten, ist zuweilen gänzlich abweichend von der Richtung der nächsten Sandsteinschichten, welche bei steiler Grenze, gewöhnlich horizontal liegen, bei starkem Ueberhange des Granites aber diesem zufallen – also nicht aufgerichtet, sondern gesenkt sind. Besondere Beachtung verdienen auch die horizontal auf dem Granit liegenden Sandsteinpartieen am Benediktsteine bei Hinterhermsdorf.

Im Heidelbachthale bei Neudörfel unweit Hinterhermsdorf befindet sich der Buttrich'sche Kalkbruch, der jedoch keine so wichtigen Aufschlüsse darbietet als die angeführten Versuchsarbeiten, da die unmittelbare Grenze des Granites gegenwärtig hier nicht aufgeschlossen ist, und da auch von Versteinerungen neuerlich keine Spur zu finden war, obwohl nach den schriftlichen Berichten der Herren von Planitz und Martini früher einzelne gefunden worden sein sollen. Merkwürdig genug bleibt auch hier die aufgerichtete Stellung der Kalk- und Mergelschichten, welche wahrscheinlich eine ähnliche Zwischenlagerung zwischen Granit und Sandstein bilden, wie die bei Hohnstein, obwohl ihr Streichen gegen den Granit gerichtet zu sein scheint, weshalb man schon geneigt gewesen ist, sie für eine Spaltenausfüllung im Sandstein zu halten. Die Schichten streichen Stunde 6 bis 7 und fallen 60° gegen NNO. Der Kalkstein, welcher den mittleren Theil einnimmt, besteht nach Martini‘s Beschreibung aus lauter abgesonderten, von Mergel eingehüllten Massen. Im Liegenden wie im Hangenden sollen damit kalkleere Sandsteinschichten abwechseln und auf diese Weile eine Art von Übergang in den Sandstein bewirken, der unweit horizontal geschichtet ist...“

Mit dem Benedictstein ist eine Bergkuppe zwischen dem Heidelbach- und dem Weißbachtal gemeint.

Der hier von Cotta angeführte Bericht des Bergamtes zu Altenberg muß doch eigentlich im Bergarchiv noch zu finden sein...

  

Kehren wir aber vorerst zum Erläuterungsheft zum geologischen Kartenblatt aus dem Jahr 1897 zurück.

Ueber die Lagerungsverhältnisse am Benedictsteine. 

In ihrem weiteren Verlauf zieht sich die Hauptverwerfung am nordwestlichen Abhang des Steinberges hin und nordwestlich am Benedictstein vorbei, dessen Quaderbänke unter 5° - 8° nach Ost einfallen. In dieser Gegend wurden in den Jahren 1832 und 1833 auf Verordnung des Königl. Finanzministerii Schürfversuche auf Kalkstein unternommen, worüber Mittheilungen von Cotta in den Oberbergamtsacten 10624, Vol. II, S. 99 ff. vom 16. Sept. 1834 vorliegen. Hiernach traf man am morgentlichen Abhänge des Steinberges etwa 100 L. in SSW. vom Benedictstein mit einem 2 ½ L. tiefen Schürfe nur Granit an, desgleichen mit einem 3 L. tiefen Schurfe noch 10 ½ L. weiter südlich vom vorigen...“  

Der Bericht ging also an das Oberbergamt zu Freiberg ‒ das hilft uns doch beim Suchen. Weiter heißt es:

Das Kalklager im Weissbachthal. 

Dort, wo die Gebirgsscheide mit nordöstlichem Streichen das Weissbachthal durchsetzt, steht am linken Ufer des Baches (also schon auf böhmischer Seite) zwischen dem Granit und dem Quadersandstein ein lichtgrauer, dem Jurakalk von Zeidler ähnlicher Kalkstein an, der von Gebirgsdruck stark zerdrückt ist. Sowohl auf sächsischer als wie auf böhmischer Seite der dort verlaufenden Grenze zeigen alte Schürfe und Halden an, dass man diesen Kalkstein früher abgebaut und zu diesem Zwecke auch mehrere Versuchsstolln in das Gehänge getrieben hat. Näheres über dieses Vorkommniss war nicht zu ermitteln.“

Damit stehen wir nun an der sächsisch- böhmischen Grenze. Aber dahinter sind ja noch mehr Kalkstein- Vorkommen...

  


Ausschnitt aus den Geologischen Specialkarten des Königreichs Sachsen, Blatt 86: Section Hinterhermsdorf- Daubitz (Doubice), gedruckt 1895. Am nördlichen Bildrand der Ort Zeidler / Brtníky und südlich davon die im Folgenden beschriebene Kalksteinscholle.

   

Die Scholle von Jura bei Zeidler.

Weiter nach Osten zu bieten sich Aufschlüsse auf der Linie der Lausitzer Hauptverwerfung erst wieder südlich vom Haideberg bei Zeidler / Brtníky, nordöstlich vom Jagdschloss Sternberg / Šternberk u Brtníků, die aber jetzt gleichfalls sehr unzulänglich sind. In einem verfallenen Bruch, der dort in dem Streifen zwischen Granitit einerseits und dem Quader anderseits angesetzt ist, sieht man nur einen grauen, gelblich angewitterten, breccienartig zerdrückten Kalkstein ohne erkennbare Schichtung und ohne Petrefacten anstehen. Noch im Jahre 1869 war hier durch einen zweiten Steinbruch ein Complex aufgeschlossen, der nach dem Fallen seiner Schichten den benachbarten Quader überlagern und unter den im N. anstehenden Granit einschiessen muss. O. Lenz giebt von demselben die folgende Beschreibung:

Dem Quadersandstein zunächst aufgelagert erscheint:

1. Ein fetter schwarzer Thon von nicht bestimmbarer Mächtigkeit, angefüllt mit faust- bis kopfgrossen, eckigen Fragmenten des darüber liegenden Kalksteins. Organische Reste sind in diesem Thone nicht gefunden worden.

2. Darüber liegt ein dunkler, feinkörniger, nicht sehr harter Kalkstein, der häufig z. Th. sehr gut erhaltene Ammoniten enthält (Ammonitenkalk); seine Mächtigkeit beträgt 1 - 2'; darüber folgt:

3. Ein sehr harter, hellfarbiger, dichter Kalkstein, der an einzelnen Stellen mit Terebrateln und Rhynchonellen ganz erfüllt und über 2' mächtig ist. Dieser Brachiopodenkalk sowie der Ammonitenkalkstein dienen zum Brennen.

4. Darauf folgt ein wenig mächtiger, dünn tafelförmig abgesonderter, tief dunkelblauer Mergelkalk. Derselbe enthält keine Versteinerungen, ist seiner mergeligen Beschaffenheit wegen technisch nicht verwendbar und wird von den Arbeitern als faule Wand bezeichnet.

5. Umlagert wird dieser Mergelkalk von einer dünnen, ½ - 1' mächtigen Sandsteinschicht, die aus einem gelblichgrauen, sehr grobkörnigen Sandstein besteht, der keine Versteinerungen zu führen scheint.

6. Zuoberst und den Granit zunächst unterlagernd, findet sich eine 4 - 6' mächtige Schicht von fettem, dunkelrothem, fast braunem Thon, aus dem ebensowenig wie aus dem schwarzen, organische Reste bekannt geworden sind."

Als G. Bruder im Jahre 1881 das Juravorkommniss von Zeidler besuchte, war bereits die von O. Lenz beschriebene Grube verschüttet, dagegen eine neue, etwa 30 Schritt weiter westlich gelegene der Beobachtung zugänglich. Diese zeigte nach G. Bruder von oben nach unten nachstehende Schichtenfolge:

a) zunächst gegen den Granit gelegen und unter denselben einfallend eine bis 3 m mächtige Schicht eines dunklen rothen Thones;

b) eine wenig mächtige Platte eines helleren und dichten Kalksteines, nach Bruder wohl mit dem Brachiopodenkalk von O. Lenz identisch;

c) den abbauwürdigen Kalkstein von augenscheinlich bedeutender Mächtigkeit, ein Aequivalent des feinkörnigen dunklen Ammonitenkalkes von O. Lenz.

Nach einer Analyse von E. Heiden (citirt bei G. Bruder) besitzt der abbauwürdige Stein in gebranntem Zustande folgende chemische Zusammensetzung:

Kalkerde 53,45 %
Magnesia 32,08 %
Eisenoxyd und Thonerde    9,65 %
Kali und Natron   1,55 %
Kieselsäure   1,54 %
„Sand"   1,52 %“ 

Den hohen Magnesiumgehalten nach zu urteilen, hat es sich hier um einen dolomitischen Kalkstein gehandelt.

Dann folgt weiter ostwärts noch:

  


Ausschnitt aus den Geologischen Specialkarten des Königreichs Sachsen, Blatt 86: Section Hinterhermsdorf- Daubitz (Doubice), gedruckt 1895. Am oberen Bildrand der Ort Khaa / Kyjov und unten Daubitz / Doubice. Gut zu sehen sind die zwei dunkelblauen Flecken, die die Lage der Jura- Kalkstein- Vorkommen an der Grenze zum Granodiorit zeigen.

   

Der Jura von Peschken's Räumicht bei Nassendorf (Hely) südöstlich von Khaa.  

„Die Kalksteinbrüche unweit Khaa / Kyjov waren schon bei O. Lenz's Besuch auflässig und zugeschüttet, so dass Ermittelungen über die dortigen Lagerungsverhältnisse nicht thunlich sind, sich vielmehr lediglich auf die Untersuchung der Bruchstücke aller der sehr verschiedenartigen Gesteine beschränken müssen, die man auf den wenigen alten Halden und im nahen Bachbett zu sammeln vermag. Aus deren Verbreitung sowie aus der Lage verschiedener Schurflöcher geht hervor, dass jurassische Kalksteine und Mergel bei Peschken's Räumicht eingeklemmt zwischen den Granit und den Quadersandstein einen von NNW. nach SSO. gestreckten, über 200 m langen und gegen 100 m breiten Ausstrich bilden, der aber zum grössten Theil vom Alluvium verhüllt ist…“

   

Die Kalksteinscholle von Neudaubitz.

Sehr verwickelte und auch jetzt noch nicht überall klar zu legende Lagerungsverhältnisse herrschen in dem Dislocationsgebiete bei den Kalksteinbrüchen südlich vom Maschkenberge unweit Neudaubitz / Nova Doubice.

Zur Zeit stehen hier noch zwei Brüche dicht nördlich und nordwestlich von dem an der Schönlinder Strasse gelegenen Neuen Kalkofen in Betrieb, der „Alte Bruch", auf den sich im Wesentlichen die Beschreibungen älterer Autoren beziehen, und der südwestlich davon befindliche Neue Bruch". Ausserdem trifft man jenseits des mit nordöstlichem Streichen quer durch die Kalksteinscholle setzenden Ganges von Hornblendebasalt weiter oben am Gehänge des Maschkenberges noch eine grosse Anzahl von verfallenen, jetzt gänzlich verwachsenen Gruben, in denen früher ausser Kalkstein auch ein dunkelziegelrother plastischer Thon gewonnen worden ist. Der gesammte, im wesentlichen aus Kalkstein bestehende Gebirgskeil lässt sich mit Hülfe dieser alten Schürfe nach NW. hin bis zu einem etwa 500 m von der Schönlinder Strasse gelegenen Punkte verfolgen, an welchem, genau auf der Grenze zwischen Granit und Quadersandstein, ein augenscheinlich stockförmiger Basalt aufsetzt. Seine grösste Breite erreicht dieser Ausstrich in der Gegend des Alten und Neuen Bruches mit etwa 180 m... 

Die Aufschlüsse in den letztgenannten Brüchen lassen über die dort herrschenden Lagerungsverhältnisse folgendes ermitteln:

Begiebt man sich vom Neuen Kalkofen aus zunächst nach dem Alten Kalkbruche, so stösst man zuerst auf einen mächtigen Gebirgspfeiler von Sandstein, dessen Ausstrich nach NO. an den Granit, nach W. an den Kalkstein grenzt, der sich also zwischen die ihn nordöstlich abschneidende Hauptverwerfung und die westlich vorliegende Kalksteinscholle keilförmig einschiebt. Seine südliche Fortsetzung und sein etwaiger Zusammenhang mit dem Quadergebiet ist unter Alluviallehm und Phonolithschutt verborgen.

Diesen Sandsteinkeil hat man mit einem Förderstolln durchfahren, in welchem man sieht, dass die Sandsteinbänke flach nach NW., also gegen den angrenzenden Kalkstein geneigt sind. Die Grenze zwischen beiden liegt bereits im Bruche selbst, ist aber zur Zeit nicht aufgeschlossen. Die Sandsteine sind lichtgraue bis weissliche, seltener schwach geröthete Quarzsandsteine mit einem sehr kaolinreichen Bindemittel, mitunter mit grösseren Quarzgeröllen. Ausserdem hat man mit diesem Stolln einen lichtbläulichgrauen Plänersandstein mit kalkigem Cement und eingestreuten Glaukonitkörnchen angetroffen, der in petrographischer Beziehung demjenigen von Lückendorf bei Zittau gleicht und reich an freilich schlecht erhaltenen Versteinerungen war, die damals von A. Weise in Ebersbach gesammelt wurden. Unter denselben konnte H. B. Geinitz, dem sie vorgelegt wurden, nur Phloladomya aequivalvis Goldfuss und Cardium ottoi Geinitz sicher bestimmen. Neben beiden sind Steinkerne eines kleinen Cardium besonders häufig. Wenn nun auch diese organischen Reste zur Fixirung des specielleren geologischen Horizontes nicht genügen, so beweisen sie doch das cretaceische Alter dieses Plänersandsteines und machen es wahrscheinlich, dass auch der ihm benachbarte und mit ihm zwischen Granit und Jurakalk eingekeilte kaolinreiche Quarzsandstein zum Quadergebirge gehört.

Nordwestlich von diesem Sandsteinpfeiler stehen im Alten Bruche Kalksteine von nach Analogie mit den benachbarten Vorkommnissen jurassischem Alter an, und zwar walten dicht erscheinende, aber unter der Lupe oft deutlich feinkrystalline, aschgraue Kalksteine neben gelblichgrauen Varietäten vor. In beiden kommen ausser den bereits von O. Lenz aufgefundenen und erwähnten Stielgliedern von Crinoiden keinerlei organische Reste vor.

Die Bänke des stark zerdrückten, von vielen Klüften durchsetzten und oft mit Rutschflächen bedeckten Gesteines besitzen ein nordwestliches Streichen und ein Einfallen nach NO., also nach dem Granit zu, und zwar beträgt der Fallwinkel im vorderen Theile des Bruches 45° - 50°, im hinteren 75 - 80°. Gewisse Partien dieser Kalksteine und zwar besonders die lichter gefärbten, mehr gelblichen Varietäten derselben haben sich zum Brennen von Bau- und Düngekalk als brauchbar erwiesen und sind im Laufe der Jahre in beträchtlicher Quantität gefördert worden. Ein anderer Kalkstein ist minder geeignet zum Brennen von Weisskalk, wird dagegen als zur Cementfabrikation tauglich bezeichnet. Ueber die chemische Zusammensetzung beider Varietäten geben folgende Analysen von A. Michel Auskunft, die im Archiv der Fürstlich Kinsky'schen Forstmeisterei niedergelegt sind:

  Kalkstein Cementstein
kohlensaurer Kalk 50,74 % 41,10 %
kohlensaure Magnesia 34,63 % 29,31 %
Eisenoxyd und Thonerde    4,04 %   3,54 %
Schwefelsäure   0,98 %   3,08 %
Alkalien   1,16 %   0,34 %
Unlösliches   8,45 % 22,63 %

Zur Zeit der geologischen Aufnahme der Section Hinterhermsdorf – Daubitz wurden besonders licht gelblichbraune bis isabellfarbene, feinkörnig krystalline Kalksteine abgebaut, die im südwestlichen Theile des Alten Bruches innerhalb des aschgrauen Kalksteines unregelmässig linsenförmige Einlagerungen bilden.

Auch diese Analyse zeigt, daß es sich hierbei um dolomitische Kalksteine gehandelt hat.

  

Die Contactfläche zwischen dem Kalkstein und dem Granit, der gerade dort von einem nach NW. streichenden Gang von krystallreichem Quarzporphyr durchsetzt wird, ist nicht aufgeschlossen. Jedoch macht sich am oberen Rande der Nordostwand des Alten Bruches zwischen dem Granit und dem Ausstrich des Quarzporphyres einerseits und den Schichtenköpfen des steil aufgerichteten Kalksteines anderseits eine schmale, nur wenige Meter breite Zone mit zahlreichen Bruchstücken eines kaolinreichen, z. Th. Quarzgerölle führenden Quarzsandsteines bemerklich, welcher dem des oben beschriebenen Sandsteinpfeilers sehr ähnlich ist. Diese Fragmente scheinen den Ausstrich einer Sandsteinwand anzudeuten, welche die beiderseits von Dislocationsspalten begrenzte Fortsetzung jenes Sandsteinkeiles bilden dürfte.

Nach NW. hin wird der Kalkstein des Alten Bruches von dem bereits S. 36 erwähnten Basaltgang abgeschnitten, dessen südöstliches Salband von einer mindestens 1 m mächtigen Eruptivbreccie gebildet wird, die aus Fragmenten von Kalkstein besteht, welche durch jetzt zersetzten, ursprünglich wohl glasigen Basalt verkittet sind. Ueber diese Breccie, sowie über die dort im Kalkstein eingesprengten Kupfererze wird auf S.44 ausführlicher berichtet werden.

Bemerkenswerth ist, dass sich neben den Kalksteinbrocken der Breccie vereinzelte z. Th. prismatisch abgesonderte Fragmente eines feinkörnigen, stark gefritteten Quarzsandsteines finden, deren Gegenwart darauf hin zu deuten scheint, dass der Basalt unter dem überkippten Fetzen von Jurakalk den Quadersandstein durchsetzt hat.“

  


Ein Fundstück aus den Steinbrüchen westlich oberhalb der Wartbergstraße bei Zeschnig. An dieser Stelle ist eigentlich gar kein Basaltvorkommen auf der geologischen Karte verzeichnet, jedoch handelt es sich hierbei um eine Basalt- Brekkzie, vermutlich aus dem Schlot eines der tertiären Vulkane.

   


Kreide-Sandstein, durch Kontakt zum Basalt thermisch gesintert (man nennt es,gefrittet) aus Hinterhermsdorf bei Sebnitz, Sammlung des Dresdener Museums für Mineralogie und Geologie, Fotograf unbekannt, Aufnahme 1927. Bildquelle: deutschefotothek.de 

http://www.deutschefotothek.de/documents/obj/72005537

  

Zwischen dem Alten und dem Neuen Bruch hat man einen breiten Kalksteinrücken wegen seiner minder tauglichen Beschaffenheit nicht abgebaut, sondern stehen lassen. Die lichtgrauen Kalksteine jenseits desselben besitzen im Neuen Bruch eine etwas andere Lagerung als diejenigen des Alten Bruches, indem sie nicht mehr nach NO., sondern nach NNO. einfallen, so dass zwischen beiden Aufschlusspunkten eine der Hauptverwerfung parallele Dislocationsspalte durchsetzen mag.

Auf der Sohle des Neuen Bruches hat man einen 36 m tiefen Schacht abgeteuft, um das Vorkomniss von silberhaltigem Bleiglanz zu untersuchen, der dort in schwachen Trümern und Nestern dem in gewissen Lagen durch Silificirung gehärteten Kalkstein eingesprengt ist und dessen Auftreten wahrscheinlich mit dem dicht nordwestlich aufsetzenden Basaltgang genetisch verknüpft ist. Diesen selbst hatte man zur Zeit mit den vom Schachte aus getriebenen Strecken noch nicht erreicht, wohl aber war in 25 m südwestlicher Entfernung vom Schachte die Grenze gegen den liegenden Quadersandstein angefahren worden…“

Schauen wir schnell noch nach, was O. Herrmann und R. Beck auf S. 44 hierzu notiert haben. Dort liest man im Kapitel:

VI. Jungvulkanische Gesteine.
Basalte.

Wie schon auf S. 39 erwähnt wurde, ist durch den dortigen Alten Kalkbruch am südöstlichen Salband dieses Ganges von hornblendereichem Feldspathbasalt eine eigenartige, mindestens 1 m mächtige Breccie blossgelegt: dicht an einander gepackte, z. Th. über kopfgrosse, meist aber viel kleinere, eckige Fragmente der verschiedenartigsten Kalksteinvarietäten, sowie vereinzelten Bruchstücken von Sandstein werden durch stark zersetzten und viele Kalkspath- und Zeolithmandeln führenden Basalt verkittet. Besonders auffällig ist hierbei, dass die porphyrischen Hornblenden des Basaltes auch in dem, wie das Mikroskop lehrt, glasreichen Cemente dieser Breccie nicht fehlen, sich vielmehr selbst noch innerhalb der zarten Basalttrümer finden, die sich zwischen die einzelnen Fragmente des Nebengesteines drängen. Gleichzeitig haben die umschlossenen Kalksteine eine etwas krystallinere Structur erhalten und sind z. Th. durch eine allerdings wohl secundäre Infiltration mit Kieselsäure gehärtet worden.

Die Bruchstücke von Sandstein dagegen erweisen sich alle randlich verglast und sind in dünne Säulchen abgesondert. Auch einige Fragmente von durch Schmelzung stark verändertem Granit wurden angetroffen.

Ebenfalls in ursächlichem Zusammenhang mit der Eruption dieses Basaltes steht ohne Zweifel das Vorkommen von fein eingesprengten Kupfererzen und zwar von Kupferlasur und Malachit im Kalkstein am südöstlichen Salband des Ganges, ferner das Auftreten von Nestern und kurzen Trümern von silberhaltigem Bleiglanz, welcher den S. 39 bereits erwähnten Bergbauversuch im Neuen Bruche veranlasst hat.“

   

Auch diese Örtlichkeiten hat B. Cotta Jahre zuvor besucht und darüber folgendes niedergeschrieben:

Am Maskenberge bei Daubitz / Doubice

„In Böhmen baut man auf dem Verlaufe der Granit- Sandsteingrenze ein meist ziemlich senkrecht geschichtetes Kalk- und Mergellager ab. Da aber der Granit nicht unmittelbar neben dem Kalksteine entblößt ist, so können aus diesem übrigens sehr interessanten Punkte vor der Hand keine weiteren Aufschlüsse für unseren Zweck erlangt werden. Um so weniger, da den Kalkstein Basalt durchsetzt, dem man in diesem Falle die Schichtenaufrichtung mit ähnlichem Rechte zuschreiben könnte als dem Granit; nur die vielen analogen Erscheinungen an dieser Grenze rufen den letzteren Gedanken besonders mächtig hervor. Die merkwürdigen Pertubationen, welche noch außerdem der Basalt in den aufgerichteten Schichten hervorgebracht hat, sind von meinem zu früh verstorbenen Freunde Robert Edler von der Planitz in von Leonhard’s Basaltgebilden (II. 300) beschrieben und abgebildet worden; nach ihm soll der Sandstein ganz in der Nähe im Wasserabzugsgraben horizontal geschichtet sein, am nahen Frigsberge dagegen 44° in SO. fallen.

Sehr zu bedauern ist es, daß auch der Daubitz'er Kalkstein – die östlichste der beobachteten kalkigen Zwischenlagerungen – aus Mangel an Versteinerungen so wenig, als der bei Hinterhermsdorf und Saupsdorf, eine sichere Formationsbestimmung erlaubt; denn nach den Resultaten, die sich für die analogen Hohnstein'er Zwischenglieder ergeben haben, entsteht billig auch für diese die Frage, ob sie nicht der Juraformation angehören.

Weiter östlich von hier aus sind zwar keine unmittelbaren Entblößungen der Grenze mehr vorhanden, dagegen stellen sich sehr im Großen sprechende Lagerungsverhältnisse ein...“

  

 
 
 

Zur Montangeschichte
Zum Abbau bei Hohnstein und Zeschnig

  

Auf der Internetseite der Stadt kann man nachlesen, daß der Bergbau bereits im Jahre 1522 in Hohnstein Einzug gehalten hat. Am westlichen Unterhang der heutigen „Napoleonschanze“ wurde demnach schon damals der unterirdische Abbau von Kalk und dessen Weiterverarbeitung in einem Brennofen aufgenommen (hohnstein.de). Es ist aber ziemlich sicher, daß man den Abbau eher nicht unterirdisch begonnen, sondern am Anfang erst einmal von übertage her der Ausbisslinie mit einem Steinbruch gefolgt ist.

Nach A. Meiche (1927) enthält das 1547 aufgezeichnete Amtserbbuch von Hohnstein auch Abschriften aus dem älteren, von Schleinitz'schen Register aus dem Jahr 1522 (Blatt 556 ff). Da wir keine anderen Quellen aus dieser Zeit auffinden konnten, kann diese Angabe nur diesem entstammen.

Dieselben Jahreszahlen wurden auch von J. Langer 1929 angegeben (S. 26), außerdem führte dieser eine „Kalchhütte“ im Jahr 1547 an und 1588 werde auch ein „Schmeltzwerg“ urkundlich erwähnt, was auf einen in der Region um Hohnstein schon im 16. Jahrhundert umgehenden Bergbau verweise. Dieser frühere Bergbau sei jedoch spätestens mit dem Einfall der Schweden 1706 gänzlich zum Erliegen gekommen.

Schauen wir in diesem Erbbuch des Amts Hohnstein also einmal selbst nach. Man findet das Original in den Beständen des Sächsischen Staatsarchives mit zwei Bänden (10036, Loc. 37964, Rep. 47, Hohnstein, Nr. 0011a und 0011b, bzw. Kopien unter den Nr. 0127a und 0127b), wobei der Band 1 das eigentliche Amt Hohnstein und der Band 2 das Niederamt Lohmen mit Wehlen umfaßt.

  


Ein Schatz für alle Heimatforscher: Im Sächsischen Staatsarchiv wird das Erbbuch des Amtes Hohnstein bis heute bewahrt. Obwohl die hölzernen Buchdeckel wurmstichig und der Lederrücken schon ziemlich zerfallen ist, durften wir das Original aus dem Jahr 1547 einsehen... Archivaliensignatur: Sächsisches Staatsarchiv, Hauptstaatsarchiv Dresden, Bestand 10036 (Finanzarchiv), Loc. 37964, Rep. 47 (Hohnstein), Nr. 0011a, Einband, Foto: J. Boeck.

   


Wer sich damit auskennt, diese alten Texte zu lesen, kann es selbst unternehmen: Dazu geben wir die folgenden Auszüge in etwas größerem Bildformat wieder. Quelle: Sächsisches Staatsarchiv, Hauptstaatsarchiv Dresden, Bestand 10036 (Finanzarchiv), Loc. 37964, Rep. 47 (Hohnstein), Nr. 0011a, Blatt 2, erste Textseite nach dem Titelblatt.

   

Das Transkript dieser Textseite (so gut, wie wir die alte Schrift entziffern konnten) lautet:

Aus benehlich des durch-
lauchtigsten und hochgeborenen
Fürsten und Herrn, Herr Moritz,
Hertzogen zu Sachsen, des heiligen
römischen reichs Ertzmarschal-
len und Churfürsten, Landgrawe
in Türingen und Marggrawen
zu Meißen, unseres gnedigsten
Herrn      Ist dies Amptbuch
des Ampts Hoenstein mit getreu-
er wleyssiger verhoer der ernste
und nothdürftiger Erkundunge, ge-
stellet, in dem Jahr, als mann
schrieb nach Christi unseres lieben
Herrn Geburt Tausent fünffhun-
dert und im siebenundvierzigst.

Wie die Dörffer gehen, findt man
im Register nach dem Alphabeht.

Es ist nur selten, daß man solch alte Originale tatsächlich in die eigene Hand nehmen darf: Wie hier zu lesen steht, wurde dieses Erbbuch wirklich im Jahre 1547 zusammengestellt ‒ also vor rund 475 Jahren !!

Auf den Folgeseiten werden zunächst die dazumal siebenunddreißig besessenen Mann (die Bewohner mit Bürgerrechten) im Stedtlein Hoenstein mit den ihnen erblich überlassenen Gütern und den darauf zu entrichtenden Zinsen aufgeführt. Auf der Rückseite des Blatts 22 ist in dieser Auflistung der Herr George Wendt aufgeführt, und an dieser Stelle hatte J. Langer die Erwähnung einer „Kalchhütte“ gefunden.

  


Quelle: Sächsisches Staatsarchiv, Hauptstaatsarchiv Dresden, Bestand 10036 (Finanzarchiv), Loc. 37964, Rep. 47 (Hohnstein), Nr. 0011a, Blatt 22, Rückseite.

   

Hiernach hatte George Wendt vom Hauß und Ackern“ zu Walpurgis 6 Groschen Zins zu zahlen (wozu ein Caspar Berker 3 Groschen gab) und weitere 6 Groschen zu Michaelis und auch hierzu gab der Caspar Berker 3 Groschen dazu, „von wegen der erkauften Acker, die oberm wege bey der kalckhütten liegen.“  Möglicherweise haben die Verfasser des Erbbuches diese Ergänzung auch erst in ihrer Niederschrift 1547 vorgenommen, um einfach näher zu beschreiben, welche Äcker jener Caspar Berker denn erkauft hatte. Jedenfalls gab es anno 1547 eine Kalkhütte nahe bei Hohnstein.

Und auf der Rückseite des Blattes 27 finden wir dann unter der Rubrik Steigende und fallende Zinse (also nicht feststehende Gebühren pro Jahr, sondern von der Menge der Erzeugnisse abhängige) die uns in diesem Zusammenhang ganz besonders interessierende Eintragung zumstedtlein hoenstein“ (dies haben die Verfasser der Klarheit halber als Kopfzeile jeder Textseite hinzugefügt).

  


Quelle: Sächsisches Staatsarchiv, Hauptstaatsarchiv Dresden, Bestand 10036 (Finanzarchiv), Loc. 37964, Rep. 47 (Hohnstein), Nr. 0011a, Blatt 27, Rückseite.

  

Hier liest man (wenn man es denn kann):

Von Kalckbornen
steigende und fallende
Zinse

So man Kalck bornet, gibt man
unserm Guths Herrn von jedem
offen zwey fass Kalck. Wann
man aber nicht bornet, gibtt
man nichts,

Dies nun sind derjenigen Vermerke im Erbbuch, auf die sich alle Historiker späterer Zeit bezogen haben, wenn sie davon schrieben, daß wenigstens schon im Jahre 1547 Kalksteinabbau und dessen Verarbeitung in Hohnstein umgängig gewesen seien. Wenn man diese Originaltexte liest, steht dort tatsächlich, daß es in Hohnstein eine Kalchhütte“ gab, wo natürlich auch die zum Kalkbrennen benötigten Öfen gestanden haben müssen.

Genau genommen steht aber nichts darüber dort, ob man den Kalkstein tatsächlich auch in Hohnstein selbst gefunden und abgebaut hat. Wahrscheinlich ist zwar, daß es an dem gewesen ist, denn Rohkalkstein von anderen Orten erst nach Hohnstein zu schaffen, um ihn dort zu brennen, wäre zu dieser Zeit sicher sehr aufwendig gewesen. Ganz ausgeschlossen ist aber auch das nicht ‒ umso mehr, da im 18. Jahrhundert zusammen mit dem Amt Hohnstein auch der Kalkbruch in Hinterhermsdorf verpachtet gewesen ist ‒ doch dazu kommen wir später noch. Rohkalkstein aus dem linkselbischen Elbtalschiefergebirge wurde auch im 18. Jahrhundert von Pirna aus über die Elbe zur Dresdner Ziegelhütte verfrachtet.

Doch die eingangs genannte Jahreszahl des Abbaubeginns lautet ja 1522. Also blättern wir weiter und finden ab Blatt 540ff das Folgende.

  


Quelle: Sächsisches Staatsarchiv, Hauptstaatsarchiv Dresden, Bestand 10036 (Finanzarchiv), Loc. 37964, Rep. 47 (Hohnstein), Nr. 0011a, Blatt 540.

   

Hier wieder unser Transkript:

Volgen die Hoffdienste Wie

die zur Zeyt der von Schlei-
nitz, welche den hoenstein
innen gehabt, in gebrauch
und übung gewest, also auch
anher Ernst von Schön-
burg nachmahls an
(…?)
kommen.

Hier wurde also festgehalten, was die Amtmänner anno 1547 nach „getreuem fleißigem Verhör“ und „ernsten und nothdürftigen Erkundigungen“ sowie aus dem anderweitig leider wohl nicht überlieferten Schleinitz'ischen Register über die zuvor schon praktizierten Rechte von ihren Bürgern und Amtsuntertanen erfahren hatten. Die Nennung der Vorbesitzer gibt uns hier den zeitlichen Rahmen an, aus dem die nachfolgend im Erbbuch aufgeführten Rechte und Gerechtigkeiten der Herrschaft und ihrer Untertanen stammen.

Streng genommen handelt es sich hierbei aber um eine Abschrift aus späterer Zeit, von der wir nicht genau wissen, ob den Amtmännern der Originaltext seinerzeit noch vorgelegen hat und ob sie diesen wörtlich übernommen haben.

Etwas genauer wurden die Verfasser auf der folgenden Seite.

   


Quelle: Sächsisches Staatsarchiv, Hauptstaatsarchiv Dresden, Bestand 10036 (Finanzarchiv), Loc. 37964, Rep. 47 (Hohnstein), Nr. 0011a, Blatt 541.

  

Auch dazu unser Transkript:

Hofdienste bei denen
von Schleynitz

Verzeichnis der Dörffer
gemeiner hofdienste, und arbeyt,
der herrschaft und hauses hoenstein
zu thun schuldigk, und wiederumb,
was man ihnen vom schloß zu geben
gebürt, ist bey Johann Wagner die
zeit schosser, und Leonhard Zinke
vogt, wie volgt gebrauchlich, bey
ihnen gehalten und geerbt,
anno c im xxii 

(dann folgt noch der untere Absatz)

Die letzte Zeile des oberen Absatzes ist eine Jahresangabe und das anno c davor war ein gebräuchliches Kürzel für anno currente = im gegenwärtigen bzw. im laufenden Jahr. Die Verfasser haben zwar das M und das D aus der vollständigen lateinischen Schreibweise der Jahreszahl weggelassen, aber das handhaben wir ja bei Datumsangaben auch heute noch so. Hier haben sie das 22. Jahr des gerade laufenden Jahrhunderts, also das Jahr 1522, festgehalten. Demnach war dies also schon 25 Jahre früher gültig, als die Aufzeichnung niedergeschrieben worden ist.

Die in diesem Zusammenhang angeführten Namen des 1547 amtierenden Schossers Johann Wagner und des Burgvogtes Leonhart Zinke zu Hohnstein helfen uns bei einer genaueren zeitlichen Einordnung der nachfolgenden Angaben leider auch nicht wirklich weiter. Dem Titel einer anderen Akte aus wesentlich späterer Zeit zufolge (10055, Nr. 2017) sei aber dieses Diensteregister (bzw. zumindest ein solches für das Vorwerk Hohnstein) tatsächlich im Jahr 1522 von einem damaligen „Amtsschösser“ des Namens von Schleinitz selbst gefertigt worden. Dabei könnte es sich dazumal um Georg von Schleinitz gehandelt haben (10024, Loc. 09706/09).

Nun hatten wir in unserem einleitenden Kapitel ja auch schon berichtet, daß die Herrschaft Hohnstein eigentlich schon ab 1486 dem Heinrich von Schleinitz zu eigen gewesen ist. Demnach könnten die hier festgehaltenen, wahrscheinlich zuvor schon längere Zeit tradierten und nunmehr erst wieder schriftlich festgehaltenen Rechte sehr wohl auch schon auf das letzte Viertel des 15. Jahrhunderts zurückgehen...

Was steht nun zum Abbau des Kalksteins hier geschrieben: Die Erwähnung eines Kalkbrennofens finden wir auf dem Blatt 556.

   


Quelle: Sächsisches Staatsarchiv, Hauptstaatsarchiv Dresden, Bestand 10036 (Finanzarchiv), Loc. 37964, Rep. 47 (Hohnstein), Nr. 0011a, Blatt 556.

  

Die Erwähnung des Kalksteinabbaus ist nun aber auch innerhalb dieser ‒ auf jeden Fall schon vor 1547 bestehenden ‒ Gerechtigkeiten nur eine indirekte. Auf obiger Textseite nämlich steht zu lesen:

Bey denen von Schleynitz

Dero richters bauern zu ernberg
nemlich die ii Müller, Claus
und Hans Grum
(...?),
...des Jars ein schrag holz,

Die von ernberg, kunnerßdorff,
losdorf, arnsdorff und burkers-
dorff, furen ingleichen ein tag ein
schragen bornholz, und legen das
vorm neure hoppengartten nieder,

Auch muß die ganze landschaft,
die
zu hoef mit der waldt (?) arbeit
verbunden, so man bauet, kalck,
holz, sovil man des bedarf, schlagen
und fürn kalckoffen fuhren,

Müssen auch die brett klotzen, sovil
man der bedarff im mühle haus
schneiden, auswuchten vor die
mühl zu
(...?) abfuhren,

Hieraus nun geht hervor, daß ‒ sofern man dessen bedurfte, und sicher war auf der Burg ständig etwas zu reparieren oder zu erneuern ‒ die der Herrschaft und dem späteren Amt Hohnstein untertänigen Bauern Fuhrdienste zu leisten hatten; unter anderem eben, das Brennholz für einen Kalkbrennofen zu diesem hin zu liefern. Ganz genau lautet die Formulierung sogar, daß die Fuhrleute „kalck (und Brenn-) holz“ bis vor den Kalkofen anzufahren hatten ‒ etwa auch Kalkstein aus einem weiter entfernten Steinbruch ?

Ob man aus dieser Quelle also wirklich sicher darauf schließen kann, daß anno 1522 der Kalkstein bei Hohnstein schon entdeckt und seitdem auch hier abgebaut worden ist, überlassen wir der eigenen Lokalgeschichte kundigeren Heimatfreunden. Wir halten es anhand dieser Notiz, wenn auch nicht für gänzlich unwahrscheinlich, so doch nicht für eindeutig belegbar.

Schließlich aber muß ja auch der Kalk für den Bau der Burgmauern ab dem 13. Jahrhundert irgendwo hergekommen sein. Da die Burg Hohnstein damals im Besitz einer böhmischen Adelsfamilie gewesen ist, hätten die Burgherren den benötigten Baukalk seinerzeit sicherlich auch aus dem südlichen Nachbarland herangeschafft haben könnten ‒ aber das wäre in Anbetracht der gebirgigen Landschaft und noch nicht ausgebauter Straßen natürlich höchst aufwendig gewesen... Wann genau also der Kalkstein in Hohnstein entdeckt und erstmals genutzt worden ist, liegt tief im Dunkel der Geschichte begraben und auch wir werden es wohl nicht mehr genau herausbekommen.

Wir kehren an einem  zweiten Ort noch einmal zu diesem Erbbuch zurück.

Noch eine Anmerkung: Der oben verwendete ,Schragen' ist ein altes Raummaß, das vorrangig für Brennholz (für Scheitholz mit gewöhnlich 1 ¾ Ellen bzw. 3 ½ Fuß Länge) verwendet wurde und 3 Klaftern entsprach. Der ,Klafter' wiederum hielt bei der genannten Scheitlänge von reichlich 3 Fuß, sowie 6 Fuß Länge und Höhe ein Volumen von 108 Kubikfuß, ein Schragen umfaßte demzufolge 324 Kubikfuß. Da die Längeneinheiten bis 1858 selbst innerhalb von Sachsen ziemlich weit differierten, kann man nur ungefähr sagen, daß diese Zahl etwa 7,3 m³ Scheitholz entsprochen hat. Damit war ein Fuhrwerk voll beladen... Im Walderlebniszentrum „Waldhusche“ bei Hinterhermsdorf kann man sich übrigens anschauen, wieviel Holz dieses Maß gewesen ist.

  

Bergleute, die den Kalkstein hätten finden und richtig erkennen können, waren jedenfalls auch in dieser Gegend schon immer zugange. J. Langer führte 1929 in dem Gebiet „zwischen Hohnstein und Stolpen“ u. a. die folgenden Grubennamen auf: „Hülfe Gottes“ (1563), „Willkommens Stolln auf’m Apostel Gang“ (1566), „Erzengel in der Bärhöhle“ (1593), „Der Hohe Fels und Seegen Gottes“ (1620), „Allgültigkeit Gottes am Mühlberge“ (1692) und „Roter Löwe im Rießengrunde“ (1699).

Eine Belehnung durch die Brüder Kurfürst Ernst (*1441, †1486) und Herzog Albrecht, der Beherzte (*1443, †1500) für Heinrich von Starschedel und seine Mitgewerken über sämtliche Bergwerke binnen einer Meile Wegs um das neue Städtchen in der Pflege Hohnstein (gemeint ist Neustadt, nördlich von Hohnstein zwischen Stolpen und Sebnitz gelegen) ist sogar schon auf den 20. Februar 1472 datiert (10005, Loc. 4321/11, Bl. 134c).

Die Brüder Ernst und Albrecht waren die Söhne Friedrich's II., genannt der Sanftmütige (*1412, †1464), welcher, wie eingangs schon gesagt, anno 1444 erstmals Hohnstein erobert hatte. Dieser war ab 1423 und bis zu seinem Tod 1464 zugleich Kurfürst von Sachsen, Herzog von Sachsen- Wittenberg und Markgraf von Meißen, sowie (von 1440 bis 1445) auch Landgraf von Thüringen und ist damit wohl der Mächtigste unter den mittelalterlichen Wettinern gewesen. Bekannt sind die Brüder Ernst und Albrecht vor allem durch den Prinzenraub 1455 geworden. In der Leipziger Teilung im Jahr 1485 teilten sie ihr Herrschaftsgebiet endgültig untereinander auf.

   

In den Akten des Oberbergamtes haben wir eine „Segen Gottes Fundgrube in der Heeselichter Leite bei Hohnstein gefunden, die es demzufolge schon im Jahr 1692 dort gegeben hat (40001, Nr. 3139).

Unter dem gleichen Namen gab es noch um die Mitte des 18. Jahrhunderts einen Erbstolln im Bärenholl bei Hohnstein (40170, Nr. 289), welcher nach Angaben C. C. Martini's aus dem Jahr 1812 auf Kieserze gebaut habe. Vielleicht geht diese auch auf die noch früher genannte Grube „Erzengel in der Bärhöhle“ zurück... Ein Bärengehege gab es jedenfalls schon Anfang des 17. Jahrhunderts unterhalb der Burg (11269, Nr. 648).

Martini berichtete über diesen Bergbau im Jahr 1812 (40003, Nr. 34, Blatt 47, Rückseite):

„§95. Alter Bergbau bei Hohnstein.

Noch muß ich bemerken, daß ehe man diesen Punkt erreicht, zu dem Polenzthale eine rege, aber sehr tiefe Schlucht stößt, die in der Gegend der Hohnstein’er Schäferei unterhalb der Straße nach Hohnstein anfängt und das Bärenbach genannt wird. Es ist wegen eines Grubengebäudes Segen Gottes Erbstolln, daß in den Jahren 1749 und 1753 dort gangbar war, bemerkenswerth. Die Anbrüche bestanden in Schwefelkies, auch müssen sie mächtig gewesen sein, da man im Polenzthale eine Hütte erbaute, und sie auf Vitriol benützte. Von der Grube ist nur noch das eingestürzte Stollnmundloch sichtbar, die Hütte aber ist ganz abgetragen, und da, wo sie stand, alles urbar gemacht worden.“

Anfang des 18. Jahrhunderts gab es außerdem am Heulberg bei Ottendorf ein Granatenwerk unter dem Namen Von Gott kommendes Glück im Besitz eines Herrn Andreas Hubelt sen. (40170, Nr. 121).

Bergbauversuche hat es also auch in dieser Region bereits früher vielfach und auch danach noch lange Zeit immer wieder gegeben, wenngleich zumeist nicht mit länger währender Ausbeute.

  

Leider ist es nun so, daß der Kalkstein in allen vorangegangenen Jahrhunderten stets unter die grundeigenen, dem Regalrecht nicht unterliegenden Rohstoffe fiel. Die kursächsischen und (ab 1806) königlich- sächsischen Bergbehörden interessierten sich daher bis zum Inkrafttreten des ersten Allgemeinen Berggesetzes für das Königreich Sachsen (1869) für diesen Bergbau überhaupt nicht, da er vom Regalrecht ja ausgenommen war. Zu den bergrechtlichen Besonderheiten des Kalksteinabbaus vergleiche man auch unseren Beitrag zum Kalkbergbau im unteren  Triebischtal.

Aus diesem Grund gibt es zu den Kalkbergwerken aus der Zeit vor 1850 leider fast immer sehr wenige Unterlagen in den Archiven. War der Kalksteinbergbau nicht von unmittelbarem wirtschaftlichem Interesse für das Fürstenhaus selbst (etwa bei den fiskalischen Kalkwerken), so ist die Quellenlage regelmäßig äußerst dürftig. Dennoch haben wir hier einige sehr frühe Erwähnungen der Gewinnung von Kalkstein (zumindest schon in  Hinterhermsdorf) und der Verarbeitung (auch in Hohnstein) gefunden und kratzen uns nun natürlich am Kopf, warum danach eine zeitlich so ausgedehnte Lücke in den urkundlichen Überlieferungen klafft.

Diese Lücke betrifft nun fast überall in Mitteldeutschland und regelmäßig das 16. und das 17. Jahrhundert – eine Zeit, die von zahlreichen Umbrüchen geprägt war. Nach dem Thesenanschlag Martin Luther’s (*1483, †1546) in Wittenberg brachen bekanntlich schon Anfang des 16. Jahrhunderts überall in Deutschland Bauernaufstände aus. Aber auch die Fürsten sahen eine neue Chance, unter der Fahne der Religion ihre Macht auszudehnen. 1531 schlossen sich die protestantischen Fürsten im Deutschen Reich unter Führung des sächsischen Kurfürsten Johann, genannt der Beständige (*1468, †1532) und des Landgrafen Phillip I. von Hessen (*1504, †1567) zum „Schmalkaldischen Bund“ zusammen. Auch im albertinischen Herzogtum Sachsen führte Herzog Heinrich, der Fromme (*1473, †1541) im Jahr 1539 die Reformation ein. Im Jahr 1546 brachen die Differenzen im „Schmalkaldischen Krieg“ dann offen aus. Der Krieg endete im Folgejahr mit der Niederlage der Protestanten gegen den katholischen Kaiser Karl, V. (*1500, †1558).

Für das albertinische Sachsen war die wichtigste Folge dieses Krieges, daß der Kaiser den Ernestinern 1547 die Kurwürde entzog und an den Albertiner Herzog Moritz (*1521, †1557), später selbst erbitterter Gegenspieler des Kaisers, übertrug. Auf diese Zeit geht auch das oben zitierte Erbbuch zurück.

Doch die Glaubensspaltung war dadurch ja nicht beseitigt. Zwar schien mit dem „Augsburger Religionsfrieden“ 1555 zunächst einmal die Koexistenz der lutherischen und katholischen Konfession gesichert, doch blieben die territorialen Machtansprüche der französischen und der Habsburg‘er Monarchien einerseits, sowie zwischen dem katholischen Kaiser und den Protestanten andererseits ungeklärt. 1618 brach – ausgelöst durch den „Prager Fenstersturz“ – dieser Konflikt erneut aus und führte diesmal zu einem der wohl verheerendsten Ereignisse in der deutschen Geschichte: Dem „Dreißgjährigen Krieg“, in dessen Folge ganze Landstriche verwüstet und nahezu entvölkert wurden.

Das Gebiet des Amtes Hohnstein – im Grenzgebiet zwischen dem katholischen Königreich Böhmen und dem lutherischen Sachsen gelegen – blieb von diesen Ereignissen natürlich nicht verschont. 1625 etwa wurde in den Hohnstein’er Amtsorten eine zusätzliche Landsteuer „von einem jeden Schock einen Groschen und anderthalben Pfennig, zur Bezahlung und Abdeckung des kurfürstlich sächsischen, noch in Bestallung habenden Kriegsvolks“ erhoben (10024, Loc. 9122/12).

Die Burg Hohnstein diente damals als Garnison, für deren „Defension“ die Stadtbürger selbst zu sorgen hatten (11237, Loc. 10824/10). Die „Defensioner“ waren eine 1603 geschaffene Landmiliz, die nur bei drohender Kriegsgefahr aufgeboten wurde. Da die gewöhnlich militärisch nicht geschulten Stadtbürger jedoch meistens wenig ausrichten konnten, löste man diese Milizen später wieder auf.

1638 waren Dragoner in Hohnstein einquartiert (10024, Loc. 09098/02) und 1647 war von den Bürgern der „Proviant für den schwedischen Herrn Generalreichszeugmeister Wittenberg samt deren bei sich habende Armada“ aufzubringen (10024, Loc. 09118/05).

Nach den wirtschaftlichen und sozialen Verheerungen benötigten viele der vom Krieg betroffenen Gebiete mehr als ein Jahrhundert, um sich von den Folgen dieses Krieges zu erholen. Auch der Bergbau lag, nicht nur in Hohnstein, sondern vielerorts in Sachsen, gänzlich brach.

   

Doch kaum war wieder ein gewisser wirtschaftlicher Aufschwung im Gange, da brach im Jahr 1700 der „Nordische Krieg“ – zunächst zwischen Schweden und Russland – um die Vorherrschaft im Ostseeraum aus. Da nun aber nicht nur seine Mutter Anna Sophie (*1647, †1717) selbst eine Prinzessin aus dem Hause der dänisch- norwegischen Könige gewesen ist, sondern Friedrich August, I. genannt der Starke (*1670, †1733) ab 1697 als August, II. König von Polen und Großherzog von Litauen gewesen ist, wurde Sachsen auch in diesen Krieg hineingezogen.

Der schwedische König Karl, XII. (*1682, †1718) hegte als überzeugter Lutheraner einen persönlichen Haß auf August, den Starken, weil dieser vom lutherischen Glauben seiner Vorfahren abgewichen und wieder zum Katholizismus konvertiert war, um überhaupt zum König im katholischen Polen gewählt werden zu können. Trotz der für ihn sehr ungünstigen Ausgangslage blieb der damals gerade einmal 18jährige schwedische König zunächst siegreich und erreichte, daß Dänemark und Norwegen aus dem Krieg wieder ausschieden. Nachdem im Wahlkönigtum Polen Stanislaus, I. Leszczyński zum neuen König bestimmt wurde, marschierten am 26. Januar 1706 sächsische Truppen unter Führung Friedrich August‘s in Warschau ein. In der Schlacht bei Fraustadt / Wschowa in Schlesien errangen die Schweden einen wichtigen Sieg über die Sachsen, wobei eine ganze sächsische Kavalleriedivision desertierte und zahlreiche zum Dienst gepreßte Soldaten zu den Schweden überliefen.

Aufgrund dieser Misserfolge forderte sein eigener Geheimer Rat August, II. auf, die polnische Krone niederzulegen. Da dieser sich weigerte, marschierten am 27. August 1706 nun ihrerseits schwedische Truppen in Sachsen ein. Mit dem Abschluß des „Altranstädter Friedens“ am 24. September 1706 und dem endgültigen Verzicht auf die polnische Krone im Ergebnis eines Treffens der beiden Widersacher am 1. Dezember 1706 endete der Krieg zumindest auf sächsischem Boden. Im Norden dagegen wendete sich 1708 nach ihrer Niederlage in der Schlacht von Poltawa (in der Ostukraine) das Blatt zuungunsten der Schweden. Aber erst mit dem Tod des schwedischen Königs 1718 ging auch dieser nun vorwiegend zwischen Schweden und Russland ausgetragene Krieg zu Ende (wikipedia.de).

In Hohnstein war 1706 ein schwedisches Dragonerregiment unter dem Kommando des Generalmajors Baron Meyerfeld einquartiert, für deren Verpflegung wieder die Bürger der Stadt aufzukommen hatten (10055, Nr. 2324). Infolge der zwar nicht lange währenden, aber offenbar heftigen Kampfhandlungen waren erneut etliche Bauerngüter wüst geworden (10055, Nr. 2339 und Nr. 2303). Deren Wiedernutzbarmachung zog sich noch bis 1748 hin (10036, Loc. 37966, Rep. 47, Nr. 0065).

Dann traf am 22. September 1724 auch noch eine Feuersbrunst die Stadt Hohnstein, in deren Folge auch die Kirche und die Schule in Flammen aufgegangen waren (10036, Loc. 41508, Rep. 59, Lit. D, Nr. 2097 und 10869, Nr. 164).

In diesem gesamten, hier nur kurz angerissenen und mehr als 150 Jahre umfassenden Zeitraum nach 1547 findet man in der Aktenverzeichnung der Datenbank des Staatsarchives das Stichwort „Kalk“ in Zusammenhang mit dem Ort Hohnstein nicht ein einziges Mal.

Zwar gab es bereits 1575 eine „Ordnung für die Kalk- und anderen Steinwerke“ im Amt Pirna (10036, Loc. 33504, Rep. 32, Nr. 0001), welche offenbar 1646 auch erneuert wurde (10062, Nr. 0465), doch dürfte sich diese auf die Kalksteinbrüche im Elbtalschiefergebirge bezogen haben, da das Amt Pirna ja auch die linkselbischen Gebiete umfaßte.

Das Amt Pirna erließ 1719 sogar eine Anordnung über den „Verkauf von Kalkstein durch Pirnaer Bürger an die Ziegelscheune in Dresden zum bisherigen Preis zur Abhelfung des in Dresden bestehenden Kalksteinmangels“ (10062, Nr. 0475). Der Kalkstein wurde damals offenbar aus dem Raum um Maxen, Nenntmannsdorf und Borna ungebrannt nach Dresden geliefert und in der dortigen Ziegelhütte zu Baukalk gebrannt. Das verminderte das Risiko eines unkontrollierten Ablöschens und des vorzeitigen Aushärtens auf dem ja doch etwas längeren Transportweg. Dies belegt indirekt auch, wie sehr der wieder anwachsende Bedarf im Gegensatz zu den Produktionskapazitäten von Kalkstein und Branntkalk zu dieser Zeit gestanden hat.

Möglicherweise finden sich aber weitere Hinweise auf den Betrieb der Kalkbrennerei in Hohnstein und Hinterhermsdorf in den Landsteuerregistern und in den Abrechnungen des Amtes Hohnstein, die aus dem doch sehr langen Zeitraum von 1467 (vgl. Bestand 10040, Nr. 0288 und folgende) bis 1849 (vgl. Bestand 10076, Nr. 001-1754 und folgende), wenn auch mit zeitlichen Lücken, noch in den Beständen des Staatsarchives bewahrt sind; wo bei den Inhaltsangaben in der Datenbank auf spezielle Inhalte dieser, sicherlich mehr oder weniger inhaltlich übereinstimmenden Abrechnungen, aber nicht eingegangen worden ist. Wenn es unsere Zeit erlaubt, würden wir die gern auch noch einsehen, vielleicht aber wissen auch andere Heimatfreunde darüber schon mehr...

   

Aber auch in der Mitte des 18. Jahrhunderts blieb das Kurfürstentum Sachsen von kriegerischen Ereignissen nicht verschont: Im Zuge des Österreichischen Erbfolgekrieges (1740 bis 1748) bildete es – zwischen dem Königreich Preußen mit Brandenburg im Norden und dem Habsburg‘er Kaiserreich mit Böhmen im Süden gelegen – in den beiden sogenannten „Schlesischen Kriegen“ zwischen Habsburg und Preußen und nochmals im „Siebenjährigen Krieg“ von 1756 bis 1763 unvermeidlich eines der wichtigsten Aufmarschgebiete der Kriegsmächte.

Während der Besetzung durch die preußische Armee 1756 bis 1758 hatte in Sachsen auch das Amt Hohnstein „durch Lieferungen, Rekrutierungen, Einquartierungen, Fuhren, Fouragierungen und Plünderungen“ schwer zu leiden (10019, Nr. 2028). Die kaiserlichen Truppen waren nicht besser und forderten in gleicher Weise „Verpflegung, Fouragelieferung, Spannfuhren (und) Rekrutengestellung“ (10024, Loc. 09336/03) oder etwa im Jahr 1762 wegen „bevorstehender Zusammenziehung der Truppen in gewisse Campements“ die „Herbeischaffung einer Quantität Lagerstroh von 30.000 Bund, jedes à 12 niederösterreichische oder 14 Leipziger Pfund“ (10025, Loc. 06218/16). Das ging sogar so weit, daß sich selbst die Besitzer einiger Rittergüter in mehreren Ämtern, u. a. auch in Hohnstein, 1761 veranlaßt sahen, „zur Erleichterung der Untertanen“ einen besonderen „Fourage- Lieferungs- Beitrag zur Verpflegung der kaiserlich- königlichen Armee“ zu übernehmen (10016, Nr. 084).

Auch nach dem Kriegsende waren die wirtschaftlichen Folgen des Siebenjährigen Krieges für Sachsen fatal: Für den europäischen Kriegsschauplatz schätzte man allein die Zahl der unmittelbar bei den Kampfhandlungen Gefallenen und tödlich Verwundeten auf insgesamt 550.000 Menschen. Genauso war die Zivilbevölkerung durch Armut und Hunger dezimiert, insbesondere natürlich in den am stärksten betroffenen Gebieten, wie Sachsen eines gewesen ist (wikipedia.de).

Weil das wettinische Fürstenhaus unter diesen Bedingungen natürlich permanent unter Geldnot litt, suchte man ständig nach neuen Geldquellen. Schon ab dem Ende des 16. Jahrhunderts wurden etwa die Vorwerke – die den Ämtern angeschlossenen, landwirtschaftlichen Güter – verpachtet, um sich einerseits den Verwaltungsaufwand zu sparen, andererseits aber von den erzielten Überschüssen zu profitieren. Auch das Vorwerk Hohnstein war wenigstens schon seit 1687, und zwar damals an Johann Gottfried Hanitzsch, verpachtet (10055, Nr. 0323).

Später wurden dann auch ganze Ämter als staatliche Domänen an Privatpersonen verpachtet. Die Verpachtung erfolgte dabei nicht generell unter Einschluß der Rechtsprechung, wofür es später ja dann die Justizämter gegeben hat. Einer der ersten Pächter des Amtes Hohnstein war im Jahr 1727 der „Akzise- Inspektor“ Johann Georg Kästner (10055).

  

Der Zufall und geduldiges Nachsuchen bescherte uns dann doch noch den folgenden Treffer in den Aktenüberlieferungen aus dieser Zeit.

Die Pachtverträge über das Amt und dessen Zubehör wurden mit dem kurfürstlich- sächsischen Finanzministerium geschlossen, wo die Domänen Expedition in der IIIAbtheilung für die Staatsgüter zuständig gewesen ist. Der Pachtvertrag für das Amt Hohnstein wurde offenbar jeweils für einen Zeitraum von sechs Jahren geschlossen und zu Walpurgis (am 25. Februar) des Jahres 1775 lief er nun wieder einmal aus. Daraufhin kam es ab 13. Februar dieses Jahres vor dem Churfürstlichen Cammer Collegio in Dresden zu mehreren Verhandlungsterminen über die Neuverpachtung oder die Prolongation des bestehenden Vertrages (10026, Loc. 00492/02, Blatt 85ff der Akte).

Natürlich ging es auch damals schon um´s Geld... Die kurfürstliche Kammer nämlich forderte einen jährlichen Zins von 6.590 Thalern für das Amt Hohnstein mit Lohmen. Außerdem hatte der Pächter 400 Scheffel Hafer für den kurfürstlichen Stall zu liefern, für den eine Bezahlung von 1 Thaler pro Scheffel festgelegt war. Beide Competenten, die nun anno 1775 darauf boten, und zwar zum einen der zeitherige Pächter, Amtsinspektor Christian Friedrich Scheffler, als auch der bestellte Amtsverweser, Friedrich Christian Gotthelf Scheibner, waren aber „wegen verschiedener, in dem Anschlag nicht zu erlangenden Nutzungen nicht bereit, eine Pachtsumme in dieser Höhe zu zahlen. Herr Scheibner bot zunächst 6.025 Thaler, Herr Scheffler dagegen 6.030 Thaler Pacht an. Es wurde etwas später errechnet, daß Scheffler's Einnahmen im zurückliegenden Jahr 1774 bei 5.867 Thaler, 20 Groschen 2 Pfennigen gelegen, respektive nicht einmal die Pachtsumme eingebracht hätten. Dies macht seine Weigerung nachvollziehbar.

Man erbat sich einige Bedenkzeit und am Folgetag wurde Herr Scheffler wieder zum Kollegium vorgelassen. Auch im Finanzministerium hatte man sich nochmals Gedanken gemacht und verlangte nun eine etwas niedrigerer Pacht in Höhe von 6.400 Thalern, wobei dem zukünftigen Pächter außerdem aber „einige Vergütung wegen der in dem Pachtanschlage für den Kalkbruch in Hinterhermsdorf, welcher nunmehr vererbpachtet und die hierdurch oder sonst davon auf andere Weise zu erlangende Nutzung unter den Reservatis berechnet werden solle.“ Für die Verpachtung des Kalkbruches ‒ wohlgemerkt: Hier war nicht von dem Kalkbruch in Hohnstein, sondern von demjenigen in Hinterhermsdorf die Rede ‒ sollten jedoch zusätzliche 100 Thaler gezahlt werden. Auch darauf ging Scheffler aber nicht ein, sondern erhöhte sein Gebot auf allerhöchstens 6.100 Thaler Zins pro Jahr.

Am 15. Februar 1775 verhandelte das Kollegium dann erneut und zunächst allein mit Herrn Scheibner, von dem man hoffte, daß er wenigstens 6.200 Thaler zahle, was dieser aber ebenfalls ablehnte. Daraufhin zog man Herrn Scheffler wieder mit hinzu, aber auch dieser erklärte, daß ihm einige weitere Erhöhung ganz unmöglich falle, da er überdieß annoch die obgedachten... 100 Thaler für den Kalkbruch, ohne das von die(sem) geringste Nutzung zu erlangen (sei) zu zahlen habe. Da nun also keiner der beiden „allen adhibirten behufigen Vorstellungen ohngeachtet zu einem höhern Locatio nicht zu bringen war, so resolvirte das Collegium, daß an Ihre Churfürstliche Durchlaucht unterthänigster Bericht erstattet und darinnen höchst derselben gnädigste Entschließung ersucht werden solle. So lief das damals...

Dem daraufhin erstatteten, ausführlichen Bericht vom 3. März 1775 ist noch zu entnehmen, daß die Bieter den hier eingeschlossenen Amtskalkbruch zu Hinterhermsdorf für „unbrauchbar und „gar nicht zu benutzen hielten. Außerdem erfährt man noch, daß das Amt Hohnstein wenigstens schon seit 1754, damals für einen Zins von 5.950 Thalern, verpachtet worden ist und seit 1769 an Herrn Scheffler verpachtet gewesen ist. „Mitlicitant bei der letzten Verhandlung 1769 war der vorherige Amtsinspektor Johann Georg Kästner.

Immerhin doch schon am 2. Mai 1775 hatte man dann höheren Ortes entschieden, das Amt Hohnstein vorläufig unter der Verwaltung des ohnehin bestellten Verwesers Scheibner zu belassen, die geschäftliche Aufsicht aber der General Haupt Casse zu übertragen. Herrn Scheibner wurde in dieser Entscheidung ausdrücklich auch die Ausübung der Justiz „sammt der Amt- Schreiberey übertragen. Das Schreiben ist übrigens mit Friedrich August unterzeichnet, wobei es sich zu dieser Zeit eigentlich nur um Kurfürst Friedrich August, III. genannt der Gerechte (*1750, †1827) gehandelt haben kann.

Das Erstaunlichste an diesem Akteninhalt ist aber, daß hier mehrfach von dem zum Amte gehörigen Kalkbruch in  Hinterhermsdorf, überhaupt nicht dagegen von dem doch quasi vor der eigenen Haustür“ gelegenen zu Hohnstein die Rede ist...

    


Ausschnitt aus dem Blatt 321: Hohnstein des Berliner Exemplars der Meilenblätter von Sachsen, Datierung 1781, Norden ist rechts oben. Östlich der Stadt ist hier ein (offenbar ursprünglich noch übertägiger) Kalckbruch eingetragen.

   


Ausschnitt aus dem Blatt 326: Hohnstein des Freiberger Exemplars der Meilenblätter von Sachsen, Grundaufnahme ab 1780, Nachbringungen noch bis 1876, Norden ist rechts oben. Östlich der Stadt Hohnstein ist nicht nur ein (offenbar ursprünglich noch übertägiger) Kalk Bruch, sondern auch ein Kalk Ofen eingetragen.

