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Ein Beitrag von www.unbekannter-bergbau.de

  

Zur Regionalgeschichte
Zur Geologie
Zur Montangeschichte

Entdeckung, Aufschluß und Konsolidation von 1900 bis 1909
Zu den ersten Bergbauaktivitäten in Rosenhain / Rožany
Zum Abbau durch die Nickelbergbau Syndikat GmbH von 1909 bis 1915
Zum Abbau unter Federführung der Kriegsmetall AG 1915 bis 1919
Zum Abbau in Schluckenau / Šluknov  von 1917 bis 1919
Zu den Aktivitäten nach 1919
Erhaltene Zeugnisse
Anhang zur Geophysik
Weiterführende Quellen

 

Zum Nickelerzbergbau bei Sohland an der Spree, Rosenhain / Rožany und Schluckenau / Šluknov

Dieser Beitrag wurde im November 2017 erstellt und zuletzt ergänzt im Oktober 2021.

Die Ergänzungen vom Oktober 2021 wurden ermöglicht anhand der inzwischen vom Sächsischen Staatsarchiv in digitaler Form verfügbar gemachten Grubenakten, wofür wir uns namens aller interessierten Heimatforscher an dieser Stelle bedanken wollen.

Für die Unterstützung bei der Erstellung und Verbesserung dieses Beitrages bedanken wir uns außerdem bei:

  • Herrn U. Mühle im Buschmühlenweg in Sohland für ergänzende Informationen und historisches Bildmaterial,

  • den Heimatforschern und Sammlern Th. Engel und F. Koch, sowie dem Ortschronisten R. Böhme aus Sohland für umfangreiche Informationen, auch zum Bergbau auf tschechischer Seite, sowie für historisches Bildmaterial,

  • den Sammlern S. Haschke und A. Gerstenberger für die Bereitstellung von Fotos von Mineralien, sowie

  • Herrn W. Lange, Zittau, für Hinweise auf Fehler in unserer Erstausgabe und zur Geologie,

  • Herrn P. Brzák, Varnsdorf, für Informationen zum Bergbau auf tschechischer Seite.

Sie können diesen Beitrag auf dem Recherchestand vom November 2017 vom Qucosa- Server der Sächsischen Landes- und Universitätsbibliothek Dresden im PDF- Format herunterladen.

http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bsz:14-qucosa2-169958 (Erstausgabe)
https://nbn-resolving.org/urn:nbn:de:bsz:14-qucosa2-771070 (2. Auflage 2021)

 

 

 

Zur Regionalgeschichte

 

Mit diesem Beitrag sind wir wieder einmal weit abseits des Erzgebirges dem Bergbau auf der Spur und staunen, wie weit die „Montanregion“ doch eigentlich ins Umland des eigentlichen Erzgebirges reicht… Wir befinden uns in der Oberlausitz, etwa 20 km südlich von Bautzen, direkt an der Grenze zur Tschechischen Republik.

Hier fließt der Rosenbach aus Rosenhain, heute Rožany, von Schluckenau / Šluknov kommend, über die Grenze nach Norden der Spree zu, die ihrerseits bei Sohland nach Norden in Richtung Bautzen abbiegt, wo sie westlich der Kälbersteine einen Durchschlupf durch die Hügelketten gefunden hat.

Über die Oberflächengestalt zitieren wir die Beschreibung aus den Erläuterungen zu der Geologischen Specialkarte des Königreichs Sachsen, Blatt 70, von O. Herrmann (1893): „Section Schirgiswalde- Schluckenau gehört dem südlichen Theile des Lausitzer Granitgebirges an und nähert sich mit ihrem Südrande dem nordböhmischen Quadersandsteingebiete bis auf etwa 6 km.

Ihre Oberfläche stellt ein außerordentlich reich gegliedertes, etwa zur Hälfte bewaldetes Bergland dar, dessen Höhen zum größten Theile von dem Lausitzer Hauptgranite, vereinzelt von Basalt aufgebaut werden… Im übrigen Sectionsgebiete treten aus den zahlreichen Bergkuppen und Höhenrücken besonders der Taubenberg (462,2 m), der Spitzberg bei Sohland (481,5 m) und vor Allem der gewaltige, plumpgestaltete Botzen hervor, in dessen 542,4 m hoch gelegenem Gipfel die Section ihr höchstes Niveau erreicht. Das Sectionsgebiet senkt sich im grossen Ganzen von SW. flach nach NO., indem der tiefste Punkt des Südrandes 340 m, …während dieselben… am Nordrande nur 240 m über der Ostsee gelegen sind. …“  

  


Die Lage des Gebietes auf einer Reliefkarte von Geoportal.Sachsen.de.

 

Hier liegt Sohland / Spree, das mit seinen ursprünglich 15 Ortsteilen und etwa 7.000 Einwohnern seinerzeit als eines der größten Dörfer Sachsens galt. Das Gebiet war schon immer slawisch besiedelt und bis heute ist nicht bekannt, wann und wie das Dorf Sohland einst entstand. Die älteste urkundliche Erwähnung entstammt dem Jahre 1222. Während die Mitte des Dorfes eher geschlossen ist, weisen die vielen „Ausläufer“ von Sohland die Form von Waldhufendörfern auf und sind somit höchstwahrscheinlich in der Zeit der fränkischen Besiedlung im 13. und 14. Jahrhundert entstanden. (wikipedia)

1829 zählt eine Akte (50001, Nr. 1906) die folgenden Ortsteile auf:

  • Obersohland a. d. Spree mit Neudorf und Neuobersohland,

  • Mittelsohland a. d. Spree mit Äußerstsohland und Neumittelsohland,

  • Niedersohland a. d. Spree mit Neusorge und Carlsruhe,

  • Wendischsohland mit Ellersdorf und Scheidenbach und der

  • Pfarrwiedemuth Sohland a. d. Spree

Die einzelnen Ortsteile bildeten Rittergüter, so Wendisch- Sohland wenigstens bis 1808 (50010, Nr. 937), oder Mannlehngüter, wie Nieder- Sohland bis 1842 (50010, Nr. 926), Mittel- Sohland bis 1837 (50010, Nr. 918). Ober- Sohland bildete ein Allodialrittergut (50010, Nr. 934).

Im Album der Rittergüter und Schlösser Sachsens, Band III, Markgrafenthum Oberlausitz, herausgegeben von G. A. Poenicke 1859, schreibt ein Herr Kissing zum Gut Nieder- Sohland: „An den Ufern der Spree, drei Stunden von Bautzen liegt in einem freundlichen Thale, unfern der böhmischen Grenze eines der wichtigsten Weberdörfer der Ober- Lausitz, Sohland.

Sohland teilt sich in vier Dörfer, nämlich Ober- Sohland mit 204 Häusern und 1.326 Einwohnern; Mittel- Sohland mit 139 Wohnungen und 891 Einwohnern; Wendisch- Sohland (mit Neuscheidenbach) mit 86 Wohnungen und 509 Einwohnern und Nieder- Sohland mit 84 Wohnungen und 542 Einwohnern. Das Rittergut des letzteren, ein wenn auch nicht in großartigem Stile gebautes, doch sehr freundlich gelegenes Wohnhaus stellt unser Bild dar…“

 

   Bildquelle: Deutsche Fotothek, Link zur Originaldatei:
 
http://www.deutschefotothek.de/documents/obj/90000003

 

Von diesen Dörfern ist Wendisch- Sohland wahrscheinlich der Stammort, so daß die übrigen Theile erst später und zwar nach und nach entstanden sind.

Die Zeit der Entstehung von Sohland läßt sich ebensowenig ermitteln, als die Entstehung seines Namens. Aus dem Ankauf des Thales und seiner Berge durch die Herren von Schleinitz im 12. Jahrhundert, welche das neue Land „Zuland“ (nannten), woraus „Zoland“ und später „Sohland“ entstanden, will man den Ursprung des Wortes herleiten; andere vermuthen dagegen, daß Sohland das in einer Urkunde von 1228 erwähnte Salom sei – wer von beiden Recht habe? Steht schwer zu ermitteln...

Genannte Herren von Schleinitz hatten so viele Besitzungen, besonders in Böhmen, daß der ganze Strich von Hohnstein bis in die böhmischen Besitzungen das „Schleinitzer Ländchen“ genannt wurde.

So schenkte im Jahre 1486 der Herzog Albrecht von Sachsen dem Obermarschall von Schleinitz die Herrschaft Hohnstein, nachdem er nach des letzten Birken von der Duba (eines zu damaliger Zeit hochberühmtes und reichen Geschlechtes) Tode dasselbe erhalten hatte; Schleinitz´ Söhne verkauften sie jedoch schon 1523 wieder an Ernst von Schönburg, der sie dem Herzog Moritz gegen Penig, Wechselburg und Zinnberg vertauschte.

Nieder- Sohland gehörte nebst Wendisch- Sohland lange Zeit zu einem Besitz; eine Urkunde von 1728 weist Kaspar Ernst von Metzrad als Besitzer nach; auch die Herren von Nostitz und Jänkendorf werden als solche einmal angeführt, in den ersten Dezennien dieses Jahrhunderts (des 19.) besaß es der k. k. österreichische Kammerherr, Graf Joseph August von Seiler und Aspang – gegenwärtig gehört es dem Landes- Ältesten der Oberlausitz, Herrn von Nostitz-Wallwitz zu Bautzen.

Die Einwohner beschäftigen sich mit Ackerbau, namentlich aber mit Weberei, Spinnerei und Bleicherei, deren Erzeugnisse durch die hier uns in den benachbarten Städten wohnenden Faktors vertrieben werden. Auch Handwerker aller Art findet man hier und ein nicht geringer Theil der Bewohner findet seine Beschäftigung auf den Rittergütern und in den nahen Steinbrüchen. Die genannten Dörfer zählen 8 Mühlen und 4 Gasthöfe, auch befindet sich ein Königliches Zollamt hier.

Die drei Schulen der Orte werden von über 600 Kindern besucht, die Kirche in ihrer jetzigen Gestaltung seit 1824, besitzt 3 Glocken, von denen die beiden kleineren uralt (sind).

Ein schönes Bild sächsischen Gewerbefleißes, weiß Sohland seine Bewohner zu ernähren und bildet in der Krone des Vaterlandes eine herrliche Perle, die gehegt durch die Umsicht und Vorsorge der Gutsherren, einem immer mehr sich steigernden Gedeihen entgegensieht.“

Die Güter Ober- und Mittel- Sohland werden in dieser Quelle nur im Anhang angeführt. Poenicke erwähnte hier auch nicht, daß sich 1750 auch die Grafen von Solms um Belehnung mit Wendisch- und Nieder- Sohland bemühten (50010, Nr. 944). 1751 war daraufhin Friedrich Eberhard Reichsgraf zu Solms- Sonnenwalde auf diesen Ortsteilen ansässig, während Ober- und Mittel- Sohland im Besitz von August Siegmund von der Sahla gewesen ist (10024, Loc. 09343/38). Auch in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts waren diese Familien noch im Besitz dieser Güter; erwähnt werden im Jahr 1782 ein Herr Franz Xaver Graf zu Solms-Sonnenwalde sowie Christoph August von der Sahla.

Das Herrenhaus Nieder-Sohland wurde 1970 abgerissen. (sohland.de)

  

Südlich der Grenze liegt die Stadt Šluknov, ursprünglich Schluckenau, deren Ortsteil Rosenhain / Rožany – unmittelbar am Grenzübergang gelegen – inzwischen geworden ist. Die Stadt gab dem „Schluckenauer Zipfel“, dem Gebietsvorsprung Böhmens zwischen der Sächsischen Schweiz und dem Zittauer Gebirge, ihren Namen. Südlich dieser Stadt erhebt sich der Schweidrich.

Die Stadt Schluckenau wurde in der Mitte des 14. Jahrhunderts an Stelle der alten slawischen Siedlung Slanknov durch das böhmische Adelsgeschlecht der Berka von Dubá gegründet. Ab 1850 bildete Schluckenau eine Gemeinde im Gerichtsbezirk Schluckenau und war Sitz des Bezirksgerichts.

1930 hatte Schluckenau 5.578 deutschsprachige und nur 225 tschechischsprachige Einwohner, weswegen die Stadt auch ein Zentrum der Sudetendeutschen Partei Konrad Henleins gewesen ist. Nach dem Einmarsch der Wehrmacht ins Sudetenland im Oktober 1938 wurden die wenigen Tschechen ins Innere Böhmens vertrieben.

Nach 1945 wurde umgekehrt die deutschsprachige Bevölkerung zum Verlassen des Ortes gezwungen. Nur wenige Tschechen waren damals aber bereit, sich in der abgelegenen nordböhmischen Stadt niederzulassen. Heute ist die Stadt Šluknov und das ganze Schluckenauer Ländchen eine Problemregion in der Tschechischen Republik.

 

 
 
 

Zur Geologie

  

Das Nickel ist eigentlich ein Metall jüngerer Zeit. Der deutsche Name des chemischen Elementes besagt ja, daß es lange Zeit für wertlos gehalten wurde.

Hinweise auf Bergbau in der Oberlausitz werden schon von B. Cotta in seinen Erläuterungen zu Section VI der geognostischen Charte des Königreiches Sachsen und der angrenzenden Länderabtheilungen, oder: Geognostische Skizze der Gegend zwischen Neustadt, Bischoffswerda, Wittichenau, Rotbenburg, Görlitz, Ostritz, Rumburg und Schluckenau, herausgegeben 1839, angeführt.

Doch lesen wir der Reihe nach…

Erstes Capitel.

Granit der Oberlausitz.

Verbreitung und Begrenzung.

„Granit ist das Grundgebirge des größten Theiles der Oberlausitz. Gegen Süden erhebt er sich zu bedeutenden Bergen und ragt frei über die späteren Anschwemmungen empor. Gegen Norden, in den Ebenen ist er hoch mit aufgeschwemmtem Lande bedeckt, und nur hie und da in den Thaleinschnitten treten einzelne Felsen hervor, oder es erheben sich kleine, mit großen Blöcken gekrönte Kuppen ans den weiten Ebenen…“

Formverhältnisse.

„…Gegen Norden breiten sich Ebenen aus, von flachen Thälern durchschnitten und von kleinen Hügeln unterbrochen. In den Thälern treten hie und da durch die Macht des Wassers frei gelegte Felspartieen hervor,… Weiter südlich steigt das Land ziemlich plötzlich zu größerer Höhe an und bildet Bergreihen, die von Ost nach West laufen und von einzelnen Felsen oder langausgedehnten Felsenkämmen gekrönt sind, z. B. den Bergrücken vom Pielitzer Berge bis zum hohen Stein bei Löbau. Diese Bergreihen sind, aus der Ebene gesehen, recht imponirend, obwohl sie sich im Mittel nur etwa 1.300 Par. Fuß über das Meer oder 700 Par. Fuß über die Ebene von Bautzen erheben…“

Dioritgebilde und Wackengänge.

Dioritische Gesteine finden sich in dem Granitgebiete der Oberlausitz nicht nur sehr häufig, sondern auch in sehr vielartiger Gestalt. Wo der Diorit größere Kuppen bildet, da ist er grobkörnig, deutlich gemengt, syenitähnlich; in den nur 10 bis 20 Fuß mächtigen Gängen zeigt er sich schon weit feinkörniger; in den zwei bis vier Fuß mächtigen dicht, dunkelgrün bis schwarz, aphanitisch oder basaltähnlich ; in den 2- bis 4zölligen Gängen endlich dicht und schwarz, durchaus basaltähnlich…

Die deutlich gemengten Diorite dieser Gegend unterscheiden sich vom Syenit sehr wesentlich dadurch, daß in ihnen der Albit schneller verwittert als die Hornblende, welche an den frei umherliegenden Blöcken deshalb stark hervortritt, während sie beim Syenit gerade zuerst zerstört wird und den festeren Feldspath als Grus übrig läßt. Auch die Einmengung von Schwefelmetallen (Eisenkies und Magnetkies) läßt diese Diorite leicht vom Syenit unterscheiden, welcher an der Stelle der Kiese sehr gewöhnlich den Titanit enthält. Der wesentliche Unterschied des Diorites vom Syenite dürfte besonders darin bestehen, daß bei jenem Albit, bei diesem Orthoklas als der vorherrschende feldspathige Gemengtheil vorhanden ist. Wenn auch manche Syenite neben dem Orthoklas etwas Albit führen, so scheint doch der erstere immer vorwaltend zu bleiben, während der Diorit wohl in der Regel nur Albit enthält. Da nun in den hier beschriebenen Gesteinen nur von Albit die Rede ist, so sind sie schon dadurch als Diorit charakterisirt…

Der deutlich gemengte eigentliche Diorit erscheint in der Lausitz gewöhnlich in Gestalt länglicher, von Felsen oder Felsblöcken gekrönter Kuppen; am häufigsten im westlichen Theile der Karte. Die einzelnen Orte seines Vorkommens sind von Osten nach Westen folgende: …

4. Bei Wendisch- Sohland, durch einen Steinbruch aufgeschlossen; Gestein, grobkörnig und deutlich gemengt, aber sehr verwittert… (Die Aufzählung reicht bis Nummer 49.)

Solcher Gänge setzen zuverlässig noch weit mehre in dem Granit dieser Gegenden auf, und Martini erwähnt unter anderen noch einige in der Nähe von Bautzen. Als Beispiele mögen jedoch diese bei den Revisionen aufgefundenen hinreichend sein.

Wackengänge. — Nahe verwandt mit den Dioritgängen und vielleicht nur durch den verwitterten Zustand davon unterschieden sind die Wackengänge, welche sehr häufig den Granit der Oberlausitz, besonders im westlichen Theile unserer Section, durchsetzen. Ueber das Gestein der Wackengänge läßt sich wenig sagen, da es überall als etwas Verwittertes angesehen werden muß, dessen frischer Zustand vielleicht jener der soeben beschriebenen Diorite war. Es ist meist gelblichbraun und mürbe und enthält zuweilen einzelne kenntliche Hornblendetheile. Auf der Karte sind diese Gänge ihrer geringen Mächtigkeit und Ausdehnung wegen nicht eingetragen, beobachtet wurden sie an folgenden Orten: (Die Nummerierung wird fortgesetzt und reicht bis Nummer 72)

62. Bei Mittel- Sohland neben dem Gasthofe zur Stadt Frankfurt, 2 Gange neben der Straße, 1 bis 3 Fuß mächtig, WNW. zu OSO. streichend, senkrecht…

Auffallend ist es, daß die meisten dieser Gänge aus Ost nach West streichen, während die unverwitterten Dioritgänge mehr die Richtung aus Süd nach Nord einhalten. Vielleicht gehören sie zwei Epochen dioritischer Eruption an und sind deshalb auch, was das Gestein anlangt, etwas verschieden gebildet…

  


Ausschnitt aus Blatt
VI der geognostischen Karte von Sachsen, Section Bischofswerda-Görlitz. Mit grauer Farbe und einem „L“ sind die Basaltkuppen westlich von Schluckenau gekennzeichnet; mit dunkelgrüner Farbe wurden die damals bekannten „Diabas“-Gänge bei Wendischsohland und bei Schluckenau eingetragen. Bei Rosenhain finden sich hier noch keine Eintragungen von solchen Gängen im sonst noch sehr einheitlich hellrot markierten Granodioritgebiet.

      

Weiter heißt es bei B. Cotta zum Thema:

Bergbau im Granitgebiet.

An vielen Orten findet man im Granitgebiet dieser Section Spuren alten Bergbaues; von noch mehreren sind Nachrichten vorhanden, ohne daß man deutliche Reste davon vorfindet. Es ist hier nicht der Ort, in detaillirte historisch bergmännische Forschungen einzugehen, es kommt vielmehr nur darauf an, einen allgemeinen Ueberblick zu geben…

Mosch sagt in seinem Sachsen (S. 55.) über den Bergbau bei Neustadt: „Die ersten Spuren hiesigen Bergbaues sind vom Jahre 1350, wo es nach einer Urkunde des Kaisers Carl IV. bei Neustadt Goldbergwerke gab, die erst im Hussitenkriege auflässig geworden sein sollen. Die Versuche des Steigers Pezold im Jahre 1730 fielen unglücklich aus; ebenso entsprach den Bemühungen einer 1715 gebildeten Granatengewerkschaft, welche am Hohebusch bei Hennersdorf baute, der Erfolg nicht. „Die übrigen auf Kupfer, Silber, Schwefel und Vitriol gemachten Bergbau- Versuche hatten ein ähnliches Schicksal. „Daß indessen in älteren Zeiten Eisenhammer hier im Gange gewesen, beweisen die vielen Hammerwerkstätten und Schlackenhaufen dieser Gegend. Kalkbrüche waren schon um's Jahr 1600 hier gangbar.“

Aus den Altenberger Bergamtsakten ergiebt es sich, daß … Bergbau verführt worden ist, meist auf Gold, welches, wie es scheint, in Schwefelkiesen (wahrscheinlich im Diorit) vorgekommen oder gesucht worden ist…

Auch bei Bautzen haben gewisse, schwefelkieshaltige Grünsteingänge früher zu fruchtlosem Bergbau Veranlassung gegeben, und am Schweidrig südlich von Schandau (B. Cotta meint hier sicherlich nicht Bad Schandau an der Elbe, sondern das böhmische Schluckenau) hat man noch zu Anfang dieses Jahrhunderts eine Strecke 400 Schritt lang auf einem schwefelkieshaltigen Grünsteingange getrieben…

Aller dieser Bergbau scheint aber nie zu einer wirklichen Blüthe gekommen zu sein und vielmehr nur in fruchtlosen Versuchsarbeiten bestanden zu haben. Die einzige Hoffnung, welche er für die Zukunft andeuten könnte, wäre die auf Goldwaschen in den größeren Gebirgsthälern der Gegend, da Spuren von Gold doch wirklich gefunden worden zu sein scheinen, in den kieshaltigen Dioriten aber wahrscheinlich so fein vertheilt sind, daß ihr unmittelbarer Abbau sich niemals lohnen würde…“

   

Fünfzig Jahre später entstehen die Geologischen Specialkarten des Königreiches Sachsen. Unser Gebiet ist im Blatt 70, Section Schirgiswalde - Schluckenau, enthalten. In den Erläuterungen zu diesem Blatt schreibt O. Herrmann die geologische Beschreibung der uns interessierenden „Grünsteingänge“ fort:

II. Gangförmige Eruptivgesteine.

Diabas und Diorit.

Die im Hauptgranit aufsitzenden basischen Ganggesteine gehören einer continuirlichen Gesteinsreihe an, an derem einen Ende der normale Diabas, an derem anderen der normale Diorit steht. Diese durch Combination eines Kalknatronfeldspathes mit Augit oder aber Hornblende ausgezeichneten Endglieder sind durch Mittelgesteine verknüpft. Als solche kommen… Hornblendediabase und augitreiche Diorite vor…

Von derartigen Diabas- Dioritgängen wurden auf Section Schirgiswalde- Schluckenau über 40 beobachtet, deren größere Hälfte in Gestalt schmaler, meist weniger als 1 m mächtiger Gänge in Granitbrüchen blossgelegt war, während die übrigen durch selbständige Steinbrüche aufgeschlossen waren oder sich durch Fragmentanhäufungen bemerkbar machten…

a. Der Diabas (D)

Petrographische Zusammensetzung. An der Zusammensetzung des Diabases betheiligen sich Plagioklas, Augit, Olivin, Biotit, Hornblende, Quarz, Apatit, Magnetit, Titaneisen, Eisenglanz, Pyrit und Magnetkies…

Der Augit zersetzt sich in den mittelkörnigen Diabasen meist in grüne uralitische Hornblende, in den feinkörnigen dagegen vorwiegend in chloritische oder serpentinähnliche Massen…

Sämmtliche Diabase sind reich an Eisenerzen und zwar namentlich an Schwefelkies. Ausserdem tritt Titaneisen (Ilmenit) mit seinen charakteristischen Umwandlungsprodukten, ferner Eisenglanz (Hämatit), Magneteisen und Magnetkies (Pyrrhotin) auf… Zirkon fehlt.

Die Diabase des Sectionsgebietes sind lichte bis schwarzgrüne, zähe Gesteine von aphanitischem bis mittelkörnigem Gefüge, welche im frischen Zustande beim Anschlagen einen hellen Klang geben und von denen die dunkelen Varietäten der schmalen Gänge im Volksmunde als „Basalt“, die helleren gröberen dagegen als „Syenit“, hier und da auch als „Diorit“ bezeichnet werden. Im böhmischen Antheil der Section ist für die grobkörnigen Diabase der Name „Krötenstein“ gebräuchlich.

Der Diabas ist in den geringmächtigen Gängen stets sehr feinkörnig und von schwarzgrüner Farbe… Zu dieser Gruppe der feinkörnigen Diabase gehört der grösste Theil der Diabasvorkommnisse von Section Schirgiswalde- Schluckenau. Ihr Gestein erwies sich in zahlreichen mikroskopischen Präparaten meist quarzfrei, immer biotitführend und in fast allen Schliffen als olivinführend, gehört also ganz vorwiegend zu den Olivindiabasen und nur zum Theil zu den eigentlichen Diabasen…

Tritt der Diabas in mächtigeren Gängen auf, so bildet er stets ein deutlich gemengtes bis mittelkörniges Gestein… Mit blossem Auge erkennt man in ihm neben weissem Feldspath und schwarzgrünem Augit noch einzelne Biotite und mitunter auch Olivine, endlich Einsprenglinge von Schwefelkies und local bis erbsengroße Körner von Magnetkies…

b. Der Hornblendediabas (Dh)

Die Hornblendediabase (echte Proterodiabase*) gleichen in ihrer äusseren Erscheinungsform meist vollständig den normalen Diabasen und treten wie diese in schmalen Gängen als feinkörnige bis dichte, schwarzgrüne, in mächtigeren Gängen als deutlich krystallinisch gemengte und deshalb grün und weiss gesprenkelte Gesteine auf…“

*) Die Bezeichnung „Proterobas ist heute wieder ungebräuchlich geworden. Für diese recht ungewöhnliche Gruppe von dunklen, magmatischen Ganggesteinen hatte Carl Wilhelm von Gümbel schon 1874 den Begriff „Lamprophyr eingeführt. Aufgrund ihrer chemischen Zusammensetzung mit einem hohen Gehalt an lithophilen Elementen und geringem Siliziumgehalt sind Lamprophyre zu den Alkaligesteinen zu zählen. In der heutigen geologischen Nomenklatur werden eine Vielzahl von Typen nach ihrem Mineralbestand unterschieden, der neben Feldspäten und Foiden stets verschiedene Amphibole (wie eben Hornblende) und Pyroxene aufweist. Doch zunächst weiter im Text:

  

Die Mineralien, welche sich an der Zusammensetzung des Hornblendediabases betheiligen können, sind dieselben und, bis auf die noch zu erwähnenden Abweichungen, von den gleichen Eigenschaften wie im normalen Diabas. Ebenso wie dieser ist auch er z. Th. olivinführend, z. Th. olivinfrei…

Eine sehr verbreitete Erscheinung ist die innige mikropegmatitische Verwachsung von Feldspath und Quarz. Die stets braun gefärbte Hornblende weist gesetzmäßige Umrisse auf und bildet Prismen, welche durchschnittlich viel breiter sind, als in den Dioriten. Der Biotit ist ausnahmslos reichlich vertreten und zwar in zahlreicheren und meist auch grösseren Individuen, als in den normalen Diabasen und in den Dioriten. Bei der Zersetzung entfärbt er sich vollständig, wobei sich auf den Blätterdurchgängen reichlich Epidot ausscheidet… Eisenerze sind in geringerer Menge als im normalen Diabas, in grösserer als im Diorit vorhanden.

Der Gang östlich von Sohland lässt sich durch Blockanhäufungen zwischen dem Rothen Hof und dem Südende des Dorfes, also auf einer Länge von mehr als 2 km verfolgen…

c. Der Diorit (Dr)

Die auf Section Schirgiswalde- Schluckenau vorkommenden Diorite sind ausschliesslich feinkörnige, graugrüne Gesteine, die den feinkörnigen Diabasen vielfach sehr gleichen, jedoch in der Regel heller gefärbt sind. Mit der Lupe vermag man zahlreiche schwarzgrüne Säulchen von Hornblende zu erkennen, durch welche das Gestein einen eigenartigen Glanz erhält. Ein Theil der Diorite nimmt porphyrischen Character an, indem diese grössere, im Mittel 5 mm lange, schlanke Einsprenglinge von Hornblendeprismen, bisweilen auch Feldspath führen.

Diorite waren an 12 über die Nordwesthälfte der Section verstreuten Punkten nachzuweisen… Aufgeschlossen waren zwei 0,6 m und 0,2 m mächtige, im Lausitzer Granit dicht bei einander aufsetzende Gänge durch den Bahneinschnitt im Süden von Schirgiswalde…

Lagerungsform, Häufigkeit, Mächtigkeit und Richtung der Gänge des Diabases und Diorites. Wie sich durch zahlreiche Aufschlüsse… ergiebt, treten Diabas und Diorit in Form von Gängen auf… Dass die Gänge mitunter ganz plötzlich abbrechen, lehrt das Vorkommnis auf dem Taubenberg. Daselbst lässt sich auf dem Kamme des Bergrückens nicht die geringste Andeutung desjenigen Ganges auffinden, welcher den Westabhang in 100 m Mächtigkeit und in der Richtung nach dem Kamme durchsetzt… Wie zahlreich und dicht geschaart die Diabasgänge oft auftreten, zeigt sich z. B. im Bahneinschnitt im Westen von Schönau, wo auf einer Länge von etwa 100 m fünf parallele, bis 1,5 m mächtige Diabasgänge im Granit aufsetzen... Das Streichen der Mehrzahl der Diabasgänge folgt der Richtung OSO.- WNW. bis O.- W., dasjenige einer kleineren Zahl einer solchen zwischen SO.- NW. und S.- N…“

   


Ausschnitt aus der geologischen Specialkarte des Königreichs Sachsen, Blatt 70, Ausgabe von 1893. Nördlich des Zollhauses ist bereits ein Aufschluss eingetragen (rotes Quadrat), etwa dort, wo Herberg's Fundschacht lag. Auch bei Rosenhain sind mehrere Aufschlüsse verzeichnet, teils direkt auf einem hellgrün markierten Gang. Östlich des Zollhauses ist – aber mit anderer Streichrichtung, nämlich NNW- SSO- orientiert – ein Hornblende- Diabas- Gang (Dh) dunkelgrün vermerkt.

Die Streichrichtung dieses Ganges wird einige Jahre später in der  Publikation von Prof. Beck korrigiert.

 

In den wenig später erschienenen Erläuterungen zu dem südlich angrenzenden Blatt 86, Section Hinterhermsdorf - Daubitz der geologischen Spezialkarte erwähnen die Autoren O. Herrmann und R. Beck – letzterer später Professor für Geologie an der Königlichen Bergakademie zu Freiberg – ebenfalls die Lagerstätte bei Schluckenau und in diesem Zusammenhang auch die Nickelgehalte:

II. Aeltere gangförmige Eruptivgesteine

Diabas und Diorit

Das Lausitzer Granitgebirge wird – und namentlich ist dies in seinem südlichen Theile der Fall – von ausserordentlich zahlreichen Gängen dunkelgrüner basischer Eruptivgesteine durchsetzt, welche nach ihrer mineralischen Zusammensetzung und ihrer Structur eine zusammenhängende Reihe bilden, an derem einem Ende der Diabas, an derem anderen der Diorit steht, welche beiden durch augitreiche Diorite und Hornblendediabase als verbindende Zwischenglieder verknüpft werden. Diese Gesteine dürften ein und derselben Eruptivperiode entstammen, wenn auch vielleicht verschiedene Phasen derselben repräsentieren…

Contactlagerstätte. Urkundlich ist überliefert, dass im Schweidrich- Wald südlich von Schluckenau um die Mitte des 16. Jahrhunderts Kupfererz- Bergbau betrieben worden ist, der in neuerer Zeit mehrfach wieder aufgenommen wurde und von dem u. a. der 180 m lange Stolln im S. der Kümpfelmühle sowie der benachbarte alte Schacht herrühren.

Diese bergbaulichen Versuche waren auf die Ausbeutung von nickelhaltigem Magnetkies und von Kupferkies gerichtet, welche in Vergesellschaftung von Schwefelkies eine an den Contact zwischen Granitit*) und Diabas und zwar an das nördliche Salband des dort WNW. streichenden Diabasganges gebundene Lagerstätte bilden. Zwischen beiden, durch Gebirgsdruck flaserig gewordenen Gesteinen finden sich die genannten Erze in ziemlicher Reinheit und zwar in regelloser Verwachsung und in einer Mächtigkeit, die auf der Sohle des Stollns 30-50 cm beträgt, nach der Tiefe zu aber bis auf 2 m anwachsen soll. Die an das Lager derber Erze angrenzenden Theile des Diabases sowie des Granitites zeigen sich bis zu einiger Entfernung vom Salbande von Einsprenglingen der erwähnten Erze imprägniert. Analysen dieser Erze ergaben einen Gehalt von 2,5-7,8% Nickel und 0,5-6,4% Kupfer.“

*) Auch die Bezeichnung „Granitit“ ist heute ungebräuchlich. Als „Lausitzer Granit“ werden eigentlich nur noch Nutzgesteinssorten bezeichnet, wie sie bis heute in zahlreichen Steinbrüchen der Region gebrochen werden. Tatsächlich handelt es sich bei der Mehrzahl dieser Gesteine um Granodiorit; ein Gestein, das mit seiner chemischen Zusammensetzung zwischen dem Granit und dem Diorit steht, dabei aber stets deutlich mehr Plagioklas als Orthoklas enthält. Außerdem führen Granodiorite häufig neben Biotit auch Hornblende, was dem Gestein dann eine dunklere Färbung verleiht. Die Geologen unterscheiden heute zahlreiche unterschiedliche Granodiorittypen, die in der Oberlausitz jedoch alle relativ einheitlich cadomischen (neoproterozopischen) Alters sind. Südlich von Schluckenau („Rumburker Granit“) und weiter nördlich bei Königshain kommen dagegen auch echte Granite vor.

  

Auf das Vorkommen von „nickelhaltigem Magnetkies“ – also Pentlandit – am Schweidrich bei Schluckenau wurde erstmals im Jahr 1892 von dem österreichischen Geologen Heinrich Freiherr Foullon von Norbeeck (*1850, †1896) in einer Veröffentlichung im Jahrbuch der k. u. k. geologischen Reichsanstalt verwiesen. Er beschreibt dieses Vorkommen etwas ausführlicher wie folgt: „Die Strasse, welche von Schluckenau nach Ehrenberg führt, übersetzt nördlich von Kunnersdorf den flachen, bewaldeten Hügel „Schweiderich"… Ueber den Hügel kann man einen Pingenzug verfolgen, der am nordwestlichen Abhang zu grösseren Steinbrüchen führt, in welchen ein dioritisches Gestein für architektonische Zwecke gewonnen wird. Pingen und Steinbruch setzen offenbar in jenem „Dioritgang" auf, … der vom Lodersberg nach Südost über den Schweiderich zum Wolfsberg streicht. In dem Steinbruch ist die Mächtigkeit des „Diorits" eine bedeutende, die aufgeschlossene Breite beträgt 20-30 Meter, ohne dass das granitische Hangende oder Liegende entblösst wäre. Nach dem allgemeinen Verlauf der Pingen lässt sich eine Streichungsrichtung nach 21h annehmen. Am Osthange des Schweiderich fand sich ein verbrochenes altes Stollenmundloch, welches in neuerer Zeit fahrbar gemacht wurde, und wodurch die unter den Pingen liegenden Baue wieder zugänglich wurden.

Der Stollen führt vom Tage im Granit circa 40 Meter nach Süd und Südwest, erreicht endlich den „Diorit" und verfolgt, gegen Nordwesten, in äusserst unregelmässiger Weise Kiesanreicherungen in demselben. Die Gesammtlänge des Stollens (einschliesslich des Zubaues) soll 180 Meter betragen. Seiner Zeit wurde er wohl zur Entwässerung der vom Tage aus angelegten Einbaue getrieben, wobei anderseits auch Kiesanreicherungen verfolgt worden sind…

Ulme, First und Sohle des Stollens stehen im „dioritischen" Gestein an, man würde daher über Streichen und Einfallen keinen Aufschluss erhalten, wenn sich nicht stellenweise ein scheinbares Hangend zeigen würde. Es sind dies glatte, harnischartige Ablösungen, welche nach 21h streichen und 25-35°, stellenweise sogar bis zu 40° nach Südwest einfallen. Diesen Richtungen entsprechen auch die Kiesimprägnationen, nach denen die Anreicherungen verlaufen. Die Mächtigkeit der Imprägnationszone ist nicht bekannt, da sowohl gegen das Hangend als gegen das Liegend die Gesteine über die herausgenommene Mächtigkeit von 1-1 ½ Meter noch immer Kiese enthalten…

Grössere derbe Erzpartien sind selten, sie bilden schalige Blätter; ein solches beobachtetes Vorkommen besteht aus fast reinem Magnetkies und enthält dieser 7,08 Procent Nickel, 2,90 Procent Kupfer, 49,90 Procent Eisen und 0,53 Procent Gangart. Meist sind die Kiese mit den übrigen Gesteinsbestandtheilen bunt gemengt…“

 


Für unsere tschechischen Bergbaufreunde suchen wir auf dem Kartenblatt No. 86 der Section Hinterhermsdorf- Daubitz der Geologischen Specialkarten des Königreichs Sachsen (südlich des gerade auf der Blattgrenze gelegenen Schluckenau) einmal die Lage der Lamprophyrgänge und des oben beschriebenen „Alten Stollns“ am Schweidrich (eingekreist) heraus.

 


Ausschnitt aus der Äquidistantenkarte, Blatt 86, Sektion Hinterhermsdorf, Ausgabe 1882. In der Bildmitte der Schweidrich- Berg und an dessen Südostabhang die Kimpfel- Mühle. Eine Eintragung eines „Alten“ Stollns gibt es hierin leider nicht.

 

Das Vorkommen von Kupfer-, Nickel- und Eisensulfiden in den „Dioriten“ war zu dieser Zeit also offenbar bereits bekannt. Eine nähere Untersuchung der Region um Sohland hat jedoch bis dahin noch nicht stattgefunden, oder sich nur auf den geringen und – wie schon B. Cotta einschätzte – kaum bauwürdigen Goldgehalt gerichtet.

Über Genese und Einordnung dieser „Diorit“- und „Diabasgänge“ sind sich die Geologen bis heute noch nicht gänzlich einig. Die Mehrzahl teilt die Ansicht, daß es sich hier in der westlichen Oberlausitz um Mikrogabbros bzw. Mikrodiorite handelt, also basische bzw. intermediäre Ganggesteine, die einer frühen Intrusionsphase angehören. Als Mikrogabbro werden dabei feinkörnige Ganggesteine bezeichnet, welche chemische Äquivalente zum Gabbro darstellen. Diese Bezeichnung wird im Deutschen außerdem mehr oder weniger synonym mit der Bezeichnung Dolerit verwendet. Die oben auch schon mehrfach genannte Bezeichnung Diabas wird dagegen im deutschen Sprachraum ‒ vor allem in älterer Literatur ‒ im Besonderen für geologisch alte, alterierte (d. h. im Mineralbestand abgewandelte) Basalte verwendet. Im Gegensatz zum intermediären Diorit führen Gabbros und ihre Ergussäquivalente stets Olivin und enthalten weniger als 5% SiO2 (keinen freien Quarz).

Andere Autoren (Mücke, 2012) meinen dagegen, daß auch der Gang bei Sohland als Kalk- Alkali- Lamprophyr vom Typ der Kersantite oder Spessartite anzusprechen sei (also als ein (Biotit-), Hornblende- und Augit- führender Lamprophyr mit einer Grundmasse, in welcher der Plagioklas- Anteil den Orthoklas- Anteil überwiegt), obwohl solche eigentlich vorwiegend in der Ostlausitz vorkommen. Ähnliches meinte schon 1892 auch H. Foullon: „Wie die Beschreibung zeigt, wären diese Gesteine wohl zu den Lamprophyren zu stellen.

Wie es auch sei, ist dabei jedenfalls von Interesse, daß solche Gesteine recht oft erhöhte Gehalte von liquid- magmatisch gebildetem

  • Titanomagnetit FeII (FeIII, Ti)2O4,

  • Magnetit Fe3O4 und

  • Ilmenit FeTiO3

aufweisen. Außerdem haben sich – dies aber eben nur lokal –

  • Pyrrhotin (Magnetkies) FeS und

  • Chalkopyrit (Kupferkies) CuFeS2, seltener

  • Pentlandit (Nickel-Magnetkies) (Fe, Ni)9S8,

  • Pyrit (Schwefelkies) FeS2 und

  • Sphalerit (Zinkblende) ZnS

abgesetzt. Die Bildung dieser Sulfide wird zumeist einer hydrothermal- katathermalen Nachphase, möglicherweise in Zusammenhang mit später nachfolgenden dioritischen Intrusionsphasen, zugeordnet. Anhand von Gefügeuntersuchungen kam Mücke 2012 dagegen zu dem Schluß, daß auch diese Sulfide bereits liquidmagmatische Bildungen und Bestandteile der ursprünglichen Schmelze gewesen sein müßten. Wir wissen es auch nicht besser, müssen es deshalb den Fachleuten überlassen, die Genese der Gesteine und ihrer Mineralisation weiter aufzuklären und wenden uns wieder den montanhistorischen Dingen zu.

Gegenstand des bergbaulichen Interesses wurde um die Wende zum 20. Jahrhundert also der Pentlandit, welcher als reines Mineral einen Nickelgehalt von bis zu 34% aufweisen kann. Das Mineral selbst tritt hier nicht in freier Form auf, sondern als meist nur mikroskopisch erkennbare, flammen- oder tropfenförmige Entmischungskriställchen in anderen Mineralen. Die tatsächlichen Metallgehalte des geförderten Erzes liegen deshalb viel niedriger und wurden später in ähnlicher Größenordnung wie die oben schon für Schluckenau angeführten Angaben zu nur 2% bis 5% Nickel sowie gerade einmal 1,0% bis 1,7% Kupfer bestimmt.

Pentlandit bildet mit seinem Pendant Kobaltpentlandit eine vollständige Mischkristallreihe, so daß seine chemische Summenformel meist allgemeiner mit (Fe, Ni, Co)9S8 angegeben werden muß. Hier in Sohland waren die Kobaltgehalte jedoch vergleichsweise gering. H. Vollstädt erwähnt in seinen Einheimischen Mineralen in den 1980er Jahren die Halden am ehemaligen Bergbaustandort als Mineralfundpunkt und führt neben den oben schon aufgeführten Mineralen darüber hinaus auch – allerdings nur mikroskopisch nachgewiesene – Kobaltminerale auf:

  • Cobaltin (Kobaltglanz) CoAsS und

  • Erythrin (Kobaltblüte) Co3(AsO4)2 • 8 H2O;

ferner nennt Vollstädt noch:

  • Mackinawit (Fe, Ni)1+xS (x = 0 bis 0,07).

Als Haldenfunde werden von den Mineralsammlern heute außerdem Chrysotil, das nickelhaltige Aluminiumsilikat Nimit sowie Limonit und weitere Minerale genannt. Das wasserhaltige Eisensulfat Ferrohexahydrit, sowie Chrysokoll und Gips stellen Zersetzungsprodukte der Primärminerale im an der Oberfläche liegenden Haldenmaterial dar (mineralienatlas.de, sachsenminerale.jimdo.com).

 


Eine historische Stufe des Pentlandit- haltigen Erzes. Laut Etikettierung eine Reicherzprobe mit Pyrrhotin und Kupferkies ohne jegliches Nebengestein. Breite der Stufe zirka 4 cm. Sammlung und Foto: A. Gerstenberger, Chemnitz.

 


Kupferkies, derb eingesprengt im Gestein, Breite des Belegstücks 5 cm, Haldenfund 1981, Sammlung Boeck.

 


Pyrrhotin, teils xx mit Chrysotil auf einer Kluftfläche, Breite der Stufe zirka 12 cm, xx bis 1 mm Größe, Haldenfund 1981, Sammlung Boeck.

 


Chalcedon, direkt auf der Halde gefunden, aber Fremdmaterial nicht ausgeschlossen, Bildbreite: 3 mm. Sammlung und Foto: S. Haschke.

 


Chrysokoll als glasige, hellblaue Kruste auf Ganggestein. 6 cm breite Stufe von der Halde am Hohberg, Sohland an der Spree, Oberlausitz. Sammlung und Foto: A. Gerstenberger, Chemnitz.

  


Durch Nimit bläulich gefärbte dünne Chrysokollbeschläge mit Calcit auf Ganggestein von der Armerzhalde am Hohberg, Sohland an der Spree, Oberlausitz. Stufenbreite: 10 cm.
Sammlung und Foto: A. Gerstenberger, Chemnitz.

 


Nimit auf plattiger Calcit- Kluftfüllung mit eingelagerten Chrysotil- Fasern. Armerzhalde am Hohberg, Sohland an der Spree, Oberlausitz. Stufenbreite: 7 cm. Sammlung und Foto: A. Gerstenberger, Chemnitz.

 


Körnig- blättriger Pyrrhotin mit bunten Anlauffarben in Ganggestein. Fundort: Halde am Hohberg, Sohland an der Spree, Oberlausitz, Sachsen, Deutschland. Stufenbreite: 6 cm. Sammlung und Foto: A. Gerstenberger, Chemnitz.

 


Schon ziemlich korrodierte Erzproben von der Halde des Rosenhainer Schachtes, mit Kiesen imprägniertes Ganggestein, Länge des größeren Stückes zirka 10 cm. Haldenfund 2017.

 

 
 
 

Zur Montangeschichte

Entdeckung, Aufschluß und Konsolidation von 1900 bis 1909

  

Auch in der Lausitz gab es – wie wir oben schon gelesen haben – schon früher verschiedene Bergbauversuche. So richtete z. B. der Kalkverein zu Lückersdorf bei Kamenz 1841 ein Schurfgesuch auf Eisenstein und andere Metalle an die Bergbehörde. Die grundeigenen Bergwerksrechte lagen natürlich auch hier bei den Rittergutsbesitzern (40024-4, Nr. 78).

Eine erste Nachricht über Bergbau auf tschechischer Seite stammt vom 16. Mai 1873: Ein Herr Karl August Rönsch, damals Richter und Grubenbesitzer im sächsischen Königshain, wandte sich mit einem Schreiben dieses Datums an das k. u. k. Revierbergamt in Teplice mit dem Antrag auf Ausstellung einer Schurfbewilligung auf „allen Grundstücksparzellen der Stadt und des Schloßbezirkes Schluckenau und auf alle Grundstücke des Katasters der Gemeinde Rosenhain im politischen Bezirk Schluckenau.“ Gleichzeitig meldete er einen Freischurf auf einem Grundstück in Schluckenau, No. 12, einem Herrn Joseph Gottfried Gube gehörig, an, welcher 4 Lachter östlich der nach Rosenhain führenden Straße liegen solle. Dieses Gesuch bezog  sich noch nicht auf Nickelerze, sondern schloß alle mineralischen Erze und Kohle (Angeblich habe man in einem Keller bei Rosenhain Kohle gefunden) ein. Weil die Lage des Freischurfes aber ungenau definiert war, teilte das Revierbergamt dem Antragsteller am 19. Mai des Jahres mit, daß es so über seinen Antrag nicht entscheiden könne und weitere Unterlagen benötige. Weiterer Schriftverkehr war dazu nicht auffindbar, so daß man davon ausgehen kann, daß bergbauliche Aktivitäten unterblieben sind (Veselý, 2009).

  

Hinsichtlich der (Erz-) Bergbauverwaltung stand das gesamte rechtselbisch- sächsische Gebiet ursprünglich unter der Aufsicht des Bergamtes Altenberg. Obwohl dies eine territorial sehr ausgedehnte Region ist, war es doch ein Gebiet, das relativ arm an Erzvorkommen ist. Aufgrund der ergiebigen und kontinuierlich betriebenen Lagerstätten des Zwitterstocks entwickelte sich Altenberg dennoch zum bedeutendsten Bergamtsstandort im Osterzgebirge, dessen 1568 erlassene Zinnordnung bis zum Regalbergbaugesetz 1851 in Kraft blieb. Bereits ab 1750 wurden diesem Bergamt schrittweise auch die vormals eigenständigen Bergämter in Seiffen, Berggießhübel und Glashütte unterstellt. 1783 wurde die bisherige Personalunion in die Form eines kombinierten Bergamts umgewandelt (40006).

1851 ging gemäß der geänderten Bergverfassung dann die Aufsicht über den Kohlenbergbau (im Bergamtsrevier betraf dies z. B. den Steinkohlenbergbau im Plauenschen Grund sowie den beginnenden Braunkohlenbergbau in der Lausitz) an die damals neu gegründete Kohlenwerksinspektion über. Das Bergamt in Altenberg blieb für den Erzbergbau zuständig. Zugleich wurden die im Bergamtsbezirk liegenden Vasallenbergämter aufgelöst. 1864 verlegte man den Sitz des Bergamts nach einem Brand in Altenberg nach Dippoldiswalde. 1867 wurde dann das gesamte Altenberger Revier mit seinen Unterrevieren als Revierabteilung Altenberg in das Bergamt Freiberg integriert (40170).

Am 16. Juni 1868 wurde das Allgemeine Berggesetz für das Königreich Sachsen erlassen. Es trat am 3. Januar 1869 in Kraft. Mit diesem Gesetz wurden die bisher bestehenden Bergämter sowie das Oberbergamt aufgelöst. Als neue Bergbehörde nahmen in der unteren Ebene für ganz Sachsen ein Bergamt in Freiberg, sowie diesem beigegebene acht Berginspektoren ihre Arbeit auf. Oberste Bergbehörde blieb das Finanzministerium (Ausführungsverordnung zum Allgemeinen Berggesetz vom 2. Dezember 1868).

   

Eine Besonderheit der Oberlausitz bildete eine Ausnahmeregelung des Allgemeinen Berggesetzes für das Königreich Sachsen von 1868, wonach dieses zunächst für die Markgrafschaft Oberlausitz nicht zur Geltung kam (50001, Nr. 245).

Diese Sonderregelung geht auf den Bergwerksvertrag zwischen Erzherzog Ferdinand I. von Österreich (*1503, †1564), seit 1531 Deutscher König, und den böhmischen Ständen vom 1. April 1534 zurück, wonach auch das Mutungsrecht auf Erze den Grundherrschaften zustand. Diesem Vertrag ging der Tod von König Ludwig von Böhmen in den Türkenkriegen 1526 voraus. Weil Ludwig ohne männliche Nachkommen geblieben war, hatte Erzherzog Ferdinand durch seine Heirat mit Anna von Ungarn und Böhmen nun Anspruch auf die Thronfolge. Allerdings waren beide Länder Wahlmonarchien, so daß die Könige von den Ständen gewählt werden mußten. Erst nach harten Verhandlungen erreichte Ferdinand die Zustimmung der Stände. Im Gegenzug mußte er die ständischen Rechte ausdrücklich bestätigen und zusichern, daß das Land durch Einheimische verwaltet werde. Erst daraufhin wurde Ferdinand auf der Prager Burg am 22. Oktober 1526 von einer Ständeversammlung zum König von Böhmen gewählt. Auch die mit der böhmischen Krone verbundenen Länder Mähren, Schlesien und die beiden Lausitzen – also auch die Oberlausitz – kamen dadurch unter seine Regierung und später in den Geltungsbereich dieses Bergwerksvertrages.

Ferdinands Sohn Maximilian II. (*1527, †1576) bestätigte während seiner Regentschaft in der Bergwerksvergleichung im Königreich Böhmen diese Übereinkunft über die Mutungsrechte am 18. September 1575; ebenso dessen Sohn Rudolf II. (*1552, †1612) in der Bergwerksordnung für die schlesischen und lausitzer Stände vom 15. Februar 1577 (wikipedia).

Erst mit der Verordnung des Kgl. Sächs. Finanzministeriums vom 25. Oktober 1902, die betriebspolizeiliche Aufsicht über die unterirdischen Brüche und Gruben in der Oberlausitz betreffend, wurde diese Sonderregelung aufgehoben und das Berggesetz vollumfänglich auch in der Oberlausitz in Kraft gesetzt (Jahrbuchausgabe 1903). Diese Neuregelung wurde wohl auch durch die Erzfunde bei Sohland mit veranlaßt.

  

Weil zumindest noch bis 1869 das Bergamt Altenberg mit seinen Vorgängern und Nachfolgeinstitutionen die Aufsicht über die Bergwerke in diesem Zuständigkeitsbereich führte, sind auch die Grubenakten späterer Zeit im Staatsarchiv in diesen Bestand eingeordnet. Auch die ersten Akten zu den Erschließungsarbeiten der Erzvorkommen in Sohland sind noch diesem Bestand zugeordnet (40170, Nr. 491, 492 und 493). Weil es sich aber – eben auch aufgrund der ungeklärten bergrechtlichen Verhältnisse bei den Erzbergwerken – um „gewerbliche“ Gruben handelte, wurden parallel auch bei der Berginspektion III des Landesbergamtes in Freiberg weitere Akten angelegt.

    

Die Hauptaufgabe des Landesbergamts in Freiberg bestand in der bergpolizeilichen und verwaltungsmäßigen Aufsicht über den Bergbau im Königreich Sachsen, womit es im Wesentlichen die Funktionen des vormaligen Oberbergamtes fortsetzte. Sein Geschäftsbereich umfaßte am Anfang die bergpolizeiliche Aufsicht, das Ausstellen von Schürfscheinen, die Verleihung von Bergbaurechten, die Mitwirkung an Enteignungs- und Bergschadenfällen, die Genehmigung zur Nutzung von Bergwerkswassern sowie die Überwachung der Revieranstalten. In den Folgejahren wurde der Aufgabenkreis des Bergamts erweitert. So wurde ihm im Mai 1900 die Aufsicht über unterirdisch betriebene Steinbrüche und Gruben übertragen. Dafür wurde als fachspezifische Einrichtung ‒ ähnlich wie vorher schon die Kohlenwerksinspektion ‒ die Berginspektion III in Freiberg gebildet, der die Aufsicht über die Betriebsführung bei den gewerblichen Gruben (also dem schon immer grundeigenen Bergbau, etwa auf Werkstein, Kalk und Ton) oblag.

Seit Oktober 1915 beaufsichtigte das Landesbergamt auch alle staatlichen Erzbergwerke.

Die Aufgaben der Berginspektoren in den territorial zuständigen Berginspektionen wurden in der Folgezeit mehrfach nach territorialen und sachlichen Gesichtspunkten neu geordnet. Aus ihnen entwickelten sich ab 1884 die vier Berginspektionen Dresden, Leipzig, Stollberg und Zwickau.

Eine erneute und entscheidende Änderung des Allgemeinen Berggesetzes erfolgte durch das Gesetz vom 9. August 1923, mit dem eine Neugliederung der Zuständigkeit der sächsischen Bergbehörden vorgenommen wurde. Das Bergamt Freiberg bekam wieder den Status einer Mittelbehörde und erhielt den Namen Oberbergamt Freiberg zurück. Die Berginspektionen wurden wieder zu Bergämtern umformiert (40024). Damit wurde nach der Berginspektion Dresden nun wieder ein Bergamt am gleichen Ort territorial für den Bergbau in den rechtselbischen Territorien einschließlich der Oberlausitz zuständig.

Ab 1935 unterstanden die Bergbehörden nicht mehr dem Finanz-, sondern von nun an dem Wirtschaftsministerium.

Nach der Annexion des Sudetenlandes 1938 wurden auch die vormals tschechoslowakischen Bergämter Brüx / Most, Teplitz / Teplice, Komotau / Chomutov und Karlsbad / Karlovy Vary unter die Verwaltung des Oberbergamts gestellt.

