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Zum
Kalksteinabbau bei Hermsdorf im Osterzgebirge Die Recherchen zu diesem Beitrag haben wir 2020 begonnen, dann aber zunächst der Krisen und anderer Projekte halber einige Zeit ruhen lassen und ab 2024 wieder aufgenommen. Für die Unterstützung bei der Erstellung dieses Beitrages bedanken wir uns
Letzte Ergänzung
Ende Juli
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Zur Lage und regionalen Geschichte
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Bei den Recherchen zum früheren VEB
Obererzgebirgische Kalkwerke stößt man unvermeidlich auch auf die anderen
Betriebsteile der heutigen GEOMIN Erzgebirgische Kalkwerke GmbH in Lengefeld und
in Hermsdorf. Mit diesem Beitrag gehen wir nun der Geschichte des
Kalksteinabbaus im osterzgebirgischen Hermsdorf nach.
Dem sei aber hinzugefügt, daß dieser Betriebsteil ursprünglich gar nicht zum VEB Obererzgebirgische Kalkwerke gehörte, welcher ab 1954 ja nur die westerzgebirgischen Standorte in Hammerunterwiesenthal, Crottendorf und Oberscheibe im Landkreis Annaberg umfaßte. Hermsdorf im Landkreis Pirna dagegen wurde als zuvor landeseigenes Unternehmen nach 1945 zunächst der Industrieverwaltung 61: Baugewerbe und Baumaterial, angeschlossen und bildete zuletzt 1990 einen Betriebsteil des VEB Kalkwerk Borna (bei Pirna). Erst mit der Auflösung des damaligen VEB Zuschlagstoffe Karl- Marx- Stadt (dessen Betriebsteil das zu diesem Zeitpunkt als VEB Vereinigte Kalkwerke Oberscheibe firmierende Unternehmen gewesen ist) am 23. Juni 1990, der Gründung der GEOMIN GmbH und der Übertragung der Gewinnungsrechte an den neuen Betreiber durch das Bergamt Chemnitz am 26. März 1991 wurden die nun vier Standorte in Hammerunterwiesenthal, Oberscheibe, Lengefeld und Hermsdorf in diesem neuen Unternehmen zusammengeschlossen (40070, Nr. 608, ohne Seitennummerierung).
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Der Ort Hermsdorf liegt nahe dem Kamm des östlichen Erzgebirges und erstreckt sich über fast 4 km parallel zur Staatsstraße S 184, die von Freiberg aus über Frauenstein nach Hermsdorf und weiter über Neuhermsdorf zum Grenzübergang in Neu- Rehefeld führt. In der Ferne weithin sichtbar ist mit seinen über 900 m Höhe der Kahleberg am Erzgebirgskamm bei Altenberg. Zwar erreicht der östliche Teil des Erzgebirges nicht mehr die Höhen des westlichen Erzgebirgskamms, doch haben sich die zahlreichen Täler tief in den besonders wechselvollen geologischen Untergrund eingeschnitten. Verläßt man die alten Fernhandelswege auf den Hochflächen und folgt den vielfach gewundenen Tälern, findet man oft eine wildromantische Landschaft vor. Der nordwestliche Teil von Hermsdorf beginnt etwa 5 km südöstlich von Frauenstein und liegt auf reichlich 600 m, der südöstliche schon auf über 650 m und der kleine Ortsteil Neu- Hermsdorf auf mehr als 750 m Höhe über dem Meer. Von Hermsdorf aus sind es keine 5 km mehr bis zur Grenze zur Tschechischen Republik.
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Westlich von Hermsdorf bilden die Richterskuppe
und südlich die Schickelshöhe (mit zirka 804 m) die markantesten Erhebungen über
der sonst im Allgemeinen nach Nordwesten nur flach geneigt abfallenden Hochfläche.
Der Ort und die südöstlich gelegene Schickelshöhe bilden zugleich eine lokale Wasserscheide zwischen den direkten Elbezuflüssen im Osten und den Muldezuflüssen im Westen. Westlich des Ortes fließt die Gimmlitz nach Nordwesten der Freiberger Mulde zu und nimmt den Waldeckbach aus dem Nordostteil des Dorfes auf. Im südöstlichen Teil des Dorfes fließen der Hermsdorfer Bach und der Weißbach der Wilden Weißeritz zu. Zwischen dem Weißeritztal und dem Weißbachtal liegt noch der kleine Ortsteil Seyde, dessen Schreibweise in jedem alten Schriftstück anders gehandhabt wird, wodurch Verwechslungen mit dem unfern gelegenen Sayda vorprogrammiert sind. Nordwestlich unterhalb von Hermsdorf liegt das Gimmlitztal noch auf zirka 633 m Höhe und nordöstlich hat sich die Wilde Weißeritz schon auf nur noch 607 m Seehöhe eingetieft. Die Kalkwerke von Hermsdorf findet man südwestlich des Dorfes am östlichen Hang des Gimmlitztales.
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Schon immer führten Handelswege auch über
diesen abgelegenen und eher schwer zugänglichen Teil des Erzgebirges hinweg.
Spätestens mit den ersten Silberfunden in Dippoldiswalde und Freiberg rückte die
Region in den Blickpunkt sowohl der böhmischen Könige im Süden, als auch der
Markgrafen von Meißen. Die Burg Frauenstein ist daher ursprünglich ‒ annähernd
gleichzeitig mit weiteren Burganlagen, wie Purschenstein, Lauenstein oder dem
berühmten Königstein über der Elbe ‒ als Grenzfestung entstanden. Im Jahr 1218
erscheint der Name als „Vrounsten“ erstmals in einer Urkunde (wikipedia.de),
1272 wird sie als „castrum Vrowenstein“ bezeichnet (sachsens-schloesser.de).
In der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts traten die Ritter Johannes und Heinrich von Siden als Burgherren auf. Vermutlich unter ihnen erfolgte ein weiterer Ausbau der Burg, bei dem unter anderem der Palas mit Kapelle entstand. 1321 wurde die Burg vom Meißner Markgrafen an die Herren von Ileburg verpfändet. Danach wechselten die Besitzer der Burg mehrfach. 1329 gelangte sie in erblichen Lehnsbesitz der Meinheringer, der Burggrafen zu Meißen, unter denen der mächtige, einst dreigeschossige Wohnturm errichtet worden ist und die sie auch als einen ihrer Stammsitze nutzten. Auch die Ringmauer erbaute man in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts (sachsens-schloesser.de). Auf die Bedeutung als Grafensitz geht vermutlich auch die bereits 1411 erfolgte Stadtrechtsverleihung an die Siedlung am Fuße der Burg Frauenstein zurück. Nachdem während der Hussitenkriege Graf Heinrich als letzter aus dem Geschlecht der Meinheringer in der Schlacht bei Aussig / Usti n. L. 1426 zu Tode gekommen war, ohne männliche Erben zu hinterlassen, fiel die Burg wieder an Friedrich, den Streitbaren (*1370, †1428), seit 1381 Markgraf zu Meißen und seit 1423 auch Herzog von Sachsen und Kurfürst, zurück. Der belehnte 1428 zunächst Heinrich X. von Plauen (* unbekannt, †1446), als Heinrich I. Burggraf in Meißen, mit der Burg. Erst unter ihm wurde auch die äußere Umfassungsmauer errichtet. Nachdem dieser jedoch in eine Fehde mit Kurfürst Friedrich, dem Sanftmütigen (*1412, †1464) geriet, wurde Frauenstein 1438 durch markgräfliche Truppen belagert, konnte jedoch nicht erobert werden. Nach einem Vergleich und kaiserlichem Machtspruch wurde die Burg aber dann doch den Wettinern übergeben. 1439 wurde aus der bis dahin eigenständigen Grundherrschaft das kursächsische Amt Frauenstein gebildet, das bis 1472 von verschiedenen Vögten verwaltet wurde und im Wesentlichen als Verwaltungssitz noch bis 1873 Bestand hatte (10050). In der Folgezeit gelangte Frauenstein noch einmal für fast 150 Jahre in privaten Besitz: 1473 kauften die Brüder Bernhard und Caspar von Schönberg auf Purschenstein die Burg für gerade einmal 3.000 Gulden (10050). Ab 1585 ließ Heinrich von Schönberg (*1549, †1616) unterhalb der Burg auch das Renaissance- Schloß als repräsentativen Wohnsitz errichten. Nach dessen Tod 1619 wurden die Besitztümer unter den Nachkommen aufgeteilt (10492, Nr. 0057). Infolge des Dreißigjährigen Krieges war diese Linie des weitverzeigten Adelsgeschlechtes der Schönberg's dann jedoch so verschuldet, daß sie Frauenstein 1647 wieder an die Meißner Markgrafen verkaufen mußten. So wurde Frauenstein erneut kurfürstlicher Amtssitz. Die im früheren Palas befindliche Schlosskapelle wurde noch bis 1657 für Gottesdienste genutzt. Stadtbrände 1728 und 1814 beschädigten auch die alte Burg aber so stark, daß von ihr heute nur noch Ruinen erhalten sind. Im Jahr 1874 verlor Frauenstein dann den Verwaltungssitz an die neugeschaffene Amtshauptmannschaft Dippoldiswalde (10046, 10753). Bereits 1954 wurde im Torhaus des Schlosses ein Museum zur Geschichte der Burg und der Stadt eingerichtet, welches drei Jahre später ins Schloß umzog. Der Rennaissance- Schloßbau befindet sich heute wieder in Privatbesitz und das Silbermann- Museum ist deshalb in das Eckhaus am Marktplatz Nr. 4 umgezogen. Von der alten Burg sind die ersten beiden Etagen des Wohnturms aus dem 13. Jahrhundert, Keller- und Küchengewölbe in den Ruinen, Brunnen und Verlies unter dem Wohnturm und außerdem große Teile der 1,50 m starken äußeren Ringmauer erhalten. Die Burgruine befindet sich im Besitz der Stadt Frauenstein und wird liebevoll gepflegt (sachsens-schloesser.de). Mit 7,- € Eintritt für Museum und Burgruine ist es nicht gerade ein Schnäppchen, aber die Ausgabe lohnt sich allein schon wegen des phänomenalen Rundblicks vom Burgturm aus. An dieser Stelle sei auch der vielleicht berühmteste Sohn der Stadt (zumindest seit der Eingemeindung seines eigentlichen Geburtsortes Kleinbobritzsch nach Frauenstein im Jahr 1974) genannt: Gottfried Silbermann (*1683, †1753). Von den insgesamt 50 Orgeln, die er und sein Bruder Andreas Silbermann (*1678, †1734) sowie dessen Sohn Johann Andreas Silbermann (*1712, †1783) gebaut haben, sind 31 bis heute erhalten geblieben (unter anderem im Freiberg'er Dom) und als „Silbermann- Orgeln“ weltbekannt.
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![]() Wo wir einmal in der Gegend unterwegs sind, nehmen wir uns auch einmal die Zeit für einen Schloßbesuch...
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![]() Das Torhaus und links dahinter das einstmals Schönberg´sche Rennaissanceschloß.
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![]() Da sich das Rennaissanceschloß heute wieder in Privatbesitz befindet, betritt man die Burgruine hinter der südlichen, äußeren Umfassungsmauer durch eine unscheinbare Pforte in der mächtigen Schildmauer.
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![]() Hinter der Schildmauer führt eine Treppe zur Kernburg hinauf. Wie man von hier aus gut erkennt, ist die Burg auf einer Klippe des Teplicer Quarzporphyrs erbaut. Dieses Gestein ist auch überall in den Mauern zu finden.
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![]() Der Besucherweg führt zunächst an dem ursprünglichen Tor vorbei und an der nördlichen Umfassungsmauer entlang...
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![]() ...wo man dann über eine zweibogige Gewölbebrücke zur Kernburg gelangt.
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![]() Der innere Burghof wird bis heute von dem gewaltigen Wohnturm der Meinheringer überragt, auch wenn diesem heute seine dritte Etage fehlt. Seine Mauern sind unten bis zu 3 m stark. Rechts davon markieren die noch vorhandenen drei Fensterbögen den Standort des Palas. Das Untergeschoß des Wohnturms nutzt die Stadt übrigens heute auch als Trauzimmer für alle, die einen besonders stimmungsvollen Platz für ihre Hochzeit suchen und es rustikal und historisch mögen.
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![]() Unter den Ruinen sind noch einige der romanischen Tonnengewölbekeller erhalten. Sie sind teilweise direkt in die Felsklippe geschlagen und so sieht man in deren Boden an etlichen Stellen den Quarzporphyr anstehen.
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![]() Wir suchen heute etwas anderes: Der Aufstieg auf die Aussichtsplattform auf dem Wohnturm ist allerdings nichts für schwache Nerven.
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![]() Doch das lohnt sich...
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![]() Von hier aus reicht der Blick nach Südosten weit über das Osterzgebirge.
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![]() Nach Südwesten blickt man auf die Wälder entlang des Gimmlitz- Tales, wo auch unser eigentliches Ziel Hermsdorf zu finden ist.
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![]() Nach Westen schließlich fällt der Blick auf die Stadt und auf die bereits restaurierte Fassade im Hof des Schönberg'schen Schlosses.
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![]() Nach Norden reicht der Blick über die sich sanft abdachende Hochfläche bis nach Freiberg. Etwa in der Bildmitte sind die beiden markanten Hochessen in Muldenhütten zu erkennen. Obwohl dies ein so aussichtsreicher und überragender Standort ist, ist die Burg - wenn man sich dem Ort aus dem Gebirge oder aus Freiberg nähert - erst sehr spät am Horizont zu entdecken, was wohl an den vielen bewaldeten Tälern liegt, die man auf dem Weg dorthin zu durchqueren hat.
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![]() Entlang der südöstlichen Umfassungsmauer erreicht man als Besucher schließlich wieder den Ausgangspunkt.
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![]() Von hier aus hat man noch einmal einen eindrucksvollen Blick auf die imposante Anlage.
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Dieser hochgelegene, witterungsexponierte und
eher unwirtliche Teil des
Osterzgebirges wurde wahrscheinlich erst um 1300 auch von fränkischen Bauern
besiedelt. Der Ortsname von Hermsdorf soll auf einen Lokator Hermann
zurückgehen (wikipedia.de).
Das Dorf gehörte 1445 zur Pflege Frauenstein, 1551 zum Rittergut Frauenstein, ab 1764 dann als Amtsdorf zum Amt Frauenstein (hov.isgv.de). August Schumann berichtete 1817 im Band 4 des ,Staats-, Post- und Zeitungslexikons von Sachsen' über Hermsdorf: „Seinen Ursprung soll Hermsdorf zuerst in der Gegend, wo die Kirche steht, und welche die Scheibe heißt, genommen haben, und ein gewisses Forstrevier des nahen Töpferwaldes, die Töpferscheibe genannt, worden sein. Scheibe nannte man sonst ein Stück Feld, das wenigen Umfang hatte und ebener war, als die Umgebungen desselben. Die Kirche zu Hermsdorf ist die einzige des Amts, die man in der Matrikul des Bisthums Meißen vom Jahre 1346 nicht findet, aber zur Zeit der Reformation schon da war. Sie soll schon im 14ten Jahrhunderte als Kapelle gestanden haben, die als Tochterkirche nach Frauenstein gehörte... Zu Hermsdorf war von den ältesten Zeiten her eine Zollstätte, wo nämlich allein Gränzzoll eingenommen wurde. Auf Befehl vom 23. August 1683 legte der Zolleinnehmer Michael Meyer zu Einsiedel auf eigene Kosten ein Geleitshaus über diesem Dorfe, am Hemschuhwalde an, in welches auch, auf sein Ansuchen, die Gränzzoll- und Landaccis- Einnahme nebst dem Geleite verlegt wurde... Hermsdorf, das 40 Spann-, 40 Magazin- und 43⅜ Marschhufen hat, zählte im Jahre 1748, außer dem Erbgerichte, das anjetzt königlich ist und seit den ältesten Zeiten die Braugerechtigkeit besaß, die aber nach Rechenberg verlegt wurde, 53 Bauerngüter und 39 Häusler, und im Jahre 1815 befanden sich daselbst 54 Bauergüter und 47 Häusler, in allem 700 Consumenten... In der Hermsdorfer Flur wird das meiste Winterkorn im Amte Frauenstein erbaut, nur haben die Einwohner zuweilen das Unglück, daß das Getreide nicht reif wird, oder ein Theil unter dem Schnee liegen bleibt... Die Flur dieses großen Dorfs Hermsdorf ist noch vorzüglich wegen der in selbiger befindlichen mächtigen Kalksteinlager und der Kalkbrennerei merkwürdig. Der Kalkstein auf der ganzen Mark Hermsdorf, nicht aber, wie es in andern geographischen Werken heißt, in sämmtlichen Frauensteiner Amtsdorfschaften, ist eine Regale, und es darf niemand daselbst auf seinem Grund und Boden Kalkstein brechen oder benutzen... Auf der hier durchgehenden Freiberger Landstraße wird der größte Theil der Kalksteine, des Kalks und der Hölzer vom Nassauer Revier verfahren. Es wird in gegenwärtigen Zeiten auch einiger Bergbau in Hermsdorf getrieben. Zu dem Dorfe gehören, mit Einschluß der Essigmühle, 3 Mühlen mit fünf Gängen.“ |
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Schumann erwähnte
hier eine ,Mark Hermsdorf‘‘;
an anderer Stelle liest man auch von „fünf oberen Dorfschaften“ des Amtes
Frauenstein: Hennersdorf, Ammelsdorf, Schönfeld, Seyde und Hermsdorf. Die
Begriffe tauchen auch in den Akten mehrfach wieder auf und sind uns deshalb
einige zusätzliche Bemerkungen zur Verwaltungsgliederung in Sachsen wert. In seiner
ursprünglichen Bedeutung
ist der Begriff heute gänzlich ungebräuchlich geworden und lebt nur noch
in einigen Gebietsbezeichnungen, wie ,Altmark', ,Mark Brandenburg',
,Steiermark' usw. ‒ oder aber in von ihm abgeleiteten Begriffen, wie der ,Gemarkung'
(die von einer Umgrenzung eingeschlossene Fläche), der ,Markscheide'
(die Grenzlinie oder Grenzfläche, hauptsächlich im Bergbau) oder dem ,Markstein'
(ein Höhepunkt oder Meilenstein) fort
(wikipedia.de).
Das Wort ,Mark' geht bis auf indogermanische sprachliche Wurzeln zurück und bezeichnete im Mittelalter eigentlich ein an den Grenzen eines Staates gelegenes Territorium. Marken als sicherheitspolitisch besonders wichtige Verwaltungsbezirke in gefährdeten Grenzregionen wurden insbesondere im Fränkischen Reich von Kaiser Karl, dem Großen (*747, †814) um die Wende vom 8. zum 9. Jahrhundert gebildet, um die Grenzen seines in langen Kriegen erweiterten Reiches zu sichern. Die dort eingesetzten ,Markgrafen' hielten die Marken als ihnen vom König bzw. Kaiser direkt verliehene Lehen und hatten im Vergleich zu anderen Grafen zusätzliche Befugnisse: Sie konnten etwa Befestigungen anordnen, erhielten eine größere Zahl an fränkischen Vasallen zur Unterstützung zugewiesen und konnten den Heerbann in ihrem Territorium selbst aufbieten. Mit der Konsolidierung des Deutschen Reichs ab dem 12. Jahrhundert wurden die meisten der verbliebenen Markgrafschaften zu Reichsfürstentümern, und die Markgrafen, wie die ihnen gleichgestellten Landgrafen, gehörten damit zu den höchsten weltlichen Würdenträgern des Reiches (wikipedia.de). Auch die nach den Slawenfeldzügen des ostfränkischen Königs Heinrich I. (*876, †936) im Jahr 929 gebildete ,Mark Meißen' stellte ein solches Grenzland zu den slawischen Nachbarn im Osten und Süden dar. Innerhalb der Mark Meißen ist die Burg Frauenstein einst als Befestigungsanlage an deren südöstlicher Grenze zum damaligen Königreich Böhmen und Mähren entstanden. Das Amtsdorf Hermsdorf im Erzgebirge liegt nicht nur im südlichen Grenzbereich der ganzen Mark Meißen, sondern auch innerhalb des Amtsbezirks Frauenstein südlich der Burg und nur noch wenige Kilometer von der Grenze zur heutigen Tschechischen Republik entfernt. Nicht zu vergessen ist ferner, daß die Grenzziehung zum Königreich Böhmen früher einen anderen Verlauf hatte: Die „Schandau’er Heide“, die Herrschaften Lohmen, Wehlen, Rathen und Hohnstein rechts der Elbe waren böhmisch. Auf linkselbischem Gebiet stand auch die Burggrafschaft Dohna noch bis zum Ende der Dohna'ischen Fehde, in der die Burggrafen 1402 schließlich dem Markgrafen Wilhelm, I., genannt der Einäugige (*1343, †1407) unterlagen, unter böhmischer Lehnshoheit. Die ob ihrer spektakulären Lage weltberühmte Festung auf dem Königstein blieb sogar noch länger, bis zum Vertrag von Eger im Jahr 1459, mit dem die Grenzziehung zwischen dem Königreich Böhmen und dem nunmehrigen Kurfürstentum Sachsen, dessen Teil die Markgrafschaft Meißen jetzt war, geregelt wurde, in böhmischem Besitz. Erst nach der Auflösung des Heiligen Römischen Reichs im Zuge der Napoleonischen Feldzüge fielen im Jahr 1806 diese böhmischen Lehen endgültig an Sachsen. Die Westgrenze der Burggrafschaft Dohna bildete die von Rehefeld herunter östlich von Frauenstein fließende Wilde Weißeritz. Die Dörfer Hennersdorf, Ammelsdorf und Schönfeld liegen nun bereits auf der Ostseite der Weißeritz. Durch die Gemarkung Seyde fließt die Weißeritz mitten hindurch und Hermsdorf liegt am weitesten südlich von diesen fünf Dörfern an deren Westseite. Es gibt also nicht nur geographische Gründe, warum vielleicht der Begriff der ,Grenzmark' einst auf das Dorf und die ,Mark Hermsdorf' übertragen worden sein könnte...
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Schon seit Beginn der Landesgeschichte bildeten die Ämter
oder Vogteien, wie zuvor Supanien und Burgwarde, den räumlichen
Bezugspunkt für die Erhebung landesherrlicher Abgaben, für die Einforderung von
Frondiensten, für Rechtsprechung, Polizei und Heeresfolge. Die Amtsburgen waren
zudem Stützpunkte des umherziehenden landesherrlichen Hofes. Schon im Laufe des
14. Jahrhunderts hatte sich die Ämterorganisation in der Lokalverwaltung
weitgehend durchgesetzt und Anfang des 17. Jahrhunderts kann die Ämterverfassung
in Sachsen als abgeschlossen betrachtet werden (10050).
1547 wurde das kursächsische Territorium in Kreise eingeteilt, nämlich in den Kurkreis, den Leipziger oder Osterländischen Kreis, den Meißnischen Kreis und den Thüringischen Kreis. Zwischen 1570 und 1691 kamen noch der Vogtländische, der Neustädter und der vom Meißnischen abgezweigte Erzgebirgische Kreis hinzu. Ziel dieser Kreiseinteilung war, die im 16. Jahrhundert besonders von den ernestinischen Wettinern hinzugewonnenen Gebiete zu integrieren. Zu jedem Kreis gehörte eine Anzahl von Ämtern, Städten und ritterlichen Vasallen. Zur oberen Aufsichtsperson wurde der Kreishauptmann bestellt (10050). Aus dieser Zeit um die Mitte des 16. Jahrhunderts stammen auch eine Anzahl erhalten gebliebener „Erbbücher“, in denen die von den Lehnsträgern zu entrichtenden „Erbzinsen“ und andere von ihnen zu leistende Dienste und Abgaben festgehalten sind (z. B. ein Erbbuch des Amtes Frauenstein: 10036, Loc. 37930, Rep. 47, Frauenstein, Nr. 0022). Davon unberührt blieben zunächst aber die Schriftsassen, denn sie waren im Gegensatz zu den Amtsassen keinem Amt, sondern der Landesherrschaft unmittelbar unterstellt. Das bedeutete, daß sie die kurfürstlichen Befehle nicht durch Vermittlung des Amtmanns erhielten, sondern unmittelbar von der Zentralregierung. Die Steuern der unter schriftsässigen Rittergütern stehenden Dorfbewohner wurden ohne Vermittlung des Amtes direkt der Kreissteuereinnahme zugeführt (10050). Die Amtsdörfer standen dagegen in enger Verbindung zum Amt, welches allein als unmittelbare Obrigkeit für sie zuständig war. Alle bäuerlichen Besitzstücke gingen beim Amt zu Lehen, wofür an das Amt Zinsen und Dienste zu leisten waren. Auch die Ober- und Erbgerichte standen dem Amt zu, das auch die Einnahme der Steuern besorgte und die Mannschaft zur Heeresfolge aufbot. Für das Staatswesen waren die Einkünfte aus den Ämtern von großer Bedeutung. Daher bestand deren Hauptaufgabe darin, die in Geldzinsen, Naturallieferungen oder Dienstleistungen bestehenden Einkünfte ordnungsgemäß zu erheben. Die Einkünfte eines Amtes setzten sich dabei zusammen aus festen Einnahmen wie Geschoss, Erbzins und Zehnt, aus in der Höhe schwankenden Einnahmen wie Geleit und Zoll, Gerichtseinnahmen und Lehngeld, aus dem Verkauf von Naturalien wie Getreide und Holz und aus der Bewirtschaftung der Vorwerke (10050). Auch in Hermsdorf bestand eine Geleits- und Zolleinnahmestelle. Schon ab der Mitte des 16. Jahrhunderts wurden Geleitstellen und Vorwerke gelegentlich verpachtet. Ab dem 18. Jahrhundert wurden dann auch ganze Ämter in Pacht gegeben, wodurch das Fürstenhaus die Einkünfte aus den Ämtern steigern wollte; wobei die Pächter ihrerseits versuchten, ihre Einkünfte und damit ihren Profit auf Kosten der Amtsuntertanen zu erhöhen. Im Jahr 1769 waren von etwa 94 Ämtern in Sachsen 64 verpachtet. Die Gerichtsbarkeit behielt sich der Staat aber meist vor, so daß neben manchem Amtspächter noch ein verbeamteter Gerichtsverwalter (Amtsverweser) stand. Verwaltungsmäßig gehörte das Amt Frauenstein lange Zeit zum erzgebirgischen Kreis und zur alten Amtshauptmannschaft Freiberg. Erst 1835 wurde es der Kreisdirektion, später Kreishauptmannschaft Dresden, und 1874 der Amtshauptmannschaft Dippoldiswalde unterstellt. Das Amt Frauenstein bestand als solches noch bis 1856, dann gingen seine Aufgaben auf das Gerichtsamt Frauenstein über. Das Rentamt, das für die Finanzverwaltung zuständig war und seit 1784 als eigenes Ressort, seit 1831 als eigene Behörde neben dem Justizamt in Frauenstein bestand, existierte noch bis 1865. Seine Aufgaben nahmen durch die Verkäufe von staatlichen Gütern an Privatpersonen aber stetig ab, so daß sich seine Zuständigkeit schließlich nur noch auf die Einnahmen- und die Forstverwaltung erstreckte. Als die Einnahmen in den 1860er Jahren ganz wegfielen, wurde das Rentamt Frauenstein deshalb in das Forstrentamt Frauenstein umgewandelt (10050).
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Hiernach waren also die
Ämter auch für die Besetzung der Richterstellen in den Amtsdörfen zuständig;
zumindest jedenfalls bei den sogenannten ,Lehnrichtern', welche ihr Amt
und ihr Gut nur zum Lehen besaßen, weswegen sie genau wie alle Untertanen auch
zur Heeresfolge verpflichtet waren
(wikipedia.de).
Demgegenüber bestanden aber schon früh auch ,Erbgerichte' bzw. ,Patrimonialgerichte' (auch Erblehngericht). Mit dem Begriff ist zunächst einmal der Sitz des Richters, also jenes Mitgliedes der dörflichen Gemeinde, welches dem Dorfgericht vorstand, gemeint. Deren Funktionen gehen bereits auf altes, deutsches Recht, wie es in Eike von Repgow's (* vor 1190, † nach 1233) ,Sachsenspiegel' in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts niedergeschrieben worden ist, zurück. Gewöhnlich war die Funktion des ,Erbrichters' mit dem Besitz eines großen Bauerngutes verbunden; sehr oft war mit dem Erbrichteramt auch Schank- und Braurecht verknüpft. Im Gegensatz zum Lehnrichter konnte dieser aber sein Amt an seine Nachkommen weitergeben, ohne daß der Inhaber der Niedergerichtsbarkeit ‒ gewöhnlich der Grundherr ‒ Einfluß auf die Besetzung der Stelle nehmen konnte; es war also ein vererblicher Titel ‒ daher auch die Bezeichnung. Der Erbrichter erhielt einen Teil der Gerichtsgebühren und der fälligen Bußgelder, zumeist ein Drittel. Der Rest ging an den Inhaber der Gerichtsbarkeit (wikipedia.de). Auch das Ortsgericht in Hermsdorf war ein solches Erbgericht und die Besitzer dieses Erbgerichtes legten ‒ im Rahmen ihrer gesetzlichen Möglichkeiten ‒ stets Wert auf Eigenständigkeit und auf Unabhängigkeit von der Verwaltung durch das Amt in Frauenstein. Ob die Stellung des Amtsdorfes als Grenzland sowie hinsichtlich seines Erbgerichtes innerhalb des Amtsterritoriums tatsächlich aber auch weiterreichende rechtliche Konsequenzen hatte, ist uns noch nicht klar geworden.
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Jedoch wehrten sich
etliche, vom Abbau des Kalksteins betroffene Bauern und Grundbesitzer im Verlauf der Geschichte,
namentlich aber im 18. und bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts immer wieder
und durchaus selbstbewußt gegen den Kalksteinabbau durch das fiskalische
Kalkwerk auf ihrem Grund und Boden; oder aber sie klagten ohne Scheu auch vor
dem Appellationsgericht (der zweithöchsten Instanz innerhalb der Kreisdirektion
zwischen 1835 und der Umbildung des Appellationsgerichtes Dresden im Jahr 1879
zum Landgericht, s. 11023) auf das ihnen zustehende
Recht, den Abbau auch selbst betreiben zu können, da es sich beim Kalkstein ja um einen
Mit der Inkraftsetzung des Gesetzes über den Regalbergbau in Sachsen im Jahr 1851 wurde dann der Geltungsbereich der Bergaufsicht nur noch auf die „metallischen Rohstoffe“, also auf den Erzbergbau, begrenzt. Daraufhin gingen 1857 die landwirtschaftlichen Vereine in Frauenstein, Weigmannsdorf, Nassau sowie in Ober- und Niederbobritzsch erneut und nun gewissermaßen „organisiert“ gegen den staatlichen Alleinanspruch auf die Gewinnung und Vermarktung des Kalksteins in Hermsdorf vor, diesmal aber in erster Linie wegen der höheren Verkaufspreise bei den staatlichen Kalkwerken (13476, Nr. 320). Die genannten Bauernverbände beantragten daher 1857 die Freigabe des Kalksteinabbaus für die Grundbesitzer, damit der Kalkstein von ihnen wieder selbst abgebaut und Bau- und Düngekalk günstiger hergestellt werden könne, womit allerdings das staatliche Abbaumonopol aufgehoben worden wäre. Gegenüber den Privatkalkwerken von Nentmannsdorf, Braunsdorf usw., aber auch gegenüber dem aus dem Böhmischen importierten Kalk, waren bei den fiskalischen Kalkwerken nicht nur die Verkaufspreise höher, sondern oft auch durch mangelhafte Administration die Qualität des Kalks und die Rentabilität der Werke schlechter. Diese Entwicklungen dürften auch dazu beigetragen haben, daß das 1867 veröffentlichte, bekannte Gutachten von G. Wunder, A. Herbrig und A. Eulitz: ,Der Kalkwerksbetrieb Sachsens und die Ursachen der verschiedenen Kalkpreise in Sachsen' initiiert worden ist. Den Streitigkeiten zwischen Staatsfiskus und Grundeigentümern suchte man seitens des Amtes aus dem Weg zu gehen, indem man ‒ wie zuvor schon das Erbgericht ‒ nach und nach die für den Kalksteinabbau höffigen Flächen einfach zugunsten des Kalkwerkes erkaufte. Wie auch bei den Ämtern wollte der Fiskus die Erbgerichtsgüter natürlich aber nicht selbst bewirtschaften, sondern verkaufte oder verpachtete sie anschließend wieder und kassierte nur noch Zinsen und Zehnten. Obwohl bereits bei dem Verkauf des Richtergutes im Jahr 1711 der auf dessen Grund gelegene Kalksteinbruch ausdrücklich ausgenommen und dem Staat vorbehalten worden ist (vgl. 10050, Nr. 1641), bestanden noch lange Zeit ein ,Amtskalkwerk' und das Kalkwerk des Erbrichtergutes nebeneinander.
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Beispiele zu einigen dieser Streitigkeiten zwischen Staatsfiskus und Grundeigentümern führen wir im montanhistorischen Kapitel noch ausführlich an. Zuvor sei noch schnell ergänzt, daß Hermsdorf nach der Auflösung der Länder im Zuge der Bezirksreform in der DDR ab 1952 zum Landkreis Dippoldiswalde gehörte. Der Kreis kam 1994 zunächst zum Landkreis Weißeritzkreis und nach der vorläufig letzten Kreisreform im Jahr 2008 dann zum Landkreis Sächsische Schweiz- Osterzgebirge (wikipedia.de).
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Zur Geologie
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Die ersten systematischen geologischen
Untersuchungen gehen auch im Osterzgebirge auf die Geognostische
Landesuntersuchung Anfang des 19. Jahrhunderts zurück, die bekanntlich
durch Abraham Gottlob Werner initiiert worden ist.
Die älteste geognostische Beschreibung der Gegend von Frauenstein, die wir bislang aufgefunden haben, hat kein Geringerer, als der spätere sächsische Oberberghauptmann Sigismund Wolfgang August Freiherr von Herder im Jahr 1799 (in den Adelsstand wurde seine Familie erst 1802 erhoben) niedergeschrieben (40003, Nr. 7A). Zu dieser Zeit war er noch Student an der Bergakademie zu Freiberg. In seinem Bericht heißt es im Abschnitt (Blatt 290ff): D. Glimmerschiefergebirge. „Kaum sollte man vermuthen, daß eine Gebirgsmasse; die mit abfallendem Niveau ihres Ausgehenden, gewöhnlich an die niederen Gegenden des Gneusgebirges, oft schon, wie gerade beim mitternachtabendlichen Abfall des Erzgebirges um den Fuß oder doch unterhalb der Mitte des Abfallens herumgelagert ist, sich auch in einer so hohen Gegend wie die von Frauenstein und nahmentlich wie die von Zaunhaus und Hermsdorf gebildet hätte. Daselbst zieht sich das, noch durch einige dieser Formazion besonders eigene Gebirgslager charakterisirte Glimmerschiefergebirge quer über den Mittelpunkt des hierhergehörigen Theiles des Erzgebirgs- Rückens von Mitternacht Abend nach Mittag Morgen hin, und zeigt in Rücksicht seiner Lagerung einige interessante Verhältnisse. Zwischen den beiden hohen Granitkegeln, zu Zinnwalde und zu böhmisch Moldau, hat der Gneus eine muldenförmige Lagerung gebildet, die sich von Mittag Morgen nach Mitternacht Abend hinzieht, und die auf der Mittag Morgenseite plötzlich in den steilen Abfall des Erzgebirges nach Böhmen, auf der Mitternacht Abendseite aber, bei Oberhermsdorf sich erhebend, nach und nach in die allmählich abfallende Verflächung oberhalb Frauenstein ausgeht. Diese Gneusmulde hat daher an der Mitternach Abendseite eine weit weniger hohe Einlassung, als an der Mitternachmorgentlichen und Mittag Abendlichen Begrenzung, wo das Gneisgebirge, ansteigend im Niveau des Ausgehenden, beinahe die Gipfel der Granitkegel erreicht. In diese 3 Stunden lange Vertiefung nun ist, gleichförmig mit dem Gneuse, so wie auch mit abfallendem Niveau der ausgehenden, ein Glimmerschiefergebirge eingelagert, das diese Mulde immer enger und enger, bis beinahe 50 Lachter, einschließt und kaum für einige durchfließende Bäche Raum läßt. Die wilde Weißeritz fließt nämlich, von ihrem Anfange aus den Porphyrbergen, unterhalb dem böhmischen Dorfe Neustadt, größtentheils in dieser Glimmerschiefermulde, nach Mitternacht Abend herab. Dann (unleserlich?) sie sich allmählich bei Zaunhaus in die Mitternacht Morgenseite ein, und endlich unterhalb Seyde durch dieselbe gänzlich hindurch. Der Becherbach entspringt oberhalb des Hermsdorfer Grenzzollhauses, kommt nach und nach in die Glimmerschiefermulde herein und vereinigt sich mit der wilden Weißeritz bei der Seydaer Bretmühle. Mehr genannte Glimmerschiefermulde zieht sich aber weiter bis Oberhermsdorf herab, wo sie von der im Töpferwald entspringenden Gimmliltz gegen Abend durchbrochen wird...“
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Einige Seiten weiter im
Text (Blatt 296ff) kommt Herder dann auf den uns hier interessierenden Punkt zu
sprechen:
„Das zweite für den Glimmerschiefer charakteristische und ihm untergeordnete Gebirgslager ist ein Urkalksteinlager welches von angeführtem Urtrapplager wenigstens durch ein 30 Lachter mächtiges dazwischen liegendes Glimmerschieferlager getrennt ist, und bei Zaunhaus und 1½ Stunde davon gegen Mitternacht Abend bei Hermsdorf durch darinnen angelegte Brüche entblößt ist. Es sind genug Data vorhanden, die wahrscheinlich machen, daß die, an beiden verschiedenen und entfernten Orten, entblößten Kalksteinlager zusammenhängen, oder daß sie doch ein und derselbe chemische Niederschlag sind, wenngleich derselbe sich nicht allgemein, sondern nur partiell in diese Glimmerschiefermulde verbreitet haben sollte. Das Letztere scheint mir beinahe glaublicher, denn betrachtet man die Kalklager an beiden Orten nach Streichen, Fallen und Mächtigkeit genau, so wird man finden, daß sie nicht die ganz ausgezeichnetsten Criterien regelmäßiger Gebirgslager haben, sondern daß sie ziemlich unregelmäßig erscheinen und daher, wohl eher, der Natur großer liegender Stöcke nahe kommen dürften. Es wäre dann eben deswegen möglich, daß man in der Streichungslinie der beiden Kalklager, Std. 7 und 8, und zwar an der Mitternacht Morgenseite des Weißeritzthales, zwischen Hermsdorf und Zaunhaus, noch mehrere einzelne Kalksteinlager dieser Formazion auffünde. Hängen aber beide Lager wirklich zusammen, so ist wahrscheinlich, daß dieses mehr in der Tiefe stattfinden dürfte, weil auf der verlängerten Streichungslinie nichts von Kalkstein anzutreffen ist, und daher das Niveau des Ausgehenden des darauf gelagerten Glimmerschiefers wohl das Niveau des Kalksteinlagers, um ein Beträchtliches überstiegen haben mag. An beiden Orten ist der Kalkstein von blättrigem Bruche, von kleinkörnig abgesonderten Stücken, aber von verschiedenen Farben.“ Wir kommen in unserem
montanhistorischen
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Eine weitere Beschreibung der Gegend „am nordwestlichen Abfall des sächsischen Erzgebirges zwischen der Mulde und der Flöha am hohen Gebirgsrücken“ entstammt dem Jahr 1804, enthält jedoch nur das Areal südwestlich von Hermsdorf. Darin enthalten ist aber noch das südliche Gehänge des Töpferwaldes zur Mulde hin bei Holzhau. Der Bericht ist leider nicht unterzeichnet, so daß wir nicht wissen, von wem er verfaßt wurde. Die zugehörige Karte aber wurde von dem damaligen „Bergamtsprotokollisten“ Heinrich Wilhelm Meuder gezeichnet.
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Im Text der geognostischen Beschreibung heißt
es hierzu im Kapitel:
Allgemeine Übersicht der Gebirgsarten des bereisten Districts. im Abschnitt: b. Fremdartige Lager. „In dem Gneisgebirge finden sich mehrere fremdartige Lager, unter welchen sich besonders: Ein Kalksteinlager in der Gegend von Holzhau, am nördlichen Gehänge der Mulde auszeichnet, welches aus einem weißen, körnigen Kalkstein besteht, welcher viel Glimmer enthält. Es ist ohngefähr 2 bis 3 Lachter mächtig, und fällt so wie der Gneis, der sehr wellenförmig ist, 60° bis 65° in Mitternacht Morgen. Die bemerkte Struktur des Gneises, der viele in dem Kalkstein befindliche Glimmer und die Nähe des Granits, der nur etwa eine kleine halbe Stunde gegen Mittag von hier hervorstößt, charakterisieren dieses Lager züglich als eine der ältesten Formationen in der Kalksuite. Ein anderes Kalksteinlager mit Magneteisenstein, gemeiner Hornblende, Strahlstein usw. befindet sich unterhalb von Dorfchemnitz, an dem rechtsseitigen Gehänge des Chemnitzthales, wo der Wolfsgrund sich gegen Mittag hinauszieht. Indessen läßt sich von selbigem nichts mehr angeben, da der Bergbau, welcher auf diesem Lager stattfand, schon seit mehren Jahren auflässig geworden ist, und über Tage weder von jenen Fossilien, noch weniger das Lager selbst anstehend zu sehen ist.“ Während Dorfchemnitz zu weit außerhalb unseres Betrachtungsgebietes in diesem Beitrag liegt, widmen wir uns weiter unten im Text auch noch dem Vorkommen in Holzhau. Anfang des 19. Jahrhunderts scheinen nach diesem Bericht die Aufschlüsse in den Brüchen dort noch gut erkennbar gewesen zu sein, auch wenn sich der Autor leider nicht weiter über den hier umgegangenen Abbau äußerte. |
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Einen Zwischenbericht mit Datum vom 20. August
1818 zur geognostischen Untersuchung des Königreiches Sachsen, namentlich über
die dabei „aufgefundenen Lagerstätten gemeinnützlicher und besonders
brennlicher Fossilien,“ verfaßte „auf allerhöchsten Befehl“ der
damalige Obereinfahrer Carl Amandus Kühn (40003, Nr. 59). Darin notierte
er im zweiten Kapitel über den zwischen der Elbe und der Freiberger Mulde
gelegenen Teil Sachsens (Blatt 63ff) im Abschnitt: D. über Lagerstätten nicht
brennlicher nutzbarer Fossilien seines Berichtes über die
hiesigen Kalksteinvorkommen (Blatt 98ff):
§34.
„Unter den, in dem betrachteten Theile Sachsens vorkommenden Lagerstätten nicht brennlicher Fossilien möchte wieder des Kalksteins, und von diesem des Urkalksteins, zuförderst Erwähnung zu thun seyn, und unter den zahlreichen, sich von solchen findenden Lagern vor allen anderen der, durch Mächtigkeit, wahrscheinliche Verbreitung und Güte des Kalksteins, sowie dadurch, daß sie die einzige in der ganzen Umgebung ist, so bedeutend werdenden dergleichen, in Glimmerschiefer vorkommenden, Lagerstätte bei Zaunhaus und Hermsdorf. An ersterem Orte ist das 10° gegen Mittag fallende Lager durch dazwischenliegende Lagen von Nebengestein eigentlich in 3 Lager getheilt, welche zusammen eine Mächtigkeit von 4 Lachter haben. Der Kalkstein ist von der besten Qualität, von der man ihn nur finden kann, sehr rein in seiner Mischung und frei von beigemengten anderen Fossilien. Es sind darin bedeutende Brüche angelegt. Zu Hermsdorf finden sich 2 verschiedene Lager, welche nahe über einander vorkommen, und gegen Morgen fallen. Der Kalkstein des oberen, worauf 2 königl. Brüche liegen, ist aschgrau und wird vorzüglich zum Düngen benutzt, weil er auch ziemlich viel Quarz und Glimmer in sich enthält. Es bildet derselbe überdieß auch nur ½ – 1 Lachter mächtige und 2 – 4 Lachter lange und breite Stöcke im Glimmerschiefer. Das nur etwas tiefer liegende, auf dem sich ein richtiger Privatbruch befindet, führt einen reinen auf 20 Ellen mächtigen Kalkstein, der um deshalb auch häufiger zu Mörtel benutzt wird. Außer diesen Entblößungen hat man den Kalkstein vormals auch von den Zaunhäuser Brüchen und der (?) dem Weißeritz aus gegen Mittag Abend getroffen und selbst bebaut, so wie sich endlich auch im Töpferwalde, ohnweit der Hirschbach*), bei der sogenannten Streiff (?) und Brettelle**), 2 bis 2½ Lr. mächtig, gegen Morgen einschießend, von guter Beschaffenheit und nur mit etwas Glimmer gemengt findet, wo er auch abwechselnd gebrochen worden ist. Überblickt man die Lagerungsverhältnisse des dortigen Kalksteins sowie des Glimmerschiefers, in dem er sich vorfindet, in ihrem ganzen Zusammenhange, so wird es sehr wahrscheinlich, daß derselbe ein, in der dortigen 1½ Stunde langen und ½ Stündchen breiten Glimmerschiefergebirgsparthie völlig umlaufendes, und nur hier und da von seinem übergreifenden Dachgebirge bedecktes Lager, oder doch wenigstens eine Menge in demselben Niveau der Glimmerschieferschichten eingelagerter, nicht weit von einander entfernt liegender Stücke bilde, so daß die betrachtete Gegend einen unerschöpflichen Schatz von Kalkstein enthalten dürfte.“ *) Ein rechtsseitiger Zufluß der Mulde bei Holzhau. Auf dem Berliner Exemplar des Meilenblatts No. 314 von 1786 wird er als Die Hirschbach benannt, auf der Äquidistantenkarte, Blatt No. 100, Nassau, von 1880, als Hirschborn bezeichnet. **) Der Brettellenweg verläuft laut Meßtischblatt aus dem Jahr 1912 im Talgrund des Hirschbachs. Laut Berliner Exemplar des Meilenblatts No. 314 gab es unten an der Einmündung in das Muldental um 1786 eine Brettmühle (Sägemühle). Mit einer ähnlichen
Lagebeschreibung erwähnte auch Sigismund Wolfgang August Herder bereits
im Jahr 1799 ein Kalkstein- Vorkommen im
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Die Ergebnisse zahlreicher Exkursionen und Geländeaufnahmen durch Bergamtsmitarbeiter und Absolventen der
Bergakademie zu Freiberg im Rahmen dieser ersten systematischen geologischen
Landeskartierung flossen dann in die Geognostischen Karten des Königreiches
Sachsen und die diesen zugehörigen Erläuterungshefte ein, welche ab 1836
gedruckt worden sind. Unser Gebiet ist auf dem Blatt XI
der geognostischen Karten des Königreichs Sachsen enthalten, gedruckt 1846,
dargestellt.
Zu diesem Blatt gibt es nach unserer Kenntnis leider kein ausführliches Erläuterungsheft von Carl Friedrich Naumann, jedoch eine Kurze Uebersicht der auf Section XI der geognostischen Charte des Königreiches Sachsen und der angränzenden Länderabtheilungen dargestellten Gebirgsverhältnisse, gedruckt 1840 in Freiberg. Darin heißt es recht knapp: „Von denen, noch außerdem im Bereiche des Gneißes vorkommenden und theils innig mit ihm verbundenen, theils ihm nur aufgelagerten Bildungen sind besonders folgende zu erwähnen: 1) Glimmerschiefer; eine Partie bei Hermsdorf, wichtig durch die bedeutenden Stöcke von Kalkstein, welche sie umschließt; eine zweite Partie bei Rehfeld, gleichfalls mit Kalkstein, so auch die ganz kleine Partie bei Holzhau.“
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In dem 1867 gedruckten Auszug aus ihrem
Gutachten über den Kalkwerksbetrieb Sachsens und die Ursachen der
verschiedenen Kalkpreise in Sachsen wird von den Autoren nur das fiskalische
Kalkwerk in Hermsdorf angeführt. Das Walther'sche weiter südlich fand hier keine
Erwähnung.
Zum Betrieb der Kalkwerke wird unter Förderung bemerkt, daß auf den fiskalischen Werken zu Lengefeld und Hermsdorf je ein Wassergöpel zur Anwendung gebracht sei. In ihrer ausführlichen Beschreibung der Brennofentypen, und zwar unter IV. Oefen zu continuirlichem Betriebe mit großer Flamme, und c) Siemens’sche Gasöfen, wird erwähnt, daß ein solcher in Sachsen (im Jahr 1867) nur einmal, und zwar auf dem fiskalischen Werke zu Hermsdorf angetroffen worden sei. Sein Betrieb habe bislang „wenig befriedigende Resultate ergeben“, was aber auf „die mangelhafte Art und Weise, in welcher das an sich richtige Princip zur Anwendung gebracht worden ist“, zurückgeführt wurde. Darüber hinaus sind auch zum Kalkstein aus Hermsdorf chemische Analysen angeführt und zwar:
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Eine genauere Beschreibung findet man dann in
den Erläuterungsheften zu den in erster Auflage Ende des 19. Jahrhunderts
erschienenen, geologischen Karten des Königreichs Sachsen. Für diese Region
müssen wir das Blatt 118 dieser Karten, Section Nassau, zurate ziehen. Die
geologische Aufnahme zur ersten Ausgabe erfolgte durch den späteren Professor
für Geologie an der Bergakademie zu Freiberg, Richard Beck. Die auf dem
Blatt dargestellten Erzgänge gehen auf die Arbeiten von Hermann Müller
zurück.
Zunächst heißt es zu den Gesteinen des Schiefer- Dachs, welche hier bei Hermsdorf als Ausfüllung einer schüsselförmigen Mulde auf dem Gneis aufliegen: II. Phyllitformation 1. Glimmeriger Quarz- und Feldspathphyllit „Das bei weitem vorherrschende Gestein im Gebiete der Phyllitformation ist ein dickschiefriger metallisch glänzender, blaugrauer oder graugrüner Quarzphyllit. Derselbe besteht aus einem feinkörnigen Gemenge von Muscovit, einem grünen chloritischen Mineral und Quarz, wozu sich accessorisch Feldspath, Eisenglanz, Turmalin, Rutil und Magnetit gesellen... Normale Phyllite von mehr ebenflächigem Bruch und ohne jene quarzitischen Zwischenlagen kommen nur untergeordnet vor und sind dann meist durch fein im Gestein vertheilten Kohlenstoff etwas dunkeler gefärbt… Zuweilen stellt sich der Feldspath und zwar wie in den anderen Feldspathphylliten des Erzgebirges Albit – in zahlreichen stecknadelkopfgroßen Körnern ein. Die so entstehende locale Modifikation ist als Albitphyllit zu bezeichnen.“ Die Nummer 2. kommt in dieser Region nicht in Betracht, also weiter mit: 3. Schwarzer Phyllit (Graphitoidphyllit pc) „Südwestlich von Hermsdorf und nördlich von Holzhau, immer in inniger Verbindung mit Kalkphylliten und stets in deren Nachbarschaft treten schwarz gefärbte, auf dem Querbruch sammetglänzende Phyllite auf, meist ziemlich ebenschiefrige, oft aber auch sehr fein gefältelte Gesteine...“ Und schließlich heißt es unter: 5. Kalkphyllit und krystallinischer Kalkstein (k) „Kalkphyllite sind Phyllite, an deren Zusammensetzung sich Kalkspath beteiligt. Er tritt nicht nur in Form von gleichmässig im Gestein verteilten Körnern, sondern auch zu krystallinen Aggregaten angehäuft auf und bildet dann dünne Lagen und Schmitzen, oder auch kleine Linsen, welche an einigen Punkten zu mächtigen linsenförmigen Einlagerungen von reinem krystallinischem Kalkkstein anschwellen. Die Kalkphyllite sind namentlich westlich von Hermsdorf verbreitet, wo sie zugleich drei grössere Kalklager einschließen, aber auch auf der kleinen Phyllitinsel nördlich von Holzhau vorhanden. Nirgends treten sie jedoch selbstständig auf, sondern immer in inniger Verbindung mit normalem Quarzphyllit, mit schwarzen Phylliten, seltener auch mit Quarzitschiefern und dünnen Lagen von Hornblendeschiefern. Diese Verhältnisse lassen sich am besten in den vier verlassenen Brüchen am Schwertweg nördlich von Holzhau beobachten. Man hat hier im vorigen Jahrhundert (also im 18. Jahrhundert) eine Anzahl kleiner Kalksteinlinsen abgebaut, die in sehr unregelmässig gelagerten, im allgemeinen aber NNW. streichenden und nach O. einfallenden Phylliten eingeschaltet waren...“ Von den hier genannten, vier Steinbrüchen am
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Die Bezeichnungen auf der Karte bedeuten: Pc = carbonischer Quarzporphyr, pq = glimmeriger Quarz- und Albitphyllit, pg = granatführender Albitphyllit, pc = schwarzer Phyllit, mit horizontal unterbrochener, blauer Schraffur = „Kalkphyllit“, mgn = normaler, glimmerarmer Muskovitgneis („Rother Gneiss“), gnk = mittel- bis feinkörniger, schuppiger Biotitgneis, k = Kalkstein.