   

Der schon mehrfach genannte Magister Wilhelm Leberecht Götzinger (*1758, †1818) war eigentlich gar kein Naturwissenschaftler, sondern Pastor in Neustadt, ein profunder Kenner der Region, der sie ‒ nach seinen höchst ausführlichen Beschreibungen zu urteilen ‒ auf vielen Wegen selbst durchwandert hat. Er erwähnte in seiner im Jahre 1786 gedruckten und schon einige Male erwähnten Geschichte der Ämter Hohnstein und Lohmen, wenngleich auch erst im letzten und 26. Abschnitt: Merkwürdigkeiten im Reiche der Natur (S. 481ff) ebenfalls den Kalksteinabbau: Übrigens ist unsere Gegend auch an mehrern Steinarten reich... Bei Zeschnig hat man erst in diesem Jahr (also 1786 ?) einen blaulichgrauen, derben und körnigen Kalkstein zu brechen angefangen. Weißen, kreideartigen Kalkstein findet man in der Wesenitzbach bei Dittersbach häufig, und um Hohnstein schwärzlichgrauen...“ (S. 498) Und auf S. 450 heißt es in der Beschreibung der Dörfer des Amtes Lohmen über Zeschnig: Seit kurzem hat man hier Kalk zu brechen, und ihn nebst Ziegeln zu brennen, angefangen.

Auch Friedrich Gottlob Leonhardi erwähnt (aber erst in der erweiterten dritten Auflage, im Band 2, erschienen 1803) seiner Erdbeschreibung der ernestinischen und chursächsischen Lande das Jahr 1785 als Beginn der Kalksteinförderung in Zeschnig (S. 425): Seit 1785 hat man hier angefangen, Kalksteine zu brechen und sie mit den Ziegeln zu brennen.“

Auf den um diese Zeit entstandenen Meilenblättern ist nur der Kalkbruch bei Hohnstein zu finden. Ein Kalkofen bei Zeschnig ist dagegen auf dem Blatt des Berliner Exemplars der Meilenblätter (die nach 1786 nicht mehr ergänzt worden sind) noch nicht und erst auf dem betreffenden Blatt des wenig später gezeichneten Freiberger Exemplars dargestellt.

Dies legt nahe, daß die kalkhaltigen Gesteine auf der Zeschnig'er Seite des Polenztales wirklich erst recht spät, nämlich beim Abbau der pleistozänen Lößlehmvorkommen auf der Ebenheit für die seit 1780 an der Hocksteinschänke bestehende Ziegelscheune entdeckt worden sind. Kalkstein und Ziegel konnte man in Kammeröfen einer Ziegelei gleichzeitig brennen, so daß diese Möglichkeit sehr wahrscheinlich erscheint. Freilich bezieht sich Leonhardi am Ende seiner Beschreibung der Amtsdörfer des Amtes Hohnstein mit Lohmen ebenfalls auf Götzinger's geschichtliche Darstellung (S. 429), so daß die Ähnlichkeit der Jahresangabe in diesen beiden Quellen nicht überraschend ist.

Auch der Historiker A. Meiche meinte dazu in seiner Historischen Topographie der Amtshauptmannschaft Pirna aus dem Jahr 1927 (S. 389), daß es erst nach dem Bau der zuerst Kretzschmar'schen, später Weber'schen Ziegelei an der Schandauer Straße, also nach 1780, erste Versuche gegeben habe, das demnach erst um diese Zeit aufgefundene Kalksteinvorkommen in der Kohligt bei Zeschnig zu nutzen. Unter Bezug auf Meiche findet man dieselbe Angabe auch in einem Artikel von H.- D. Beeger in den Heimatkundlichen Blättern.

   


Ausschnitt aus dem Blatt 321: Hohnstein des Berliner Exemplars der Meilenblätter von Sachsen, Datierung 1781, Norden ist rechts oben. Die Karte zeigt noch den alten Verlauf der Wartenbergstraße. Sowohl die Eintragung der Ziegelscheune an der Kreuzung der Landstraßen (im Ausschnitt links oben), als auch die eines Kalkbruchs oder Brennofens fehlen noch. 

  


Ausschnitt aus dem Blatt 326: Hohnstein des Freiberger Exemplars der Meilenblätter von Sachsen, Grundaufnahme ab 1780, Nachbringungen noch bis 1876, Norden ist rechts oben. Westlich der Stadt Hohnstein sind hier nun sowohl die Ziegelscheune, als auch ein Kalkofen (K.O.) östlich der Hocksteinschänke eingetragen.

  

Kehren wir noch einmal zu Götzinger zurück und zwar zu seinem vielleicht bekanntesten Werk: Schandau und seine Umgebungen oder Beschreibung der sächsischen Schweiz, gedruckt 1804, in zweiter Auflage 1812 und vielleicht einer der ersten Wanderführer durch diese Region überhaupt. Im Abschnitt (S. 114ff):

Die mittlere sächsische Schweiz,
von Rathen über Königstein, Lilienstein, Amselstein, Rathewalde und Hohnstein bis Schandau.

lesen wir (S. 168): Von Rathewalde aus führt nun der Weg nach Hohnstein auf der schönen Straße von Lohmen, wenn man eine Ziegelscheune*) hat rechter Hand liegen lassen, einen großen Berg hinab, den Wartenberg genannt...

Eine Öffnung durch den tief in den Grund sich hinabziehenden Wald läßt gegenüber Hohnstein, mit seiner ehrwürdigen Ruine und einem Theile des Städtchens sehn. Ein frappanter Anblick, mitten durch den Wald auf der großen Höhe gegenüber diese alte Burg ! – Weiter hinunter wird dem Geognosten, der ein paar Tage nichts als Sandstein sah, die Gränze zwischen ihm und dem Granit merkwürdig seyn, die hier zu Tage ausgeht.“

Von Interesse ist die Fußnote zur Ziegelscheune, in welcher Götzinger nämlich vermerkte:

 „*) Bei dieser Ziegelscheune stieß man auf dichten Kalkstein; aber er lag zu tief und war nicht mächtig genung, um ihn benutzen zu können.“

Die Erbauer der Ziegelei haben demnach also den Kalkstein aufgefunden. Auf der Anhöhe, über die die Straße von Schandau nach Stolpen verläuft, lagen abbauwürdige Vorkommen offenbar aber für deren technische Voraussetzungen zu tief. Wenig später dürfte man daher versucht haben, die Ausbisslinie der Granodioritgrenze nach Südosten zu verfolgen und aus dem oberen Talschluß des Kohligtgrundes heraus das Lager bei geringerer Überdeckung wieder aufzuschließen. Das macht bergtechnisch Sinn.

Seinem Wanderführer hat Götzinger noch die folgende Karte beigefügt, auf die auch schon die alten Geologen (siehe unser Kapitel zur Geologie) Bezug genommen haben.

   


Topo- und Petrographische Reisekarte durch die Meissnischen Aemter Hohnstein und Lohmen und einen Theil der Aemter Pirna und Stolpen oder die sogenannte Sächsische Schweiz, entworfen von M. W. L. Götzinger, aus: Wilhelm Lebrecht Götzinger: Schandau und seine Umgebungen oder Beschreibung der sogenannten Sächsischen Schweiz, gedruckt bei G. G. Monse, 1804, Gesamtansicht, Norden ist links oben.

Digitalisat von der Landesbibliothek Sachsen-Anhalt bei der Martin Luther- Universität Halle

   


Ausschnitt aus obiger Karte mit der (rechts unten) eingefügten Legende. In der rechten Spalte, im Ausschnitt dritte Zeile von unten die Signatur für Kalkstein.

  


Man muß etwas suchen, um die kleine Signatur entlang der von Götzinger mit rotbräunlicher und gelblicher Farbe markierten Grenze zwischen Granodiorit und Sandstein zu finden. Wir haben sie ganz oben am Ausgang des Kohligtgrundes zwischen Hockstein und Zeschning, seltsamerweise jedoch nicht bei Hohnstein gefunden... Wie weiter unten noch berichtet werden wird, hat J. G. Hedenus den Steinbruch südöstlich der Stadt erst im Jahre 1806 wieder aufgenommen, somit konnte Götzinger ihn zwei Jahre zuvor natürlich noch nicht kennen.

 

Bleiben wir noch kurz bei Götzinger's Wanderführer aus dem Jahr 1804. Dem Reisenden empfahl er natürlich die Besteigung des Hocksteins und in den folgenden Abschnitten beschrieb er ausführlich die Geschichte und die Bauten des Schlosses Hohnstein (S. 174ff). Auf S. 187 finden wir dann folgende Bemerkungen:

Den Mineralogen wird der hiesige Kalkbruch unterhalten, welcher ganz nahe am Städtchen seit etwa 6 Jahren von neuem angelegt ist, nachdem er seit langen Zeiten nicht gebraucht worden.

Es streicht der Kalkstein grade auch hier, wie an so vielen Stellen, an der Gränze zwischen Granit und Sandstein; auf ihn ist eine Art Nagelfluch*) mit Sandstein gemischt, dann Sandstein mit etwas bunten Kalkstücken und Quarzkörnern gemischt, gelagert, dann Kalkmergel; er selbst ist gemeiner dichter Kalkstein von blaugrauer Farbe, enthält Muschelversteinerungen, Schwefelgänge, auch zuweilen Steinkohlennieren. Die innern Wässer abzuführen, ist ein langer Stolln angelegt worden. Der hiesige Kalk ist zum Mauern und zur Düngung vorzüglich gut.“

Hier noch die Fußnote zum ,Nagelfluch' (wahrscheinlich meinte Götzinger damit im Vergleich zur alpinen Geologie Flyschmassen, die man aber gewöhnlich als ,Nagelfluh' bezeichnet):

„*) Eigentlicher Nagelfluch kann das nicht seyn, denn es ist nicht aufgeschwemmtes Gebirge, sondern Flötzgebirge. – Da ich auf so vielen Punkten der Gränze zwischen Sandstein und Granit diese Abänderung des Sandsteins, nur allemal sonst mit andern groben Körnern und kleinen Geschieben vermischt, finde, und zwar allemal als Übergang, so bin ich in Versuchung gekommen, ihn ,Übergangssandstein' zu nennen. Ich habe die hierüber gesuchten Belehrungen noch nicht erhalten können, um zu wissen, ob ich hiermit zu viel wage.“

Mit Flysch haben diese Reibungsbrekzien und Lettenschichten entlang der Lausitzer Überschiebung natürlich nichts zu tun. Es ehrt aber den Verfasser, wenn er selbst auf seine eigene Unkenntnis verweist und es ist zugleich ein Zeugnis des damaligen geologischen Kenntnisstandes. Von zahlreichen Fossilien und selbst von Steinkohlenvorkommen wurde auch von Geologen zu späterer Zeit mehrfach berichtet. Was Götzinger hingegen mit den ,Schwefelgängen' meinte, bleibt unklar ‒ vielleicht Schwefelkies (Pyrit und Markasit).

Von montanhistorischem Interesse ist hieraus aber noch, daß der Hohnstein'er Kalkbruch vor dem Beginn des 19. Jahrhunderts offenbar lange auflässig gewesen ist. Sechs Jahre vor dem Erscheinungsjahr dieses Buches würde also bedeuten, daß der Kalksteinabbau im Jahr 1806 wieder aufgenommen worden ist.

  


Topo- und Petrographische Reisekarte durch die Sächsische Schweiz und umliegende Gegend, entworfen von M. W. L. Götzinger, aus: Wilhelm Lebrecht Götzinger: Schandau und seine Umgebungen oder Beschreibung der sogenannten Sächsischen Schweiz, in der Beger'schen Buch- und Kunsthandlung in Dresden, 1812, Gesamtansicht, Norden ist oben.

Digitalisat www.deutschefotothek.de/documents/obj/70400256

  


Ausschnitt aus der etwas jüngeren Karte: Der auch hier farbig markierte Verlauf der Granodiorit- Sandstein- Grenze ist in diesem Druck noch weniger verblaßt. Jetzt wurden von Götzinger zwei Vorkommen von Kalkstein beiderseits des Polenztales eingezeichnet...

   

Erst im Zuge der Geognostischen Landesuntersuchung stießen auch die verschiedenen Kalksteinvorkommen in Sachsen auf das Interesse der Geologen. Diese erste systematische geologische Untersuchung Sachsens ging auf eine Anweisung des sächsischen Kurfürsten zur Aufsuchung und Erfassung von Erzlagerstätten, vor allem aber auch von Steinkohlenvorkommen zur Ergänzung der Brennstoffvorräte, aus dem Jahre 1788 zurück. Abraham Gottlob Werner (*1749, †1817), zu dieser Zeit Bergrat und Lehrer für Geognosie an der Bergakademie Freiberg, der schon 1786 eine solche landesweite Lagerstättenuntersuchung angeregt hatte, erhielt 1791 den Auftrag zur Planung und Organisation dieses Vorhabens, den er mit Schülern der Bergakademie und dort akademisch ausgebildeten praktischen Geologen erfüllte.

Er unterteilte dazu das sächsische Staatsgebiet in 92 (später 111) Distrikte und erarbeitete einen Kartierungsleitfaden mit der Zielstellung, über jeden Untersuchungsdistrikt ein „chronologisches Untersuchungsprotokoll“ sowie eine „systematische Beschreibung“ der Ergebnisse herstellen zu lassen. Den Abschlußbericht über die Landesuntersuchung, dem ein Katalog über die für die einzelnen Gesteine und Lagerungsformen verwendeten Symbole und Farben (Farbtafel) beigegeben war, legten Werner und der Marienberg'er Bergamtsassessor Carl Amandus Kühn (*1783, †1848) im Jahr 1811 vor. Nach Werner's Tod (1817) führte Kühn die Landesaufnahme bis 1835 fort. (40003)

Ausschnitte aus diesen, den einzelnen Untersuchungsberichten beigegebenen farbigen geologischen Karten haben wir im Kapitel zur Geologie schon vorgestellt. Sie wurden später von Carl Friedrich Naumann (*1797, †1873) und Bernhard Cotta (*1808, †1879) überarbeitet und bis 1845 in elf zusammenfassenden geognostischen Spezialkarten für Sachsen und Teile angrenzender Länder veröffentlicht. Es war eines der ersten, wenn nicht sogar das weltweit erste, zusammenhängende geologische Kartenwerk eines Landes.

  

Im Jahr 1812 entsandte die Geognostische Landes- Untersuchungskommission beim Oberbergamt in Freiberg den Herrn Carl Christian Martini, Markscheider zu Altenberg, zu einer Inspektionsreise in die Region. Auf seine Berichte bezogen sich auch die Geologen späterer Jahre immer wieder, wie wir in unserem Kapitel zur Geologie dieser Lagerstätten schon sehen konnten.

Anlaß für die Beauftragung des Markscheiders mit den Untersuchungen durch das Oberbergamt zu Freiberg war die Anfrage eines Herrn Blankenstein, Erbrichter in Copitz bei Pirna, vom 31. Mai 1812, der auf seinem Grund und Boden Vorkommen von Steinkohle und Kalkstein vermutete und um eine Bewertung der Vorkommen bat. Eine Abschrift des Berichtes findet man dieses Anlasses wegen auch in einer Oberbergamtsakte (40001, Nr. 2157). Herr Martini berichtete dazu einleitend (40003, Nr. 180, Blatt 150ff):

Geognostische Beschreibung
der Gegend um Copitz und Hohenstein
 jenseits der Elbe.
Gefertigt im Jahre 1812
von Carl Martini, Markscheider zu Altenberg.

§1. Der hohen Verordnung des Königl. Sächs. Hochlöbl. Oberbergamts vom 5. August 1812 gemäß, verfügte ich mich, nach dem ich von Sr. Wohlgeboren, dem Herrn Bergrath Werner die nöthige Anweisung eingeholt hatte, den 13. August a. c. nach Copitz, um die von dem dortigen Erbrichter Blankenstein in seinem suplic vom 31. März 1812 angegebene Gegend in Hinsicht auf Steinkohlen und Kalkstein geognostisch zu untersuchen. Ob mir nun gleich in Copitz selbst der Punct, wo man dieses Fossilien vermuthet, von dem Richter Blankenstein angegeben wurde, so war mir es doch der wenigen Entblößungen des festen Gesteins wegen nicht möglich, von diesem allein zu bestimmen, in wie fern jene Vermuthungen gegründet wären, oder nicht, sondern ich sah mich genöthiget, mehrere Thäler und Höhen in der dortigen Gegend sowohl, als auch bei Hohenstein, wo man schon Kalksteinbrüche angelegt hat, zu begehen, um durch die Beobachtung des Ausgehenden der Schichten mit den Lagerungsverhältnissen bekannt, und in den Stand gesetzt zu werden, Eu. hochlöbl. Oberbergamt die möglichst zuverlässigste Anzeige zu thun...“

Diesen Umständen verdanken wir also die ersten ausführlichen geologischen Berichte über den Kalksteinabbau in dieser Region. Während für das vermutete Vorkommen bei Copitz die Bewertung seiner Bauwürdigkeit durch Martini eher negativ ausfiel; berichtete er ab Blatt 156 der Akte über das uns hier interessierende Vorkommen:

„§11. Flötzkalkstein bei Hohnstein.

An dem mittäglichen Gehänge jenes kleinen Thales, vom Schloß Hohnstein gegen Morgen, lagert sich auf Sandstein Flötzkalkstein oder Pläner, worauf der Herr Amtsverwalter Hedenus einen Kalksteinbruch angelegt hat.

Die Schichten dieses Sandsteins fielen, was ich noch nie sah, unten 30 bis 40 Grad in Morgen, jedoch verminderte sich dieses Fallen in einer saigeren Teufe von 60 Ellen (rund 32 m) bis zu 10°-15°, was man vorzüglich deutlich, da alles unterirdisch abgebaut wird, in dem Tiefsten des Tageschachtes, nach beiliegender Zeichnung, A. sehen kann, ebenso in den Förstenbauen, wo das Liegende aus Sandstein besteht. Jedoch weicht dieser Sandstein von den übrigen dadurch ab, daß er eine lichtgrünlichgraue Farbe hat und theils mit Kalkstein durchdrungen ist, theils Bruchstücke von Kalkstein führt. Weiter nach dem Liegenden dieser Schichten zu, nimmt aber der Sandstein seine gewöhnliche Structur und Farbe wieder an, und die Schichtung nähert sich wieder dem Söhligen.“

Bei dem hier genannten Verwalter des Amtes Hohnstein handelt es sich nach anderen Akten wahrscheinlich um den „Ökonomieinspektor“ Johann Gottlob Hedenus, der dieses Amt wahrscheinlich rund 30 Jahre zuvor, im Jahr 1787 angetreten hatte, nachdem auch Herr Scheibner die Verwaltung des Amts nicht mehr innehatte (10062, Nr. 1650).

Martini schrieb hier, daß Hedenus den Kalksteinbruch „angelegt“ habe. Dies könnte man nun als ein Indiz dafür ansehen, daß der Abbau bei Hohnstein entgegen anderer Annahmen doch gar nicht so alt ist und daß der Rohkalkstein für die Hohnstein’er „kalchhütte“ zu früheren Zeiten doch von anderen Orten herantransportiert worden sein könnte. Ob Hedenus aber einen zuvor schon vorhandenen Bruch wieder aufgenommen, oder tatsächlich einen ganz neuen Steinbruch angelegt hat, kann man hieraus nicht sicher ableiten. Zumindest ist es aber ein sicherer Hinweis darauf, daß der Hohnstein’er Kalkbruch vor dem Amtsantritt des J. G. Hedenus lange Zeit auflässig und vielleicht fast schon vergessen gewesen ist. Wohl aus diesem Grund fand er bei den Verhandlungen um die Verpachtung des Amtes Hohnstein im Jahre 1775 auch keine Erwähnung.

  


Durchschnittsriß des Kalksteinbruchs in Hohenstein, dem Herrn Amtsverwalter Hedenus gehörig. Bildquelle: Sächsisches Staatsarchiv, Bergarchiv Freiberg, Bestand 40001 (Oberbergamt), Nr. 2157, Blatt 15, Gesamtansicht.
Auch als Anlage in C. Martini’s Bericht aus dem Jahr 1812 (40003, Nr. 180, Blatt 163) enthalten.

archiv.sachsen.de

  

Nach Martini's Schnittdarstellung oben zu urteilen, hat Hedenus seinen Schacht saiger abgeteuft. Bei dem flach geneigten Einfallen des Lagers könnte man aber auch gut annehmen, daß Hedenus seinen Förderschacht im Fallen des Lagers ‒ also tonnlägig ‒ abgesenkt habe. Martini's Teufenangabe oben lautete nun jedoch „in einer saigeren Teufe“. Wenn der Schacht tonnlägig war, müßte dessen flache Teufe (im Fallen gemessen) noch entsprechend seiner Neigung größer sein.

Doch lassen wir Martini in seinem Bericht aus dem Jahr 1812 weiter selbst zu Wort kommen:

„§12.

Gewöhnlich liegt der Pläner Kalkstein, wie bei Dohna und Lößnitz jenseits der Elbe, in gleichförmiger Lagerung auf dem Sandstein, dies ist aber hier nicht der Fall, sondern er ist zum Theil in einen dunkelaschgrauen, graulichschwarzen und schiefrigen Kalkmergel umgeändert.

Mehrere Stücke widerstanden der Auflösung, und finden sich jetzt als runde Massen in diesen Mergel innen liegend, und diese sind es, welche man zum Brennen benutzt. Den Mergel selbst gebraucht man in seinem natürlichen Zustande mit Vortheile zur Düngung der Felder. In ihm findet man häufig Überbleibsel organischer Körper als Muscheln und Schnecken, die aber zum Theil ebenfalls sehr zerstört und aufgelöst sind.

§13.

Die noch fest gebliebenen und unzerstörten Stücken bestehen aus einem gelblichgrauen, lichten aschgrauen, sehr thonigen Kalkstein, der im großen einen flachmuschligen, im kleinen aber einen splittrichen Bruch zeigt. Sehr oft mengt sich ihm Schwefelkies und Kalkspat bey, sowie man zuweilen Ammoniten in ihnen findet. Auch ist das Stück No. 19 der Theil einer solchen Kugel, die in den Kalkmergel zerstreut liegen und gewonnen werden.

Wie uns Herr Martini hier berichtete, war das Kalklager also durch einen reichlich 30 m tiefen Tageschacht erschlossen, von dem ausgehend man den Kalkstein in Firstenbauen aushieb und die zum Brennen geeigneten, härteren Stücke aus dem weicheren Mergel ausklaubte.

Die Zuordnung zum (kreidezeitlichen) Plänerkalkstein stimmt natürlich nicht, aber das konnten die alten Geologen ja noch nicht wissen.

   

Weiter heißt es noch im §13: „Bey dem Betrieb des Stollns, womit man den Kalkbruch gelöst hat, der ganz in Sandstein fortgebracht ist, will man vor einiger Zeit ein Stück Steinkohle gefunden haben, das einem Baumaste glich, was auch sehr möglich seyn kann, wovon man aber nichts weniger, als auf ein ausdauerndes bauwürdiges Steinkohlenflötz zu schließen bemächtigt wird.“

Es gab also außer dem Tageschacht auch schon einen Wasserlösestollen, welcher aber durch den südlich anstehenden Sandstein herangebracht worden ist. Wir überblättern Martini's weitere Bemerkungen zu den Lagerungsverhältnissen von Granit und Sandstein und gehen gleich weiter zum §17, der von ihm die Überschrift erhielt:

Bemerkungen über das Vorkommen von Kalkstein und Steinkohle oder anderen als Holzsurrogate zu gebrauchenden Fossilien und deren Bauwürdigkeit.

Was den Kalkstein betrifft, so fand ich zwar in dem untersuchten Districte keine Lager von Urkalkstein, welcher in oekonomischer Hinsicht zeither immer am vortheilhaftesten benutzt wurde, aber ich traf einen Flötzkalk zur 3ten Flötzkalkformation gehörig, den Plänerkalkstein in abgebrochener und gleichförmiger Lagerung mit dem Sandstein an zwei Punkten an. Ob nun gleich, wie dies zum Theil bey Dresden und dahero der Fall ist, diese Formation mehr von Sand als Kalk enthält, so macht sie doch an einigen Punkten, wie z. B. in Strehlen bey Dresden, in Ottendorf bey Pirna und in dem untersuchten Districte in Hohnstein, eine Ausnahme. Denn an allen diesen Orten wird der Kalkstein gebrochen, gebrannt und zur Düngung der Felder benutzt, jedoch versicherten mir mehrere Oekonomen, daß ein 3-4 mal größeres Quantum als von dem Maxen'er, Nenntmannsdorf'er und Borna'er Urkalk nöthig sey, um dieselbe Absicht zu erreichen, so wie er auch nicht als Baumaterial gebraucht werden könne.

In Hohnstein findet dasselbe statt, und obgleich die Auflagerung bei einer Verbreitung von 200 bis 300 Ellen (zirka 160 m) 60 bis 70 Ellen (zirka 37 m) mächtig ist, so hat man doch zeither mit einem beträchtlichen Verluste diesen Flötzkalk abgebaut, vorzüglich, da der größte Theil zu einem sandigen Kalkmergel umgeändert wurde, der zwar in seinem natürlichen Zustande zur Düngung der Felder benutzt werden kann, aber keineswegs die Wirkung des gebrannten Kalksteins hervorbringt...

Auf der seinem Bericht hinzugefügten Petrographischen Karte des untersuchten Distrikts hat C. C. Martini bei Hohnstein nur das Vorkommen am Schützenhang südöstlich der Stadt markiert, nicht aber auch das westlich von Hohnstein und südlich von Zeschnig am Hang des Wartberges – dieses war ihm folglich zu dieser Zeit nicht bekannt geworden.

 


Petrographische Karte der Gegend von Copitz bis Hohenstein und Prohsen jenseits der Elbe, entworfen im Jahr 1812 von Carl Christian Martini, Markscheider zu Altenberg. Die Plänerkalk- Vorkommen im Sandsteingebiet (hier nordwestlich von Pirna vermerkt) werden vielleicht einmal Gegenstand eines eigenständigen Beitrags. Bildquelle: Sächsisches Staatsarchiv, Bergarchiv Freiberg, Bestand 40001, Nr. 2157, Blatt 24 (Aktenbeilage), Gesamtansicht, Norden ist oben.

archiv.sachsen.de

   


Ausschnitt aus obiger Karte mit der Eintragung des Kalksteinvorkommens (nach der Werner'schen Farbtafel hellblau markiert) südöstlich von Hohnstein durch C. C. Martini. Leider hat er hierin nicht vermerkt, wo der Tageschacht und der Wasserlösestolln angesetzt waren.

   


Wir machen uns deshalb unsere eigenen Gedanken und überlegen uns, wo der Wasserlösestolln des Hedenus’schen Kalkwerkes denn am sinnvollsten angesetzt gewesen sein könnte. Anhand der Teufenangabe zum Schacht und der ungefähren topographischen Höhe dessen Ansatzpunktes kommen wir auf ein Höhenniveau der Schachtsohle von etwa 304 m und verfolgen daher – unter Berücksichtigung eines für den Wasserablauf notwendigen, geringen Gefälles des Stollns – den Verlauf der 300-m-Höhenlinie auf der Hohnstein'er Seite des Polenztales. Für die kürzeste Distanz zwischen Schacht und Höhenlinie kämen wir so auf etwa 240 m Stollnlänge und dann hätte Hedenus den Stolln nordwestlich des Schachtes ansetzen und von dort aus annähernd im Streichen der Granodiorit- Sandstein- Grenze in südöstlicher Richtung vortreiben müssen. Stand er aber ganz im Sandstein, hätte er auch von Osten herangeführt sein können, wäre dann aber auch fast doppelt so lang geworden.

   

Markscheider C. C. Martini bereiste im Jahre 1813 diesen Distrikt erneut und notierte im folgenden Jahr in seinem Bericht für die geognostische Landesuntersuchungs- Kommission darüber noch (40003, Nr. 34, Blatt 48ff):

§96. Granit, Sandstein und Flötzkalk bei Hohnstein.

„Besteigt man von der Zeschnig’er Mühle den Berg bis Hohnstein, so erblickt man rechts bald das in Hinsicht seines Alters merkwürdige Schloß Hohnstein, auf Sandstein erbaut, links aber die Stadt gleichen Namens, in welcher man an mehrern Puncten Granit anstehen sieht, so dass die Scheidungslinie beider Gebirgsarten zwischen beiden sein Durchgehen hat. Auf derselben nach Weidsdorf zu liegt eine Auflagerung von Flötzkalkstein, die von dem Herrn Amtsverwalter Hedenus abgebaut wird. Es finden hier dieselben Verhältnisse wie bei Hinterhermsdorf statt. Feste Massen von Kalkstein liegen in einem mit Sand gemengtem Kalkmergel, werden besonders ausgehalten und gebrannt. Weitläufiger habe ich mich über dieses Vorkommen in einer geognostischen Beschreibung der Gegend um Copitz, Hohnstein und Wehlen ausgelassen, die Eu. Hochlöbl. Oberbergamt mir voriges Jahr auftrug, und zu machen der Herr Richter Blankenstein in Copitz die Veranlassung gab. Der Vollständigkeit wegen vereinige ich jetzt die damals gefertigte kleine petrographische Karte mit der diesmahligen, ob ich gleich den darauf verzeichneten District nicht wieder bereiste…“

Auf diese Reise geht die nachfolgende Petrographische Karte Martini's zurück.

Im II. Theil: Bemerkungen über den untersuchten District und Aufstellung der Gebirgsarten in sistematischer Ordnung seines Berichtes werden die Kalksteine von Hinterhermsdorf und Hohnstein von Martini noch immer der Plänerkalkstufe und noch nicht dem Jura zugeordnet. Allerdings weist er an dieser Stelle auch schon auf die Unterschiede zum Plänerkalkstein hin:

„Da die Hauptmasse aus einem weichen, sandigen Kalkmergel, in welchem Kugeln und Bruchstücke von dichtem Kalkstein liegen, besteht, ferner alle Versteinerungen von Muscheln und Schnecken in ihm fast ganz zerstört und wie abgeschliffen liegen, so ist es mir sehr wahrscheinlich, daß die erste Bildung dieser Kalksteine in anderen Gegenden geschah, durch Wasserfluth zerstört, hinweggeführt, und in die Vertiefungen als ein durchmischter Niederschlag abgesetzt wurde...“

Nun war die geologische Geschichte doch noch ein wenig komplizierter und tektonische Bewegungen und nicht nur Erosion durch Wasser waren der Grund für die Umlagerung dieses Schichtenpaketes, doch daß diese Kalksteine umgelagert worden sind, das erkannte 1812 auch schon Martini.

   


Petrographische Karte der Gegend von Königstein, Pirna, Stolpen, Sebnitz und Tetschen / Decin, gefertigt im Jahr 1813 von Carl Christian Martini, Markscheider zu Altenberg. Bildquelle: Sächsisches Staatsarchiv, Bergarchiv Freiberg, Bestand 40003, Nr. 34, Blatt 106 (Aktenbeilage), Gesamtansicht, Norden ist oben.

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Ausschnitt aus der Karte oben mit der Eintragung des Kalksteinvorkommens südöstlich von Hohnstein. Auch hier ist noch kein Vorkommen am Gegenhang des Polenztals südöstlich von Zeschnig verzeichnet. Die grau eingefärbte Fläche dort markiert nur Vorkommen von Lehm oder Ton, der für Ziegeleien Verwendung finden konnte. Die schwarzbraunen Flächen markieren Basaltvorkommen.

   

Der damalige Student der Bergakademie zu Freiberg, Hermann Häntzschel aus Hohnstein, berichtete im April 1825 in Freiberg über seine bergmännisch- wissenschaftliche Reise im Jahr 1824 durch diese Region folgendes: Um mich in den bergmännischen Wissenschaften immer mehr und mehr auszubilden, unternahm ich während der akademischen Saison eine bergmännisch- wissenschaftliche Reise, von welcher ich dasjenige, was mir am bemerkenswerthesten schien, zu beschreiben mich gewärtig unterfange...

Seine Reisen in den Semesterferien 1824 führten ihn unter anderem in die Zauckenroda'er Steinkohlengruben und die Zittau'er Braunkohlenregion. Ganz zuletzt findet man in seinem Reisebericht aber auch noch die folgenden Bemerkungen über seinen Heimatort:

Hohnstein.

Das hiesige Flötzkalksteinlager, in dem recht sehr wohlerhaltene Versteinerungen vorkommen, ist zwischen den Granit und Sandstein eingelagert und zieht sich wohl 1¼ Stunde immer mit der Gränze des Granits und Sandsteins fort, indem es bisweilen so zusammen gedrückt wird, daß nur Spuren von Kalkstein im Quadersandstein sich finden, theils aber auch mächtige Bäuche wirft. So streicht der Kalkstein von Mitternacht nach Mittag durch das Städtchen, wo er mehrere Male bis zu Tage ausstreicht und in den Kellern sich zeigt.

Schon in den frühern Zeiten ist der Kalkstein hier an mehreren Orten abgebaut worden, dann aber im Jahre 1806 der eine Bruch, welcher ohngefähr 5 Minuten gegen Mittag vom Städtchen aus liegt, vom damaligen Rentamtsverwalter Hedenus wieder aufgenommen und abgebaut worden.

Es kommen hier 2 Lager vor, von denen das eine unmittelbar auf dem Sandstein aufliegt, das obere hat aber eine Decke von schwärzlich blauen Mergel, in welchem sehr schöne Fischabdrücke vorkommen. die aber, zu Tage gebracht, zerfallen. Auf diesem Mergel liegt der Granit. Der Granit schießt in einem Winkel von 30 bis 58° ein, der Sandstein fällt aber etwas flacher, so daß sich der Kalkstein in einer Teufe von 100 Ellen (zirka 53,5 m) auskeilt.

Der Kalkstein, welcher von blaulichgrauer Farbe ist, liegt in unregelmäßigen Massen von einem (unleserlich...?) Mergel eingeschlossen, der von derselben Farbe ist und als ein gutes Düngungsmittel gebraucht wird. Das Feld ist gegen 150 Ellen (rund 80 m) lang bey einer Mächtigkeit von 20 Ellen (knapp 11 m). Gegen Mittag zu wird der Kalkstein auf einmal zu einer schmalen Kluft zusammengedrückt, dann wirft das Lager wieder einen Bauch. Hier kommt der Kalkstein mit einem weißlichen Sandmergel vor, auch soll der Kalk hier besser seyn, als der, wo gegenwärtig abgebaut wird.

H. Häntzschel bestätigt hier unsere oben vorgenommene Rechnung anhand von W. L. Götzinger's Angabe, daß der Abbau des Kalksteins in Hohnstein erst im Jahr 1806 durch den damaligen Amtsverwalter J. G. Hedenus wieder in Gang gebracht wurde. Zusätzlich erfahren wir hieraus, daß es zuvor mehrere Punkte gegeben haben soll, an denen der Kalkstein nicht nur zutage ausstrich, sondern dort auch abgebaut worden sei.

  

Der Kalkabbau bei Hohnstein wird auch in A. Schumann's Post- und Zeitungslexikon von Sachsen, hier im Band 4, erschienen 1817, erwähnt, wo man unter dem Stichwort der Stadt Hohnstein das Folgende lesen kann: „Hohnstein, Hohenstein, ... amtssässige Stadt im Königreiche Sachsen, ... 5 Stunden südöstlich von Dresden entfernt, auf einem hohen Felsen gelegen... Ganz nahe am Städtchen liegt ein Kalkbruch, der erst seit einigen Jahren wieder im Gange ist. Zur Abführung der inneren Wässer ist ein langer Stolln angelegt. Der hiesige Kalk ist zum Mauern und zur Düngung vorzüglich gut.“

Letzteres ist wohl bei Götzinger abgeschrieben, berichtete Martini aber anders; nach ihm sei der Kalk als Baumaterial nicht brauchbar gewesen.

Auch über Zeschnig erwähnte A. Schumann im betreffenden Band 13 aus dem Jahr 1826:
Zum Dorfe gehören Kalkbrüche und eine Ziegelei.

    

Professor Weiß führte das Kalkwerk zu Hohnstein in seiner Abhandlung aus dem Jahr 1827 als wichtigen Beleg für den tektonischen Ursprung der Lagerungsverhältnisse zwischen Granodiorit und Sandstein an: „Der wichtigste, mir zuerst durch die Gefälligkeit ... des Hrn. Lieut. v. Gutbier, ... bekannt gewordene Punkt ist wiederum der Kalkbruch bei Hohnstein. Hohnstein selbst liegt auf der Gränze des Granit- und Quadersandsteingebirges. Die Polenz tritt hier in dem tief eingeschnittenen Thale aus dem ersteren Gebiete in das zweite ein. Vielleicht, daß sich bei näherer Untersuchung sich hier noch mancher lehrreiche Punkt auffinden läßt.

Der Kalkbruch liegt, wie das Städtchen selbst, ganz auf der Höhe, auf dem linken Ufer des Baches, und noch höher als das Städtchen, von demselben gegen Süden in der Richtung gegen den tiefen Grund. Der Kalkbruch wird aber hier unterirdisch, nicht als Tagebau betrieben, ...und so sind die Entblößungen weit geringer, die Beobachtung, so weit sie nur im Bruche geschehen kann, von dem eben vorgefundenen Zustand der nur schwach betriebenen Arbeiten abhängig...

Er begrenzte seine Beschreibung ebenfalls auf den Kalkbruch in Hohnstein: Die Resultate der erst 1828 aufgenommenen, umfangreichen Untersuchungen unter Leitung des Bergamtes Altenberg konnten ihm ja noch nicht bekannt sein; deshalb nennt auch er wohl noch kein zweites Kalkwerk auf der westlichen Talseite.

Über das Bergwerk selbst hielt Weiß fest: „Der Kalkstein, der hier gebrochen wird, scheint nicht der Plänerkalk, sondern ein älterer zu sein. Er bildet keine zusammenhängenden Bänke, sondern liegt nur in runden Klumpen oder Butzen in weichen Mergellagen. Er führt große Ammoniten, und zwar, wie es scheint, nach Verhältnis nicht selten... Die Versteinerungen des Plänerkalksteins habe ich in ihm nicht gesehen. Dabei ist er meist von rauchgrauer Farbe.

Er ruht auf Sandsteinlagen, die man im dortigen Bruche die ,Sandwand' nennt, und die keineswegs der Quadersandstein zu sein scheinen, sondern ganz einem Kohlensandstein gleichen, auch wirklich Steinkohlenstückchen eingesprengt enthalten. Diese und ähnliche Spuren veranlaßten den Steiger, nach Steinkohlen weiter zu graben. Er verfolgte die Sandwand auf der Scheide mit dem Granit, diesen im Hangenden, jene im Liegenden, auf eine Strecke von 200 Ellen, fand aber seine Hoffnung nicht erfüllt, und die Strecke ist wieder verfallen.

Die den Kalkstein führenden Mergellagen, so wie die sie bedeckenden, schneiden... zwischen Tage und dem Punkte, wo die Sandwand das Urgestein berührt, gänzlich ab... Es scheint mir also, daß hier das Urgebirge, bei seinem Hervordringen aus der Tiefe, untere Flötzgebirgsschichten (und wohl im Heraufdringen zermalmt) mit sich gebracht, und zwischen sich und den Quadersandstein eingeklemmt habe, auf welchen zuletzt die ganze Reihe gewaltsam sich auflegt...

    

Bei Hohnstein und bei Zeschnig erfolgten dann ‒ wie oben schon erwähnt ‒ ab 1828 unter Federführung des zuständigen Bergamtes zu Altenberg geologische Untersuchungen mit dem Ziel, weitere wirtschaftlich nutzbare Kalksteinvorkommen aufzufinden. Nebenbei wurde dabei punktuell der Verlauf der Lausitzer Überschiebung kartiert und mit den oben im Kapitel zur Geologie schon angeführten Erkenntnissen über deren Entstehung untersucht (vgl. hierzu 40006, Nr. 1583 und 40003, Nr. 180 und Nr. 186). Zwei Jahre später forderte das Oberbergamt über die Ergebnisse dieser Untersuchungen einen Bericht aus Altenberg an (40003, Nr. 186, Blatt 2 der Akte):

Durch allerhöchsten Befehl vom 9ten Januar 1828 ist das königl. Bergamt zu Altenberg wegen Aufsuchung von Kalk- und Mergellagern in der Hohnsteiner Amtswaldung mit gnädigstem Auftrag versehen worden. Da wir nun zu wissen wünschen, welche Resultate bey der anbefohlenen Untersuchung erlangt worden sind, so wird oberbergamtswegen obgenanntes königl. Bergamte andurch aufgefordert, über den Erfolg der Versuche, in der Gebirgsscheide des Quadersandsteins und Granits bey Hohnstein, das Vorkommen von Mergel und Kalkstein zu ermitteln, ausführliche Anzeige anhero zu erstatten...“

13ten Januar 1830   
Königl. Sächs. Oberbergamt   

Dem allerhöchsten Befehl konnte sich natürlich das Bergamt zu Altenberg nicht widersetzen und legte daraufhin am 9. September 1831 den folgenden Bericht in Freiberg vor (Blatt 3ff der Akte):

Berichtsvortrag

In Gemäßheit einer hohen Oberbergamts Verordnung vom 13ten Januar 1830 sollen wir über den Erfolg der wegen Aufsuchung von Kalk- und Mergellagern in Hohnstein'er Amts Waldung angestellten Versuche ausführliche Anzeige gehorsamst erstatten, und zugleich Querdurchschnitte mit einreichen, aus welchen das Verhalten des Quadersandsteins gegen den Granit und des zwischen beiden vorkommenden Kalksteins und Mergels deutlich zu ersehen ist. Ob nun schon die durch allerhöchsten Befehl vom 9. Januar 1828 uns aufgegebene und bereits im Jahre 1828 begonnene Untersuchung des Gebirgszuges zwischen Pillnitz und der böhmischen Grenze, längs der Auflagerungsfläche des Granits und Quadersandsteins in Beziehung auf Einlagerung von Kalkstein und Mergel noch nicht beendigt ist, so stehen wir doch nicht länger mehr an, Eu. Hochverordnetem Oberbergamte wenigstens die Resultate unserer bis jetzt gemachten Untersuchungen im Nachfolgenden ehrerbietigst vorzutragen.“

Die Untersuchungen erstreckten sich also insgesamt auf ein doch sehr ausgedehntes Gebiet von Pillnitz im Nordwesten bis zur böhmischen Grenze im Südosten, womit in diesem Fall die Kalkvorkommen bei Hinterhermsdorf gemeint waren. Begonnen haben die Beamten ihre Erkundigungen aber offenbar bei Hohnstein und zwar nordwestlich der Stadt bei Zeschnig:

Nachdem nämlich bei der von uns unternommenen Begehung der Granit- und Quadersandstein- Grenze sich in der Nähe der Zschechnitz'er Ziegelscheune circa ½ Stunde von Hohnstein in Mitternacht Abend Spuren von Kalkstein vorgefunden und diese Gegend uns überhaupt einer genaueren Untersuchung werth erschien, zumal da man daselbst mit einer alten, aber ganz verbrochenen Rösche, welche jedoch ganz falsch und zwar statt nach der Gebirgsscheide, mit dieser parallel getrieben worden ist, Sandstein mit einzelnen Kalksteinparthieen getroffen hat, wie die auf der noch vorhandenen kleinen Halde dieser Rösche vorbefindlichen Stücke nachweisen, so sind von uns zunächst in der sogenannten Kohlicht Schlucht einige kleine Schurfversuche gemacht und nachdem diese keine vollständigen Resultate gaben, ist eine Rösche beim Punkte A. der ... gehorsamst beifolgenden Copie von einem Theile der Hohnstein'er Amtswaldung angesetzt und in Stunde 1 und 2,4 in das nach Mitternacht aufsteigende Gebirge getrieben worden.

Mit dieser Rösche ist nun, wie der beigeschlossene Riß nachweist, zuvörderst 4 ¼ Lachter in Sandstein- und Granitgerölle, sodann 14 Lachter in einem Conglomerate, so aus thonigem Sandstein, größeren und kleineren Kalksteinstücken – welche zuweilen abgerundet mit Mergel umhüllt vorkommen – kleinen Quarzkieseln, Versteinerungen, einer Art Bohnerz und einem kalkigen Bindemittel besteht, hiernächst 4 Lachter in festem Sandstein mit 54° Stunde 12,4 in Mitternacht einschießender Schichtung und endlich ¾ Lachter in Granit aufgefahren worden.

Die ohngefähr 50° in Mitternacht fallende und Std. 6,4 streichende Gebirgsscheide hat daselbst ein gangartiges Ansehen, indem zwischen dem Sandstein und Granit 1- 2 Zoll mächtiger schwärzlicher Letten mit kleinen Granitbröckeln liegt. Der Granit ist in der Nähe der Gebirgsscheide zwar aufgelöst und sehr zerklüftet, dagegen aber nicht als hereingestürzte, sondern als im Ganzen anstehende Gebirgsmasse gefunden worden. Auch hat man mit dieser Rösche einige schmale Lettenlagen, welche mit der Gebirgsscheide parallel zu laufen scheinen, überfahren und ist das erwähnte Conglomerat da, wo auf der Rösche das Einbrechen der Kalksteinstücke am häufigsten gewesen war, noch mit einem Abteufen von 1 ⅓ Lachter tief untersucht und dabey das Gestein zwar von etwas frischerem Ansehen, jedoch nicht reicher an Kalksteinparthieen als auf der Rösche gefunden worden.

Hiernächst erlauben wir uns noch, ... gehorsamst zu bemerken, daß von dem vom Herrn Bergcommissionsrath Kühn in seinem wegen Untersuchung der fraglichen Gebirgsscheide bei Eu. Hochverordneten Oberbergamte unterm 4. October 1827 eingereichten Vortrage erwähnten Kalksteinstocke, welcher sich unter dem Städtchen Hohnstein hinziehe und bei der Grundgrabung in den untersten, nach der Polenzbach hinab gelegenen Häusern entblößt worden sein soll, von uns aller Nachforschungen ungeachtet nichts hat ausgemittelt werden können, im Gegentheil dessen Vorhandensein bezweifelt werden muß, weil wir nicht fern von den untersten Häusern Hohnsteins, ingleichen bei der Hohnstein'er Mühle auf Hohnstein'er Commun Grund und Boden, den Sandstein frei von aller Kalksteinspur unmittelbar am Granit anliegend gefunden haben.

Der Sandstein ist daselbst größtentheils ungemein porös und kommen in ihm auch Versteinerungen vor...“

Die alte, aber ganz verbrochene Rösche, welche jedoch ganz falsch und zwar statt nach der Gebirgsscheide, mit dieser parallel‒ also nach Nordwesten ‒ angelegt war, könnte ein Vorläufer des späteren  Hockstein Erbstollns gewesen sein, zumindest aber zu dessen Vortrieb Veranlassung gegeben haben.

Wir fügen an dieser Stelle zunächst einmal die dem Berichte „gehorsamst beifolgende Copie von einem Theile der Hohnstein'er Amtswaldung mit der Lage des besagten Punktes A. und den Detailriß zu den dort durchgeführten Untersuchungsarbeiten ein.

  


Copie von einem Theile des Hohnsteiner Forst Reviers, Bildquelle: Sächsisches Staatsarchiv, Bergarchiv Freiberg, Bestand 40003 (Geognostische Landesuntersuchungskommission), Nr. 186, Blatt 11, dat. 1831, Gesamtansicht, Norden ist links oben.

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Ausschnitt aus obiger Flurkarte mit dem Gebiet westlich von Hohnstein und dem Polenztal. Der Punkt A. mit dem dort 1828 angelegten Untersuchungsstolln lag genau nordöstlich der Gemarkungsgrenze zwischen Hohnstein und Zeschnig (hier: „Zschechwitz“). Die neue Wartenbergstraße, die uns heute die Fahrt durch das Polenztal hinüber nach Hohnstein sehr erleichtert, gab es damals natürlich noch nicht.

   


Bildquelle: Sächsisches Staatsarchiv, Bergarchiv Freiberg, Bestand 40003 (Geognostische Landesuntersuchungskommission), Nr. 186, Blatt 12, dat. 1831, Gesamtansicht, Norden ist im Grundriß links.

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Noch einmal etwas vergrößert... Hierin orangerot koloriert: Sandstein, hellviolett umrandet: Granodiorit (links der Gesteinsgrenze).

    

Doch fahren wir mit unserem Auszug aus dem Berichtsvortrag der Altenberg'er Beamten vor dem Oberbergamte vom September 1831 fort:

Da wir uns nun ferner von einer genaueren Untersuchung des südlichen Theils der Hohnstein'er Amtswaldung bis circa 15 Minuten Entfernung vom Hohnsteiner Kalksteinbruche, im sogenannten Schützengehänge, wichtigere Resultate versprachen, so wurden daselbst an mehrern Punkten Schurfversuche gemacht, und nachdem mit diesen in dem dasigen sehr wassernöthigen Gebirge nicht gut fortzukommen war, und die erlangten Resultate nicht vollständig genug waren, sind von uns die folgenden 3 Röschenbetriebe unternommen worden, und zwar wurde

1. zunächst bei dem Punkte F. des beifolgenden Rißes … eine Rösche angesetzt, und überhaupt 23 ½ Lachter in Morgen erlängt. Mit dieser Rösche hat man nun, nach Anleitung des … gehorsamst beigefügten Special Risses, nicht nur bei 13 Lachter ein ½ Lachter mächtiges Mergellager mit einzelnen Kalksteinbrocken, welches Lager niederzu, bei einer mittelst Abteufens erfolgten Untersuchung, unverändert in seinen Bestandtheilen wahrgenommen worden ist, sondern auch bei 21 ½ Lachter vom Röschenmundloche ein zweites aus Mergel, einem kalkigen Conglomerate mit kleinen Quarzkieseln, Sandstein und Versteinerungen und Kalksteinpartien bestehendes Lager angefahren, und nachdem dieses, bei einer Mächtigkeit von 8 bis 10 Zoll in der Förste und 1 ¼ Lachter auf der Sohle durchbrochen worden war, gelangte man an die Gebirgsscheide, worauf sodann das Röschenort noch 1 Lachter in den Granit hineingetrieben worden ist.

Der Granit bildet an der Gebirgsscheide eine ziemlich platte überhängende Fläche, dem Salbande eines Ganges gleich, welche ein Einschießen von 20° nach Morgen hat, und ist zwar ertwas aufgelöst und zerklüftet, nicht aber etwa als hereingefallenen Masse anzusehen.

Da nun das an der Gebirgsscheide angefahrene Lager auf der Sohle bedeutend mächtiger und reicher an Kalksteinpartien als in der Förste war, so ist auf demselben 1 ¾ Lachter tief abgesunken, und dabei zunächst dem Granit 1 ¾ Lachter mächtiger, ziemlich reiner Kalkstein mit etwas Mergel und sodann noch das bereits erwähnte kalkige Conglomerat ¾ Lachter mächtig getroffen worden.

Wenn hiernach nun die Mächtigkeit des dasigen bauwürdigen Kalksteinstockes in der Teufe Lachter um Lachter sich ausweiten dürfte und mit dieser Rösche der beabsichtigte Zweck vollständig erreicht worden ist, so haben wir doch mit Fortstellung des fraglichen Abteufens Abstand genommen und sogar das Mundloch dieser Rösche verstürzen lassen, weil der unter der Röschensohle erbrochene Kalksteinstock sich bei dem Rainsteine No.251 bis No.257 nicht unter Königl. Wald, Grund und Boden, sondern unter dem Eigenthum des angrenzenden Grundstücksbesitzers namens Weidig, so in Hohnstein angesessen ist, befindet.

Um hiernächst zu ermitteln, wie weit dieser Kalksteinstock fortsetze und ob derselbe nicht auch auf Königl. Wald Grund und Boden … bauwürdig auszurichten sein dürfte, so ist von uns

2. bei dem Punkte P. eine Rösche angesetzt und nach Ausweis des Specialrisses zuvörderst 4 ¾ Lachter in Sandstein mit einzelnen Kalksteinbrocken bis an ein ¼ Lachter mächtiges, aus Mergel und einem kalkigen Sandsteinconglomerate bestehendes Lager getrieben worden, nach dessen Durchfahrung man die Gebirgsscheide erlangt hat. Da nun dieses an der Gebirgsscheide angefahrene Lager niederzu mächtiger zu werden schien, und die Rösche beim Punkte F., mit welcher man so glücklich war, Kalkstein auszurichten, tiefer liegt, und bei der Gebirgsscheide circa 4 ½ Lachter mehr saigere Teufe, als die in Rede stehende Rösche einbringt, so erschien die Untersuchung dieses Lagers unter der Sohle höchst wünschenswerth, und wurde daher mit einem Fallorte auf dem Lager und zwar durch Hülfe einer eingebauten Schwängelpumpe, 12 Lachter tiefer, jedoch ohne glücklichen Erfolg niedergegangen. Im Tiefsten bestand das Lager aus einem ¾ bis 1 Lachter mächtigen Sand- und Kalksteinconglomerate mit Versteinerungen und zwei schwarzen Thonmergellagern, wovon die, welche das Dach des Conglomeratgesteins bildet, 20 bis 24 Zoll, und die andere auf der Sohle 2 bis 4 Zoll mächtig war.

Die überhängende Gebirgsscheide bildet hier ebenfalls eine ziemlich glatte Fläche, welche circa 25° in Morgen einschießt und Stunde 12 streicht.

Endlich gedenken wir noch

3. eines bei dem Punkte R. unternommenen Röschenbetriebes, welcher, wie der angefertigte Specialriß nachweist, zunächst 1 Lachter in einem etwas sandigen Mergel mit einzelnen Kalksteinbröckeln, sodann 2 Lachter in ziemlich festem Sandstein, dessen Schichtung 20°-25° in Morgen zu fallen scheint, und in welchem da, wo er zuerst angefahren worden ist, etwas Steinkohle mit einbricht, ferner ¼ Lachter in Mergel bis an die Gebirgsscheide und endlich noch ½ Lachter im Granit erfolgt ist. Die überhängende Granitscheide wurde auch hier wie bei den übrigen Röschenbetrieben, und zwar 25° gegen Morgen einschießend und Std. 11,6 streichend beobachtet.

Schließlich erlauben wir uns noch gehorsamst zu bemerken, daß wir im Laufe dieses Jahres begonnen haben, die Gegend ohnweit der Mittelndorf'er Mühle und bei Hinterhermsdorf zu untersuchen, auch soll noch der mit dem zuletzt erwähnten Röschenbetriebe getroffene Mergel mittelst Abteufens näher untersucht werden, und werden wir nicht verfehlen, die erlangten Resultate dieser Versuche nach deren Beendigung ebenfalls gehorsamst anzuzeigen. Wir fügen 5 Risse und 28 Belegstücke bei und verharren mit größtem Respecte.

Altenberg, den 9. September 1831
Das Bergamt allda.
 

Ludwig Eugen Graf von Holtzendorf, Bergmeister,   
Friedrich August Schmid, Bergschreiber,   
 Carl Christian Loose, Berggeschworener.   

  

Von den übrigen, dem Bericht beigelegten Spezialrissen fügen wir gleich noch einen zweiten als Beispiel an. Über die angegebenen Permalinks kommen unsere Leser ja leicht zum Digitalisat der gesamten Akte.

Die Beispiele illustrieren, daß man nicht nur Geländekartierungen an der Oberfläche vornahm, sondern recht aufwendige bergmännische Untersuchungen ausführte. Diese führten nun zwar leider nicht zu dem gewünschten, wirtschaftlichen Erfolg eines Neuaufschlusses weiterer bauwürdiger Kalksteinvorkommen. Aber sie enthalten erstmals genauere Angaben über die Lage und die eher nur begrenzte Ausdehnung der dazumal bereits bekannten und in Abbau stehenden Lagerstätten.

Der oben schon avisierte Bericht über die Fortsetzung der Untersuchungen folgte auf Aufforderung durch das Königl. Sächs. Finanzministerium dann im Jahr 1834 und widmete sich vorrangig den weiter östlich von Hohnstein bei  Hinterhermsdorf erfolgten Untersuchungen.

  


Südöstlich von Hohnstein ist auf der Gesteinsgrenze der „Kalkbruch“ eingezeichnet. Der Bruch lag auf städtischer Flur, leider wurden zu diesem sonst aber keine weiteren Angaben zu dessen Grubenbauen und Betriebseinrichtungen vermerkt.

  


Ausschnitt aus obiger Flurkarte mit der Darstellung der drei Untersuchungspunkte auf Kalkstein am „Schützengehänge“ (mit der Napoleonschanze) südöstlich der Stadt.

   


Riß über die Schurfarbeiten nach Kalkstein an dem Schützen Gehänge bey Hohnstein, Bildquelle: Sächsisches Staatsarchiv, Bergarchiv Freiberg, Bestand 40003 (Geognostische Landesuntersuchungskommission), Nr. 186, Blatt 13, dat. 1831, Gesamtansicht, Norden ist im Grundriß links unten.

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Ausschnitt aus obigem Riß. Hierin orangerot koloriert: Sandstein, violettrot umrandet: Granodiorit, blaugrau: Kalkstein und Mergel.

  

Eine weitere Notiz über den Kalkabbau bei Hohnstein findet sich in einem Brief des uns schon bekannten Bergakademie- Studenten, inzwischen Bergamtskandidat, Herrmann Häntzschel an den Hochgeehrten Herrn Bergkommissionsrath (der leider nicht namentlich genannt wird, aber nur in der Geognostischen Landesuntersuchungs- Kommission tätig gewesen sein kann) vom 7. Mai 1831 (40003, Nr. 180, ab Blatt 191 der Akte). Dort schrieb Herr Häntzschel unter Bezug auf den Hohnstein'er Kalkbruch: „Beifolgend übersende ich Euer Wohlgeboren die oft versprochene Versteinerung, doch leider nur zur Bestimmung, indem ich nur mit vieler Mühe sie vom Amtsverwalter Hedenus auf eine Woche erlangen konnte; unmöglich aber war es mir, eine Erlaubnis zur Befahrung des Hohnstein'er Kalkbruchs zu erlangen, indem nicht einmal meiner Wenigkeit das Befahren gestattet ist. Sollten (Sie) dieshalben mich noch während meines Hierseyns mit besonderem Auftrage beehren wollen, so würde ich mich befleißigen, ihn mit der größten Gewissenhaftigkeit auszuführen.“

Herr Hedenus war entweder sehr auf Sicherheit bedacht, oder aber sein Kalkwerksbetrieb war vielleicht doch nicht so ganz sicher, so daß er auf einen Besuch durch Angestellte oder auch nur Beauftragte der Bergbehörde gern verzichtete... Jedenfalls war er auch 1831 nach wie vor der Besitzer des Kalkbruches.

Seinem Brief hatte Herr Häntzschel noch die folgende Kartenskizze beigefügt.

   


Petrographisches Chartchen nebst Durchschnitt von den nächsten Umgebungen des Staedtchens Hohnstein, gezeichnet von H. Häntzschel. Bildquelle: Sächsisches Staatsarchiv, Bergarchiv Freiberg, Bestand 40003 (Geognostische Landesuntersuchungskommission), Nr. 180, Blatt 193, dat. 1831, Gesamtansicht, Norden ist oben.

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Ausschnitt aus obiger Zeichnung. Rechts am Bildrand bei der Signatur ,F´ hat Herr Häntzschel das Kalklager graublau eingezeichnet und dort auch einen Kalkofen (,K.O.´) vermerkt. In der Legende rechts oben ist es allerdings wieder den Pläner- Kalksteinen der Kreidezeit und nicht dem Jura zugeordnet. Die Schnittlinie ist reichlich krumm, so daß der Schnitt unten nicht sehr übersichtlich geraten ist. Hinweise auf den Abbau des Zeschnig'er Lagers westlich des Polenztals fehlen noch immer.

   

Etwa aus derselben Zeit – jedenfalls nach 1828 – stammt noch ein weiterer geognostischer Bericht eines uns leider unbekannten Autoren, da er denselben nicht unterzeichnet hat (40003, Nr. 144). Er berichtete uns unter der Überschrift:

Drittes Capitel.
Ueber die Verhältnisse des Granites zum Quadersandstein
zwischen Pillnitz und Hinterhermsdorf.

im Abschnitt:

§29. Beobachtungen bey Hohenstein.

„Das Kalklager, und folglich auch die Gränze zwischen Sandstein und Granit setzt mitten über dem Hohnsteiner Markt und fällt daselbst 25 Grad in hora 2,6 Nord; zwischen der Stadt und den Kalköfen beobachtete ich Sandstein von 30 Grad Fallen in hora 3,4 Nordost, und bey den Kalkbrüchen selbst, über Tage, das Einschießen der Sandstein- und Mergelschichten sehr bestimmt 40 Grad in hora 4,4 Nordost. Eine Befahrung der Kalkbrüche wurde mir jedoch nicht gestattet.

Am Rande des Forstgrabens, einer in den tiefen Grund mündenden Seitenschlucht, liegen mehre Versuchsbaue, welche das Königliche Bergamt zu Altenberg an der Gränze des Granites und Quadersandsteins anlegen ließ…“

Die Parallelität zur Bemerkung des Bergamtskandidaten Herrmann Häntzschel, daß ihm die Befahrung des Hohnstein'er Kalkbruches versagt worden sei, legt nahe, daß auch dieser Text aus seiner Feder stammt.

Ferner heißt es in diesem Text noch (Blatt 42): „Endlich will ich noch bemerken, daß, nach den Beobachtungen des Herrn Geschworenen Loose, in der westlichsten, unterhalb der Zeschniger Ziegelscheune im Kohlicht geschlagenen Stollnrösche das Streichen der 50 Grad in Nord fallenden und ganz glatten Gesteinsscheidung hora 6,4, in einer ¼ Stunde nach SSO von den Kalköfen gelegenen Rösche am Forstgraben dagegen das Streichen der 20 Grad in Ost fallenden Gesteinsscheidung hora 11,1 stattfindet…“

Als der Verfasser diesen Bericht um 1830 niederschrieb, hat es also bei Zeschnig nun auch Kalköfen gegeben.

   

In der oben schon mehrfach angeführten Schrift von T. E. Gumprecht aus dem Jahr 1835 heißt es (S. 126ff) zu:

d) Hohenstein.

unter anderem: „Schon früher hatte man, wie auch das Zeichen des Kalkes auf der Götzinger'schen petrographischen Charte andeutet, bei Zeschnig und zwar im Anfange dieses Jahrhunderts auf Kalk gebaut, in einer Zeit, als die jetzt betriebenen Hohenstein'er Brüche verlassen lagen. Noch vor 20 Jahren (also um 1815) war ein Bauer durch den ansehnlichen Kalkgehalt des Sandsteins im Eingange zur Thalschlucht des Kohlichts unmittelbar unterhalb Zeschnig veranlaßt worden, denselben brechen und brennen zu lassen.

Der Kalkstein scheidet sich hier nämlich zunächst der Auflagerungsfläche des Granits als rundliche, leberbraune Geoden aus dem Sandsteine aus und giebt dadurch demselben ein ganz eigenthümliches, conglomeratisches Ansehen, doch zeigt eine genauere Besichtigung der Kalkausscheidungen, daß diese sich ganz allmählig in den Sandstein verlaufen und keinesweges für wahre Conglomerateinschlüsse in demselben gelten können.

Der Förster von Hohenstein ließ nämlich im Herbste des vergangenen Jahres (also 1834), um den für den Pflanzenwuchs äußerst vortheilhaften schwarzen Mergel zu gewinnen, an dem Abhange nach dem tiefen Grunde hin einen Stollen von 8 Fuß Höhe treiben, der nur in dem Mergel selbst stand; einen zweiten ähnlichen Stollen von gleicher Höhe fand ich an einem anderen Punkte zu demselben Zwecke, aber in dem rothen Letten angelegt...“

Offenbar hat es also spätestens seit Anfang des 19. Jahrhunderts ‒ nach Götzinger's und Leonhardi's Angaben auch schon seit 1785 ‒ zahlreiche Versuche, sowohl durch Privatpersonen auf dem eigenen, wie durch die Bergbehörden auf fiskalischem Grund gegeben, weitere nutzbare Kalkvorkommen aufzufinden.

   


Noch einmal der Ausschnitt aus dem Blatt 326: Hohnstein des Freiberger Exemplars der Meilenblätter von Sachsen, Grundaufnahme ab 1780, Nachbringungen noch bis 1876, Norden ist rechts oben. Am rechten unteren Rand des Ausschnittes das Polenztal, diagonal zieht sich von dort aus Der Kohlweg Grund hinauf zur Ziegelscheune auf der Ebenheit südlich von Zeschnig. Rechts des Weges entlang des nördlichen Talgehänges ist hier ein Kalkofen (K.O.) verzeichnet, und wenn wir die Beschriftung auf dem Blatt richtig lesen, ist unmittelbar am Talausgang unterhalb der Ziegelscheune ein Schacht Häusgen eingetragen. Vermutlich sind dies jene bäuerlichen Anlagen gewesen, von denen Gumprecht im Jahr 1835 sprach. 

    


Etwa gleicher Ausschnitt aus dem Blatt 321: Hohnstein des Berliner Exemplars der Meilenblätter von Sachsen, datiert 1781, Norden ist rechts oben. Das Tal ist hier mit Kohlungsgrund bezeichnet und an seinem oberen Talschluß gibt es weder die Eintragung einer Ziegelei, noch die eines Kalkofens - was uns einen weiteren Hinweis auf den tatsächlichen Zeitpunkt der Aufnahme des Abbaus in diesem Bereich und für die Richtigkeit der Angabe Gumprecht's gibt, daß der Abbau bei Zeschnig nicht vor 1800 (eher erst um 1815) begonnen haben dürfte.

   

Natürlich bereiste auch Bernhard Cotta jene Gegend und berichtete in seinen Wanderungen 1836 kurz darüber (S. 138f).