Nach dem Ende des 2. Weltkrieges ordnete die Sächsische Landesverwaltung am 6. August 1945 die Errichtung einer neuen sächsischen Bergverwaltung an. Mittelbehörde blieb das Oberbergamt. Untere Bergbehörden (Bergämter) bildete man in Dresden, Leipzig, Stollberg, Zwickau und Görlitz. Im Juli 1946 wies die Sowjetische Militäradministration in Deutschland an, die Bergämter in Technische Bergbauinspektionen (TBI) umzubenennen (40027).

Zu dieser Zeit war der Bergbau in Sohland aber bereits Geschichte...

   

Dann traf im Herbst 1900 der Lohgerbermeister Karl August Herberg im Ortsteil Äußerstmittelsohland, von den Einheimischen auch die „Hinterecke“ genannt, beim Graben eines Brunnens auf buntgefärbtes Gestein, von dem er zunächst befürchtete, daß es das Brunnenwasser für seine Zwecke unbrauchbar mache. Zunächst sandte er deshalb Wasser- und Gesteinsproben nach Freiberg, wo man analysierte, daß es sich um Nickel- Magnetkies (Pyrrhotin) handele (Veselý, 2009).

In einem Wanderführer aus dem Jahr 1938 berichtet ein Herr Verw.- Insp. Hölzel darüber ausführlicher das Folgende: „Im November 1900 wollte der 1933 hier verstorbene Landwirt und Gerbermeister August Herberg auf seinem Grundstück ... einen Brunnen graben. Als ca. acht Meter Gesteinsmassen ausgeschachtet waren, stieß man auf auffallend schweres Gestein. Man grub weiter, bis man auf Wasser stieß. Um sicher zu sein, daß das vorgefundene Wasser auch unbedenklich für Gerberei- und Genußzwecke verwendet werden könnte, sandte Herberg eine Wasser- und Gesteinsprobe an die Gerbereiversuchsanstalt Freiberg und erhielt bald darauf Bescheid, daß das Wasser verwendbar sei. Die Gesteinsproben hatte man aber dem Blaufarbenwerk Oberschlema übermittelt, so daß bald der Bergverwalter Schulze die Fundstelle besichtigte. Letzterer stellte kupferhaltige Magnet- und Nickelkiese fest und veranlaßte den Abtransport des aus dem Brunnenschacht herausgeholten Materials... Professor Dr. Beck, der ebenfalls kurze Zeit darauf die Fundstelle besichtigte, erklärte nach sorgfältiger Prüfung die Ausbeutung für aussichtsvoll... Nun begann die Förderung durch Herberg unter fachmännischer Leitung, und zwar durch den Obersteiger Grummbügel ais Großschirma. Um den Abbau und die Ausbeutung in fachmännischer und lohnender Weise vornehmen zu können, gründete Herberg mit Dr. Dieseldorff, Hamburg, im Jahre 1901 eine Kommanditgesellschaft, die sich aber verschiedener Differenzen halber nach sechs Monaten wieder auflöste. Während dieser Zeit wurden unter Leitung des Obersteigers Siegel, Johanngeorgenstadt, Arbeitsschichten eingeführt und 30 bis 40 Personen beschäftigt.“

Die in diesem Text aus dem Jahr 1938 stehende Angabe, daß Dr. Dieseldorff aus Hamburg stamme, können wir nicht bestätigen: Nach dem Übersichtsblatt der Grubenakte (40170, Nr. 492) ist er 1903 in der Bernhardstraße 27 in Dresden wohnhaft gewesen, worauf wir weiter unten im Text noch zurückkommen.

Der genannte Professor für Geologie an der Königlich Sächsischen Bergakademie zu Freiberg, Richard Beck (*1858, †1919) hat dann m Jahr 1902 in der Zeitschrift für praktische Geologie eine erste Beschreibung des aufgefundenen Erzvorkommens bei Sohland veröffentlicht. Von dem Erzfund habe man am 18. Oktober 1901 „unter Vorlegung zahlreicher Proben…“ auch bei der naturwissenschaftlichen Gesellschaft „Isis“ in Bautzen erfahren. Nach vorläufigen Untersuchungen sei das Erzlager „…für abbauwürdig von sachkundiger Seite erklärt worden.“

Etwas später schreibt Beck ausführlicher über den Erzfund (Ztschr. d. d. geol. Ges., Bd. 55, 1903, S. 296ff): „Die Entdeckung der Nickelerze von Sohland ist einem Zufalle zu verdanken. Gegen Ende 1900 sandte Herr Gerbermeister A. Herberg an Herrn Dr. Pässler von der deutschen Gerberei-Versuchsanstalt zu Freiberg eine Wasserprobe aus einem soeben gegrabenen Brunnen zur Begutachtung mit dem Bemerken, man sei auf merkwürdig gefärbte Gesteinsmassen gestoßen, die vielleicht das Wasser schädlich beeinflussen möchten. Herr Dr. Pässler ließ sich Proben dieses Gesteins kommen, unter denen von Herrn Faktor Zinkeisen und Herrn Prof. Dr. Kolbeck Brauneisenerz, verschiedene Kupfererze und nickelhaltiger Magnetkies bestimmt wurden. Die Bauwürdigkeit der Lagerstätte auf Grund einer fachmännischen Untersuchung erkannte, wie bereits erwähnt wurde, zuerst Herr Bergingenieur O. Krauth. Die Funde begannen alsdann in der Gegend von Sohland eine gewisse Aufregung hervor zu rufen. Überall suchte man die zahlreichen dort bekannten Diabasausstriche auf Magnetkies ab, jedoch ohne nennenswerte Erfolge…“

Die geologische Beschreibung des Vorkommens fand schließlich auch in dem 1903 in zweiter Auflage erschienenen Lehrbuch von Professor Beck Lehre von den Erzlagerstätten Aufnahme im Kapitel

I. Lagerstätten von Nickel- und Kupfererzen in Verknüpfung mit Gabbrogesteinen oder Diabasen und deren beider metamorphen Abkömmlingen

wo sich auf S. 46f ein spezielles Kapitel den beiden Vorkommen widmet, welches wir hier vollständig zitieren wollen:

d) Lagerstätten von nickelhaltigem Magnetkies am Schweidrich bei Schluckenau in Nordostböhmen und bei Sohland in der sächsischen Lausitz

Am Schweidrich wird der Lausitzer Granitit*) von einem sehr mächtigen WNW. streichenden Gang eines grobkörnigen, am Salband feinkörnigen Diabases*) durchsetzt, dessen normales Gestein neben den gewöhnlichen Gemengtheilen etwas Hornblende und Biotit führt. Nahe am nördlichen Salband ist dieser Diabas stark zersetzt und in ein grösstentheils aus secundärer grüner Hornblende bestehendes, zugleich aber mehr oder weniger mit nickelhaltigem Magnetkies, Kupferkies und etwas Eisenkies imprägnirtes Gestein übergegangen.

Die Ausscheidung der Erze erweist sich u. d. M. vielfach deutlich als jünger, als die Bildung dieser secundären Hornblende. Auch ist der angrenzende, etwas zersetzte Granitit bis auf über 1 m Entfernung mit demselben Erz imprägnirt. Seltener im Diabas vorkommende derbe Erzpartieen enthielten nach H. B. Foullon 7,08% Nickel, 2,09% Kupfer, 49,90% Eisen. Der Bergbau ruht dort zur Zeit.

Bei Aeusserst- Mittel- Sohland nördlich von Schluckenau, im sächsisch- böhmischen Grenzgebiet wurde 1900 durch eine Brunnengrabung ein ganz analoges, zweites, aber viel reicheres Erzvorkommen entdeckt. Ein wahrscheinlich ungefähr 10 m mächtiger WNW. streichender Gang von biotitreichem Proterobas*) setzt inmitten des Lausitzer Granites auf. Längs dem nördlichen Salband ist sein Gestein auf etwa 700 m erzführend angetroffen worden. Die Erze, nickelhaltiger Magnetkies, etwas Kupferkies und ein wenig Eisenkies bilden entweder nur eine Imprägnation, die theilweise auch bis 0,5 m in den Granit hinausgreift, oder, wie in Herberg´s Fundschacht, ein bis über 20 m im Streichen verfolgtes, bis 2,5 m mächtiges, unter 75°, wie das Gesteinssalband, nach N. einschiessendes derbes Mittel, das Stufferze von durchschnittlich 5% Nickel- und ca. 2% Kupfergehalt lieferte.

Im Proterobas spielen die sulfidischen Erze die Rolle der zuletzt ausgeschiedenen Gemengtheile. Vielfach sind Fragmente von Pyroxen und von primärer Hornblende, die sichtbar eine Corrosion erlitten haben, von den Kiesen rings umschlossen. Häufig sieht man andrerseits die Kiese innerhalb serpentinisirter Pyroxene in der Weise, dass in einem gewissen kleinen Abstand vom Rande ein den Conturen paralleles Erzband hinläuft. Sehr oft ist auch der Kies in Form dünner Lamellen zwischen Spaltblättern des Biotits eingeklemmt.

Im Hangenden des Erzmittels vom Fundschacht finden sich im Proterobas sehr merkwürdige Partieen, deren Masse sehr reich an Spinell und Korund ist. Auch führt das Gestein Einschlüsse von Sillimanit.

Unmittelbar unter dem stellenweise bis 10 m in die Tiefe reichenden Hut der Lagerstätte hat sich als secundäre Kluftfüllung ein wesentlich aus Kupferglanz bestehendes, reiches, schwärzliches Kupfererz gefunden.“

*) Zu den heutigen Bezeichnungen dieser Gesteine siehe unser Kapitel zur Geologie.

    

Im Gegensatz zur  Geologischen Karte von 1893 verläuft auf der Zeichnung von Prof. Beck im Jahr 1903 der „Proterobas- Gang“ in WNW- OSO- Richtung (aus Ztschr. d. d. geol. Gesellschaft, 55, 1903). R. Beck kritisiert in seiner Publikation die offizielle geologische Kartenausgabe: „Die meisten Diabasgänge der Gegend haben ein Streichen von WNW oder NW. Nach NW streicht u. a. der bedeutende Gang von ziemlich grobkörnigem Diabas auf dem Taubenberg östlich vom Fundpunkt. Auf der geologischen Karte von O. Herrmann ist dicht östlich von Äußerst-Mittel- Sohland irrtümlich ein nach NNW streichender Gang eingetragen…“

  


Witzigerweise finden wir genau diesen Gesteinsgang (mal abgesehen davon, daß ihn Prof. Beck hier noch viel zu lang gezeichnet hat) in der aktuellen (Download 2018) Geologischen Karte vom Geoportal Sachsen (der Zeichnung von Prof. Beck hier farbig hinterlegt) in NNW- SSO- Richtung streichend dargestellt, also noch immer genauso, wie schon in der Geologischen Karte von 1893. Erst in den jüngsten Kartenausgaben wurde dieser Mangel korrigiert.

  

Über den Stand des Bergbaus am Schweidrich schreibt Prof. Beck 1902 ein weiteres Gutachten über eine geologische Untersuchung der in der Herrn Commerzienrath Grumit gehörigen Domäne Schluckenau belegten Freischürfe (in 400030-1, Nr. 764), worin er dem Grundbesitzer empfiehlt: „Insbesondere scheint die Erstreckung der Erzmittel am Schweidrich doch ungünstiger zu sein, als wie in Herberg’s Fundschacht… Immerhin liegt die Gefahr nahe, daß sich Jemand durch die möglichen Erfolge des Sohländer Bergbaus bewegen läßt, auch in der Gegend… wieder einen Versuch zu machen, und um dies zu verhindern, kann ich nur rathen, dortselbst einige Freischürfe belegt zu lassen… Die beiden Freischürfe würde ich ebenfalls lediglich nur aus dem Grunde halten, um Versuchen anderer vorzubeugen, die bei der Aufregung um den Sohländer Fund nahe liegen…“ 

Eine tatsächliche Wiederaufnahme des Abbaus ist nach Beck’s Bewertung dagegen „…unter den heutigen Verhältnissen nicht rathsam.“

   


Situationsplan über zehn Schurfkreise in der Gemeinde Schluckenau, datiert auf den 15. Februar des Jahres 1911. Zwischen den beiden in südliche Richtungen verlaufenden Straßen liegt im unteren Bilddrittel der Schweidrich. Zum Begriff der
Schurfkreise siehe auch weiter  unten.
Bildquelle:  Sken mapy S02-05/005

    

Noch im Jahr 1902 verbreitete sich die Kenntnis über diesen Erzfund bei Sohland durch Nachrichten in der Leipziger Zeitung und im Oberlausitzer Volksboten (50001, Nr. 245) schlagartig.

Interessanterweise schrieb die Leipziger Zeitung unter dem Titel Die erste Erzlagerstätte der Oberlausitz aber schon damals aber auch „…Es ist begreiflich, wenn der Erzfund von Sohland geeignet ist, Aufsehen zu erregen; und da und dort gewisse Hoffnungen wecken wird, die nach Lage der Sache sich kaum erfüllen dürften. Nach den vorliegenden Erfahrungen hat das Erzlager in Sohland eine ganz beschränkte räumliche Ausdehnung und dürfte darin dem Erzlager am Schweidrichwalde südlich von Schluckenau entsprechen…“

Den Enthusiasmus der Entdecker  – insbesondere die Angabe über die Erstreckung des erzführenden Ganges – teilte aus eigener Anschauung auch Dr. A. Dieseldorff nicht und hielt es daher für nötig, in der Zeitschrift der deutschen geologischen Gesellschaft richtigzustellen: „Herr R. Beck spricht auf S. 299 von einem erzführenden Salbande, das an vier von ihm genannten Punkten aufgeschlossen und auf etwa 700 m Länge sicher nachgewiesen sei… Da Bergbaulustige oder Sohländer Grundbesitzer auf Grund des genannten Aufsatzes kostspielige und den derzeitigen Umständen nach erfolglose Schurfversuche unternehmen könnten, so kann ich solche unrichtigen Angaben nicht unwidersprochen lassen...

Ich habe aus naheliegenden Gründen*) mir die Erforschung des nach West vom Schacht gelegenen Grubenfeldes angelegen sein lassen, leider scheint in bergmännischer Hinsicht dort nichts zu holen zu sein, und Versuche anderer werden kaum berechtigte Aussicht auf Erfolg bieten, nach Westen zu eine Erzführung zu finden. — Wenn wir nun die tatsächlichen Aufschlüsse, also sichere Nachweise, noch einmal überblicken, so ergibt sich das Vorhandensein eines Erzmittels in den „Segen Gottes" und „Hauptmann" Schächten selbst, ferner auf etwa 28 m Streckenlänge W und des „Segen Gottes" Schachtes und sehr wahrscheinlich auch in dem Terrain zwischen beiden Schächten, also noch auf 105 m! Das ist alles.“

*) Herr Dr. Dieseldorff war nämlich ab 1903 selbst Bergbauunternehmer in Sohland, hat jedoch sein Engagement bald wieder beendet. Die hier von Dieseldorff besonders kritisierte Fehleinschätzung revidierte Prof. Beck erst mit einem neuen Gutachten im Jahr 1908.

  


Auf der 1882, noch vor dem Erzfund, gedruckten Äquidistantenkarte, Section Schirgiswalde, ist beiderseits der Grenze noch nichts vom Bergbau zu finden. 

 

Diese Richtigstellung in der Fachzeitschrift hat sicher kaum jemand gelesen und so begannen tatsächlich etliche „Bergbaulustige“ unverzüglich mit Aufschlußversuchen. Auch Herberg’s Nachbarn Ernst Hantusch (der Besitzer der Buschmühle und des Mühlgrabens) sowie Ernst Schöne versuchten sich mit Schurfschächten und Stolln, erreichten dabei den Gesteinsgang jedoch nicht.

Der aus Oppach stammende Steinmetzmeister Ernst Hantusch (†1929) hatte 1887 die stillgelegte Buschmühle am Rosenbach gekauft und zu einem Steinsäge-Betrieb, angetrieben mit Hilfe eines Wasserrades, umgebaut. 1897 gründete er zusammen mit dem Gesellschafter Herrn Jordan die Firma E. Hantusch & Co. Granit- und Syenitwerke. Die Rohblöcke (Syenit) wurden seit 1910 hauptsächlich aus einem eigenen Steinbruch im böhmischen Nixdorf bei Sebnitz bezogen. Von unternehmerischer Weitsicht zeugt auch, daß er für den Transport der Werksteine eine eigene Pferdezucht sowie eine Tischlerei für die Herstellung von Schwerlastwagen und Versandkisten betrieb. Sein Versuch mit dem Nickelerzbergbau ging jedoch schief. Wir weichen an dieser Stelle einmal kurz ab, weil es uns auch erwähnenswert erscheint, daß 1941 die Tochter des Betriebsleiters die erste Steinmetzmeisterin Deutschlands wurde.

Die Nachfahren der Familie Hantusch sind bis heute in Sohland ansässig, führen den Traditionsbetrieb unter dem heutigen Namen E. Hantusch GmbH Natursteinveredelung weiter und konnten 2011 das 125-jährige Bestehen des Unternehmens feiern (hantusch-natursteine.de).

   

Wie es bei Gerbermeister Karl August Herberg weiterging, darüber verraten uns die Akten aus dem Bestand des für den Bergbau in der Oberlausitz ursprünglich zuständigen Bergamtes zu Altenberg (40170, Nr. 492) mehr.

Zunächst erfahren wir, daß schon im Dezember des Jahres 1900 ‒ also sofort nach dem Auffinden des Erzlagers und den ersten Zeitungsmeldungen ‒ ein „Trockenplattenfabrikant“ namens Hermann Edwin Richter, wohnhaft in der Kaiserstraße 27 in Zittau, beim Bergamt zu Freiberg um Erteilung einer Schurferlaubnis auf Herberg's Grund und Boden nachgesucht hat. Da nun aber das sächsische Berggesetz in der Lausitz zu dieser Zeit noch nicht galt, wurde ihm bis auf Weiteres abschlägig beschieden.

Stattdessen verteufte K. A. Herberg seinen Brunnenschacht weiter, wogegen H. E. Richter mehrfach auf das Heftigste protestierte. Am 5. Januar 1902 etwa schrieb er an das Landesbergamt zu Freiberg, daß HerbergTag und Nacht mit einer Hast das Erz in Größerem abgebaut und Bahnwaggonweise verkauft“ und forderte das Bergamt auf, Herberg den Abbau „auf seiner Muthung“ zu untersagen. Weil ihm aufgrund der nicht gegebenen Rechtslage ja gar keine Mutung bescheinigt worden war, blieb man in Freiberg aber ganz ruhig.

Herr Richter dagegen blieb hartnäckig und wandte sich am 31. Januar auch an das Königlich Sächsische Finanzministerium in Dresden mit dem Ansuchen, es solle doch Herbergsowie seinen Nachbarn, welche ebenfalls sich auf Schürfungen eingerichtet haben und arbeiten“ jeden Bergbaubetrieb untersagen, weil ihm selbst die Untersuchungsarbeiten aufgrund der ungeklärten Rechtsverhältnisse ja auch untersagt seien. Am 11. Februar 1902 schrieb er erneut nach Dresden: „Inzwischen arbeitet Herr August Herberg… in Sohland weiter und fördert Tag und Nacht mit 4 Mann waggonweise große Massen Erze, die sich bereits auf über 20 bis 25 Waggon belaufen sollen, die er verkauft, ohne irgend welche bergbauliche Berechtigung und ohne unter bergpolizeilicher Aufsicht zu stehen. In welchem Umfang er den Bergbau treibt, zeigt sich darin, daß er einen Schacht, statt von normaler gesetzlicher Größe, einen solchen von 7 m Breite ausgearbeitet hat, auf laienhafte Art...“

  

In Dresden war man sich der Umstände aber auch nicht so ganz sicher und daher verwies man die diesbezüglichen Berichte aus Freiberg samt der Beschwerden Richter's in Dresden am 1. Februar 1902 an die Kreishauptmannschaft in Bautzen weiter, verbunden mit der Aufforderung, man solle doch zunächst einmal „Lokalerörterungen durchführen, um daraufhin Entschließung zu fassen.“

Die Kreishauptmannschaft entsandte daraufhin den Obergendarmen Georg Rößberg nach Sohland, um Erkundigungen einzuziehen. Der berichtete anschließend, daß Karl August Herberg im Herbst 1900 einen Brunnen anlegen ließ und dabei auf „metallhaltiges Erz“ gestoßen war. „Nach der Untersuchung in Freiberg*) ist demselben der Bescheid zugegangen, daß das Erz viele Metalle, darunter auch Silber, enthalte und falls er mehr derartiges Erz vorfinde, es nach Oberschlema verschicken möge. Herberg habe bisher 8 Eisenbahnwaggons dahin versandt, wofür er pro Ladung 69 bis 200 Mark erhalten hat. Der Preis wird von der Schmelzhütte je nach dem Befund festgestellt.“

Die Bahnfracht bezahlte übrigens das Blaufarbenwerk in Oberschlema, alle anderen Kosten hatte Herberg selbst zu decken. Der Bahnwaggon wurde damals zu 10.000 kg Ladung gerechnet.

Der Schacht habe bisher eine Tiefe von 5 m erreicht und sei „gegen 5 m breit im Quadrat.“

*) Die hier angesprochene Untersuchung erfolgte zunächst an Wasserproben und durch die Deutsche Versuchanstalt für Lederindustrie (die gibt es als FILK Forschungsinstitut für Leder und Kunstleder noch heute in Freiberg) ‒ Herr Herberg war ja Gerbermeister.

Am 4. Februar fuhr dann der Assistent von Wolf bei der Kreishauptmannschaft in Bautzen nach Sohland, traf sich dort mit Gemeindevorstand Eckhardt vor Ort und faßte anschließend ausführlichen Bericht über die Resultate seiner Lokalerörterungen ab (Blatt 16ff der Akte). Demnach befand sich „rechts vom Herberg’schen Wohnhause der fragliche, gegenwärtig 10 ½ Meter tiefe Brunnenschacht. Um das Gestein besser fördern zu können, ist … ein Tagesstollen aufgeworfen und mit Brettern abgedeckt und geschützt. An dieser Stelle ist seit einigen Tagen ein Electromotor eingestellt, der das Wasser aus dem Brunnenschacht durch die Pumpvorrichtung ausheben soll.“

Das Wasser stand gerade etwa 2 m hoch über Schachtsohle. Außer Herberg selbst arbeiteten noch drei weitere Leute auf dem Gelände, die „teils mit Einschaufeln des Gesteins, teils mit Leitung der Pumparbeiten beschäftigt waren.“

Nach dem Befund der Versuchsanstalt für Lederindustrie hatte Herberg auch Proben des Stuferzes nach Freiberg an Prof. Kolbeck (vielleicht hat der Assistent den Namen falsch notiert und es handelte sich richtig um den Professor für Geologie an der Bergakademie, Dr. Richard Beck) und auf dessen Empfehlung hin auch an Bergrat Richard Tröger in Schneeberg gesandt. Letzterer schickte daraufhin im Januar 1901 seinen Bergverwalter Schulze nach Sohland. Der habe Herberg geraten, den Schacht noch zu vertiefen, um zu sehen, ob das Lager aushaltend sei, was Herberg im Sommer 1901 auch tat.

Herberg hatte bis dahin keinerlei Kenntnis des Bergrechts, nur der Bergverwalter Tröger’s hatte ihm empfohlen, beim Bergamt um Schurferlaubnis anzufragen, weil das Berggesetz nicht für die Lausitz gelte. Das Bergamt teilte auch ihm daraufhin mit, daß eine Entscheidung über die Übertragung des Bergrechts auf die Oberlausitz keinesfalls vor Sommer 1902 zu erwarten sei. Bergrat Tröger wiederum teilte Herberg mit, daß die Schneeberger Gewerkschaft selbst Mutung einlegen wolle und zwar „auf den 4. Teil der Ortsflur Sohlands“. Die Gewerkschaft wollte ihm sogar einen Steiger zur bergmännischen Leitung seines Versuchsbetriebes schicken. Das Interesse der Schneeberger Konsortschaftlichen Grubenverwaltung wird verständlich, wenn man weiß, daß das anfallende Erz von Herberg's Arbeitern ausgeklaubt und nur Reicherzproben nach Schlema versandt wurden. Diese hielten angeblich bis zu 20% Kupfer und Nickel...

Weiter berichtete Herr von Wolf noch, daß „Der Nachbar Schöne... etwa 15 m von seinem entfernt ebenfalls einen Schacht 3 m tief graben lassen, jedoch noch kein Erz gefunden“ habe. Auch auf der böhmischen Seite hat ein gewisser Richter, den Herberg nicht näher kenne, Schurfversuche gemacht. „Richter ist Bergbauspekulant, er hat in Schluckenau ein Schurffeld, ob er dort etwas gefunden hat, weiß ich (Herberg) nicht.“

Dieser H. E. Richter besaß in Wermsdorf eine Porzellanfabrik und ein kleines Farbenwerk und in Zittau eine Niederlage für photographische Platten. Grundbesitz hatte er hier nicht.

Kurz nachdem in den Zeitungen von dem Erzvorkommen in hiesiger Gegend  zu lesen, ist er zu mir gekommen und hat mich um einige Stufen – wie er sagte, zu Sammlungszwecken – gebeten.

Auch ein Bergingenieur Kraul aus Berlin (der Namensähnlichkeit halber vermuten wir auch hier einen Schreibfehler: Es handelte sich sehr wahrscheinlich um den Herrn Bergingenieur namens  O. Krauth), der mit Prof. Uhlich aus Freiberg kam, hat auf böhmischer Seite Schurfversuche gemacht.“

Das Interesse war offenkundig sehr groß, wenngleich man nicht heute nicht mehr einschätzen kann, wer ehrliches Interesse mitbrachte und wer tatsächlich nur auf den Handel spekulierte...

  


Skizze aus dem Bericht des Assistenten von Wolf vom 4. Februar 1902 zur Lage der beschriebenen Schächte. Sie ist zweigeteilt und enthält oben die betroffenen Flurstücke und unten (mit der Anmerkung: „Größerer Maßstab“) eine Detailskizze zur Lage der Schurfschächte unter Bezug auf Herberg's Wohnhaus. Quelle: Sächsisches Staatsarchiv, Bergarchiv Freiberg, Bestand 40170, Nr. 492, Blatt 21.

Link zum Digitalisat:  archiv.sachsen.de/archiv

    

Die Entscheidung über die Anwendung des Allgemeinen Berggesetzes für das Königreich Sachsen auch in der Oberlausitz ließ noch auf sich warten. Immerhin aber hatte das Finanzministerium in Übereinkunft mit dem Ministerium des Innern 1902 schon mal beschlossen, die Verordnung über die Aufsicht über bergmännisch geführte Betriebe vom 12. Mai 1900 ab sofort auch auf die infragekommenden Betriebe in der Oberlausitz anzuwenden. Damit wurde nun die Berginspektion III in Freiberg auch für Herberg's Schächtchen zuständig und wir begegnen auch hier wieder einmal dem uns von vielen anderen Punkten schon gut bekannten Bergmeister Seemann. Der brachte weniger Euphorie über die Entdeckung, als vielmehr einen kritischen Blick auf die Angelegenheit ein.

Über seine erste Befahrung der Herberg'schen Grube, zu der er übrigens auch Herrn Professor Beck mitnahm, berichtete er nicht nur kurz und knapp im üblichen Fahrbogen der Berginspektion, sondern verfaßte am 18. Februar 1902 folgenden ausführlichen Bericht (40170, Nr. 492):

„(...) Das Lager des Erzes ist ein das Grundgestein, den Lausitzer Granit, in der Streichrichtung 115° durchsetzender Gang von hornblendereichem Diabas – Proterobas – von dunkel schmutzig grüner Farbe und mittelkörniger Struktur. Seine Mächtigkeit und sein Fallen läßt sich mangels genügenden Aufschlusses noch nicht feststellen, nur in nordöstlicher Richtung ist die Ausdehnung des Diabases insoweit bestimmbar, als in einem kleinen, im Granit angelegten Steinbruche in etwa 10 m Entfernung vom Schachte derselbe durchsetzt. Der Diabasgang, auf der nebenstehenden Skizze, soweit er im Schachte aufgeschlossen, mit d bezeichnet, wird in einer Tiefe von etwa 8 m von einer Gangspalte c mit demselben Streichen, welches er selbst besitzt, und saigerem Einfallen durchsetzt. Diese, in einer Mächtigkeit von etwa 15 cm, wird von einer mulmigen und derben Masse ausgefüllt, welche nach der auf Ansuchen erfolgten Untersuchung des Herrn Dr. Frenzel Kupfer, Schwefel, etwas Nickel und Eisen enthält und demnach für einen eisen- und nickelhaltigen Kupferglanz zu halten ist…“

  


Stark vergrößert die „nebenstehende“ ziemlich kleine Skizze Seemann's aus seinem Bericht.
Quelle: Sächsisches Staatsarchiv, Bergarchiv Freiberg, Bestand 40170, Nr. 492, Blatt 31b.

Link zum Digitalisat:  archiv.sachsen.de/archiv

    

Die Diabasmasse, worin dieser Gang aufsetzt, ist stellenweise weniger, meist aber sehr stark imprägniert von derbem Magnetkies, etwas Kupferkies und wenig Schwefelkies. Die Imprägnationen treten als hirsekorngroße Einsprenglinge auf, die an einzelnen Stellen so überhand nehmen, daß fast reiner Magnetkies von feinkörnigem Gefüge, an anderen Stellen derber Magnetkies von krummschaliger Struktur entsteht, andrerseits aber wieder von erstgenannten Kupferkiesgange sich entfernend an Häufigkeit des Auftretens und an Größe abzunehmen scheinen.

Weiter finden sich in der Masse einzelne Diabasknollen e von etwas hellerer Farbe, welche fast ganz erzleer sind, mitunter aber auch teilweise einen krustenartigen Überzug von Magnetkies tragen.

Im Schachttiefsten hat sich das Kupferkiestrum in den südlichen Schachtstoß hineingezogen und stehen die Sohle und die Schachtstöße in fast reinem, derben Magnetkies von teilweise feinkörniger, teilweise schuppiger und großblättriger Struktur an, enthalten Schnürchen und derbe Partien von Kupferkies.

Das ganze Erzvorkommen bedarf zu einer eingehenderen Kenntniß noch sehr des weiteren Aufschlusses. Letzterer besteht bis jetzt nur in einem saigeren Schacht von 10 m Tiefe und 2,0 x 5,5 m Querschnitt. Im Schachttiefsten ist ein Örtchen angehauen und 2 m ausgelängt, das auch vollständig im Erze ansteht…“

Über den Betreiber, Karl August Herberg, äußerte sich Seemann ziemlich lobend: „Es fehlt die sachverständige Leitung, doch kommt Herberg allen Anordnungen der Berginspektion pünklichst nach…“

Auch die jetzt fünf Arbeiter waren ordnungsgemäß unfall- und krankenversichert.

Außerdem veranlaßte Seemann, wie oben schon zu lesen war, noch eine weitere Analyse, die von Hüttenchemiker Schiffner ausgeführt wurde und über die Seemann ebenfalls an das Landesbergamt Bericht erstattete. In dieser Anzeige vom 15. Februar schrieb er: „Die gewonnenen Erze sind als sehr reiche anzusehen und dem Vorkommen derselben, soweit ein Urteil bei dem sehr geringen Gebirgsaufschlusse möglich ist, ist eine gewisse Bedeutung nicht abzusprechen. Die Möglichkeit liegt aber vor, daß man es mit einer lokal auftretenden Anreicherung zu tun hat und weitere Aufschlüsse zu wesentlich geringerem Ergebnisse führen können.“

Das klingt schon ganz anders und wir wollen auch die Resultate dieser chemischen Analyse nicht vorenthalten.

 

Derber Magnetkies (Stufenerz)

Mulmige Massen im Diabasgang

Silber

nur Spuren

0,0008 %

Kupfer

0,1 %

52,8 %

Eisen

56,0 %

15,3 %

Nickel

5,0 %

2,4 %

Schwefel

36,4 %

30,2 %

Gehalte von 5% Nickelmetall im Erz sind allerdings tatsächlich nicht schlecht...

  

Schon am 31.1.1902 hatte Herberg bei der Königlichen Kreishauptmannschaft Bautzen die Sprengstoffgenehmigung beantragt, da ihm „vom Kgl. Blaufarbenwerk in Oberschlema die Anregung zugegangen, um die unter meinem Grundstück vorkommenden Erze weiter aufzuschließen und zu untersuchen, so macht sich dabei auch die Verwendung des Dynamits behufs Sprengung nöthig…“ Bisher hat die benötigten Sprengstoffe der Brunnenbauer R. Hentschel mitgeführt, der aber bei Herberg nicht dauerhaft angestellt werden konnte (40170, Nr. 492).

Diesen Antrag erneuerte Herberg auf Anraten Seemann's am 10.2.1902 und schreibt außerdem, daß Bergmeister Seemann bei ihm gewesen ist und angekündigt habe, daß ihm das Blaufarbenwerk in etwa 14 Tagen einen Untersteiger als Fachmann senden wolle. Von der Berginspektion wird Herberg am 25.2.1902 wie üblich dann auch aufgefordert, einen Betriebsplan einzureichen und Verantwortliche zu benennen. Da er das noch nicht konnte, teilte Herberg daraufhin der Bergbehörde mit, daß er „bis zur Ankunft eines bergtechnischen Beamten“ am 13. März 1902 den Betrieb eingestellt habe.

Am 4. April trat dann der Doppelhäuer Moritz Reinhard Krumbiegel aus Rothenfurth, zuvor auf der Grube Himmelfahrt zu Freiberg angelegt,  bei Herberg die Stellung an. Seemann befürwortete die Anstellung, da der Betrieb ja begrenzt sei und Krumbiegel außerdem ein Jahr lang die Bergschule in Freiberg besucht habe.

Die Aufforderung der Bergbehörde zur Anstellung eines Steigers kam auch H. E. Richter zur Kenntnis, der daraufhin umgehend telegrafisch beim Finanzministerium protestierte. In seinem Telegramm spricht er von „Faustrecht- Raubbergbau“. Dagegen verwahrte sich Seemann natürlich seinerseits und namens der Berginspektion gegenüber dem Landesbergamt und dieses wiederum vor dem Finanzministerium. Jedenfalls wurde Herr Krumbiegel vom Landesbergamt als Steiger für die Herberg'schen Versuchbaue bestätigt, während Herrmann Edwin Richter weiter das Nachsehen hatte.

  

Am 7. Mai 1902 reichte Herberg dann selbst Mutungsantrag beim Landesbergamt in Freiberg ein: „(...) falls in Zukunft das königl. Sächs. Allgemeine Berggesetz vom 16.Juli 1868 für den Erzbergbau in der Oberlausitz eingeführt werden sollte und damit das Bergamt Freiberg zur Entgegennahme von Muthungen zuständig sein wird, so bitte ich unterthänigst, dieses Schreiben als meine eingelegte Muthung gefälligst erkennen zu wollen und mir als erster Auffinder hiesiger Erze, alsdann bei dem Inkrafttreten des genannten Gesetzes das Muthungsrecht für die unter meinem Grundstück befindlichen Erze güthigts ertheilen zu wollen...“

Bevor Seemann dann 1902 zur Berginspektion Leipzig versetzt wurde, hinterließ er uns noch einen weiteren Fahrbericht vom 31. Mai 1902 (40170, Nr. 492). Demnach hatte der Schacht inzwischen 12 m Teufe erreicht. Das dort angesetzte Ort nach Westen war inzwischen auf 10 m ausgelängt. Aufgrund der zwischenzeitlichen Betriebseinstellung bis zur Annahme Krumbiegel's als Steiger ruhten so lange auch die Erzliefrungen, würden jetzt aber wieder aufgenommen. Das Blaufarbenwerk Oberschlema zahle jetzt bis zu 400 Mark für die Tonne des Nickelerzes. Auch die Sprengstoffniederlage war inzwischen eingerichtet, nur die Führung des Ausgabebuches entsprach noch nicht den Vorschriften. Sonst aber hatte der Bergmeister nichts zu bemängeln, was durchaus ungewöhnlich bei solchen kleinen, gewerblichen Gruben dieser Zeit gewesen ist !

Der nächste Fahrbericht vom September 1902 ist dann schon von den Berginspektoren Roch und Anshelm verfaßt. Ihm ist zu entnehmen, daß Herberg den Betrieb am 5. September wegen Mangel an Absatzes der gewonnenen Erze eingestellt hatte. Natürlich waren die Wasser sofort wieder aufgegangen ‒ als Brunnen hätte sein Schacht also gut funktioniert...

Herberg wolle aber den Schacht für sich oder andere in späterer Zeit offen halten, weswegen es sich nach Roch´s Einschätzung nicht um Einstellung, sondern um Betriebsfrist handele, die ihm vom Bergamte zu gewähren ist.

Seinen Steiger Krumbiegel hatte Herberg entlassen. Er ist daraufhin zur  Nachbargrube Hauptmann's gegangen. 

  

Über die Erschließung des Vorkommens können wir auch in den Ausgaben der Jahrbücher für das Berg- und Hüttenwesen ab 1902 nachlesen; im Auszug aus dem bergamtlichen Jahresberichte wird dort nämlich vermerkt:

VIII. Allgemeine Mitteilungen über den Bergbau.
(Auszug aus dem ersten Teile des Bergamtlichen Jahresberichts.)

A. Wirtschaftliche Lage des Bergbaus.

2. Erzbergbau.

…Besondere Erwähnung verdient hier noch die Auffindung eines Nickelerz- Vorkommens in der sächsischen Oberlausitz in der Nähe von Sohland. Dort fand ein Einwohner beim Graben eines Brunnens ziemlich reiche Nickelerze, die er zu guten Preisen verwerthen konnte. Zu einer Verleihung dieses Betriebes und Unterstellung desselben unter die sächsische Berggesetzgebung konnte es nicht kommen, da die letztere z. Zt. für den Erzbergbau in der Oberlausitz noch keine Gültigkeit hat (§ III der Verordnung, die Erlassung eines allgemeinen Berggesetzes betreffend, vom 16. Juni 1868).“

In der folgenden Jahrbuchausgabe von 1903 wird dann genauer berichtet:

VI. Wichtige Ausführungen -und Betriebsvorgänge
bei den gewerblichen Gruben.

1. Neue Lagerstättenaufschlüsse und geognostisch oder
bergmännisch bemerkenswerte Vorkommnisse.

„…3. Schon im Herbste 1900 war im Ortsteile Äußerstmittelsohland des Dorfes Sohland an der Spree beim Niederbringen eines Brunnens auf dem Grundstücke des Lohgerbers August Herberg am linken Gehänge des Rosenbaches gegen 200 m unterhalb des an der von Sohland nach Schluckenau in Böhmen führenden Staatsstraße gelegenen Zollhauses ein Erzvorkommen entdeckt worden. Weitere Aufschlüsse, welche zu einem großen Teile in das Berichtsjahr fallen, ließen erkennen, daß der Träger des Erzes ein das Grundgestein, den Lausitzer Granit, durchsetzender Gang von Diabas ist, welcher in annähernd westöstlicher Richtung streicht und etwa 80° in N. fallt. Die Mächtigkeit dieses Diabasganges ist zu 7 bis 8 m ermittelt worden. Der Gang wird unter dem eisernen Hute, der Brauneisenstein, Malachit und Kupferlasur aufweist, bis zu 8 m Teufe von einer 15 cm mächtigen Gangspalte mit dem Streichen des Ganges und einem annähernd seigeren Einfallen durchsetzt.

Dieselbe ist durch eine mulmige und derbe Masse ausgefüllt, welche sich nach ihrem Gehalt an Kupfer, Nickel, Schwefel und Eisen als ein nickelhaltiger Kupferglanz erwies. Vielleicht hat man es hier mit einem sekundären, durch Deszension entstandenen Gängchen im Gange zu tun. Die Diabasmasse, in welcher dieses Gängchen aufsetzt, ist von nickelhaltigem Magnetkies imprägniert; Kupferkies und etwas Schwefelkies treten als Einsprengungen auf. Auch finden sich im Gange Diabasknollen, welche beinahe erzleer sind, mitunter aber einen Magnetkiesüberzug besitzen.

Die Magnetkiesimprägnation verteilt sich nicht über die ganze Gangmächtigkeit, sondern findet sich, soweit sich bisher nachweisen ließ, nur am Hangenden, erreicht aber schon bei 8 bis 9 m Teufe 2 m Stärke. Nach der Teufe zu verdichtet sich die Imprägnation und geht allmählich in derben Magnetkies von teilweise feinkörniger, teilweise schuppiger und blättriger Struktur über; der Kupferkies nimmt ab und zeigt sich mitunter auch in Form von Äderchen und Schlieren. Der Nickelgehalt des derben Magnetkieses beträgt ungefähr 6%.

Magnetometrische Beobachtungen lassen mit Sicherheit darauf schließen, daß die seitliche Ausdehnung des Erzmittels nach W. eine geringe ist, nach O. jedoch über die vom Fundorte gegen 130 m entfernte böhmische Grenze hinüberreicht. So fand denn der Landwirt und Fabrikant Karl Hauptmann aus Sohland, der gegen 90 m östlich vom Herberg‘schen Fundschachte auf seinem dort noch auf Sohlander Flur gelegenen Grundstücke teufte, ebenfalls die nach der Teufe zu dichter werdende Magnetkiesimprägnation im Diabasgange.

Da 1902 der Herberg‘sche Fundschacht erst eine Teufe von 15 m und der Hauptmann‘sche Schacht eine solche von etwa 11 m erreicht hatte, lagen Aufschlüsse über die Teufenerstreckung des Erzmittels noch nicht vor, doch ist seitens der Firma Dr. Dieseldorff & Ko. in Sohland ein Weiterverteufen des erstgenannten Schachtes, welcher jetzt den Namen „Segen- Gottes- Schacht" führt, im Gange, um die Teufenerstreckung des Erzmittels zu erkunden.

Dr. phil. R. Beck, Professor der Geologie an der Königlichen Bergakademie zu Freiberg, beschrieb im 1892er Jahrgange*)  der Zeitschrift für praktische Geologie, Berlin, auf Seite 40 und 379 das in Rede stehende Erzvorkommen. Der Durchschnittsgehalt einer im Berichtsjahre im Herberg‘schen Fundschachte und drei kleinen Versuchsstrecken gewonnenen Erzpost von 800 t betrug an Nickel 5% und an Kupfer 1,7%.“

*) Diese Jahresangabe überrascht. Wir haben ein Digitalisat des 10. Jahrgangs der genannten Zeitschrift aus dem Jahr 1902 aufgetrieben, auf welches die Seitenzahlen 41 und 379 zutreffen (und oben schon daraus zitiert). Die hier genannte Jahreszahl 1892 resultiert vielmehr aus einer Fußnote in besagtem Artikel, in der Prof. R. Beck auf die in unserem Abschnitt zur Geologie zitierte Veröffentlichung von H. Foullon im Jahrbuch der k. u. k. geologischen Reichsanstalt zu Wien verweist – auch bei der Königlichen Bergakademie gab es also schon damals den Druckfehlerteufel. 

  


Blick über das Rosenbach-Tal im Jahr 1902. Bildquelle: Sammlung F. Koch, Sohland.

   


Die Rückseite des Abzugs oben: Der Vermerk zu einem geplanten Stollen gegenüber des Herberg'schen Fundschachtes könnte darauf hinweisen, daß diese Fotos von Herrn K. Hauptmann stammen könnten.
Bildquelle: Sammlung F. Koch, Sohland.

   


Ansicht der Herberg'schen Lohgerberei im Jahr 1902. Der kleine Schuppen mit dem flachen Dach links unterhalb des „Erzschuppens“ steht über dem Fundschacht. Auf der Wiese rechts fallen bei genauem Hinschauen zwei Fluchtstangen auf... Bildquelle: Sammlung F. Koch, Sohland.

  


Bitte die Bilder vorläufig ins Album zu legen... Auch meine Meßstangen sind drauf.“ Wenn es sich tatsächlich um Aufnahmen von K. Hauptmann handeln sollte, dann war er vermutlich gerade dabei, seinen „Claim“ abzustecken und hatte noch keine Abbaugenehmigung vom Bergamt... Nachdem wir einen ebenfalls auf die Zeit vom Dezember 1902 bis Februar1903 datierten
 Riß gefunden  haben, wissen wir es besser. Bildquelle: Sammlung F. Koch, Sohland.

   


Hier sieht man das Herberg'sche Anwesen noch einmal von der Straße aus, vermutlich im Winter 1902/1903. Das große Gebäude ist der „Erzschuppen“. Bildquelle: Sammlung F. Koch, Sohland.

   


Seltene Bilddokumente vom Herberg'schen Fundschacht (die offene Haspelkaue links vom Gebäude) und den Bewohnern aus dem Jahr 1902. Bildquelle: Sammlung F. Koch, Sohland.

   


Diese Aufnahme aus dem Winter 1902/1903 ist nicht ganz gelungen und zeigt die Haspelkaue von der Südseite.
Bildquelle: Sammlung F. Koch, Sohland.

   


Hier noch einmal die Bewohner vor dem Schacht, von der Zufahrt zum Grundstück aus gesehen.
Bildquelle: Sammlung F. Koch, Sohland.

   

In der Zwischenzeit traten weitere Bergbaulustige auf den Plan. Der oben im Text schon genannte Dr. Arthur Dieseldorff nämlich trat 1902 an Herberg heran und bewegte in am 22. November 1902 dazu, einen „Societätsvertrag“ über eine Bergbaugesellschaft „Dr. Dieseldorff & Co. Kommanditgesellschaft“ abzuschließen. Deren Gesellschafter waren Dieseldorff und Herberg. Die ‒ formal ja immer noch nicht bestätigten ‒ Bergbaurechte wurden der Gesellschaft von Herberg übertragen (40170, Nr. 492).

Herr Dieseldorff reichte auch gleich einen vorläufigen Betriebsplan ein, nach dem zunächst weitere Schurfgräben zur Erkundung des Gangstreichens und die Weiterverteufung des Herberg'schen Schachtes, allerdings mit kleinerem Profil, vorgesehen war. Berginspektor Roch befürwortete schon zwei Tage später diese weiteren Aufschlußarbeiten.

Irgendwie waren sich die beiden Gesellschafter aber von Anfang an nicht so richtig grün. Wer weiß schon heute noch, wer wem was versprochen hat... Jedenfalls fragte Herberg noch im Dezember 1902 beim Finanzministerium in Dresden nach, ob sein Partner wirklich liquide sei und ob der Staatsfiskus denn wirklich auf einen Erwerb der Lagerstätte verzichte. Außerdem befürchtete er Schäden an seinem Haus durch den Abbau des Erzes. Die Antwort fiel zweideutig aus: Zu den finanziellen Verhältnissen Dieseldorff's könne man keine Auskunft geben und ob es überhaupt eine bauwürdige Lagerstätte sei, müsse ja erst noch geklärt werden... Daraufhin beschwert sich seinerseits Diesedorff am 8. Januar 1903 bei der Berginspektion, daß Herberg den geschlossenen Vertrag nicht einhalten wolle.

Inspektor Roch teilte dem Bergamt in diesem Zusammenhang mit, daß Dieseldorff auch „auf dem Wege (sei), sich mit Herberg´s Nachbar Hauptmann zu bergbaulichen Unternehmungen zu vereinigen.“ Von seiner Befahrung der Herberg'schen Grube im Februar 1903 berichtete er nur, daß die Arbeiten im Schacht seit September des Vorjahres eingestellt seien.

  

Dennoch wurde Dieseldorff bald aktiv. Am 29. März 1903 zeigte er der Berginspektion an, daß er auf der Wiese unterhalb des Wohnhauses mit dem Abteufen eines neuen Erkundungsschachts von zirka 8 m Teufe beginne. Am 8. April übersandte Dieseldorff die Abschrift der Eintragung der Gesellschaft ins Handelregister an die Berginspektion und teilte zugleich mit, daß mit dem Erkundungsschacht bereits in 2 ½ m Teufe „Erz angefahren“ worden sei und daß er den Bergingenieur Karl Ermisch aus Freiberg als Betriebsleiter angestellt habe (40170, Nr. 492).

Letzterer blieb nicht lange in dieser Funktion, denn schon ab 1. Juni 1903 wurde sie von Dieseldorff dem Freiberger Bergschüler Ernst August Siegel, der zuvor als Steiger in Zwenkau tätig war, übertragen. Das Landesbergamt bestätigte dessen Anstellung am 6. Mai 1903.

Dieseldorff's neuer Betriebsplan vom Mai 1903 sah vor, den Schacht saiger auf 30 bis 40 m Teufe weiter niederzubringen. Übertage sollte der Schachtkopf um 2 m aufgesattelt und eine „Laufbahn“ für den Aufhaldung der Berge und den Abtransport des Erzes errichtet werden. Außerdem sollte der Schacht den neuen Namen „Segen Gottes Schacht“ bekommen.

Berginspektor Roch stimmte dem Plan zu, wobei er jedoch darauf verwies, daß der Gang nach seiner Beobachtung ein Einfallen von etwa 80° besitze, wodurch der Schacht ins Nebengestein einkomme und man einen Querschlag treiben müsse, um das Erzmittel wieder anzufahren.

    


Grundriss des August Herberg'schen Anwesens zu Äussertsmittellsohland / Spree. Aufgenommen, berechnet und zugelegt von Bergingenieur Karl Ermisch, Dezember 1902 bis Februar 1903. Kop. im Juni 1903 von H. Wüstner, gepr. von H. Gretschel. Letzterer war um diese Zeit als Rißarchivar im Landesbergamt in Freiberg tätig. Und wir haben nun eine begründete Vermutung, von wem diese Fotos ursprünglich stammen könnten. Herr Ermisch taucht übrigens nur wenige Jahre  später wieder in dieser Geschichte auf... Bildquelle: Sächsisches Staatsarchiv, Bergarchiv Freiberg, Bestand 40044-1 (Generalrisse), Nr. K18609, Gesamtansicht, Norden ist rechts oben.

Link zum Digitalisat:  archiv.sachsen.de/archiv

   


Ausschnitt aus obigem Riss. Die beiden Punkte östlich des Rosenbachs (im Bild rechts unten) sind die Grenzsteine der sächsisch- böhmischen Landesgrenze. Direkt am Bach gegenüber steht der „Triangulationspunkt A
1“. Das könnte eine der Meßstangen aus dem Foto oben gewesen sein... Das Schachtauge ist schwarz dargestellt. Links am unteren Rand des Ausschnitts ist das Mundloch des „ehemaligen Stollens“ verzeichnet, links der Scheune ein Schurf. An den vom Schacht ausgehenden Bleistiftlinien erkennt man, daß Herr Ermisch wohl das Streichen des im Schacht aufgeschlossenen Ganges nach Nordosten zu projizieren suchte.

   


Die Schnittdarstellung aus obigem Riss in die Horizontale gedreht. Der Bergingenieur hat hier drei Saigerschnitte hintereinander gezeichnet, um ein räumliches Bild zu erhalten. Der farblichen Hinterlegung halber sind die zwei Streckenaugen im Schacht schlecht zu erkennen. Links in der Böschung unterhalb des „Erzschuppens“ sieht man das Mundloch des „ehemaligen Stollens“, im mittleren Schnitt rechts ist der Schurf als „Anbruch an Herberg´s Scheune“ beschriftet. Die Darstellung erinnert an einen anderen
 Riß.

Die Legende rechts lautet:

gelb dargestellt, dl: Feinsandiger Lehm, bisweilen lößartig.
rot dargestellt, Gtf: Feinkörniger Lausitzgranitit vom Hainspacher Typus.
Gtf
I: Imprägnationen von Magnetkies im Granitit am hangenden Salband des Proterobas- Ganges.
dunkelgrün dargestellt, D: Proterobas (Diabas mit primärer Hornblende).
Z: Grusig- lehmiger Schutt, unter dl lagernd.
dunkelbraun dargestellt, DEo: grusig zersetzter Proterobas mit magnetischen Kupfererzen, Chalkosin und Limonit.
DEcu: Erze der, ob schon Sulfidzone, relativ reich an Kupferkies. Gangartige Anreicherung von Chalkosin.
M: Derber Magnetkies, oft kugelig- knollig.
DM: Proterobas der Sulfidzone, wesentlich Magnetkies.

Zu den damals üblichen Gesteinsbezeichnungen siehe auch unseren Abschnitt zur  Geologie.

     

Derweil wandte sich auch Herberg am 10. März und nochmals am 20. April 1903 mit der Befürchtung, daß der Abbau sein Wohnhaus und überhaupt sein Grundstück schädigen könne, erneut an die Berginspektion. Möglicherweise wurde ihm der Aktivitäten Diesedorff's halber inzwischen Angst und Bange... Am 30. April bat er die Bergbehörde nochmals um eine schriftliche Stellungnahme (40170, Nr. 492).

An das Landesbergamt gerichtet, schrieb Inspektor Roch dazu nieder, daß „in Anbetracht der außerordentlichen Gesteinsfestigkeit“ keine Bedenken zu einer Unterfahrung des Herberg’schen Wohnhauses in 30 m Teufe geltend zu machen seien. Anders sähe es bei Firstenbauen aus: Dieseldorff sei aufzutragen, mindestens 20 m Bergefeste unter dem Haus zu belassen. Außerdem ist auch ein Schachtsicherheitspfeiler von 5 m Radius um den Schacht zu belassen, weswegen am besten mit dem Abbau erst außerhalb der Herberg’schen Grundstücksgrenzen zu beginnen sei. Wenn sich der Abbau weiterhin als lohnend erweise, könne die Gesellschaft das Gebäude ja auch erwerben, abtragen und den Besitzer entschädigen.

Das wiederum paßte Herrn Dieseldorff gar nicht. In seiner Erwiderung auf die Betriebsplanzulassung heißt es, die Sicherheitspfeiler seien überdimensioniert, zumal ja auch Herberg bereits viel tagesnäher Erz abgebaut habe. Außerdem ersuchte Dieseldorff diesbezüglich um persönliche Vorsprache im Bergamt und beschwerte sich anschließend am 16. Juni 1903 schriftlich darüber, daß bei diesem Gespräch keine Einigung erzielt worden sei, ihm also die Sicherheitspfeiler vorgeschrieben blieben, während dies bei Herberg’s Versuchsarbeiten nicht der Fall gewesen sei.

Am 20.6.1903 richtete auch Herberg noch ein weiteres Schreiben an das Kgl. Sächs. Finanzministerium, in dem er darum bittet, sein Grundstück vor Schäden durch den tagesnahen Abbau der Erze zu schützen. Darin schrieb er wörtlich, daß Dieseldorff sich seine (Herberg’s) Unterschrift auf dem Sozietätsvertrag „durch erlogene Angaben erwarb.“ Der Streit weitete sich also aus...

Das Landesbergamt veranlaßte daraufhin eine erneute Grubenbefahrung, über die Inspektor Roch am 26. Juni 1903 ausführlich Bericht erstattete. Demnach existierte der von Dieseldorff in Rede gestellte, tagesnahe Abbau tatsächlich. Derselbe war in 12 m Teufe nach West angesetzt und stieg unregelmäßig etwas an. Als Ausbau waren „starke Spreizen“ in 2 bis 3 m Höhe geschlagen und z. T. mit Pfosten abgedeckt. Ein Teil des Hohlraums war mit Bergen wieder ausgesetzt. Übertage reichte er im Streichen bis unter den Erzschuppen. „Dieser, sowie der Schacht scheinen dem Unterzeichneten in Hinblick auf die große Gesteinsfestigkeit nicht gefährdet,“ erklärte Roch. Herberg, hierzu befragt, gab an, daß der Bau unter der Leitung Krumbiegel's im Vorjahr aufgefahren worden sei. Roch hielt Herberg dabei Unkenntnis der Rechtslage zugute.

Herberg selbst schreibt am 8. Juli 1903 dazu noch an das Bergamt, daß nach seiner Erinnerung die Höhe aus dem gelockerten Zustand der dort anstehenden Erze resultiert habe, woraufhin Krumbiegel die Firste habe nachreißen lassen. Dieseldorff hingegen habe ihn mit „für mich aussichtsvollen Bemerkungen zum Abbau der Erze veranlaßt“, sonst hätte er es wohl unterlassen. Er dagegen habe schon immer eine Gefährdung seines Grundstücks durch den tagesnahen Abbau befürchtet.