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Weiter heißt es im Erläuterungsheft: „Die
zahlreichen alten Pingen und Brüche nördlich vom Hermsdorf‘er fiskalischen
Kalkwerke sind ebenfalls durch den Abbau der hier oft dicht geschaarten kleinen
Kalklinsen verursacht worden, welche zwischen den vielfach gewundenen Lagen des
Kalkphyllites und Quarzphyllites eingeschaltet sind. Folgendes Profil, einer
Wand der Pinge östlich von Sign. 722.0 entnommen, giebt ein Bild von diesen
Verbandsverhältnissen.“
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„Ähnliche Profile gewahrt
man in der Pingen hart an der Landstrasse südlich von Sign. 749.2. Hier stellen
sich zugleich im krystallinischen Kalkstein unbedeutende Nester von Erzen ein,
und zwar von Eisenkies, Bleiglanz, Kupferkies und Zinkblende...
Die drei beträchtlichsten Einlagerungen von krystallinischem Kalkstein werden im fiskalischen Hauptbruch und in dem Bruch bei Sign. 755 (Walther‘s Bruch) abgebaut. Über die chemische Zusammensetzung des hier zuckerkörnigen, rein weissen, selten in Folge von Beimengung kleiner Eisenkieskryställchen, Chloritschüppchen und Quarzkörnchen graublau gebänderten Kalksteins geben folgende von E. Geissler in Dresden im Auftrage des königl. Forstrentamtes zu Frauenstein ausgeführten Analysen Aufschluss:
Außer den oben genannten mineralischen Beimengungen des Kalksteins sind noch unregelmässige Putzen von lichtgrünem Speckstein zu erwähnen, wie sie zuweilen im fiskalischen Bruch angetroffen werden. Die Lagerungs- und Verbandsverhältnisse dieser Kalke sind in Folge des beträchtlichen auf ihnen umgehenden Abbaus sehr klar aufgeschlossen (siehe Fig. 2).“
Auf diese Abbildung bezieht sich auch Berginspektor
Roch in seinem
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„Im Hauptbruch sieht man
dicht neben einander zwei mächtige linsenförmige Einlagerungen von Kalkstein im
Kalkphyllit und Quarzphyllit aufsitzen. Sie streichen NNW. und fallen sehr flach
nach NO. ein. In der westlichen Abtheilung des Bruches wird das untere der
beiden Lager abgebaut, welchem en Versuchsstolln auf über 65 m Länge in der
Richtung OSO. gefolgt ist, ohne bis jetzt das Hangende des Kalksteins erreicht
zu haben. Die Mächtigkeit des letzteren beträgt mehr als 20 m. Nach W. zu keilt
es sich jedenfalls sehr bald aus, wie beistehendes Profil 3 zeigt.
In dem ebenfalls sehr mächtigen hangenden Lager des hinteren mehr nordöstlich gelegenen Bruches ist die ursprüngliche Lagerung sehr gestört. Man bemerkt hier (vergleiche das Profil Fig. 2) an der südöstlichen Wand des Bruches eine Reihe von steil unter 60-65° gen O. einfallenden Klüften. Zwei derselben haben eine treppenförmige Verwerfung verursacht, längs welcher die Hauptmasse des Lagers fast um seine Gesamtmächtigkeit in die Tiefe abgesunken ist. Auch das im Walther’schen Bruche aufgeschlossene Kalklager besitzt eine Mächtigkeit von über 24 m. Der Kalkstein zeigt hier sehr deutliche Schichtung, mit einem Streichen nach NW., und einem Einfallen von 10-30° gen NO. Sein Hangendes wird von Kalkphylliten und dünnschiefrigen Graphitoidphylliten gebildet. Das Ausgehende des Kalksteins unter der Humus- oder Schuttdecke hat, und zwar namentlich auffällig im fiskalischen Bruch, durch den auflösenden Einfluss der Tagewässer eine karrenfeldähnliche, zackig zerfressene Oberfläche angenommen.“
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„Die Hauptmasse des zu Hermsdorf gewonnenen
Kalksteines wird an Ort und Stelle gebrannt, ein geringer Theil geht an
auswärtige Kalköfen. Kleinere Quantitäten werden zur Herstellung von Mosaikböden
oder für andere technische Zwecke begehrt. Ueber den Umfang des jetzigen
Betriebes geben die folgenden Ziffern Auskunft:“
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Außerdem erfahren wir noch aus dem Abschnitt
III.
Die productive Steinkohlenformation (S. 18ff) unter Allgemeine
Lagerungsverhältnisse über den Umfang des Betriebes des Schönfelder
Kohlenbergbaues (S. 29): „Die in Schönfeld auf dem fiskalischen Werke gewonnene
Glanzkohle wird jetzt ausschließlich zum Kalkbrennen in den nahen Kalkwerken
Hermsdorf und Zaunhaus verwendet. Über den Umfang des Betriebes giebt folgende
von Markscheider Städter in Altenberg zusammengestellte Productionstabelle
Auskunft.“
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Auch Berginspektor
Roch befand in seinem
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Einmal neugierig geworden, schlagen wir
natürlich auch diesbezüglich in den Erläuterungen zum geologischen Kartenblatt
Nr. 118 nach und finden dort die folgenden Informationen. Es heißt in der
Einführung:
„Dem Urgebirge ist bei Schönfeld und Seyda die productive Steinkohlenformation aufgelagert. Sie besteht zum grössten Theil aus porphyrischem Material, aus einer Quarzporphyrdecke und Porphyrtuffen, aber auch aus Gneissconglomeraten und Kohlenflötzchen, auf welchen letzteren in Schönfeld Bergbau umgeht...“ Wie in den Erläuterungsheften üblich, widmet der Autor den ob ihrer Steinkohlenführung wirtschaftlich meist bedeutsamen, karbonischen Ablagerungen auch hier ein eigenes Kapitel: III. Die productive Steinkohlenformation. „Die Steinkohlenformation tritt auf Section Nassau in zwei nahe benachbarten, ursprünglich zusammenhängenden und nur durch Erosion von einander getrennten Arealen bei Schönfeld und zwischen Seyda und Hermsdorf auf. Die Steinkohlenformation von Schönfeld ist neben der von Brandau (das tschechische Brandov) die bedeutendste jener mitten im Gneissgebiet des östlichen Erzgebirges gelegenen, isolirten Ablagerungen der Carbonzeit. Sie erstreckt sich unterhalb der oberen Hälfte des genannten Dorfes, bildet dessen nächste Umgebung und dehnt sich, zum Theil durch eine wahrscheinlich der Rothliegend-Zeit angehörende Porphyrdecke verhüllt, nach O. und SO. bis an die Sectionsgrenze aus, um auf der östlich angrenzenden Section Altenberg bis in die Gegend von Bärenfels und Schellerhau sich fortzusetzen. Das kleinere Areal zwischen Seyda und Hermsdorf (...) besitzt einen grössten Durchmesser von etwa 2 km. In beiden benachbarten Gebietes treten geschichtete Ablagerungen hinter einer mächtigen Porphyrdecke bei weitem zurück, welche zwischen dieselben eingeschaltet ist und sie in eine ältere und in eine jüngere Stufe trennt. Man erhält daher folgende Gliederung des Schönfeld-Hermsdorfer Carbons:
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1. Die untere oder vorporphyrische Stufe (st1). „Bei Schönfeld und zwar östlich von diesem Orte ist diese Stufe durch ein Gneissconglomerat vertreten, welches an der Böschung der aus dem Weisseritz-Thal nach Bärenfels führenden Strasse nordöstlich der Bretmühle ansteht. Dieselbe bildet eine wenig mächtige Ablagerung, welche discordant auf den Muscovitgneissen ruht… Ausser am Weisseritzthale ist diese vorporphyrische Stufe an der Essig-Mühle zwischen Seyda und Hermsdorf durch bergmännische Versuchsbaue nachgewiesen worden. Mit einem dicht bei der Mühle am westlichen Thalgehänge nach NW. getriebenen Stolln, sowie mit einem ca. 100 m nordwestlich davon am Gehänge im Jahre 1810 angesetzten Versuchsschachte stiess man unter der Quarzporphyrdecke, wie der noch vorhandene Haldensturz lehrt, auf (...) dunkelgefärbte Quarzsandsteine, (...) sowie auf kohlige Schieferthone mit unbedeutenden Schmitzen und Lagen von Glanzkohle...“ 2. Lager und intrusive Massen von Quarzporphyr (Pc). „Der carbonische Quarzporphyr von Schönfeld- Hermsdorf besitzt eine lichtgraue oder aschgraue, zuweilen schwach in´s grünliche spielende Grundmasse, in welcher ziemlich vereinzelte kleine Quarzkörner, viele Biotitschüppchen und zahlreiche weissliche, seltener wasserklare, ebenfalls nur kleine Einsprenglinge von Feldspath eingebettet liegen...“ 3. Die obere oder nachporphyrische Stufe (st2). „An der Zusammensetzung der oberen Stufe des Schönfelder Carbons betheiligen sich Gneissconglomerate und Kohlensandsteine, Porphyrtuffe und Porphyrconglomerate, Schieferthon nebst Glanzkohlenflötzchen... In der Nähe der Glanzkohlenflötze enthalten die Tuffe häufig nur noch vereinzelte Porphyrbröckchen und gehen so in schwärzliche Kohlensandsteine oder Arkosen über. Aus äußerst feinen, an pflanzlichen Substanzen reichen Schlammabsätzen ist endlich das dunkel gefärbte, muschelig brechende, beim ersten Anblick lyditähnliche Gestein gebildet, welches von den Schönfelder Bergleuten als „Horn“ bezeichnet wird und in inniger Verbindung mit der Glanzkohle vorkommt. Verfestigt ist dieses Absatzproduct von kohligem Schlamm durch eine Imprägnation von Kieselsäure, z. Th. auch von Kalkcarbonat... Die Glanzkohle ist dickschiefrig, spröde, auf den muscheligen Bruchflächen metallisch glänzend und besitzt nach W. Stein das specifische Gewicht 1,526-1,627 und (...) 86,29 % Kohlenstoff. Die Bezeichnung „Glanzkohle“ wurde der häufig für das Schönfelder Vorkommnis angewandten „Anthracit“ vorgezogen, weil man gemeinhin unter Anthracit viel kohlenstoffreichere, meist über 90 % haltige Kohlen versteht... Auf Klüften der Glanzkohle findet sich sehr häufig Kalkspath ausgeschieden, auch Anflüge und Concretionen von Eisenkies kommen in demselben vor. Seltener wurden Incrustate von Gyps mit unvollkommen ausgebildeten Krystallen beobachtet... Die obere Stufe des Carbons ist ausschließlich in der nächsten Umgebung von Schönfeld entwickelt. Sie bildet hier, soweit die Aufschlüsse erkennen lassen, auf der Decke des carbonischen Porphyrs eine flache Mulde, welche nach Nord zu vom jüngeren Teplitzer Porphyr gänzlich bedeckt wird (...) Die mächtigste Entfaltung und damit den breitesten Ausstrich erlangt die obere Stufe am oberen Ende des Dorfes Schönfeld, wo sie zugleich durch den Grubenbetrieb am besten aufgeschlossen ist... Speziellere Gliederung. Die Schönfelder Grubenanlagen, besonders der Tiefe Hilfe Gottes Stolln, dessen Mundloch sich etwa 125 m unterhalb der Kirche nahe der Thalsohle befindet und der von hier auf über 700 m Entfernung in der Richtung nach NO. getrieben ist, bieten hinreichende Aufschlüsse dar, um die speziellere Gliederung der oberen Stufe des Carbons in diesem Theile der Mulde von Schönfeld festzustellen... Bei Jahrestafel 1824 des Stollns (...) werden die Conglomerate und Kohlensandsteine von mächtig entwickelten Porphyrtuffen concordant überlagert, welche von da an die gesamte hangende Partie der oberen Stufe zusammensetzen und denen die verschiedenen Glanzkohlenflötzchen regelmässig eingeschaltet sind... Die Flötze gehören zwei Horizonten innerhalb dieser Tuffe an. Der unterste derselben führt nur ein Flötz, das sogenannte Römer’sche Lager, welches 1 m Mächtigkeit besitzt... Es ist nur auf geringe Erstreckung abgebaut und bald wegen seiner geringen Mächtigkeit wieder aufgegeben worden... Nachdem der Stolln von hier aus in östlicher Richtung etwa 190 m Porphyrtuff durchörtert hat, (...) gelangt er in den zweiten höheren Flötzhorizont, in welchem man von unten nach oben folgende, nur durch wenig mächtige Zwischenmittel von Schieferthon, Kohlensandstein und Porphyrtuff von einander getrennte Flötze unterscheidet:
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Das jetzt durch den Neuschacht in Abbau begriffene Hauptflötz wurde in seinem südlichen Theile früher das Mittägige oder Hähnel’sche Lager genannt, in seiner nördlichen Fortsetzung als Neuglücker Lager bezeichnet... Die Mächtigkeit der Glanzkohle schwankt in diesem Lager zwischen 0,25 m ‒ 2 m... Nach Norden zu nähert sich das Hauptflötz sehr dem Jacober Flötz in seinem Liegenden und legt sich vielfach ganz an dasselbe an... Das Jacober Flötz, welches durch den oberen oder Jacobstolln gelöst war, ist in früherer Zeit weit nach N. zu abgebaut (...) worden. Jene alten Baue sind jetzt verbrochen. Aus A. v. Weissenbach’s Darstellung (vgl. auch 40006, Nr. 63) wissen wir doch über die hier herrschenden Verhältnisse folgendes: Das Jacober Flötz besaß eine Mächtigkeit von 1 m ‒ 4 m, innerhalb deren sich jedoch dort, wo es sehr mächtig war, eine Zwischenmittel von Kohlensandstein, Schieferthon oder Porphyrtuff einstellte... Bei dem (...) Puncte westlich von der Schmiede wurde das hier 2 m mächtige Flötz plötzlich durch eine NNO. Streichende, unter 70° ‒ 80° gegen W. fallende Verwerfung abgeschnitten und nicht mehr aufgefunden. Das Walter’sche Flötz wurde durch den Altglücker Querschlag im Hangenden des Hauptflötzes angefahren, aber unbauwürdig befunden. Es ist 0,25 m mächtig... Meist besteht es nur aus Schieferthon und Kohlensandstein...“ Das unterste Flötz hat seinen Namen bestimmt von der Familie Römer erhalten, die unweit von Schönfeld im Zinnerzbergbau von Altenberg viele Spuren hinterlassen hat. Tatsächlich befand sich das Kohlenwerk von Schönfeld ab 1799 (vgl. 13566, Nr. 050 und 40006, Nr. 227) und noch bis 1871 im Besitz der Altenberger Zwitterstocksgewerkschaft; erst in diesem Jahr erwarb es der königl. sächs. Staatsfiskus, weil man die Kohlen für den Betrieb der umliegenden fiskalischen Kalkwerke selbst nutzen wollte (vgl. 40122, Nr. 2-K1 und Nr. 2-K2). Ob es sich bei dem Namensgeber für das oberste Steinkohlenflöz aber um denselben Herrn Walther handelte, wie beim Walther'schen Kalkbruch, wissen wir noch nicht. Schließlich heißt es in den Erläuterungen aus dem Jahr 1887 noch:
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„An bestimmbaren
Pflanzenresten hat die obere Schönfelder Steinkohlenformation bisher nur sehr
wenige Species geliefert, die von H. B. Geinitz untersucht wurden. Es
sind folgende:
Sie wurden von Geinitz theils in der Grube, theils auf der Halde des Germann’schen Versuchsstollns im Pöbelthale aufgefunden. Geinitz parallelisirt nach diesem Befunde die Schönfelder Kohlenlager mit der Sigillarien- Zone oder dem tiefen Planitzer Flötze bei Zwickau.“ Aus dem betreffenden Band des Postlexikons von Sachsen kann man herausfinden, daß besagter Herr Germann (oder auch Hermann geschrieben) zu dieser Zeit Rentbeamter in Frauenstein gewesen ist. Nach den Angaben in den Jahrbüchern für das Berg- und Hüttenwesen für das Königreich Sachsen wurde der Steinkohlenbergbau durch das fiskalische Kohlenwerk zu Schönfeld 1897 eingestellt. Auch danach gab es jedoch noch mehrfach Versuche einer Wiederaufnahme (vgl. 40073-1, Nr. 33). Die Geschichte des Anthrazitwerkes Glück Auf zu Schönfeld ist uns jedenfalls zukünftig einmal einen separaten und umfassenderen Beitrag wert.
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Deshalb kehren wir wieder zurück zum Kalkstein: Die Bergbaumonographie
Marmore im Erzgebirge
führt die Vorkommen bei Hermsdorf unter den Nummern
Das erstgenannte findet man nur im Anhang der Monographie. Stratigraphisch wird das Vorkommen bei Holzhau in die Thum-Gruppe eingeordnet, einem Äquivalent der Herold-Formation im Mittelerzgebirge, die dem oberen Mittelkambrium oder tiefen Ordovizium angehört. Vermutlich gehören auch die Marmorvorkommen auf böhmischer Seite bei Vápenice u Moldavy diesem Horizont an. Petrographisch wird das dortige Nutzgestein als unreiner, dolomitarmer Flaserkalk beschrieben, welcher als 1 m bis kleiner 5 m mächtige Linsen in innigem Verband mit Kalkphyllit, Quarzphyllit und schwarzen graphitführenden Phylliten, seltener mit Quarzitschiefern und dünnen Lagen von Hornblendeschiefern auftritt. Wir haben natürlich einmal nachgeschaut, was
man am
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Da die Lagerstätte bei
Hermsdorf noch bis 2016
in Abbau stand, liegen zu dieser umfangreiche, aktuelle geologische
Untersuchungsergebnisse vor. Da wir es auch nicht besser könnten, zitieren wir
deshalb im Weiteren einmal größere Abschnitte aus der Bergbaumonographie.
Stoffbestand des Nutzgesteins: In der Hermsdorfer Marmorlagerstätte existieren mehrere Rohstoffsorten, deren Qualität von der genetischen Stellung des jeweiligen Metakarbonathorizontes in der Lagerstätte abhängig ist. Die unterschiedlichen Eigenschaften der Rohstofftypen leiten sich neben der geochemischen Differenzierung vor allem aus dem unterschiedlichen mineralogischen Gefügeaufbau als Edukt aus den sedimentären bis metamorphen Bildungsbedingungen ab. Die fünf weißen Marmorhorizonte (K0, K2-K5) von Hermsdorf bestehen überwiegend aus Kalzit mit geringen, wechselnden Anteilen von Dolomit, Quarz, Kalifeldspat und diversen Phyllosilikaten (Klinochlor, Phlogopit, Sodalith, Muskovit/Phengit, Illit, Vermiculit, Talk und Chlorit; LÖSCHAU 1982, BANKWITZ & FRIEDEL 1996, DICKAS 1999). Die kalzitischen Karbonatanteile sind deutlich metamorph beeinflusst und in den Prozess der Foliationsbildung einbezogen worden. Diese geringfügige Beeinflussung des Marmors durch die Bildung der Schieferungsflächen wird durch die lagenweise Anordnung von Dolomit, Quarz, Chlorit und Hellglimmer sowie durch Korngrößenunterschiede der Kalzite abgebildet, die dem Metakarbonat eine feine Bänderung verleihen.
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Die einzelnen Kalzitkristalle zeigen überwiegend ein granoblastisches Korngefüge, deren Einzelaggregate meist nur eine geringfügige Verzwilligung und Formregelung aufweisen. Die meisten dieser Deformationszwillinge sind gerade, rotierte Zwillinge ohne Knickungen. Eine solche Verzwilligung ist typisch für kristallplastische Deformation unter epi- bis mesothermalen Temperaturbedingungen von ca. 300° C (BANKWITZ & FRIEDEL 1996). Der K0-Horizont in den liegenden Phylliten wurde erst in den letzten Jahren näher untersucht und gelangte 1998 erstmals zur Gewinnung. Die durchschnittliche Korngröße der Kalzite liegt bei 0,06-0,2 mm. Der Horizont ist wegen seiner großen Tiefenlage bisher nur sporadisch erkundet worden. Er erreicht nur lokal eine abbauwürdige Mächtigkeit. Der Horizont zeichnet sich durch einen hohen Weißgrad aus und könnte deshalb in der Zukunft noch an Interesse gewinnen. Der K2-Horizont, der tiefste Weißkalk-Horizont des Marmor-Komplexes, ist gekennzeichnet durch einen ausgezeichneten Weißgrad. Er besitzt die Fähigkeit, dass Marmorscheiben dieses Horizontes in einer Stärke von wenigen Zentimetern durchleuchtet werden können. In dieser Eigenschaft ähnelt er den weißen Carrara-Marmoren (Bianco, Statuario, Fantastico). Die durchschnittliche Korngröße der Kalzite liegt bei 0,06-0,2 mm. Der K3-Horizont ist der flächenhaft am weitesten in der Lagerstätte verbreitete „Weißkalk“-Horizont. Die Gewinnungsarbeiten in den Tagebauen „Waltherbruch“ und „Fiskalischer Bruch“ waren auf diesem Horizont angelegt. Mächtigkeiten bis zu 30 m in abbauwürdiger Qualität waren ursprünglich vorhanden. In dem K3-Horizont treten zwei unterschiedliche Typen von Kalzit auf. Es sind ein Typ A, der klein- bis zuckerkörnig ist (Korngröße: 0,2-0,6 mm) sowie ein Typ B, der sehr feinkörnig mit milchigem Aussehen (Korngröße: <0,06 mm) ist. Zwischen beiden Typen existiert häufig eine Lagentextur in Form einer Feinbänderung. Die K4- und K5-Horizonte können wegen eines einheitlichen Stoffbestandes und mineralogischen Aufbaus gemeinsam dargestellt werden. Die Marmore dieser beiden Horizonte besitzen ein granoblastisches Gefüge. Es treten aber auch blastokataklastische Mörtelgefügeanteile auf (LÖSCHAU 1982). Die Korngröße ist als feinkörnig zu bezeichnen und schwankt zwischen <0,06 und 0,2 mm. Die Kornform der Kalzite ist isometrisch. Es herrschen mosaikartige Bindungen vor. Im Gefüge ist eine undeutliche Regelung (Foliation) erkennbar. Als Besonderheit treten im K5-Marmorhorizont am Hangendkontakt zum Phyllit bankige Einlagerungen aus weißem bis hellgrauem Dolomit auf. Neben den kalzitischen Typen treten auch zusätzlich Metakarbonate mit dolomitischer Zusammensetzung auf. Der K1-Horizont ist durch diese Besonderheit charakterisiert. Er besitzt in der Hermsdorfer Lagerstätte die größte räumliche Verbreitung und dies bei einer durchschnittlichen Mächtigkeit von 20 m. Die Entstehung des dolomitischen Marmors ist zweifelsfrei sekundär, da in der Lagerstätte in den Liegendpartien dieses Horizontes an diversen Stellen in Grubenbauen ein bankiger Kalzitmarmor (Ø CaO 44,6 %, MgO 3,1 %) aufgeschlossen ist, der mit scharfer Grenze vom Dolomitmarmor quer durch die Bankung abgeschnitten wird (z. B. Strecken 404, 404/8 und 452). Das charakteristische Merkmal des Hermsdorfer Dolomitmarmors ist seine Brekziierung und die damit verbundene mausgraue Färbung des Metakarbonatgesteins, weshalb es in der Vergangenheit den Namen „Graukalk“ erhielt (GOTTE 1960, 1963). Der Dolomitmarmor besteht aus einer Brekzienmatrix von grauen, isometrischen, eckigen Bestandteilen von 1-2 cm³ Korngröße, die von einer weißen Trümermineralisation aus grobkörnigen, umgelagerten Sekundärkalzit unregelmäßig durchzogen wird. Die grauen Dolomitbestandteile machen über 80 % der Anteile des Gesamtgesteins aus. Die Korngröße der Dolomitaggregate schwankt zwischen 0,03-0,1 mm. Die graue Färbung des Dolomitmarmors resultiert aus einer starken Durchstäubung des Gesteins mit Flüssigkeits- und Gaseinschlüssen sowie einer Belegung der Korngrenzen der Karbonatkristalle mit Chlorit von sehr geringer Korngröße. Quarz und Talk treten dagegen nur völlig untergeordnet im Dolomitmarmor auf. Graphit oder organische Substanzen fehlen völlig. Der K1-Horizont ist allgemein bekannt geworden durch seine Blei- Zink- Vererzung (vgl. Abb. 67), die Gegenstand eines eigenständigen Erkundungsprogramms war (OELSNER 1958, GOTTE 1960, 1963). Die Vererzung wird mit den MVT- Lagerstätten genetisch in Verbindung gebracht. MVT = Schichtgebundene Blei- Zink- Vererzungen vom Mississippi Valley Typ (bei SCHNEIDERHÖHN Typus Oberschlesien) mit kolloider Ausfällung und mehrfacher Umlagerung der Sulfide in Zusammenhang mit Gleitbewegungen sowie Dolomitisierung und Brekziierung der ursprünglichen Karbonate. Ausführliche Beschreibung der Vererzung bei OELSNER (1958). Als typische Erzminerale werden mikroskopisch Sphalerit, Galenit, Pyrit, Chalkopyrit und Bournonit beschrieben... Reiche Vererzungen bestehen aus 2,5-4,5 % Zn und 1-1,5 % Pb.
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Im Marmor treten kluftkontrollierte Verkarstungen tertiären Alters auf. Es erfolgt eine Zunahme der Verkarstung vom Liegenden zum Hangenden über alle Marmorhorizonte hinweg. Der größte Karsthohlraum wurde 30 m unter der Erdoberfläche mit einer begehbaren Länge von 28 m im K5-Horizont angetroffen. Bemerkenswert ist die rezente Bildung von Höhlenperlen in Tropfwasserstellen des K1-Horizontes. Verskarnungen auf klassischer silikatischer Basis wurden bisher im Marmor nicht beobachtet. Es tritt aber selten als mineralogische Besonderheit im K5- Horizont eine Verdrängung des Marmors durch blauen Fluorit auf. Die Nähe der ehemaligen Fluoritlagerstätten Moldava mit dem Gang Josef dürfte hierfür die Ursache sein. Als besonderes Charakteristikum wurde bereits in mehreren Teilen der Lagerstätte zwischen dem K2- und dem K3-Horizont eine bis 5 cm mächtige Sphaleritvererzung im Phyllit angetroffen. Die charakteristische rote Färbung des Sphalerits lässt auch unter untertage eine eindeutige Ansprache zu. Die Vererzung weist 10 % Zn und 2 % Pb auf. Auffallend ist ferner der sehr hohe Ce-Gehalt mit 265 g/t. Diese geringmächtige Mineralisation dürfte eine echte Skarnbildung im karbonathaltigen Phyllit darstellen. Die Basis der Hermsdorfer Phyllitscholle wird durch eine Wechsellagerung aus Chlorit-Hornblendeschiefer und Phyllitglimmerschiefer gebildet. In den folgenden monotonen granatführenden „liegenden Phylliten“ treten nur völlig untergeordnet geringmächtige Marmorablagerungen (K0) auf. Die Mächtigkeit dieser ganzen Basisabfolge schwankt zwischen 50 und 200 m. Sie kann tektonisch bedingt auch fehlen (SE-Teil der Lagerstätte - Schickelshöhe). Den höheren Hauptteil der Hermsdorfer Phyllitscholle bilden Marmore und Phyllite in unterschiedlicher Ausbildung. Momentan sind 5 Marmorhorizonte bekannt (GOTTE 1960, 1963, BEHR 1964, ANDRICH 1984, GOTTE 1993), die als Marmorkomplex zusammengefasst werden können (vgl. lithostratigraphisches Normalprofil). Die „hangenden Phyllite“ sind horizontweise stark graphitisch und frei von Marmorlagern. Die einzelnen Marmorhorizonte sind grundsätzlich durch phyllitische Zwischenmittel voneinander getrennt. Die Zwischenmittel differieren stark in ihren Mächtigkeiten und führen häufig geringe Karbonatanteile. Ursache für die Mächtigkeitsschwankungen sind flache Abschiebungen oder Stapelungen während der Faltung des gesamten Schichtpaketes, wobei die Phyllite ideale Gleithorizonte bildeten und dabei häufig mylonitisiert wurden. Die große Plastizität der Zwischenmittel kann bis zur völligen Ausdünnung führen, so das Marmorhorizonte direkt aufeinander liegen.
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Rohstoffeigenschaften: Der Kalzitmarmor von Hermsdorf besitzt ein granoblastisches Kristallgefüge. Daraus lässt sich ein gleichmäßiges rhomboedrisches Korn vermahlen. Charakteristisch für den Marmor ist der hohe Weißgrad (-96,5 %). Die Armut an Eisenmineralen garantiert einen geringen Rot- und Gelbwert. Graphit und Kohlenwasserstoffverbindungen fehlen grundsätzlich im Hermsdorfer Marmor. Damit werden vorzügliche farblich-optische Eigenschaften in den Endprodukten erreicht. Die metamorphen Bildungsbedingungen haben den Hermsdorfer Kalzitmarmor mit günstigen Eigenschaften wie geringer Wasseraufnahmefähigkeit (0,25 Masse-%), guter Lumineszenz, hoher Frostbeständigkeit (0,34 Masseverlust-%), Druckfestigkeit (87,2 N/mm²), Biegezugfestigkeit (12,0 N/mm²) und Abreibfestigkeit ausgestattet. In wässriger Suspension stellt sich für Marmorprodukte ein pH-Wert von 8,5 bis 9,5 ein. Bergtechnische Bedingungen: Die bergmännische Gewinnung erfolgte früher auch übertägig (Abb. 70), heute ausschließlich untertägig. Aufgeschlossen ist die Lagerstätte über eine 1,2 km lange Rampe. Die Gewinnung erfolgt im Kammer- Pfeiler-Bauverfahren im homogenen Raster von 8 x 8 m. Je nach Mächtigkeit der Karbonathorizonte ist ein ein- bis zweischeibiger Abbau konzipiert. Die Grube ist mit LHD-Technik ausgestattet. Die Sprengbohrlöcher werden mit elektrohydraulischen Bohrwagen hergestellt. Als Ladetechnik finden Fahrschaufellader Verwendung. Die Förderung erfolgt über die Rampe mit 10 t-Muldenkippern bis zum Vorbrecher in der Aufbereitungsanlage. In der Aufbereitung Hermsdorf werden ausschließlich Füllstoffe (Handelsname Saxolith) produziert. Der besonders feinteilige und weiße Füllstoff hat pigmentähnliche Eigenschaften, niedriges Absorptionsvermögen sowie gute Wetter- und Alterungsbeständigkeit. Er zeichnet sich außerdem durch leichte Dispergierbarkeit, gleichmäßige Kornverteilung und sauberen Trennschnitt aus. Produkte aus der Lagerstätte Hermsdorf sind langfristig verfügbare Rohstoffe für die Farben- und Putzindustrie, Bauchemie sowie die Betonindustrie. Hydrologische Verhältnisse: Wegen der Nähe zur Oberfläche machen sich Starkniederschläge und die Schneeschmelze sofort in der Lagerstätte über den Karstaquifer bemerkbar. Es mussten ausreichend Staumöglichkeiten in der Grube geschaffen werden, um diese zeitlich begrenzten Hochwassermengen zu beherrschen. Der quellfähige Phyllit bildet einen Grundwasserstauer, so dass sich Wasserwegsamkeiten vor allem in den Marmorhorizonten ausgebildet haben. Im Durchschnitt mussten in den letzten 10 Jahren jährlich 250.000 m³ an Grubenwasser gehoben werden. Über einen Zwischensumpf mit Koaleszensabscheider und den noch intakten 150 Jahre alten Abwasserstollen wird das Grubenwasser in die Gimmlitz eingeleitet. Das Grubengebäude einschließlich Tagesanlagen liegt in der Trinkwasserschutzzone III. Das Grubenfeld von Hermsdorf befindet sich in einem ökologisch sehr spezialisierten Umfeld. Neben dem Trinkwasserschutzgebiet sind der „Waltherbruch“ Flächennaturdenkmal, die Gimmlitzaue Naturschutzgebiet sowie große Teile des Bergwerksfeldes FFH- Gebiet (Nr. 83 der Landesliste).
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Letzteres birgt gewöhnlich großes
Konfliktpotential. Wir haben aber hier vom Gegenteil gehört und zitieren daher
äußerst gern aus der Internetseite der Grüne Liga Osterzgebirge e. V. in
Dippoldiswalde (osterzgebirge.org) das Folgende:
Kalkwerk Hermsdorf und Naturschutzgebiet Gimmlitzwiesen „Es geschieht wahrscheinlich nur selten, dass Naturschützer wegen der drohenden Schließung eines Industriebetriebes Sorgenfalten bekommen, und schon gar nicht, wenn das Unternehmen direkt an ein höchst wertvolles Naturschutzgebiet anschließt. Doch genau dies war Anfang der 1990er Jahre der Fall, als das Gerücht von der bevorstehenden "Abwicklung" des Kalkwerkes Hermsdorf die Runde machte. Obgleich der Abbau seit langem nur noch unter Tage erfolgte, sorgt der aufgewirbelte Kalkstaub für die Abpufferung des "Sauren Regens" auf den angrenzenden Gimmlitzwiesen. Während früher viele Wiesen gelegentlich gekalkt wurden (teilweise sicher auch mit Hermsdorfer Düngekalk), sind heute die meisten Bergwiesen- Biotope von ziemlich starker Versauerung betroffen. Pflanzenarten, die gegenüber der Versorgung mit Erdalkalien (Magnesium, Kalzium) etwas anspruchsvoller sind, finden deshalb auf immer weniger Flächen geeignete Bedingungen ‒ selbst wenn diese ansonsten hervorragend gepflegt (gemäht) werden. Dies betrifft auch viele einheimische Orchideenarten. Hier im Naturschutzgebiet Gimmlitzwiesen kann man auf den Berg- und Nasswiesen beispielsweise noch Große Händelwurz, Großes Zweiblatt und Breitblättrige Kuckucksblume antreffen. In der Gimmlitzaue sind sumpfige und weniger feuchte Wiesenbereiche eng miteinander verzahnt, die Pflanzenwelt entsprechend vielfältig. Typische Bergwiesenarten sind Bärwurz, Alantdistel, Wald-Storchschnabel, Frauenmantel, Kanten- Hartheu und Goldhafer. Magere Bereiche, beispielsweise an Böschungen, beherbergen Arten der Borstgrasrasen: Kreuzblümchen, Arnika, Wald- Läusekraut, Vielblütige Hainsimse, Gefleckter Kuckucksblume u. a. Nasse Flächen beherbergen neben diversen Seggen und Binsen auch Kleinen Baldrian, Bach-Nelkenwurz und Fieberklee. Außerdem gedeihen Staudenfluren mit Rauhaarigem Kälberkropf, Mädesüß, Sumpf- Pippau und vielen weiteren Arten. Besonders auffällig sind im Juni die leuchtend gelben Blütenstände des Bach-Greiskrautes. Der wertvollste, auch überregional sehr bedeutsame Teil des mit fünf Hektar nur sehr kleinen Naturschutzgebietes ist ein Gelbseggen- Kalkflachmoor nordwestlich vom Kalkwerk. Auf quelligen, durchrieselten Standorten haben sich viele kalkholde Arten, wie Breitblättriges Wollgras, Sumpfherzblatt und Fettkraut angesiedelt. Als floristische Seltenheit ist außerdem der basiphile Sumpfherzblatt- Braunseggensumpf im Bereich des Kalkwerkes anzusehen. Kennzeichnend ist hier das Vorkommen der Floh- Segge. Im Gegensatz zu den Kalkflachmooren trifft man im basophilen Braunseggensumpf stets auf Vorkommen der Igel-Segge, des Sumpfveilchens sowie des Hunds- Straußgrases. Diese Bestände befinden sich an kleinen, sanft geneigten Hangquellstellen unmittelbar an der Gimmlitz im Bereich des NSG.“ Wahrlich, das geschieht sehr selten. Vielleicht aber setzt sich ja irgendwann doch noch die Erkenntnis durch, daß man nun einmal miteinander auskommen muß und das gilt in gleicher Weise für Industrie und Natur. Tatsächlich hat gerade der Bergbau so manches heute wertvolle Biotop geschaffen. Auch die Fledermäuse wissen die zahlreichen alten Stollen und Schächte im Gebirge sehr zu schätzen.
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Noch einmal zurück zur Bergbaumonographie:
Entwicklungsperspektiven: „Nachdem bereits für 1985 Stilllegungsbeschlüsse für die Lagerstätte Hermsdorf vorlagen (ALDER, HAUPTMANN, VALTIN & WOLF 1987), konnten durch neue Erkundungsergebnisse ab 1996 im Liegenden der oberkarbonischen Porphyrdecke und im bisher wenig beachteten Ostfeld (Schickelshöhe) neue Vorräte in gewinnungsfähiger Qualität nachgewiesen werden. Mit weiteren Vorratszuwächsen ist im NW der Lagerstätte im Umfeld von „Blauem Bruch“ und „Fiskalischem Bruch“ zu rechnen...“ Dies mag vielleicht so sein. Trotzdem wurde von der seit 2006 in
den Händen mittelständischer Familienunternehmen aus Baden- Würtemberg liegenden
Betriebsführung 2016 entschieden, den Abbau in Hermsdorf aus wirtschaftlichen
Gründen einzustellen. Heute baut
die GEOMIN GmbH, vormals VEB Erzgebirgische
Kalkwerke, nur noch in
„Da der Altbergbau in Folge von latenter Verbruchgefahr alter überdimensionierter Abbaukammern eine mittelfristige Gefährdung für die Tagesoberfläche darstellt, werden seit 1998 systematisch nach einer mit dem sächsischen Oberbergamt festgelegten Reihenfolge Verwahrungsarbeiten durchgeführt. Durch das Einbringen von lagerstätteneigenem Versatzmaterial aus der Aus- und Vorrichtung in die gefährdeten Kammern gelingt es, die Standsicherheit des Pfeiler- Schweben- Systems zu erhöhen. Nach Abschluss der Sanierungsarbeiten sollte keine Gefahr mehr von den untertägigen Grubenräumen für die Umwelt ausgehen.“
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Zur
Montangeschichte |
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Zu den
Anfängen des Kalksteinabbaus
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Wann die Nutzung der Kalkvorkommen bei Hermsdorf nun wirklich begonnen hat, wissen wir noch nicht. Doch schon Anfang des 13. Jahrhunderts war ja zum Bau der Burg Frauenstein eine größere Menge Kalk und Mörtel nötig ‒ es könnte also durchaus sein, daß man schon damals die naheliegenden Kalksteinvorkommen bei Hermsdorf entdeckt und genutzt hat. Nach einigen Quellen (osterzgebirge.de) soll der Kalksteinabbau in Hermsdorf dagegen erst 1581 begonnen haben, wofür wir aber bislang auch noch keinen direkten Beleg gefunden haben. Auch in der Bergbaumonographie wird hinsichtlich der historischen Entwicklung des Abbaus darauf verwiesen, daß Kurfürst Johann Georg die Gewinnungsrechte im Jahr 1581 gekauft habe. Letzteres hieße auch, daß einem Kauf der Gewinnungsrechte die Entdeckung und vielleicht älterer Abbau vorausgegangen sein muß... An dieser Angabe kann allerdings etwas anderes nicht stimmen: Kurfürst Johann Georg I. von Sachsen aus der albertinischen Linie der Wettiner nämlich ‒ wohlgemerkt, der erste ‒ wurde erst 1585 in Dresden geboren, war seit 1611 Kurfürst von Sachsen und lebte bis 1656. Er kann folglich nicht bereits 1581 die Abbaurechte am Hermsdorfer Kalkstein erworben haben. 1581 wurde das albertinische Sachsen noch von seinem Großvater aus väterlicher Linie, Kurfürst August, genannt „Vater August“ (*1526, †1586) regiert. Möglicherweise ist bei der o. g. Ersterwähnung aber auch Johann Georg's I. Großvater aus mütterlicher Linie, Johann Georg von Brandenburg (*1525, †1598) gemeint, welcher von 1571 bis zu seinem Tode Markgraf von Brandenburg und in dieser Position ebenfalls Kurfürst des Heiligen Römischen Reiches gewesen ist. Nach dem Tode von Kurfürst Christian I. von Sachsen (*1560, †1591), dem Vater von Johann Georg I. von Sachsen, übernahm Johann Georg von Brandenburg zusammen mit Herzog Friedrich Wilhelm I. von Sachsen- Weimar (*1562, †1602) bis zur Volljährigkeit des Thronerben, zunächst noch Johann Georg's älterem Bruder Christian II. (*1583, †1611), zeitweilig die Administration von Kursachsen. Dies wiederum aber ja erst nach dem Ableben Christian's I. im Jahre 1591.
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August I. (*1526, †1586), genannt Vater August, war es dann, der 1575 den tessinischen Bildhauer Giovanni Maria Nosseni (*1544, †1620) an den Dresdner Hof holte und ihn auch damit beauftragte, nach für bildhauerische Arbeiten geeignetem Marmor in Sachsen zu suchen. Der Import von Marmor aus Bayern, Belgien oder Italien war natürlich sehr teuer und der Bedarf des Dresdner Hofes groß...
Zu diesem Zwecke ab 1580
auf Reisen gegangen, „entdeckte“
Nosseni bis 1587 u. a. die Kalksteinvorkommen in Lengefeld,
Der Abbau des Kalksteins fiel bekanntlich nicht unter das Bergregal. In der Anfangsphase lag dieser grundeigene Bergbau daher in den Rechten der Landbesitzer, also begüterter Bürger oder Bauern und natürlich der Grundherrschaft selbst. Um geeignete Blöcke und Platten für das Fürstenhaus zu sichern, wurden diese daher später oft auch als „Regalstücke“ bezeichnet. Um sich seine eigenen Rechte an den Funden und ihrer Gewinnung zu sichern, ließ sich Nosseni am 5. Mai 1585 noch von Kurfürst August eine „Befreiung“ ausstellen, die ihm das alleinige Privileg zur Suche nach Werksteinvorkommen in Sachsen und zur Ausbeutung des zuerst aufgefundenen Marmorvorkommens in Lengefeld gewährte. Von August's Sohn und Nachfolger auf dem sächsischen Thron, Kurfürst Christian, I. (*1560, †1591) erhielt Nosseni 1590 erneut ein kurfürstliches Privileg auf 20 Jahre, das ihm 1609 nochmals verlängert, dabei aber von der Gewinnung sämtlicher Halbedelsteine auf die Gewinnung von Marmor und Serpentin eingeschränkt wurde. Erst mit dem Tod Nosseni's 1620 erlosch auch sein Privileg. Ein solches erhielt nach ihm kein anderer erneut und alle damaligen Marmorbrüche wurden stattdessen unter direkte kurfürstliche Aufsicht gestellt, die der Fürst natürlich nicht persönlich wahrnahm; vielmehr war die Finanzbehörde (die Kammer) damit beauftragt (Beierlein, 1963). In die Zeit seiner Erkundungsreisen durch Sachsen fällt nun auch die eingangs genannte Erwähnung der Hermsdorf'er Kalkbrüche im Jahr 1581. Ob Nosseni damals aber auch in Hermsdorf gewesen ist, wissen wir noch nicht.
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Auf dem Blatt der älteren Öder'schen Karten, die in eben jener Zeit zwischen 1586 und 1634 entstanden sind, fehlt leider ausgerechnet der Teil westlich des Dorfes, wo die späteren fiskalischen Kalksteinbrüche gelegen haben...
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Auch im 1840 gedruckten „Handbuch der
Geographie, Statistik und Topographie des Königreiches Sachsen“, und zwar in
der Zweiten Lieferung, den Dresdener Kreisdirektionsbezirk enthaltend, von
Albert Schiffner kann man im Kapitel zum Amt Frauenstein unter b) Ländliche
Orte zu Hermsdorf lesen (S. 656f):
„7) Hermsdorf, Hermannsdorf, Amtsdorf... So liegt das Dorf in 3 verschiedenen Schluchten, bildet aber doch eine fast stundelange Häuserreihe... Sicherlich mindestens bis zur Weißeritz die Dorfflur und begreift daher auch die ⅓ Stunde in Nordost entlegene Kohlen- oder vielmehr Anthrakitgrube, welche auf Betrieb des Rentbeamten Germann, der hier den Anthrakit entdeckte, ums Jahr 1810 eröffnet worden ist, aber jetzt unserer Wissen ruht... Insbesondere aber betreibt das Rentamt eine zwiefache sehr wichtige Kalkbrennerei in Südwest, eine ¼ Stunde von der Scheibe, zwischen der Teplitzer Straße und dem Töpferwalde, sowie an der die Scheibe kreuzenden Saida- Altenberger Straße, nächst der Gimmlitz; einer der ausgehauenen Brüche jedoch ist ¼ Stunde westlich vom Oberdorfe. Schon vor mehr als einen ¼ Jahrtausend*) sind diese 5 Brüche, deren 3 auf dem Lehngerichte liegen, in starkem Betriebe gewesen und geben u. a. einen röthlich- weissen, glimmerreichen Stein, der dem Cipollino der Italianer ähnelt, einen schönen bunten und einen sehr weissen Marmor, der jedoch zu Kalk gebrannt wird. Den bei weitem meisten Stein holen die Landleute zu Schlitten bis in weite Ferne, um ihn in ihren Schnellern selbst zu brennen, und ihn dann zur Beförderung des Lein- Wuchses auf das Feld zu streuen. Einer der beiden hiesigen grossen Kalköfen war von jeher herrschaftlich; den anderen verkaufte das Lehngericht 1809 gegen eine starke Summe und gegen Abgabefreiheit an den Staat, der aber seitdem auch das Lehngericht erworben...“ *) Folglich datierte Schiffner die Betriebsaufnahme der Hermsdorfer Kalkbrüche auf 250 Jahre vor 1840 – also auf die Zeit um 1590 – zurück.
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Im Jahr 1647 wird erstmals ein Amtskalkofen (des seit
1439 bestehenden Amtes Frauenstein)
errichtet.
Als Johann Gottfried Liebscher senior am 7. August 1711 das Erbgericht zu Hermsdorf von den Erben des vorherigen Besitzers, Andreas Martini, käuflich erwarb, wurde ihm der zugehörige Kalksteinbruch nicht mit überlassen. Darüber beschwerte er sich beim Amt Frauenstein im Jahr 1713. Die Verhandlungen zogen sich zwei Jahre hin (10050, Nr. 1641). Den Familiennamen Liebscher haben wir in anderen Akten des Staatsarchives aber noch öfter gefunden: Bereits 1704 hatte Christoph Liebscher ein Halbhufengut in Hermsdorf übernommen (10036, Loc. 32046, Rep. 33, Spec. Nr. 2770). Von ihm kam dieses Gut 1743 an Johann Michael Liebscher, 1772 an dessen Sohn Johann Georg Liebscher. Im Jahr 1741 ist Johann Gottfried Liebscher senior Geleits- und Grenzzolleinnehmer in Hermsdorf gewesen und ersuchte für seinen gleichnamigen Sohn Johann Gottfried Liebscher junior um Adjunktur beim Amt Frauenstein (10036, Loc. 39882, Rep. 15, Nr. 0011). 1751 gehörte Johann Michael Liebscher neben Johann Andreas Walther auch zu denjenigen Hermsdorf‘er Bauern, die um Konzession für die Anlegung von eigenen Kalköfen nachsuchten (10861, Nr. 0408).
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1751 beschwerten sich die Einwohner mehrerer Dörfer, u. a. von Hermsdorf, „wegen unzumutbarer Dienste und Holzfuhren zum Kalkofen“ beim damaligen Amtmann in Frauenstein, Carl Christian Gensel (30016, Nr. 1143). Grundlage ihrer Beschwerdeführung bildete ein Rezeß über den Erlaß einer Reihe von Frondiensten, der am 8. Juli 1702 auf dem Schloß Frauenstein geschlossen worden ist. Inhalts dieses von dem Geheimen Cammer- und Bergrat Curt Heinrich von Einsiedel auf Weißbach, dem Hofjägermeister und Flößerei- Inspektor Carl Gottlob von Leubnitz auf Olbernhau, dem Land- und Cammerrat Georg Heinrich von Dürfeldt auf Mockritz sowie Alexander Marquodt von Bieberstein einerseits und den Vertretern der „fünf oberen Dorfschaften des Amtes Frauenstein“, Christoph Rüdiger aus Hennersdorf, Andreas Aßmann aus Ammelsdorf, Thomas Grumt aus Schönfeld, Georg Hähnel aus Seyde und Gottfried Köhler aus Hermsdorf andererseits geschlossenen Vertrages waren die Bauern, Häusler und Leineweber dieser Orte gegen Zahlung eines halbjährlich zu entrichtenden Erbzinses nicht mehr zur „Schaaftrift und Gesinde Zwangk, nebst denen Frohn Diensten, (...) ingleichen der Schäferey mit denen Röhr Wassern, Steinbrücken Mühlen, Mühle und Grubenholtz schneiden, vor das Viehhauß zenne und Vieh treiben zu machen, buttern, Bestellung der Posten zu deren Diensten, Hand und Pferdt fröhnen...“ zugunsten der Vorwerke Frauenstein und Neubau verpflichtet. Am 18. September 1709 wurde dieser Vertrag auch „vermöge unseres sub dato 20. Aug. ietzthin ergangenen gnädigsten Befehls“ von Kurfürst Friedrich August I. (*1670, †1733), als August II. ab 1697 König von Polen, höchstselbst und anschließend vom Geheimen Cabinet in Dresden bestätigt. Als König von Polen war Friedrich August bekanntermaßen ja ständig in Geldnot und so heißt es auch in der Einleitung des Vetragstextes, daß seine Durchlaucht „ao. 1702 zu Aufbringung einer damahls höchst nöthigen Summa Geldes“ sich „auch die von denen Frauensteinischen Amts Unterthanen, solchen beyden Forwergen sonsten würklich zu leisten schuldig gewesene Frohn Dienste, und Schaftrift, nunmehro denenselben auf ewig zu erlassen, und hingegen in (...) einen unwiederrufflichen Erbzinnß zu verwandeln, sich allergnädigst gefallen lassen“ habe. Nun waren hier zwar Fuhrdienste ausdrücklich eingeschlossen, jedoch nur in Bezug auf die beiden Vorwerke Frauenstein und Neubau. Auch geht nicht klar aus dem Text hervor, ob sich das „Grubenholtz schneiden“ denn auf das Hermsdorfer Kalkwerk bezogen hat. Dort wurde zu dieser Zeit ja eigentlich noch im Tagebau gefördert, so daß man gar kein Ausbauholz benötigt haben kann. Umgekehrt heißt es im Vertrag ausdrücklich, daß „die übrigen Schloß-, Amts- und anderen Forwergs Dienste aber, sie mögen Nahmen haben, wie sie wollen, bleiben nochmahls wie vormahls, unverändert aufgerichtet von beyden Theilen.“ Wie dieser Streit ausgegangen ist, wissen wir noch nicht.