§61. Jurakalk bei Hohnstein.

Einige 100 Schritt jenseits Hohnstein befindet sich die berühmte Kalkgrube, in welcher Quadersandstein, Jurakalk und Granit in verkehrter Ordnung auf einander liegen. Dieses merkwürdige abnorme Lagerungsverhältnis... ist wiederholt beschrieben worden und es wird daher hinreichen, hier in der Kürze anzudeuten, dass mehrere Gesteinsschichten, namentlich ein grobkörniger, conglomeratartiger Sandstein, Mergel, und dunkelfarbiger Kalkstein, welche alle, ihren Versteinerungen zu Folge, zur oberen Juraformation gehören, mit 20° bis 50° unter den  Granit einschiessen, während nach der Seite ihres Liegenden zu, und also darunter, der Quadersandstein in nahen Polenzthale mit horizontaler Schichtung ansteht. Dieses Verhältnis ist bis zu einer beträchtlichen Tiefe durch bergmännische Arbeiten aufgeschlossen...

Spuren von Mergel und Kalk zwischen ihnen fand man ausser bei Hohnstein noch bei Saupsdorf, Hinterhermsdorf und in Böhmen bei Daubitz.

  

Albert Schiffner führte in seinem Handbuch der Geographie... des Königreichs Sachsen, Zweite Lieferung, den Dresdner Kreisinspektionsbezirk betreffend, im Jahr 1840 die hier bekannten Kalkvorkommen auf (S. 12): Unter den raffinierten Gewerben treten Berg- und Hüttenbau uns zuerst und in einer seltenen Ausbildung entgegen... Kalkstein und besonders Marmor bei Maxen, Biens- und Nenntmannsdorf, Borna, Gers- und Ottendorf, bei Hermsdorf und Zaunhaus, bei Plankenstein, Zabel, Weinböhla und Spitzgrund, Hinterhermsdorf, Saupsdorf, Hohnstein, Strehlen und Coschütz.“

In dem von ihm dem Amt Hohnstein gewidmeten Kapitel beschrieb er dann im Abschnitt Städte. ausführlicher (S. 474): 1) Hohnstein, auch Hohenstein (wo man es dann von Hohenstein bei Chemnitz durch den Beisatz ‚bei Stolpen’ unterscheidet)... In SO erhebt sich über dem wichtigen, durch einen Stollen gelösten, domanialen Kalkbruch und eine kleine Schanze der Schanz- oder Kalkberg, dessen 1813 von Napoleon befestigter Gipfel ... nach v. Odeleben 1.225 Fuß erreicht... In den 3 Kalköfen brennt man nur die Horzeln mit Holz, übrigens mit Steinkohlen, und das Product ist sehr geachtet. Diese für die Gegend so wichtige Anstalt wurde nach langer Ruhe erst im 19. Jahrhundert wieder angerichtet...“

1845 erwähnte A. Schiffner in seiner umfassenden Beschreibung von Sachsen und der ernestinischen... Lande im Kapitel VI. Das Amt Hohnstein mit Lohmen (S. 418 ff) unter dem Stichwort der Stadt Hohnstein dagegen nur kurz: „Der Galgenberg im Norden und der Schanz- oder Kalkberg im Südosten ... tragen Reste der 1813 aufgeworfenen Schanzen, auch die Domanial- Kalkbrüche mit 3 Öfen.“

Das Hohnstein'er Kalkwerk gehörte demnach also als (staatliche) Domäne eigentlich zum Zubehör des Amtes und war nicht im persönlichen Besitz des Amtsverwalters. Es verfügte inzwischen über drei Brennöfen. Mit den „Horzeln“ werden wohl die Kalksteingerölle aus den Mergelschichten gemeint sein. Wichtig erscheint uns auch der hier gegebene Hinweis, daß es vor dem Beginn des 19. Jahrhunderts eine „lange Ruhe“ gegeben hat, während der der Kalkbruch bei Hohnstein außer Betrieb gewesen ist.

Einer Fußnote in A. von Gutbier's Geognostischen Skizzen (S. 50) konnten wir entnehmen, daß der schon 1835 von T. Gumprecht genannte Steiger Starke auch 1858 nach wie vor in dieser Funktion auf dem Kalkwerk zu Hohnstein tätig war.

An gleicher Stelle liest man auch: „Aehnliche Konglomerate, wie hier die Sandwand enthielt, wurden auch in mehren Schürfen am Wartenberge unter dem Granit angetroffen, und der seit einigen Jahren zu Gewinnung von Kalkstein unfern der Ziegelscheune und des Gasthofes von Zeschnig niedergebrachte Schacht bietet ganz dasselbe Gestein, ein sandiges Konglomerat mit vielen Kalkknollen. Demnach hat man spätestens um 1858 bei Zeschnig auch untertägig abgebaut.

Nach A. Schiffner's Handbuch der Geographie... des Königreichs Sachsen, Zweite Lieferung, den Dresdner Kreisinspektionsbezirk betreffend, aus dem Jahr 1840 gehörte Zeschnig damals zum Niederamt Lohmen. Über den Ort Zeschnig liest man darin (S. 467): „22) Zeschnig (urk. Zeeschnichtz, ein den Obergerichten des Amtes unterworfener, übrigens als besondres Lehn mit Rittergutsqualität und Erbrichtern seit 1620 mit Dittersbach verbundener Ort...) liegt ⅝ Stunde NWlich von Hohnstein auf einigen Abhängen... hat bei 5 Gütern 3 Hufen, 1 Mühle und Kalksteingewinnung. Communlich hält sich dazu die Heeselichtmühle im Amt Stolpen, wirkliches Zubehör des Dorfes aber sind: die Ziegelei und Kalkbrennerei, die, insgemein nach Rathewalde genannt, ¼ Stunde von Zeschnig an der Ziegenrückstraße... und nahe bei derselben, nördlich die Schenke nebst noch 1 Hause an der Dresden- Hohnsteiner Straße, welche hier die Schandau- Stolpener Straße kreuzt... (liegen). Das sonstige Rittergut gehörte im 16. Jahrhundert denen von Metzenhofen und von Bartschfeld.“

1845 liest man bei A. Schiffner unter dem Stichwort Rittergüter im Amte Lohmen (S. 430 ff), daß Zeschnig als rittergutsfreies Zubehör jetzt zum Rittergut Dittersbach gehöre und neben anderem Zubehör auch „Ziegelei und Kalkbrüche“ habe. Das Rittergut Dittersbach selbst samt allem Zubehör war jetzt im Besitz der Familie von Quandt.

Wem die Kalkbrennerei gehört hat, ob sie zu dieser Zeit noch den Bauern oder den Rittergutsbesitzern gehört hat, erfahren wir hieraus nicht.

   

Wenige Jahre später, nämlich am 6. Januar 1845, hat Gottlob Hedenus den Kalkbruch bei Hohnstein dann veräußert (10055, Nr. 2051). Diese Akte verrät uns, daß Herr Hedenus inzwischen umgezogen war und nun auf Oberuhna (nordwestlich von Bautzen) wohnte. Behufs des Verkaufs hatte er den amtierenden Bürgermeister von Hohnstein, Herrn Johann Christoph Leberecht May, mit der Wahrnehmung des Notartermins beauftragt. Käufer war der Bauerngutsbesitzer Carl August Liebethal aus Cunnersdorf, der für das Kalkwerk 4.450 Thaler zahlte.

Aus der am 13. Februar 1845 ausgestellten Verkaufsurkunde geht hervor, daß das Kalkwerk nicht nur über 3 Brennöfen, sondern inzwischen auch über 2 Schächte verfügte und daß der Steinbruch auf Friedrich Wilhelm Heinze's Flurstücken No. 114 und 115 gelegen hat. Mit dem Grundbesitzer war ein Bruchzins in Höhe von 2 Thalern pro Ruthe Kalkstein vereinbart, wobei die Ruthe damals in Hohnstein zu 7 Ellen, 14 Zoll im Quadrat bei 1 ½ Ellen Höhe gerechnet wurde. Das entspricht etwa 87,92 Kubik- Ellen oder 13,39 m³ gebrochenem Kalkstein, respektive rund 27 t. Das liegt nun zwar innerhalb der ohnehin ziemlich großen Schwankungsbreite, was anderswo in den  Kalkwerken zu dieser Zeit üblich gewesen ist, weicht aber von anderen Maßen und sehr deutlich von der fiskalischen Kalkruthe zu 54 Kubikellen ab.

Sofern kein Kalk gebrannt wurde, war mit dem Grundbesitzer ferner eine Entschädigung von 4 Thalern pro Jahr für die als Brennofenplatz genutzte Fläche vereinbart.

Die Abschrift dieser Verkaufsurkunde wurde nur deshalb zu den Akten genommen, weil sich am 25. Januar 1845 Frau Christiane Caroline Pahlisch, geborene Hähnel, „wegen Untergrabung ihres Feldes, Herausschaffung und Verwendung des Kalksteins und einen dazu hereingetriebenen Stolln“ beim Amt Hohnstein beschwerte. Sie war offenbar selbst die Grundeigentümerin, wurde aber ‒ wie dazumal üblich ‒ durch ihren Gatten, den Schmiedemeister Carl Friedrich August Pahlisch vertreten. Es ging eigentlich um Entschädigung für den entgangenen Bruchzins sowie um die Forderung nach einer Einlage in (doch ziemlich ungewöhnlicher Höhe) von 1.000 Thalern für zukünftige Nutzungseinschränkungen auf der Feldfläche durch den Bergbau.

Der besagte Stollen sei vom Kalkofenplatz aus vorgetrieben worden, inzwischen 40 Ellen lang und lag teilweise nur in 3 Ellen Tiefe. Wenn das so gewesen ist, wie hier beschrieben, kann er eigentlich nur in der Ausbisslinie nach Südosten angelegt worden sein, denn in die Gegenrichtung fällt das Gelände ab.

Leider umfaßt der weitere Inhalt der Akte vor allem noch die Eintreibung der Gerichtskosten, welche sich bis April 1848 auf 26 Thaler, 13 Neugroschen summiert hatten, ohne daß eine (aktenkundige) Entscheidung gefallen wäre. Wie die Sache ausgegangen ist, erfahren wir also leider nicht. Auch, wie Herr Liebethal sein Kalkwerk danach weiter betrieben hat, wissen wir noch nicht.

  

Schließlich kann man auch in Leonhard's Jahrbuch für Mineralogie noch einen Bericht von Bernhard Cotta: Über Jurakalk am Wartenberge bei Rathewalde, aus dem Jahr 1857 finden (der in Abschrift in 40010, Nr. 3504 enthalten ist), in dem es heißt: „Kürzlich war ich wieder einmal in Hohnstein... Die Entblößungen, die ich 1838 ... herstellen ließ, sind beinahe ganz zugerollt und so verwaschen, daß man nichts... mehr darin sehen kann.

Dagegen ist ein neuer Kalkbruch auf der Höhe des Wartenberges nahe bei Rathewalde eröffnet worden. Man gewinnt hier unterirdisch genau solchen breccienartigen Kalkstein, wie jenseits des Polenzthales auf der Höhe hinter Hohnstein...“

Wenn Cotta hier von einem „neuen Kalkbruch“ sprach, so meinte er zu dieser Zeit vermutlich schon eine Wiederaufnahme des hier von den Grundeigentümern auf Zeschnig'er Flur zuvor schon sporadisch betriebenen Kalksteinabbaus.

  

Dieses Zeschnig‘er Kalkwerk befand sich 1859 im Besitz eines Herrn Ludwig von Beulwitz. Am 27. September 1860 nämlich (zumindest ist sein Schreiben in der diesbezüglichen Akte auf diesen Tag datiert; es muß aber schon vorher Verhandlungen gegeben haben) hat jener sein Kalkwerk dem sächsischen Staat zum Kauf angeboten. Sein Verkaufsangebot begründete Herr von Beulwitz mit „mangelndem Betriebskapital“.

Es gibt dazu eine eigene Kanzleiakte, denn man hatte die Idee, Häftlinge der damals schon auf dem Schloß Hohnstein bestehenden „Landescorrectionsanstalt“ als billige Arbeitskräfte im Kalksteinbruch einzusetzen. Aus diesem Grund wurde bei der Entscheidungsfindung über den Ankauf auch das königlich- sächsische Innenministerium beteiligt, welches seinerseits die Sache befürwortete (10036, Loc. 37314, Rep. 22 (Hohnstein), Nr. 0037).

Außerdem hatte Herr von Beulwitz wenigstens schon zwei Jahre zuvor auch die Bergschänke in seinem Besitz und hatte dafür Steuern (einen „Kanon“) zu entrichten (10002, Nr. 09845).

Die Familie von Beulwitz entstammt eigentlich dem gleichnamigen Ort im Thüringischen westlich von Saalfeld und war in Sachsen auf Rittergütern in Losa bei Plauen, sowie Erlbach und Eubabrunn bei Markneukirchen ansässig. Die Erwähnung dieses Namens an dieser Stelle ist die einzige, die wir in Zusammenhang mit dem Kalksteinabbau östlich der Elbe in der Datenbank des Staatsarchives bisher auffinden konnten. Auch wurden von A. Schiffner 1840 und 1845 ganz andere Besitzer der Rittergüter Zeschnig bzw. Dittersbach genannt (von Metzenhofen und von Bartschfeld bzw. von Quandt). Zum Zeitpunkt seines Verkaufsangebotes lebte dieser Herr Ludwig vom Beulwitz in der Jacobsgasse 13 in Dresden.

Aufgrund seines Verkaufsangebotes wurde für dieses Kalkwerk vom Finanzministerium in Dresden jedenfalls schon Anfang 1860 ein Wertgutachten beim Oberbergamt in Freiberg eingefordert, was für uns ein sehr glücklicher Umstand ist, da wir so eine ausführliche und sachkundige Beschreibung dieses Kalkwerkes erhalten.

Das Oberbergamt wiederum hat mit der Erstellung des Gutachtens am 18. Januar 1860 keine geringeren, als den Oberkunstmeister Friedrich Wilhelm Schwamkrug und den Obereinfahrer Carl Hermann Müller aus Freiberg beauftragt. Beide haben in derselben Zeit um 1861 noch wenigstens fünf weitere Kalkwerke im oberen Erzgebirge hinsichtlich ihres Wertes und ihrer Betriebsaussichten für das Finanzministerium in Dresden begutachtet
(siehe unsere Beiträge zu:

 Oberscheibe,
 
Crottendorf,
 Hammerunterwiesenthal,
 Neunzehnhain und
zum Kalkwerk
 Heidelbach bei Drebach).

   

Die Beauftragung war knapp gefaßt (40010, Nr. 3404):

An Herrn Oberkunstmeister Schwamkrug und Herrn Obereinfahrer Müller, hier.

„Nach der in Abschrift anliegenden Verfügung des Königlichen Finanz Ministeriums vom 3. d. M. … ist eine geognostisch- technische Begutachtung des von Beulwitzischen Kalkwerkes bei Hohnstein angeordnet worden.

Sie erhalten daher Verordnung, sich dieser Begutachtung, so bald thunlich, zu unterziehen und haben den zu erstattenden Bericht unmittelbar beim Königlichen Finanz Ministerium einzureichen.

Im Übrigen haben Sie das bergamtliche Direktorium hiervon in Kenntnis zu setzen.“

Freiberg, den 18ten Januar 1860
Das Oberbergamt.

Etwas ungewöhnlich ist dabei, daß der Bericht direkt an das Finanzministerium zu erstatten war, während normalerweise das Oberbergamt den Bericht nach Prüfung nach Dresden weiterreichte. So können wir es als Glücksfall betrachten, daß eine Abschrift auch in den Akten des Bergamtes Freiberg erhalten geblieben ist ‒ dies spart uns zumindest den Weg ins Hauptstaatsarchiv, wo die Akten des Königlich- Sächsischen Finanzministeriums aufbewahrt werden... In Herrn Müller‘s Privatakten hierzu (40010, Nr. 3405) ist auch die hier benannte, der Beauftragung beigefügte Abschrift der Beauftragung des Oberbergamtes seinerseits durch das Königlich- Sächsische Finanzministerium noch zu finden:

„Wie das Oberbergamt aus der abschriftlich beifolgenden Eingabe des Ludwig von Beulwitz allhier vom 27. September dieses J. (1859) ersehen wird, hat Letzterer dem Staatsfiskus sein bei Hohnstein gelegenes Kalkwerksgrundstück nebst Zubehör, entweder in Verbindung mit der zugehörigen Gastwirtschaft für 16.000 Thl., oder den Kalksteinbruch mit Brennerei allein für 13.000 Thl. zum Ankauf angeboten. Bevor das Finanz Ministerium deshalb weitere Entschließung faßt, wünscht es darüber genauer unterrichtet zu sein, inwieweit gedachter Kalksteinbruch als nachhaltig und bauwürdig und der vorhandene Brennofen als brauchbar und zweckentsprechend anzusehen seien und ob sich eine lohnende und ausdauernde Benutzung davon in sichere Aussicht stellen lasse.

Das Oberbergamt erhält daher andurch Veranlassung, mit den nöthigen Erörterungen über die hierbei in Betracht kommenden geognostischen Verhältnisse und der Begutachtung vorstehender Fragen (…? Hier fehlt etwas in der Abschrift)

Dresden, 13. Januar 1860.

Die dabei in Rede stehenden, von Beulwitz‘schen Grundstücke in Zeschnig mit dem Kalkwerk umfaßten übrigens eine immerhin nicht ganz unbeträchtliche Fläche von 6 Acker und 130 Quadrat- Ruthen.

  

Herr Schwamkrug also meldete sich also pflichtgemäß am 29. Januar brieflich bei Herrn von Beulwitz an und teilte mit, daß er aufgrund des ihm erteilten Auftrages am 2. Februar eine Lokalerörterung in Zeschnig beabsichtige. Das aber paßte Herrn von Beulwitz offenbar nicht in seinen Terminkalender, weshalb er sogleich am 30. Januar antwortete, daß momentan im Bruch gar nicht gearbeitet werde, weil kein Bedarf bestehe und deshalb sei „das Werk verlassen.“

Außerdem beschrieb er noch den Anreiseweg nach Zeschnig: Sie müßten mit der Bahn bis Rathen fahren, dort über die Elbe übersetzen, den Amselgrund hinauf nach Rathewalde und dort könnten sie dann nach seinem Grundstück fragen. Verwalter und Aufseher für das Kalkwerk sei im Übrigen er selbst.

Es ist erstaunlich, wie schnell die sächsische Post damals unterwegs war, denn bereits am 31. Januar 1860 antwortete nun wiederum H. Müller an Herrn von Beulwitz, daß er und Schwamkrug am kommenden Donnerstag nach Dresden kommen und dort zunächst das Weitere in Bezug auf ihre Expedition mit ihm besprechen würden.

Irgendwann im April 1860 muß es dann aber endlich auch zur Besichtigung der Örtlichkeiten in Zeschnig durch die Bergbeamten aus Freiberg gekommen sein. In einem Schreiben vom 26. April 1860 an das Finanzministerium entschuldigte sich H. Müller für die verspätete Ausführung damit, daß starker Schneefall im Winter 1859/1860 lange Zeit die Besichtigung ganz verhindert habe. Außerdem beschwerte er sich darin, daß der dasige Obersteiger „nur mit großer Zurückhaltung Auskunft ertheilte.“

Am gleichen Tag sandte er auch an Herrn von Beulwitz dessen Pachtvertrag mit dem Gastwirt Rußig sowie ein „von Obersteiger Haupt in Berggießhübel früher verfaßtes Gutachten über das Kalklager bei dem Zeschniger Gasthause“ zurück und teilte ersterem mit, ihr neues Gutachten sei fertig und werde nun „im Laufe der nächsten Woche an das Königl. Finanz Ministerium gelangen.“ (40010, Nr. 3404)

So lief das damals ab…

   

Da nun auch dieses seiner Gutachten wieder eine der wenigen und in diesem Fall auch recht ausführlichen Beschreibungen eines der um die Mitte des19. Jahrhundert privat betriebenen Kalkwerke darstellt, zitieren wir hier gern größere Auszüge aus diesem Gutachten (40010, Nr. 3405). Es ist überschrieben:

Gutachten
über die geognostischen Verhältnisse und
den Werth des von Beulwitzischen Kalkwerkes
zu Zeschnig bei Hohenstein

Und beginnt mit dem Abschnitt:

Lage des Kalkwerkes.

Das dem Königlichen Finanzministerium von Herrn Ludwig von Beulwitz zum Ankauf offerierte Kalkwerk nebst zugehörigem Grundstück von 5 Scheffeln Feld liegt, wie das zur Verdeutlichung der Localverhältnisse beigefügte, flüchtig aufgenommene Croquis zeigt, auf der Flur des Dorfes Zeschnig, dicht neben dem Zeschniger Gasthause, gegen Nord- Ost an die von Rathewalde nach Hohenstein führende Chaussee, gegen West und Süd- West vermittelst des von gedachtem Gasthause nach dem Hockstein führenden Fahrweg, an die Grundstücke der Zeschniger Ziegelei, und gegen Ost an Wilhelm Försters in Zeschnig Grundstück angrenzend.“

Herr Schwamkrug schrieb 1860 noch „Hohenstein“. Inzwischen hat sich für den Ortsnamen aber die Schreibweise Hohnstein – ohne ,e‘ – eingebürgert. Die „nach Hohnstein führende Chaussee“ war damals noch die alte Wartenbergstraße, die weiter oben, als die heutige Straße, am südlichen Gehänge des Wartenberges entlangführte.

„Das dasige, gegen 450 Pariser Fuß über dem Spiegel der Polenz befindliche Areal bildet eine sanft geböschte, gegen Ost hin allmählig steiler abfallende Vertiefung, den oberen Anfang der sogenannten Kohlige, einer in südöstlicher Richtung, zwischen dem Wartenberge und dem Hocksteine nach dem Polenzthale hinab laufende Schlucht.“

Befund des Kalkwerkes.

Die zu dem Kalkwerke gehörigen Gegenstände, außer dem Feldgrundstücke und dem unterirdischen Kalkbruch, sind folgende:

1.) zwei in einer gemeinsam gemauerten Umfassung eingebaute, kesselförmige Kalk- Brennöfen, in noch vollkommen brauchbarem Zustande, der eine mit Fassungsraum für 150 Scheffel, der andere mit Raum für 130 Scheffel Kalk; beide zusammen in ungefährem Werthe von

1.000 Thl. – Ngr. – Pf.

2.) ein Brettschuppen daran zur Aufbewahrung von Kohlenvorräten im Werthe von ca.

     40 Thl. – Ngr. – Pf.

3.) ein Wohnhäuschen für den Kalkbrenner im Werthe von ca.

   350 Thl. – Ngr. – Pf.

4.) eine Schachtkaue im Werthe von ca.

     80 Thl. – Ngr. – Pf.

5.) eine Auslaufbrücke an den Kalköfen im Werthe von ca.

     10 Thl. – Ngr. – Pf.

6.) Inventar an Arbeitsgezähe usw. im Werthe von ca.

     30 Thl. – Ngr. – Pf.

1.510 Thl. – Ngr. – Pf. in summa.

  

Der Kalkbruch wird unterirdisch betrieben. Zu den Kalksteinbauen führt ein hart an der östlichen Rainung des von Beulwitzischen Grundstückes in ungefähr 106 Ellen südlicher Entfernung von der Hohensteiner Chaussee angelegter, mit einer Haspel versehener Fahr- und Förderschacht.

Derselbe ist 3 ½ Ellen lang, 2 Ellen weit (zirka 1,9 m x 1,1 m) und 35 Ellen (etwa 18,6 m) tief; er steht auf den oberen 20 Ellen in Zimmerung, die zum Theil angefault und einer Auswechslung bedürftig ist; tiefer steht er in festem Gestein.

Von seinem tiefsten Punkte aus sind die Kalksteinbaue angelegt, bestehend in einer ziemlich söhligen, in der Compaßrichtung hora 9,2 gegen Nord- West auf 52 Ellen Länge (zirka 27,5 m) hergestellten, 5 bis 6 Ellen hohen und 7 bis 14 Ellen breiten (zirka 3,2 m x 7,5 m) Grundstrecke, von welcher aus in 10 Ellen und in 28 Ellen Entfernung vom Schachte Flügelörter unter 15° bis 20° Ansteigen gegen Süd- West abgehen.

Die Flügelörter sind mit 6 bis 10 Ellen Breite, einer abnehmenden Höhe von 6 bis 4 Ellen, und zwar das erstere von beiden 21 Ellen, das andere, vom Schachte entferntere, 17 ½ Ellen lang, hergestellt.

Die in diesen Abbauen und in dem Förderschachte sich sammelnden Grundwasser werden auf einem gegen 220 Ellen (zirka 117,5 m) langen Stolln abgeführt. Das Mundloch dieses letzteren befindet sich auf dem Carl Förster in Zeschnig Wiesengrundstücke, im oberen Anfange der Kohlige, von wo aus er in der durchschnittlichen Compaßrichtung hora 9,2 gegen Nord- West; jedoch mit Krümmungen, unter Wilhelm Försters Feldgrundstücke hin nach dem gedachten Förderschachte getrieben ist, bei welchem er die angegebene Tiefe von 35 Ellen einbringt.

Dieser Stolln war am Tage unserer Anwesenheit wegen des darin aufgedämmten Wassers nur auf geringe Länge vom Mundloche herein, sowie von dem, ungefähr in der Mitte seiner Länge auf ihn niedergebrachten, 14 Ellen tiefen Lichtloche aus befahrbar. Er scheint ziemlich niedrig und krüppelig zu sein. Vom Mundloche weg steht er angeblich auf circa 80 Ellen Länge in Türstockzimmerung mit Schwartenverschuß, welche ebenso, wie die Zimmerung im Stollnlichtloche größtentheils wandelbar und baufällig ist. Weiter gegen Nord- West hin bis an den Förderschacht soll der Stolln in festem Gebirge stehen.“

Bevor wir das Transkript des Gutachtens fortsetzen, fügen wir an dieser Stelle die schon erwähnte Croquis ein, um uns auch ein Bild über die Lage des hier von Herrn Schwamkrug Beschriebenen zu machen.

  


Croquis des von Beulwitzischen Kalkwerks zu Zeschnig, unbekannter Zeichner, 1860. Bildquelle: Sächsisches Staatsarchiv, Bergarchiv Freiberg, Bestand 40010, Nr. 3404, Blatt 2, nach dem Pfeil mitten im Blatt ist Norden oben; leider fehalt die angabe, ob geographisch oder magnetisch Nord markiert ist. Am oberen Blattrand ist auch eine Skala sichtbar, welche von Schwamkrug und seinem Zeichner leider mit der hervorragend umzurechnenden Maßeinheit „Schritte á circa 1,5 Ellen“ versehen worden ist.

   

Herr Schwamkrug setzte seine Begutachtung fort mit dem Abschnitt:

Geognostische Verhältnisse der Kalksteinablagerung.

Durch die angeführten unterirdischen Grubenbaue, sowie durch andere, zu früherer Zeit auf dem von Beulwitzischen Feldgrundstücke ausgeführte Untersuchungsarbeiten ist die dasige, den Gegenstand der Gewinnung abgebende Kalksteinablagerung bereits in ziemlich beträchtlicher Ausdehnung aufgeschlossen worden.

Diese Kalksteinablagerung tritt unter ganz analogen geognostischen Verhältnissen auf, wie die schon seit längerer Zeit bei Hohenstein, am linken Gehänge des Polenzthales in Abbau befindliche Kalksteinbildung, deren merkwürdige Lagerungsverhältnisse bereits vor mehrern Jahren vielfach untersucht und durch den jetzigen Herrn Professor von Cotta in Freiberg in dem 2ten Hefte der geognostischen Wanderungen sowie in den Erläuterungen zu Section X der geognostischen Karte von Sachsen, S. 450 ff, ausführlich beschrieben worden sind. Wie dort bei Hohenstein tritt auch hier bei Zeschnig der zur Jura- Formation gehörige Kalkstein auf der Grenze zwischen dem Quadersandstein und dem, diesen gegen Nord- Ost hin begrenzenden, Lausitzer Granit auf, als eine Anhäufung unzähliger Kalksteinfragmente welche bei der vormals erfolgten Emporschiebung des Granits über den Quadersandstein von ihrer ursprünglichen Lagerstelle losgerissen, mehr oder weniger weit mit emporgeführte und so auf der Dislocationsspalte zwischen beiden letztgenannten Gebirgsgliedern eingeklemmt worden sind.

Die Zeschniger Kalksteinablagerung besteht, so weit sie jetzt aufgeschlossen ist, ausschließlich aus derselben Kalksteinbreccie mit sandigem Bindemittel, welches auch bei Hohenstein das vorwiegende Material des dort gewonnenen Kalksteins ausmacht. Auch finden sich in ihr die nämlichen, für die Jura- Formation bezeichnenden Versteinerungen, wie dort.

Diese Kalksteinbreccie ist gebildet von erbsen- bis faustgroßen, selten größeren, eckigen Bruchstücken oder mehr abgerundeten Geschieben von isabellgelben, ockergelben oder gelbgrauen, dichten Kalksteinen, welche durch ein grünlichgraues, kalkig-sandiges, mehr oder weniger mit Glaukonitkörnern vermengtes Bindemittel zu einem festen Gestein verbunden sind. Mitunter finden sich Parthien von körnig-blättrigem hellgrauem oder grauweißem Kalkstein zwischen den dichten Kalksteinen, wie denn auch die Kalkbeimengung in sehr verschiedenen Verhältnissen schwankt.“

Herr Schwamkrug hat an dieser Stelle mit Bleistift nachträglich noch folgende Ergänzung eingefügt, die er wohl unter geologischen Gesichtspunkten für erwähnenswert hielt: „Außerdem haben sich hier, wie bei Hohnstein, kleinere und größere Brocken von schwarzem Pechstein (schwer leserlich ?) an einzelnen Stellen, namentlich vor dem dem Schachte am nächsten gelegenen Abbauflügel, vorgefunden. In der mergelig-sandigen Masse, welche die Halde vor dem Stollnmundloche bildet, und vor dem Stollnbetriebe habe ich selbst mehrere bis walnußgroße, stumpfeckige Bruchstücke von diesen, schmutzig fleischfarbenen bis braunrothen, sparsam kleine Quarzkörner enthaltenden, etwas zersetztem Felsit- Porphyr gefunden.“

  

Zurück zum eigentlichen Text:

Das zu gewinnende Material ist also kein durchaus reiner Kalkstein, sondern ein Gemenge von solchem mit glaukonitischem und meist etwas kalkhaltigem Quarzsand. Je nach dem Quantitätsverhältnisse in welchem das sandige Bindemittel zu dem reinen Kalksteine steht, und in welchem es selbst mit Kalksubstanz innig gemengt ist, erscheint die Güte und Brauchbarkeit der Breccie als Rohmaterial zur Kalkbrennerei verschieden. Der Fall, das stellenweise mehr als drei Viertel des Volumens der Breccie aus reinem, dichtem Kalkstein bestehen, ist nicht häufig zu beobachten; meist besteht die Breccie aus fast ebensoviel sandigem Bindemittel, als reinem Kalkstein, bisweilen ist jenes sogar überwiegend. Der hier zu erzeugende, gebrannte Kalk wird deshalb mehr oder weniger sandig und grau ausfallen, meist nur als Düngekalk oder im günstigsten Falle als Mauerkalk, keinesfalls aber als Weißkalk zu gebrauchen sein. Größere reine Massen von blaugrauem, dichtem Kalkstein, wie sie im Kalkbruche bei Hohenstein häufig vorkommen und daselbst als die beste Kalksteinsorte für sich allein gefördert und gebrannt, sodann als Mauerkalk und Weißkalk verkauft werden, sind bis jetzt in dem Zeschniger Kalkwerk nicht gefunden worden.

Dagegen hat man in letzterem zur Zeit noch nicht jene größeren Schollen und ganze Schichtenfragmente von Sandstein gefunden, welche bei Hohenstein bald in unregelmäßiger Vermengung, bald in zonen- oder schichtenartiger Lagerung mit der Kalksteinbreccie abwechseln.

Bei Zeschnig bildet die Kalksteinbreccie in der Tiefe der gangbaren Grubenbaue ein festes, für sich haltbares Gestein, das nur mittels Sprengen durch Pulver gewonnen werden kann. Zunächst der Tagesoberfläche soll sie aber aus losen Kalksteinknollen bestehen, die in gelben, sandigen Letten-Mergel eingeknetet sind. In den obersten 4 bis 6 Ellen unter der Oberfläche lagert über ihr Thon und Dammerde und näher gegen die Granitgrenze loser Granitschutt. Jener weicher, mit Kalksteinknollen reichlich vermengter, lehmiger Letten-Mergel ist an der Böschung des Abzugsgrabens unmittelbar vor dem Stollnmundloche entblößt; in ihm soll angeblich der Stolln auf die ersten 50 Ellen vom Tage herein getrieben, weiterhin aber allmählig in feste Kalksteinbreccie gelangt und in solcher bis an den Förderschacht ohne Unterbrechung getrieben sein.

Die vom Schachte noch auf 52 Ellen gegen Nord- West ausgelängte Grundstrecke und die von selbiger aus bis zu 21 Ellen Entfernung gegen Süd- West flach aufsteigenden Flügelörter stehen durchaus in der nämlichen, festen Kalksteinbreccie. In dem Förderschachte sieht man in den untern 15 Ellen der Tiefe gleichfalls Kalksteinbreccie anstehen, während in der obern Tiefe die daselbst eingebaute Zimmerung das dahinter anstehende Gestein verdeckt. Es soll aber nach den ausgemachten Angaben dieser Schacht von der Tagesoberfläche nieder auf circa

1 Elle in Dammerde und Lehm,

3 Ellen in Granitschutt und

tiefer nieder durchaus in Kalksteinbreccie abgesunken sein.

Hiernach würde letztere durch die dermaligen Grubenbaue auf einer horizontalen Länge von mindestens 270 Ellen in mehr paralleler Richtung mit der Granitgrenze, und auf einer horizontalen Breite von circa 32 Ellen rechtwinklig gegen die Granitgrenze aufgeschlossen sein, ohne dabei nach irgendeiner Seite hin schon die wirkliche Endschaft erreicht zu haben. Von der aufgeschlossenen Länge befindet sich jedoch nur ein Theil von ungefähr 55 Ellen unter dem von Beulwitzischen Feldgrundstücke, die übrige Länge unter den gegen Ost angrenzenden Nachbargrundstücken.

Über die vermuthliche weitere nordwestliche Erstreckung sowie über die Totalmächtigkeit der hiesigen Kalksteinablagerung geben einige andere, in früherer Zeit erfolgte Aufschlüsse ein ungefähres Anhalten ab.

Zunächst soll nach den Angaben des vormaligen Grundstücksbesitzers, Gastwirt Rußig, welchen Herr Professor Naumann zu Leipzig in einem Berichte über das hiesige Kalksteinvorkommen anführt, in einem ungefähr 70 Ellen om jetzigen Förderschacht gegen Nord, also näher gegen die Hohensteiner Chaussee, an der Feldrainung auf 20 Ellen Tiefe niedergebrachten, schon längst wieder eingeebneten und nicht mehr erkennbaren Schurfschacht (I. auf beiliegender Croquis) von der Oberfläche nieder auf

  1 Elle Dammerde und Lehm,

  5 Ellen Granit und auf die übrigen

14 Ellen Kalksteinbreccie

20 Ellen in summa,

in einem anderen, vom jetzigen Förderschachte ungefähr 58 Ellen gegen Nord-West angelegten, jetzt ebenfalls eingeebneten, 10 Ellen abgeteuften Schurfschachte (II.) auf

  1 Elle Dammerde und Lehm,

  3 Ellen Granitschutt und

  6 Ellen Kalksteinbreccie

10 Ellen in summa,

durchsunken worden sein.“

    


Die Ausschnittsvergrößerung des Grundrisses aus der oben gezeigten Croquis des von Beulwitzischen Kalkwerks zu Zeschnig zeigt uns die Lage der beiden eben beschriebenen Schurfschächte. Am Gasthof vorbei verlief damals noch die alte Wartenbergstraße nach Hohnstein und führte dann recht steil ins Polenztal hinab. Bildquelle: Sächsisches Staatsarchiv, Bergarchiv Freiberg, Bestand 40010, Nr. 3404, Blatt 2.

   

Endlich soll, bereits jenseits des von Beulwitzischen Grundstücks, in dem an der Westseite der nach Stolpen abgehenden Chaussee gelegenen Brunnen der Zeschniger Ziegelei lockeres, sandsteinartiges Conglomerat mit Kalksteinknollen angetroffen worden sein.

Es läßt sich daraus mit großer, beinahe von Gewißheit (scheinender) Wahrscheinlichkeit annehmen, daß die Kalksteinablagerung nicht nur quer über das von Beulwitzische Feldgrundstück, sondern auch auf beiden Seiten über dasselbe hinaus sich noch ziemlich weit längs der Granitgrenze ausdehnt.

Nicht so zuverlässig läßt sich die Mächtigkeit der Kalksteinablagerung im Bereich des genannten Feldgrundstücks ermitteln, da weder die Grenze desselben gegen den nordöstlich darüber liegenden Granit, noch die gegen den südwestlich davon hervortretenden Quadersandstein deutlich aufgeschlossen ist und für deren Bestimmung die Verbreitung von Kalksteinknollen an der Oberfläche, wegen der flachen Gebirgsbedeckung mit Lehm und Granitschutt, nur ein ganz unsicheres Anhalten abzugeben vermag.

Indessen dürfte die Lage der Granitgrenze an der Oberfläche so, wie sie auf dem beiliegenden Croquis verzeichnet ist, nicht viel von der Wirklichkeit abweichen, da der zunächst der Hohnsteiner Chaussee früher niedergebrachte Schurfschacht (I.) bis auf 6 Ellen Tiefe unter die Oberfläche in Granit niedergebracht und darunter in Kalkstein gelangt sein, auch der Brunnen des Zeschniger Gasthauses in festem Granit verteuft sein soll.

Nimmt man nun, nach Maaßgabe des Einfallens der Granitgrenze bei Hohnstein und an beiden Abhängen des Polenzthales hier für die Granitgrenze und somit auch für die entlang derselben abgelagerten Kalksteine ein nordöstliches Einfallen von durchschnittlich 30° an, so würde, da mit dem circa 43 Ellen rechtwinklig von der Granitgrenze entfernten Förderschachte, bei 35 Ellen Tiefe desselben und mit dem nahe bei diesem Schachte gegen Südwest ausgelängten Flügelorte auf 16 Ellen söhliger Entfernung vom Granit noch nicht das Liegende des Kalksteins – der Quadersandstein – erreicht worden ist, die Kalksteinablagerung in der Gegend des Förderschachtes eine horizontale Breite von mindestens 135 Ellen oder eine rechtwinklig gegen die Grenzflächen gemessene Mächtigkeit von mindestens 67 ½ Ellen zuzusprechen sein.

Vermutlich ist sie aber noch etwas größer, da sich in der Gegend der Kalköfen zahlreiche Kalksteinknollen bis über den nach dem Hockstein führenden Fahrweg hinüber in der Ackererde umherliegend vorfinden.“

An dieser Stelle fügen wir nun auch die Schnittdarstellung aus obiger Croquis ein, um die hier dargestellten Verhältnisse zu veranschaulichen.

  


Die Ausschnittsvergrößerung des Schnittes in Süd- Nord- Richtung aus der oben gezeigten Croquis des von Beulwitzischen Kalkwerks zu Zeschnig zeigt uns den von F. W. Schwamkrug abgeleiteten Untergrundaufbau und gibt zudem eine anschauliche Vorstellung von den übertage vorhandenen Anlagen mit Kalkofen und Förderbrücke. Man sieht in dieser Darstellung auch, daß vom Bruch zur Ofengicht eine Förderbrücke bestanden, der Kalkofen also nicht weit unterhalb des Förderschachtes gestanden haben kann. Die heute noch vorhandenen
 Mauerreste im Kohligtgrund scheinen uns deshalb nicht auf diesen Brennofen zurückzugehen...  Bildquelle: Sächsisches Staatsarchiv, Bergarchiv Freiberg, Bestand 40010, Nr. 3404, Blatt 2.

  

Darüber, ob die Mächtigkeit der Kalksteinablagerung auf größerer Längenerstreckung gleichbleibt, oder schneller (Schwächung?) unterworfen ist, läßt sich nun freilich nicht einmal eine Vermuthung aufstellen. Man dürfte indessen wohl hinreichend sicher gehen, wenn man sie für den Bereich des von Beulwitzischen Grundstücks zu durchschnittlich 60 Ellen annimmt, was für 30° Fallen einer horizontalen Breite von 120 Ellen entsprechen würde.

Beträgt nun die Länge, auf welche das Kalklager in seinem Streichen unter dem von Beulwitzischen Feldgrundstück sich ausdehnt im Mittel circa 170 Ellen, die durchschnittliche vertikale Höhe, in welcher der Kalkstein über der Stollnsohle lagert, 30 Ellen, so berechnet sich der Inhalt des im Bereiche genannten Grundstückes über der Stollnsohle anstehenden Kalksteins zu

120 x 170 x 30 = 612.000 Kubikellen.

Hiervon dürften jedoch etwa 100.000 Kubikellen, welche unmittelbar oder nahe der Hohensteiner Chaussee liegen, aus Rücksicht auf die Sicherheit dieser letzteren, nicht abgebaut werden können, so daß demnach nur circa

512.000 Kubik- Ellen

(schwer leserlich…?) bleiben.“

   

Ertragsverhältnisse.

Über die Ertragsverhältnisse der Kalkgrube ist das Folgende zu bemerken.

Nach den Angaben des Herrn von Beulwitz giebt eine Viertelruthe = 85,562 Kubikellen (unter Maßgabe der Dresdner Elle zirka 13 m³ oder – da hier vom bereits gebrochenen Kalkstein die Rede ist, mit nur 2,0 t/m³ Schüttdichte gerechnet – rund 26 t) gebrochener Kalkstein durchschnittlich 130 Scheffel (diesen zu rund 107 Litern Rauminhalt gerechnet, knapp 14 m³ oder – mit etwa 1,0 t/m³ Schüttdichte – rund 14 t) gebrannten Kalk. Davon ist

der Mauerkalk mit 20 Ngr.,

der Düngekalk mit 14 Ngr.

pro Scheffel verkauft worden. Da indessen die Quantität des bis jetzt abgesetzten Mauerkalks nur eine sehr geringe gewesen sei mag, so wird der Verkaufswerth von 130 Scheffeln aus einer Viertelruthe gewonnenen Kalk kaum etwas höher als zu

130 x 14 = 1.820 Ngr. = 60 Thl., 20 Ngr.

anzunehmen sein.

Die Produktionskosten wurden dagegen zu folgenden Sätzen pro Viertelruthe angegeben.

   12 Thl. – – für das Brechen und Fördern des Kalksteins, inklusive Gezähe und Pulveraufgang,
     2 Thl. 20 Ngr. – für das ofengerechte Zerschlagen des Kalksteins,
     2 Thl. – – Brennerlöhne,
   12 Thl. 4 Ngr. – für 13 Tonnen Steinkohlen a 28 Ngr.
     1 Thl. 9 Gr. – Maßgeld auf 130 Scheffel á 3 Pf.
----------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------
= 30 Thl. 3 Ngr. – in Summa.

Demnach pro Viertelruthe Gewinnung

30 Thl. 17 Ngr. –

ohne Rücksicht auf Regie nehmen, Öfen-, Gebäude- und Gruben- Unterhaltung.

Diese Angaben möchten nun aber nicht ohne Weiteres als Anhalten für eine Berechnung der künftigen Rentabilität des Werkes dienen können. Unter den Gestehungskosten erscheint namentlich der Ansatz von 12 Thl. 4 Ngr. – für 13 Tonnen Steinkohlen zum Brennen von 130 Scheffeln Kalk, im Vergleich mit dem Steinkohlenaufgang bei anderen Werken, ungewöhnlich niedrig, und dürften stattdessen im Durchschnitt 14 Thl. 28 Ngr. – für 16 Tonnen Steinkohlen anzunehmen sein, welchenfalls die Gestehungskosten per Viertelruthe auf

32 Thl. 27 Ngr. –

kommen.

Ist nun zwar zuverlässig anzunehmen, daß bei rationeller Gewinnung des Kalksteins in einem offenen Tagebaue und bei Verwendung von Sträflingen aus der Correctionsanstalt zu Hohnstein die Gestehungskosten des Kalkes sich um mindestens 10% werden herabsenken lassen, so bezweifeln wir trotzdem, daß obiger Gewinn zu allen Zeiten zu erzielen sein werde, einestheils weil man bei stärkerem Betriebe, um vollständigen Absatz des Produkts zu sichern, die Verkaufspreise für die verschiedenen Kalksorten wird bedeutend herabsetzen müssen, anderntheils weil von der Kalksteinablagerung keineswegs die ganze Masse zu Mauerkalk und gutem Düngekalk zu gebrauchen sein wird. Denn von der abzubauenden Kalksteinbreccie dürften nach dem Verhältnisse ihrer Beimengung von Sand höchstens ungefähr

20% des Volumens zu Mauerkalk

30% des Volumens zu gutem Düngekalk und die übrigen

50% zu geringem Düngekalk

zu benutzen sein. Man wird schon zufrieden sein müssen, wenn man die letztre Kalksorte mit einem geringen Zuschlage zu den Gestehungskosten verwerthen kann.

Bringt man demnach die die Verkaufspreise pro Scheffel zu

15 Ngr. für Mauerkalk,

10 Ngr. für Düngekalk I. Sorte,

  7 Ngr, 5 Pf. für Düngekalk II. Sorte,

dagegen die Gestehungskosten mit durchschnittlich

  7 Ngr.

in Anschlag und, bei dem anerkannten Kalkmangel in der Umgegend, die Möglichkeit eines jährlichen Absatzes von 25.000 Scheffel Kalk und zwar von ungefähr

  5.000 Scheffel Mauerkalk,

  7.500 Scheffel Düngekalk I. Sorte und

12.500 Scheffel Düngekalk II. Sorte

in Anschlag, so wird sich bei dem Kalkwerksbetriebe eine jährliche Einnahme von

8.125 Thl. – –

nämlich von

2.500 Thl. – –   für 5.000 Scheffel Mauerkalk á 15 Ngr.

2.500 Thl. – –   für 7.500 Scheffel Düngekalk I. Sorte á 10 Ngr. und von

3.125 Thl. – – für 12.500 Scheffel Düngekalk II. Sorte á 7 ½ Ngr.

8.125 Thl. – – für 25.000 Scheffel in summa,

dagegen eine Ausgabe von 6.433 Thl.. 10 Ngr. – , nämlich

5.833 Thl. 10 Ngr. – Gestehungskosten für 25.000 Scheffel Kalk á 7 Ngr. und ungefähr

   600 Thl. – – Verwaltungs- Unterhaltungs und Generalkosten,

6.433 Thl. 10 Ngr. – Summa,

und demzufolge ein Überschuß von 1.691 Thl. 20 Ngr. – oder in runder Summe von 1.700 Thl. als reiner Ertrag herausstellen.

Bei der angenommenen Produktion von 25.000 Scheffel Kalk werden jährlich

25.000 / 130 = 192,30 Viertelruthen

gebrochener Kalkstein oder (2,4 Kubikellen gebrochenen Kalksteins auf 1 Kubikelle anstehenden Kalksteinfels gerechnet)

192,30 x 85,562 / 2,4 = 16.452,5 Kubikellen Kalksteinfelsmasse

zu gewinnen und zu brennen sein. Es wird solchenfalls der Abbau des unter dem von Beulwitzischen Grundstücks über der Stollnsohle zu gewinnenden Kalksteins an insgesamt circa 512.000 Kubikellen auf

31 Jahre Nachhalt  

gewähren.

  

Ein unter die dermalige Stollnsohle niedergehender Kalksteinabbau erscheint zwar nicht unmöglich, allein solcher dürfte wegen der dann nothwendig werdenden Anlage eines tieferen und dann längeren Stollens zur Wasserabführung oder einer Wasserhaltungsdampfmaschine, sowie wegen der durch die zunehmende Mächtigkeit des über dem Kalkstein lagernden Granites bedingten Unthunlichkeit, auf größere Tiefe offenen Lagerbau zu betreiben, weit kostspieliger und somit minder rentabel ausfallen, als der Abbau über dem jetzigen Stollen.

Will man nun de Kalkstein unter dem von Beulwitzischen Grundstücke durch offenen Tagebruch abbauen, wie es sich in Rücksicht auf Billigkeit de Gewinnung am meisten empfiehlt, so macht sich indessen zu diesem Behufe die Aqquisition der beiden gegen Ost an das von Beulwitzische anstoßenden Nachbargrundstücke von Wilhelm Förster und Carl Förster in Zeschnig unumgänglich nothwendig, da es ohne diese an dem erforderlichen Platz zur Vorrichtung regelmäßiger, von der Kohligschlucht heranzutreibender Abbaustrossen und zu Aufstürzung der Halde von der Abräumung des den Kalkstein bedeckenden Erdreichs und Gesteinsschuttes fehlen würde. Aber auch, wenn man von Tagebaubetrieb absehen wollte, würde es behufs der Sicherung des zur Wasserabführung unentbehrlichen Stollns wünschenswerth sein, die fraglichen Nachbargrundstücke zu aqquiriren, da in dem Bereich nicht nur gedachter Stolln fast seiner ganzen Länge nach, sondern auch das Brennerwohnhaus gelegen ist.

Die Anlage und Benutzung dieses Hauses und des Stollens auf besagten Grundstücken ist nämlich bisher nur auf Grund der Pachtung dieser Grundstücke durch Herrn von Beulwitz erfolgt, welche jedoch ultimo April 1865 zu Ende geht, nach Inhalt des hierüber abgeschlossenen Contractes, welchen wir in anhängender Abschrift zu näherer Kenntnis dem Königl. Hohen Finanz- Ministeriums bringen.

Unter den obwaltenden Verhältnissen können wir die Erwerbung des von Beulwitzischen Kalkwerkes nebst zugehörigen Feldgrundstückes vonseiten des Staatsfiskus nur unter der Bedingung für rathsam erachten, daß es möglich sein sollte, die fraglichen Nachbargrundstücke gleichzeitig für einen mäßigen Preis mit zu erwerben. Ob und unter welchen Bedingungen die Besitzer der letzteren zu einem Verkauf geneigt sind, vermögen wir indessen nicht anzugeben.“

   

Nach dieser gründlichen Analyse der geologischen Lagerstättenbedingungen und der technischen Betriebsverhältnisse des Kalkwerkes, kommt Herr Schwamkrug nun zum eigentlichen Kern der Sache:

Verkaufswerth des Kalkwerkes.

„Anlangend den Verkaufswerth des von Beulwitzischen Kalkwerkes, so haben wir zunächst vorauszuschicken, daß vorerst noch verschiedene Ausführungen und Anlagen zu bewirken sind, um das Werk in solchen Stand zu versetzen, daß eine Produktion von jährlich mindestens 25.000 Scheffeln Kalk mit dem entsprechenden Reinertagseffekt werden kann.

Dahin gehört vor allem die Erbauung von noch zwei neuen Kalköfen. Da nämlich die Kalkabnahme in der Hauptsache nur während des Frühjahres und Sommers stattfindet, so ist die Betriebsdauer der Kalkbrennerei nicht viel über 150 Tage jährlich anzunehmen. Die vorhandenen beiden Kalköfen vermögen täglich gegen 100 Scheffel, oder in 150 Tagen 15.000 Scheffel Kalk zu erzeugen. Zur Schaffung eines jährlichen Quantums von 25.000 Scheffeln sind daher, mit Rücksicht auf zeitweilige Unbrauchbarkeit des einen oder anderen Ofens wegen vorzunehmender Reparaturen, noch zwei neue Öfen erforderlich. (Bleistift- Anmerkung: „Kesselöfen“) Die Herstellung derselben in einer gemeinschaftlichen, gemauerten Umfassung mit hölzernem Überbau zum Schutze gegen Regen dürfte gegen

1.500 Thl. – – Kosten verursachen.

Ferner würden noch aufzuwenden sein ungefähr

   200 Thl. – –  zu Herstellung eines hölzernen Überbaus über den dermaligen Kalköfen,
1.200 Thl. – – für die erste Abräumung und Wegförderung des unbrauchbaren Erdreichs und Gesteinsschuttes an der Oberfläche auf durchschnittlich 6 Ellen Tiefe bis auf den bauwürdigen Kalkstein im Umfange von 3.000 Quadratellen, oder insgesamt 18.000 Kubikellen á 2 Thl. – – behufs Anlage eines Tageabbaus,
   800 Thl. – – zu Erbauung eines Vorrathsschuppens für den gebrannten Kalk und für Steinkohlen,
   300 Thl. – – zur Erneuerung der Zimmerung im Stolln und im Förderschachte, der behufs der unterirdischen Kalksteingewinnung während der strengen Winterzeit beizubehalten sein dürfte,
   200 Thl. – – zur Herstellung eines guten Abfuhrweges von den Kalköfen nach der Hohnsteiner Chaussee und
1.800 Thl. – –         zu Erbauung einer Verwalterwohnung neben den Kalköfen,
----------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------
6.000 Thl. – – in Summa.

 

Nach dem bereits angeführten ist bei einer Kalkproduktion von jährlich 25.000 Scheffeln auf einen Reinertrag des Werkes von 1.700 Thl. zu rechnen. Da nun bei industriellen Untersuchungen desselben oder ähnlicher Art, nach den in der Geschäftswelt herrschenden Grundsätzen, das Anlagscapital auf eine längere Reihe von Jahren sich wenigstens mit 10% jährlich (einschließlich der Amortisation) verzinsen muß, um das Geschäft als befriedigend bezeichnen zu können, so würde der Werth des von Beulwitzischen Kalkwerkes einem Capital von 17.000 Thl. – – entsprechen, wenn alle Anlagen bereits vorhanden wären, welche zu dem Betriebe in dem angegebenen Umfange erforderlich sind. Da letzteres also nicht der Fall ist, sondern noch ungefähr 6.000 Thl. – – zu Bauten und Anlagen aufzuwenden sein werden, so vermindert sich um soviel der Verkaufswerth des in Rede stehenden Kalkwerkes, dasselbe ist demnach, jedoch unter der Voraussetzung der Möglichkeit, die zum Betriebe benötigten Nachbargrundstücke zu aqquiriren, auf

11.000 Thl. – –

abzuschätzen.“

Freiberg, den 26. April 1860     
Schwamkrug     

  

Völlig daneben lag Herr von Beulwitz mit seinem Angebot für den Kalkbruch über 13.000 Thaler also auch nach Einschätzung der Fachleute gar nicht. Der beigefügten Liquidation zufolge kostete dieses Gutachten seinerzeit übrigens 29 Thaler, 1 Neugroschen, zuzüglich der Kosten für den Zeichner der Croquis in Höhe von 1 Thaler, 1 Neugroschen und 5 Pfennigen.

Das Gutachten befaßte sich außerdem noch mit der auf dem Grundstück befindlichen und ebenfalls zum Verkauf stehenden Gastwirtschaft, deren Miterwerb Herr Schwamkrug befürwortete, da man dort die Wohnung des Verwalters mit geringerem Aufwand, als im Gutachten für einen Neubau vorausgesetzt, herstellen könne. Außerdem wäre sie als Ausspanne für den Lieferverkehr vorteilhaft zu nutzen.

Leider machte Herr Schwamkrug im Gegensatz zu anderen seiner Gutachten in diesem Fall keine Angaben über die hier in den Vorjahren oder wenigstens im zurückliegenden Jahr tatsächlich ausgebrachten Mengen von Kalkstein und den erzeugten Mengen an Branntkalk.

  

Ob der königlich- sächsische Staatsfiskus damals auf das Kaufangebot des Herrn Ludwig von Beulwitz eingegangen ist, verraten uns diese Akten leider nicht; wahrscheinlich aber nicht, denn trotz des ja doch eher positiv ausgefallenen Wertgutachtens und der Zustimmung des Innenministeriums zum Einsatz von Häftlingen im Steinbruch ‒ was die wirtschaftliche Bilanz für den Staatsfiskus sicher noch günstiger gemacht hätte ‒ trug man sich im Juli 1860 beim Finanzministerium noch mit Bedenken (10036, Loc. 37314, Rep. 22 (Hohnstein), Nr. 0037). Einige Jahre später hat Herr von Beulwitz das Kalkwerk zu Zeschnig dann an den Markscheider Ernst Ehregott Leberecht Städter aus Altenberg verkauft.

Wo es aber einmal am Orte ruchbar wurde, daß der sächsische Staatsfiskus ‒ absehbaren wirtschaftlichen Ertrag vorausgesetzt ‒ auch von Privatpersonen Kalkbrüche und Kalkwerke ankaufte, bot auch Carl August Liebethal sein Kalkwerk in Hohnstein dem Finanzministerium zum Kauf an, woraus wir immerhin erfahren, daß es sich 1860 (also 15 Jahre, nachdem er es vom G. Hedenus erworben hatte) noch immer in dessen Besitz befand. Mehr als das vergleichsweise knappe Angebotsschreiben enthält die Akte dazu jedoch nicht (10036, Loc. 37314, Rep. 22 (Hohnstein), Nr. 0037). Wieder einige Jahre später hatte auch dieses Kalkwerk den Besitzer dann doch wieder gewechselt...

  

Von den Autoren des Kalkwerksbetriebs in Sachsen wird nur kurze Zeit später in dessen Erscheinungsjahr 1867 nur ein Kalkwerk in oder „bei Hohnstein“ ‒ das ist darin nicht eindeutiger formuliert ‒ erwähnt. Im Kapitel zu den geologischen Vorkommen der Kalksteine in Sachsen heißt es (S. 10): „Der Kalkstein der Juraformation tritt untergeordnet bei Hohnstein in der sächsischen Schweiz etwa 20 Ellen mächtig auf und erstreckt sich nur einige hundert Fuß in die Länge. Er gleich im äußeren Ansehen und hinsichtlich der chemischen Zusammensetzung in hohem Grade dem Plänerkalke…“

Bei der hier angesprochenen Ähnlichkeit zum Plänerkalk könnte es sich hierbei genausogut um das auf Zeschnig'er Flur gelegene Kalkwerk gehandelt haben...

Auch in der Tabelle der einzelnen Kalkvorkommen und ihrer chemischen Zusammensetzung wird dieses Kalkwerk angeführt, leider ebenfalls ohne Angaben zu dessen derzeitigen Besitzern. Die chemische Zusammensetzung wird von Wunder, Herbrig und Eulitz wie folgt angegeben:
  

Kalk

42,2 %

Magnesia

  1,2 %

Kohlensäure

32,9 %

Eisenoxyd und Thonerde

  2,4 %

Unlösliches

21,2 %

Nach diesen Angaben hat es sich bei dem in Hohnstein geförderten Kalkstein ‒ abweichend von den oben in unserem Kapitel zur Geologie schon zitierten Angaben für die Vorkommen auf böhmischer Seite in Zeidler / Brtniky sowie in Daubitz / Doubice ‒ um einen fast reinen Kalkstein (keinen Dolomit) gehandelt.

Wie oben schon erwähnt, hat Herr von Beulwitz jedenfalls das Kalkwerk bei Zeschnig 1866 an Herrn Markscheider Ernst Ehregott Leberecht Städter zu Altenberg veräußert. Wahrscheinlich war dieser Besitzerwechsel gerade im Gange, als Wunder, Herbrig und Eulitz ihr Gutachten über den Kalkwerksbetrieb Sachsens erstellten, weswegen es dort auch nicht unter dem Namen seines Besitzers aufgeführt wurde. Der Besitzverhältnisse unbenommen, hat aber zumindest eines der beiden Kalkwerke bei Hohnstein bzw. Zeschnig also im Jahr 1867 noch in Betrieb gestanden.

Herr Städter hatte 1850/1851 die Bergschule besucht (40006, Nr. 607 und 608) und wurde 1862 als Markscheider beim Bergamt Altenberg angestellt (40001, Nr. 25), wo er danach bis etwa 1887 als solcher tätig gewesen ist ‒ zumindest datiert der letzte, von ihm gezeichnete Riß, den wir bei einer Nachsuche gefunden haben, auf dieses Jahr (40040, Nr. I382).

   

Von dem oben erwähnten Verkauf des Zeschnig'er Kalkwerkes haben wir allerdings erst aus einer Akte über ein anderes Bergwerk erfahren. Der Markscheider E. E. L. Städter zu Altenberg nämlich muthete am 28. Mai 1865 ein solches unter dem Namen Hockstein Erbstolln (40170, Nr. 168). Gleich die ihm darüber vom zu dieser Zeit in Altenberg amtierenden Bergmeister Carl Lucius am 1. Juli 1865 ausgestellte Verleihungsbestätigung enthält auch die Bemerkung, daß zugleich mit der Verleihung auch eine Betriebsaussetzung bis Schluß des Quartals Trinitatis 1866 genehmigt werde.

Hinsichtlich der Lage dieses Hockstein Erbstollns ist die Formulierung in diesem Schriftstück von Interesse, daß Herr Städter um das Recht nachgesucht habe, den mit seinem Mundloche in den sogenannten Kohligten, auf dem Grundstück des Gutsbesitzers Carl Gottfried Förster in Zeschnig bei Hohnstein angefahrenen und vom Mundloche bereits ein Stück in das nach Nord West aufsteigende Gebirge zu Felde gebrachten Stolln als Erbstolln weiter in letzteres zu treiben...“

Ein Stolln hat also dort schon vorher existiert und vielleicht etwa dort gelegen, wo schon die Bergbeamten im Jahr  1828 einen alten Stolln vorgefunden und darüber 1831 vor dem Oberbergamt berichtet hatten.

Es kann sich dabei eigentlich nicht um den, 1860 zu Zeiten des Herrn von Beulwitz und des dessen Kalkwerk betreffenden Gutachtens von Schwamkrug, bereits bestehenden Stolln gehandelt haben, der mit etwa 220 Ellen (also zirka 117,5 m) ja schon damals durchschlägig und viel länger gewesen ist. Umgekehrt steht aber der Hinweis, daß er auf dem Grundstück von Carl Gottfried Förster angesetzt war, in Übereinstimmung mit der Darstellung auf der Croquis oben.

Andere Bergbaufreunde (Kaiser, Bieberstein, 2021) vermuten deshalb, daß Städter’s Angabe, er habe beim Erwerb des Kalkwerkes 1866 nur einen 6 m bis 8 m langen und schon verbrochenen, unfertigen Stollen übernommen, darauf beruht, daß der alte Entwässerungsstollen ja schon 1860 aufgrund des angestauten Grubenwassers unfahrbar gewesen ist. Beim Kauf des Kalkwerks einige Jahre später konnte Städter daher wahrscheinlich ebenfalls nur noch einige wenige Meter dieses bereits bestehenden Entwässerungsstollens in Augenschein nehmen. Deshalb könnte er dann ab 1866 einen eigenen, kürzeren Stollen neu angelegt oder zumindest geplant haben.

Auch das ist aber nicht so ganz sicher, denn in der oben zitierten Mutungsbestätigung steht ja ausdrücklich, daß der Hockstein Erbstolln auf dem Grundstück des Carl Gottfried Förster angesetzt gewesen sei. Nach der Croquis zum Schwamkrug’schen Gutachten aus dem Jahr  1860 hat dieses Grundstück nun aber weiter unten in der Kohligt gelegen, so daß eine geringere Stollnlänge von dort aus gerade nicht zu erhoffen gewesen wäre...

   

Viel ist in der ganzen nachfolgenden Zeit offenbar an dieser Stelle ohnehin nicht geschehen, denn am 10. Januar 1888 sagte Herr Städter den Hockstein Erbstolln wieder los. Im Zusammenhang mit dieser Aufgabe des Bergbaurechtes bescheinigte Herr A. Fr. Wappler von der inzwischen dafür zuständigen Berginspektion II zu Freiberg am 16. Februar 1888 dem Oberbergamt, daß bei Hockstein Erbstolln zu Hohnstein in der Sächsischen Schweiz weder Schächte noch Tagebrüche vorhanden sind. Der von Herrn Markscheider Städter im Jahre 1866 als Erbstolln gemutete Hockstein Erbstolln ist Ende der 1850er Jahre von einem Herrn von Beulwitz behufs einer tieferen Lösung des dortigen Kalkwerks angehaun, aber nur 6 m bis 8 m in NW. getrieben worden. Er liegt auf Zeschnig'er Flur auf einem dem Kalkwerke gehörigen Grundstück in der sogenannten Kohligten zwischen dem von Städter im Jahre 1866 erbauten Kalkofen und der von Rathewalde nach Hohnstein führenden Straße. Er war, als Städter im mehrerwähnten Jahre das Kalkwerk kaufte, also vor 22 Jahren, schon so vollständig in sich zusammengesunken, daß er damals durch ein äußeres Zeichen kaum noch mehr zu ziehen war.