   

Einem Schreiben Carl Hauptmann’s vom 15. Juli 1903 an die Berginspektion, die Einstellung Krumbiegel's als Aufsicht betreffend, kann man entnehmen, er, Hauptmann, könne sich erinnern, „daß beim Herberg’schen Streckenbetrieb die Massen am First, weil zu lose, entfernt werden mußten, um den Betrieb vor Unfällen zu schützen; ein Vorgehen, das, soviel ich weiß, von dem damaligen Berginspektor Seemann bei zwei Revisionen in keiner Weise gerügt worden ist...“ (40170, Nr. 493, Blatt 32)

Auf dem Briefbogen findet man daneben allerdings einen handschriftlichen Vermerk dazu: „Seemann hat den ,Abbau´ nie gesehen.“

Tatsächlich haben auch wir darüber nichts in dessen Fahrberichten gefunden.

In seiner Stellungnahme zur Anstellung Krumbiegel's bei Hauptmann vom 4. August 1903 antwortete Inspektor Roch aber dann auch auf diesen Hinweis Hauptmann's ‒ mit dem jener eigentlich ja Krumbiegel nur lobend hervorstellen wollte: „Der firstenbauartigen Erhöhung der Streckenfirste dürfte vielmehr ein vom Betriebsunternehmer gehegter Wunsch nach Erzgewinnung zugrunde liegen, (...) weil, wenn wirklich die Firste nicht fest gewesen sein sollte, gehöriger Streckenausbau das Hereinnehmen des Erzes in dem geschehenen Maße hintenangehalten haben würde.“

  


Etwas vergrößert die zugehörige kleine Skizze Roch's zu dem Abbau aus seinem Bericht.
Quelle: Sächsisches Staatsarchiv, Bergarchiv Freiberg, Bestand 40170, Nr. 492, Blatt 126b.

Link zum Digitalisat:  archiv.sachsen.de/archiv

   

Am 13. Juli 1903 nahm Dieseldorff dem Finanzministerium gegenüber bezüglich der Eingabe Herberg's vom 20.6.1903 Stellung. Nach seiner Darstellung habe Prof. Uhlig manetometrische Messungen sogar in Herberg's Wohnzimmer ausgeführt. Herberg habe in 15 m Teufe auch eine Strecke nach Ost angesetzt und deren Vortrieb nur deshalb eingestellt, weil der Absatz stockte und weil er, „irriger Weise allerdings,“ wie Dieseldorff formulierte, eine Gefährdung seines Hauses befürchtete. Herberg selbst habe – in der Hoffnung auf Gewinn aus dem Verkauf des Erzes –  schon an einen Verkauf seines dem Abbau quasi im Wege stehenden Hauses an die Bergwerksgesellschaft gedacht und dies gegenüber Dieseldorff und seinem ersten Betriebsleiter Ermisch auch geäußert. Ein Kaufangebot durch Dieseldorff habe Herberg aber bis jetzt abgelehnt. Umgekehrt sehe der Gesellschaftervertrag aber auch vor, daß Herberg eventuelle Schäden aus der Gesellschaftskasse ersetzt würden.

Dieseldorff vermutete daher, daß Herberg weitere Kaufangebote erhalten habe und deshalb nun aus dem Vertrag wieder aussteigen wolle. Das Finanzministerium leitete den Schriftverkehr zunächst an das Landesbergamt „zur gutachterlichen Aussprache“ weiter... (40170, Nr. 492).

   

Bergbautechnisch hingegen lief es bei Dieseldorff und seinem neuen Obersteiger Siegel recht ordentlich ab: Die Gewerbeaufsicht hatte die Sprengstoffgenehmigung für 150 kg Dynamit erteilt und da auf dem Schacht inzwischen 9 Mann angelegt waren, wurde auch eine Betriebsordnung entworfen und dem Bergamt zur Prüfung vorgelegt. Am 8. August 1903 teilt Dieseldorff der Berginspektion mit, daß der tagesnahe Abbau und die beiden Querörter wieder mit Bergen ausgesetzt seien.

Andererseits beschwerte sich Steiger Siegel am 12. Juli 1903, Dieseldorff habe ihm Vorwürfe wegen zu großen Holzverbrauchs bei der Schachtzimmerung gemacht. Der damalige Bergamtsreferendar Spitzner, der namens der Berginspektion III die Grube besichtigte, bestätigte ihm aber, daß der Ausbau in Ordnung und der Abstand der Gevierte mit 0,5 m „in Anbetracht des gebrächen Diabases im südlichen langen Stoß gut bemessen“ sei.

Auch nach dem Fahrbericht von Inspektor Roch vom 20. Juli 1903 hatte der Schacht jetzt 17 m Teufe erreicht und stehe oben in Bolzenschrotzimmerung, im festen Anstehenden seien nur Einstriche und Jöcher verbaut, was „anscheinend vollauf genügt“. Das Abteufen „schreitet rüstig voran und bewegt sich zum großen Theile im anstehenden Erze bester Beschaffenheit.“

   

Am 8. Juli 1903 kündigte Dieseldorff bei der Berginspektion den Einbau einer zweizylindrigen Pumpe für die Hebung von 400 Litern pro Minute an. Außerdem wolle er vorher noch zwei Querörter aus diesem alten Abbau heraus treiben lassen, um wichtige Aufschlüsse über die Erzführung zu erlangen (40170, Nr. 492).

In der Jahrbuchausgabe auf das Jahr 1903 wurde ebenfalls über den Fortgang des Aufschlusses  berichtet: Da die beiden Schächte von Herberg und von Hauptmann in Sohland natürlich schnell das Niveau der Talsohle des Rosenbachs unterteuft hatten, mußten die zusitzenden Wasser von Kreiselpumpen mit elektrischem Antrieb gehalten werden; der hierzu nötige Strom wurde von einer Zentrale in Neusalza bezogen.

Im Laufe des Jahres 1903 hatte Herberg's Fundschacht also nun eine Tiefe von 17,5 m erreicht (Veselý, 2009). So, wie oben schon zu lesen war, wird Herberg's Fundschacht auch noch in der Bergschadenkundlichen Analyse zu diesem Bergbaustandort von 1975 (40073-1, Nr. 30) beschrieben. Demnach hatte Herberg seinen Schacht zum Zweck der Erzförderung tagesnah auf ein Profil von 5,0 m x 1,6 m erweitert. 1902 hatte der Schacht eine Teufe von 15,8 m bis Pumpensumpf erreicht. In 11,5 m und 15,5 m Teufe waren zwei Sohlen angeschlagen und Strecken bis zu 17,5 m weit vor allem in westliche Richtung vorgetrieben.

Insgesamt wurden schon in den Anfangsjahren durch Herberg etwa 60 m² Gangfläche abgebaut. 1903 wurde der Schacht dann um etwa 2 m aufgesattelt und im Profil 3,5 m x 1,4 m bis auf 24 m Teufe weiter abgesenkt. Die obere Sohle hatte bei 23 m Länge dabei das Ende der Derberz- Zone erreicht, also wurde nun eine 2. Sohle weiter vorgetrieben und der Abbau dorthin verlegt.

  


Profildarstellung des Erzlagers im Herbergschacht von Prof. Beck, G.. Granitit (Granodiorit), D.. Diabas (Nebentrümer), P.. Proterobas (Mikrogabbro), M.. Magnetkieslager (schwarz dargestellt), hellgrau schraffiert der Eiserne Hut. Im Süden liegt das Tal des Rosenbaches, von dort aus ist hier auch ein Versuchsstollen eingezeichnet, der jedoch das eigentliche Erzmittel nicht erreicht hatte. Aus: Ztschr. d. d. geol. Gesellschaft, 55, 1903.

 


Aufschlußsituation in Herberg‘s Fundschacht, 1903 bis zu einer Tiefe von zirka 15 m unter Gelände (untere Streckensohle) niedergebracht, aus: Ztschr. d. d. geol. Gesellschaft, 55, 1903.

    

Hinsichtlich wirklicher Erzfunde hatte neben Carl August Herberg lediglich Carl Hauptmann auf seinem Grundstück am anderen Ufer des Rosenbaches ebenfalls Glück. Anhand der vorhin schon erwähnten, geomagnetischen Messungen hatte Prof. Uhlig damals festgestellt, daß sich der Erzgehalt im Proterobasgang nach Westen erniedrige, nach Osten (zur tschechischen Seite hin) aber fortsetze.

Etwa 130 m östlich von Herberg's Fundschacht und nur 5 m neben dem dortigen Mühlgraben, sowie 30 m westlich der Landesgrenze setzte daraufhin der Sohlander Landwirt und Fabrikant (und spätere Gemeindevorstand) Carl Hauptmann einen eigenen Schacht an (40170, Nr. 493).

Dieser Schacht hatte bei einem Profil von 3,8 m x 1,20 m (nach einer anderen Quelle waren es 4,0 m x 2,05 m) bis Ende 1901 eine Teufe von 6,5 m erreicht. Hauptmann hatte seinen Fundschacht zunächst im Fallen des Erzmittels (etwa 80°) geteuft. Dann wurde er in 6,5 m Teufe um 1,5 m seitlich abgesetzt und mit nur noch 2,5 m x 1,85 m Profil saiger weiter verteuft. Die Schießarbeiten wurden auch bei Hauptmann vom Brunnenbauer Carl Hentschel ausgeführt.

Am 8. September 1902 zeigte Hauptmann dem Bergamt in Freiberg an, daß der Doppelhäuer Moritz Reinhard Krumbiegel, der bislang bei ihm die Arbeiten beaufsichtigt hatte, wieder abgehe, da dieser nur bis 1. Oktober 1902 von der Himmelfahrt Fundgrube in Freiberg, wo er sonst tätig war, beurlaubt sei. Deshalb wolle er Carl Hentschel die Betriebsleitung übertragen. Das wurde von der Berginspektion aber nur „interimistisch“ genehmigt und Hauptmann aufgefordert, einen bergmännisch ausgebildeten Betriebsleiter anzustellen.

Erst am 15. September 1902 besuchte auch Berginspektor Rochmit Rücksicht auf die Verordnung über die Betriebsaufsicht von 1900 gelegentlich einer Revision des Herberg'schen auch den Hauptmann'schen Schacht,“ nachdem ihm „aufgrund des Besuchs des Professors Beck bekannt geworden sei, daß Hauptmann auf demselben Gang einen Schacht niederbringe.“

Diesem Fahrbogen zufolge hatte der Schacht jetzt eine Teufe von 9,5 m erreicht. Der Ausbau des Schachtes durch Hentschel wurde von Roch bemängelt und sei nicht bergmännisch erfolgt, „genügt aber vor der Hand.“ Übertage war der Schacht mit einer einfachen Haspel ausgerüstet und nur mit einer hölzernen Barriere gesichert; es solle aber demnächst eine Kaue über dem Schacht errichtet werden. Da Hauptmann nur 340 m entfernt wohne, könnten die derzeit 4 Arbeiter und der Aufseher Krumbiegel bei ihm Waschgelegenheit finden. Zur Sprengstofflagerung nutzte Hauptmann Herberg's Niederlage.

Weiter berichtete Inspektor Roch: „Nach der Teufe zu hatten die Magnetkieseinsprengungen im Ganggestein von einer Mächtigkeit von beinahe 2 m an Dichte zugenommen, und es scheint nicht ausgeschlossen, dass nächstens wie in der Herbergschen Grube derbes Erz erteuft wird.“ 

Das zusitzende Wasser wurde bereits mit einer elektrischen Zentrifugalpumpe gehalten. In diesem Zusammenhang fragte die Amtshauptmannschaft Bautzen im Landesbergamt an, ob es sich bei Hauprmann's Schacht denn nicht um eine Bergbauanlage handele, so daß die Berginspektion auch die Aufsicht über die elektrischen Anlagen inne habe. Aufgrund der Nähe zur Landesgrenze sei vonseiten der Bergbehörde aber unbedingt eine markscheiderische Aufnahme vorzuschreiben, sobald mit Streckenvortrieb begonnen werde.

   

Bis Ende 1902 wurde der Schacht noch bis auf eine Teufe von 16,5 m niedergebracht. Am 27. September 1902 teilte Hauptmann der Berginspektion aber erst einmal die vorläufige Einstellung seiner Untersuchungsarbeiten, voraussichtlich jedoch höchstens bis Mai 1903, mit (40170, Nr. 493).

Bereits am 20. November teilte er dann aber mit, daß er die Aufschließungsarbeiten wieder aufnehme. Jetzt sollte „auf gemeinsame Rechnung“ mit dem Fabrikanten Ernst Hantusch auf dessen Nachbargrundstück ein weiterer Schurfschacht abgesenkt werden. Auch diese Arbeiten wurden aber sehr bald „aufgrund der eingetretenen, grimmigen Kälte“ wieder eingestellt, wie Hauptmann am 10. Dezember 1902 an die Berginspektion schrieb.

Von seiner nächsten Revisionsreise zu Hauptmann's Grube berichtete Berginspektor Roch am 14. März 1903, daß der Schacht noch immer außer Betrieb stand. Hauptmann habe noch keine Entschließung über eine Wiederaufnahme der Teufarbeiten gefaßt und wolle warten, bis sich die bergrechtlichen Verhältnisse geklärt hätten.

Am selben Tag schrieb Carl Hauptmann an den Inspektor:

Sehr geehrter Herr Berginspektor !

Es wird sie interessieren, daß die Ausbeutung des hiesigen Nickelerzlagers nunmehr vor sich gehen wird.

Die Differenzen zwischen Herberg und Dr. Dieseldorff sind durch Eingreifen Sr. Exzellenz von Nostitz- Naheit, des hiesigen Gutsherrn, geschlichtet worden. Die Herberg’schen Erze werden nunmehr durch die Firma Dieseldorff & Co. unter Leitung des Doctors abgebaut.

Herr Dr. Dieseldorff will die ganze Sache unter einen Hut bringen und trat an Hantusch und mich heran, ihm das Abbaurecht zu überlassen gegen Tonnengeld, und zwar für die Tonne aufbereitetes Erz 3,- Mark, auf meine Frage nach dem Verhältnisse zum Roherz sprach er sich nicht klar aus… Maschinen zur Aufbereitung sollen in nächster Zeit aufgestellt werden.“

Über die Streitigkeiten zwischen den Partnern haben wir ja  oben schon gelesen. Auch die Verhandlungen zwischen Dr. Dieseldorff, Hauptmann und Hantusch gingen im April 1903 weiter; Dieseldorff bot nun 4,- Mark pro Tonne Roherz bei mindestens 5% Nickelgehalt. Derweil ruhte der Abbau bei Hauptmann. Zu diesem Umstand steht auch in Roch’s Fahrbericht vom 23. Mai 1903, daß sich die Nachbarn Hauptmann und Hantusch mit Dr. Dieseldorff & Co. nicht einig geworden seien.

Im Juni 1903 zeigte Hauptmann dann der Berginspektion an, daß er nun selbst den Betrieb wieder aufnehmen wolle. Als Aufsicht wolle er M. R. Krumbiegel wieder einstellen, zunächst den Schachtkopf um 1 m aufsatteln und dann mit einer Kaue überbauen.

Etwa 60 m nördlich vom Schacht und 120 m von Hantusch's Gebäuden entfernt wollte Hauptmann auch eine eigene Sprengstoffniederlage einrichten. Die im Genehmigungsantrag vom 20. Juni 1903 enthaltenen Skizzen, teils von Hauptmann selbst, teils von Inspektor Roch gezeichnet, dazu sind nicht uninteressant und könnten einen Hinweis auf den Ursprung einiger noch auffindbarer  baulicher Reste im Gelände geben. In Hauptmann's Grundriß (folgende Grafik) ist mit A. und B. je eine Holztür, mit C. eine starke Eisentür bezeichnet. Nach der Beschreibung im Text wurde das „Dynamit- Magazin“ von Hauptmann massiv ausgeführt und „in einem Bogen überwölbt.“ (40170, Nr. 493).

   


Links Grundriß, Zeichnung von Carl Hauptmann, und rechts Schnittdarstellung, Skizze von Berginspektor Roch, der Hauptmann'sche Sprengstoffniederlage von 1903. Quelle: Sächsisches Staatsarchiv, Bergarchiv Freiberg, Bestand 40170, Nr. 493, auf Blatt 30b und auf Blatt 31.

Link zum Digitalisat:  archiv.sachsen.de/archiv

   

Nach dem Fahrbericht Roch's vom 24. Juni 1903 war inzwischen eine einfache hölzerne Kaue über dem Schacht fertiggestellt (40170, Nr. 493). Im Bericht vom 10. August 1903 liest man, daß auf der Hauptmann'schen Erzgrube wieder 3 Mann angelegt waren, der Schacht nun eine Teufe von 11,5 m erreicht habe und auch die Haspel war in Ordnung gebracht.

Das Verhältnis der bergbautreibenden Nachbarn blieb derweil ungeklärt. Hauptmann beschwerte sich sogar schriftlich gegenüber der Berginspektion darüber, daß „der Nachbar, Herr Dr. Dieseldorff, (...) anscheinend bemüht ist, mir und Hantusch das Unternehmen nach Möglichkeit zu erschweren.“

Auch der Berginspektor berichtete in Zusammenhang mit der Wiederaufnahme des Abbaus dazu: Hauptmann gab an, mit der Firma Dr. Diesedorff & Co. nicht gemeinsame Sache machen zu wollen, zumal ihm Dieseldorff gesagt hätte, daß er ihm – Hauptmann – sowie das Allgemeine Berggesetz für die Oberlausitz, bzw. für Sohland Geltung erhielte, das in Frage kommende Grubenfeld wegmuten würde und wenn es nötig sei, mehrere Dienstmänner mit gleichlautenden Mutungen vor dem Königlichen Bergamte zu Freiberg postieren wolle, welche mit dem Glockenschlag 12 Uhr nachts, sowie das Allgemeine Berggesetz die bewußte Geltung erlange, die Mutungen abgeben würden.“

Dieseldorff's immer aggressiveres Vorgehen trug jedoch keine Früchte.

Am 20. Oktober 1903 schrieb Hauptmann an Inspektor Roch, er habe sich mit Herberg verständigt und Herrn Dr. Dieseldorff dessen Anteil an der Firma Dr. Dieseldorff & Co. abgekauft. Herr Hantusch hatte sich am Kauf beteiligt und hielt die zweite Hälfte der Anteile. Der Verkauf wurde dem Landesbergamt am 19. Oktober auch von Dieseldorff's Gesellschaft brieflich bestätigt.

Die Vertretung nach außen hin sowie den kaufmännischen Teil innerhalb der Geschäftsführung übernahm Hauptmann selbst, Ernst Hantusch blieb die längste Zeit immer nur „stiller Teilhaber.“ Die technische Betriebsleitung behielt Obersteiger Siegel. Auch Krumbiegel sollte als Steiger bei der neuen Gesellschaft im Besitz beider Schächte angestellt bleiben.

Ein ungefähr gleichlautendes Schreiben sandte Hauptmann am 24. Oktober auch an das Königliche Landesbergamt zu Freiberg. Darin ist außerdem die gewählte Firmenbezeichnung Hauptmann, Herberg & Co. der neuen Gesellschaft genannt.

Bereits am 2. November 1903 meldeten sich Hauptmann und Siegel zu einer persönlichen Vorsprache im Landesbergamt an, um ihren neuen Betriebsplan vorstellen zu können. Dieser auf den 3. November datierte Plan sah vor, beide Schächte weiter zu verteufen und zugleich „in der geringsten, als zulässig erachteten Teufe“ einen Querschlag zwischen Herberg's und Hauptmann's Schacht aufzufahren. So solle die Wetterführung verbessert und der Hauptmannschacht künftig vorrangig als Flucht- und Wasserhaltungsschacht dienen können. Das Landesbergamt legte nur fest, daß der Querschlag noch 2 m tiefer, als von Obersteiger Siegel geplant, verlaufen solle und genehmigte dann den Plan (40170, Nr. 493).

Bis Ende 1903 wurde der Hauptmann'sche Schacht noch bis auf 19,5 m unter Geländeoberfläche abgesenkt. Da der Gang ja nicht genau saiger einfiel, schlug der Schacht dabei wie erwartet aus dem Erzmittel heraus in den Granodiorit ein, so daß bei 13,3 m Teufe ein Querschlag nötig wurde, um das Erzmittel seitlich wieder anzufahren (Veselý, 2009).

An der nächsten Befahrung der Grube durch den Berginspektor Roch am 1. Dezember 1903 nahm sogar der Bergamtsrat Wappler aus Freiberg persönlich teil (40170, Nr. 493). Der Fahrbericht hierzu wurde erst am 18. Januar 1904 abgefaßt. Noch im Jahr 1903 hatte demnach Hauptmann, Herberg & Co. den Schachtausbau nahezu vollendet, sowie einen 16 m langen Anbau an der Schachtkaue errichtet, der als Scheidebank diente. Auch der Querschlag zwischen den Schächten in 22 m Tiefe wurde vom Hauptmannschacht aus aufgenommen und war bereits um 4 m ausgelängt.

  

Nach Osten traf man im Hauptmann'schen Schacht zunächst keine Vererzung mehr an. Wohl deshalb blieb das ehrgeizige Projekt dieses Wasserlösestollens, der beide Schächte verbinden sollte, zunächst unvollendet (Veselý, 2009). Der Durchschlag wurde erst später und auf anderem Wege durch die Nickelbergbau Syndikat GmbH, bzw. deren Pächter, Carl Bing, erreicht. Danach wurde diese Sohle auch als Herberg- Strecke“ bezeichnet.

  


Drei Profilskizzen durch die Nickellagerstätte zu Äußerst- Mittel- Sohland, Gesamtansicht. Bildquelle: Sächsisches Staatsarchiv, Bergarchiv Freiberg, Bestand 40040, Nr. K791, ohne Datierung.

Diese Darstellung mit den drei hintereinander gezeichneten  Schnitten haben wir doch schon einmal gesehen... Sie dürfte aus Bergingenieur Ermisch's Feder stammen.

 


Ausschnitt aus obiger Darstellung mit Herberg's Fundschacht. Außerdem finden wir unter Herberg’s Scheune einen „Stolln auf Schöne’s Wiese“ und noch einen weiteren Schurfschacht am Westufer des Rosenbaches „auf Herberg’s Wiese“. Bildquelle: Sächsisches Staatsarchiv, Bergarchiv Freiberg, Bestand 40040, Nr. K791.

  


Auf der Osthälfte dieses Schnittes ist auf böhmischer Seite auch der spätere Rosenhainer Schacht schon eingetragen und hier als „Richter’s Schurfschacht“ bezeichnet. Im Tal, unmittelbar neben Hantusch’s Mühlgraben, lag Hauptmann‘s Schacht - dazwischen verläuft die Landesgrenze. In der Talaue ist noch ein weiterer Schurfschacht verzeichnet. Bildquelle: Sächsisches Staatsarchiv, Bergarchiv Freiberg, Bestand 40040, Nr. K791.

 

Der Verkauf der geförderten Nickelerze erfolgte sowohl von A. Herberg, als auch später durch Dr. Dieseldorff an das Staatliche Blaufarbenwerk Oberschlema (40136, Nr. 110 und 116).

Am 9. Februar 1904 reiste Obersteiger Siegel wieder persönlich nach Freiberg und beantragte beim Bergamt weiteren Erzabbau in dem alten Herberg'schen, westlichen Firstenbau beim Herberg’schen Segen Gottes Schacht. Zur Begründung gab er an, daß beim Königl. Blaufarbenwerk in Niederschlema in nächster Zeit „mit dem Sohlander Erz ein umfassender Versuch angestellt werden“ solle, wozu allerdings eine größere Menge Erz erforderlich sei, als die Streckenörter derzeit liefern könnten.

Dazu wollte Siegel aus dem Firstenbau heraus, an dessen westlichem Ende, ein Überhauen bis zu Tage, direkt in Herberg's Erzschuppen, durchschlagen. Die Wahl dieses Punktes begründete er mit der möglichen Nutzung als zweiter Fluchtweg für den Herberg'schen Schacht, solange der Querschlag zum Hauptmannschacht noch nicht durchschlägig sei. Nach Osten, zum Schacht hin, sollte aber ein 10 m breiter Sicherheitspfeiler bleiben.

Nach dem letzten, in dieser Akte enthaltenen Fahrbericht vom 15. März 1904 ist das zumindest bis dahin aber unterblieben, weil auch dort die Erzführung schnell abnehme (40170, Nr. 493).

  

Die beiden im Text oben bereits genannten Fundgrübner sind auch in den Mitteilungen über die unterirdischen gewerblichen Gruben in den Jahrbüchern dieser Zeit, und zwar jeweils im Abschnitt E. Erzgruben aufgeführt. Dort ist zu lesen:

A. Herberg, Lohgerber in Sohland, hatte Herberg´s Erzgrube am 22. November 1902 an die Dr. Arthur Dieseldorff & Co. in Sohland veräußert, welche ihrerseits als Betriebsleiter und Obersteiger E. A. Siegel angestellt hatte (40071-1, Nr. 30). Der Herberg'sche Fundschacht wurde unter Dieseldorff's Leitung in Segen Gottes Schacht umbenannt (40170, Nr. 492).

K. Hauptmann, Leinwand- Fabrikant und Ökonom in Sohland, war der Besitzer von Hauptmann´s Erzgrube und hatte als Betriebsleiter und Steiger zunächst M. R. Krumbiegel angestellt. Die Grube wurde später unter dem Namen Sohlander Bergsegen eingetragen (40170, Nr. 492 und 493).

  

Offensichtlich begannen die „Bergbaulustigen“ also ‒ aller Mühen und Streitigkeiten ungeachtet ‒ sofort mit der Gewinnung der tagesnah erreichbaren Vorkommen.

Zur wirtschaftlichen Lage des Bergbaus kann man im Jahrbuch 1904 lesen: „Bei dem allerdings 1903 noch nicht unter das Allgemeine Berggesetz fallenden Abbau des in der Gegend von Sohland gelegenen, im Jahre 1901 aufgedeckten nickelhaltigen Magnetkieslagers wurden im Berichtsjahre 355 t solcher Kiese gewonnen; die Tonne Erz wurde mit 12 bis zu 53 M. bezahlt“ und im Kapitel zur wirtschaftlichen Lage wurde 1903 im Jahrbuch sogar von einer noch größeren Fördermenge berichtet:

Die im vorjährigen Berichte erwähnte Auffindung von Nickelerzen in Sohland (sächsische Oberlausitz) hat zu lebhafteren Schürfungen in der dortigen Gegend geführt; es ist im Berichtsjahre bereits ein zweites auf den Abbau von Nickelerzen gerichtetes Unternehmen ins Leben getreten. In diesem Jahre wurden rund 950 t Erze*) gewonnen, die zu ⅔ recht guten Absatz gefunden haben. Auf die rechtlichen Verhältnisse dieser zunächst nicht unter das Allgemeine Berggesetz fallenden Unternehmungen werden voraussichtlich die Entschließungen der nächsten Ständeversammlung von einschneidendem Einfluß sein.“  Damit sind die Verhandlungen über die Inkraftsetzung des Allgemeinen Berggesetzes für das Königreich Sachsen auch in der Oberlausitz gemeint.

*) Anhand einer allerdings nur teilweise veröffentlichten Zusammenstellung der Berginspektion III über die gewerblichen Gruben für die Ausgaben der Jahrbücher für das Berg- und Hüttenwesen Nach dieser Zusammenstellung habe tatsächlich im Jahr 1902 allein Hauptmann 150 t und Herberg weitere 800 t Nickelerz gefördert, mithin würde diese Angabe im Jahrbuch stimmen. Das wäre natürlich auch nicht verwunderlich, war diese Zusammenstellung doch die Grundlage für die Veröffentlichung im betreffenden Jahrbuch (40024-12, Nr. 15).

Anhand der Akten der Staatlichen Bergwirtschaftsstelle (40030-1, Nr. 772ff) kommt man aber zu einem anderen Schluß: Bei dieser Angabe zur Fördermenge A. Herberg's hat man nämlich die der drei Jahre von 1900 bis 1902 einfach zusammengerechnet. Die Jahresförderung lag nach dieser Quelle nur bei maximal 355 t, was sich auf die Förderung durch die Gesellschaft Dr. Dieseldorff & Co. im Jahr 1903 bezogen hat; für eine solch kleine, private Grube freilich immer noch eine ganz beachtliche Menge darstellt.

 


Selbst in Meyer's Konversationslexikon fand der Erzfund Eingang: Auf dieser Karte in der 6. Auflage des bekannten Nachschlagewerkes, die im Zeitraum zwischen 1902 und 1908 erschienen ist, sind die Kupfer- und Nickel-Erzvorkommen bei Sohland verzeichnet. Bildquelle: Sammlung F. Koch, Sohland.

  


Die Ausgabe der Meßtischblätter von 1904 dagegen war wohl gerade eben schon gedruckt und enthält noch immer keine Eintragungen über den ja gerade erst aufgenommenen Bergbau.

  

Bei seiner Befahrung am 11. Juni 1904 hielt Berginspektor Roch fest, daß übertage auch drei jugendliche Arbeiter in der Scheidebank und beim Sortieren beschäftigt seien. Die Aushänge der betreffenden Verordnungen fehlten jedoch, was ihn zu einem Zechenbucheintrag veranlaßte. Die Firste der in Auffahrung begriffenen Verbindungsstrecke sei besser abzutreiben oder Ausbau einzubringen. Sonst war nichts zum Bergwerksbetrieb zu vermerken (40170, Nr. 491).

Aufgrund der noch unklaren Rechtslage war es auf deutscher Seite immer noch nicht zur bergrechtlich gültigen Verleihung des Erzabbaus gekommen. Wohl auch aus diesem Grunde sanken sowohl das wirtschaftliche Engagement der Eigentümer als auch die Fördermenge im Folgejahr (Jahrbuchausgabe von 1905) weiter ab.

In der Jahrbuchausgabe von 1905 steht dann zu lesen:In dem in der Gegend von Sohland gelegenen, im Jahre 1901 aufgedeckten nickelhaltigen Magnetkieslager wurden in der ersten Hälfte des Berichtsjahres noch 273 t solcher Kiese gewonnen, die Tonne Erz wurde im Durchschnitt mit 29,75 M bezahlt, der höchste Preis betrug 40 M, der tiefste 12 M. In der zweiten Hälfte des Berichtsjahres ruhte der Betrieb, weil bis zum Jahresschlüsse zu den bis dahin in Gemäßheit des Gesetzes vom 24. Mai 1904 (Jahrbuch 1904 Seite G 29), die Erstreckung des Allgemeinen Berggesetzes auf den Erzbergbau in der Oberlausitz betr., eingegangenen zahlreichen Mutungen eine Verleihung von bergamtswegen noch nicht erteilt werden konnte.“

   

Per 1. Juli 1904 trat dann das Allgemeine Berggesetz für das Königreich Sachsen endgültig auch in der Oberlausitz in Kraft. Damit waren nun die bisher grundeigenen Bergbaurechte hinfällig geworden und mußten erst neu beantragt werden. Die Auswirkung der neuen Regelung war folglich eine Fülle neuer Schürfgesuche, allein acht „in der Sohlander Gegend“, worüber man auch im Jahrbuch 1905 berichtet: 

D. Grubenbesitzer und Rechtsverhältnisse derselben.

„…Die Zahl der Anträge auf Verleihung von Bergbaurechten (§§ 32 flg., §§ 39 flg. des Allgemeinen Berggesetzes) ist im Berichtsjahre außergewöhnlich hoch gewesen; es sind 21 Mutungen bez. Nachmutungen eingegangen (1903: 7; 1902: 13; 1901: 5; 1900: 11; 1899: 14). Diese Steigerung ist dem Umstände zuzuschreiben, daß auf die in der Gegend um Sohland nachgewiesenen, nickelhaltigen Magnetkieslager infolge des am 1. Juli 1904 in Kraft getretenen Gesetzes, die Erstreckung des Allgemeinen Berggesetzes auf den Erzbergbau in der Oberlausitz betreffend, vom 24. Mai 1904 (Jahrbuch 1904 Seite C 29), im Laufe des Berichtsjahres allein 8 Mutungen eingegangen sind…

Einschließlich der aus dem Vorjahre als unerledigt übernommenen 4 Mutungen lagen im Berichtsjahre deren insgesamt 25 zur Entschließung vor; (...) unter den letzteren befanden sich insbesondere die oben erwähnten 8 Mutungen auf Grubenfelder in der Sohlander Gegend...“ 

Auch die Firma Hauptmann, Herberg & Co. legte umgehend am 1. Juli 1904 Mutung beim Landesbergamt ein. Das teilte ihnen am 6. Juli offiziell mit, daß vom 14. Juli an das Allgemeine Berggesetz auch für die Oberlausitz in Kraft trete und die Übergangsfrist 6 Monate betrage. Allerdings werde noch „lange Zeit“ vergehen, bis die Mutungen bestätigt werden, da bereits mehrere vorlägen (40170, Nr. 491).

Dieses Schreiben, das wahrscheinlich alle Muter gleichlautend erhalten haben, sorgte in Sohland für Unsicherheit. Am 10 Juli 1904 schrieben Hauptmann und Herberg an das Landesbergamt, daß der Betrieb bis zur Klarstellung der Sachlage ab dem 30. Juli eingestellt werden solle. Die Beamten Siegel und Krumbiegel würden freigestellt und das Bergamt um Unterstützung gebeten, für sie eine neue Stellung im Bergbau zu finden, während die Arbeiter während der Betriebseinstellung in den Betrieben, in denen sie früher gearbeitet haben, unterkommen würden. In der Zwischenzeit wolle man aber noch die schon vorrätigen Erze weiter verkaufen.

Die Firma betonte in ihrem Schreiben, daß ihr Bergbauunternehmen bisher auf Grundlage einer gutsherrlichen Erlaubnis nach geltendem Recht erfolgt sei und habe daher „die feste Hoffnung... durch die auf den Bergbau aufgewandten erheblichen Baarmittel ein gewisses Anrecht auf die Verleihung des gemuteten Grubenfeldes erworben zu haben.“

Nach ruhiger Überlegung“ zogen Hauptmann und Herberg am 19. Juli ihr Schreiben zurück und übergaben eine neue „verlängernde Eingabe“ persönlich an das Landesbergamt. Man wolle die „gut eingerichteten Leute“ nicht verlieren, um sich später ggf. neue suchen zu müssen. Auch der Zinsverlust für die aufgewendeten Kapitalien und Entschädigungen aus laufenden Verträgen wurden nun als Argument angeführt. Sie verwiesen nochmals darauf, daß man ja eigentlich auf eigenem Grund und Boden gebaut und daher am 1. Juli auch zwei Mutungen eingelegt habe und bat darum, „das hohe königliche Bergamt wolle gütigst für unsere Grundstücke Verleihung, bzw. provisorische Verleihung erteilen.“

Letzteres erwies sich im Nachhinein als Fehler, da das Bergamt in anbetracht der Zahl der Mutungen keinem der Muter zwei Felder zusprach.

Am 22. Juli 1904 erklären Hauptmann und Herberg dann aber erneut, daß sie per 30. Juli den Betrieb einstellen werden. Diesmal bleiben sie dabei und die Grube ersoff.

Am 6. März 1905 zeigen sie dem Bergamt an, daß sie im Segen Gottes Schacht kurzzeitig auf deren Rechnung eine Pumpe wieder in Betrieb nähmen, um den Schacht zu sümpfen und eine Besichtigung durch eine Continental Bergwerks Gesellschaft zu Dresden zu ermöglichen (40170, Nr. 491). Dabei dürfte es sich um eine ‒ ziemlich hochtrabend benannte ‒ Gesellschaft im Besitz des Herrn Reinhold Richter aus Warnsdorf gehandelt haben.

   

Die Akten des Landesbergamtes in Freiberg verraten uns die folgenden Namen der anderen Antragsteller:

  • Hermann Edwin Richter aus Zittau (Lusatia und Germania in Sohland),

  • Alfred Richter aus Görlitz in Sohland,

  • G. Ferdinand Richter aus Warnsdorf in Taubenheim/Spree,

  • Karl Heinrich Richter aus Warnsdorf in Sohland (40024-14, Nr. 453, bis 1906),

  • Reinhold R. Richter aus Warnsdorf (gleich mit etlichen Grubenfeldern unter den Namen Gertrud II und Richard I (oder Reichard) in Sohland sowie Union, Reinhold, Clara, Hertha, Gertrud I und III bei Ober- und Mittelsohland), der Name taucht außerdem als Muter des Feldes Alemannia, später Siegfried, auf (40024-14, Nr. 504),

  • Gustav Köhler und Gen. aus Sohland, (40024-14, Nr. 517 und 518, bis 1908),

  • H. C. T. Klüglein und Gen. aus Kiel (Schwarzer Busch bei Sohland, 40024-14, Nr. 516, erst nach 1908).

Aber auch die Konsortschaftliche Grubenverwaltung Schneeberg gehörte jetzt zu den Antragstellern (40099-1, Nr. 311). Bergrat Richard Tröger aus Schneeberg mutete im Auftrag der Gesellschaft das Grubenfeld Lusatia (40024-14, Nr. 517), wurde damit jedoch abgewiesen, da für dieses Feld bereits ein Antrag vorlag. Dieser Umstand muß im Nachhinein als sehr bedauerlich angesehen werden, denn die Schneeberger Konsortschaft hätte die weitere Erkundung der Lagerstätte vermutlich weitaus systematischer vorgenommen, als es die privaten Eigner der Schürfrechte bis dahin konnten.

Ob die Häufung des Namens Richter in der Aufführung oben dafür spricht, daß sich eine ganze Familie auf den Bergbau stürzte, ist uns noch nicht bekannt. Derselbe Umstand veranlaßte jedenfalls schon damals auch die Bergbehörde zur Nachfrage bei der Stadt Warnsdorf über die familiären Zusammenhänge der Personen namens Richter (40024-14, Nr. 453). Warnsdorf ist das heute tschechische Varnsdorf an der Südostecke des „Schluckenauer Zipfels“. Leider ist dieser Name nun nicht gerade selten, so daß man in den Archiven heute nur schwer noch etwas zu genau dieser Familie herausfindet.

Ein Reinhold Richard Richter und ein Alfred Gustav Richter aus Görlitz beantragten zur selben Zeit übrigens auch  Schurferlaubnisse auf böhmischer Seite der Grenze bei dem k. u. k. Bergamt in Teplitz / Teplice.

  

Über diese, in den meisten Fällen höchst spekulativen Unternehmungen findet man noch mehr Angaben aus dem Aktenbestand des Bergamtes Altenberg zu den einzelnen Gruben bzw. Grubenfeldern. So erfährt man etwa über das Grubenfeld mit dem Namen Germania (40170, Nr. 422), daß Herr Hermann Edwin Richter ‒ das spätere Feld von Sohlander Bergsegen mit dem Herberg'schen Fundschacht und dem Hauptmann'schen Schacht bekam er ja nicht zugesprochen ‒ eine Mutung über dieses Grubenfeld schon am 1. Juli 1904 beim Bergamt eingereicht hatte. Der 1904 noch ungeklärten bergrechtlichen Verhältnisse geschuldet (s. o.), erfolgte die amtliche Verleihung dieses Grubenfeldes erst am 13. Juli 1906. Das Schurfrecht galt für „alle verleihbaren Mineralien“, also formal auch für Edelmetalle, die früher dem höheren Bergregal unterlegen haben. Für die Neuzeit spielte diese Formulierung aber nicht mehr dieselbe Rolle wie früher, da die Grubenfeldsteuern nicht mehr nach höherem und niederen Bergregalt unterschiedlich festgelegt wurden.

H. E. Richter verkaufte aber schon am 6. November 1906 seine Schurfrechte weiter, und zwar an einen Direktor Wilhelm Mertens in Berlin. Dieser Herr Mertens wurde kurze Zeit später Geschäftsführer der Nickelsyndikat GmbH*) mit Sitz in Kiel und verkaufte am 26. Juli 1907 seine Schurfrechte an diese Gesellschaft weiter.

*) Kurze Anmerkung hierzu: Nach den historischen Akten (und auch da wurde es manchmal unterschiedlich geschrieben) hieß die Gesellschaft korrekt Nickel Bergbausyndikat GmbH. Im weiteren Text verkürzen auch wir ab und an den Namen zu „Nickelsyndikat“, um uns Zeilen zu sparen und meinem damit aber immer dieselbe Gesellschaft.

Bis dahin ist vor Ort überhaupt nichts passiert. Um den Forderungen der Bergbehörde nach Benennung der verantwortlichen Aufsichtspersonen für die Grube, nach Anzeige der Betriebsaufnahme und Einreichung eines Betriebsplanes gerecht zu werden, stellte die Nickelsyndikat GmbH 1907 als geschäftsführenden Vertreter vor Ort den Herrn Bergingenieur Paul Grammel und als Steiger Herrn Wilhelm Unverzagt ein. Da die Steigeranstellung vom Bergamt genehmigt werden mußte, erfahren wir noch, daß Herr Unverzagt aus Vahlberg in Westfalen stammte und in Siegen die Bergschule besucht hatte. Beide Namen werden uns noch öfter begegnen.

Herr Grammel reichte am 11. September 1907 einen vorläufigen Betriebsplan ein, nach welchem bis 1908 nur „eine Anzahl 6 bis 8 Meter tiefer Schurfschächtchen“ bis auf die Felsoberkante vorgesehen seien, aus denen heraus man dann Bohrungen zur Erkundung der Ausdehnung des Erzvorkommens stoßen wolle. Dazu seien fünf Arbeiter angestellt. Das Bergamt genehmigte diesen Plan nur zwei Tage später, wobei es in der Genehmigung heißt, daß dabei die drei Felder Germania, Siegfried und Glück Sohlandrücksichtlich der Belegung als ein (zusammenhängendes) Grubenfeld angesehen“ werden. Dazu muß man wissen, daß die Nickelsyndikat GmbH genannte Grubenfelder zur gleichen Zeit ebenfalls erworben hatte.

   

Schauen wir in die Akte zur Grube Siegfried bei Obersohland (40170, Nr. 482), dann gleichen sich die Inhalte sehr: Auch dieses Feld hatte Hermann Edwin Richter am 1 Juli 1904 gemutet und es wurde ihm am 13. Juli 1906 verliehen. Am gleichen Tag wie oben schon genannt, am 6. November 1906, wurde es an Herrn Mertens und danach ebenfalls an die Nickelsyndikat GmbH verkauft. Zuständig vor Ort wurden 1907 dieselben Herren Grammel und Unverzagt.

Innerhalb dieses Feldes lag auch der Hauptmann- Schacht, um den sich inhalts dieser Akte damals gerade Herberg und Compagnie mit der Gesellschaft Hantusch & Co. stritten. Letztere wollte den Schacht verfüllen und eine bestehende Feldbahn sowie einen Erzlagerschuppen abbrechen. Die Nickelsyndikat GmbH ließ dann 1909 eine neue, stabilere Kaue über dem Schacht errichten. Ansonsten passierte auch hier erstmal noch nichts weiter.

Die folgende Karte illustriert, welche teils ziemlich riesigen Flächen sich die Muter quasi „reserviert“ hatten, ohne überhaupt zu wissen, ob es dort tatsächlich vergleichbare Erze gab und ob diese auch wirtschaftlich abbauwürdig waren...

    


Lage der um 1904 verliehenen Grubenfelder bei Sohland. Die Legende lautet: a/grün: Glück Sohland, b/blau: Siegfried, c1 bis c3/rot: Sohlander Bergsegen, d/gelb: Germania, e/braun: Reichard. In Anbetracht der Lagerstättenverhältnisse waren die meisten dieser Grubenfelder natürlich völlig überdimensioniert - aber erstmal haben... Bildquelle: Sächsisches Staatsarchiv, Bergarchiv Freiberg, Bestand 40044-1 (Generalrisse), Nr. K18295, Gesamtansicht, Norden ist links oben.

Link zum Digitalisat: archiv.sachsen.de/archiv

  

Etwas anders lief die Entwicklung bei Glück Sohland. Wie die anderen Felder auch, erhielten die Muter am 13. Juli 1906 die Bestätigung der Verleihung durch das Bergamt (40170, Nr. 423). In der Urkunde ist als Besitzer des Bergbaurechtes eine Gesellschaft Hauptmann & Co. genannt, die sich aus den folgenden Personen zusammensetzte (in Klammern führen wir deren Anteil innerhalb der Gesellschaft auf):

  • Johann Ernst Herold, zugleich Vertreter des Besitzers (hielt 6/60 der Anteile),

  • Karl Hentschel (hielt 12/60 der Anteile),

  • Gottlieb Menzel (hielt 6/60 der Anteile),

  • Reinhold Schuster (hielt 5/60 der Anteile),

  • Gottlieb Koch (hielt 5/60 der Anteile),

  • Ernst Schöne (hielt 10/60 der Anteile),

  • August Harnisch (hielt 5/60 der Anteile),

  • Traugott Hohlfeld (hielt 3/60 der Anteile),

  • Oskar Hauptmann (hielt 5/60 der Anteile), alle aus Sohland. 

Wenn wir richtig zusammengezählt haben, waren 3/60 der Anteile an der Gesellschaft nicht vergewerkt. In welcher Beziehung der hier erstmals auftretende Oskar Hauptmann und der uns schon bekannte Carl Hauptmann zueinander standen, ist uns nicht bekannt.

Die Gesellschaft hat 1906 ebenfalls die Herren Grammel und Unverzagt als Aufsichtspersonen gegenüber dem Bergamt benannt ‒ beide waren also gewissermaßen „schon da“, als die Nickelsyndikat GmbH 1907 die Grubenfelder erwarb und wurden von ihr übernommen.

Am 12. September 1906 teilte Herr Herold dem Bergamt mit, daß sich die Gesellschaft aufgelöst und die Schurfrechte, und zwar in diesem Fall an Herrn Grammel, verkauft habe.

1906 hatte Herr Grammel einen ersten vorläufigen Betriebsplan eingereicht, der ebenfalls zunächst nur Erkundungsbohrungen vorsah. Weil der Winter 1906/1907 offenbar ein sehr strenger gewesen ist, mußten die Bohrarbeiten jedoch unterbrochen werden. Die Bohrspülung fror einfach ein. Ab März 1907 wurden sie dann fortgesetzt, was Grammel dem Bergamt schriftlich mitteilte.

Einen zweiten, nicht weniger vorläufigen und zu den anderen beiden gleichlautenden Betriebsplan, „Bohrungen in drei Feldern betreffend“, reichte Grammel dann 1907, nun schon als Vertreter der Nickelsyndikat GmbH, ein. Bei Glück Sohland müssen tatsächlich einige Schurfschächte abgesenkt worden sein, denn in einem Fahrbericht des Berginspektors Anshelm aus Freiberg vom Januar 1908 heißt es, es wären gerade „2 Arbeiter vom Nachbarwerk in Böhmen (...) mit dem Ausstürzen des Bohrschächtchens beschäftigt...“

     


Historische Bildpostkarte mit einem Blick zur Buschmühle im Rosenbachtal.
Bildquelle: Sammlung Th. Engel, Sohland.

  


Ausschnittsvergrößerung aus obiger Postkarte. In der Bildmitte ist das Tagegebäude des Herberg'schen Schachtes, am rechten Hang des Tales die des Hauptmann'schen Schachtes gut zu erkennen.

  

Der Vollständigkeit halber sei auch noch auf die kurze Geschichte des Grubenfeldes Reichard bei Obersohland eingegangen (40170, Nr. 477). Herr Reinhold R. Richter aus Wermsdorf hatte das Feld unter diesem Namen am 1. November 1904 gemutet. Wie bei den anderen auch, wurde ihm das Bergbaurecht am 13. Juli 1906 offiziell verliehen.

Wie es üblich war, forderte die Bergbehörde auch von Herrn Richter die Benennung der verantwortlichen Personen und die Einreichung eines Betriebsplanes für die Aufsuchung und Erschließung. Offenbar aber war es bei diesem Herrn Richter weder fachlich, noch finanziell weit her. Der uns oben schon bekannt gewordene Berginspektor Anshelm aus Freiberg berichtete nach seiner Befahrung im Jahr 1907, daß mit Ausnahme von Glück Sohlandin keinem der neueren Sohlander Grubenfelder gearbeitet, noch seit Mitte 1906 dort gearbeitet“ worden sei.

Das ging so natürlich nicht ‒ wenigstens den Anschein um Bemühen hätte man wahren müssen. Daher drohte das Landesbergamt zu Freiberg diesem Herrn Richter noch im gleichen Jahr die Entziehung des Bergbaurechtes an. Als Herr Anshelm nach seiner Befahrung im Oktober 1908 erneut berichtete, daß der Aufforderung nicht entsprochen und auch nur irgendeine Tätigkeit nicht aufgenommen worden sei, verfügte das Bergamt am 3. Januar 1908 die angedrohte Entziehung des Bergbaurechtes. Da Herr Richter dem offenbar auch nicht widersprach, ist das Abbaurecht im Mai 1909 endgültig erloschen. Damit endet der Akteninhalt.

   

Auch in der Ausgabe des Jahrbuches von 1907 werden im Kapitel Übersicht der Berggebäude unter Abschnitt VII. Oberlausitz dann die vier, im Juli 1906 tatsächlich neuverliehenen Gruben aufgeführt, nämlich:

  • Germania in Sohland im Besitz von H. E. Richter aus Zittau,

  • Siegfried (vormals Alemannia) in Sohland ebenfalls im Besitz des vorgenannten,

  • Glück Sohland im Besitz des Bergingenieurs P. J. Grammel sowie

  • Reichard in Sohland im Besitz von R. A. Richter aus Warnsdorf (bei den Initialen kann es sich um einen Druckfehler handeln).

Bestand hatte außerdem die zuerst gegründete Grube

  • Sohlander Bergsegen in Sohland, jetzt im Besitz der unter dem Namen Hauptmann, Herberg & Co. oHG firmierenden Gesellschaft zu Sohland.

Letztere wurde allerdings zu dieser Zeit wieder in Fristen gehalten. Bei keiner der Gruben ist in den nachfolgenden Jahrbuchausgaben ein Ausbringen verzeichnet. Dies änderte sich zunächst auch noch nicht, da wohl alle privaten Eigentümer die erforderlichen Investitionen für die Aus- und Vorrichtung scheuten und die mit geringen Kosten erzielbaren Erkundungsergebnisse kaum aussichtsreich gewesen sein können. Aus solchen Gründen dürfte wohl auch das Feld Reichard aufgegeben worden sein. Das fehlende Kapital der privaten Eigentümer erleichterte in den folgenden Jahren dann weitere Konsolidationen und Besitzübergänge. Wie wir schon wissen, sind schon Ende 1906 die Felder Germania, Siegfried und Glück Sohland an die Nickelsyndikat GmbH zu Berlin übergegangen.

  

Am 7. Juli 1906 erhielten auch Hauptmann, Herberg & Co. den ersehnten Bescheid über die Eintragung ihres „auf alle verleihbaren Mineralien“ gemuteten Grubenfeldes unter dem Namen „Sohlander Bergsegen“. Es schloß insgesamt drei Teilfelder ein, nämlich ein „Ostfeld“, ein „Südfeld“ und ein „Nordfeld“, darunter aber ausgerechnet den Hauptmannschacht, der dem Feld Siegfried zugewiesen war, jedoch nicht (40170, Nr. 490). Aus dem oben zitierten Schreiben vom 19. Juli 1904 heraus steht zu vermuten, daß die Gesellschafter damit jeweils für eigenen Grundbesitz Mutung eingelegt hatten (40170, Nr. 491).

Mit Schreiben vom 6. August 1906 wurde ‒ wie üblich ‒ auch Hauptmann, Herberg & Co. vom Bergamt aufgefordert, die technischen Betriebsbeamten zu benennen und einen Betriebsplan für die nächsten anderthalb Jahre einzureichen.

Am 31. August antwortete Hauptmann namens der Gesellschaft darauf, daß sie gerade Verkaufsverhandlungen führen würden, die leider noch zu keinem Abschluß gekommen seien und baten daher um Fristverlängerung für die geforderten Angaben. Auf ihre Frage hin, was bergrechtlich zu tun sei, damit sie das einmal zugesprochene Bergbaurecht nicht alsbald wieder verlören, sandte ihnen das Bergamt ein Formular zur Beantragung einer Fristsetzung, die sie auch umgehend und zunächst bis Ende 1907 beantragten. Die Betriebsfrist wurde auch vom Bergamt genehmigt.

Von hier an gleichen sich die Akteninhalte wieder: Eine Abschrift des Berichtes von Anshelm, daß nur bei Glück Sohland Bohrungen im Gange seien, sonst aber in keinem der neu verliehenen Felder gearbeitet werde, ist auch hier abgeheftet.

Am 18. September 1907 wird von Hauptmann, Herberg & Co. eine erneute Fristsetzung über den möglichen Zeitraum von zwei Jahren, also nun bis 1909, beantragt. In der Begründung heißt es, daß: „(...) der geplante Verkauf der Grube noch nicht erfolgt ist, da das Berliner Nickelbergbau Syndikat zwar Interesse hat, aber mit den Aufschlussarbeiten auf den benachbarten Glück Sohland noch nicht genügend fortgeschritten ist, andererseits ... unser Gesellschafter August Herberg Schwierigkeiten bereitet und ein Einvernehmen über die Bedingungen mit ihm vor der Hand kaum zu erzielen sein dürfte...“

Auch die zweite Verlängerung der Betriebsfrist, diesmal bis 30. Juni 1909 begrenzt, wurde ohne Probleme genehmigt.

  


Eine weitere Ansicht des Herberg'schen Gutes. Bei dem Flachbau rechts könnte es sich um die Kaue auf dem Hauptmann'schen Schacht handeln. Bildquelle: Sammlung F. Koch, Sohland.

  


Genau dasselbe Motiv findet man auf dieser Bildpostkarte wieder. Bildquelle: Sammlung F. Koch, Sohland.

  


Diese Postkarte wurde am 23. Juni 1907 gestempelt und vom Obersteiger Wilhelm Unverzagt aufgegeben. Folglich war Herr Unverzagt schon 1907 in Sohland als Obersteiger tätig und die statistischen Angaben in den Jahrbüchern hinkten offenbar etwas hinter der Realität her... Bildquelle: Sammlung F. Koch, Sohland.

   

Sowohl die Verhandlungen mit dem Nickelsyndikat, als auch die Streitereien unter den Gesellschaftern zogen sich über diese Zeit aber weiter hin.

Obwohl ja eigentlich selbst Gesellschafter, schrieb Herberg am 15.11.1907 an das Bergamt, daß der Ausbau im Segen Gottes Schacht durch die aufgegangenen Wasser stark von Fäulnis angegriffen sei und bat das Bergamt, die Gesellschaft anzuweisen, daß der Schacht ausgestürzt werden solle (40170, Nr. 490).

Hauptmann antwortete namens der Gesellschaft Hauptmann, Herberg & Co. am 24.12.1907 darauf, daß die Gelegenheit zum Verkauf schon zweimal vertan worden sei, weil ihr Gesellschafter Herberg seines Erachtens unangemessene Forderungen hinsichtlich der Sicherheit seines Hofes und der angrenzenden Wiese. unter der die Strecke Richtung Hauptmannschacht und der alte Abbau lag, gestellt habe. Gerade Herberg habe sich zum Beispiel dafür eingesetzt, nach deren Demontage die Feldbahn zwischen Hauptmannschacht und Buschmühle nicht sofort zu verkaufen, da man sie doch vielleicht noch am Segen Gottes Schacht brauchen könne und es sei unverständlich, warum er nun den Schacht schnellstmöglichst verwahren lassen wolle. Zugleich bat er das Bergamt, Herberg abschlägig zu bescheiden, da niemand etwas kaufen werde, was man nicht vorzeigen könne. Da nun die erhaltene Verleihung den Hauptmannschacht aber nicht eingeschlossen habe, habe man nur noch den Segen Gottes Schacht als Zugang zur Erzgrube.