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Ebenfalls im Jahr 1751 reichten Johann Andreas Walther und Johann Michael Liebscher aus Oberhermsdorf Gesuch um „Anlegung von zwey besondern Kalköffen auf ihren dasigen Guthe“ ein (10861, Nr. 0408). Der Brief von Johann Andreas Walther an den Kurfürsten wurde vermutlich von Johann Gotthelf Meißner verfaßt, ebenso ein zweiter Brief von ähnlichen Wortlaut und gleicher Handschrift namens des zweiten Bittstellers Johann Michael Liebscher. Hier der Brief vom November 1751 von Walther: „Aller durchlauchtigster, Allergnädigster Herr, Seine König Majth: geruhen allergnädigst Dich hierdurch allerunterthänigst fürtragen zulaßen, was maaßen ich auf meiner acht Rutner Nahrung in Oberhermsdorf, unter das Amt Frauenstein gehörig, einen Bruche weiser Kalcksteine gefunden habe, woraus feiner weißer Kalck gebrannt werden kan. Indem nun durch Erbauung eines Kalck Ofens ich solchen zu Gute zu machen, und mich damit zunähren, Vorhabens bin, allermaaßen binnen vier Meilen in der Circumferenz mir kein Kalck Ofen wißend ist, und ob schon in Oberhermsdorf auf dem Erbgerichte dergleichen anizt sich befindet, welchen der Amtmann in Frauenstein Christian Gensel gepachtet haben will, so erachte doch nicht, jedoch gantz ohnvergreiflich, dass demselben in hac re merce facultatis (lat.: in dieser Angelegenheit die Belohnung der Fähigkeit) ein jus prohibendi (lat.: ein Recht, es zu verhindern) zustehe, übrigens uf das zum brennen bedürffende Holtz aus dem angrenzenden Königreich Böhmen gegen Umsetzung des Kalcks verlangen kan. Als habe hierdurch allergnädigste Concession einen Kalck Ofen zubauen, Kalck zu brennen und solchen ungehindert verkauffen zu dürffen, vor mich, meine Erben und künfftige Besitzer allerunterthänigst zu suppliciren, sowohl darum einen jährlichen Canonem an Drey Thaler zu hochpreislichen Cammer aller submissest zu offeriren nicht Anstand nehmen wollen. Welche Königliche Gnade lebenslang in prosondester Devotion devenerins als S. Königl. Majth. Allunterthänigster gehorsamster Johann Andreas Walther.“ Wie aus dem weiteren Akteninhalt hervorgeht, hatte Liebscher zwischenzeitlich seinen Kalkofen errichtet und schon einen Brand getan, was durch den Amtmann bei 10 Thalern Strafe untersagt wurde und er doch warten solle, bis eine Entscheidung getroffen werden würde. Laut einem weiteren Schreiben vom Oktober 1752 sollte Liebscher das Kalksteinbrechen aufgeben und den Ofen abreißen; da dies aber nicht erfolgt ist, wurde die angedrohte Strafe von 10 auf 20 Thaler erhöht (10861, Nr. 0408). Im August hatte Liebscher nochmals in einem Brief an die königliche Kammer um Aufhebung der Strafe und Erlaß des Abrisses seines Ofens gebeten. Er habe diesen mit schweren Kosten erbaut und brauche den Kalk für die Düngung in seinem Halbhüfner Gut. Im November 1752 wurde die Strafe und der Abriß des Ofens tatsächlich ausgesetzt, davon unbenommen das Kalkbrennen aber nicht genehmigt und bei Zuwiderhandlung die Vollstreckung der Strafzahlung von 20 Thalern angedroht. Daneben erfährt man hier, daß der Kalkbruch vom Amtsbrennofen neben Liebscher's Gut schlechteren Kalk hatte, der sich kaum zum Bauen eignete, da er schwarz und sandig war. Bei Liebscher dagegen stand schöner weißer Kalk an, der auch als Baukalk taugte. Das Amt Frauenstein befürchtete daher nicht ohne Grund die Konkurrenz von Liebscher mit Material besserer Qualität und den Verlust von Kunden des Amtskalkofens an Liebscher. Außerdem herrschte großer Holzmangel, was auch die Brennstoffversorgung zweier Brennöfen gefährdete. Dazu schrieb der Verwalter des Amts Frauenstein 1752 an den Kurfürsten: „(...) 2.) sind die Erbauung neuer Kalck Öffen bey ietzigen großen Holtz Mangel höchstschädlich, und weil Liebscher das benöthigte Holtz nicht aus desen Königl. Waldungen erhalten könnte, sondern bey privatis erkauffen müßte, so wird denen Unterthanen dadurch die Gelegenheit benommen, sich ihres Holtz Bedürfnisses, welches sie von Königl. Wald nicht völlig bekommen können, andernwärts zu erholen und ob wohle Liebscher vorgeben will, dass er das Holtz aus Böhmen gegen Umsezung des Kalckes erhalten könnte, so ist doch bekannt, dass aus Böhmen gegenwärtig kein Holtz verabholet wird, und daselbst kein Mangel an dergl. Düngung, sondern vielmehr ein Überschuß anzutreffen ist, da ein Jahr lang viele 100 scheffel Asche heraus nach Sachsen geschaffet wurden, und hiernechst würden auch den böhmischen Herrschaften, welche selbst ihre Kalck Öffen haben, ihren Leibeigenen Unterthanen nicht gestatten, den benöthigten Kalck auswärts zu zu holen. 3.) stehet dem Kalck Offen Pachter Daniel Preußlern zu Zaunhaus das jus prohibendi zu, und es ist ihm nach seinen Pacht Contract allergründlichst versprochen worden, daß binnen der Meile kein Kalckstein gebrochen und gebrannt werden soll, nur liegt Hermsdorf kaum 1½ Stunde von Zaun Hauß, und so wohl die Frauensteinischen als anderen Unterthanen haben sich des Kalcks, so viel sie zum Bauen gebrauchet, meistentheils alda erholet, welche Abnehmer auch neuen starcken Abfall leiden würde, wenn der Liebschersche Kalck offen zu Stande kommen sollte, da doch Preußler ein zweites Pachtgeld vom Brande 5/12/- entrichtet welches bey dem Liebscherschen nicht zu gewinnen und heran zubringen ist. 4.) und welches der Hauptpunct ist, stehet noch bey den Erbregistern de anno 1581 und 1645, wovon Folio 57 ein vidimirter Extract ad acta genommen worden, der Kalckstein auf der ganzen Marck dem Amte zu, unter welchen leztren Wort wohl nicht anders, als sie sämtl. Fluhren des Dorfs Hermsdorf zu verstehen seyn können, folgl. kan Liebscher des Kalcksteins, welchen er auf seinem Guth gefunden, sich nicht als sein Eigenthum, wie er doch vorgegeben, anzumaaßen, und es könnte kommen, dass mit der Zeit auch ietzigen Amts Kalck Bruch, welcher auf dasigen Erbrichters befindl. kein Kalckstein mehr zu genommen werden, als denn würde den Amte der Liebschersche aufgefundene Kalck Bruch wohl zustatten kommen, denn außerdem müßte in Ermangelung des Kalcksteins das Kalckbrennen gar erliegen bleiben, und das ansehnliche Pacht Geld vom Kalck Offen fiele hinweg, dahero im voraus dem Hohen Königl. Interesse und dessen Beförderung zu prospiciren seyn wird, dass dieser Kalckbruch aufn Nothfall beybehalten und wen der Liebscher noch eines andern, der sich diesfallß betreten ließe gestattet werden, weiter Kalckstein zubrechen, vielweniger Kalck zu brennen...“ Deswegen wurde laut einem Schreiben vom März 1753 bei Herrn Liebscher die Strafandrohung wegen dem nicht eingerissenen Kalkofen noch einmal auf nun 40 Thaler erhöht, zuzüglich 15 Thaler Amtskosten. Aus der Akte geht leider nicht hervor, wie die Angelegenheit endete. Unklar bleibt auch, warum Johann Andreas Walther zur gleichen Zeit Kalksteine auf seinem Bruch abbauen durfte. Auch um das Brennholz für die Kalköfen gab es auch später weiteren Streit, denn 1760 beschwerte sich der Floßmeister Carl Gotthelf Barwasser über die Einwohner von Hermsdorf „wegen weggenommenen Kalkofen- Holzes“ (10861, Nr. 0711).
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In seiner Mineralogischen Geographie der
Chursächsichen Lande, gedruckt 1784 in Leipzig, erwähnte Johann Friedrich
Willhelm Charpentier im Kapitel
Zweyter
Abschnitt. auf S. 141: „Bey Hermsdorff hinter Frauenstein fand ich wieder Kalklager im Gneuße auf dem hohen Gebürge, von gleicher Beschaffenheit wie die schon beschriebenen, die mit großem Vortheil für die dasigen Einwohner benutzet werden.“ Wenig später, im Jahr 1788 erscheint in Leipzig auch die Erdbeschreibung der Churfürstlich- und Herzoglich Sächsischen Lande, herausgegeben von M. F. G. Leonhardt. Dort heißt es im Kapitel 5. Das Amt Frauenstein „steht unter 1 Amtm. und 1 Rechnungsbeamten. Es hat 1 Stadt, 1. Schriftf., 20 Amtsdörfer und 5 Vorwerke... Frauenstein, eine Amtsbergstadt an der böhmischen Gränze, 2 M. von Freyberg und 4 M. von Dresden, deren Einwohner größtentheils aus Leinwebern bestehen. Hier ist der Sitz des churfürstlichen Amts, eines Amtsgeleites und Gränzzolls. Das alte Bergschloß ist auf der Kuppe oder dem Rücken eines Berges erbauet, der oben aus rothem grobkörnigen mit Feldspath vermengten Granit besteht, in welchem sich dunkelrother und fast in Jaspis verhärteter Thon und brauner Quarz befindet. Dieses Gestein macht eine mittlere Gattung zwischen dem Granit und porphyrartigen Gestein. Das ganze Gebürge ist übrigens mit Wiesen, Ackerland und Waldungen bedeckt... Hermsdorf, ein Amtskirchdorf, hat vortreffliche Kalklager im Gneuß, welche von den Einwohnern mit großem Nutzen beym Feldbaue gebraucht werden.“
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Link zum Digitalisat:
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Noch bis zum Oktober 1795 waren die Amtsdorfschaften Hermsdorf, Ammelsdorf, Schönfeld, Seyde und Hennersdorf verpflichtet, für jeden Kalkofenbrand Hand- und Fahrdienste zu leisten (10036, Loc. 37930, Rep. 47, Nr. 0021a). Für jeden Brand waren dies 115 Handtage, von denen jeder Handdienst mit 3 Groschen pro Tag bezahlt wurde. Dabei wurden jährlich 140 Schragen 7/4 elliges weiches Holz eingeschlagen und zum Amtskalkofen geschafft. Dies wurde zum genannten Datum in Gelddienste umgewandelt, so daß diese Dienste nunmehr auch von der Administration des Amtskalkofens bei privaten Fuhrunternehmern eingekauft werden mußten (10861, Nr. 405). |
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Aus dem oben im Kapitel
zur
„In den Churfürstlichen Kalksteinbrüchen zu Hermsdorf, deren zwei dicht neben einander liegende vorhanden, und welche ehedem der Herrschaft, gegen Befreiung des Ritterguthes von Schocken und Einquartierung, überlassen worden sind, ist er von dunkelgraulichweißer und bläulichgrauer Farbe. Diese beiden Brüche liegen ¼ Stunde von Hermsdorf gegen Mittag, nahe an der Mitternachtseite des Gimmlitzthales. Der erste von ihnen hat 150 Lachter im Umfang und 6 Lachter Teufe, der andere aber 70 Lachter im Umfang und 3 Lachter Teufe. In beiden setzt der Kalkstein bis zu Tage aus, ist mit 1 bis 2 Ellen hoher, ziemlich leimiger Dammerde bedeckt, und zeigt hier einigermaßen den Charakter liegender Stöcke. Es liegen hier nehmlich mehrere kurze Lager, von 2,3 bis 4 Lachtern Längen und Breitenerstreckung und von ½ bis 1 Lachter Höhe, neben und übereinander, aber immer getrennt durch Glimmerschieferschichten von einigen Ellen Mächtigkeit. Das Ganze hat daher im Großen ein wellenförmiges und knolliges Ansehen. Der Glimmerschiefer ist größtentheils etwas aufgelöst, fettig und gelb. Dem Kalkstein ist häufig Glimmer beigemengt, daher er ein flasriges Gefüge und das Ansehen des italienischen Marmors Cipolino erhält. Durch diesen beigemengten Glimmer wird die Untersuchung seines Einschießens, wenn man sich nicht durch das knollige Vorkommen irreleiten läßt, sondern das Ganze übersehen mag, sehr erleichtert. Man findet, daß sich dieser Kalkstein unter dem Glimmerschiefer, nach einem Winkel von 45 Graden gegen Mittag Morgen, also ganz konform der muldenförmigen Lagerung des Glimmerschiefers, verflächt. Von andern außer dem Glimmer zufällig noch beigemengten, fremdartigen Fossilien ist vorzüglich der Quarz zu bemerken, der oft in so häufiger Menge darinnen einbricht, daß, bloß deswegen, der Hermsdorfer Kalkstein als Zuschlag beim Eisen Hohofenschmelzen zu Schmiedeberg untauglich, ja schädlich befunden wurde. Seltener sind fein eingesprengter Schwefelkies, und noch seltener einzelne Bleiglanzkörner darinnen.“ Über das Technische und Oekonomische der Brüche und Brennerey. „Dieser Kalkstein wird durch gewöhnliche Spreng- und Bohrarbeit gewonnen, und alsdann in dem nahe dabei gelegenen churfürstlichen Kalkofen gebrannt. Dieser Ofen ist im lichten 8½ Ellen lang, 7 Ellen hoch und 7 Ellen breit. Die Bänke sind auf beiden Seiten 1½ Ellen, der (unleserlich?) aber 2½ Ellen hoch. An der Mitternachtseite des Ofens ist ein Eingang zum Ofen angelegt, durch welchen der Kalkstein von Hermsdorfer, Schönfelder und Ammelsdorfer Bauern zur Fuhre aufgeladen wird, so wie dieselben auch noch die meisten anderen dabei vorfallenden Arbeiten verrichten müssen. Der Ofen faßt, im Durchschnitt genommen, gerade 1½ Ruthen Kalkstein, die Ruthe zu 24 Ellen Länge, 6 Ellen Breite und 2 Ellen Höhe gerechnet, und von einer Ruthe rohen Kalksteins werden ohngefähr 400 gehäufte Tonnen gebrannter Kalk, die Tonne zu 3 Viertel, 2 Metzen gewonnen.“ Nach diesen Angaben hatte eine Hermsdorfer Kalk- Ruthe anno 1799 also rund 43,75 m³ oder etwa 114 t Kalkstein umfaßt ! Das Fassungsvermögen des doch schon recht großen Ofens lag folglich bei 65,625 m³ oder zirka 171 t. Eine sächsische ,Metze' enthielt 6,489 Liter, ein ,Viertel' hielt gewöhnlich 4 Metzen (wikipedia.de); demnach hätte die hier als Raummaß für den gebrannten Kalk verwendete ,Tonne' also 14 Metzen oder 90,846 Liter Fassungsvermögen aufgewiesen, was dem sonst üblicherweise für den gebrannten Kalk verwendeten Scheffelmaß recht nahekommt. 400 Tonnen Ausbeute pro Brand wären somit zirka 36,4 m³ Branntkalk gewesen.
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Hinsichtlich der
wirtschaftlichen Daten der fiskalischen Kalkbrennerei vermerkte Herder
außerdem:
„Die Ausgaben bei einem Brande sind gewöhnlich
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Einnahme:
Nach Abschluß der Einnahme und Ausgabe ergiebt sich daher von jedem Brande 141 Thl. 23 Gr. – Pf. Überschuß. Da nun jährlich 8 Brände gebrannt und verkauft werden, so ist der Betrag davon 1.135 Thl., 16 Gr., – Pf. von welcher Hauptsumme jedoch noch folgende jährliche Ausgaben abgerechnet werden müssen, als (Die nachfolgende ausführliche Aufstellung weiterer Betriebskosten kürzen wir ein wenig ab.)
Summa 89 Thl., 2 Gr. Wird diese Summe von der Einnahme (...) abgezogen, so verbleibt ein jährlicher Überschuß von 1.052 Thl., 14 Gr., – Pf. (...) Ein Brand dauert gewöhnlich 8 bis 10 Tage. Da gleich neben den churfürstlichen Kalkbrüchen auf des Richters Martini in Hermsdorf Guthe ein neuer Kalkbruch und Brennofen errichtet worden ist, der sehr stark betrieben wird, indem der Richter nicht nur gebrannten Kalk, sondern auch rohe Kalksteine, die Ruthe, welche 16 bis 20 Thl. zu brechen kostet, für 30 bis 40 Thl. verkauft, so dürfte im Allgemeinen die Nutzung des churfürstlichen Bruches eher fallen als steigen.“ Die oben von Herder angeführten Zahlen belegen wieder einmal auch, daß bei dem nun einmal sehr energieintensiven Prozeß die Brennholzkosten für den Ofenbetrieb mit über 43 Thalern pro Brand den größten Kostenfaktor ausmachten.
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Über den benachbarten, in privatem Besitz
befindlichen Kalkbruch hielt Herr Herder weiter für bemerkenswert:
„Der dem Hermsdorfer Richter gehörige Bruch liegt vom churfürstlichen ohngefähr 130 Lachter weiter gegen Mittag. Die Dammerde hat daselbst eine Höhe von 3 bis 4 Ellen. Der Kalkstein schießt unter ähnlilchem Glimmerschiefer nach einem Winkel von 40 Graden gegen Morgen etwas weniger nach Mittag ein, und ist von weit vorzüglicher Güte, als der der churfürstlichen brüche. Er ist von weißer, meist röthlich und gelblichweißer Farbe, führt weniger Glimmer und Quarz, und ist auch in Hinsicht seiner Lagerung regelmäßiger. Seine Mächtigkeit dürfte, da das Kalksteinlager in diesem Bruche noch ganze Sohle zeigt, wohl auf 20 Ellen geschätzt werden. Der hierzu gehörige Brennofen liegt nahe dem Bruche und ist, in Hinsicht der Erbauung, dem churfürstlichen völlig gleich. Der darin gebrannte Kalk wird auch zum Bauen, der aus dem churfürstlichen Ofen wegen seiner dunklen Farbe und unreinem Gehalt nur zum Düngen der Felder benutzt. Der Vortheil dieser Kalkbrennereien im allgemeinen könnte gewissermaßen wohl noch erhöht werden, wenn statt der Holzfeuerung Steinkohlenfeuerung, wozu das nahe gelegene steinkohlenreiche Böhmen die beste Gelegenheit darbietet, eingeführt würde... Daß überhaupt aber auf Steinkohlenfeuerung doch noch Vortheil herauskomme, ist schon dadurch abzunehmen, daß mehrere Bauern, als zu Reichenau, Steinbrükmühle u. a. O. Kalkbrennöfen auf Steinkohlenfeuerung erbaut haben, und den Kalkstein aus den Hermsdorfer Brüchen, die Steinkohlen aber in Böhmen kaufen.“ Nach seiner Beschreibung der Kalklager bei Zaunhaus fand Herder abschließend zu diesem Thema noch zu bemerken (Blatt 312): „Ehe ich dieses Kalksteingebirge verlasse, muß ich noch anführen, daß ich auf dem Bergrücken zwischen der Gimmlitzbach und der Mulde, in dem Theile des Töpferwaldes, welcher die Streiff und Brettelle heißt, mehrere Bruchstücke von körnig blättrigem Kalkstein gefunden habe, die mir das Vorkommen des Kalksteins oder das muldenförmige Fortsetzen des Kalksteinlagers von Hermsdorf bis dorthin sehr wahrscheinlich machen. Es soll auch wirklich, wie mir versichert wurde, vor Alters ein Kalkbruch daselbst existirt haben, und die Benennung eines dort entspringenden Baches – des Kalkflusses – scheint ebenfalls darauf hinzudeuten. Der Glimmerschiefer hat sich daselbst allmählich gewendet und schießt gegen Mitternacht Morgen ein, daher auch das Kalksteinlager, wenn eines dergleichen vorhanden seyn sollte, dasselbe Fallen haben dürfte.“ Ob es sich bei diesem Vorkommen tatsächlich um das bei Holzhau handelte, können wir nur vermuten. Wir haben weder die ,Streiff´, noch den ,Kalkfluß´ auf alten Karten gefunden, jedoch ist auf den Meilenblättern zu erkennen, daß unterhalb des Töpferwaldes bei Holzhau, an der Einmundung des Hirschbachs in die Freiberger Mulde, Ende des 18. Jahrhunderts eine Brettmühle (eine Sägemühle) bestanden hat und der Weg entlang des Hirschbachs hinauf zum Töpferwald hieß auch später noch der ,Brettellenweg´. Einige Jahre später wird ein Vorkommen bei
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Bis 1799 war der Amtskalkofen in
Hermsdorf an einen Herrn Pitterlin verpachtet. Nach dessen Ableben übernahm sein Nachfolger,
Amtsinspektor Christian Gottlieb Germann aus Frauenstein, auch den
Kalkofen und einiges Inventar davon, wie Laufkarren und Kalkmeßkannen, sogar
käuflich (10036,
Loc. 35413, Rep. 02, Lit. H, Nr. 0086a). Über den Zustand
des Ofens beklagte er sich anschließend in einem Schreiben vom 16. Mai 1799 an
die kurfürstliche Kammer:
„geruhen gnädigst
wegen des zum Amte Frauenstein gehörigen Kalk Ofens zu Hermsdorf sich folgendes
in Unterthänigkeit vortragen zu laßen.
Sothaner Kalkofen liegt auf des Erbrichters zu Hermsdorf Guthe, auf welchen der Besitzer einen Kalkofen für sich eigenthümlich hat. Die zum Kalkbrennen erforderlichen Steine, wurden theils auf gedachten, theils auf des Bauer Liebschers Guthe gebrochen, ohne das die Besitzer hiervon einen Bodenzins erhalten, weil die Kalksteine auf der Mark Hermsdorf ein Regale seyn sollen. Der Erbrichter erholt sein Kalkofenbedürfnis auf seinem Guthe, und verkauft übrigens auch eine ansehnliche Zahl Ruthen rohen Kalkstein, der größtentheils außerhalb Amts verfahren und sodann von den Käufern am Ort, in kleinen Öfen, worzu 3 bis 4 Personen treten, gebrannt wird, dahingegen von Seiten der Amts Pachter zeither nur der nöthige Kalkstein für für den Ofen in gedachten Brüchen erholt, außer diesem aber roher Kalkstein nicht verkauft worden ist. Der Debit den Kalkofen ist sagens, dass im Frühjahr und Herbst sehr selten Vorräthe verblieben sind, sondern der Kalk sofort aus dem Ofen vermeßen worden ist, welches daher rührt, dass fast alle Amts Unterthanen, so wie auch einige angrenzende Orthschaften den Kalk als Düngungsmittel der Felder gebrauchen und abfuhren. Der Richter hält mit dem Kalk gleichen Preis, wie er in Höchst. Dero Kalkofen verkauft wird, zieht aber überdies einen großen Gewinn von den verkauften rohen Kalkstein, indem er die Ruthe um 20/-/- brechen läßt, und für 40/-/- und darüber verkauft, welcher Kalkstein im Winter auf Schlitten verfahren wird. Nach dieser allgemeinen Uebersicht erlauben mir Churftl. Durchl., dass ich einige, gleich in die Augen fallende Gebrechen anzeigen, und zu deren Abstellung ohnmaßgebliche Vorschläge thun darf: 1.) ist es zeither üblich gewesen, dass der zu jedem Brande erforderliche Kalkstein aus den Brüchen sofort in Ofen gefördert werden, ohne das solcher hätte ab- oder austrocknen können, wodurch vielleicht einen Tag Feuerung mehr nöthig gemacht worden ist, die bey trocknen Kalksteinen hätte aufgespart werden können. 2.) ist der Kalkofen gänzlich unbedeckt, so dass das Gemäuer alle Feuchtigkeit von Regen und Schnee an sich zieht, die bey jedem Brande durch eine Menge Holz erst gänzlich ausgefeuert werden muß, ehe die Feuerung auf den Kalkstein wirken kann. 3.) ist keine hinlängliche Quantität Scheit- und Stockholz vorräthig, dass es gehörig austrocknen könnte, sondern das Holz hat zeither kaum geschlagen und fast naß verbrannt werden müßen, wodurch zuverläßig ebenfalls mehr Holz beym Brande erfordert werden, als nöthig gewesen seyn würde, wenn es gut und trocken war. Ob übrigens der Ofen so vortheilhaft eingerichtet, dass er holzaufsparend ist, habe ich zur Zeit noch nicht untersuchen und prüfen können, daher ich mich jetzt eines Urtheils hierüber gänzlich enthalte. Ad 1.) müßen die Kalksteine lange vor dem Brande gebrochen und in Ruthen gesetzt werden, damit die Luft die Feuchtigkeiten ausziehet und trockne Kalksteine auf mehrere Brände parat liegen, wodurch schon das erste und gewiß ansehnliche Holzersparnis erzielt werden dürfte, Ad 2.) ist es unumgänglich nöthig, dass der Ofen bedeckt wird, damit keine Nässe und Feuchtigkeit von oben in das Gemäuer eindringen kann, welche theils den Ofen kältet, theils ihm in seinem Gemäuer schadhaft macht und zeither eine Menge Holz ohne Nutzen verzehrt hat, mithin künftig ein 2tes Holzersparnis zur Folge haben wird. Die Dachung aber, darf nicht unmittelbar aufn Kalkofen gebracht werden, sondern es sind erst aufn Rande des Ofens 5 Ellen hohe Mauern, die mit Zügen zum öffnen und schließen versehen sind, aufzuführen und dann ist erst ein Dach mit Schwarten abgedeckt, aufzubringen. Ad 3.) um das zum brennen nöthige Schnitt- und Stockholz austrocknen zu können, bedarf es weiter nichts als die einmalige Verabreichung des Holzbedürfnisses auf 2 Jahr, so dass ein einjähriges Holzbedürfniß zum austrocknen neben dem zum verbrennenden vorräthig da steht, und dies würde ein 3tes Holzersparnis zur Folge haben. Sind diese Abänderungen getroffen, und die Verbeßerungen angebracht, so hoffe ich zuversichtlich, bey jedem Brande 2 Schragen Holz erspahren zu können, welches im ganzen Jahr fast einen ganzen Brand ausmachen dürfte. Da die beyden Kalkbrüche eine baldige Abnahme des Kalksteins nicht befürchten laßen, vielmehr eine überaus große Menge theils schon sichtbar ist, theils noch zu erwarten stehet, so würde es für Höchst. Dero Interesse äußerst vortheilhaft seyn, wenn nebenbey des Kalks rohe Kalksteine gebrochen und in Ruthen verkauft würden. Angenommen, dass in demselben Jahre vom Frühjahr bis Herbst 30 Ruthen Kalkstein, außer dem zum Ofen nöthigen, gebrochen werden können, die Ruthe 20/-/- zu brechen kostet, dagegen aber zu 40/-/- und wohl noch höher verkauft wird, so ist dies eine jährliche Nutzung von 600/-/- von der zeither bey Höchst. Dero Kalkofen kein Gebrauch gemacht worden ist, und welche Nutzung vielleicht in Zukunft noch ergiebiger werden kann. Die ungebrochenen Steine werden zum wenigsten Theil im Amte, und zum größten außerhalb desselben verconsumirt, und Winterszeit mit Schlitten verfahren, im ganzen aber auch nur von Begütherten, die Holz eigenthümlich haben, erholt und gesucht, dahingegen der Kalk größtentheils im Amte als Düngungsmaterial debitirt wird, mithin des Verkauf des ungebrannten Kalksteins, dem Absatz des Kalkes auch nicht leicht nachtheilig werden kann...“ 1799 wurde mit 100 Taler Aufwand erst einmal ein neuer Pferdestall beim Amtskalkofen errichtet, denn nicht nur der Kalk wollte zu den Kunden, auch das Brennholz mußte zum Ofen gebracht werden und dies geschah ja noch alles mit dem Pferdegespann... (10861, Nr. 0405) Einem Schreiben von Amtsinspektor Johann Christian Schulze an die fürstliche Kammer kann man entnehmen, daß es einen solchen am Amtskalkofen vorher nicht gegeben habe (10036, Loc. 35413, Rep. 02, Lit. H, Nr. 0086a). Hier liest man ferner, daß Fuhrleute, die aus entlegenen Ortschaften kamen, auf dem Kalkofen übernachten und ihre Pferde nachts im Freien stehen mußten, was namentlich im Winter hier oben im Osterzgebirge natürlich kaum zu ertragen war. Da nun der stärkste Kalkabsatz aber ‒ wegen des bequemeren Transportes mit dem Schlitten und wegen der anstehenden Frühjahrsdüngung ‒ nun gerade von Januar bis Walpurgis stattfinde und da das Vermessen des Branntkalks nach dem Brand bis zu drei Tage dauere, müßten manche der in dieser Zeit täglich bis zu 40 Kunden von früh bis abends oder sogar bis zum kommenden Tag unter freien Himmel warten. Erbrichter Martini hingegen verfüge nicht nur über einen kleinen und einen mittleren Ofen, sondern auch über einen Stall für zumindest 8 Pferde an seinem Kalkofen, was nicht nur für die Abnehmer, sondern überhaupt für den Absatz ein Vorteil sein dürfte.
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Zum
Kalksteinabbau im 19. Jahrhundert
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Der Holzbedarf war Ende des 18. Jahrhunderts so immens, daß er durch die sächsischen Forstmeistereien nicht mehr gedeckt werden konnte. Aufgrund des Mangels und infolgedessen auch der Verteuerung des Holzes wurde um die Wende zum 19. Jahrhundert auch in Hermsdorf nach preiswerteren Alternativen für die Befeuerung der Brennöfen gesucht (10861, Nr. 0405). Wie oben schon zu lesen, war ein Problem dabei die Beschaffung von Holz für zwei Jahre im voraus, um dieses auch noch hinreichend trocknen zu können; aber auch damals schon gab es durch Raupenfraß und Befall von Borkenkäfer und anderen Parasiten Verluste in den Beständen. Aus diesem Grund wurde nur der kleine Holzkalkofen noch benutzt und auch nur dann, wenn genügend Abnahme zu verzeichnen war. Kalk auf Vorrat wurde nicht mehr gebrannt. Nun gab es Überlegungen, Altenberg'er Torf für die Befeuerung des Kalkofens zu beschaffen, oder Steinkohle aus dem Plauenschen Grund oder auch Braunkohle von Teplitz / Teplice in Böhmen. Bisher gab es aber noch keine Kenntnisse über das Brennen von Kalk mit Steinkohle. Lediglich das Kalkbrennen mit Torf- oder Holzfeuerung war bekannt. Jedenfalls erging hierzu am 25. August 1800 ein Bericht an das Königl. Finanz- Kollegium, nach dem zukünftig neben dem üblichen getrockneten Weichholz auch Altenberg'er Torf mit zum Kalkbrennen verwendet und untersucht werden sollte, welcher Aufwand mit der Verwendung von Steinkohle aus dem Plauenschen Grund oder von böhmischer ,Erdkohle' verbunden wäre. Darin heißt es unter anderem (10861, Nr. 0405): „Der Hermsdorfer Kalkstein ist äußerst fest, körnigt, und häufig mit Kalkspat durchsetzt, und muß gleich einem Felßen, durchgängig geschoßen werden. Da das helste Holzfeuer die im Ofen entfernten Schichten nicht völlig durchbrante, so wird dermalen der Kalkstein mit sogenannten Steinschlaghammer in kleinere Stücke als ehedem geschlagen, und dadurch das Durchbrennen der Steine mehr befördert. Der Holzhauer Kalkstein unterscheidet sich von dem Hermsdorfer nur darinnen, dass er weißer brennt und etwas weniger Feuerung bedarf... Von beyden Arten des Kalksteins füge ich eine Probe in dem mit abzugebenden Kästchen unterthänigst bey. Der Hermsdorfer Kalkofen ist ein senkrechter Ofen in Form eines länglichen Quadrats mit abgestumpften Ecken, und läuft inwendig ein wenig kugelförmig an. Er ist mit zwey Schürlöchern versehen und ohne Dachung. Dieser Mangel der Dachung sezt ihn der Nässe und Feuchtigkeit aus und er ist um deswillen sowohl, als durch die Länge der Zeit und den häufigen Gebrauch dergestalt wandelbar worden, dass man sich keine sonderliche Dauer versprechen kann. Es können in selbigen 1½ Ruthe oder 432 Cubik Ellen Stein eingesezt werden. Jeder Brand hat noch vor 2 Jahren 20 Schragen 7/4 elliges weiches Scheit- und 6 elliges Stockholz erfordert, durch das Schlagen des Kalksteins in kleineren Stücken und durch vorherige Austrocknung der Steine und des Holzes, auch andere Vortheile, erhalte ich an jeden Brand die Ersparnis zweyer ganzen Schragen Scheitholzes (...), so dass gegenwärtig nur 18 Schragen Scheit- und 6 Schragen Stockholz erforderlich gewesen sind. Mittelst der Dachung des Ofens, und eines Behältnisses, in welchem die Steine trocken für die Winterbrände aufbewahrt werden könnten, würden wahrscheinlich noch 2 Schragen bey jeden Brande zu ersparen seyn.“ „So ist a) bekannt, das jeder Torf keine große Flamme macht, besonders dann, wenn er dem natürlichen Luftzuge überlaßen ist und nicht durch starkes Gebläse zur Flamme gebracht wird. Mit dem Dippoldiswalder Rentbeamten ist daher auch nur so viel, dass der Altenbergische Torf blos zu gewöhnlichen kleineren oekonomischen Gebrauch und zum Branntweinbrennen gebraucht worden, bekannt und es hat noch niemand in hiesiger Gegend den Versuch gewagt, nur Flöz-Kalkstein mit Altenberger Torf zu brennen. Ob schon ich den Amtsinspector Germann, verschiedene Kalköfen in Böhmen, in hiesiger Gegend und in der Dresdener Gegend besucht habe, so habe ich noch keinen Kalkofen der mit Torf (!) gefeuert würde, ausfindig machen können. Mit dem verkohlten Torf hingegen hat man beym Zinnschmeltzen und in dem Schmiedebergschen hohen Ofen Versuche gemacht und die Torfkohle in Vermischung mit Holzkohlen wenigstens zum Abbrennen der Oefen sehr brauchbar gefunden, dem ungeachtet aber ist es noch völlig problematisch, ob auch mit der Torfkohle der Hermsdorfer Kalkstein gar gebrant werden könne. In des von Conciens Abhandlung von der Natur und Gebrauch des Gyps und Kalkes bey der Bauarbeit an Häusern von 1790, wird zwar mehrmalen der Torf unter den Feuerungsarten eines Kalkofens mit gezählet, Allein der Verfasser scheint nur die Abschrift gehabt zu haben, einen Ofen, in welchen sowohl die Holz- als auch die Torf- und Steinkohlenfeuerung möglich sey, vorzuzeichnen, nicht aber die Wirkung des Torfs auf den Kalkstein bestimmen zu wollen. Zudem sezt der Verfasser dem sogenannten Flötzkalkstein, der in Ansehung der Festigkeit mit dem Hermsdorfer Kalkstein gar nicht zu vergleichen ist, voraus, und zu diesem erfordert er schon nach page. 145 eine helle Flamme oder ein sogenanntes Flächenfeuer, und eine Art Torf, welcher zu einer hellen Flamme zu bringen ist, es ist aber sehr ungewiß, ob sich Mittel werden angeben lassen, aus dem Altenberger Torf ein Flächenfeuer zu bewürken. Von den mit Torf zeither gemachten Feuerungen hat man abstrahiert, dass 1.000 Torfziegel die Würkung einer 6/4 elligen Klafter weichen Scheitholz tun. Angenommen, dass bey einem Kalkbrande dies Verhältniß sich gleich bleiben werde, so würde das (...) des Torfs, welches wenigstens in 63.000 Ziegel bestehen müßte, auf 147 Taler (zu stehen kommen ?), das 1.000 nur zu -/2/8 gerechnet, zustehen kommen, da hingegen das Holtz mit Einschluß des Fuhr- und Macherlohns nur 82/3/9 kostet, dass also die Torffeuerung ungemein kostspielig seyn dürfte.“
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Der Altenberg'er Torfbruch lag übrigens am sogenannten „Creuzgalgenflügel“, welcher direkt zur Frauensteiner Straße führt. Die Wegstrecke von dort nach Hermsdorf umfaßte 3 bis 4 Wegstunden. 1.000 Stück gestrichene Torfziegel kosteten damals auf dem Torfstich 1 Thaler. In einem Kohlwagen mit zwei Pferden konnten 1.700 bis 1.800 Stück solcher Torfziegel geladen werden, was demnach einschließlich des Antransportes nach Hermsdorf 2 Thaler, 8 Groschen, 6 Pfennige kosten würde. Bei der losen Torfkohle, also nur gestochen, wäre dagegen „zu befürchten, dass bey dem Transport auf den bekannten steinigten Wegen die Kohlen sich zu sehr verkrümeln und dann zu der nöthigen großen Feuerung nicht mehr brauchbar seyn möchten.“ (10861, Nr. 0405) Dennoch sollte im Hermsdorf'er Brennofen ein Kalkbrandversuch unternommen werden. Wie oben schon zu lesen war, gab es in einigen der umliegenden Dörfer bereits kleinere Schneller- Öfen, die mit böhmischer oder Plauenscher Kohle betrieben wurden und je Brand 30 bis 50 Cubikellen Kalkstein faßten, welcher aus dem Erbgerichtsbruch bei Erbrichter Martini in Hermsdorf angekauft worden ist. Daher kam man zu der Folgerung, daß doch auch der Hermsdorf'er Amtskalkofen mit Steinkohle oder Torf zu betreiben sein müsse. Man erfährt aus dieser Akte auch noch genauer, daß sich in der Frauenstein'er Gegend um die Wende zum 19. Jahrhundert zeitgleich drei Kalköfen und eine ziemliche Anzahl sogenannter ,Schneller' befunden haben. Der beim Hermsdorf'er Amtskalkofen gelegene Kalkofen des Erbrichters zu Hermsdorf wurde mit Holz aus Böhmen und aus Privatwaldung betrieben. Beim Gut Mulda stand ebenfalls ein Holzkalkofen und der Kalkofen zu Zaunhaus, in Pacht beim Erbrichter von Seyde, wurde genauso mit böhmischen Holz oder aus Privatwaldungen betrieben. Die Schneller dagegen wurden zumeist mit Steinkohle aus dem Plauenschen Grund betrieben und standen deshalb zumeist in denjenigen Dorfschaften, die Dresden näher lagen und wo man die Kohle als Rückladung gleich wieder mitbringen konnte. An der Steinbrückenmühle in Reichenau hatte man nun erste Versuche in solchen Brennöfen mit böhmischer Steinkohle gemacht. Dort stand ein ,über der Erde stehender Kesselofen' und man verwendete bei diesen Versuchen gleich viel Steinkohle aus dem Plauenschen Grund wie Braunkohle aus Böhmen. Jedoch hatte man die Kohle längere Zeit vorher angeschafft und im Freien liegen lassen – nasse Kohle brennt halt schlecht. Der Kalk erwies sich deshalb als nicht gar gebrannt. Die Amtsinspektoren Germann und Zehn haben sich aber weiter gekümmert und herausgefunden, daß in Böhmen, etwa in Döplitz / Teplice, Dux / Duchcov, Bilin / Bílina usw. sämtliche Öfen mit Steinkohle betrieben werden. Über ihre Erkundigungen berichteten sie: „Die Oefen sind meistentheils in leimigten Boden ausgegraben und der Kessel oder Trichter mit gut gebrannten Mauersteinen ausgesezt. In so einen kleinen Kesselofen werden gewöhnlich 30 – 40 Tonnen Kalk gebrant. Etliche sind mit und etliche sind ohne Dachung, ihre Bauart aber ist an keiner sonderlichen Güte, denn der Kalk muß oben ausgeladen werden, und kann nicht, wie bey den besser angerichteten Kalkofen zu Maxen bey Dresden von unten abgezogen werden, daher auch so ein Ofen auf einmal ausgeladen werden muß. Die Erbauung eines solchen Ofens in steinigten oder stehenden Boden ist mit etlichen 20 Taler zu bewerkstelligen.“ „Die böhmischen Kalksteinbrüche sind sehr häufig, und zum Theil sehr mächtig. Der Kalkstein liegt an manchen Orten nur 1 Elle unter der Dammerde und streicht in Flözen. Er ist außerordentlich weich und mürbe, und wird blos mittelst Hacken ausgewältigt. Er brennt sehr leicht, ist aber auch von keiner sonderlichen Güte und Festigkeit, daher es auch kommt, daß zu Wasserbauen oder zum Putzen der Häuser von einigen böhmischen Ortschaften der Kalk von sächsischen Oefen, als von Zaunhaus und Hermsdorf erholt wird.“ Man erwog nun, zukünftig Steinkohle für Hermsdorf aus dem Kohlenwerk des Zisterzienser Klosters in Klostergrab oder aus Wernsdorf zu holen. Von dort waren es ebenfalls 4 Wegstunden bis Hermsdorf und diese Kohlen sollten im Feuer vorzüglich sein. Kohlen von Dux schlugen dagegen mit zusätzlichen 1½ Wegstunden zu Buche. Die Kohlen von Klostergrab hatten zudem eine große Festigkeit und konnten den Transport daher recht unbeschadet überstehen. Die ,Tonne' als Volumenmaß war übrigens in Klostergrab einer abgestumpften Pyramide gleich, maß oben 26 Zoll, unten 22 Zoll, war 24 Zoll hoch und wurde „gehäuft“ zu 8 Kreuzer verkauft. Damit hatte diese Tonne einen Inhalt von 13.920 Cubikzoll und ist etwas kleiner, als die Meßtonne in Niederhermsdorf oder im Plauenschen Grund, wo diese 16.548 Cubikzoll faßte und auf 10 Groschen, 6 Pfennige zu stehen kam. Dazu war natürlich noch der Fuhrlohn zu schlagen. Laut Inspektor Zehn würden Fuhrleute der benachbarten böhmischen Ortschaften die Tonne Kohle bis Zaunhaus für 4 sächsischen Groschen auf den Schlitten fahren und wohl auch bis Hermsdorf zu keinem bedeutend höheren Preis liefern. Der Rechnungsführer des Klostergrab'er Kohlenwerkes meinte dagegen zu Inspektor Germann, „dass man sich auf Fuhrleute aus Böhmen keine Rechnung machen dürfte. Auf eingezogene Erkundigung bey Personen, die Steinkohlen aus Grab kommen laßen, ist mir versichert worden, daß wegen des über den Grabener Berg schlechterdings nöthigen Vorspanns, die auf Wagen angeführte Tonne auf 8 gr. Fuhrlohn gerechnet werden könne, auf Schlitten dürfte der Fuhrlohn etwas wohlfeiler seyn. An Mauth wird für die Tonne ½ Kreuzer und für das Pferd 1 Mäusel, deren 3 soviel sind als 2 Kreuzer bezahlet.“ Anhand der vielen Informationen und Vergleiche gingen die Überlegungen nun dahin, daß die böhmischen Erdöfen oder eingetieften Kesselöfen für Hermsdorf aufgrund der oberen Beschickung und auch Ausräumung ‒ also wegen des brennstoffintensiveren, periodischen Betriebes ‒ ungeeignet sind und eher der in Maxen vorhandene Ofentyp geeignet wäre (10861, Nr. 0405). Bau- Commisair und Landbauschreiber Rößler hatte auch schon einen Entwurf für den Ofen nach der Form der Kalköfen in Maxen gezeichnet. Der Amtskalkofen war ohnehin baufällig geworden und es bedurfte eines Neubaus.
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Im Dezember des Jahres 1799 wandte sich auch das Rentamt Frauenstein an die kurfürstliche Kammer mit der Meldung, daß auf Nassau'er Flur im fiskalischer Waldung schöner, weißer Kalkstein gefunden worden sei, der den am Hermsdorf'er Amtskalkofen bei weitem übertreffe. Der Rentbeamte macht deshalb den Vorschlag, einen neuen Kalkbruch zu eröffnen, der vollständig auf Kurfürstlichen Fluren zu liegen käme und nicht mehr, wie bisher, auf den Fluren der Hüfner zu Hermsdorf (10036, Loc. 35413, Rep. 02, Lit. H, Nr. 0086a). Daß man dies als wichtigen Vorzug pries, geht auch aus einer Abhandlung zur Geschichte des Kalkbrechens in Hermsdorf und der rechtlichen Grundlagen dieses Abbaus in einem Schreiben von Johann Christian Schultze vom März 1800 an den Kurfürsten hervor, wo es heißt: „Das Recht des Kalksteinbrechens auf derer Hermsdorfer Unterthanen Güther muß von dem Befugnisse, auf dem Erbrichterguthe einen Kalkofen unterhalten zu dürfen, genau unterschieden werden. Das erstere leidet sich schon aus dem Erbregister vom Jahr 1581 her. Von diesem Erbregister und dem weiter unten anzuziehenden Erbregister vom Jahr 1645 haben sich in hiesigem Amts Archive zwey alte Copien aufgefunden, welche dermahlen zum Gebrauch bey der wegen des von Friedrich Christlieb Haltern zu Hermsdorf sich angemaßten Kalksteinbrechens vor S. Churfürstl. Durchl. Appellationsgerichte entstandenen Streitigkeit, dem in derselben mit Auftrag versehener Finanzprocurator Braunasch (Name schwer leserlich ?) communiciret worden sind, und daher diesem unterthänigsten Berichte nicht beygefüget werden können. Es sind aber aus beyden die in den anliegenden Acten sub. No: 101 fol: 1 Se. Fol. 20 se. befindlichen Extracte genommen worden, und es ergiebt sich aus den erstern se: fol. 7 daß schon im Jahr 1581 der Kalkstein auf der ganzen Hermsdorfer Mark unter die Herrlichkeiten des damaligen Ritterguths Frauenstein gezählet worden ist. Im Jahr 1606 fiel das Hermsdorfer Ritterguth vermöge seiner damaligen Richtermannlehns Qualität dem Ritterguthe Frauenstein per. Fol. 4 act: sub No: 103 anhin, und wurde im Jahr 1626, zu welcher Zeit auf denselben ein Kalksteinbruch eröfnet und ein Kalkofen erbauet war, an Peter Schmiedern mit dem erwähnten Kalksteinbruch, se: fol: 5 dict: act: zwar verkaufet, jedoch aber das bey per. Fol: 7 ausdrücklich erkläret, dass die Lehnsherrschaft im Bruche soviel Kalk, als ihr belieben würde, zu brechen berechtigt seyn solle. Diese dem den jetzigen Zwist veranlaßenden Kaufcontracte inserirte Erklärung dürfte wohl keinen andren Sinn, als den haben, daß in Ansehung des auf den zur Hermsdorfer Mark mit gehörigen Erbrichterguthe befindlichen Kalksteins das der Lehnsherrschaft zustehende Recht, durch den Mitverkauf des Kalksteinbruchs, weiter nicht, als soweit, dass der Besitzer des Erbrichterguths den Kalkbruch seiner Gelegenheit zu nutzen und zu gebrauchen haben solle, eingeschränkt sey, da in diesem Kaufe jenes Recht sich nirgends begeben, und dem Käufer mehr nicht als den Mitgebrauch des Kalkbruchs eingeräumt worden, und über dieses in dem nach dem Verkauf des Richterguths im Jahr 1645 errichteten Erbregister, se: fol: 17 act: sub. No: 101 der Kalkstein auf der ganzen Hermsdorfer Mark dem Ritterguthe (Frauenstein – Anm. d. Red.) ausschließlich nach zugeeignet wird. Aus allen diesen dürfte nun wohl, nach meinem unterthänigsten Dafürhalten, das Resultat folgen, dass dem Amte der Verkauf des auf der Hermsdorfer Mark überhaupt, und insonderheit des auf den Hermsdorfer Richterguthe gebrochenen rohen Kalkstein schlechterdings zukommen müße. Was hingegen das Befugnis auf dem Hermsdorfer Richterguthe einen Kalkofen zu halten anbetrift, so ist der im Jahr 1626 vorgedachtermasen erbaut gewesene Kalkofen dem Käufer eigentlich nicht mit verkauft, sondern nur ihm per. fol: 7 solchen mit zu nuzen und zu gebrauchen, vergünstiget, aber auch der nehmliche Gebrauch der damaligen Lehnsherrschaft vorbehalten worden. In der Folge hat der Vater des jetzigen Eigenthümers des Richterguths sich dieses Mitgebrauchs begeben und einen eigenen Kalkofen erbauet, die dieserhalb ergangenen Acten aber sind zu S. Churfürstl. Durchl. Geheimen Finanz Collegio mittelst eines, wegen der von dem jetzigen Besitzer erlangten Vertretung des Finanzamtes gegen die in Antrag gekommene Aufziehung derer auf dem Richterguthe haftenden Steuerschocke, unterm 10. Juny vorigen Jahres erstatteten unterthänigsten Berichts mit eingesendet worden. Das Original des im Jahr 1626 geschlossenen Kaufcontrakts, auf welchen der Erbrichter Martini den Grund seines Widerspruchs gegen den Verkauf roher Kalksteine gründet zu können ermeynet, ist weder bey den Amts Archiven, noch in Martinis Händen. Die eine findet sich in einem alten beym Amte über die in jenen Zeitraume geschlossenen Käufe gehaltenen, mit der Rubric: Amts Frauenstein Kaufbuch de ao: 1626 No: VI versehen und hier mit beygefügten Amtskaufbuche fol: 437 vor, von welcher die bereits angezogene, in den Noten sub. No: 103 fol: 4 Se: befindliche Copie genommen worden ist. Die zweyte steht in einem bey dem Erbgerichte zu Hermsdorf aufbewahrten, hier producirten alten Hermsdorfer Dorfgerichts Kaufbuche und von dieser hat der Erbrichter Martini die Fol: 17 se: befindliche Abschrift hier eingereicht. Die letztere ist mit der ersten, nachdem man sie per fol: 24b hier gegeneinander gehalten, gleichlautend befunden worden. In den Copien selbst findet sich aber eine Abweichung: Die in dem Amts Kaufbuche eingetragene Copie enthält jx. Fol: 7 die Klausel: ,doch soll die Lehnsherrschaft berechtigt seyn, darinnen und darauf /: im Kalkbruch und Kalkofen :/ soviel Kalk zu brechen, zu brennen, hiervon zu führen und veralimiren, soviel man dessen benöthiget und derselben belieben wird.' Die in dem Dorfgerichts Buche eingetragene Abschrift enthält zwar auch Sec: fol: 19 diese Klausel, aber es fehlen die vorher unterstrichenen Worte...“ Wenn wir diese Sätze richtig interpretieren, stand nach den alten Erbzinsregistern aus dem 16. Jahrhundert dem Lehnsherren ‒ also dem damaligen Rittergut Frauenstein ‒ der Kalksteinabbau zu, was natürlich völlig logisch ist, da dieses ja hier auch die Grundherrschaft bildete. Neu ist, daß hier von einem ,Hermsdorfer Ritterguth' gesprochen wird, womit aber sicherlich das Erbrichtergut gemeint war, da es ja zugleich ein ,Richtermannlehn' gewesen sei. Bei dem Verkauf dieses Gutes aus dem Besitz des inzwischen gebildeten Amtes Frauenstein im Jahr 1626 an Peter Schmieder ging natürlich auch das Abbaurecht am Kalkstein an den neuen Grundbesitzer über, wobei im Kaufvertrag jedoch für das Amt ein Mitbenutzungsrecht für Kalkbruch und Brennofen vereinbart worden ist. In dem 1645 aufgestellten Zinsregister wurde die Sache dann aber gerade umgedreht formuliert und dem Besitzer des Richtergutes nur ein Mitbenutzungsrecht am Kalkbruch eingeräumt...
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Den hier angesprochenen
Kaufvertrag von 1626 über das Rittergut haben wir dann in Abschrift in einer anderen Akte
finden können (10036, Loc. 31969, Rep.
33, Nr. 1521). Zum
besseren Verständnis der regionalgeschichtlichen Hintergründe dieser
Rechtsstreitigkeiten zitieren wir auch diesen
ausführlich:
„Copie
Kund undt zu wißen sey hiermit ieder mäniglichen, sonderlichen denn es zu wißen von nöthen ist, demnach Barthel Liebscher, weylandt Lehn Richter zu Hermsdorf, nach dem Willen Gottes den 5ten Decembris Anno 1606 ohne männliche Leibes Lehens Erben verstorben, undt sein hinterlaßenes Lehen Richtergutt sampt dessen Pertinenzstücken, welches er vermöge des Amtsbuches No. 2 fol. 154 dem 15. July in 1598 Jahre von seinen Miterben, undt dessen Vormunden, erkauft, dem wohlfeilen gestrengen undt... Herren Heinrich von Schönbergk auf Frauen- und Purschenstein Churfürstl. Sä. des Ertzgebürge Oberhauptmann geistmilder Gedächtnüß, als dem die Zeit Lehensherren undt volgern, besage der Lehens Rechte, treyledigk auf ein gehalten, ohne mannigliche Hinderungk undt Einrede, eingenommen undt posoldiret, noch dass S. L. G. De Anno 1616 seligem Absterben, erst seinen hinderlaßene vier Vettern Gebrüdern von Schönbergk außer Hause Königk erstellet hernach er in brüderlicher Theilungk Jungker Abraham von Schönbergk, weylandt... Frauensteins seliger zukommen, nach deß Ableibungk Ao. 1623 geschehen, hernach dessen Vetter Abraham von Schönbergk dieses nahmens Caspar von Schönbergks auf Rechenbergk in Gott ruhenden Sohne in vetterlicher Sonderung, eigenthümlicher worden, als hat demnach aus bewegenden Motiven der wohlfeile, gestrenge, undt nechste Hannß Wolf von Partitzsch uf Dorf Cemnitz, in tragender Vormundtschaft gedachtes Jungker Abraham von Schönbergk auf Frauenstein Rechenbergks mit Authorisirungk deßen hierzu confirmirten Curatoris des ehrenfesten großachtbaren undt hochgelehrten Herrn Esaiac Baumanus beyter Rechte Doctoris zu Dresden umb obgedachtes Richtergut zu Hermsdorf, mit Peter Schmiedern von der Mulda, als die Zeit Vice Richtern undt Pachtinhabers deßelben, einen aufrichtigen erblichen undt wiederuflichen Kauf volgendergestalt abgeredet geschlossen undt vollzogen, Nemlichen: Es verkauft obwohlgemelter Hannß Wolf von Partitzsch, in tragender Vormundschaft, mit Consens des Herrn ihrer zugeordneten Curatoris, das Richtergutt zu Hermsdorf, welches hirfüro in Kraft dieses ein Erbrichtergutt sein undt bleiben soll, mit den vier Rutten, zwischen Liebschers, des Pfarrs, undt Lorenz Schinkels Gütern auf dem Grunde zwischen der Hermsdorfer undt Seydener Gemeinden, undt Matthes Ehrlers Gütern gelegen, mit Hauß, Hof, Scheunen, Ställen, Gärten, Wiesen, Gehöltze, dem Kalkbruche, Fischerey in dem Fluß uf diesem Gutte, biß an die Dorflinde, mit Erdt, Grundt, Weide, undt regelrecht stehet und liegendt, in allen seinen... Steinen, Zäunen, auch mit Nutz, Brauch undt Gerechtigkeit, sowohl mit Zinßen, Weinfuhren, Bestellung undt Verrichtung aller Gößeldienste, undt andern Beschwerungen /: allermaßen solches :/ doch außer undt hiervon die frey Brau- undt Schankgerechtigkeit, ausgeschlossen derwegen dann der Erbherr die Landsteuern, undt alles andern künftige an undt auflagen auf sich zu nehmen, undt abzustatten in Kauff dieses gewilliget uf wohl vermeldeten Herrn Oberhauptmann succesive einen Agnaten, theils seligen undt nunmehro uf Abraham von Schönbergk dem Jüngern nach Lehn Recht, undt vermöge den Erbvergleichungen devolviret gerusiglichen Gebrauch undt genoßen werden Peter Schmiedern von der Mulda erblichen undt eigenthümlichen umb undt vor Eintausend Achthundert Gülden Hauptsumme, hiervon soll Käufer uf kommende Ostern des 1627 Jahres Fünfhundert Gulden, folgendts Michaelis erwehnten Jahres Fünfhundert Gülden undt also Tausend Gülden (...) undt Erbgeldern aber jährlichen uf den Termin Juch: Einhundert Gülden, Anno 1627 damit anstehende erlegen undt abstatten, auch also jährlichen mit Hundert Gülden Erbgeld nachvolgen, biß diß Erbrichtergutt, sampt allen Zuberhörungen mit der gesezten Kaufsumme der Eintausend Achthundert Gülden volstendigk bezahlt wird.“ Auch hiernach ist dem Inhaber oder Pächter des Erbrichtergutes der Kalkabbau mit dem Verkauf mit übereignet worden, jedoch war die Lehnsherrschaft berechtigt (aus den Erläuterungen des Kaufvertrags): „darinnen und darauf jederzeit ohne Besitzers undt manniglicher einrede, undt Hinderniß, auch ohne Entgelt undt Zinnsfrey, soviel Kalk zu brechen, zu brennen, hieraus zu führen undt zum alienten soviel man deßen benöthiget, undt denselben belieben wird.“ Klar ist aber auch, daß durch den
Rückfall des einstigen Rittergutes Frauenstein an das sächsische Fürstenhaus als dessen
Lehnsherren damals anstelle eines belehnten Dritten der sächsische Staatsfiskus
wieder unmittelbar auch in die Grundherrschaft eingetreten ist. Daher ist
August Schumann's Formulierung im Jahr
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Nun erzürnte den neuen Hermsdorf'er Erbrichter Ehregott Leberecht Martini also die Errichtung des Stallgebäudes für den Amtskalkofen auf den Fluren des Erbgerichtes. Dieses Recht des Amtes Frauenstein sei nicht in den oben zitierten Kaufverträgen über das Erbgericht festgelegt (10036, Loc. 35413, Rep. 02, Lit. H, Nr. 0086a). Am 29. April 1800 gab es hierzu einen Ortstermin, über den folgende Aktennotiz beim Amt Frauenstein angelegt worden ist (10036, Loc. 31969, Rep. 33, Nr. 1521):
„Registratur Zu Untersuchung der höchstens Orts von dem Erbrichter Ehregott Leberecht Martini zu Hermsdorf, Grundeigenthümer des Amtskalkofens und der dazu gehörigen zwey Brüche wegen Erbauung eines von dem Rentbamten beabsichtigten Stallgebäudes, (...) der Brüche und Beschädigung seiner Felder durch die Kalkfuhrleute um Aufschüttung vieler Halten und sonst geführten Beschwerdungen begeben sich dato der
Die zum Amtskalkofen gehörigen Gebäude und der Obere und Mittlere Bruch, befanden sich auf dem Grund und Boden des Erbrichterguthes in was die Gebäude anlangte, so war
Die Brüche deren Beschaffenheit wegen der von dem Erbrichter Martini geführten Beschwerden in besondern Erwägung gezogen werden mußte, befunden.