Städter hat den Stolln s. Z. als Erbstolln gemutet, um zunächst sein damals eben erkauftes Kalkwerk tiefer zu lösen, sodann aber auch, um das in NO. vorliegende Granitgebirge zu untersuchen. Weder Städter noch sonst ein Besitznachfolger des Kalkwerkes hat aber den Stollnbetrieb je aufgenommen, so daß das Eintreten von Tagebrüchen hier ganz ausgeschlossen ist.“

Dasselbe bestätigte Herr Städter am 31. Mai 1888 dem Bergamt auch selbst noch einmal. Markscheider Städter war ja bis etwa 1887 als Markscheider in Altenberg tätig und hat danach vermutlich seinen Ruhestand angetreten. Um 1888 wird Herr Städter deshalb wohl auch den Kalksteinabbau aufgegeben und dabei bemerkt haben, daß er da formal ja auch noch ein Erzbergwerk besaß (40170, Nr. 168).

Auch in Herrn Wappler’s Bericht ist dabei wieder von dem von Beulwitz’schen Stolln die Rede. Demnach könnte mit dem Hockstein Erbstolln tatsächlich auch der ältere Wasserlösestolln gemeint gewesen sein, was aber umgekehrt nun wieder im Widerspruch zu Wappler's Aussage stünde, daß es bei der Auffahrungslänge geblieben und Tagesbruchgefahr ganz ausgeschlossen sei, denn der Bergbeamte hat ja Herrn Schwamkrug's Gutachten aus dem Archiv des Bergamtes zurateziehen können und es besser wissen müssen. Auch Wappler's Lageangabe, daß der Hockstein- Stolln „auf einem dem Kalkwerke gehörigen Grundstück zwischen dem ... Kalkofen und der nach Hohnstein führenden Straße“ ‒ was zu dieser Zeit ja noch die alte Wartenbergstraße am nördlichen Talgehänge gewesen ist ‒ angesetzt gewesen sei, paßt nicht so richtig zu den anderen Überlieferungen. Widersprüchlich ist daneben auch die Angabe, Städter habe mit diesem Stolln „das in Nordosten vorliegende Granitgebirge“ untersuchen wollen. In dieser Richtung wäre er natürlich nicht zu seinem Kalkwerk gelangt.

Besonders erstaunlich ist an der Geschichte des Hockstein Erbstollns aber, daß vonseiten der Bergbehörde zweiundzwanzig Jahre lang nie jemand nachgefragt hatte, was denn dort eigentlich geschehe ‒ denn abgesehen vom üblichen Schriftverkehr im Hinblick auf die Löschung der Bergbaurechte im Grundbuch enthält die Akte sonst nichts mehr...

Auch in  Hinterhermsdorf ging es bei einem ähnlich gelagerten Fall im Jahre 1727 eigentlich um das bergrechtliche Vorrecht des (oft für den Fiskus ja viel einträglicheren) Erzbergbaus vor dem grundeigenen Bergbau. Herr Städter hätte also aufgrund seiner Mutung de jure nach Erzen graben und nebenbei den Kalkstein mit gewinnen können, ohne daß ihm dies von einem der Grundeigentümer hätte streitig gemacht werden können.

Auch ist oben von weiteren Besitznachfolgern die Rede, so daß nicht wirklich genau bekannt ist, wie lange Herr Städter das Kalkwerk eigentlich wirklich selbst betrieben hat.

  

Aus der Zeit zwischen 1880 und 1890 stammt auch das folgende, recht kühne Projekt (Hinweis von N. Kaiser, Pirna). Da die Gründerzeit vorbei war und die Wirtschaft wieder schwächelte, ist es nicht umgesetzt worden. Stattdessen wurde dann Anfang der 1920er Jahre die neue Wartenbergstraße angelegt.

Aber der Situationsplan, die Kartenzeichnung zur gedachten Lage dieser Brücke, enthält noch einmal die Lage des Kalkwerkes und zeigt die damals bestehenden Einrichtungen; leider nur das, was übertage gestanden hat.

  


Situationsplan, aus: Fiktive Planzeichnungen und Ansichten zum Neubau einer Brücke über das Polenztal bei Hohnstein, Blatt 1, Handzeichnungen von Max Ringel, 1884, Gesamtansicht, Norden ist unten. Dieses Projekt sah bereits vor, die alte und stückweise sehr steile Wartenbergstraße durch eine neue, unterhalb des Hocksteins verlaufende, zu ersetzen.

Digitalisat http://www.deutschefotothek.de/documents/obj/90099867

    


Ansicht des geplanten Viadukts über das Polenzthal bei Hohnstein, aus: Fiktive Planzeichnungen und Ansichten zum Neubau einer Brücke über das Polenztal bei Hohnstein, Blatt 11, Handzeichnungen von Max Ringel, 1884. Uns erscheint es allerdings besser, daß dieses Projekt nicht umgesetzt worden ist...

Digitalisat http://www.deutschefotothek.de/documents/obj/90099867

  


Viel interessanter für unser Thema ist dieser Ausschnitt aus obigem Situationsplan mit der Darstellung des Kalkwerks. Damit man die Beschriftungen lesen kann, haben wir den Grundriß nicht gedreht - Norden ist also immer noch unten. Die Stollen sind leider nicht verzeichnet, nur der Tagebau und zwei Kalköfen.

  


Möglicherweise handelt es sich bei dieser Topographischen Karte der Gegend bei Hohnstein/Sächsische Schweiz, im Maßstab 1 : 2.000, aus dem Jahr 1876 um eine Vorarbeit zu dieser Trassenplanung - jedenfalls sind Vermessungszüge und ein ganz ähnlicher Trassenverlauf für die Überquerung des Polenztales hier schon verzeichnet. Gesamtansicht, Norden ist links unten.

Digitalisat http://www.deutschefotothek.de/documents/obj/90005595

    


Ausschnitt aus obiger Karte: Leider nur am Blattran
d ist auch hier die „Kalkgrube“ und talwärts unterhalb davon ein Kalkofen verzeichnet.

   

Hinsichtlich der Lage der Stollen müssen wir uns also selbst wieder Gedanken machen und versuchen dazu, die Croquis von 1860 in die heutige Topographie einzupassen. Wie leider meistens, gelingt das nur bedingt: Zuerst stellen wir dabei fest, daß der Zeichner vermutlich die Straßenkreuzung im Nordwesten und den Nordpfeil nachträglich anhand anderer Karten ergänzt hat, denn der Straßenverlauf und die Nordrichtung (wenn die geographische gemeint ist) passen untereinander sehr gut zusammen ‒ nur leider läge die alte Wartenbergstraße dann falsch und auch die Gebäude der Hocksteinschänke, die es ja dazumal bereits gegeben hat, wären deutlich nach Südosten verdreht. Auch die von Schwamkrug festgehaltenen Flurgrenzen der Förster'schen Grundstücke helfen uns in diesem Fall nicht wirklich weiter, da auch diese sich ‒ zum einen vielleicht durch Flächenankäufe für das Kalkwerk, zum anderen durch den Bau der neuen Wartenbergstraße ‒ merklich verändert haben.

Deshalb drehen wir die Croquis nach Nordwesten, so daß die Achse der alten Wartenbergstraße nun besser mit dem Verlauf des Weges an der Hocksteinschänke übereinstimmt. Dabei kommt das Folgende heraus.

    


Versuch einer Zulage der oben gezeigten Croquis des von Beulwitzischen Kalkwerks zu Zeschnig. Wie im Text oben erläutert, haben wir uns dabei am Verlauf der alten Wartenbergstraße sowie an den Längen- und Teufenangaben Schwamkrug's für die 1860 bestehenden Grubenbaue orientiert.

   


Blenden wir die Croquis nun wieder aus, dann wird unsere Zulage dadurch gestützt, daß das von Beulwitz'sche Stollnmundloch just oberhalb der auf alten Topographischen Karten verzeichneten Quelle des Kohligtgrabens zu liegen kommt. In den ALS- Reliefkarten erkennen wir außerdem den Standort der heute im Gelände noch zu findenden, vermeintlichen
 Kalkofenreste sowie weiter talwärts eine langgestreckte Pinge, die wohl noch auf die Erkundungsarbeiten in den 1820er Jahren zurückgeht. Quelle der verwendeten Hintergrundkarte: geoportal.sachsen.de

   

Da das Mundloch des heute noch besthenden Städter'schen Stollns erheblich weiter nordwestlich und damit auch weit höher als der alte Stolln ansetzt, steht hieraus ferner auch zu vermuten, daß Teile des von Beulwitz'schen Kalkwerkes von der Ausbisslinie her mit einem Tagebau überfahren worden sind, welcher die heutige Senke hinter den Abraumhalden bildet.

Offenbar hatten Städter's Vorgänger mit dem alten Wasserlösestolln nun im Südosten keine bauwürdigen Kalksteinvorkommen mehr angefahren, so daß Städter mit seinem neuen Stolln, der im Fallen der Ausbisslinie weiter oben und südwestlich versetzt zum alten Stolln angesetzt ist, beabsichtigte, die alten Baue zu umfahren und neuen Abbau nordwestlich davon ‒ wo man das Vorkommen an der Ziegelei wahrscheinlich ja auch zuerst entdeckt hatte ‒ auszurichten. Jedenfalls führt der noch einmal rund 64 m lange Städter'sche Stolln nordostwärts unter dem Tagebau hindurch und die sich dort anschließenden, heute noch fahrbaren  Abbauweitungen liegen demnach in etwa 10 m bis 15 m Tiefe unter dem Feldstück zwischen dem Tagebau und der alten Wartenbergstraße.

  

Vom November 1867 stammt dann ein Bericht des eigentlich auf der Grube Churprinz Friedrich August Erbstolln zu Großschirma angestellten Untersteigers Richter über seine Revisionsreise im Auftrag des Bergamtes zu den Kalksteingruben von Maxen links bis Hohnstein rechts der Elbe (40024-12, Nr. 15/1). Er fand darüber das Folgende berichtenswert:

Die Kalksteingrube zu Zeschnig am Hockstein.

Befund der Grube.

Besitzer: Markscheider Städter aus Altenberg. Administrator: Hr. Keutel und Steiger Schotte.

Die vorgefundenen bergmännischen Bauten bestanden in einem 32 Ellen (zirka 17 m) tiefen Schacht, dem Abbau des Kalklagers und einer zu Tage ausgehenden Strecke. Der Schacht steht mit dem Abbau und der Strecke in Verbindung und ist ganz dazu geeignet, um der Grube vollständig Wetterlösung zu verschaffen. Bis zu 14 Ellen Teufe hat man die Stöße des Schachts mit ganzer Bolzenschrotzimmerung verwahrt und dann im festen Gestein bis Streckensohle niedergebracht. Von hier aus hat der Abbau des Kalklagers begonnen.

Die Dimensionen des Abbaus sind circa folgende. Vom Schacht bis vor beide Öerter kann der Abbau eine Länge von gegen 18 Lachter / 63 Ellen (Richter gab in seinem Bericht meist zwei Maße an, die sich hier auf eine Länge zwischen 36 m oder rund 33 m ‒ die Dresdner Elle zu 0,5336 m vorausgesetzt ‒ belaufen) und eben auch die Breite erreichen, hingegen variiert die Höhe von 4 Ellen bis 7 Ellen. Der Schacht wird nur zur Fahrung genutzt, die Förderung erfolgt über die Tagestrecke.

Beim Abbau des Kalksteins sind drei Gesteinspfeiler in verhältnismäßiger Entfernung voneinander stehen gelassen worden, um die Förste zu unterstützen.

Die Strecke hat von Tage bis zum Schacht gegen 20 Lachter / 70 Ellen (zwischen 37 und 40 m) Länge und 3 ½ Ellen Höhe; dieselbe steht theils in ganzem Gestein, theils in halber und ganzer Thürstockzimmerung und es wurde soeben daran gearbeitet, dieselbe in Mauern herzustellen und zu Eisenbahn vorzurichten...

Die noch heute bestehende, aufwendige Naturstein- Ausmauerung der  Tagesstrecke in Zeschnig geht demzufolge auf Markscheider Städter zurück und wurde ab 1867 eingebaut.

Untersteiger Richter fand aus bergpolizeilicher Sicht hier nur wenig zu kritisieren, etwa waren einige angefaulte Joche des Schachtausbaus auszuwechseln und dem Steiger Schotte wurden einige Stellen bezeichnet, wo die Firste des Abbaus zusätzlich durch starke Stempel zu unterfangen war. Für die maximal zulässige Abbauhöhe legte Richter 5 Ellen, 6 Zoll oder 1½ Lachter (unter Maßgabe des normierten, zweimetrigen Lachters also 3 m) fest.

 

Untersteiger Richter konnte im Jahr 1867 auch das Hohnstein'er Kalkwerk noch besichtigen und berichtete über dieses (40024-12, Nr. 15/1):

Die Kalksteingrube zu Hohnstein.

Befund der Grube.

Besitzer: Frau Venus daselbst. Werkführer: Hr. Knüpfer.

In der Nähe der Stadt Hohnstein liegt genannte Kalksteingrube auf dem von der Stadt aus etwas stark ansteigenden Gebirge.

Das Abbauen des Kalklagers scheint hier schon eine ziemliche Reihe von Jahren betrieben worden zu sein, wie nach den Auslenkungen und Erörterungen des Grubenbaues anzunehmen ist. Das Besitzthum dieser Grube hat vielseitig gewechselt. Mag hierin wohl ein Grund liegen, daß die jetzige Besitzerin erntet, was ihre Vorgänger gesät ?

Nur einiges über den inneren Bau der Grube:

Bei 1 Lachter / 3 Ellen, 12 Zoll vom Mundloche der Tagesstrecke aus ist ein Schacht von circa 30 Ellen Teufe bis auf eine tiefere Strecke in einer flachen Richtung von circa 65 - 70° niedergebracht worden. Die Schachtzimmerung war ohne Regel eingebaut und in schlechtem Zustande.

Von hier aus ist es möglich, die Strecke und den Abbau des Kalklagers zu befahren. In circa 20 Lachter / 70 Ellen südlicher Entfernung vom Mundloche der Tagesstrecke befindet sich ein 50 Ellen tiefer Tagesschacht, der mit dem Abbau des Kalklagers in Verbindung steht. Da derselbe nicht fahrbar war, so konnte ich eine Revision im Schachte nicht vornehmen, bemerkte aber an den obersten Schachtgevieren, daß ein Ausbau dieses Schachtes sich nothwendig macht.

Diese Beschreibung der Grube weicht von dem 1812 bei  Martini Gelesenen deutlich ab: Es gab inzwischen eine Tagesstrecke und zwei Schächte, wobei Richter für den tieferen von beiden nur noch 50 Ellen (rund 27 m) Teufe angab, während er nach Martini noch 60 Ellen (rund 32 m) tief gewesen ist. Auch der erste Schacht, der schon kurz hinter dem Mundloch besagter Tagesstrecke abgesenkt war, gab Richter mit gerade einmal 30 Ellen (rund 16 m) eine wesentlich geringere Teufe an. Auch von dem  Wasserlösestolln ist keine Rede mehr...

Wir können nur vermuten, daß sich in den etwa 55 Jahren, die seit Martini's Besuch im Jahr 1812 vergangen waren, der Abbau im Streichen der Ausbißlinie verlagert hatte und daß man 1867 mit neuen Schächten im oberflächennahen Teil des Kalklagers abbaute. Schon Hedenus hatte vor 1845 ja einen Stolln nach Südosten anlegen lassen und wahrscheinlich ist es dieser, den Richter mit der Tagesstrecke meint. Der auf Hedenus folgende Besitzer Liebethal hat dann vermutlich aus dieser Strecke heraus einen Blindschacht teufen lassen.

Der Wasserlösestolln tat vielleicht noch seinen Dienst (denn über Pumpen zur Wasserhebung liest man bei Richter ja auch nichts), wurde aber wohl schon nicht mehr wirklich unterhalten, da er in die tieferen Baue des Hedenus'schen Kalkbruchs einkam.

Ganz anders, als in Zeschnig, fiel dagegen Richter's Einschätzung des Hohnstein'er Kalkwerks aus:

bergpolizeiliche Bemerkungen.

Da weder der eine, noch der andere Schacht den Arbeitern die nöthige Sicherheit gewährte, so habe ich Herrn Knüpfer bekannt gemacht: das Gewinnen des Kalksteins und sonstige Arbeiten in der Grube so lange zu sisitieren, bis er wenigstens den einen Schacht in gutem und fahrbarem Zustande hergestellt hat...

Auch in diesem Schacht fehlte die Vertonnung zwischen Fahr- und Fördertrum. Außerdem sei der Versatz im Abbau nachzuziehen, um die lose Förste zu fangen.

Mag auch der Besitzerin diese Anordnung hart erscheinen, so ist es doch nach meiner Überzeugung der schwungvollste Weg, die Grube wieder in den Stand zu setzen, womit sie den Arbeitern die nöthige Sicherheit gewährt und der Besitzerin baldigst nützen kann. Es bliebe noch mehreres zu erinnern, doch wird dieses bis zu einer nächsten Revision genug sein,“ endete Richter's Bericht.

Leider ist es nun zu einer nächsten Revision“ nicht mehr gekommen ‒ zumindest haben wir bislang keine weiteren Unterlagen darüber auffinden können. Es steht daher zu vermuten, daß der Besitzerin die Sache doch zu teuer geworden ist und der Abbau bald nach Richter's Revision eingestellt worden ist ‒ also wenig später als 1867.

 

Da der Familienname Venus doch hinreichend ungewöhnlich ist, haben wir im Staatsarchiv auch einmal danach gesucht und dabei festgestellt, daß um 1633 ein Hauptmann Friedrich Venus Festungskommandant in Wittenberg gewesen ist (11237, Loc. 10823/13).

Wenigstens ab 1776 (10918, Nr. 092) und noch bis 1815 war ein Johann Gottfried Venus in (Bad) Schandau Bürgermeister (10055, Nr. 0733). Ebendort ist bis 1833 ein Carl Gottfried Venus Holzhändler und Stadtrichter gewesen (10055, Nr. 0734). Auf welchem Weg dreißig Jahre später eine Frau Venus in Hohnstein in den Besitz des dortigen Kalkbruches gekommen ist, wissen wir noch nicht. Ungefähr zur selben Zeit, nämlich im Jahre 1863, erscheint der Name erneut und diesmal elbeabwärts in Meißen, wo ab 1863 ein Herr J. G. Venus die Kaschka- Mehrener Tonwerke gründete. Dessen Witwe Augustine verw. Venus betrieb noch bis zum Ende des 19. Jahrhunderts die dortigen Tongruben weiter.

In der nachfolgenden Zeit tritt der Familienname vergleichsweise häufig in den Akten in Erscheinung. Familienforschung wollen wir hier aber nicht betreiben, zumal ‒ vielleicht auch infolge der harten Anweisungen des Untersteigers Richter ‒ Frau Venus den Abbau wohl doch bald nach dessen Besuch aufgegeben hat. Jedenfalls ist dies der letzte Bericht über ein in Betrieb stehendes Hohnstein'er Kalkwerk...

  

Der Wiener Paläontologe Georg Bruder publizierte 1885 noch einmal einen ausführlichen Bericht über die Fossilien aus den dem Jura zugeordneten Ablagerungen bei Hohnstein. Darin haben wir die bislang einzige, bildliche Darstellung des Kalksteinbruches gefunden, wie er sich wohl im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts dem Betrachter noch dargeboten hat. Da die Kalksteinschichten im Steinbruchstoß auf Bruder's Zeichnung nach links fallen, ist auch völlig sicher, daß der Autor hier wirklich den Hohnstein'er und nicht den Zeschnig'er Steinbruch abgebildet hat: Da das Gelände bei Hohnstein nämlich nach Osten ansteigt, muß der Steinbruch auch in östliche Richtung in den Hang gegraben worden sein und die abgebildeten Schichten können folglich nur in dessen östlichem Stoß anstehen. Folglich muß auch die nach Norden einfallende Überschiebung hier nach links geneigt sein. In Zeschnig, wo das Gelände nach Westen ansteigt, müßte es genau andersherum sein...

Herr Bruder erläutert seine Zeichnung wie folgt: Zur Erkenntnis der tektonischen Verhältnisse an der Granit- Quadersandstein- Grenze eignet sich wohl der Aufschluß am besten, welchen uns die Entblößung über Tage in der südöstlich von der Stadt Hohnstein gelegenen Kalkgrube darbietet. Dieselbe ist entstanden durch Zusammenbrechen der ausgebauten Stollen, sowie durch steinbruchweise Gewinnung von Bausteinen. Wie beigefügte Skizze zeigt, sieht man hier recht schön jurassische schichten (mit einem anfangs 47°, zuletzt noch 37° betragenden Winkel) in nordöstlicher Richtung unter den Granit einfallen.

Dieser ist bei a von Schutt und Vegetation bedeckt. Die unter denselben einschießenden Sandsteine b und d sind durch beigemengte Kohleteilchen dunkel gefärbt und von sehr lockerem Gefüge, zwischen beiden lagert eine festere, gelblichgraue Sandsteinschicht c. Nach Cotta folgen dann weiter noch Sandsteine, ...sowie Kalksteine mit vielen undeutlichen Versteinerungen..., die jedoch gegenwärtig fast vollständig unter Gerölle und Pflanzenwuchs verborgen sind.

Wesentlich anders erweisen sich die Verhältnisse in der Grube selbst, welche leider zur Zeit meines Aufenthaltes (im Jahr 1881) wegen Einbruches von Wasser nicht zugänglich war...“

  


Zeichnerische Darstellung des Hohnstein'er Kalkbruches. Aus: G. Bruder: Die Fauna der Juraablagerung von Hohnstein in Sachsen, Wien, 1885, S. 238. Die kleinen Buchstaben auf der Zeichnung, welche im Text erläutert werden, sind kaum zu erkennen: Das kleine ,a' findet man am linken Bildrand oberhalb der Geländekontur und links der  Bäume, das kleine ,d' sieht man rechts unterhalb des oberen Abbauzugangs. Anhand der unterschiedlichen Schraffierung in der Darstellung des Lagerausbisses kann man die anderen im Text beschriebenen Schichten aber auch zuordnen und nach einigem Suchen dann die Buchstaben finden. Außerdem ist am rechten Bildrand noch ein Brennofen in der typischen Bauweise der Schneller- Öfen zu sehen.

   

Die Äquidistantenkarte von 1878 und das auf diesem basierende Blatt 84 der Geologischen Specialkarten von Sachsen, gedruckt 1892, weisen in deren Erscheinungsjahren noch die Standorte von zwei Kalköfen ‒ einmal an der ,Bergschenke´ unterhalb von Zeschnig und einen zweiten südöstlich der Stadt Hohnstein ‒ aus. Zumindest einige der übertägigen baulichen Einrichtungen der beiden Kalkwerke haben also zu dieser Zeit noch bestanden. In den Erläuterungen zum betreffenden geologischen Kartenblatt aus dem Jahr 1892 kann man dazu lesen (siehe unser Kapitel zur Geologie): „Bei Zeschnig und zwar in der Nähe der Bergschenke und der Ziegelscheune hatte man, wie Gumprecht (S. 136) aus Götzinger's ,petrographischer Charte´ dieser Gegend nachwies, bereits zu Anfang dieses Jahrhunderts (das wäre also um 1800 gewesen) auf Kalk gebaut. Ein später eröffneter Tagebau und ein zugehöriger Grubenbau sind noch heute (also noch im Jahr 1892) zugänglich.

Die Aufschlüsse am Hohnstein'er Kalkwerk bestehen aus einer jetzt (also 1892) schon sehr verfallenen steinbruchartigen Entblössung und aus längst nicht mehr zugänglichen unterirdischen Abbauen.“

Aus diesen Angaben kann man wieder folgern, daß das Vorkommen bei Zeschnig tatsächlich erst im ersten Viertel des 19. Jahrhunderts ‒ jedenfalls erst nach Martini's Reisen 1812 und 1813 ‒ entdeckt oder zumindest erst seit dieser Zeit in kontinuierlichen Abbau genommen worden ist und daß um 1890 der Kalksteinabbau dort noch im Gange gewesen ist.

Der Abbau bei Hohnstein war um 1890 dagegen „längst nicht mehr zugänglich…“

 


Ausschnitt aus dem Blatt 84: Section Königstein, der Äquidistantenkarten von Sachsen, gedruckt 1878. Wir haben die hier noch verzeichneten Standorte der beiden Kalköfen auf dem rechten Polenzhang unterhalb Zeschnig und auf dem linken südöstlich von Hohenstein wieder markiert.

   

Als in der Ausgabe der Jahrbücher für das Berg- und Hüttenwesen im Königreiche Sachsen auf das Jahr 1901 das erste Mal überhaupt in der Geschichte dieser Publikationsreihe auch gewerbliche Gruben aufgelistet wurden, waren in dieser Liste überhaupt keine Kalkwerke rechts der Elbe mehr zu finden (vgl. unseren Beitrag zum unteren  Triebischtal).

Auf der  Informationstafel des Nationalparks am Hockstein- Wanderparkplatz kann man dagegen lesen, daß der Abbau in Zeschnig unterhalb der Bergschänke noch bis 1930 angedauert habe, weil das Kalklager erst dann endgültig erschöpft gewesen sei.

Die im gleichen Jahr 1930 erschienene fünfte Auflage vom Einwohnerbuch für Neustadt in Sachsen führt unter dem Ortsnamen Zeschnig (S. 268) 21 Hausbesitzer auf, darunter auch Herrn Ernst Winkler, zu dieser Zeit gerade Besitzer des Gasthauses zum Hockstein, sowie Hellmuth von Carlsburg, Besitzer des Ziegeleigutes Zeschnig. Vermutlich stand die Ziegelei zu dieser Zeit also noch in Betrieb; ob man jedoch auch noch Kalk gebrochen hat, erfährt man daraus nicht. Auch in den kurzen geschichtlichen Bemerkungen zum Ort finden sich in dieser Quelle keine Hinweise auf umgehenden Kalksteinabbau.

Kaum anders sieht es in diesem Einwohnerbuch unter dem Stichwort der Stadt Hohnstein aus. Unter Geschichtliches hielt man darin am Rande für bemerkenswert: „Erwähnung verdient aus dieser Zeit, daß im 17. Jahrhundert im Bärenhohl ein Bergwerk angelegt wurde. Man fand hier eisenschüssige Kupfererze mit Kupferblumen und Silbererze. Da es aber nicht gelang, durch Schmelzen das reine Metall zu gewinnen, ging das Bergwerk im Jahre 1708 ein. Mehr Glück hatte man später mit einem in ziemlicher Tiefe hinstreichenden Kalklager, das lange Zeit reiche Ausbeute lieferte.“  Die Verfasser schrieben bereits im Präteritum: Der Abbau des Kalksteins war Geschichte...

    


Etwa gleicher Ausschnitt wie oben aus der Ausgabe der Meßtischblätter für Sachsen aus dem Jahr 1908. Hier sind die Kalköfen nun schon nicht mehr verzeichnet, stattdessen liegt im fraglichen Bereich bei Hohnstein nun der Kopfbahnhof der Schmalspurbahnstrecke. Im oberen Kohligt- Grund bei Zeschnig ist noch ein unbezeichnetes Gebäude zu finden, auf das wohl die heute dort noch zu findenden Mauerreste zurückgehen.

   


Ausschnitt aus einem Kartenblatt auf dem Stand von 1924: Hier ist jetzt die neue Wartenbergstraße eingezeichnet; die alte ist noch angedeutet, endet jedoch kurz vor der Einmündung in den Verlauf der neuen Trasse.

   


Ausschnittsvergrößerung aus obigem Kartenblatt: Wir finden hierin jetzt die Bezeichnungen „Ehem. Zgl.“ und „Ehem. Kalkwerk“. Was die örtlichen Heimatfreunde noch herausgefunden haben, da auf der Informationstafel am Hocksteinparkplatz ja steht, der Abbau habe noch bis 1930 angedauert, wissen wir noch nicht. Aber wir können uns ja gern einmal austauschen.

   


Etwa gleicher Ausschnitt wie oben aus der Ausgabe der Meßtischblätter für Sachsen aus dem Jahr 1926. Die alte Wartenbergstraße auf der Zeschnig'er Seite des Polenztales ist nun nur noch als Waldweg dargestellt...

   

Reichlich unklar bleiben heute die Absichten einer Gewältigung und verschiedener Umbauten in den erhaltenen Grubenbauen des Zeschnig'er Kalkwerkes, die nach Angaben örtlicher Fledermausfreunde und Dresdner Höhlenforscher (team-delta.de, hoehlenforschung-dresden.de) auf Anweisung des damaligen Ministeriums für Staatssicherheit der DDR von einem Bergsicherungsbetrieb ausgeführt worden sind. Tatsächlich gab es hierzu ein Projekt unter dem Namen „Technische Grundkonzeption zur kurzfristigen Herrichtung des auflässigen Kalkwerks Zeschnig für die geschützte Unterbringung von Personen aus dem Jahr 1982. Es kann sich jeder seine eigenen Gedanken machen, was die Partei- und Staatsführung der DDR hier wohl vorgehabt haben könnte...

Auf dessen Grundlage sind in der Folgezeit jedenfalls bergmännische Sicherungsarbeiten im Kalkbergwerk Zeschnig durch den damaligen VEB Bergsicherung Dresden ausgeführt worden. Abgeschlossen wurden sie nicht mehr ‒ da kam 1989 die Wende dazwischen ‒ aber auch geologische Schwierigkeiten in diesem, ja direkt an der Lausitzer Überschiebung gelegenen Bergwerk, standen einer schnellen Umsetzung entgegen (Bergsicherung Freital GmbH, 2022).

Hierzu zitieren wir noch kurz aus einem früheren Bericht über das Zeschnig'er Kalkwerk (Kaiser, Bieberstein, 2021):Vom ursprünglichen Schacht aus dem 19. Jahrhundert ist nichts mehr erhalten geblieben. Möglicherweise befindet sich an seiner Stelle der noch heute vorhandene Ausstiegsschacht aus Betonringen. Dieser entstand, ebenso wie eine Neugestaltung des Eingangsstollens und mehrere Einbauten in den Weitungen, wohl in den frühen 1980er Jahren, als das ehemalige Kalkbergwerk (zu einem Bunker oder Depot?) umgenutzt werden sollte.“

In diesem Zusammenhang haben die Bergbaufreunde aus Pirna aber auch herausgefunden, daß sich im Dezember 1916 eine schwere Explosion in der Munitionsfabrik des ebenfalls an der Lausitzer Überschiebung gelegenen Arsenals in der Dresdner Albertstadt ereignet hat. Entlang der Verwerfung sollen sich die durch die Explosion ausgelösten Erdstöße bis nach Zeschnig übertragen und hier zum Nachsacken der Füllmassen in dem bereits früher ausgestürzten, alten Schacht geführt haben. Noch einmal zurück zu der Beschreibung der in den 1980er Jahren erfolgten Sicherungsmaßnahmen (Kaiser, Bieberstein, 2021):

In diesem Zusammenhang wurden Beleuchtung (nicht mehr funktionsfähig) und Entwässerung über den Zugangsstollen zu den Abbauweitungen verlegt sowie die Sohle des Zugangsstollens und Teile der Abbauweitung geebnet und mit einer Splitdecke versehen. Quer durch Teile der Abbauweitung ziehen sich noch Spannseile, an denen die Elektroinstallation verläuft. Unmittelbar neben dem Ausgang des Zugangsstollens zum Abbaubereich befindet sich eine Ziegelmauer, deren Sinn heute nicht mehr erkennbar ist.

Vom nordöstlichen Teil der Abbauweitung aus wurde ein mit Stahlausbau gesicherter und 24 Meter langer Nebenstollen angelegt, der möglicherweise als ein zweiter Fluchtweg dienen sollte. Da er jedoch unmittelbar in die Lausitzer Störung hinein vorgetrieben wurde, war dort mit erhöhter Verbruchgefahr zu kämpfen, weshalb die Arbeit wohl auch nicht zu Ende geführt wurde. Eine künstlich eingebrachte Mauer sperrt einen Teil der Abbauweitungen im westlichen Teil der Lagerstätte und hat hier zu einem Wasserstau geführt.

Die Kalkgrube Zeschnig dient seit mehreren Jahren als geschütztes Fledermausquartier und ist nicht öffentlich zugänglich. Im Rahmen der jährlichen Kontrollbefahrungen wurden dabei u. a. die Kleine Hufeisennase (zahlenmäßig überwiegend), das Braune Langohr, die Wasserfledermaus und eine Bartfledermaus registriert.“

Das Stollnmundloch des Städter'schen Stollns ist übrigens beim Sächsischen Oberbergamt unter der Registriernummer 12/15/25/0001 als potentielles Bergschadensgebiet erfaßt. Im Auftrag des Oberbergamtes werden daher in einem mehrjährigen Turnus auch regelmäßig Kontrollen des Untertagebereiches durchgeführt (Bergsicherung Freital GmbH, 2022).

  

 
 
 

Zum Abbau bei Saupsdorf

  

Nach Angaben im Artikel zum Ort bei wikipedia.de (Text vom Frühjahr 2021) sei die Kalkgewinnung in Saupsdorf bereits Anfang des 17. Jahrhundert betrieben worden und im 19. Jahrhundert nochmals aufgelebt. Mit einem 1830 angelegten Schacht sei noch bis 1890 Kalk abgebaut worden.

Auch für diese Angabe zum Abbaubeginn haben wir in der Datenbank des Sächsischen Staatsarchives noch keinen archivalischen Beleg finden können. J. Langer vermutete 1929 nur (S. 37), daß der Kalkabbau auch hier „sicher sehr alt“ sei; führt aber als archivalische Belege nur Grubennamen aus der Region „bei Hinterhermsdorf“ und erst aus dem Jahr 1753 einen „Seegen Gottes Erbstolln am Wacheberg“ an. Letzterer liegt nun aber so weit vom Verlauf der Sandstein- Granodiorit- Grenze entfernt, daß damit niemals das Kalklager angefahren worden sein kann; wir kommen gleich darauf zurück.

Den um 1780 entstandenen Meilenblättern von Sachsen ist im fraglichen Bereich jedenfalls kein Hinweis auf umgehenden Bergbau zu entnehmen.

  


Ausschnitt aus dem betreffenden Blatt des Berliner Exemplars der Meilenblätter von Sachsen, Norden ist rechts oben: Südlich von Saupsdorf ist zwar die „Richter Heyde“ verzeichnet, jedoch keinerlei Hinweise auf hier zu dieser Zeit umgehenden Bergbau. Der Wachberg ist die Bergkuppe im Ausschnitt rechts oberhalb der Ortslage.

  

Andere Bergbauversuche in diesem Gebiet sind dagegen ‒ weil es sich dabei um Erzbergbau handelte ‒ zumindest dokumentarisch überliefert (40170, Nr. 290). Unter dem oben schon erwähnten Namen Segen Gottes Erbstolln hatte der 1753 noch auf der Grube Verträgliche Gesellschaft Erbstolln in Hinterhermsdorf angestellte Steiger Johann Gottfried Nestler am 8. März 1753 beim zuständigen Bergamt in Glashütte eine Fundgrube nebst einem Erbstolln „auf Saupsdorfer Gemeinde Gründen an der so genannten Wache Berge... auf alle Metalle und Mineralien“ gemuthet. Der dazumal zuständige Bergmeister Gottlieb Christian Otto in Glashütte vermerkte in seiner Eintragungsbestätigung „älterer Gerechtigkeit ohngeachtet,“ was möglicherweise darauf hinweist, daß Herr Nestler nicht der erste war, der es im fraglichen Gebiet mit Bergbau versuchte.

Am 11. Juli 1753 jedenfalls befuhr der Bergmeister diese neue Grube und berichtete anschließend, „das neue Werk lieget fast ¼ Stunde über Saupsdorf an einem nicht allzu steil anlaufenden Gebürge, der Wacheberg genannt... Oberhalb dieses Gebürges hat gedachter Muther anfänglich an dem Gehänge herunter einen Schurf gemacht und selbigen ein paar Lachter tief abgesunken, worinnnen sich verschiedene Spat- Klüfte mit einem ockerhaft lettigem Besteg, nebst dabey brechenden, schwartzen Schirl artigen Gestein gezeiget.“ (Mit ,Schirl´ meinte Herr Otto vermutlich ,Schörl´ ‒ einen schwarzen Turmalin.) Dieses Gestein soll auch zutage ausstreichen und Anlaß für den Schurf gewesen sein.

Herr Nestler beabsichtigte nun, den Schurf mit einem „um 6 Uhr gegen Abend“ (also nach Westen ausgerichteten) Stolln zu unterfahren, der bei etwa 30 Lachtern Länge unter dem Schurf 10 Lachter Teufe einbringen und den Schurf von den „sich allzu häufig einfindenden Tagewässern“ lösen sollte. Diesen Versuchsstolln trieb Herr Nestler allein vor, um zunächst „zu erfahren, ... (welche) Anbrüche und Erz Arten auszurichten seyn mögen...“

Erst, wenn er damit Erfolg habe, wollte er die Fundgrube vergewerkschaften und einen tiefen Erbstollen heranbringen, der bei allerdings dann schon etwa 100 Lachtern Länge um die 20 Lachter Teufe einbringen sollte. Bergmeister Otto vermerkte ferner, daß bis dahin aber noch geraume Zeit vergehen werde, weil der dermahlen angefangene Stolln nur nach Gelegenheit des Eigenlehners und wöchentlich kaum einige Schichten umgeht...“

Die Muthung wurde aufgrund des Versuchscharakters des Unternehmens vom Bergamt mehrfach verlängert, zuletzt bis Quartal Crucis 1754. Danach schließt der Akteninhalt, so daß zu vermuten steht, daß Herr Nestler dieses Vorhaben bald wieder aufgegeben hat.

Anhand der Beschreibung der Lage erscheint es jedenfalls äußerst unwahrscheinlich, daß bei dieser Untersuchung in den 1750er Jahren das erst 1830 genauer untersuchte Kalkvorkommen an der „Richter Heide“ bereits entdeckt worden sein könnte, denn der „Wachberg“ befindet sich nördlich von Saupsdorf.

  

Der Markscheider Martini, der im Auftrage des Oberbergamtes und der geognostischen Landesuntersuchungs- Kommission 1812 und 1813 die Region erstmals geologisch beschrieb, erwähnte in seinen Berichten nichts über Kalksteinabbau bei Saupsdorf, obwohl ihn seine Reisen eigentlich auch dort entlang geführt haben müssen.

Auch der Historiker A. Meiche kommt in seiner Historischen Topographie der Amtshauptmannschaft Pirna aus dem Jahr 1927 (S. 296) zu der Auffassung, daß erst im Jahr 1830 durch den Lehnrichter Thiermann (s. u.) mit dem Abbau des Kalksteinvorkommens bei Saupsdorf begonnen worden sei.

  

Auf Götzinger's Karte aus dem Jahr 1804 findet man im fraglichen Bereich ebenfalls keine Eintragung von Kalksteinvorkommen. Jedoch lesen wir in seiner Beschreibung der sächsischen Schweiz ‒ zumindest in deren zweiter Auflage aus dem Jahr 1812 ‒ im betreffenden Kapitel (S. 349ff):

Hintere sächsische Schweiz,
von Lichtenhayn über den Großen Zschand bis nach Hinterhermsdorf und die Weißbach.

zunächst einmal über den Ort (S. 373ff):

Ich gehe zuerst nach Saupsdorf*). Dieses ansehnliche Dorf, in welchem sich einige Güther besonders auszeichnen, zieht sich an einem hohen Berge, den Wachberg, hinauf, auf welchem man eine der schönsten Prachtansichten hat, die der Freund derselben nicht übergehen kann… Herr Landschöppe Thiermann, welchem dieser Berg zugehört, hat durch ein oben angelegtes Lusthaus diesen Platz zum Verweilen noch angenehmer gemacht.“

„*) Das Amtsdorf Saupsdorf zählt in 90 Häusern 648 Einwohner... Die Garnbleiche des hiesigen Landschöppen, Herrn Thiermann, ist sehr bedeutend; auch sind noch einige ansehnliche Bleichen hier. Der Bruder des Landschöppen hat schon seit einigen Jahren eine ansehnliche Fabrik und Handlung von gewirkten wollenen Strümpfen, Strumpfhosen und dergleichen ähnlichen Artikeln hier etablirt...“

Und nachdem ausführlich der schöne Ausblick vom Wachberg gelobt wurde und die Wanderung eigentlich schon fortgesetzt wird, lesen wir zwei Seiten weiter etwas überrascht noch:

Wir verlassen Saupsdorf ohne Führer und gehen... gerade auf der ebnen Straße fort, die bald wieder in Waldung und dann den Berg hinunter führt. Hier muß ich dem Geognosten zuerst sagen, daß oben in der Bergschlucht, welche von der Straße rechter Hand den Berg hinaus streicht, dichter Kalkstein bricht, dessen Bruch aber wieder liegen gelassen worden, und links von der Straße in dem Wiesengrunde ein Stolln tief in den Berg hinein getrieben worden, wo neben dem Granit ein Gang Thonschiefer streicht, und daß man hier wieder an der Gränze des Sandsteins steht...“

Wie an den anderen Orten auch, müssen solche früheren Abbauversuche lange vor dem Beginn des 19. Jahrhunderts wieder aufgegeben worden sein. Unter dem Ortsnamen findet man jedenfalls auch im betreffenden Band 10 von A. Schumann´s Postlexikon aus dem Jahr 1823 keine Erwähnung eines Kalkbruchs.

Aus den Sätzen Götzinger's ist aber zumindest zu schließen, daß Herr Thiermann nicht ganz planlos gerade auf der Richterheide nach Kalkstein gesucht hat: Nach seiner Meinung muß es hier Vorläufer gegeben haben. Auch der später Herrn Thiermann zugeschriebene Stolln soll demnach schon 1812 (oder noch früher) bestanden haben und wurde vom Lehnrichter dann vielleicht nur aufgewältigt. Umgekehrt muß sich dann allerdings der Straßenverlauf hinunter zum Saupsdorf'er Räumicht in den folgenden Jahrzehnten in Richtung des Talgrundes verlagert haben, denn sonst hätte der Stolln nicht auf der anderen Straßenseite angesetzt gewesen sein ‒ bei deren heutigem Verlauf wäre die für den Stolln angegebene Länge dafür einfach zu kurz.

   


Topo- und Petrographische Reisekarte durch die Meissnischen Aemter Hohnstein und Lohmen und einen Theil der Aemter Pirna und Stolpen oder die sogenannte Sächsische Schweiz, entworfen von M. W. L. Götzinger, aus: Wilhelm Lebrecht Götzinger: Schandau und seine Umgebungen oder Beschreibung der sogenannten Sächsischen Schweiz, gedruckt bei G. G. Monse, 1804, Gesamtansicht, Norden ist links oben.

Digitalisat von der Landesbibliothek Sachsen-Anhalt bei der Martin Luther- Universität Halle

   


Ausschnitt aus obiger Karte mit der (rechts unten) eingefügten Legende. In der rechten Spalte, im Ausschnitt dritte Zeile von unten die Signatur für Kalkstein.

  


Die Richter- Heide südwestlich von Saupsdorf liegt ziemlich in der Ecke eines Kartenblattes rechts neben der Leinwandheftung. Auch bei gründlichem Suchen finden wir hier die Signatur für den Flötzkalkstein nicht. Dieses Kalksteinvorkommen war Götzinger demnach - zumindest im Jahr 1804 - noch nicht bekannt.

  


Topo- und Petrographische Reisekarte durch die Sächsische Schweiz und umliegende Gegend, entworfen von M. W. L. Götzinger, aus: Wilhelm Lebrecht Götzinger: Schandau und seine Umgebungen oder Beschreibung der sogenannten Sächsischen Schweiz, in der Beger'schen Buch- und Kunsthandlung in Dresden, 1812, Gesamtansicht, Norden ist oben.

Digitalisat www.deutschefotothek.de/documents/obj/70400256

  


Ausschnitt aus der etwas jüngeren Karte: Der farbig markierte Verlauf der Granodiorit- Sandstein- Grenze ist in diesem Druck noch weniger verblaßt, verläuft jedoch deutlich zu weit nördlich durch die Ortslage hindurch, anstatt durch die Richterheide. Obwol er es in seinemText vermerkt hatte, wurde ein Vorkommen des Flötzkalksteins bei Saupsdorf von Götzinger auch 1812 hier nicht eingezeichnet...

   

Eine erste Notiz über den Kalkabbau bei Saupsdorf findet man wieder in den Akten der Geognostischen Landesuntersuchungskommission (40003, Nr. 180, ab Blatt 191 der Akte), wo es in einem Brief des Herrn Herrmann Häntzschel vom 7. Mai 1831 an den Hochgeehrten Herrn Bergkommissionsrath (der leider nicht namentlich angesprochen wird) heißt: „Bei Saupsdorf auf dem Grund und Boden des Richters Thiermann hat derselbe einen neuen Kalkbruch aufgetan, welcher guten Kalkstein zu liefern scheint; auch hat er schon ein Brand Kalk fertig, der recht gut sein soll. Der angegebene Besitzer sank einen Schacht im Kalkstein 27 Ellen tief (zirka 14,5 m) nieder und trieb von hier ein Ort hora 6 West.

In diesem Bruche kam er mit seinem Schachte auf Sandstein, teufte aber richtig 8 Ellen ununterbrochen ab und trieb von hier hora 2 NO ein Ort 3 Lachter in Sandstein und 2 Lachter in Kalkstein, hatte aber in dieser Entfernung den Granit noch nicht erreicht, und mußte eines Bruches wegen ausgehen, den es vor gedachtem Orte gemacht hatte, den er gegenwärtig gewältigt. Die Gränze des Sandsteins und Kalksteins, welche sich hier deutlich (unleserlich: verfolgen ?) läßt, fällt 25° hora 2. NO...“

  

Zu den vom Bergamt Altenberg 1828 bis 1834 im Auftrag des Königl. Sächs. Finanzministeriums durchgeführten Untersuchungen der Gebirgsgrenze in ihrem Verlauf auf fiskalischem Boden erging ein  Ergebnisbericht an das Oberbergamt in Freiberg im Jahr 1834. Demnach sind auch auf Ottendorf'er und Saupsdorf'er Fluren nördlich des Arnsteins und des (damals so genannten Kleinen Arnsteins ‒ vermutlich ist damit aber der Kleinstein gemeint, der zumindest anteilig auf Saupsdorfer Flur liegt) einige Untersuchungen erfolgt (40001, Nr. 2975: Blatt 85ff).

Aus diesem Bericht zitieren wir noch ausführlicher im Kapitel zum Kalkabbau in Hinterhermsdorf und suchen uns hier nur aus der Tabellarischen Übersicht zu den in diesem Zusammenhang ausgeführten Arbeiten die betreffenden Stellen heraus. In dieser Tabelle findet man (40001, Nr. 2975: Blatt 91f) den Punkt:

B. Bei Saupsdorf am sogenannten Kleinen Arnstein.

Auf Saupsdorf'er Flur sind darin insgesamt sechs, bis zu 3 ½ Lachter (zirka 7 m) tiefe Schürfe an vier Punkten entlang der Grenze zwischen Granodiorit und Sandstein beschrieben. Die ersten beiden lagen nach der Ortsangabe in der Tabelle „In der königlichen Waldung in 25 Lachter mittäglicher Entfernung von dem Rainstein No. 147.“

Nur auf dem Geologischen Kartenblatt Nr. 86: Hinterhermsdorf- Daubitz, 1. Auflage aus dem Jahr 1894, sind die Untersuchungspunkte aus dieser Zeit noch vermerkt ‒ also viel Spaß beim Suchen nach dem Grenzstein im Gelände...

Am oben genannten, ersten Punkt jedenfalls hatte man zwischen 1831 und 1834 zwei Schürfe von 1 ¼ bzw. 2 ¼ Lachter Teufe niedergebracht und berichtete 1834 darüber: „Mit beiden Schürfen hat man die Gebirgsscheide des Granits und Sandsteins durchstoßen. Diese streicht Std. 7 und verflächt sich 23° bis 30° gegen Mitternacht, so daß der Granit an seinem Ausgehenden auf dem Quadersandstein aufsitzt, dessen Schichtung sich circa 20° gegen die Gebirgsscheide hinneigt. Granit und Sandstein grenzen nicht scharf aneinander, sondern sind durch eine 18 bis 22 Zoll mächtige, aus mehr und weniger mit Sand gemengtem Thon, der in trockenem Zustande mit Säure befeuchtet, wenig braust, (bestehende Schicht voneinander getrennt).

Letzteres heißt also: Der Ton ist etwas kalkhaltig (eigentlich also ein Mergel).

Unter Bemerkungen heißt es in der Tabelle: „Die am Kleinen Arnstein bei Saupsdorf niedergebrachten, sub. 1. bis 4. beschriebenen Schürfe sind sofort wieder zugefüllt worden, da man durch solche die Überzeugung erlangt hat, daß in jener Gegend auf fiskalischem Boden Kalksteinablagerungen nicht vorkommen.“

Die Geologen waren sicherlich begeistert, die Kaufleute im Finanzministerium in Dresden dagegen sehr wahrscheinlich überhaupt nicht: Außer Spesen nichts gewesen... Dasselbe liest man übrigens auch zu den weiter westlich auf Ottendorf'er Flur und nördlich des Arnsteins ausgeführten Untersuchungen.

Wenn diese Schürfe, wie wir vermuten, sämtlich am Kleinstein und weiter westlich von diesem im Staatsforst lagen, wurde das ‒ demnach nicht auf staatlichem, sondern auf privaten Grund liegende ‒ Thiermann'sche Kalkwerk bei diesen Untersuchungen überhaupt nicht weiter betrachtet.

  

Über das Letztere und den dortigen Aufschluß des Kalksteins berichtete dann im Jahr 1835 T. E. Gumprecht (S. 160ff):

f) Saupsdorf.  

Südöstlich von Sebnitz liegt das Dorf Saupsdorf noch auf dem Granite, dessen Gränze mit dem Sandsteine schon eine Viertelstunde südlich von dem Dorfe durch den von Saupsdorf der Kirnitzsch zufließenden Bach durchschnitten wird...

Südlich finden sich längs dem Bache auf beiden Seiten desselben zwei Höhenrücken, von denen der eine auf dem rechten Ufer, die ,Richtershaide´ genannt, in seinem nördlichen, zunächst nach Saupsdorf abfallenden Theile eine granitische, in seinem südlichen dagegen eine zweite, aus Sandstein bestehende Kuppe trägt. Die Scheide liegt auf dem schmalen, beide Höhen verbindenden Joche...

Vor mehreren Jahren wünschte der Lehnrichter Thiermann zu Saupsdorf auf seinen Fluren Kalkstein aufzufinden und wurde nach längeren fruchtlosen und kostbaren Versuchen durch den Geschworenen Lose*) ermuntert, auf der Gränze des Granites und Sandsteins selbst – und zwar auf der Höhe der Richtershaide – einen Schacht abzuteufen.“

*) Gemeint ist hier wahrscheinlich der Berggeschworene C. C. Loose aus Altenberg.

  

Die Familie Thiermann (gelegentlich in den alten Akten auch Thürmann geschrieben) war wenigstens seit 1736 im Besitz des Lehngerichtes in Saupsdorf (10055, Nr. 0025). Im betreffenden Zeitraum um 1830 amtierte als Lehnrichter dort Herr Carl August Thiermann (10055, Nr. 0275).

  


Ein Blick vom Wachberg über den Ort Saupsdorf nach Südwesten. Rechts vom Tal des Saupsdorfer Bachs sieht man schön die Reihe von kleinen Kuppen am südlichen Ende der Richterheide. Im Hintergrund das hier gerade wolkenverhangene Winterbergmassiv.  Foto: W. Hahn, 1928. Bildquelle: deutschefotothek.de 

http://www.deutschefotothek.de/documents/obj/90066780

  

Zurück zu T. E. Gumprecht's Bericht (S. 160ff):

Dies geschah im Jahre 1830, und Thiermann sah endlich seine mehrjährige Ausdauer durch die Entdeckung eines 6 Ellen mächtigen Lagers von festem, dichtem, nur sehr wenig krystallinischem, gelblichgrauem, reinem Kalksteine belohnt. Die Entdeckung dieses Lagers kann als die merkwürdigste Bestätigung des bei dem Volke vorhandenen Glaubens über das stete Vorhandenseyn von Kalk auf der Granitscheide angesehen werden.

Der Schacht war nach den übereinstimmenden und von mir jede besonders erfragten Aussagen des Thiermann und eines Arbeiters, welcher das Abteufen von Anfang an geleitet hatte, etwa 27 Ellen tief ≈ 14,5 m und ging von oben nach unten durch folgende Schichten:

1)     durch Granit 5 - 6 Ellen

2)     durch Mergel 1 ¼ - 1 ½ Ellen

3)     durch festen Kalk 6 Ellen

4)     durch Mergel 5 - 6 Ellen

5)     durch Treibsand 1 ½ - 2 Ellen.

Man gelangte dann auf festen Sandstein, der noch 5 Ellen durchsenkt wurde, ohne daß eine zweite tiefere Spur des Kalksteins sich vorgefunden hätte. Es wurde deshalb von der Sohle des Schachtes ein horizontaler Querschlag nach dem überhängenden Granit getrieben, und mit demselben die vorhin genannte Folge der Schichten, nunmehr natürlich in umgekehrter Ordnung, überfahren, zuletzt also der feste Granit selbst angetroffen. Die Fig. 10 giebt einen Durchschnitt des damaligen Betriebes…“

   


Etwa dieselbe Darstellung aus R. Beck: Erläuterungen zur geologischen Specialkarte des Königreichs Sachsen, Blatt 85: Section Sebnitz – Kirnitzschthal, erschienen 1895, S. 33.

  

Nach zweijährigem Betriebe wurde der Schacht seiner fehlerhaften Construction wegen verlassen; er brach bald zusammen und ist jetzt vollends ausgestürzt. Dagegen unternahm man bereits im Jahre 1831, um die häufigen, den Bau erschwerenden Wasser zu lösen, einen Stollen aus dem Thale des Saupsdorfer Baches bis nach dem Betriebsorte selbst zu legen. Mit seinem Ende, das jetzt mit Brettern verschlagen ist, war Ostern 1834 von neuem das Kalkflötz erreicht worden. Dieser Stollen, auf den zuerst Herr Prof. Weiss die Güte gehabt hat, mich aufmerksam zu machen, ist für die Geognosie unserer Zeit von höchstem Interesse, weil er, in einer bedeutenden Länge (450 Ellen ≈ 240 m) nur auf der Scheide des Granits und Sandsteins geführt, die Auflagerung jenes Gesteins auf diesem auf das unzweideutigste nachweist… Ich habe gesucht in Fig. 12 eine möglichst getreue Skizze der linken Seite des Stollens, als der interessantern, zu entwerfen, so weit es die häufige Verschalung und der üble Zustand des Stollens selbst gestatteten. Ich fand diesen nämlich bereits so verbrochen, daß ich an einigen Stellen genöthigt war, fast kriechend in dem Schlamme und dem Wasser weiter zu dringen…

Im Sommer 1834 wurde nur 40 Schritte von dem ersteren entfernt ein zweiter Schacht angelegt, mit welchem kein Granit, wie bei jenem, durchsenkt wurde. Ich fand denselben 28 Fuß tief ≈ 7,9 m und beinahe ganz im festen Kalkstein stehend. Man sieht aus dieser Stärke, daß das Lager selbst auf sehr kurze Erstreckungen keine gleichmäßige Mächtigkeit besitzt. Ob eine Schichtung in demselben vorhanden ist, kann ich mit Bestimmtheit nicht behaupten. Während meiner Anwesenheit reichten die Fahrten nie bis auf die Sohle des Schachtes. So weit, als ich in etwa 12 Fuß Höhe über der Sohle beobachten konnte, bildete der Kalk ein vollkommen massiges Gestein ohne Schichtung. Dasselbe versicherten die Arbeiter.

Petrefacten sollen sich in dem Kalksteine nur äußerst selten vorfinden, die aufgestellten Haufen des gebrochenen Gesteines zeigten von ihnen keine Spur. Zwischen dem Sandsteine und dem Granite im Hangenden trifft man in der ganzen Länge des Stollens nirgends auf Kalkstein, der erst mit dem Ende desselben erreicht wurde; es scheint hier also nur eine ebenso vereinzelte Kalkablagerung sich erhalten zu haben, wie dies bei Hohenstein der Fall war. Denn an dem westlichen Fuße der Richtershaide, zu nächst an einem kleinen Gebirgsbache, und so auch längs der in senkrechter Linie von dem Bache nach dem Bruche auf der Höhe sich hinaufziehenden Scheide wurde bei mehreren Schürfen kein Kalk angetroffen…“

  


Anhand der im Text von T. E. Gumprecht genannten Zahlenangaben zu Thiermann's Schacht und Stollen rechnen wir doch mal nach: Wir haben die Pinge des (einen) Schachtes auf etwa 352 m DHHN (abgegriffen aus geoportal.sachsen) im  Gelände noch wiedergefunden. Bei 14 ½ Ellen Teufe lag die Schachtsohle folglich auf etwa 337,5 m Höhe. In obiger Grafik haben wir einen Kreis mit 450 Ellen ≈ 240 m Radius um die Pinge gezogen und dann dessen Schnittpunkte mit der 338- m- Höhenlinie gesucht. Die Lausitzer Überschiebung durchquert die Richterheide etwa in West- Ost- Richtung und nach der aktuellen GK50 einige Dekameter nördlich der Schachtpinge. Zum einen sieht man hieraus, daß Herr Thiermann - hätte er nur seinem Schacht Wasserlösung verschaffen wollen - den Stolln von Westen her schon nach viel kürzer Länge bis auf den Schacht hätte durchschlagen können. Er wollte also tatsächlich die Gesteinsgrenze untersuchen und Kenntnis über die Ausdehnung des Lagers erzielen und trieb den Stollen daher wahrscheinlich vom Tal des Saupsdorfer Bachs (von Osten) her vor, wo sich unser 450- Ellen- Kreis und die 338- m- Höhenlinie östlich der Schachtpinge wieder schneiden.

   

Von A. Schiffner wird 1840 in seinem Handbuch der Geographie... des Königreichs Sachsen, zweite Lieferung, den Kreisdirektionsbezirk Dresden betreffend, unter dem Stichwort des Hohnstein'er Amtsdorfes Saupsdorf (S. 505) noch kein Kalksteinabbau erwähnt. In der fünf Jahre später erschienenen Beschreibung von Sachsen und der ernestinischen... Lande wird dagegen vom gleichen Autor im Abschnitt Amtsdörfer im Hinteramte oder der Wildensteiner Pflege (S. 425) zumindest kurz erwähnt: „v) Saupsdorf... Der Ort hat ...1 Kalkbruch.“

  

Der uns schon bekannt gewordene Untersteiger Richter aus Großschirma bereiste im November 1867 auch Saupsdorf und fand hierüber zu berichten (40024-12, Nr. 15/1):

Kalksteingrube zu Saupsdorf.

Besitzer: Herr Thiermann, Ortsrichter und Gutsbesitzer allda.

Befund der Grube.

Die Kalksteingrube liegt im Gehölze, 20 Minuten vom Dorfe entfernt.

Der Schacht ist sehr solid überbaut. Seine Teufe beträgt 55 Ellen und (er) ist senkrecht. Im aufgeschwemmten Gebirge steht er in ganzer Bolzenschrotzimmerung und dann in festem Gestein, dem Granit und dem Jurakalk. Die Auflagerung des Granits kann hier gegen 45 Ellen betragen.

Vom Schachte aus gelangt man über eine Pfoste auf die Strecke. Letztere hat eine Länge bis vor Ort circa an die 23 Lachter / 82 Ellen mit einer Weite von 10 bis 12 Ellen und einer Höhe von 4 Ellen.

Die Strecke war mit starken Hölzern unterstützt, 10 Lachter höher als diese Grundstrecke ist früher vom Schacht aus eine obere Strecke getrieben worden, welche aber jetzt nicht mehr betrieben wird, weshalb man auch die Einmündung im Schachte mit Stangen verzogen hatte.

Nach T. E. Gumprecht's Bericht aus dem Jahr 1835 waren die beiden Thiermann'schen Schächte damals nur knapp 8 m und rund 14,5 m tief. Die Angabe Richter's 32 Jahre später, daß die Schachtteufe nun 55 Ellen, also knapp 30 m, betrage, zeigt, daß der Besitzer seinen zweiten Schacht, der ja fast vom Tage herein im Kalkstein abgesenkt war, noch einmal deutlich vertieft hatte. Die inzwischen abgeworfene „obere Strecke“ hat nach Richter's Angabe 10 Lachter, also rund 20 m höher gelegen; könnte somit dem Niveau um 10 m Tiefe unter Geländeoberfläche entsprechen, welches Gumprecht 1835 noch vorfand.

Den vom Saupsdorf'er Tal her aufgefahrenen Stolln erwähnte Richter auch in diesem Fall nicht mehr.

Die Abmessungen der „unteren Strecke“, die Richter 1867 in Betrieb stehend vorfand, von bis zu „12 Ellen Weite“ (also fast 6,5 m Breite), sagen uns, daß es sich dabei längst nicht mehr um eine Ausrichtungsstrecke, sondern um eine Abbaukammer mit einem Querschnitt (bei 4 Ellen Höhe) von über 13,5 m² gehandelt hat. Die Längenangaben zu dieser Strecke belaufen sich (den metrischen Lachter vorausgesetzt) auf 46 m oder (mit der Dresdner Elle gerechnet) knapp 44 m. Nehmen wir einfach den Mittelwert und den errechneten Querschnitt, dann beliefe sich die hier abgebaute Menge Kalkstein auf rund 615 m³ oder vielleicht 1.300 t.

Nun wissen wir zwar nicht, was beim Teufen des Schachtes und beim Abbau in der oberen Strecke noch an Kalkstein ausgebracht wurde; es wird sich aber höchstens noch einmal auf dieselbe Menge belaufen. Dies, in Anbetracht einer dazwischenliegenden Betriebszeit von mehr als 30 Jahren, ist wahrlich nicht viel und dürfte (neben der Deckung des Eigenbedarfes des Thiermann'schen Lehnrichtergutes) kaum viel abgeworfen haben...

Auch hier hielt der Untersteiger einige bergpolizeiliche Bemerkungen für erforderlich: Da es die zu eng gewählten Dimensionen des Schachtes gar nicht zuließen, fehlte wieder die Vertonnung. Der offene und nur mit einer Pfoste gesicherte Schachtsumpf war so natürlich nicht hinnehmbar und im Schacht fand er auch eine lose Wand, die abzutreiben und mit neuem Ausbau zu verwahren war. Außerdem berichtete er unter diesem Punkt noch über den ersten, zu dieser Zeit bereits aufgegebenen Schacht: „Über Tage bei circa 5 Lachter / 17 ½ Ellen vom Schachte aus ist ein altes zusammengebrochenes Gesenke. Man sieht den offenen Schacht und die Binge. Entweder ist die Binge auszustürzen oder mit Barriere zu versehen.“

Bei unserem Besuch in Saupsdorf Anfang 2021 haben auch wir noch eine ziemlich große Pinge vorgefunden. Gumprecht meinte dagegen 1835, daß Thiermann's erster Schacht schon damals vollends ausgestürzt gewesen sei. Auch die Angaben zum Abstand der beiden Schächte von 40 Schritten bei Gumprecht und nur 5 Lachtern bei Richter gehen ziemlich weit auseinander. Vielleicht handelte es sich bei dem von Richter im Jahr 1867 beschriebenen Schacht also schon um einen dritten...

   

Ausgerechnet in einer Akte des Bergamtes Altenberg über Beschlagnahmungen aus dem Zeitraum von 1837 bis 1866 ist noch ein weiteres Gutachten zu den Kalksteinbrüchen bei Saupsdorf enthalten (40006, Nr. 1550). Leider ist diese Akte gegenwärtig in einem zu schlechten Erhaltungszustand, so daß wir sie bislang nicht einsehen konnten.

Fast demselben Zeitraum (1868) entstammt eine Akte des Amtsgerichtes Sebnitz über die Dismembration und den Verkauf der Grundstücke des Carl August Thiermann in Saupsdorf (11098, Nr. 0176). Möglicherweise verlor Herr Thiermann also zu dieser Zeit sein Amt und gab die Güter in Saupsdorf auf.

Auf den ersten Ausgaben der Äquidistantenkarten von Sachsen aus den 1870er Jahren ist jedenfalls schon wieder nichts mehr über ein Kalkwerk an der Richtersheide bei Saupsdorf verzeichnet. Auch im Kalkwerksbetrieb Sachsens wurde 1867 von Wunder, Herbrig und Eulitz kein Kalkwerk an diesem Ort mehr erwähnt.

  


Auf diesem Ausschnitt aus dem betreffenden Blatt No. 85, Section Sebnitz, der Äquidistantenkarten, gedruckt 1879, ist bei Saupsdorf schon nichts mehr von einem Kalkwerk zu sehen...

   

In den 1930er Jahren interessierte sich dann noch einmal die Staatliche Lagerforschungsstelle beim Oberbergamt zu Freiberg für das Vorkommen. Die Begutachtung ging offenbar auf eine Anfrage des Bürgermeisters von Saupsdorf zurück. Ihm wurde jedoch beschieden, daß die Vorräte sehr begrenzt seien und zudem sehr ungünstige Gewinnungsverhältnisse bestünden, indem im etwa 40° nach Nord fallenden Hangenden stark zerrütteter, mylonitischer Granodiorit und im Liegenden zermahlener Sandstein“ anstehe. Der Abbau könne daher nicht wirtschaftlich sein. Der Bericht zu der Befahrung, die der Bergbeamte E. O. Teuscher gemeinsam mit dem Direktor Fest von den Dresdner Hartsteinwerken am 9. Februar 1937 durchgeführt hat, enthält darüber hinaus keine neuen Erkenntnisse (40030, Nr. 1080).