Auch Inspektor Anshelm von der Berginspektion II bestätigte am 18.10.1908 dem Bergamt, daß die Gesellschaft immer noch mit dem Nickelsyndikat verhandele. Dieses wolle im Erfolgsfalle den Rosenhainer Schacht aufgewältigen und den Segen Gottes Schacht dann als Flucht- und Wetterschacht nutzen. Die Besitzer des letzteren ersuchten daher das Bergamt von der Gewältigung und Verwahrung des Schachtes jetzt noch absehen zu dürfen, um – wenn er erneut verlassen werde – ihn nicht ein zweites Mal sümpfen und gewältigen zu müssen. Anshelm selbst befand bei seiner Besichtigung den Schachtausbau noch als „im Wesentlichen gesund.“ Wenn es bis Ende der Fristsetzung nicht zur Wiederaufnahme komme, könne der Schacht immer noch gewältigt, der Abbau versetzt und der Schacht anschließend ausgestürzt werden.

Herberg schrieb dann am 4. Februar 1909 an das Bergamt, daß sie im kommenden Frühjahr mit dem Verstürzen beginnen werden, falls nicht vorher doch noch der Verkauf zustande käme. Er forderte aber jetzt eine hohe „Caution“ für die Wiederherstellung bei eventuellen Bergschäden von seiner eigenen Compgagnie.

  

Am 9. März 1909 zeigte Hauptmann dann namens der Gesellschaft Hauptmann, Herberg & Co. dem Bergamt an, daß sie „aufgrund eingeleiteter Verhandlungen“ wieder eine Pumpe montieren und den Schacht sümpfen werden (40170, Nr. 490).

Vom Bergamt erging daraufhin die Anweisung an die Berginspektion, die Arbeiten und den Schacht zu begutachten.

Am 6. April teilte Hauptmann aber dann mit, daß die Verhandlungen als gescheitert betrachtet werden, weil dem Käufer das Ostfeld zu klein erscheine, um hier maschinelle Anlagen zu errichten. Da der Schacht momentan wasserfrei sei, werde man nun die nach dem Hauptmannschacht getriebene Strecke aussetzen, um Schäden an Herberg's Grund zu vermeiden. Dazu sollen Mauerpfeiler und an besonders brüchigen Stellen Ziegel- Ausmauerung eingebaut werden.

Zugleich äußerte er die Befürchtung, das Nickelsyndikat halte sie hin, um das Erlöschen der Bewilligung abzuwarten und dann durch eine neue Mutung das Feld nahezu umsonst zu erhalten. Auch würde vor der Einigung mit den Continentalen Nickelbergwerken in Dresden (die im Besitz des Herrn Richter aus Warnsdorf waren) kaum ein neues Unternehmen gegründet werden. Im Zeitraum seit 1902 habe die Gesellschaft Hauptmann, Herberg & Co. jedoch ein Kapital von über 50.000 Mark angelegt, das in einem solchen Fall gänzlich verloren wäre.

Dann schrieb Hauptmann am 24. April 1909 an das Bergamt und bat um erneute Fristverlängerung um zwei Jahre. Er begründete den neuen Antrag damit, daß das Nickelsyndikat grundsätzlich bereit zum Kauf wäre, jedoch nur zu einem niedrigen Selbstkostenpreis und ohne Ablösung der Sicherstellung für Herberg’s Grund.

Inzwischen war auch die Befahrung des Schachtes und der etwa 50 m weit in Richtung Hauptmannschacht getriebene Strecke durch Inspektor Anshelm erfolgt. Der stimmte der oben kurz beschriebenen Art der Verwahrung zu und notierte, daß Herberg noch immer die Verkaufsverhandlungen behindere, indem er auch jetzt, wo alles ausgesetzt und verfüllt werden solle, bei dem Verlangen nach einer Sicherheitskaution bleibe.

Hauptmann jedoch (diesmal schrieb er auf das eigene Firmen- Briefpapier und nicht auf das der Gesellschaft) hielt nach wie vor an seiner Bitte um eine dritte Verlängerung der Betriebsfrist fest, da ihr Ostfeld schließlich das „Herz“ des ganzen Nickelerzvorkommens bilde und das Nickelsyndikat zumindest das Ostfeld in jedem Fall erwerben müsse. Dazu bot er am 23. Mai 1909 auch wieder eine persönliche Vorsprache im Bergamt an.

Das Bergamt antwortete ihm diesbezüglich, daß im Juni ein Bergbeamter zur Erörterung nach Sohland entsandt werde. Der Termin kam auch zustande – über das Ergebnis steht jedoch nichts in der Akte...

Schließlich aber mußte Carl Hauptmann am 26. Juli 1909 dann doch an das Bergamt schreiben, daß der Gesellschafter Ernst Hantusch die Liquidation der Gesellschaft beantragt habe. Seinerseits beantragte er nun die Übertragung der Mutung an die zwei verbliebenen, bisherigen Inhaber. Er machte sich weiter Hoffnung, doch noch zu einem Verkauf an das Nickelsyndikat zu kommen, wenn erst „der Prozeß mit Herrn Richter aus Warnsdorf erledigt sei.“ Worum es bei diesem Gerichtsverfahren ging, verrieten uns die Akten nicht.

Am 18. August 1909 bestätigte Inspektor Anshelm der Gesellschaft, daß die Verwahrung des Segen Gottes, vormals Herbergschachtes „in der geplanten Weise“ erfolgt und nun abgeschlossen sei.

   

Endlich am 28. Juli 1909 konnte Hauptmann dann aber doch noch dem Bergamt mitteilen, daß Herr Finanzrat von Mücke aus Kiel heute das Feld Sohlander Bergsegen für die Berliner Nickelsyndikat GmbH für 66.000.- Mark gekauft habe. Daraufhin werde nun die eigene Firma aufgelassen und gelöscht (40170, Nr. 490).

  

 
 
 

Zu den ersten Bergbauaktivitäten in Rosenhain / Rožany

  

In Ermanglung diesbezüglicher Aktenlage in sächsischen Archiven war uns die Entstehungsgeschichte des Rosenhainer Schachtes zunächst unklar. In einer Akte der Lagerstätten- Forschungsstelle (40030-1, Nr. 772) war immerhin notiert, daß parallel zu den Schurfversuchen von Herberg, Hauptmann und deren Compagnie – also schon um 1901 – „ein gewisser Richter aus Warnsdorf““ 60 m östlich vom Hauptmann Schacht entfernt und jenseits der böhmischen Grenze ebenfalls geschürft, dabei jedoch nur geringe Kiesimprägnationen gefunden habe. Auf der oben schon gezeigten Schnittdarstellung der Schächte (40040, Nr. K791) ist der spätere Rosenhainer Schacht als „Richter‘s Schurfschacht“ bezeichnet. Zu einer Erzförderung kam es zunächst aber noch nicht.

Der Familienname Richter tauchte auch unter den Mutern der Erzfelder auf sächsischer Seite mehrfach auf.

  

In einem Fahrbericht des Berginspektors Roch vom 14. März 1903, eigentlich den Hauptmann'schen Schacht auf sächsischer Seite der Landesgrenze betreffend (40170, Nr. 193), haben wir die folgende Notiz zu Richter's damaligen Schürfversuchen gefunden:

Gelegentlich dieser Tagebesichtigung überschritt man die Landesgrenze und besah sich den Richter’schen Schurf jenseits derselben. Man fand ca. 30 m höher gelegen, als Hauptmanns Schacht, einen halb wieder verfüllten Schurfgraben ungefähr in der Richtung des Gangstreichens und ein mit losen Brettern bedecktes Schurfschächtchen, über welchem ein primitiver Haspel stand. Die Tiefe des Schächtchens konnte man, ohne die Schachtabdeckung zu entfernen, wozu man sich nicht für berechtigt hielt, nicht ermitteln.

Der befragte Herberg gab an, daß das auf böhmischer Seite erschürfte Erz nicht derb, sondern nur eingesprengt gewesen sei... und daß der Schurfbetrieb vom Kaiserl. Königl. Revierbergamt Teplitz untersagt worden sei, nachdem ein Arbeiter beim Hineinlassen in den Schacht an einem Hanfseil – anderwärts hörte man, an einer Wäscheleine – infolge Reißens derselben in den Schacht gefallen sein und einen Beinbruch davongetragen habe.“

   

Tatsächlich waren im Streichen des Ganges auf tschechischer Seite der Landesgrenze nach Akten des k. u. k. Bergreviers Teplitz / Teplice bereits 1902 sieben Schürfer aktiv; einer davon besagter Richter. In dessen Schacht, für den sich später der Name Rosenhainer Schacht eingebürgerte und der nur etwa 18 m östlich der Grenze auf dem Flurstück eines Herrn Gustav Hartmann lag, war der Betrieb im Mai 1902 gerade eingestellt. Zu diesem Zeitpunkt war man in etwa 10 m Teufe gerade auf Nickelerz gestoßen und im zweiten Halbjahr wartete man auf die Analyseergebnisse (Veselý, 2009).

Nun interessierte sich der oben schon erwähnte Dr. phil. Arthur Dieseldorff aus Dresden für dessen Bergbaufeld. Auf seine Anfrage hin erklärte ihm die Bergbehörde, daß es sich dabei um den Freischurf No. 1368 des Technikers Reinhold Richard Richter aus Varnsdorf handele, der am 29. März 1901 angezeigt worden ist und bei dem die Frist zur Einstellung noch nicht abgelaufen sei. 1903 wandte sich Dieseldorff über seinen Rechtsanwalt P. Schulze sowie den Notar Dr. jur. E. Hermann aus Bautzen mit einem Übernahmeangebot für dessen Anteile an der Grube an Alfred Gustav Richter in Görlitz (Diese Familie ist später nach Kassel verzogen). Der hielt das Angebot aber nicht für glaubwürdig und lehnte ab. Parallel wandte sich Dieseldorff deshalb auch an den k. u. k. Berghauptmann in Prag, um eine örtliche Erhebung zu veranlassen, die ihm einen eigenen Freischurf an gleicher Stelle bestätigen sollte (Veselý, 2009).

  

Da uns dieser Begriff hier wieder begegnet und noch öfter begegnen wird, den meisten aus dem althergebrachten sächsischen Bergrecht aber nicht unbedingt geläufig sein wird, erscheinen uns einige Erläuterungen zu diesen Freischürfen“ angebracht.

Mit diesem Begriff wurde ab dem Inkrafttreten des Allgemeinen Berggesetzes (ABG) in Österreich (und mehr oder weniger ähnlich in allen Ländern der damaligen habsburgischen Monarchie) im Jahr 1854 eine Form der Erlaubnis zum Aufsuchen von Lagerstätten beschrieben, die es so weder im Berggesetz für die preußischen Staaten von 1865, noch im Allgemeinen Berggesetz für das Königreich Sachsen von 1868 gegeben hat.

Zunächst definierte der §.13 des osterreichischen Gesetzes den Begriff „Schürfen“ damit, „vorbehaltene Mineralien in ihren Lagerstätten aufzusuchen, und die gefundenen soweit aufzuschließen, daß die Verleihung des Eigentumsrechtes auf dieselben erfolgen kann.“ Der Freischurf steht also vor der Mutung, mit deren Annahme und Bestätigung in den deutschen Ländern zugleich das Abbaurecht erteilt wurde.

Der §.10 der zugehörigen Durchführungsverordnung erläuterte dazu näher, daß jede Art der Vorarbeiten bis zum vollendeten Aufschlusse der mineralischen Lagerstätte, welcher deren Abbauwürdigkeit und in Folge dessen auch die Verleihungsfähigkeit derselben begründet, nur unter den Schutze einer Schurfbewilligung begonnen und fortgesetzt werden“ kann. Insbesondere das Aufschliessen eines hoffnungsvollen Punktes durch bergmännische Arbeiten, als Schurfstollen, Schurfschächte, Bohrlöcher usw.“ sind „mit einem oft sehr ansehnlichen Kostenaufwande verbunden... und verdienen demnach einen gesetzlichen Schutz in der Art, dass für ihre Vorarbeit auch ein gewisses Terrain zum seinerzeitigen Mineralabbau ausschließlich gesichert bleibe...“ Solcherart bevorzugte Schurfbaue wurden (und werden bis heute) in Österreich als Freischürfe bezeichnet.

Die Schurfbewilligungen wurden für die Dauer eines Jahres erteilt (§.16 des ABG). Nur dann, wenn sich die Bergbehörde davon überzeugt hatte, daß der Schürfer tatsächlich mit Arbeiten begonnen und stetig fortgesetzt hatte, konnte die Bewilligung von Jahr zu Jahr auf Antrag des Schürfers verlängert werden; ansonsten verfiel sie. Die Verlängerungen konnten beliebig oft erfolgen, bis der Aufschluß unzweifelhaft verleihungswürdig“ ist; die Abbauwürdigkeit der Lagerstätte also nachgewiesen wurde. Umgekehrt hatte der Schürfer aber kein Recht, vor einer ordnungsgemäßen Verleihung des Bergbaurechtes zum Abbau überzugehen (§.20 des ABG).

Die besondere Stellung des Freischurfes finden wir dann in den §§.21 ff des ABG beschrieben. Die Schurfbewilligung allein sicherte dem Schürfer nämlich kein Ausschließlichkeitsrecht. Vielmehr durfte jeder andere im gleichen Terrain ebenfalls Untersuchungsarbeiten durchführen (eine erteilte Bewilligung vorausgesetzt). Voraussetzung für die Bewilligung eines Freischurfes war, daß der Schürfer der Bergbehörde den genauen Punkt anzeigte, an dem er einen bestimmten Schurfbau zu beginnen und sein Schurfzeichen“ zu setzen beabsichtigte. Damit definierte umgekehrt der Schürfer eine genaue Fläche, innerhalb derer er bauwürdige Funde erhoffte. Da Voraussetzung auch hier eine generelle Schurfbewilligung war, war auch das Freischurfrecht zeitlich begrenzt und mußte jährlich neu verlängert werden. Es erlosch außerdem auch dann, wenn der Schürfer keine bergbaulichen Aktivitäten ergriff (bzw. einen begonnenen Schurfbau nicht bauhaft erhielt“), wenn er die halbjährlichen Rapporte nicht rechtzeitig einreichte oder die (erst im Jahr 1862 eingeführte) Freischurfgebühr in Höhe von 4 fl. pro Jahr nicht zahlte.

Natürlich hatte der Schürfer stets auch den jeweiligen Grundeigentümer für den eintretenden Nutzungsausfall und für sämtliche durch die Schurfarbeiten verursachten Schäden zu entschädigen. Er konnte mit einer solchen Erlaubnis aber auch die Durchführung vorgesehener Schurfarbeiten vom Grundeigentümer gerichtlich erzwingen. Der wesentlichen Unterschiede zur einfachen Schurfbewilligung bestanden darüber hinaus darin, daß:

  • in diesem Freischurf kein Dritter gleichzeitig Untersuchungen ausführen durfte und

  • daß ‒ im Falle des erbrachten Nachweises der Abbauwürdigkeit ‒ nur dem Freischürfer das Recht auf die Verleihung wenigstens eines Grubenmaßes innerhalb dieser Fläche zustand.

Ein solches Gruben- Maß war im §.34 des österreichischen Berggesetzes von 1854 übrigens durch ein Rechteck von 12.544 Quadratklaftern Flächeninhalt (ein Quadrat hätte ≈ 212,5 m Seitenlänge) bestimmt.

Auch ein solcher Freischurf war hinsichtlich seiner Dimensionen stets einheitlich bestimmt und zwar immer durch einen Kreis um das Schurfzeichen in dessen Mittelpunkt mit einem Radius von 224 Wiener Klaftern bzw. (nach Mautner, 1937, maß 1 Klafter = 1,897 m) von 424,9 m ≈ 425 m, umfaßte also rund 56,75 ha oder mehr als einen halben Quadratkilometer Fläche. Hinsichtlich der Tiefe war keine Grenze festgelegt ‒ das bewilligte Volumen unter dem Schurfkreis erstreckte sich also kegelförmig in die Tiefe und im Prinzip bis zum Erdmittelpunkt.

 


Auf dieser leider sehr stark verblaßten Kopie sind östlich und westlich von Rosenhain mehrere Schurfkreise eingezeichnet. Sie stammt vermutlich wie das  Pendant oben aus dem Jahr 1911.
Bildquelle:  Sken mapy S02-05/002

   

Östlich von R. R. Richter's Schurfkreis lag ferner der Schurfkreis No. 1280, welcher vom k. u. k. Bergrevier in Teplice am 20. März 1901 dem Bergingenieur Oscar Krauth aus Braunschweig bestätigt worden ist. Da in beiden Freischurffeldern keine Aktivitäten mehr erfolgten, beantragte Dieseldorff nun, daß beiden Besitzern das Schurfrecht entzogen und ihm neu verliehen werden solle. Unter anderem argumentierte Dieseldorff auch damit, daß der nur 18 m östlich der Landesgrenze auf tschechischer Seite angesetzte Schacht nur ungenügend ausgezimmert und ohne Fahrung sei. Auf das Herablassen der Bergleute am Seil“ sei auch der Unfall zurückzuführen, bei dem der Bergmann Johann Kunze aus Rosenhain verunglückt ist.

Das k. u. k. Bergrevier Teplice beschied Dieseldorff dann aber am 30. November 1903 auf Empfehlung der Berghauptmannschaft in Prag, daß man die Einreichung der Betriebsberichte durch Richter und Krauth vor einer Entscheidung noch abwarten müsse (Veselý, 2009).

Im Dezember 1902 ging das Abteufen in Richter's Schurfschacht weiter. Der Schacht besaß ein Profil von zirka 2 m x 2 m. In einer Teufe von 17 m stieß man erneut auf bauwürdige Erzvorkommen. In diesem Niveau schlug man eine Strecke nach Osten an, welche jedoch nur erzarme Imprägnationen durchfuhr und schon nach 5 m Länge in Granodiorit einschlug. Aufgrund des Erzfundes wurde Richter nun aber seinerseits in Teplitz / Teplice vorstellig und beantragte eine amtliche Besichtigung des Fundortes sowie die Verleihung von vier einfachen Grubenmaßen auf böhmischem Gebiet unter dem Namen Austria“.

Dieser Antrag stieß nun wieder auf auf heftigen Widerstand seines Nachbars Oscar Krauth. Auch der Besitzer eines Steinbruches am Taubenberg und selbst Inhaber einer Freischurf- Bewilligung, Franz Laske aus Rosenhain, machte am 7. Juli 1903 die Bergbehörde darauf aufmerksam, daß der Antrag von Reinhold Richard Richter gestellt worden sei, während doch der Freischurf auf Alfred Gustav Richter angemeldet sei. Außerdem überschnitten sich seiner und deren Schurfkreise. Letztlich verhinderten aber ausstehende Schurfgebühren die Verleihung der Bergbauberechtigung an Reinhold Richard Richter. Einer Aufstellung in anderer Angelegenheit ist zu entnehmen, daß auf A. G. Richter sechs und auf R. R. Richter sogar sieben Freischürfe eingetragen waren (Veselý, 2009).

Zu diesem Zeitpunkt hatten die o. g. insgesamt sieben Schürfer 12 Schurfkreise beim k. u. k. Bergrevier Teplice angemeldet. Mit wenigstens dreien davon kollidierte Dieseldorff's Antrag. Zwar nahm die Behörde am 6. Dezember 1903 noch Dieseldorff's Interessenbekundung zur Kenntnis, daß er an den beiden Schurfkreisen von Richter und Krauth interessiert sei; zugleich wurde ihm aber eröffnet, daß nach den bisherigen Untersuchungen auf böhmischer Seite keine nennenswerten Mengen bauwürdiger Erze zu erwarten seien.

   

Auf diese Aussage der k. u. k. Bergbehörde hin gründete Dieseldorff seine eigene Gewerkschaft Dr. Dieseldorf & Co., erwarb (wahrscheinlich im April 1903) zunächst Herberg's Fundschacht, gab ihm den Namen Segen Gottes Schacht und begann diesen weiter zu verteufen. Am 19. Oktober 1903 kaufte diese Gewerkschaft Herberg, Hauptmann und deren Gesellschaftern E. Schöne und E. Hantusch das neben dem Rosenhainer Schacht stehende Erzbergwerk“ mit allen ober- und unterirdischen Einrichtungen ab. Weil aber angeblich die Transportkosten in die Freiberger Hüttenwerke zu hoch seien, kam es um die Mitte des Jahres 1905 erneut zur Einstellung der bergmännischen Arbeiten. Nach einem Bericht aus dem Jahr 1916 sei Herberg's Schacht aufgrund von Streitigkeiten der früheren Eigentümer daraufhin verfüllt worden. Schon am 24. März 1904 hatte das k. u. k. Bergrevier Teplice auch die Schurfbewilligung Dieseldorff's auf böhmischem Gebiet gelöscht (Veselý, 2009).

Auf diese bewarb sich nun wieder Karl August Herberg, dem am 15. Juni 1904 auch eine solche Bewilligung ausgestellt wurde. Als Bevollmächtigter wurde oben schon erwähnter Franz Laske von den Gewerken eingesetzt. Trotzdem muß die Gewerkschaft auch auf sächsischem Gebiet weiterhin tätig gewesen sein, denn der Bergingenieur P. Grammel, der mit der Betriebsleitung auf den Freischürfen beauftragt war, berichtete am 6. Juli 1905 an die Bergbehörde, daß der Bergmann Julius Richter und der Brunnenbauer Gustav Schwarz in den zurückliegenden zwei Jahren in der sächsischen Erzgrube angestellt gewesen seien und nun bei ihm als Schießmeister angestellt werden sollten.

Unter Grammel's Leitung jedenfalls wurde nun der Rosenhainer Schacht auf ein Profil von zirka 4 m x 4 m vergrößert und dessen Abteufen weiter fortgesetzt (Veselý, 2009).

Dem oben schon einmal zitierten Bericht des Verw.- Insp. Hölzel aus dem Jahr 1938 kann man dazu entnehmen: In den Jahren 1904 - 1906 wurde aber auf Rosenhainer Flur (Böhmen) von Finanzrat von Mücke, der inzwischen das Schürfrecht auf böhmischer Seite erworben hatte, ein neuer Schacht  in der Tiefe von 70 m geteuft. Zu größerer Förderung kam es nicht. Die ganzen Jahre hindurch bis zum Jahr 1914 wurde der Schacht vom Wasser freigehalten, aber keine Förderung vorgenommen...“

  


Der Stand des Schachtabteufens und die geologische Situation auf einer Skizze aus dem Jahr 1906. Mit den dunklen Schraffuren bzw. Punktierungen sind die angetroffenen Erzlinsen im Gang gekennzeichnet.
Bildquelle:  Sken mapy S02-05/031

   

Auf sächsischer Seite wurden im Juni 1906 die Grubenfelder von Sohlander Bergsegen Westfeld (am südlichen Hang des Hofeberges), Sohlander Bergsegen Südfeld (etwa 1,2 km südlicher und an die böhmische Grenze angrenzend) sowie Sohlander Bergsegen Ostfeld verliehen. An der Staatsgrenze lagen außerdem die Grubenfelder Germania und Siegfried. Herberg's Schacht lag an der Nordgrenze von Sohlander Bergsegen Ostfeld, Hauptmann's innerhalb des Feldes Siegfried. Alle bisherigen bergmännischen Untersuchungsarbeiten brachten jedoch keine nennenswerten Erfolge.

Am 20. Februar 1908 berichtete schließlich die Oberlausitzer Dorfzeitung unter dem Titel: Eingestellter Bergbau: Seit einigen Tagen ist mit Wegzuge des leitenden Bergingenieurs Grammel der Bergbaubetrieb der Kupfer- Nickel- Werke, zuletzt nur noch auf Rosenhainer Flur an der böhmisch-sächsischen Grenze betrieben, eingestellt worden. Das Werk war mit den besten und rationellsten Betriebsmaschinen der Neuzeit ausgestattet und hat ein Kapital von zirka 400.000 Mark gekostet. Jedenfalls durch einen in größerer Tiefe angesetzten Querschlag nach dem nach Nord einfallenden und erzführenden Grünsteingange wird man den Gang entweder gar nicht oder nur sehr arm angetroffen haben und hat den Betrieb eingestellt. Auch Versuche in dem für 50.000 Mark angekauften sächsischen Schurffelde Glück Sohland sind an seiner hoffnungsreichsten Stelle, am Bismarckdenkmal, kein Gang oder sonstige Funde erschürft worden, und nachdem auch das sogenannte Schweidrich bei Schluckenau wieder ins Bergfreie zurückgegangen, ist von den großen Erwartungen nur der letzte Hoffnungsrest für das jedenfalls auch nur nestartige Auftreten der Gänge in dem Herbergischen Brunnenschachte auf sächsischer Seite geblieben.“  (Information von F. Koch, Sohland)

  

 
 
 

Zum Abbau durch die Nickelbergbau Syndikat GmbH von 1909 bis 1915 in Sohland und Rosenhain / Rožany

  

Bereits 1907 wurden neue geophysikalische Untersuchungen des Gesteinsganges durchgeführt, um die Ausdehnung der Erzvorkommen besser bewerten zu können. Sie wurden, wie man im Gutachten Beck’s aus dem Jahr 1908 nachlesen kann (40030-1, Nr. 764), von Oberbergrat und Professor für Geodäsie und Markscheidekunde an der Bergakademie Paul Uhlig sowie den Bergingenieuren Karl Ermisch und P. J. Grammel unter Mitwirkung des Markscheidergehilfen L. Väterlein ausgeführt. Über diese Untersuchungen fällte Prof. Beck im genannten Gutachten von 1908 ein ziemlich vernichtendes Urteil: „Ich selbst habe früher diese Untersuchungen für sehr zuverlässig gehalten… Heute gebe ich nichts mehr auf diese magnetometrischen Ergebnisse, sondern halte die Untersuchung mit dem Thalén-  Tiberg’schen Magnetometer – und zwar auch nach Anbringung des sogenannten Dahlblom’schen Armes an diesem Instrument – für Mitteleuropa für gänzlich wertlos, so wertvoll sie im Norden Europas auch immer sind…“ 

Dieses harsche Urteil über die Geophysik mag sicherlich auch durch den Umstand veranlaßt gewesen sein, daß sich Beck‘s eigene – auf den damaligen geologischen Aufschlüssen fußende – Einschätzung aus dem Jahre 1903 über die Erstreckung der Vererzung als falsch erwiesen hat. Man hatte noch nicht erkannt, daß die basischen Ganggesteine aufgrund ihres Magnetitgehaltes ebenfalls eine remanente Magnetisierung besitzen, auch wenn sie nahezu (Nickel-) erzleer sind. Aber auch der Pentlandit selbst kann recht unterschiedliche magnetische Eigenschaften aufweisen.

In einer anderen Akte (40030-1, Nr. 772) fanden wir auch den Bericht von Herrn Oberbergrat Uhlig über seine Messungen. Auch er schätzte darin ein, daß die festgestellte Abweichung von nur 2% gegenüber dem Normalfeld „ein auffällig geringer magnetischer Einfluß“ sei. Um die Verwirrung noch etwas zu steigern, sei an dieser Stelle noch angeführt, daß in Herrn Uhlig’s Bericht von einem „Bussol- Instrument mit freihängender Nadel“ für die Messung der Horizontalintensität und von einem „Kohlrausch’schen Lokalvariometer“ zur Messung der Vertikalintensität die Rede ist. Meine Fachkollegen bestimmten also bereits vor mehr als 100 Jahren zwei Komponenten des Erdmagnetfeldes, weil sie natürlich längst wußten, daß die Feldlinien in unseren Breiten ziemlich schräg zur Erdoberfläche verlaufen…

Was genau unter all diesen Gerätebezeichnungen zu verstehen war, kann der interessierte Leser in meinem  Anhang finden.

Aufgrund dieser „magnetometrischen“ Untersuchungen war vom Hornsberg aus, etwa 700 m östlich von Herberg’s Fundschacht und auf böhmischer Seite, ab 1907 auch der Gebhard Stolln in Richtung Nordosten vorgetrieben worden. Dieser erreichte nach zirka 140 m auch den Gesteinsgang, jedoch zeigte der Gang im dort untersuchten Abschnitt lediglich erzarme Imprägnationen. Mit ähnlich unbefriedigenden Resultaten hatte man auch am Taubenberg Schurfschächte abgesenkt und Bohrungen bis 20 m Tiefe gestoßen, ohne dabei nennenswerte Erzfunde zu machen.

 


Diese Schnittdarstellung aus dem Jahr 1911 ist eine der wenigen Quellen, in welcher der Gebhard Stolln (rechts) eingetragen ist. Bildquelle: Sächsisches Staatsarchiv, Bergarchiv Freiberg, Bestand 40030-2, Nr. I24398.

 

Auf allen diesen Untersuchungen aufbauend formulierte Prof. Beck jedenfalls im Jahr 1908 schließlich sein neues Gutachten, in welchem er nur noch für den Bereich zwischen Herberg‘s Schacht und dem Rosenhainer Schacht auf der tschechischen Seite von Bauwürdigkeit ausging und den hier gewinnbaren Erzvorrat auf gerade einmal 6.000 t bis 7.000 t (mit oder ohne dem Grenzsicherheitspfeiler) berechnete.

Trotz dieser geringen Aussichten wurden ‒ wie oben schon zu lesen war ‒ Glück Sohland, Germania und Siegfried bereits 1907 von der Nickelbergbau Syndikat GmbH, Berlin, erworben. 1908 wurde der Grube Reichard das Bergbaurecht bergbehördlicherseits entzogen. 1909 wurde dann auch noch das Grubenfeld von Sohlander Bergsegen von den Gesellschaftern Hauptmann, Hantusch und Herberg für 66.000,- Mark an das Nickelbergbausyndikat verkauft. Damit waren nun alle Bergbauberechtigungen entlang dieses Ganges in nur einer Hand vereint.

Der Vorsitzende des Verwaltungsrats der Nickelbergbau Syndikat GmbH, der Königl. Sächs. Finanzrat a. D. von Mücke in Kiel, Holstenstraße 55/57, ansässig, teilte namens des Syndikats am 2. August 1909 an das Landesbergamt in Freiberg mit, daß man nunmehr beabsichtige, den Betrieb, und zwar zuerst im Feld Siegfried, am Hauptmannschacht, wieder aufzunehmen (40170, Nr. 490).

Wie wir oben schon gelesen haben, ist der an den geophysikalischen Untersuchungen beteiligte Herr Bergingenieur Grammel schon 1908 aus der Leitung von Glück Sohland ausgeschieden (Wir fanden Herrn Dr. Grammel in Akten aus dem Jahr 1944 noch einmal als beratenden Ingenieur für die Untersuchung von Lagerstätten in der Ostmark bei der Sachsenerz Bergwerks AG wieder, vgl. 40105-1, Nr. 641), An seiner Stelle wurde von der Geschäftsführung der uns auch schon bekannte O. Krauth, jetzt Bergdirektor in Berlin- Charlottenburg, Neue Kantstraße 16, jedoch nur in beratender Funktion, als Betriebsleiter benannt. Als Betriebsführer vor Ort wurde der Obersteiger Wilhelm Unverzagt wieder in Sohland angestellt. Außer diesem Beamten waren damals 9 Arbeiter beschäftigt (Angaben aus den Jahrbüchern für das Berg- und Hüttenwesen).

Letzterer zeigte beim Bergamt am 5. August 1909 den voraussichtlichen Beginn des Schachtaufwältigens an und beschrieb in seinem ersten Betriebsplan, daß vorerst nur der Schacht bis auf etwa 50 m weiter verteuft werden solle. In Aussicht genommen sei aber, eine Verbindung mit dem jenseits der Landesgrenze liegenden und jetzt wieder verlassenen Richterschen Schachte herzustellen. Die Belegung werde vorläufig bei 10 Mann bleiben.

Dieser Plan wurde am 21. August auch von Berginspektor Anshelm befürwortet. Am 7. September 1909 besuchte Bergrat Borchers Sohland und berichtete anschließend, daß das Sümpfen erfolgreich beendet wurde und das Verteufen des Schachtes begonnen habe (40170, Nr. 490).

  

Aber man hatte ja eigentlich größere Pläne. Am 17. November 1909 stellte die Nickelsyndikat GmbH beim Landesbergamt in Freiberg den Antrag auf Genehmigung einer Durchfahrung der Landesgrenze zwischen Sachsen und Böhmen. Der Antrag gibt uns nebenbei Aufschluß über den zuvor von Hauptmann, Herberg und den anderen Mutern ‒ einschließlich der Untersuchungen durch die Nickelsyndikat GmbH selbst ‒ erreichten Stand. Darin heißt es u. a.:

„(...) Nach Ansicht des Herrn Oberbergrates Dr. Beck in Freiberg und des Herrn Bergdirektors O. Krauth in Charlottenburg handelt es sich um ein stock- oder lagerförmiges Vorkommen, das vom Herbergschacht im Grubenfelde Sohlander Bergsegen und vom Hauptmannschacht im Grubenfeld Siegfried sich ... in einem ostwestlich streichenden Diabasgange fortsetzt. Da die umfangreichen, später eingestellten Aufschließungsarbeiten im Schweidrich bei Schluckenau sowie diejenigen im Felde Glück Sohland und in den oberen Teufen östlich des Rosenhainer Schachtes zu keinen nennenswerten Aufschlüssen geführt, andererseits aber den größten Teil des Gesellschaftskapitals verschlungen haben, so besteht nunmehr die Absicht, mit dem Reste des Kapitals unter Benutzung des 70 m tiefen Rosenhainer Schachtes die Grubenfelder auf Sohlander Gebiete, bei denen in einer Tiefe von 25 m größere Ablagerungen von Nickel- Erzen nachgewiesen sind, noch in einer größeren Teufe aufzuschließen, um so diejenigen Unterlagen zu erlangen, welche es der Gesellschaft ermöglichen, um neues Kapital zu werden...“

Auch die GmbH hatte also Geldsorgen...

Die geplante Untersuchungsstrecke solle jedenfalls in 65 m Teufe vom Rosenhainer Schacht aus aufgefahren, aber (vorerst zumindest) kein Durchschlag zum Hauptmannschacht unter der Grenze hindurch hergestellt werden. Ein gleicher Antrag wurde natürlich auch an die k. u. k. Bergverwaltung in Teplitz / Teplice gestellt. Das Schreiben ist außer von dem uns bereits bekannten Vorsitzenden des Verwaltungsrates, Finanzrat a. D. von Mücke, noch von einem Geschäftsführer namens M. Lawitzky unterzeichnet.

  


Die dem Antrag zum Vorhaben einer Unterfahrung der Landesgrenze beigelegte Skizze aus dem Jahr 1909. Quelle: Sächsisches Staatsarchiv, Bergarchiv Freiberg, Bestand 40170, Nr. 490, Blatt 64, Gesamtansicht.

Link zum Digitalisat:  archiv.sachsen.de/archiv

    


Ausschnittsvergrößerung aus obiger Skizze mit der Lage der drei Schächte beiderseits der Landesgrenze und mit der projektierten Lage der Feldstrecke sowie eines Überhauens von dieser aus in den Hauptmannschacht. Herberg's Schacht (der Segen Gottes Schacht, links im Bild) war inzwischen ja wieder verfüllt, bevor der Querschlag von diesem aus zum Hauptmannschacht durchgeschlagen war. Die Skizze zeigt uns nebenbei auch, welche Abschnitte dort verfüllt und überwolbt worden sind. Am Rosenhainer Schacht war bereits eine 18-m-, eine 32-m-, eine 60-m- und einer 70-m-Sohle angeschlagen; alle jedoch waren nur nach Osten (nach der böhmischen Seite hin) ausgelängt, da dieser Schacht nur 10 m neben der Grenze angelegt war.

    


Dieser Ausschnitt aus obiger Skizze zeigt uns noch, daß auch der Gebhardt Stolln bereits vor 1909 begonnen worden ist. Auf den oberhalb dieses Stollns angedeuteten Schacht bezieht sich vermutlich die Aussage im Antrag, daß auch die Aufschlüsse in den „oberen Teufen östlich des Rosenhainer Schachtes“ keine Erfolge gebracht hätten.

   

Auf diesen Antrag hin beschied das Königlich Sächsische Bergamt der GmbH, daß sich die bergpolizeilichen Vorschriften beider Länder meist decken würden. Aufgrund der Tiefenlage der projektierten Strecke sei durch deren Vortrieb keine Störung der Grenzmarkierungen oder gar des Grenzverlaufs infolge von Senkungen zu erwarten. Um das Vorgehen zu klären, wurde aber für den 6. Dezember 1909 ein Ortstermin, zusammen mit der Amtshauptmannschaft zu Bautzen und der Teplitzer Bergbehörde, anberaumt (40170, Nr. 490).

Vonseiten der österreichischen Bergbehörde antwortete der k. u. k. Bergrat Mießl dahingehend, daß die GmbH doch zuerst ihre Rechtsfähigkeit nachweisen müsse, da als Inhaber der Schürfrechte beim k. u. k. Bergrevier in Teplitz / Teplice die Personen

  • Exzellenz Thomsen in Kiel

  • Finanzrat a. D. Hans von Mücke, ebenda, sowie der

  • Direktor W. Mertens in Berlin

eingetragen seien. Da zum Termin am 6. Dezember 1909 aber eine „rein formale Vorfrage“ behandelt werden solle, entsende man gern einen Vertreter.

Das Protokoll dieses Ortstermins findet man auf Blatt 77 ff der Grubenakte (40170, Nr. 490). Zugegen waren:

  • Der k. u. k. Revierbeamte Dr. Karl Jirsch aus Teplitz / Teplice

  • Der Statthaltererkonzipist Ferdinand Dörre von der k. u. k. Bezirkshauptmannschaft Schluckenau / Šluknov

  • Der königl. sächs. Bergamtsrat Borchers aus Freiberg

  • Der königl. sächs. Amthauptmann von Pflugk aus Bautzen und

  • vonseiten der GmbH Bergdirektor O. Krauth und Betriebsführer W. Unverzagt.

Die Herren befanden bei ihrem Treffen in Sohland das Folgende:

Der Schurfbau in Rosenhain war 10 m von der Landesgrenze entfernt und derzeit auf 68,5 m Teufe niedergebracht. Bei 18 m, 32 m, 60 m und 68,5 m Teufe waren bereits Querschläge nach Osten angesetzt, von denen aber nur die auf der 32-m- und der 68,5-m-Sohle bis zu 70 m weit nach Osten vorangebracht wurden. Die übertägigen Schachtanlagen umfaßten ein Maschinenhaus und ein Fördergebäude mit hölzernem Seilscheibenstuhl und Gestellförderung. Die Förderanlage wurde von einem Drehstrommotor angetrieben, außerdem verfügte man schon über einen Kompressor für den Bohrmaschinenbetrieb und die Ventilation. Zum Zeitpunkt der Besichtigung stand der Schacht aber noch außer Betrieb und war abgesoffen.

Der Hauptmannschacht lag 50 m vom Rosenhainer und 40 m von der Landesgrenze entfernt, stand in Betrieb und war bis jetzt auf 28 m Teufe abgesenkt.

Da die Strecke in großer Tiefe und in festem Gestein aufgefahren werde, seien Gefährdungen der Grenzzeichen tatsächlich ausgeschlossen.

Ein Durchschlag auf einen Tagesausgang auf der anderen Seite der Grenze sei nicht beabsichtigt. Da ein solcher aber später nicht ausgeschlossen ist, müßten außerdem noch die Genehmigung des k. u. k. Reichskriegsministeriums und der zuständigen Finanz- und Zollbehörden beider Länder eingeholt werden.

Außerdem wurde eine markscheiderische Vermessung sowohl der Grubenbaue, als auch des Verlaufs der Grenze gefordert. Eine Karte war vor Beginn der Arbeiten vorzulegen.

Ansonsten wurden von österreichischer Seite analoge Forderungen hinsichtlich der Versicherung der Arbeiter, der Benennung der verantwortlichen Leiter, der Meldung von gefährlichen Ereignissen und Unfällen usw. erhoben. Die hatte die GmbH fürderhin also immer doppelt zu machen… Deren Vertreter stimmen den Auflagen jedoch zu und erbaten nur, die Genehmigung zu vorausgehenden Arbeiten, wie dem Sümpfen des Schachtes, kurzfristig zu erteilen.

  

Das sächsische Landesbergamt stimmte dem Vorhaben fast schon postwendend am 7. November 1909 zu. Anstelle des Überhauens durfte vorerst aber nur ein Wetterbohrloch in der Sohle des Hauptmannschachtes niedergebracht werden, so daß kein illegales Übertreten der Grenze durch die Grube hindurch ermöglicht werde (40170, Nr. 490).

Am 19. Dezember teilte auch das k. u. k. Bergamt in Teplitz dem Betriebsführer W. Unverzagt mit, daß man das Sümpfen genehmige, auch den Vortrieb der Strecke nach Westen, jedoch vorbehaltlich weiterer Bewilligung nur bis auf 5 m an die Grenze heran.

Am 21. Dezember informierte daraufhin Unverzagt das sächsische Landesbergamt , daß die Arbeiten im Hauptmannschacht ab sofort eingestellt und die Arbeiter auf den Rosenhainer Schacht verlegt würden. Den Hauptmannschacht wolle man vorerst wieder ersaufen lassen. Ferner beantragte man noch, zur Unterstützung des Betriebsführers vorläufig keinen Steiger, sondern den bisherigen Ortsältesten Traugott Julius Richter als „Hilfsaufseher“ anstellen zu dürfen (schon wieder einer dieses Familiennamens). Letzteres wurde nach Einholung der üblichen Auskünfte beim Amtsgericht auch genehmigt.

Am 8. März des Folgejahres 1910 konnte Betriebsführer Unverzagt dem sächsischen Bergamt mitteilen, daß die Unterfahrungsstrecke voraussichtlich am kommenden Sonnabend „die Landesgrenze durchbrochen haben wird.“

Die wieder anstehende Revision durch die sächsische Berginspektion erfolgte am 12. April 1910. Darüber berichtete Herr Anshelm zuerst, daß der geforderte Grubenriß durch den Markscheider Pachaly aus Borna vorschriftsmäßig angelegt worden sei. Das Streckenort war mit je 4 Mann in zwei zwölfstündigen Schichten belegt und inzwischen 20 m nach Westen vorangebracht. Nach dem Grubenriß sei die Grenze bei 13 m Entfernung vom Schachtstoß durchfahren worden, mithin stehe man nun etwa 7 m weit auf sächsischem Gebiet. Das Ort bewege sich annähernd in der Mitte des hier um die 7 m mächtigen Diabasganges und man beobachte „stellenweise Einlagerungen von Magnetkies.“ Zum Schießen benutzte man „sächsischen, aber verzollten böhmischen Dynamit“ und nutzte zu dessen Aufbewahrung noch immer die Hauptmann'sche Niederlage.

Die Arbeiter habe die GmbH sowohl auf sächsischer, als auch auf böhmischer Seite versichert. Der Betriebsführer ließ diesbezüglich anfragen, ob man die Beiträge in den beiden Ländern anteilig zahlen könne, was vom Bergamt aber verneint wurde. Die meisten Arbeiter und selbst Herr Unverzagt wohnten übrigens auf böhmischer Seite, nur der Aufseher J. Richter in Sohland.

Auch der Anstrich der Gebäude und die Anschaffung eines Feuerlöschers für die Schachthalle waren erfolgt. Nur das Fehlen selbsttätiger Verschlüsse an der Hängebank und die schwachen Branddeckel über dem Schacht fand der Beamte diesmal noch zu bemängeln.

Mit Schreiben vom 6. Mai 1910 teilte der k. u. k. Revierbeamte dem Betrieb in Sohland mit, daß auch das k. u. k. Kriegsministerium am 24. Februar 1910 zugunsten der Unterfahrung der Landesgrenze entschieden habe und daher nun das k. u. k. Bergamt zu Teplitz, im Einvernehmen mit der Bezirkshauptmannschaft in Schluckenau, genehmigt werden könne. Dabei blieb aber eine fahrbare Verbindung in das sächsische Hoheitsgebiet zunächst ausgeschlossen.

   

Mit den nötigen Finanzmitteln in der Portokasse wurde die Sache trotz aller Schwierigkeiten nun also ernsthaft angegangen. Mit freilich mehr als 17.000,- Mark an Investitionen allein im Jahr 1909 kam es nur zu einer Erzförderung von gerade einmal 8 t.

Der Aufschluß wurde aber fortgesetzt und im Jahr 1910 wurden noch einmal fast 19.000,- Mark investiert, um 12 t Erz im Verkaufswert von 288,- Mark zutage zu fördern (Angaben in den Jahrbüchern).

Der Schacht besaß ja bereits eine elektrische Förderanlage. Nun wurden übertage auch ein Transformatorgebäude, ein Steinbrecher, eine Erzwäsche und ein Kompressor errichtet (Hölzel, 1938).

Von seiner Befahrung der Grube am 4. Mai 1910 berichtete dann der Bergrat Borchers, daß die bisherigen Aufschlüsse „nicht ermutigend“ seien. „Der Betriebsleiter, Obersteiger Unverzagt, scheint selbst keine große Hoffnung auf die Zukunft des Werkes zu setzen, denn er sieht sich bereits nach einer anderen Stelle um.“ (40170, Nr. 490)

Diesmal war so einiges zu kritisieren: Die Verstärkung der Branddeckel sei immer noch nicht erfolgt; auch die Anordnung der Fahrung im Schacht besäße „gefährliche Stellen“ und sei dringend zu verbessern. Abschließend steht im Fahrbericht noch, daß die Vertreter des Nickelbergbau Syndikats derzeit in Erwägung zögen, ob man nicht „der größeren Beschleunigung halber“ die Auffahrung „des sächsischen Querschlages“ einem „Querschlagsunternehmen“ übertragen sollte.

Außerdem wurde vonseiten der sächsischen Bergbehörde aufgrund der anwachsenden Länge des Querschlags nun auch die Forderung nach Schaffung eines zweiten Fluchtweges erhoben. Am 20. Mai 1910 antwortete die Nickelbergbau Syndikat GmbH darauf, daß ein solcher nur der Hauptmannschacht sein könne. Dazu müsse dieser noch um 24 m tiefer abgesenkt werden.

Zugleich wurde für die Herstellung dieses Durchschlages ein Betriebsplan beim sächsischen Landesbergamt, wie auch beim k. u. k. Revierbergamt eingereicht (40170, Nr. 490, Blatt 107 der Akte). Dazu sollte, aus einem kurzen Querschlag von der Untersuchungsstrecke nach Süden heraus, ein Überhauen aufgefahren und mit dem Hauptmannschacht zum Durchschlag gebracht werden. Aufgrund des Einfallens des Ganges nach Norden und des resultierenden Versatzes in der horizontalen Lage zwischen der derzeitigen Schachtsohle und der Querschlagsachse müsse das Überhauen allerdings gebrochen angelegt werden (zunächst saiger nach oben und dann im Fallen des Erzmittels). Für die Bewetterung wollte man vorher in jedem Falle ein Bohrloch aus dem Querschlag heraus nach oben stoßen.

Schon am 8. Juni 1910 zeigte Obersteiger Unverzagt dem sächsischen Bergamt an, daß man mit der Auffahrung des kurzen Querschlages schon mal beginne, damit natürlich aber auch die Erzführung des Ganges genauer untersuchen wolle.

  


Die dem Betriebsplan aus dem Jahr 1910 beigefügte Skizze. Bei der Auffahrung dem Erzmittel zu folgen, hatte natürlich auch praktische und sehr wirtschaftliche Gründe... Quelle: Sächsisches Staatsarchiv, Bergarchiv Freiberg, Bestand 40170, Nr. 490, Blatt 102.

Link zum Digitalisat:  archiv.sachsen.de/archiv

  

Der Verhandlung des Antrages unter den grenzübergreifend zu beteiligenden Behörden halber, hatte schon die Betriebsleitung einen Ortstermin vorgeschlagen, der dann auch am 25. Juni 1910, im Gasthof Zur Grenze“ in Sohland, einberufen wurde. Das Protokoll zu dieser Tagung findet sich ab Blatt 109 in der Akte (40170, Nr. 490).

Wieder fast schon postwendend genehmigte das Sächsische Bergamt am 29. Juni 1910 diesen Plan.

   

Am 26. September 1910 teilte Bergingenieur O. Krauth namens der GmbH dem Bergamt mit, daß Obersteiger Wilhelm Unverzagt am 1. Oktober aus ihren Diensten ausscheide und daß an seine Stelle der Obersteiger Gerhard Hunger aus Sohland treten solle. Dieser stammte aus Dülken, hatte erst im März 1909 in Siegen die Bergschule abgeschlossen und war seitdem bei der Wittenberger Kupfer- Aktiengesellschaft in Äußerfelden / Österreich als Steiger tätig. Die Akten verraten dazu, daß Herr Unverzagt eine bessere Stellung bei einer Goldminengesellschaft auf Sumatra angenommen habe.

Zum laufenden Betrieb berichtete Krauth, daß der Aufbruch zirka 4,5 m unter dem Tiefsten des Hauptmannschachtes eingekommen sei und daß man von dort aus vorgebohrt und das Gestein durch einen Schuß gelockert habe, damit die im Schacht stehenden Wasser abziehen können.

Außerdem beabsichtige man nun, auch das vom Hauptmannschacht auf höherer Sohle angeschlagene Gegenort in Richtung auf den Herbergschacht, das bereits 11 m ausgelängt, aber noch nicht mit dem entgegenkommenden Streckenort vom Herbergschacht aus durchschlägig war, nun wieder aufzunehmen. Dazu waren noch etwa 14 m Vortrieb erforderlich.

Überhaupt wolle man auch auf tiefer Sohle in Richtung Westen die bereits früher mit der Herbergstrecke untersuchten Bereiche unterfahren, war sich aber noch nicht sicher, ob man zunächst auf der 70-m-Sohle den Querschlag weiter forttreibe oder einen zweiten auf höherer Sohle ansetzen werde.

Mit der Ausführung dieser Vortriebsarbeiten wollte man den „Querschlagsunternehmer“ Max Reinsch aus Rybnik in Oberschlesien beauftragen. In folgender Skizze sind die betreffenden Strecken gestrichelt eingezeichnet.

 


Die Skizze von Bergingenieur O. Krauth aus seiner Anzeige vom September 1910. Quelle: Sächsisches Staatsarchiv, Bergarchiv Freiberg, Bestand 40170, Nr. 490, Blatt 102.

Link zum Digitalisat:  archiv.sachsen.de/archiv

  

Von seiner nächsten Befahrung berichtete Inspektor Anshelm, Berginspektion II in Freiberg, am 21. September 1910, daß das Überhaun zum Hauptmannschacht nun fast vollendet und das Bohrloch ins Tiefste des Schachtes durchgestoßen sei. Damit die Wasser besser gezäpft werden könnten, hatte man zudem durch eine Sprengung am Durchstoßpunkt in der Sohle des Schachtes das Gebirge aufgelockert und durchlässiger gemacht (40170, Nr. 490).

Vom Streckenort auf der 70-m-Sohle stoße man gerade eine weitere Erkundungsbohrung in Richtung Westen, die bereits 29 m Länge erreicht, bisher aber auch nur Spuren von Magnetkies gezeigt hätte. Da auch im Überhaun Erz von einiger Bedeutung nicht angetroffen worden ist, erscheint die Einstellung des geplanten Grubenbetriebes unausbleiblich,“ notierte Anshelm weiter. Daher wolle man vom Pumpenort im Hauptmannschacht ausgehend nun die höher gelegenen Bereiche dadurch aufschließen, daß man diese Strecke mit der 1909 vom Herbergschacht aus schon einmal rund 50 m weit getriebenen zum Durchschlag bringe.

Am 18. November 1910 teilte O. Krauth dann jedoch dem Bergamt mit, daß der Betrieb in dem zu Sohland/Spree gelegenen, sächsischen Teil der Grubenfelder“ des Nickelbergbau Syndikats vorläufig eingestellt ist und im Weiteren auf den österreichischen Teil beschränkt werde. Anfang 1911 zeigte die Betriebsführung noch an, daß das Wasserbohrloch zwischen dem Überhauen und dem Tiefsten des Hauptmannschachtes verspündet werde, so daß man bei Bedarf den Hauptmannschacht leicht wieder sümpfen könne, die Pumpenleistung im Rosenhaier Schacht aber nicht dauerhaft ausschöpfen müsse. Dort mußten zu dieser Zeit bis zu 3 m³ Wasser pro Minute 70 m gehoben werden.

Ab 1. Mai 1911 schied O. Krauth aus der technischen Betriebsleitung aus.

Von seiner Befahrung am 11. Mai 1911 berichtete Inspektor Leonhardt von der inzwischen gebildeten und nun zuständigen Berginspektion Dresden, daß sich der Wasserstand im Hauptmannschacht allmählich senke; das Verspünden mithin zwecklos geworden ist. Im Oktober 1911 war nur noch 4 m Wasserstand über der Schachtsohle zu verzeichnen. Ansonsten ruhte der Betrieb. Außer den beiden Aufsichtsführenden, Obersteiger Hunger und Aufseher Richter, war nur noch ein Maschinenwärter namens Böhme aus Schluckenau auf der Grube beschäftigt.

Da die Geschäftsführung ihm das Gehalt von 225,- Mark monatlich zukünftig kürzen wollte, was dem natürlich nicht genehm war, wurde im Juli 1912 dem Obersteiger Hunger gekündigt. Ab Januar 1913 trat Wilhelm Unverzagt wieder an dessen Stelle. Der war auf Sumatra an der Ruhr erkrankt und deshalb wieder zurück nach Deutschland gekommen.

Nach seiner Befahrung am 20. Februar 1913 schrieb Bergrat Borchers nieder, man wolle nun doch die Bergfeste zwischen der Sohle des Hauptmannschachtes und dem Überhauen wegschießen, um bei diesem wieder etwas Abbau zu treiben“ und das gewonnene Erz über den Rosenhainer Schacht ausfördern zu können. Ich habe den Eindruck gewonnen, als ob hierbei ein ernsthafter Abbaubetrieb gar nicht beabsichtigt ist. Einen solchen würden die vorhandenen Aufschlüsse beim Hauptmannschachte wohl auch nicht, oder höchstens in ganz beschränkter Weise, zulassen. Vielmehr soll wohl nur Erz aufgeschlossen werden, um der Grube ein freundlicheres Ansehen zu geben,“ heißt es in Borchers' Fahrbericht weiter.

Auch Obersteiger Unverzagt zog im Mai 1913 wieder ins Rheinische Revier um, beantragte vorher jedoch noch beim Bergamt, daß ihm die Aufsicht über das Werk für die Zeit, in der nur im Rosenhainer Schacht die Wasser niedergehalten würden, noch bleiben dürfe, solange bis unsere Gesellschaft zum Vollbetrieb übergeht.“ Hm, na ja...

Außer einigen Reparaturen des Ausbaus im Hauptmannschacht und Schürfarbeiten auf tschechischem Gebiet passierte jedenfalls auch weiterhin nichts. Für die Letzteren wurde von der Geschäftsführung des Nickelbergbau Syndikats auf Forderung des k. u. k. Bergamts in Teplitz / Teplice der vormalige Betriebsleiter der Geisenheimer Kaolinwerke, Ernst Buchholz, angestellt. Da er aber keine bergmännische Ausbildung besaß, wurde dies von sächsischer Seite nur unter dem Vorbehalt jederzeitigen Widerrufs ‒ falls auf sächsischer Seite der Abbau doch wieder aufgenommen werde ‒ genehmigt. Nur wenige Monate später verließ auch Herr Buchholz Sohland wieder. Diese Fluktuation spricht Bände: Was sollte er auch hier tun... (40170, Nr. 490)

Bis Ende 1915 wurde die Grube auf diese Weise ohne Ausbringen in Fristen gehalten.