Beschwerden nehmlich
Eroerterung 1.) aber war zu bemerken, daß bei dem Oberen Bruche, zum Theil um das Hereinstürzen des Bodens zu vermeiden, zum Theil aber auch, und zwar am Ende des Bruchs nach dem Dorfe Hermsdorf zu, an der linken Seite einige Ellen Erdboden zu (...) eines Kalksteinofens weggenommen worden waren, der weggenommene Schutt aber auch auf eben dieser Seite zum Auffüllen des Bruchs, wodurch der Erbrichter Martini in der Folge nutzbaren Boden gewinnen wird, gebraucht worden war, dagegen die Halten und Gruben ledigliche innerhalb des Oberen und Mittleren Bruchs, nicht aber auf nutzbaren Boden und Grunde gefunden wurden. Ferner mußte 2.) der Erbrichter Martini selbst zugestehen, daß auf seinen nutzbaren, neben den Brüchen befindlichen Grundstücken wiederholt befahrene und dadurch zu einem Communications Wege umgeschaffene Wege sich nicht befänden, ob schon demselben sowie daß beim Abnehmen des Kalks die Fuhrleute ihm zuweilen Schaden zuführen und hütheten, mit Grunde behaupten wollte. Es beschied sich aber auch derselbe, daß er selbst diesen Nachtheile durch eben die Maaßregeln, die er eintretenden Falle auf seinen übrigen Grundstücken beobachten würde abhelfen könnte. Endlich 3.) fand sich der zu Erbauung eines Stallgebäudes bestimmte 22 Ellen Länge, und 16 Ellen breite, bereits aufgeschüttete und geebneter Platz hinter dem Kalkvorrathshauße auf des Erbrichters Martini Grund und Boden, und dieser Platz war bishero, da er vormahls zu dem Mittleren Bruche gehört hatte, ebenfalls mit zum Aufsetzen des gebrochenen Kalksteines gebraucht werden. Der anwesende Kalkbrenner Schmutzler bemerkte, daß vorhin zur Zeit des Siebenjährigen Krieges auf diesem Platze ein Stall welcher an die Kalkvorrathshütte angeschoben gewesen, gestanden hatte, er aber dessen Größe und Beschaffenheit nicht mehr anzugeben wisse, jedoch der damalige Pächter des Kalkofen, der Amt Actuaris Bauwasser sein Pferd darinnen gehabt und diesen Stall bey Übergabe an den Amts Inspector Pitterlin niedergerißen worden war, sich deutlich erinnern. Ob nun schon gedachter Erbrichter Martini, daß er davon nichts wieße, versicherte, und, ohnerachtet derselbe aus diesem Grunde zu Zurücknahme seines gemachten Widerspruchs wider Aufbauung eines Stallgebäudes auf dem eben gedachten Platze zu disponiren gesucht werde, nicht einwilligte, so erwähnte er jedoch lediglich so viel: daß er als Grundeigenthümer Neuerungen nicht machen laßen und sothanen Bau nicht gestatten werde. (...)“ Das Amt in Frauenstein suchte Martini von seinen Beschwerden und Vorstellungen abzubringen, um den Stall doch auf dem Land des Erbrichters errichten zu können – was immens viel Papierkrieg zwischen Hermsdorf, Frauenstein und Dresden mit sich brachte, aber letztlich wenig zur Geschichte Kalksteingewinnung und Verarbeitung beiträgt, so daß wir diese Akten an diesem Punkt wieder zuklappen...
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Zur gleichen Zeit gab es gleichartige Geschehnisse um den 1799 durch Friedrich Christlieb Walther, Bauer zu Hermsdorf, auf seinem Grund angelegten, späteren ,Waltherbruch' (10036, Loc. 35300, Rep. 02, Lit. H, Nr. 0096). Auch er erhob Klage vor dem Apellationsgericht in Dresden gegen den kurfürstlichen Fiskus, da auch hier der Staat das Gewinnungsrecht für sich beanspruchte und ihm die Fortführung des Abbaus untersagte (10084, Nr. 09601 und 09602 sowie 10036, Loc. 31968, Rep. 33, Spec. Nr. 1442).
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Auch die Beschwerden der
anderen Hermsdorf'er Bauern
hörten nicht auf. 1807 wandte sich Grundbesitzer Johann Michael Liebscher
mit folgendem Schreiben an die kurfürstliche Kammer (10050,
Nr. 1644ff, siehe auch
10036, Loc. 32043, Rep. 33, Spec. Nr. 2733):
„Wenn zum Betrieb, und Benutzung der Kalkbrennerey bey dem Amts Kalk Oefen zu Hermsdorf der Herr Amts Inspector Hermann in Frauenstein außer dem auf dem hiesigen Erbgerichte befindlichen Amts Kalkbruche, auch in dem unter meiner Connivenz ehemals von dem Amts Inspector Pitterlin, als Amts Kalckofen Pächter auf meinem Guthe bereits aufgenommenen Kalckbruche beträchtliche Ruthen von rohen Kalcksteinen brechen laßen, und wie ich zu meiner Kränkung ersehen, einen großen Theil davon roh und ungebrannt zum feilen Verkauf und Vertrieb an Begütherte und Wirtschaften in verschiedenen Dörfern ausbiethen lassen, ja bereits einige Schlitten mit rohen Kalckstein beladen an dergl. Abkäufer verabfolget, und abgefahren worden, so hoffe ich bey Ihro Königl. Majth. Huldreichstes Gehör und Verzeihung zu erhalten, wenn ich aus folgenden Rechtsgründen solchen freyen Verkaufe und Verabfolgung dergl. roher ungebrannter Kalcksteine von meinem Guthe mich zu widersetzen, mein Eigenthum zu verteidigen, und über die von gedachten Herrn Amts Inspector Hermann gewaltsame Bedrückung meines Eigenthums, und Anmaßung eines unbefugten Befugnisses mich zu beschweren (...) werde.“ Amtsinspektor Germann konterte mit einem Schreiben, in dem er angab, Liebscher habe öffentlich geäußert, „er ließe von seinem Guthe keinen rohen Kalkstein abfahren und sobald als Fuhrleute kommen würden, wolle er mit seinen Leuten herauskommen, die Drescher mitbringen und dann wolle er sehen, wer Steine wegfahren sollte.“ Zur Klärung der Angelegenheit wurde für den 30. April 1807 erneut ein Lokaltermin angesetzt. Dem Protokoll ist zu entnehmen, daß der Amtmann Johann Christian Schultze (Nachname aber unleserlich ?) und Inspektor Christian Gottlieb Germann nebst Gerichtsschöppen Carl Friedrich Helbig als Protokollant nach Hermsdorf gekommen waren und konstatiert hätten, daß die aus dem Liebscher'schen Bruch entnommenen Kalksteine eine Menge von 5 11/56 Ruthen umfaßten und daß die Reinung zwischen den Grundstücken nicht mehr eindeutig vermarkt sei. Offenbar hatte der Faktor des Amtskalkofens tatsächlich „Raubbau“ betrieben. Das eigentliche Problem bestand aber auch jetzt wieder in der Frage, wem denn nun in der Hermsdorfer Flur das Abbaurecht zustehe ‒ den Bauern, also den unmittelbaren Grundeigentümern, oder dem Staatsfiskus, vertreten durch das Amt Frauenstein. Aus einem weiteren Schreiben von Schulze in dieser Angelegenheit geht hervor, daß Liebscher schon 1785 einmal gerichtlich um Entschädigung für unrechtmäßig seinem Grund durch den Amtskalkbruch entnommenen Kalkstein nachgesucht hatte und wie oben schon zu lesen war, wurde auch seinem Nachbarn, Friedrich Gottlieb Walther, der Betrieb des durch ihn auf eigenem Grund zu Hermsdorf eröffneten Kalkbruch unter dem 5. Juli 1799 untersagt, und dessen Klage vor dem Appellationsgericht war noch immer nicht entschieden. Amtsinspektor Christian Gottlieb Germann vertrat natürlich die Ansicht des Fiskus, als er 1807 dazu niederschrieb: „Wenn jeder Begütherte zu Hermsdorf sich zwar gefallen laßen muß, dass der auf seinem Guthe befindliche Kalkstein für allerhöchstes Interesse gebrochen und benutzt wird, so dürfte auf der anderen Seite doch auch dem (unleserlich ?), dass dem Unterthan von demjenigen Theile seines Guthes, welcher ihm durch Ausbringung des Kalksteines und Aufführung der Halten unnuzbar gemacht wird, keine Steuern und Gaben geben kann, sondern drinnen von der Herrschaft zu übertragen sey, seine vollkommene Richtigkeit haben, Und entweder dieses ist es, was Liebscher, fraglich auf einem unrechten Wege, zu suchen scheint, oder er gedenkt, gleich wie der Gerichtsschöppe Walther zu Hermsdorf, welcher während des Prozeßes ungehindert Kalkstein auf seinem Guthe bricht und in beträchtlicher Menge verkauft, durch Prozeß ähnlichen Vortheil zu ziehen. Er übersieht aber nicht, dass, wenn Walther den Prozeß verliert, wie dieses nicht anders zu erwarten steht, Walther wegen des, durch seinen Kalkstein Verkauf getätigten Schadens, in Anspruch genommen werden kann.“ Die Reaktion von Liebscher ist auch auf den Umstand zurückzuführen, daß Ihre Königliche Majestät in einem Rescript vom 10. Oktober 1805 verfügt hatte, daß der Kalk auf den anderen Grundstücken in Hermsdorf außerhalb der fiscalischen Brüche auch abgebaut und verkauft werden könne. Die Bekanntgabe dieses Befehls gegenüber Liebscher hatte der Amtsinspektor Germann jedoch versäumt. Nachdem Liebscher mit Hilfe von Finanzprokurator Meißner im Januar 1808 Klage gegen das Amt Frauenstein und als Mitbeklagter gegen den Fiscus beim Appellationsgericht eingereicht hatte (10036, Loc. 32482, Rep. 21, Nr. 0010), versuchten das Rentamt in Frauenstein, wie auch das Appellationsgericht, mit Winkelzügen schon die Annahme der Klage zu verhindern. Man erfährt hieraus aber noch, daß der auf Liebscher's Grund liegende Amtskalkbruch 21.114 Quadrat- Ellen Fläche einnahm und schon vom früheren Pächter Pitterlin angelegt worden sei. Natürlich erwuchs dem Grundbesitzer durch den Flächenbedarf ein nicht unbeträchtlicher Nachteil, da Acker- und Wiesenflächen durch den Kalkabbau verloren gingen... Die Klageschrift findet man in einer anderen Akte des Finanzarchives (10036, Loc. 31979, Rep. 33, Spec. Nr. 1791):
„Klage gegen das Königl. Sächs. Amt Frauenstein, Beklagten und den Königl. Sächs. Fiscus, Mitbeklagten. Beklagtes Amt Frauenstein und Mitbeklagter Königl. Sächs. Fiscus, maßen sich eine Befugnis an, auf Klägers in Hermsdorfer Flur, zwischen Gottlob Friedrich Brenners und des Erbrichters Gottlob Leberecht Martinis Guthe, darinnen gelegenen Einhufenguthe und allen darzu gehörigen Grundstücken Kalckstein brechen zu laßen, und solche nicht nur zum Bedürfniße dem zum Amte Frauenstein gehörigen Königl. Gebäude, sondern auch zum feilen Verkaufe, sowohl gebrannt, als ungebrannt zu verwenden, an jeden beliebiegen Orte abzugraben und (...) auch gefundenen Kalckstein nach Gefallen entweder ganz, oder zum Theil herauszuschaffen, hierdurch aber sowie durch das Auswerfen von Schutt und durch unterlaßene Wiederherstellung der Superficies in ihren vorigen Stand, Klägers Acker und Grundstücke, ohne dass ihm diesfalls eine Entschädigung gereichet würde, zur Kultur unbrauchbar zumachen. Da nun Klägers Einhufenguth in Hinsicht der (...) des Kalcksteinbrechens und der obigen angeführten Beklagtem und Mitbeklagtem vertretenen Befugniße in der vollkommensten natürlichen Freiheit sich befindet, eine solche (...) auch dann, wenn für (...) wir jedoch hero nicht der Fall ist, nicht anders, als civiliter ausgehen seyn werde, so fordert Kläger auf gegenwärtiger Klage vom Beklagten und Mitbeklagten unter den gesetzlichen Verwarnungen Einlaßung und Antwort, und bittet allerunterthänigst dahin zu kommen: dass Beklagter und Mitbeklagter auf Klägers Grund und Boden Kalck zu brechen nicht befugt, dieselben vielmehr der misfalligen und den übrigen libellirten Anmaßungen bei 20/-/- Straafe sich zu enthalten, auch Klägern die verursachten Schäden, und die auf gegenwärtigen Prozeß verwendeten Kosten zu erstatten schuldig. Das mildrichterliche Amt wird hierbei allerunterthänigst angerufen. Ferdinand August Meißner.“ Schließlich wurde vonseiten der Kammer in Dresden vorgeschlagen, Liebscher jährlich 3 Thaler als Entschädigung für den Betrieb des Amtskalksteinbruches auf dessen Grund zukommen zu lassen. Für den 26. Januar 1811 war erneut ein Vororttermin mit Liebscher und Amtsinspektor Germann angesetzt. Letzterer bezeichnete gegenüber dem Grundeigentümer nun die für den Amtskalkbruch zu beanspruchenden Flächen, für welche dann Liebscher durch den Fiskus entschädigt werden sollte. Ohne daß man im Akteninhalt des Amtes Frauenstein dazu genauere Angaben findet, ist diese Angelegenheit wenigstens bis 1815 noch nicht bereinigt worden (10050, Nr. 1644). Inzwischen war allerdings Johann Michael Liebscher verstorben und das Verfahren auf dessen Witwe, Christiane Concordia Liebscher, geb. Martini übergegangen. Ach schau an ‒ die Nachbarn waren auch verschwägert... (10036, Loc. 31979, Rep. 33, Spec. Nr. 1791). Die Familie Liebscher hatte ja bereits 1711 das Erbgericht zu Hermsdorf von den Martini's erworben. Allerdings wird in Akten vom Oktober 1805 dann wieder Herr Ehregott Lebrecht Martini, Erb- Lehnrichter daselbst, als erblicher Besitzer des Lehngerichtes zu Hermsdorf genannt (12884, Schr. 000, F. 105, Nr. 006a). 1807 hatte der sächsische Staat das Erbrichtergut in Hermsdorf von Martini erworben (10050, Nr. 0637), schon 1811 aber wieder an den Vizerichter Carl Gottlob Liebscher aus Hermsdorf verpachtet (10050, Nr. 0965). Nachdem dieser 1815 auch verstorben war, wurde die Pacht an dessen Witwe Johanna Rosina, wieder verehel. Stenzel, im Übrigen eine geb. Walther, übertragen. Auch die waren verschwägert... Anscheinend hatte man auch im Amt Frauenstein keinen wirklich genauen Überblick über die Besitzverhältnisse der untereinander verwandten Familien im Dorf und hat sich in den Beweisschriften zur Klage völlig verhaspelt. So konnte die Witwe Liebscher im Juni 1815 die Gegendarstellung des Amtes in fast allen Punkten widerlegen: „Wahr aber, und haben die Besitzer von Hermsdorf, und namentlich der Königl. Fiscus, oder dessen Verwalter und Pächter vor dem Ende des Jahres 1779 niemals Kalk auf dem gegenwärtig der Klägerin zuständigen, deren Ehemann Johann Michael Liebscher eigenthümlich gehörig gewesenen Hufen Guthe gebrochen, noch in ihren Nutzen verwendet, oder verkauft, noch solches in ihren Namen thun lassen.“ Während das Gut wenigstens seit 1751 im Besitz der Familie Liebscher gewesen ist, ist der jetzige Amtskalkbruch ja erst 1779 durch den damaligen Amtsinspektor Pitterlin aufgenommen worden und erst 1791 der Bruch auf dem Hufengut von Liebscher. Eine Entschädigung wurde Liebscher damals durch Inspektor Pitterlin von Seiten des „Hohen Geheimen Finanz Collegiums“ versprochen. Anfangs habe Pitterlin nur „Bittweise und gegen eine (...) Entschädigung, sich des Kalkbrechens auf der Klägerin Guthe angemaßt.“ Von der Erbin des Halbhufengutes, Christiane Concordia Liebscher, hat schließlich Johann Gottlieb Schmutzler das Gut erkauft und einen Teil des zugehörigen Landes 1816 für den Stollnbau an den Staat weiter verkauft, worauf wir gleich wieder zurückkommen... Des letzteren Nachkommen waren später übrigens als Kalkbrenner und Verwalter des fiskalischen Kalkwerkes zu Hermsdorf tätig.
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Zumindest für die Flächen des
Erbrichtergutes wurde, beginnend ab 1809, eine Klärung herbeigeführt, indem der
Staatsfiskus das Gut, nebst allem Zubehör, also auch Kalkbruch und Brennofen,
vom amtierenden Richter Ehregott Lebrecht Martini käuflich
übernahm (10050, Nr. 0637).
Ab 1. Mai 1809 sollte der Pächter des Kammerguts Rechenberg mit Grünschönberg,
Wilhelm Friedrich Wolf, auch das Erbrichtergut Hermsdorf – allerdings
außer dem Kalkbruch – für eine Pacht in Höhe von 30 Thalern jährlich,
zuzüglich 120 Thalern für die dazugehörige Mahlmühle, zur Bewirtschaftung mit
übernehmen. Dabei wurde das Gut wie folgt beschrieben:
„Das Erbgerichte Hermsdorf liegt 2 Stunden von Frauenstein an der Böhmischen Gränze, in der Mitte des Dorfes Hermsdorf, in dem Bezirk des Amtes Frauenstein. Die darauf stehenden Wohn- und Wirtschaftsgebäude befinden sich inmitten des Dorfes über der Schule und an der Kirche in dem Thale des mittleren Dorfes, und ohnweit der nach Böhmen durch diesen Ort gehenden Straße.“ Die zugehörigen Gärten, Felder, Wiesen, Holzung und der Kalkbruch des Erbgerichtes lagen „vom Hofe heraus gegen Abend nach dem Töpferwalde zu, zwischen Johann Michael Liebschers Guthe und auf der anderen Seite aber gegen Mittag dem Pfarrguth...“ Zu den Rechten des Erbrichters gehört bis dahin auch, „Kalksteine auf Erbgerichts Grund und Boden zu brechen, Kalkbrennen, und diesen sowohl, als rohe Kalksteine zu verkaufen, auch Herbergen, Bier und Branntwein schenken und gastieren...“ Die Kalksteingewinnung sollte nun aber dem Staat vorbehalten sein, denn „Nachdem im commisarischen Berichte No. 719 beschehenen Anführen ist das Lager des Kalksteins allem Anschein nach sehr mächtig, und eine sehr lange unsern Menschen Alter ausreichende Ausdauer zu erwarten.“ Hinsichtlich des für den Fiskus zu erwartenden Nutzens ist hier auch festgehalten, daß Erbrichter Martini im Jahr 1805 laut seinem ,Verkaufsbüchel' 24⅛ Ruthen rohe Kalksteine verkauft habe, wovon 15 7/16 Ruthen Graukalk zu je 16 Thalern und 8 11/16 Ruthen Weißkalk zu 24 Thalern die Ruthe gewesen seien. Außerdem habe er bei 3 Ofenbränden in diesem Jahre 4½ Ruthen Kalkstein gebrannt und vom Verkauf des Branntkalkes weitere 288 Thaler eingenommen (10050, Nr. 0637). Gewiß könnte der Betrieb des Kalkwerkes auch für den Fiskus einträglich sein, denn einer Auflistung der Oberforstmeisterei in Bärenfels aus dem Jahr 1817 ist zu entnehmen, daß ‒ abgesehen von den privaten, bäuerlichen Kleinbetrieben, wo nur zum Eigenbedarf periodisch Kalk gebrannt wurde (was wiederum dem Kalkwerk selbst zugute kam, da die Bauern das Brennholz für ihre Öfen ja selbst beschaffen mußten) ‒ im gesamten Direktionsbezirk der Oberforstmeisterei nur dieses eine Kalkwerk bestand. Lediglich in Berggießhübel gab es noch einen weiteren fiskalischen Kalkofen und in Steinbach hatte Landrichter Stenzel zu Seyde einen weiteren in Pacht (10861, Nr. 404). Die Strategie, die durch abbauwürdige Kalksteinvorkommen ausgezeichneten Landflächen in Hermsdorf einfach aufzukaufen, wurde von staatlicher Seite auch später weiter fortgesetzt.
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In einer Akte des Oberbergamtes
haben wir ein Schreiben der königl. Kammer namens Friedrich August
III. (*1750, †1827) vom
19. September 1816 gefunden mit der Aufforderung an das Oberbergamt, bezüglich
von „Vorschlägen zur Trockung mehrerer Unserem Fisco zuständigen, zu
Hermsdorf bei Frauenstein gelegenen Kalkbrüche“. Sofern nicht beim Amt
Frauenstein darüber einer vorhanden sei, mit dem man sich diesbezüglich zu
vernehmen habe, solle ein Markscheider einen solchen anfertigen und ein nach
Frauenstein abzusendender Sachverständiger die Vorschläge prüfen, sodann „nach
Befinden einen Plan zur Absicherung der Waßer aus sothanen Brüchen entwerfen“
und wieder zur Genehmigung einreichen
(40001, Nr. 2974, Blatt 15).
Dieser Aufforderung ging zum einen der Ankauf eines Teils des Schmutzler'schen Einhufen- Gutes mit einer Größe von 12½ Acker, unter dem ein Stolln angelegt werden sollte, durch das Amt Frauenstein für 500 Thaler voraus, welche aus den Kalkbrennerei- Einkünften bezahlt werden sollten (10050, Nr. 1644 und Nr. 1647). In dem Vertragstext heißt es, daß der Verkäufer Schmutzler „das Frauensteiner Amtserbregister von dem Jahre 1581 und 1645, nach welchen der Kalkstein auf der ganzen Mark Hermsdorf ein Regal ist, für sich, seine Erben und Nachbesitzer als nichtig agnosciere.“ Dieser Bauer war durchaus selbstbewußt und sah das Abbaurecht an sein Grundeigentum gebunden an. Trotz des Verkaufs aber und „Damit der Wirtschaft des Schmutzlerischen Guthes durch die erfolgte Veräußerung eines Theils desselben kein Nachtheil erwachse, und die deshalb erforderlichen Einrichtungen getroffen werden können, so behält sich Verkäufer ausdrücklich vor, dass die Nutzung der Oberfläche von den an die Kalkbrennerey käuflich verlaßenen Theile Verkäufer und auf seinen Todesfall, seinen Erben und Nachbesitzern, gegen jährliches Pachtgeld von 30 Thalern auf zwölf Jahre, und zwar vom heurigen 1816 Jahre bis mit 1827 in Pacht überlassen werde, wogegen er aller Entlastungen und Entschädigungens Ansprüche wegen auf diesem Theile sowohl, als auf dem (...) unter dem Wege gelegenen, ihm eigenthümlich verbleibenden Grundstücke zu unternehmenden Stolln oder Röschenbaue, auch Anlegung neuer Brüche, Halten und Wege, sich ausdrücklich begiebt.“ Der Verkauf wurde unter dem 18. April 1816 rechtskräftig. Auf diese Weise erkaufte hier der sächsische Staat mit dem Grundeigentum das Abbaurecht am Kalkstein und überließ dem Vorbesitzer anschließend wieder die Oberfläche gegen Pacht. Zum anderen wurde von Johann Christian Schulze und Christian Gottlieb Germann namens des Amtes Frauenstein wegen Ankaufung eines Teiles des Schmutzler’schen Einhufengutes und Anlegung eines Stollens zur „zweckmäßigen Benutzung des Kalksteinbruches“ unter dem 3. September 1816 ein gutachterlicher Bericht erstellt, wobei es – dem nachfolgenden Text zufolge – um den dazumal ganz abgesoffenen, Walther’schen Bruch ging (40001, Nr. 2974, Rückseite Blatt 15f). Der Stollnbau sollte möglichst noch in diesem Herbst aufgenommen werden, zunächst 25 Lachter Rösche angelegt, dann 11 Lachter Stolln aufgefahren werden, wo man bereits den Kalkstein anzufahren erwartete, denn „daß der Kalkstein im Tagebruche ungleich billiger als unterirdisch gebrochen werden kann, wenn die Waßer kein Hindernis in den Weg legen, hat die Erfahrung bestätigt.“ Weiter heißt es hier: „Damit jedoch der Aufwand, den der Stolln verursacht, den Vortheil, welchen der Kalkbruch gewährt, nicht gänzlich absorbirt, gehet mein unvorgreifliches Gutachten dahin, daß man auf den Stollnbau, welcher vom künftigen Jahre an zu betreiben seyn werde, alljährlich die Summe von 200 Thl. verwenden möchte. Ist der Stolln bis an das Kalklager geführt, so wird es sich erst zeigen, ob es räthlicher ist, den Kalkstein zu Tage brechen zu lassen...“ Amtsverwalter Germann übersandte am 17. Oktober 1816 eine Kopie eines 1810 gefertigten „Situations- und Saigerrisses der Königl. Kalkbrennerey“, dessen Original sich gerade beim Appellationsgericht in Dresden befände, an das Oberbergamt und wies darauf hin, daß es einen solchen für den Waltherbruch nicht gäbe (40001, Nr. 2974, Blatt 17). Das Oberbergamt beauftragte dann am 23. Oktober 1816 den damaligen Oberstollnfaktor Friedrich Traugott Michael Haupt mit der Begutachtung (40001, Nr. 2974, Blatt 18). Seitens der königlichen Kammer wurde am 31. Mai 1817 in Freiberg nachgefragt, warum die Lokalerörterungen noch nicht erfolgt sind und forderte das Oberbergamt auf, die „Expedirung dieser Sache“ zu beschleunigen (40001, Nr. 2974, Blatt 22). Am 7. Juni 1817 gab das Amt die Aufforderung an – inzwischen Obereinfahrer – Haupt weiter. Derselbe entschuldigte sich dann unter dem 22. Juni 1817, daß Vize- Markscheider Christian Gottlob Gündel den Riß des zeitig eingetretenen Winters erst im Frühjahr 1817 „gehörig completiren“ konnte und erstatte folgenden Bericht (40001, Nr. 2974, Blatt 27ff):
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„Was nun
I. Die Kalkbrüche auf dem Liebscher'schen Guthe in der Nähe des großen Amtskalkofens anbelangt, so ist (...) vorgeschlagen worden, zu Abführung der Wasser aus dem zu unterst gelegenen Kalkbruch eine Rösche aus dem Gimmlitzthale heranzuholen und durch Forttrieb derselben auch den beiden aufwärts liegenden Kalkbrüchen Wasserlösung zu verschaffen. Auch wird für zweckmäßig erachtet, den Kalkstein unterirdisch durch Anlegung von Förstenbauen zu gewinnen. (...) Zur Beförderung dieses Röschebetriebes ist in dem untersten oder Liebscher’schen Bruch bei dem Puncte a. ein Schacht abgesunken worden, der nach dem vom Herrn Markscheider Öhlschlägel gefertigten Special Riß 5⅝ Lachter Teufe haben soll und aus welchem ein Ort im Kalkstein 5 Lachter der projectirten Rösche entgegen getrieben worden ist. Bis zu diesem (...) Orte würden vom Einmündungspuncte 47⅝ Lachter 5 Zoll Rösche zu führen seyn. Nach der Angabe des Herrn Vize Markscheiders Gündel erhält diese Rösche (...) eine Länge von 47⅛ Lachter, 4 Zoll und bringt an letzterm Puncte 5¼ Lachter, 8 Zoll Saigerteufe ein. (...)“ Die Betriebskosten für reichlich 30 Lachter Länge wurden hier zu 317 Thalern, 8 Groschen ohne Abzug des dabei gewonnenen Kalksteins abgeschätzt. „Bei Besichtigung der quästionirten Kalkbrüche fand ich die in der Beilage A. angegebene Beschaffenheit allerdings im Allgemeinen gegründet und es steht in der That zu fürchten, daß auch die Gewinnung in dem mittleren Bruch bald ihre Endschaft erreichen wird, kommt man nicht mit dem Herantrieb einer Rösche zu Hilfe, denn in der jetzigen Teufe dieses Bruches sind keine bedeutenden Bänke mehr vorhanden und tiefer ist solcher der Wasser halber gegenwärtig nicht zu bebauen. Der Kalkstein, der hier gebrochen wird, ist ein blaulich grauer körniger Kalkstein, der in Glimmerschiefer, aber nicht als Lager, sondern in mehreren von einander getrennten liegenden Stöcken eingelagert ist. Seine Schichtung ist sehr unregelmäßig, doch scheint er im Allgemeinen aber mit sehr verschiedener Verflächung bald ziemlich söhlig, bald unter einem Winkel von 40 Graden in Südost einzuschießen. Ungemein häufig wechselt er mit 1 bis 2 Ellen mächtigen Schichten von Glimmerschiefer ab, wodurch er selbst nicht selten ziemlich unrein und das Ganze sehr zerklüftet wird. Übrigens ist seine Mächtigkeit noch nicht bekannt und der ihn bedeckende Abraum (...) ist an den mehrsten Stellen nicht über einige Ellen und schon deshalb der Tagebau dem unterirdischen vorzuziehen. (...) Übrigens ist bei dem Tagebau allemal die Gewinnung wohlfeiler als unterirdisch, man kann sich der gewöhnlichen Steinbrecher bedienen, die man bei letzterem nicht füglich gebrauchen kann (und) bedarf keines Geleuchtes... Diese Wasserabführung wäre 30 Lachter bis an den Kalkstein zu führen und sobald dieser erreicht, der Tagebau durch Abdeckung der Oberfläche zu eröffnen seyn. Sie wäre blos vom Tage nieder aufzugraben, auf beiden Seiten – um solche zuweilen durchfahren und reinigen zu können – mit 1½ Ellen hoher Mauer zu versehen und mit Dachsteinen abzudecken...“ Dafür veranschlagte der Verfasser nun 172 Thaler, 1 Groschen, 6 Pfennige an Kosten. „Ungleich vortheilhafter düfte aber seyn, die Rösche nicht wie vorgeschlagen worden, am Gehänge anzusetzen, sondern tiefer vom Gimmlitzbach heranzuholen, denn wenn man gleich hierdurch die Wasserableitung um 31½ Lachter verlängert und wegen des Ansteigens des Gebirges ohngefähr nach den ersten 20 Lachtern unterkriechen und dann 41½ Lachter stollnweise bis zum Kalkstein fortgehen muß, so bringt man 2⅞ Lachter, also über 10 Ellen mehr Teufe ein. Sobald der Kalkstein mit dem Stollnorte erreicht worden ist, der Abzug der Wasser hergestellt und man kann den Tagebau von diesen ungestört sogleich eröffnen. Die Ausführung dieses Röschen- und Stollnbetriebes dürfte nach dem ohngefähren Überschlage einen Aufwand von 608 Thalern, 14 Groschen, 6 Pfennigen verursachen... auch dürfte dieser Betrieb nicht unter Jahresfrist zu beendigen sein... doch hat das Einbringen der mehrern Teufe (...) nach meinem ohnmaßgeblichen Dafürhalten zu viel Werth, als daß man den größern Kostenaufwand scheuen dürfte, zumal, da nach Angabe des dortigen Kalkbrenners der Kalkstein im untersten Bruch in den tieferen Sohlen, wo man ihn mit dem Schachte durchsunken, ungleich reiner seyn soll, als in den obern zeither bebauten Schichten. Den Stolln auf die besagte Länge von 41½ Lachter in Mauerung zu setzen, möchte hier nicht vortheilhaft seyn, da solche wegen Herbeyschaffung der Mauersteine zu kostbar ausfällt und das Holz hier nicht in zu hohem Preise steht. II. Der Kalkstein im Walther'schen Bruch, welcher von erstern gegen 600 Lachter in Mittag ebenfalls am westlichen Gehänge des Gimmlitzbachs liegt, ist ein sehr schöner, reiner, gelblich weißer körniger Kalkstein in Glimmerschiefer, wie der vorige wahrscheinlich als Stock eingelagert, doch scheint er hier fast durchgängig nur ganz geringe Verflächung in Südost zu haben. Die größte Tiefe des Bruchs soll 12 Ellen seyn, wovon jedoch bei weitem über die Hälfte unter Wasser steht, was den Abbau dieses schönen Kalksteins, der auf um 12 Thaler pro Ruthe theurer verkauft wird, als der aus dem unteren Bruche, sehr behindert. Der Abraum ist hier meist nur 2 bis 3 Ellen und nur an der östlichen Ecke des Bruchs erreichte er eine Höhe von 5 bis 6 Ellen. Diesem Bruch Wasserlösung zu verschaffen, ist in dem Vorschlage ein Stolln vom Gimmlitzbach heranzuholen und nach Erreichung des Kalksteins bergmännisch abzubauen vorgeschlagen, der hierzu erforderliche Aufwand aber ohne Berücksichtigung des Nutzens aus dem bei dem Ortsbetrieb zu gewinnenden Kalkstein auf 1.558 Thaler berechnet worden. Diesem Gutachten ist man beigetreten... Ich würde auch hier den Tagebau der unterirdischen Gewinnung den Vorzug geben, wiewohl sich der Kalkstein im Walther'schen Bruch seiner Reinheit und mehrern Consistenz wegen ungleich mehr zum Grubenbetrieb eignen dürfte, als in dem Liebscher'schen und den daselbst angrenzenden Brüchen, da man hierdurch zugleich den Streitigkeiten mit dem über den ganzen Abbau höchst unzufriedenen Grundbesitzer entginge, auch die unterirdische Gewinnung der söhligen Lager halber durch Pfeilerbau erfolgen könnte... Die Abführung der Wasser kann aber nur durch den in Vorschlag gebrachten Herantrieb eines Stollns bewirkt werden. Wird dieser Stolln nach der Gündel'schen Angabe angesessen, so erhält solcher in der Stunde Ost 5,2 getrieben bis zum Kalkbruch eine Länge von 76¾ Lachter, 8 Zoll und bringt bei dem Puncte D 9¾ Lachter oder 34⅛ Elle Saigerteufe (ohne Ansteigen gerechnet) unterm Rasen ein und unterteuft sonach den jetzigen Bruch um 22 Ellen, 3 Zoll...“ Die Kalkbrenner meinten hierzu, daß sich der Kalkstein aber nicht, wie erwartet 40, sondern bestenfalls 20 Lachter vom Bruch aus dem Stollnort entgegen erstrecke, auch hätte man in dem unterhalb liegenden Grundstück schon früher, allerdings „fruchtlose Versuche“, auf Kalkstein gemacht. Der Rest der Stollnlänge sei dann „in taubem Gestein oder kiesigem Gebirge“ zu treiben. Wenn man die Haldenberge vom Stollnvortrieb auf staatlichem Grund am anderen Gimmlitz- Ufer aufschütte, könne man nebenbei auch dem „Quäruliren“ des Grundbesitzers entgehen. Den Stolln noch tiefer, am Gimmlitzbach anzusetzen, würde ihn um 23 Lachter verlängern, aber nur 1⅛ Lachter mehr Teufe einbringen. Während demnach also beim fiskalischen Kalkofen 1816 noch weitere Brüche in Abbau standen (neben dem hier genannten Liebscher'schen ein ,Blauer Bruch'), welche aber hauptsächlich grauen, eher minderwertigen Kalkstein ausbrachten, war der Waltherbruch 1816 ganz abgesoffen und, wie einem früheren, unter dem 26. Juli 1816 vom Berglandschöppen Christian Friedrich Luchs im Auftrag des Amtsverwalters Germann erstellten Gutachten zu entnehmen ist, waren die hier zusitzenden Wassermengen selbst durch „drei vierböhrige Pumpen, welche auch ununterbrochen, Tag und Nacht ¾ Jahr lang durch 6 Mann in 24 Stunden á Mann 6 Groschen unter beständiger Aufsicht, nicht zu halten.“ Der Wasserlösestolln zum fiskalischen Kalkbruch ist tatsächlich aufgefahren worden, obwohl diese Oberbergamtsakte dazu nichts weiter mehr enthält, der zum Waltherbruch hingegen nach unserer Kenntnis nicht. Erst viel später wurden beide Abbaugebiete durch Strecken untertage verbunden. |
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August Schumann berichtete 1817 im Band 4 des Staats-, Post- und Zeitungslexikons von Sachsen, den Kalkabbau in Hermsdorf betreffend: „Die Flur dieses großen Dorfs Hermsdorf ist noch vorzüglich wegen der in selbiger befindlichen mächtigen Kalksteinlager und der Kalkbrennerei merkwürdig. Der Kalkstein auf der ganzen Mark Hermsdorf, nicht aber, wie es in andern geographischen Werken heißt, in sämmtlichen Frauensteiner Amtsdorfschaften, ist eine Regale, und es darf niemand daselbst auf seinem Grund und Boden Kalkstein brechen oder benutzen... Es giebt hier fünf Hauptbrüche, nämlich einen auf dem Walter'schen Gute, einen auf dem Liebscher'schen Gute und 3 auf dem Erbgerichtsgute. In dem einen Bruche auf dem Erbgerichte, welcher bergmännisch betrieben wird, findet sich der feinste weiße Kalkstein vor, und er soll fast dem cararaschen Marmor gleichen. Auf dem Walter'schen Gute, auf welchem der ergiebigste Bruch ist, wird buntfarbiger Kalkstein angetroffen, der die schönsten Blätter zu Consolen und dergleichen liefern würde, wenn man die Wässer überwältigen und mehr in die Teufe gehen wollte. Es werden alljährlich, zur Zeit der Schlittenbahne viele rohe Kalksteine weit und breit verfahren, und es ist nicht selten, daß man daselbst an einem Wintertage gegen 200 Gespanne antrifft. Bei der großen Betriebsamkeit in dem Feldbau wird jährlich eine außerordentliche Menge gebrannter Kalk zum Düngen verbraucht. Viele Hauswirte brennen diese rohen Kalksteine in eigenen kleinen Öfen, die man Schneller nennt, löschen den Kalk mit Wasser und streuen ihn dann auf das Feld. Vormals gab es in Hermsdorf zwei Kalkbrennereien, nämlich die des Amtes und die des Erbrichters daselbst. Auf beiden wurden jährlich 10 bis 12.000 Tonnen Kalk abgesetzt. Die letztere gründete sich auf ertheilte Concession, bis sie im J. 1809 mit der Amts- Kalkbrennerei verbunden wurde. Das Ganze steht unter der Leitung des jedesmaligen Rentbeamten zu Frauenstein. In dieser Flur sind auf dem andern Gebirgsabhange durch den jetzigen Rentbeamten Germann auch Steinkohlen aufgesucht und seit 5 Jahren (Hiernach also erst um 1812 ?) gefunden worden. Man hat deren bereits gegen 600 Tonnen ausgefördert und verkauft, und das Werk selbst wird von Actionärs betrieben. Auf der hier durchgehenden Freiberger Landstraße wird der größte Theil der Kalksteine, des Kalks und der Hölzer vom Nassauer Revier verfahren...“
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Nach einer Skizze aus der Zeit der Geognostischen Landesuntersuchung hat sich der von Schumann erwähnte Versuchsstolln auf Steinkohle des hier auch wieder genannten Rentbeamten Germann weiter nordöstlich von Schönfeld im Pobelbachtal befunden und war dort in westliche Richtung (auf Schönfeld zu) angesetzt.
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Link zum Digitalisat:
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Während sich die Bergbehörde
1817 Gedanken um einen effizienteren Abbau machte, war der Zustand der
Kalköfen in Hermsdorf zur gleichen Zeit wohl als höchst heruntergewirtschaftet
zu bezeichnen. Am 3. April 1817 beschrieb Inspektor Germann die Anlagen
und fand den Holzbau an
Kohlen- oder Kesselofen in sehr desolatem Zustand, die hölzerne Brücke auf den
Ofen eingebrochen und verfault, die Dachung des Oberhauses und Vorhütte
durchlöchert, die Verkleidung restlos zusammengetrocknet und unbrauchbar, so daß
Regen und Schnee ungehindert in das Gebäude eindrangen. Vor dem nächsten
Winterbeginn müßten die Schäden beseitigt werden, wofür er 161 Thaler Kosten
veranschlagte (10036, Loc. 35909, Rep. 08, Nr. 0019).
Davon abweichend wurde von Johann Christian Adam am 22. August 1817 eine Abschätzung der 1810 von Amtsinspektor Germann ‒ allerdings ohne höchste amtliche Genehmigung ‒ auf dem Amtskalkofen errichteten Gebäude vorgenommen, in der man darüber hinaus finden kann: „1.) Ein Wohngebäude für den Kalkbrenner mit eingebautem Zuchtviehstalle. Dies Gebäude, bestehend aus einem bloßen Parterre, mit einem deutschen Schindeldache überdeckt, ist 30 Ellen lang, 12 Ellen tief, und im Lichten 7 3/7 Ellen hoch. Die Mauern sind Bruchsteinen, 1 Elle stark, in Kalk aufgeführt, Thüre und Fensterstöcke von Holz, und das Dach mit Bretern geschanst und mit Schindeln gedeckt. Es enthält einen geräumigen mit Bruchsteinen gepflasterten Hausflur. Von rechter Hand derselben, 1 Stube mit 3 Fenstern und eine anstoßende Kammer mit 2 Fenstern. Beide Behältniße sind mit Bretdecken versehen und die Fußböden gespündet. Links der Hausflur befindet sich ein gepflasterter Stall auf 6 Stücken Zuchtvieh mit den nöthigen Ständen und Raufen versehen. Das vor dem Stuben – Ofen befindliche große Gelege enthält zugleich den Heerd und ist sowie der Schornstein von Ziegeln aufgeführt. Eine hölzerne Treppe führt auf den Dachboden, welche ebenfalls mit gehobelten Bretern gespündet ist, und an beiden Giebel-Seiten ein paar durch Bretverschläge abgetheilte Kammern enthält. Die, bis über den Kehlbalkengrund aufgehende Dachgiebel sind ausgeklebt und äußerlich mit Bretern und Latten verkleidet. Ferner befindet sich an diesem mit der hinteren Seite in das ansteigende Land eingebaute Wohngebäude ein 8 Ellen langer 6 Ellen breiter Bergkeller, nachher von Bruchsteinen aufgeführt und gepflastert oben aber mit einer Lehmhaube und mit rasen abgedeckt ist. 2.) Ein Waßerhaus Dieses Gebäude ist 6 Ellen lang und 11 Ellen tief, an den niedern Giebel des Stallgebäudes angebaut, und der neue Giebel, welcher in dem nach hinten ansteigenden Lande liegt, von Bruchsteinen in Kalk 6 Ellen hoch, 1 Elle stark aufgemauert, die übrigen Wände sind von Holz abgebunden, mit Bretern und Latten verschlagen und mit einer starken in Kalk aufgeführter Schwellmauer versehen. Der Fußboden ist mit Bruchsteinen gepflastert und die Dachbalken sind mit Bretern überspundet. Eine hölzerne Treppe führt auf den Boden, von wo auch eine Thür durch den Giebel ins Freye leitet. Der aufgestellte Waßertrog ist 6 Ellen lang, 7 auf 7 Ellen breit, von Pfosten gefertiget. Das Dach dieses Waßerhauses ist mit der Dachung des Stallgebäudes gleichlaufend verbunden, gelattet und mit Schindeln gedeckt. 3.) Eine Scheune An den oberen Giebel des vorhererwähnten Stallgebäudes angebaut, befindet sich das Scheune-Tenne 15 Ellen lang, 5 ½ Ellen breit mit einer 7 Ellen ins Geviert großen Raufe. Die Wände dieses Anbaues sind gleich den Stallwänden von Holz abgebunden, mit Bretern, Schwarten und Latten verschlagen und mit einer Schwellmauer versehen. Das Dach ist mit Schindeln gedeckt, die Tenne von Lehm geschlagen, mit 2 Scheunenthoren verwahrt und der Dachboden gespündet. Übrigens haben sich die ad. 1, 2 und 3 angeführten Gebäude und Behältnisse bey der vorgefallenen Local Untersuchung nicht nur in der bescheidenen Art, sondern auch sämtlich in vollständig guter und brauchbarer Beschaffenheit gefunden...“ Die von Inspektor Germann als Pächter 1810 dafür ausgelegten Baukosten betrugen 674 Thaler, wofür derselbe gern eine Erstattung vom Fiskus gesehen hätte.
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Als im
Jahr 1818 der Major Johann August Benjamin Weiser als neuer Rentbeamter beim Amt
Frauenstein angestellt wurde, wurde ihm auch das Kalkwerk mit übergeben. In der
diesbezüglichen Akte des Amtes Frauenstein (10050, Nr. 0149) fanden wir ein
ausführliches
„Inventarium über die
unterm Amte Frauenstein gelegenen Königlichen Kalkbrennerey. Gebäude, Vorräthe
und Pertinenzien zu Hermsdorf wie solche bei der am 26. May und 16. Juny h. J.
erfolgten commissarichsten tesp. Uebernahme und Uebergabe befunden worden,“
aus dem wir über die technische Ausstattung des fiskalischen Kalkwerkes Anfang
des 19. Jahrhunderts noch Weiteres erfahren können (sinngemäß eingekürzt).