Angeblich sei aber auch im Bachlauf unterhalb des Stollnmundloches früher helles Kalksteingeröll gefunden worden und nach Angabe eines Saupsdorf'er Bauern sei auch 200 m westlich der beiden Thiermann'schen Schächte einst Kalk erschürft worden. Diese Angabe könnte auf die Anfang des 19. Jahrhunderts durch das Bergamt Altenberg am Kleinstein durchgeführten Untersuchungen zurückgehen.

Teuscher meinte dazu in seinem Bericht, daß das Kalklager nur 3 m mächtig sei, es aber durchaus mehrere, lokale linsenartige Anschwellungen“ geben könne.

  

 
 
 

Zum Abbau bei Hinterhermsdorf

  

Im Internet findet man hierzu die Angabe, daß eine Brettmühle „im unteren Heidelbachtal beim Kalkbruch“ erstmals (und zwar wieder im Jahr 1547 im Hohnstein'er Amtserbbuch) urkundlich erwähnt werde. Ob es sich dabei schon um die heutige Obermühle im Heidelbachtal oder um die Niedermühle an der Kirnitzsch handelte, sei jedoch nicht sicher (obere-muehle-hinterhermsdorf.de).

Denn auch die Tschechen reklamieren genau dieselbe Jahreszahl 1547 für sich, stand doch gegenüber der Niedermühle auch noch eine „Böhmische Mühle“ / Český mlýn an der Kirnitzsch, die damals noch zu Hinterdaubitz / Zadní Doubice gehörte. Nach dem 2. Weltkrieg wurden die mehrheitlich deutschsprachigen Bewohner von Hinterdaubitz nach Deutschland vertrieben und 1950 wurden alle Häuser einschließlich der Böhmischen Mühle abgerissen. Ein Grenzübergang nach Deutschland für Touristen wurde erst am 1. Oktober 1996 wiedereröffnet (luzicke-hory.cz).

Nach der Historischen Topographie der Amtshauptmannschaft Pirna von A. Meiche, erschienen 1927 (S. 115), gab es 1547 bei Hinterhermsdorf bereits drei Mühlen, von denen die Brettmühle an der Kirnitzsch (die Niedermühle) einem George Hohlfeldt gehörte, die Dorfmühle einem Nicol May und die bewußte Mühle beim Kalkbruche“ einem Hans Hantzell (oder Hentzschell). Der letztgenannte Familienname wird uns noch mehrfach begegnen...

Den Verweis auf das Erbbuch führte in diesem Zusammenhang J. Langer 1929 ebenfalls auf (S. 30); verwies dabei zugleich aber auch darauf, daß der Heidelbach den dortigen Bergsporn gewiß schon früher bloßgelegt habe und daher anzunehmen sei, daß bereits die ersten Kolonisten nach der zwischen 1200 und 1250 erfolgten Gründung des Dorfes den Kalkstein entdeckt und abgebaut haben könnten. Der Name „Kalkweg“, der auf alten Flurkarten noch zu finden ist, verweise auch darauf, daß von hier aus auch die Nachbardörfer mit Kalk versorgt worden sind.

Es sei nur noch einmal kurz daran erinnert, daß die Herrschaften Hohnstein und Lohmen mit Wehlen durch den Tausch im Jahr 1543 von den Herren von Schönburg an Herzog Moritz (*1521, †1553), ab 1547 erster Kurfürst von Sachsen aus der albertinischen Linie der Wettiner, gelangt und anschließend zum Amt Hohnstein zusammengefaßt worden sind. In diesem Zusammenhang sind die damals bestehenden Rechte und Gerechtigkeiten in jenem Erbbuch aufgezeichnet worden und es ist daher nicht verwunderlich, daß uns nun auch an diesem Ort just diese Jahreszahl 1547 wiederbegegnet. Daß dieses Erbbuch eine Aufzeichnung aus späterer Zeit darstellt und die darin festgehaltenen Gerechtigkeiten schon viel länger tradiert worden sein könnten, darauf hatten wir auch in unserem Kapitel zu Hohnstein schon hingewiesen.

Wo wir dieses  Erbbuch des Amtes Hohnstein (10036, Loc. 37964, Rep. 47, Hohnstein, Nr. 0011a) nun schon einmal selbst in der Hand halten durften, haben wir natürlich auch nach diesen Angaben darin gesucht. Man findet das Dorf als Hinderhermsdorff und seine Bewohner ab Blatt 519 in der Akte aufgeführt. Einleitend heißt es:

Das Dorff Hinder-
Hermsdorff

Besessene man

In diesem dorff seindt

dreyzehn besessene Mann, da-
runter der lehnrichter mit einge-
zogen...
(Blatt 520)

In diesem Dorff seindt 

Anderthalbe huffen und sechst-
halbe ruthen, darunter der lehn-
richter mit eingezogen, der drey
Ruthen hatt...
(Blatt 520b)

   


Das rund 600 Seiten umfassende Erbbuch des Amtes Hohnstein Im Sächsischen Staatsarchiv. Archivaliensignatur: Hauptstaatsarchiv Dresden, Bestand 10036 (Finanzarchiv), Loc. 37964, Rep. 47 (Hohnstein), Nr. 0011a, Einband, Foto: J. Boeck.

  


Wie schon im Abschnitt zu Hohnstein von uns gehandhabt, geben wir die Textauszüge in etwas größerem Format wieder. Bildquelle: Sächsisches Staatsarchiv, Hauptstaatsarchiv Dresden, Bestand 10036 (Finanzarchiv), Loc. 37964, Rep. 47 (Hohnstein), Nr. 0011a, Blatt 524, Rückseite.

   

Wenn man erst einmal wieder etwas Übung mit der alten Handschrift hat, kann man diese Seite schon ganz gut lesen. Hier steht jedenfalls:

Das Dorff hinder hermsdorff
(die übliche Kopfzeile der Verfasser)

Erbzins

Was ein Jeder Insonderheit
ins Ampt giebt

und gleich die allererste Eintragung lautet hier:

Hans Hentzschell
Zwo ruthen,

ii   gr Walpurgis

iiii  gr Michaelis

vi   gr Michaelis von einer bretmühle,
         bey den Kalckbrüchen gelegen,

Da ist der Name gleich schon wieder: Die Mühle am Heidelbach (wir erläutern gleich, warum wir uns relativ sicher sind, daß es wirklich genau diese gewesen ist) war also damals im Besitz der Familie Hentzschell (später meist Häntzschel geschrieben). Oben im Kapitel zu Hohnstein hatten wir schon bemerkt, daß die Verfasser dieser Aufstellung für die Angabe der Zinsbeträge römische Zahlenzeichen mit kleinen Buchstaben verwandten ‒ wie es auch hier zu sehen ist.

Hans Hentzschell hatte demnach um 1547 alljährlich zu Walpurgis (am 25. Februar) 2 Groschen und zu Michaelis (am 29. September) 4 Groschen Grundzins für seine zwei Ruthen Ackerland an das Amt zu zahlen. Desweiteren hatte er für seine Schneidemühle zu Michaelis noch einmal 6 Groschen Zins zu entrichten und diese nun lag zu dieser Zeit ‒ wie hier ganz unzweifelhaft zu lesen steht ‒ schon bey den Kalckbrüchen“.

Das nun ist nicht zu mißdeuten: An dieser Mühle bei Hinterhermsdorf wurde tatsächlich auch Kalkstein abgebaut, sonst wäre die Erläuterung, für welche der drei Mühlen im Ort dieser Zins zu entrichten gewesen ist, nicht genau so formuliert worden. Einen Kalkofen kann man auch mit anderenorts gebrochenen und angefahrenen Kalksteinen beschicken, aber Kalk brechen kann man nun einmal nur dort, wo man ihn auch wirklich gefunden hat...

Dies waren auch hier wieder die festen Grundzinsen und auch hier gab es zusätzliche, jedoch ertragsabhängig schwankende Zahlungen (als steigende und fallende Zinse“ bezeichnet). Wir finden sie ab dem Blatt 528 der Akte aufgeführt und erneut steht (gleich nach dem Lehnrichter) der Name Hentzschell an vorderer Stelle.

  


Bildquelle: Sächsisches Staatsarchiv, Hauptstaatsarchiv Dresden, Bestand 10036 (Finanzarchiv), Loc. 37964, Rep. 47 (Hohnstein), Nr. 0011a, Blatt 528.

  

Hier wieder unser Transkript:

Das Dorff hinder hermsdorff
(die Kopfzeile der Verfasser)

Steigende und fallende (,Zinsen' fehlt hier)

Lehnrichter

xxxii  gr vor die elbfur, wie oben be-
          merkt, und ist nicht erblich

Hans Hentzschell

vi  gr von den kalckwiesen  

ii   gr vom wasser, die Heidelbach
     genandt.

Wenn die kalckwiesen“ ebenso wie die „bretmühle bey dem kalckbruche“ zu gleicher Zeit im Besitz (oder in Pacht) desselben Hans Hentzschell gewesen sind und obendrein noch auf das Wasser des Heidelbaches, das vermutlich die besagte Mühle antrieb, ein Zins zu entrichten war, dann müssen diese drei Orte auch räumlich zusammengehört haben. Unseres Ermessens kann es sich somit nur um die spätere Obere oder Heidelbach- Mühle gehandelt haben, welche hier gemeint ist und die demnach auch schon 1547 bestanden hat. 

 

Einer Angabe auf der  Informationstafel des Nationalparks zufolge hätten die ersten Nutzer des Kalksteins diesen übrigens auch bei der Glasherstellung verwendet. Zu diesem Zweck aber dürfte man wahrscheinlich eher den Rohkalkstein nach Böhmen exportiert haben, denn eine Glashütte hat unserer Kenntnis nach in Hinterhermsdorf und dessen näherer Umgebung nie existiert.

Dagegen hat die Glaserzeugung im Lausitzer Gebirge östlich der Landesgrenze eine mehr als 700 Jahre andauernde Tradition. Schon im frühen Mittelalter, als die Grenzregion, ähnlich wie andere tschechische Grenzgebirgsketten, noch ein unbesiedelter Urwald war, wurde dank der Holzvorräte, die als Brennstoff wie als Baustoff zu verwenden waren, die Glasproduktion hier heimisch. Entlang der südlichen Lausitzer Bruchstörung traten lokal auch Quarzgänge auf und zerkleinerter Quarz wurde hier als einer der Grundrohstoffe für das Glasschmelzen benutzt. Die ältesten mittelalterlichen Glasproduktionsstätten wurden deshalb genau an solchen Orten mit genügenden Rohstoffen gegründet. Waren die Brennholzvorräte erschöpft, wurde die Glashütte einfach verlegt. Die ältesten Standorte der Glasmacher wurden im Herzen des Lausitzer Gebirges gefunden, etwa am südlichen Fuß des Friedrichsberges / Bouřný und am östlichen Bergfuß des Hügels Groß Buchberg / Velký Buk in der Nähe des Einzelhofes Neuhütte / Nová Huť, südlich von der Gemeinde Röhrsdorf / Svor. Sie wurden von den Archäologen auf die Zeit um 1250 datiert. Es handelt es sich damit sogar um die ältesten bekannten Standorte von Glashütten in der ganzen Tschechischen Republik.

Für die späteren Besitzer dieses Gebietes war es auch eine besonders geschickte Art und Weise, wie man diese zuvor menschenlosen, waldbedeckten Flächen nutzbar machen konnte. Die Historiker vermuten, daß die Glasmacheraktivität im Lausitzer Gebirge mit Bedacht der späteren bäuerlichen Kolonisierung vorausgegangen ist, denn einige Dörfer wurden später direkt auf den vorher durch die Glashütten gerodeten Flächen gegründet.

Nachweislich schon im Mittelalter angelegte Glashütten wurden bisher aber nur auf der böhmischen Seite des Lausitzer Gebirges und in seiner Umgebung archäologisch nachgewiesen. Auf der sächsischen Seite, wo das Lausitzer Gebirge im Osten in das Zittauer Gebirge übergeht, und auch im Westen, im Elbsandsteingebirge, fehlen bisher Nachweise für eine mittelalterliche Glasmachertätigkeit, obwohl sie auch dort vermutet wird.

Aus der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts sind dann auch Glashütten- Standorte in Daubitz / Doubice und seiner Umgebung im westlichen Teil des Lausitzer Gebirges bekannt, die als Vorläufer der noch heute bestehenden Glashütte in Ober- Kreibitz / Horní Chřibská gelten. Das genaue Datum der Gründung dieser Glashütte ist unbekannt, wird aber um 1414 angenommen, womit sie die älteste, noch immer in Betrieb stehende Glashütte in ganz Mitteleuropa wäre (luzicke-hory.cz).

   

W. L. Götzinger erwähnte dann 1786 in seiner Geschichte der Ämter Hohnstein und Lohmen erstmals den Kalkabbau (S. 498): Übrigens ist unsere Gegend auch an mehrern Steinarten reich. Bei Hinterhermsdorf war schon vor 1600 ein Kalkbruch angelegt, der bis auf unsere Zeiten fortgedauert hat. Anfangs war er churfürstlich, nach der Zeit aber ist er an Privatpersonen gekommen...“

Die Formulierung dieses Chronisten zum Zeitpunkt, wann dieser Anfang denn tatsächlich stattgefunden haben könnte, ist nicht genauer als das schon Gesagte und schließt jedenfalls auch den Zeitraum vor 1547 in sich ein. Nun kam, wie eingangs schon gesagt, Hinterhermsdorf erstmals durch den Tausch von Neustadt im Jahr 1451 zwischen Kurfürst Friedrich, dem II. genannt der Sanftmütige (*1412, †1464) und Albrecht Berka von der Dubá in die Hände Kursachsens. Wie schon zu lesen war, erhielt Albrecht Berka von der Dubá damals zum Ausgleich für die Abtretung der Herrschaft Wildenstein an die Wettiner Teile der Herrschaften Tollenstein / Tolštejn (zu der Hinterhermsdorf damals gehört hat) sowie von Schluckenau / Šluknov in Böhmen; dies jedoch eben unter Ausschluß von Hinterhermsdorf, das beim Hinteramt Hohnstein“ verblieb. Götzinger's Formulierung „vor 1600“ würde damit einen freilich sehr langen Zeitraum umfassen, der bis 1451 ‒ also nochmals fast 150 Jahre weiter ‒ zurückreichen könnte...

Da die Herrschaft Hohnstein mit Lohmen und Wehlen nun aber im Jahr 1486 von Herzog Albrecht, genannt der Beherzte (*1443, †1500), zunächst an Heinrich von Schleinitz weiter verliehen wurde, ist sie eigentlich erst durch den Tausch mit den Schönburg'ern im Jahr 1543 wieder an den Herzog Moritz (*1521, †1553) zurück gekommen, welcher seinerseits erst ab 1547 die Kurwürde für das albertinische Sachsen inne hatte. Demnach kann der Kalkbruch also keinesfalls vor diesem Jahr 1547 churfürstlich“ gewesen sein. Wenn Götzinger dann schrieb „anfangs“, würde dies aussagen, daß der Abbau des Kalksteins just zu dieser Zeit aufgenommen worden ist.

Einen weiteren Hinweis darauf, daß nicht nur die Mühlen schon im 16. Jahrhundert bestanden, sondern auch die Kalksteinbrüche tatsächlich schon vor rund 475 Jahren in Abbau gestanden haben könnten, liefert auch das folgende Blatt aus den Matthias Oeder'schen Kartenzeichnungen von Sachsen und Teilen der sächsischen Besitzungen in Thüringen, deren Entstehung auf den Zeitraum zwischen 1586 und 1634 zurückgeht.

   


Ausschnitt aus dem Blatt 177a der Matthias Oeder'schen Karten von Sachsen: Rechts oben ist Hinterhermsdorf zu sehen, links oben die charakteristische Schleife des Kirnitzschtals unterhalb der Einmündung des Heidelbaches. Leider weist auch dieses Blatt aufgrund seines Alters schon einige, zwar reparierte, aber eben doch Fehlstellen auf. Quelle: Sächsisches Staatsarchiv, Hauptstaatsarchiv Dresden, Bestand 12884 (Karten und Risse), Schr. R, F. 003, Nr. 177a+b: der sogenannte Ur- Öder: Gegend zwischen Nixdorf / Mikulášovice und Saupsdorf, Teilansicht, Norden ist unten. Bildquelle: deutschefotothek.de 

http://www.deutschefotothek.de/documents/obj/90011272

    


Ausschnittsvergrößerung aus obiger Zeichnung mit dem Heidelbachtal südwestlich vom Steinbergk. Leider ist just dort, wo der Clausenweg von rechts her (aus Westen von Neudörfel her) das Tal erreicht, die Zeichnung b
eschädigt, aber man könnte die kleine Notiz links neben dem Bachlauf tatsächlich als „Kalkoffn“ lesen. Ziemlich deutlich steht dagegen etwas weiter rechts unterhalb (nordwestlich) davon „am kalckweg“ zu lesen !  Derselbe führte demnach damals offenbar nicht nach Böhmen, sondern in Richtung Hinterhermsdorf...

   


Seltsamerweise findet sich an gleicher Stelle auf dem betreffenden Blatt der unwesentlich jüngeren, ab 1614 entstandenen Kartenzeichnungen von Matthias Öder und Balthasar Zimmermann keine analoge Eintragung. Quelle: Sächsisches Staatsarchiv, Hauptstaatsarchiv Dresden, Bestand 12884 (Karten und Ri
sse), Schr. R, F. 001, Nr. XIX: Gegend von Bautzen bis Kirnitzschtal, Teilansicht, Norden ist auch hier ungefähr unten. Bildquelle: deutschefotothek.de 

http://www.deutschefotothek.de/documents/obj/90011674

    

Am 6. Mai 1670 wurde dann dem damaligen Floßmeister Hans Häntzschel auf seinem Erbräumicht, das noch immer „Kalkwiese“ genannt wurde, der Bau einer neuen Mühle genehmigt. Der Lehnrichter Johann Michael Häntzschel übernahm die Mühle von seinem Vater und verkaufte diese 1696 an den Hinterhermsdorfer Förster Gottfried Kühnel (obere-muehle-hinterhermsdorf.de).

Als Heidemühle wurde die Obere Mühle im Jahr 1700 in den Akten bezeichnet (10036, Loc. 38691, Rep. 18, Nr. 011).

Wie schon in unserem Kapitel zum Abbau in Hohnstein erläutert, besteht auch hier eine lange Lücke in den Aktenüberlieferungen nach der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts. Aktenkundig wurde ein in Betrieb stehendes Kalkwerk im Heidelbachtal erst wieder im Jahr 1727 und zwar wieder einmal in Zusammenhang mit einem Streitfall (10036, Loc. 36119, Nr. 1697). Der dieser Akte beigefügten Zeichnung ist zu entnehmen, daß zu dieser Zeit zwei Kalksteinbrüche bestanden haben, beide jedoch auf demselben (dem linken) Ufer des Bachlaufs. Der eine Bruch hatte offenbar einen bestehenden Weg in Mitleidenschaft gezogen, so daß ein neuer Weg angelegt werden mußte.

  


Entwurf von denen streitigen Kalckbrüchen, Bildquelle: Sächsisches Staatsarchiv, Hauptstaatsarchiv Dresden, Bestand 10036 (Finanzarchiv), Loc.36119, Nr. 1697, Blatt 17, Zeichnung nicht datiert und gezeichnet, aber nach dem Kontext (s. u.) zu datieren auf 1727, Gesamtansicht. Seltsam ist, daß der Zeichner die wahrscheinlich ja noch weit ältere Obermühle nicht mit dargestellt hat: Die beiden Gebäude sind jedenfalls mit „der Kalckofen und Kalckhütte“ beschriftet. Ob das schattierte Quadrat im „alten Steinbruch am Steinberg“ (der obere) bereits einen Schacht darstellen soll, geht aus der Darstellung auch nicht hervor. Unklar ist generell auch die Orientierung der Zeichnung: Die Gebäude nämlich sind zwischen dem Steinberg (rechts oben) und dem Heidelbach - folglich auf dessen östlichem Hang - aber dann auch südlich (unterhalb) der Steinbrüche dargestellt. Es ist wohl doch nur ein „Entwurf“ gewesen...

    

Dem Inhalt der Akte des Finanzministeriums (10036, Loc.36119, Nr. 1697), das zu dieser Zeit auch für die königlichen Forsten und damit für die in diesen gelegenen Kalksteinbrüche zuständig gewesen ist, zufolge, hatte dazumal ein Herr Johann Gottfried Schmidt aus Dresden beim damals zuständigen Bergamt in Glashütte ausgerechnet im Bereich der Hinterhermsdorfer Kalksteinbrüche ein Berggebäude Hoffnung Christi“ gemuthet und befürchtete nun, daß der weitere Kalksteinabbau seinen Erzbergbau beeinträchtigen werde. Deshalb schrieb Herr Schmidt am 8. Dezember 1727 an die königliche Kammer das Folgende (und wir zitieren den ziemlich geschwollen und wortreich formulierten Brief gern so wörtlich, wie man damals halt ein Gesuch an den Landesherrn zu richten hatte):

praesentum 8ten Dec. 1727

Allerdurchlauchtigster Großmächtigster König und Churfürst,
Allergnädigster Herr,

Eure Königl. Majestät und Churfürstl. Durchl. haben nach der Beylage Sub. A. am 11. Sept. h. d. an die Beamten zu Hohnstein

daß diese den Kalckbruch zu Hinterhermsdorf an den Meistbietenden auf 3 Jahr, jedoch an keinen Forst Bedienten verpachten, und wie es geschehen zu gnädigster approbation alleruntertänigst berichten sollen,

allergnädigst rescribirt. Es ist auch in ermaltem Ambt nach beyliegender registratur sub. B. die Verpachtung am 30. Sept. würklich vor sich gangen, dabey aber weile niemand als ich mit 10 Thlr. als reinen Berg Zins davon jährlich zu entrichten sich angegeben, von Seiten des Ambtes resolvirt worden, den Kalckbruch anderweit ausrufen, und anschlagen zu lassen. Nachdem nun auch der 20. Oct. der Termin zu nochmaliger Verpachtung gewesen, sich aber darinnen wieder niemand, als ich, dazu angegeben, mußte drum nicht nur mein erstens gethanes licitum wiederholt, sondern auch bis Schlag 12 Uhr in ermaltem Ambte mich aufgehalten, als habe solchergestalt, und damit mir hierbey, weile doch sowohl erstens als letzters Gebot gethan, nichts nachtheiliges wiederfahren, noch einen andern dieser Pacht des Kalckbruches, welchen die Beambten auch das andermahl mir nicht überlassen wollen, gegeben werden möge, an Eur. Königl. Maj. und Churfürstl. Durchl. auch beyliegende copie sub. C. allerunterthänigst zu apelliren, mich gedrungen gesehen, welche apellation der auch bey ermaltem Ambte angenommen, und registriret worden.

Nun hätte ich mich nicht nur dieser von mir ergriffenen allerunterthänigsten apellation halber, sondern auch weil Eur. Königl. Maj. und Churfürstl. Durchlaucht de dato den 7. Oct. letzthin auf des Vice Bergmeisters Stephani zu Glashütte erstatteten allergehorsamsten Bericht, deren Beambte zu Hohnstein, daß ihr die occasione meines offerirten Berg Zinses von Kalckstein wegen besorgender Mißfälligkeiten, welcher sich Dero hohen Interesse zu Nachtheil wenig mehren, die Hinterhermsdorfer Kalck Brüche in Pacht bekommen sollte, mit mir als Muther derer daselbst durchstreichende Gänge ereignen dürften, mit unterlauffenden Umstände in genauer Erwägung ziehen, und darüber Bericht samt Gutachten zu erstatten, allergnädigst anbefohlen, in der Sache zu meiner ultra judiz nichts unternehmen würden, weile Eur. Königl. Maj. und Churfürstl Durchl. vor allen Dingen die Bewandtnis der Sache erkundiget wissen, und solche selbst resolviren wollen, allein dem allen zuwieder haben gedachte Beambte diesen Kalckbruch letzthin dem Hinterhermsdorfer Richter Hannß George Puttrich'en, hinter welchem doch der Floßmeister Frezschel, der sich als ein Forstbediensteter öffentlich melden dürfe und gleichwohl daß er den Kalckbruch wenn es ihm auch noch 200 Thlr. kosten sollte, nicht lassen würde, sich verlauten lassen, stehen soll, inhalts meiner nach verflossenem Termin gefertigter registratur gegen ein alljährliches quantum von 24 Thlr. zugesprochen, dergestalt, daß in Puttrich's Nahmen inzwischen gebrennet wird, und zu diesem Brande nur meine eigenthümlich gehörige aufn Böhmischen Wald erkaufte 28 Klftr. Holtz de facto eigenmächtigerweise hinweggenommen und verbrannt wurde, hingegen haben sie den erforderten Bericht zu dato nicht erstattet, obschon in die 8. Woche verflossen.

Gleichwie aber dieser den Beambten verfahren, denen Rechten und dero allergnädigsten Befehlen nicht gemäß, vielmehr Bergbaulustige durch dergleichen wiedrige Umstände nur abgeschreckt werden. Also gelange an Eu. Königl. Maj. und Churfürstl. Durchl. meine allerunterthänigste Bitte, Sie geruhen nunmehro die Beambten zu Hohnstein bey Strafe zu Einsendung des erforderten Berichtes anzuhalten, sowohl an dieselben, daß sie dem Richter zu Hinterhermsdorf, Puttrich'en, bis nach erfolgter dero Haupt- resolution, keine turbation mit Kalckstein graben, und brennen, innerhalb meiner gemuthetetn Zeche erstatten, sondern bis dahin auch ihm alle diese und anderer turbationes bey Strafe untersagen zu sollen, allergnädigsten Befehl zu ertheilen, dagegen wie sonst Zeit Lebens beharre

Eu. Königl. Maj. und Churf. Durchl. Friedrich August 
allerunterthänigst gehorsamster
Johann Gottfried Schmidt

Dresden am 5. Dec. 1727“  

Wir erfahren hieraus, daß die Kalkbrüche (es waren zu dieser Zeit folglich zwei) an den Hinterhermsdorf'er Richter Puttrich verpachtet waren, der dafür einen jährlichen Zins von 24 Thalern an den Fiskus zu entrichten hatte. Nun war es auch damals schon so, daß der Meistbietende letztlich den Zuschlag erhielt. Und da man sich sicherlich gut kannte, erfolgte sicherlich keine formale Prüfung, ob denn der Bieter tatsächlich trotz seiner Anstellung beim Staate damit auch nicht einem Nebenerwerb nachging...

Auf ungefähr dieselbe Zeit nach 1733 datiert eine Akte der Oberforstmeisterei Schandau bezüglich eines „von den Erben des verstorbenen Floßmeisters Johann Georg Hainzschel zu Hinterhermsdorf angelegten Kalkbruchs und Brennofen auf einer vererbten Wiese daselbst“ (10869, Nr. 311), auf die wir gleich noch zurückkommen. Dieser Familienname wurde in den meisten anderen Akten gewöhnlich Häntzschel geschrieben (z. B. in 10055, Nr. 2282). Wahrscheinlich meinte Herr Schmidt also diesen und hatte nur aus Unkenntnis Floßmeister Frenzschel“ geschrieben.

Auch die Familie Puttrich, deren Name uns hier genannt wird, war wenigstens schon seit dem Jahr 1700 in Hinterhermsdorf ansässig. Zu dieser Zeit besaß ein Christian Puttrich hier eine Brettmühle (10036, Loc. 38691, Rep. 18, Nr. 0011). Außerdem war zur gleichen Zeit ein Matthes Puttrich Besitzer des Erbgerichtes in Hinterhermsdorf, um dessen Nachfolge es unter seinen Söhnen Johann (oder Hanns) Georg Puttrich und Hans Matthes Puttrich in der nachfolgenden Zeit zum Streit kam (10055, Nr. 0193). Von dem ersten der in dieser Akte des Amtes Hohnstein genannten Brüder (Hannß George) dürfte auch im Brief des Herrn Schmidt die Rede gewesen sein.

A. Meiche nennt in seiner Historischen Topographie der Amtshauptmannschaft Pirna (erschienen 1927) für das Jahr 1791 wieder einen Lehnrichter namens Ephraim Traugott Puttrich zu Hinterhermsdorf.

Der Familienname begegnet uns im Jahr  1834 erneut als Besitzer des Kalkbruchs wieder...

  

Die Anlage sub. B. ist auf Blatt 4f derselben Akte (10036, Loc.36119, Nr. 1697) eingeheftet und besagt:

Registratura Ambt Hohnstein 30. Sept. 1727

Dato meldet sich an Ambts stelle Hr. Johann Gottfried Schmidt von Dresden, und auf Begehren: ob und wie einer von den Gebrauch des Kalkbruches zu Hinterhermsdorf alljährlich zu geben, willens, erbietet sich anfänglich zu 6 Th., nachgemahl aber 10 Thl. alljährlich Pachtgeld zu geben, weil aber solches Pachtgeld anzunehmen von Seiten des Ambts bedenklich erschienen, so ist resolviret worden, den Kalckbruch anderweit ausrufen und anschlagen zu lassen.

Schmidt sey beschieden worden, daß binnen 8 Tagen er allergnädigster resolution diesfalls anschaffe oder aber der anderweitigen Ausrufung des Kalckbruches gewärtig seyn solle, welches in Beyseyn des Ambtmanns Hr. Johann George Kästner’s und Amtsverwalters Johann Abraham Richter’s nachrichtlich anhero bemerket

Jacob Freifried (?) Grüzner    
Actotuariy.“  

Offenbar ging es also tatsächlich darum, daß Herr Schmidt nicht nur sein ‒ noch gar nicht aufgenommenes ‒ Bergwerk gefährdet sah, sondern tatsächlich die Kalksteinbrüche auch selbst pachten wollte. Das aber anfangs nur für 6 Thaler Pacht im Jahr...

Eine ähnliche Geschichte kennen wir doch auch schon aus  Hohnstein und auch  anderenorts hatten wir bei unserem Aktenstudium gelegentlich schon die Vermutung, daß es bei derartigen Muthungen auf Erze gar nicht wirklich um diese gegangen ist, sondern eigentlich um das bergrechtliche Vorrecht des (für den Fiskus gewöhnlich ja einträglicheren) Erzbergbaus vor dem grundeigenen Bergbau. Herr Schmidt hätte also bei Erfolg durchaus formal nach Erzen graben und nebenbei den Kalkstein mit hereingewinnen können, wenn ihm den letzteren nicht ein anderer weggeschnappt hätte.

  

Der eingangs des Schreibens von Herrn Schmidt erwähnte Bericht über den Erfolg der Verpachtung, den das Finanzministerium eingefordert hatte, findet sich ab Blatt 9 in der Akte. Aus diesem nun erfahren wir, daß es bei Herrn Schmidt's Hoffnung Christi Berggebäude um ein Bergwerk handele, daß sich mitten in dem alten Kalksteinbruche befindet, von dem neuen aber und allwo itzo Kalck Steine gegraben werden, 15 bis 16 einfache Schritte entfernt und dergestalt situiret (ist), daß es unserer Erachtens durch den Kalckbruch gar nicht gehindert, sondern alle beyde gar wohl, ohne Nachtheil für Eu. Königl. Maj. hohen Interesses fortgesetztet werden mögen, wie denn auch des Ruthengängers gemachter Anmerkung der Kalkbruch nicht einmal die Bergwerks Gänge berührt, solche auch nicht trifft und unter die Erde, sondern gleich hinein in Berg gehet. Überdies hat auch der gegenwärthig gewesene Johann George Hohlfahrt, so anitzo in Bergwerk arbeitet und diese Gegend, da er den Kalckbruch mit erfunden, kundig, ausgesaget, daß in dem neuen Kalkbruche über 2 Jahre gearbeitet werden könne, ohne dem Bergwerk zu nahe zu kommen oder hinderlich zu seyn.

Nachdem nun mittler Zeit sich ein Pächter zu dem neuen Kalckbruche, so jährlich 24 Thlr. zu geben versprochen, sich gefunden und der diesfalls errichtete Pacht- Contract unterm heutigen Dato Eu. Hochlöbl. Cammer Gemach zur approbation eingesandt worden, so erachthen wir iedoch ohne alle ungeziehmende Maßgebung dafür, daß der Kalckbruch gar füglich von dem Bergwerke separirt und einem anderen verpachtet werden möge. Geruhet aber zu Eu. Königl. Maj. höchsterlauchter Entschließung lediglich, was sie hierunter anzubefehlen in höchsten Gnaden sich entschließen wollen, die wir mit unterthänigster Treue Lebens lang beharren

Allerunterthänigst  
Gehorsamst  
Johann George Kästner  
Johann Abraham Richter  

Ambt Hohnstein  
2. Dec. 1727“  

Interessant ist hieraus besonders, daß einer der hier nach wie vor tätigen Arbeiter „den Kalckbruch mit erfunden“ habe. Diese (Wieder-) Entdeckung der Kalksteinvorkommen dürfte folglich kaum länger als die Lebens- und Arbeitszeit eines Bergarbeiters von damals vielleicht 50 Jahren zurückliegen und ‒ so dieser anno 1727 die Wahrheit ausgesaget hatte ‒ somit kaum vor dem Jahre 1680 erfolgt sein.

Wie wir außerdem lesen können, hatte Herr Schmidt einen Rutengänger engagiert und seine Fundgrube tatsächlich nur auf Hoffnung gemuthet, wahrscheinlich ohne je einen Brocken Erz von diesem Ort gesehen zu haben...

Für heutige Maßstäbe ist hingegen die Erwartung der Amtsleute, daß man mindestens zwei Jahre Kalkstein abbauen könne, ohne die genannte Distanz von 15 bis 16 einfachen Schritten zu überschreiten, nicht mehr begreiflich und gibt uns einen Eindruck darüber, welche geringen Mengen damals tatsächlich zutage gefördert worden sind. Allerdings wissen wir ja auch schon aus der geologischen Beschreibung, daß das Kalklager auch keine besonders große laterale Ausdehnung besaß und man ihm schon bald in die Tiefe folgen mußte.

   

Herr Schmidt gab aber noch nicht auf und so finden wir in dieser Akte auch noch eine Stellungnahme des von Herrn Schmidt schon erwähnten Vize- Bergmeisters Stephani von dem für die Muthungen in dieser Region damals zuständigen Bergamt in Glashütte vom 4. Februar 1728. Darin schrieb dieser:

Demnach bey hiesigen Königl. und Churf. Sächs. Bergamt der Lehnträger des Schmiedischen Hoffnung Christi Berggebäudes zu Hinter Hermsdorf gelegen, H. Johann Gottfried Schmiedt, in einem Schreiben unterm heutigen dato gebethen, (…) wegen obgedachten Gebäudes und des darbey befindlichen alten und neuen Kalckbruchs 1.) ob besonders der neue Kalckbruch zu ermaltem Hinter Hermsdorf, so in, und unter obgedachten Berggebäude sich befinde, diesen nicht hinderlich sey, sondern beyde gar wohl ohne Nachtheil des hohen Königl. interesso fortgesetzt werden können. 2.) ob, angeregter Kalckbruch die darbey befindlichen Gänge nicht berühre, 3.) ob über 2 Jahre in, so thanen neuen Kalckbruch ohne dem Bergwerk nahe zu kommen, Kalcksteine gebrochen werden können, 4.) ob auch die bey Berggebäuden zu Tage auszufördernden Berge nicht neben dem Schacht, sondern von dar weg und an entlegene Örter gelaufen werden müssen und wem solche gehörig? geschickt, mäßiger Gutachten und Attestat zu ertheilen.

Es ist Bergamts wegen dieses, das nach der bey der Bestätigung erst gedachten Berggebäudes beschehenen Befahr- und Besichtigung 1.) so thanes Berggebäude durch dem neuen Kalckbruch questionis, in so ferne darinnen ferner Kalcksteine gebrochen werden sollten, lediglich Hinderung gemacht, und also beyde, ohne Nachtheil des Königl. hohen Interesse und beständiger Missfälligkeiten so paratim nicht fortgesetzt werden können, 2.) der alte und neue Kalckbruch den anso thanen Berggebäudes befindlichen Hauptgang sowohl als auch die der Ruther noch daselbst streichende andere bey- und übersetzende Gänge schlechterdings berühre, 3.) auch wenn in dem neuen Kalckbruch länger gearbeitet werden sollte, das Berggebäude so allernächst darbey gelegen in Kürze Schaden leyde und zu Bruche gehen, dadurch aber das Königl. Berg regale und die daher dem Bergbau zum Besten georderten Befreyungen merklich gekränket würden, 4.) endlich ein Gewerke, denen hohen Bergwerks Veranlassungen nach, die Berge, so lediglich dem Gebäude zuständig, auch er wohin, als neben den hebenden Tage Schacht es liege, und solches, wo er wolle, weglaufen zu lassen, in geringstem nicht gehalten, hierdurch unter Vordrückung des allergnädigst mir anvertrauten Bergamts Zinsgeld und meiner eigenhändigen Unterschrift (...) mäßig zu attestiren gewesen.

Signatum, Glashütte, den 4. Februar 1728.

Königl. Polnisches und Churfürst. Sächs. Bergambt daselbst.  
Hans Emanuel Stephani, Bergmeister“  

Auf dieses Attestat des Bergamtes hin schrieb Herr Schmidt am 10. Februar des Jahres nochmals an die königliche Kammer, berief sich dabei erneut auf sein Pachtangebot für den Kalksteinbruch, welches er schließlich zuerst abgegeben habe und monierte darüber hinaus, daß der im Gutachten des Amtes Hohnstein genannte Arbeiter Johann George Hohlfahrt ja nur ein Tagelöhner und der Bergwerksangelegenheiten doch gar nicht verständig sei.

Leider endet damit der Akteninhalt, so daß wir nicht erfahren, wie die königliche Kammer dazu entschieden hat.

   

Einer der Kalkbrüche befand sich auch einige Jahre später nach wie vor im Besitz (oder zumindest in Pacht) des Floßmeisters Johann Georg Häntzschel bzw. seiner Erben, während dieser selbst um 1733 verstorben sein muß (10869, Nr. 311).

Nach A. Meiche´s 1927 erschiener Historischen Topographie der Amtshauptmannschaft Pirna war diese Familie schon seit sehr langer Zeit in der Region ansässig, denn bereits im Jahr 1480 ( !! ) werde ein Hantzschil farster zu Hinterhermsdorf urkundlich genannt (wobei sich die Schreibweise des Namens in alten Zeiten mehrfach änderte). Wie wir oben schon gelesen haben, besaß Hans Hentzschell bereits 1547 die Kalkwiesen am Heidelbach. Nach Meiche hatte dieser auch dazumal noch die Försterstellung inne und als Floßmeister erscheint ein (Johann) Hans Häntzschel ab 1670 in den Akten.

Nach der oben schon kurz erwähnten Akte der Oberforstmeisterei Schandau wehrten sich die Witwe Catharina Häntzschel und die weiteren Erben in communione“ mit einer Appellation an das Fürstenhaus vom 16. Mai 1733 dagegen, daß das Amt Hohnstein ihnen den Zins für die Kalkwiesen, der inzwischen bei 36 Groschen lag, auf 1 Thaler, 12 Groschen erhöhen und offenbar auch das Kalkbrennen untersagen wollte. Mit Hilfe des Advocaten Jacob Ehrenfried Grützner beriefen sie sich dabei auf eine Erburkunde vom 30. März 1665, nach welcher schließlich schon damals (und wie wir wissen, noch weit früher) ein Erbzins vereinbart, demzufolge ihnen auch das volle Verfügungsrecht über die Ländereien zugesprochen gewesen sei. Außerdem läge schließlich auf dem Kalkstein kein canon metallarius“ ‒ also kein höheres Bergregal, nach dem der Abbau allein dem Fürstenhaus oder einem von diesem gesondert Beliehenen zugestanden hätte. Auch sei schon bei dieser Vererbung längst bekannt gewesen, daß es auf diesem Räumicht Kalkstein gäbe, denn in der Urkunde sei er ja schon ausdrücklich als „die Räume am Kackwege“ beschrieben worden (10869, Nr. 311).

Dies nun sah man im Amt Hohnstein aber ganz anders, zumal das Amt ja zu dieser Zeit ja schon selbst einen zweiten Kalkbruch in Hinterhermsdorf betrieben hat, dem ein Konkurrent natürlich zuungunsten zu stehen gekommen wäre. Die Amtsverwalter sahen deshalb den Kalkstein ‒ und wie man leicht unterstellen kann, aus ganz eigennützigen Gründen ‒ unter den Regalia“. Die Wiese stehe den Häntzschel's nur zur Gräsung zu.

Den Schreiben des Anwalts ist hierzu nun ferner zu entnehmen, daß der verstorbene Vater Häntzschel aus den vorhandenen ruderibus, als auch aus der Benennung der Wiese, inmaßen solche beständig die Kalckwiese genannt worden, gemuthmaßet hat, daß vor langen Zeiten allda müßten Kalcksteine gebrochen und gebrannt worden sein.“ Daher habe er 1715 „nach Kalkstein zu graben den Anfang gemacht“ und bis 1727 Kalkstein gebrannt. Diese Beschreibung des Anwalts bestätigt, daß Anfang des 18. Jahrhunderts der Abbau auflässig gewesen und erst von den Häntzschel’s erneut aufgenommen worden ist.

Da nun Johann Georg Häntzschel bei seinem Abbau festgestellt habe, daß sich das Lager in Richtung Osten zum Steinberg hin und damit auf kurfürstlichen Grund erstrecke, habe er dies beim Amte angezeigt. Vonseiten des Amtes habe man daraufhin seinen Ofen übernommen und das Brennen auf eigene Rechnung fortgesetzt. Sofern dies zutrifft, hat der Amtskalkbruch“ in Hinterhermsdorf also ab 1727 bestanden. Wie wir aus dem betreffenden Kapitel schon wissen, war ein Kalkbruch zu Hinterhermsdorf auch in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts noch zusammen mit dem Amt  Hohnstein verpachtet.

Nun aber werde die Häntzschel'sche Wiese auch durch den Schutt des Amtskalckbruches und durch die böhmischen Kalckfuhrleute ruinirt. Da der Abraum des Kalksteinbruchs des Amtes auf die Wiese hinab rolle und dabei auch den eigenen Kalksteinbruch verschütte, kann man darauf schließen, daß der erstere oberhalb des zweiten gelegen hat.

Jedenfalls wollten die Erben nun wieder selbst Kalk brennen und erklärten in ihrer Appellation auch, daß sie in ihrem neu angelegten Kalkofen „des Jahres über und so lange, als der herrschaftliche Kalckbruch währen möchte, mehr nicht als 4 bis 4½ Brände aufs Höchste thun wollen, welches gegen den herrschaftlichen Kalckbruch ganz ein weniges beträgt, als bey welchem des Jahres über wohl 12 bis 15 Brände gethan werden.“

Der Argumentation des Juristen stimmte die königliche Kammer zu. Mit einem Schreiben vom 27. August 1733 eröffnete ein A. von Berßdorf aus der königlichen Kanzlei namens Friedrich August´s, II. königlicher Prinz in Polen, den Erben, daß man die Entscheidung des Amtes Hohnstein zuungunsten der Häntzschel's cassirt“ und ein neues Verfahren veranlaßt habe. Dieses neue Verfahren umfaßte die Erneuerung der Berainung der Häntzschel'schen Wiese nach den Angaben in der Erburkunde von 1665 und damit auch die Abgrenzung der privaten und amtlichen Ansprüche auf den Kalkabbau (10869, Nr. 311).

Üblicherweise waren in solchen Fällen, wo die Kalkvorkommen in den staatlichen Waldungen lagen, nun nicht die Lokalbehörden, also die Ämter bzw. Amtsgutsverwalter, sondern die Forstämter, respektive auch die dort angestellten Forstmeister, quasi als räumlich zuständige „Fachbehörden“, mit dem Betrieb und der Verwaltung der fiskalischen Kalkwerke betraut. In diesem Fall waren zwar die umgebenden Wälder im Staatsbesitz, ausgerechnet aber nicht die Häntzschel'sche Kalkwiese“. Dennoch findet man auch auf einer Forstrevierkarte aus dem Jahr 1750 an der betreffenden Stelle im Heidelbachtal die Einzeichnung eines „Klagbruches“ sowie eines „Klagofens“ – was aber gewiß nur Schreibfehler sind...

 


Revierkarte über Wälder und Fluren der Ämter Pirna, Hohnstein, Lauenstein, Altenberg und Grillenburg, Bl. 10: Hinterhermsdorfer, Mittelndorfer, Postelwitzer Revier, Neustädter Wäldgen, datiert um 1750, Gesamtansicht. Bildquelle: deutschefotothek.de 

http://www.deutschefotothek.de/documents/obj/90030397/df_dk_0006303_0010

   


Ausschnitt aus obiger Revierkarte mit den Kalkbrüchen im Heidebachtal bei Hinterhermsdorf. Das Tal oberhalb der oberen Mühle wird hier als „Klag Wiesen“ benannt, der Hang westlich als „Klag Büsche“. Unterhalb der Mühle ist der „Klagbruch“ im Tal und östlich oberhalb der „Klagofen“ eingezeichnet.

  

1748 hat sich der Kalkbruch in Hinterhermsdorf noch immer im Eigentum der Familie Häntzschel befunden. Esaias Häntzschel, der jüngste der Söhne des 1733 verstorbenen Johann Georg Häntzschel, stellte am 20. August dieses Jahres die „allerunterthänigste Bitte“ an die Königliche Kammer und an die Oberforstmeisterei, den „wüsten“ Amstkalkbruch für 15 Thaler zu kaufen und wieder urbar machen zu dürfen (10036, Loc. 33452, Rep. 32 (Hohnstein), Nr. 0012). In seinem Schreiben heißt es, der Kalkstein im Amtskalkbruch, welcher „nur in einer Ader bestanden (habe) und unter dem sogenannten Steinberg dem Berg entgegen gestrichen“ sei und diesem daher „schon vor geraumer Zeit ausgegangen und von dem zeitherigen großen Gefluthe verschlammt und mit Schutte des Steinbergs verrollet, daß solcher schon über sechs Jahr lang liegen bleiben mußte, auch zur Gangbarkeit niemals mehr gebracht werden kann.“ Auch der (von seinem Vater errichtete und vom Amt übernommene) Brennofen sei inzwischen wandelbar geworden und das Gebäude schon teils eingestürzt.

Der angebotene Kaufpreis kam der königlichen Kammer recht niedrig vor, weswegen man am 17. September 1748 ein Wertgutachten anforderte. Dieses Gutachten wurde im Herbst erstellt und am 5. Dezember von Kammerrat Siegfried Curt von Lüttichen und dem Oberforstmeister, Christian Gottlob von Bieberstein, bestätigt. Darin heißt es, daß die fragliche Fläche des Amtskalkbruches gerade einmal 220 Schritte lang und 43 Schritte breit sei, was 2 Scheffel und 2 Metzen Aussaat entspreche. Eigentlich könne sie tatsächlich nur zur Gräserei wieder nutzbar gemacht werden, weswegen man den Kaufpreis von 15 Thalern für angemessen halte, auch ein höherer Zins als 6 Groschen nicht zu erheben sei.

Es ging aber eigentlich nur am Rande um die Wiese, denn die Familie Häntzschel besaß ja auch den eigenen, inzwischen an den zum Amt Hohnstein gehörigen schon anstoßenden“ Kalkbruch. Dazu bemerkten die Beamten, da kein anderer ohne Aufwendung allzu großer Kosten“ die unter dem staatlichen Grund noch zu vermutenden Restvorräte an Kalkstein abbauen könne, sei auch dafür die Übertragung an den Kaufwilligen zu empfehlen. Für den dort noch abzubauenden Kalkstein empfahlen sie einen Brechzins von pauschal 5 Thaler pro Jahr. Weil auch andere Leute vorhanden, welche die Kalckgrube an sich bringen wollen,“ stellten sie es aber der königlichen Resolution anheim, die Kalkgrube auch öffentlich versteigern zu lassen (10036, Loc. 33452, Rep. 32 (Hohnstein), Nr. 0012).

Daraufhin entschied man sich in Dresden am 8. Februar 1749, die Versteigerung durchführen zu lassen. Diese ist auch im Frühjahr 1749 erfolgt und am 21. Mai des Jahres berichtete man nach Dresden, daß Esaias Häntzschel mit 155 Thalern den höchsten Kaufpreis geboten und zudem einen Erbzins von 12 Groschen jährlich angeboten habe. Nun, das war mehr als das Zehnfache des ursprünglichen Gebotes, was man in Dresden gewiß erfreut zur Kenntnis genommen hat. Deshalb stimmte die Kammer am 19. Juli 1749 auch zu, dem neuen Besitzer den beantragten gewöhnlichen Vererbungsbrief“ auszustellen.

  

Damit wären nun eigentlich beide damaligen Kalksteinbrüche, die ja ohnehin aneinander angrenzten, im Besitz der Familie Häntzschel gewesen. Sollte man zumindest denken. Doch gab es Neider und so war die Sache doch noch nicht geregelt.

Am 28. Februar 1750 nämlich beschwerte sich der Amtmann Johann Heinrich Hänichen aus Hohnstein beim Kammerkollegium, der Amtskalkbruch sei endgültig unbrauchbar gemacht worden, indem Häntzschel jetzt seinen Abraum in den früheren Bruch schütte und auch die frühere Anzucht ruiniert habe. Der Amtmann zu Hohnstein habe früher 16 Thaler Zins pro Brand geben müssen, während Häntzschel nur noch 2 Thaler pro Brand zahle und Kalk bis nach Bautzen und ins böhmische Nixdorf / Mikulášovice liefere. Die Erträge daraus hätten eigentlich dem Fiskus zufließen können. Jedenfalls sei die von Häntzschel entrichtete Pacht nur ein pretium minutissmum“ (10036, Loc. 33452, Rep. 32 (Hohnstein), Nr. 0012).

Aus dem gleich noch mit beigefügten Kostenanschlag des Amtmanns Hänichen für eine eventuelle Wiederaufnahme des Amtskalkbruches gehen noch einige Fakten von montanhistorischem Interesse hervor: So habe man früher Gedingelöhne in Höhe von 6 Thalern für eine Ruthe (zum  Maß der Kalkruthe im Amt Hohnstein hatten wir oben schon eine Angabe gefunden) gebrochenen Kalksteins gezahlt, während die Brecher jetzt täglichen Lohn erhielten.

Für einen Ofenbrand brauchte man 1½ bis 2 Viertelruthen Kalkstein (was etwa 6,5 m³ oder 13 t entsprochen haben dürfte) und 22 bis 24 Klafter Brennholz. Mit 8 Arbeitern benötigte man für den Abbau dieser Menge Kalkstein, dessen Zurichtung und die Beschickung des Ofens etwa 5 Wochen. Über den Sommer konnten so etwa sechs Brände durchgeführt werden. Das heißt im Umkehrschluß, daß man zu dieser Zeit kaum mehr als 80 t Kalkstein im Jahr!! ) abgebaut und gebrannt hat.

Wohl auch, um seine eigene Empfehlung zwei Jahre zuvor nicht infrage zu stellen, widersprach Kammerrat von Lüttichen diesem Schreiben am 24. Dezember 1750 heftig. Zum ersten sei die Qualität des erzeugten Kalks nicht so gut, wie Hänichen behaupte. Desweiteren habe Häntzschel die Verfüllung des Amtskalkbruches beim Amte angezeigt, dieses aber habe dem nicht widersprochen. Auch die Höhe der Pacht für den Amtskalkbruch sei falsch angegeben, habe sie doch schon seit drei Jahren fix bei 100 Thalern im Jahr gelegen. Insbesondere aber sei der Abbau früher einfacher gewesen, während man nun am Rande der Kalkgrube schon 10 bis 20 Ellen tief Abraum abtragen müsse, um überhaupt an das Kalksteinlager zu kommen. Erst damit war diese Geschichte wieder vom Tisch (10036, Loc. 33452, Rep. 32 (Hohnstein), Nr.0012).

  

Ob der Verkauf des Amtskalkbruches mit der Versteigerung tatsächlich rechtskräftig geworden oder auch später wieder rückgängig gemacht worden ist, haben wir aus dem Akteninhalt nicht herauslesen können. Jedoch ist Herr Hänichen nicht mehr lange in seinem Amt geblieben: Fünf Jahre später war der Amtskalkbruch in Hinterhermsdorf als Zubehör des Amtes Hohnstein an den neuen Amtspächter Johann Georg Kästner verpachtet.

Zuvor war er aber noch auf sechs Jahre an den Advocaten Jacob Ehrenfried Grützner verpachtet. Wie man nun unterstellen könnte, hat dieser vielleicht in seiner Unterstützung der Familie Häntzschel 1748 auch nicht so ganz uneigennützig gehandelt. Wie aber folgender Anzeige vom 6. Juli 1758 zu entnehmen ist, habe dieser nicht nur einen ersten Stollen in den Berg treiben lassen, sondern überhaupt zunächst den leicht zu gewinnenden Kalkstein aus dem Amtskalkbruch fördern lassen, wodurch der private Bruch der Häntzschel'schen Erben geschont worden sei.

Der Häntzschel'sche Bruch wiederum war nach dem Ableben von Esaias Häntzschel im Jahr 1755 an Johann Christian Müller verkauft worden. Die oben gerade erwähnte Anzeige vom Juli 1758 bezog sich nun darauf, daß der Fahrweg zum höher gelegenen Amtskalkbruch über Müller's Grund führte und dieser dort einen Schlagbaum errichten ließ, womit er natürlich Käufer davon abhielt, weiter, als bis zu seinem eigenen Kalkbruch zu fahren. Die Fuhrwerke, die dennoch zum Amtskalkbruch wollten, müßten dadurch einen großen Umweg über böhmisches Gebiet fahren. Nach eigener Besichtigung veranlaßte Amtsinspektor Christian Wilhelm Ziegra die gerichtliche Abnahme und Beschlagnahmung der Schranke, was natürlich nun dem Kalkbruchbesitzer nicht paßte, der sofort einen neuen errichten ließ. Dafür wurde ihm eine Strafe von 20 Thalern angedroht (10036, Loc. 33452, Rep. 32 (Hohnstein), Nr. 0012).

Auch die Obere Mühle im Heidelbachtal war bis dahin im Besitz der Forstmeisterfamilie Häntzschel geblieben und ging 1757 an Johann Gottlieb Kühnel und 1770 an Christian Kühnel über. 1779 übernahm dann Johann Gottlieb Kotte die Mühle (obere-muehle-hinterhermsdorf.de).

  

Zur gleichen Zeit (von 1751 bis 1755) arbeitete im Weißbachtal auch eine Gewerkschaft auf einem Verträgliche Gesellschaft Erbstolln, wovon aber in obiger Forstrevierkarte noch nichts vermerkt ist. Inhalts der betreffenden Bergamtsakte (40170, Nr. 320) hatte ein Herr David Benjamin Grupfner am 27. März 1751 beim Bergamt zu Glashütte Muthung auf eine Fundgrube samt zwei oberen Maßen und einen Erbstolln auf einem Morgengang (der also in NO- SW- Richtung verlief) und auf alle Metalle eingelegt. Dieser Gang liegt auf königlichen Gründen ohnweit Hinterhermsdorf an der Weißbach, teilte er mit.

Die Muthung war an den amtierenden Bergmeister Gottlieb Christian Otto adressiert und wurde natürlich auch entgegengenommen; allerdings später noch dazu vermerkt, daß es sich um einen stehenden Gang (also NNO- SSW- streichend) handele. Um diese Änderung anzuzeigen und amtlich bestätigen zu lassen, erschienen David Benjamin und sein Vater Johann Benjamin Grupfner, selbst Steiger auf dem Neuen Segen Gottes zu Loßdorf, am 25. September 1751 beim Bergamt in Altenberg.

Zuvor, nämlich am 24. August 1751, erfolgte auch die erste bergbehördliche Grubenbefahrung durch den Bergmeister selbst und seinem Bericht ist zu entnehmen, daß David Benjamin Grupfner vormals Bergmann auf der Hülfe Gottes am Sonnenberge bei Mittelndorf, ohnweit Schandau, gewesen sei. Dieser Muther hat sich nebst einer Gesellschaft, welche aus 12 Personen besteht, an ein noch ganz unerschrotenes Gebürge gemacht, in dem weder zu älteren noch jüngeren Zeiten jemals etwas gethan wurde“ berichtete der Bergbeamte. Die gantze Gegend hierum ist zwar sehr gebürgig, doch sind es meistens nur nutzlose Berge, von welchen einer immer höher als der andere lieget und dahero das hiesige Gebürge wegen derer züglich abwechselnden Thäler und Schluchten ein sehr abbrechendes Gebürge ist...

Das Bergort besteht aus einem gneisigten, grindelhaft gemengten Gestein und ist über Tage mit Nadelholz bewachsen... Gleich über den Weißbach erhöht sich auf Böhmischer Seite gegen Morgen das Gebürge... worinnen nach Anzeige derer allda vorhandenen alten Halden und verbrochenen Stölln in den vorigen, dem Ansehen nach, uralten Zeiten, sehr starck gebauet worden, und mag dieser ehemalig allda geführte Bau der Alten den obgedachten Muther zu Unternehmung eines Baus in dem diesseitigen Gegengebürge veranlaßt haben, zumal man über Tage gewahr wird, daß einige Gänge aus einem Gebürge in dieses Gebürge herüber setzen.

Es hat also dahero selbiger unten an dem Weißbach mit einem Stolln Stunde 4 Uhr angefahren und sollen zur Zeit durch die Beyhülfe der übrigen Gesellen, 3 ½ Lachter gegen Abend getrieben. Vom Tage herein ist ein 1 ½ Lachter “mächtiger, stehender, um Stunde 2 Uhr gegen Mittag ins Gebürge setzender und gegen Morgen werfender Gang, so aber meist aus einzelnen Trümern besteht, auf welchen ein weißer Spath mit eingemengtem Quarz, grünlichem Steinmark und Kies einbricht, überfahren worden...

Im ersten Grubenaufstand auf das Quartal Luciae 1751, den der Bergmeister höchstselbst ausfertigte, heißt es dazu noch, „daß man von der Bauwürdigkeit des dasigen Gebürges schon durch verschiedene entdeckte Merckmale überzeugt seyn kann und allem Anschein nach edle Geschicke darinnen auszurichten erhoffet.“

Als ,Edle Geschicke´ wurde auch die ,edle Braunspat- Formation´ bezeichnet, welche vorzugsweise im südlichen Teil des Freiberger Reviers auftrat und dort neben Bleierz auch viel Silbererz führte.

Weiter kann man lesen: „Bey so gehaltenen Dingen sind demnach genügend Ursachen anzugeben, den allhier angefangenen Bau mit fernerer Standhaftigkeit fortzusetzen und den zur Zeit noch verborgenen Bergsegen in diesem so höfflich anscheinendem Gebürge durch den sprunghaften Forttrieb des Stollens und gehöriger Vorrichtung eines bergmännischen Baus darinnen, an den Tag zu bringen...“

Am Ende des ersten Quartals hatten die Bergleute trotz ihrer Weilarbeit den Stollen immerhin schon auf etwa 6 Lachter Länge fortgebracht. Der Vortrieb war allerdings recht aufwendig, weil der Stolln bislang durchgängig Zimmerung erforderte, auch wenn nur „ieder Thürstöck 2 Ellen von einander angebracht“ war.

Der Bergmeister hielt diesbezüglich auch für erwähnenswert, wie sich die Gesellschaft eigentlich zusammensetzte: „Weil unter der allhier bauenden Gesellschaft sich verschiedene Bergleute befinden, welche im Schandau'ischen Revier in Bergarbeit stehen, so haben sie die Einrichtung getroffen, daß sie freitags nach ihrer verfahrenen Schicht auf den Gebäuden, wo sie die Woche über ihre Arbeit haben, dahin reisen und noch selbigen Tages, wie auch den folgenden Sonnabend darauf anfahren.“ Das ging natürlich nicht auf Dauer und deshalb wollte man für die Zukunft eine Gewerkschaft gründen, in der die Muther mit einigen Kuxen bleiben wollten; statt aber Zubuße zu entrichten, dort auch weiterhin Schichten verfahren wollten. Da nun das erhoffte Erz erst einmal zu finden und zu erschließen sei, solle der Kux aber vorerst nur zu 2 Thaler vergewerkt werden.

Schon der ersten Quartalsabrechnung war zu entnehmen, daß sich die Kosten pro Kux auf 16 Groschen Zubuße beliefen.

Leider erfüllten sich all diese Hoffnungen nicht. Einige Jahre später war zwar der Stolln auf 30 Lachter ausgelängt, aber der verpflichtete Steiger, Johann Gottfried Nestler, hatte die Grube wieder verlassen. Zugleich beklagte sich der neue Lehnträger und Steigerdienstversorger Johann Christoph Gencken vor dem Bergamt, daß 40 Kuxe nicht vergewerkt und im Freien seien. Im Quartal Luciae 1754 seien auch auf die anderen Kuxe nur 8 Thaler an Zubußen gezahlt worden, während 131 Thaler an Zubußen ausstünden. Auf das folgende Quartal müsse die Grube daher in Frist gesetzt werden.

Ein Jahr später berichtete Bergmeister Otto auf dessen Nachfrage an das Oberbergamt in Freiberg, daß die Grube zur Auflässigkeit gekommen... und mehreres nicht davon in Erfahrung zu bringen sei (40170, Nr. 322).

  

Markscheider Martini berichtete nach seiner geognostischen Reise im Jahre 1812 hierüber (40003, Nr. 34, Blatt 27, Rückseite):

Alter Bergbau im Granit.

In den Jahren 1751 bis Mitte 1754 ist, wie ich aus einigen Acten im Altenberger Bergamtsarchiv ersah, in dieser Gegend an der Weißbach eine Grube Hagerer’s Verträgliche Gesellschaft gangbar gewesen, wo man auf einem Gange, der Steinmark mit eingesprengtem Schwefelkies zur Ausfüllmasse hat, baute, von der aber jetzt (also m Jahr 1812) keine Spur mehr aufzufinden ist.“

Ein – fast namensgleicher – Herr Hager begegnet uns später als Besitzer des Kalkbruchs noch einmal. Ferner berichtete Martini aber noch:

„§61. Sandstein im Weißbachthale.

Geht man das Weißbachthal hinunter, so läßt sich der Granit nicht mehr weit verfolgen, sondern wird bald von Sandstein bedeckt. Dieser gleicht aber an der Auflagerungsfläche einem Konglomerat von Granit, Quarz und Brauneisensteingeröllen, deren Bindemittel feinkörniger Sandstein ist. Er enthält zugleich viele Drusen und Öffnungen, die zum Theil ganz, zum Theil bloß halb mit Eisenocker ausgefüllt sind.

Ein, zwei bis drei Zoll mächtige Quarz- und Brauneisensteingänge setzen in Menge in ihm auf. An den Sandsteinwänden sieht man sie oft zu Tage aussetzen, und da sie wegen der Festigkeit ihrer Ausfüllungsmasse der Verwitterung und Wegwaschung widerstanden, über das (?) Gestein hervorragen…“

Auch diese Gesellschaft hatte also offenbar wenig Erfolg mit dem Erzbergbau und nach 1754 wieder aufgegeben müssen. Da wir uns in diesem Bericht auf die Gewinnung des Kalksteins konzentrieren wollen, belassen wir es bei diesem Exkurs und kehren wieder zu unserem eigentlichen Thema zurück.

  

Auch nach dem Ende des Siebenjährigen Krieges (1756 bis 1763) bestanden in Hinterhermsdorf noch immer ein dem Amt Hohnstein zugehöriger und ein privater Kalksteinbruch nebeneinander. Während der erstere 1764 an den Lehnrichter Christian Thiermann weiterverpachtet war, war der andere auch zu dieser Zeit noch im Besitz des Johann Christian Müller (10036, Loc. 33452, Rep. 32 (Hohnstein), Nr. 0012).

Der letztere zeigte am 21. Juni 1764 an, daß der auf dem Amtskalkbruch angestellte Kalkbrenner Christian Grohmann in 10 Ellen Tiefe einen Stollen unter seinen Grund vortreibe und die Grenze um wenigstens 3 Ellen Länge schon unterfahren hätte. Die zudringenden Wässer halte man mit einer Pumpe nieder. Da bereits theils Einsturz, theils Abtrennung“ eingetreten sei, habe er Unterlassung gefordert, was aber nichts gefruchtet habe, weswegen er nun Beschwerde bei der königlichen Kammer führe. Zur Klärung der Angelegenheit beantragte er die Entsendung einer Kommission vom Bergamt Glashütte als unabhängiger Instanz.

Der Bitte kam die Kammer nach, beauftragte jedoch am 18. September 1764 nicht das Bergamt in Glashütte, sondern das Amt Stolpen mit der Untersuchung. Die Kommission berichtete dann im Januar 1765, daß der Amtmann Johann Christian Daniel Berger aus Hohnstein dem Johann Christian Müller angeboten habe, den Amtskalkbruch doch zu kaufen, was dieser ‒ vorbehaltlich eines praktikablen Preises ‒ auch zugesagt habe. Die Geschichte scheint sich wiederholt zu haben... Nach so einigem Hin und Her ist es aber offenbar auch jetzt nicht zum Verkauf gekommen.