  

Dann sorgten aber der 1. Weltkrieg und ausbleibende Importe für einen hohen Bedarf an Legierungsmetallen für die Stahl- und Rüstungsindustrie. Im deutschen Kaiserreich wurde deshalb die Kriegsmetall Aktiengesellschaft gegründet und mit der Beschaffung der nötigen Metalle beauftragt. Schon am 28. April 1915 konnte man aus der Oberlausitzer Dorfzeitung erfahren: Wie zuletzt verlautet, soll in den Bergwerken hierselbst sowie in denen auf böhmischer Seite der Betrieb in der nächsten Zeit wieder aufgenommen werden.“ (Information von F. Koch, Sohland)

Am 5. Juni 1915 berichtete dann die Oberlausitzer Dorfzeitung unter der Überschrift Vom Nickelwerke etwas ausführlicher: Vor etwa zwei Jahrzehnten entdeckte man in hiesiger Flur, auf dem nahe der böhmischen Grenze gelegenen Grundstücke des Wirtschaftsbesitzers Herberg, Lager von Kupfer und Nickel. Es entstand eine Grube, das erste und einzige Erzbergwerk der sächsischen Oberlausitz... Nachdem das Bergwerk einige Jahre gut gegangen war, mußte es infolge des Berggesetzes, das zu hohe Anforderungen an das Werk stellte, stillgelegt werden. Der gegenwärtige Krieg hat die Aufmerksamkeit wieder auf die Grube gelenkt. Wie schon kurz berichtet, sind Verhandlungen des Werkes mit einem größeren Unternehmen zwecks Ankaufs im Gange, so daß zu erwarten steht, daß auch in unserer sächsischen Oberlausitz sich eine Quelle für Munitionsfabrikation auftut.“ (Information von F. Koch, Sohland)

Am 15. August 1915 erbat der Geschäftsführer der Nickelbergbau Syndikat GmbH, inzwischen ein Herr Lorenzen, die Stundung der Grubenfeldsteuern, am besten gleich bis zum Friedensschluß“. Die Kasse war leer und eine Gesellschafterversammlung, um neues Kapital einzutreiben, könne man gerade nicht einberufen, weil der größte Teil der Gesellschafter sich gerade im Felde befände (40170, Nr. 490).

Schließlich teilte am 17. Februar 1915 der Bergingenieur O. Krauth (ganz weg war er also nicht) nach Freiberg mit, daß man die Schächte wieder sümpfen wolle, um eine Besichtigung durch Interessenten“ zu ermöglichen. Im April d. J. zeigte der Geschäftsführer Lorenzen dem Bergamt an, daß Herr Krauth eingezogen worden sei und daß man der Friedrich Krupp Aktiengesellschaft, Essen, gestattet habe, Untersuchungen in den Grubenfeldern vorzunehmen. Die hatte sich aber noch gar nicht entschieden, ob sie auch wirklich weitere Aufschlußarbeiten vornehmen wolle, und so passierte bis Ende April 1915 wieder nichts. Im Juni hieß es dann, daß die Krupp AG von den Untersuchungen wieder Abstand genommen habe, weil der Kupfergehalt der Erze die Verhüttung auf Nickel erschwere.

Stattdessen erschien der uns bekannte Herr Dr. Dieseldorff wieder auf der Bildfläche: Der war inzwischen Mitinhaber der Norddeutschen Aluminiumwaren- Fabrik Paul Wohlert & Co. in Hamburg geworden und beantragte nun beim Bergamt, man solle doch der Nickelbergbau Syndikat GmbH Frist setzen, mit dem Bergbau endlich zu beginnen, oder aber die Verleihung der Grubenfelder widerrufen.

Am 18. Oktober 1915 wurde die Nickelsyndikat GmbH aber zunächst an das Berliner Bankhaus Dienstbach (oder Dienstbusch, in einer der Quellen ist wieder ein Schreibfehler) & Möbius verpachtet. Dieses wolle den Abbau wieder aufnehmen und werde die gewonnenen Erze der Kriegsmetall AG abliefern, hieß es. Im November 1915 wurde der Pachtvertrag rechtskräftig notariell beglaubigt. Für fachliche Beratung hatte man den Bergingenieur Armand Leroux aus Freiberg gewonnen und die Betriebsleitung sollte der Obersteiger Julius Kindling, Bergschüler aus Eisleben und zuletzt Betriebsführer eines mitteldeutschen Braunkohlenwerkes, übernehmen.

   

 
 
 

Zum Abbau unter Federführung der Kriegsmetall AG von 1915 bis 1919 in Sohland und Rosenhain / Rožany

  

Schon am 13. Oktober 1915 hatte sich derweil der Oberbergrat Borchers vom Königlich- Sächsischen Bergamt an den Herrn von den Porten gewandt, seines Zeichens Kommissar der Kriegs- Rohstoff- Abteilung des Königlich- Preußischen Kriegsministeriums, mit der Mitteilung, daß die Nickelbergbau Syndikat GmbH neuerdings lebhaft bemüht“ sei, den Sohlander Bergbau wieder in Gang zu bringen und ob es nicht möglich sei, diese Bestrebungen „im Interesse der Versorgung unserer Kriegsindustrie mit dem so dringend benötigten Metall“ zu unterstützen. Zugleich gab man zu, daß die Gestehungskosten in Sohland so hoch sein werden, daß „in Friedenszeiten der Abbau nicht angängig wäre. Vielleicht wird aber die Kriegsnotwendigkeit in dieser Hinsicht veränderte Verhältnisse schaffen...“

Herr von den Porten schrieb daraufhin am 29. Oktober 1915 nach Freiberg zurück, daß man bereits mit dem Besitzer, dem Herrn Finanzrat von Mücke, in Verhandlungen stehe (40170, Nr. 490).

Auch auf böhmischer Seite der Grenze kam es in dieser Zeit zu neuen Versuchen: Das k. u. k. Bergamt in Teplitz / Teplice teilte dem königlich- sächsischen Oberbergamt in Freiberg am 10. September 1915 mit, daß ein Schurfunternehmen Max Lawitzky aus Kiel ‒ in welcher Beziehung dieser zum (ja auch in Kiel ansässigen) Nickelsyndikat stand, ist uns noch nicht klar ‒ die Verleihung eines Grubenfeldes beantragt habe, das unmittelbar an der Staatsgrenze lag, und bat um Abstimmung der Maßnahmen zum Schutz des Grenzverlaufes und zur Verhinderung illegaler Grenzübertritte bei einem eventuellen Unterfahren der Grenze (40170, Nr. 489).

Das sächsische Oberbergamt stimmte den vorgeschlagenen Maßnahmen ‒ etwa dem einzuhaltenden Sicherheitspfeiler von 10 m söhliger Breite zur Staatsgrenze ‒ grundsätzlich zu und erbat seinerseits die Übersendung einer Karte um beantragten Grubenfeld, um zu klären, ob dadurch andere bergbauliche Interessen berührt würden. Dabei stellte sich heraus, daß besagter Herr Lawitzky nur über einen Schacht ‒ nämlich den Rosenhainer ‒ verfüge. Das wieder zu verleihende Abbaufeld wäre also dann eigentlich dasjenige des Nickelsyndikats in Rosenhain gewesen...

 

Am 17. November 1915 teilte dann auch Bergingenieur A. Leroux aus Freiberg namens des Nickelsyndikats dem sächsischen Bergamt mit, daß man die Förderung nun selbst wieder aufnehmen und, da der Hauptmannschacht nicht mit den nötigen Fahr- und Förderanlagen ausgerüstet sei, die ‒ zur Verhinderung eines Grenzübertritts immer noch bestehende ‒ Schwebe zwischen der Sohle des Hauptmannschachts und der Verbindungstrecke zum Rosenhainer Schacht nun durchbrechen wolle. Die auf sächsischer Seite gewonnenen Erze wollte man dort ausfördern.

Für den 23. November 1915 wurde daraufhin erneut ein Ortstermin mit allen zu beteiligenden, sächsischen und österreichischen Behörden, passenderweise wieder im Gasthof Zur Grenze in Sohland, anberaumt. Vonseiten der neuen Besitzer der Grube, der Firma Dienstbach & Möbius aus Berlin, nahmen Herr Max Möbius, Bergingenieur Armand Leroux und Steiger Julius Kindling und als Vertreter des Nickelsyndikats, das Bergbaubetreiber blieb, Herr von Mücke und Carl Hauptmann ‒ ach schau an, da ist auch der inzwischen beteiligt ‒ daran teil (40170, Nr. 489).

Infolge der Kriegsnotwendigkeit ist die Frage der Gewinnung von Nickelerz neuerdings wieder brennend geworden,“ heißt es im Protokoll dieses Ortstermins. Der österreichische Oberbergkommissär Dr. Karl Jirsch schlug dabei vor, auf den Sicherheitspfeiler unter dem Grenzstreifen zu verzichten, da sonst das doch wertvolle Erz dort dem Abbau entzogen werde. Nur sollten die entstehenden Hohlräume zeitnah wieder mit Bergen ausgesetzt werden. Überhaupt waren die beiden Staaten ja Verbündete in diesem Krieg.

Später schloß das sächsische Bergamt aber doch einen Pfeiler unter dem Rosenbach und dem Mühlgraben, der Gefahr eines Wassereinbruchs in die Grube halber, vom Abbau aus.

Hinsichtlich der Zollangelegenheiten einigte man sich mit der k. u. k. Bezirksfinanzdirektion Reichenberg / Liberec auf die ja schon bei dem ersten Ortstermin am 25. Juni 1910 getroffenen Vereinbarungen. Insbesondere durften auch die auf tschechischer Seite gewonnenen Erze nach Deutschland ausgeführt werden. Umgekehrt sollte die Hälfte des aus dem Erz erschmolzenen Nickelmetalls dann wieder in das österreichisch- ungarische Kaiserreich ausgeführt werden.

Der Vertreter des k. u. k. Kriegsministeriums, Militärkommando Leitmeritz / Litomĕřice, Bergwerksinspektor Prof. Dr. Bartel Granigg, genehmigte zudem die vorläufige Zurückstellung der eigentlich zugunsten der Wolframerzgewinnung in Böhmisch Zinnwald / Cínovec geplanten Konfiskation der Förder- und Wasserhaltungsanlagen auf dem ja immer noch außer Betrieb stehenden Rosenhainer Schacht. Im Gegenzug sollte aber der Betreiber des dortigen Bergbaus auf sächsischer Seite, die Stahlwerke Lecker AG aus Willich, den Grenzdamm im Tiefen Bünau- Stollen öffnen, so daß die Grubenwässer aus Cinovec über diesen Stolln abgetragen werden können.

Damit auch alles korrekt aufgezeichnet wurde, führte die sächsische und die österreichische Seite übrigens je ein eigenes Protokoll, das im Nachgang ausgetauscht wurde.

   

Auch am 23. November 1915 teilte schließlich noch August Herberg dem Bergamt in Freiberg mit, daß Herr von Mücke ihn aufgesucht und ihm erklärt habe, daß die GmbH von der hohen Behörde“ angehalten worden sei, nicht nur den Abbau schnell aufzunehmen, sondern daß sämtliche vorhandene Erze infolge der Metallknappheit rausgerissen werden müssen.“ Herr von Mücke habe ihn daher vor die Wahl gestellt, entweder enteignet zu werden, oder einem Verkauf der für den Bergbau benötigten Teile seines Anwesens zuzustimmen. Er habe sich für einen Verkauf entschieden, eine Taxation veranlaßt und warte nun auf das Kaufangebot des Nickelsyndikats (40170, Nr. 489).

Wieder machte er aber auch Bedenken dagegen geltend, daß das Bergbauunternehmen nach Aussage des Herrn von Mücke die schon früher vorgeschriebenen Sicherheitspfeiler an seinem Wohnhaus abbauen und durch taubes Gestein ersetzen“ wollten. Besonders, wenn das Bergbauunternehmen schon von vornherein finanziell schwach“ sei, sei es schwer, für entstandene Schäden nach Einstellung des Bergbaus noch Entschädigung zu erhalten.

  

Am 26. November 1915 ging dann ein Schreiben des Bankhauses Dienstbach & Möbius aus Berlin an das Bergamt, in dem es heißt, daß sie nicht mehr Bergwerksunternehmer in Sohland seien. Am 7. Dezember 1915 bestätigte die Firma gegenüber dem Bergamt auf dessen Nachfrage hin noch einmal, daß sie den Betrieb wieder an den früheren Besitzer, die Nickel- Bergbau- Syndikat GmbH, abgegeben hätte (40170, Nr. 489).

Nach Angaben in den Jahrbüchern war das Nickelsyndikat ab Dezember 1915 dann an den Kaufmann Carl Bing, ansässig in der Mattenwiete 28 in Hamburg, erneut weiter verpachtet (Nach dem Vetragsentwurf, Blatt 159ff der Akte, hat die Übergabe am 1. Oktober d. J. stattgefunden.). Hierzu heißt es in einem Bericht der Berginspektion Dresden vom 12. April 1916 aber, daß das Nickelbergwerk nach Angabe (des Obersteigers) Baum's seit 5. April 1916 nicht mehr auf Kosten Ludwig Bing's in Hamburg, sondern angeblich auf Kosten der Kriegsmetall AG betrieben wird.“

Später erfahren wir noch, daß es sich hier einmal nicht um eine Namensverwechslung gehandelt hat, sondern daß es auch einen Ludwig Bing tatsächlich gab. Diese Fluktuation der Besitzer bzw. Pächter scheint uns vor allem darauf hinzuweisen, daß die Nickel Bergbau Syndikat GmbH zu Kiel in dieser Zeit, solange die Preise für Nickel immer weiter stiegen, mit aller Macht und so teuer wie nur möglich an den Mann gebracht werden sollte.

  

Durch den Druck der Kriegsmetall AG kam es nun jedenfalls tatsächlich zu neuen Untersuchungen in Sohland und Ende 1915 schließlich auch zur Wiederaufnahme des Abbaus. Am 3. Dezember genehmigte das Bergamt den eingereichten Betriebsplan für die Auffahrung der Durchschläge zwischen den bisher eigenständigen Gruben.

Neben zunächst 4 Bergarbeitern war ab 6. Dezember 1915 als Betriebsleiter der eigentlich schon pensionierte, 56 Jahre alte Grubensteiger Heinrich August Friedrich Wilhelm Baum (in den Jahrbüchern heißt er Braune) aus Leutenthal anstelle von J. Kindling in Sohland angestellt. Am 10. Dezember erhielt er seine Bestätigung durch das Bergamt. Die technische Oberleitung blieb bei Bergingenieur A. Leroux. Einem Fahrbericht des Inspektors Leonhardt von der zuständigen Berginspektion Dresden vom 13. Januar 1916 ist zu entnehmen, daß die Belegschaft bis dahin bereits auf 16 Arbeiter angewachsen war.

Sprengstoff wurde nun von der Firma G. Krantz & Co. in Bautzen bezogen und dort auch gelagert. Die Umgangsgenehmigung sah vor, daß jeweils maximal 75 kg von Bautzen nach Sohland transportiert werden durften. Das frühere Hauptmann'sche Magazin übertage wurde nicht mehr benutzt; der Sprengstoff vielmehr untertage in einer verschlossenen Seitenstrecke gelagert, wo er auch nicht mehr winters gefror. Da diese aber auf böhmischer Seite lag, mußte dem erst noch das Revierbergamt in Teplitz / Teplice zustimmen (40170, Nr. 489).

  

Nach seiner Befahrung vom 29. Februar d. J. berichtete Inspektor Leonhardt an das Bergamt in Freiberg, daß am 16. Januar 1916 zuerst der Durchschlag zwischen Hauptmannschacht und dem Überhauen von der 68-m- Sohle*) aus erfolgt ist.

Aus Sorge um Wassereinbrüche habe man den Durchhieb zur Herbergstrecke dagegen aufgegeben und die Arbeiten auf die 31-m- Sohle verlagert, die Strecke bereits um 9 m nach Osten erlängt und dabei derben Magnetkies angefahren. Das Überhauen unter dem Hauptmannschacht werde als Rolle benutzt. Um ihn trotzdem als Fluchtweg nutzen zu können, halte man eiserne Fahrten bereit, die bei Bedarf dort eingehängt werden könnten.

*) Anmerkung: Bei den Sohlenbezeichnungen hat sich nach und nach eine Rundung durchgesetzt und die 68-m- Sohle wird oft vereinfachend auch als 70-m- Sohle bezeichnet. Tatsächlich lag sie am Rosenhainer Schacht in 68,5 m Teufe unter der Rasensohle.

Inzwischen waren schon 42 Mann auf dem Werk angelegt; davon fuhren je 24 Arbeiter in zwei Schichten an, die übrigen waren übertage beschäftigt. Neben Julius Richter verrichte auch der aus Schluckenau stammende Maschinist Adolf Böhm inzwischen Aufseherdienste, was dem Bergamt noch anzuzeigen sei. Sonst fand der Inspektor kaum etwas zu bemängeln.

Bis dato habe das Werk bereits 78 t Erz an die Muld'ner Hütte geliefert; insgesamt seien schon rund 200 t zutagegefördert worden, die teils noch auf dem Sohlander Bahnhof, teils auf dem Werksgelände lagerten. Die aus dem früheren Betriebe noch vorhandenen Erzvorräte hätten bei der Analyse 2,4 % Nickelgehalt, die gerade angefahrenen Derberze dagegen bis zu 5,8 % Nickelgehalt aufgewiesen. Nach einer weiteren Analyse vom Mai 1916 enthielt das gelieferte Roherz 2,3 % Nickel und 1,1 % Kupfer, ließ sich jedoch nach den Schmelzversuchen in Muldenhütten schon nach der ersten Schmelze auf 15 % Nickel und 10 % Kupfergehalt im Stein anreichern (40170, Nr. 489).

Das Jahrbuch aus dem Jahr 1916 berichtet uns im Kapitel C. Erzbergbau, im Abschnitt I. Neue Lagerstättenaufschlüsse..., ebenfalls darüber, wozu die Investitionen verwendet worden sind: „Beim Hauptmannschachte des Sohlander Nickelbergbaus wurde 30 m unter der Hängebank der in Granit aufsetzende Diabasgang angefahren und auf 28 m Länge in West aufgeschlossen. Er ist hier zum Teil von nickelhaltigem Magnetkies imprägniert, führt solchen aber auch in derber Beschaffenheit.“

Außerdem heißt es im Abschnitt II. Schacht- und Maschinenanlagen: „Beim Sohlander Nickelbergbau wurde die im Hauptmannschachte unterhalb der 30 m- Sohle bisher noch vorhanden gewesene 4 m starke Bergfeste beseitigt und hiernach der betr. Schachtteil als Rolle eingerichtet, in welche die bei den Untersuchungsarbeiten gewonnenen Erze eingefüllt werden, um dann in der tiefen Sohle zum Rosenhainer Schachte und in diesem zu Tage gefördert zu werden. Der obere 30 m tiefe Schachtteil wurde mit elektrischer Glühlichtbeleuchtung ausgestattet.“

  

Am 26. Februar teilte auch A. Leroux nach Freiberg mit, daß man von dem Durchschlag auf die sehr tagesnahe Herbergstrecke absehen wolle. Stattdessen beinhaltete der eingereichte, neue Betriebsplan, nun 7 m tiefer eine neue Strecke nach Westen anzuschlagen und von dieser aus das hier auf 3 m Breite anstehende Derberz im Firstenbauverfahren, jedoch bis höchstens 2 m unter die Sohle der Herbergstrecke (respektive auf 5 m Höhe) abzubauen.

Außerdem beabsichtigte man, aus dieser Strecke heraus Gesenke abzuteufen, um die Erzführung zwischen dieser und den tieferliegenden Sohlen näher untersuchen zu können. Mit demselben Ziel wollte man außerdem auch nach Osten ‒ zum Rosenhainer Schacht hin ‒ eine weitere Verbindungsstrecke auffahren (40170, Nr. 489).

Der Betriebsplan wurde auch am 31. März genehmigt, dabei nur zusätzlich vorgeschrieben, daß die Einfüllöffnung der Rolle im Überhauen als Absturzsicherung mit einem Gitter zu versehen sei.

Auch im März 1916 fiel dann dem Hauptzollamt zu Bautzen auf, daß die An- und Ausfahrt der Mannschaft doch gegenwärtig über den Hauptmannschacht erfolge, während der Rosenhainer Schacht nur zur Förderung benutzt werde, was aber den Festlegungen vom 25.Juni 1910 widerspreche, und fragte daher beim Bergamt an, ob es hierzu neue Festlegungen gäbe.

Das Bergamt antwortete darauf, daß der Durchschlag des Überhauens in die Sohle des Hauptmannschachtes leider nicht wie geplant, sondern seitlich versetzt erfolgt und daher zu eng sei, um ihn (außer als Rolle) auch noch als regelmäßigen Fahrweg für die auf sächsischer Seite arbeitenden Bergleute nutzen zu können. Weil es nun zu lange Zeit erfordern würde, das Überhauen nachzureißen, während der die Förderung unterbrochen werden müsse, was wegen des so notwendigen Bedarfes dieses den Zentralmächten nur in verhältnismäßig geringer Menge zur Verfügung stehenden Kriegsmetalls für Heereszwecke vermieden werden möchte,“ schlage man daher vor, kurzerhand nicht die Rasenhängebank des Hauptmannschachtes ‒ der eigentlich hätte verschlossen bleiben sollen ‒ sondern den Zugang zum Überhauen als zollpolitische und zolltechnische Grenze festzulegen.

Bei solchen Argumenten kann sich die Zollbehörde dem Vorschlag wohl nicht entzogen haben; weiterer Schriftverkehr hierzu fehlt aber...

  


Skizze zur tatsächlichen Ausführung des Überhauens zwischen der 68-m- Sohle und dem Hauptmannschacht von Bergingenieur A. Leroux aus dem Jahr 1916. Die Angabe der Süd- bzw. Nordrichtung darin sagt aus, daß die Schnittebene dieser Skizze quer zum Gangstreichen liegt. Das Überhauen war demnach offensichtlich ein paar Meter zu weit nördlich angesetzt. Vielleicht hat man die hier dargestellte Kammer im oberen Drittel des Überhauens als Aufstellort für die Bohrmaschine benötigt, mit der man die Bohrungen in die Sohle des Hauptmannschachtes gestoßen hatte, über die das dort stehende Wasser abgeleitet wurde. Quelle: Sächsisches Staatsarchiv, Bergarchiv Freiberg, Bestand 40170, Nr. 489, Blatt 81.

Link zum Digitalisat:  archiv.sachsen.de/archiv

  

Die Betriebsleitung kam am 17. März 1916 auch der Mängelrüge des Inspektors Leonhardt nach und zeigte der Berginspektion in Dresden an: Unsere Belegschaft beträgt heute 51 Mann. Die Erzverhältnisse bessern sich von Tag zu Tag und wird dadurch auch die Arbeiterzahl immer größer.“ Deshalb müsse man für weitere Personen die bergamtliche Zulassung als Aufsicht und als Schießmeister beantragen und brachte neben Julius Richter und Adolf Böhm noch Johann Grohmann in Vorschlag. Als deren Stellvertreter wurden außerdem der Oberzimmerling Otto Unger und der Bohrmaschinenhauer Artur Böhm benannt.

Einem Nebensatz in einer Anzeige des Betriebsleiters und Obersteigers W. Baum an die Berginspektion Dresden vom 28. März 1916 ist zu entnehmen, daß schon bisher untertage in zwei Schichten gearbeitet wurde; die gebrochenen Erze aber nur in der Tagschicht ausgefördert wurden. Ab März 1916 war deren Menge so angewachsen, daß der Betriebsleiter den Förderschacht nun auch in der Nachtschicht (und zwar mit weiteren 4 Mann) belegen mußte.

Am 29. März wurden die drei Genannten auch als Aufseher bestätigt, nur der erst 18 Jahre alte Artur Böhm (obwohl er vom Bergamt in Teplitz / Teplice die Zulassung als Schießmeister schon hatte ‒ aber es mußte ja alles doppelt beantragt werden) wurde aufgrund seines noch jugendlichen Alters und fehlender Erfahrung vom sächsischen Bergamt nicht bestätigt (40170, Nr. 489).

Bei diesem schnell wachsenden Betrieb mußte Obersteiger W. Baum auch anzeigen, daß die Wasserzuläufe stetig zunähmen. Um Abhilfe zu schaffen, wollte er einen zweiten Blindschacht zwischen der dazu nach Westen zu verlängernden Strecke auf der 68-m- Sohle und der 31-m- Sohle auffahren. Er zeigte auch gleich mit an, daß er auf der 68-m- Sohle mit dem Streckenvortrieb gestern schon begonnen und das Ort mit sechs Mann belegt habe.

Weil natürlich die derzeit am Hauptmannschacht auf die 68-m- Sohle verstürzenden Wasser am Rosenhainer Schacht dann wieder um zusätzliche 23 m gehoben werden müßten, habe er außerdem damit begonnen, einen zweiten Durchschlag auf der 31-m- Sohle vom Rosenhainer Schacht aus zum Hauptmannschacht herzustellen. Auch dieses Streckenort wurde sofort aufgenommen.

Normalerweise hätte zu diesen ‒ aus technischer Sicht ja nur vernünftigen ‒ Maßnahmen natürlich wieder die grenz- und behördenübergreifende Kommission einberufen werden müssen. Erklärung forderte daher am 30. März 1916 auch die Berginspektion in Dresden vom technischen Oberleiter A. Leroux. Der äußerte am 3. April gegenüber dem Bergamt, daß die Rolle unter dem Hauptmannschacht durch die angewachsene Förderung fast stets ganz mit Erz befüllt sei, so daß sie als Fluchtweg nicht mehr genutzt werden könne. Nach Fertigstellung eines neuen Verbindungsschachtes würde man dann, wie früher festgelegt, den Hauptmannschacht übertage verschließen.

Nachdem auch das k. u. k. Revierbergamt Teplitz / Teplice am 8. April bestätigt hatte, daß man zu der so beschriebenen Vorgehensweise keine zusätzlichen Forderungen habe, wurde am 3. Mai darüber in Sohland noch einmal verhandelt und im Ergebnis dieser Besprechung der angezeigte Plan am 8. Mai 1916 auch vom sächsischen Bergamt grundsätzlich genehmigt.

Spätestens bei der nächsten Grubenbefahrung wurden jedoch verschiedene Mängel im Grubenbetrieb festgestellt. So wurde ‒ was freilich in Kriegszeiten auf vielen Bergwerken so gewesen ist ‒ statt des genehmigten Dynamits ein anderer Sprengstoff (der Chlorat- Sprengstoff Gesteins- Koronit) verwendet. Der Fördermotor beim Rosenhainer Schacht befinde sich schon seit Wochen in schadhaftem Zustande und es sei anzunehmen, daß er bald ganz ausfallen werde. Auch der eigentlich ja für die Wasserhaltung und als Fluchtweg so wichtige Blindschacht war noch gar nicht in Angriff genommen worden. Seit Monaten schon lägen auf dem Werksplatz die Bestandteile eines Steinbrechers, zu dessen Aufstellung noch nicht das Geringste geschehen sei (40170, Nr. 489).

  

Der Bergingenieur Armand Leroux verwendete übrigens schon ab Mitte 1916 Briefbögen mit der Aufschrift im Auftrage der Preuß. und Sächs. Kriegsministerien durch die Kriegsmetall Aktiengesellschaft Berlin. Bevollmächtigter für die Überwachung der Wolfram-, Molybdän- und Zinngewinnung im Königreiche Sachsen.“

Das Ausscheiden des Herrn Leroux aus der Betriebsleitung des Nickelsyndikats teilte am 11. Mai 1916 auch Herr Carl Bing dem Bergamt mit. Auf Vermittlung des Herrn Bergassessors Sauerberg von der Geologischen Landesanstalt zu Berlin wollte C. Bing den Bergingenieur und konzessionierten Markscheider E. Wötzel aus Dresden als neuen Betriebsleiter anstelle von A. Leroux anstellen. Herr Baum blieb als Obersteiger auf dem Werk.

Am 18. Juli 1916 antwortete man vonseiten des Bergamts darauf, daß man gegen die Anstellung des Herrn Wötzel nichts einzuwenden habe, jedoch fehle ein Nachweis darüber, daß Herr C. Bing überhaupt berechtigt sei, in Sohland Bergbau zu betreiben. Am besten sei der Nachweis durch Beibringung seines Pachtvertrages mit der Nickelbergbau Syndikat GmbH zu erbringen.

Dieser erneute Wechsel in der Betriebsführung stieß wohl auch dem Sächsischen Landesbergamt herb auf. Es beschwerte sich im Juli 1916 nämlich bei der Kriegsmetall AG in Berlin über die Nachlässigkeit und Langsamkeit, mit der dieser kriegswirtschaftlich so außerordentlich dringliche Nickelbergbau betrieben wird,“ was auch für die Bergbehörde in hohem Grade auffällig“ war „und uns zu schweren Bedenken Anlaß gibt.“

Weiter heißt es: Die in hohem Grade mangelhaften Zustände beim Sohlander Nickelbergbau scheinen ihre Ursache weniger in einer Nachlässigkeit der Betriebsleitung, als vielmehr darin zu haben, daß seither soviel verschiedene Stellen und Unternehmer ihren Einfluß und ihre Interessen in zum Teil ganz verschiedenartiger Weise geltend gemacht haben. So sind nach vielen anderen Vertreter der Kriegsmetall AG, der Königlich Preußischen Geologischen Landesanstalt, der Grubenbesitzerin (Nickelbergbau- Syndikat GmbH) und des Pächters Bing in Sohland gewesen und haben zum Teil voneinander ganz abweichende Angaben gemacht und Anordnungen erlassen...“

Besonders wurde in diesem Zusammenhang auf den höchst mangelhaften und reparaturbedürftigen Zustand der Fördermaschine beim Rosenhainer Schacht verwiesen. Der Betriebsleiter habe dies schon vor längerer Zeit angezeigt, ohne das irgend etwas geschehen wäre (40170, Nr. 489).

  

Auf das Schreiben des sächsischen Bergamtes antwortete wiederum die Kriegsmetall AG aus Berlin am 22. Juli 1916, daß man die geäußerte Meinung vollauf teile. Die Verhandlungen mit der Nickelbergbau Syndikat GmbH seien aber schon vor längerer Zeit gescheitert und nun erst habe man mit dem neuen Pächter Bing einen Vertrag abgeschlossen, nachdem die Kriegsmetall AG Zuschüsse zum Ausbau der Betriebsanlagen geben werde, die mit der Lieferung der Nickelerze abgegolten werden sollen. Für diese Regelung war nach den Bestimmungen des Pachtvertrages zwischen Bing und dem Nickelsyndikat aber nun wieder die Zustimmung des letzteren erforderlich und die läge immer noch nicht vor.

Sicherheitshalber hatte zuvor am 24. Mai 1916 die Kriegsmetall AG schon einmal beim Sächsischen Landesbergamt nachgefragt, ob eine Eintragung von Hypotheken auf Bergwerkseigentum nach der sächsischen Berggesetzgebung zulässig sei.

Auch das Nickelsyndikat äußerte sich natürlich zu dem bergamtlichen Schreiben vom Juli 1916, verwies dabei auf unannehmbare Bedingungen, die vermutlich die Kriegsmetall AG dem Pächter aufzwänge, die sie aber nicht anzunehmen bereit wären. Erst ziemlich weit hinten im beigefügten Schriftverkehr hierüber werden dann einige Forderungen konkret benannt: So verlangte Carl Bing etwa 6 % Zinsen für die in dem von ihm selbst gepachteten Betrieb investierten Gelder und ein Jahresgehalt für sich selbst von 24.000,- Mark. Außerdem beschwerte sich Finanzrat von Mücke beim sächsischen Landesbergamt, daß die Kriegsmetall AG ihm unverhohlen mit der Entziehung des Bergbaurechtes gedroht habe.

Der Pachtvertrag mit Carl Biing war übrigens für die Dauer bis drei Monate nachdem Deutschland mit allen gegen das Reich kriegführenden europäischen Staaten Frieden geschlossen hat, mindestens aber bis 15. Januar 1917 auch bei früherem Friedensschluß“ geschlossen (40170, Nr. 489).

Da verlief die Geschichte anders...

Am 25. Juli 1916 wurde daraufhin nun ein Besprechungstermin bei der Kriegsmetall AG in Berlin angesetzt. Daran nahmen teil:

  • der Vorsitzende der Nickel- Abteilung bei der Kriegsmetall AG, Herr Dr. Busemann,

  • als Vertreter der Nickelbergbau Syndikat GmbH Herr von Mücke,

  • der Pächter C. Bing, Hamburg,

  • der bergtechnische Berater bei der Kriegsmetall AG, Bergassessor Duwensee und

  • seitens der sächsischen Bergamtes Oberbergrat Borchers.

Bergrat Borchers brachte dabei zum Ausdruck, daß es auch in Sohland keinesfalls feststehe, ob überhaupt größere und einigermaßen aushaltende Erzmittel vorhanden seien; vielmehr sei nach den bisherigen Aufschlüssen eher anzunehmen, daß es sich nur um absätzige Linsen und Nester des nickelhaltigen Magnetkieses handele. Aus seiner Sicht wäre in erster Linie kurzfristig nötig:

  • die Reparatur bzw. Beschaffung eines neuen Fördermotors,

  • die Errichtung einer stärkeren Kompressorenanlage zum Betrieb einer größeren Anzahl von Bohrhämmern und

  • die Aufstellung und Inbetriebnahme des Steinbrechers nebst einer Läutertrommel und einer Lesebandeinrichtung, um das taube Material abzutrennen und bereits auf der Grube das Roherz zu einem Konzentrat anzureichern.

Diese Maßnahmen würden wohl etwa 50.000,- Mark kosten und nicht zu finanziellen Schwierigkeiten führen.

Bei der eigentlichen Schlichtungsverhandlung zwischen dem Bergwerkseigentümer und dem Pächter gelang es mir, unter ausdrücklicher Hervorhebung der Mittel (Entziehung des Bergbaurechts bei weiterer Verzögerung des Betriebes)... die Parteien zu einer Einigung zu bringen,“ notierte Bergrat Borchers in seiner Niederschrift. Es wurde ein Nachtrag zum Pachtvertrag aufgesetzt und von beiden sofort unterzeichnet. Darin war nun ein Zins in Höhe von 1,- Mark pro Kilogramm ausgebrachtes Nickelmetall für die Nickelbergbau Syndikat GmbH vereinbart.

Sodann wurde alles Erforderliche wegen des Betriebes und dessen energischer und beschleunigter Durchführung verabredet,“ hielt Borchers noch fest (40170, Nr. 489).

Am 21. Oktober 1916 verzichtete Finanzrat von Mücke auch noch auf die Beteiligung der Nickelsyndikat GmbH in der Vertretung gegenüber Behörden. Der Pächter müsse den Betrieb leiten und im Interesse einer flotten Betriebsführung“ seien umständliche Abstimmungen mit Dritten nur hinderlich. Nur bei wichtigeren Verhandlungen“ sollte die GmbH ebenfalls gehört werden. Stattdessen war ja nun die Aktiengesellschaft aus Berlin mit im Boot (40170, Nr. 488).

   

Nach den Angaben in den Jahrbüchern wurden 1915 alles in allem mehr als 10.000,- Mark in Sohland investiert, ohne daß es zu einer nennenswerten Erzförderung gekommen war. Von Seiten der Kriegsmetall AG wurde im Jahr 1916 dann die oben genannte Summe von 50.000,- Mark für die weitere Erschließung und technische Modernisierung zugeschossen.

  

Bereits am 14. Juli 1916 konnte Obersteiger Baum an das Bergamt berichten, daß der Durchschlag des Blindschachtes erfolgt sei und das Überhauen unter dem Hauptmannschacht nun nur noch als Sturzrolle verwendet werde. Nach Abschluß dieser Arbeiten setze man nun die Erkundungs- und Aufschlußarbeiten fort. Dazu habe er das Streckenort auf der 31-m- Sohle mit je zwei Mann in vier Dritteln belegt und bereits 35 m weiter nach Westen fortgebracht. Über diese Länge habe man ununterbrochen reichhaltiges Erz angetroffen. Auch in die Gegenrichtung wurde auf dieser Sohle das Streckenort 6 m weiter mit guten Erfolgen“ vorgetrieben.

Einige Meter über der 30-m- Sohle von einer alten Pumpenkammer aus gegen Ost“ traf man ebenfalls auf abbauwürdiges Erz. Um es abzufördern, wurde ein Durchbruch auf die tiefere Sohle hergestellt. Schließlich wurde auch noch 6 m unterhalb der 31-m- Sohle ein Einhieb nach Westen angelegt. Auch dort traf man auf den ersten 3 m Vortrieb Erz an. Noch einmal 6 m tiefer zeigte es sich dann, daß die Erzlinse hier auskeilte.

Zusammenfassend schätzte Obersteiger Baum, daß nun auf etwa 20 m Höhe und 80 m Länge am Hauptmannschacht in 1 m bis 2 m Mächtigkeit Erz aufgeschlossen sei und abgebaut werden könne (40170, Nr. 489).

 


Skizze des Obersteigers W. Baum zu dem Stand der Auffahrungen am Hauptmannschacht im Frühjahr 1916. Ganz unten dürfte die 68-m- Sohle gemeint sein, mit a ist der Pumpensumpf auf der 31-m- Sohle bezeichnet. So richtig systematisch erscheint das alles nicht... Auf der unteren Strecke 4 habe man in beide Richtungen kein Erz mehr angefahren, in den darüberliegenden dagegen reiches Derberz, notierte der Obersteiger dazu. Die Sohlenbenennungen wurden in späteren Plänen übernommen, nur mit römischen Ziffern bezeichnet. Quelle: Sächsisches Staatsarchiv, Bergarchiv Freiberg, Bestand 40170, Nr. 489, Blatt 143.

Link zum Digitalisat:  archiv.sachsen.de/archiv

  

Dem weiteren Schriftverkehr ist noch zu entnehmen, daß es sich bei Ludwig Bing um Carl Bing's Bruder handelte, der zusammen mit dem Bergingenieur E. Wötzel die technische Leitung auf der Grube übernehmen sollte. Allerdings schied Herr Wötzel aus Krankheitsgründen bereits am 1. August 1916 aus der technischen Leitung wieder aus. Als neuen Betriebsleiter stellte C. Bing im August 1916 den Bergverwalter Heinrich August Habicht aus Frohburg ein. Außerdem teilte er dem Bergamt mit, daß er für die technische Aufsicht und die geologische Bearbeitung Herrn Leroux wieder gewonnen habe (40170, Nr. 489).

Herr Habicht reichte auch umgehend einen Betriebsplannachtrag ein, der neben dem Abbau der unterfahrenen Erzmittel auch weitere Aufschluß- und Ausrichtungsarbeiten, wie die weitere Untersuchung der Erzführung in östlicher Richtung und westlich vom Hauptmannschacht ein weiteres Überhauen zwischen der 68-m- Sohle und der IV. Sohle, vorsah. Das letztere sollte vor allem der Verbesserung der Wetterführung dienen.

Anstelle des uns bekannten Inspektors Leonhardt von der Berginspektion Dresden nahm die Bewertung des Nachtrages diesmal der Einfahrer Edmund Bernhard Oehme aus Zittau vor. Hinsichtlich des Abbaus unter der Herbergstrecke empfahl er, die Bergefeste keinesfalls weiter zu schwächen, bevor nicht in dieser höchstwahrscheinlich anstehende Wässer gezäpft worden seien.

Am 23. September 1916 nahm Oberbergrat Borchers selbst wieder eine Befahrung der Grube vor und berichtete, daß die Aufschlüsse in östlicher Richtung erfreulicher seien, als bisher erwartet, wenn auch die Mächtigkeit der Erzvorkommen dort auf 0,5 m bis 0,6 m falle. Allerdings bemängelte er, daß die Roherzanreicherung noch immer nicht in Betrieb gegangen sei. Auch fehlte es an Transportmitteln, um das Erz zur Bahnverladung nach Sohland zu schaffen. Mit einem Fuhrwerk konnte täglich nur eine knappe Tonne dorthin transportiert werden. Einen LKW habe man zwar inzwischen beschaffen könne, doch fehlte es nun kriegsbedingt an einem Kraftfahrer. So häufte sich bereits das Roherz auf dem Werksgelände so an, daß die weitere Ausförderung unterbrochen werden mußte. Dadurch war natürlich auch der Platz für die Aufstellung des Steinbrechers blockiert...

Das Roherz konnte daher nicht direkt nach Muldenhütten versandt werden, sondern wurde zuvor in Freiberg umgeladen und auf der Langenauer Bahnlinie zur Himmelsfürst'er Wäsche geschafft, dort zerkleinert, anschließend wieder aufgeladen und dann erst in die Muldner Hütte. Bei diesem Aufwand ist nur zu verständlich, wenn für das Bergamt erneut die Abbauwürdigkeit der Sohlander Lagerstätte zu Friedenszeiten und bei niedrigeren Preisen mindestens fraglich ist.“

Zwar waren inzwischen 68 Arbeiter auf der Grube beschäftigt, doch seien gelernte Bergleute nicht mehr zu bekommen und er müsse Weber und Landwirte in die Arbeit einweisen. Hinzu kämen noch die Einberufungen durch die deutsche und österreichische Heeresverwaltung, klagte auch Carl Bing gegenüber dem Bergamt am 6. Oktober 1916. Das wandte sich selbst auch an das Königlich Sächsische Kriegsministerium mit der Bitte um Unterstützung und Freistellung geeigneter Bergarbeiter vom Wehrdienst. Mehr als die Rücksendung einer Eingangsbestätigung für das Schreiben des Bergamtes geschah von dieser Seite aber nicht.

Am 7. Oktober wurde der Betriebsplannachtrag genehmigt. Am 27. Oktober konnte Betriebsleiter Habicht nach Freiberg melden, daß das Überhauen von der 68-m- Sohle westlich des Hauptmannschachtes bereits auf die dortige IV. Sohle zum Durchschlag gebracht worden ist (40170, Nr. 489).

Dasselbe bestätigte Einfahrer Oehme im Bericht zu seiner Befahrung vom 25. September (40170, Nr. 488). Die bestehenden Durchhiebe seien aber nicht zur ständigen Fahrung eingerichtet. Auch habe man ein Bohrloch aus der I. Sohle in die Herbergstrecke gestoßen, aus welchem das Wasser ohne Druck ablaufe.

   


Anlage zum Betriebsplan Habicht's aus dem Jahr 1916. Quelle: Sächsisches Staatsarchiv, Bergarchiv Freiberg, Bestand 40170, Nr. 489, Blatt 189.

Link zum Digitalisat:  archiv.sachsen.de/archiv

  


Ausschnitt aus obiger Skizze mit der Lage der bisher aufgefahrenen Schächte und Strecken.

   


Ausschnitt aus obiger Skizze mit einem Schnitt der bisher aufgefahrenen Schächte und Strecken. Darin dunkel schraffiert eingezeichnet vorgefundene bauwürdige Erzmittel.

  

Obersteiger Heinrich August Friedrich Wilhelm Baum schied ab 1. November 1916 aus dem Dienst in Sohland wieder aus (40170, Nr. 489). Im Januar 1917 bestätigte das Bergamt die Anstellung des Freiberger Steigers Fritz Lehmann als neuer Grubensteiger und des Dillenburger Bergschülers Heinrich Christ als Aufseher beim Sohlander Nickelbergbau (40170, Nr. 488).

Am 9. November 1916 erbat der Pächter Carl Bing erneut eine Verhandlung der beteiligten Landesbehörden, und diesmal auch der Kriegsmetall AG, in Sohland, um die zolltechnischen Fragen bei der Fortführung des Abbaus zu besprechen. Als Termin wurde der 13. November vereinbart. Wie bereits zuvor protokollierte Bergrat Borchers für die sächsischen Bergbehörden wieder die Festlegungen (40170, Nr. 488).

Während dieser Verhandlung berichtete der Pächter, daß man östlich des Hauptmannschachtes weitere Erzmittel aufgefunden habe und gerade das Streckenort der II. Sohle in Richtung auf den Rosenhainer Schacht zu voranbringe. In etwa drei Wochen werde man auf diesen Schacht durchschlagen. Danach werde die Mannschaftsfahrung komplett auf den tschechischen Schacht verlegt und der Hauptmannschacht könne endgültig durch die Zollbehörde verplombt werden. Mit diesem Vorgehen erklärten sich die sächsischen und österreichischen Zollbehörden einverstanden. Auch die Einfuhr von Maschinen, Sprengstoffen und Karbid blieb zollfrei und war nur spätestens einen Tag zuvor anzumelden. Die Einigung verblieb unter dem Vorbehalt, daß die Hälfte des auf tschechischem Boden gewonnenen Nickels wieder nach Österreich geliefert werde.

Außerdem befuhr der Oberbergrat zusammen mit seinem österreichischen Amtskollegen, dem Bergrevierbeamten Dr. Jirsch, sowie dem Betriebsleiter Habicht die Grube und notierte, daß die Aufschlüsse nach wie vor erfreulicher Art sind und wenigstens auf das nächste halbe Jahr für die Gewinnung einer nicht unerheblichen Menge von Nickel- und Kupfer- Erz Gewähr leisten.“

Nach einer erneuten Befahrung am 8. Januar 1917 berichtete Borchers, daß der geplante Durchschlag auf der II. Sohle in den Rosenhainer Schacht am 17. Dezember des Vorjahres erfolgt ist. Kurz danach wurden die Schachtklappen auf der Hängebank des Hauptmannschachtes durch Vertreter beider Zollbehörden verplombt. Auch fand er, daß die Strecken auf der II. (42-m-) und der IV. (51-m-) Sohle bereits östlich des Rosenhainer Schachtes um 10 m weiter vorangebracht waren und daß man auch dort bis zuletzt teils befriedigende, teils gute Erzaufschlüsse ergeben haben.“ Abbau ging zwischen der I. und II. Sohle im Firstenbauverfahren um. Nur der Aufbau der Aufbereitungsanlagen sei noch immer nicht genügend vorangekommen.

Dennoch habe man inzwischen reichlich 1.000 t Roherz nach Muldenhütten geliefert und weitere rund 300 t lagern noch auf dem Werksplatz. Außerdem war zu berichten, daß sich „dem Vernehmen nach... der Hüttenprozeß bei der Muldenhütte gut eingerichtet hat. 1.000 Zentner Stein mit 7 % Nickel sind schon fertig. Jeden Tag können 15 t Erz durchgeschmolzen werden. Die Schlacke enthält nur noch 0,2 % Nickel.“

Der gewonnene Stein werde im Auftrag der Kriegsmetall AG anschließend in Iserlohn in Westfalen auf Nickelmetall weiterverarbeitet.

   

Für das Jahr 1916 ist in den Jahrbüchern eine Erzförderung von 900 t ausgewiesen. Jetzt endlich rechnete sich der Abbau, denn für diese Menge wurde ein Verkaufserlös von 154.800,- Mark erzielt. Davon waren natürlich die Rückzahlungen für den Vorschuß von der Kriegsmetall AG wieder abzuziehen und auch das Nickelsyndikat wollte natürlich seinen Anteil haben. Bei einem durchschnittlichen Gehalt von 2,5 % Nickel im Roherz, folglich also 22,5 t Nickelmetall in 900 t, und dem vereinbarten Förderzins belief auch der sich auf 22.500,- Mark. Dabei wäre allerdings auch noch zu berücksichtigen gewesen, daß die Hütten bislang nur etwa 60 % des tatsächlichen Metallgehaltes aus dem Roherz auszubringen in der Lage waren (40170, Nr. 489).

Außerdem wurden auf tschechischer Seite weitere etwa 170 t Erz gefördert und ebenfalls an die staatlichen Hüttenwerke bei Freiberg, teils auch an die Blaufarbenwerke nach Oberschlema geliefert (40035, Nr. 157).

  

Am 20. Januar wurde von Betriebsleiter Habicht einen Betriebsplan- Nachtrag für das Jahr 1917 an das Landesbergamt übersandt (40170, Nr. 488). Darin war vorgesehen, auch das im Sicherheitspfeiler des Hauptmannschachtes noch anstehende Derberz zu gewinnen. Die Schachtzimmerung sollte dafür auf „starken Stangenverzug in der Firste der I. Sohle“ verlagert werden. Zwischen der I. und II. Sohle wollte man eine Fahrung durch den Bergeversatz des Abbaus mitführen, so daß der Schacht als zweiter Fluchtweg erhalten bleibe.

Dem Jahresbericht der Betriebsleitung an das sächsische Bergamt vom 22. Januar 1918 ist dann aber zu entnehmen, daß man dieses Vorhaben unterlassen habe und auch zukünftig unterlassen wolle, „weil die damit einhergehenden Vorrichtungen... in Anbetracht des dabei zu gewinnenden, geringen Erzfalles nicht lohnen.“

  


So sollte dieser Abbau ausgeführt werden: Anlage zum Betriebsplannachtrag Habicht's aus dem Jahr 1917. Quelle: Sächsisches Staatsarchiv, Bergarchiv Freiberg, Bestand 40170, Nr. 488, Blatt 45.

Link zum Digitalisat:  archiv.sachsen.de/archiv

   

Da die Kaue über dem Hauptmannschacht immer noch ein hölzerner Zweckbau war, bei dem Brandgefahr natürlich nicht ausgeschlossen sein konnte, wodurch Brandgase in die Grube ziehe könnten, sollte sie auf Veranlassung der sächsischen und österreichischen Bergbehörden durch einen gemauerten Neubau mit einer Grundfläche von etwa 3 m x 5 m ersetzt werden (40170, Nr. 488). Da infolgedessen wieder eine Änderung der bestehenden Regelung und nach der Errichtung der Kaue eine neue Verplombung durch die Zollbehörden erfolgen mußte, war am 23. Februar 1917 eine erneute Besprechung in Sohland erforderlich, bei der Bergrat Borchers die vom Betriebsleiter eingereichten Baupläne vorstellte. Da der Bau alle bergtechnischen und zollpolitischen Anforderungen erfülle, einigte man sich diesmal schnell auf die Ausführung. Bis zur turnusmäßigen Grubenbefahrung durch einen Herrn Günther von der Berginspektion Dresden am 7. Juni 1917 war der Bau der neuen Kaue auf dem Hauptmannschacht bereits beendet; nur die Tür war noch anzubringen.

Der erst im Januar angestellte Grubensteiger Fritz Lehmann schied schon im Februar 1917 wieder aus der Betriebsführung aus. An seiner Stelle wurde der geprüfte Eislebener Bergschüler Franz Kühne am 13. Februar 1917 vom Bergamt als Steiger bestätigt. Auch Aufseher H. Christ schied im Oktober 1917 wieder aus dem Betrieb aus. Statt seiner wurde der Bohrhauer Moritz Berger von der Werksleitung als Grubenaufseher benannt.

Hinsichtlich der weiteren Aufschließung begann man schon im Dezember 1916 damit, einen Querschlag auf der 70-m- Sohle vom Rosenhainer Schacht nach Süden vorzutreiben, um die dort verlorenen Erzmittel wieder anzufahren. Auf der VI. Sohle hatte man eine Verwerfung mit einem Querschlag durchörtert und zirka 3 m nördlich den Erzgang in ergiebiger Beschaffenheit“ im Juni 1917 wieder angefahren. (Allerdings befand Oberbergrat Borchers bei seiner Grubenbefahrung im August 1917, daß sich auf den nächsten 15 m Auffahrungslänge die Erzführung hier wieder ganz verliere.) Auch auf der 60-m- Sohle stand ein Feldort nach Osten zur Untersuchung der dortigen Erzführung in Betrieb.

Abbau ging zur Zeit der Grubenbefahrung im Juni 1917 nur am Rosenhainer Schacht auf der II. und auf der VI. Sohle sowohl nach Osten als auch nach Westen um. Alle Firstenbaue westlich des Hauptmannschachtes waren dagegen eingestellt. Anlaß zu wesentlichen Ausstellungen fand der Bergbeamte nicht.

Das Erzausbringen hatte sich erfreulich gehoben: Man hatte endlich einen Fahrer für den LKW gefunden, mit dem das Roherz zur Bahnstation in Sohland gefahren wurde. Im Fahrbericht steht zu lesen, daß inzwischen 2.000 t in Muldenhütten lagerten, weitere 500 t lagerten bei der Firma Kamprath & Gey, die das Brechen übernahm, sowie 100 t Vorrat auf dem Werk. Auch der Bau der Aufbereitungsanlagen in Sohland ging allmählich voran: Das Fachwerkgebäude für die Maschinen war im Rohbau fertig (40170, Nr. 488).

  

Über den Fortgang des Bergbaus in Sohland steht im Jahrbuch 1917 zu lesen: Die Aufschließungsarbeiten auf dem in Granit aufsetzenden Diabasgange wurden beim Sohlander Nickelbergbau im Berichtsjahr mit recht gutem Ergebnisse fortgesetzt. Der nickelhaltige Magnetkies tritt hier teils derb, teils als Imprägnation des Ganggesteins auf. Der Hauptmannschacht wurde durch weiteres Verteufen um 28 Meter mit der 70-Metersohle des Rosenhainer Schachtes durchschlägig gemacht. In II. und IV. Sohle wurden je 40 m Strecke in östlicher und westlicher Richtung im Gangstreichen aufgefahren. In östlicher Sichtung wurde die II. Sohle durch Querschlag mit dem Rosenhainer Schachte in Verbindung gebracht und hier das Füllort ausgebrochen. An Untersuchungsquerschlägen wurden 18 m aufgefahren und zur Fahrung und Wetterführung ein Überhauen von der 70 m- Sohle zur 52- und 42 m- Sohle überbrochen.“

Mit den Durchschlägen zwischen Rosenhainer Schacht und Hauptmann Schacht unter der Staatsgrenze hindurch kamen allerdings nun auch die schon mehrfach diskutierten Probleme mit der unterschiedlichen bergpolizeilichen Aufsicht hüben und drüben der Grenze, mit dem Zoll auf die jeweils gegenüber abgebauten Erze oder auf das verwendete Dynamit, sowie die Frage nach dem Abbau im Grenzsicherheitspfeiler zum Tragen.

Die k. u. k Bergbehörde in Teplitz / Teplice hatte es ja seinerzeit selbst vorgeschlagen und stimmte unter einigen Auflagen nun auch dem Abbau des Sicherheitspfeilers unter der Grenzlinie zu. Dabei blieb die Förderung aber nur über den Rosenhainer Schacht auf der böhmischen Seite der Grenze erlaubt. Inzwischen war ja auch der Hauptmann Schacht behördlich verschlossen und verplombt. Ein Herr F. Hoffmann war vonseiten der k. u. k Bergbehörde beauftragt, die ausgebrachten Erzmengen wöchentlich zu kontrollieren. Da nicht immer klar war, ob das ausgebrachte Erz nun auf deutscher oder böhmischer Seite abgebaut worden ist, werden die Differenzen in den Fördermengenangaben der Jahrbücher gegenüber den später bergbehördlich dokumentierten Angaben verständlicher.

Nach Angaben im Fahrbericht des Oberbergrats Borchers im August 1917 seit die Grube in der Lage, inzwischen 700 bis 800 t Erz pro Monat an die Freiberger Hüttenwerke zu liefern.

 

Nach einer Befahrung am 9. August 1917 war einerseits zu berichten, daß auch das Wellblechdach auf der neuen Kaue über dem Hauptmannschacht inzwischen montiert war. Der Beamte der Berginspektion Dresden befürchtete allerdings, daß sich dadurch der Wetterzug verschlechtern könne. Bei der nächsten Befahrung durch Bergrat Borchers vom Landesbergamt am 8. September wurde daher festgelegt, in die Tür ein möglichst großes, eisernes Gitter einzulassen.

Andererseits war zu vermelden, daß in der Nachtschicht vom 2. zum 3. August ein Arbeiter beim Bergefördern in der Sturzrolle zwischen 42-m- und 70-m- Sohle tödlich verunglückt sei (40170, Nr. 488). Weiterer Schriftverkehr fehlt hierzu in der Akte; auch in der betreffenden Jahrbuchausgabe ist dieser Unfall nicht vermerkt.