„Kalkofen war als Kesselofen mit 2 Auszugsgewölben aufgeführt, darinnen 2 eiserne Abzugsgitter und 2 eiserne Aschegitter – wo es an eisernen Stangen mangelt. Jedes Gewölbe ist mit einer Tür versehen. Vor dem Kesselofen ist eine hölzerne Vorhütte von Bretter und Latten beschlagen und mit Schindeln gedeckt, mit einer doppelten Tür. Zum Kesselofen führt eine hölzerne Auffahrungsbrücke von 3 parallelen Stämmen mit Brettern abgedeckt. Dazu beidseitig Geländer aus Stangen. Das Ofenhaus ist mit Säulenwerk abgebunden und mit Bretter und Latten verschlagen und mit Schindeln gedeckt. Hat 2 Doppeltüren und 4 einfache Türen, alle mit eisernen Bändern. Eine Stube für die Steinbrecher, Arbeiter und Fuhrleute ist am erstgedachten Kalkofen angebaut. Mit einer Tischlertüre mit eisernen Bändern und eisernen Handgriff. Die Stube hat 3 Fenster mit Mittelflügel. Am Kalkofen ist ein eiserner Ofentopf mit blecherner Ofenröhre, auf dem Ofenheerd ist ein eiserner Rost von Stabeisen. In der Stube befinden sich an 3 Seiten angebrachte hölzerne Bänke und eine lange Tafel. Außerdem noch 5 hölzerne Schränkchen, jedes mit Schloß, Schlüssel und Bänder. Über dieser Stube (im Obergeschoß) liegt das Expeditions- Stübchen des Herrn Rentbeamten. Zu diesem gelangt man durch eine mit eisernen Bändern und deutschen Schloss mit Schlüssel versehene Tür. Dieses Stübchen hat 2 Fenster mit Mittelflügel. Geheizt wurde mit einem eisernen zur Steinkohlenfeuerung vorgesehenen Ofen. Ein Wandschrank in der Mauer mit deutschen Schloss und Schlüssel. Kalkvorratshütte hat 2 Dachschiebefenster und eine einfache Brettertür mit Klinke. Die Scheune und Schuppen mit eingebauten Stall und Wasserhaus Scheune und Schuppen sind mit Bretten und Scharten beschlagen und mit Schindeln gedeckt. Die Scheune hat zu jeder Seite 1 Tor und 1 gespündeter Boden neben Tenne und Raufen vorhanden. Der Schuppen hat ebenfalls 2 Tore. Das Stallgebäude ist durchgängig mit Schwellmauer versehen, darauf Abbund mit Bretter, Lattern und Schwarten und mit Schindeln gedeckt. Der Stallboden ist gespündet. 3 Türen führen in den Stall, 1 ist mit deutschen Schloss versehen, die beiden anderen mit Anlegeholz. Über jeder Tür ist eine Schubfenster und 2 Schiebefenster auf dem Dach. Das Wasserhaus ist an den Stall angebaut von 11 x 6 Ellen Größe. Darinnen ein Wassertrog. Von da über Treppe bis in den Stall erreichbar. Vom Wasserhaus führt auch eine Tür in das Kalkbrennerhaus welches das quer überstehende Wohn- und Wirtschaftsgebäude des Kalkbrenners rechter Hand der Kuhstall sich befindet und mit 3 Türen versehen ist. In das winklige Kalkbrenner-Wohnhaus führt 1 Tür. Rechts derselben liegt die Wohnstube mit einer Tür und 3 Fenster mit Mittelflügel. Darinnen 1 Kachelofen mit blecherner Röhre. Eine Klebewand (Lehm) scheidet die Stube vom Nebenstübgen und mit einer Tür mit eisernen Bändern und deutschen Schloss führt. Darinnen 2 Fenster mit Mittelflügel und 1 Wandschränkchen. Hinter dem Ofen der Stube führt eine Tür in das Vorhaus von dort in den 8 x 6 Ellen großen Keller. Eine mit Brettern verschlagene Treppe (Außentreppe) führt auf den Oberboden welcher 4 Schiebefenster an den Giebeln hat. An der Rückseite des Gebäudes führt die Tür zum Stall und Wasserhäusel.“ Zum Inventar der gleichzeitig bestehenden ,Erbgerichts Kalk Brennerey' notierte Amtsinspektor Johann Christian Schultze noch, zu ihr gehöre „ein großer Holzofen mit 2 Schurrlöchern. Ofenhaus ist von Daub- und Riegelwerk abgebunden. Das Dach gelattet und mit Bretter und Schwarten gedeckt. Das Ofenhaus hat ein Doppeltor, wobei zu den beiden Seiten des Ofenhauses noch zwei Doppeltore liegen. Die Vorhütte ist von Schwellen, Daub und Riegelwerk abgebunden, sowie das Dach gelattet und mit Schindeln gedeckt. Hierin führt eine Doppeltür. An diese Vorhütte ist die Kalkbrennerwohnung angebaut. Diese ist von Holze abgebunden, geklebt und mit Brettern beschlagen und mit Schindeln eingedeckt. In jener Stube ist ein Kachelofen mit kleiner blecherner Ofenröhre, weiterhin 2 Fenster mit Schieber und eine 3. vermauertes Fenster – weil im Kriege ruiniert – (laut Schmutzler). An dieser Stube ist eine Ställchen von Holze abgebunden und mit Klebewerk versehen – angebaut. Der Boden über dieses Gebäude ist gespündet und das Dach mit Bretter und Schwarten gedeckt und 2 Schiebefenster an den Giebeln. Der kleine Holzofen steht in einem Ofenhaus aus Daub und Riegelwerk abgebunden mit Brettern und Schwarten beschlagen, das Dach ebenso. Das Haus hat keine Fenster sondern nur 1 Laden mit Haken und auf der Giebelseite 1 Doppeltor. Daran 1 Querraum mit Laden. Die Vorhütte ist ebenso gebaut. Das am Fürstenwege gelegene zur Abfertigung der Kalksteinkäufer bestimmt gewesene Häuslein ist von Daub und Klebewerk gefertigt und mit Brettern und Schwarten beschlagen, das Dach ebenso. Mit deutschem Schloss und Schlüssel versehene Tür.“
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Während sich das Rentamt in Frauenstein nun um eine technische Modernisierung des fiskalischen Kalkwerkes mühte, hörten die Klagen der Bauern gegen den Kalksteinabbau auf ihrem Grund auch jetzt nicht auf. Im Jahr 1820 reichte Johann Georg Friedrich Liebscher, Halbhüfner in Oberhermsdorf und des 1815 verstorbenen Johann Michael Liebscher Sohn, erneut Klage gegen das Amt Frauenstein und den Fiskus beim Appellationsgericht ein, weil ihm das Kalksteinbrechen auf seinem eigenen Grund und Boden von Amtswegen untersagt wurde. Liebscher bat dabei das Appellationsgericht um einen Termin zur Güte und Gespräch (10036, Loc. 32046, Rep. 33, Spec. Nr. 2770, vergleiche auch 10084, Nr. 10253). Die Begründung seines Anspruchs können wir seiner Klageschrift, verfaßt vom Advocat Theodor von Lichtenströhm zu Leipzig, entnehmen: „Rechtliche
Klage des Halbhüfners
Johann George Friedrich Liebscher entgegen S. Hohen Königl. Sächs. Fiscus, das ungehinderte Brechen der Kalksteine auf eigenem Grund und Boden, so wie die freye Disposition damit, gebrochen und gebrannt wird, durch Allerhöchstderen Finanz- Collegium angekauft und diese Besitzung durch andre Feldstücken, welche gleichfalls Kalk enthalten, erweitert, nachdem ich und meine Vorfahren seit Menschengedenken auf einigen von meinen Feldern Kalksteine, theils zum eigenen Bedarf, theils zum Verkauf gebrochen hatten. Durch mehrere Hohe Finanz- Rescripte wurde meinem Vater dem früheren Besitzer, sowie mir seit dem Ankaufe dieses Lehnguthes bedeuted, dass wir bei 20 Taler Strafe nicht ferner auf unserem eigenen Grund und Boden Kalksteine brechen und verkaufen sollten, in Maaßen wir die Weisung erhielten, daß der zu Oberhermsdorf auf unseren Feldern gewonnen oder zu gewinnende Kalkstein allerhöchsten Fisco angehöre und folglich dieses Brechen des Kalksteines auf unseren Feldern verpönt sey. Da nun mein Halbhüfnerguth seit mehreren Hundert Jahren in unserer Familie ist und seit Menschengedenken von unseren Vorfahren und von uns das Kalkbrechen auf unseren eigenen Grund und Boden ausgeübt worden ist, die Verbote von Seiten Allerhöchsderen Finanz- Collegium oder der Beamten von Frauenstein, daß wir auf unserem Grund und Boden keinen Kalk brechen sollen, die verjährte Gerechtigkeit selbst nicht aufheben, sondern blos die Ausübung intervumpiren können, diese Verbote selbst aber sowohl nach den ältesten als nachden meisten Königl. Gesetzen,
Befehl vom 12. Nov. 1717 in
C.C A. J. II. 123 eine die natürliche Freyheit auf meinem Grund und Boden, sowie solche in S. Königl. Majestät Landen ausgeübt werden kann und darf, nicht mit Rechtsbestand entziehen können, als sehe ich mich bewogen gegen Allerhöchstderen Fiscus bei dem Hohen Königl. Sächs. Appellationsgerichte, wegen des verhinderten Kalkbrechens auf meinen eigenen Grund und Boden, zum eigenen bedarf oder zum Verkaufe, klagbar zu werden, mit der allersubmistesten Bitte: Allerhöchsdieselben möchten die allerhöchst Huld und Gnade haben und zwischen mir und allerhöchstdero Fiscus einen Güte und Rechtstermin anberaumen lassen und zwar in Hinsicht des letztern unter der Verwarnung der Uebersicherung und des Eingeständnisses auf diese Klage, damit von einem hohen Königl. Sächs. Appellationsgericht dahin erkannt werde, dass mir das Brechen der Kalksteine auf meinem eigenen Grund und Boden zu Oberhermsdorf in der Maase, wie es meine Vorfahren seit undenklichen Zeiten eigenthümlich genutzt und gebraucht und nach Maasgabe, wie es nach allerhöchstderen angezogenen Landgesetzen nicht als Regale, sondern als Privateigenthum zugestanden worden ist, mir allergnädigst freigegeben und gestattet werde, so wie dass allerhöchstderen Fiscus mich in Hinsicht der geschehenen Verbote theils entschädige, theils auch der in dieser Sache aufgelaufenen und aus gerichtlichen Kosten trage und resp: mir wiederum erstatten, als weshalb ich in allertiefster Devation und Submission in beßre Form Rechtens hiermit allerunterthänigst gehorsamst gebeten haben will. Johann George Friedrich Liebscher.“ Dem weiteren Akteninhalt ist zu entnehmen, daß der Kläger auch vor 1819 schon mehrere Jahre lang und eigentlich unbehelligt Kalkstein auf seinem Grundstück im von seinem Vater angelegten Bruch abgebaut hatte, allein im Vorjahr 211/16 Ruthen Kalkstein brechen ließ, einen Teil davon gebrannt und nicht gegen Geld, sondern gegen Saatgetreide abgegeben hat. Eine endgültige Entscheidung konnte aber nicht gefunden werden, denn es blieb weiter unklar, wem denn der Kalksteinabbau tatsächlich zustehe: „Kläger hat dagegen die Readuction der Erbbücher in originalibus verlangt und die Accisse samt jener Extracte, mit dem Bemerken in Zweifel gezogen, dass selbige allhier schon in Sachen Johann Michael Liebschers : / : Fiscus für vollgültig und rechtsbeständig nicht angesehen worden seyn, worauf Beklagter fol. 41 eine Rechtfertigung der Beweiskraft dieser Extracte vor der Hand abgelehnet hat, schon diese Erklärung reicht hin, ein bey dem jetzigen Erkenntniße auf diese Urkunden keine Rücksicht zu nehmen, es würde aber auch, abgesehen hiervon, der Anwendbarkeit des Inhalts der fraglichen Extracte für die dermalige Lage des Rechtsamts das doppelte Bedenken entgegenstehn, dass theils nicht die ganzen Erbregister producirt worden sind, also sich über die Rechtsbeständigkeit der Errichtung derselben und die dadurch bedingte verbindende Kraft ihres Inhalts für die Unterthanen in Hermsdorf, nicht urtheilen läßt, theils auf dieselben, nach der Notariatsbemerkung fol. 92 Act. Sub. No. 401 in gewißer Rücksicht als Documenta teferentia (lat.: nicht relevante Beweismittel) anzusehen sind, zu welchen die zelata (unklare Floskel) fehlen. Sie sind also nicht geeignet, eine Abweisung des Klägers zu bewürcken.“ Nun bot das Appellationsgericht an, daß ihm keine Strafe wegen des entnommenen Kalksteins drohe, wenn er seine Klage zurückziehe. Um für die Zukunft aber eine Regelung zu treffen, solle er entweder 4 Thaler jährlichen Canon für das Kalksteinbrechen auf seinem Grund zahlen oder er könne das Gut auch ganz an den Staat verkaufen... Das Verfahren zog sich wenigstens noch bis 1830 hin, ohne daß bis dahin ein Urteil gesprochen worden wäre.
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Am 11. Juli 1825 verkauften Johann Georg Friedrich Liebscher und Carl Gottlob Friedrich Liebscher dann tatsächlich einige Grundstücke aus ihrem Besitz an den Staat (10050, Nr. 1648). Auch die Appellationsgerichtsgebühren wurden bis 1833 durch die Genannten beglichen. 1826 wurden diese drei Feldstücke, „welche der Fiscus aquriret hat,“ an Johann Gottlieb Schmutzler, Johann Andreas Walther und Ehregott Friedrich Wiegand aus Hermsdorf „gewiß 5 Jahre und ungewiß auf 3 Jahre“ verpachtet (10050, Nr. 0973). Die Flächen dürften ungefähr gleich groß gewesen sein, denn die zu zahlende Pacht war mit 21 bis 23 Thalern jährlich pro Feldstück bei allen dreien fast gleich hoch und umfaßte ausschließlich deren landwirtschaftliche Nutzung ‒ denn den Kalksteinabbau wollte der Fiskus ja selbst betreiben. Dies geht auch aus einer jüngeren Akte hervor, deren Inhalts zufolge 1847 eine Reihe solcher Pachtverträge über inzwischen zum Kalkwerk gehörige Grundstücke ausliefen und nun neue mit den jeweils Meistbietenden geschlossen werden sollten (13566, Nr. 022). Darin war zum Beispiel festgelegt: „Wegen der beim Sprengen und Schießen des Kalkes auf die Grundstücke oder in das Getreide fallenden Kalk- und anderen Steine, wird eine Entschädigung nicht gegeben, vielmehr haben die Pächter solche ohnentgeldlich abzulesen und auf die Vorratsplätze zu schaffen.“ Die Pächter mußten sich ohne Entschädigung auch gefallen lassen, daß ihre Pachtgrundstücke behufs des Aufsammelns von Kalksteinen oder auch als Zwischenlager jederzeit betreten und befahren werden konnten. Umgekehrt waren die Pachter verpflichtet, die Grundstücke pfleglich zu behandeln und stets nur landwirtschaftlich zu nutzen ‒ der Abbau von Kalkstein war für die Pächter ausdrücklich ausgeschlossen, da bei einer Verpachtung natürlich der Grundbesitz beim Eigentümer verblieb. Von Interesse ist auch, daß man zu dieser Zeit im Kalksteinbruch bereits mit Sprengungen arbeitete. Ein Jahr darauf wurde auch mit dem Bau eines neuen Kalkofens beim fiskalischen Kalkwerk begonnen. Wie dies bereits im Jahr 1800 angedacht war, sollte dieser nun für Feuerung mit Holz und Torf vorgerichtet und nach dem Muster eines zur selben Zeit in Lengefeld errichteten Ofen erbaut werden (10861, Nr. 0407). Der Torf sollte aus dem Nassau'er Waldgebiet kommen und nicht weiter als ½ bis 1½ Wegstunden vom Kalkofen entfernt gestochen werden. Durch den Kreisoberforstmeister und Kammerjunker von Feilitzsch sind mehrere zukünftige Torfstiche aufgesucht und begutachtet worden: Ein Torflager lag „im oberen Stift“, eines „am Kalkfluß“ und ein weiteres „am Kriegsstück“. Das dem Kalkofen nächstliegende Lager sollte zuerst in Betrieb genommen werden und Oberförster Steger die Aufsicht über Einrichtung und Betrieb der Torfstiche übernehmen. |
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Die Notizen des Zeichners,
eines Herrn K., sind an den rechten Blattrand gequetscht und lauten: „3 Ellen
Abraum. Die Rösche ist noch nicht eröffnet, das Wasser läuft in Klüften ab. Es
sind angeblich noch 8 Ellen durch zu schlagen. Die ganze Tiefe bis zur Rösche
ist 23 Ellen.“
Die Lage dieses begonnenen Wasserlösestollns ist mit dem roten Doppelstrich auf der Zeichnung angedeutet. Der Tagebruch hat offenbar bis zur Röschensohle bereits eine Tiefe von 23 Ellen besessen, also zirka 12,3 m. Links daneben grenzte Liebscher's an Walther's Gut. Beide Bauernfamilien sind uns oben im Text bereits begegnet. Auf Liebscher's Gut befand sich nach den Notizen des Zeichners ein „verlassener Schacht, hier soll sich der Kalck 10 Ellen tief gefunden haben.“ Weiter nordöstlich (links im Ausschnitt) lag dann das „das 4 Ruthen Gut, Pertinenz Stück des zu veräussernden Theils von dem Erbgericht.“ Ob es sich hierbei um die durch den sächsischen Staat schon am 11. Juli 1825 von Johann Georg Friedrich Liebscher und Carl Gottlob Friedrich Liebscher in Hermsdorf angekauften zwei Grundstücke handelt, ist uns noch unklar. Nach Nordosten folgte dann zunächst noch das „Pfarrgut“ zwischen diesem und dem folgenden Ausschnitt aus der Zeichnung. Dieses Kirchengrundstück scheint dazumal aber außen vor gewesen zu sein ‒ selbst der königlich- sächsische Fiskus legte sich nur ungern mit der Kirche an, besonders, da es in der Umgegend noch genügend abbauwürdige Kalksteinvorräte zu geben schien.
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Den Notizen des uns unbekannten
Zeichners, Herrn K., zufolge, lagen diese hier dargestellten Tagebaue auf einem
„Reservirten Theil des Erbgerichts.“
Vermutlich handelte es
sich dabei um das sogenannte „Richterstück“ oder „Richterholz“,
ein damals schon bekanntes Kalksteinvorkommen. Der amtierende Erbrichter
Johann Gottlob Göhler beabsichtigte nun, dieses zu erschließen und bat das
königliche Finanzministerium daher um Genehmigung zur Abholzung (10050,
Nr. 0665). Neben dem Richterstück war auch ein Teil des
Pfarrlehns betroffen, wie eine vorauslaufende Vermessung ergab. Der
Kreisoberforstmeister, als solcher auch Kreisoberrentmeister von Feilitzsch
stimmte dem Ersuchen zu. Das letzte Wort hatte aber das königliche
Finanzministerium, welches schließlich auch zustimmte und so wurde der Handel
zum 5. Mai 1834 vollzogen.
Südlich der „Straße nach Rechenberg“ befand sich hier „Weiss Kalkbruch“, nördlich der Straße zwei „Kalcköfen“. Am unteren Teil des Talgehänges sind „3 Ellen Abraum“ vermerkt, am oberen Teil heißt es schon „18 Ellen liegt der Kalck unter dem Glimmer Schiefer“. Am späteren Hinteren Bruch des fiskalischen Werkes ist außerdem ein „Neuerbauter unvollendeter Kalckofen“ vermerkt und die Profildarstellung verrät uns auch, daß dieser Neubau bereits durch den inzwischen hier als solcher angestellten Kalkbrenner Schmutzler bewerkstelligt wurde. Es handelt sich dabei vermutlich um den oben erwähnten, auf Holz- und Torffeuerung eingerichteten Brennofen (10861, Nr. 0407).
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Die Anmerkungen des Zeichners
zu diesem Profil lauten:
„a)
ein Schacht, angeblich 12 Ellen bis auf das Kalcklager. Der damals von Schmutzler neu erbaute, wenngleich 1827 noch nicht fertiggestellte Kalkofen war also an die Steinbruchwand gelehnt und zwei Gewölben, die man zugleich als Lager nutzen wollte, aufgesetzt.
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Bei den beiden
„verlassenen Kalckbrüchen“
ist noch vermerkt, daß sich hier „bei 8 bis 10 Ellen Tiefe [...] der
Kalck nur eingesprengt im Glimmer Schiefer“ gefunden habe. Auch ganz im
Norden und in dem Bruch südlich der Straße deutet der Zeichner durch die auf der
Steinbruchsohle eingezeichneten Teiche an, daß man hier den Abbau aufgegeben
hatte, obwohl der Graukalk hier nur unter „3 - 4 Ellen Abraum“ lag.
Die beiden größeren Gebäude östlich der Straßenkurve sind bezeichnet als „Wohnung des Kalckbrenners nebst dem Kalck Schöller“. Ersteres also ist der Dienstsitz von Herrn Schmutzler gewesen. Den Begriff „Kalck Schöller“ können wir nicht wirklich deuten; vielleicht aber meinte der Zeichner einen Schösser. Dazu findet man bei wikipedia.de heraus, daß es sich dabei eigentlich um einen Amtsschösser gehandelt hat, dessen Aufgabe in den kurfürstlichen Lokalverwaltungen im Eintreiben der Steuern und der Führung des Schossregisters (einer Art Steuerregister) bestand. In kleineren Ämtern fungierte der Amtmann oft in Personaliunion auch als Schösser. Der Zeichner könnte also hier einen im Auftrag des Forst- oder des Rentamtes tätigen Verwalter des Kalkwerks gemeint haben.
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Die Strategie des
Rentamtes zu Frauenstein, die für den Abbau von Kalksteinvorkommen brauchbaren
Flurstücke aufzukaufen, um den Streitereien mit den Grundbesitzern aus dem Weg
zu gehen, wurde auch jetzt weiter fortgesetzt: Unter dem 25. Januar 1841 erwarb
der Fiskus von Johann Michael Walther wieder einen Teil der Flächen
seines Fünfsechstel- Hufen- Gutes in Hermsdorf zugunsten des Kalkwerkes
(10050, Nr. 1650), allerdings waren die Preise inzwischen
deutlich gestiegen:
„Johann Michael Walter zu Hermsdorf von seinen sub. Nr. 42 des neuen Brandkatasters besitzenden 5/6 Hufenguthe zu Hermsdorf den untren Theil, von der Teplitzer Chaußee an bis an die Staatswaldung, wie solcher in seiner ganzen Breite zwischen Johann Gottfried Liebschers, Carl Gottlob Friedrich Liebschers Gütern und der dem hohen Staatsfiscus bereits zugehörigen von dem Liebscherschen Guthe erkauften Parzellen gelegen und incl. des Steinbruchs in ohngefähr 27 Scheffel nämlich
besteht, mit allen darauf gestandenen Recht und Gerechtigkeiten, Nutz- und Beschwerungen (...) Letzterer bei der vorzunehmenden localen Dismembration zu bestimmen sind an den Hohen Staatsfiscus recht-, erb- und eigenthümlich um und für ein Kaufgeld von Zwey- Tausend Thaler im 14 Thalerfuße ganzer Haupt- und Kaufsumme bei der Confirmation des Kaufens baar zu bezahlen.“
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1839 boten auch Ehregott Friedrich und George Friedrich Liebscher aus Hermsdorf „dem hohen Staatsfisko“ erneut einige Feld-, Wald- und Wiesenparzellen ihrer Hufengüter zum Kauf an (10861, Nr. 0150a und 10050, Nr. 0641).
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Auch für die
Betriebsflächen des Kalkwerkes wurde weiterer Platz benötigt. Für eine
Abraumhalde etwa wurde 1847 von August Heinrich Kaltofen's Erben zu
Hermsdorf die sogenannte „Haynwiese“, gegenüber dem Kalkwerksgrundstück und
zwischen Johann Gottfried Liebscher's und Christian Gottlieb
Schmutzler's Wiesengrund gelegen und 1 Scheffel Land zu 150 Ruthen
umfassend, für die Summe von 100 Thalern durch das Königliche Finanzministerium
angekauft (10050, Nr. 762). Den Kaufvertrag vom 17. Mai 1847 darüber findet man in
einer anderen Akte (10050, Nr. 1944):
„Erbkauf- Kontract, verhandelt und geschlossen worden ist, Nämlich es verkaufen August Kaltofens Erben in Hermsdorf, Johanne Sophie, verwitwete Kaltofen und Johanne Sophie, verehelichte Lohse, geborne Kaltofen, letztere mit Zustimmung ihres Ehemannes, des Bauers Karl Gottlob Lohse, von ihren, laut Lehnschein d.d. 20. September auf sie vererbfällten Haynwiesen, und zwar von No: 733 des Flurbuchs, welche Parzelle 2 Acker 19 Ruthen hält, einen Scheffel oder 150 Ruthen, an der Gimlitz entlang, ein solches bereits mit Pfählen ohngefähr verhält, den Kalkwerk Grundstücken gegenüber zwischen Johann Gottfried Liebschers und Christian Gottlieb Schmutzlers Wiesen Grundstücken, dem Töpferwalde, Nassauer Forstrevier, und den Kalkwerks Grundstücken gelegen, mit allen darauf haftenden Rechten und Gerechtigkeiten, Nutz- und Beschwerungen welche Letztere bei der Dismembration annoch ermittelt werden sollen, an den Hohen Staatsfiscus und dessen Beauftragten, den Rentbeamten Friedrich Wilhelm Fahner und für ein Kaufgeld von Ein Hundert Thalern, bei der Confirmation, längstens Johannis dieses Jahr zahlbar...“ Weitere 25 Ruthen Wiese aus dem wahrscheinlich angrenzenden Flurstück 734a erwarb der Fiskus unter dem 16. April 1858 von Johanna Christiana Gottpreisen, verw. Liebscher (10050, Nr. 1944).
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Um diese Zeit, im Jahre 1845, erschien
in Dresden auch die Beschreibung von Sachsen und den ernestinischen, Reußischen
und Schwarzburgischen Landen aus der Feder von Albert Schiffner. Er
schreibt zunächst in der allgemeinen geographischen Beschreibung, daß das
erzgebirgische Gneisgebirge „Kalkstein in mächtigen und weiten Lagern bei Braunsdorf und Tharandt, Frankenstein und Memmendorf, Burkersdorf, Scheibenberg,
Crottendorf, Bärenloh, Pöhla, Schmalzgrube und Grumbach, Drehbach, Mauersberg
und Boden, Lengefeld, Hermsdorf und Zaunhaus, u. a. O.“ enthalte.
„Er ist bald rein (und dann meist körnig-blätterig), bald mit Erden oder Erzen
vermengt, in welchem Falle die Eisenerze häufig selbst wieder kleine, oft
granathaltige Lager bilden.“
Im speziellen, beschreibenden Teil heißt es unter der Überschrift II. Das Amt Frauenstein Es „grenzt in Südwesten und Nordwesten ans Amt Freiberg, in Nordosten an Dippoldiswalde und Pirna, in Osten an Altenberg, in Süden an Böhmen, dehnt sich bei ziemlich regelmäßiger Gestalt nordnordwärts 3 Meilen weit aus…“ Schiffner führte neben der Stadt Frauenstein unter p) das Amtsdorf Hermsdorf wie folgt auf: „Hermsdorf (930 E.), liegt theils unter dem Namen der Scheibe auf rauher Höhe, theils von da aus in 2 Schluchten gegen die Weißeritz und die Bobritzsch hin, und zeigt an der Freiberg- Teplitzer Straße 1 Lehngericht mit Gasthof, so wie isolirt nächst der Landesgränze das nach Lohrmann 2.369‘‘ hoch stehende Zollhaus mit Nebenzollamt und Gastwirthschaft; ferner 5 große Kalkbrüche mit sehr wichtiger (meist domanialer) Brennerei, 1 Forsthaus, 3 Mühlen und Sägen, endlich entfernt an der Mulde oder Landesgränze das Flöß- und Teichhaus. Die Kirche hat Wallenstein (im Dreißigjährigen Krieg) zerstört, und zu ihr war ehemals Moldau in Böhmen gepfarrt. In Westen der hohe Kühhübel, in Südosten der Hemmschuh, in Südwesten der große Töpferwald, wo man 1718 den letzten Vielfraß in Sachsen erlegte. Sonst baute man auch auf Anthracit.“
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Link zum Digitalisat:
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1856 plante man, eine ,Aufzugsmaschine'
für das Kalkwerk zu errichten (13566, Nr. 003).
Aufgrund einer Erkrankung
von Oberkunstmeister Friedrich Wilhelm Schwamkrug ging die Planung für
diesen Förderschacht zunächst nur schleppend voran. Es fehlten Zeichnungen und
Kostenvoranschläge. Erst gegen Ende 1857 sind die erforderlichen Gelder in Höhe
von 1.400 Thalern für Schacht und Förderanlage genehmigt worden und nun sollte der Bau bei
günstiger Witterung zügig erfolgen. Der gemauerte Schachtkopf sollte bis 1 Elle
über der Oberfläche massiv mit Kalk gemauert und der hölzerne Turm mit Brettern
und Schwarten verkleidet und mit hölzernen Schachttüren versehen werden.
Im gleichen Jahr wurde auch die Entlohnung der Arbeiter umgestellt, die nun nicht mehr nach der Menge gebrochenen Kalksteins in Ruthen, sondern nach dem Ausbringen an gebranntem Kalk in Scheffeln bezahlt werden sollten. Dazu legte man eine Auswertung der Resultate der letzten fünf Jahre zugrunde, die uns verrät, daß man pro Ruthe eingesetzten Kalksteins
an gebranntem Kalk ausgebracht hat. Da man davon ausgehen kann, daß in allen Öfen derselbe Kalkstein verwendet wurde, erwies sich der mit Torf und Holz befeuerte Ofen hinsichtlich des Ausbringens als am effektivsten. Übrigens ermittelte man ein Jahr später auch die Gesamtkosten für die Herstellung eines Scheffels gebrannten Kalks (13476, Nr. 320) zu
Wie leicht zu ersehen ist, bewirkte
natürlich die Feuerung allein mit Holz auch die höchsten Gestehungskosten
insgesamt... In
diese Gesamtkosten gingen aber auch die Löhne der Arbeiter und der des
Dagegen hatten die Abnehmer in Hermsdorf zu bezahlen (13476, Nr. 320):
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Durch den Geheimen Finanzrat von Tolenz
wurde 1858 der Auftrag ausgelöst und daraufhin vom Oberbergamt Oberkunstmeister
Schwamkrug angewiesen, sich nach Hermsdorf zu begeben, um sich mit dem
hohen Brennstoffverbrauch der Rüdersdorfer Öfen zu befassen und Möglichkeiten
zur Erhöhung der Effizienz zu finden (13476, Nr. 320).
Dort ermittelte dieser, daß man zurzeit im Schnitt über 283 Leipziger Pfund
Brennstoff (Scheitholz, Stockholz, Torfziegel und böhmische Braunkohle)
benötige, um einen Scheffel Kalk zu erzeugen.
Anhand seiner Beobachtungen machte er daraufhin eine ganze Liste von einfachen Verbesserungsvorschlägen: Man müsse das Brennmaterial gehörig zerkleinern, dürfe nur getrockneten Torf und getrocknetes Holz verwenden, die Roste im Brennofen „vernünftig eng legen“, man solle das Brenngut auf dem Rost gut verstreuen, um einen gleichmäßigen Brand zu erreichen, auch ein gleichmäßiges Brennstoffgemisch verwenden, um Schwankungen der Hitze zu vermeiden. Ferner könne man die Öfen mit einem düsenartigen Aufsatz zur Erhöhung des Zuges und mit einer Regulierungsklappe versehen, die Aschefall- und Kalkauszugsöffnungen dicht schließend mit Klappen versehen, um das Kalkbrennen zu erleichtern, dem Ofen Feuchtigkeit zuführen und die Feuerungen nicht gleichzeitig nachfüllen, sondern hintereinander und dann nur mit kleinen Portionen, um ein effektives Brennen zu erreichen. Nach einem Schreiben der zuständigen II. Abtheilung im Finanzministerium vom 8. Februar 1859 habe sich dabei ferner herausgestellt, daß bei Feuerung mit gespaltenen weichen Hölzern und Braunkohle die besten Ergebnisse erzielt wurden. Deshalb sollen zukünftig nur noch diese Brennstoffe verwendet werden, dagegen das Feuern mit Nassau'er oder Rechenberg'er Torf eingestellt oder nur, wenn nicht genügend Braunkohle vorhanden oder beschaffbar war, noch Torf genutzt werden. Auch im Hinblick auf die Kosten war diese Art der Befeuerung am günstigsten; nur ließ sich die dabei anfallende Braunkohlenasche (ihres Schwefelgehaltes halber) nicht verkaufen. Lokalaufseher Schmutzler vom Kalkwerk Hermsdorf und Schwamkrug unternahmen im August 1859 sogar eine gemeinsame Reise in das preußische Rüdersdorf, um sich dort über den Ofenbetrieb und die wirtschaftlichen Verhältnisse zu informieren.
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Eine Akte des Bergamts Altenberg (40006,
Nr. 227) berichtet uns auch von einem Besuch einer „Hohen Kommission“ am
19. August des Jahres 1859. In Bezug auf die Kohlegrube am Brandberg, die
dazumal vom fiskalischen Kalkwerk in Zaunhaus genutzt wurde, wurde dabei
beschlossen, „zur Beseitigung böser Wetter und zu großer Wärme in der
Kohlengrube des Brandberges … einen Luft- und Lichtschacht“ niederzubringen.
Beim Kalkwerk zu Hermsdorf sollte ein neuer Kohlevorratsschuppen errichtet
werden. Auf die Erneuerung der Essenhaube auf dem älteren Rüdersdorfer Ofen in
Hermsdorf wollte man dagegen vorerst noch verzichten und erst die Resultate der
Ausbesserungsarbeiten an den „Feuerhöhlen“ und den Einbau besserer Roste
abwarten. Anschließend konnte man ja immer noch über einen möglichen Einsatz von
Schönfelder Steinkohle für die Feuerung der Kalköfen dort entscheiden.
Aus dem Jahr 1861 stammt dann Schriftwechsel zwischen dem Rentamt Frauenstein und der Amtshauptmannschaft in Freiberg (40006, Nr. 227), welchem zu entnehmen ist, daß im fiskalischen Kalkwerk in Zaunhaus gerade die Kesselöfen umgebaut worden sind, um sie sowohl mit Schönfelder Stein- als auch mit böhmischer Braunkohle befeuern zu können. Der in Zaunhaus zuständige Localaufseher Schmutzler befürchtete durch die Vermischung der Brennstoffe, daß ein gesundheitsschädlicher Rauch und Dunst entstehe, der dann über den Werkshof zieht und die Gesundheit der Kalkwerksarbeiter beeinträchtige. Die Bedenken wurden auch vor der zuständigen II. Abteilung des Königlich sächsischen Finanzministeriums erörtert. Gleichartige Diskussionen gab es um den Neubau eines weiteren Kesselofens in Hermsdorf, den Oberkunstmeister Schwamkrug für die Düngekalkerzeugung neben den bestehenden Rüdersdorfer Öfen empfohlen hatte. Wie die Behörden diesbezüglich entschieden haben, geht aus dem Inhalt dieser Akte leider nicht hervor. Die Akte des Bergamtes Altenberg (40006, Nr. 227) enthält schließlich noch das Angebot des damaligen Eigentümers der Schönfelder Anthrazitwerke, der Zwitterstocksgewerkschaft Altenberg, über den Verkauf der Kohlengruben in Schönfeld an die fiskalischen Kalkwerke. Die Werksleitung in Hermsdorf war – schon wegen der kurzen Transportwege – natürlich interessiert und ließ umgehend ein Gutachten dazu erstellen. Dieserhalb nahm am 14. Oktober 1863 der Vizebergmeister Carl Lucius aus Altenberg eine Befahrung des Zwitterstocks- Gewerkschaftlichen Anthrazit- Kohlenwerks zu Schönfeld, gemeinsam mit dem Hüttenverwalter der Zwitterstocksgewerkschaft, Carl Gottlieb Fischer, und dem Steiger der Grube, dem Herrn Carl Gottlieb Lehmann, vor und schrieb seine gutachterliche Stellungnahme als „Registratur“ nieder. Weil die Brennstoffversorgung der Kalköfen natürlich immer ein bedeutender Kostenfaktor gewesen ist, interessiert uns das auch und wir zitieren daher Herrn Lucius ausführlicher zu diesem Thema. Seinem Bericht kann man entnehmen, daß „die Schönfelder Kohlenflötze, welche bekanntlich zum größeren Theile aus ziemlich reiner Glanzkohle (Anthracit) bestehen, und mit einigen Conglomerat-, Kohlensandstein- und Schieferthon- Schichten vergesellschaftet mitten im Porphyr innen liegen, daher auch ziemlich mächtige Porphyrmassen zu ihrem Dach, wie in ihrer Sohle haben, sind im Dorfe Schönfeld durch 2 Stollen, den oberen oder Jacober Stollen, und den tiefen oder Hilfe Gottes Stolln, aufgeschlossen und von diesen aus bereits seit längeren Jahren bebaut worden. Mit dem oberen, ziemlich hoch oben im Dorfe Schönfeld angefahrenen und nach Nord- Ost in das Kohlengebirge getriebenen Stolln sind in den früheren Betriebsperioden mehrere Kohlenflötze ausgerichtet worden, von denen sich vorzugsweise zwei, nämlich das Jacober und sodann das mittägige oder Hönel’sche Flötz, als abbauwürdig erwiesen haben und welche daher auch nach ihrer weiteren Aufschließung mit dem oberen Stolln in Mitternacht und resp. in Mittag über und theilweise auch unter dessen Sohle wirklich abgebaut worden sind.“ Der Betrieb der Unterbaue, welche bis zu 5 Lachter unterhalb der Stollnsohle reichten, mußte man der starken Wasserzuläufe wegen jedoch aufgeben. Bereits im Jahre 1802 hatte man deshalb begonnen, den Tiefen oder Hilfe Gottes Stolln vorzutreiben. Er setzte unterhalb der Schönfelder Kirche an, lag am Neu- Schacht 21 Lachter tiefer als der obere Stolln und ist „von seinem Mundloche aus zunächst nach Morgen, dann nach Nordost bis an das 7 Lachter tiefe erste Lichtloch, oder den Hilfe Gottes’er Tageschacht und von da wieder nach Morgen bis an den 28 Lachter saigere vom Tage niedergebrachten Neu- Schacht, von diesem abder sodann nach Südost getrieben und gegenwärtig von seinem Mundloche aus auf überhaupt circa 387 Lachter Länge zu Felde gebracht. Mit dem tiefen Hilfe Gottes Stolln ist von dem vorbemerkten Hilfe Gottes’er Tageschachte aus in Morgen zunächst das Hilfe Gottes’er Flötz, jedoch von unbauwürdiger Beschaffenheit, und sodann weiter in Ost das Römische Flötz, dessen Aushieb über dem Stolln, soweit es daselbst bauwürdig angetroffen wurde, bereits früher erfolgt ist, überfahren worden, während die vom Betriebe des oberen Stollns her bekannten Kohlenflötze und von diesen zunächst das Jacober Flötz, dem tiefen Stollnorte noch vorliegen und durch dessen Weiterbetrieb in Südwest eingeholt werden sollen.“ Desweiteren äußerte sich der Beamte lobend über den guten Zustand des Stollns, der jedoch auch überwiegend im ganzen Gestein stehe und nur an einigen Punkten der Zimmerung bedürfe. Den Abschnitt vom Hilfe Gottes’er Schacht in Richtung Mundloch freilich hatte er gar nicht befahren, weil der „nur der Wasserabführung dient und das Laufwerk deshalb nicht mehr unterhalten“ werde. Das Stollnort stehe jetzt in zersetztem Porphyr, der große Festigkeit besitze, so daß zum Vortrieb Sprengarbeit angewendet werden müsse. Deshalb sei das Lachter Vortrieb an die dort tätige Mannschaft auch zu 18 Thaler, inklusive Pulver, verdungen. Die Werksleitung erwartete, gestützt auf den Grubenriß, daß man nach weiteren etwa 10 Lachter Auslängung in das Jakober Flöz einschlagen werde, „sofern besagtes Flötz überhaupt bis in die tiefe Sohle niedersetzt, wie jedoch kaum zu bezweifeln sein dürfte.“ Der Beamte war sich nicht so wirklich sicher, ob das Unternehmen gelingt, aber weil er wohl im Auftrage der Zwitterstocksgewerkschaft – also des Verkäufers – zugange gewesen ist, konnte er natürlich nicht schreiben: Aber es könnte auch anders sein… Die ausgehauene Steinkohle wurde mittels eines Göpels über den Neu- Schacht, der beim Hönel’schen Gute angesetzt war, zutage gefördert. Auch über den Zustand des Schachtausbaus äußerte sich der Vizebergmeister ausgesprochen lobend. Nun – der derzeitige Besitzer, die Zwitterstocksgewerkschaft zu Altenberg – kannte sich schließlich mit dem Bergbau aus. Mit diesem Schacht habe man „nach Durchsinkung mehrerer bereits früher angetroffener, schmaler Flötze mit einiger Kohleführung, bei 16 Lachter Teufe das Jacober Flötz ersunken und hier die beim Werke jetzt allein gangbaren Kohlenabbaue etablirt.“ Dieser Abbau erfolgte über Strecken im Streichen des Flözes nach Norden und Süden und von diesen ausgehende Steigorte. Das Flöz besitze eine „veränderliche, stellenweise jedoch bis zu 3 Ellen und darüber ansteigende“ Mächtigkeit, bestehe „zum größeren Theile aus ziemlich reinem Anthracit, … der mitunter in schönen, ganz compakten Parthien einbricht“ und habe sich fast durchweg als bauwürdig erwiesen. Das Lager falle mit 20° bis 26° in Ost und streiche im Wesentlichen hora 1,3, jedoch erscheine es namentlich in südlicher Richtung „infolge der erlittenen Störungen als mehr oder weniger gewunden…“
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Nunmehr sei einerseits geplant, Durchschläge
auf die unterhalb des oberen Stollns bereits verführten Abbaue herzustellen und
diesen damit Wasserlösung zu verschaffen. Auf dieser Sohle habe man schließlich
das Flöz auf rund 70 Lachter seines Streichens nach Süd, schon bis nahe an den
Neuschacht heran, als bauwürdig vorgefunden. Andererseits plante man,
dieses Flöz auch mit dem tiefen Stollnort anzufahren, wo man in Analogie zu
anderen Kohlenlagern erwartete, daß sich die Mächtigkeit des Flözes in der Tiefe
erhöhen und seine Kohlenführung noch verbessern werde. Der Beamte schlußfolgerte
also, es „stellen sich nicht ganz ungünstige Aussichten in Betreff der
Nachhaltigkeit des Kohlenabbaus bei dem Schönfelder Werke, …worüber indessen ein
sicherer und zuverlässiger Nachweis lediglich durch weiter Aufschließung des …
Kohlengebirges erlangt werden kann.“ Es ist wieder erstaunlich, wie es
dieser Beamte vermochte, im gleichen Satz zu sagen: Alles wird gut, aber…
Jedenfalls könne er noch keine Berechnung der noch anstehenden Kohlenvorräte und
deren Wertes vornehmen. Jedoch bestätigte er noch einmal, daß „die
gegenwärtige Beschaffenheit des Werkes in allen seinen Theilen als eine gute und
tüchtige“ zu bezeichnen sei. Vor allem sei von Vorteil, daß die mit sehr
erheblichem Kostenaufwande verbundene Ausrichtung der Kohlenlager ja schon
erfolgt sei, so daß für die nächste Zeit keine kostspieligen Hilfsbaue mehr
erforderlich seien. Außerdem stehe ein „lebhafter Absatz der producirten
Kohlenquanten“ in Aussicht – mit den Kalkwerken in der Umgebung waren ja
Großabnehmer vorhanden, so daß an einem nutzbringen Betrieb der Grube eigentlich
kaum zu zweifeln sei.
Unter III. Sonstige Bemerkungen liest man dann schließlich noch in Lucius’ Bericht, daß das Werk derzeit mit 1 Steiger und 6 Mann belegt sei. Die Zwitterstocksgewerkschaft habe es 1799 erworben und ab 1802 tatsächlich Kohle gefördert, und zwar seitdem bis 1862 eine Menge von 199.171 ½ Scheffel, wofür man einen Erlös von 64.528 Thalern erzielt habe. Ferner seien auch etwa 3.000 Scheffel bereits ausgeförderter Kohlen beim Werk aufgehaldet, für die man bei einem Verkaufspreis von 9 Groschen, 4 Pfennigen pro Scheffel (wovon 4 Pfennige das Maßgeld darstellten) rund 1.000 Thaler Einnahmen erzielen könne. Dabei habe man den Preis pro Scheffel Steinkohle aber bereits um einen Groschen senken müssen, um den Absatz zu vermehren. Letzterer erfolge im Wesentlichen in die nähere Umgebung, namentlich nach Hermsdorf, „wo man sie überall zum Kalkbrennen einsetzt;“ er sei trotzdem jedoch nicht wirklich angestiegen, weil die Nachfrage nach Kalk wegen „der Überhandnahme anderer Düngungsmittel, deren sich jetzt der Landmann statt des gebrannten Kalkes zu bedienen pflegt“ und des Rückganges des Flachsbaus, bei welchem der gebrannte Kalk als Hauptdüngemittel angewendet wurde, stetig gesunken sei. Auch das fiskalische Kalkwerk in Hermsdorf habe im Mittel der Jahre von 1852 bis 1862 nur 532 Scheffel Kohle abgenommen. Aus allen diesen Gründen habe das Werk zwar im gleichen Zeitraum pro Jahr etwa 2.094 Scheffel Steinkohle ausgebracht, von denen jedoch durchschnittlich nur 1.808 Scheffel verwertet ‒ also verkauft ‒ werden konnten. Die durchschnittlichen Gestehungskosten pro Scheffel Steinkohle in den letzten zehn Jahren errechnete Herr Lucius zu 11 Groschen, 1 Pfennig – also einiges mehr, als der derzeit erzielbare Verkaufspreis – gab dabei aber zu bedenken, daß darin auch der Aufwand für das Fortbringen des Tiefen Stollnortes inbegriffen sei. Auch unter Abzug der betreffenden Kosten komme man freilich noch immer auf wenigstens 10 Groschen Kosten pro Scheffel, weswegen ein gewinnbringender Betrieb derzeit nicht möglich sei. Folglich seien auch noch die Erwerbskosten und verschiedene Vorschüsse für das Werk von in Summe 7.897 Thalern unbeglichen. Das Königlich sächsische Finanzministerium in Dresden lehnte den Ankauf des Kohlenwerkes durch die Kalkwerksadministration in Hermsdorf daraufhin zunächst ab. Namens der Kalkwerksadministration zu Hermsdorf bestätigte Herr Uhlich vom Rentamt zu Frauenstein dann mit Schreiben vom 11. November 1863 dem Finanzministerium die Abnahme von durchschnittlich 500 Scheffel Kohle in den zurückliegenden Jahren; teilte aber gleichzeitig auch mit, daß man 1862 in Hermsdorf schon 1.175½ Scheffel Kohle verwendet habe und daß – weil man vorzüglich die Schönfelder Steinkohlen für die Erzeugung des billigeren „Kohlenkalks“ einsetze – sich der Bedarf in den nächsten Jahren noch um 1.500 bis 1.800 Scheffel jährlich steigern könne. Sollte gar der von Oberkunstmeister Schwamkrug empfohlene Bau eines zweiten Kesselofens erfolgen, würde sich der Bedarf an Steinkohlen sogar auf 2.000 bis 2.500 Scheffel jährlich erhöhen. Ferner wies er darauf hin, daß das Kohlenlager am Brandberge bei Zaunhaus bald erschöpft sein könne und daß dieses Kalkwerk dann ebenfalls wieder Kohle aus Schönfeld einsetzen müsse. Damit schließt aber auch der Akteninhalt (40006, Nr. 227), so daß wir hieraus nicht erfahren, wie es um den Ankauf des Steinkohlenwerkes fortgegangen ist. Aus den Erläuterungen zu den geologischen Karten (siehe Abschnitt zur Geologie oben) wissen wir aber, daß der Sächsische Staatsfiskus das Kohlenwerk 1871 dann doch erworben und noch bis 1896 betrieben hat. Nach der Inhaltsangabe zur Akte erfolgte im gleichen Zeitraum noch die Zurruhesetzung des damaligen Steigers und Kalkbrennangestellten Friedrich Wilhelm Hengst (senior) und die Berufung seines Sohnes Friedrich Wilhelm Hengst (junior) in das gleiche Amt.
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Hinsichtlich der Verwaltung und technischen Aufsicht über die beiden Kalkwerke in Hermsdorf und Zaunhaus erging 1859 eine schriftliche Anweisung von einem Kommissionsrat Constantin, daß ab sofort die Buchführung dahingehend zu präzisieren sei, daß jeder verkaufte Posten mit Nummer versehen werde, daß aus dem Abrechnungsbuch die Sorte, Menge, für Geld oder auf Credit, zu ersehen und mit Datum versehen sein solle, auch Lohnbücher für die Mitarbeiter zu führen sind, wo auch Naturalabgaben einzutragen sind, verpflichtete Kalkmesser wie in Wolkenstein und Schwarzenberg auch in Hermsdorf und Zaunhaus angestellt werden und schließlich alle Vierteljahre die Rechnungslegung durch die Lokalaufseher im Rentamt erfolgen solle, wo auch die Hauptjournale geführt werden (13476, Nr. 334). Das Rentamt brachte noch in Vorschlag, den Kalkarbeitern, die nebenbei Kalk und Asche vermessen, das gezahlte Meßgeld vom Accordlohn abzuziehen. Man befürchtete wohl Mehrkosten. In Zaunhaus und bei 5.000 verkauften Scheffel Kalk und Asche wären das jährlich um die 16 Thaler gewesen. Dies wurde aber vom Kommissionsrat Constantin abgelehnt. Allerdings sollten auch die Kalkmesser ein Handjournal führen, wo alle Verkäufe nummeriert und dokumentiert sind und die Eintragungen müssen mit den Angaben des Verkaufsbuches vom Lokalaufseher übereinstimmen. Natürlich diente dies dem Zweck, zu verhindern, daß private Geschäfte gemacht werden... Um 1860 waren auf dem Kalkwerk Hermsdorf insgesamt 40 Arbeiter angelegt. In einem Erlaß vom Oktober 1859 wurde Carl Gottlieb Friedrich Schmieder als Kalkmesser verpflichtet, wobei er „dabei aber die Bedeutung erhalten soll, daß, wenn er bei dem Kalkmessen oder bei der Arbeit betrunken gefunden, seine sofortige Entlassung erfolgen solle.“ Man sollte es nicht glauben, aber das Problem des Betrinkens trat offenbar des öfteren auf ! 1861 erfolgte eine weitere Revision des fiskalischen Kalkwerkes durch Berginspektor Richter und Oberkunstmeister Schwamkrug (13476, Nr. 334). Dabei war zu bemängeln, daß die Arbeiter im Walther'schen Kalkbruch unter losen hängenden Blöcken arbeiteten, auch von unten nach oben aushöhlten. Wegen der Unfallgefahr wurde angeordnet, daß man nur noch von oben nach unten den Kalkstein lösen und die Bruchmassen zerkleinern und abfördern dürfe. Die Ausmauerung des Wasserlösestollns vom ,Kalkbrennereifeld' war nun im Gange und sollte vollständig ausgeführt werden. Auch eine weitere Erschließung des Brennereifeldes durch Seitenflügel vom Stolln aus war geplant. Außerdem empfahlen die Fachleute, daß beim Walther'schen Bruch noch ein weiterer Brennofen für die Düngekalkherstellung erbaut werden solle, wogegen jedoch das Rentamt vorschlug, einen solchen Ofen beim ,Brennereifeld' zu errichten. Für den Walther'schen Kalkbruch könne durch eine maschinelle Fördereinrichtung, die als Wasseraufzug konzipiert wurde, Erleichterung und Kostenersparnis geschaffen werden. Einen Entwurf und Kostenvoranschlag lieferte Schwamkrug auch gleich: „Anlangend die Anlage eines Aufzugs beim Waltherbruche zu Hermsdorf, so dürfte derselben unterhalb des Bruches neben dem Wasserabzugsstolln an derjenigen Stelle zu errichten sein, welche nachhin außer dem Bereiche des Kalkschlagens liegt. An dieser Stelle ist ein Schacht bis Stollnsohle niederzubringen, welche eine Teufe von beiläuffig 25 Ellen zu erhalten hat. Derselbe dürfte in Mauerung zu setzen sein, da bei einer hölzernen Verwahrung durch die von Zeit zu Zeit wiederkehrende Erneuerung derselben empfindliche Betriebsstörungen für den Kalkbruch veranlaßt werden würden. Unmittelbar auf diesem Schacht ist der Aufziehthurm, ebenfalls mit steinerner Umfassung zu setzen und demselben eine solche Höhe zu geben, dass der Kalkstein sofort in die hier unweit des Bruches künftig aufzustellen beabsichtigten Kesselöfen vorgelaufen werden kann. Zu diesem Behufe wird vom Aufzuge aus in 8 Ellen Höhe über der Bausohle eine circa 80 Ellen lange, auf Böcken ruhende Brücke anzulegen sein, die auch jetzt schon sich nützlich erweisen wird, indem der zur Zeit lediglich zum Verkauf gebrochen werdende Kalkstein von gegen 100 Ruthen jährlich in Ruthen einzuschlagen ist, die längs dieser Brücke rechts und links unterhalb derselben aufzustellen sein würden und hierzu der Kalkstein von der Brücke aus an der jedesmal geeignetesten Stelle herabgestürzt werden kann. Besitzt auch jetzt der Bruch in der Sohle des Wasserabzugsstollns noch keine Ausdehnung, so wird eine solche doch in wenig Jahren erlangt werden. Unterhalb und um die Kräfte der Arbeiter möglichst vorteilhaft zu benutzen, ist es zweckmäßig, in der Sohle des Kalksteinbruches sowohl, als auf die Auslaufbrücke des Aufzugs Eisenbahnen anzulegen und Förderwagen von einer Kubikelle Fassungsraum einzuführen, hierauf ist der Aufzug eingerichtet, und es erfordert das Emporheben der Ladung eines Wagens von 620 Pfund gegen 17 Kubikfuß Wasser. Ein an der Gimmlitzbach gefaßte Röhrenleitung von circa 1400 Ellen Länge und 3 Zoll Weite mit 8 Fuß Gefälle liefert pro Stunde 3 Cubikfuß Wasser. In zehnstündiger Arbeitszeit eines Tages laufen mithin 10 x 60 x 3 = 1.800 Cubikfuß Wasser zu, womit 1.800 : 17 = 106 Cubikellen oder rund 2 Ruthen Kalkstein aufgezogen werden können. Die Röhrentour hat das Wasser in einem im Aufzugthurm aufzustellenden Wassertrog auszugießen, um vom letzteren aus den Aufzug je nach Bedarf speisen zu können. Der Fassungspunct der Röhrentour an der Gimmlitzbach muß deshalb gegen die Bausohle am Aufzuge um mindestens 35 Fuß höher liegen, wenn der Aufzug möglichst einfach werden soll, mithin ein Vorgelege, wie der Aufzug am Kalkbrennereifeldbruche besitzt, nicht erhalten soll. Dieser Punct an der bezeichneten Bach liegt, nach ungefährer Ermittlung, gegen 1.400 Ellen von der Stelle des Aufzugs entfernt.“ Die Kosten für einen solchen Wassertonnenaufzug berechnete der Oberkunstmeister zwar zu 2.716 Thalern, 16 Groschen und 6 Pfennigen. Die Bedienung des Aufzuges würde dann aber auch nur zwei Mann erfordern, einer im Bruch und einer übertage. Die Kosten für die Förderung einer Ruthe Kalkstein aus dem Waltherbruch würden sich so von 2 Thalern auf nur noch 10 Groschen Lohnkosten reduzieren... Ungefähr so ähnlich dürfen wir uns gewiß auch den bereits ab 1857 am Kalkwerk errichteten Aufzug vorstellen...
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Aus demselben Jahr 1861,
und zwar vom 17. Mai, stammt ein Gutachten, welches von einem unbekannten
Verfasser nur mit „H. Mr.“ ‒ vermutlich einer der Markscheider des
Bergamtes in Freiberg ‒ unterzeichnet ist. Demnach hatte der Gutsbesitzer
Karl Friedrich Liebscher dem fiskalischen Kalkwerk, eigentlich also dem
sächsischen Staatsfiskus, den Ankauf von weiteren Flächen seines Gutes angeboten, unter
denen Kalkstein läge. Eine Abschrift dieses Gutachtens, welches die
Brauchbarkeit und den Wert der Flächen bestimmen sollte, haben wir in den Akten
des Bergamtes Freiberg gefunden (40010, Nr. 3402, Blatt 1ff).