   

Stattdessen beschwerten sich nun der seit 1769 neue (und uns aus dem Kapitel zu Hohnstein bereits bekannte) Pächter des Amtes, Christian Friedrich Scheffler sowie der Amtsinspektor Christian Gotthelf Scheibner bei der königlichen Kammer, daß der Zustand des Kalkbruches miserabel“, der Ofen und die Gebäude baufällig seien, das schindelgedeckte Dach des Brennofens sogar schon Feuer gefangen habe und die Bruchkante bereits auf nur noch 3 bis 4 Ellen an den Brennofen herangerückt sei, weswegen man diesen nicht nur reparieren, sondern an anderem Ort neu erbauen müsse. Die Baukosten schätzten sie auf 400 Thaler und baten um Entsendung des Jagdbaumeisters Adam (10036, Loc. 33452, Rep. 32 (Hohnstein), Nr. 0012).

Letzteres wurde auch veranlaßt. Nach seinem Ortstermin berichtete dieser am 29. Juni 1770, daß der Kalkbruch 12 Ellen tief abgesoffen sei und die installierte Pumpe das Wasser nicht niederhalten könne. Die unabdingbaren Kosten für die Instandsetzung der Gebäude berechnete Baumeister Adam auf 152 Thaler. Am 26. September 1770 stimmte die königliche Kammer nicht nur dem Kostenanschlag zu, sondern wollte davon sogar 120 Thaler übernehmen und zugleich noch das Bauholz aus dem Staatsforsten bereitstellen. Allerdings war noch keine Entscheidung über die Kosten für die Beräumung des Bruches getroffen worden. Ein neuer Anschlag Adam's vom 24. September 1771 unter Einrechnung der dazu nötigen Aufwendungen belief sich nun schon auf 545 Thaler.

Außerdem wurde am 18. Oktober 1771 ein Auftrag zur erneuten Berainung zwischen dem Müller'schen und dem Amtskalkbruch erteilt. Diese entsprechend der zuvor 1727 erfolgten vorzunehmen, kamen dann auch zum einen Dr. Christian August Hauschild vom Amt Stolpen und zum anderen der inzwischen pensionierte Bergmeister Gottlieb Christian Otto aus Glashütte nach Hinterhermsdorf. Diese berichteten am 26. Oktober 1771 nach Dresden, daß beide Steinbrüche nur noch durch einen sogenannten Kamm“ getrennt seien, welcher von der Seite des Amtsbruches her schon auf 6 Ellen Breite unterminiert sei, so daß auch Wasser in Müller's Bruch hinüber fließe. (Etwas ganz ähnliches haben wir bei unserem Besuch in den Kalkbrüchen bei  Wildenfels schon gesehen...)

Auch zwei Rainsteine auf Müller's Wiese seien ganz mit Abraum überschüttet. Sie empfahlen der königlichen Kammer, die Kosten für die Wiederherstellung der Berainung dem vorherigen Pächter, Amtmann Johann Christian Daniel Berger aufzuerlegen. Dieser Empfehlung kam die Kammer auch am 26. Juni 1772 nach.

  

Am 1. Februar 1774 wandte sich Amtsschreiber Johann Christian Gottlieb Lamprecht wieder an die königliche Kammer, mit dem Bemerken, daß die Berainung zwischen den Kalkbrüchen eigentlich regelmäßig wiederholt werden müsse, da der lockere Schutt, auf dem einige der Grenzsteine stünden, bei jedem Schlagregen nachrutsche. Diese zusätzlichen Kosten würden den Ertrag aus dem Kalkverkauf weiter mindern, weswegen er erneut einen Verkauf des Amtskalkbruches vorschlage. Im Übrigen seien die notwendigen und doch eigentlich schon 1770 zugelassenen Reparaturen an den Gebäuden noch immer nicht erfolgt... (10036, Loc. 33452, Rep. 32 (Hohnstein), Nr. 0012)

Wie Amtspächter Christian Friedrich Scheffler am 3. Juni 1774 auch selbst berichtete, habe er mit dem Kalkbruch bis dahin nur Verluste gehabt. Anstatt ‒ wie zuletzt 1765 gedacht ‒ daß Johann Christian Müller den Amtskalkbruch käuflich erwarb, hatte inzwischen der Amtspächter Christian Friedrich Scheffler den Müller'schen Kalkbruch hinzu gepachtet und dort abgebaute Kalksteine im Amtskalkofen brennen lassen. Auch dies war wohl den Verwirrungen um die Flurgrenze dazwischen nur zuträglich.

Den beiden Berichten ist noch zu entnehmen, daß der Amtskalkbruch inzwischen einen Umfang von 300 Ellen (rund 160 m) und eine Tiefe von 50 Ellen (rund 26 m) erreicht habe. Nach seinen eigenen Angaben habe man in Scheffler's Amtskalkbruch

im Zeitraum von    
1769 bis 1770

nur 

1 Ofenbrand
1771 bis 1772   2 Brände
1772 bis 1773   2 Brände
1773 bis 1774   3 Brände
1774 bis Juni   2 Brände

durchgeführt, wofür insgesamt 351 Klafter Brennholz benötigt wurden. Damit wird auch verständlicher, warum der Pächter Scheffler bei der Verlängerung der Verpachtung des Amtes Hohnstein dem Inhalt weiterer Akten zufolge im Jahr 1775 auf einer Senkung der Pachtsumme insistierte, worüber im betreffenden  Kapitel oben schon zu lesen war.

   

Ob und auf welchem Wege es schließlich doch noch zu einer Zusammenlegung der beiden Kalksteinbrüche und zum Abbruch des Kammes“ gekommen ist, haben wir noch nicht herausgefunden. Jedenfalls sind auf den Meilenblättern von Sachsen, die um 1780 entstanden sind, nur noch ein jetzt zusammenhängender Kalkbruch, aber noch immer zwei Kalköfen ober- und unterhalb dieses Kalkbruches dargestellt.

  


Ausschnitt aus dem Blatt 352 des Berliner Exemplars der Meilenblätter von Sachsen, datiert 1782, Norden ist rechts oben. Zu dieser Zeit sind hier sogar zwei Kalck Öfen - nördlich und südlich des Tagebruchs und beide oben an der Kalkstraße - verzeichnet.

    


Etwa gleicher Ausschnitt aus Blatt 364: Grenze bei Nixdorf des Freiberger Exemplars der Meilenblätter von Sachsen, datiert 1786, Norden ist rechts ob
en. Neben der Eintragung von zwei Kalk Of. ist außerdem ein Gebäude vor dem Ausgang des Bruches im Talgrund deutlich zu sehen, das vielleicht schon die Radstube des Amtsverwalters J. G. Hedenus darstellt, von der C. C. Martini dann anno 1812 berichtete ?

   

Noch vor Beginn der systematischen geognostischen Landesuntersuchung befaßte sich dann das Bergamt zu Altenberg hier in Hinterhermsdorf bereits im Jahr 1784 mit der „Erschürfung von Kalkstein auf kurfürstlichem Grund und Boden unweit der Elbe“ (40006, Nr. 1508). Aufgrund ihres schlechten Erhaltungszustandes konnten wir diese Akte leider zum Zeitpunkt unserer Recherchen nicht einsehen.

  

Magister Wilhelm Leberecht Götzinger ist auf seinen Wanderungen natürlich auch in Hinterhermsdorf vorbeigekommen, wie der unten folgende Ausschnitt aus seiner, oben schon einige Male verwendeten petrographischen Karte aus dem Jahr 1804 zeigt. Aus der zweiten Auflage seiner Beschreibung der Sächsischen Schweiz aus dem Jahr 1812 haben wir oben schon zitiert und schlagen nun natürlich auch nach, was Götzinger über Hinterhermsdorf (ab S. 376) berichtete. Dem Ort widmete er ein eigenes Kapitel und fügte gleich eine Fußnote dazu:

Hinterhermsdorf*)

„*) Hinterhermsdorf ist ein ansehnliches Amts- und Kirchdorf von 131 Häusern und 872 Einwohnern. Der Schleichhandel nach Böhmen, ansehnliche Bleichen, eine Fabrik mit wollenen Strümpfen, auch Verfertigung guter hölzerner Wanduhren erheben die Nahrung dieses Dorfes sehr...“

Dann lobte Götzinger auch hier zunächst die phänomenale Aussicht vom Weifberg, bevor er schließlich fortsetzte:

Die Reise wird nun in die vorliegenden Gründe fortgesetzt und zwar zuerst am Steinberge hin zum Kalkbruch, nahe an der Heidelbachmühle. Dieser Bruch giebt einen grauen und blaugrauen, oft mit zum Theil krystallisirten und buntangelaufenen Kalkspath durchwachsenen, dichten Kalkstein, ist auch mit einem grüngrauen und rothen Mergel durchzogen. Er ist nun wieder in Gang und liefert guten Kalk. Bemerkenswerth ist es, daß bei diesem Kalkbruche der seltene Kalkstein mit kalkigem Bindemittel bricht.“

Nun, die geologischen Kenntnisse Götzinger's sind auch hier nicht unser Gegenstand; für uns bemerkenswert ist lediglich, daß das (nur an diesem Ort erwähnte) Vorkommen von Kalkspat- Kristallen auf eine stärkere Druckbeanspruchung des Gesteins verweisen könnte. Vielleicht ist deren Vorkommen aber auch auf Lösungs- und Umlagerungsprozesse zurückzuführen.

Unter montanhistorischen Gesichtspunkten ist jedoch von Interesse, daß der Abbau auch hier am Ende des 18. Jahrhunderts zum Erliegen gekommen sein muß, denn nach Götzinger's Worten ist er ja erst nun wieder in Gang.“

   


Topo- und Petrographische Reisekarte durch die Meissnischen Aemter Hohnstein und Lohmen und einen Theil der Aemter Pirna und Stolpen oder die sogenannte Sächsische Schweiz, entworfen von M. W. L. Götzinger, aus: Wilhelm Lebrecht Götzinger: Schandau und seine Umgebungen oder Beschreibung der sogenannten Sächsischen Schweiz, gedruckt bei G. G. Monse, 1804, Gesamtansicht, Norden ist links oben.

Digitalisat von der Landesbibliothek Sachsen-Anhalt bei der Martin Luther- Universität Halle

   


Ausschnitt aus obiger Karte mit der (rechts unten) eingefügten Legende. In der rechten Spalte, im Ausschnitt dritte Zeile von unten die Signatur für Kalkstein.

  


Ausschnitt aus obiger Karte mit dem Grenzwinkel am Kirnitzsch- und Weißbach- Tal östlich von Hinterhermsdorf. Im Heidelbachtal ist sowohl die Heidemühle, als auch die Signatur für das Kalksteinvorkommen unterhalb des Steinbergs zu finden.

  


Topo- und Petrographische Reisekarte durch die Sächsische Schweiz und umliegende Gegend, entworfen von M. W. L. Götzinger, aus: Wilhelm Lebrecht Götzinger: Schandau und seine Umgebungen oder Beschreibung der sogenannten Sächsischen Schweiz, in der Beger'schen Buch- und Kunsthandlung in Dresden, 1812, Gesamtansicht, Norden ist oben.

Digitalisat www.deutschefotothek.de/documents/obj/70400256

  


Ausschnitt aus der etwas jüngeren Karte: Der farbig markierte Verlauf der Granodiorit- Sandstein- Grenze ist in diesem Druck noch weniger verblaßt. Oberhalb der Heidemühle - dort wo der Kalkweg nach Nixd
orf / Mikulášovice führte - hat Götzinger das Vorkommen des Kalksteins auch 1812 eingezeichnet...

   

Kehren wir auch an diesem Punkt noch einmal zu Martini's, schon mehrfach zitierten Reisebericht aus demselben Jahr 1812 zurück, so finden wir hierin (40003, Nr. 34, Blatt 28, Rückseite; durch die Heftung in der Akte konnten wir leider einige Textstellen nicht erschließen):

„§63. Flötzkalkstein im Heidelbachthale

Das Kirnitzschthal verfolgte ich bis zur Mittelmühle, wo sich mit ihm das Heidelbachtal vereinigt. Interessant wird dieses kleine Thal durch eine Einlagerung von Flötzkalkstein, gleich unterhalb der Heidelmühle. Der scheint hier in den Sandstein einen stehenden Stock zu bilden, der das Heidelbachthal rechtwinklig durchsetzt. Ich habe mich zwar nicht ganz genau davon überzeugen können, denn der Entblößungen sind ganz wenig, und die vor mehr (?) Jahren angelegten Kalksteinbrüche sind fast als wieder verstürzt; in zwei bemerkte ich doch soviel, daß der Kalkstein an der mitternächtlichen Seite der Brüche durch eine ho. 6,4 streichenden und 60 bis 65° in Mittag fallende Sandsteinwand abgeschnitten wurde. An der entgegengesetzten Seite war alles ausgestürzt und mit Schutt bedeckt, die anwesenden Steinbrecher aber versicherten mir, daß sich der Kalkstein ebenfalls an einer Sandsteinkluft anlege, die gegen Mitternacht falle, woraus sich ergebe, daß die Einlagerung eben so mächtig sei, sich aber nach unten zu auskeile.

Der Herr Amtsverwalter Hedenus in Hohnstein hat die alten Brüche gekauft, seit mehren Jahren Kalkstein gebrochen, nahe an der Bach einen saigeren Schacht abgesunken, und eine kleine Wasserhebungsmaschine bauen lassen. Bei 16 Lachter saigerer Teufe treibt man jetzt ein Ort an der mitternächtlichen Sandsteinkluft gegen Morgen, um zu erfahren, wie weit der Kalkstein in diese Waldgegend fortsetze, so wie auch ein Ort gegen Mittag getrieben werden soll, wie dies in der Heidelbach auf der Sohle zu bemerken ist, (...?) fallende 2 bis 8 Zoll (...?) von Kalkgehalt ganz weiße Sandsteinschichten abwechseln, die ebenfalls ho. 6,4 bis ho. 7 streichen, auch (...?) in Kalkstein ausgehauene Füllorte des vorerwähnten Schachtes aber nicht zu bemerken sind. Einige wenige dieser Schichten enthalten etwas Kalk. Auf der Auflagerungsfläche ist der Kalkstein nicht scharf von dem Sandstein getrennt, sondern beide gehen ineinander über.“

Ach, schau an: Herr Hedenus aus Hohnstein war also zur gleichen Zeit auch hier im Heidelbachtal bei Hinterhermsdorf zugange... Die Formulierung „seit mehreren Jahren“ würde also bedeuten, daß der Kauf durch Hedenus irgendwann vor 1812 erfolgt ist. Auch Martini sprach hier übrigens von „alten Brüchen“, was noch einmal unterstreicht, daß sie zuvor auflässig gewesen sind.

   


Petrographische Karte der Gegend von Königstein, Pirna, Stolpen, Sebnitz und Tetschen / Decin, gefertigt im Jahr 1813 von Carl Christian Martini, Markscheider zu Altenberg. Bildquelle: Sächsisches Staatsarchiv, Bergarchiv Freiberg, Bestand 40003, Nr. 34, Blatt 106 (Aktenbeilage), Gesamtansicht, Norden ist oben.

archiv.sachsen.de

    


Ausschnitt aus der Karte oben mit der Eintragung des Kalksteinvorkommens südöstlich von Hinterhermsdorf. Im Weißbachtal an der böhmischen Grenze hat Martini keine Eintragungen mehr vorgenommen.

   

In A. Schumann's Post- und Zeitungslexikon von Sachsen, hier im Band 4, erschienen 1817, wurde unter dem Stichwort Hinterhermsdorf der Kalksteinabbau auch erwähnt:

Hinter- Hermsdorf, so genannt zum Unterschiede von Hermsdorf im Vorderamte Hohnstein, ein unmittelbares Amtsdorf im Königreiche Sachsen, im Meißner Kreise, im Hinteramte Hohnstein, ganz nahe an der böhmischen Gränze, 2 Stunden südöstlich von Sebnitz entfernt gelegen. Der Ort ist fast rings um von Böhmen umgeben und nur eine einzige Straße führt nach Sachsen in das nahe Sebnitz, eine andere kommt aus dem schönen böhmischen Orte Nixdorf…

Reisende, welche die sächsische Schweiz besuchen, finden in dem hiesigen Lehngericht gute Bewirtung und müssen sich im Dorfe neue Führer aussuchen. Nur eine ½ Stunde von hier erhebt sich der große und hohe Weißberg und weiterhin, bei der Heidelbachmühle, wo ein jetzt (also um 1817) ersoffener Kalkbruch liegt, der Steinberg, dann der Mönchstein nicht weit von der böhmischen Gränze, welche hier die Kirnitzsch bildet…“

Demnach war der Abbau des Kalksteins im Heidelbachtal 1817 schon wieder einmal eingestellt. Aus dieser Zeit stammen die folgenden Karten.

   


Grundriss der Schandauer Floesse, aufgenommen und gezeichnet von K. M. Zschaschler. Bl.
I, um 1820, Gesamtansicht. Bildquelle: deutschefototthek.de

http://www.deutschefotothek.de/documents/obj/90010592 

   


Ausschnitt aus obiger Karte mit der Darstellung des Kalkbruches im Heidelbachtal. Der westliche Hang des Heidelbachtals ist hier als „Kalk Busch“ bezeichnet.

   


Vergrößern wir uns den Ausschnitt noch etwas, so finden wir die von Hedenus einleuchtenderweise nächst dem Heidelbache - weil dort Antriebswasser zur Verfügung steht - angelegte Wasserkunst dargestellt. Eine dünne Linie markiert den Aufschlaggraben, der unterhalb der Obermühle aus dem Heidelbach abzweigt. Der andere Bruch rechts des Heidelbaches ist vielleicht durch die kleine Einsenkung dort noch angedeutet. Der Kalkofen steht noch immer unterhalb der Kalkstraße und oberhalb des Steinbruches - also an demselben Platz, an dem ihn wohl schon Floßmeister Häntzschel vor 1733 errichtet hatte.

   

Ungewöhnlich erscheint uns hieran, daß der schon vor 1733 von den Erben des verstorbenen Floßmeisters Johann Georg Hainzschel zu Hinterhermsdorf angelegte“ und später vom Amt Hohnstein übernommene Brennofen (10869, Nr. 311) so weit oberhalb des Steinbruches stand. Das war zumindest hinsichtlich des Transportaufwandes keine glückliche Lösung und kann eigentlich nur damit zusammenhängen, daß die vererbte Wiese“ just dort gelegen hat. Normalerweise würde man die Verarbeitungsanlagen unterhalb des Bruches errichten, um den schweren Kalkstein nicht bergauf schaffen zu müssen. Vielleicht war man sich aber auch über die Zufahrt mit dem Müller uneins, so daß man für den Verkauf und Abtransport des gebrannten Kalkes lieber die Kalkstraße“ benutzt hat, die ja ohnehin oberhalb des Bruchs entlang nach Nixdorf / Mikulášovice ins Böhmische führte.

  

Professor Weiß führte in seiner Abhandlung aus dem Jahr 1827 den Hinterhermsdorf'er Kalkbruch nur noch abschließend an: „Bei Hinterhermsdorf, dem letzten sächsischen Dorfe seitwärts am Kürnitzschbach aufwärts, wo auch die Scheidelinie zwischen Granit und Sandsteinterrain durch das Dorf setzt, giebt es einen ähnlichen unterirdischen Kalksteinbruch, wie der von Hohnstein; ich fand die Arbeiter aber abwesend.

Die starke Verstürzung der Thonschichten gegen den im Hangenden liegenden Granit hin ist am Tage entblößt; die Gränze des Granites aber nicht so unmittelbar am Kalkbruche selbst, wie zu Hohnstein; übrigens die Beschaffenheit der bunten Thone und des Kalkes so, daß hier an einer Wiederholung der Verhältnisse vom Hohnstein'er Kalkbruch nicht zu zweifeln ist.

So würde jeder noch auf dieser Gränzlinie betriebene Kalkbruch gleiche Aufmerksamkeit verdienen, und die Meinung der Arbeiter im Hohnstein'er Kalkbruch ist: Die Scheidung zwischen Granit und Sandstein führe stets etwas Kalk bei sich.

Da auch Herr Weiß 1827 keine Arbeiter mehr antraf, hatte Herr Hedenus den Abbau zu dieser Zeit offensichtlich schon wieder aufgegeben.

Auch in dem von uns im Kapitel zu Hohnstein und Zeschnig bereits zitierten, leider nicht unterzeichneten geognostischen Bericht aus dem Zeitraum um 1830 wird der Kalkbruch im Heidelbachtal erwähnt (40003, Nr. 144, Blatt 46ff):

Im Heidelbachthale, östlich von Hinterhermsdorf, dicht an der Böhmischen Gränze kommt Kalkstein vor, dessen in hora 1,2 Nord, 70 Grad einschießenden Schichten gangartig aufzusetzen scheinen, dessen Verhältnisse jedoch mit denen des Hohnsteiner Kalkes sofern keine Vergleichungen gestatten, wiefern der Granit erst ¼ Stunde weiter nördlich auftritt, so daß diese eigenthümliche Lagerstätte noch ganz in das Gebiet des Quadersandsteins fällt.“

Auch dieser Verfasser machte keine Angaben zu einem derzeit noch umgängigen Abbau des Kalklagers, so daß man ziemlich sicher annehmen kann, daß der Abbau in diesen Jahren ruhte.

  

Um diese Zeit versuchte sich übrigens ein neuer Muther mit einer Gute Hoffnung Fundgrube erneut mit Erzbergbau bei Hinterhermsdorf. Die betreffende Bergamtsakte (40170, Nr. 130) enthält allerdings nur eine gehorsamste Anzeige“ des Herrn Johann Gottlieb Hähnel aus Hinterhermsdorf an das inzwischen zusammengelegte Bergamt zu Altenberg (samt den früher eigenständigen Bergämtern Berggießhübel und Glashütte) vom 9. Juli 1827, aus der hervorgeht, daß derselbe der Lehnsträger der Gute Hoffnung Fundgrube gewesen ist; offenbar jedoch keine Arbeit mit der Grube haben wollte und daher das hochwohllöbliche Bergamt ersuchte, den in Altenberg angestellten Rezeßschreiber Ferdinand Köttig als Steigerdienstversorger anzunehmen. Gleichzeitig wurde jenem Vollmacht erteilt, die bey dem Königlich Sächsischen Wohllöblichen Bergamte zu verrichtenden Geschäfte in meinem Namen zu verrichten, Register zu fertigen, zu unterschreiben und bey dem ... Bergamte einzulegen, Frist zu suchen, auch sonst alles dasjenige zu thun, was mir als Lehnträger genannter Grube zu thun oblieget.“

Da darüber hinaus nichts weiter aktenkundig geworden ist, kann man wohl davon auszugehen, daß es auch hierbei bei einem Versuch geblieben und diese Grube gar nicht wirklich aufgenommen worden ist...

   

Eine weitere Notiz über den Kalkabbau bei Hinterhermsdorf findet sich dann in dem schon bezüglich Saupsdorf erwähnten Brief des Herrn Herrmann Häntzschel vom 7. Mai 1831 an den Hochgeehrten Herrn Bergkommissionsrath (40003, Nr. 180, ab Blatt 191 der Akte), wo es über Hinterhermsdorf heißt: „Zuletzt kann ich nicht umhin, den Kalkbruch im Heidelbachthale bei Hinterhermsdorf zu erwähnen.

Der Herr Professor Naumann führte in seiner Arbeit über die Granite des östlichen Theiles des Königreiches Sachsen an, daß gedachter Kalksteine als gangartige Lagerstätte im Sandstein vorkomme, doch bin ich fest überzeugt, daß er unter gleichen oder ähnlichen Verhältnissen, wie der übrige Kalk hiesiger Gegend vorkomme, nur mit dem Unterschied, daß der Kalk auf dem Granit ruht, indem der Mergel, den man übrigens über Tage anstehend findet, 75° gegen NO gegen den Sandstein fällt. Das rechte Gehänge des Heidelbachthales besteht nehmlich von Neudörfel, zu Hinterhermsdorf gehörig, an bis ¼ oder ½ Stunde oberhalb des Kalkbruches aus Granit, während das linke bis dahin von Quadersandstein constituirt wird, und macht hier, wo der Bruch ist, die Gränze eine Wendung, so daß sie hor. 8,6 bis hor. 9 quer über das Thal streicht; des nachlässigen Betriebes halber konnte ich keine weiteren Beobachtungen anstellen.“

Herr Häntzschel hat mit „nachlässigem Betriebe“ sicherlich nicht einen schlecht geführten, sondern tatsächlich einen erneut schon wieder nachlassenden Abbau gemeint. Wenn der Kalkbruch auch jetzt noch immer im Besitz von Amtsverwalter Hedenus war, so hatte der entweder kein großes Interesse am Betrieb eines zweiten Kalkwerkes (das ja für den Absatz in Hohnstein Konkurrenz bedeutet hätte), oder er hatte erkannt, daß auch hier die Grenzen des Lagers bald erreicht sein würden.

Ob übrigens der Bergamtskandidat Herrmann Häntzschel aus Hohnstein auch mit der hier ansässigen Familie der früheren Floßmeister im königlichen Forstrevier verwandt ist, wissen wir noch nicht.

    

Der vom Bergamt Altenberg 1831 angekündigte  Bericht an das Oberbergamt in Freiberg zu den damals ja anderenorts noch laufenden Untersuchungen zur Aufsuchung von Kalk- und Mergellagern folgte dann drei Jahre später im Jahr 1834. Das Finanzministerium in Dresden fragte nämlich am 4. Juni dieses Jahres nach, worauf denn eigentlich die nach den rentamtlichen Rechnungen als geleisteter Vorschuß noch in Rezeß stehenden 1.085 Thaler ( !! ) verwendet worden sind (40001, Nr. 2975, Blatt 84 der Akte). Daraufhin erging an das Oberbergamt der folgende

Bericht
des Bergamts Altenberg, die Aufsuchung von Kalkstein- und Mergellagern
in der Hohnstein'er Amtswaldung betreffend.

Darin heißt es (40001, Nr. 2975, Blatt 85ff): „Unterm 9. September 1831 haben wir bereits über die in den nächsten Umgebungen von Hohnstein zur Ausrichtung von Kalksteinlagern auf der Gebirgsscheide des neuern Granits und Quadersandsteins vorgenommenen Gebirgsuntersuchungen berichtlich Anzeige an Eu. hochverordnetes Königl. Oberbergamt erstattet.

Da diese Untersuchungsarbeiten in Gemäßheit hoher Finanz- Ministerial- Verfügung vom 14. März und 3. Mai 1832 gegen Ottendorf, Saupsdorf und Hinterhermsdorf hin auf fiskalischem Territorium fortgesetzt und nunmehr völlig beendet worden sind, so verfehlen wir nicht, Eu. hochverordneten Königl. Oberbergamte auch hierüber unter abschriftlicher Anlage einer tabellarischen Übersicht über die ausgeführten betreffenden Schürfe ... die erlangten Resultate in Folgendem pflichtschuldigst anzuzeigen.

Auf der von dem mitternächtlichen Abhange des Arnsteins bei Ottendorf über den Kleinen Arnstein bei Saupsdorf nach Hinterhermsdorf und Neudörfel an dem dasigen Lehmhübel und der Clause längs der Grenze des fiskalischen Territoriums bis an den Heidelbach und von da am mitternächtlichen Abhange des Steinbergs gegen den Benedict Stein hin sich fortziehenden Gebirgsscheide des neuern Granits und Quadersandsteins, worüber die beigeffügte Gebirgscharte ... eine nähere Übersicht giebt, befindet sich von Ottendorf aus bis an den Lehmhübel bei Neudörfel eine 12 bis 16 Zoll mächtige Ablagerung von mehr und weniger sandigem Thon, in welchem Spuren von Kalkmergel, kleine Stückchen Sandstein und hie und da einzelne Kohlenbröckchen bis zur Größe einer Haselnuß vorkommen.

Weiter gegen Morgen, da wo sich der Lehmhübel dem Dorfe Neudörfel gegenüber heraushebt, treten die vorgenannten beiden Hauptgebirge so nah zusammen, daß solche nur noch durch ein 1 bis 2 Zoll starke Lettenlage von einander getrennt werden. Diese Zwischenbildung nimmt jedoch gegen die Klause hin nach und nach an Mächtigkeit wieder zu und zieht sich sodann a´n dem dasigen Gebirgsgehänge bis in das Heidelbachthal mit einer von 2 bis zu 12  Lchter erwachsenden Mächtigkeit fort.

Da, wo fragliche Ablagerung mit einer größeren Mächtigkeit auftritt, wird solche durch licht gelben und gelblich braunen, mehr und weniger sandigen Thon gebildet, der bisweilen mit bläulich grauen, einzelnen kleinen Kalkstückchen enthaltenden Mergellehm, sowie mit größeren und kleineren Partieen eines breccienartigen Gesteins wechselt, daß in Hauptmasse aus einer Verbindung von Kalk- und Kieselerde besteht, in welcher kleine Quarzkörner, einzelne Klumpen etwas reineren Kalksteins, schwache Kalkspathtrümchen, sowie Ausscheidungen von Braun- und Rotheisenstein vorkommen. Letzteres Gebilide wird endlich weiter gegen Morgen nach dem Heidelbach hin durch allmähliche Vermehrung des Kalkgehaltes in selbigem fast gänzlich verdrängt, so daß zunächst genannten Bachs eine völlig bauwürdige Kalkniederlage Platz ergreift, die mit ihrem abendlichen Ende auf fiskalischen Territorio, übrigens aber in ihrer größeren Verbreitung auf der jetzigen Buttrig'schen Besitzung liegt, woselbst auch ein nicht unbedeutender Kalkbruch in Umgang ist.

An dieser Stelle unterbrechen wir kurz das Zitat und fügen die ‒ allerdings über die Zeit in einen anderen Aktenbestand gewanderten ‒ zum Bericht gehörige Karte zur Lage der beschriebenen Untersuchungsschürfe und Stollen bei Hinterhermsdorf an.

  


Gebirgs- Charte von der Gegend bei Hinterhermsdorf, an der sächsisch- böhmischen Landes Grenze mit Angabe der neuerlich daselbst nach Kalkstein betriebenen bergmännischen Versuchsarbeiten, entworfen im Jahre 1834. Bildquelle: Sächsisches Staatsarchiv, Bergarchiv Freiberg, Bestand 40044-1 (Generalrisse), Nr. A18598, Rollriß, Gesamtansicht, Norden ist links oben. Bildquelle: Sächsisches Staatsarchiv, Bergarchiv Freiberg.

archiv.sachsen.de

  


Ausschnitt aus obigem Rollriß mit der Lage von Buttrig's (bzw. Puttrich's) Kalkwerk am Heidelbach. Hierin ist auch ein zweiter Bruch auf dem westlichen Ufer des Heidelbachs noch verzeichnet und dieser war in die damals erfolgten Untersuchungsarbeiten einbezogen worden. Mit den Nummern 11 bis 25 sind hier wieder Schürfe und bergmännische Auffahrungen zur Erkundung der Ausdehnung des Kalklagers bezeichnet. Die Schürfe 25 bis 30 befanden sich noch weiter östlich unterhalb des Benedictsteins.

   


Ausschnittsvergrößerung aus obigem Riß. Der vom Hohnstein'er Amtsverwalter Hedenus angelegte Kunstschacht lag bekanntlich am Bachufer und wird hier wahrscheinlich durch das dort dargestellte Gebäude markiert. Bei dem in der Bruchsohle verzeichneten Schacht, sowie dem dort angeschlagenen, unregelmäßig anmutenden Tiefbau handelt es sich vermutlich um jene Auffahrungen, von denen Martini 1812 noch berichtete, daß „ein Ort an der mitternächtlichen Sandsteinkluft gegen Morgen, um zu erfahren, wie weit der Kalkstein in diese Waldgegend fortsetze, so wie auch ein Ort gegen Mittag getrieben werden“ solle.

   

Zurück zum Bericht des Bergamtes Altenberg aus dem Jahr 1834: „Von nur erwähntem Kalkbruche aus weiter gegen Morgen nach dem Benedict Steine hin verliert sich auf der am mitternächtlichen Abhange des Steinbergs sich fortziehenden Gebirgsscheide des Granits und Quadersandsteins jeder Kalkstein. Beide Gebirge werden hier nur noch durch eine 20 bis 25 Zoll mächtige, aus sandigem weißen Thon bestehende Lage getrennt.

Soviel übrigens das Granit- und Quadersandsteingebirge selbst anlangt, so hat ersteres an seiner Grenze längs des beschriebenen Traktes einen gegen letzteres sich neigenden Überhang, dessen Faltungswinkel in der Tour von Ottendorf gegen Hermsdorf hin 10° bis 23°, auf der übrigen Längenerstreckung aber, mit Ausnahme der nächsten Umgebung von Neudörfel, woselbst die Gebirgsscheide eine fast saigere Lage einnimmt, 45° bis 70° beträgt.

Gleich diesem neigt sich der Quadersandstein in seiner Schichtung mit 5° bis 10° Fall gegen den Granit. Eine Abweichung hiervon kommt nur allein an dem vorbeschriebenen Punkte bei Neudörfel vor, indem sich daselbst die Quadersandsteinschichten in söhliger Lagerung an der ziemlich senkrechten Gebirgsscheide abschneiden, sowie bei derjenigen Parthie besagten Gebirges, welche an dem morgendlichen Abhange des Steinbergs und in den Umgebungen des Benedict Steins vorkommt, indem hier söhlig geschichteter Quadersandstein auf dem Granit ruht.

Die Gelegenheit, in der Tour von Ottendorf bis zur Landesgrenze auf der Gebirgsscheide des Granits und Quadersandsteins, soweit solche fiskalisches Territorium durchschneidet, Kalkbrüche anzulegen, beschränkt sich demnach einzig und allein auf die vorgedachte Kalkniederlage in dem Heidelbachthale, und zwar auf den am abendlichen Abhange gelegenen Theil desselben, woselbst auch früher etwas Kalkgewinnung stattgefunden hat.

Schließlich haben wir annoch ehrerbietigst zu berichten, daß es in Gemäßheit hoher Finanz- Ministerial- Verfügung vom 30. Juli a. c. bei den vorgenommenen Untersuchungsarbeiten nach Kalk- und Mergellagern bis auf Weiteres bewenden soll.

Altenberg, den 16. September 1834,
Das Bergamt daselbst.
 

Carl Gustav Schütz,   
Friedrich August Schmid,   
Carl Christian Loose.   

Es folgt in der Akte danach noch die schon erwähnte tabellarische Aufstellung zu den einzelnen Schürfen und Stollnauffahrungen, die uns hier aber in Ermanglung günstiger Ergebnisse nicht weiter interessieren soll.

Da der Bruch selbst offenbar auf privatem Grund und Boden und nicht im Staatsforst lag, wird er von den Bergbeamten auch hier ausgeklammert. Nur auf dem abendlichen ‒ also dem westlichen ‒ Abhang sei auf staatlichem Grund noch Abbau denkbar, wo „auch früher etwas Kalkgewinnung stattgefunden hat.“ Auf jener Seite des Bachs war folglich der Abbau schon lange vorher wieder zum Erliegen gekommen.

  

Hierzu zitieren wir auch noch einmal aus T. E. Gumprecht, 1835: (S. 169ff)

f. Hinterhermsdorf.

Von Hinterhermsdorf zieht sich die Granitgränze in ziemlich östlicher Richtung nach dem Heidelbache, einem Zuflusse der Kirnitzsch, setzt bei der Heidelbachmühle, wo sich der Kalkbruch von Hinterhermsdorf befindet, über den Bach, übersteigt am linken Ufer den langgezogenen hohen Rücken des Steinberges, tritt an dessen östlichem Fuße über den Böhmen von Sachsen hier scheidenden Weißbach und erstreckt sich in Böhmen noch weiter in östlicher Richtung... 

Der Theil der nicht unbedeutenden Erhebung des Terrains zwischen Hinterhermsdorf und dem Heidelbache selbst, nördlich der Granitgränze, die über die Erhebung hinweg streicht, wird der Kalkbusch, der südliche, weit höhere dagegen, eine Sandsteinkuppe, die Clause genannt. Da, wo die Scheide zwischen beiden Höhen unmittelbar dem Kalkbruche gegenüber dem Bache zufällt, sieht man dicht neben einander Granit und Sandstein anstehend. Die Halden der Königlichen Schürfversuche an dieser Stelle ergeben weder eine Spur von gefundenem Mergel, noch vom Kalke; der Granit ist vollkommen frisch, der Sandstein unverändert. Sichtbar steigt hier die Scheide in einer sehr steilen Richtung auf, doch hat man in der westlichen Weitererstreckung derselben nach Hinterhermsdorf hin auf drei Punkten wirklich Kalk angetroffen (nach Obersteiger Hengst).

Gleich über dem Bache auf dem linken Ufer desselben findet sich der Kalkstein in einer so großen Mächtigkeit, daß er, aus der Weitung des früheren Tagebruches zu schließen, zu einem sehr bedeutenden und alten Betriebe Veranlassung gegeben hat. (Nach Götzinger’s Beschreibung des Amtes Hohnstein und Lohmen wurde der Kalkbruch schon 1600 benutzt.) Man hat indeß später es für vortheilhafter gehalten, als der Bruch, der früher theils für Rechnung des Staates, theils für die von Privaten betrieben wurde, ganz in die Hände der letzteren gelangte, den Bau in einen unterirdischen zu verwandeln und teufte in der Sohle des alten Tagebruches zwei Schächte, jeden von 60 Fuß ≈ 17,0 m ab, von denen der westliche als Kunstschacht zur Förderung der reichlich vorhandenen Wässer, der östliche dagegen als Fahrschacht benutzt wird.

Der geförderte Kalkstein ist im Ganzen lichter, als der von Hohnstein und zwar meist rein lichtgrau, seltener von gelbgrauer Farbe. Doch finden sich unter den aufgesetzten Haufen des gebrochenen Steins viele Blöcke, die, wie ich bereits bei Hohnstein selbst erwähnte, den dortigen bis zum Verwechseln gleichen...

Der Bruch des Kalksteins ist theils krystallinisch, theils dicht und fein splittrig und an den Kanten durchscheinend; nirgends zeigt sich derselbe erdig und uneben; ebenso wenig ist das mergelartige Ansehen vorhanden, welches die Plänerkalke von den Kalksteinen älterer Formationen sonst so wesentlich unterscheidet. Besonders bemerkt man die Verschiedenheit da, wo die Massen des Kalksteins reiner und zusammenhängender auftreten, wie dieß namentlich in größerer Tiefe des Kalkbruches der Fall ist. Sehr characteristisch wird für dieselben dann die krystallinische Textur, wie ich eine solche, Zitschewig ausgenommen, von keinem andren Vorkommen des Kalksteins an dem rechten Elbufer her kenne.

Was nun die hiesigen Lagerungsverhältnisse betrifft, so scheinen sie sehr verwickelter Natur. In der Weitung des Tagebruches selbst findet man auf der südlichen, östlichen und nördlichen Seite desselben den Quadersandstein anstehend, auf der südlichen dagegen zeigt sich nach der Sohle herabsetzend und zwar mitten in Sandsteine ein ansehnlicher Streifen eines lichtegrauen, sehr kalkreichen Lettens (die faule Lage genannt) zwischen welchem einzelne dünne Lagen von reinem Kalkstein vorhanden sind, die aber nicht benutzt werden, weil der Kalkstein eben in der Tiefe nach den übereinstimmenden Angaben des jetzigen Besitzers und des früheren Betriebsleiters sowohl an Güte wie an Mächtigkeit bedeutend zunimmt. Durch den Betrieb hat man die Stärke des Lagers ziemlich genau ermittelt; sie beträgt in der oberen Teufe 16, in der unteren 24 Ellen ≈ 12,8 m der Breite nach, die Länge dagegen 40 bis 50 Ellen ≈ 26,7 m. Der Querschlag zwischen den beiden Schächten ist nur im Kalkstein und Letten und zwar in der Längenerstreckung des Lagers geführt; nach beiden Enden soll das letztere vollständig auskeilen, wie schon der Mangel jeder Kalk und Lettenspur auf dem rechten Heidelbachufer und in dem Sandsteine der östlichen Wand ergibt.

Es scheint also der Kalkstein gerade wie bei Hohenstein und Saupsdorf nicht eigentlich als Lager, sondern nur als ein massiger Klumpen aufzutreten, der von allen Seiten vom Sandsteine umgeben wird. Ganz derselben Ansicht über die Art des Auftretens des Kalksteins hier bei Hermsdorf war der Obersteiger Hengst.

Auf dem linken Ufer des Heidelbaches steigt die Gränze den Steinberg hinan. Sie wurde sowohl auf der Höhe des Berges, wie an dem östlichen Abhange desselben, zunächst dem Weißbache, durch mehrere Schürfe und Röschen aufgeschlossen. Nirgends fand man Kalk...“

Herr Gumprecht beschrieb hier, daß die Ausdehnung des Lagers bereits nach allen Seiten bis zu seinem Auskeilen hin bekannt gewesen sei. Wieviel nutzbarer Kalkstein hier zu diesem Zeitpunkt noch anstand und wieviel davon überhaupt noch gewinnbar war, ist schwer zu ermitteln.

Nehmen wir nur einmal an, daß der im übertägigen Steinbruchbetrieb gewinnbare Kalkstein zu diesem Zeitpunkt schon abgebaut gewesen ist ‒ denn schließlich war ja schon Amtsverwalter Hedenus zum Tiefbau übergegangen ‒ dann ergibt sich aus den von Gumprecht genannten Zahlen zur Ausdehnung des Lagers von 17 m Teufe und knapp 27 m Länge bei maximal 12,8 m Breite ein noch anstehendes Volumen von rund 5.800 m³ Kalkstein.

Bei einer Dichte des Kalkmergels von vielleicht 2,2 t/m³ wären dies knapp12.800 t Gesamtvorrat, wobei noch zu bedenken ist, daß davon auch nur ein gewisser Anteil gewinnbar war, da ja einige Pfeiler stehen bleiben mußten, wollte man nicht riskieren, vom Hangenden erschlagen zu werden. Gehen wir ferner davon aus, daß der Besitzer wahrscheinlich nicht mehr als 1.000 t pro Jahr gefördert und daraus etwa 500 t (etwa 4.500 Scheffel) gebrannten Kalk erzeugt hat (wobei auch noch zu berücksichtigen wäre, daß ja nur die festen und zum Brennen geeigneten Kalkbrocken aus dem Mergel ausgeklaubt worden sind), kann man sich leicht ausrechnen, über welchen Zeitraum die Betriebsaussichten der Kalkgrube noch andauern konnten.

Jedenfalls scheint der Bruch ‒ wie der Karte zu den im fiskalischen Auftrag ausgeführten Schürfen oben schon zu entnehmen war, jetzt im Besitz eines Herrn Buttrig oder Puttrich ‒ im Jahr 1835 noch (oder zumindest wieder einmal) in Betrieb gewesen zu sein.

Über das hier von Gumprecht genannte Vorkommen bei  Zitschewig gibt es von uns einen weiteren Beitrag.

   

1838 schrieb B. Cotta darüber in seinen Geognostischen Wanderungen:

„Im Heidelbachthale bei Neudörfel unweit Hinterhermsdorf befindet sich der Buttrich'sche Kalkbruch, der jedoch keine so wichtigen Aufschlüsse darbietet als die angeführten Versuchsarbeiten, da die unmittelbare Grenze des Granites gegenwärtig hier nicht aufgeschlossen ist, und da auch von Versteinerungen neuerlich keine Spur zu finden war, obwohl nach den schriftlichen Berichten der Herren von Planitz und Martini früher einzelne gefunden worden sein sollen.

Merkwürdig genug bleibt auch hier die aufgerichtete Stellung der Kalk- und Mergelschichten, welche wahrscheinlich eine ähnliche Zwischenlagerung zwischen Granit und Sandstein bilden, wie die bei Hohnstein, obwohl ihr Streichen gegen den Granit gerichtet zu sein scheint, weshalb man schon geneigt gewesen ist, sie für eine Spaltenausfüllung im Sandstein zu halten. Die Schichten streichen Stunde 6 bis 7 und fallen 60° gegen NNO. Der Kalkstein, welcher den mittleren Theil einnimmt, besteht nach Martini‘s Beschreibung aus lauter abgesonderten, von Mergel eingehüllten Massen. Im Liegenden wie im Hangenden sollen damit kalkleere Sandsteinschichten abwechseln und auf diese Weile eine Art von Übergang in den Sandstein bewirken, der unweit horizontal geschichtet ist...“

Auch B. Cotta schrieb den Namen des damaligen Besitzers des Kalkbruches ebenfalls mit einem „weichen B“. Sicherlich aber muß es richtig Puttrich heißen – zumindest findet sich dieser Familienname bereits in Akten aus dem Jahr 1700 über die Brettmühlen im Amt Hohnstein (10036, Loc. 38691, Rep. 18 Hohnstein, Nr. 0011). Dieser Familienname ist uns ferner als Richter in  Hinterhermsdorf schon  1727 und auch in  Saupsdorf 1830 bereits begegnet...

So war 1798 ein Christian Friedrich Thiermann Amtsverwalter in Hinterhermsdorf und ein Ephraim Traugott Puttrich Besitzer des dortigen Erbgerichts (10055, Nr. 0195). Im hier fraglichen Zeitraum um 1830 war außerdem ein Herr Christian Gotthelf Puttrich Förster in Hinterhermsdorf (10036, Loc. 38709, Rep. 18, Hohnstein, Nr. 0249 und Loc. 32108, Rep. 33, Spec. Nr. 3424). Da der Bruch – wenn auch vielleicht auf privatem Grund – so doch nahe am Staatsforstrevier lag, könnte auch die Verwaltung eines Amtskalkbruches durchaus dem zuständigen Förster oblegen haben.

 

Wieder einige Jahre später befanden sich die Grundstücke mit dem Kalksteinbruch dann im Besitz eines Herrn Heinrich Gustav Hager (40001, Nr. 2975 und 40006, Nr. 1583). Anders, als die vorgenannten, haben wir diesen Familiennamen nur in Zusammenhang mit dem Kalkbruch und nur zweimal sonst in der Datenbank des Staatsarchives finden können: Zeitgleich nämlich war ein Herr Ernst Ludwig Hager Besitzer des Erbgerichts zu Hinterhermsdorf (10055, Nr. 1603 und 11023, Nr. 0919). In Akten aus der Zeit nach 1856 wird Herr E. L. Hager dann als „Erbgerichtsauszügler“ bzw. als „ehemaliger Erbgerichtsbesitzer“ bezeichnet (10036, Loc. 32271, Rep. 33, Spec. Nr. 5477 und 11023, Nr. 1037).

C. C. Martini erwähnte in seinem geognostischen Untersuchungsbericht (siehe oben) auch, daß ein Herr Hagerer seinerzeit auch Besitzer der Grube Verträgliche Gesellschaft Erbstolln im Weißbachtal gewesen sei. Ob das derselbe oder auch einer seiner Vorfahren gewesen ist, oder ob nur eine Ähnlichkeit des Namens besteht, wissen wir freilich nicht.

   

Besagter Heinrich Gustav Hager jedenfalls wandte sich am 29. Juli 1848 mit folgender Eingabe an das Königl. Sächs. Finanzministerium in Dresden (40001, Nr. 2975, Blatt 158ff):

An das Königl. Sächs. Hohe Finanzministerium zu Dresden.

Einem Königl. Sächs. Hohen Finanzministerium wird bekannt sein, wie ein nicht unbedeutender Kalkbruch bei Hinterhermsdorf mir als Eigenthum gehört, bei welchem nicht nur 20 bis 30 Menschen Jahr für Jahr und fast unausgesetzt ihr Brot verdienen, sondern es befriedigt derselbe auch die ganze Umgegend mit gebranntem Kalk, welche namentlich in neuerer Zeit, dieses Düngemittel in Folge der hiesigen und Saupsdorfer Ablösung der Waldgerechtsame doppelt nöthig hat, da kein Waldstreu mehr aus der Staatswaldung verabreicht wird.

Allein der fernere Betrieb dieses meines Kalkbruches wird mir fast zur Unmöglichkeit durch das Hinzuströmen wilder Tagewasser, ein Übelstand, der früher nur wenig bemerkbar war, merklich aber nur erst in den Jahren 1831 und 1832 für meinen höchst machtheilig dadurch entstanden ist, daß von Seiten des Königl. Bergamts Altenberg abgesandte Bergleute in der Staatswaldung hart an der Grenze meines Grundstücks, namentlich zwischen der auf der uhnterthänigst beigefügten Zeichnung bemerkten Rainsteinen 579 und 580 mehrmals nach Kalklagern schürften. Diese wilden Wasser nehmen nun seit jener Zeit einen anderen Lauf, breiten sich unter der nach Nixdorf führenden Communicationsstraße über mein Grundstück aus und strömen dermaßen auf meinen Schacht ein, daß die Arbeiter zu manchen Zeiten sich wie in einem Duschbade befinden und kaum im Stande zu arbeiten.

Dies ist aber nicht der einzige Übelstand, sondern das Traurigste für mich ist, daß, wenn diese wilden Wasser nicht hinweggeschafft werden, die Zeit nicht mehr fern ist, wo in meinem Kalkbruche alles ersäuft, und derselbe sonach ins Freie gestellt wird. Wollte ich jedoch die mehrerwähnten wilden Wasser bewältigen und für meinen Kalkbruch unschädlich machen, so wäre ich genöthigt, ein anderes und größeres Wasserrad einzuhängen und die Radstube tiefer zu legen. Um dies aber bewerkstelligen, und um den geringen Aufschlagwassern eine größere Kraft geben zu können, müßte ich, da die Nähe einer 33 Ellen davon befindlichen Mahlmühle wie die Vermessung des Wassergefälles verbietet, unterhalb der Radstube in dem vorbeifließenden Heidelbache eine Rösche bis an den Rainstein No. 573, 245 Ellen lang treiben und nicht nur das Bette des Baches tiefer legen, sondern auch auf beiden Seiten kostspielige Ufermauern aufführen. Da nun aber die Emporbringung dieses meines Kalkbruches bedingt, wie schon erwähnt, durch das gestiegene Bedürfnis nach gebranntem Kalk, sowie durch mein eigenes Interesse – die Zinsen des Kaufschillings mir zu erhalten –  mir schon die nahmhaftesten Summen Geldes gekostet, und meine Vermögensumstände dermaßen erschöpft hat, daß ich die genannten Baue weder anfangen, geschweige fortführen kann, die auf meinen Kalkbruch so höchst nachtheilig einwirkenden Übelstände aber einzig und allein durch das Schürfen in der Staatswaldung nach Kalklagern herbeigeführt worden, so sehe ich mich zu der höchst nothgedrungenen unterthänigsten Bitte veranlaßt:

Das Königl. Hohe Ministerium der Finanzen wolle, damit mein Eigenthum nicht gänzlich zerstört wird, huldreichst dahin wirken, daß den genannten wilden Wassern baldmöglichst eine andere Richtung gegeben werde.

Da mich nur die größte Noth zu dieser unterthänigsten Bitte gedrungen hat, so hoffe ich gnädige Verzeihung und Erhörung derselben. Der ich in tiefster Ehrfurcht verharre,

unterthänigster   

Heinrich Gustav Hager,  

Hinterhermsdorf, den 25. Juli 1846“  

Auf dem Schreiben findet man einen Bearbeitungsvermerk der IIAbtheilung des Ministeriums, welche für die Angelegenheiten des grundeigenen Bergbaus, namentlich in den Staatsforsten, zuständig gewesen ist, vom 28. Juli d. J. und eine „Resolution“ (Entschließung), vom Folgetag, daß das Gesuch an den Oberforstmeister in Schandau und den Rentbeamten in Hohnstein behufs einer „gutachterlichen Anzeige“ übersandt werden solle. Das ist gewiß auch geschehen, nur wußten die beiden auch nicht weiter und wandten sich daher an das Oberbergamt in Freiberg.

   


Der dem obigen Schreiben Hager's beigefügte Plan von Heinrich Hager's Grundstücke in Hinter- Hermsdorf, Bildquelle: Sächsisches Staatsarchiv, Bergarchiv Freiberg, Bestand 40001 (Oberbergamt Freiberg), Nr. 2975, Blatt 161, Gesamtansicht, Norden ist links.

archiv.sachsen.de

   

Montanhistorisch sind aus diesem Schreiben folgende Punkte für uns von Interesse:

Zum einen war der Betrieb des Kalkwerkes zu dieser Zeit offenbar doch noch (oder erneut) recht umfangreich, denn angeblich fanden ja bis zu 30 Arbeiter auf dem Kalkwerk „Jahr für Jahr und fast unausgesetzt“ Arbeit und Verdienst.

Zum anderen beklagte Herr Heinrich Gustav Hager, daß natürlich die Obermühle ältere Wasserrechte besaß und daß er deshalb den Aufschlaggraben für das (schon vom Amtsverwalter Johann Gottlob Hedenus vor 1812 errichtete) Wasserrad nicht weiter oben vom Heidelbach abzweigen könne. Da aufgrund der endlichen Wassermenge des Baches nur durch ein größeres Rad mehr Antriebsleistung zu gewinnen sei, sei er folglich gezwungen, einen neuen, tieferen und damit auch längeren Abfluß anzulegen. Eine solche Rösche gab es also vorher noch nicht, was umgekehrt nichts anderes bedeutet, als daß das Hedenus'sche Wasserrad oberirdisch gebaut und über ein Feldgestänge mit dem Kunstgezeug im Wasserschacht verbunden gewesen ist. Mit diesem Wissen versteht man das auf der Zeichnung oben Dargestellte nun besser...

Allerdings hätte der Herr Hager seinen Aufschlaggraben durchaus auch an der Mühle vorbei weiter talaufwärts verlängern können, denn auf der Zeichnung zu seiner Eingabe ist ja auch schon der Obere Teich vermerkt, der wohl als „Pufferspeicher“ für das Mühlrad angelegt worden ist und der natürlich durch einen Graben gespeist werden mußte, der noch weiter oben aus dem Bach abzweigte. Herr Hager hätte dem Mühlenbesitzer also rein energetisch das Wasser damit nicht streitig gemacht. Topographisch bildete jedoch die „S-Kurve“ im Bachverlauf direkt unterhalb der Mühle ein Hindernis. Hätte Hager einen höhergelegenen Aufschlaggraben anlegen wollen, hätte er an dieser Stelle den natürlichen Bachlauf mit einem Gefluter queren müssen. Auch das wäre natürlich bautechnischer Aufwand gewesen und es wäre noch abzuwägen, welche Lösung Herrn Hager wohl günstiger gekommen wäre.

Dem Text zusammen mit obiger Karte ist außerdem noch zu entnehmen, daß die Obere Mühle und der Kalkbruch auf verschiedenem Grund lagen und deshalb auch verschiedenen Besitzern gehört haben. Für die Mühle selbst hat der Zeichner vermerkt, daß sie zur gleichen Zeit im Besitz des Herrn Kotte (vermutlich jetzt schon der Sohn des Vorbesitzers Johann Gottlieb Kotte, vergleiche 10055, Nr. 0651 und Nr. 1844) gewesen ist. Bei der Fläche westlich des Heidelbachs dagegen ist der Name Müller notiert, wobei es nach kurzem Nachdenken wieder klingelt: War doch um 1748 auch der Kalkbruch schon einmal im Besitz eines Herrn Johann Christian Müller (vgl. 10036, Loc. 33452, Rep. 32 (Hohnstein), Nr. 0012). Aber das muß auch wieder gar nichts heißen, ist doch dieser Familienname einer der häufigsten überhaupt in unserem Land... Nordöstlich des Kalkweges lag fiskalischer Grund (Staatswald).

  


Ausschnitt aus obiger Zeichnung, von uns ergänzt. Hedenus' und Hager's Aufschlaggraben zweigte offensichtlich tatsächlich direkt an seiner Flurgrenze, nur 33 Ellen - also rund 17,5 m - unterhalb der Mühle aus dem Heidelbach ab. Das genutzte Wasser lief dann unterhalb der heutigen Heidelbachweg- Brücke dem Bach wieder zu. Die fast rechtwinkige Kurve der Kalkstraße oberhalb des Kalkbruchs war wohl noch immer die Zufahrt zum Kalkofen und Brennerwohnhaus und gibt es heute so nicht mehr.

   

Beim Oberbergamt in Freiberg vergewisserte man sich zunächst über die Sachlage, stellte dabei fest, daß besagte Schürfe „auf Verfügung des vormaligen Geheimen Finanzcollegii vom 9. Januar 1828 vorgenommen“ und hierüber am 9. September 1830 und 16. September 1834 nach Dresden ausführlicher Bericht erstattet worden sei, aber das wissen wir ja bereits. Ausgeführt wurden die Untersuchungen seinerzeit unter Leitung des Bergamtes Altenberg und dieses bekam deshalb am 16. September 1846 Weisung aus Freiberg, Bericht zu erstatten, und hatte damit gewissermaßen als nächster den „Schwarzen Peter“ auf dem Tisch... (40001, Nr. 2975, Blatt 162)

Der angeforderte Bericht aus Altenberg kam am 18. Oktober 1846 in Freiberg an (40001, Nr. 2975, Blatt 163ff). Darin beriefen sich der Bergmeister, jetzt Friedrich Wilhelm Schiefer, darauf, daß er zu dieser Zeit noch gar nicht in diesem Amt gewesen sei, und der Berggeschworene, Carl Christian Loose, daß er auch nicht unterrichtet sei, welche Ausdehnung der Hager'sche Kalkbruch seit jener Zeit gewonnen habe. Aber die Bergbeamten kommen dessenungeachtet zu dem Urteil: „Es läßt sich aber schon behaupten, daß diese Schürfe an sich nicht dazu beitragen können, dem tiefer gelegenen Hager’schen Kalkbruche mehr Wasser zuzuführen, als letzterer seiner Lage und der Natur der Sache nach bekommen muß. Denn entweder das Gebirge ist Wasser haltig, und dann sind die verstürzten Schürfe voll Wasser und der Überfluß geht seinen natürlichen Gang, oder das Gebirge läßt die Wasser durch, dann bleibt es sich gleich, ob alte Schürfe da sind, oder nicht, dem tieferen Kalkbruch muß unter allen Umständen das Wasser zugehen und aus den Spalten und Klüften zugeführt bekommen.“

Deswegen sei dem Besitzer zu empfehlen, Dämme und Vorgräben anzulegen. Die Beamten vermuteten noch, daß der Kalkbruchbesitzer diese nur deshalb noch nicht selbst angelegt habe, weil er damit ja hätte in die Staatswaldung eingreifen müssen. Der Bericht schließt mit dem Satz: „Unbillig dürfte wohl diese Sicherstellung genannt werden, wenn sie vom Staatsforst aus erwartet werden sollte, das weiter auszuführen wir uns jedoch völlig enthalten.“

Beim Lesen dieser Akten kann man sich des Eindrucks manchmal nicht erwehren, daß sich in der Welt in den letzten 200 Jahren sehr wenig geändert hat: Keiner ist´s gewesen, aber alle machen mit...

Nachdem nun seinerseits das Oberbergamt am 28. Oktober 1846 nach Dresden Bericht erstattet hatte, teilte das Finanzministerium am 5. Dezember d. J. nach Freiberg mit, daß Herr Heinrich Gustav Hager seine Beschwerde zurückgezogen habe. Entweder also hatte Herr Hager inzwischen eine gute Idee, wie sein Problem zu lösen sei, oder er hat um diese Zeit den Kalksteinabbau aufgegeben, weil, wie angekündigt, in seinem Kalkbruche alles ersäuft, und derselbe sonach ins Freie gestellt werden müsse ‒ womit natürlich das Bergfreie gemeint war, also die Aufgabe des Abbaurechtes.

   

Von A. Schiffner wird 1840 in seinem Handbuch der Geographie... des Königreichs Sachsen, zweite Lieferung, den Kreisdirektionsbezirk Dresden betreffend, der Kalksteinabbau ebenfalls erwähnt. Im Abschnitt Hohnsteiner Dörfer (S. 489) heißt es darin:

8) Hinterhermsdorf (vulgo auch schlechthin Hermsdorf...), im Ortsverz. (fehlen) alle Namen der abgelegenen Ortsteile, Neudörfel ausgenommen. Es sind... g) die Kotten-, Heidel- oder Obermühle, die der Heidelbach ⅓ Stunde östlich vom Dorfe, in einem Bergkessel unterm Steinberge, nebst dem Kunstgezeuge für den bergmännisch betriebenen Marmorbruch treibt; letzterer hat seinen Ofen höher, im Holze des Steinbergs... Das stattliche Lehngericht ist, weil der bisher sehr blühend gewesene Gränzhandel immer reisende Kaufleute hierher brachte, ein wohleingerichteter Gasthof.

Wir erinnerten schon, dass an diesem (am Heidelbach) ein bedeutender Bruch liegt, dessen bläulich- grauer Marmor von (theilweise krystallisirtem) Kalkspath und Märgel begleitet wird.“

Seltsamerweise erwähnte Schiffner in der nur fünf Jahre später erschienenen Beschreibung von Sachsen und der Ernestinischen... Lande den Kalkbruch bereits nicht mehr.

  

Jedoch muß der Abbau noch mehr als 25 Jahre weitergegangen sein, denn der uns schon bekannt gewordene Untersteiger Richter aus Großschirma hat im November 1867 auch Hinterhermsdorf besucht und fand hier sogar noch zwei in Betrieb stehende Kalksteingruben vor (40024-12, Nr. 15/1). Seinem Bericht hierzu stellte er (nur) an diesem Ort folgende ausführlichere Einleitung voran:

Kalksteingruben bei Hinterhermsdorf.

Die Kalksteingruben zu Hinterhermsdorf liegen 30 Minuten vom Dorfe entfernt, in einem Thale gelegen, hart an der böhmischen Gränze.

Vorzüglich die Grube des Herrn Hager scheint ein ziemlich hohes Alter zu haben. Man sieht es an der Umgebung, daß der Abbau des Kalklagers hier schon seit langer Zeit umgegangen sein muß, da die neuen Besitzer immer wieder da anfangen, was die alten stehen gelassen haben.

Schon die geringe Teufe bewahrheitet es, daß das Kalklager fast bis zu Tage liegt und nur von aufgeschwemmten Sande überlagert wird. Ja, es rechtfertigt zu dieser Annahme noch mehr, wenn man die früheren Einbrüche, die sich über Tage deutlich genug erkennen lassen, und durch ein zu hohes Abbauen des Kalklagers nach der Tagesoberfläche entstanden sind, in Betracht zieht.

Das hier aufsetzende Kalklager streicht hora 8 von SO. nach NW. mit einem nordöstlichen Einfallen von 45°.

Nach meiner Ansicht sind die Schächte auf der Ausstreichungsgränze des Kalklagers angelegt und vermöge ihrer lotrechten Richtung bei einer weiteren Niederbringung auf der südwestlichen Seite des Kalklagers zu stehen gekommen.

Daß das Kalklager bei 14 Ellen Teufe ‒ die Schachtteufe des Herrn Hager angenommen ‒ seinen Endpunkt noch nicht erreicht hat, beweist die in unmittelbarer Nähe liegende Grube, wo man bis 35 Ellen Teufe einen schönen Kalk gewinnt und in der Förste noch anstehend zu erkennen ist.

Diese Erläuterung soll bloß den Beweis führen, daß Herr Hager mit größeren Schachtteufen als 14 Ellen bei diesen Voraussetzungen in Bezug des Kalklagers einen lucrativeren und weniger Gefahr bringenden Abbau hätte einleiten können.

Kalksteingrube des Herrn Hager, Ortsrichter und Erbgerichtsbesitzer.

Befund der Grube.

Herr Hager hat auf seinem Grubenfelde drei Schächte, zwei davon haben die Teufe 14 Ellen (rund 7,5 m), hingegen der dritte die Teufe von 24 Ellen (knapp 13 m). Die Schächte liegen in geringer Entfernung voneinander und sind mit halber Bolzenschrotzimmerung ausgebaut. Über das Ausbauen, namentlich in dem 14 Ellen tiefen, neu ausgezimmerten Schacht, kann ich meine volle Zufriedenheit aussprechen.

Man ist jetzt im Begriff, die Schächte miteinander durchschlägig zu machen.

Die Grundwasser, die bei anhaltendem Regen auch bedeutend zunehmen, werden mittelst eingebauter Pumpen und ein übertage hängendes, kleines, oberschlächtiges Wasserrad, von wo aus die Bewegung mittelst Gestänge auf die Kunstsätze übertragen wird, gehalten.