Erst im Jahresbericht der Betriebsleitung vom 22. Januar 1918 wird kurz ausgeführt, daß „ein Anschläger mit einem leeren Förderwagen im Rosenhainer Schachte von der 42-m- Sohle auf die 70-m- Sohle abstürzte.“

   

Im Jahrbuch 1918 steht im Kapitel A. Wirtschaftliche Lage des Bergbaus im Abschnitt 2. Erzbergbau außerdem dazu geschrieben: „Immer einschneidender hat sich der Einfluß gestaltet, den der Weltkrieg und die durch ihn geschaffene Wirtschaftslage im Laufe der seitherigen Kriegsjahre auf den deutschen Metallmarkt ausgeübt hat. Unter dem Zwange der Verhältnisse hat sich der gesamte deutsche Erzbergbau, wie auch unsere Metallgewinnung und Metallverarbeitung in weiter zunehmendem Maße der Kriegswirtschaft angepaßt. Auch im Berichtsjahre hat keine börsenmäßige Abwickelung des Metallgeschäftes und Festsetzung der Metallpreise stattgefunden. Die Erwerbung und Verteilung der Kriegsmetalle erfolgte unter Aufsicht des Reiches nach wie vor durch die Kriegsmetall- Aktiengesellschaft, der auch die Beschaffung aller für die Heeresverwaltung und für die Kriegsindustrie erforderlichen Metalle und die Prüfung entsprechender Angebote obliegt...

Eine erhebliche wirtschaftliche Bedeutung hat in den letzten Jahren auch der Bergbau auf ein anderes besonders wichtiges Kriegsmetall, das Nickel, in Sachsen erlangt. In der Oberlausitz gewinnt der Sohlander Nickelbergbau in Sachsen und auch auf böhmischer Seite in Rosenhain auf einem im Granit aufsetzenden Diabasgange nickel- und kupferhaltigen Magnetkies, der dort teils derb, teils als Imprägnation des Ganggesteins auftritt. Das gesamte Ausbringen geht an die Muldenhütten bei Freiberg, wird hier auf Nickel- Kupferrohstein verschmolzen, bis zu einem Gehalt von 5 bis 6 a. H. Ni und 2 bis 3 a. H. Cu angereichert und sodann an anderer Stelle weiterverarbeitet. Der Wert des Nickels wird durch den festgesetzten Höchstpreis (450 M für 100 kg mindestens 90prozentigen Nickels) bestimmt. Der Wert der in den geförderten Sohlander Erzen enthaltenen Metalle überstieg in dem Berichtsjahre 1 Million Mark.“

Auch in der Oberlausitzer Dorfzeitung konnte man am 4. April 1917 unter der Überschrift Verschiedenes erfahren: Das hiesige Nickelbergwerk ist jetzt stark beschäftig. Täglich werden einige hundert Zentner metallhaltiges Gestein mit der Bahn in die Königl. Hütten befördert. Zahlreiche Arbeiter sind in Tag- und Nachtschichten beschäftigt. Zwei Lastautos stehen der Werksleitung zur Verfügung.“ (Information von F. Koch, Sohland)

  

Aus dem Jahrbuchausgabe auf das Jahr 1917 erfährt man im Abschnitt IX. Aufbereitung hierzu noch: „Bei dem auf sächsischem und österreichischem Gebiet umgehenden Grubenbetriebe des Sohlander Nickelbergbaus wurde die im November 1916 begonnene Zerkleinerungs- und Klaubeanlage beim Rosenhainer Schacht (Rohaufbereitung) im Laufe des Berichtsjahres fertiggestellt und im September in Betrieb genommen. Als neuangeschaffte Einrichtungen kommen ein Steinbrecher, eine Separationstrommel, ein Lesetisch und ein Becherwerk in Frage. Ein Transformator sowie der Antriebsmotor für die Neuanlage wurden ebenfalls in Betrieb genommen.“

Untertage setzte man Bohrhämmer vom Typ Flottmann ein. Sie wurden von dem übertage aufgestellten, elektrisch angetriebenen Kompressor mit Druckluft versorgt.

Als Steiger war Franz Kühne gewöhnlich für die Frühschicht zuständig. Für ihn hatte die Werksleitung eine Dienstwohnung im Gasthof Zur Grenze gemietet. Die Aufsicht in den anderen Schichten führten Adolf Böhm, Johann Grohmann und Moritz Berger. Die inzwischen in Betrieb gegangenen Aufbereitungsanlagen übertage beaufsichtigte Traugott Julius Richter (40170, Nr. 488). Zu dieser Zeit war die Belegschaft nach den Angaben in den Jahrbüchern von 27 Arbeitern (1916) auf nun bis zu 81 Arbeiter (1918) angestiegen.

Im Jahre 1917 konnten so insgesamt 4.475 t Erz im Verkaufswert von über einer Million Mark (Angabe im Jahrbuch 1918) ausgebracht werden. Dem Jahresbericht der Werksleitung vom 22. Januar 1918 nach waren es sogar 5.554 t. Dazu wurden auf sächsischer Seite 515 m² und auf böhmischer Seite 425 m² Gangfläche abgebaut und insgesamt 8.595 t Haufwerk ausgefördert und übertage ausgeklaubt (40170, Nr. 488).

Zugleich beklagte man sich darüber, daß die Absatzverhältnisse nicht günstig seien, weil die Freiberger Hütte mit der Verarbeitung im Rückstand stehe.

  

Pünktlich am 28. Dezember 1917 reichte die Werksleitung den neuen Betriebsplan für das Jahr 1918 beim Landesbergamt ein. Am 16. Januar 1918 wurde er vonseiten der Berginspektion Dresden durch den Beamten Günther befürwortet (40170, Nr. 488).

Der Plan sah vor, die Feldörter auf der VI. (52-m-) und der 70-m- Sohle sowohl nach Osten, als auch nach Westen weiter fortzutreiben. Angetroffene Erzmittel sollten im Firstenstoßbauverfahren mit Versatz ausgehauen werden. Zur genaueren Untersuchung der Erzführung, zur Fahrung und Wetterführung, sowie als Untergliederung des Abbaus waren Überhauen bis auf die jeweils nächsthöhere Sohle vorgesehen. Taube Berge wurden überwiegend als Versatz untertage benötigt und nicht ausgefördert.

Zur weiteren Erkundung beabsichtigte man, einerseits Querschläge bis in das Nebengestein zu treiben, um dabei eventuell auch vorhandene Nebentrümer des Ganges aufzufinden, andererseits den Rosenhainer Schacht noch zu verteufen. Auch waren übertage neue Erkundungsschürfe in der Streichrichtung des Gangs nach Westen vorgesehen.

Inzwischen machten sich aber auch in Sohland die Auswirkungen des bereits drei Jahre währenden Krieges bemerkbar. Inspektor Günther vermerkte dazu in seinem ausführlichen Monatsbericht vom 6. Januar 1918, daß Steiger Kühne auch die Lebensmittelzuteilungen an die Belegschaft verteile. Dabei erhielten die tschechischen Arbeiter die gleiche Zuteilung, da sie von österreichischer Seite so gut wie gar nichts erhielten und es schon vorgekommen sei, daß Arbeiter wegen Hunger und Entkräftung nicht anfahren konnten. „Durch das Eingreifen der diesseitigen Behörde ist diesem unhaltbaren Zustande dann abgeholfen worden.“

Zeitweise soll im Jahr 1917 eine Belegschaft von bis zu 120 Mann in drei Dritteln auf der Grube angefahren sein (Hölzel, 1938).

Tatsächlich waren von den im Jahresdurchschnitt 80 Arbeitern auf dem Werk nur 27 deutscher, dagegen 53 tschechisch / österreichischer Herkunft. Außerdem waren seit deren Inbetriebnahme auch 10 Frauen in der Klaubeanlage übertage beschäftigt (40170, Nr. 488).

Deren Löhne betrugen 1917:

  • 5,75 Mark für gelernte Häuer,

  • 5,- Mark für Lehrhäuer,

  • 4,- Mark für Schlepper (Huntestößer) und

  • 3,75 Mark für Tagearbeiter pro verfahrene Schicht.

  

Demselben Fahrbericht ist noch zu entnehmen, daß Direktor Habicht jetzt auch die von einer Deutsch- Böhmischen Nickelerzgesellschaft wieder in Betrieb genommene Grube Frisch Glück bei  Schluckenau leite. Besitzer dieser Gesellschaft sei „die Dillinger Hütte“, die wahrscheinlich auch die Sohland- Rosenhainer Anlagen kaufen wolle (40170, Nr. 488).

Die hier angesprochene Dillinger Hütte ist ein Eisenhüttenwerk in Dillingen/Saar im Landkreis Saarlouis im Saarland. Das Unternehmen kann auf eine über dreihundertjährige Geschichte zurückblicken und ist noch heute das größte Grobblechwerk Europas. Es firmiert heute als AG der Dillinger Hüttenwerke und befindet sich zu fast 100 % im Besitz der Muttergesellschaft DHS – Dillinger Hütte Saarstahl AG.

Nach der Niederlage Frankreichs in den Befreiungskriegen 1813 und dem sogenannten Ersten Pariser Frieden war Dillingen zunächst zurück an Frankreich gefallen. 1815 wurde Dillingen dann jedoch dem Staat Preußen angegliedert. Damit lag bis 1920 auch die Dillinger Hütte im preußischen Staatsgebiet (wikipedia.de).

Noch gab es auch gar keine Tschechische Republik; die sächsische Lausitz grenzte gewissermaßen direkt an das Habsburger Kaiserreich und auch die Äquidistantenkarten reichten zu dieser Zeit (und erneut die Ausgabe der Meßtischblätter von 1938) über die deutsche Landesgrenze hinaus.

  


Auf diesem Ausschnitt der Ausgabe der Meßtischblätter von 1913 ist – aber auf böhmischer Seite – das einzige Mal eine Eintragung des Nickelerz-Bergbaustandortes vorhanden. Sie findet sich so weder auf früheren, noch auf späteren Kartenausgaben wieder, nur die TK-Ausgabe der DDR vermerkt noch einmal einen ehemaligen Bergbaustandort auf tschechischer Seite.

 

Nach dem Bericht des Bergrats Borchers über seine Anwesenheit in Sohland vom 3. März 1918 sollte der Betriebsplan für das Jahr 1918 mit den Empfehlungen der Berginspektion Dresden genehmigt werden. Dasselbe geschah auch am 22. März. Gegenstand der Beratung mit seinem tschechischen Amtskollegen Dr. Jirsch war diesmal neben der Sprengstoffniederlage auf der sächsischen Seite eine eventuelle Benutzung des Fördergestells zur Mannschaftsfahrung im Rosenhainer Schacht ‒ vielleicht stand dies ja auch mit dem tödlichen Unfall in Zusammenhang. Abschließend vermerkte Borchers auch, er habe in Erfahrung gebracht, „daß die Aufschließungsarbeiten in neuerer Zeit leider ein recht ungünstiges Ergebnis gehabt haben. Das Erzvorkommen scheint auf böhmischer Seite in einem gewissen Abstande vom Rosenhainer Schachte allmählich nachzulassen. Falls hier beim weiteren Fortgang der Untersuchungsarbeiten nicht etwa noch eine Änderung eintreten sollte, ...würde die Lebensdauer des Werkes leider eine sehr beschränkte sein. Bei dem zur Zeit stattfindenden, starken Abbau würde ein so rascher Verhieb der Erzmittel erfolgen, daß der Grubenbetrieb vielleicht schon in 4 bis 8 Monaten zu Ende kommen könnte.“

Gegenwärtig werde noch zwischen 600 t und 700 t Roherz monatlich an die Freiberger Hüttenwerke geliefert. Die weitere Verarbeitung des Nickelsteins in Westfalen gehe aber so langsam vonstatten, daß seither so gut wie gar kein Reinnickel hergestellt worden ist (40170, Nr. 488).

   

Der erste der geplanten neuen Schürfe in westlicher Verlängerung des Gangstreichens wurde im April 1918 auf dem Grundstück der Frau Auguste verw. Hohlfeld angelegt. Zur Entschädigung für den Nutzungsausfall war eine Summe von 0,50 Mark pro Quadratmeter beanspruchter Fläche pro Jahr vereinbart, außerdem hinterlegte Carl Bing eine Kaution von 500,- Mark für die ordnungsgemäße Wiederherstellung der Fläche bei der Bergamtskasse (40170, Nr. 488).

Bergrat Spitzner aus Dresden fand dazu bei seiner Befahrung am 19. April aus bergpolizeilicher Sicht nichts zu bemängeln; auch den übrigen Grubenbetrieb befand er für mängelfrei. Da die am Rosenhainer Schacht den Anforderungen hinsichtlich der Lagermenge nicht mehr genüge und man daher auf sächsischer Seite immer noch die alte Hauptmann'sche Niederlage übertage benutzte, sollte 1918 eine untertägige Sprengstoffniederlage am Hauptmannschacht angelegt werden.

Nur leider verliefen die Aufschlußarbeiten „im sächsischen Betriebsteile ...keineswegs günstig.“ Der Schurfschacht hatte bis zur nächsten Befahrung durch die Berginspektion am 14. Juni 1918 eine Tiefe von 8 m erreicht, wo man eine Strecke 18 m weit in nördliche Richtung nach dem erwarteten Streichen des Gangs getrieben hatte. Offenbar war der Schacht aber an einer tiefgründig verwitterten Stelle angesetzt, so daß man das feste Gesteinn gar nicht erreichte; stattdessen aber einen feinkörnigen, wasserführenden Sand anfuhr. Da man mittels Handpumpe das Grundwasser nicht mehr niederhalten konnte, wurde der Schacht aufgegeben.

Am 10. Oktober weilte auch Oberbergrat Borchers wieder in Sohland und berichtete, daß sich die Erzverhältnisse „im allgemeinen wesentlich verschlechtert haben.“ Obwohl auch die Strecke auf der 68-m- Sohle inzwischen vom Rosenhainer Schacht aus auf 140 m erlängt worden sei, seien neue, bauwürdige Anbrüche ausgeblieben. Auch auf böhmischer Seite näherten sich die Abbaureserven oberhalb dieser Sohle ihrem Ende.

Lediglich in einem Gesenk unterhalb der 68-m- Sohle habe man noch einmal eine Derberzlinse von etwa 12 m vertikaler Erstreckung und 0,3 m Mächtigkeit angetroffen. Außerdem sei hier auch das Nebengestein auf etwa 1,5 m Breite in bauwürdigem Umfang mit Erz imprägniert. Carl Bing, welchem „Unternehmungslust und Wagemut nicht abgesprochen werden“ könne, wolle zudem auch die Erkundungsarbeiten im Schurfschacht westlich des Herberg'schen Hauses fortführen.

Unter diesen Umständen brachte das Werk derzeit monatlich um 300 t Rohhaufwerk aus. Nach dem Betriebsbericht der Werksleitung auf das Jahr 1918 vom 15. Januar 1919 summierte sich die Förderung über das Jahr auf 6.367 t Haufwerk, aus dem 3.897,85 t verkaufsfähiges Roherz ausgeklaubt wurden. Dazu hatte man auf sächsischer Seite 511 m² und auf böhmischer 675 m² Gangfläche abgebaut (40170, Nr. 488).

Angestellt waren jetzt 71 Arbeiter, und zwar 26 deutscher und 45 österreichischer Staatsangehörigkeit, ferner 11 Frauen und ein Jugendlicher übertage. Die Schichtlöhne waren deutlich angestiegen und lagen im Jahresmittel bei:

  • 7,20 - 8,44 Mark für Häuer,

  • 5,75 - 7,20 Mark für Bohrhäuer,

  • 4,50 - 5,60 Mark für Abschlepper und

  • 5,30 Mark für Tagesarbeiter.

Allerdings seien ausgebildete Bergarbeiter nach wie vor kaum zu bekommen. Auch die Einkaufspreise für alle benötigten Materialien seien erheblich gestiegen.

 

Am 22. Dezember 1918 wurde von Ludwig Bing dann der nächste Betriebsplan auf das Jahr 1919 beim Bergamt eingereicht. Er sah vor, die Feldörter auf der 42-m- und der 70-m- Sohle weiter nach Westen zu treiben, um dabei auch die am Herbergschacht stehenden Wasser wieder lösen und dort noch anstehende Erze gewinnen zu können. Außerdem sollte nun auch der Rosenhainer Schacht verteuft und die Erkundungsarbeiten fortgesetzt werden.

Übertage wolle man die Aufbereitung weiter ausbauen und insbesondere eine kräftigere Kompressoranlage errichten (40170, Nr. 488).

Nach seiner Befahrung berichtete Bergrat Spitzner über den Stand der Arbeiten am 31. Januar 1919 an das Landesbergamt: Bei einer Bergefeste von etwa 3,5 m zwischen Herbergstrecke und 42-m- Sohle wurde der Streckenvortrieb fortgesetzt. Es waren bereits Bohrungen nach oben gestoßen worden, um das in der Herbergstrecke stehende Grundwasser kontrolliert abzulassen. Inzwischen war die tiefere Strecke in ihrer Firste trocken geworden ‒ das allmähliche Zäpfen hatte also zum Erfolg geführt. Auch hatte die Strecke vom Hauptmannschacht aus nach Westen 50 m Länge erreicht und „steht teilweise in derbem Erz.“ Bis zum Herbergschacht fehlten noch etwa 35 m Vortrieb. Dann sollte das von der 68-m- bis zur 52-m- Sohle aufgefahrene Überhauen bis zur 42-m- Sohle hochgebrochen werden. Abgesehen von den üblichen Sicherheitsmaßregeln könne diesem Betriebsplan zugestimmt werden.

Am 19. Februar 1919 stimmte auch das Landesbergamt dem Plan zu. Nebenbestimmung war nur, daß beim Unterfahren des Schachtsumpfes des Herbergschachtes wieder vorgebohrt werden mußte. Abbau oberhalb der Herbergstrecke ‒ insbesondere unter dem Rosenbach und dem Mühlgraben ‒ blieb verboten.

  


Eine nur postkartengroße Handskizze zur Erläuterung des Betriebsplanes in Bergrat Spitzner's Befahrungsbericht vom Januar 1919. Der Rosenhainer Schacht ist hier nicht eingezeichnet. Quelle: Sächsisches Staatsarchiv, Bergarchiv Freiberg, Bestand 40170, Nr. 488, Blatt 138.

Link zum Digitalisat:  archiv.sachsen.de/archiv

   

Am 28. Mai fand wieder eine Grubenbefahrung durch Oberbergrat Borchers statt. Hierüber berichtete er, daß das Feldort auf der 42-m-Sohle nun etwa 10 m vor dem Herbergschachte stehe und daß vorschriftsmäßig vorgebohrt werde (40170, Nr. 488). Beim Vortrieb habe man „recht gute Aufschlüsse“ zu verzeichnen.

Insgesamt überwogen die Aufschließungsarbeiten jedoch gegenüber den Gewinnungsarbeiten deutlich. Noch immer waren 70 Mann auf der Grube angelegt, davon 43 untertage. Nur 6 davon waren im Erzaushieb tätig. Monatlich wurden noch zirka 200 t Roherz gefördert; wobei die Metallgehalte im Durchschnitt aber auf höchstens 1,8 % Nickel und 0,8 % Kupfer gesunken seien, weil vorwiegend Imprägnationserze abgebaut würden.

Der Berichterstatter lobte den Kaufmann Bing, weil er „ziemlichen Wagemut gezeigt und sich nicht nur auf den Aushieb des anstehenden und ohne weiteres leicht gewinnbaren Erzes beschränkt, sondern ganz erhebliche Beiträge in die ... weitere Aufschließung hineingesteckt“ habe. In Rede stehen hier allein 1918 etwa 200.000,- Mark. Die Grube arbeitete also mit Verlust. Um die fortlaufenden Kosten aufbringen zu können, plane Carl Bing nun die Gründung einer Aktiengesellschaft.

Außerdem wurde nach der Niederlage im 1. Weltkrieg und dem Zerfall des Österreichisch- Ungarischen Kaiserreiches am 28. Oktober 1918 die Tschechoslowakische Republik proklamiert. Der nun selbstständige Staat übernahm natürlich auch die Grenzkontrollen selbst. Borchers notierte, daß „die Tschechen, welche die Grenze besetzt halten, seither noch den Abtransport der Roherze zur Freiberger Hütte zugelassen“ haben. Da aber damit gerechnet werden müsse, daß vonseiten der Tschechoslowakischen Republik ein Ausfuhrverbot verhängt werde, müsse bald auf sächsischer Seite eine neuer Förderschacht angelegt werden.

Auch die Lohnforderungen der Bergleute waren weiter gestiegen, „wenn sie auch noch nicht eine derartige Höhe erhalten haben, wie z. B. in Altenberg oder Zinnwald.“ 1919 betrugen die Löhne in Sohland pro achtstündiger Schicht

  • bis 10,- Mark für Vollarbeiter, Häuer und Zimmerlinge,

  • bis 9,- Mark für Lehrhäuer und

  • 6,- bis 8,- Mark für Förderleute.

Am 3. Mai 1919 teilte Betriebsleiter Habicht außerdem an das Bergamt mit, daß der Steiger Franz Kühn das Bergwerk verlassen habe. Am 21. Mai wurde als neuer Obersteiger Adolf Hofmann aus Niedereschefeld (bei Dillenburg) vom Bergamt bestätigt. Ab 7. Oktober 1919 wurde er noch durch den Absolventen der Freiberger Bergschule, Steiger Ernst Otto Günzel aus Lichtenberg, unterstützt.

  

Da die Schurfarbeiten auf dem Hohlfeld'schen Grundstück unterbrochen waren, fragte Frau Auguste verw. Hohlfeld am 30. Juni 1919 beim Bergamt nach, ob die Arbeiten denn noch fortgesetzt würden; dann stehe die jährliche Entschädigung noch aus; oder nicht. Falls nicht und der Schacht nicht vom Betreiber des Nickelbergwerks bald verfüllt werde, beantragte sie die Auszahlung der Sicherheitsleistung, die ja bei der Bergamtskasse hinterlegt war (40170, Nr. 488).

Schon ab 1917 mußte sich das Landesbergamt mit Klagen einiger Bauern über eine „Brunnenwasserentziehung“ befassen (40024-5, Nr. 163).

Nun wandte sich am 14. Oktober 1919 der Rechtsanwalt R. Mittag aus Schirgiswalde in Vertretung von Frau Hohlfeld an das Bergamt, daß infolge der Schurfarbeiten auch hier der nur etwa 30 m vom Schurfschacht entfernte Brunnen versiegt sei und forderte als Ersatzleistung den Anschluß an eine Wasserleitung in der Nachbarschaft (40170, Nr. 488).

Erst am 29. August 1921 war auf diesem Grundstück alles wieder in Ordnung gebracht und Witwe Hohlfeld erklärte, daß sie keine Ansprüche mehr auf die hinterlegte Sicherheitsleistung erhebe (40170, Nr. 187).  

  

In dem Fahrbericht vom 17. Mai 1919 liest man erstmals von einem „Versuchsstolln auf böhmischer Seite“ ‒ möglicherweise der spätere Karl Stolln, wobei dessen Name durchaus auf den Herrn Carl Bing zurückgehen könnte ‒ mit dem man jedoch noch keinen Erfolg erzielt habe. Auch im weiteren Verlauf der Feldstrecke nach Westen auf der 42-m- Sohle sei der Gang jetzt „an Erz wenig reich.“ (40170, Nr. 488)

Am 29. Juni 1919 berichtete Einfahrer Oehme an das Bergamt, daß der Durchschlag der 42-m- Strecke in den Sumpf des Herbergschachtes am 14. Juni erfolgt sei. Um die Verfüllmassen im Schacht halten zu können, sollte nun ‒ nach dem Ablaufen des Standwassers ‒ etwa 10 m zurück ein Überhauen in die Herbergstrecke hochgebrochen werden, um das Schachtfüllort seitlich zu erreichen und die Füllmassen im Schacht abfangen zu können.

Dieses Überhauen wurde auch aufgefahren, schlug jedoch in den etwa 2 m neben der eigentlichen Herbergstrecke verlaufenden, nur zum Herbergschacht hin versetzten, sonst aber leerstehenden alten Abbau ein, wurde nach der Grubenbefahrung vom 12. Juli 1919 festgehalten. Mit einem zweiten, seitlich versetzt angelegten Überhauen wurde nördlich davon der Erzkörper mit noch etwa 2 m Mächtigkeit unverritzt angetroffen.

Da beim Abbau nun ziemlich breite Hohlräume entstehen könnten, wurde angewiesen, den Bergeversatz dem Abbau stets sofort nachzuziehen. Um genügend Versatzmaterial einfördern zu können, sollte ein Rolle von übertage her angelegt werden.

Zugleich bedinge das sofortige Aussetzen der Abbaue aber auch, daß die Grubenrisse unverzüglich nachzubringen seien. Damit beauftragte die Werksleitung den konzessionierten Markscheider W. Leichter- Schenk aus Borna. Die Neuvermessung und der Anschluß an das topographische Landesnetz zog sich bis August 1920 hin.

Am 22. August 1919 wurde auch der tschechische Teil der Grubenanlage noch einmal befahren. Nun liest man im Fahrbericht, daß man, wenngleich zunächst nur auf mehreren Metern Länge, mit dem Stolln wieder „reines Erz“ angefahren habe. Abgesehen von der nochmals angesprochenen Rißnachbringung fand der Beamte aber weder in der Grube, noch hinsichtlich der Tagesanlagen etwas zu erinnern (40170, Nr. 488).

   

Am 11. Februar 1920 schrieb Ludwig Bing noch an das Bergamt, daß ein neuer Betriebsplan für das Jahr 1920 demnächst von Betriebsleiter Habicht nach Freiberg übersandt werde. Ein solcher blieb aber offenbar aus und fehlt (zumindest an dieser Stelle) in der Akte (40170, Nr. 488).

Am 21. Februar 1920 weilte daraufhin Oberbergrat Borchers wieder in Sohland, um über die Verhältnisse bei der Grube Erörterungen anzustellen. Er hielt in seinem Bericht zuerst fest, daß die bisherigen Besitzer*)das dortige Bergwerk mit allen Gerechtsamen“ an eine tschechische Gewerbebank namens Zwnostenka Banka verkauft hätten. Diese Bank habe ebenfalls das Schluckenau'er Bergwerk erworben und beabsichtige nun, auch das Rosenhain'er Bergwerk mit der derselben Bank gehörigen Joachimsthaler Gewerkschaft zu vereinigen.

*) Anmerkung: Was auf den ersten Blick sachlich falsch erscheint, da die Brüder Bing ja eigentlich nur Pächter des Nickelsyndikats gewesen sind, klärt sich inhalts der weiteren Akten auf: Im Dezember 1921 nämlich teilte in einer sonst belanglosen Angelegenheit Ludwig Bing dem Bergamt mit, daß er Geschäftsführer des Nickelbergbausyndikats Hamburg sei. Wohlmöglich haben die Brüder also keine halben Sachen gemacht und den Verpächter gleich mit gekauft... Das Syndikat bestand demnach mit anderem Geschäftssitz weiter und hatte nur dieses eine, ihm selbst gehörige Bergwerk an die tschechische Bank veräußert.

Die neuen, tschechischen Besitzer wollten ursprünglich bis auf den Betriebsleiter Habicht alle deutschen Beamten entlassen, aber da Habicht für diesen Fall ebenfalls seine Kündigung androhte, ist es vorerst bei der Besetzung der technischen Betriebsleiterstellen durch deutsche Beamte geblieben.

Erzabbau fand nur noch oberhalb der 42-m- Sohle zwischen Hauptmann- und Herbergschacht statt, wobei festlegungsgemäß die Schwebe zur Herbergstrecke unberührt blieb. Daneben wollte man die 42-m- Sohle nach Westen über den Herbergschacht hinaus fortbringen, was aber derzeit wegen starker Wasserzuläufe eingestellt war, bis man leistungsstärkere Pumpen beschafft habe.

Der Karl Stolln (Borchers nennt ihn immer noch einen Versuchsstolln) auf böhmischer Seite, der unmittelbar neben der Hängebank des Rosenhainer Schachtes angesetzt war, sei inzwischen auf 85 m Länge nach Osten getrieben worden und stehe dort „in gutem Erze.“ Bergrat Borchers meinte dazu, daß sich Professor Beck's These von einem größeren Erzfall, der sich unter einem flachen Winkel nach Osten zu neige, nicht bestätigt habe; vielmehr handele es sich „um regellos verstreute, linsenförmige Mittel von ... Magnetkies und Kupferkies, deren Vorkommen an eine bestimmte Teufe oder Veredlungszone nicht gebunden ist.“

Am 10. April teilte dann Betriebsleiter Habicht ‒ nun jedoch schon im Auftrag der Betriebsabteilung Sohland- Rosenhain der Joachimsthaler Gewerkschaft  ‒ an das Bergamt mit, daß der Grubenriß noch immer nicht vollständig nachgebracht werden konnte, da Markscheider Leichter- Schenk auch im März wegen Generalstreiks nicht habe nach Sohland anreisen können.

Bei einer weiteren Befahrung am 17. Juni 1920 fand der Bergbeamte erneut nichts zu bemängeln. Er notierte nur, daß die Abfuhr des Erzes nun vollständig stockte, da die Freiberger Hütten diese nicht mehr verarbeiten wollten.

Ähnliches berichtete auch Bergrat Borchers schon im Februar 1920: „Dem Vernehmen nach wollten die staatlichen Hüttenwerke in Freiberg die Sohlander Erze nicht mehr gern verarbeiten, d. h. auf Stein verschmelzen, weil unter dieser Arbeit die Öfen zu sehr leiden.“ Auf der Hütte in Freiberg lagerten bereits etwa 3.000 t unbearbeiteter Erze aus Sohland. Die neuen tschechischen Besitzer erwögen daher, eine eigene Hütte zu errichten. Die gleiche Idee haben aber schon die Vorbesitzer ‒ des technischen Aufwandes und zu erwartender Klagen wegen der Rauchgasbelästigung halber ‒ nicht umgesetzt (40170, Nr. 488).

  

Etwas anders hört sich das in einem Bericht über die Produktion an Gold, Silber, Blei und Kupfer aus Erzen, Gekrätzen und Legierungen in den Jahren 1912-1924 bei den Freiberger Hüttenwerken in der Jahrbuchausgabe von 1926 an:

Auch der Bleihüttenprozeß lag recht im Argen. Nur geringe Mengen Erz aus den wenigen neu aufgemachten deutschen und aus österreichischen Gruben, aus nordischen Ländern, später dann aus Bulgarien, lieferten Rohstoffe für den Bleihüttenbetrieb. Dazu kamen bleihaltige Rückstände aller Art, die der Beschlagnahmung unterlagen und nun durch die Kriegsmetall- Aktiengesellschaft angeliefert wurden.

Die Hochofenanlagen erwiesen sich aber ausgezeichnet brauchbar für das erste Verschmelzen von Kupfer- Nickelerzen von Sohland an der Spree und von Schluckenau, die bei geringen Gehalten von durchschnittlich unter 2 Proz. Nickel und etwa 1 Proz. Kupfer wegen ihrer Beschaffenheit für nasse Aufbereitung nicht geeignet waren, und deshalb verschmolzen werden mußten, was einer feuerflüssigen Aufbereitung gleichkam. Der erschmolzene Nickel- Kupferstein wurde dann auf anderen Werken weiter verarbeitet. Bei der Muldner Hütte war dieser Schmelzprozeß für die Schachtofenarbeit von etwa derselben Bedeutung wie das Erschmelzen von Blei. Es waren mitunter von 3 in Muldner Hütte in Betrieb befindlichen Schachtöfen 2 mit Verschmelzen von Sohländer Nickelkies beschäftigt.“ (vgl. auch 40035, Nr. 1575 sowie 40132-1, Nr. 244)

  

Damit war jedoch auch der Höhepunkt überschritten. Am Ende des 1. Weltkrieges sank die Förderung schlagartig wieder ab, nachdem die Kriegsmetall AG 1919 liquidiert wurde und damit der Hauptabnehmer entfiel. Die Zeit von 1915 bis 1919 ist als die eigentliche Abbauphase der Lagerstätte zu bewerten, auch wenn uns Quellen über den Beginn und Fortgang der Arbeiten am Rosenhainer Schacht aus tschechischen Archiven derzeit noch kaum vorliegen. Wie wir oben schon gesehen haben, standen die Arbeiten in unmittelbarer Grenznähe auf sächsischer und tschechischer Seite aber stets in engem Zusammenhang.

Nach den aus den Jahren 1910 bis 1919 vorhandenen Rißunterlagen, die im Bergarchiv bereits der  Joachimsthaler Gewerkschaft, Abteilung Rosenhain, zugeordnet sind (40036, Nr. I12549 bis I12553 und 40040, Nr. A355), hatte man bis 1919 die Lagerstätte auf etwa 80 m Teufe unter Hängebank des Rosenhainer Schachtes und auf etwa 480 m Länge aufgeschlossen.

   


Mehrsohlengrundriß und Saigerriß der Nickellagerstätte, Abzeichnung einer Ausfertigung von 1910, nachgebracht bis 1921, Gesamtansicht, Norden oben. Bildquelle: Sächsisches Staatsarchiv, Bergarchiv Freiberg, Bestand 40040, Nr. A355.

 


Ausschnitt aus obigem Saigerriß mit dem Bereich zwischen Rosenhainer und Herberg's Schacht. Grau schraffiert sind bis 1920 abgebaute Gangflächen dargestellt (wobei aber die schon 1901 bis 1903 von Herberg westlich seines Schachtes abgebauten Flächen fehlen), gelb die 68 m- Sohle des Rosenhainer Schachtes, violett die nur noch durch einen Blindschacht östlich des Rosenhainer Schachtes ausgehend aufgeschlossene 80 m- Sohle. Abgebaute Gangflächen sind grau schraffiert. Bildquelle: Sächsisches Staatsarchiv, Bergarchiv Freiberg, Bestand 40040, Nr. A355.

  

Nach diesen Rissunterlagen bestanden am Rosenhainer Schacht neben der erst später noch aufgefahrenen 80 m- Sohle Zwischensohlen bei 68 m, 60 m, 52 m, 42 m und 32 m Teufe unter Stollnsohle. Ein noch etwas später (1937) angelegter Riß (40030, Nr. 2-K24397) weist zusätzlich auch noch die 70 m- Sohle bei Sohlander Bergsegen aus. Der 68 m- Sohle in Rosenhain entsprach die V. Sohle des Hauptmann Schachtes. Die oberste I. Sohle am Hauptmann Schacht hat man trotz der hier ab etwa 12 m Tiefe anstehenden, guten Derberze gar nicht bebaut, da man Wassereinbrüche aus dem Hantusch’schen Mühlgraben befürchtete. Überhaupt fand oberhalb der 32 m- Sohle kaum Abbau statt, obwohl man die Strecken auch in diesem Niveau schon etwa 70 m nach Osten vorgetrieben hatte.

Erst auf der 42 m- Sohle (bei Hauptmann II. Sohle) hatte man sich auch in westlicher Richtung an den Abbau gewagt und Firstenbaue bis zur Herberg Strecke hinauf durchgeschlagen. 1917 hatte man sogar den Schachtsicherheitspfeiler am Herberg Schacht abgebaut. Bis 1920 wurde der Herberg Schacht noch um 13 m in westlicher Richtung unterfahren, wobei man aber das Ende des Erzmittels erreichte. Untersuchungsarbeiten vom Hauptmann Schacht aus in diesem Niveau in westliche Richtung blieben ohne Erfolg.

Stattdessen hatte man auf der III. und IV. Sohle wieder Erze angetroffen. Auf der letztgenannten hatte man außerdem mit einem Querschlag nach Süden nur etwa 2,5 m vom Hauptgang entfernt eine Apophyse des Gesteinsganges angefahren, die ebenfalls bis zu 0,7 m mächtiges Derberz führte. Nach Westen keilte dieses Erzmittel zwar bald aus, nach Osten setzte es sich mit abnehmender Mächtigkeit aber fort. Erst 75 m weiter östlich wurde es durch eine Verwerfung abgeschnitten. Auch auf der 60 m- Sohle (bei Hauptmann V. Sohle) hat man dieses Erzmittel bis zu dieser Verwerfung verfolgt. Nach Westen hatte man die Strecken dagegen noch 230 m weit vorgetrieben, ohne dabei neue Erzmittel vorzufinden.

  


Historische Bildpostkarte mit einem winterlichen Blick über das Rosenbachtal. Am rechten Bildrand sind die Anlagen des Erzbergwerkes auf der tschechischen Seite gerade noch zu erkennen.
Bildquelle: Sammlung F. Koch, Sohland.

  


Ausschnittsvergrößerung aus obiger Postkarte. Im Talgrund sind auch noch Tagegebäude des Hauptmann'schen Schachtes und links das Herberg'sche Anwesen zu sehen.

 


Historische Bildpostkarte mit einer Ansicht des Bergwerks von der böhmischen Seite aus.
Bildquelle: Sammlung F. Koch, Sohland.

   

1920 waren in Sohland- Rosenhain noch 30 Arbeiter angestellt und bei Einstellung des Abbaus um 1923 war die Grube nur noch mit 4 Mann belegt. Der letzte Betriebsleiter war Obersteiger Stefan Preller.

  

Bleibt noch eine Frage: Woher kamen die bis zu 120 Bergleute, die in Sohland und Rosenhain sowie in Schluckenau gearbeitet haben ? 

Und wo gingen sie hin, nachdem der Bergbau eingestellt wurde ? 

Auch in Freiberg wurde ja bekanntlich 1913 der Abbau eingestellt und die Wismut gab´s erst nach dem zweiten Weltkrieg – die hätte Fachleute natürlich gern genommen.

   

Dank der Recherchen der Sohlander Heimatfreunde können wir jetzt zweien der Bergleute, die damals in der Nickelerzgrube gearbeitet haben, wieder ein Gesicht geben.

Dabei handelte es sich um die Brüder Gerhard Rösler (*1900, †1978) und Curt Rösler (*1903, †1989) aus Sohland. Beide fanden nach der Einstellung des Erzabbaus in der örtlichen Industrie neue Arbeit, Gerhard Rösler in der Knopfherstellung bei der Firma Stein in Sohland; Curt Rösler in der Bundweberei in Ebersbach/Sa. und in der Landwirtschaft. Zum Bergbau kehrten sie nicht wieder zurück (Informationen von Herrn F. Koch, Sohland).

   


Gerhard Rösler (*1900, †1978) hat damals in der Nickelerzgrube gearbeitet...
Foto zur Verfügung gestellt von F. Koch, Sohland.

  


...wie auch sein Bruder Curt Rösler (*1903, †1989).
Foto zur Verfügung gestellt von F. Koch, Sohland.

   

 
 
 

Zum Abbau von 1917 bis 1919 in Schluckenau / Šluknov

  

Über den Abbau auf tschechischer Seite sind Unterlagen in sächsischen Archiven naturgemäß dünn gesät und beschränken sich im wesentlichen auf Unterlagen aus den 1930er Jahren, in denen zum Teil auch ältere Unterlagen abschriftlich enthalten sind.

Auch in Schluckenau wurde der Alte Stolln – nun unter dem Namen Frisch Glück – ab 1917 wieder aufgenommen und die Lagerstätte weiter abgebaut. Diese Grube erreichte aber nie die Bedeutung der Grube zwischen Sohland und Rosenhain.

Nach einem Zwischenbericht der Lagerstättenforschungsstelle vom 11. Dezember 1935 über das Nickelvorkommen von Sohland (40030-1, Nr. 772) sei der „Schweidrich- Stollen“ im Besitz eines gewissen Richter aus Warnsdorf – ach schau an, der wieder – gewesen, der ihn aber vermittels eines Maklers aus Teplitz / Teplice für sage und schreibe 600.000,- Mark an die Deutsch- Böhmische Nickelgruben GmbH zu Berlin verkauft habe, hinter welcher eigentlich die im Jahr 1900 gegründete Otavi Minen- und Eisenbahngesellschaft in Berlin stünde.

Die Otavi Gesellschaft hatte von 1903 bis 1907 die über 560 km lange Eisenbahnstrecke von der Kupfermine Tsumeb bis nach Swakopmund an der Küste des damaligen Deutsch- Südwestafrika (heute Namibia) errichtet, und verfügte aus dem Kupfererzhandel natürlich über das nötige Risikokapital, um sich an den Neuaufschluß einer Lagerstätte heranzuwagen. Als Otavi Mineralien GmbH besteht die Gesellschaft mit Sitz in Neuss bis heute (wikipedia.de).

Diese Deutsch- Böhmische Nickelgruben GmbH hat den Frisch Glück Stolln jedenfalls von 1917 bis 1921 noch auf rund 200 m erlängt. Auch am westlichen Hang des Schweidrich sei der Gesteinsgang wieder erzführend angetroffen worden. Im Zeitraum von 1917 bis 1919 wurden daraufhin von dieser Bergwerksgesellschaft in Schluckenau mit 30 bis 51 Arbeitern insgesamt rund 2.350 t Nickelerz abgebaut.

In einem Bericht über die Lagerstättensammlung der Bergakademie von Herrn Dr. Ing. Schumacher in der Ausgabe des Jahrbuches von 1922 heißt es: „Auf der sächsisch-böhmischen Grenze, so daß der Bergbau auf beide Staaten übergreift, liegt das Vorkommen von Sohland, von dem ausgezeichnetes, in der Hauptsache von Beck gesammeltes Material vorliegt. Während Sohland im Kriege und auch vorher eine gewisse Bedeutung besaß, ist es bei der ganz auf böhmischer Seite gelegenen Lagerstätte am Schweidrich bei Schluckenau nur zu geringfügigen Arbeiten gekommen…“

Wie oben schon genannter F. Hoffmann am 30. Juli 1937 an die Lagerstättenforschungsstelle berichtete, war der Nickelgehalt am Schweidrich mit 5% bis 6% sogar geringfügig höher als in Sohland. Interessant ist ferner, daß man aufgrund des angewandten, elektrolytischen Aufbereitungsverfahrens auch entdeckt hatte, daß die Anodenschlämme neben Silber auch geringe Gehalte an Gold und Platin aufwiesen.

 


Leider stark verblaßte Kopie eines Grundrisses über den alten oder tiefen Stolln am Schweidrich aus dem Jahr 1917. Der Grundriß ist sehr schematisierend und weist nur einen saigeren „Luftschacht“ aus. An Baulichkeiten übertage sind neben einem Transformator- und Maschinenhaus nur eine Baracke und ein Schuppen a
m Mundloch sowie eine Beladerampe dargestellt. Bildquelle:  Sken mapy S02-05/006

   


Etwas besser erhaltener Grundriß mit dem Auffahrungsstand des Stollens am Schweidrich im Jahr 1919. Neben dem Tiefen Stolln, der eine Wasserrösche erhalten hat, ist ein Oberer Stolln mit sechs Überhauen zwischen beiden Sohlen, ein Überhauen oberhalb der oberen Sohle, ein tonnlägiges Gesenk und einige kurze Querschläge und Untersuchungsstrecken gegenüber dem zwei Jahre älteren Grundriß hinzugekommen. Am früheren „Luftschacht“ hat man ein neues Maschinenhaus errichtet, den Schacht in „Tageschacht“ umb
enannt und beide Sohlen angeschlagen. Die Baulichkeiten übertage blieben auf das Maschinenhaus, ein Sprengmittelmagazin, einen Kohlenschuppen und ein kleines Zechenhaus beschränkt. Bildquelle:  Sken mapy MA-B/0554

   


Ausschnitt aus dem Kartenblatt 86, Sektion Hinterhermsdorf, aus dem Jahre 1935: Am Schweidrich südlich von Schluckenau ist hierin schon wieder nichts mehr vom Nickelbergbau vermerkt.

  

 
 
 

Aktivitäten nach 1919

  

1920 wurde das Nickelsyndikat einschließlich der Schluckenauer Grube an die tschechische Bank Zivnostenska banka (Oberbergrat Borchers schrieb im Februar 1920: Zwnostenka Banka“) verkauft, welche zuvor auch schon im Besitz der Joachimsthaler Gewerkschaft gewesen ist (40170, Nr. 488).

Nachdem die neuen Besitzverhältnisse geklärt waren, übersandte Betriebleiter Habicht am 26. März 1920 dann doch noch einen (schon auf den 29. Dezember 1919 datierten) neuen Betriebsplan nach Freiberg und fand hierzu zu bemerken, daß die neue Firma Joachimsthaler Gewerkschaft mit diesem einverstanden sei. Dieser Betriebsplan sah vor, das Feldort auf der 42-m- Sohle weiter nach Westen voranzubringen, einen neuen Maschinenschacht im Grubenfeld Glück Sohland abzusenken, den Rosenhainer Schacht zu verteufen und weitere Untersuchungsarbeiten übertage auszuführen.

Schon 1918 war ja „hinter dem Herberg’schen Hause“ (auf dem Hohlfeld'schen Grund) ein Schurfschacht etwa 10 m tief niedergebracht worden, den man wegen zu großen Wasserandrangs aber aufgeben mußte. Am 10. September 1920 wurden zum Zweck dieser Untersuchungen noch zusätzliche Grubenfelder gemutet (Glück Sohland Nordfeld), jedoch von Anfang an stets in Fristen gehalten. Davon abgesehen ruhte auf sächsischer Seite der Abbau aufgrund der stark gefallenen Nickelerzpreise schon ab Ende 1920.

Übertage war im Betriebsplan für 1920 noch eine Erweiterung der Kompressoranlage vorgesehen und für den Transport des Erzes zur Bahnstation in Sohland wurde erwogen, eine Schmalspurbahn, eventuell auch eine Seilbahn, zu errichten.

Bei seiner Befahrung am 17. Juni 1920 fand der Bergbeamte am Zustand der Grubenanlagen nichts zu bemängeln. Er notierte nur, daß die Abfuhr des Erzes nun vollständig stockte, da die Freiberger Hütten die geringhaltigen Erze nicht mehr verarbeiten wollten. Bei seinem Besuch am 21. Februar 1920 in Sohland hatte Oberbergrat Borchers jedoch auch notiert, daß der Nickelpreis gegenwärtig wieder ansteige und Nickelmetall pro Klogramm nun zwischen 40,- und 70,- Mark gehandelt werde.

Die Berginspektion Dresden erklärte sich mit dem Betriebsplan für 1920 am 30. Juli 1920 einverstanden und wies nur darauf hin, daß die vorgesehene Neuanlage eines Tageschachtes zusätzlich anzeigepflichtig sei. Auch das Landesbergamt genehmigte den Betriebsplan am 5. August 1920.

Bei einer Befahrung durch die Berginspektion Dresden am 12. August war dem Beamten Dr. Nieß die Einfahrt allerdings nicht mehr möglich, weil aufgrund eines Streiks im Elektrizitätswerk Hirschfelde die Grube zuvor mehrere Tage lang ohne Energieversorgung war, woraufhin natürlich die Wasser bis auf das Niveau der 42-m- Sohle aufgingen und die untertage installierten, elektrischen Pumpen Schaden nahmen. Man versuchte zwar, die Wasser mittels Kübel zu halten, aber die Zuläufe waren zu stark, um sie auf diese Weise zu bewältigen.

Am 17. August fragte die Werksleitung beim Bergamt nach, ob und ggf. bei wem sie Schadenersatzansprüche dafür geltend machen könne. 

Dr. Nieß hielt in seinem Fahrbericht fest, daß der Abbau nun sowohl auf sächsischer, wie auf tschechischer Seite eingestellt sei, vor allem deswegen, weil sich keine Hütte fände, welche die Verarbeitung ausführen wolle. „Übertage lagern ganz erhebliche Erzmengen, für die sich eine Verwendungsmöglichkeit nicht mehr bietet. Ein gewinnbringender Abbau war nur während der Kriegszeit möglich, wo der Metallpreis keine Rolle spielte,“ steht hier geschrieben und: „Warum die böhmische Gewerbebank, die jetzt Besitzerin der Grube ist, den ganzen Betrieb nicht einfach einstellt, ist mir unverständlich.“

Untersuchungsarbeiten sollen noch auf der 68-m- Sohle sowie im „oberen Stolln“ (der später Karl Stolln genannt wurde) erfolgen. „Daß zur Zeit noch 36 Mann bei der Grube beschäftigt werden, ist das einzig Erfreuliche, das ich über das Rosenhainer Nickelsyndikat berichten kann,“ schließt der Fahrbericht.

Am 7. September werden mit dem Bergarbeiter Franz Hahnl aus Rumsdorf bei Schluckenau und am 25. November 1920 mit Hermann Wagner aus Taubenheim noch neue Aufseher und Schießmeister für die Grube durch das Bergamt verpflichtet (40170, Nr. 488).

   

Der Betriebsplan für 1921 wurde am 24. Dezember 1920 nach Freiberg gesandt und sah die Fortsetzung der schon begonnenen Untersuchungsarbeiten vor (40170, Nr. 487). Unter anderem wollte man nun auch einen zweiten (auch in der geologischen Karte verzeichneten) Gang mit einem nordwestlich vom Laske'schen Steinbruche, südlich des Grenzkammes angesetzten Versuchsstolln untersuchen. Der Standort des schon im Jahr zuvor angedachten, neuen Tageschachtes richte sich dann nach den Ergebnissen der Aufschluß- bzw. Untersuchungsarbeiten.

Die Berginspektion Dresden stimmte diesem Betriebsplan am 29. Januar 1921 ohne Vorbehalte zu.

Im Februar ging endlich auch der neue Grubenriß in Sohland ein. Nach Prüfung durch den Bergamtsmarkscheider Weiß entsprach dieser aber nicht so richtig den geltenden Vorschriften.

Am 15. März 1921 teilte Betriebsleiter Habicht dem Bergamt namens der Joachimsthaler Gewerkschaft die Betriebseinstellung auf sächsischem Gebiet mit. Nur der Karl Stolln (hier wird er das erste Mal so bezeichnet), der aber auf tschechischem Gebiet liegt, bleibe noch in Betrieb. „Alle untertägigen Hilfsmaterialien, wie Gleise, Rohre usw., werden demontiert und die Grube unter Wasser gestellt,“ steht in dieser Anzeige noch zu lesen.

Weil die Versuche, das Nickelerz zu verhütten und wirtschaftlich verwertbar zu machen, durch die Besitzer noch fortgeführt würden, empfahl die Berginspektion Dresden, nicht die Einstellung, sondern eine Betriebsaussetzung zu beantragen. Sollte der Betrieb doch eingestellt werden, müssen Verwahrungsmaßnahmen noch festgelegt werden.

Dem Vorschlag folgte die Betriebsleitung auch und stellte am 11. April 1921 nachträglich Antrag auf vorübergehende Infristsetzung (40170, Nr. 487).

  

Am 19. April 1921 meldete sich die Kanzlei Dr. jur. Kurt Schulze in Neusalza namens ihres Mandanten, Lohgerbermeister Carl August Herberg, beim Sächsischen Bergamt. Wieder einmal... Der Letztere befürchtete, daß durch den zuletzt dort wieder umgegangenen Abbau die seinerzeit von der Gesellschaft Herberg, Hauptmann und Co. eingebrachten Stützpfeiler und Gewölbe durch den Abbau beseitigt worden seien und nun erneut latente Tagesbruchgefahr auf seinem Grundstück bestehe, die durch das Absaufen der Grubenbaue noch verstärkt werde. Daher forderte er erneut eine Sicherheitsleistung für zukünftige Schäden und das vollständige Aussetzen der tagesnahen Baue.

Bergrat Spitzner von der Berginspektion in Dresden reiste in dieser Angelegenheit persönlich nach Sohland. Im Ergebnis der dortigen Erörterungen nahm Betriebsleiter Habicht am 17. Mai 1921 dahingehend Stellung, daß man die alten Herberg'schen Abbaue gar nicht überbaut habe, die im Übrigen weder ausgemauert, noch ausgesetzt gewesen seien. Pfeiler waren nur in der seitlich davon verlaufenden Strecke aufgesetzt und diese stürzten ein, als diese Strecke von unten angefahren worden ist. Diese Strecke habe man anschließend vollständig mit Bergen ausgesetzt. Der alte Herberg'sche Abbau stehe in solch festem Gestein, daß Herberg selbst, diesen auszufüllen, nicht für notwendig erachtet habe. Man bat daher das Bergamt, die Herberg'schen Forderungen abzuweisen.

Dasselbe bestätigte am 9. Juni d. J. auch Einfahrer Oehme (inzwischen zum Amtsbergmeister befördert) für die Berginspektion Dresden anhand seiner eigenen Grubenbefahrungen und erläuterte außerdem, daß die 42-m- Sohle schon zu tief läge, als daß deren Zusammengehen Auswirkungen auf die Oberfläche haben könne.

Das Bergamt äußerte sich daraufhin am 28. Juni 1921 gegenüber der Anwaltskanzlei wie oben schon dargestellt und ergänzte, daß eine Gefährdung der Tagesoberfläche nach dem Bericht der Berginspektion nicht zu befürchten sei. Sollten aber wider Erwarten doch Senkungen eintreten, bei denen ein Zusammenhang mit dem Bergbau der Sohlander Nickelbergbaugesellschaft nachgewiesen werden könne, stehe es ihm, Herberg, nach dem Allgemeinen Berggesetz jederzeit frei, Schadenersatz von dem letzten Bergbautreiben zu verlangen.

Daß die Rechtslage so sei, konnten ihm die Anwälte in Neusalza sicherlich bestätigen. Dennoch wandten sich Carl August Herberg und Hermann Herberg im Mai 1922 aber wieder selbst mit einem vierseitigem Schreiben an das Bergamt, bezeichneten die Angaben der Bergwerksgesellschaft sämtlich als Lügen und scheuten sich nicht, dem Bergamt vorzuwerfen, mit zweierlei Maß zu messen. Man verlange das vollständige Aussetzen aller Hohlräume unter dem Grundstück. Daraufhin befragt, antwortete die Berginspektion Dresden am 15. August 1922 noch einmal an das Bergamt, daß die Herberg'schen Befürchtungen jeder Grundlage entbehrten.

Da ihm also das Bergamt die erhoffte Unterstützung versagte, wandte er sich am 27. September 1922 auch an die Amtshauptmannschaft in Bautzen mit denselben Forderungen. Die dürfte das Schreiben aber der Rechtslage entsprechend an die zuständige Behörde, also wieder an das Bergamt, verwiesen haben. weiteren Schriftverkehr dazu enthält die Akte nicht (40170, Nr. 487).

  


Die oben von Betriebsleiter Habicht beschriebene, geotechnische Situation unter Herberg's Wohnhaus verdeutlicht diese Zeichnung aus einer später angelegten Akte am besten: darin kreuzschraffiert der eingebrachte Bergeversatz. Quelle: Sächsisches Staatsarchiv, Bergarchiv Freiberg, Bestand 40170, Nr. 486, Blatt VI, Ausschnitt.

Link zum Digitalisat:  archiv.sachsen.de/archiv

   

Eine neue Befahrung am 28. September 1921 ergab nur, daß der Bergbau weiterhin ruhe. Kleinere Schäden an der Kaue des Hauptmannschachtes waren wieder ausgebessert. Am 1. Oktober schied dann Heinrich August Habicht aus der Betriebsleitung aus, um eine neue Stellung im Harzer Eisenerzbergbau anzunehmen. An seine Stelle trat ab 1. Dezember 1921 Stefan Preller, zuvor Obersteiger bei den Wernersdorfer Kupfergruben. Am 12. Januar 1922 beantragte die Joachimsthaler Gewerkschaft beim sächsischen Bergamt die Bestätigung Preller's als Betriebsleiter. Dieser beantragte Ende 1921 namens der Joachimsthaler Gewerkschaft auch gleich die Verlängerung der Fristsetzung für das Bergwerk (40170, Nr. 487).

Anfang 1922 waren immer noch 14 Mann Belegschaft bei der Grube angestellt.