Weil daraus hervorgeht, daß der Fiskus, bevor man denn Geld ausgab, inzwischen
doch lieber einmal einen Fachmann nachschauen ließ, ob es sich auch lohne und
wie damals eine geologische Erkundung erfolgt ist, zitieren wir daraus folgende,
ausführliche Auszüge:
Gutachten „Das dem Staatsfiskus zum Kaufe angebotene, ungefähr 17 Scheffel Fläche einnehmende Grundstück des Gutsbesitzers Karl Friedrich Liebscher zu Hermsdorf liegt im Bereiche des über den größten Theil der Fluren von Hermsdorf ausgebreiteten und durch ihre häufige Kalksteinführung ausgezeichneten Thonschieferregion, und zwar am rechten oder nordöstlichen Abhange des Gimmlitz Thales, zwischen den beiden Haupt Complexen des dasigen fiskalischen Kalkwerkes und Grundstücke. Wie aus der anliegenden Riß Copie, worauf die Lage und der ungefähre Umfang des fraglichen Grundstückes angegeben, zu ersehen ist, grenzt letzteres mit seiner südöstlichen langen Seite unmittelbar an die, bei dem vormals Walther'schen Kalkbruche gelegenen fiskalischen Feldparcellen Nr. XIII und XIV und an die Wiesenparcelle Nr. 8, in der Distanz zwischen dem Gimmlitzbache und dem Rainsteine Nr. 44. Um nun über die Existenz und eventuell über die Ausdehnung und Beschaffenheit des dem Vermuthen nach unter dem Liebscher’schen Grundstücke lagernden Kalksteins Aufschluß zu erlangen, wurden zunächst die auf der anliegenden Rißcopie mit ihrer Lage ersichtlichen, durch rothe Ziffern bezeichneten Schürfe Nr. 1 – 19 in dem oberen Theile des Grundstückes, außerdem aber auch noch ein Schurf Nr. 20 auf der benachbarten fiskalischen Feldparcelle Nr. XIV angelegt. Von einer Anlage von Schürfen im unteren, zunächst des Gimmlitzbaches gelegenen Theile des Liebscher'schen Grundstückes mußte wegen der großen Bodennässe daselbst und wegen des deshalb zu erwartenden starken Wasserzudranges abgesehen werden, was übrigens auch insofern unbedenklich erschien, als hier der Nachweis eines Kalklagers bei der geringen Abbauhöhe über der Thalsohle von unerheblichem Werthe sein würde. Jeder der Schürfe ist 3½ - 4 Ellen lang, 1½ - 2 Ellen weit und 3 – 4½ Ellen tief bis in das feste anstehende Grundgestein niedergebracht worden. Mit Ausnahme der beiden Schürfe Nr. 11 und 12 und des mit Nr. 13 bezeichneten, 7 – 8 Ellen weiten und angeblich 8 Ellen tiefen, alten Kalkbruches, ist jedoch in allen Schürfen nur reiner Thonschiefer oder Thonglimmerschiefer ohne irgendwelche Spur von Kalkstein aufgeschlossen worden. Mit dem Schurfe Nr. 11, der in 15 Ellen westlicher Entfernung von dem alten Kalkbruche liegt, wurden bei 2 ½ Ellen Tiefe, unter der Bedeckung von lehmiger Dammerde und Schieferschutt Felsbuckel von anstehendem, weißen, reinen, körnigem Kalkstein angetroffen. Um über dem Zusammenhang desselben mit dem angeblich in dem benachbarten alten Kalkbruche anstehenden Kalkstein sowie über dessen Verbreitung weiteren Aufschluß zu erlangen, wurde ferner zwischen dem Punkte Nr. 11 und dem alten Bruche (Nr. 13) ein 3½ Ellen tiefer Schurfgraben bis auf das feste Gestein hergestellt, sodann ein gleicher Graben von Nr. 11 aus in südwestlicher Richtung am Gehänge hinab auf 46 Ellen Länge und später ein anderer, 3 – 4 Ellen tiefer Schurfgraben vom alten Bruche aus in östlicher Richtung, auf 24 Ellen Länge am Gehänge hinauf gezogen, in der Lage, wie nebenstehende Skizze ungefähr angiebt.“
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Weiter heißt es hier:
„Dabei fand man in der Sohle des Grabens zwischen Nr. 11 und 13 auf 7½ Ellen Länge von Nr. 11 weg gegen Ost durchaus reinen, weißen Kalkstein, weiter gegen den Bruch hin aber zersetzten, unreinen Kalkschiefer, ferner ebenso von Nr. 11 aus gegen Südwest zunächst auf 10 Ellen Länge reinen, weißen Kalkstein, weiterhin aber nur Thonschiefer anstehend, während in dem von dem alten Bruche gegen Ost am Gehänge hinauf ausgeworfenen Graben auf die nächsten, unteren 8 Ellen vom Bruche weg zersetzter, unreiner und mit Thonschiefer vielfach wechselnder Kalkschiefer, weiter oben aber nur reiner Thonschiefer blosgelegt wurde, dessen Schichten ebenso, wie die des Kalkschiefers unter durchschnittlich 20° gegen Ost einfallen und nach hora 11 des bergmännischen Compasses streichen. Mit welcher Beschaffenheit der Kalkstein in dem alten Bruche ansteht, läßt sich jetzt nicht unmittelbar beobachten, da der letztere, soweit er nicht wieder ausgestürzt ist, voll Wasser steht, über dessen Spiegel ein nur 2 – 3 Ellen hoher, mit Rasen bedeckter Stand emporragt. Aus den vorhin angegebenen Aufschlüssen in den Schurfgräben oberhalb und unterhalb dessselben, läßt sich aber folgern, daß er von der Oberfläche nieder auf dem größeren Theil seiner Tiefe von angeblich 8 Ellen in dem unreinen Kalkschiefer und nur erst zuletzt bis auf den darunter liegenden reinen weißen Kalkstein niedergebracht ist. Da indessen die durch die angelegten Schurfgräben erzielten Aufschlüsse weder über die Mächtigkeit der dasigen Kalksteinablagerung, noch über deren Fortsetzung in die Tiefe ganz zuverlässige Schlußfolgerungen gestatteten, so erschien es zweckmäßig, hier noch ein Bohrloch niederzustoßen. Ein solches wurde in dem oberen Schurfgraben, in 8 Ellen östlicher Entfernung von dem oberen Bruchrande, hart an der oberen, hangenden Grenze der Kalksteinschieferschichtenangesetzt und im Ganzen 23½ Ellen tief niedergestoßen. Man durchteufte damit auf
Dieses Resultat stimmt mit den durch die Schurfgräben bewirkten Aufschlüssen fast genau überein. Die an diesem Punkte auftretende Kalksteinmasse bildet demnach ein durchschnittlich hora 11 streichendes und 20° gegen Ost geneigtes Lager im Thonschiefer oder – was wahrscheinlicher ist – einen liegenden Stock von 14¼ Ellen eigentlicher, rechtwinklig gegen die beiden Salbänder gemessener Totalmächtigkeit, wovon die obere, 8½ Ellen Mächtigkeit einnehmende Abtheilung aus unreinem, mit Thonschiefer vermengten Kalkschiefers, die untere 5¾ Ellen mächtige Abtheilung aber aus reinem, weißem Kalkstein von vorzüglicher Qualität besteht. Zur Ermittlung der Ausdehnung dieses liegenden Kalkstocks in der Richtung seines Streichens konnten wegen der Kürze der Zeit leider weiter keine Versuche ausgeführt werden. Indessen läßt die in Bezug auf räumliche Ausbreitung als Regel obwaltende große Unbeständigkeit der in der Umgegend bekannten Kalkmassen eher ein baldiges Ende, als ein weites Fortsetzen des fraglichen Kalkstocks voraussetzen. Daß letzteres wirklich nicht stattfindet, ist übrigens daraus zu schließen, daß weder in den Schürfen Nr. 18, 14 und 7, die in dem ungefähren nördlichen Streichen dieses Kalkstockes liegen, noch auch auf der Südseite, in dem Schurfe Nr. 17, noch in dem die südliche Streichlinie überschneidenden Stollen des Walther’schen Bruches an dem entsprechenden Punkte ein Spur von Kalkstein aufgeschlossen worden ist. Was die mit dem Schurfe Nr. 12 aufgeschlossene Kalksteinparthie betrifft, so wurde selbiger bei 4 Ellen Tiefe unter dem darüber lagernden, reinen Thonschiefer erreicht, dessen Auflagerungsfläche das Streichen hora 6,4 und 20° – 25° Fallen gegen Nord zeigte. Die Kalkmasse bestand hier aus grauem und weißem, körnigem Kalkstein. Um ihre ganze Mächtigkeit zu erfahren, wurde im Tiefsten des Schurfes, unmittelbar auf dem erbrochenen Kalkstein, ein Bohrloch angesetzt und dasselbe auf
niedergestoßen. Demnach ist zu schließen, daß hier der Kalkstein nur einen unbeträchtliche Masse constituiert, die keine weitere Beobachtung verdient.“ An dieser Stelle liegen lose zwei schon ziemlich beanspruchte Blätter in der Akte, deren erstes (40010, Nr. 3402, Blatt 10a) die oben schon gezeigte Skizze etwas größer wiederholt, jedoch um eine Schnittdarstellung ergänzt.
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Die Erkundungsergebnisse
zusammenfassend schrieb der Verfasser weiter:
„Als das allgemeine Resultat der sämtlichen Schurf- und Bohrarbeiten auf dem Liebscher'schen Grundstücke ist nun hervorzuheben, 1.) daß weder die in dem benachbarten Walther’schen Bruche aufgeschlossene, sehr mächtige Kalksteinablagerung bis unter das fragliche Grundstück fortsetzte, 2.) noch auch sonst eine andere Kalksteinmasse von beträchtlichem Umfange in dem, für einen Steinbruchsbetrieb geeigneten Theile dieses Grundstücks nahe unter der Tagesoberfläche lagert, und 3.) daß überhaupt nur an einem Punkte dieses Grundstücks, nämlich bei dem dasigen alten Kalkbruche die Existenz einer zwar bauwürdigen, jedoch nicht sehr mächtigen, auch wahrscheinlich nicht weit fortsetzenden Kalksteinmasse nachgewiesen ist.“ Die Betrachtungen des Verfassers in Bezug auf den möglichen Wert des nachgewiesenen Kalksteins lassen wir weg und erwähnen darüber nur, daß derselbe abschätzte, daß man hier noch 6.900 Kubik- Ellen Kalkstein brechen könne, woraus man 21.600 Scheffel gebrannten Kalk erzeugen könne, was in Anbetracht der Förderung des bestehenden Werkes eine Betriebszeit von nur einem Jahr garantiere. Für diese Menge gebrannten Kalks könne man zwar einen Verkaufspreis von 3.600 Thalern erwarten, was aber dennoch für das fiskalische Kalkwerk bestenfalls nach Erschöpfung der gegenwärtig in dessen Besitz befindlichen Lager infrage käme. Über letztere schrieb der Verfasser (40010, 3402, Rückseite Blatt 6ff), daß „in dem dermaligen Hauptbruche auf dem Kalkbrennereifelde neben den Brennöfen... ist der, einer collosalen stockförmigen Kalksteinmasse angehörige Kalkstein zur Zeit auf ungefähr 120 Ellen Länge in der Richtung von Süwest nach Nordost, auf 50 bis 100 Ellen Breite und auf einer Tiefe von 40 bis 50 Ellen von der Gebirgsoberfläche nieder bis zur Sohle des herangebrachten Stollns aufgeschlossen. Nur auf der nordöstlichen Seite des Bruches, in der Nähe des Förderschachtes, hat man die Begrenzung des Kalksteins gegen den benachbarten Thonschiefer, welcher hier hora 3 – 4 streicht und 45° gegen Südost fällt, erreicht, während nach allen anderen Seiten hin noch Kalkstein vorliegt.“ Das andere, lose in der Akte liegende Blatt beinhaltet folgende Schnittzeichnung durch den fiskalischen Bruch am ,Brennereifeld', welcher hier auch als ,vormals Walther'scher, jetzt fiscalischer Kalkbruch' benannt wurde (40010, Nr. 3402, Blatt 10b).
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Als Randbemerkung ist im
weiteren Text noch festgehalten, daß sich der Ankauf des Liebscher'schen
Grundstückes allerdings dann lohne, wenn man beabsichtige, beide Brüche durch
einen Förderstolln zu verbinden, da dieser dann unter anderem unter demselben
hinweg verlaufe, was aber – bei voraussichtlich 2.275 Ellen Länge eines solchen Stollns – eine erhebliche Investition darstelle.
Man kann sich gut vorstellen, daß aus diesem Verkauf sicherlich nichts geworden ist. |
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Da der sächsische Staat den Kauf weiterer Abbaurechte also ablehnte, entwickelten sich in der Zwischenzeit auch anderenorts wieder Begehrlichkeiten. Aus dem Jahr 1863 stammt der folgende Prospekt für den Hermsdorfer Kalkabbau- Verein Druck von J. G. Wolf, Freiberg „Bei den gewaltigen Fortschritten der Neuzeit im Gebiete der Landwirthschaft und Industrie auch in dem sächsischen Erzgebirge konnte es nicht fehlen, daß auch den in der Flur des Dorfes Hermsdorf bei Frauenstein inmitten einer volkreichen Gegend auftretenden Kalksteinlagern neuerdings eine größere Aufmerksamkeit als früher gewidmet und seiten mehrerer landwirthschaftlicher Vereine und Industriellen dahin gestrebt worden ist, diese Kalksteinlager zu Gunsten der Landwirthschaft und Industrie nach Möglichkeit ausbeuten zu können. Waren deshalb schon vor zwei Jahren seiten fünf landwirthschaftlicher Vereine mehrere, die Abtretung des, dem Staatsfiscus als Realrecht zustehenden Abbaurechts jener Kalksteinlager, insoweit dieselben nicht auf Rechnung des Staatsfiscus bereits bebaut werden, an die Grundbesitzer bezweckende Eingaben an das Königliche hohe Finanzministerium gerichtet worden, so hat denn auch das Letztere mittelst hoher Verfügung vom 9. August 1860 mehreren Grundstücksbesitzern in Hermsdorf den Abbau des auf ihren Grundstücken liegenden Kalksteins unter den Bedingungen gestattet, daß von denselben 1) für die 288 Kubikellen haltende Ruthe Kalkstein ein Kaufpreis von 10 Thalern, beziehentlich bei Ruthen von nur 54 Kubikellen Inhalt der hiernach verhältnismäßig niedrigere Kaufpreis gewährt wird, daß demnächst 2) die Ruthen gebrochener Kalksteine vor ihrem Verkauf gehörig gemessen und aufgesetzt und nach dessen Erfolg in diesem Zustande von einem fiscalischen Aufseher nachgemessen und abgepostet werden, daß ferner 3) der Abbau des Kalksteinlagers nach einem regelmäßigen Betriebsplane und mit Vermeidung jedweden Raubbaus bewirkt wird, diese Betriebspläne aber vorher dem Königlichen Finanzministerium zur Prüfung und Genehmigung vorgelegt werden; und daß endlich 4) dem Staatsfiscus das gleichzeitige Abbaurecht, unter welchem allein das Recht zu verstehen ist, auf demselbem Grundstücke einen, von dem Bau der Grundbesitzer getrennten Abbau der etwa auf selbigem sich vorfindenden Kalksteinlager vorzunehmen, vorbehalten bleibe, Bedingungen, welche für den Abbau der in Rede stehenden Kalksteinlager durch Privatpersonen keineswegs so erschwerend sind, als es vorerst den Anschein gewinnen dürfte, wenn man erwägt, daß bei dem unter 1) bedungenen Kaufpreise von 10 Thalern für die 288 Kubikellen enthaltende Ruthe Kalkstein nur 7 ½ Pfennig auf einen Scheffel daraus producirten Kalk kommen, ein gleichzeitiger Abbau der neuerdings erschlossenen Kalksteinlager seiten des Staatsfiscus aber kaum zu erwarten steht, indem die von Demselben schon seit einer langen Reihe von Jahren bebauten Kalksteinlager unzweifelhaft noch Jahrhunderte nachhalten werden; angenommen aber auch, daß früher oder später ein unter 4) beregter gleichzeitiger Abbau eintreten sollte, die nach den neuesten Aufschlüssen vorhandenen Kalksteinlager selbst bei einer weit geringeren, als bis jetzt größtentheils bekannten Mächtigkeit, den beiderseitigen Bedarf auf mehrere hundert Jahre hinaus decken würden. Hatten nun zwar mehrere der betreffenden Grundstücksbesitzer in Hermsdorf von der ihnen nach Vorstehendem zu Theil gewordenen Begünstigung Gebrauch gemacht und begonnen, durch Anlegung von Schürfen auf ihren Grundstücken etwa vorhandene Kalksteinlager aufzusuchen, so waren diese Versuche, bei der Oberflächlichkeit derselben, doch nur an zwei Punkten von günstigem Erfolg begleitet gewesen und zeigten sich deshalb einige jener Grundbesitzer, da ihnen das erforderliche Kapital zur Vornahme durchgreifender Versuchsarbeiten nicht zu Gebote stand, bereit, diejenigen Parcellen, auf welchen Kalkstein nachgewiesen würde, zu verkaufen, oder auch das von ihnen erlangte Abbaurecht gegen eine entsprechende Entschädigung abzutreten. Unter solchen Umständen entschloß sich der unterzeichnete Verein mehrerer, mit den einschlagenden Verhältnissen vertrauter Männer der Umgegend, zunächst die erforderlichen Aufschließungsarbeiten kräftig in die Hand zu nehmen, und ist es diesem nach zweijährigen Mühen gelungen, theils durch mehrere Bohrlöcher, theils durch Niederbringung eines Versuchsschachtes das Vorhandensein von Kalkstein auf den Grundstücken der Gutsbesitzer August Friedrich Walter, Carl Friedrich Walter, Carl Gottlob Liebscher und August Ferdinand Walter, sämmtlich in Hermsdorf, insoweit nachzuweisen, daß eine dem großen Bedarfe der Landwirthschaft und industriellen Etablissements entsprechende Kalkproduction als auf mehrere Jahrhunderte gesichert angesehen werden muß, wie solches aus beigefügtem, in dieser Beziehung von Herrn Bergrath v. Cotta in Freiberg bestätigten Gutachten des Herrn Schichtmeisters Tittel daselbst näher ersichtlich ist. Dürfte es deshalb nunmehr an der Zeit sein, unverzüglich zum Abbau und der Verwerthung des in Rede stehenden Kalksteinlagers zu verschreiten und unterliegt es keinem Zweifel, daß dies am geeignetsten durch eine größere Gesellschaft geschehen wird, welche die zu einem umfänglichen Betriebe erforderlichen Geldmittel zu beschaffen im Stande ist, da ein auf genügendem Kapital begründeter rationeller Betrieb allein die bestmöglichste Ausnutzung der neuerdings außerordentlich vervollkommneten technischen Hilfsmittel und eine damit in enger Verbindung stehende möglichst wohlfeile Kalkproduction gestattet, so kam es demnächst darauf an, einer zu bildenden Abbaugesellschaft ein hinreichend großes Abbaufeld zu sichern und ist deshalb mit den obengenannten Grundstücksbesitzern bereits ein Vertrag rechtsgültig abgeschlossen worden, nach welchem dieselben dem dermaligen Vereine zunächst 30 Scheffel Areal mit unterliegendem Kalkstein, und zwar 10 Scheffel käuflich und 20 Scheffel Unterirdisches gegen entsprechende Entschädigung überlassen, außerdem aber sich verpflichten, sämmtliche Parcellen ihrer Grundstücke, auf welchen Kalkstein nachgewiesen worden ist oder nachgewiesen wird, an niemand anderes als den zu bildenden Kalkbauverein, an diesen aber erforderlichenfalls gegen eine Entschädigung von nur 100 Thalern für den unter einem Scheffel Land gelegenen Kalkstein abzulassen, eine Entschädigung, welche, obgleich an und für sich niedrig genug, bei der Größe des von vornherein zu erwerbenden Abbaufeldes, vor Ablauf von mindestens 80 Jahren keinesfalls zu leisten sein wird. Da endlich das gelingen eines größeren Kalk- Abbauunternehmens hauptsächlich von dem zu erzielenden Absatz an Kalk abhängig sein wird, so erschien es gerathen, sich über die Höhe des letzteren zu vergewissern und haben in dieser Beziehung die sorgfältigsten Erörterungen ergeben, daß der Bedarf an Kalk in einem Umkreise von 3 Stunden von Hermsdorf durch die fiscalischen Werke zeither kaum zum vierten Theile gedeckt, vielmehr noch eine sehr bedeutende Quantität Kalk aus Böhmen, Tharandt, Gersdorf usw. zugeführt worden ist, welche durch den in Hermsdorf zu gewinnenden Kalk zum größten Theile ersetzt werden dürfte, sobald dieser um etwas wohlfeiler als zeither geliefert werden kann. Tragen wir bei dieser Lage der Sache kein Bedenken, gegenwärtig zur Bildung einer größeren Kalkabbaugesellschaft unter dem Namen „Hermsdorfer Kalkbauverein“ zu verschreiten, so enthalten wir uns bezüglich der Rentabilität dieses vaterländischen und gewiß im allgemeinen Interesse liegenden Unternehmens aller weiteren Anpreisungen, verweisen vielmehr in dieser Beziehung auf das beigefügte technische Gutachten des Herrn Schichtmeisters Tittel zu Freiberg und laden hiermit zur Betheiligung unter nachstehenden Bedingungen ergebenst ein…“ Freiberg, den 1. Januar 1863
Das
Directorium für den Hermsdorfer Kalkabbau- Verein
Durch Ausgabe von insgesamt 500 Anteilscheinen im Wert von je 100 Thalern erstrebte der zu gründende Kalkabbauverein ein Anlagekapital von zunächst 45.000 Thalern, wobei sich die oben angeführten fünf Mitglieder des jetzigen Vereins davon aber jeder 25, in Summe also 100 Stück vorbehielten, so daß 400 Stück zur Zeichnung kommen sollten (40024-12, Nr. 9, ohne Paginierung eingeheftet nach Blatt 117). Mit den hier genannten landwirtschaftlichen Vereinen sind
die
Die Schürfversuche des landwirtschaftlichen Vereins sind auch in den ,Notizen‘ erwähnt, die dem oben zitierten Gutachten in dieser Akte noch angefügt sind (40010, 3402, Blatt 15f): Notizen über die Kalksteinlager und die Kalksteingewinnung in Hermsdorf. „Die Kalksteinvorkommnisse in der Schieferscholle der Gegend von Hermsdorf haben meist stockförmige, dem Schiefergestein discordant eingeschaltete Formen. In der Hauptsache scheint das Auftreten vorzüglich auf den westlich von Hermsdorf, am linken Gehänge des Gimlitzbachs gelegenen Theil des Urschiefers zu beschränken, wo mehr thonschieferartige Gesteine vorwalten sollen. Zu beiden Seiten von Niederhermsdorf sowie gegen Schönfeld hin soll, nach Auslassung des Herrn Schmutzler (Aufseher in dem Königl. Kalkwerke, dessen Vater bereits Aufseher bei diesem Werke war) bis jetzt kein Kalkstein gefunden worden, auch nicht das Schiefergestein derart zu sein, daß solcher dort zu finden wäre. Auf den Feldern von Oberhermsdorf sollen an mehreren Punkten Versuche auf Kalkstein vorgenommen worden sein, ohne zu dem erwünschten Resultate geführt zu haben. Neuerdings aber zwischen Oberhermsdorf und dem Zollhaus östlich von der Straße auf einem Bauerngrundstücke Kalkstein bis 5 Ellen mächtig aufgeschlossen worden. Anlangend die fiscalischen Brüche, so sind deren jetzt nur zwei gangbar: 1.) der Steinbruch an den Braunkohlenöfen (...) und 2.) der Walther'sche Steinbruch. 1.) die stockförmige Lagerstätte an den Braunkohlenöfen soll steil gegen Südost einfallen. Mit dem angeblich über 300 Lr. langen Stolln soll der Kalkstein erst kurz vor Einkommen in den Bruch erreicht, vorher aber in Schiefer aufgefahren worden sein. Mit dieser Lagerstätte hängt vermuthlich die Kalksteinlagerstätte bei dem neuen Hohofen zusammen, so daß sich demnach die Haupterstreckung derselben von SW. gegen NO. ausdehnen würden. 2.) der Walther’sche Bruch liegt ebenfalls auf einer mächtigen stockförmigen Kalkmasse, die nach Ost hin unter den Schiefer einschießt. Nach dem Bruche ist ein 96 Lachter langer Stolln von der Gimlitz herangetrieben, der noch mehre Ellen unter dem dermaligen Bruchtiefsten einkommt und die Wasser aus diesem Bruch durch ein Bohrloch abführt. In ungefähr 50 Ruthen nordöstl. Entfernung von dem Bruchrande des Walther'schen Bruches befindet sich auf dem Liebscher'schen Grundstücke ein verwachsener kleiner Kalkbruch (dessen Betrieb von dem Staatsfiscus früher nicht gestattet worden war). Etwa wieder 50 Ruthen noch weiter gegen NW. befindet sich auf dem Grundstücke des sogenannten 4 Ruthen- Gutes, dem Erbrichter Göhler in Hermsdorf gehörig, eine Stelle im Felde, wo von Zeit zu Zeit ein Bruch und Einsturz im Boden entsteht, der vermuthlich von Einstürzen der Oberfläche in schlottenartigen Höhlungen von darunter lagerndem Kalkstein herrührt, wie sie in den jetzt gangbaren Brüchen mehrfach zu beobachten sind. Die alten Kalkbrüche (...) bei der Kalkbrenner- und Aufseher- Wohnung liegen wahrscheinlich ebenfalls auf einem einzigen Lager oder Zuge stockförmiger Kalksteinlagerstätten. In den oberen Brüchen soll unter der Bruchsohle noch schöner Kalkstein anstehen. Vielleicht ist diesem Kalkzuge angehörig ein Kalksteinlager, welches mit dem tiefen Kalkstolln zwischen dessen Mundloche und dem 1ten Lichtloche, unter dem Schmutzler'schen Grundstücke in circa 8 Ellen Tiefe unter Tage, mit angeblich östlichem Fallen und ¾ Elle mächtig, durchfahren worden ist. Zwischen dem 1ten und 2ten Lichtloche sollen auch Schichten von Kalkschiefer überfahren worden sein. Ob die beiden von der Kalkaufseherwohnung südlich gelegenen alten, ganz mit Vegetation überwachsenen Brüche (...) auf dem vorigen Kalkzuge oder auf besonderen Kalklagerstätten liegen, ist jetzt nicht zu ermitteln. In den beiden ungangbaren kleinen Brüchen, welche zwischen der von Frauenstein nach Böhmen führenden Chaussee und Hermsdorf, von ersterer ungefähr 110 Ruthen östlich liegen, soll schöner Kalkstein, jedoch geringmächtig anstehen. Zwischen diesen Brüchen und der gedachten Chaussee liegen die Grundstücke, auf welchen dermalen der öconomische Verein zu Weigmannsdorf und Oberbobritz Schurfversuche auf Kalkstein anstellt, um im glücklichen Falle eine Kalkstein- Actiengesellschaft zu gründen. Dem Besitzer dieser Grundstücke ist vom Fiscus der Kalksteinabbau unter der Bedingung freigegeben, daß dieser von jeder Ruthe (zu 54 Kubik- Ellen) gewonnenen Kalksteins 1 Thl., 26 Ngr., 3 Pf. Ruthenzins an den Fiscus bezahle, nach der (unleserliche Passage ?) 54 Kubik- Ellen ungefähr 67½ Scheffel gebrannter Kalk erzeugt worden, auf das Scheffel gebrannten Kalks ungefähr 8,7 dz ausmacht. Mit dem nach dem Hauptbruche von der Gimlitz herangetriebenen Stolln hat man etwas oberhalb des 1. Lichtlochs einen circa 10 Lr. mächtigen, hor. 8 streichenden Gang von röthlich weißem Quarz- Porphyr durchfahren, der zum Theil gebändert ist (Menzel 190).“ Hiernach ist in der Zwischenzeit also auch ein Stolln zum Waltherbruch aufgefahren worden. Dann erfahren wir hieraus noch, daß die Familie Schmutzler inzwischen in zweiter Generation als Aufseher beim fiskalischen Kalkwerk angestellt gewesen ist. Von Interesse ist außerdem, daß man sich von staatlicher Seite auf den bestehenden Vorräten im fiskalischen Bruch ausruhte und dem Grundbesitzer ‒ gegen einen Abbauzins, versteht sich ‒ den Abbau des Kalksteins auf eigene Rechnung wieder freigegeben hatte.
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Ob es zur Gründung einer solchen Aktiengesellschaft wirklich gekommen ist, darf bezweifelt werden, denn eine solche taucht in Akten aus späterer Zeit nicht wieder auf. Uns interessiert hier aber noch die
Begutachtung und Werthsberechnung des Kalksteinlagers, „Der in der Flur des Dorfes Hermsdorf bei Frauenstein im sächsischen Erzgebirge auftretende Glimmerschiefer enthält eine mächtige Einlagerung von körnigem Kalkstein, welcher schon seit langer Zeit durch mehrere, im Gimmlitzthale gelegene, dem Staatsfiscus gehörige Kalkbrüche aufgeschlossen und in diesen abgebaut worden ist. Dieses Kalksteinlager, welches sich im obersten und neuesten der fiscalischen Kalkbrüche, bei einer Mächtigkeit von 30 bis 36 Ellen, als aus sehr reinem, weißem, körnigem Kalkstein bestehend, untergeordnet aber auch einige minder reine, von Schiefer durchzogene Kalksteinpartien enthaltend, erwiesen hat, fällt sehr flach gegen Nordost und ist schon früher bei einer Entfernung von circa 300 Lachter = 2.100 Fuß von obigem Kalkbruche nach dieser Richtung hin entblößt worden. Nachdem nun neuerdings, theils durch mehrere Bohrlöcher, theils durch einen Schürfschacht, auch längs der nordöstlichen Grenze des Glimmerschiefers mit dem in dieser Richtung auftretenden Porphyr das Vorhandensein des in Rede stehenden Kalksteinlagers und zwar mit einer Mächtigkeit von 9 bis 15 Ellen nachgewiesen worden ist, kann es keinem Zweifel unterliegen, daß sich jenes Kalksteinlager auf den auf der beiligenden Karte verzeichneten Grundstücken... allenthalben, wenn auch mit schwankender Mächtigkeit, vorfindet, so weit überhaupt der Glimmerschiefer reicht. Nach Feststellung der, auf der erwähnten Karte verzeichneten, von Herrn Bergrath v. Cotta bestätigten, Grenze des Glimmerschiefers und Porphyrs und unter Zugrundelegung des Flurbuchs und der betreffenden Menselblattcopien ergiebt sich aber, daß von den obengenannten Grundstücken überhaupt 44 Acker, 217 Quadratruthen... als von Kalkstein unterlagert betrachtet werden müssen und, da solche zur Zeit noch völlig unverritzt sind, durchgängig abgebaut werden können. Nimmt man zur Berechnung des auf den betreffenden Grundstücken liegenden Kalksteins der größten Sicherheit wegen die geringste Mächtigkeit des Kalksteinlagers von 9 Ellen an, so stellt sich folgende Massenberechnung heraus: (...) 6.943.297,5 Kubikellen. (...), so daß an wirklich brennbarer Kalksteinmasse 15.622.419 Kubikellen = 54.244,5 Ruthen Kalkstein verbleiben und verwerthet werden können. Nach den eingezogenen genauesten Erkundigungen und übereinstimmend mit den Erfahrungen bei den anderen Werken in hiesiger Gegend liefert aber eine Ruthe mindestens 400 Scheffel gebrannten Kalk, und ergiebt sich daher aus obiger Ruthenzahl die in Aussicht stehende Kalkproduction von 21.697.000 Scheffeln, welche bei Anlage selbst zweier Öfen mit 8 Kesseln und einer mit diesen zu erzielenden Jahresproduction von 90.000 Scheffeln einen Zeitraum von 243 Jahren in Anspruch nehmen wird... Nicht unbemerkt darf endlich bleiben, daß der bei Hermsdorf vorkommende, auch auf den eingangsgenannten Grundstücken aufsetzende Kalkstein nach einer chemischen Analyse des Herrn Prof. Stöckhardt in Tharandt zu jedwedem Gebrauche, theilweise auch zu Schmelzungen und bei seiner Reinheit von Eisen selbst zur Chlorkalkfabrication sich eignen dürfte, (...) hiernach in Reinheit und Güte den besten sächsischen Kalksteinen gleichkommt.“ Freiberg, den 1. December 1862 Alexander Theodor Tittel, Betriebs- und Rechnungsschichtmeister. „Der Unterzeichnete bestätigt in Folge eigener Untersuchung alle vorstehenden Angaben über das Vorkommen, die Lagerung und Mächtigkeit des Hermsdorfer Kalksteins.“ B. v. Cotta. Daß kein Geringerer, als Bernhard Cotta dieses Gutachten mit dem Verfasser unterzeichnete, darf wohl als „Ritterschlag“ betrachtet werden und sollte die Glaubwürdigkeit der darin aufgeführten Angaben gegenüber den gesuchten Anlegern steigern. Die darin auch erwähnte Karte fehlt leider wieder einmal in der Akte.
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Tatsächlich wurde in
Hermsdorf noch bis zum Jahr 2016 Kalkstein abgebaut, also immerhin noch 153
Jahre lang nach der Erstellung dieses Gutachtens.
Dagegen ist aus der Gründung der Aktiengesellschaft offenkundig nichts geworden, denn am 4. November 1872 beschwerte sich August Friedrich Walter (er unterschrieb selbst ohne ,h' nach dem ,t') über den hier genannten Bergverwalter Tittel beim Oberbergamt, daß dieser schon vor mehreren Jahren auf seinem Grund einen Schacht zur Auffindung von Kalklagern geteuft habe; der gestellten Bedingung, daß, wenn nichts gefunden werde, der Schacht wieder verfüllt werde, aber nicht nachgekommen sei (40024-12, Nr. 11, Blatt 105). Das Oberbergamt wies daraufhin am 16. November 1872 das Bergamt Freiberg an, dem Gutsbesitzer zu bescheiden, daß man nicht zuständig sei, weil es sich bei einem zur Aufsuchung von Kalkstein geteuften Schacht nicht um eine dem Allgemeinen Berggesetz, sondern um eine der Reichsgewerbeordnung unterworfene Anlage handele. Es stehe ihm aber frei, sich der Gefahr aus einem offenen Schacht halber an die Ortspolizeibehörde zu wenden oder den Rechtsweg zu beschreiten (40024-12, Nr. 11, Rückseite Blatt 105). |
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Einen ,Arbeitsvertrag' des
Kalkwerksaufsehers Christian Gottlieb Schmutzler aus dieser Zeit haben
wir in einer Akte des Gerichtsamts Frauenstein abgelegt aufgefunden (11051, Nr. 184).
Er wurde am 15. Januar 1867 zwischen Forstrentamtmann Schlich als
Lokalaufseher über das Kalkwerk und Christian Gottlieb Schmutzler als
Verantwortlicher für die Kalkproduktion in Hermsdorf geschlossen und sollte
jeweils für ein Jahr, längstens bis
einschließlich des Jahres 1869 gelten. Demnach erhielt Herr Schmutzler
einen allein von der Menge der Erzeugnisse abhängigen ,Accord- Lohn' in
Höhe von
Das war auch alles. Darin eingeschlossen waren aber die Kosten für sämtliche Arbeitsschritte, namentlich auch für:
Außerdem hatte Betriebsleiter Schmutzler aus dieser Bezahlung noch das zum Steinbrechen erforderliche Pulver, das Geleucht, das Gezähe zum Bohren, Räumen, Schießnadeln, Treibeisen, Fäustel jeder Art, Brechstangen, Spitzhauen, Radehauen, Keile und dergleichen, das Bedienen der Maschinen in allen ihren Vorrichtungen inklusive der Wasserzuführung zu beschaffen und sicherzustellen, wogegen von der Kalkwerksadministration nur die zum Kleinschlagen und Brennen der Steine erforderlichen Gerätschaften, wie Karren, Radkarren, Förderhunte, Kratzen, Krähle und Mulden vorgehalten wurden. Auch das Abräumen des Hangenden im Kalksteinbruch wurde gesondert bezahlt. Ab 1867 übernahm Schmutzler dann zusätzlich noch das Kalksteinbrechen und Auskarren der Kalksteine aus dem Walther'schen Kalkbruch, und zwar gegen einen Accordlohn von 5 Thalern je Ruthe Kalksteine. Deren Maß war zu dieser Zeit auf allen fiskalischen Kalkwerken identisch und auf 54 Kubik- Ellen festgesetzt, wozu hier in Hermsdorf die Steine üblicherweise auf einer Fläche von 6 Ellen Länge und 4½ Ellen Breite 2 Ellen hoch aufzusetzen waren. Besonders zuungunsten Schmutzler's fiel in diesem Vertrag aber die Klausel aus, daß während der Kontraktzeit ‒ etwa wegen gestiegener Material- und Pulverpreise oder erhöhten Arbeitslöhnen ‒ von ihm keine Erhöhung der Accordsummen gefordert werden durfte. Die etwas über 4 Groschen gingen natürlich
in die oben für das Jahr
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Mit Kaufkontrakt vom 18. November 1874 wurden
auch wieder weitere Flächen für das Kalkwerk von den Grundbesitzern angekauft,
diesmal waren es 150 Ruthen Land von Karl August Clausnitzer in Hermsdorf (10050, Nr. 1944):
„Zwischen dem Gutsbesitzer Karl August Clausnitzer in Hermsdorf in einem und derer Königlichen Sächsischen Staatsfiscus, vertreten durch den Rentbeamten Herrn Richard Ihlich (Name schwer leserlich?) in Frauenstein, um untren Theile, ist folgendes (...) verhandelt und abgeschlossen worden. Es verkauft nämlich Karl August Clausnitzer zu Hermsdorf von seiner in Hermsdorf gelegenen, unter Folium 25 im Grund- und Hypothekenbuche für Hermsdorf eingetragenen, im Flurbuche unter Nr. 734 aufgeführten Wiese ein nach Süd und Ost an den Hermsdorfer Kalkwerksgrundstücken angrenzende Fläche von 27,7 Acker 150 Ruthen, wie dieselbe bereits abgemessen und abgereint ist, mit allen darauf haftenden Rechten und Gerechtigkeiten an den Königl. Sächsischen Staatsfiscus für ein Kaufgeld von Einhundert und Fünfzig Thaler...“ |
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Unter dem 13. Mai 1888 wandte sich Faktor
Theodor Richter an das Forstrentamt in Frauenstein mit dem Hinweis, daß der
Zustand des Mauerwerks des Aufzugsschachtes bedenklich sei, indem es sich ,stark
ausbauche' (40024-12, Nr. 12, Blatt 198f). Der erst drei Jahre zuvor neu
verputzte Riß habe sich ,nach Austritt des Frostes' stark erweitert, und
selbst das Wellenlager der Seilscheiben habe ,in kürzerer Zeit wiederholt
einer Regulirung bedurft'. Um die Anlage ,in brauchbarem Zustande zu
erhalten', wollte der Faktor seinem Bedenken Ausdruck geben und zugleich
empfehlen, einen Maschinenbau Sachverständigen hinzuzuziehen. Bei der
Gelegenheit dessen Anwesenheit auf dem Werk könne dieser zugleich eine
Begutachtung der Förderanlage an sich vornehmen, da sich die Holzpfosten in den
Gestellen durch die Nutzung mit den kleinen ungarischen Hunten schnell
abnutzten. Ihm erscheine es besser, Schienen einzubauen.
Das Forstrentamt wandte sich diesbezüglich an seine vorgesetzte Behörde, die II. Abteilung im Königlichen Finanzministerium, wo man unter dem 16. Mai 1888 die Genehmigung zur Einholung eines Gutachtens auch erteilte; zugleich das Bergamt in Freiberg mit der ,Vornahme der fraglichen Erörterungen' beauftragte (40024-12, Nr. 12, Blatt 197). Das letztere beauftragte daraufhin Oberkunstmeister Bergrat Bornemann, die Anlage zu untersuchen und ,baldmöglichst' Bericht zu erstatten. Der sicherlich auch ergangene Bericht des Oberkunstmeisters freilich ist in dieser Akte nicht enthalten...
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Zum Betrieb
der staatlichen Kalkwerke von 1900 bis 1945
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Regional war hier im 19. Jahrhundert das
2. Auswärtige Geschworenenrevier des Bergamtes in Freiberg für alle
bergrechtlichen Belange zuständig (40010). Allerdings fiel der Abbau der Steine-
und Erdenrohstoffe – auch des Kalksteins – aber grundsätzlich unter den
grundeigenen (nicht dem staatlichen Vorbehalt unterliegenden) Bergbau, der
spätestens mit dem Gesetz über den Regalbergbau in Sachsen vom Jahr 1851
ganz aus der Bergaufsicht ausgenommen worden ist. Auch das erste Allgemeine
Berggesetz für das Königreich Sachsen, welches 1869 in Kraft trat, änderte
daran nichts.
Auf solche Rohstoffe bauende, später als „gewerbliche Gruben“ benannte Unternehmen gelangten erst mit der Neufassung der Allgemeinen Bergpolizeivorschriften für das Königreich Sachsen vom 16. Januar 1896 und mit der Verordnung, die Aufsicht über unterirdisch betriebene Brüche und Gruben betreffend, vom 12. Mai 1900, in denen kein Unterschied mehr zwischen Erz-, Kohlen- oder anderen Bergwerken gemacht wurde, wieder unter die technische Aufsicht der Bergbehörden. Als Ausführungsorgan wurde durch das Landesbergamt in Freiberg zunächst die revierübergreifend zuständige Berginspektion III mit Sitz in Freiberg eingerichtet. Dort hatte man hatte zu dieser Zeit mit Sicherheit ziemlich viel damit zu tun, sich erst einmal einen Überblick über die ‒ damals noch ‒ sehr große Anzahl gewerblicher und fiskalischer Gruben und Kalkwerke zu verschaffen, die bis dahin dem Bergregal und damit auch der Aufsicht durch die früheren Bergämter ja gar nicht unterlegen haben. Noch immer blieben dabei aber ausschließlich „oberirdisch“ betriebene Steinbrüche, Sand- und Tongruben sowie Tagebaue weiter ausgenommen, welche nur der Gewerbeaufsicht unterlegen haben. Die Berginspektion III wurde schon 1902 wieder aufgelöst und die Beaufsichtigung der Steine- und Erden- Gewinnungsbetriebe wieder den regional zuständigen Berginspektionen übertragen, hier war es dann zunächst wieder die Berginspektion Freiberg II, ab 1932 dann das in Zusammenhang mit der Wiedereinrichtung des Oberbergamtes in Freiberg neu eingerichtete Bergamt Dresden.
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Auch in den Jahrbüchern für das Berg- und Hüttenwesen im Königreich Sachsen werden die Kalkwerke seit der Ausgabe auf das Jahr 1901, jeweils auf dem Stand des Vorjahres, aufgeführt. In dieser und den folgenden Ausgaben wird es als „Fiskalisches Kalkwerk Hermsdorf in Hermsdorf“, im Besitz des Königl. Sächsischen Staatsfiskus und unter Verwaltung des Königl. Forstrentamtes Frauenstein, aufgeführt. Vertreter der Verwaltung war in dieser Zeit der jeweils amtierende Forstrentbeamte (im Jahr 1900 war dies ein Herr H. L. V. Krause) und als Faktor war Carl Theodor Richter im Werk tätig. In gleicher Weise wird das Werk auch in den Folgejahren in den Jahrbüchern aufgeführt. Der letztere war vorher bereits seit 1874 als „Localverwalter“
auf dem fiskalischen Kalkwerk zu
Auch dessen Nachfolger auf dem fiskalischen Kalkwerk in Neunzehnhain, der Herr Wilhelm Oswald Pfeiffer, kam nach der Stillegung des Kalkwerkes in Neunzehnhain im Jahr 1910 von dort nach Hermsdorf. Auf diesen folgte schließlich im Jahre 1913 Herr E. H. Sperke (oder Spörke) in der Funktion als Faktor nach. Dieser ist ‒ wie man aus einem Fahrbericht vom 30. August 1912 erfährt (40024-12, Nr. 156) ‒ vorher als Untersteiger auf der Himmelfahrt Fundgrube zu Freiberg angestellt gewesen.
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Das erste Schreiben in der Landesbergamts- Akte
(40024-12, Nr. 156) zum fiskalischen Kalkwerk Hermsdorf datiert auf den
18. August 1894. Die Paginierung in dieser Akte beginnt
mit dem Blatt Nr. 97. Auf dem Aktendeckel heißt es dazu: „Die Aktenbl. 1-96
sind von der Königl. Amtshauptmannschaft Dippoldiswalde abgegeben worden.“
Wie eingangs dieses
Kapitels schon zu lesen war, hing dies damit zusammen, daß der Abbau der Steine- und Erdenrohstoffe
bis dahin unter den
grundeigenen Bergbau gefallen
ist, der
mit dem Gesetz über den Regalbergbau in Sachsen vom Jahr 1851 gänzlich aus der
Bergaufsicht ausgenommen worden ist. An die 1900 eingerichtete Berginspektion III
hatten die bis dahin zuständigen Gewerbeinspektionen bei den Amtshauptmannschaften
die jeweiligen Gruben betreffende Aktenfaszikel abzugeben. Die Akten der
Berginspektion III
wurden später im Bestand des Königl. Sächs. Landesbergamtes archiviert
(40024-12).
Angemahnt wurde in oben genanntem Schreiben jedenfalls, daß die untertägigen Baue nur einen Tagesausgang besaßen. Um diesen Umstand abzustellen, sollte eine 12 m lange Strecke in den hinteren Tagebau aufgefahren werden. Außerdem wurde bemängelt, daß die gelagerte Menge an Sprengstoff die von der zuständigen Amtshauptmannschaft in Dippoldiswalde genehmigten Mengen überstieg. Am 1. Juni 1887 hatte die Gewerbeaufsicht bei der Amtshauptmannschaft die Lagerung von 30 bis 50 kg Dynamit auf dem Werk genehmigt und am 18. August 1894 zusätzlich von 250 bis 300 kg Sprengpulver. Den kurzen Durchhieb in den Tagebau hatte Faktor Richter bis zum Januar 1900 auffahren lassen. Hinsichtlich der Lagermengen an Sprengstoffen bat der Faktor in einem Schreiben vom 28. Januar 1901 um Belassung der bestehenden Genehmigungen, da „aufgrund der allgemeinen Wirtschaftslage“ der Bedarf derzeit sowieso bis auf die Hälfte absinke. Der erste reguläre Fahrbogen zum Kalkwerk Hermsdorf ist auf den 29. September 1899 datiert. Die Befahrung hat Inspektor Anshelm von der damaligen Berginspektion II in Freiberg vorgenommen. Das Protokoll wurde damals abschriftlich auch der Königlich sächsischen Gewerbeinspektion in Freiberg zur Kenntnis gegeben.
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Wie wir aus anderen Recherchen schon wissen,
war in der Berginspektion III
zu Freiberg um die Wende zum 20. Jahrhundert dann der Bergmeister Seemann
auch
für die Kalkwerke im Osterzgebirge zuständig. Sein erster Fahrbericht zum Kalkwerk in Hermsdorf
datiert auf den 20. April 1900 (40024-12, Nr. 156) und gibt uns einen
ausführlichen Überblick über den damaligen Stand im Kalkwerk:
„Das Werk liegt reichlich 1 km westlich von Hermsdorf und westlich der von Frauenstein nach Teplitz führenden Staatsstraße in der Nähe des Punktes 709,8 der Generalstabskarte. Der Betriebsleiter des Werkes ist der Faktor Richter, derselbe hat in den Jahren 1863–1867 die Bergschule in Freiberg besucht und wohnt auf dem Werke. Letzteres steht unter der Verwaltung der Administration des Forstrentamtes Frauenstein. Der Betriebsleiter wird bei Abwesenheit von dem Kalkmesser Wilhelm Hennig, in Hermsdorf wohnend, vertreten. Die Belegschaft besteht außer dem Faktor in 14 Mann, nämlich aus
Sie sind in der Ortskrankenkasse Hermsdorf und in der Knappschafts- Berufsgenossenschaft versichert. Im vergangenen Jahr sind 515 cbm rohe Kalksteine gebrochen und zu Tage gefördert worden, welche theils gebrannt, theils als Rohkalk an böhmische Glasfabriken (!!!), an die Döhlener und Dresdner Glasfabrik abgegeben wurden. Der Erlös für den Rohkalk betrug 2.180,- M. An gebrannten Kalk wurden verkauft 11.350 hl und zwar 8.010 hl als Baukalk und 3.340 hl als Düngekalk.“
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Die zu dieser Zeit üblichen Angaben in Hektolitern gehen darauf zurück, daß Schüttguter wie Kalk oder Kohle bis dahin nicht nach Gewicht, sondern nach Volumen „abgemessen“ wurden. Die Einheit Hektoliter entspricht dabei noch näherungsweise dem älteren Scheffelmaß: Der Dresdner Scheffel hatte zirka 107 Liter Rauminhalt. Bei der angegebenen Menge von 515 m³ Rohkalkförderung dürfte es sich allerdings um einen Übertragungsfehler des sonst so gründlichen Berginspektors handeln. Selbst wenn es der tatsächliche Aushieb aus dem Anstehenden wäre und man es mit einer Dichte von 2,7 t/m³ in Massen umrechnet, kommt man dann nämlich nur auf rund 1.400 t Kalkstein. Legt man für den gebrannten Kalk eine Schüttdichte von rund 1,0 t/m³ zugrunde, hat das Werk nach Seemann’s Angabe im gleichen Zeitraum aber 1.135 t Branntkalk erzeugt. Dieses Verhältnis kann nun aus rein stöchiometrischen Gründen nicht stimmen, da der gebrannte Kalk gegenüber dem Kalkstein durch die Abgabe des Kohlendioxids ja rund die Hälfte seiner Masse verliert. Wir vermuten daher, daß das fiskalische Werk noch die alte (Kalk-) Ruthe zu 54 Kubik- Ellen als Maßeinheit verwendet und Herr Seemann diese Zahlenangabe übernommen hat. Mit einer Schüttdichte von 1,3 t/m³ für den gebrochenen Kalk kommt man dann nämlich auf rund 6.500 t Förderung, woraus man leicht die angegebene Menge Branntkalk erzeugen und zusätzlich noch Rohkalkstein an andere Abnehmer verkaufen konnte. Doch weiter im Bericht von Seemann: „Auf der Eisenbahn und zwar auf Station Hermsdorf – Rehefeld wurde nur der Rohkalk verladen, der gebrannte Kalk ist mit Fuhrwerken zum unmittelbaren Gebrauch in der Umgegend abgeholt worden. Der Preis ab Werk beträgt per 1 hl Weißkalk 2,20 Mark und per 1 hl Graukalk 1,60 Mark. Die Lagerstätte, welche dem Abbau unterzogen wird, besteht in zwei linsenförmigen Einlagerungen von krystallinischem Kalkstein im Thonschiefer. Ihre Lage, Ausdehnung und Gestalt ist, soweit aufgeschlossen, aus der nebenstehenden Hauptskizze ersichtlich. Letztere ist ohne weitere Hilfsmittel nach der Natur aufgenommen und kann daher keinen Anspruch auf Genauigkeit erheben. Die Lager besitzen eine Streichrichtung von NNW und ein flaches Einfallen nach NO.“
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„Der Kalkstein ist von
ziemlich rein weißer Farbe, theilweise von einzelnen Schmitzen Thonschiefer
durchsetzt, theilweise aber auch beinahe hell- glasig. Im vorderen Lager, dem
liegenden geht von einem Tagebruch aus, unterirdischer Betrieb um, im hinteren,
dem hangenden Lager findet nur Tagebau statt. In nach den Jahreszeiten wird
überwiegend der Tagebruch oder der unterirdische Bruch betrieben. Die Arbeit
wird nach dem Rauminhalt der zusammengeschlagenen Rohkalksteine bezahlt. Das
unterirdische Lager besitzt nur einen Tagesausgang.