An dieser Beschreibung der Grubenbaue erkennen wir zum einen das schon vor 1812 von Hedenus errichtete Kunstrad noch immer wieder. Sie unterscheidet sich aber andererseits dahingehend von den früheren Beschreibungen  Martini's und  Gumprecht's, daß die Anzahl der Schächte stetig größer; ihre Teufe hingegen immer geringer geworden ist: Nannte Martini 1812 nur einen Schacht, dieser jedoch mit einer Teufe von rund 32 m, so berichtete Gumprecht im Jahr 1835 über zwei Schächte von rund 17 m Teufe und nun gab es schon drei Schächte (allein in Hager's Grube), die jedoch nur noch 7,5 m bzw. 13 m Teufe aufwiesen. Vielleicht bezog sich die Angabe Martini's zu dem einen Schacht, welcher 35 Ellen, also rund 18,5 m Teufe aufweise, ja auch auf einen der beiden von Gumprecht genannten Schächte bzw. den in der Nachbargrube (s. u.)... Man könnte aus der Tendenz allerdings auch folgern, daß parallel zum Abbau untertage auch weiterhin im Tagebau gefördert und damit die Tagebausohle immer weiter abgesenkt worden ist.

   

Einen solchen Satz, daß der Abgesandte der Bergbehörde über den neu eingebrachten Schachtausbau seine volle Zufriedenheit ausspreche, haben wir in Unterlagen über private Gruben zu dieser Zeit dagegen noch höchst selten gelesen... Vergleichsweise moderat fielen deshalb auch Richter's bergpolizeiliche Hinweise aus:

Bergpolizeiliche Bemerkungen.

Auch hier ist die Fahrung im Förderschachte eingebaut und es bleibt weiter nichts übrig, als anzurathen, sich des Ein- und Ausfahrens während der Förderung zu enthalten.

Bei dem neu anzulegenden Abbau des Kalklagers von dem neuen Schachte aus ist mit aller Vorsicht vorzugehen. Die Förste des leeren Raumes ist mit starken Stempeln sofort zu unterstützen und die Abbauhöhe kann hier nicht über 4 Ellen genommen werden...“

Außerdem solle der Besitzer auch den Ausbau der anderen Schächte im Auge behalten und diese mit Kauen überbauen oder zumindest mit Absperrungen umgeben. Ganz anders sah des Untersteigers Richter's Urteil dagegen über den zweiten Kalksteinbruch aus:

Kalksteingrube der Frau Müller.

Befund der Grube.

Dieselbe liegt in unmittelbarer Nähe der Gruben des Herrn Hager.

Der senkrecht niedergebrachte Schacht war zuvor bis auf 19 Ellen (rund 11 m) abgeteuft, von wo aus man dann den Kalkstein abzubauen anfing, und es so lange fortsetzte, bis ein Einbruch der Tagesoberfläche erfolgte. Die kolossalen Räume stehen noch Zeuge für den stattgefundenen Raubbau.

Da es hier nichts mehr zu gewinnen gab, so teufte man den Schacht weitere 12 Ellen ab, so daß derselbe eine Teufe von 31 Ellen (rund 16,5 m) jetzt aufzuweisen hat. In dieser Sohle ging man wieder südlich nach dem Kalkstein vor und baute denselben mit 4 Ellen Höhe und einer bedeutenden Länge ab, bis ‒ wenn ich nicht irre ‒ die Gränze halt bot.

Man ist hier vorsichtiger zu Werke gegangen und hat den noch in der Förste anstehenden Kalkstein mit 10-12 Zoll starken Stempeln abgefangen. Man zeigte Lust, den noch in der Förste anstehenden Kalkstein abzubauen, was aber einen Bruch zur Folge haben könnte. Jetzt bleibt hier weiter nichts übrig, als vom Schacht aus, welches ich für zweckmäßiger finde, oder vom Abbau nordöstlich mit einem Versuchsort nach dem Kalkstein vorzugehen.

Bergpolizeiliche Bemerkungen.

Immer wieder finde ich, daß man mit der Schachtlänge gegeizt und den Fahrschacht nicht vom Förderschacht getrennt hat. Hier ist die Fahrung im Förderschacht, und zwar am kurzen Stoße, eingebaut. Den Fahrschacht separat zu halten, das gestatten die Dimensionen nicht; daher ist auch hier anzuordnen, daß während der Förderung keine Ein- und Ausfahrt stattfindet.

Weiter ist das Abbauen der Förste bei 31 Ellen Schachtteufe auf der südlichen Seite mit großer Gefahr verbunden; daher schon von mir an Ort und  Stelle untersagt worden...“

Auch hier sei Augenmerk auf einen sicheren Schachtausbau zu richten und ferner war noch der Zugang zur ja schon stilliegenden 19- Ellen- Sohle abzusperren. Abschließend vermerkte Herr Richter noch:

„Wünschenswerth erscheint es, auch die Gruben bei Hinterhermsdorf einer markscheiderischen Aufnahme zu unterziehen. Die Grube der Frau Müller soll mit dem fiskalischen Grund und Boden gränzen. Ob nun der Abbau des Kalksteins noch auf dem Gebiete der Frau Müller steht, ist auf einem Grubenriß sofort zu erkennen.“

Aus den obigen Beschreibungen der ‒ zu diesem Zeitpunkt noch immer zwei ‒ Kalksteingruben entsteht wieder der Eindruck, daß man erneut und nun auch untertage an die Grenzen des Lagers gekommen war. Die Gruben zu vereinigen und die Schweben im Tagebau zur Gänze abzubauen, gestatteten vielleicht aber die auch von Steiger Richter wieder erwähnten, öfters bedeutend zunehmenden Grundwasserzuläufe nicht.

  

Hinsichtlich der von Richter benannten Besitzerin war oben ja schon zu lesen, daß zumindest einer der Kalkbrüche bereits ab 1755 im Besitz des Herrn Johann Christian Müller gewesen ist (10036, Loc. 33452, Rep. 32, Nr. 0012).

Nachweislich war auch im 19. Jahrhundert (10002, Nr. 03929 und Nr. 08889) ein „Gartennahrungsbesitzer“ namens Johann Gottlob Traugott Müller und noch um 1880 eine Familie dieses Namens, nämlich Carl Gottfried Müller, in Hinterhermsdorf ansässig (10002, Nr. 17282). Da dieser Familienname aber wohl der häufigste in unserem Lande überhaupt und zudem auch als Beruf in der Region reichlich vertreten ist, erscheint uns eine weitere Nachsuche hierzu ohne Lokalkenntnisse (etwa aus Kirchenbüchern) aussichtslos.

   

In der im selben Jahr 1867, wie dieser Revisionsbericht, erschienen, ausführlichen Monographie der Autoren Wunder, Herbrig und Eulitz zum Kalkwerksbetrieb in Sachsen wurde kein Kalkwerk bei Hinterhermsdorf mehr angeführt. Auf allen Kartenwerken aus der Zeit nach 1870 ist an der betreffenden Stelle stets nur noch das Restloch des Tagebaus dargestellt. Lange über Richter's Revision hinaus kann der Abbau folglich nicht mehr angedauert haben...

Als in der Ausgabe der Jahrbücher für das Berg- und Hüttenwesen im Königreiche Sachsen auf das Jahr 1901 das erste Mal überhaupt in der Geschichte dieser Publikationsreihe auch statistische Angaben für gewerbliche Gruben aufgelistet wurden (vgl. unseren Beitrag zum unteren  Triebischtal), wurde in dieser Liste ebenfalls kein Kalkwerk bei Hinterhermsdorf mehr aufgeführt.

  


Auf diesem Ausschnitt aus dem betreffenden Blatt No. 86, Section Hinterhermsdorf, der Äquidistantenkarten, gedruckt 1882, ist im Heidelbachtal nur noch das bereits wassergefüllte Restloch des früheren Kalkbruches unterhalb der Obermühle zu finden...

   

Erbrichter Hager erbaute 1865 bei der Obermühle stattdessen eine neue Mahlmühle mit zwei Mahlgängen. Ob es sich dabei noch um den „Erbgerichtsauszügler“ Ernst Ludwig Hager oder um den Kalkbruchbesitzer Heinrich Gustav Hager oder schon um einen ihrer Nachfahren gehandelt hat, wissen wir noch nicht. Der daneben befindliche Kalkofen wurde dagegen zu dieser Zeit nicht mehr genutzt und verfiel (obere-muehle-hinterhermsdorf.de).

Die Obere Mühle hingegen wurde weiter betrieben. Nach mehreren Besitzwechseln gelangte sie im Jahr 1909 an H. Pallme und blieb seitdem im Besitz dieser Familie. In den 1930er Jahren wurde zwar die Mahlmühle aufgegeben, doch die Schneidemühle hatte noch Bestand bis 1978.

Schon nach dem Ende des 1. Weltkrieges gab es auch hier in Hinterhermsdorf die ersten Sommerfrischler, deren Zahl im Laufe der Jahre stetig zunahm, was bei der schweren wirtschaftlichen Lage zwischen den Weltkriegen den Mühlenbesitzern natürlich sehr willkommene Nebeneinnahmen mit sich brachte.

Seit den 1950er Jahren wurde die Mühle in den Sommermonaten dann auch als Ferienheim genutzt. Die heutige Waldpension Obere Mühle liegt mitten im Nationalpark Sächsische Schweiz, knapp 3 km östlich von Hinterhermsdorf, in ländlicher, absolut ruhiger Lage und bietet daher die besten Voraussetzungen für erholsame Urlaubstage (obere-muehle-hinterhermsdorf.de).

Vielleicht bringt ja der eine oder andere Gast auch Interesse an der langen Geschichte des Hauses und der früheren Kalkwerkstandorte mit. Im Folgenden gehen auch wir einmal auf die Suche nach den Spuren dieses Kapitels der Montangeschichte... 

  

 
 
 

Erhaltene Zeugnisse

  

Zusammenfassend ist zu sagen, daß die ältesten urkundlichen Belege für tatsächlich umgehenden Kalksteinabbau, die wir bisher ermitteln konnten, dem Jahr 1547 entstammen und sich auf einen Kalksteinbruch bei Hinterhermsdorf beziehen. Nicht unwahrscheinlich ist aber, daß der Abbau hier noch früher begonnen wurde und bis auf die Phase der Kolonisation zurückgeht.

Am Rande des Staatsforstreviers gelegen, durchmischten sich später private Eigentümer und beauftragte Verwalter eines Amtskalkbruches, unter denen es mehrfach zu Besitzwechseln kam. Anfang des 18. Jahrhunderts muß der Abbau auflässig gewesen sein; danach wurde er zunächst vom Grundeigentümer, Floßmeister Häntzschel, wieder aufgenommen. In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts war ein Kalksteinbruch samt Brennofen in Hinterhermsdorf zusammen mit dem Amt Hohnstein verpachtet; Ende des 18. Jahrhunderts aber erneut auflässig. Danach hatte der Hohnstein'er Amtsverwalter J. G. Hedenus vor 1812 die Kalkbrüche in Hinterhermsdorf käuflich erworben. Parallel gab es mehr oder weniger kontinuierlich immer auch private Eigentümer eines zweiten Steinbruches.

Von A. Schiffner wird nur ein „bergmännisch betriebener Marmorbruch nebst Kunstgezeug“ im Jahr 1840 noch erwähnt, fünf Jahre später jedoch nicht mehr. 1848 befand sich einer der Kalkbrüche dann im Besitz des Herrn H. G. Hager. Nach dem Revisionsbericht des Untersteigers Richter vom November 1867 war neben diesem die letzte bekannte Besitzerin des anderen Kalkbruches eine Frau Müller. Im Gutachten von Wunder, Herbrig und Eulitz zum Kalkwerksbetrieb Sachsens aus demselben Jahr wird schon kein Kalkabbau in Hinterhermsdorf mehr erwähnt. Mit Unterbrechungen läßt sich der Kalksteinabbau in Hinterhermsdorf somit bis zum Jahr 1867 verfolgen; danach schweigen die Quellen.

Wie wir erfahren haben, waren wahrscheinlich schon um 1522, in jedem Falle aber 1547 zumindest Kalkbrennöfen auch schon in Hohnstein im Gange. Ob auch das Hohnstein'er Kalklager aber schon zu dieser Zeit bekannt war, geht unseres Erachtens aus den diesbezüglichen Quellen nicht eindeutig hervor, wenngleich es ‒ einfach schon aus Gründen des Transportaufwandes ‒ wahrscheinlich ist. Bei der Errichtung der ersten Häuser unterhalb der Burg dürfte es entdeckt worden sein, da die Lausitzer Überschiebung ja quer durch den Marktplatz verläuft.

Um 1786 wird dann von W. L. Götzinger erstmals und 1803 ebenfalls von F. G. Leonhardi tatsächlich Kalksteinabbau südöstlich von Hohnstein ausdrücklich erwähnt, der aber auch schon auf die Zeit vor 1600 zurückgehen soll (wobei nicht klar ist, ob diese beiden Verfasser nicht auf dieselben historischen Quellen, wie wir, zurückgegriffen haben). Wahrscheinlich war der Abbau aber im 18. Jahrhundert lange Zeit gänzlich auflässig, denn 1775 fanden weder der Steinbruch noch Kalkbrennöfen in Hohnstein bei den langwierigen Verhandlungen um die Verpachtung des Amtes Hohnstein auch nur eine einzige Erwähnung.

Spätestens ab 1806 befand sich der Hohnstein'er Kalkbruch dann im Besitz (oder in Pacht) des Amtsverwalters J. G. Hedenus. Bei A. Schiffner wird er 1840 und 1845 als „domanialer Kalkbruch“, also als fiskalische Domäne zum Amt gehörend, genannt. Ab 1845 war er im Besitz von C. A. Liebethal. Letzterer wollte das Kalkwerk 1860 an den sächsischen Staatsfiskus veräußern, was jedoch nicht zustande kam. Untersteiger Richter erlegte der letzten bekannten Besitzerin, einer Frau Venus, im Jahr 1867 strenge Forderungen zur Wiederherstellung der Sicherheit der Grube auf, was zugleich die letzte ausdrückliche Erwähnung umgehenden Abbaus beim Hohnstein'er Kalkwerk ist.

Auf welches der Kalkwerke links und rechts des Polenztals die Autoren des Kalkwerksbetriebs in Sachsen im Jahr 1867 sich bezogen haben, als sie ein Kalkwerk „bei Hohnstein“ aufführten, ist unklar; im Kontext der anderen Quellen eher jedoch auf das bei Zeschnig. G. Bruder fand das Hohnstein'er Kalkwerk im Jahr 1881 unzugänglich und abgesoffen vor.

T. E. Gumprecht erwähnte 1835, daß um 1815 auch das Kalklager bei Zeschnig entdeckt worden sei. W. L. Götzinger dagegen meinte, daß man mit dem Abbau bei Zeschnig schon 1786 begonnen habe. 1826 wird der Kalkbruch von A. Schumann und 1840 sowie 1845 wird eine Kalkbrennerei beim Dorf auch von A. Schiffner angeführt.

Erst 1860 aber wird es danach als im Besitz des L. von  Beulwitz auch urkundlich faßbar. Dieser nämlich bot es 1859 dem Staatsfiskus zum Kauf an, der jedoch auch hier ablehnte. Daraufhin erwarb es um 1866 der Markscheider E. E. L. Städter aus Altenberg und jener betrieb es höchstens noch bis 1888. Damit war es in jedem Falle das letzte Kalkwerk in der Region, das noch in Betrieb gestanden hat. In den Erläuterungen zum Geologischen Kartenblatt wurde 1892 festgehalten, daß die Grubenbaue in Zeschnig noch zugänglich seien, während die in Hohnstein damals bereits verfallen waren.

Auf der  Informationstafel des Nationalparks am Hockstein- Wanderparkplatz kann man dagegen lesen, daß der Abbau bei Zeschnig unterhalb der Bergschänke sogar noch bis 1930 angedauert habe.

Der Kalkabbau bei Saupsdorf begann wahrscheinlich als letzter und erst 1830 auf Richter Thiermann's Fluren. Auch hier ist aber nicht ganz klar, ob es nicht doch Vorgänger gegeben hat. Versuchsbaue erfolgten durch Thiermann jedenfalls bis 1834; ob und wie lange danach tatsächlich auch eine Gewinnung erfolgte, haben uns die Akten noch nicht verraten. Bei A. Schiffner jedenfalls wird ein Kalksteinbruch bei Saupsdorf 1840 noch nicht, 1845 dagegen erwähnt.

Ein geringer Abbau hat 1867 auf jeden Fall noch in Betrieb gestanden, da von Untersteiger Richter auch über dieses Kalkwerk berichtet worden ist. In der ausführlichen Monographie der Autoren Wunder, Herbrig und Eulitz zum Kalkwerksbetrieb in Sachsen aus demselben Jahr 1867 hat auch dieses Kalkwerk dagegen schon keine Erwähnung mehr gefunden.

Anfang des Jahres 1869 trat außerdem das erste Allgemeine Berggesetz für das Königreich Sachsen in Kraft und ab dieser Zeit begannen die Bergbehörden, sich auch für den vorher aus dem höheren Bergregal gänzlich ausgenommenen, grundeigenen Bergbau auf Steine- und Erden- Rohstoffe verstärkt zu interessieren. Vorerst wurden die anstelle der vormaligen Bergämter nun gegründeten Berginspektionen aber nur dann zuständig, wenn der Abbau bergmännisch, d. h. also untertägig, erfolgte. Wie wir wissen, traf dies sowohl auf die beiden Kalkwerke bei Hohnstein, wie auf das Thiermann'sche Kalkwerk in Saupsdorf zu und auch in Hinterhermsdorf waren bereits um 1812 erste Schächte und Tiefbaue angelegt. Wäre der Abbau an diesen Orten nach 1870 also tatsächlich noch im Gange gewesen, so müßte man eigentlich weitere Akten darüber im Bergarchiv finden können... Unsere Suche danach war bislang aber erfolglos.

Viel wird in Anbetracht der langen Zeit von wenigstens 140 Jahren, die seit der Einstellung der Gewinnung vergangen ist, wohl nicht mehr zu finden sein. Doch begeben wir uns nun einfach auf die Suche, was von diesem Kapitel der Montangeschichte im Gelände noch zu finden ist... Die folgenden Aufnahmen entstanden überwiegend im Frühjahr 2021.

  


Übersichtskarte der Region mit Eintragung von Verdachtsflächen mit unterirdischen Hohlräumen (hellbraune Markierungen). Markiert haben wir darin die einstigen Kalk- und Erzgruben im Weißbachtal an der sächsisch- böhmischen Grenze im Osten, das Thiermann'sche Kalkwerk südlich von Saupsdorf, das Hohnstein'er Kalkwerk südöstlich der Stadt und das Zeschnig'er nordwestlich von Hohnstein. Im Bereich der Heidelbachmühle bei Hinterhermsdorf fanden sich in dieser Karte zunächst keine Eintragungen, obwohl auch dort ja zumindest zeitweise auch im Tiefbau Kalkstein gebrochen worden ist. Auf unsere Rückfrage beim Sächsischen Oberbergamt hin wurde dies inzwischen korrigiert. Die dortigen Schächte dürften aber heute alle unter dem Wasserspiegel im früheren Steinbruch liegen. Quelle der Karte: geoportal.sachsen.de, Stand Mai 2021.

 

 
 
 

Bei Hinterhermsdorf

  

In unserem montangeschichtlichen Kapitel sind wir von West nach Ost vorgegangen und zuletzt in Hinterhermsdorf angekommen. Einmal hier, beginnen wir nun unsere Nachsuche im Gelände im noch immer von der Pandemie geprägten Frühjahr des Jahres 2021 ganz im Osten und gehen nun umgekehrt wieder westwärts vor...

 


Wir nehmen uns zuerst noch einmal die Geologische Karte, Blatt 86, aus dem Jahr 1894 vor und markieren darin die beiden Kalksteinvorkommen entlang der Granodiorit- Grenze.

  


Fast auf den ersten Blick findet man dann auch in der aktuellen topographischen Karte (gleicher Ausschnitt wie oben) das wassergefüllte Restloch des neuen Kalkbruchs, zuletzt im Besitz von H. G. Hager, nahe der Obermühle bei Hinterhermsdorf. Am Weißbach an der böhmischen Grenze hingegen sind im Relief heute keine Bergbauspuren mehr zu entdecken... Quelle der Hintergrundkarte: geoportal.sachsen.de, eine topographische Karte aus der Zeit vor 1945 hinterlegt.

   


Ein Ausschnitt aus der Übersichtskarte von oben mit den Flächen, in denen das Oberbergamt Hohlräume im Untergrund vermutet (hellbraun dargestellt), zeigt uns, daß westlich des Benediktsteins im Heidelbachtal und nördlich desselben am Weißbachtal die Reste der oben im Text erwähnten Bergbauversuche noch immer vorhanden sein könnten. Dagegen finden sich unmittelbar bei der Heidelbachmühle bei Hinterhermsdorf in dieser Karte seltsamerweise keine Eintragungen, obwohl auch dort ja zumindest zuletzt auch untertage Kalkstein gebrochen worden ist. Die dortigen Schächte liegen aber heute auch unter dem Wasserspiegel im früheren Steinbruch. Quelle der Karte: geoportal.sachsen.de, Stand Mai 2021.

  


Auch auf den entsprechenden Karten des tschechischen kartographischen Dienstes sind eine ganze Anzahl Eintragungen von Pingen und verfallenen Stollnmundlöchern (Kreuze) und von Halden gelbe Dreiecke) zu finden. Quelle der Karte: mapy.geology.cz, Stand Mai 2021.

  

So ‒ mehr bekommt aus der Ferne und über das Internetz nicht heraus. Jetzt müssen wir hin und selber einmal nachschauen...

  


Kommt man am frühen Morgen in die Sächsische Schweiz, sieht man die Täler unterhalb der Ebenheit oft noch sehr malerisch in Nebel gehüllt...

  


Das vielfach gewundene Tal der Kirnitzsch / Křinice führt uns nun von Bad Schandau aus nach Hinterhermsdorf.

   


Am Wanderparkplatz in der Ortsmitte von Hinterhermsdorf (auf zirka 373 m Höhe) angekommen: Das Fachwerkgebäude links der Straße - von der Kirche überragt - ist das frühere Erbgericht und heute ein Hotel.

  


Unweit der Oberlausitz ist in dieser Region bereits der Baustil der Umgebindehäuser typisch. Im Foto das Heimatmuseum in der Neudörfer Straße.

   


Vom Ortsausgang folgen wir der Straße in Richtung Neudörfchen...

   


...und können bald über die Dächer von Neudörfchen und das Tal hinweg bis zum - früh noch vom Nebel verhangenen - Steinberg (459 m) schauen.

  


Wir haben nun auch Neudörfchen durchquert, folgen der Straße weiter ins Tal und überschreiten hier die Grenze des Nationalparks, worauf uns die grünen Tafeln hinweisen.

   


Auf den Wiesen blüht es hier schon...

   


Und im Bachlauf die Sumpfdotterblumen.

   


Auf gut ausgebauten und beschilderten Forstwegen geht es zunächst immer weiter bergab.

   


Einen Hinweis auf den vergangenen Bergbau findet man hier auch auf der Informationstafel zum Nationalpark. Daß die Vorfahren den Kalkstein auch für die Glaserzeugung genutzt (und wahrscheinlich zu diesem Zweck vor allem den Rohkalkstein nach Böhmen geliefert) haben, ist zwar nicht unwahrscheinlich, für uns anhand der bisher recherchierten Quellenlage aber noch neu...

  


Ein wenig haben wir den folgenden Weg durch die Täler dann abgekürzt und sind diesem wohl schon uralten Hohlweg am Hang der „Clause“ unterhalb des „Lang“ gefolgt.

  


Hier fielen uns im Weg auch die ersten Sandsteinbrocken mit rotbraunen Bändern aus Limonit auf.

  


Wir sind unten im Heidelbachtal (auf nur noch zirka 295 m Höhe) angekommen. Nach rechts zweigt hier der früher als „Kalkstraße“ bezeichnete Forstweg hinauf zum Benediktstein ab. Einst führte er weiter nach Nixdorf / Mikulášovice ins Böhmische.

  


Zunächst nach rechts in Richtung Obermühle: Wenige Schritte weiter nördlich fallen uns die Konturen einer Abraumhalde rechts des Weges auf.

  


Am gegenüberliegenden Rand des Fahrweges sieht man an kleinen Sandsteinklippen, daß die Schichtung steil aufgestellt ist: Wir sind also schon recht nahe an der Lausitzer Überschiebung...

  


...und auch ein einige Dezimeter aushaltendes Trümchen mit dunklem Brauneisenerz hat die Erosion hier im gelblich- weißen Sandstein freigespült.

   


Die Brücke über den Heidelbach führt weiter zur Obermühle - heute Waldpension - und so abgelegen, wie der Ort ist, ganz gewiß ein wunderbarer Erholungsort für alle, die Ruhe suchen...

  


Linkerhand vor der Brücke fällt uns der Einschnitt des alten Kalkbruches in den Geländekonturen auf.

  


Gleich rechts der Brücke sieht man dann den Einschnitt des heute wassergefüllten neuen, zuletzt Hager'schen Kalksteinbruches. Hier irgendwo muß um 1812 auch das Hedenus'sche Wasserrad gestanden haben.

  


Vermutlich hat man an dieser Stelle später über eine Rampe den gebrochenen Kalkstein aus dem Steinbruch gezogen... Der mittlere Wasserspiegel liegt heute bei etwa 300 m DHHN (geoportal.sachsen.de).

  


Der Bruch hat aufgrund seiner topographischen Lage am Talhang und des steilen Einfallens des Kalklagers wohl schnell beträchtliche Tiefe erreicht, so daß man den Abraum irgendwann einfach nicht mehr bewältigen konnte und zum Tiefbau übergehen mußte. Oberhalb der Tagebauschulter im Hintergrund verläuft die Kalkstraße auf etwa 320 m Höhe.

  


Die Besitzer der Waldpension haben für ihre Gäste auch einen kleinen Bootsanleger gebaut und wir hoffen mal, sie sind uns nicht böse, daß wir da einfach mal über die Wiese hinspaziert sind, um auch unseren Lesern dieses hübsche Biotop, daß der alte Bergbau hier hinterlassen hat, von allen Seiten zu zeigen.

  


Zurück zum Weg. Von hier aus sieht man, daß der Bachlauf doch eine ziemliche Tiefe unter der Brücke hat. Ein kleines Wasserrad hätte hier allemal Platz gehabt, zumal der Hedenus'sche Aufschlaggraben ja - wie wir aus Herrn Hager's Beschwerde wissen - schon etwa 33 Ellen (rund 17,5 m) unterhalb der Mühle aus dem Bachlauf abgezweigt werden durfte.

 


Wir kehren zur Gabelung zurück und nehmen die Kalkstraße nach Nordosten. Im Bild noch einmal die Abraumhalde von der anderen Seite.

  


Noch ein Stück weiter hinauf können wir von oben in den Tagebau schauen...

  


...und hinter den Bäumen auch auf die Obermühle. Dabei fiel uns noch ein Mauerrest auf der Wiese auf...

  


Nach der Hager'schen Karte von 1846 hat damals oberhalb der Obermühle auch der Kalkofen gestanden - aber später auch die Mahlmühle. Auf welches dieser Gebäude diese Mauerreste zurückgehen, können wir nicht mehr sagen.

 


Die recht massive Bauweise und der etwa quadratische Umriß sprechen aber dafür, daß es sich tatsächlich um das Fundament eines Brennofens handelt.

  


Weil Petrus mitspielt und das Wetter aushält, wandern wir noch weiter die Kalkstraße hinauf...

   


Am Wegesrand fanden wir diesen alten Grenzstein: Die gekreuzten Schwerter weisen ziemlich sicher darauf hin, daß wir uns hier im Staatsforst befinden. Daß der Stein wie ausgegraben und „weggeworfen“ daliegt, wird doch wohl nicht mit dem langjährigen Zwist der Bewohner mit dem Fiskus um ihre althergebrachten Nutzungsrechte zusammenhängen...

   


Dann sind wir am nächsten Wegkreuz und wieder auf etwa 399 m Seehöhe angelangt, wo leider die Beschilderung fehlt. Rechts der nördliche Abhang des Benediktsteins (417 m) und geradeaus verbirgt der Frühnebel noch den Blick ins Tal des Weißbachs / Bílý potok und hinüber nach Böhmen.

  

Da der Anstieg bis hierher trotz des noch kühlen Wetters schon ganz schön schweißtreibend gewesen ist, da wir denselben Weg bis zum Parkplatz in Hinterhermsdorf ja auch wieder zurück laufen müssen, da schon Herr Martini vom einstigen Bergbau im Weißbachtal anno 1812 berichtete, daß von der „Grube Hagerer’s Verträgliche Gesellschaft ...aber jetzt keine Spur mehr aufzufinden“ sei und da wir an unsere Parkuhr denken, kehren wir für diesmal lieber um und halten lieber noch an dem nächsten Ort...

  

 
 
 

Bei Saupsdorf

  

Fährt man von Hinterhermsdorf aus wieder in Richtung Schandau, kommt man auch in Saupsdorf vorbei. Im Kirnitzschtal unterhalb der Richterheide bei Saupsdorf gibt´s einen kleinen Wanderparkplatz an der Straße und der ist zwar nicht sehr groß, aber wenn man einen Platz findet, dann sogar (im Mai 2021) kostenfrei. Setzen wir unsere Geländebegehung also nun von hier aus fort...

 


Dasselbe wiederholen wir nun in Saupsdorf und markieren uns wieder die Karteneintragung des ehemaligen Thiermann'schen Kalkwerkes sowie den Verlauf der Granodioritgrenze...

   


...und stellen fest, daß im Geländerelief etwa im fraglichen Bereich noch heute ein kleiner Einschnitt zu sehen ist, während der Ansatzpunkt des 240 m langen Stollns vom Tal des Dorfbachs aus nach Westen anhand von Geländespuren hierin nicht mehr auszumachen ist... Quelle der Hintergrundkarte: geoportal.sachsen.de, eine topographische Karte vor 1945 hinterlegt, gleicher Ausschnitt wie oben. 

   


Wieder ein Ausschnitt aus der Übersichtskarte von oben mit den Flächen, in denen das Oberbergamt bei Saupsdorf Hohlräume im Untergrund vermutet (hellbraun dargestellt): Neben dem braunen Fleck auf der Richterheide, der das Thiermann'sche Kalkwerk markiert, ist - wie wir aus unseren Recherchen schon wissen - auch nördlich der Ortslage am Wachberg Bergbau umgegangen. Quelle der Karte: geoportal.sachsen.de, Stand Mai 2021.

    


Das Tal des Saupsdorfer Bachs etwa einen Kilometer oberhalb seiner Einmündung in die Kirnitzsch am Saupsdorfer Räumicht liegt hier nur zirka 246 m über dem Meer. Gleich gegenüber vom Wanderparkplatz beginnt dann ein Aufstieg zur Richterheide...

   


Bis Sturmbauer's Eck 5 Minuten Gehzeit - na denn: Auf geht's!

  


Der Anstieg hat es allerdings ganz schön in sich.

   


Selbst hier in den kühlen und eigentlich immer feuchten Tälern hat der Wald stark unter der Trockenheit und der Käferplage der letzten Jahre gelitten.

   


Falls es regnen sollte: Hier wäre ein kleiner Unterstand...

   


Dann haben wir es fast bis auf das Niveau der Ebenheit zwischen den Tafelbergen geschafft: Wir stehen am Aussichtspunkt Sturmbauer's Eck und auf zirka 300 m Höhe.

  


Beim Blick das Tal hinunter nach Südwesten entdeckt man am Horizont schon die Schrammsteine und den nordwestlich davor stehenden Falkenstein oberhalb des Elbtals bei Bad Schandau.

   


Nachdem das steilste Stück bewältigt ist, geht es auf Höhe der Richterheide nun halbwegs moderat bergan weiter.

  


Heide stimmt: Auf dem sandigen Boden stehen heuer hier die Heidelbeersträucher prächtig.

   


Wären nicht so viele Bäume dürr, wäre der Waldspaziergang ein prächtiges Naturerlebnis.

  


Bei etwa 340 m Seehöhe erreichen wir dann den Waldrand unterhalb des Sattels zwischen den zwei südlichen Geländehochpunkten.

   


Hier fällt uns ein fast schon gänzlich verfallener und bemooster Schuppen am Waldrand ins Auge und davor...

  


...ein ganz beachtliches Loch. Im Geoportal haben wir rund 10 x 20 m Ausdehnung abgegriffen und eine Tiefe von rund 4,5 m. Es erscheint uns aber eigentlich noch tiefer, als die ALS- Daten aussagen... Das kann nur einer der Thiermann'sche Kalkschächte gewesen sein !

   


Oben auf dem Sattel bei zirka 357 m Seehöhe biegt der Weg nach Saupsdorf scharf links ab.

   


Den nehmen auch wir und freuen uns: Oh - endlich mal eine Bank !

  


Der Blick geht zuerst in die Ferne und zurück nach Westen zum wieder wolkenverhangenen Kleinstein (375 m).

   


Wenn man von hier oben hinunter auf unseren Anstieg schaut, erkennt man rechterhand vor der Schachtpinge (etwa in der Bildmitte vor dem Waldrand) auch noch eine talabwärts angeschüttete, kleine Bergehalde.

   


Dann biegen wir wieder rechts um und steigen vom Sattel ins Saupsdorf'er Tal ab. Irgendwo hier unterhalb des Schachtansatzpunktes müßte doch auch  Thiermann's Stollen entlang der Gesteinsgrenze angesetzt haben...

  


Was hier stellenweise aus dem Wegschotter schaut, ist kein Sandstein mehr, sondern Granodiorit.

   


Dann geht der Blick schon hinüber nach Saupsdorf.

  


Nun sind wir wieder (fast) unten im Tal.

  


Hier im Granodiorit- Gebiet sind die Talhänge nicht mehr steil und felsig ausgebildet, sondern eher flach geneigt.

  


Ganz anders südlich der Lausitzer Überschiebung weiter unten im Tal: Hier formt die Verwitterung wieder steile Felsklippen aus dem Sandstein.

   


Unterhalb der Räumichtmühle muß man noch ein Stück die Talstraße entlang zurück bis zum Wanderparkplatz und weil nun die Sonne ins Tal schaut, sind wir ziemlich froh, den bald wieder erreicht zu haben...

  

Diese beiden Stationen an einem Tag zu erwandern, bietet sich wegen ihrer räumlichen Nähe zueinander auf jeden Fall an. Da nun sogar die Sonne durch die Wolken kam, trauten wir uns gleich auch noch eine dritte Station an diesem Tag zu ‒ dazu sollte man aber auf jeden Fall gut zu Fuß sein...

   

 
 
 

Bei Zeschnig

  

Eigentlich sind wir ja auf den Spuren des Bergbaus und eher in den Niederungen, als auf den „Höhepunkten“ des Gebirges unterwegs. Aber einer davon muß bei jeder Wanderung hier im Elbsandsteingebirge einfach dabei sein. Weil wir schon ein paar Kilometer hinter uns hatten, entschieden wir uns diesmal für den vom Wanderparkplatz gegenüber der Hocksteinschänke aus recht einfach zu erreichenden Hockstein und den Blick von oben ins Polenztal...

 


Noch einmal dasselbe: Diesmal markieren wir uns die Standorte des zuletzt Städter'schen Zeschnig'er und des Hohnstein'er Kalkwerkes, zuletzt im Besitz von C. A. Liebethal, entlang der Granodioritgrenze...

  


Vom einstigen Hohnstein'er Kalkwerk ist im Geländerelief heute nichts mehr zu finden, zumal sich hier auch die Bebauung ausgedehnt hat. Der von Martini erwähnte Wasserlösestolln kann eigentlich nur im Schindergraben westlich des Kalkwerks angesetzt gewesen sein. Dazu liegen uns aber, keine Längenangaben vor, so daß wir nicht gezielt danach suchen können. An der Bergschänke oberhalb des Gegenhangs des Polenztales hingegen sind noch immer mehrere kleine Steinbrüche im Reliefbild deutlich zu sehen... Quelle der Hintergrundkarte: geoportal.sachsen.de, eine topographische Karte vor 1945 hinterlegt, gleicher Ausschnitt wie oben. 

    


Auch hierzu wieder ein Ausschnitt aus der Übersichtskarte von oben mit den Flächen, in denen das Oberbergamt Hohlräume im Untergrund vermutet (hellbraun dargestellt). Die sehr langgestreckte braune Fläche südöstlich der Ortslage markiert wohl nicht nur das Hedenus'sche Kalkwerk selbst, sondern auch die Reihe der Versuchsschürfe aus den 1830er Jahren. Auf der Zeschnig'er Seite des Polenztals markiert ein weiterer brauner Fleck ziemlicher Ausdehnung die ungefähre Lage des Städter'schen Kalkwerkes.
Quelle der Karte: geoportal.sachsen.de, Stand Mai 2021.

    


Zwischen Rathewalde und Zeschnig westlich des Polenztales kreuzen sich unweit der Hocksteinschänke die Straße von Pirna über Lohmen und Hohnstein nach Sebnitz und die von Bad Schandau nach Stolpen und nach Dresden. Hier gibt´s wieder einen nicht allzu großen, dafür aber nicht ganz preiswerten und bei schönem Wetter immer voll besetzten Wanderparkplatz (rund 311 m über dem Meer im Niveau der Ebenheit).

  


Auf der Informationstafel der Nationalparkverwaltung wird hier auch auf den einstigen Kalksteinabbau in der Region hingewiesen - allerdings ohne einen Hinweis, wo der denn eigentlich genau umgegangen ist. Das hat jedoch seinen Grund, aber der erschloß sich uns erst am Ende dieses dritten Rundweges... Nur die Darstellung eines hohen Schachtofens für das Kalkbrennen auf dieser Tafel erscheint uns der Art des Betriebes und seiner Zeit nicht angemessen: Wahrscheinlich haben hier eher Schneller- Öfen (Niederschachtöfen) gestanden (siehe dazu unseren Beitrag zum Kalkbergbau im unteren  Triebischtal).

  


Wir folgen aber erst einmal dem Hocksteinweg.

   


Ah, den gibt´s hier auch... Einer Information auf der Internetseite der Nationalparkverwaltung haben wir entnommen, daß die insgesamt 54 Tafeln des schon 1965 angelegten und zuletzt 2007 erweiterten Lehrpfades im April 2021 wieder erneuert werden konnten.

   


...und diese Tafel verrät uns, daß gegenüber der Burg Hohnstein auch eine Warte lag. Mit Wall und Graben war der Zugang von der Ebenheit aus einst geschützt.

  


Kurz vor dem Erreichen des Polenz- Tals wird der Weg dann „elbsandsteingebirgstypisch“. Etwas Trittsicherheit sollte man hier immer mitbringen...

  


Die eigentliche Warte erreicht man erst über zwei Brücken, von denen die erste schon älter und solide gebaut ist.

  


Der Mut wird aber gleich belohnt...

  


...denn wir sind am ersten Aussichtsplateau angekommen.

  


Dann führt eine zweite Stahlbrücke noch über die Wolfsschlucht...

   


...das ist diese hier - und da unten führt der Aufstieg vom Polenztal zum Hockstein hinauf hindurch.

  


Und dann steht man auf etwa 290 m Höhe direkt über dem Tal und schaut hinüber nach Hohnstein.

  


Wir holen uns die trutzige Felsenburg und die Stadt zu deren Füßen mit dem Zoom etwas näher heran... Der Felsen, auf dem die Burg steht, ist mit 305 m bis 315 m Höhe noch reichlich 10 m höher als der Hockstein.

   


Der Blick von hier aus hinunter in das fast 120 m tief in den Sandstein eingeschnittene Tal
des Flüsschens Polenz ist aber genauso schön.

  


Okay - das war diesmal der Höhepunkt - nun geht es weiter auf Spurensuche... Wir folgen dem Hohnstein'er Lehrpfad hinunter zum Kohligtgraben, überqueren zweimal die Serpentinen der Wartbergstraße und erreichen dabei die Kernzone des Nationalparks.

   


Diese Geländekonturen machen uns neugierig...

   


Aber die Tafel verrät uns hier, daß es sich um einen Meilerplatz und nicht um eine Bergwerkshalde handelte.

  


Das Waschwasser für die Köhler rieselt heute nur noch spärlich aus dieser Quelle... Wir folgen von hier aus (auf zirka 254 m Höhe) ein Stück der in den 1920er Jahren erbauten, neuen Wartbergstraße.

  


Auch bei diesen Sandsteinklippen am Straßeneinschnitt fällt die Schrägstellung ins Auge. Wir sind wieder recht nah an der Lausitzer Überschiebung.

  


Gegenüber thront die Burg auf ihrem Fels.

  


Wir steigen aber nicht weiter ab, sondern biegen in einem namenlosen Tal nördlich parallel zum Kohligtgrund unterhalb des Wartenberges und ziemlich steil bergauf von der Straße aus links herum wieder ab. Der Waldweg dürfte dem Verlauf der alten Wartenbergstraße folgen.

   


Schnell gewinnt man wieder Höhe über der Straße...

  


Dann entdeckt man einen ersten Steinbruch im Hang rechts des Weges, wo wahrscheinlich schon der Granodiorit gebrochen wurde.

  


Die Bruchsohle ist vom Laub verhüllt und weil wir ja im Nationalpark sind, graben wir da nicht weiter drin rum.

  


Ein paar herumliegende Brocken aus der Nähe betrachtet: Der tektonischen Beanspruchung halber hat das Gestein eine eher schiefrig- flaserige Struktur.

  


Dann erreichen wir unterhalb der Hocksteinschänke wieder den Waldrand.

  


Hier wundern wir uns aus der Ferne über die auffälligen Stufen in der Geländekontur - sollte da etwa noch ein Meilerplatz gewesen sein ?

  


Weiter oben am Weg sieht man dann, daß hier ein weiterer Steinbruch in den Hang gegraben worden ist. Wir weisen ausdrücklich darauf hin, daß wir hier vielleicht gerade an der Grenze, zumindest mit dem Steinbruch aber innerhalb des Nationalparks sind, wo ausschließlich die Wanderwege zu benutzen sind.
Bitte respektiert das und verhaltet Euch entsprechend !

   


Talabwärts grüßt erneut die Burg Hohnstein über die Baumwipfel.

  


Das frische Grün verdeckt zwar etwas die Sicht, aber das ist doch immer noch ein ziemlich beachtliches „Loch“. Der obere Bruch hat eine Ausdehnung von rund 50 x 50 m bei einer Tiefe von rund 11 m (im geoportal.sachsen abgegriffen).

  


Am Rand der Wiese laufen wir einmal herum und schauen uns die kleinen Abraumhalden von nahem an. Sie sind an ihrer Vorderseite ungefähr 4 m bis 6 m hoch und zwischen 15 m und 25 m breit. In drei „Etagen“ übereinander sind sie auf der hangenden (Nord-) Seite des Tagebaus abgelagert.

  


Auch auf der liegenden Seite sind hier kleine Abraumberge zu finden - wohl ein Zeichen dafür, daß das Lager an seinem Ausstrich keine bedeutende Mächtigkeit besaß.

  


Noch ein Blick von der Südseite in den oberen Bruch, dann bleibt uns eigentlich nur noch der Rückweg zum Hocksteinparkplatz...

  


Dazwischen liegt aber noch die Ausmündung des unteren Bruchs. Sie ist bei etwa 12 m Breite noch einmal rund 50 m lang und endet unterhalb des oberen Bruches...

   


...na hoppla: Sie endet an einem Stollnmundloch ?
Sollte von Markscheider Städter's Stolln hier etwa doch noch etwas vorhanden sein ?

  


Der Grubenbau ist heute als Fledermaus- Quartier ausgewiesen und streng geschützt. Wir weisen unsere Leser noch einmal darauf hin, daß eine Befahrung der Grubenbaue aufgrund deren Schutzstatus nicht möglich ist. Bitte respektiert das und verhaltet Euch entsprechend. Auch wir möchten, daß die kleinen Flattertiere ihre Ruhe behalten und weiter fleißig Mücken fangen. Deshalb halten wir nur mal schnell das Blitzlicht durch das Gitter, staunen über die aufwendige und sehr solide, fast elliptische Gewölbemauerung dieses Stollens aus ordentlich behauenen Sandsteinquadern, die nach Untersteiger Richter's Bericht im Jahr 1867 Markscheider Städter in dieser Förderstrecke einbauen ließt, und kehren dann wieder um.

  

Letzteres ist uns noch die folgenden Sätze wert, der natürlich alle untertägigen Anlagen gleichermaßen betrifft, die eigentlich alle Befahrer kennen und respektieren sollten und die wir in diesem Falle ungekürzt einem anderen Befahrungsbericht (team-delta.de) entnommen haben:

Fledermäuse sind in Sachsen die am stärksten bedrohte Säugetiergruppe. Alle 22 heimischen Fledermausarten stehen auf der .Roten Liste´ der vom Aussterben bedrohten Tiere. Hauptsächlich benutzen Fledermäuse im Winter alte Bergwerksstollen, Höhlen und Kellergewölbe als Quartier. Höhlentourismus ist aus diesem Grund für diese Zeit streng untersagt, damit die Tiere nicht aufgeweckt werden, da ansonsten der reduzierte Stoffwechsel gefährlich viel Energie verbraucht, die den Fledermäusen damit bis zum Erreichen des Frühjahres nicht mehr zur Verfügung steht. Auch eingesetzte Pflanzenschutzmittel wirken stark populationsdezimierend, da die Fledermäuse dann über ihre mit Schadstoffen belasteten Beutetiere vergiftet werden können. Außerdem stehen den Tieren heute zu wenig Quartiermöglichkeiten zur Verfügung. Allzuoft werden dürre und hohle Bäume als Lebensraum vieler Tierarten im Wirtschaftswald aus Unwissenheit entsorgt. Dachböden werden ausgebaut und abgedichtet und zum Schutz vor Holzschädlingen wird sehr oft eine chemische Dachstuhlkonservierung vorgenommen, was meist zur direkten Vergiftung der Tiere führt.

Die rein ehrenamtliche, sehr umfangreiche und zeitaufwändige Tätigkeit der Nationalparkwacht Sächsische Schweiz / Gruppe Fledermausschutz zum Erhalt dieser bedrohten Tierart ist aus diesem Grund mit großer Hochachtung zu bewerten.“

Ja. Vergeßt mir dabei aber bitte auch nicht die Arbeit unserer Vorfahren, die nämlich diese ‒ gar nicht so einfach, wie einen dürren Baum, zu entsorgenden ‒ Grubenbaue einstmals überhaupt erst geschaffen haben. Gut also, daß es den Bergbau auch an dieser Stelle gab, sonst hätten die Fledermäuse heute einen Platz für ihren Winterschlaf weniger...

   

 
 
 

Weil unsere Neugier an dieser Stelle nun aber einmal geweckt war, haben wir uns im Frühjahr 2021 zunächst mit der Nationalparkverwaltung in Verbindung gesetzt und ganz offiziell um eine Genehmigung nachgesucht, die untertage verbliebenen Zeugnisse dieses Kalkwerkes einmal besichtigen zu dürfen. Da die Nationalparkverwaltung nicht nur durch Trockenheit und Borkenkäfer, sondern auch noch durch einen Starkregen und Flutschäden im Kirnitzsch- und Sebnitztal im Juni dieses Jahres erst einmal wichtigere Sorgen hatte, haben wir nicht weiter nachgestoßen und eine solche im Jahr 2021 nicht erhalten können.

Wir greifen deshalb auf Untertageaufnahmen von einer früheren Befahrung im Jahr 2016 zurück, welche uns dankenswerterweise von anderen Bergbaufreunden zur Verwendung in diesem Beitrag zur Verfügung gestellt wurden ( bergbaufreunde-sachsen.de).

 


Das Stollnmundloch von innen. Die Sockelmauern der Ausmauerung bestehen aus grob behauenen Sandsteinblöcken, das annähernd kreissektorförmige Gewölbe aus sorgfältig geglätteten Steinen. Da der Zugang etwas höher liegt und die Sohldrainage offenbar nicht mehr ganz einwandfrei funktioniert, steht meist etwas Wasser davor. Das macht das Fotomotiv noch attraktiver... Foto: N. Kaiser.

   


Noch ein ein Blick auf die sorgfältige Ausmauerung. Da der Sandstein untertage kaum Witterungseinflüssen - vor allem keinem „saurem Regen“ - ausgesetzt war, wirken sie mit ihrer freundlichen, gelblichen Farbe noch ganz frisch. Foto: N. Kaiser.

   


Etwas weiter feldwärts noch ein Blick zurück zum Mundloch: Ganz schnurgerade verläuft der Stolln offenbar nicht.
Foto: N. Kaiser.

   


Schmierfinken gab es auch schon immer... Von dem porösen Sandstein bekommt man Ruß und Farbe ganz besonders schwer wieder ab. Jedenfalls muß der Stolln auch in den 1960er Jahren fahrbar gewesen zu sein.
Foto: N. Kaiser.

   


Nach zirka 64 m Länge gelangt man in die alten Weitungsbaue. Foto: N. Kaiser.

  


In diesem Bereich sind sie nicht besonders hoch und werden durch in unregelmäßigem Abstand belassene, kleine Pfeiler abgestützt. Da diese zur Sohle hin ziemlich spitz auslaufen, dürfte die Versatzschicht unten nicht sehr mächtig sein. Foto: N. Kaiser.

  


Die ersten zwei Mauerpfeiler. Das hier herumliegende Holz dürfte noch aus dem Zeitraum der Arbeiten in den 1980er Jahren stammen. Foto: N. Kaiser.

   


Die kuppelförmig ausgehauenen Weitungen werden größer... Foto: N. Kaiser.

   


Weitere drei Mauerpfeiler im Oberbau. Allseitig steht hier der fleckig- graue Kalkstein an und auch an der Firste hat man sicherheitshalber eine Schwebe stehengelassen. Foto: N. Kaiser.

   


Weiter in Streichrichtung des Kalklagers. Die freie Spannweite der bis zu 6 m hohen Firste zwischen den insgesamt neun belassenen Pfeilern ist beachtlich. Foto: N. Kaiser.

 


Gleiches Motiv, etwas anders beleuchtet. Foto: N. Kaiser.

  


Die drei Pfeiler von der anderen Seite. Foto: N. Kaiser.

  


Man sieht hier beim Blick mundlochwärts schön das ziemlich steile Einfallen des Kalklagers nach Nordosten. Die Unterbaue sind natürlich - wo sie nicht versetzt sind - heute abgesoffen. Foto: N. Kaiser.

  


Der Blick in die Gegenrichtung. Foto: N. Kaiser.

  


Noch einmal die Mauerpfeiler. Foto: N. Kaiser.

  


Die Gesamtlänge der Weitungen in der Streichrichtung des Lagers beträgt etwa 65 m, dann werden die Weitungen wieder niedriger. Foto: N. Kaiser.

   


Der Blick von unten in den während der Arbeiten in den 1980er Jahren mit Betonringen ausgebauten Luftschacht. Ob der Standort mit dem des früheren Förderschachtes, dessen Verfüllung im Jahr 1916 nachgesackt ist, übereinstimmt, ist nicht bekannt. Foto: N. Kaiser.

  


Schließlich noch die in den 1980er Jahren aufgefahrene Erweiterungsstrecke nach Nordwesten. Der Stahlausbau zeigt deutlich, daß das Gebirge stellenweise ziemlich stark drückt. Foto: N. Kaiser.

  


Die Strecke endet nach etwa 24 m Länge blind. Die Ortsbrust steht noch in grauem Kalkstein. Wozu sie dienen sollte, ist unklar. Foto: N. Kaiser.

  


Der interessanteste Punkt in den Weitungsbauen aber ist diese Stelle: Rechts im Hangenden sieht man den grauen, gefleckten Kalkstein; links oben dunklen, massig ausgebildeten Granodiorit... Hier wurde von den Alten mit dem Abbau bis an die Lausitzer Überschiebung heran gefahren !  Foto: N. Kaiser.

  


Noch einmal etwas näher betrachtet: In diesem Foto links unten sieht man den typischen Kalkstein, rechts oben dagegen - wohl durch die Scherkräfte bei der Aufschiebung bankig zerklüfteten - Granodiorit. Dazwischen liegt eine hier an diesem Punkt bis mehr als einen halben Meter starke, mylonitisierte und völlig zu feinkörnigen Letten zerriebene Schicht entlang der Bewegungsfläche: Das ist die Lausitzer Überschiebung. Foto: N. Kaiser.

    


Grundriß der Städter'schen Baue in Zeschnig. Nach den eingesehenen Unterlagen müßten diese Baue etwas weiter nördlich, als von uns zunächst vermutet, unterhalb der Wiese zwischen dem früheren Tagebau und der Hockstein- Schänke liegen. Etwa in der Mitte des südöstlichen Stoßes der Weitungen kommt der 1867 von Städter erbaute Stollen ein. Am Nordostrand grünlich koloriert ist der Südwestrand der Überschiebungszone markiert. Markscheider Städter hat den Kalkstein also bis dorthin aushauen lassen.

Kartenquelle: www.bergsicherung-freital.de

 


Auch der auf der Informationstafel am Hockstein- Parkplatz abgebildete Schnitt dürfte dieser Akte der Bergsicherung Freital GmbH entstammen. Die Schnittdarstellung B-B dürfte etwa der oben eingetragenen Schnittlinie 1-1' entsprechen. Im rechten Bereich ist wieder die oben hellgrün markierte, mylonitisierte Zone (aufrechte Dreiecke) der Lausitzer Überschiebung zu erkennen, welche hiernach aus wenigstens zwei parallelen Verwerfungen besteht, zwischen denen ein mehrere Meter starkes Band einer tektonischen Brekzie liegt. Der Kalkstein ist hier der Plenus- Zone zugeordnet (Übergangsbereich zwischen oberem Cenoman und unteren Turon).

Kartenquelle: www.bergsicherung-freital.de

  


Der gewöhnlich lehmige Zersatz des Granodiorits an der Tagesoberfläche oberhalb dieser Abbaue hält das Niederschlagswasser normalerweise weitgehend ab. Aber auch über Klüfte im Gestein dringt natürlich Grundwasser hier ein und füllt nicht nur die Unterbaue sukzessive auf, sondern hinterläßt an einigen Stellen auch solche schneeweißen Sinterbildungen. Foto: N. Kaiser.

 


Am Boden unterhalb der Tropfstellen haben sich manchmal sogenannte „Höhlenperlen“ gebildet. Sie haben mit Perlen natürlich nichts zu tun; es sind einfach lose, durch Kalksinter umhüllte und dadurch weiß gefärbte Steinchen, die sich in kleinen „Wannen“ ansammeln... Foto: N. Kaiser.

  


Nach dem Rückweg wieder am Tageslicht. Glück Auf !
Foto: N. Kaiser.

   

 
 
 

Nach längerem Kartenstudium haben wir bei einem zweiten Besuch im Spätherbst 2021 ‒ als das fallende Laub einen besseren Blick durch den Wald zuließ ‒ dann auch noch Reste eines Gebäudes im Gelände gefunden.

Während der ältere Brennofen östlich der Hocksteinschänke an der alten Wartenbergstraße gestanden hat, war um 1860 ein neuer Brennofen unterhalb des Kalkbruchs im Kohligtgrund errichtet. An dieser Stelle ist jedenfalls auf den ersten Äquidistantenkarten 1878 ein Kalkofen noch dargestellt.

Gegenüber der Situation, die auf der Rißbeilage zu dem Gutachten aus dem Jahr  1860 dargestellt ist, scheinen uns die heute noch auffindbaren Mauerreste aber deutlich zu weit unten im Grund zu liegen, zumal damals ja auch noch eine Förderbrücke erforderlich gewesen ist, um vom Förderschacht aus überhaupt zur Ofengicht gelangen zu können. Zwar würde der Standort weiter unten im Tal es einfacher gemacht haben, den Ofen mit Rohkalk zu beschicken, aber zu bedenken ist umgekehrt auch, daß die Produkte ja dann wieder ziemlich steil bergauf geschafft werden mußten... Auch wenn durch den Bau der neuen Wartenbergstraße vielleicht frühere Transportwege zerstört worden sind ‒ wir vermuten, daß es sich bei diesen Mauerresten wohl doch nicht um den Städter'schen Kalkofen handelt.

 


Ausschnitt aus dem Blatt 326: Hohnstein des Freiberger Exemplars der Meilenblätter von Sachsen, Grundaufnahme ab 1780, Nachbringungen noch bis 1876, Norden ist rechts oben. Hierin war östlich der Hocksteinschänke und nördlich der alten Wartenbergstraße ein Kalkofen verzeichnet. Außerdem wurde auch in der Ziegelei Kalkstein gebrannt, worauf auch dort die Eintragung K.O. verweist. Das „Schacht Häusgen
dürfte den von Beulwitz'schen Förderschacht markieren.

  


Auf der etwa 100 Jahre jüngeren Äquidistantenkarte von 1878 ist ein Kalkofen dagegen am Südhang des Kohligtgrundes, etwas unterhalb des Kalksteinbruches gelegen, dargestellt.

    


Im Kohligtgrund unterhalb des Kalkbruchs: Hier gibt es noch Reste einer Brücke - vielleicht aber einfach nur ein Forstweg späterer Zeit.

   


Nur ein paar Schritte südlich oberhalb dieser Brücke entdeckt man diese schon sehr verfallene Ruine. Eigentlich stehen nur noch zwei Mauern.

  


Sie bestehen aus grob behauenem Sandstein und weisen - soweit sie überhaupt noch erhalten sind - außer einem Gewölberest ganz unten (im Bild rechts am Fuß der Mauer) keine Fensteröffnungen auf. Es könnte sich daher also um die Umfassungsmauern eines Kalkofens handeln.

  


Auch ein Blick von oben macht uns nicht wirklich schlauer: Das Gebäude scheint immerhin einen quadratischen Grundriß von etwa 6 m bis 8 m Seitenlänge und auch etwa diese Höhe gehabt zu haben. Damit würde es sich wahrscheinlich um einen einzelnen Niederschachtofen („Schneller“) gehandelt haben. Als Fundamente eines Hochofens - wie auf der Informationstafel am Hockstein- Wanderparkplatz dargestellt - wären diese Mauerreste dagegen viel zu schwach.

  


Bei dieser quer zur Talachse verlaufenden Rinne - noch etwas weiter unterhalb im Kohligtgrund - könnte es sich vielleicht um die Versuchsrösche aus dem Jahr  1831 handeln. Auf der Suche nach dem von Beulwitz'schen Wasserlösestolln waren wir dagegen bislang erfolglos. Die vielen vergangenen Jahrzehnte und die Bewirtschaftung des Forstes haben die Spuren wohl verwischt...

  

 
 
 

Bei Hohnstein

  

Die so wehrhaft wirkende Burg auf dem Bergsporn über dem Polenztal, deren kühne Anlage wir schon beim Blick vom Hockstein aus der Ferne bewundert haben, soll den Abschluß dieser unserer neuzeitlichen Reise auf den Spuren des Kalksteinabbaus in dieser Region bilden. Für die folgenden Aufnahmen sind wir im Spätherbst 2021 noch einmal wiedergekommen...

 


Wir haben unser Auto am Wanderparkplatz in der Oberen Straße in Hohnstein abgestellt, ordentlich ein Ticket gezogen und machen uns auf den Weg... Zuerst hinauf zur Napoleonschanze, um uns einen Überblick zu verschaffen.

   


Durch einen uralten Hohlweg geht es steil bergauf...

  


...und dann zwischen flacheren Feld- und Weideflächen hindurch weiter bergan. Beim Verschnaufen genießen wir schon mal den Rückblick auf das Städtchen.

   


Dann sind wir oben auf der Kuppe angekommen und finden in einem Wäldchen die Reste der Geschützstellung. Rund 90 Jahre früher war das Wäldchen noch nicht so dicht, so daß der Fotograf damals noch ein klareres Bild davon auf's Zelluloid bannen konnte...

  


Die Wälle und der davorliegende Graben machen noch immer einen ganz imposanten Eindruck. Wie uns auch hier eine Informationstafel verrät, wurden 1813 die Einwohner Hohnstein's zwangsverpflichtet, für die französischen Artilleristen diese Anlage auszuheben.

  


Der Standort war jedenfalls gut gewählt: Man übersah gut die umliegenden Hochflächen und hätte auch die Stadt Hohnstein mit Geschützfeuer überziehen können.

  


Noch der Blick nach Südwesten in Richtung Polenztal. Da es hier oben vom Kalkbergbau nichts zu finden geben kann, nehmen wir die Abkürzung über's Feld wieder hinunter zum Brandweg.

 


Kurz vor der Stadt fällt uns oberhalb des Brandweges noch diese massige Felsklippe auf: Hier steht bereits der Granodiorit zutage an.

   


Dann haben wir Hohnstein auch schon wieder erreicht. Gegenüber dem alten Städtchen hat sich die Stadt in diese Richtung inzwischen ziemlich ausgedehnt.

  


Den haben wir gesucht.

  


Es geht wieder bergan und zwischen den Dächern hindurch erhascht man einen Blick auf die Burg.

  


Am oberen Ende der Anliegerstraße ist ein breiter Geländeeinschnitt zu finden, der aber auch auf die heutige Bebauung zurückgehen könnte und nicht mehr an den alten Kalksteinbruch erinnert.

   


Außerhalb der Ortslage setzt sich die Straße noch als Wirtschaftsweg fort - von den einstigen Kalkwerksanlagen ist hier nichts mehr aufzufinden...

   


Im Wäldchen auf der Kuppe liegt die Napoleonschanze. Da waren wir schon - und kehren deshalb um.

  


Wo wir einmal hier sind, wollen wir natürlich auch die Burg noch sehen und folgen daher der alten Brandstraße in Richtung Stadtzentrum.

  


Das Rathaus...

  


...und wieder ein Blick auf die trutzige Burg auf dem an dieser Seite weit überkragenden Fels.

  


Wir biegen zunächst aber noch in Richtung Bärengarten ab.

  


An der Felsklippe fallen Mauerreste auf...

  


...und auch hier erklärt uns eine Tafel, daß es sich dabei um die obere Einfassungsmauer des Bärengartens handelte. Ein Braunbärengehege gab es hier ja einst tatsächlich...

   


Am Fuß der Klippe fällt uns diese Markierung ins Auge - sie sieht ganz so aus, wie ein Markscheidekreuz. Allerdings stehen wir hier im Sandstein - und für den Hedenus'schen Wasserlösestolln schon zu tief unten. Vielleicht aber geht sie noch auf den Segen Gottes Stolln zurück ?

   


Es geht hier steil bergab und in die enge Schlucht fällt nur noch wenig Sonnenlicht.

   


Einige hier austretende Schichtwasserquellen hat man in gut befestigten Gerinnen über den Wanderweg geführt.

  


Noch mehr Mauerreste im Wald.

 


Die gut gepflegten und informativen Tafeln begleiten uns weiter: Wir haben jetzt die untere Einfassung des Bärengartens erreicht. Noch weiter unten kann der Hedenus'sche Stollen keinesfalls gelegen haben, zumal wir auch schon deutlich unterhalb der 300-m- Höhenlinie sind.

  


Deshalb kehren wir auch hier wieder um und bewundern auf dem Rückweg wieder die wagemutige Lage der Burg.

  


Jetzt geht es endlich zur Burg hinauf.

  


Die ganze Stadt ist irgendwie sehr pittoresk in die felsige Landschaft hineingequetscht.

  


Am unteren Ende des Marktplatzes die Pfarrkirche.

  


Und wenn er - wie die ganze Stadt - auch schief ist, ist der Marktplatz unterhalb des Burgtors für die felsige Lage der Stadt doch überraschend groß. Quer unter dem Platz hindurch verläuft auch die Lausitzer Überschiebung...

   


Vor dem Burgtor erinnert ein Mahnmal an die Geschichte der Burg während des Nationalsozialismus. 

  


Schauen wir hinein: Das erste Burgtor.

  


Der untere Burghof.

  


Es geht aber noch weiter hinauf zur oberen Burg.

  


Den Hof mußte man nur zum Teil pflastern, denn hier steht der Sandsteinfelsen an. Auf die Quarz- Adern, die auf die tektonische Beanspruchung durch die naheliegende Lausitzer Überschiebung zurückgehen, machte uns wieder eine der Informationstafeln aufmerksam.

  


Praktischerweise bildet die Mauer zur Stadt mit dem ersten Tor zugleich die Rampe zum zweiten Tor.

  


Dahinter verbirgt sich ein ziemlich langer Wehrgang, der breit genug ist, daß auch heutige „Kutschen“ noch hindurchpassen.

  


Erst hinter dem zweiten Tor und dem Wehrgang gelangt man schließlich in den inneren Burghof.

   


Auch dieser fügt sich in das felsige Gelände ein und folgt den Formen der Natur.

   


Auf der Spitze des Burgfelsens. Das hintere oder auch „alte Schloß“ ist zusammen mit Teilen der Burganlage durch drei verheerende Brände im 17. Jahrhundert zerstört worden. Seine heutige Gestalt hat der Turm erst beim letzten Umbau im Jahr 1951 erhalten.

   


Auf der Suche nach dem besten Ausblick biegen wir noch in den Schloßgarten ab...

   


Der Blick von der Burgmauer nach Südwesten auf den Schindergraben in Richtung Polenztal.

 


In der anderen Richtung liegt der Bärengarten unter unseren Füßen. Irgendwo dort, wo gegenüber die Sandsteinklippe - etwa in der Bildmitte - endet und sich das Gelände deutlich einsenkt, müßte die Lausitzer Überschiebung verlaufen und irgendwo dort könnte dann auch der  Hedenus'sche Stolln angesetzt haben...