Da die Grube in Fristen stand, erfolgten auch weiterhin Befahrungen durch die Beamten der Berginspektion. Da aber auf sächsischer Seite keine bergbaulichen Aktivitäten mehr zustandekamen, blieben auch deren weitere Fahrberichte kurz. Gewöhnlich fand man nichts zu erinnern.

Im April 1922 war zu vermerken, daß auch auf tschechischer Seite wieder magnetometrische Messungen durch einen Herrn Wenzel Vanek vorgenommen worden sind. Sie hätten aber anhand von Schürfversuchen nicht den erhofften Erfolg gezeigt. Lediglich in einem westlich vom Taubenberge auf 26 m Teufe abgesenkten Schächtchen habe man in einem Versuchsort angeblich gute Erze angetroffen.

Einen weiteren etwa 15 m tiefen Schacht wollte man Ende 1922 in Obersohland teufen, berichtete Bergrat Borchers nach seinem Besuch vom 28. November 1922 in Sohland. Sonst gehe nur ein ganz geringfügiger Betrieb auf böhmischer Seite, und zwar jetzt im Gebhardtstolln, um.

Am 2. Januar 1923 zeigte Betriebsleiter Preller namens der Joachimsthaler Gewerkschaft dann das Vorhaben eines weiteren Schurfschachtes auf sächsischer Seite an. Nach der beigefügten Skizze handelt es sich um den Schacht „100 m östlich der Schäferei.“ Auch dieser Schacht mußte jedoch schon am 29. Januar bei etwa 8 m erreichter Teufe aufgrund zu großen Wasserandrangs aufgegeben werden. Bis dorthin stand er noch zur Gänze in grobem Kies und hatte noch nicht einmal das Festgestein erreicht.

Am 3. März ließ sich die Joachimsthaler Gewerkschaft noch ein weiteres Grubenfeld namens Glück Sohland Westfeld verleihen.

Beirat Brendler besuchte seitens der Berginspektion am 22. März Sohland und den neuen Schurfschacht, traf aber niemanden an. Nach Angabe der Anwohner solle auch auf tschechischer Seite „nicht mehr viel Betrieb sein,“ hielt er noch fest.

Am 28. März 1923 bat die Gesellschaft noch einmal um Fristsetzung für die bergmännischen Aufschlußarbeiten auf sächsischen Gebiet. Stattdessen wolle man zuvor die bisherigen, umfangreichen magnetometrischen Messungen durch weitere Messungen mit einem neuen Schmidt'schen Magnetometer ergänzen. In diesem Schreiben heißt es: „Nach unseren bisherigen Erfahrungen zu schließen, haben derlei aufs Geratewohl angelegte Schächtchen fast keine Aussicht auf günstigen Erfolg... Im Vorjahre... haben wir das fragliche Gebiet mittelst eines Magnetometers auf Nickelerze untersuchen lassen und dabei auf Kilometerlänge den Verlauf der Proterobasgänge bestimmt und in großem Ausmaße Auslenkungen der Magnetnadel festgestellt. Da jedoch starke Proterobasgänge in ähnlicher Weise wie eine schwache Erzführung die Magnetnadel beeinflussen, kann nicht so leicht entschieden werden, ob die Auslenkungen der Magnetnadel durch mächtige Proterobasgänge oder durch schwache Erzimprägnatonen hervorgerufen werden...“

Dem Wunsch entsprach man in Freiberg und genehmigte am 5. April eine weitere Betriebsaussetzung bis Ende 1923.

Von der nächsten Befahrung am 9. Mai 1923 wurde festgehalten, daß die derzeitigen Aufschlüsse im Karlstolln angeblich recht gute seien, woher in letzter Zeit „eine ziemlich reiche Ausbeute an Erz gewonnen worden ist.“ Dennoch wurde gerade der Steinbrecher demontiert und verladen, weil er im Wernersdorfer Kupferbergbau dringender gebraucht werde (40170, Nr. 487).

  

Auf böhmischer Seite beschränkten sich die Arbeiten in diesen Jahren in erster Linie auf den Vortrieb des östlich des Rosenhainer Schachts (tschechisch Šachta Rosenhain) wenigstens schon 1919 im Streichen des Gesteinsganges nach Osten angeschlagenen Karl Stollns (tschechisch Štola Karel). Dieser hatte in den folgenden Jahren bis 1923 noch eine Länge von zirka 365 m erreicht, ohne dabei jedoch wirklich auf nennenswerte, neue Erzvorkommen zu treffen. Von dem Durchschlag des Stollnortes bis auf den Gebhard Stolln wurde auch deshalb abgesehen.

Nach Forschungsergebnissen tschechischer Bergbaufreunde (Brzák et. al., 2008) hatte man außerdem aus dem Gebhard Stolln (tschechisch Rožany překop, etwa Rosenhain'er Querschlag) heraus ein Fallort mit 34° Neigung nach Osten und zirka 38 m Länge abgesenkt, womit man wohl die Erzführung unterhalb der Stollnsohle untersuchen wollte. Noch einmal etwa 300 m weiter östlich, wo das Gangstreichen durch einen großen Steinbruch aufgeschlossen war, hatte man den oben schon erwähnten Untersuchungsstollen am Laske'schen Steinbruch (tschechisch Štola u lomu) angesetzt, der offenbar aber, ebenfalls ohne weitere bauwürdige Erzvorkommen anzutreffen, schon nach nur etwa 25 m Vortrieb wieder aufgegeben worden ist.

Auch die Metallgehalte im Erz hatten aufgrund der kurzzeitigen „Massenproduktion“ während des Weltkrieges spürbar abgenommen. Förderten Herberg und Hauptmann zwischen 1901 und 1906 in Sohland noch Derberze mit einem mittleren Gehalt zwischen 3,25% und 4,86% Nickel, so betrugen die Metallgehalte der zwischen 1916 und 1919 geförderten Mischerze nur noch 1,6% bis maximal 2,5%. Diese nur noch geringhaltigen Erze waren bei abnehmenden Bedarf und sinkenden Preisen nicht mehr verkäuflich. Die bis 1923 aus dem Karl Stolln noch geförderten, insgesamt zirka 350 t Erz wurden daher am Schacht in Rosenhain aufgehaldet.

 


Ausschnitt aus dem Grund- und Saigerriß auf dem Stand von 1921 mit dem Bereich vom Rosenhainer Schacht nach Osten, wo der Karl Stolln, hier braun dargestellt, verläuft. Zu dieser Zeit hatte er etwa 220 m Länge erreicht. Bildquelle: Sächsisches Staatsarchiv, Bergarchiv Freiberg, Bestand 40040, Nr. A355.

  


Saigerriß über den westlichen Teil des Karl Stollns (tschechisch Štola Karel) nach Forschungen tschechischer Bergbaufreunde. Der Ausschnitt entspricht etwa dem im Schnitt von 1921 oben. Oberhalb der Stollnsohle hatte man (von Ost nach West) den Block A und den Block B abgebaut; unterhalb der Stollnsohle die Blöcke C und D. Nach der Darstellung erfolgte der Abbau im Firstenstoßbau- Verfahren: Unmittelbar über der Stollnsohle blieb eine Schwebe stehen; darüber hat man die Gangfläche ausgehauen. Den Block B hat man teilweise wieder mit taubem Gestein verfüllt. Bildquelle: Brzák et al.: Nickelbergwerk in Rožany, 2008.

   


Ausschnitt aus einem Grund- und Saigerriß (Abzeichnung vom Urriß der Betriebsabteilung Rosenhain der Joachimsthaler Gewerkschaft auf dem Stand von 1921). Nach diesem Riß war der Karl Stolln bis auf reichlich 360 m Länge in östlicher Richtung vorgetrieben, ohne dabei jedoch mit dem von Süden entgegenkommenden Gebhard Stolln endgültig zum Durchschlag gebracht worden zu sein. Zugleich ist hier ein drittes, nicht näher bezeichnetes Lichtloch unmittelbar westlich vom „Zugang zum Steinbruch“ eingetragen. Bildquelle: Sächsisches Staatsarchiv, Bergarchiv Freiberg, Bestand 40073-2, Nr. 787.

  

Wir haben auf dem Grubenriß und im Geoportal die Abstände der Schächte natürlich nachgemessen, verglichen und festgestellt, daß es sich bei den noch vorhandenen Pingen am Südhang des Hornsberges tatsächlich um die beiden östlichen  Wetterschächte (den 2. und den 3.) auf dem Karl Stolln handelt. Obwohl die Schachtkonturen in der östlichsten Pinge so auffällig von einem „gewöhnlichen“ Profil abweichen, handelt es sich bei dieser nicht, wie zunächst gedacht, um den hier auch eingetragenen „Alten Schacht“. Gegen Letzteres spricht auch die Übereinstimmung der Lage dieser Pinge nahe des im Schnitt vermerkten „Zugangs zum Steinbruch“.

  


Saigerriß über den östlichen Teil des Karl Stollns nach Forschungen tschechischer Bergbaufreunde. Wie man sieht, lag die Sohle des Gebhard Stollns im Streichen des Ganges etwa 16 m höher, als die des Karl Stollns. Viel hat bis zum Durchschlag der Zwischensohle auf den Gebhard Stolln nicht mehr gefehlt... Knapp östlich des Punktes, an dem der Gebhard Stolln nach fast 200 m Vortrieb den Gang erreicht hatte, war außerdem ein Fallort mit 34° Neigung angesetzt, um die Bauwürdigkeit in größerer Tiefe zu untersuchen. Es wurde noch 38 m weit niedergebracht (saiger zirka 22 m unter die Gebhard Stolln- Sohle), offenbar jedoch ohne dabei auf abbauwürdige Erze zu stoßen. Noch einmal rund 330 m weiter östlich - aus dem dort befindlichen Steinbruch heraus - hatte man den Gang mit einem weiteren Stolln in nordwestliche Richtung
(tschechisch Štola U lomu) untersucht. Auch dieser Versuch blieb aber ohne Erfolg und nach knapp 25 m Vortrieb gab man auch diesen Stolln wieder auf. Bildquelle: Brzák et al.: Nickelbergwerk in Rožany, 2008.

   


Lagezuordnung der Grubenbaue in der topographischen Karte. Die Zahlen bedeuten: 09-02...Schacht Rosenhain, 09-01...Mundloch des Karl Stollns, 09-03...Mundloch des Gebhard Stollns und 09-04...unbenannter Stolln im Steinbruch. Alle diese Gruben sind gegenwärtig nicht mehr befahrbar. Bildquelle: Brzák et al.: Nickelbergwerk in Rožany, 2008.

   

Im Jahr 1923 wurde das Bergwerksfeld von der Bank endgültig an die Joachimsthaler Gewerkschaft mit Sitz in Prag, später zeitweise in Aussig / Usti nad Labem, verkauft (40024-10, Nr. 412). Das Bergwerkseigentum schloß zu dieser Zeit noch die seit 1906 verliehenen Felder Germania, Siegfried, Glück Sohland und Sohlander Bergsegen ein.

Am 3. November 1923 weilte auch Oberbergrat Borchers wieder in Sohland und berichtete anschließend, daß nur auf böhmischer Seite in beschränktem Maße noch Grubenbetrieb umgehe. Außerdem hielt er aber lobend fest, daß die Joachimsthaler Gewerkschaft als Besitzerin der Grube die doch erheblichen Kosten (es waren immerhin zwei Physiker und ein Geologe rund drei Monate lang mit den Feldarbeiten beschäftigt) für die geophysikalischen Messungen nicht scheue, um zum Ziel zu gelangen (40170, Nr. 487).

Die Joachimsthaler Gewerkschaft machte sich in diesem Zusammenhang auch beim Amt Bautzen unbeliebt, da sie auf eigene Rechnung einen 11 km langen Stromanschluß nur für die Ausführung der elektromagnetischen Messungen verlegen ließ (50013, Nr. 6794).

Über die Aktivitäten dieser Jahre kann man auch im Jahrbuch für das Berg- und Hüttenwesen von 1924 nachlesen:

4. Der Sohlander Nickelerzbergbau der Joachimsthaler Gewerkschaft hat im Anfang des Jahres 1923 mit dem Niederbringen eines Schurfschachtes im Grubenfelde „Glück- Sohland- Westfeld" begonnen; indessen mußte dieses Schachtabteufen unverhältnismäßig großen Wasserzuflusses wegen wieder eingestellt werden. Von Mitte September ab sind ausgedehnte geophysikalische Bodenuntersuchungen vom Institut „Erda" A.G. für angewandte Geophysik in Göttingen durchgeführt worden, deren Ergebnisse jedoch nicht bekannt geworden sind.“

Rechtsnachfolger der hier genannten Erda AG aus Göttingen war später übrigens die 1921 von Ludger Mintrop gegründete Seismos GmbH zur Erforschung von Gebirgsschichten und nutzbaren Lagerstätten in Dortmund geworden. Erst nach dem Einschalten des sächsischen Wirtschaftsministeriums wurden von letzterer im Jahr 1935 die Unterlagen über die damaligen Messungen in Sohland der Lagerstättenforschungsstelle beim Oberbergamt in Freiberg zur Verfügung gestellt.

Die Seismos GmbH vereinigte sich 1963 mit der 1937 in Berlin gegründeten Gesellschaft für praktische Lagerstättenforschung GmbH zur Prakla- Seismos AG, verlegte den gemeinsamen Sitz nach Hannover und war als geophysikalische Prospektionsfirma noch bis 1991 weltweit tätig. Danach wurde die Firma an die auf Curaçao ansässige Erdölexplorationsfirma Schlumberger AG verkauft und bald darauf aufgelöst.

 


Wo welche Messungen erfolgt sind, geht aus dieser Skizze der Örtlichkeiten nicht so richtig hervor; immerhin aber die Lage des Stromversorgungskabels, das südlich Taubenheim begann und südlich von Rosenhain / Rožany quer durch tschechisches Gebiet bis nach Obersohland führte (gestrichelte Linie). Quelle: Sächsisches Staatsarchiv, Bergarchiv Freiberg, Bestand 40170, Nr. 487, Blatt 82.

Link zum Digitalisat:  archiv.sachsen.de/archiv

   

Am 17. Dezember 1923 beantragte Betriebsleiter Preller erneut die Verlängerung der Betriebsaussetzung, um die aufwendigen geophysikalischen Untersuchungen auswerten und daraufhin neu entscheiden zu können. Dem Antrag wurde auch am 21. Dezember d. J. erneut entsprochen (40170, Nr. 487).

Im Folgejahr wird in der Aufstellung über Auffahrung und Aushieb bei dem Erzbergbau im Jahre 1924 aber konstatiert: „Auch der Sohlander Nickelerz- Bergbau in Sohland a. d. Spree erfuhr während des Weltkrieges eine vorübergehende Belebung. Der Rückgang des während der Dauer des Weltkrieges vorhandenen lebhaften Aufschließungs- und Abbaubetriebes nach Eintritt des Waffenstillstandes ist auf die Umgestaltung der metallwirtschaftlichen Verhältnisse, ungünstige soziale und politische Ereignisse, Ansteigen der Gestehungskosten, vor allem der Löhne und Materialien u. a. m. zurückzuführen. Das nochmalige kurze Ansteigen des Gangflächen- und Lagermassenaushiebs nach dem Jahre 1921 hat seinen Grund hauptsächlich in den hohen Metallpreisen der damaligen Zeit.“

Am 25. Juni 1924 beantragte die Joachimsthaler Gewerkschaft erneut Betriebsaussetzung für ein Jahr, mit der Begründung, daß das Endresultat der im Vorjahre begonnenen und bis ins Frühjahr 1924 andauernden geophysikalischen Messungen für uns sehr ungünstig war. Ein großer Teil des untersuchten, gemuteten Terrains scheint überhaupt keine Spuren von Nickelerzen zu führen. Aus diesem Grund wollte man nun auch den restlichen Teil der Grubenfelder untersuchen lassen, was natürlich eine entsprechende Zeit benötige (40170, Nr. 487). Der Antrag wurde auch am 28. Juli 1924 genehmigt. Infolge der bisherigen, zum größten Teil negativen Ergebnisse sehe man sich zugleich veranlaßt, den größeren Teil der Grubenfelder loszusagen. Die erteilte Betriebsaussetzung galt damit nun nur für die noch verbliebenen vier Grubenfelder:

  • Germania,

  • Siegfried,

  • Glück Sohland und

  • Sohlander Bergsegen.

Den nächsten Antrag auf Infristhaltung reichte die Gewerkschaft am 27. Dezember 1924 ein. Zuvor war am 25. November wieder eine Befahrung durch die Berginspektion Dresden erfolgt. Dabei äußerte der Betriebsleiter Obersteiger Preller die Vermutung, daß die Gewerkschaft den Nickelerzbergbau wohl bald ganz aufgeben werde. Die Infristsetzung wurde am 12. März erneut bis Ende 1925 bewilligt.

  

Das nahende Ende des Bergbaus und damit auch das Greifbarsein eines Haftbarzumachenden vor Augen wandte sich auch Gerbermeister Herberg am 27. Januar 1925 wieder einmal an das Bergamt in Freiberg. Von dort antwortete man am 1. Februar 1925 diesmal nur kurz und bündig, da bisher offenbar keine Oberflächeneinsenkungen auf seinem Grundstück eingetreten sind, sehe man keine Veranlassung, irgendwelche Schritte zu unternehmen und verweise ansonsten auf das vorangegangene diesbezügliche Schreiben vom 15. August 1922.

  

Auch bei der nächsten Befahrung durch die Berginspektion Dresden am 2. Februar 1925 hatte sich in Sohland nichts verändert. Obersteiger Preller wurde nur noch einmal darauf hingewiesen, daß im Falle einer Betriebseinstellung diese rechtzeitig anzukündigen und die Betriebsrisse an das Oberbergamt (es war inzwischen wieder umbenannt) zu übersenden seien (40170, Nr. 487).

Das Feld Glück Sohland wurde von der Joachimsthaler Gewerkschaft schließlich am 21. August 1925 losgesagt, woraufhin das Bergbaurecht im April 1926 erloschen ist (40170, Nr. 423).

Vonseiten der Bergbehörde wurde 1925 auch bestätigt, daß im Feld Germania keine weiteren Verwahrungsarbeiten erforderlich seien, da alle früheren Schurfschächte verfüllt und nur noch der Hauptmannschacht offen stehe, aber mit einer soliden Kaue überbaut sei. Daraufhin sagte die Gewerkschaft am 21. Dezember 1925 auch dieses Feld los (40170, Nr. 422). Auch das Bergbaurecht in den Teilfeldern Sohlander Bergsegen Südfeld und Westfeld ereilte dasselbe Schicksal (40170, Nr. 487).

Im Besitz der Bergbaugesellschaft verblieben nun nur noch die Bergbaurechte in den zwei unmittelbar an das tschechische Gebiet angrenzenden Feldern: 

  • Sohlander Bergsegen Ostfeld und

  • Siegfried.

Für diese beiden Felder beantragte man am 30. Dezember 1925 erneut Fristverlängerung (40170, Nr. 487). Auch diese wurde am 28. Januar 1926 gewährt.

Am 1. Oktober 1925 wurde von der Joachimsthaler Gewerkschaft auch dem Obersteiger Preller seine Stellung als Betriebsleiter gekündigt (40170, Nr. 487).

Bei der nächsten Befahrung durch Bergrat Spitzner vom Bergamt Dresden am 15. April 1926 fand man wieder alles unverändert vor. Obersteiger Preller erhielt zwar seit Januar d. J.  kein Gehalt mehr von der Gewerkschaft, wohnte aber noch am Werk. Die auf dem Werk vorhandenen Grubenrisse wurden am 29. Juni 1926 an das Oberbergamt übergeben.

Bei diesem Stand blieb es auch in den Folgejahren:

Bei den noch stattfindenden Befahrungen war in bergpolizeilicher Hinsicht nichts zu bemängeln. Nur ein Herr Georgi aus Aue interessierte sich einmal für den Stand der Dinge und fragte bei dem ihm offenbar persönlich gut bekannten Oberbergrat Borchers persönlich an, ob denn aktuelle Mutungen vorlägen.

Am 30. Dezember 1926 wurde der Antrag auf Infristhaltung durch die Joachimsthaler Gewerkschaft wiederholt. Auch dieser wurde am 21. Januar 1927 bewilligt. Bei seiner Befahrung am 3. November 1927 fand Bergrat Spitzner alles so vor, wie schon zuvor.

Dasselbe geschah am 29. Dezember 1927. Am 25. Januar 1928 erhielt die Gewerkschaft erneut ein Jahr Betriebsfrist zugestanden. Bei der diesjährigen Befahrung am 28. Juli 1928 fand Bergrat Spitzner auf böhmischer Seite den Stolln an mehreren Stellen verbrochen vor. Obersteiger Preller wohnte noch immer beim Werk, ging inzwischen natürlich aber einer anderen Tätigkeit nach und kümmerte sich nur nebenbei noch um die Sicherheit der Tagesanlagen. Nach seiner Angabe sei ein Verkauf an eine reichsdeutsche Firma beinahe zustande gekommen.

Erneut stellte die Gewerkschaft am 28. Dezember 1928 Antrag auf Infristhaltung. Auch diesmal wurde am 21. Januar 1929 ein weiteres Jahr Betriebsfrist gewährt. Bei seiner Befahrung am 25. Juli 1929 stellte Bergrat Spitzner diesmal fest, daß am Rosenhainer Schacht ein Verbruch eingetreten und infolgedessen der hölzerne Seilscheibenstuhl zusammengebrochen war. Obersteiger Preller hatte das Herannahen rechtzeitig bemerkt und noch einige Gerätschaften aus der Schachtkaue geborgen. Danach ist der Bruch von ihm mit Stacheldraht eingezäunt worden.

Am 19. Dezember 1929 wurde wieder Antrag auf Fristverlängerung gestellt und am 7. Januar 1930 wieder für ein weiteres Jahr gewährt. Diesmal fand Bergrat Spitzner bei seiner Befahrung am 16. Oktober auch an einer Seite des Hauptmannschachtes den Ausbau zubruchgegangen vor und daher waren Massen nachgerutscht. Den Schachtkopf hatte Obersteiger Preller schon früher durch eine Einfriedung gesichert. Der war aber nun an seinen neuen Arbeitsort, den Basaltsteinwerken Schluckenau- Kaiserswalde, umgezogen, wo er wieder als Betriebleiter arbeiten konnte. Nach Angabe des Gastwirts habe die Joachimsthaler Gewerkschaft die Aufsicht über die Tagesanlagen einem früheren Arbeiter anvertraut.

  

Der Bericht im Wanderführer von 1938 nennt uns neben dem Steiger Preller noch den damals in Sohland wohnhaften Landwirt Julius Richter und den Häusler Moritz Berger, die auch noch in dieser Betriebszeit als Aufseher und Vorarbeiter bzw. Steiger auf der Grube gearbeitet haben (Hölzel, 1938).

  


Auch diesem Bergmann können wir jetzt wieder ein Gesicht geben: Aus der Sammlung
des Ortschronisten R. Böhme stammt dieses Foto von Steiger Moritz Berger nach
seiner letzten Schicht im Jahr 1924, aufgenommen vor dem Mundloch des Karl Stollns.
Foto bereitgestellt von F. Koch, Sohland.

    

Am 29. Dezember 1930 stellte die Gewerkschaft wieder einen Antrag auf Fristverlängerung und wieder wurde sie am 17. Januar 1931 gewährt. Da sich der Zustandes des Hauptmannschachtes (der auf sächsischem Gebiet lag) binnen des zurückliegenden Jahres dahingehend verschlechtert hatte, daß er nunmehr offenstand, forderte Bergrat Spitzner die Joachimsthaler Gewerkschaft am 3. Oktober 1931 auf, Verwahrungsmaßnahmen zu ergreifen (40170, Nr. 487).

Nach Angaben in einem später datierten Aktenstück hat die Joachimsthaler Gewerkschaft im Herbst 1931 den gebrochenen Schachtausbau geräumt und den Schacht anschließend mit zirka 240 m³ Haldenbergen ausstürzen lassen. Dabei konnten aber weder die Bühnen entfernt, noch Pfeiler zur Abtrennung der Füllörter eingebaut werden, weil der Schacht ja schon abgesoffen war (40170, Nr. 486). 

Am 21. Dezember 1931 wiederholte sich das Ganze erneut. Am 15. Januar 1932 erhielt die nun in Aussig / Usti n. L. ansässige Gewerkschaft nochmals ein Jahr Betriebsfrist. Sonst enthält die Akte nichts Neues (40170, Nr. 487).

Und am 8. Dezember 1932 folgte die nächste Antragstellung und noch einmal wurde dem Antrag am 12. Januar 1932 stattgegeben. Pünktlich am 8. Dezember 1933 und am 10. Dezember 1934 folgten weitere Anträge auf Fristbewilligung. Inzwischen wurde die Betriebsfrist für jeweils zwei Jahre gewährt und so wiederholte sich die Antragstellung erst am 2. Dezember 1936 wieder, nun also bis Ende 1938 (40170, Nr. 487).

1938 hatte die Joachimsthaler Gewerkschaft ihren Sitz wieder in Prag und nannte sich nun Joachimsthaler Gewerkschaft für die Erzeugung von Radium und anderen Berg- und Hüttenprodukten in Prag. Ansonsten hatte sie die Grube bei Sohland jedoch schon seit 1921 nur noch in Fristen gehalten.

   

Inzwischen hatten sich nun aber in Deutschland die politischen Verhältnisse grundlegend verändert und weil im Oberbergamt wohl niemand die Entscheidung treffen wollte, wandte sich diesmal der amtierende Berghauptmann, Dr. Nieß, an den Herrn Reichsstatthalter bei der Landesregierung in Sachsen, Ministerium für Wirtschaft und Arbeit, mit der Frage, ob dem Antrag denn nochmals stattzugeben sei (40170, Nr. 487).

Nach Abstimmung mit dem Ministerium erklärte die Bergbehörde am 6. Februar 1937 der Bergbaugesellschaft in Prag, daß ihrem Gesuch auf weitere Fristverlängerung nicht stattgegeben werden könne, weil die Durchführung des Wirtschaftsprogrammes der Reichsregierung die beschleunigte Erschließung der deutschen Bodenschätze erfordere. Um eine Entziehung des Bergbaurechtes durch die Bergbehörde zu umgehen, empfehle man, von sich aus bis Ende Januar 1937 die Aufgabe des Bergbaurechtes zu erklären.

Dagegen protestierte aber am 23. Februar 1937 die Joachimsthaler Gewerkschaft mit dem Argument, daß es sich bei diesen Grubenfeldern um zwei Ergänzungsfelder handele, deren Abbau nur in Zusammenhang mit dem Abbau auf ihrem, in Böhmen gelegenen Grubenfeld wirtschaftlich möglich sei. Auch die Grubenfeldsteuern für das laufende Jahr seien regelmäßig bezahlt worden.

Am 21. September 1937 mischte sich in diesen Streitfall dann auch das Amt für deutsche Roh- und Werkstoffe in Berlin unter Ministerpräsident Generaloberst H. Göring ein und forderte das Oberbergamt in Freiberg zu gutachterlicher Stellungnahme auf, ob eine Wiederaufnahme von Untersuchungsarbeiten an dieser Stelle überhaupt aussichtsreich sei. Beim Oberbergamt hatte man hierzu nur wenig Unterlagen griffbereit und gab daher am 4. Oktober 1937 die Aufforderung mit dem Vermerk Sofort! an die Bergwirtschaftsstelle und gleichzeitig an die Lagerstätten- Forschungsstelle ab. Letztere antworte am 27. Oktober d. J. recht kurz, daß nach dort vorliegenden Kenntnissen das Nickelerzvorkommen bei Sohland... weitgehend abgebaut ist. Untersuchungsarbeiten in diesen alten Gruben dürften daher nur noch wenig Aussicht auf Erfolg haben.

Diese uns im Wesentlichen auch bekannten Fakten teilte der Berghauptmann am 12. November 1937 nach Berlin mit (40170, Nr. 487).

Nach etlichem Hin und Her zwischen den beteiligten Behörden entschied schließlich der Reichsstatthalter in Sachsen beim Ministerium für Wirtschaft und Arbeit bei der Landesregierung am 6. März 1938, daß das Oberbergamt dem Bergbaubetreiber nunmehr eine angemessene Frist zur Aufnahme des Abbaus setzen solle (40170, Nr. 486). Dies erfolgte auch mit Schreiben vom 30. Mai 1938. Binnen eines Monats sollte sich die Joachimsthaler Gewerkschaft nun über die zur Wiederaufnahme vorgesehenen Maßnahmen äußern.

Am 30.Juni 1938 schrieb diese zurück, daß man sich noch immer mit der Ausarbeitung einer geeigneten Verhüttungsmethode für die Armerze befasse und erst, wenn dies zufriedenstellend gelöst sei, könne auch ein rentabler Grubenbetrieb wieder aufgenommen werden.

Dies war vermutlich die erwartete Antwort und nun sah man sich in der Lage, bergamtlicherseits am 11. Juli 1938 die alsbaldige Aufnahme des Abbaus anordnen oder mit der Entziehung des Bergbaurechtes drohen zu können. Einen passenden Betriebsplan schrieb man schon fast wörtlich und mit engen Fristsetzungen vor: So sollte spätestens am 1. September mit dem Sümpfen des Hauptmannschachtes begonnen und dieser anschließend bis auf die 83-m- Sohle verteuft werden. Dabei durften auf sächsischer Seite nur noch reichsdeutsche Arbeiter angestellt werden.

Am 22. Juli 1938 schrieb die Joachimsthaler Gewerkschaft an das Oberbergamt, daß es ihr nicht möglich sei, die vorgeschriebenen, umfangreichen Arbeiten nur für einen kleinen Teil ihres sich beiderseits der Staatsgrenze erstreckenden Grubenfeldes vorzunehmen. Es bliebe daher nichts anderes übrig, als das Weitere ihrer amtlichen Waltung zu überlassen.

Das klingt nur auf den ersten Blick schon nach einer Aufgabe, denn da man einerseits das Bergbaurecht nicht selbst aufgab, sich andererseits auch nicht gegen die auferlegten Maßnahmen wandte, sondern sich nur zu diesem Zeitpunkt außerstande sah, sie umzusetzen, waren die Voraussetzungen für die Entziehung des Bergbaurechtes nicht vollständig gegeben. Das Oberbergamt wandte sich deshalb nochmals an den Reichsstatthalter mit der Bitte um weitere Entschließung.

Vom Sächsischen Ministerium für Wirtschaft und Arbeit kam daraufhin am 12. August 1938 die Anweisung, das Entziehungsverfahren einzuleiten (40170, Nr. 486).

Mit Schreiben vom 14. September 1938 wurde daraufhin der Joachimsthaler Gewerkschaft das Bergbaurecht vom Sächsischen Oberbergamt entzogen (40170, Nr. 482 und 486). Nach der betreffenden Oberbergamtsakte erfolgte dies mit Wirkung vom 29. September 1938 (40030-1, Nr. 776). Die Bergbauberechtigung erlosch mangels weiteren Widerspruchs ein halbes Jahr später im April 1939 (40170, Nr. 486).

1938 wurde das Sudetenland in der Tschechoslowakischen Republik von Deutschland annektiert. Namens des Bergamts Dresden besichtigte am 7. Februar 1939 ein Herr Müller die Tagesanlagen in Sohland und fand den Herbergschacht verfüllt und eingeebnet und den Hauptmannschacht durch eine Ziegelmauer eingefriedet und ohne neue Nachsenkungen vor. Der Rosenhainer Schacht, jetzt „auf sudetendeutscher Seite“ gelegen, war verbrochen und es hatte sich eine etwa 6 m tiefe Bruchpinge gebildet. Auch über dem Stollnverlauf waren mehrere kleinere Tagesbrüche vorhanden, alle jedoch mit Stacheldraht eingezäunt. Weiter heißt es, „die halbverfallenen ... Betriebsgebäude des Rosenhainer Schachtes enthalten noch viel Alteisenmaterial, das einer Wiederverwertung zugänglich gemacht werden könnte... Es empfiehlt sich, die Joachimsthaler Gewerkschaft zur Entschrottung ... anzuhalten, oder der örtlichen SA die Entschrottung anheimzustellen.“  (40170, Nr. 482 und 486).

  

Das mit der Annexion dem Deutschen Reich eingegliederte Bergamt in Teplitz / Teplice hatte im März 1939 ebenfalls entschieden, daß aufgrund der steigenden Preise für Nickelmetall keine wirtschaftlichen Gründe mehr zu ersehen seien, warum die Befristung für die auf tschechischer Seite im Eigentum der Joachimsthaler Gewerkschaft befindlichen Bergbaufelder in Rosenhain / Rožany und in Schluckenau / Šluknov weiterhin gewährt werden solle und bergtechnische Gründe könne man nicht beurteilen, solange die Gruben nicht gesümpft seien. In diesem Zusammenhang teilte man nach Freiberg noch mit, daß es sich konkret um die Grubenfelder Gebhardt und Max bei Rosenhain sowie Anna und Käthe bei Schluckenau handele, für welche die Bergbaurechte bei der Joachimsthaler Gewerkschaft lagen.

Auch hier wurde daher eine kurze Frist von 14 Tagen gesetzt, binnen der mit der Wiederaufgewältigung zu beginnen sei. Nach eigener Besichtigung am 25. März 1939 habe die Gewerkschaft aber tatsächlich an drei Stellen bei Schluckenau und Rosenhain mit der Gewältigung wieder begonnen.

  

In der letzten Ausgabe der Jahrbücher vom Jahr 1938 wird im Tätigkeitsbericht der Staatlichen Lagerstätten- Forschungsstelle auf das Geschäftsjahr 1937 festgehalten: „Die zuletzt im Weltkrieg bebaute Nickelerzlagerstätte bei Sohland in der Lausitz wurde auf reichsdeutscher Seite unter Mitwirkung des Geophysikalischen Institutes der Universität Leipzig geophysikalisch vermessen. Nach den unbedeutenden Anomalien dürften größere abbauwürdige Erzkörper kaum vorhanden sein.“ (40030-2, Nr.  H24396 sowie 40030-1, Nr. 778)

Auf die nunmehr wieder im Bergfreien liegenden Felder mutete im Zeitraum 1937 bis 1939 ein Herr Robert Wadenbach aus Köthen unter dem neuen Feldesnamen Günther (40024-14, Nr. 433 und 40030-1, Nr. 776), was jedoch abgewiesen wurde, da der Bergbehörde zu Ohren gekommen war, daß Herr Wadenbach das noch nicht einmal eingetragene Grubenfeld bereits der Studiengesellschaft Deutscher Kupferbergbau GmbH zu Eisleben angeboten habe und ihm daher nur spekulative Absichten zu unterstellen seien. Ähnlich, wie es Prof. Beck seinerzeit schon dem Herrn Commerziemrath Grumit zu Schluckenau empfohlen hatte, legte nun das Land Sachsen selbst Mutung auf das Erzvorkommen ein und wählte für dieses Grubenfeld den Namen Vaterland (40024-14, Nr. 436, 40030-1, Nr. 773).

Im Jahre 1939 führte in mehreren Freischurfgebieten auf böhmischer Seite bei Schluckenau, im Raum Nixdorf, bei Rosenhain und auch bei Sohland in Sachsen auf den Gruben Siegfried und Sohlander Bergsegen Ostfeld jetzt die Gewerkschaft Schneeberger Bergbau als Betriebsteil der inzwischen gegründeten Sachsenerz Bergwerks AG noch einmal Erkundungsarbeiten durch (40105-2, Nr. I24).

In den 1940er Jahren soll ferner ein Versuchsabbau durch die Sudetenländische Bergbau AG aus Brüx / Most erfolgt sein (40030-1, Nr. 774). Bei dieser Aktiengesellschaft handelte es sich eigentlich um eine Bergwerksgesellschaft, die im Eger- Graben Braunkohlengruben betrieb.

Mit dem Gesetz zur Überleitung des Bergwesens auf das Reich vom 28. Februar 1935 (Bergwerksverzeichnis 1939/1940) war die Berghoheit und Bergwirtschaft „Reichsangelegenheit“ geworden und das Reichswirtschaftsministerium übernahm das gesamte Bergwesen des Deutschen Reiches. Mit der Verordnung über das Bergwesen in den sudetendeutschen Gebieten vom 10. Januar 1939 wurde dann das Oberbergamt in Freiberg auch mit der Wahrnehmung der Aufgaben der mittleren Bergbehörde für den „Reichsgau Sudetenland“ beauftragt und die Bergämter Teplitz, Brüx, Komotau und Karlsbad wurden neu geschaffen, bzw. kamen unter deutsche Verwaltung (Bergwerksverzeichnis 1939/40).

Da die Jahrbücher vor 1939 ausschließlich über den sächsischen Bergbau berichteten, wird die Sudetenländische Bergbau AG darin vorher auch nie erwähnt. Diese AG muß um 1938 aus einer Umbildung der Brüxer Kohlenbergbau- Gesellschaft hervorgegangen sein (40027, Nr. 609). Erst in den Bergwerksverzeichnissen ab 1939 taucht dieser Name dann auch in diesen Quellen auf. 1942 betrieb die Sudetenländische Bergbau AG demnach 16 Braunkohlen- Schächte bei Brüx, weitere 20 bei Teplitz, 8 bei Seestadtl und 3 bei Zieditz an der Eger. Nickelerz- Bergbau durch diese Bergbau AG bei Sohland oder Schluckenau ist in den Bergwerksverzeichnissen der Jahre 1939 bis 1942 dagegen nicht ein einziges Mal erwähnt.

 

Jedoch hatte es schon ab 1934 Bestrebungen seitens der Sohlander Gemeinderäte und einzelner Bürger, wie etwa eines Herrn J. A. Lehmann aus Bischofswerda, gegeben, den Nickelbergbau in Sohland wieder zu beleben. Insbesondere aber ein Herr Reinhold Richter aus Dresden – schon wieder ein Herr Richter – erwies sich als äußerst hartnäckig in seinem Glauben an unerschöpfliche Erzvorräte in der Oberlausitz und schrieb alle möglichen Behörden an, die sich dann natürlich wieder an die zuständige sächsische Bergbehörde wandten. Neben dem Reichswirtschaftsministerium interessierte sich zum Beispiel eine Dürener Metallwerke AG plötzlich für „ein Kupfer- und Nickel- Vorkommen im Erzgebirge nahe der tschechischen Grenze“ – was entweder gegen die Sachkunde des Herrn Richter oder für das Fehlen eines Atlasses in Düren spricht… (40030-1, Nr. 773)

Die Bergbehörde beschied diese Ansinnen natürlich aufgrund der weitgehend abgebauten Vorräte mehrfach abschlägig. Der anhaltenden Hartnäckigkeit des Herrn Richter war es dann schließlich geschuldet, daß durch die Lagerstätten- Forschungsstelle in Freiberg und durch die Reichsanstalt für Bodenforschung in Berlin 1939 und 1940 doch nochmals neue geophysikalische Erkundungsmaßnahmen veranlaßt wurden (40030-1, Nr. 775).

Die geomagnetischen Messungen erfolgten durch Prof. Lauterbach von der Universität Leipzig und nun schon mittels Schmidt’scher Feldwaage; es wurde die Vertikalintensität gemessen und das Normalfeld subtrahiert. Dabei wurden maximale Anomalien von 3.205 Gamma*) ermittelt, welche sich streifenförmig am Gesteinsgang entlang verteilten, jedoch nur bedingt Korrelationen zu den vorher im Karl Stolln untertägig geologisch dokumentierten Erzgehalten aufwiesen.

*) Beim „Gamma“ handelt es sich um eine veraltete Maßeinheit aus dem cgs- System:
1 Gamma = 10
-5 Gauß = 10-9 T = 1 nT. Wie diese Meßgeräte aussahen, erklären wir in unserem  Anhang.

Gleichartige Messungen wurden vom Geophysikalischen Institut der Universität Leipzig 1936 auch zur Erkundung von  Magnetitvorkommen im Westerzgebirge ausgeführt.

Da man inzwischen um die Unzuverlässigkeit der magnetischen Kartierungsverfahren hinsichtlich der Lokalisierung möglicher Nickelerzvorkommen wußte, wandte man auch 1940 zusätzlich noch ein geoelektrisches Verfahren an. Diese leider nicht näher beschriebenen „induktiven Messungen“ wurden durch die oben schon einmal genannte Gesellschaft für praktische Lagerstättenforschung GmbH zu Berlin ausgeführt, erbrachten aber ebenfalls keine neuen Erkenntnisse (40030-1, Nr. 778).

   


Auch diese Zeichnungen zur geologischen Aufschlußsituation stammen aus dem Zeitraum um 1937.
Bildquelle:  Sken mapy S02-05/033

  


Eine leider nicht datierte Darstellung von Magnetfeldmeßwerten in Isolinien- Form. Anhand des eingezeichneten Grenz- und Wegeverlaufes war davon auszugehen, daß hier der östlich des Rosenhainer Schachtes gelegene Gangabschnitt dargestellt ist. Die Kollegen haben seinerzeit gerade einmal 80 Punkte auf neun Profilen quer zum erwarteten Streichen des Ganges über den Südabhang des Hornsberges vermessen und dabei mehrere schmale, entlang des Gangstreichens aufgereihte Anomalien vorgefunden. Das geht heute dank der Elektronik natürlich entschieden besser. Bildquelle: Sächsisches Staatsarchiv, Bergarchiv Freiberg, Bestand 40030-2, Nr. H24396.

 


Wir versuchen einmal, die obige Karte der magnetischen Anomalien in die Topographie einzupassen, wobei uns leider nur der Grenzverlauf und der im Westen und Süden angerissene Wegverlauf helfen können. Damit die Grafik etwas übersichtlicher wird, haben wir außerdem die 80 eingetragenen Meßpunkte abdigitalisiert und eine farbige Grafik daraus gemacht. Wie ersichtlich wird, war die ursprüngliche Darstellung keineswegs eingenordet – um Rohstoffvorkommen wurde auch früher schon gern ein Geheimnis gemacht…

 


Im Archiv des tschechischen geologischen Dienstes haben wir eine weitere Kopie einer Karte dieser geomagnetischen und geoelektrischen Messungen gefunden. Sie ist leider nicht datiert und nur rechts unten von der Ges. für prakt. Lagerstättenforschung GmbH, Berlin, gezeichnet, entstammt also vermutlich den zuletzt genannten Messungen im Jahr 1940. Bildquelle:  Sken mapy S02-05/029

   

Auch die Wiederaufwältigung des 1938 verbrochen vorgefundenen Mundlochs und die Fahrbarmachung des Karl Stollns im Jahr 1939 – die einzige dokumentierte, bergbauliche Aktivität der Sudetenländischen Bergbau AG im Revier – erbrachte zwar neue Proben und eine umfangreiche geologische Dokumentation der hier noch anstehenden Imprägnationserze, jedoch keine wirtschaftlich sinnvolle Möglichkeit, den Abbau wieder aufzunehmen. Zwar wurden im Karl Stolln noch etwa 5.000 t Erze vermutet, nach den 1939 entnommenen Schlitzproben jedoch nur noch mit einem mittleren Metallgehalt von 0,76% Nickel.

Tatsächlich waren es nur die am Rosenhainer Schacht noch aufgehaldeten Resterze aus der Betriebsphase des Karl Stollns nach 1919, von denen Ende 1944 bis Anfang 1945 nochmals 102 t ausgeklaubt und nach langem Hin und Her um die Transportkosten – inzwischen stand ja auch die Front schon an der Oder – von Sohland nach Halsbrücke geliefert wurden.

Die Verhüttung dieser Erze hatte die Oberdirektion der Hütten- und Blaufarbenwerke lange abgelehnt, weil die Kosten höher wären, als der zu erwartende Ertrag. Für diese – schon ziemlich verwitterten – Erze wurde nämlich ein Durchschnittsgehalt an Nickelmetall von nur noch 1,46% bestimmt. Erst 1944, als Reicherze aus der finnisch- russischen Grenzregion Petsamo (heute Russland) nach Freiberg gelangten, erklärte man sich bereit, die Armerze aus Sohland mit diesen zusammen zu verhütten (40030-1, Nr. 774).

Die dokumentierten Jahresfördermengen und einige weitere statistische Angaben haben wir in folgenden Darstellungen einmal graphisch aufbereitet.

 


Dokumentierte Belegschaftszahlen der drei Gruben in Sohland, Rosenhain und Schluckenau nach Angaben in den Grubenakten (40170, Nr. 486 bis 492) und der staatlichen Bergwirtschaftsstelle (40030-1, Nr. 770, 772 und 774). 1909 hatte das Nickelbergbausyndikat auch die Schurfrechte im böhmischen Rosenhain erworben und die Belegschaft vom Hauptmannschacht zum Rosenhainer Schacht verlegt.

  


Dokumentierte jährliche Förderung der drei Gruben in Sohland, Rosenhain und Schluckenau nach Angaben der staatlichen Bergwirtschaftsstelle (40030-1, Nr. 770, 772 und 774). Während des 1. Weltkrieges erfolgte der Abbau in Rosenhain und Sohland unter dem Pächter, Kaufmann Carl Bing aus Hamburg.

  


Durchschnittspreise pro Tonne und durchschnittliche Nickelmetallgehalte im Roherz aus Sohland, Rosenhain und Schluckenau, errechnet aus Angaben der staatlichen Bergwirtschaftsstelle (40030-1, Nr. 770, 772 und 774)

  

Rechnet man die Angaben der Bergwirtschaftsstelle einmal zusammen, so haben die beiden Lagerstätten in Sohland- Rosenhain und in Schluckenau alles in allem 27.135,5 t Erz geliefert, davon:

Sohland

9.845,5 t

Rosenhain

14.945,0 t

Schluckenau

2.345,0 t

Setzen wir für die Sohlander und Schluckenauer Derberze einen Metallgehalt von 5%, für die Rosenhainer Mischerze von 3% an, enthielt diese Erzmenge knapp 1.060 t Nickel. Das ist unter heutigen wirtschaftlichen Bedingungen sicher nur als eine Kleinst- Lagerstätte zu bewerten.

Zumindest den Besitzern in den ersten beiden Betriebsphasen wird der Abbau aber durchaus einen gewissen Gewinn gebracht haben. Stellt man die in den Jahrbüchern festgehaltenen Investitionen und die Erträge aus dem Erzverkauf einmal gegenüber, kommt man nämlich auf ein ziemlich positives Gesamtresultat.

Da in den Jahrbüchern nur die Zuschüsse vor der eigentlichen Abbauphase dokumentiert sind, rechnen wir für die Betriebskosten während der Erkundung und des Abbaus noch ungefähre Lohnkosten sowie den von Carl Bing an die Nickelbergbau Syndikat GmbH zu entrichtenden Förderzins in Höhe von 1,- Mark pro Kilogramm Nickelmetall hinzu. Dafür nehmen wir mal einen durchschnittlichen Schichtlohn von 8,- Mark pro Arbeiter und 250 von jedem Arbeiter verfahrene Schichten pro Jahr an, sowie einen mittleren Metallgehalt von 2,5 % im Betriebszeitraum von 1915 bis 1919. Die Beschäftigtenzahlen für Rosenhain und Schluckenau findet man ebenfalls in den Unterlagen (40030-1, Nr. 772 ff). Daraus ergibt sich folgende Rechnung (in der natürlich sonstige Betriebskosten, wie etwa für Strom, noch fehlen):
 

Rückzahlbare Zuschüsse:

55.495,28 M

Förderzinsen an die Nickelbergbau Syndikat GmbH*):

222.862,50 M

Lohnkosten:

1.040.000,00 M

Summe:

1.318.357,78 M

Einnahmen aus dem Erzverkauf:

2.618.698,75 M

*) ohne das Ausbringen der Grube Frisch Glück in Schluckenau / Šluknov von 1917 bis 1919

Dieses Verhältnis überrascht in Anbetracht der Lagerstättenverhältnisse, ist aber auch ausschließlich auf die sehr hohen Nickelpreise während der Hauptbetriebsphase zur Zeit des 1. Weltkrieges zurückzuführen: Erhielten Herberg und Hauptmann noch zwischen 24,- und 40,- Mark pro Tonne Erz, so waren die Preise schon zu Beginn des Krieges auf 66,- bis 94,- Mark pro Tonne angestiegen und hatten 1920 einen Wert von 500,- Mark pro Tonne überschritten, obwohl die mittleren Metallgehalte im Erz gesunken waren...

 


Auf dem Meßtischblatt von 1938 sind nur einige kleine Halden unmittelbar südlich der Staatsgrenze, auf denen einige kleinere Gebäude, wohl noch von der 1916 errichteten Aufbereitung stehen, vom Bergbau zu finden.

 


Das Geoportal.Sachsen hat noch eine andere Karte aus der Zeit vor 1945 aufgetrieben und hier ist südöstlich des Hornsberges noch eine weitere kleine Halde eingezeichnet. Dieser Standort findet sich später auch auf der Kartenausgabe von 1988 nochmals wieder. Es handelt sich hier um den Ansatzpunkt des Gebhard Stollns.

  


Postkarte aus den 1930er Jahren mit einer Ansicht des unteren Rosenbach- Tales vom damals unbewaldeten Westhang des Hornsberges aus nach Nordwesten in Richtung Spree- Tal. In der Bildmitte im Talgrund die damalige Buschmühle. Bildquelle: Herr Mühle, Sohland.

 


Postkarte aus den 1930er Jahren mit einer Ansicht des Rosenbach- Tales von der böhmischen Seite im Südwesten aus nach Nordosten. Im Hintergrund rechts der Taubenberg, links der Hornsberg. Bildquelle: Herr Mühle, Sohland.

 


Postkarte aus den 1930er Jahren mit einer Ansicht des Rosenbach- Tales von der böhmischen Seite im Südwesten aus nach Nordosten. Rechts im Vordergrund das ehemalige Zollhaus an der Staatsgrenze; darüber sind am Hang des Hornsberges hier noch die Gebäude der Schacht- und Aufbereitungsanlagen zu sehen. Bildquelle: Herr Mühle, Sohland.

 


Ausschnittvergrößerung aus obiger Postkarte.

      


Postkarte aus den 1930er Jahren mit einer Ansicht des Rosenbach- Tales von der Schachthalde des Rosenhainer Schachtes aus. In der Bildmitte im Vordergrund das frühere Zollhaus am Grenzübergang. Bildquelle: Herr Mühle, Sohland.

 

Nach dem Ende des 2. Weltkrieges, in den Jahren 1954 bis 1958, wurde das Erzvorkommen von deutscher Seite durch den VEB Geologische Forschung und Erkundung (GFE) Freiberg nochmals bewertet (40131,-1, Nr. 109). Auch af tschechischer Seite erfolgten 1953 noch einmal Untersuchungen (Information von Herr Brzák, Varnsdorf).

Zu einer Wiederaufnahme kam es in Ermanglung bauwürdiger Vorräte jedoch nicht mehr. Stattdessen wurde ab 1959 bei Callenberg die Nickelhydrosilikat- Lagerstätte aufgeschlossen und in St. Egidien eine neue Nickelhütte errichtet.

   


Auf der Topographischen Karte der DDR, Ausgabe für den Staat von 1982 sind Schlägel und Eisen – freilich schon umgedreht – unmittelbar hinter der Staatsgrenze zur damaligen ČSSR im Streichen des Ganges gleich zweimal eingezeichnet. Den zweiten Standort haben wir nur auf der obigen Karte vom Geoportal wiedergefunden.

 

Auch Untersuchungsarbeiten der SDAG Wismut in der Oberlausitz in den 1960er Jahren konzentrierten sich (neben dem Kreide- Sandstein im Südwesten und dem Görlitzer Schiefergebirge weiter nördlich) besonders auf das Berzdorfer Becken an der Neiße und erbrachten daher hinsichtlich der Region um Sohland keine neuen Erkenntnisse (Chronik der Wismut).

Über die verbliebenen Untertageanlagen des Nickelbergbaus wurde 1975 eine Bergschadenkundliche Analyse (BSA) erstellt (40073-1, Nr. 30). Darin sind die wesentlichen historischen Fakten zusammengefaßt, wie etwa, daß der Schachtkopf des Rosenhainer Schachtes bereits 1929 verbrochen war, wobei eine 6 m tiefe Pinge entstanden ist.

1930 hatte man auch ein Nachsacken der Verfüllung am Hauptmann Schacht festgestellt, woraufhin die Bergbehörde dessen Verbühnung empfohlen hatte. An kostenaufwendigen Sanierungsmaßnahmen hatte die Joachimsthaler Gewerkschaft dazumal natürlich wenig Interesse, woraufhin man lieber zirka 240 m³ Haldenmaterial nachfüllte. 1937 konstatierte die Bergbehörde anläßlich einer Befahrung, daß man „die Trommelsiebe aus der früheren Separation in den Schacht geworfen“ habe und diese sich etwa 5 m unterhalb der Rasensohle verspreizt hätten, wodurch „eine Art Bühne“ entstanden sei. 1938 habe man dann in dieser Tiefe aber doch noch ein Gewölbe eingezogen.

 


Die Karte der Hohlraum-Verdachtsgebiete des Sächsischen Oberbergamtes weist die Region des umgegangenen Nickelerzbergbaus direkt an der Staatsgrenze aus (ockerfarben markiert).
Bildquelle: Geoportal.Sachsen.de

 


Zustand des Herberg’schen Schachtes zur Zeit der Erstellung der BSA im September 1975, Blick von Westen auf die Schachtscheibe (händisch mit roter Einkreisung markiert). Bildquelle: Sächsisches Staatsarchiv, Bergarchiv Freiberg, Bestand 40073-1, Nr. 30, Blatt 48.

 


Zustand des Herberg’schen Schachtes im September 1975, Blick von Osten auf die Schachtscheibe. Bildquelle: Sächsisches Staatsarchiv, Bergarchiv Freiberg, Bestand 40073-1, Nr. 30, Blatt 48.

 


Zustand des Herberg’schen Grundstückes im September 1975, Blick von Osten auf das Anwesen.
Bildquelle: Sächsisches Staatsarchiv, Bergarchiv Freiberg, Bestand 40073-1, Nr. 30, Blatt 49.

  

Die im Jahr 2008 im Auftrag des sächsischen Staatsministeriums für Wirtschaft vom Geokompetenzzentrum Freiberg vorgenommene Neubewertung von Spat- und Erzvorkommen im Freistaat Sachsen („Steckbriefkatalog“) enthält zwar als allerletzte Nummer 139 auch das Erzvorkommen in Sohland, kommt diesbezüglich aber zu dem Schluß, daß zu einer möglichen wirtschaftlichen Nutzung keine Einschätzung abgegeben werden könne, weil „die gegenwärtig vorliegenden Erkundungsergebnisse zu widersprüchlich sind“.

  

 
 
 

Verbliebene Zeugnisse

  

Was mag nach dieser Zeit heute noch zu finden sein?

Bereits in dem Wanderführer aus dem Jahr 1938 hieß es: Nach reichlich 20jährigem Bestehen hatte nun leider unser Nickelbergwerk... sein Ende gefunden. Die Baulichkeiten, insbesondere der Förderturm, sind in den vergangenen Jahren verfallen. Still und öde liegen jetzt die Gesteinshalden da. Wilde Pflanzen, Bäume und Sträucher bedecken schon teilweise die Erzwälle und Gesteinsmassen. Im Stadtmuseum Bautzen ist eine wertvolle Sammlung der bei uns gefundenen Erze niedergelegt, welche an die Bodenschätze, die in unserer lieben Heimat gefunden wurden, erinnert... Wenn es nicht möglich sein sollte, ... die immerhin noch wertvollen Bodenschätze bei uns zu heben, dann wird es nicht mehr lange dauern, ist das einstige Nickelbergwerk von Sohland a. d. Spree in die Vergessenheit gekommen...“

Wie wir schon wissen, erfüllte sich der Wunsch des Autoren nach einer Wiederaufnahme aufgrund fehlender Vorräte und gänzlich ausgebeuteter Rohstoffvorkommen nicht.