Zum Anbrennen der Schüsse verwendet man ausschließlich Zündschnur. Die unterirdischen Baue werden als Weitungsbaue etwa 3 – 4 m hoch und etwa 18 m im Quadrat ohne Unterstützung gehalten. Bei den Gewinnungsarbeiten wird Pulver und Dynamit verwendet, im vorigen Jahr wurden 6 Doppelzentner Pulver und 60 Kg Dynamit verbraucht. Beide Sprengmittel lagern mit Genehmigung der königl. Amtshauptmannschaft zusammen in einem Pulverthurm über Tage. Dieser ist in Bruchstein Mauerwand hergestellt, hat doppeltes Wellblechdach, wobei die Zwischenräume mit Kohlenasche ausgefüllt sind, doppelte mit verschiedenen Schlüsseln zu öffnende Thüren und besonderen Blitzableiter an danebenstehender Holzstange. Für Dynamit ist Genehmigung zur Lagerung von 50 Kg ertheilt, es wird aus der Dresdener Dynamitfabrik zu Hilbersdorf bezogen und ist auf Mittheilung des Betriebsleiters fast das ganze Jahr gefroren. Das Dynamitlager und Ausgabebuch wurde revidirt und in Ordnung befunden, nur fehlt der monatliche Abschluß. Die Bücher über die Sonntagsarbeit wurden eingesehen, sie waren richtig angelegt, Einträge darin aber noch nicht enthalten, weil in diesem Jahr, wo erst kürzlich mit dem Brennen begonnen worden ist, noch keine Sonntagsarbeit stattgefunden hat. Wie der Betriebsleiter mittheilte, ist beabsichtigt auch in Zukunft, wie früher geschehen, den Abzieher am Gasofen, der unter 5 – 6 Mann wechselnd Sonntagsarbeit verrichtet, von Sonntag früh 8 Uhr bis Montag früh 6 Uhr in Arbeit stehen zu lassen, worauf es dann bis Dienstag früh 6 Uhr frei ist, von da ab aber die ganze Woche über in laufender Arbeit steht. Die im unterirdischen sowie im Tagebruch gewonnenen Massen werden nach dem 21 m tiefen und theilweise im Kalkstein getriebenen, theilweise durch Bruchsteinmauerung aufgesattelten Förderschacht gebracht und in diesem auf Gestellen durch eine Zwillings-Wassersäulenmaschine bis zu Tage und noch 9 m, bis zur Höhe der nach den Kesseln führenden Auslaufbrücken gehoben. Die Wassersäulenmaschine erhält ihren Aufschlag aus der Gimmlitzbach durch Rohre zugeführt und gibt ihn an den gerade in der Bausohle einmündenden Wasserabflußstolln, der auch die Tageswasser abführt, nach demselben Bach wieder ab. Dieser Wasserabflußstolln ist in den Jahren 1837–1839 gebaut worden, er besitzt eine Länge von etwa 300 m. … Zum Brennen des Kalksteins sind zwei Gasöfen und ein Kesselofen aufgestellt. Im Feuer ist zur Zeit nur der Kesselofen. Zum Brennen benutzt man in den beiden vorhandenen Gasöfen böhmische Braunkohlen und zwar die besseren Gaskohlen und in dem Kesselofen den noch vorräthigen Schönfelder Anthrazit. Im vergangenen Jahre wurden 6.621 hl Braunkohlen und 1.348 hl Anthrazit verfeuert. Der Erfahrung nach kann man in den Gasöfen mit 1 hl Braunkohle 1,82 hl Kalkstein zu Weißkalk und im Kesselofen mit 1 hl Anthrazit 3,57 hl Kalkstein zu Graukalk brennen. Im allgemeinen ergiebt 1 cbm Kalkstein 7 ½ hl gebrannten Kalk. Das Werk ist in sehr guten baulichem Zustande. In betriebs- und sicherheitspolizeilicher Hinsicht fanden sich folgende Ausstellungen: 1. an einigen Theilen der Zulaufbrücken zu den Kesselöfen fehlt die Bodenleiste. 2. an der oberen Abzugsbühne im Schachtförderthurm ist kein selbsttätiger Schachtabschluß vorhanden. 3. die Förderseile sind seit ihrer Auflage, d. i. seit etwa 10 Jahren nicht probiert. 4. im Pulverthurm waren die Fußböden nicht mit Haardecken belegt, auch waren keine Filz- oder Strohschuhe zur Benutzung vorräthig. 5. im Pulverthurm war zwar ein Holzschlegel und ein hölzerner Keil zum Oeffnen der Dynamitkisten und Pulverfässer vorhanden, es fand sich in demselben aber auch ein wahrscheinlich dem gleichen Zwecke dienender eiserner Keil. Es ist hier um so mehr Vorsicht am Platze, weil der Dynamit, wie oben schon bemerkt, den größten Teil des Jahres sich in gefrorenen Zustande befindet. 6. am Schachtfüllort fehlt die Erklärung der Treibesignale. 7. Im unterirdischen Betriebe waren vor dem Arbeitspunkte, wo geschossen werden sollte, viele Vorratsmassen angehäuft, über welche hinweg auch kein Paß hergestellt war. Freiberg, den 4. Mai 1900
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Die oben von Seemann angegebenen Fördermengen illustrieren auch, daß das Hermsdorfer Kalkwerk nicht gerade zu den kleinsten im Land gehört hat, weshalb die Behörde ihre Überwachungsaufgaben hier sehr ernst nahm ‒ es gab ja auch einiges zu erinnern. Die nächste Befahrung erfolgte denn auch schon ein halbes Jahr später und darüber wurde am 30. September 1900 berichtet (40024-12, Nr. 156, Auszug): „1) Fiskalisches Kalkwerk Hermsdorf bei Frauenstein. Betriebsleiter Faktor Richter, absolvierter Freiberger Bergschüler. Als Grubenriß ist ein im Jahre 1895 vom Faktor Richter mit Hilfe eines Handkompasses angefertigtes Grubenbild vorhanden. Im Jahre 1894 hat der Markscheider Städter sämtliche Grubenbaue vermessen und die Resultate in einem Winkelbuch zusammen gestellt, zur Anfertigung des Risses ist es nicht gekommen, da er sich im selben Jahr das Leben nahm. Das Winkelbuch haben die Erben dem Betriebsleiter behändigen lassen. 2) Auf Mittheilung des Betriebsleiters verwendet man beim Besetzen der Bohrlöcher neben hölzernen Stampfern auch noch eiserne Stampfer (Ladestöcke). 3) Die Förderung des Kalksteins aus dem Tagebruch und unterirdischen Bau erfolgt in einem 30 m tiefen Schacht in Wagen und Hunden auf Gestellen bis zur Höhe der Halden- beziehentlich Gichtbrücke. Als Motor dient eine von Bornemann construierte Wassersäulenmaschine, die ihren Aufschlag in einer Leitung aus der Gimmlitzbach erhält. Personenbeförderung findet im Schachte nicht statt. Die Förderanlage als Marmoraufzug im Sinne der Verordnung vom 12. Juni 1896 (Gesetz- und Verordnungsblatt S. 113) betrachtet, genügt den Vorschriften... Zur Zeit genügt das von Faktor Richter gefertigte Grubenbild. Nach weiterer Ausdehnung der Baue wird sich jedoch die Anfertigung eines Grubenrisses seitens eines verpflichteten Markscheiders nicht umgehen lassen. Die bereits von Städter ausgeführten in gedachten Winkelbuche zusammengestellten Vermessungsresultate und Rechnungen wird man dabei zu einem Theile wenigstens mit benutzen können...“ Die Führung ordentlicher Grubenrisse war eine auf vielen gewerblichen Gruben zurückgestellte Forderung, da die Arbeit eines konzessionierten Markscheiders natürlich nicht gerade billig zu stehen kam. Aus einem Schreiben vom 10. März 1904 geht hervor, daß Faktor Richter bis dahin noch immer den Grubenriß selber nachbrachte und dafür eine einfachen Setzkompaß benutzte. Er bat daher das Oberbergamt um die leihweise Überlassung eines nicht mehr benötigten Hängekompasses aus der Markscheiderei. Die Bitte wurde aber abgelehnt, da auch beim Oberbergamt kein überzähliger Hängekompaß vorhanden war.
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Die folgenden Fahrbögen stammen vom November
1900 und vom Juni 1901 (40024-12, Nr. 156). Darin wird berichtet, daß die
untertägigen Grubenbaue im Herbst 1900 außer Betrieb standen. Bei wärmerer
Witterung baute man offenbar in den Tagebauen ab und belegte die unterirdischen
Abbaue erst wieder im Winterhalbjahr.
Bei der Besichtigung der Tagebaue fand der Bergmeister wieder so einiges zu bemängeln: So solle die Abraumkante weiter zurückgezogen werden, um Böschungsabrutschungen zu vermeiden. Auch sollten bestehende Überhänge an den Steinbruchstößen beseitigt werden und an den Förderbrücken fehlten Bodenleisten. Bei seinem Besuch im Juni 1901 fand der Bergmeister dann aber, daß man „sämtlichen Erinnerungen aus den vorigen Berichten“ nachgekommen sei und das Werk sich nun in ordentlichem Zustand befände.
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Auf eine Mitteilung des Amtsgerichtes Frauenstein
hin, daß das Kalkwerk auf Abbaurechte in einigen Grundstücken verzichten und
diese aus dem Grundbuch austragen lassen wolle, beschied die zuständige
II. Abteilung
beim königl.- sächs. Finanzministerium in Dresden dorthin, daß man
„zur Vorbereitung einer Entschließung“
einen Sachverständigen hören wolle. Mit der
Erstellung des folgenden Gutachtens über die Abbaumöglichkeiten auf den
betreffenden Flächen bei Hermsdorf wurde der Bergmeister Seemann im Jahr
1902 beauftragt. Seine Einschätzung ist am 28. Mai 1902 in Dresden eingegangen (40024-12, Nr. 156, Blatt 127ff der Akte):
„Freiberg, den 2. Mai 1902 Gutachten zur Frage, ob auf den in Hermsdorf gelegenen... Grundstücken... Kalksteine nicht in abbaufähiger Menge angetroffen sind und ob die Aufgabe des Abbaurechtes auf diesen Grundstücken auch sonst für den Betrieb des fiskalischen Kalkwerkes Hermsdorf unbedenklich ist, ist folgendes zu bemerken. In die beifolgende von Blatt 118 Sektion Nassau der geologischen Spezialkarte für das Königreich Sachsen entnommenen Pause sind zur Kenntlichmachung ihrer örtlichen Lage die in Frage kommenden Flurstücke eingezeichnet und durch rothe Schraffierung der Grenzen hervorgehoben worden. Der Untergrund unter denselben besteht theilweise aus Quarzthonschiefer, theilweise in Kalkthonschiefer. Der Kalkthonschiefer tritt in der dortigen Gegend wohl mitunter als Begleiter von Kalksteinlagern auf, in ihm selbst aber ist das Vorhandensein von solchen noch nicht beobachtet worden und daher, wenn auch nicht ganz ausgeschlossen, so doch wenig wahrscheinlich. Der Kalkthonschiefer dagegen ist von mehr hervortretender Bedeutung, er enthält Kalkspath bzw. Kalkstein als Einsprengungen, als Schmitzen oder eingebettet in Linsenform. In solcher Art ist er an sich wirtschaftlich ohne jede Bedeutung. Die Einsprengungen und Schmitzen nehmen aber an manchen Stellen außerordentlich überhand, schließlich in dem Maße, daß der Thonschiefer zurücktritt und man es mit einem kompakten abbaufähigen Kalksteinlager zu thun hat. Ein solches tritt niemals im Thonschiefer unvermittelt auf, sondern stets findet eine Art Übergang insofern statt, als der Thonschiefer zunächst in den Kalkthonschiefer übergeht und dieser dann erst das Kalksteinlager eingeschlossen enthält. Zeigt der Thonschiefer also keine Einsprengungen und dergl. von Kalkspath, so ist mit ziemlicher Sicherheit darauf zu rechnen, daß in der unmittelbaren Nähe ein Kalksteinlager nicht anzutreffen sein wird, tritt aber Kalkspath in vermehrter Form auf, so folgt zwar daraus noch nicht unbedingt, daß ein Kalksteinlager in der Nähe sein muß, denn die einzelnen Kalkspathindividuen brauchen nicht unter Zurücktreten des Thonschiefers in der Folge weiter überhand zu nehmen, sondern können sich auch allmählig verringern und schließlich ganz fortbleiben, wohl aber ist die Möglichkeit für das Vorhandensein eines Kalksteinlagers in der Nähe gegeben. Ein solcher Fall liegt nun gerade auf den abzuschreibenden Grundstücken vor. Kalkthonschiefer bildet von einem beträchtlichen Theil derselben, nach den zweifellos dem unterliegenden anstehenden Felsen entstammenden, im Ackerboden sich vorfindenden Lesesteinen zu schließen, die Grundlage. Dieser kann ein Kalksteinlager in sich schließen, er muß es aber nicht. Ein solches kann auch vom Kalkthonschiefer mehr oder weniger überdeckt sein, braucht also nicht bis an den gewachsenen Boden heranzureichen und es ist in diesem Falle nicht einmal durch Schürfungen, sondern erst durch anzustellende Bohrungen ein sicherer Nachweis für sein Vorhandensein zu erbringen. Ein natürlicher Aufschluß des Untergrundes fehlt und ein künstlicher ist wegen der damit bedingten Kosten nicht angestellt worden, es läßt sich demnach mit vollständiger Gewißheit eine Erklärung über das Auftreten oder Fehlen eines Kalksteinlagers nicht abgeben. Jedenfalls ist aber der Behauptung... bestimmt entgegenzutreten, daß unter den abzuschreibenden Grundstücken Kalksteine in abbaufähiger Menge nicht anzutreffen seien. Für eine Behauptung in solcher Form dürften sich nach vorstehenden Überlegungen keine Gründe anführen lassen, im Gegentheil ist die Möglichkeit von deren Vorhandensein gerade an diesen Stellen nicht von der Hand zu weisen, denn die Bedingungen dafür sind vollständig gegeben. Die Aufgabe des Abbaurechtes an den Grundstücken würde für den Betrieb des fiskalischen Kalkwerkes Hermsdorf in seinem jetzigen Umfange und bei den derzeitigen Verkehrsverhältnissen ja im allgemeinen belanglos sein, denn, das Vorhandensein des fraglichen Kalksteinlagers vorausgesetzt, würde man wohl kaum dahin gelangen, die dort gewonnenen Steine in den schon in Luftlinie etwa 1,7 km entfernten Öfen zu brennen, vielmehr müßten zu dessen Aufbereitung erst Brennöfen in dessen unmittelbarer Nähe erbaut werden. Die Verhältnisse können sich aber ändern, wenn einmal in dem einen oder anderen Thale, an deren Gehänge sich die Kalklager befinden, den geäußerten Wünschen der dortigen Bevölkerung entsprechend, eine Eisenbahn erbaut werden sollte und damit der Absatz gehoben würde. Wäre dies im Gimmlitzthale der Fall, dann könnten für das neu aufgeschlossene Lager die jetzigen Anlagen möglicherweise viele Jahre oder für immer genügen, während beim Bau einer Eisenbahn im Thale des Hermsdorfer Dorfbaches es jedenfalls dem ganzen dortigen Kalkwerksbetriebe nur zum Vortheil gereichen würde, auch ein Kalksteinlager in der Nähe der Eisenbahn zu besitzen, aus dem z. B. schon der Bedarf an Kalksteinen zur unmittelbaren Verladung gedeckt werden könnte. Wäre unter den abzuschreibenden Grundstücken das Vorhandensein eines Kalksteinlagers ausgeschlossen, so würde die Aufgabe des Abbaurechtes, weil die Grundstücke mit dem Betriebe des fiskalischen Kalkwerkes ohne allen Zusammenhang stehen, für unbedenklich gehalten werden, so aber, wie die Verhältnisse liegen, erscheint die Aufgabe des Abbaurechtes in Rücksicht auf das fiskalische Interesse in jeder Beziehung bedenklich. Seemann Die von Seemann eingangs seines Gutachtens im Einzelnen aufgeführten Flurstücksnummern konnten wir auch mit Hilfe des weiter unten gezeigten Flurkartenausschnittes aus dem Jahr 1924 zunächst nicht zuordnen. Heute sind die unmittelbaren Abbauflächen des Kalkwerkes zu einem Flurstück vereinigt. Aber wir sind ja neugierig...
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Aus welchem Grund sich
die Kalkwerksverwaltung
entschlossen hat, sich Abbaurechte unter diesen vom Kalkwerk weit entfernten Grundstücken
zu sichern, ist nicht klar. Auch das Urteil des Bergmeisters fiel
ziemlich salomonisch aus: Könnte sein, könnte aber auch nicht...
Wie wir inzwischen bei anderen Recherchen herausgefunden haben, wurde der Bergmeister Seemann 1902 von der Berginspektion III in Freiberg zur damals neugebildeten Berginspektion Leipzig versetzt. Seine Aufgaben in Freiberg übernahm daraufhin der Berginspektor Roch. Dessen nächster Fahrbericht vom Juni 1902 (40024-12, Nr. 156) berichtet, daß untertage kein Betrieb umging; vielmehr alle Arbeiter im Tagebruch beschäftigt waren. In beiden Tagebauen waren aber wieder Bereiche sichtbar, in denen „die Wände wandelbar“ erschienen und die abgesperrt werden sollten. Die Wassersäulenmaschine war in ordentlichem Zustand, alle Fluchtwege in Ordnung und auch der Grubenriß war nachgebracht. Aufgrund der Verbindung zu den beiden Tagebauen war untertage „sehr lebhafter Wetterzug“ zu verzeichnen. Dem Fahrbericht vom Dezember 1902 ist dann zu entnehmen, daß das Pulverhaus mit den Lagerungsplätzen verändert wurde, um den vorgeschriebene Lagerbedingungen für Dynamit zu entsprechen. Interessant ist dabei, daß das Kalkwerk auch Sprengstoffe an Dritte verkaufte und dafür spezielle Genehmigungen besaß. Die nächste Befahrung erfolgte im März 1903. Zu dieser Zeit waren 5 Mann untertage und 5 Mann übertage beschäftigt. Der untertägige Abbau solle ‒ wie üblich ‒ mit Beginn der warmen Jahreszeit und bis um Spätherbst ausgesetzt werden. Zu bemängeln gab es diesmal, daß die Verbindungsstrecke vom untertägigen Abbau zum hinteren (östlichen) Tagebau, die ja den Fluchtweg bildete, durch davor abgelagerte Kalksteinvorräte nicht fahrbar war. Wie Seemann schon früher berichtet hatte, wurde der Förderschacht nicht zur täglichen Fahrung genutzt. Es besaß aber auch eine Fahrung, die jedoch nur bei Revisionen der von Bergrat Bornemann erbauten Doppel-Wassersäulenmaschine benutzt werde.
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Der Kalkabsatz soll sich im Jahr 1903 etwas
verbessert haben. Dazu bot Faktor Richter den barzahlenden Kunden der
Landwirtschaftlichen Vereine der Umgegend allerdings bis zu 20% Rabatt !
Aus den Berichten der Berginspektion III in Freiberg erfahren wir auch, daß das Fiskalische Kalkwerk im Zeitraum von 1901 bis 1903 mit 10 bis 11 Arbeitern belegt war. Die Produktion wird mit 920 t Branntkalk und 10 t Kalkasche, zzgl. 349 t Rohkalkstein im Jahr 1901, 806 t Branntkalk, 6 t Kalkasche und 20 t Rohkalkstein im Jahr 1902 sowie 982 t Branntkalk, 47 t Kalkasche und 254 t Rohkalkverkauf im Jahr 1903 angegeben (40024-12, Nr. 15). Da es aber trotz allem nicht richtig florieren wollte, wurde schon im Jahr 1904 ein weiteres Gutachten über die Ertragsaussichten des Kalkwerkes bei der Bergbehörde angefordert, welches der nun amtierende Berginspektor Roch erstellt hat (40024-12, Nr. 156, Blatt 157ff der Akte). Weil es einen ausführlichen Zustandbericht einschließt, wollen wir es hier zitieren: Gutachten „Das Kalksteinvorkommen bei Hermsdorf unterscheidet sich von den meisten anderen erzgebirgischen Kalksteinkommen seiner Gestalt nach dadurch, daß es in zahlreichen großen und kleinen Linsen besteht. Diese Linsen, welche in Kalkphyllit eingebettet sind, fallen im allgemeinen, der Lage der dortigen Gebirgsschichten entsprechend, 20° bis 30° in NO. ein. Regelmäßig ist die Linsengestalt der hier in Betracht kommenden Lager, soweit sie bis jetzt aufgeschlossen sind, nicht; denn außer Unebenheiten in der Begrenzung am Hangenden und Liegenden bei ungestörter Lagerung, sind es Verwerfungen, welche die Kalksteinkörper unregelmäßig gestalten. Viele frühere Aufschlüsse, welche, nach den zahlreichen Bingen und Halden zu urteilen, zu verschiedenen Zeiten sichtbar gewesen sein mögen, sind heute nicht mehr bekannt. Durch Bohrungen, Schürfungen und Aufgewältigungen etwa die verloren gegangenen Aufschlüsse wieder zu ergründen und neue Aufschlüsse herbeizuführen, würde für den Fortgang des Kalkwerksbetriebes jetzt keinen praktischen Wert haben und mit Kosten verknüpft sein, welche mit dem Ertrage des Werks in einem Mißverhältnis stünden. Man kann daher für die mutmaßliche Betriebszeit, welche dem Kalkwerk Hermsdorf noch beschieden sein dürfte, nur diejenigen Kalksteinlinsen, welche nach Form, Größe, Lage und Beschaffenheit nach den jetzt bekannten Aufschlüssen vorhanden und unter Zugrundelegung der jetzt bestehenden Betriebsmittel und der maßgebenden Absatzverhältnisse voraussichtlich noch mit Vorteil gewinnbar sein werden, in Betracht ziehen. Bevor der Ermittlung der abbauwürdigen Kalksteinmenge näher getreten wird, mögen die hauptsächlichsten Betriebsmittel und Einrichtungen und die Absatzverhältnisse einer Besprechung unterworfen werden. Für die horizontale Förderung des Kalksteins auf der Bruchsohle der jetzt in Betrieb stehenden Kalksteinbrüche unter und über Tage sind 9 auf Schienen laufende gewöhnliche eiserne Hunte und 2 eiserne Kipphunte von je 0,2 m³ und für die Abraumförderung 4 Kippwagen von je 0,35 m³ Inhalt vorhanden. Die vertikale Förderung des Kalksteins bis zur Höhe der Ofengichten, bzw. bis zum Vorratsplatze erfolgt in den zur horizontalen Förderung dienenden Hunten auf Fördergestellen im Förderschachte mittels einer Wassersäulenmaschine auf 30 m bzw. 21 m Förderhöhe. Diese Wassersäulenmaschine, welche 1890 erbaut worden ist, hat sich gut bewährt; ihre Leistungsfähigkeit ist von der seitherigen Förderung nicht ausgenutzt worden. Die Förderung von der Hängebank erfolgt ‒ wie die horizontale Förderung auf der Bruchsohle ‒ durch Huntestößer auf Laufbrücken bis zu den Ofengichten. Die vorhandenen Öfen sind trotz ihres Alters dank ständiger Instandhaltung und teilweiser Verbesserungen gebrauchsfähig. Der Schütt- oder Kesselofen, gebaut ‒ wie der Betriebsleiter, Faktor T. Richter in Hermsdorf angibt ‒ in den 1850er Jahren, liefert jetzt nur Düngekalk und leistet täglich 60 hl ‒ das ist ca. 9.600 kg. Bei rechtzeitig vorzunehmenden Reparaturen und gelegentlichen Verbesserungen ‒ eine solche steht bevor ‒ ist die Betriebsdauer dieses Ofens anscheinend eine unbegrenzte. Der alte Schachtofen ist 1826 erbaut und seitdem wiederholt verbessert worden; vor ungefähr 30 Jahren (also um 1874) ist er für Gasfeuerung eingerichtet worden; als Brennmaterial dient gute ,bessere' böhmische Braunkohle; er leistet bei continuierlichem Betriebe täglich 60 bis 70 hl Kalk, wozu etwa 9 m³ gebrochener Kalkstein verbraucht werden. Der neue Schachtofen ist gegen 1856 erbaut und seit ungefähr 30 Jahren mit Generatorfeuerung ausgestattet; seine Leistungsfähigkeit übertrifft die des alten Schachtofens noch etwas. Auch die Schachtöfen können bei gehöriger Instandhaltung noch unabsehbare Zeit in Betrieb bleiben. Kalkniederlagen sind vier vorhanden:
Nur ganz geringfügiger Erweiterungen würden die übrigen Betriebsmittel bedürfen, wenn die Förder- und Ofenanlagen voll ausgenutzt werden sollten. Die Produktion an gebrannten Kalke würde alsdann für Düngekalk bei 100 Tagen Ofenbetriebszeit auf etwa 6.000 hl = ca. 390 t, und für Baukalk bei 250 Tagen Ofenbetriebszeit auf etwa 35.000 hl = ca. 1.940 t anwachsen. Allerdings würde die jetzt aus
bestehende Arbeiterschaft*) zur Erreichung vorgenannter Produktionsmengen nicht ausreichen; es würden vielmehr 4 Mann mehr eingestellt werden müssen. Der Mehrertrag infolge der erhöhten Produktion würde nach Abzug der mehrerforderlichen Löhne von ca. 5.500 Mark noch größer sein, als der doppelte Betrag dieser Summe. (Also rund 10.000 Mark ?)“ Als Anmerkung führt Berginspektor Roch hierzu an: „*) Mit Ausnahme des Kalkmessers werden sämtliche Arbeiter auch zu Abraumarbeiten verwendet. Im Sommer findet untertägige Kalksteingewinnung nicht statt. Die Häuer verrichten alsdann Brennerarbeit. Ebenso bedienen die 3 Steinbrecher, soweit sie nicht im Tagebau arbeiten, den Kesselofen. Der Treibemeister verrichtet bei Stillstand der Schachtförderung Häuerarbeit. Der Kalkmesser ist auch Werkszimmermann.“ Das Personal des Kalkwerkes war offenbar sehr vielseitig einsetzbar ! Doch zurück zum Text von Inspektor Roch:
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„Die Produktionshöhe hängt jedoch nicht allein von der Produktionsfähigkeit, sondern ganz besonders auch von der Absetzfähigkeit der Produkte ab, und diese wieder von der Lage, den Abfuhrwegen und der Konkurrenz des Kalkwerkes. Die Lage des staatlichen Kalkwerkes erscheint auf den ersten Blick nicht schlecht, weil sich in der Nähe andere Kalkwerke nicht befinden, und in der Tat hat dieser Umstand in früheren Zeiten den Hauptfaktor zu reichen Erträgen gegeben; kamen doch zahlreiche Fuhrwerke auch aus der weiteren Umgebung, um Hermsdorfer Kalk zu holen. Seit dem Bestehen der Eisenbahnlinien
aber ziehen die Kalkabnehmer in den an diesen Bahnlinien gelegenen Ortschaften und in deren Nachbarschaft begreiflicherweise den bequemen Eisenbahnzug dem zeit- und somit geldraubenden Herbeischaffen des Kalks durch die eigenen Geschirre vor. Hierzu kommt, daß außersächsische Kalkwerke (schlesische und böhmische) recht guten Kalk liefern ‒ und zwar trotz der Fracht auf der Eisenbahn zu meist billigeren Preisen als dies dem staatlichen Kalkwerk Hermsdorf möglich ist. Für dieses Werk bedeuten die im allgemeinen jeder Industrie förderlichen Eisenbahnen daher einen großen Nachteil, zumal der Kalktransport vom Werke bis zur nächsten Eisenbahnverladestelle (über 5 km) weit und infolge der gebirgischen Unebenheiten des im Übrigen sehr gut gehaltenen Abfuhrweges schwierig ist.“ Dem Gutachten ist der folgende Flurkartenausschnitt als Übersicht beigefügt.
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„Ist im Vorstehenden eine Übersicht über die bestehende allgemeine Lage, in welcher das staatliche Kalkwerk Hermsdorf produzieren muß, gegeben, so soll im Folgenden die noch anstehende Kalksteinmenge, soweit sie jetzt als abbauwürdig erkennbar ist, und der mutmaßliche Ertrag für die Zukunft ermittelt werden, um aus diesen beiden Größen den Zeitwert berechnen zu können. Markscheiderische Risse, welche über den früheren und über den jetzigen Kalksteinabbau genauen Aufschluß geben könnten, besitzt das staatliche Kalkwerk Hermsdorf nicht (Auch hier hat man sich wohl vor den Kosten gedrückt...); wohl aber hat die Betriebsleitung einen vom Königlichen Domainenvermessungsbureau im Maßstab 1 : 2.640 gefertigten Grundriß über den die Flurstücke 1 bis 59 Hermsdorfer Flur umfassenden Hauptteil der Grundstücke des Kalkwerkes, auf welchem sich auch die jetzt in Betrieb stehenden Anlagen befinden (Das ist die Flurkarte oben.), und im Königlichen Forstrentamt Frauenstein befindet sich ein die übrigen Flurstücke 60 bis 73 sowie 79 und 81 enthaltender Grundriß, welcher ebenfalls vom Königlichen Domainenvermessungsbureau, jedoch im Maßstabe 1 : 1.500 gefertigt ist. Ferner hat der Betriebsleiter, Faktor Richter, einen Grubenriß im Maßstabe 1 : 500 angefertigt; wenn auch die hierzu vorgenommenen Messungen, den Richter'n zur Verfügung stehenden Meßinstrumenten entsprechend, auch auf Genauigkeit keinen Anspruch erheben können, so reicht doch der Riß, ergänzt durch Inaugenscheinnahme des Geländes und der Baue seitens des Gutachters und durch mündliche Erklärungen Richter's, zur überschlägigen Ermittelung des noch als abbauwürdig anstehenden Kalksteins aus. Der jetzt in Betrieb stehende Teil der Kalksteinbrüche erstreckt sich auf zwei östlich der sogenannten Kalkstraße... in Kalkphyllit eingelagerten ursprünglich annähernd linsenförmige Kalklager. Das vordere, d. h. das südwestliche der beiden Lager hat, wenn man von dem bereits durch Tagebau gewonnenen Teile absieht, auf der jetzigen Bruchsohle die im ... Grundriß ... mit A angegeben Form, soweit die seitliche Ausdehnung nach den gemachten Aufschlüssen als sicher angenommen werden kann. Es ist nicht ausgeschlossen, daß nach Süden das vordere Lager noch weiter ausläuft, aber sichere Anzeigen dafür fehlen vor der Hand noch. Die durchschnittliche Mächtigkeit dieses Lagers, soweit es über der jetzigen Bruchsohle liegt, ist nach den im vorderen Bruche bloßgelegten Kalksteinstößen unter Berücksichtigung der annähernden Linsenform des Lagers auf 9 m zu schätzen. Die Fläche A ist mit dem Polarplanimeter des Königlichen Bergamtes gemessen worden zu A = 6.645 m². Der noch anstehende, als abbauwürdig anzusehende Kalksteinkörper würde daher
fassen, wenn er nicht bereits durch
unterirdische Kalksteingewinnung verritzt wäre. Aber auch, wenn man die durch
den untertägigen Betrieb entstandenen Hohlräume von diesem Rauminhalt abzieht,
erhält man den wirklich gewinnbaren Teil des vorderen Kalksteinlagers nicht.
Soweit dasselbe räumlich nicht schon im Tagebaubetrieb gewonnen ist, wird es,
wie in den Erläuterungen zu Blatt 118 der geologischen Spezialkarte des
Königreichs Sachsen auf Seite 15 in Figur 2 (Wir hatten sie
59.305 / 2 = 29.902 m³ ≈ 29.900 m³. Der Tagebau des hinteren Bruchs (ungefähr 50 m nordöstlich vom vorderen Bruch) befindet sich mitten in der Linse eines weiteren Kalksteinlagers. Der Kalkstein steht im Norden gegen 21 m, im Süden gegen 28 m und im Osten gegen 24 m hoch ‒ von der Bruchsohle an gerechnet ‒ an. Das Einfallen des Liegenden beträgt 15° bis 20°. Das Hangende fällt am nördlichen Stoße, abgesehen von einer Verwerfung, welche geologisch interessant, für die Schätzung des anstehenden Kalksteins aber nicht von Wichtigkeit ist, ca. 35° nach Nord, am südlichen Stoße ca. 40° in Süd und am östlichen Stoße ca. 15° in Ost ein. Hiernach, d. h. nach den bis jetzt vorhandenen Aufschlüssen dieses Lagers ist anzunehmen, daß über der im beiliegenden Grundrisse mit B bezeichneten, auf die Bruchsohle bezogenen und mittels Polarplanimeter zu 9.435 m² gemessenen Fläche abbauwürdiger Kalkstein ansteht. Die annähernde Linsenform des Lagers bringt es mit sich, daß die mittlere Höhe des als abbauwürdig anzusehenden Kalksteins ‒ namentlich mit Rücksicht darauf, daß auch in diesem Lager die Bruchsohle noch um 1 m tiefer verlegt werden kann, auf die Hälfte des jetzigen, höchsten Kalksteinstoßes, d. h. auf mindestens 14 m angenommen werden kann. Da aber zweifellos auch bei diesem Lager, das, soweit es nicht durch Tagebau gewonnen, völlig unverritzt ist, der überlagernde Phyllit einen mit beträchtlichem Anbau von Kalkstein verbundenen untertägigen Betrieb über den weitaus größten Teil der Fläche B verlangt, so kann man ‒ auch unter weiterer Berücksichtigung von Verlusten, welche die nicht fehlenden Einlagerungen von Phyllit im Kalkstein verursachen, nur zwei Drittel des als abbauwürdig anstehend angenommenen Kalksteins für wirklich gewinnbar halten. Mithin erhält man als gewinnbare Kalksteinmenge aus dem zweiten Lager ⅔ ∙ 9.435 ∙ 14 = 88.056,67 m³ ≈ 88.050 m³. Gegen 60 m nordöstlich vom jetzigen hinteren Tagebruchrande weist eine alte Binge auf ein weiteres Kalksteinlager hin, das sich auch durch einen Linsenrand in der östlichen Abraumböschung des hinteren Bruches dicht unter der Rasensohle anzeigt. Der Umfang dieses weiteren Lagers, welches sich unter Benutzung der bestehenden Anlagen zweifellos mit nur mäßigen Vorkehrungen und Mitteln für die jetzige Ofenanlage nutzbar machen läßt, ist nicht bekannt. Es liegt durchaus nicht im Bereiche der Unwahrscheinlichkeit, daß dieses dritte Lager mehr gewinnbaren Kalkstein enthält, als der noch anstehende Teil des zweiten Lagers. Man will aber, um nicht zu hoch zu greifen, nur die Hälfte annehmen, so daß man als weitere für die Wertberechnung in Betracht kommende, gewinnbare Kalksteinmenge 88.050 / 2 = 44.025 m³ ≈ 44.030 m³ erhält. Nördlich der bisher beschriebenen Lager finden sich zahlreiche große und kleine Bingen und Halden, welche von früheren Abbauen herrühren. Es ist leicht möglich, daß mit denselben die betreffenden Lager noch lange nicht erschöpft worden sind. Indessen lassen Lage und Ungewißheit über den Umfang des noch anstehenden Kalksteins einen weiteren erfolgreichen Betrieb dort nicht voraussagen. Deshalb sollen sie für die weitere Berechnung außer Betracht bleiben. In dem Grundstücksanteile des staatlichen Kalkwerkes Hermsdorf, welcher die Flurstücke 60 bis 78 umfaßt, liegt der jetzt schon seit längerer Zeit außer Betrieb stehende sogenannte ,Walter Bruch'. Das Lager dieses Bruchs fällt in Nordost mit annähernd 30° ein. Anscheinend befindet sich ,Walter's Bruch' in der Mitte des Lagers, welches wohl auch annähernd Linsenform besitzen mag. Wiewohl der Kalkstein hier nicht von der Güte desjenigen der vorher beschriebenen Lager ist... kann man ihn doch noch nach den Angaben des Faktors Richter als verwendbar ansehen. Der Grundriß der Bruchsohle vom ,Walter Bruch' ähnelt einem Kreise von ungefähr 37 Halbmesser und ergibt daher eine Fläche von gegen 4.300,84 m² oder rund 4.300 m². Es erscheint möglich, die Bruchsohle noch um mindestens 2 m im Kalkstein tiefer zu legen. Man erhielt somit einen weiteren Kalksteinkörper von 4.300 ∙ 2 = 8.600 m³. Aber auch von den Stößen des ,Walter Bruchs' kann zweifellos noch Kalkstein gewonnen werden. Mangels genügender Aufschlüsse nach dieser Richtung soll angenommen werden, daß der von den Stößen noch gewinnbare Kalkstein denjenigen, welchen man der Sohle noch als gewinnbar angesehen hat, an Menge nicht übersteigt. Man erhielte darnach 8.600 ∙ 2 = 17.200 m³. Von einem etwaigen weiteren gewinnbaren Kalksteinvorkommen in diesem Grundstücksteile des Kalkwerkes ist nichts bekannt. Indem die Flurstücke 78, 80 und 81 umfassenden Grundstücksteile sind zwar Bingen, die offenbar von früherem Abbau herrühren, zu erkennen. Das aber dort Kalkstein in für das staatliche Kalkwerk Hermsdorf gewinnbarer Menge und Beschaffenheit ansteht, kann schon wegen der großen Entfernung dieser Flurstücke von der jetzigen Betriebsanlage jetzt nicht angenommen werden. Somit beträgt die als gewinnbare noch anstehende Kalksteinmasse 29.900 + 88.050 + 44.030 + 17.200 = 179.150 m³.
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Zur Ermittlung der Betriebszeit, welche das Kalkwerk bis zur Erschöpfung der vorstehenden Kalksteinmenge noch vor sich haben kann, bedarf es der Kenntnis des durchschnittlichen Abgabequantums, welches in Zukunft jährlich zu erwarten ist. In Zusammenhang mit diesem Abgabequantum stehen die Kosten, welche der Kalkwerksbetrieb jährlich verursacht, sowie die Einnahmen, welche der Kalkstein- und der Kalkverkauf jährlich bringt; mit anderen Worten: Der jährliche Gewinn, welchen der Kalkwerksbetrieb zeitigt. Eine eingehende Durchsicht der beim Königlichen Forstrentamte Frauenstein befindlichen ,Staatshaushaltsrechnungen über den Betrieb des fiskalischen Kalkwerks Hermsdorf' auf die letzten 20 Jahre zeigte, sowohl bezüglich der einzelnen Posten der Einnahmen und Ausgaben, als auch bezüglich der Überschüsse große Schwankungen, welche ‒ im allgemeinen wenigstens ‒ annähernd den Schwankungen in der Produktion entsprachen. Abgesehen von den Kosten, welche Neuanlagen verursacht haben, sind die Überschüsse bis 1892 ziemlich hohe ‒ 1889 wurde ein solcher von 11.737,06 Mark erzielt. Nach 1892 macht sich die durch die Eisenbahnen begünstigte außersächsische Konkurrenz mehr und mehr bemerklich. In der letzten Zeit läßt sich wieder ein kleiner Aufschwung erkennen. Man glaubt dem Betriebsleiter, Faktor Richter, gern, daß dies die Folge von Rabattgewährungen an gewisse Abnehmer insofern ist, als sich durch die Vergünstigung ein größerer Absatz erzielen ließ. Konkurrenzprodukte werden überhaupt am besten abgesetzt, wenn nicht an ausgesetzten Preisen starr festgehalten, sondern wenn denjenigen Verwaltungsstellen, welche mit den Abnehmern in unmittelbaren Verkehr zu treten, d. h. den Handel auszuführen haben, in nicht zu engen Grenzen ein Spielraum in der Preisausstellung gelassen wird. Ausnahmen hiervon mögen zuweilen geboten sein, für das staatliche Kalkwerk Hermsdorf jedoch wird nach Ansicht des Gutachters eine beim Beginn eines Handels nötigenfalls sofort anwendbare Beweglichkeit in der Preissaustellung unter den bestehenden Voraussetzungen von Vorteil sein. Schon bei der Ermittelung des noch als abbauwürdig anzusehenden Kalksteins ist man in vorliegendem Gutachten davon ausgegangen, daß neue Ofen- und Schachtanlagen voraussichtlich nicht nötig sein werden, sondern daß es im allgemeinen wenigstens genügen wird, die bestehenden Anlagen in gutem Stande zu halten und vielleicht auch durch Verbesserungen zu kräftigen. Dies entspricht ungefähr den Verhältnissen von 1892 bis jetzt.
Unter den Ausgaben hebt sich bis 1897 ein Posten unter dem Kapitel
,Brennmaterialien' besonders heraus; es ist dies der Aufwand für das
Steinkohlenwerk Schönfeld, welches auf Kalkwerkskosten betrieben wurde. 1897
betrug dieser Posten sogar über 6.000 Mark. (Wir berichteten darüber
schon kurz in
unserem Kapitel zur
Es ist dabei nicht aus dem Auge gelassen, daß für den Abbau der mit III bezeichneten Kalksteinmenge der horizontale Förderweg auf der Bruchsohle wohl unter Tage hergestellt werden muß und sich verlängert. Indessen sind auch in den letzten Jahren Ausgaben für Versuchsstrecken und für Fluchtstrecken erfolgt ‒ so 1901 annähernd 1.000 Mark, und die in letzter Zeit aufsteigende Tendenz der Produktion und somit des Ertrages, welcher sich ... mindestens auf der Höhe von 1903 halten lassen wird, läßt einen dauerhaften Rückgang der Überschüsse ohne Eintreten besonderer Umstände, welche man zur Zeit nicht vermutet, nicht erwarten. Zudem wurden die Ergebnisse des laufenden Jahres, welche einen besseren Jahresabschluß als denjenigen von 1903 gewiß erscheinen lassen, noch gar nicht in Rücksicht gezogen. Es wurden ausweislich der Staatshaushaltsrechnungen
verkauft:
Hieraus ergibt sich ein durchschnittlicher Jahresverkauf von 290,9 m³ Rohkalkstein und 9.969 hl Kalk. Da nun ‒ ebenfalls nach den Staatshaushaltsrechnungen ‒ in den Jahren 1898 bis 1903 aus 1 m³ gebrochenem Kalkstein im Durchschnitte 7,4 hl Kalk gebrannt worden sind, so entsprechen jene 9.969 hl Kalk 1.347,2 m³ gebrochenem Kalkstein. Es ist also eine jährliche Durchschnittsmenge von 290,9 + 1.347,2 = 1.638,1 m³ gebrochenem Kalkstein anzunehmen.“ An dieser Stelle machte Herr Roch in seinem Gutachten übrigens einen Schreibfehler und notierte 16.638,1 m³. Es war sicher nur ein Übertragungsfehler, daß eine ,6' zuviel aufgeschrieben wurde... Doch weiter im Text.
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„Da das Schüttungsverhältnis von festem Kalkstein erfahrungsgemäß rund 5 / 3 beträgt, so entspricht die letztgenannte Menge gebrochenen Kalksteins 1.638,1 m³ ∙ 3 / 5 = 982,86 m³ ≈ 983 m³ gewachsenen Kalksteins. Da ferner, wie oben ermittelt, die Gesamtmenge des noch als gewinnbar anzusehenden anstehenden Kalksteins 179.150 m³ beträgt, ergeben sich als Betriebszeit des Kalkwerkes 179.150 / 983 = 182,28 Jahre oder rund 180 Jahre. Der Abbau der mit I, II und III bezeichneten Kalksteinmenge würde nach ( 29.900 + 38.050 + 44.030 ) / 983 = rund 163 Jahren beendet sein; der Abbau der mit IV bezeichneten Kalksteinmenge würde die übrigen 17 Jahre beanspruchen. In der der Berechnung zu Grunde gelegten
Zeit sind die aus nachstehender Tabelle ersichtlichen Einnahmen und Ausgaben,
deren Entstehung bis ins Einzelne hier wiederzugeben, zu weit führen und der
Übersichtlichkeit Eintrag tun würde, ersichtlich:
Der durchschnittliche Jahresgewinn beträgt hiernach rund 3.875,- Mark.
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Dieser Jahresgewinn möge, soweit es sich um den Abbau der mit I, II und III bezeichneten Kalksteinmengen handelt, für die Ermittlung des Zeitwertes in Rechnung gestellt werden. Der Zeitwert der letztgenannten Kalksteinmengen stellt sich hiernach als ein Kapital dar, welches durch eine jetzt beginnende, 163 Jahre laufende Jahresrente von 3.875,- Mark aufgezehrt wird. Nimmt man den bei Schätzungen von Bergwerken üblichen Zinssatz von 5 % an, so erhält man als Zeitwert für die unter I, II und III genannten Kalksteinmengen 77.472,66 Mark. Hierzu würde noch der Jetztwert der unter IV genannten Kalksteinmenge, welche in ,Walter's Bruche' noch abbauwürdig ansteht, kommen. Lage und Beschaffenheit des Kalksteins werden voraussichtlich zur Folge haben, daß an die Gewinnung desselben nicht eher gedacht wird, als bis aller Kalkstein in der Nähe der Ofenanlagen gewonnen sein wird. Dieser Zeitpunkt steht, wie oben des Näheren dargelegt, erst in 163 Jahren zu erwarten. Alsdann würde 17 Jahre lang eine Rente laufen, die indessen ‒ ebenfalls der Lage und Beschaffenheit des Kalksteins wegen ‒ die Höhe der Gewinnwerte der vorhergehenden Zeit bei weitem nicht erreichen könnte. Schätzt man jene auf die Hälfte dieser ein, so würde der Jetztwert jener ein so geringes Kapital darstellen, daß mit demselben der bisher ermittelte Zeitwert nicht einmal auf 77.475,- Mark erhöht werden könnte. Die Ungenauigkeit jedoch, welche jeder Wertermittlung von anstehenden Mineralien naturgemäß innewohnen muß, erheischt eine größere Abrundung, und man nennt daher als Zeitwert des beim staatlichen Kalkwerk Hermsdorf jetzt noch als abbauwürdig zu bezeichnenden Kalksteins die runde Summe von 77.000 Mark. Freiberg i. Sa., am 26.
Dezember 1904.
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Der nächstfolgende Befahrungsbericht von Berginspektor
Roch datiert auf den 14. Juli 1905 (40024-12, Nr. 156).
Das Werk wird als im Wesentlichen in gutem Zustand beschrieben. Der Faktor
Richter hat in Anerkennung seiner Verdienste um den Betrieb sogar das
Albrechtskreuz verliehen bekommen.
Bei dem Albrechts- Orden handelte es sich um eine Auszeichnung für geleistete Dienste im Staat, Wissenschaft und Kunst sowie „für gute bürgerliche Tugenden“. Sie wurde am 31. Dezember 1850 durch den damaligen sächsischen König Friedrich August II. zur Erinnerung an den Begründer der albertinischen Linie des Hauses Wettin, Herzog Albrecht den Beherzten, gestiftet. Ursprünglich gab es fünf Klassen. Am 18. März 1858 wurde das Kleinkreuz in Ehrenkreuz umbenannt und eine Goldene und Silberne Verdienstmedaille hinzugefügt. Diese wurden am 2. Februar 1876 wieder aufgehoben und stattdessen das Ritterkreuz II. Klasse gestiftet. Statt der Goldenen Verdienstmedaille wurde das sogenannte Albrechtskreuz geschaffen (wikipedia.de). Unter Bezug auf sein oben zitiertes Gutachten berichtete Roch, daß „die Kalknachfrage in gegenwärtigen Zeiten sehr wechselnd (sei): während im April nur 1 Kesselofen brannte, mußten im Mai alle drei Öfen in Betrieb genommen werden und es haben sich Überstunden ‒ allerdings in mäßigen Grenzen ‒ nötig gemacht. Gegenwärtig brennt nur 1 Kessel- und der Gasofen und die 12 Mann betragende Belegschaft reicht aus. Daß es bei den unbeweglichen und hohen Kalkpreisen dieses staatlichen Kalkwerkes jemals möglich sein wird, größere Abschlüsse zu erzielen und mit anderen Kalkinserenten in einen auch nur einigermaßen erfolgreichen Wettbewerb zu treten, hält man für ausgeschlossen...“
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Im Jahr 1906 kommt der Gedanke auf, eine Kalksteinkörnungsanlage für das Kalkwerk Hermsdorf anzuschaffen. Damit wäre eine Produkterweiterung möglich und würde den jetzigen Ansprüchen der Kunden entgegenkommen, zum Beispiel hinsichtlich Terrazzoprodukten. Für dieses Projekt gibt es in der Bergakte einen umfangreichen Briefwechsel und unzählige Gutachten zum Pro & Contra einer solchen Anlage.
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Aus der Jahrbuchausgabe von 1907 erfährt man
von einem schweren Unfall in Hermsdorf. Es heißt im Abschnitt:
IV. Übersicht daß der Kalksteinbrecher Karl August Grohmann „von einer vom Stoße hereinbrechenden größeren Kalksteinwand (wurde), an der er sich unmittelbar nach dem Schießen zu schaffen machte, ohne zuvor den Stoß von einem sicheren Standpunkte aus untersucht zu haben, getroffen und tödlich verletzt.“ Auch 1908 hat das Kalkwerk noch immer nur 12 Mann Belegschaft. Der Betriebsleiter und Faktor Richter feierte inzwischen sein 50jähriges Betriebsjubiläum. Wie wir schon wissen, löste diesen dann Oswald Pfeiffer aus dem 1910 stillgelegten Kalkwerk Neunzehnhain in seiner Funktion als Betriebsleiter ab. Einem Fahrbericht von 1912 ist zu entnehmen, daß auch Pfeiffer am 1. November 1912 seine Pension antrat. Daraufhin übernahm Herr Sperke (oder Spörke) seine Funktion.
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Für das Kalkwerk wurde im Jahr 1911 – zusätzlich zu den auch sonst üblichen Unfallverhütungsvorschriften – durch das zuständige Forstrentamt Frauenstein eine Besondere Dienstanweisung für die Mitarbeiter erlassen. Als Rentbeamter fungierte zu dieser Zeit ein Herr Krug, der die Dienstanweisung auch abzeichnete. Aus dieser Dienstanweisung erfahren wir viel darüber, wie der Bruch- und Brennbetrieb zu dieser Zeit eigentlich ablief und deshalb wollen wir sie an dieser Stelle vollständig zitieren (40024-12, Nr. 156): Besondere „§ 1. Die Brenner an den Gasöfen ‒ Öfen mit besonderer Rostfeuerung ‒ haben nach einem von dem Faktor aufgestellten Schichtenplane oder Schichtenwechsel die zur Wartung des Gasofens nötigen Arbeiten zu verrichten. Hierbei sind die Generatoren unausgesetzt gefüllt zu halten, der Rost abzuschuren, Verschlackungen abzustoßen, die Asche täglich mehrmalig wegzunehmen und die Wasserpfannen zu füllen. Die benötigten Kohlen sind rechtzeitig herbeizuschaffen, etwa sitzengebliebene Kalksteine sind zum Nachrollen und beim Abziehen ist etwa hängengebliebener Kalk zum Niedergehen zu bringen. Die Generatoren sind verdeckt und nicht offen zu halten, beim Kohlennachfüllen sind vorher die Gaskanäle durch die Drosselklappe zu sperren und die Deckel sind rasch wieder aufzulegen und abzudichten. Die Generatoren dürfen nur abgedeckt werden, wenn es zum Kohlennachfüllen nötig ist, sonst aber niemals offen gelassen werden. Die Brenner haben die Abzieher anzuweisen. Nach dem Abziehen sind die Kanaltüren ungesäumt zu schließen und wenn nötig abzudichten. Überhaupt haben die Brenner alles zu verrichten oder verrichten zu lassen, was zum gehörigen Verlaufe des Brenngeschäftes sowohl an den Gasöfen, als auch in dem Kesselofen erforderlich und dienlich ist.“ Anmerkung: Man verwendete hier
„Wasserpfannen“, setzte dem Gasgemisch
in den Gasgeneratoren also bereits Wasserdampf zu. Ältere Gasgeneratoren
erzeugten gewöhnlich durch Reduktion von Kohlendioxid nur
Kohlenmonoxid als Brennstoff (das sogenannte „Generatorgas“): Durch Zufuhr von Wasserdampf reagiert die Kohle dagegen zu
einem Gemisch aus Kohlenmonoxid und Wasserstoff, das als Brennstoff deutlich
energiereicher und als „Wassergas“, oder
auch als „Synthesegas“ oder „Stadtgas“ bekannt ist. Der Funktionsweise dieser
Brennöfen widmen wir weiter
Wohl, weil längst bekannt war, daß das Kohlenmonoxid hochgiftig ist und Wasserstoff ziemlich explosiv sein kann, stehen diese Regelungen offenbar an erster Stelle der Dienstanweisung aus dem Jahr 1911. Doch zurück zu deren Text:
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„§ 2. Im Übrigen liegt den Brennern und Abziehern während der Nachtschicht die nächtliche Bewachung der Kalkwerksgebäude, der Vorräte, der Verkaufserzeugnisse und Betriebsgegenstände, der Dienststücke sowie der Faktorwohnung dergestalt ob, daß jede Schicht ein Mann diese Wache zu besorgen hat. Wenn die Brennerei des Gasofens ruht, wird für die Nachtwache ein besonderer Wächter angestellt oder es haben sämtliche Kalkarbeiter nach einander für jede Nacht in einer Person die Nachtwache unweigerlich abzuleisten. § 3. Die Steinbrecharbeit im Tagebruche geschieht zumeist im Gedingelohne. Die Steinbrecher haben die gebrochenen Kalksteine aus dem Groben vorzuschlagen und für die Abförderung zuzubereiten. Dabei ist der Kalkstein soweit tunlich von fremden Beimengungen an Nebengebirge und klaren Abfällen rein zu halten und nach den üblichen Sorten aufzubereiten. Die Kalkstein- Brecharbeit ist nur an den von dem Faktor angewiesenen Bruchstellen vorzunehmen, unter Beachtung der geltenden berg- und gewerbepolizeilichen Vorschriften. Bei Beginn der Schicht sowie nach abgetanen Sprengschüssen sind die Stöße und die Firste /steile Wände) gehörig auf ihre Festigkeit zu untersuchen und abzuklopfen und abzutreiben. Bemerkte Ablösungen und Lockerungen sind dem Aufsichtführenden sofort zu melden. § 4. Bei der Steinbrecharbeit ‒ Häuerarbeit ‒ in den unterirdischen Bauen ist den bergpolizeilichen Vorschriften nachzugehen. Ebenso wie in den Tagebauen sind bei Beginn der Schicht, ganz besonders nach abgetanen Sprengschüssen die Örter, Ulmen und Firste sorgfältig abzuleuchten und auf Festigkeit zu untersuchen. Lose Schalen sind abzutreiben oder zu verwahren. § 5. Den Förderleuten liegt ob: 1. Die von den Steinbrechern vorgeschlagenen Kalksteine soweit sie zur Kalkerzeugung verwendet werden sollen, ofenrecht klein zu schlagen, nochmals nach dem Ofenbedarfe auszulesen, wildes Gestein und Klarabfälle zur Seite zu bringen und den Kalkstein in Förderhunten bis zum Füllort am Schacht zuzustoßen, an der Hängebank vom Förderstuhl abzunehmen und von dort bis auf die Öfen abzustoßen, dort je nach Bedarf einzuschütten oder für Nacht- und Sonntagsarbeit aufzuhäufen. Jeder am Füllort und an der Hängebank zugebrachte oder abgenommene gefüllte Hunt ist fortlaufend an dem dort angebrachten Zählbrett für jeden Tag nach den Öfen getrennt auf den Anschreibetafeln anzuschreiben. 2. Die in der Tagschicht auf den Gasöfen angehäuften Kalksteine sind in den Ofen nachzufüllen und einzuschütten, wie es der Bedarf erfordert zur Nacht- und auch zur Sonntagsschicht. 3. Der an der Aushängebühne beschäftigte Abstößer hat die vorgeschriebenen Signale rechtzeitig abzugeben, sich durch Zuruf mit dem Maschinisten zu verständigen, die Aufsatzböcke nach Aufgang des gefüllten Fördergestells einzulegen und für jeden neuen Aufzug die Aufsatzböcke wieder auszurücken, jeden ausgeförderten gefüllten Hunt auf dem vorhandenen Zählbrett getrennt nach Sorten und Öfen sofort anzustecken und am Ende der Schicht die Summe der Ausförderung täglich bis zur Auslohnung auf einer Anschreibetafel anzuschreiben. Ferner sind die Aufschlagwasser im Behälter am Treibeschacht unter Zuhilfenahme des größeren Behälters nach Möglichkeit im Zufluß zu regeln, so daß kein unnötiges Wasser abfließt, aber auch das Wasser im Behälter für den jedesmal vorzunehmenden Aufzug ausreicht. 4. In den Gasöfen ist der fertige Kalk, so oft dies von den Brennern gefordert wird, abzuziehen, was regelmäßig mit wenigen Ausnahmen alle 4 Stunden zu geschehen hat. Das abziehen hat sowohl während der Tagschicht, wie auch bei der Nacht an Wochen- und Sonntagen zu geschehen. Besonders im letzteren Falle haben sich die Abzieher und die Brenner gegenseitig zu unterstützen. Der abgezogene Kalk ist hierbei von den Abziehkanälen mittels der Hektoliterkarren nach dem Vorratsschuppen abzukarren oder soweit angängig in der Kalkküche am Ofen aufzustürzen. Für das Abziehgeschäft haben sich für jede Nacht oder des Sonntags 1 bis 2 Personen von den Förderleuten zu den Abziehzeiten bereitzuhalten. Während der Tagesschicht an Werktagen haben 3 Förderleute das Abziehen vorzunehmen. An Sonn- und Festtagen hat eine Person das Abziehgeschäft auf die ganze Tag- und Nachtzeit abzuleisten. Für diese Sonntagsschicht wird regelmäßig eine 24stündige Ruhezeit am nächstfolgenden Werktage freigegeben. § 6. Im allgemeinen haben sich die Arbeiter bei der Arbeit gegenseitig zu unterstützen, namentlich hat dies zu geschehen zwischen den Brennern und Abziehern. § 7. Entstehen unter den Arbeitern Zweifel über die Obliegenheit einzelner Verrichtungen, so steht die Entscheidung ausschließlich und unbedingt dem Faktor zu. § 8. Für Abraumarbeiten haben sich alle Arbeiter bereit zu halten. Die Böschung des Abraumstoßes ist nach der Festigkeit zu halten. Unterschrämen des Abraumes ist nicht oder nur soweit gestattet, als Personen durch Niedergang des Abraumes nicht gefährdet sind. Die Böschung ist daher zu untersuchen oder rechtzeitig abzutreiben. § 9. Dem Maschinist liegt die Wartung und Führung der Treibemaschine ob. Derselbe hat sich mit der Handhabung und allen Sicherheits- und Steuereinrichtungen vollständig vertraut zu machen und auf die vorgeschriebenen und abgegebenen Signale und Anrufe sorgsam Acht zu geben. Das Anlassen und das Stoppen durch die Steuerung hat nicht ruckweise, sondern allmählich zu erfolgen. Der Gang der Maschine ist möglichst gleichmäßig und frei von Stößen zu halten. Alle der Reibung und Abnutzung ausgesetzten Lager, Kurbeln, Bolzen und die Liderung sind gehörig zu schmieren und zu ölen, die Liderung ist rechtzeitig zu erneuern. Die Maschine ist stets so rein zu halten, wie es die Umstände gestatten. Das Reinigen, Putzen und Ölen darf nur im Stillstande, aber niemals beim Gange der Maschine vorgenommen werden. Mängel sind sofort abzustellen und soweit dies nicht tunlich ist, sofort dem Faktor zu melden. Unberufenen ist das Betreten des Maschinenraumes nicht gestattet. Der unterirdisch gelegene Maschinen- und Füllortraum ist ausreichend zu beleuchten. Wenn die Maschine außer Tätigkeit gesetzt bleibt, so sind die Bremsen anzuziehen, der Steuerhebel ist auf Mitte einzustellen, das Schiebeventil ist anzudrehen und die Abflußhähne sind zu öffnen, um für Stauwasser Abzug zu bringen. Der Maschinenraum ist dann abzuschließen und der Schlüssel an den Faktor oder seinen Stellvertreter abzugeben oder vom Maschinisten an sich zu nehmen. Frauenstein, den 11. März 1911 Krug, Forstrentamtmann.“ Mit folgenden Fotos sollen die hier beschriebenen Arbeitsorte illustriert werden.