   

Damit sind wir nun auch hier herum. So berühmt, wie das Hohnstein'er Kalkwerk auch anfangs des 19. Jahrhunderts unter den Geologen gewesen ist, so sind hier in Hohnstein doch keine sichtbaren Zeugnisse davon auf unsere Tage überkommen. Selbst von den einst zahlreich gefundenen Ammoniten haben wir bei unserem Spaziergang durch die Stadt keinen einzigen mehr in einem Vorgarten entdecken können. Vielleicht wird ja im Museum noch einer aufbewahrt ?

  


Nur dieser Straßenname erinnert noch heute an den einst in Hohnstein umgegangenen Kalksteinbergbau.

   

 
 
 

Jenseits der Landesgrenze

  

Da die andere Seite der Landesgrenze nur auf zwar sehr schönen, aber eben auch recht langen Wanderwegen oder recht umständlich über den Grenzübergang in Schmilka / Hrensko zu erreichen ist, klammern wir die Vorkommen in Zeidler / Brtniky, Khaa / Kyjov und Neudaubitz / Nova Doubice bei unseren Geländebegehungen zumindest vorerst einmal aus.

Stattdessen möchten wir den folgenden, längeren Auszug aus der sehr umfangreichen Beschreibung der Orte auf der Internetseite der tschechischen Verwaltung der Landschaftsschutzgebietes Lausitzer Gebirge (luzicke-hory.cz, Abfrage April 2021) zitieren:

Der Vápenný vrch (Kalkofenberg, Maschkenberg, 548 m) ist ein etwa 1,5 km nordöstlich von Doubice (Daubitz) liegender, überwiegend aus Granit bestehender Berg, der im Südosten mit dem benachbarten Široký vrch (Steingeschütte) zusammenhängt. Im Sattel zwischen ihnen verläuft die Strasse von Doubice nach Krásná Lípa (Schönlinde). Etwa 200 m nordwestlich der Strasse steht an dem auf den Gipfel führenden Weg eine hölzerne, "Loužilačka" genannte Waldarbeiterbaude. Der bewaldete Gipfel bietet keine Aussicht, aber seit 2006 befindet sich auf ihm einer der Standorte von Kögler's Naturlehrpfad.

Unweit der Straße liegt auf dem Südhange des Berges das Naturschutzgebiet Vápenka (Kalkofen), das seit 1969 als bedeutende geologische Lokalität unter Naturschutz steht. Auf einem verhältnismäßig kleinen Raum kommen hier nämlich Gesteine fünf verschiedener geologischer Einheiten zusammen vor; von denen die wichtigsten die Kalksteine des Jura sind, die mit Ausnahme einiger kleiner Vorkommen in der Umgebung von Doubice (Daubitz), Kyjov (Khaa) und Brtníky (Zeidler) in Böhmen nirgends mehr vorkommen.

Über den Vápenný vrch verläuft nämlich eine wichtige, die Lausitzer Störung genannte geologische Linie, die die Grenze zwischen dem Lausitzer Granitmassiv im Nordosten und den Sandsteinen des Böhmischen Kreidebeckens im Südwesten bildet. Im älteren Tertiär wurde die Scholle des Lausitzer Plutons an dieser Störung über die Oberfläche des Böhmischen Kreidebeckens hinaufgeschoben und zusammen mit ihr wurden auch kleine Schollen von Gesteinen permischen und jurassischen Alters aus dem Liegenden der Kreide hochgeschleppt. Die größte Scholle jurassischer Kalksteine befindet sich gerade auf dem Vápenný vrch. Sie ist etwa 500 m lang, nicht ganz 200 m breit und besteht überwiegend aus grauen Kalksteinen und Dolomiten mit sandigen Einlagerungen. In ihren Kalksteinen hat man früher Abdrücke von jurassischen Ammoniten, Seeigeln und Muscheln gefunden, deren Alter auf um 150 Millionen Jahre bestimmt wurde. Die älteren permischen Gesteine werden überwiegend von roten Quarzporphyren und Arkose- Sandsteinen gebildet.

Im Tertiär drang durch die Jura- Sedimente Basalt zur Oberfläche, der kontaktmetamorph umgewandelte Bruchstücke der umgebenden Gesteine einschließt und heute in der Steilwand am Nordende des sogenannten ,Alten Bruches´ aufgeschlossen ist.

Der Abbau des Kalksteines auf dem Vápenný vrch begann 1641. Er wurde als Düngemittel, zum Teil auch als Baustein verwendet, so z. B. in den 1770er Jahren zum Bau der Kirche in Srbská Kamenice. Die abbauwürdige Kalksteinschicht war etwa 15 m - 20 m mächtig. Da man beim Abbau in der Brüchen auch Bleierze fand, berief Graf Kinský 1890 Bergleute aus Příbram, die im Neuen Bruch einen 34 m tiefen Schacht abteuften. Sie fanden dort Bleierz mit Spuren von Silber, Kupfer- und Zinkerz, die Gehalte waren aber zu niedrig, so daß man die Arbeiten nicht weiter fortsetzte. Der Kalkstein- Abbau wurde erst 1929 endgültig eingestellt.

In den Jahren 1955 und 1956 wurde hier eine neue Erkundung auf Blei- Zink- und Kupfererze durchgeführt. Im sogenannten ,Neuen Bruch´ hat man damals zwei kurze Stollen vorgetrieben und östlich des ,Alten Bruches´ zwei 142 m und 204 m tiefe Bohrungen abgeteuft. Da die Erzführung mit der Teufe kleiner wurde, wurden keine weiteren Erkundungsarbeiten durchgeführt. Von Erzmineralen wurden hier z. B. Kupferkies, Chalkosin, Schwefelkies, Psilomelan, Zinkblende und silberhältiger Bleiglanz gefunden, verhältnismäßig häufig kam auch Malachit und Azurit vor.  

Die alten Kalksteinbrüche befinden sich etwa 150 m nördlich des Vápenná cesta (Kalkweg) genannten Weges, der am Südfuße des Berges von der Strasse aus Krásná Lípa (Schönlinde) zum Nordende von Doubice (Daubitz) führt. Die zu den Brüchen führende Abzweigung steigt mäßig zwischen verwachsenen Halden am Berg hoch und dreht sich dicht an den Brüchen nach links. An der rechten Seite gähnt hier der etwa 10 m - 15 m tiefe Abgrund des ,Alten Bruches´, der sich etwa 100 m in nordwestlicher Richtung hinzieht; westlich von ihm liegt die kleinere, mehr rundliche Grube des ,Neuen Bruches´. Die Bruchwände stürzen allmählich ein, so daß sie heute schon zum größten Teile ziemlich flach und mit Erdreich und Schutt bedeckt sind. Beide Brüche waren durch einen kurzen, heute leider schon total verstürzten Stollen verbunden. Ein weiterer Stollen, durch den der Kalkstein aus dem ,Alten Bruche´ zu den Kalköfen geführt wurde, hat sich bis heute erhalten, ist aber an einer Stelle zusammengebrochen. Er ist ungefähr 100 m lang und ist an beiden Seiten mit Gittern verschlossen.

Die Kalköfen standen am Ufer des Baches Doubický potok und bis heute haben sich von ihnen nur noch überwachsene Reste hinter der heutigen Jägerhütte erhalten. Diese Hütte ließ der Herrschaftsbesitzer 1868 bis 1869 gleichzeitig mit den Kalköfen als Wohnung für den Kalkbrenner bauen, aber noch vor 1945 diente sie auch als Gasthaus.“

  

Wenn einer unserer Leser hier mal Urlaub macht und die beschriebene Gegend besucht, würden wir uns über ein paar Fotos freuen und sie gern an dieser Stelle unserem Beitrag hinzufügen.

  

 
 
 

(K)ein Abschied...

  

Vom konkreten Anlaß ganz unbenommen waren unsere diesjährigen Exkursionen durch die Nationalparkregion wieder ein schönes Erlebnis und gewiß nicht unser letzter Besuch in der Sächsischen Schweiz.

 


Bevor wir abfahren, genießen wir noch einmal den phänomenalen Ausblick, den man bei klarem Wetter auch schon vom Hocksteinparkplatz aus hat: Inzwischen steht die Sonne höher und nach Südwesten sieht man von hier aus den Papststein und im Hintergrund den Zschirnstein links des Elbtals.

  


 Im Süden hinter den Klippen rechts im Vordergrund erahnt man die Festung auf dem Königstein und in der Bildmitte sieht man den mächtigen Lilienstein (414 m).

   

Die eher winzigen Kalkstein- Vorkommen, die wir hier in der Region besucht haben, wären unter heutigen Gesichtspunkten bestenfalls noch für die Geologen, keineswegs aber mehr als Lagerstätten von wirtschaftlichem Interesse. Für unsere Vorväter aber, die ja alles, was sie brauchten und nicht selbst erzeugen konnten, noch auf dem Fuhrwerk heranschaffen mußten, waren auch solche kleinen Vorkommen wichtig. Gerade Kalkstein und gebrannter Kalk hatten nicht nur für Bauzwecke, sondern eben auch für die Landwirte immer schon große Bedeutung.

Weil diese Vorkommen nun einmal nur begrenzt waren, der regionale Bedarf dagegen ein großer, halten wir es auch für eher unwahrscheinlich, daß Kalkstein tatsächlich an böhmische Glaswerke geliefert worden sei, zumal auf böhmischer Seite ja weitere Kalksteinvorkommen existierten und auch abgebaut worden sind. Vielmehr sprechen die alten Quellen mehrfach davon, daß Kalk aus dem böhmischen Daubitz / Doubice importiert werden mußte.

Auf jeden Fall haben zumindest die Kalkwerke in Hinterhermsdorf und bei Hohnstein doch eine erstaunlich lange Zeit ‒ wenn auch sicher mit zahlreichen Betriebsunterbrechungen ‒ Bestand gehabt. Endgültig auflässig wurden sie erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts; die eine Grube eher, die andere später. Diese lange Betriebsdauer wiederum kann nur daraus resultieren, daß über die zurückliegenden Jahrhunderte stets nur der unmittelbar umliegende Nahmarkt versorgt wurde und der Absatz daher relativ gering gewesen ist. Sonst wären diese kleinen Vorkommen schon weit eher gänzlich abgebaut und wohl schon längst wieder vergessen gewesen, bevor überhaupt die Geologen auf sie aufmerksam geworden sind.

Und noch eines soll hier angemerkt werden: Was mich, als den Autoren dieser Materialsammlung aus den uns heute zugänglichen Quellen, aber ‒ nicht das erste Mal, aber hier erneut ‒ während meiner Recherchen ganz besonders persönlich fasziniert und berührt hat, ist die Erfahrung, wie viele Familiennamen, gerade aus dieser doch eher unwirtlichen und wirtschaftlich wohl zumeist wenig ertragreichen Region, man in der Aktenüberlieferung über Jahrhunderte immer wieder findet.

So manchen Fürstenhäusern ist es nicht gelungen, über auch nur annähernd vergleichbare Zeiträume ihre Besitzungen gleichermaßen zusammenzuhalten. Den Bauern-, Flößer- oder Müllerfamilien hier in der „Heide über Schandau ‒ und mal ehrlich: Hätte es die Romantik nicht gegeben, wäre es noch heute der „Arsch der Welt“ im „Hinteramt“ an der Grenze von Sachsen ‒ denen ist es gelungen. Und dabei haben wir uns überhaupt noch nicht mit Familienforschung befaßt oder auch nur einmal im „Örtlichen“ nachgeschaut, welche dieser Familien heute noch immer hier ansässig sind...

Das nun wieder kann man sehr „wertfrei“ betrachten und selbstverständlich waren die Umstände vor fünfhundert Jahren ganz andere, als sie es heute sind. Vielleicht aber kann man es auch recht einfach auf unsere heutigen Zeiten herunterbrechen: Je größer die Gier wird, um so eher platzt die Blase... Diejenigen aber, die sich mit den ihnen gegebenen, wenn auch vielleicht nur bescheidenen Möglichkeiten arrangiert und das Bestmögliche daraus gemacht haben, die haben alle Wirren der vergangenen Geschichte bis auf den heutigen Tag überstanden, selbst wenn es ihnen wahrscheinlich nur selten wirklich leicht gefallen sein dürfte.

Dieser Umstand sollte uns auch einmal zu Denken geben.

  

Wir wollen aber nicht weiter philosophieren und hoffen vor allem, daß wir unsere Leser auch mit diesem Beitrag wieder einmal daran erinnern konnten, daß die Bergbauregion in unserem Land weit ausgedehnter, als nur die Montanregion mit ihren alten Erzbergbaurevieren im obergebirgischen Kreise gewesen ist. Es lohnt sich, überall genau hinzuschauen. Und wer weiß schon, wann und wo sich der alte Bergbau eines Tages vielleicht doch noch einmal ungewollt bemerkbar macht... Besser, man weiß noch davon.

Wir wissen auch, daß wir mit diesem, auf bislang etwa einem Jahr Recherchen basierenden Beitrag das Thema bei weitem nicht vollständig abhandeln konnten. Bestimmt wissen Heimatfreunde aus dieser Region noch weit mehr über die Geschichte ihrer eigenen Dörfer und Städte. Wenn Sie also Lücken oder Fehler in unserem Beitrag bemerken, freuen wir uns auf Ihre Hinweise: Unter dem Button Impressum rechts unten auf der Hauptseite finden Sie unsere Kontaktdaten.

Glück Auf!

J. B.

   

 
 
 

Weiterführende Quellen

  

Hinweis: Die verwendeten Digitalisate des Sächsischen Staatsarchives sowie der Landes- und Universitätsbibliothek Sachsen-Anhalt bei der Martin Luther- Universität Halle stehen unter einer
 Creative Commons Namensnennung 3.0 Deutschland Lizenz.

  

         Allgemeine Quellen

  1. wikipedia.de

  2. isgv.de (historisches Ortsnamensverzeichnis)

  3. nationalpark-saechsische-schweiz.de

  4. hinterhermsdorf.de, obere-muehle-hinterhermsdorf.de

  5. saupsdorf.de

  6. sebnitz.de

  7. hohnstein.de, burg-hohnstein.info

  8. kreidefossilien.de, mineralienatlas.de, steinkern.de

  9. hoehlenforschung-dresden.de, hfg-dresden.de

  10. team-delta.de

  11. mapy.geology.cz

  12. luzicke-hory.cz, u. a.:
    - J. Rež, in Zusammenarbeit mit M. Gelnar: Die Glasmachervergangenheit in der Region vom Lausitzer Gebirge, Eigenverlag, 2000

  13. B. Cotta: Aufforderung an das geognostische Publikum, die Erforschung der Alters- Beziehungen zwischen Granit und Kreide in Sachsen betreffend, in: K. C. von Leonhard und H. G. Bronn (Hrsg.): Neues Jahrbuch für Mineralogie, Geognosie, Geologie und Petrefactenkunde, E. Schweizerbart's Verlagsbuchhandlung, Stuttgart, Jahrgang 1836, S. 14-29 sowie S.571f

  14. B. Cotta: Geognostische Beschreibung der Gegend von Tharand. Ein Beitrag zur Kenntniss des Erzgebirges, Zweite Abtheilung: Geologische Rückblicke und Wanderungen in die nähere und entferntere Umgegend von Tharandt, Arnoldische Buchhandlung, Dresden und Leipzig, 1836

  15. B. Cotta: Geognostische Wanderungen II: Die Lagerungsverhältnisse an der Grenze zwischen Granit und Quader- Sandstein bei Meißen, Hohnstein, Zittau und Liebenau, Arnoldische Buchhandlung, Dresden und Leipzig, 1838

  16. B. Cotta: Über die bisherigen Resultate der geognostischen Untersuchungen bei Hohnstein, in: K. C. von Leonhard und H. G. Bronn (Hrsg.): Neues Jahrbuch für Mineralogie, Geognosie, Geologie und Petrefactenkunde, E. Schweizerbart's Verlagsbuchhandlung, Stuttgart, Jahrgang 1837, S. 1-9 und S. 307ff

  17. C. F. Naumann: Geognostische Beschreibung des Königreiches Sachsen und der angränzenden Länderabtheilungen. Viertes Heft, Geognostische Skizze der Gegenden zwischen Schandau, ZIttau, Kratzau, Gabel, Böhmisch- Leipe, Wernstadel und Tetschen, 2. unveränderte Auflage, Dresden und Leipzig, in der Amoldischen Buchhandlung, 1845

  18. F. A. G. Schumann: Vollständiges Staats-, Post- und Zeitungs-Lexikon von Sachsen, enthaltend eine richtige und ausführliche geographische, topographische und historische Darstellung aller Städte, Flecken, Dörfer, Schlösser, Höfe, Gebirge, Wälder, Seen, Flüsse etc. gesammter Königl. und Fürstl. Sächsischer Lande mit Einschluß des Fürstenthums Schwarzburg, des Erfurtschen Gebietes, so wie der Reußischen und Schönburgischen Besitzungen, Band 1, Zwickau, 1814 (Dittersbach), Band 4, Zwickau, 1817 (Hinterhermsdorf, Hohnstein), Band 10, Zwickau, 1823 (Saupsdorf), Band 13, Zwickau, 1823 (Zeschnig)

  19. A. Schiffner: Vollständiges Staats-, Post- und Zeitungs-Lexikon von Sachsen, fortgeführt und vollendet... Band 15: Der Supplemente zweiter Band, Zwickau, 1828 (Dittersbach)

  20. A. Schiffner: Handbuch der Geographie, Statistik und Topographie des Königreiches Sachsen, Zweite Lieferung, den Dresdener Kreisinspektionsbezirk enthaltend, Friedrich Fleischer, Leipzig 1840

  21. A. Schiffner: Beschreibung von Sachsen und der Ernestinischen, Reußischen und Schwarzburgischen Lande, 2. Auflage, Verlag H. H. Grimm, Dresden, 1845

  22. Sächsische Landes- und Universitätsbibliothek (SLUB), Dresden, u. a.:
    - G. Wunder, A. Herbrig, A. Eulitz: Der Kalkwerksbetrieb Sachsens und die Ursachen der verschiedenen Kalkpreise in Sachsen, Auszug aus einem auf Veranlassung des königlichen Ministeriums des Innern abgegebenen Gutachten, Verlag W. Engelmann, Leipzig, 1867
    - Einwohnerbuch für Neustadt in Sachsen, Stolpen und Hohnstein sowie sämtliche Orte der Amtsgerichtsbezirke Neustadt und Stolpen, nach amtlichen Quellen bearbeitet, Adressbuchverlag Julius Weißbach, Neustadt i. Sa., 5. Auflage 1930
    - historisches Bild- und Kartenmaterial
    - W. L. Götzinger: Geschichte und Beschreibung des Chursächsischen Amts Hohnstein mit Lohmen, insbesondere der unter dieses Amt gehörigen Stadt Sebnitz, im Verlage bei Carl Graz, Freiberg, 1786
    - W. L. Götzinger: Schandau und seine Umgebungen oder Beschreibung der sächsischen Schweiz, 2. Auflage, Beger'sche Buch- und Kunsthandlung, Dresden, 1812
    - H. Häntzschel: Bemerkungen auf einer bergmännisch- wissenschaftlichen Reise im Jahre 1824, gesammelt von Hermann Häntzschel aus Hohnstein, vorgelegt den 3. April 1825

  23. Landes- und Universitätsbibliothek Sachsen-Anhalt bei der Martin Luther-Universität, Halle, u. a.:
    - W. L. Götzinger: Schandau und seine Umgebungen oder Beschreibung der sogenannten Sächsischen Schweiz, gedruckt bei G. G. Monse, Bautzen, 1804

  24. F. G. Leonhardi: Erdbeschreibung der Churfürstlich- und Herzogisch- Sächsischen Lande, 2. Band, 3. Auflage, Johann Ambr. Barch, Leipzig, 1803

  25. Universitätsbibliothek der TU Bergakademie Freiberg: Kalender für den Berg- und Hüttenmann bzw. Jahrbücher für das Bergwesen im Königreiche Sachsen, Bergwerksverzeichnisse, Ausgaben 1827 bis 1942 (Digitalisate)

  26. Chr. S. Weiß: Über einige geognostische Punkte bei Meißen und Hohnstein, in: E. J. B. Kersten (Hrsg.): Archiv für Bergbau und Hüttenwesen, 16. Band, Verlag S. Reimer, Berlin, 1827

  27. Thaddäus Eberhard Gumprecht: Beiträge zur geognostischen Kenntniss einiger Theile Sachsens und Böhmens, E. S. Mittler, Berlin 1835

  28. H. B. Geinitz: Charakteristik der Schichten und Petrefacten des sächsisch- böhmischen Kreidegebirges, Arnoldische Buchhandlung, Dresden und Leipzig; 1839-1842

  29. H. B. Geinitz: Das Quadergebirge oder die Kreideformation Sachsens mit besonderer Berücksichtigung der Glaukonitreichen Schichten, in: Preisschriften der Fürstlich Jablonowski'schen Gesellschaft zu Leipzig, Weidmann'sche Buchhandlung, Leipzig, 1850

  30. Chr. A. von Gutbier: Geognostische Skizzen aus der Sächsischen Schweiz und ihrer Umgebung, Verlagsbuchhandlung J. J. Weber, Leipzig, 1858

  31. H. Knothe: Die Berka von der Duba auf Hohnstein, Wildenstein, Tollenstein und ihre Beziehungen zu den meißnischen Fürsten, in: H. Ermisch (Hrsg.): Neues Archiv für Sächsische Geschichte, Band 2, Wilhelm Baensch Verlagshandlung, Dresden, 1881

  32. G. Bruder. Die Fauna der Juraablagerung von Hohnstein in Sachsen, in: Denkschriften der kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Mathematisch-Naturwissenschaftliche Classe, Band 50, k. u. k. Hof- und Staatsdruckerei, Wien, 1885, S. 233-281

  33. O. Herrmann und R. Beck: Erläuterungen zur geologischen Specialkarte des Königreichs Sachsen, Blatt 86: Section Hinterhermsdorf – Daubitz, 1. Auflage, Leipzig, 1897

  34. R. Beck: Erläuterungen zur geologischen Specialkarte des Königreichs Sachsen, Blatt 85: Section Sebnitz – Kirnitzschthal, W. Engelmann, Leipzig, 1895

  35. R. Beck: Erläuterungen zur geologischen Specialkarte des Königreichs Sachsen, Blatt 84: Section Königstein – Hohnstein, W. Engelmann, Leipzig, 1893

  36. A. Meiche (Hrsg.): Sagenbuch der Sächsischen Schweiz, Verlag von Bernhard Franke, Leipzig, 1894

  37. A. Meiche (Hrsg.): Historisch- Topographische Beschreibung der Amtshauptmannschaft Pirna, Buchdruckerei der Wilhelm und Bertha v. Baensch Stiftung, Dresden, 1927

  38. K. Wanderer: Die wichtigsten Tierversteinerungen aus der Kreide des Königreichs Sachsen, Verlag Gustav Fischer, Jena, 1909

  39. J. Langer: Der ostelbische Bergbau im und am Gebiet der Dresdner Heide und der Sächsischen Schweiz, in: W. Lippert (Hrsg.): Neues Archiv für sächsische Geschichte, Band 50, Dresden 1929

  40. O. Wagenbreth: Die Lausitzer Überschiebung und die Geschichte ihrer Erforschung, in: Abhandlungen des staatlichen Museums für Mineralogie und Geologie zu Dresden, Teil 1: Band 11, Teil 2: Band 12, Verlag Th. Steinkopff, Dresden und Leipzig, 1966/1967

  41. H.- D. Beeger: Über den Kalkbergbau bei Zeschnig, in: Bezirkskommission Natur- und Heimatfreunde Dresden im Kulturbund (Hrsg.): Heimatkundliche Blätter für die Bezirke Dresden - Karl-Marx-Stadt - Leipzig: Aus Geschichte und Natur Sachsens, Jahrgänge 3 bis 5, Dresden, 1956-1958, S. 423ff

  42. P. Blachstein: In uns lebt die Fahne der Freiheit - Zeugnisse zum frühen Konzentrationslager Burg Hohnstein, in: Stiftung Sächsischer Gedenkstätten zur Erinnerung an die Opfer politischer Gewaltherrschaft (Hrsg.): Lebenszeugnisse - Leidenswege, Heft 18, Dresden, 2005

  43. K. Hoth, N. Krutsky, W. Schilka, F. Schellenberg, LfULG (Hrsg.): Marmor im Erzgebirge, Bergbaumonographie, Freiberg, 2010

  44. bergbaufreunde-sachsen.de, u. a.:
    - N. Kaiser, Ch. Bieberstein: Die Kalklagerstätte Zeschnig, Bericht auf der Seite bergbaufreunde-sachsen.de (Download im Juli 2021)
    - Bildmaterial vom Kalkwerk Zeschnig

     
     
    Sächsisches Hauptstaatsarchiv Dresden
      

  45. Bestand 10005 (10005 Hof- und Zentralverwaltung, Wittenberger Archiv) Loc. 4321/11, Bl. 134c: Einzelne Bergwerke / Neustadt bei Hohnstein / Lehnbrief Kurfürst Ernsts und Herzog Albrechts für Heinrich von Starschedel und seine Mitgewerken über sämtliche Bergwerke binnen einer Meile Wegs um das neue Städtchen in der Pflege Hohnstein. Dresden, dat. 20. Februar 1472

  46. Bestand 12613 (Gerichtsbücher), Amtsgericht Wurzen, Nr. 202: Lehnbuch des Bischofs von Meißen, Johann VII. von Schleinitz, dat. 1518-1536

  47. Bestand 10548 (Grundherrschaft Schleinitz), Bestandserläuterungen

  48. Bestand 10040 (Obersteuerkollegium), Nr. 0288: Landsteuerbuch von den Jahren 1467 bis 1488

  49. Ebenda, Nr. 0292: Landsteuerregister von den Ämtern, dat. 1529

  50. Ebenda, Nr. 0304: Landsteuerregister von Ämtern, dat. 1530

  51. Ebenda, Nr. 0318: Landsteuerregister von Ämtern, Amt- und Schriftsassen, auch Städten 1543

  52. Ebenda, Nr. 0320: Landsteuerregister von Ämtern, dat. 1546

  53. Ebenda, Nr. 0327: Landsteuerregister von Ämtern und Städten, dat. 1547

  54. Ebenda, Nr. 0335: Landsteuerregister von Ämtern, dat. 1551

  55. Ebenda, Nr. 0364: Landsteuerregister von Ämtern, dat. 1552

  56. Ebenda, Nr. 0386: Landsteuerregister von Ämtern, dat. 1553

  57. Ebenda, Nr. 0397: Landsteuerregister von Ämtern, dat. 1554

  58. Ebenda, Nr. 0631: Landsteuerregister des Amtes Hohnstein auf den Termin Andreä, dat. 1570

  59. Ebenda, Nr. 0651: Landsteuerregister des Amtes Hohnstein auf den Termin Trinitatis, dat. 1571

  60. Bestand 10076 (Rechnungen der Hof- und Staatsbehörden), Nr. 001-1754: Einnahmen und Ausgaben des Amtes Hohnstein, dat. 1629

  61. Ebenda, Nr. 001-1755: Einnahmen und Ausgaben des Amtes Hohnstein, dat. 1631

  62. Ebenda, Nr. 001-1757: Einnahmen und Ausgaben des Amtes Hohnstein, dat. 1649-1650

  63. Ebenda, Nr. 001-1758: Einnahmen und Ausgaben des Amtes Lohmen und des Amtes Hohnstein, dat. 1659-1660

  64. Ebenda, Nr. 001-1759: Einnahmen und Ausgaben des Amtes Hohnstein, dat. 1669-1670

  65. Ebenda, Nr. 001-1761: Einnahmen und Ausgaben an Geld und Getreide des Amtes Hohnstein, dat. 1670-1671

  66. Ebenda, Nr. 001-1763: Einnahmen und Ausgaben des Amtes Hohnstein, dat. 1680-1681

  67. Ebenda, Nr. 001-1765: Einnahmen und Ausgaben an Geld und Getreide des Amtes Hohnstein, dat. 1690-1691

  68. Ebenda, Nr. 001-1766: Pacht- und reservierte Intradenrechnungen über Einnahmen und Ausgaben an Geld und Getreide des Amtes Hohnstein und Lohmen, dat. 1700-1701

  69. Ebenda, Nr. 001-1767: Pacht- und reservierte Intradenrechnungen über Einnahmen und Ausgaben an Geld und Getreide des Amtes Hohnstein und Lohmen, dat. 1709-1710

  70. Ebenda, Nr. 001-1768: Pacht- und reservierte Intradenrechnungen über Einnahmen und Ausgaben an Geld und Getreide des Amtes Hohnstein und Lohmen, dat. 1719-1720

  71. Ebenda, Nr. 001-1769: Pacht- und reservierte Intradenrechnungen über Einnahmen und Ausgaben an Geld und Getreide des Amtes Hohnstein und Lohmen, dat. 1729-1730

  72. Ebenda, Nr. 001-1770: Pacht- und reservierte Intradenrechnungen über Einnahmen und Ausgaben an Geld und Getreide des Amtes Hohnstein und Lohmen, dat. 1739-1740

  73. Ebenda, Nr. 001-1771: Pacht- und reservierte Intradenrechnungen über Einnahmen und Ausgaben an Geld und Getreide des Amtes Hohnstein und Lohmen, dat. 1749-1750

  74. Ebenda, Nr. 001-1772: Pacht- und reservierte Intradenrechnungen über Einnahmen und Ausgaben an Geld und Getreide des Amtes Hohnstein und Lohmen, dat. 1750-1751

  75. Ebenda, Nr. 001-1773: Pacht- und reservierte Intradenrechnungen über Einnahmen und Ausgaben an Geld und Getreide des Amtes Hohnstein und Lohmen, dat. 1759-1760

  76. Ebenda, Nr. 001-1774: Pacht- und reservierte Intradenrechnungen über Einnahmen und Ausgaben an Geld und Getreide des Amtes Hohnstein und Lohmen, dat. 1770-1771

  77. Ebenda, Nr. 001-1775: Pacht- und reservierte Intradenrechnungen über Einnahmen und Ausgaben an Geld und Getreide des Amtes Hohnstein und Lohmen, dat. 1780

  78. Ebenda, Nr. 001-1776: Rechnungen über Einnahmen und Ausgaben der Administrationseinkünfte des Amtes Hohnstein und Lohmen, dat. 1790

  79. Ebenda, Nr. 001-1777: Rechnungen über Einnahmen und Ausgaben der Administrationseinkünfte des Amtes Hohnstein und Lohmen, dat. 1800

  80. Ebenda, Nr. 001-1778: Rechnungen über Einnahmen und Ausgaben der Administrationseinkünfte des Amtes Hohnstein und Lohmen, dat. 1801

  81. Ebenda, Nr. 001-1779: Rechnungen über Einnahmen und Ausgaben der Administrationseinkünfte des Amtes Hohnstein und Lohmen, dat. 1802

  82. Ebenda, Nr. 001-1780: Rechnungen über Einnahmen und Ausgaben der Administrationseinkünfte des Amtes Hohnstein und Lohmen, dat. 1803

  83. Ebenda, Nr. 001-1781: Rechnungen über Einnahmen und Ausgaben der Administrationseinkünfte des Amtes Hohnstein und Lohmen, dat. 1804

  84. Ebenda, Nr. 001-1782: Rechnungen über Einnahmen und Ausgaben der Administrationseinkünfte des Amtes Hohnstein und Lohmen, dat. 1805

  85. Ebenda, Nr. 001-1783: Rechnungen über Einnahmen und Ausgaben der Administrationseinkünfte des Amtes Hohnstein und Lohmen, dat. 1806

  86. Ebenda, Nr. 001-1784: Rechnungen über Einnahmen und Ausgaben der Administrationseinkünfte des Amtes Hohnstein und Lohmen, dat. 1807

  87. Ebenda, Nr. 001-1785: Rechnungen über Einnahmen und Ausgaben der Administrationseinkünfte des Amtes Hohnstein und Lohmen, dat. 1808

  88. Ebenda, Nr. 001-1786: Rechnungen über Einnahmen und Ausgaben der Administrationseinkünfte des Amtes Hohnstein und Lohmen, dat. 1809

  89. Ebenda, Nr. 001-1787, 1788 und 1789: Rechnungen über Einnahmen und Ausgaben der Administrationseinkünfte des Amtes Hohnstein und Lohmen, dat. 1810

  90. Ebenda, Nr. 001-1790 und 1791: Rechnungen über Einnahmen und Ausgaben der Administrationseinkünfte des Amtes Hohnstein und Lohmen, dat. 1820

  91. Ebenda, Nr. 001-1792 und 1793: Rechnungen über Einnahmen und Ausgaben der Administrationseinkünfte des Amtes Hohnstein und Lohmen, dat. 1830

  92. Ebenda, Nr. 001-1794, 1795, 1796 und 1797: Rechnungen über Einnahmen und Ausgaben der Administrationseinkünfte des Amtes Hohnstein und Lohmen, dat. 1831

  93. Ebenda, Nr. 001-1798: Rechnungen über Einnahme und Ausgabe der Amtsintraden des Amtes Hohnstein und Lohmen, dat. 1840

  94. Ebenda, Nr. 001-1799: Rechnungen über Einnahme und Ausgabe der Amtsintraden des Amtes Hohnstein und Lohmen, dat. 1848

  95. Ebenda, Nr. 001-1800: Rechnungen über Einnahme und Ausgabe der Amtsintraden des Amtes Hohnstein und Lohmen, dat. 1849

  96. Bestand 10024 (Geheimer Rat), Loc. 09706/09: Handel und Abschied zwischen Heinrich [von Schleinitz] zu Saathain [w. Elsterwerda] und Georg von Schleinitz zum Hohnstein, ihrer Schmähung halber, dat. 1523

  97. Ebenda, Loc. 09122/12: Anlage und anderthalber Termin Landsteuer, von einem jeden Schock einen Groschen und anderthalben Pfennig, zur Bezahlung und Abdeckung des kurfürstlich sächsischen, noch in Bestallung habenden Kriegsvolks (die Hohnsteiner Amtsortschaften betreffend; ergangen im Amt Hohnstein) , dat. 1625

  98. Ebenda, Loc. 09098/02: Verpflegung der in den Amtsstädten Hohnstein, Neustadt, Sebnitz und Schandau delogierten Dragoner (Akten des Amtes Hohnstein), dat. 1638

  99. Ebenda, Loc. 09118/05: Proviant für den schwedischen Herrn Generalreichszeugmeister Wittenberg samt deren bei sich habende Armada (in den Hohnsteiner Amtsortschaften aufzubringen; ergangen im Amt Hohnstein), dat. 1647

  100. Ebenda, Loc. 09336/03: Während des Siebenjährigen Krieges von den Ortschaften des Amtes Hohnstein wegen geleisteter Verpflegung, Fouragelieferung, Spannfuhren, Rekrutengestellung etc. erlittene Schäden und Unkosten (ergangen im Amt Hohnstein), dat. 1757-1760

  101. Ebenda, Loc. 09336/07: Der kaiserlich königlichen Truppen in den unter das Amt Hohnstein gehörigen Ortschaften vorgenommene Fouragierung (ergangen im Amt Hohnstein), dat. 1760-1761

  102. Bestand 10025 (Geheimes Konsilium), Loc. 06218/16: Die von Seiten des kaiserlich königlichen Kriegskommissariats, bei bevorstehender Zusammenziehung der Truppen in gewisse Campements, anverlangte Herbeischaffung einer Quantität Lagerstroh von 30000 Bund, jedes à 12 niederösterreichische oder 14 Leipziger Pfund, ingleichen was wegen Abhelfung des Lagerstrohmangels geschrieben worden, item die kaiserlich königlicherseits vorgenommene Strohvisitation in den Ämtern Pirna, Stolpen und Hohnstein, dat. 1762-1763

  103. Bestand 10016 (Landeshauptdeputation), Nr. 084: Der von den Rittergütern zur Erleichterung der Untertanen übernommene Fourage-Lieferungs-Beitrag zur Verpflegung der kaiserlich-königlichen Armee, dat. 1761-1762

  104. Bestand 10026 (Geheimes Kabinett), Loc. 00492/02: Die Administration der Ämter, Augustusburg, Hohnstein mit Lohmen und des Vorwerks Lohmen, unter Aufsicht der Generalhauptkasse, ingleichen die Wiederaufgebung dieser Administration und anderweite Verpachtung obbenannter Ämter, Vol. 1, dat. 1774-1781 

  105. Ebenda, Loc. 00492/03: Die Administration der Ämter Augustusburg, Hohnstein mit Lohmen und des Vorwerks Lohmen unter Aufsicht der Generalhauptkasse, Band 2, dat. 1797-1802

  106. Bestand 10036 (Finanzarchiv), Loc. 37964, Rep. 47, Hohnstein, Nr. 0011a: Erbbuch des Amtes Hohnstein (Band 1: Amt Hohnstein), dat. 1547

  107. Ebenda, Nr. 0011b: Erbbuch des Amtes Hohnstein (Band 2: Niederamt Lohmen mit Wehlen), dat. 1547

  108. Ebenda, Loc. 40086, Rep. 47, Hohnstein, Nr. 0127a und 0127b: Erbbuch des Amtes Hohnstein (Abschriften), dat. 1547

  109. Ebenda, Loc. 33504, Rep. 32, Pirna, Nr. 0001: Ordnung für die Kalk- und anderen Steinwerke im Amt Pirna, dat. 1575

  110. Ebenda, Loc. 38691, Rep. 18, Hohnstein, Nr. 0011: Brettmühlen im Amt Hohnstein, namentlich die Mühle von Christian Puttrich in Hinterhermsdorf, die Brettmühlen in Hertigswalde, Ottendorf, Ostrau, im Saupsdorfer Räumicht und die Heidemühle, dat. 1700

  111. Ebenda, Loc. 36119, Nr. 1697: Kalksteinbruch zu Hinterhermsdorf, dat. 1727-1728

  112. Ebenda, Loc. 41508, Rep. 59, Lit. D, Nr. 2097: Brandgeschädigte Bürger und Einwohner in Hohnstein nach dem Brand am 22. September 1724, dat. 1724-1734

  113. Ebenda, Loc. 37966, Rep. 47, Hohnstein, Nr. 0065: Wiederanbau der wüsten Güter im Amt Hohnstein (Rentakte), dat. 1748

  114. Ebenda, Loc. 34188, Rep. 17, Hohnstein, Nr. 000005: Anzeige von Ungebührnissen durch den außerordentlichen Kalkulator Johann Heinrich Hoyrisch, u. a. gegen die Beamten in Hohnstein, gegen den Floßmeister Hentzschel, den Landrichter Thiermann in Saupsdorf, den dortigen Revierförster, Untersuchung dieser Vorwürfe, insbesondere den der Schafhutung des Richters Thiermann in Saupsdorf auf den dortigen Gemeindefeldern (Rentakte), dat. 1750

  115. Ebenda, Loc. 37966, Rep. 47 (Hohnstein), Nr. 0045: Erbzinsen, zu entrichten vom Vorwerk Hohnstein an das dortige Amt sowie Streitigkeiten zwischen der verwitweten Inspektorin Johann Rosina Kästner in Hohnstein und dem Amtsverwalter und Pächter des Vorwerkes Hohnstein, Christian Friedrich Scheffler (Rentakte), dat. 1757

  116. Ebenda, Loc. 33452, Rep. 32, Hohnstein, Nr. 0012: Acta, den Churfürstl. Sächs. zum Amte Hohnstein gehörigen, ingleichen Johann Christian Müllers daranstoßenden Kalkbruch nebst dazu gehörigem Ofen in Hinterhermsdorf, auch die in dasiger Gegend sich findenden Tripel- und Farberden betreffend, ferner den zum Nachteil des Amtskalkbruches errichteten Schlagbaum betreffend, dat. 1748-1774

  117. Ebenda, Loc. 34907, Rep. 25, Hohnstein, Nr.000008: Bestätigung der Urkunde über die Umwandlung des Lehngerichtes von Christian Thiermann in Saupsdorf in ein Erbgut, dat. 1775

  118. Ebenda, Loc. 31976, Rep. 33, Spec. Nr. 1691: Erbbuch des Amtes Hohnstein, dat. 1793

  119. Ebenda, Loc. 38709, Rep. 18, Hohnstein, Nr. 0249: Beschwerde der Gemeinde Hinterhermsdorf über den dortigen Förster Puttrich wegen der Annahme von Vergünstigungen (Kanzleiakte) , dat. 1831

  120. Ebenda, Loc. 32108, Rep. 33, Spec. Nr. 3424: Fiskalische Ansprüche im Gesamtbetrag von 3.727 Talern, 6 Groschen, 7 Pfennig aus verschiedenen Holzlieferungsverträgen zwischen dem Staatsfiskus und Christian Gotthelf Puttrich in Hinterhermsdorf, dat. 1845

  121. Ebenda, Loc. 37314, Rep. 22, Hohnstein, Nr. 0037: Kanzlei- Acten, die dem Staatsfiskus zum Ankauf offerierten Kalkwerke in Hohnstein betreffend, dat. 1860

  122. Ebenda, Loc. 32271, Rep. 33, Spec. Nr. 5477: Klage des Fiskus gegen den „Erbgerichtsauszügler“ Ernst Ludwig Hager in Hinterhermsdorf auf Revision der Auflösung des 1839 geschlossenen Vertrags über die Waldbefugnisse , dat. 1856

  123. Bestand 10869 (Oberforstmeisterei Schandau), Nr. 311: Acta, den von den des verstorbenen Floßmeisters zu Hinterhermsdorf Johann Georg Hainzschels Erben angelegte Kalkbruch und Brennofen auf einer ererbten Wiese daselbst und was daher ergangen ist betreffend, dat. 1733-1742

  124. Ebenda, Nr. 164: Gesuch der Pfarrer, Kirchenvorsteher und Gemeindeältesten zu Hohnstein an das Hohe Kammerkollegio um Gnadenholz für den Wiederaufbau der abgebrannten Kirche und der Schule zu Hohnstein (Oberforstmeisterei Schandau, Amt Hohnstein), dat. 1724-1725

  125. Ebenda, Nr. 312: Aufsuchung von Kalk- und Mergel-Lagern Hohnsteiner Amtsforstrevier (Oberforstmeisterei Schandau, Oberforstmeisterei des 1. Kreises), dat. 1826-1832

  126. Bestand 10055 (Amt Hohnstein mit Lohmen), Bestandserläuterungen

  127. Ebenda, Nr. 2030: Berichterstattung über den Zustand des Amtes Hohnstein mit Lohmen, dat. 1667

  128. Ebenda, Nr. 0323: Geldforderung gegen Johann Gottfried Hanitzsch, ehemaliger Amtmann und Pächter des Vorwerks Hohnstein, wegen Inventarmängeln und rückständiger Pacht, dat. 1687-1702

  129. Ebenda, Nr. 2339: Erhebung der im Amt Hohnstein wegen der schwedischen Invasion wüsten Güter und der daher nicht entrichteten Abgaben, dat. 1704-1727

  130. Ebenda, Nr. 2324: Einnahmeregister des Amtes Hohnstein über die an das schwedische Dragonerregiment des Generalmajors Baron Meyerfeld bar bezahlten Mundportionen, dat. 1706-1707

  131. Ebenda, Nr. 2458: Summarischer Auszug über Einnahme und Ausgabe der reservierten Intraden im Amt Hohnstein Michaelis [29. September] 1712 bis Michaelis 1713

  132. Ebenda, Nr. 2387: Summarischer Auszug über Einnahme und Ausgabe der reservierten Intraden im Amt Hohnstein Michaelis [29. September] 1713 bis Walpurgis 1714

  133. Ebenda, Nr. 2303: Nutzbarmachung brachliegender Güter im Amt Hohnstein, dat. 1714-1716

  134. Ebenda, Nr. 0193: Johann Georg Puttrich gegen seinen Bruder Hans Matthes Puttrich wegen der Besitznachfolge beim von ihrem Vater Matthes Puttrich hinterlassenen Erblehngericht Hinterhermsdorf, dat. 1701-1718

  135. Ebenda, Nr. 0024 und 0025: Lehnrichter Christian Thiermann aus Saupsdorf gegen den dortigen Bauern Christoph Adler wegen einer strittigen Grenze zwischen ihren Gütern, dat. 1734-1736

  136. Ebenda, Nr. 2282: Erben des Floßmeisters Johann Georg Häntzschel aus Hinterhermsdorf gegen ihren Stiefvater, den dortigen Floßmeister Elias Häntzschel, wegen Wiederabtretung ihres zur Zeit ihrer Minderjährigkeit unter Wert verkauften Gartengutes, dat. 1751-1752

  137. Ebenda, Nr. 0844: Erblehnrichter Johann Christlieb Thiermann aus Saupsdorf gegen den Förster Christian Gottlieb Feske aus Hinterhermsdorf wegen widerrechtlichen Bierschanks in seiner Wohnung, dat. 1780-1787

  138. Ebenda, Nr. 2017: Anforderung einer Begründung von den Hohnsteiner Amtsdörfern für ihre Forderung nach einer beglaubigten Abschrift des 1522 vom Amtsschösser von Schleinitz gefertigten Dienstregisters über das Vorwerk Hohnstein, dat. 1787

  139. Ebenda, Nr. 0843: Lehnrichter Ephraim Traugott Puttrich aus Hinterhermsdorf gegen den dortigen Förster Christian Gottlieb Feske und seine Ehefrau Johanna Caroline Feske wegen widerrechtlichen Bierschanks in ihrer Wohnung, dat. 1780-1786

  140. Ebenda, Nr. 0195: Berufung des Amtsverwalters Christian Friedrich Thiermann aus Hinterhermsdorf gegen den Verkauf des dortigen Erbgerichts von Ephraim Traugott Puttrich an dessen Pächter Johann Gottfried Mehnert aus Cotta [w. Dresden] wegen Puttrichs Schulden bei der Gemeinde durch zu viel eingenommene Steuern und Fouragegelder, dat. 1789-1792

  141. Ebenda, Nr. 1776: Abtrennung eines Grundstücks des Fünfrutengutes von Hans Christoph Katzschner in Saupsdorf durch Verkauf an den dortigen Erbrichter Johann Christlieb Thiermann, dat. 1788-1811

  142. Ebenda, Nr. 0273: Beschwerde der Müller Christian Willkommen und Joseph Müller aus Saupsdorf über den dortigen Richter Johann Christlieb Thiermann wegen dessen geplanten Mahlmühlenbaus, dat. 1794-1798

  143. Ebenda, Nr. 0275: Erblehnrichter Carl August Thiermann aus Saupsdorf gegen den dortigen Zweihufengutsbesitzer Johann Gotthelf Hille wegen strittiger Aufteilung des Beitrages zu den von der Hohnsteiner Amtslandschaft zu tragenden Gerichtskosten für zwei ehemals zu Hilles Gut gehörige Grundstücke (Privatakte), dat. 1830-1832

  144. Ebenda, Nr. 0651: Nachlassregulierung des Mühlenbesitzers Johann Gottlieb Kotte aus Hinterhermsdorf, dat. 1812-1826

  145. Ebenda, Nr. 1603: Konzessionsgesuch von Ernst Ludwig Hager zur Übertragung des Schlacht- und Backrechts sowie des Rechts zum Handel mit Kolonialwaren seines Erbgerichts in Hinterhermsdorf auf sein benachbartes Haus, dat. 1837-1840

  146. Ebenda, Nr. 1844: Protokoll über Grenzziehungen bei Grundstücken im Amt Hohnstein, dat. 1838-1848, enthält u. a.: Gottlieb Paschke, Gottlieb Kotte, Gottlob Müller, Gottlieb Grohmann, Hans Christoph Dietrich, Gottfried Richter und Gottlieb Kumpe in Hinterhermsdorf.

  147. Ebenda, Nr. 2051: Berufung von Christiane Caroline Pahlisch gegen den Verkauf des Kalkbruchs von Gottlob Hedenus auf Oberuhna [nw. Bautzen] in Hohnstein an Carl August Liebethal aus Cunnersdorf wegen Kalksteinförderns auf ihrem Feld, dat. 1845-1846

  148. Ebenda, Nr. 1577: Konzessionsgesuche in Hinterhermsdorf, dat. 1845-1855, enthält: Namensverzeichnis der niedergelassenen Handwerker. Adolph Gotthelf Puttrich, Bierschank. Schlossergeselle Karl Eduard Häntzschel, Erlass der Hälfte seiner Lehrzeit.

  149. Ebenda, Nr. 0733: Nachlassregulierung des Bürgermeisters Johann Gottfried Venus aus Schandau, dat. 1815-1825

  150. Ebenda, Nr. 0734: Schuldenregulierung des verstorbenen Stadtrichters und Holzhändlers Carl Gottfried Venus aus Schandau, dat. 1833-1850

  151. Bestand 10062 (Amt Pirna), Nr. 0465: Verträge, Ordnungen, Nachrichten und Notizen über die Mühlsteinwerke und sonstigen Steinwerke, dat. 1578-1763, darin u. a.: Verordnung über die Kalk- und Steinwerke im Amt Pirna von 1646.

  152. Ebenda, Nr. 0475: Anordnung zum Verkauf von Kalkstein durch Pirnaer Bürger an die Ziegelscheune in Dresden zum bisherigen Preis zur Abhelfung des in Dresden bestehenden Kalksteinmangels, dat. 1719-1720

  153. Ebenda, Nr. 1650: Pachtrückgabe und Trennung des Justizamtes vom Rentamt Hohnstein (Kommissionsakte), dat. 1787-1793

  154. Bestand 10069 (Amt Stolpen), Nr. 0465: Auszug über Hoheitsrechte, Zubehör und Nutzungen des Amtes Stolpen, dat. 1693-1696, enthält u. a.: Aufstellung der Geldeinnahmen. Aufstellung der Besoldung der Amts- und Forstbediensteten. Aufstellung der ins Amt gehörigen Güter, Gebäude, Vorwerke, Wiesen, Mühlen, Bäche, Gehölze, Steinbrüche, Kalköfen und Ziegelscheunen.

  155. Bestand 10019 (Stände des meißnischen Kreises), Nr. 2028: Tabellen über die von August 1756 bis August 1758 von der preußischen Armee durch Lieferungen, Rekrutierungen, Einquartierungen, Fuhren, Fouragierungen und Plünderungen im Meißner Kreis verursachten Schäden (Amt Hohnstein), dat. 1756-1758

  156. Bestand 10079 (Landesregierung Sachsen), Loc. 13944/10: Die Brüder Hans und Christoph Dietrich in Hinterhermsdorf gegen die Besitzer der dortigen Mühlen, Maria Puttrich, Gottfried Kühnel und Gottfried Hohlfeldt, sowie gegen die mitbeklagte dortige Gemeinde wegen der Erbauung einer neuen Handmühle (Kanzleiakten), dat. 1714

  157. Ebenda, Loc. 14077/06: Carl Traugott Puttrich gegen dessen Mutter Johanna Rosina Puttrich sowie Christian Gottfried Puttrich und Konsorten wegen der gegen den Verkauf und die Subhastation des väterlichen Erblehngerichts in Hinterhermsdorf von ersterem eingelegten Appellation (Kanzleiakten), dat. 1802-1803

  158. Ebenda, Loc. 31547/10: Einzelne Konzessionsgesuche verschiedenen Inhalts, dat. 1830-1832, enthält u. a.: Konzessionsgesuch Karl August Thiermanns in Saupsdorf zur Anlage einer Schindelmaschine

  159. Bestand 10611 (Grundherrschaft Ulbersdorf), Nr. 140: Kammerkalkulator Johann Heinrich Hänisch gegen den Beamten in Hohnstein, Floßmeister Esajas Häntzschel in Hinterhermsdorf, den Richter Christian Thürmann in Saupsdorf und den Revierförster Johann Gottfried Puttrich wegen Erhebung von Abgaben, dat. 1750-1751

  160. Bestand 10002 (Urkunden der Finanzverwaltung), Nr. 17282: Urkunde über einen Parzellentausch in der Flur Hinterhermsdorf bzw. im Forstrevier Hinterhermsdorf zwischen dem königlich sächsischen Staatsfiskus einerseits und den Grundstücksbesitzern Carl August Kunze und Carl Gottfried Müller andererseits; dat. 8. November 1880, hierzu Abschrift eines Berainungsprotokolls vom 15. Oktober 1880

  161. Ebenda, Nr. 03929: Urkunde, die Ablösung der Waldgerechtsame der Gartennahrungsbesitzer Johann Gottlob Müller und Caroline Rahel Christiane, verwitwete Sturm, geborene Thiermann, zu Hinterhermsdorf betreffend; Hohnstein, am 26. Juli 1839, confirmatum Dresden, am 27. September 1839

  162. Ebenda, Nr. 08889 und Nr. 08890: Zwei Hypothekenbriefe über die auf den Besitzungen von Wilhelm Gustav Puttrich und Johann Gottlieb Traugott Müller zu Hinterhermsdorf für den Staatsfiskus haftenden Holzgeldforderungen, dat. 1855

  163. Ebenda, Nr. 09845: Rekognitionsschein über die Auflegung eines Kanons auf die Bergschenke von Ludwig von Beulwitz zu Zeschnig, dat. 11.03.1857

  164. Bestand 11098 (Amtsgericht Sebnitz), Nr. 0176: Dismembration und Verkauf der Grundstücke von Thiemann, K. A., Saupsdorf , dat. 1868-1870

  165. Bestand 11269 (Hauptzeughaus), Nr. 648: Bauangelegenheiten, dat. 1611-1620, darin u. a.: Bau eines Bärengartens in Hohnstein.

  166. Bestand 11237 (Geheimes Kriegsratskollegium), Loc. 10823/13: Garnison, Festung und Stadt Wittenberg, dat 1633-1639, enthält u. a. Tod des Festungshauptmanns Friedrich Venus und Bestallung von Constantin Schiesberg als Nachfolger

  167. Ebenda, Loc. 10824/10: Garnison Hohnstein, Enthält u. a.: Defension des Schlosses durch Bürger der Stadt, Meldungen über die Anwesenheit schwedischer Truppen in Schandau und Sebnitz, Gesuch der Bürger von Hohnstein um Heranziehung von Einwohnern aus Neustadt, Sebnitz und Schandau zu den Schlosswachen, Munitionsvorräte, Von dem schwedischen Major Isaac Bock geforderte Kontributionen aus Hohnstein, dat. 1639-1642

  168. Bestand 12884: (Karten und Risse), Sch, R, F. 003, Nr. 177a+b: Ur-  Öder, Bl. 177a+b: Gegend zwischen Nixdorf und Saupsdorf, dat. zwischen 1586 und 1634

  169. Ebenda, Schr. R, F. 001, Nr. XIX: Öder- Zimmermann, Gegend von Bautzen bis Kirnitzschtal, dat. 1614-1634

  170. Ebenda, Schr. 013, F. 001, Nr.029c-f: vier Blatt Grund- und Saigerrisse über die Aufsuchung von Kalk- und Mergel- Lagern bei Hohnstein, dat. um 1835

  171. Ebenda, Schr. F, F. 012, Nr. 021a-k: Grundriss der Schandauer Floesse, aufgenommen und gezeichnet von K. M. Zschaschler, Bl.  I - X, dat. um 1820

  172. Bestand 10762 (Amtshauptmannschaft Pirna), Nr. 4474: Einrichtung des Schlosses Hohnstein als Jugendburg, dat. 1924-1938

  173. Bestand 50013 (Amtshauptmannschaft Bautzen), Nr. 4022: Anordnung auf Grund der "Verordnung zum Schutz von Volk und Staat", dat. 1933-1934

  174. Bestand 11228 (Deutsche Reichsbahn, Direktion Dresden), Nr. 5988 und 5989: Häftlinge und Wachpersonal im Schutzhaftlager Hohnstein, Sächsische Schweiz, dat. 1933-1934
     
     
    Staatsarchiv Chemnitz
     

  175. Bestand 30569 (Urkunden des Gesamthauses Schönburg), Nr. 132: Die Brüder von Schleinitz auf Tollenstein und Schlugkenau verkaufen an Ernst von Schönburg die Herrschaft Hohenstein (bei Pirna) für 26000 fl., wobei ihr Schwager Wilhelm von Schönberg auf Hoyerswerd sowie Balthasar von Schlieben auf Polsnitz als Bürgen auftreten, dat. 28. November 1525
     
     
    Bergarchiv Freiberg
     

  176. Bestand 40001 (Oberbergamt Freiberg), Nr. 2975: Kalksteinlager, dat. 1831-1864, enthält u. a.: Mergellager bei Lohmen, Kalksteinbrüche bei Ebersbach, Tautenhain, Geithain, Zaunhaus und Hohenstein, Tabellarische Übersicht über die bei Saupsdorf, Ottendorf und Hinterhermsdorf auf Kalkstein gemachten Versuche, Beschwerde H. Hager's über Behinderungen seines Kalksteinbruches in Hinterhermsdorf durch die dort 1830/1831 durchgeführten Schürfe.

  177. Ebenda, Nr. 2157: 1. Gesuch um Bau eines Steinkohlen- und Kalksteinbruches bei Copitz durch Carl Gottlieb Blankenstein, Erbrichter zu Copitz 2. Konzessionen zum Abbau von Steinkohlenflözen, Anfragen usw., dat. 1812-1827, darin Blatt 15: Durchschnittsriss des Kalksteinbruches des Amtsverwalters Hedenus in Hohnstein

  178. Ebenda, Nr. 3139: Segen Gottes Fundgrube in der Heeselichter Leite bei Hohnstein, dat. 1692

  179. Ebenda, Nr. 25: Bestallung der Markscheider im Bergamt Altenberg, dat. 1862-1865, enthält: Dienstangelegenheiten des Markscheiders Ernst Ehregott Leberecht Städter.

  180. Bestand 40003 (Geognostische Gang- und Landesuntersuchungskommission), Bestandserläuterungen

  181. Ebenda, Nr. 34: Resultate der geognostisch- bergmännischen Untersuchung der Gegend um Königstein, Schandau, Sebnitz, Neustadt, Stolpen, Hohnstein und Pirna, dat. 1812

  182. Ebenda, Nr. 59: Zusammenstellung sämmtlicher, in dem Königreiche Sachsen bei dessen geognostischer Untersuchung aufgefundener Lagerstätte gemeinnützlicher und besonders brennlicher Fossilien, auf allerhöchsten Befehl entworfen von C. A. Kühn, Obereinfahrer, dat. 20. August 1818

  183. Ebenda, Nr. 180: Anzeigen und Abschriften von verschiedenen geognostischen Gegenständen, dat. 1812-1832, enthält u. a.: geognostische Beschreibung der Gegend um Copitz und Hohnstein; Martini. Darin Bl. 165: Durchschnittriss vom Kalksteinbruch des Amtsverwalters Hedenus in Hohnstein. Verhältnisse des Sandsteins zum Granit bei Hohnstein; C. C. Loose. Gegend um Hohnstein; H. Häntzschel.

  184. Ebenda, Nr. 144: Ueber die Granit- Formation im östlichen Theile des Königreichs Sachsen, dat. 1830

  185. Ebenda, Nr. 186: Untersuchung der Kalk- und Mergellager in der Hohnsteiner Amtswaldung, dat. 1831

  186. Ebenda, Nr. 100029: Beschreibung der Verhältnisse des Granits zum Quadersandstein mit Berücksichtigung des auf der Grenze vorkommenden Kalks in der Sächsischen Schweiz, dat. 1832

  187. Ebenda, Nr. 181: Anzeigen und Abschriften von verschiedenen geognostischen Gegenständen, enthält u. a. Aufsuchung von Kalkstein- und Mergellagern in der Hohnsteiner Amtswaldung, dat. 1833-1835

  188. Bestand 40006 (Bergamt Altenberg), Nr. 1583: Geognostische Untersuchung der Gegend um Hinterhermsdorf, dat. 1825-1848

  189. Ebenda, Nr. 1508: Erschürfung von Kalkstein auf kurfürstlichem Grund und Boden unweit der Elbe, dat. 1784-1786, aufgrund schlechter Erhaltung gegenwärtig für die Einsichtnahme im Lesesaal gesperrt.

  190. Ebenda, Nr. 1550: Beschlagnahmungen, dat. 1837-1866, aufgrund schlechter Erhaltung gegenwärtig für die Einsichtnahme im Lesesaal gesperrt.

  191. Bestand 40010 (Bergamt Freiberg), Nr. 3404: Gutachten über das Kalkwerk von Ludwig von Beulwitz bei Zeschnig (Hohnstein), dat. 1860

  192. Ebenda, Nr. 3405: Begutachtung eines Kalkbruches bei Hohnstein in der Sächsischen Schweiz, dat. 1859-1860

  193. Ebenda, Nr. 607: Prüfungsaufgaben der Bergschule über Arithmetik, dat. 1850-1851, enthält: Arbeiten der Bergschüler Ernst Ehregott Leberecht Städter, Emil Julius Meutzner, Johann Ernst Aulhorn und Karl Herrmann Lehmann.

  194. Ebenda, Nr. 608: Fahrbeschreibungen von Grubengebäuden im Altenberger Revier, angefertigt durch Bergschüler, dat. 1851, enthält u. a.: Beschreibung der Engel Gabriel Neue Hoffnung Fundgrube durch Ernst Ehregott Leberecht Städter.

  195. Bestand 40024-12 (Landesbergamt Freiberg, gewerbliche Gruben), Nr. 15/1: Notizen über Kalkbruchbetriebe in Sachsen, dat. 1860-1891

  196. Bestand 40024-16 (Landesbergamt Freiberg, Mineralvorkommen), Nr. 20: Versuche auf Gold und Goldseifen, dat. 1831-1936, darin u. a.: Hofeberg zwischen Dittersbach und Dürrröhrsdorf

  197. Bestand 40030-1 (Staatliche Lagerstättenforschungsstelle beim Oberbergamt), Nr. 1080: Borna bei Pirna, Kalkvorkommen des Gutsbesitzers P. Friese, dat. 1908-1948, enthält auch: Befahrungsbericht von E. O. Teuscher über das Kalkvorkommen Saupsdorf.

  198. Bestand 40040 (Fiskalische Risse zum Erzbergbau), Nr. I382: Perl Schacht (Pöbler Bergbauverein) bei Niederpöbel, Grubenbaue und dazugehöriger Grundbesitz, Städter, Ernst Ehregott Leberecht, Markscheider, dat. 1887

  199. Ebenda, Nr. I349: Sebnitz, Saupsdorf, Ottendorf, Lichtenhain, dat. 1827

  200. Bestand 40044-1 (Generalrisse), Nr. I498: Geognostische Karte des Königreichs Sachsen, Blatt X, Dresden, dat. 1845

  201. Ebenda, Nr. K18977: Geognostische Karte des Königreichs Sachsen, Blatt X, Dresden, dat. 1845

  202. Ebenda, Nr. K18976: Geognostische Karte des Königreichs Sachsen, Blatt VII, Zittau, dat. 1845

  203. Ebenda, Nr. K18975: Geognostische Karte des Königreichs Sachsen, Blatt VI, Tetschen/Dečin, dat. 1845

  204. Ebenda, Nr. K19143: Geologische Spezialkarte des Königreichs Sachsen, Blatt 86, Section Hinterhermsdorf – Daubitz, dat. 1895

  205. Ebenda, Nr. K19142: Geologische Spezialkarte des Königreichs Sachsen, Blatt 85, Section Sebnitz ‒ Kirnitzschthal, dat. 1893

  206. Ebenda, Nr. K19141: Geologische Spezialkarte des Königreichs Sachsen, Blatt 84, Section Königstein ‒ Hohnstein, dat. 1892

  207. Ebenda, Nr. A18598: Umgebung von Hinterhermsdorf , Bodenuntersuchungen auf Kalkstein, darin: Buttrig’s Kalkbruch, dat. 1834

  208. Bestand 40044-4 (Generalrisse, Meilenblätter), Nr. I359: Hinterhermsdorf, darin: Kalkbruch und Ofen an der Obermühle (Heidebachtal), dat. 1827

  209. Bestand 40170 (Grubenakten des Bergreviers Altenberg), Nr. 320: Protokoll über Verträgliche Gesellschaft Erbstolln samt Zubehör, am Weißbach bei Hinterhermsdorf an der böhmischen Grenze, dat. 1751-1754

  210. Ebenda, Nr. 322: Protokoll über Verträgliche Gesellschaft Erbstolln samt Zubehör, am Weißbach bei Hinterhermsdorf an der böhmischen Grenze unweit Sebnitz, dat. 1754-1755

  211. Ebenda, Nr. 290: Protokoll über Segen Gottes Erbstolln samt Zubehör, am Wacheberg bei Saupsdorf, 1 Meile von Sebnitz, dat. 1753-1754

  212. Ebenda, Nr. 130: Gute Hoffnung Fundgrube zu Hinterhermsdorf, dat. 1827

  213. Ebenda, Nr. 168: Hockstein Erbstolln in den Kohligten zu Zeschnig bei Hohnstein, dat. 1865-1908

  214. Ebenda, Nr. 121: Protokoll über das Granaten Werk bei Hohnstein (Von Gott Kommendes Glück Gold Granatengebäude am Heulberg bei Ottendorf), dat. 1715-1729

  215. Ebenda, Nr. 289: Protokoll über Segen Gottes Erbstolln im Bärenholl bei Hohnstein, dat. 1749-1750
     
     
    Bergsicherung Freital GmbH
     

  216. Archivunterlagen des früheren VEB Bergsicherung Dresden, Einsichtnahme am 21.01.2022.