Ein Befahrungsbericht von 2012 erzählt uns: „Die Armerzhalde des Vorkommens liegt direkt auf der deutsch- tschechischen Grenze. Am besten gelangt man hin, wenn man den Wagen auf der deutschen Seite im Örtchen Hohberg abstellt und dann zu Fuß die Grenze am Grenzübergang Rožany überwandert. Direkt hinter der Grenze schlage man sich linkerhand in den Wald hinauf, wo man bald die Halde sehen wird. Durch einen Hausbau in der Gegend ist sie vor ein paar Jahren frisch aufgeschürft worden, was für ein paar Jahre gute Fundmöglichkeiten sichern dürfte.“

Dieses Gelände ist heute in Privatbesitz.

Man steht hier auf dem tschechischen Teil der Halde. Dort, wo sie hinten steil abfällt, kann man auf die deutsche Seite herunterklettern und kommt zu einem Trampelweg. Folgt man diesem nach rechts, so gelangt man bald zum Stollenmundloch der Lagerstätte. Laut Aussage ansässiger Sammler ziehen sich die Stollen weit in den Berg hinein und verzweigen auf tschechischem Gebiet. Dort befinden sich weitere Stollenmundlöcher.

Der Abbau auf Nickel dauerte hier von 1902 bis 1924, eine kurze Abbauperiode gab es noch einmal in den 1940er Jahren, als Nickel für die Rüstungsindustrie gefördert wurde. Auch die WISMUT suchte hier nach Uran, wobei geringmächtige Lettenvererzungen mit Uranglimmer angetroffen worden sein sollen.

Oberhalb der Halde befinden sich einige Schurfgräben in der Umgebung eines mit einem Eisengitter abgedeckten Luftschachtes, der wohl direkt mit dem unteren Stollen verbunden ist. Direkt hinter der Halde befindet sich ein weiterer, allerdings verbrochener, Luftschacht sowie ein nur mehr schwer erkennbares Stollenmundloch…“ (mineralienatlas.de)

Wie wir anhand unserer eigenen – sicher inzwischen etwas umfangreicheren – historischen Recherchen schon wissen, ist diese Kurzfassung der Geschichte nicht vollumfänglich korrekt. Aber schauen wir es uns nun selber an...

  


Auf der Reliefkarte vom Geoportal Sachsen sind die kleinen Haldenreste direkt an der Grenze kaum zu erkennen. Auf der deutschen Seite der Grenze sind gar keine Relikte des Bergbaus mehr zu entdecken. Leider reichen die ALS- Daten nicht weiter in das Territorium des Nachbarlandes hinein.

  


Ein bißchen aber doch und da ist die Auflösung der ALS- Daten immer wieder erstaunlich: Zoomt man sich noch etwas hinein, entdeckt man entlang des vermutlichen Streichens des Karl Stollns tatsächlich noch weitere Pingen - wahrscheinlich die ehemaligen Lichtlöcher auf dem Karl Stolln. Die Entfernung vom Mundloch am Rosenhainer Schacht von maximal 350 m paßt jedenfalls zu den Angaben aus den alten Rissen.

   


Das Rosenbach- Tal im Ortsteil Hohberg von Herberg’s Grundstück aus gesehen.

 


Herberg’s Grundstück heute von der östlichen Talseite aus.

 


Herberg’s Grundstück heute. Es hat in den 1980er Jahren den Besitzer gewechselt und wird gegenwärtig umgebaut.

 


Der augenscheinlich ältere, nördliche Gebäudeteil stammt noch von Herberg’s Lohgerberei.

 


Der frühere Brunnen- bzw. Fundschacht müßte irgendwo hier neben der Zufahrt gelegen haben, ist aber heute nicht mehr sicher zu lokalisieren.

 


Deshalb queren wir bei Hantusch’s Natursteinbetrieb den Rosenbach und den Mühlgraben, der sich hier ziemlich aufgestaut hat…

 


...und spazieren dann am Ostufer des Mühlgrabens entlang nach Süden in Richtung tschechische Grenze.

   


Direkt neben dem Weg findet sich ein erstes „Loch“ am Hang…

 


…aber sicher nur ein alter Keller von Hauptmann’s Betriebsanlagen und kein Stollenmundloch.
Oder vielleicht doch seine einstige  Sprengmittelniederlage ?

  

 
Auch nach dieser Skizze in der Beschreibung von Berginspektor Roch zur Lage der Hauptmann'schen Sprengstoffniederlage von 1903 könnte dieser Ort passen. Quelle: Sächsisches Staatsarchiv, Bergarchiv Freiberg, Bestand 40170, Nr. 493, auf Blatt 30b und auf Blatt 31.

Link zum Digitalisat:  archiv.sachsen.de/archiv

   


Ein Stück weiter finden wir dann die uns gut bekannten Warnschilder.

   


Wo hier aber der Hauptmann'sche Schacht gelegen haben könnte, ist in dem steil ansteigenden und mit Haldenresten übersäten Gelände nicht einmal mehr zu erahnen.

 

 
 
 


Stattdessen finden wir neben dieser kleinen Trockenmauer zum Abfangen des Fußes der größeren Halde die Grenzsteine...

  


…und folgen der Grenze zunächst hinauf bis auf das Niveau des Plateaus der Rosenhainer Schachthalde.

 


Im Wald liegen hier ein paar völlig verrostete Fässer mit verhärtetem Inhalt – vielleicht einst mit Karbid für die Grubenlampen gefüllt.

 


Die nächste langgestreckte Pinge am Hang – nun schon auf der tschechischen Seite der Grenze – könnte vielleicht das Mundloch des Karl Stollns gewesen sein.

 


Das ist jedenfalls kein Granodiorit, sondern Beton. Man scheint das Mundloch komplett zu Bruch geschossen zu haben…

 


Nur mit Absperrband eingezäunt finden wir auf dem Haldenplateau dann die ziemlich verwachsene Pinge des Rosenhainer Schachtes.

 


Auch von den früheren Aufbereitungsanlagen sind nur Reste der Grundmauern übrig.

 


Ein ziemlich massiver, alter Balken liegt noch im Wald…

 


…und ein paar Schritte weiter an der Zufahrt zur Halde noch mehr Mauerreste.

 


Dann stehen wir auf der Halde, aus der offensichtlich ab und zu noch Material entnommen wird.

 


Einige Mineralsammler haben hier schon vor uns herumgeklopft.

  


Auch uns packt die Neugier und wir bücken uns mal nach dem einen oder anderen bunten Stück.
Foto: L. Baldauf.

 


Der Mineraloge findet auch etwas derben Kalkspat, wohl aus einer hydrothermalen Nachphase.
Foto: L. Baldauf.

  


Mit Kiesen imprägnierter Mikrogabbro ist noch reichlich zu finden, kenntlich am spezifischen Gewicht und meist dunkelroten Belägen von Eisenoxiden, die sich nach mehr als 50 Jahren auf der Halde unvermeidlich bilden...
Foto: L. Baldauf.

 


Zu groß für die Vitrine und kein Geologenhammer dabei... Die bläulich- grünen Anflüge auf Kluft- und Bruchflächen einiger Granodiorit- Brocken weisen jedenfalls darauf hin, daß hier Kupfer- und Nickel- haltige Mineralien verwittern.

 


Ob es sich bei diesem bräunlichen Grus am oberen Haldenrand um Aufbereitungsrückstände handelt, oder ob hier der anstehende Gangausbiß verwittert, ist nicht mehr eindeutig erkennbar.

 


Mehr gibt es hier tatsächlich leider nicht mehr zu finden… Also verlassen wir das Gelände wieder, wobei wir oberhalb der früheren Klärteiche hier noch eine alte Absperrung mit rostigem Stacheldraht entdecken.

 


Am Waldrand oberhalb können wir über das Tal nach Westen in Richtung Hohberg blicken…

 


…und zu den Bergrücken im Osten.

 


Wir bleiben aber erstmal innerhalb des Waldstücks am Hang des Hornsberges und entdecken hier jede Menge alter Schurfgräben – wohl einst zur Untersuchung des Gangstreichens angelegt.

 


Auch ein Fundstück… Den kann man nicht stehen lassen.

 


Überall am doch recht steilen Berghang sind solche Gräben zu sehen.

 


Im Hanggeröll überwiegt der helle Granodiorit.

 


Aber in den Schurfgräben findet sich – wie man im Vergleich hier sehr gut sehen kann – regelmäßig auch das dunkle Ganggestein.

 

 
 
 


Etwa 200 m im Streichen des Gesteinsgangs nach Südosten entdecken wir dann am Berghang diese nicht mehr ganz intakte Einzäunung…

 


…und dahinter diesen Schachtdeckel aus Doppel- T- Trägern und Stahlgittermatten.

 


Die Konstruktion ist ziemlich neu und tragfähig und so können wir auch einmal hineinblicken. Es handelt sich um den zweiten Wetterschacht auf dem Karl Stolln: Im Profil von etwa 1,5 m x 2,5 m saiger abgeteuft.

 


Auch an den Granodiorit- Klippen am Hang scheint man sich stellenweise mit bergmännischen Untersuchungen versucht zu haben. Vielleicht markiert diese Stelle den „Alten Schacht“ ?

  


Nochmal etwa 100 m weiter südöstlich bergauf schimmert erneut eine Absperrung durch´s Unterholz.

 

 
 
 


Hier sind auch die tschechischen Hinweisschilder auf alten Bergbau drangeschraubt.

 


Da die Schachtabdeckung genauso neu und stabil ist, wie am zuerst gefundenen Lichtloch, krabbeln wir drauf und wagen auch hier einen Blick hinunter…

   


Dieser Schacht sieht aber etwas anders als der erste aus…

 


Auf den oberen 4 m bis 5 m Teufe ist er fast kreisrund ausgebrochen und zieht erst dann auf ein schmales Rechteck- Profil von zirka 1 m x 2 m ein.

  


Noch einmal von der anderen Seite: Abgänge sind nicht zu sehen – auch dieser Schacht führt senkrecht nach unten. Nur ein weggebrochener Brocken hat sich da drin verklemmt. Dieser Querschnitt im tagesnahen Abschnitt ist doch sehr auffällig und recht ungewöhnlich, zumal kein Gesteinswechsel ersichtlich ist, der oben vielleicht stärkeren Ausbau erfordert hätte…

  

Da wir die Kartenunterlagen aus dem Bergarchiv zur Verfügung haben, können wir natürlich auf dem  Urriß nachmessen und überprüfen, um welchen Schacht es sich hier handelt.

 


Um herauszufinden, welche Schächte es denn genau gewesen sind, haben wir den alten Grubenriß, die Skizze vom Gebhard Stooln und die heutige Topographie so gut es geht übereinandergelegt: Weil der alte Riß so nur noch schlecht lesbar ist, kreisen wir die nicht mehr erhaltenen Schächte und Mundlöcher mit unterbrochenen Linien ein; mit durchgezogenen Linien die im Gelände noch auffindbaren Pingen. Nun wird es klarer, welcher wo gewesen ist: Tatsächlich stehen wir jetzt gerade am 3. Wetterschacht auf dem Karl Stolln.

 


Unweit dieser zweiten Pinge sieht man dann auch diese Halde aus großen, dunklen Felsbrocken am Talhang. Der Gehalt an leicht verwitterndem Eisenkies machte die basischen Ganggesteine offenbar als Baustein unbrauchbar und so hat man ihn am Talhang vor dem Zugang zum Steinbruch aufgehaldet.

 


Neben der Halde führt diese schmale „Rinne“ in den Hang…

  


In die Gegenrichtung geschaut: Die „Rinne“ bildet tatsächlich den auch in der jüngsten Karte vermerkten Zugang zu einem kleinen Steinbruch.

 


Die Bruchstöße sind nicht sehr hoch – es handelte sich wohl eine „Bauern- Grube“, aus der man sich nur bei Bedarf Baumaterial geholt hat. Aber der Ausstrich des Gesteinsganges war an dieser Stelle schon bekannt ‒ wurde von den alten Geologen nur mit falschem Streichen kartiert...

  


An diesem Stück Granodiorit hier sieht man aber noch sehr gut, wie die Steinbrecher den Granodiorit mit Keilen in brauchbare Stücke zerlegt haben.

 


Aus dem schon sehr herbstlichen Wald heraus öffnet sich wieder der Blick zum Hohberg nach Westen…

 


Und wieder am Waldrand angelangt, können wir an der markanten Baumreihe links im Bild entlang – wohl eine alte Flurgrenze – zu den Bergketten im Osten hinüber blicken.

 


Irgendwo hier unterhalb war auf den Karten auch die kleine Halde verzeichnet, die unseres Erachtens die Lage des Mundloches des Gebhard Stollns markiert haben dürfte.

    


Von einer Halde ist aber nichts mehr zu sehen – sie wurde offensichtlich gänzlich abgetragen oder für den Versatz des Stollenmundloches verwendet. Nur eine mit Binsen bestandene Senke…

  


…und ein recht munterer Wasseraustritt unter dieser Birke weisen noch auf umgegangenen Bergbau hin.

  

Damit haben wir zwar nicht mehr viel gefunden, aber eigentlich auch schon alles gesehen, was in Sohland und Rosenhain vom einstigen Nickelerz- Bergbau noch übrig geblieben ist. Machen wir uns also auf den Rückweg…

Vielleicht schauen ja auch die tschechischen Bergbaufreunde einmal in Schluckenau vorbei, ob vom Alten bzw. Frisch Glück Stolln am Schweidrich noch etwas wiederzufinden ist. Über Ergänzungen von dieser Seite, ganz besonders aber auch zur Montangeschichte aus den tschechischen Archiven, würden wir uns jedenfalls sehr freuen !

 

 
 
 

Anhang zur Geophysik

  

Weil das nicht jedermanns, wohl aber mein Fachgebiet ist, seien zu den hier bei Sohland und Schluckenau ausgeführten geophysikalischen  Messungen noch ein paar Bemerkungen angefügt.

Kenntnisse über das Erdmagnetfeld gehören wohl zum ältesten „geophysikalischen“ Wissen überhaupt. Der magnetische Kompaß war in Europa jedenfalls schon im Mittelalter bekannt. Er bestand meistens aus einem oben zugespitzten Stift, auf dem eine runde Papierscheibe im Gleichgewicht lag. Auf der Unterseite der Papierscheibe war ein Drähtchen befestigt, und dieses Drähtchen wurde mit einem Magnetstein magnetisiert. Man nahm dabei an, daß die Kompaßnadel stets genau nach Norden zeigte, wobei der Grund dafür die Anziehung durch den Polarstern oder durch riesige Magnetberge im Norden Europas sein sollte.

Christopher Kolumbus hat vermutlich als erster die örtliche Abweichung der Kompaßnadel von geographisch Nord beobachtet. Bei seiner ersten Amerikafahrt schreibt er am 13. September 1492 in das Schiffstagebuch, daß etwa 50 Seemeilen westlich der Azoreninsel Corvo die Kompaßnadel, deren Richtung bis dahin etwas nordöstlich gewesen sei, nach Nordwesten abwich, und auf seiner zweiten Reise benutzte er diese örtliche Abweichung zur Lagebestimmung seines Schiffes. Daraus wird klar, daß er den ortsabhängigen Charakter der Abweichung richtig erkannt hatte. Zur Messung peilte er einfach über seinen Kompaß hinweg den Polarstern an. Auf dem Festland Mitteleuropas ahnte dagegen noch lange niemand, daß die Magnetnadel gar nicht in die geographische Nord- Richtung wies. (Petersen, 1974)

Auch die remanente Magnetisierung der Nickel-Eisen-Minerale war schon vor 1900 längst bekannt. „Magnetische Instrumente werden in Schweden für die Suche nach Erzen seit mehr als 200 Jahren, vielleicht noch länger angewandt. Bereits ab 1770 (...!!) kam der Inklinationskompaß, oder, wie er heute genannt wird, der bergmännische Neigungskompaß, in Gebrauch...“ schreibt G. Nordenström im Jahr 1898. Die skandinavischen Skarnlager sind freilich auch etwas ausgedehnter, als die kleinen Vorkommen in der Oberlausitz, so daß es wenig verwundern kann, wenn trotz großer Mühen die Ergebnisse hierzulande weniger zuverlässig gewesen sind.

Vorallem schwedische Geologen und Ingenieure, wie etwa Prof. Tobias Robert Thalén (*1827, †1905), P. A. Craelius (*1851, †1941), der übrigens auch als einer der Gründer der Svenska Diamantbergborrnings AB (1886), heute Atlas Copco AB, bekannt ist, E. Tiberg oder Lorentz Edvard Theodor Dahlblom (*1865, †1956) befaßten sich zum Zweck der Lagerstättenerkundung mit der Entwicklung geomagnetischer Meßtechnik. Aber auch deutsche Physiker, wie Friedrich Wilhelm Georg Kohlrausch (*1840, †1910) oder Adolph Schmidt (*1860, †1944) waren an der Weiterentwicklung praktikabler Meßgeräte wesentlich beteiligt. Auf Professor Schmidt, ab 1902 Leiter des Observatoriums auf dem Telegrafenberg in Potsdam, geht übrigens auch die Gründung des Geomagnetischen Observatoriums im brandenburgischen Niemegk zurück, das 1930 seinen Betrieb aufnahm und bis heute besteht.

Heutige Magnetometer nutzen überwiegend sogenannte Fluxgate- Sensoren, auch Saturationskern- Magnetometer oder nach ihrem Erfinder Friedrich Förster (*1908, †1999) als Förster- Sonden“ bezeichnet. Sie messen die magnetischen Feldvektor- Komponenten mittels der elektromagnetischen Induktion in einem Spulen- System. Noch relativ jung sind Meßgeräte, welche die Elektronen- oder die Protonen- Präzession zur Bestimmung des Betrags des Vektors der magnetischen Induktion (gewöhnlich „Totalintensität“ genannt) nutzen. Solche Meßtechnik stand natürlich anno 1902 noch nicht zur Verfügung.

Noch vor 30 Jahren wurde meinem Studienjahrgang aber auch noch der Umgang mit der Feldwaage praktisch beigebracht. Deshalb interessiert es mich natürlich, welche Technik die Vorfahren hier vor inzwischen mehr als 100 Jahren denn zur Suche nach den Nickelerzen eingesetzt haben.

  

Bereits aus dem Jahr 1886 stammt folgende Beschreibung eines „Local-Variometers“ von F. Kohlrausch in den Annalen der Physik: „Vor einiger Zeit habe ich ein kleines Instrument beschrieben, welches gestattet, die… örtlichen Änderungen der erdmagnetischen Horizontalintensität mit grosser Schärfe zu bestimmen. Die letzte Aufgabe ist nun von so grosser praktischer Bedeutung, dass es mir der Mühe werth erschien, unter Beschränkung auf diesen Zweck eine noch weitere Vereinfachung dieses Instruments zu versuchen, durch welche dasselbe noch leichter transportabel… wird.

Die Beobachtungsweise beruht wie früher darauf, dass auf eine Magnetnadel durch einen Magnetstab… eine Richtkraft ausgeübt wird, die etwas grösser ist, als der Erdmagnetismus, so dass die Nadel, wenn der Richtmagnet mit dem Nordpol im Meridian steht, selbst die Meridianstellung, aber in verkehrter Lage einnimmt. … Durch Drehung des Magnets … wird demselben nun ein solcher Richtungswinkel φ gegen den Meridian gegeben, dass seine nordsüdliche Kraftkomponente den Erdmagnetismus gerade äquilibrirt, d. h. dass die Nadel sich ostwestlich einstellt. Dreht man den Nordpol des Magnets um φ nach Osten, so stellt die Nadel sich mit dem Nordpol nach Westen und umgekehrt… Wenn die Nadel ostwestlich steht, so ist offenbar die nördliche Komponente der Richtkraft des Magneten auf die Nadel gleich dem Erdmagnetismus H. Führt man die Beobachtung mit demselben Winkel φ an einem (anderen) Orte aus, …so wird die Nadel sich um einen kleinen Winkel δ, …anders einstellen...“
 


  

Aus dieser Änderung der Stellung der Kompaßnadel wird anschließend die relative Änderung des Magnetfeldes bestimmt. Kohlrausch selbst schätzt die erreichbare Genauigkeit auf etwa ein Tausendstel des Normalfeldes, welches in Mitteleuropa gegenwärtig ungefähr 48.000 bis 50.000 Nano-Tesla beträgt, also auf etwa 50 nT Genauigkeit.

Über das von Professor Beck 1908 so heftig kritisierte Meßverfahren haben wir eine recht ausführliche Beschreibung in Dingler´s Polytechnischem Journal von 1897 gefunden, in der E. Gad die Funktion der schwedischen Instrumente folgendermaßen erläutert: „Das grundlegende Instrument ist die schwedische „Minenbussole“, eine runde Metallbüchse, in der sich eine Magnetnadel wagerecht und senkrecht bewegen kann, die aber über neutralem Boden, d. h. auf einem Terrain, das nur durch den gewöhnlichen Erdmagnetismus beeinflusst ist, wagerecht steht. Dieses einfache Instrument hat in Schweden seit mehr als einem Jahrhundert genügt, um über Tage oder in Gruben magnetische Erzlager nach ihrer Lage und Mächtigkeit annähernd zu bestimmen.

Erst seit Beginn der letzten drei Jahrzehnte hat man durch Vervollkommnung der Instrumente auch eine Vervollkommnung dieser Bestimmungen herbeigeführt. Dies geschah vor allem durch die Construction des „Magnetometers“ von Thalén, der „Inklinationswage“ von Tiberg, sowie der Combination beider Erfindungen zu neuen Formen.

Das Magnetometer des Prof. Thalén von der Universität Upsala beruht auf dem Lamont'schen Theodoliten. Es besteht aus der Deklinationsbussole a (Fig. 2 und 3) von etwa 8 cm Durchmesser, deren Limbus in ganze und halbe Grade eingetheilt ist. Senkrecht zu dem Nulldurchmesser befindet sich an dem Bussolenboden der Arm b mit Millimetereintheilung, der den einstellbaren Deviationsmagnet c trägt. Die Wasserwage d, sowie die Diopter e und f gehören noch zu dem Instrument, das auf einem Dreifuss aufgestellt wird.

Anmerkung: Johann von Lamont (*1805, †1879) war ab 1835 Direktor der Sternwarte der Universität München und gehörte einer Gruppe von Wissenschaftlern um C. F. Gauß, A. von Humboldt, A. J. Ångström und anderen an, die als Mitglieder des 1836 gegründeten Göttinger Magnetischen Vereins innerhalb weniger Jahre ein weltumspannendes Netzwerk von geomagnetischen Observatorien ins Leben riefen. Unsere heutigen Kenntnisse über das Erdmagnetfeld und seine zeitlichen Veränderungen beruhen zu einem großen Teil auf den seitdem gewonnenen Meßdaten (H. Soffel, 2005).

 


 

Zurück zur Beschreibung von E. Gad: „Die Tiberg'sche Neigungsbussole ist seit 1880 im Gebrauch. Das Gehäuse (Fig. 4) ist viereckig und die Gradeintheilung in der Abbildung angedeutet. Auf neutralem Boden steht die Magnetnadel wagerecht, wenn man den Compass auf eine Kante und die Schwingungsfläche der Nadel rechtwinklig zum magnetischen Meridian stellt. Dieses Instrument verwendet man entweder mit einem Messtisch oder aus freier Hand, für welch letzteren Fall es mit einem Haltebügel verbunden wird.
 


 

Das Instrument Fig. 5 zeigt eine Verwendung der Bussole Tiberg, statt derer auch die Bussole von Thalén Verwendung finden kann, da der Stutzen a (Fig. 5) je nach Wunsch die Bussolen Tiberg oder Thalén aufnehmen kann. Bei ersterer passirt die Pivotlinie die Punkte 0°, bei letzterer die Punkte 90°.
 

 


Diese Fotographie eines Thalén'schen Gerätes haben wir in einem Buch über die Ortung und Untersuchung von magnetischen Erzlagerstätten von E. Haanel gefunden, das 1904 in Kanada gedruckt wurde.

 


Aus derselben Quelle noch einmal ein Tiberg'sches Magnetometer mit dem Dahlblom'schen Arm.

 


Selbst so etwas gab es: Ein Dahlblom'sches Taschen-Magnetometer.

 

Beim Gebrauch dieser Instrumente unterscheidet man die Tangenten- und Sinus-Methode. Im ersten Falle stellt man die Bussole auf 0° ein, während die Deviationsnadel entfernt ist. Dann bringt man die Deviationsnadel auf den Arm und liest den Deviationswinkel α ab.

Die Aufnahme einer magnetischen Lagerstätte durch Messung über Tage gestaltet sich nun folgendermaassen: Zunächst stellt man das Magnetometer über einem sterilen Terrain, d. h. ausserhalb des magnetischen Wirkungsbereiches der Erzlagerstätte, auf einen bestimmten Deviationswinkel ein, z.B. von 30°, den man α0 nennt. Dann begibt man sich nach dem magnetischen Grubenfeld, das man durch Pflöcke in Quadrate von etwa 10 m Seitenlänge abgesteckt hat. In jeder entsprechenden Ecke dieser Quadrate misst man nun nach der Tangentenmethode die Deviationswinkel α und trägt diese auf einen Plan, wie in Fig. 6, ab. Die Verbindung der gleichwertigen Winkel ergibt alsdann geschlossene isodynamische Curven, die sich entsprechend um zwei Kernpunkte gruppiren, von denen der eine den Punkt der grössten Abweichung, αmax, der andere den der kleinsten Abweichung, αmin, bezeichnet.

Zwischen beiden Curvengruppen zieht sich die offene Linie der gleichen neutralen Winkel α0 hin, die „neutrale Linie“. Die Verbindungslinie über αmax und αmin bezeichnet den magnetischen Meridian des Erzlagers, und der Schnittpunkt A dieses Meridians mit der neutralen Linie gibt das Centrum der Massenanhäufung des Minerals an, falls sin α0 < 3 • sin αmin ist. In diesem Fall lagert das Mineral mehr oder weniger tief unter sterilen Deckschichten. Anderenfalls wird sich das Mineral näher unter der Erdoberfläche, am Punkte αmin, oder zwischen diesem und dem Schnittpunkt A finden…“
 


  

Eine noch ausführlichere Beschreibung der physikalischen Grundlagen, der Geräte und der Vorgehensweise bei der praktischen Anwendung findet man auch in Prof. Paul Uhlig´s Lehrbuch der Markscheidekunde (1901). Prof. Uhlig fügte seinem Lehrbuch ein ganzes Kapitel über das Aufsuchen von magnetischen Erzlagerstätten an.

Die sogenannten „Feldwaagen“ waren eine Weiterentwicklung der oben beschriebenen, noch recht einfachen Geräte und gehen auf die Harald Lloyd’sche Waage zurück. Prof. A. Schmidt gelang es am Magnetischen Observatorium in Potsdam, diese Waage für einen praktischen Gebrauch im Feld zu modifizieren. Das war durchaus ein technisches Problem, denn die Lloyd‘sche Waage galt als eines der am schwierigsten zu beherrschenden Instrumente für Messungen des magnetischen Feldes, weil der Magnet zum Zwecke der Minimierung von Reibung lose beweglich auf einer Schneide ruht. Es ist kennzeichnend für seine außergewöhnlichen ingenieurtechnischen Fertigkeiten, daß es A. Schmidt gelang, ein tatsächlich gebrauchsfähiges Instrument zu konstruieren. Die erste Schmidt’sche Feldwaage wurde im Jahre 1907 in Kooperation mit der feinmechanischen Werkstatt von O. Toepfer in Potsdam entwickelt (gfz-potsdam.de). Die magnetische Feldwaage war lange eines der grundlegenden Meßinstrumente der angewandten Geophysik. Sie hat sich seit 1920 als Geländeinstrument auch unter extremen Bedingungen bewährt. Ihre Bedeutung beruhte vorallem darauf, daß sie Robustheit mit hoher Meßgenauigkeit verband.

Die Schmidt‘sche Vertikalfeldwaage besteht im Wesentlichen aus einem länglichen Magnet, der in seiner horizontalen Achse beweglich auf einer auf Achatsteinen gelagerten Stahlschneide gelagert ist; sowie aus einem flachen Spiegel, der oben am Magneten befestigt ist, so daß auch kleine Winkelverschiebungen der Waagenschneide mithilfe eines senkrecht stehenden Autokollimator- Fernrohrs beobachtet werden können. Die gesamte Waage ist beweglich drehend um eine senkrechte Achse gelagert, die Position wird an einem horizontalen Azimutkreis gemessen. Schmidt‘s Vertikalfeldwaage wurde 1914 vom Berliner Meteorologischen Institut vervollkommnet, u. a. von den Askania Werken in Serie gebaut und vertrieben und etablierte sich als weitverbreitetstes Gerät für die magnetische Exploration zwischen 1920 und 1950 (musee-sismologie.unistra.fr).

Aus der bereits 1871 in Berlin von Carl Bamberg als Bambergwerke gegründeten, seit 1912 Askania Werke AG gingen nach dem 2. Weltkrieg einerseits das Askania Werke AG Bodenseewerk in Überlingen und andererseits die Askania Feinmechanik und Optik GmbH in Teltow hervor. Letztere wurde 1948 enteignet und zum VEB Mechanik Askania Teltow umgebildet. Aus einem weiteren Werk in Brieselang, Kreis Nauen, entstand außerdem der VEB Geophysikalischer Gerätebau.

Bei späteren Weiterentwicklungen wurde das sensible Lager der Magnetnadel durch Aufhängungen an einem Metallband (z. B. nach Johann Königsberger oder nach Gerhard Fanselau, *1904, †1982) oder auch an einem Quarzfaden (nach Hans Dietrich Haalck, *1894, †1969) ersetzt. Diese Feldwaagen erreichten bereits eine Meßgenauigkeit von 1 nT. In der DDR wurden sie vom VEB Geophysikalischer Gerätebau Brieselang ab 1950 in Serie gebaut (geomagnetismus.net).

 


Eine Feldwaage mit Bandaufhängung nach Johann Königsberger, um 1928. Dieses und die folgenden Fotos haben wir im Otto-Meißer-Bau der Bergakademie in Freiberg aufgenommen.

 


Eine Schmidt'sche Feldwaage, um 1940.

 


Eine ziemlich moderne Feldwaage nach G. Fanselau, um 1950. Das Gestell drumherum stellt eine Helmholtz- Spule dar, die zur Kalibrierung des Gerätes diente. Der oben am Okular gut sichtbare Spiegel lenkte Licht von außen in den Autokollimator, so daß keine Stromquelle für die Beleuchtung benötigt wurde, die die Messung vielleicht stören könnte.

 

Mit diesem Exkurs in die Geschichte der Geophysik wollen wir unseren Beitrag nun endgültig beenden.

Die besonders Nickel- reichen, aber eben doch nur punktuellen Anreicherungen des Pentlandits können sicher als geologische Besonderheit gelten, sind aber nie wirklich bauwürdig gewesen. Dennoch ist die Geschichte ihrer Entdeckung und Nutzung ein, wenngleich nicht uninteressantes, so auch hier nun vergangenes Kapitel der Bergbaugeschichte unseres Freistaats.

Wir hoffen, daß wir unsere Leser mit diesem Beitrag daran ein erinnern konnten.

Glück Auf !

J. B.

   

 
 
 

Weiterführende Quellen

  

Hinweis: Die verwendeten Digitalisate des Sächsischen Staatsarchives stehen unter einer
 Creative Commons Namensnennung 3.0 Deutschland Lizenz.

  

         Allgemeine Quellen

  1. sohland.de

  2. hantusch-natursteine.de

  3. sachsenminerale.jimdo.com

  4. mineralienatlas.de

  5. geoportal.sachsen.de (aktuelle Karten)

  6. mapy.geology.cz/

  7. H.-J. Linthe: Geheimrat Professor Dr. Adolf Schmidt (gfz-potsdam.de)

  8. geomagnetismus.net

  9. musee-sismologie.unistra.fr

  10. wikpedia.org

  11. E. Gad: Neuerungen in der Tiefbohrtechnik, in: A. Hollenberg und H. Kast (Hrsg.): Dingler´s Polytechnisches Journal, 78. Jahrgang, Band 306 (der 7. Reihe 6.  Band), Arnold Bergsträsser Verlag Stuttgart, 1897, S. 169-174 (polytechnischesjournal.de)

  12. N. Petersen: Zur Geschichte der magnetischen Feldwaage, in: H. Birett, K. Helbig, W. Kertz, U. Schmucker (Hrsg.): Zur Geschichte der Geophysik - Festschrift zur 50jährigen Wiederkehr der Gründung der Deutschen Geophysikalischen Gesellschaft, 1974

  13. books.google.com, us.archive.org, u. a.:
    - Das allgemeine Berggesetz vom 23. Mai 1854 sammt der Vollzugsvorschrift und allen darauf Bezug nehmenden Verordnungen und Erläuterungen, in: Taschenausgabe der österreichischen Gesetze, Band 7, im Verlag von F. Manz, Wien, 1861
    - F. Kohlrausch: Ueber ein einfaches Localvariometer für die erdmagnetische Horizontalintensität, in: G. Wiedemann (Hrsg.): Annalen der Physik und Chemie, Neue Folge, Band XXIX, der ganzen Folge 265. Band, Heft 9, Johann Ambrosius Barth Verlag, Leipzig, 1886, S. 47-52
    - G. Nordenström: The Use of Magnetic Iinstruments in Exploring fpr Iron Ore, in: R. P. Rothwell (Hrsg.): The Engineering and Mining Journal, Vol. 66, No. 12, New York, September 1889, S. 337f
    - Canadian Dept. of the Interior (Hrsg.): E. Haanel: On the Location and Examination of Magnetic Ore Deposits by Magnetometric Measurements, Ottawa, 1904
    - H. von Foullon: Ueber einige Nickelerzvorkommen, in: Jahrbuch der kaiserlich-königlichen geologischen Reichsanstalt, 42. Jahrgang, Wien, 1892, Heft 2, S. 223-310
    - P. Uhlig; Lehrbuch der Markscheidekunde, Craz & Gerlach Verlag, Freiberg, 1901
    - O. Beyer: Die erste Erzlagerstätte der Oberlausitz. in: B. G. Teubner (Hrsg.): Wissensch. Beilage der Leipziger Zeitung vom 13. Februar 1902 (Auszüge),
    - R. Beck: Ueber eine neue Nickelerzlagerstätte in Sachsen, in: M. Krahmann (Hrsg.): Zeitschrift für praktische Geologie mit besonderer Berücksichtigung der Lagerstättenkunde, 10. Jahrgang, J. Springer Verlag, Berlin, 1902, S. 41-43 und S. 379-381 (Ergänzung)
    - R. Beck: Die Nickelerzlagerstätte von Sohland und ihre Gesteine, in: Zeitschr. der deutschen geologischen Gesellschaft, Band 55, J. G. Cotta’sche Buchhandlung, Berlin, 1903, S. 296-330
    - A. Dieseldorff: Berichtigung einiger Angaben des Herrn R. Beck über die Nickelerzlagerstätte von Sohland a. d. Spree und ihre Gesteine. in: Zeitschr. der deutschen geologischen Gesellschaft, Bd. 55, J. G. Cotta’sche Buchhandlung, Berlin, 1903, Briefliche Mitteilungen, S. 43-48
    - R. Beck: Lehre von den Erzlagerstätten, 2. Auflage, Gebr. Borntraeger Verlag, Berlin, 1903

  14. Bibliothek der TU Bergakademie Freiberg:
    Jahrbuch für das Bergwesen im Königreich Sachsen, Ausgaben 1900 bis 1938, sowie Bergwerksverzeichnisse, Ausgaben 1939-1942

  15. Sächsische Landes- und Universitätsbibliothek (SLUB) Dresden, u. a.:
    - Geognostische Karte Section
    VI und Erläuterungen zu Section VI der geognostischen Charte des Königreiches Sachsen und der angrenzenden Länderabtheilungen, oder: Geognostisclie Skizze der Gegend zwischen Neustadt, Bischoffswerda, Wittichenau, Rotbenburg, Görlitz, Ostritz, Rumburg und Schluckenau. Bearbeitet von Dr. Bernhard Cotta. Arnoldische Buchhandlung Dresden und Leipzig, 1839
    - Geologische Specialkarte des Königreiches Sachsen, Bla
    tt 70: Section Schirgiswalde-Schluckenau und Blatt 86: Section Hinterhermsdorf-Daubitz
    - O. Herrmann: Erläuterungen zur geologischen Specialkarte des Königreiches Sachsen, Section Schirgiswalde-Schluckenau (Blatt 70), Leipzig, 1893 sowie
    - O. Herrmann und R. Beck: Erläuterungen zur geologischen Specialkarte des Königreiches Sachsen, Section Hinterhermsdorf-Daubitz (Blatt 86), Leipzig, 1897

  16. Dr. jur. C. E. Leuthold, Bergamtsdirektor zu Freiberg in Sachsen: Das österreichische Bergrecht in seinen Grundzügen, G. Freytag, Leipzig und F. Tempsky, Prag, 1887

  17. F. Mautner: Der Freischurf im österreichischen Rechte, in: E. Bierbrauer und F. Perz (Hrsg.): Bericht über den Leobener Bergmannstag, 2. bis 5. September 1937, S. 196-202

  18. Hölzel: Nickelbergwerk in Sohland an der Spree, in: Oberlausitzer Heimat, Monatszeitschrift für Heimatpflege, Heimatforschung, Verkehrswerbung, Alwin Marx Verlag, Reichenau, Mai 1938, S. 75

  19. H. Soffel: Johann von Lamont - ein Pionier des Erdmagnetismus, in: Bayerische Akademie der Wissenschaften (Hrsg.): Akademie Aktuell, Heft 2, München, 2005, S. 30-35

  20. H. Vollstädt: Einheimische Minerale, 1. Auflage im Verlag Theodor Steinkopff Dresden, 1971, 6. Auflage im VEB Deutscher Verlag für Grundstoffindustrie, Leipzig, 1981

  21. M. Leh: Die Nickellagerstätte Sohland/Spree. Ein Beitrag zur Geschichte und Geologie, Sächs. Heimatblätter H.4, 1980, S.180.

  22. Wismut GmbH: Chronik der Wismut, digitale Ausgabe 2002

  23. bergbau.sachsen.de, Neubewertung von Spat- und Erzvorkommen im Freistaat Sachsen (Steckbriefkatalog), Geokompetenzzentrum Freiberg, 2008

  24. P. Brzák, O. Fabiánek und P. Havránek: Nickelbergwerk in Rožany, in: Podzemí Šluknovska a Lužických hor, ZO ČSOP Netopýr Varnsdorf, Krásná Lípa, 2008, S. 92-102

  25. Miroslav Veselý: Počatky dolování niklové rudy v saském Sohlandu a v Rožanech u Šluknova, in: Mandava, Vlastlvědné čtení z Varnsdorfu a Šluknovského výběžku, Ročenka Kruhu přatel muzea Varnsdorf (Veröffentlichungen des Freundeskreises des Museums Varnsdorf), 2008-2009, S. 59-72, Übersetzung von Dr. P. Kühn, Česká Lipá

  26. B. Neumann: Die Nickelerzvorkommen an der sächsisch-böhmischen Grenze: Ein Beitrag zur "Frühgeschichte" des Nickelbergwerks Sohland a. d. Spree, Oberlausitz, Sachsen. Mit einem Illustrierten Exkurs: Heimatliche und weitreichende Betrachtungen "Aus der Tiefe" von W. Paul, 2009

  27. M. Frenzel: Nimit und weitere Neufunde aus der Nickelgrube Sohland an der Spree (Sachsen), in: LAPIS, Jahrg. 2009, Heft 4, S.44-45

  28. A. Mücke: Das Nickelvorkommen von Sohland an der Spree: Die Mineralien des lamprophyrischen Ganggesteins, der Vererzung und deren Genese, in: Der Aufschluss, Jg. 63, Nr.2/3, 2012, S.141-172.
       
      
     

    Sächsisches Staatsarchiv, Hauptstaatsarchiv Dresden
     

  29. Bestand 10024 (Geheimer Rat), Loc. 09343/38: August Siegmund von der Sahla auf Ober- und Mittelsohland, Kläger eines, contra Herrn Friedrich Eberhard Reichsgraf zu Solms[-Sonnenwalde] auf Wendisch- und Niedersohland, römisch kaiserlichen wirklichen Geheimen Rat, Beklagter anderenteils, wegen Kirchenreparatur und Kirchenrechnungsablegung zu Sohland, dat. 1751

  30. Ebenda, Loc. 09344/21: Herr Franz Xaver Graf zu Solms[-Sonnenwalde] auf Wendisch- und Niedersohland contra Christoph August von der Sahla auf Ober- und Mittelsohland wegen des vorhabenden Baus einer neuen Loge in der Kirche zu Sohland, dat. 1782
      
     
      

    Staatsarchiv Bautzen
       

  31. Bestand 50010 (Lehnhof Bautzen) Nr. 937: Rittergut Wendischsohland, Lehen, dat. 1631-1808

  32. Ebenda, Nr. 926: Lehnsakten des Mannlehngutes Niedersohland, dat. 1754-1842

  33. Ebenda, Nr. 918: Lehnsakten des Mannlehngutes Mittelsohland, dat. 1797-1842

  34. Ebenda, Nr. 944: Gesuch des Grafen von Solms um Belehnung mit den Gütern Wendischsohland und Niedersohland (a. d. Spree), dat. 1750-1754

  35. Bestand 50001 (Landstände der sächs. Oberlausitz), Nr. 1906: Statistische Verhältnisse der Rittergüter und Dorfschaften, dat. 1822-1829

  36. Ebenda, Nr. 245: Verhandlungen über das Gesetz zum Regalbergbau und Einführung der Bestimmungen des allgemeinen Berggesetzes über den Erzbergbau in der Oberlausitz, dat. 1851-1909

  37. Bestand 50013 (Amtshauptmannschaft Bautzen), Nr. 5065: Erzbergbau in Sohland a. d. Spree, dat. 1902-1926

  38. Ebenda, Nr. 6794: Legung einer nichtgenehmigten Starkstromleitung durch die Nickel-Bergbau der Joachimstaler Gewerkschaft in den Fluren Taubenheim und Sohland a. d. Spree, dat. 1923-1936
       
     
       

    Bergarchiv Freiberg
      

  39. Bestand 40136 (Staatl. Blaufarbenwerk Oberschlema), Nr. 116: Nickelerzvorkommen in Schluckenau (Sluknov) in Böhmen [und Erzlieferungen über C. August Herberg in Sohland], dat. 1898-1902

  40. Ebenda, Nr. 110: Ankauf von Erzen (nickelhaltiger Magnetkies) von Dr. Dieseldorff & Co., Sohland/Spree und Durchschnittsriß der Kieslagerstätte zu Sohland, dat. 199-1916

  41. Bestand 40099 (Konsortschaftl. Grubenverwaltung Schneeberg), Nr. 1-311: Schurf Sohland in der Oberlausitz, dat. 1900-1916

  42. Bestand 40136 (Staatl. Blaufarbenwerk Oberschlema), Nr. 116: Nickelerzvorkommen in Schluckenau (Sluknov) in Böhmen [und Erzlieferungen über C. August Herberg in Sohland], dat. 1898-1902

  43. Ebenda, Nr. 110: Ankauf von Erzen (nickelhaltiger Magnetkies) von Dr. Dieseldorff & Co., Sohland/Spree und Durchschnittsriß der Kieslagerstätte zu Sohland, dat. 199-1916

  44. Bestand 40024 (Landesbergamt Freiberg), Bestanderläuterungen

  45. Ebenda, Nr. 4-245: Erzbergbau in der Oberlausitz, dat. 1882-1902

  46. Ebenda, Nr. 12-15: Kalksteinbrüche, Ton-, Kaolin- und sonstige Gruben, dat. 1901-1905

  47. Ebenda, Nr. 14-453: Zurückgenommene und abgewiesene Schurfgesuche, dat. 1882-1903

  48. Ebenda, Nr. 14-517: Zurückgenommene und abgewiesene Mutungen, dat. 1900-1906

  49. Ebenda, Nr. 14-516 und 14-518: Zurückgenommene oder ungültig erklärte Mutungen, dat. 1904-1910

  50. Ebenda, Nr. 10-118: Sohlander Bergsegen bei Sohland - Berechtigungen, dat. 1902-1939

  51. Ebenda, Nr. 14-504: Mutungen in der Oberlausitz - Reichard und Siegfried, dat. 1904-1906

  52. Ebenda, Nr. 14-506: Mutungen in der Oberlausitz - Sohlander Bergsegen, dat. 1904-1906

  53. Ebenda, Nr. 14-507: Mutungen in der Oberlausitz - Germania und Glück Sohland, dat. 1904-1906

  54. Ebenda, Nr. 10-372: Glück Sohland bei Sohland - Berechtigungen, dat. 1906-1926

  55. Ebenda, Nr. 10-119: Siegfried bei Sohland - Berechtigungen, dat. 1906-1939

  56. Ebenda, Nr. 10-810: Reichard bei Sohland; Verleihung des Grubenfeldes, dat. 1906-1909

  57. Ebenda, Nr. 10-370: Germania bei Sohland - Berechtigungen, dat. 1906-1926

  58. Ebenda, Nr. 10-412: Glück Sohland Nordfeld bei Sohland - Berechtigungen, 1915-1924

  59. Ebenda, Nr. 10-379: Glück Sohland West bei Sohland - Berechtigungen, dat. 1922-1924

  60. Ebenda, Nr. 5-163: Sohland, Klage gegen Sohlander Nickelbergbau wegen Brunnenwasserentziehung, dat. 1917-1920

  61. Ebenda, Nr. 14-456: Zurückgenommene und abgewiesene Schurfgesuche, dat. 1918-1923

  62. Ebenda, Nr. 14-433: Mutung Robert Wadenbach aus Köthen im Gebiet Sohland/Spree, dat. 1937-1938

  63. Ebenda, Nr. 14-436: Mutung des Landes Sachsen im Gebiet Sohland – Zittau, dat. 1937-1939

  64. Bestand 40006 (Bergamt Altenberg), Bestandserläuterungen

  65. Bestand 40170 (Bergrevier Altenberg), Bestandserläuterungen

  66. Ebenda, Nr. 492: Akten, Herberg‘s Erzgewinnungsarbeiten in Äußerstmittelsohland im sogenannten Brunnenschacht betreffend (Sohlander Bergsegen zu Sohland), dat. 1902-1904

  67. Ebenda, Nr. 493: Akten, Hauptmanns Erzgewinnungsarbeiten in Äußerstmittelsohland betreffend (Sohlander Bergsegen zu Sohland), dat. 1902-1905

  68. Ebenda, Nr. 491: Akten des Königlichen Bergamts zu Freiberg, Sohlander Bergsegen zu Sohland (Betriebssachen), Band 1, ergangen 1902 (Sonderheft über den Erzbergbau der Firma Hauptmann, Herberg & Co. in Sohland), dat. 1904-1905

  69. Ebenda, Nr. 477: Reichard bei Obersohland, dat. 1906-1909

  70. Ebenda, Nr. 482: Siegfried bei Obersohland, dat. 1906-1939

  71. Ebenda, Nr. 490: Akten des Königlichen Bergamts zu Freiberg, Sohlander Bergsegen zu Sohland (Betriebssachen), Band 2, ergangen 1906, dat. 1906-1915

  72. Ebenda, Nr. 422: Germania bei Sohland, dat. 1906-1926

  73. Ebenda, Nr. 423: Glück Sohland bei Sohland, dat. 1906-1926

  74. Ebenda, Nr. 489: Akten des Königlichen Bergamts zu Freiberg, Sohlander Nickelbergbau (Betriebssachen), Band 3, dat. 1915-1916

  75. Ebenda, Nr. 488: Akten des Königlichen Bergamts zu Freiberg, Sohlander Nickelbergbau, Band 4, dat. 1916-1920

  76. Ebenda, Nr. 487: Akten des Bergamts zu Freiberg, Sohlander Nickelbergbau, Band 5, dat. 1921-1937

  77. Ebenda, Nr. 486: Akten des Oberbergamts zu Freiberg, Sohlander Nickelbergbau, Band 6, dat. 1938-1939

  78. Bestand 40044 (Generalrisse), Nr. 1-K18609: Erzvorkommen auf dem Grundstück von August Herberg in Äußerstmittelsohland, dat 1902-1903

  79. Ebenda, Nr. 7-I676: Wendischsohland, Niedersohland, Obersohland, undatiert, wohl nach 1920

  80. Ebenda, Nr. 7-I598: Schirgiswalde, Rosenhain [Rozany], Taubenheim, Fugau [Fukov], dat. 1904

  81. Ebenda, Nr. 7-I999 und 7-I1000: Schirgiswalde, Rosenhain [Rozany], Taubenheim, Fugau [Fukov], dat. 1906-1926

  82. Ebenda, Nr. 7-I1269: Schirgiswalde, Rosenhain [Rozany], Taubenheim, Fugau [Fukov], undatiert

  83. Ebenda, Nr. 1-K18609: Erzvorkommen auf dem Grundstück von August Herberg in Äußerstmittelsohland [Sohland], Spree, dat. 1902-1903

  84. Ebenda, Nr. 1-K18294 und 1-K18295: Sohland (Spree), Flurstücke von Ober- und Mittelsohland, Wendisch Sohland und Nieder-Sohland, dat. um 1904

  85. Ebenda, Nr. 7-I434: Schirgiswalde, dat. 1934

  86. Ebenda, Nr. 7-I392: Schirgiswalde, Rosenhain [Rozany], Taubenheim, Fugau [Fukov], dat. 1937

  87. Ebenda, Nr. 7-I513: Schirgiswalde, Rosenhain [Rozany], Taubenheim, Fugau [Fukov], dat. 1906-1939

  88. Bestand 40040 (Fiskalische Risse zum Erzbergbau), Nr. K791: Nickelerzgruben bei Sohland, Nickelerzlagerstätte zu Äußerstmittelsohland, dat. 1903

  89. Ebenda, Nr. A355 und A357: Nickelerzgruben bei Sohland Rosenhain in der Lausitz, Grubenbaue, dat. 1910-1937

  90. Ebenda, Nr. B358: Nickelerzgruben bei Sohland Rosenhain, erzführender Diabasgang, dat. 1937

  91. Bestand 40036 (Deponierte Risse zum Erzbergbau), Nr. H12553: Betriebsabteilung Sohland-Rosenhain [Rozany] der Joachimsthaler Gewerkschaft (Nickelbergbau), 80m Sohle, undatiert, nach 1920

  92. Ebenda, Nr. K12552: Betriebsabteilung Sohland-Rosenhain [Rozany] der Joachimsthaler Gewerkschaft (Nickelbergbau), 50m Sohle, undatiert, nach 1920

  93. Ebenda, Nr. I12551: Betriebsabteilung Sohland-Rosenhain [Rozany] der Joachimsthaler Gewerkschaft (Nickelbergbau), 42m Sohle, undatiert, nach 1920

  94. Ebenda, Nr. I12549: Betriebsabteilung Sohland-Rosenhain [Rozany] der Joachimsthaler Gewerkschaft (Nickelbergbau), 31m Sohle, dat. 1917-1919

  95. Ebenda, Nr. K12548: Nickelerzgruben von Sohland-Rosenhain [Rozany], dat. 1917-1919

  96. Ebenda, Nr. I12550: Betriebsabteilung Sohland-Rosenhain [Rozany] der Joachimsthaler Gewerkschaft (Nickelbergbau), dat. 1910-1919

  97. Bestand 40027 (Oberbergamt Freiberg), Bestandserläuterungen

  98. Ebenda, Nr. 540: Erzlagerstätten, dat. 1920-1939

  99. Ebenda, Nr. 609: Wirtschaftliche Vereinigungen, dat. 1938-1947, enthält u. a. Übersicht über die Zusammensetzung des Vorstandes und Aufsichtsrates der Sudetenländischen Bergbau AG und der Sudetenländischen Treibstoffwerke AG

  100. Bestand 40030 (Oberbergamt, Lagerstättenforschungsstelle), Nr. 1-764: Sohland an der Spree, Nickel-Magnetkieslagerstätten, dat. 1902-1935

  101. Ebenda, Nr. 1-772, 1-773, 1-774, 1-776 und 1-777: Sohland an der Spree, Rosenhain [Rosany], Schluckenau [Sluknov], Nickelmagnetkies, dat. 1902-1945

  102. Ebenda, Nr. 1-778: Bericht über die geoelektrische Untersuchung des Nickel-Magnetkiesvorkommens, dat. 1940

  103. Ebenda, Nr. 1-770: Sohland an der Spree, Rosenhain [Rosany] Schluckenau [Sluknov] und Wölmsdorf [Vilemov], Oberlausitz und Tschechien, dat. 1925-1941

  104. Ebenda, Nr. 1-755: Sohland an der Spree, Rosenhain [Rosany], Schluckenau [Sluknov], Nickelmagnetkies, dat. 1919-1945

  105. Ebenda, Nr. 2-H24393: Sohlander Bergsegen, Rosenhain Schacht, dat. 1906

  106. Ebenda, Nr. 2-I24392: Sohlander Bergsegen, magnetische Untersuchung, undatiert

  107. Ebenda, Nr. 2-I24394: Sohlander Bergsegen, Diabasgang, undatiert

  108. Ebenda, Nr. 2-I24399: Sohlander Bergsegen, Nickelerzgruben von Sohland-Rosenhain, dat. 1919

  109. Ebenda, Nr. 2-K24391: Sohlander Bergsegen, Schurf- und Aufschlussarbeiten in Rosenhain, dat. 1922

  110. Ebenda, Nr. 2-I24404: Sohlander Bergsegen, Grube Frisch Glück am Schweidrich bei Schluckenau, undatiert

  111. Ebenda, Nr. 2-H24410: Sohlander Bergsegen, geologische Übersicht, undatiert

  112. Ebenda, Nr. 2-I24398: Sohlander Bergsegen, Diabasgang, dat. 1911

  113. Ebenda, Nr. 2-H24412 und 2-H24413: Sohlander Bergsegen, Sohland-Rosenhain, undatiert

  114. Ebenda, Nr. 2-I24401: Sohlander Bergsegen, Nickelkiesgang Äußerstmittel-Sohland, undatiert

  115. Ebenda, Nr. 2-K24397: Sohlander Bergsegen, erzführender Diabasgang Sohland-Rosenhain, dat. 1937

  116. Ebenda, Nr. 2-K24402: Sohlander Bergsegen, Anomalien der magnetischen Vertikalintensität am Schweidrich bei Schluckenau, dat. 1939

  117. Ebenda, Nr. 2-H24396: Sohlander Bergsegen, Ergebnisse geomagnetischer Versuchsmessungen über dem Lamprophyrgang Sohland-Rosenhain, undatiert

  118. Ebenda, Nr. 2-H24400: Lamprophyrvorkommen Hohberg bei Sohland, undatiert

  119. Bestand 40105 (Sachsenerz Bergwerks AG), Nr. 2-I24: Schluckenau [Sluknov] in Böhmen, Freischurfgebiet, dat. 1939

  120. Bestand 40035 (Oberhüttenamt), Nr. 1574: Verarbeitung von nickelhaltigem Magnetkies aus Sohland, dat. 1903-1917

  121. Ebenda, Nr. 1575: Sohlander Nickelerz, dat. 1917-1923

  122. Bestand 40132 (Hütte Muldenhütten), Nr. 1-244: Verarbeitung von Sohlander Nickelerzen, dat. 1919-1941

  123. Bestand 40131 (VEB GFE Freiberg), Nr. 1-109: Großdrebnitz, Langburkersdorf am Tannenberg, Oberottendorf, Putzkau, Ringenhain, Siechhübel, Sohland, Steinigtwolmsdorf, Weifa und im Hohwald, Erkundung der Lausitzer Lamprophyre, dat 1954-1958

  124. Bestand 40073 (Bergschadenkundliche Analysen), Nr. 1-30: Sohland/Spree, dat. 1975

  125. Ebenda, Nr. 2-787 bis 2-790: Risse zur BSA 30 Sohland/Spree