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![]() Gichtbühne eines Schachtofens im Kalkwerk Hermsdorf/E., Foto: Alfred Börner, 1936.
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![]() Arbeiter beim Kalkziehen, Foto: Alfred Börner, 1936.
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Dann begann im Sommer 1914 der 1. Weltkrieg. Da viele Arbeiter zum kaiserlichen Heer eingezogen wurden, herrschte akuter Arbeitskräftemangel und es waren gerade einmal noch 2 Leute im Tagebau beschäftigt. Im September 1915 ruhte der Betrieb ganz. Da Dynamit für die Munitionsfabrikation benötigt wurde, kamen als Sprengstoffe nur noch Sprengpulver und der Dynamitersatz Perchloratsprengstoff zum Einsatz. Einem Fahrbericht vom 8. Juni 1918 (40024-12, Nr. 156) ist dann zu entnehmen, daß das Werk in Abwesenheit des Betriebleiters von einem Steiger namens Müller geführt wurde. Inspektor Roch berichtete, daß der Schacht ausschließlich zur Förderung verwendet wurde und nur für Revisionszwecke mit einer eisernen Fahrt ausgestattet war. Die Belegschaft fuhr dagegen über zwei geneigte Fahrten vom oberen Rand zur Sohle des vorderen Bruches ein, von dem aus man sowohl die Strecken des Untertageabbaus, als auch von diesen aus über den Querschlag den hinteren Bruch erreichen konnte. Im vorderen Bruch ‒ so notierte Inspektor Roch ‒ wurde damals schon „seit langer Zeit kein Kalkstein mehr gewonnen“. Gewonnen werde der Kalkstein derzeit nur im hinteren Tagebau und nur ein kleiner Teil des Abbaus erfolge untertägig. Der Inspektor war erneut zufrieden und der „Zustand der in Benutzung stehenden Grubenbaue gab zu Ausstellungen keinen Anlaß“. Lediglich im hinteren Bruch hatte er darauf hinzuweisen, daß an einer Stelle, wo der Abbau gerade erst umgegangen war, dadurch nun die Berme der Abraumböschung oberhalb der Steinbruchwand „verloren gegangen“ sei und die Bruchwand leicht überhänge. Dies war natürlich umgehend abzustellen.
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Nach dem Ende des 1. Weltkrieges und dem
Abdanken des letzten Königs von Sachsen 1919 ging das Eigentum am Kalkbruch vom
Königlich Sächsischen Staatsfiskus an den Sächsischen Staat über. Die Verwaltung
blieb aber zunächst beim Finanzministerium.
Bei dieser Gelegenheit schaffte man auch gleich die Amtsbezeichnung „Faktor“ ab und aus Herrn Sperke wurde nun auch formal der „Betriebsführer“ des Kalkwerkes. Auch nach dem Kriegsende war Inspektor Roch weiterhin zuständig für das Kalkwerk in Hermsdorf, nur wurden jetzt keine Befahrungsberichte, sondern „Monatsberichte“ verfaßt. Auf den 14. Februar 1919 ist der nächste in der Akte (40024-12, Nr. 156) datiert. Diesem kann man entnehmen, daß jetzt auf dem Werk 20 Arbeiter beschäftigt gewesen sind, darunter u. a.
die übrigen 15 seien mit der Gewinnung des Kalksteins und mit der Förderung bis zur Hängebank beschäftigt. Für die angewachsene Beschäftigtenzahl war eine Erweiterung der Mannschaftskaue vorgesehen. Während des Krieges wurde offenbar auch die Instandhaltung vernachlässigt und so fand Inspektor Roch nun zu bemängeln, daß die Einstriche im Schacht faulig geworden seien. Die Werksleitung hatte schon neue fertigen lassen, deren Austausch jedoch erst im Frühjahr erfolgen könne, wenn der Dauerfrost nicht mehr zu Vereisung führe, weil der Schacht insgesamt doch sehr naß sei. Zum Schutze des Wassertonnenaufzuges müsse man sogar einen eisernen Ofen im Füllort untertage betreiben. Elektrische Anlagen bestanden noch nicht. Die Gewinnung erfolgte zum Zeitpunkt seiner Befahrung nur im hinteren Tagebau, weil das Wetter es gerade zuließ. Bei den untertägigen Bauen, die gerade nicht belegt waren, fand der Inspektor nichts zu bemängeln und hielt fest, daß die Arbeit in drei Abbauörtern jederzeit wieder aufgenommen werden könne. Weil im Werk auch Sprengstoff für die Nassauer Staatsforstrevierverwaltung gelagert werde, fragte Betriebsleiter Sperke nach einer Erhöhung der genehmigten Lagermengen, wozu ihn der Berginspektor aber an die Amtshauptmannschaft Dippoldiswalde verwies, weil es sich ja noch immer um dasselbe übertägige Pulvertürmchen handele. Weil es so beengt war, legte der Inspektor der Werksleitung nahe, doch ein untertägige Sprengstoffniederlage zu schaffen, über die dann auch die Bergbehörde entscheiden könne. Von Interesse ist noch des Inspektors Bemerkung, ein genehmigter Betriebsplan bestehe nicht und „wird auch nicht für nötig gehalten.“ Das ist schon etwas überraschend... Dem folgenden Bericht ist dann aber auch zu entnehmen, daß der Umfang der untertägigen Arbeiten (für die allein ausschließlich die Bergbehörde zuständig gewesen ist) während der zurückliegenden Kriegsjahre so gering gewesen ist, daß der Inspektor seit der letzten Rißnachbringung 1914 noch keine erneute für erforderlich hielt. Die Vermessung erfolgte übrigens noch immer durch den Betriebsleiter selbst und auch die Grubenrisse wurden von ihm selbst nachgebracht !
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Aus seinem nächsten Monatsbericht vom 6. Oktober 1919 (40024-12, Nr. 156) erfahren wir dann, daß jetzt nur noch 15 Arbeiter auf dem Werk angestellt gewesen sind. Die im Frühjahr angemahnte Reparatur der Schachteinstriche ist ordnungsgemäß ausgeführt worden und auch der Erweiterungsbau der Mannschaftsstube ist erfolgt. Inspektor Roch notierte, daß „die in der Nacht arbeitenden Kalkabzieher... höchstens 3 Stunden mit ihrer eigentlichen Arbeit zu tun (haben)“ und „um ihre Arbeitskraft einigermaßen auszunützen, läßt Faktor Sperke diese Leute die übrigen 5 Stunden in einem Abbauorte unter Tage bohren. Die Löcher ‒ gewöhnlich sind es zwei ‒ werden am Tage von den Tagschichten weggetan...“ Zu erinnern fand der Inspektor nichts, auch war in den Steinbrüchen „ordentlich abgeräumt.“ Die Betriebsleitung machte ihre Arbeit also offenbar sehr ordentlich. Inspektor Roch konnte dem Betriebsleiter Sperke nur empfehlen, die immer noch verwendeten Petroleum- Lampen durch Azetylen- Lampen zu ersetzen, die viel bessere Ausleuchtung gestatteten. Der Betriebsleiter sicherte zu, sich mit dem Finanzministerium in Dresden bezüglich einer Anschaffung von Karbid- Lampen in Verbindung zu setzen. Ob dies der Auslöser gewesen ist, daß der sächsische Finanzminister Dr. Reinhold im Oktober 1920 selbst das Kalkwerk besichtigte, wissen wir nicht. In einer Zeitungsmeldung hieß es jedenfalls, er wollte sich über die Möglichkeiten des Ausbaus dieses Werkes informieren, um dadurch „neue Arbeitsgelegenheit zu schaffen“. Angedacht war, den Marmor (aufgrund seines hohen elektrischen Widerstandes) für Schalttafeln in der elektrischen Industrie einzusetzen.
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Im Monatsbericht vom 20. November 1920
(40024-12, Nr. 156) berichtete Inspektor
Roch dann tatsächlich, daß eine Betriebserweiterung bevorstehe. Um
geeignete größere Blöcke aus dem hinteren Bruch zu fördern, solle eine schiefe
Ebene angelegt werden und auf dieser mit einer nun elektrisch angetriebenen
Haspel gefördert werden. Das Transformatorenhaus war schon fertig, der Strom
werde über Freileitung aus Lichtenberg bezogen. Zukünftig solle auch das Füllort
elektrische Beleuchtung erhalten.
Außerdem wolle man nur wenig vom Schacht entfernt eine Benzinniederlage errichten und habe für den Transport der Blöcke und geschnittenen Tafeln zu den Abnehmern schon zwei Lastkraftwagen angeschafft. Manchmal geht es schnell, wenn der staatliche Wille dahinter steht. Im Übrigen fand der Inspektor auch diesmal keine Veranlassung zu bergpolizeilichen Anordnungen.
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1921 wurde dann im Finanzministerium die „Oberleitung
der staatlichen Kalkwerke“, zunächst noch mit Sitz in Dresden-N. 6, gebildet.
„Oberleiter“ war der Oberregierungsrat Kirsch im
Finanzministerium, Kalkwerksinspektor ein Herr Winkler, als
kaufmännischer Assistent wird ein Herr E. Schmidt aufgeführt. Zunächst
gehörten dieser Verwaltung – neben dem Hermsdorfer Werk – noch die Kalkwerke in
Lengefeld, Oberscheibe und Hammerunterwiesenthal an. Mit Schreiben vom 25. April
1921 wurde auch die Bergbehörde von der neuen Unternehmensbildung informiert
(40024-12, Nr. 158).
Die Umsetzung der oben genannten Pläne zeigte deshalb dann am 16. März 1921 nicht mehr die Werksleitung in Hermsdorf, sondern schon die neugebildete Oberleitung der staatlichen Kalksteinwerke in Dresden dem Bergamt Freiberg an (40024-12, Nr. 156). In dieser Anzeige heißt es, daß in dem neuerbauten Maschinenhaus „ein 30 PS starker, zweikorbiger Vorgelege- Förderhaspel zum Heben der Kalksteinblöcke auf der schiefen Ebene“ eingebaut worden sei. Angetrieben wurde er von einem Elektromotor. Außerdem habe man für den Betrieb von Bohrhämmern einen „Luftpresser“ von der Zwickauer Maschinenfabrik beschafft, der bis zu 6 at Druck erzeuge. Auch dieser wurde von einem Elektromotor angetrieben, der von den Siemens- Schuckert- Werken geliefert worden sei (40024-12, Nr. 156).
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Über diese Erweiterungs- und Modernisierungsvorhaben in Hermsdorf wird im gleichen Jahr auch in den Jahrbüchern berichtet: VI. Wichtige Ausführungen und Betriebsvorgänge. 1. Lagerstättenaufschlüsse und bergmännisch oder geognostisch bemerkenswerte Vorkommnisse. „5. Beim staatlichen Kalkwerk Hermsdorf wurde in größerem Umfange als bisher abgeräumt. Im Abraum fanden sich große Quarzknollen und größere Kalksteinstücke, die mitunter sehr ausgeprägte Abwaschungen sehen ließen und z. T. Durchdringungen des Kalksteins von Phyllitschiefer aufwiesen. Auch wurden beim Abräumen Hebungen und Faltungen des Phyllitschiefers bloßgelegt, deren Entstehung noch nicht völlig geklärt erscheint.“ Und unter der Rubrik: 10. Sonstiges. „3. Die Abfuhr des Kalkes und Kalksteins vom staatlichen Kalkwerk Hermsdorf in Hermsdorf (Erzg.) zur Bahn, die bisher durch Pferdegeschirre erfolgte, wird jetzt durch Kraftwagen besorgt.“ Ein Jahr später wird das Kalkwerk Hermsdorf wieder in den Jahrbüchern erwähnt. Diesmal heißt es im Abschnitt: 3. Gewinnungsarbeiten. „2. Bei den Staatlichen Kalkwerken in Hermsdorf, Lengefeld, Oberscheibe und Unterwiesenthal ist maschineller Bohrbetrieb eingerichtet worden. Die Luftkompressoren werden, außer beim Kalkwerk Hermsdorf. wo elektrische Antriebskraft vorhanden ist. durch Benzolmotoren angetrieben, die von der Deutzer Gasmotorenfabrik geliefert worden sind, 20 PS haben und 260 Umdrehungen machen. 3. Beim Staatlichen Kalkwerk in Hermsdorf ist zur Abförderung von Abraummassen ein Austro- Daimler- Benzol- Zugtriebwagen von 6 PS Stärke eingeführt worden.“ Und: 6. Förderung. „2. Beim Staatlichen Kalkwerk in Hermsdorf ist zur Beförderung des Kalksteins aus dem Tagebau eine schiefe Ebene angelegt worden, auf der mittelst elektrischen Haspels gefördert wird.“
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Der nächste Monatsbericht datiert auf den 13. Januar 1922 und wurde nun vom Regierungs- Bergrat Sarfert aufgesetzt (40024-12, Nr. 157). Er berichtete, daß nunmehr 28 Arbeiter auf dem Werk angelegt seien. Außerdem erfährt man, daß auf der Sohle des Tagebaues ein Holzschuppen errichtet worden sei, in dem eine „Schneideseilanlage mit elektrischem Antrieb zum Bearbeiten größerer Blöcke“ aufgestellt worden ist. Auch die Haspel für den Betrieb der schiefen Ebene sollte bereits wieder umgebaut werden, um auch die Hunte zur Beschickung der Kalköfen auf dieser zu transportieren zu können. Um außerdem Förderleute einzusparen, solle dieser Aufzug gleich auch noch auf Personenbeförderung eingerichtet werden. Die Bauarbeiten ruhten jedoch „wegen starker Verschneiung.“ Der Plan, elektrische Beleuchtung im Füllort einzurichten, war dagegen noch nicht umgesetzt. An diesem Stand hatte sich auch beim nächsten Monatsbericht des Regierungs- Bergrates Sarfert vom 30. Mai 1922 noch nichts geändert. Stattdessen hatte man nun die Schachtförderung eingestellt und förderte nur noch über die schiefe Ebene. Weil die aber nicht bis auf die Ofengicht führte, hatte man einen separaten, elektrisch betrieben Aufzug errichtet. Hinsichtlich des Grubenbetriebes befand Herr Sarfert im Übrigen wieder alles für in Ordnung.
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Am 22. September 1922 hielt Bergrat Sarfert dann in seinem Monatsbericht (40024-12, Nr. 157) fest, der Schuppen für die Steinschneideanlage auf der Tagebausohle sei „durch den Schießbetrieb ... schon wiederholt beschädigt worden, so daß der Schuppen vor einiger Zeit abgebrochen werden mußte.“ Ob man den Betrieb dieser Anlage überhaupt wieder aufnehme, stehe noch nicht fest ‒ der gedachte Absatz der Marmorplatten an die elektrische Industrie kam wohl doch nicht ganz so, wie erwartet, zustande. Da man inzwischen auch größere Kipphunte einsetzte, plane man aber, den alten Förderschacht umzubauen und die beiden Fördertrümer zu einem zusammenzulegen. Man hatte schnell festgestellt, daß der offene Haspelberg im Winter „bei Schneestörungen“ nicht so richtig optimal funktionieren konnte... Dazu kam es aber dann doch nicht, denn am 13. Dezember 1922 berichtete der Bergrat Sarfert dann, man habe das Treibehaus abgebrochen, den Schacht abgedeckt und die Wassertreibemaschine „weggenommen.“ Aus dem Monatsbericht vom 20. September 1923 erfährt man dann: „Der Betrieb auf dem Kalkwerk ist sehr rege, da die vom Landtag bewilligte Hochseilbahn nach dem Bahnhof Holzhau und der ebenfalls bewilligte, neue Ringofen begonnen worden sind. Dabei sind reichlich 100 Mann Maurer, Zimmerleute usw. beschäftigt...“ Die Kalksteingewinnung bewege sich im hinteren Bruch in östlicher Richtung. Den dabei anfallenden Abraum beginne man nun im vorderen Bruch zu verstürzen.
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1923 ist Herr Sperke in den Ruhestand
getreten. Seine Funktion übernahm nun ein Herr A. Schmidt. Außerdem
erfährt man aus der betreffenden Jahrbuchausgabe:
V. Wichtige Ausführungen und Betriebsvorgänge. 9. Aufbereitung. „4. Die Kalköfen der Staatlichen Kalkwerke in Hermsdorf, Lengefeld, Oberscheibe und Unterwiesenthal sind im Jahre 1922 umgebaut und zum Teil mit neuen Feuerungseinrichtungen versehen worden.“ Und: 10. Sonstiges. „1. Das Staatliche Kalkwerk Hermsdorf erhielt im Jahre 1923 durch Bau einer Drahtseilbahn vom Werk nach dem Bahnhof Holzhau Bahnanschluß. Außerdem wurde bei diesem Werke ein neuer Ringofen erbaut.“ Im Folgejahr wird dann von der Inbetriebnahme dieser Anlagen berichtet unter: 10. Sonstiges. „2. Bei dem staatlichen Kalkwerke Hermsdorf wurde der im Jahre 1923 erbaute Ringofen am 15. Januar 1924 in Betrieb genommen. Nach Überwindung z. T. erheblicher Schwierigkeiten, besonders bei Auswahl der dem Betrieb am besten geeigneten Kohlensorten, arbeitet der Ofen jetzt zur Zufriedenheit sowohl was die Leistung anlangt, als auch in Bezug auf sparsamen Kohlenverbrauch. - Dasselbe darf auch von den übrigen umgebauten 11 Schachtöfen auf allen 4 staatlichen Kalkwerken gesagt werden. - Die gleichzeitig mit dem Ringofen erbaute Drahtseilbahn vom Bahnhof Holzhau nach dem Werke Hermsdorf ist am 28. Januar 1924 dem Betrieb übergeben worden.“
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Aufgrund der Flächeninanspruchnahme im Staatsforstgebiet mußte vor der Errichtung der Seilbahn auch die Oberforstmeisterei in Bärenfels einbezogen werden (10861, Nr. 0403). Über das Vorhaben informierte das Sächsische Finanzministerium als Oberbehörde der Oberleitung der Staatlichen Kalkwerke die Revierverwaltung in Nassau am 12. Juli 1923: „Die Oberleitung der staatlichen Kalkwerke beabsichtig vom Kalkwerk Hermsdorf i. E. nach dem Bahnhofe Holzau eine Einselbahn, die wie aus beiliegendem Plane zu ersehen ist (blau), durch das Staatsforstrevier Nassau führen soll, anzulegen. Die Revierverwaltung Nassau ist anzuweisen, die in den nächsten Tagen beginnenden Vermessungsarbeiten zu gestatten und die Oberleitung der staatl. Kalkwerke dabei zu unterstützen.“ Weiterhin wurde die Revierverwaltung angewiesen, die Schneise für die Seilbahn zu schlagen und eine Berechnung für das nicht erntereife Holz zu erstellen. Als Entschädigung für den Abtrieb nicht hiebsreifer Bestände erhielt die Revierverwaltung Nassau einen Betrag von 155 Goldmark gutgeschrieben. Der Bodenzins für 117 Ar Waldfläche wurde auf je 2 Goldmark pro Ar und Jahr festgesetzt. Der resultierende Betrag von 234 Goldmark wurde danach jährlich von der Kalkwerksverwaltung gezahlt. Die Strecke zwischen Bergwerk und Bahnhof wurde dann mittels 19 hölzerner Masten überbrückt, welche zwischen 8,0 m und bis zu 18,5 Meter hoch waren. Die größte freie Länge bestand zwischen Mast 19 und der Station am Bahnhof in Holzhau. Dort waren mehr als 258 Meter zu überbrücken. Am höchsten Punkt der Bahn, nahe dem Drachenkopf, verlief das Seil in einer Höhe von 799 Metern über dem Meer. Die Geschwindigkeit betrug etwa 2 m/s (7,2 km/h). Bei vollem Betrieb konnten in einer Stunde bis zu 71 Gondeln be- bzw. entladen werden. In jeder der Gondeln konnten je 90 kg Kalk in Richtung Bahnhof Holzhau abtransportiert und auf dem Rückweg 60 kg Kohle zum Kalkwerk befördert werden. Pro Tag konnten so 50 t Kalk und 30 t Kohle transportiert werden (wikipedia.de, vgl. auch 10753, Nr. 1498).
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Der nächste, in der Akte (40024-12, Nr. 157) aufbewahrte Monatsbericht datiert auf den 2. Juli 1924. Er ist jetzt von Regierungsbergrat Wolf unterzeichnet, der uns ebenfalls berichtet, daß der Faktor Sperke in Hermsdorf in den Ruhestand getreten sei. An seiner Stelle war nun Herr Schmidt auf dem Werk als Betriebsleiter eingesetzt. Hinsichtlich des Betriebes fand auch Bergrat Wolf nichts zu beanstanden. Der Ringofen und die Seilbahn nach Holzhau seien nunmehr in Betrieb. Da durch den Ringofen der Bedarf an Rohkalkstein angewachsen sei, sollten nun auch die Tiefbaue wieder aufgenommen werden. Zu den bisher schon vollführten Abbauen untertage findet man die folgende Zeichnung in der Akte.
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Untertägige Baue des Kalkwerkes Hermsdorf im Jahr 1924. Da die Kopie vom Film sehr blaß ist, haben wir die darin vermerkten geologischen Grenzen und die Tagebaukonturen nachkoloriert. Bildquelle: Sächsisches Staatsarchiv, Bergarchiv Freiberg, Bestand 40024-12 (Landesbergamt Freiberg), Nr. 156, Aktenbeilage, Norden ist etwa links.
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In dieser Grafik haben wir den Grundriß von 1924 (rechteckiger Rahmen) in Nordrichtung gedreht und dann die Flurkarte von 1904 hinterlegt, um zu sehen, wie weit der Abbau in diesen 20 Jahren vorangeschritten ist. Wie meistens, passen die Vergrößerungen natürlich auch diesmal nicht genau aufeinander. Aber man erkennt, daß man in dieser Zeitspanne nordöstlich und südwestlich der schon bestehenden Baue jeweils nach Südosten eingeschlagen und eine Vorrichtungsstrecke von der östlichen Lagergrenze aus nach Südwesten getrieben hat. |
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![]() Ein weiterer Blick in den Kalkbruch vom Fotografen Walter Möbius, datiert 1924 oder 1927. Es ist hangaufwärts - nach Osten - aufgenommen und zeigt vermutlich einen Teil des damaligen vorderen Kalkbruchs mit den Einschlägen in Richtung des untertägigen Baufeldes.
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Wie der Abbau erfolgen sollte, zeigte die Oberleitung der staatlichen Kalk- und Hartsteinwerke Dresden (Dem Staatsunternehmen hatte man inzwischen die Hartsteinwerke Klinga bei Großsteinberg und Döbitz bei Taucha zugeschlagen.) dem Oberbergamt am 7. Mai 1925 an (40024-12, Nr. 157).
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„Maßskizze“ zum Kammerpfeilerbau in Hermsdorf zu dem Schreiben der Oberdirektion der staatlichen Kalk- und Hartsteinwerke Dresden vom 7. Mai 1925. Bildquelle: Sächsisches Staatsarchiv, Bergarchiv Freiberg, Bestand 40024-12 (Landesbergamt Freiberg), Nr. 157, Aktenbeilage.
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Diese „Maßskizze“ ist technologisch von rechts nach
links zu lesen:
Von der Vorrichtungsstrecke (hier unten) am Rand des Abbaufeldes ausgehend treibt man zunächst rechtwinklig zu dieser Abbaustrecken vor. Haben diese die gegenüberliegende Feldgrenze erreicht (Mitte), beginnt man rückschreitend mit der Aufweitung der Strecke. Zur Vorrichtungsstrecke hin bleibt dabei ein Sicherheitspfeiler stehen. Hat die Strecke ihre volle Breite erreicht, schlägt man zu der benachbarten, schon abgebauten Kammer durch (linkes Bild). Auch dabei bleiben zwischen den Kammern „schachbrettartig“ Pfeiler stehen, die die Last des Deckgebirges zwischen den ausgehauenen Kammern aufnehmen. Das Ganze klappt natürlich nur dann so systematisch, wenn auch die geologischen Grenzen entsprechend systematisch angeordnet sind... Für das Kalkwerk Hermsdorf war vorgesehen, die Abbaustrecken mit 2,0 m Breite durch den 4,0 m starken Sicherheitspfeiler neben der Vorrichtungsstrecke hindurch aufzufahren. Hinter dem Pfeiler wurde das Profil bereits beim Vortrieb auf 4,0 m Breite erweitert. War die Grenze erreicht, wurde das Kammerprofil rückschreitend auf 8,0 m Breite (also noch einmal um 2,0 mm nach beiden Seiten) aufgebrochen. Dabei fiel jede Menge Kalkstein an. Um nun soviel Kalkstein, wie möglich, zu gewinnen, werden zuletzt noch die Durchbrüche zwischen den Kammern hergestellt. Auch diese sollten jeweils 8,0 m Breite bekommen, so daß am Ende ein „Schachbrett“ aus 8 m x 8 m großen Pfeilern mit „leeren“ Kammern dazwischen entstand.
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Das Bergamt Freiberg beschied daraufhin, „daß gegen einen firstweisen Pfeilerrückbau ohne Bergeversatz (Weitungsbau) Bedenken nicht zu erheben sind, wenn folgende Bedingungen erfüllt werden: 1. bei dem Aushieb von Weitungen müssen genügend starke Pfeiler in entsprechenden Abständen stehen gelassen werden. Der Kalkstein darf an der Firste nicht bis an das Hangende weggenommen werden, vielmehr müssen hier hinreichend starke Kalksteinspanner stehen blieben. 2. Die stehengelassenen Pfeiler sind genau durch einen konzessionierten Markscheider einzumessen, um zu ermöglichen, daß in der nächsten Scheibe die stehengebliebenen Pfeiler genau untereinander kommen. 3. Es sind Scheinwerfer- Lampen zur Verfügung zu halten, um die Firste genau ableuchten zu können. 4. Ebenso ist Rüstzeug vorrätig zu halten, um schnellstens gefahrlos lose Gesteinsteile abtreiben und abschießen zu können. 5. Bei Unruhigwerden der Weitungen ist die Belegschaft zurückzuziehen.“
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Die folgenden Bilder sind von Max
Nowak aufgenommen worden und vermitteln uns einen Eindruck über das
Aussehen der Tagebaue und der alten Weitungen in dieser Zeit.
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Über seine Befahrung vom 26. August 1925
(40024-12, Nr. 157) hatte Regierungsbergrat Wolf
dann zu berichten, daß man zur weiteren Erschließung des Kalklagers „zwei
gleichlaufende Strecken in den Tagebaustoß gegen das Dorf Hermsdorf (nach
NO) getrieben und die eine bereits in Kalkstein auf 80 m erlängt“ sei.
Außerdem war im alten Tiefbau ein Versuchsabteufen im Gange, das schon 6 m Tiefe
erreicht hatte und später als Förderrolle für die nächsttiefere Sohle dienen
solle.
Auch der frühere Förderschacht wurde noch einmal in Angriff genommen: Entlang seines kurzen Stoßes habe man schon 8 m niedergeteuft, um nach Erreichen von 16 m Teufe von dort aus den neuen Förderschacht mit größerem lichten Profil aufzubrechen und gleichzeitig mit Mauerung zu versehen. Auch übertage wurde weiter investiert: Einen elektrischer Schaltraum, eine Steigerstube und einen Krankenraum hatte man neu errichtet.
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Darüber liest man in der Jahrbuchausgabe von 1925 im Kapitel V. Wichtige Ausführungen und Betriebsvorgänge. 1. Lagerstättenaufschlüsse und bergmännisch oder geognostisch bemerkenswerte Vorkommnisse. unter „6. Staatliches Kalkwerk Hermsdorf
in Hermsdorf. Dann erfährt man noch aus den Abschnitten 2. Schacht- und Maschinenanlagen. „Ein alter Treibeschacht wurde mit einem elektrischen Turm-Förderhaspel versehen und an Stelle des bisherigen Haspelberges für die gesamte Gruben- und Tagebauförderung des Werkes in Betrieb genommen. Er wird zur Ausrichtung der zweiten Sohle unter die Stollnsohle verteuft und in Mauerung gesetzt. Die kleine Kompressoranlage über Tage wurde durch eine größere unter Tage mit 2 elektrisch angetriebenen Kompressoren ersetzt, die auf einen gemeinsamen großen Windkessel arbeiten. Die elektrische Hoch- und Niederspannungsanlage wurde neuzeitlich umgebaut und dabei den Betriebsverhältnissen angepaßt.“ 3. Gewinnungsarbeiten. Die Vergrößerung der Kompressoranlage gestattete eine verstärkte Verwendung von Preßluftbohrhämmern, die in den Streckenbetrieben größtenteils in Verbindung mit Spannsäulen benutzt werden.“ 4. Betrieb der Baue. In den Staatlichen Kalkwerken Hermsdorf in Hermsdorf und Lengefeld in Lengefeld wird nun „Im Tiefbaubetrieb … der Kalkstein durch firstenweisen Pfeilerrückbau (Weitungsbau) gewonnen.“ 7. Wasserhaltung. „Aus dem Abteufen des Treibeschachtes wird das Wasser durch elektrisch angetriebene Schleuderpumpen gehoben und fließt auf den Stolln ab.“ Und zuguterletzt noch: 10. Sonstiges. „In das alte Kompressorhaus über Tage wurde ein neuer Niederspannungsverteilungsraum, eine Steigerstube, eine Krankenstube und ein Materiallager eingebaut.“
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Leider ist es im Jahr 1925 auch wieder zu einem
tödlichen Unfall ist gekommen. Im Kapitel des Jahrbuchs
III. Tödliche Unfälle. kann man darüber lesen: „Am 31. März. Steinbrecher Bretschneider wurde im Kalksteinbruch durch ein unvermutet aus dem Gesteinsstoß hereinbrechendes Gesteinsstück an den Kopf getroffen und starb am nächsten Tage an den erlittenen Verletzungen.“ Beim Abteufen des neuen Förderschachtes kam es dann im Dezember 1925 noch zu einem Wassereinbruch. Die Oberleitung der Staatlichen Kalk- und Hartsteinwerke wies daraufhin an, die Arbeiten zunächst einzustellen und das Fahrtrum bis 9 m Teufe mit klaren Massen zunächst wieder aufzufüllen. In diesem Niveau sollten die Wasser mittels Pumpen gehalten werden und gleichzeitig ein Mauerfuß vorbereitet werden, auf den Mauerung bis Übertage aufgesetzt werden kann (40024-12, Nr. 157).
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Nachdem am 6. Januar 1930 der Kalkwerksarbeiter Otto
Walther „durch
Gesteinsfall aus einer Auswaschung“
an Rücken und Unterschenkel Quetschungen
erlitten hatte, hatte der Fabrikarbeiterverband, Zahlstelle Chemnitz, dem wohl
die Krankenversicherung oblag, eine Untersuchung veranlaßt. Das zuständige
Bergamt Freiberg berichtete daraufhin an das Oberbergamt, daß
„von einer Häufung von Unfällen nicht die Rede sein könne“, zumal die
Unfallzahlen in den letzten Jahren deutlich abgenommen hätten.
Zum Beleg dafür hat Bergrat Wolf die folgende Tabelle angeführt:
Die letzte Spalte haben wir sicherheitshalber angefügt, da aufgrund der stark schwankenden Beschäftigtenzahlen ein Vergleich der bloßen Anzahl von Unfällen eigentlich nichts aussagt. Tatsächlich aber sagt der Anteil der pro Jahr verunfallten Personen, daß 1927 ein besonders schwarzes Jahr gewesen ist, bei dem rein statistisch fast jeder Angestellte einen Unfall hatte. 1929 war es rein rechnerisch dagegen nur noch rund jeder sechste Arbeiter, der einmal im Jahr einen Unfall gehabt hat. Im Übrigen sei auch Otto Walther seit Beginn des Februars wieder „vollständig hergestellt und ohne Nachteil, wie vor dem Unfall beschäftigt.“ (40024-12, Nr. 157)
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Aus dem Monatsbericht des Bergrats Wolf vom 29. August 1927 erfahren wir, daß inzwischen 57 Mann auf dem Kalkwerk arbeiteten und Herr A. Schmidt durch den Reviersteiger Porges (oder Forges) abgelöst worden ist. Der Steinbruchbetrieb war gänzlich aufgegeben und die Gewinnung auf die untertägigen Baue verlagert. Der Zeitungsbericht aus dem Jahr 1925 oben hat uns schon verraten, daß der Tiefbau inzwischen eine dritte Sohle erreicht hatte. Im September 1927 genehmigte Bergrat Wolf die Inbetriebnahme der neuen untertägigen Sprengstoffhauptniederlage. Außerdem hatte man für die Schmiede einen mit Preßluft betriebenen Hammer angeschafft, der das Schärfen der Bohrmeißel sehr beschleunigte. Am 24. Oktober 1927 hatte Bergrat Wolf dann zu berichten, daß „aufgrund des guten Geschäftsganges ... auch Freitaler Erwerbslose beschäftigt“ würden, die bei der Verladung sogar täglich eine Überstunde zu verfahren hätten. Bei der Aus- und Vorrichtung in der tiefen Sohle hatte die eine der Ausrichtungsstrecken den Glimmerschiefer am Rand des ersten Lagers erreicht und man durchörtere nun diesen nun, um auch das zweite Lager anzufahren. Im Förderschacht wurde neuer Holzausbau eingebracht. Auch habe man begonnen, eine Terrazzoanlage zu errichten (40024-12, Nr. 157). Die Jahrbuchausgaben auf das Jahr 1927 berichten uns ebenfalls, daß die Stelle von Herrn Schmidt der Reviersteiger K. Forges (oder Porges) übernommen hat. Darüber hinaus liest man wieder im Abschnitt Lagerstättenaufschlüsse; geologisch Bemerkenswertes über Hermsdorf: „Die Lagerstätte wurde durch die für den Tiefbau notwendigen Vorrichtungsstrecken auf größere Entfernungen untersucht. Nach den Aufschlüssen der bis zum Kontakt des Kalksteines mit dem Schiefer getriebenen Vorrichtungsstrecken verläuft die Begrenzungslinie des Lagers in mehr als 100 m Entfernung vom nordöstlichen Tagebaustoße. Das Ende des Lagers nach NW muß in etwa 30 m Entfernung vom nordwestlichen Bruchstoß angenommen werden. Über die Ausdehnung des Lagers nach SW lassen sich, da bisher jeder Aufschluß fehlt, keine Angaben machen. Nach dem Streichen und Fallen der angefahrenen Kontaktflächen besitzt das Lager ein Streichen von NW nach SO und ein Einfallen nach NO.“ Und im Abschnitt 2. Schacht- und Maschinenanlagen kann man lesen: „Das Weiterverteufen des Förderschachtes um 15 m wurde beendet. Der neue Schachtteil wurde in Mauerung gesetzt und mit Gestellförderung versehen. Zur besseren Bewetterung der Grubenbaue wurde ein Wetterschacht als Überhauen mit 70° Einfallen in Angriff genommen… Im Treibeschacht wurde auf der zweiten Sohle ein Pumpenort hergestellt. Zur Hebung der zusitzenden Wasser dient eine größere Kreiselpumpe mit elektrischem Antrieb.“
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Am 5. Dezember des darauffolgenden Jahres 1928 war außer dem Bergdirektor Feist von der Oberleitung der Kalk- und Hartsteinwerke der neue Betriebsleiter Häcker bei der Befahrung durch Regierungs- Bergrat Wolf zugegen. Beschäftigt waren jetzt 48 Arbeiter (40024-12, Nr. 157). Hauptsächlich ging der Abbau auf der 2. Sohle um. In einem Feldteil, in welchem die Mächtigkeit des Kalklagers die Anlage einer 3. Sohle nicht lohne, weil die Mächtigkeit der in der Sohle anstehenden Kalksteine von 8 m bis auf nur noch 0 m abnahm, wollte man „eine Art Stroßenbau“ durchführen. Dabei sollte zunächst mittels einer schiefen Ebene der in der Sohle anstehende Kalkstein herausgeschossen werden. Nachdem man diese Strossen mit Abraum wieder aufgefüllt habe, sollte dann der Abbau in der 2. Sohle planmäßig fortgeführt werden. „Zu irgendwelchen Erinnerungen war bei der Befahrung und Besichtigung kein Anlaß“ vermerkte Bergrat Wolf in seinem Bericht. Das Werk war also nach wie vor in sehr ordentlichem Betrieb. Schlagen wir die betreffende Jahrbuchausgabe auf, so können wir auch dort nachlesen, daß Herr Forges in seiner Funktion als Betriebsführer und Steiger 1928 bereits wieder durch den Herrn M. Häcker abgelöst worden ist. Ferner kann man wieder im Abschnitt Lagerstättenaufschlüsse, geologisch Bemerkenswertes über Hermsdorf lesen: „Mit dem in der 2. Sohle vom Förderschachte nach Osten zur Ausrichtung angesetzten Querschlag wurde das Kalksteinlager in etwa 30 m Entfernung angefahren. Nach den Aufschlüssen des etwa 90 m weit ins Feld getriebenen Querschlages und der von ihm aus nach Südost angesetzten Vorrichtungsstrecke ist anzunehmen, daß das Lager in der 2. Sohle ungefähr die gleiche Ausdehnung hat wie in der 1. Sohle… Der im Vorjahre begonnene Luftschacht zwischen der ersten Sohle und der Tageoberfläche wurde fertiggestellt. Zur Bewetterung der Baue in der 2. Sohle wurde ein Luftschacht von der 2. zur 1. Sohle im Kalkstein aufgebrochen. Der Schacht wurde mit Fahrung versehen und dient so gleichzeitig als zweiter Tageausgang von der 2. nach der 1. Sohle.“ Ein Jahr später erfährt man an gleicher Stelle „Der Querschlag in der 2. Sohle wurde weiter in östlicher Richtung in das Feld vorgetrieben. Mit ihm wurde das hangende Kalksteinlager in etwa 75 m Entfernung vom liegenden Kalksteinlager angefahren. Durch die in der 2. Sohle gemachten Aufschlüsse wurde festgestellt, daß das liegende Lager in der 2. Sohle die gleiche Ausdehnung wie in der 1. Sohle hat.“ Und im Abschnitt: 9. Aufbereitung. „Im Berichtsjahre wurde eine Kalksteinkörnungsanlage in Betrieb genommen.“ 1930 wurde die Oberleitung der staatlichen Kalk- und Hartsteinwerke erneut umstrukturiert: Seitdem hieß sie „Direktion der Staatlichen Kalk- und Hartsteinwerke“ und hatte ihren Sitz in Dresden-N. 6, Kasernenstraße 20. Die Leitung hat Herr Bergdirektor H. Feist übernommen und aus dem kaufmännischen Assistenten E. Schmidt ist inzwischen ein Handelsdirektor geworden. Darüber hinaus erfährt man aus dieser Jahrbuchausgabe, daß „im Berichtsjahre … mit der Vorrichtung des hangenden Kalklagers begonnen“ wurde und daß „Der Ringofenbetrieb … auf Kohlenstaubfeuerung nach System Rost umgestellt (wurde). Der Rüdersdorfer Ofen wurde für Betrieb mit Unterwind umgebaut.“
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Die nächste Befahrung durch Bergrat Wolf erfolgte am 16. Mai 1930 gemeinsam mit Betriebsführer und Reviersteiger Häcker und Steiger Müller. In der oberen Tiefbausohle (im Niveau der Tagebausohlen) war das Kalklager weitgehend abgebaut ‒ hier war nur noch eine „Kalkfirste“ in Betrieb. Der Hauptbetrieb ging nun auf der tiefen Sohle um. Die Grubenbaue und den Förderschacht befand der Bergrat als „in tadelloser Ordnung.“ (40024-12, Nr. 157) Anfang des Sommers habe sich das Kalkgeschäft wieder belebt und auch die Terrazzoanlage sei „gut beschäftigt.“ Man fasse jetzt auch die Körnung von nicht ganz weißem Kalk zur Herstellung elastischer Straßendecken (womit wohl Asphaltdecken gemeint waren) ins Auge. Aufgrund eines doppelten Unfalles im Kalkwerk Lengefeld wurden Vorsichtsmaßregeln besprochen. Dabei teilte Betriebsführer Häcker mit, daß man in Hermsdorf mit dem Wegfüllen von Kalkstein mindestens 16 Stunden (zwei Schichten) nach dem Schießen abwarte. In der Akte ist als letzter der Fahrbericht vom 3. September 1931 enthalten, unterzeichnet von Dipl.- Ing. Held. Auch der fand nur einige kleine Mängel vor, deren sofortige Beseitigung der Betriebsführer zusagte. Da die Oberdirektion der staatlichen Kalk- und Hartsteinwerke die Tariflöhne herabsetzen wollte, war die komplette Belegschaft bis auf einen Schmied in den Ausstand getreten. Daher mußte der Betrieb mit neu eingestellten Leuten aufrecht erhalten werden.
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1931 konnte man im Jahrbuch lesen, daß man nun „Das hangende Kalksteinlager (...) durch einen Bremsberg zum Abbau vorgerichtet“ habe. Ein Jahr später stellte man fest: „Durch eine Nordwest-Südost streichende Verwerfung mit einer seigeren Verwerfungshöhe von rd. 3,00 m ist es möglich, den nördlichen Teil des hangenden Lagers von der zweiten Sohle ohne Zwischenförderung abzubauen.“ 1933 ist dann „Von der Nordwest-Südost streichenden Verwerfung aus … das hangende Lager in östlicher Richtung mit einer Vorrichtungsstrecke von 150 m Länge durchfahren worden. Der nördliche Teil des Tagebaues ist zur Gewinnung des noch anstehenden, in früheren Jahren freigelegten Kalksteins und zur Untersuchung des Kalksteinlagers in nördlicher Richtung neu belegt worden. Zur Förderung der dort gewonnenen Massen wurde ein Haspelberg angelegt.“ Über die Verarbeitungsanlagen erfährt man im Abschnitt 9. Aufbereitung. „Das Terrazzowerk wurde durch die Aufstellung eines Walzwerkes und eines Schüttelsiebes verstärkt. Zur Herstellung von gemahlenem Kalk und Marmormehl wurde eine Kugelmühle (Bauart Krupp) mit Stoßschuhspeiser, zwei Becherwerken und Absacksilos aufgestellt… Bei der Verladestelle in Holzhau wurde ein Säckeförderer eingebaut.“ Im Folgejahr wird über den Fortgang der untertägigen Aus- und Vorrichtungsarbeiten berichtet: „Im hangenden Lager wurde die 3. Sohle durch einen zweitrümigen Haspelberg erschlossen. Der Sohlenabstand zwischen der 2. und 3. Sohle beträgt etwa 10 m. Der durchfahrene Kalkstein wurde in sehr guter Beschaffenheit angetroffen.“
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Die Jahrbuchausgabe von 1935 berichtet
dann „In der Jahresmitte wurde mit dem Auffahren eines Stollns
begonnen, der zu dem abseits gelegenen, jetzt stilliegenden
Walterbruch-Kalksteinlager getrieben werden soll. Der Stolln wird in
polnischer Türstockzimmerung ausgebaut.“
Ferner erfährt man im Abschnitt X. Sonstiges. „Der Mannschaftsraum wurde vergrößert und in verschiedener Hinsicht besser ausgestattet. Die Reihenwaschbeckenanlage wurde gleichfalls vergrößert und durch Einbau dreier Duschen erweitert. Zur Warmwasserbereitung wurde ein Warmwasserkessel aufgestellt. Zur Herstellung von Zementkalk wurde eine Anlage mit maschinell betriebener Löscherei errichtet.“ 1936 war „Der Stolln nach dem Waltherbruch-Kalksteinlager... auf eine Länge von 130 m aufgefahren. Ein Teil der 3. Abbausohle konnte verstürzt werden, so daß mit der Gewinnung der darüber befindlichen Firsten begonnen werden konnte.“ Ein Jahr später hatte der Stolln „nach dem Waltherbruch- Kalksteinlager“ schon 320 m Länge erreicht.
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![]() Wieder ein Blick in den Steinbruch, Foto: Alfred Börner, 1936.
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![]() Das Bohren der Sprenglöcher, augenscheinlich nun schon mittels pneumatischer Bohrmaschine und Stütze. Foto: Alfred Börner, 1936.
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![]() Wegfüllen des gelösten Gesteins in Kipphunte, Foto: Alfred Börner, 1936.
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![]() Das Mundloch des 1934 angehauenen Stollns, Foto: Alfred Börner, 1936.
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![]() Die Hängebank des Förderschachtes, Foto: Alfred Börner, 1936.
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1938 wurde der Sitz der Direktion der Staatlichen Kalk- und Hartsteinwerke nach Dresden-A. 1, und zwar in die Ammonstr. 9, verlagert. Während Herr Bergdirektor Fest in seiner Funktion blieb, übernahm die Funktion des kaufmännischen Direktors nun Herr Altenkirch. In Hermsdorf war Herr Häcker nach wie vor Betriebsleiter und Reviersteiger. Leider endet mit dieser Ausgabe die vergleichsweise ausführliche Berichterstattung über das Bergwesen im Land Sachsen. In den vier nachfolgenden Jahren erscheinen nur noch in zweijährigem Rhythmus „Bergwerksverzeichnisse“. In der letzten Ausgabe der Bergwerksverzeichnisse von 1942 wird als Technischer Direktor der Kalk- und Hartsteinwerke dann der Bergdirektor Dipl.-Ing. H. Treppschuh genannt. Den Bergwerksverzeichnissen kann man immerhin noch entnehmen, daß dem Staatlichen Kalkwerk Hermsdorf im Juli 1938 der „Korallenachatbruch Halsbach“ als „Nebenbetrieb“ angegliedert worden ist. Hinsichtlich der technischen Ausstattung des Hermsdorfer Kalkwerkes wird 1939 aufgelistet:
Über Belegung und Ausbringen des Kalkwerkes in Hermsdorf sind diesen Ausgaben darüber hinaus die folgenden Angaben zu entnehmen:
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Am 28. Februar 1936 kam es im staatlichen
Kalkwerk Hermsdorf zu einem meldepflichtigen Ereignis: Das Seil der
Förderanlage war gebrochen (40027, Nr. 138). Glücklicherweise kam dabei
niemand zu Schaden. Über die Ursachen heißt es im Bericht der Werksleitung
an das Bergamt, „das Versagen der Notbremse ist höchstwahrscheinlich
darauf zurückzuführen, daß das Bremsgewicht sich nach einem geringen
Anziehen des Hebelarmes auf ein Eisen aufgelegt hat und dadurch die
Bremskraft nicht genügend gesteigert werden konnte. Dieser Übelstand ist
vom Werk beseitigt worden.“
Dem Unfallprotokoll ist eine statische Berechnung vom 9. April 1936 beigefügt, die von der Firma Münzner Maschinenbau in Obergruna erstellt wurde. Wir gehen deshalb davon aus, daß dieses als Lieferant von Bergbauausrüstungen sehr bekannte Unternehmen diese Förderanlage auch errichtet hat. Der Berechnung ist zu entnehmen, daß die elektrisch angetriebene Förderanlage über zwei unabhängige Bremssysteme verfügte, davon eine „Trommelbremse“, die als Feststellbremse auf beide Seiltrommeln wirkte und eine „Manövrierbremse“, die von einem separaten Elektromotor angetrieben als „Stoppbremse“ auf eine in das Vorgelege integrierte Bremsscheibe wirkte. Die letztere wurde während der Förderung benutzt. Beide waren als Bandbremsen eingerichtet, wobei die Feststellbremse durch das oben erwähnte Gegengewicht stets unabhängig von einem Antrieb wirksam werden konnte.
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Ein weiterer Unglücksfall ereignete sich im Januar 1938 (40027, Nr. 1178). Einer der Pfeiler zwischen den Bauen ging am 8. Januar des Jahres zubruch. Eine bergbehördliche Befahrung erfolgte am 20. Januar 1938 durch den Berginspektor Buck gemeinsam mit Bergdirektor Dipl.-Ing. Feist, Betriebsleiter und Reviersteiger Häcker und Steiger Müller. Darüber wird berichtet, daß „vermutlich durch eine Verwerfung... ein Abbauteil beim staatlichen Kalkwerk Hermsdorf in Bewegung geraten“ ist. Die Bewegung sei aber rechtzeitig festgestellt worden, so daß die in diesem Abbaufeld arbeitende Belegschaft noch zurückgezogen werden konnte und glücklicherweise keine Arbeiter zu Schaden gekommen sind. Noch drei Tage später hielt auch der zusätzlich eingebrachte Ausbau dem Gebirgsdruck nicht mehr Stand und ging zubruch. „Ob der Zusammenbruch darauf zurückzuführen ist, daß die Ausmaße der einzelnen Pfeiler zu gering gewesen sind, muß erst festgestellt werden,“ heißt es im Fahrbericht der Bergbehörde weiter. Ende Januar war man dann schon damit beschäftigt, die Zugangsstrecke mittels Getriebezimmerung wieder aufzuwältigen. Die Behörde legte dazu fest, daß die Ausbaustempel zu verspreizen und mit Klammern zu verbinden seien. Am 26. März ging ein erster Bericht der Werksleitung zum Hergang bei der Bergbehörde ein (40027, Nr. 1178, Blatt 11f). Darin heißt es, daß sich schon am 5. Januar im hinteren Lager „eine außerordentliche Druckerscheinung bemerkbar“ gemacht habe. „Der Querschlag wie auch die Pfeiler in den Abbauen links und rechts standen unter einem noch nie dagewesenen Druck, der bewirkte, daß fortwährend von den Pfeilern Stücke ausbrachen und somit die Pfeiler geschwächt wurden... In den nachfolgenden Tagen bis zum 7. Januar hielten die Druckerscheinungen in derselben Stärke an, jedoch kamen die Abbaue 69 und 71 nicht zum Brechen. Am 8. Januar stand das Lager unter seinem größten Druck. Ein Gebirgsschlag löste den anderen ab. Im Verlauf des Tages brach eine Schwebe vom Querschlag durch... Nach Durchbrechen der Schwebe brach der daraufstehende Streckenpfeiler und später die südlich eingehende Firste 64. Durch diesen Bruch wurde der Zugang zu den Abbauen im hinteren Lager gesperrt.“ Am 16. März konnte Reviersteiger Häcker dem Bergamt melden, daß der verbrochene Abschnitt durchörtert sei und daß man nach etwa 12 m Länge des Bruches den Querschlag zum hinteren Bruch wieder in Ordnung vorgefunden habe. Allerdings habe sich die Sohle des Querschlages infolge der Verbrüche auf weiteren etwa 40 m Länge um etwa 1 m abgesenkt. Dort hatte sich natürlich Wasser angestaut, das nun erst abgepumpt werden mußte. Vier Monate später, am 8. Juli 1938, meldete man, daß der Bruch gänzlich gewältigt sei. Dabei war zu konstatieren, daß im hinteren Lager das Hangende bis zu Bausohle niedergegangen war.
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![]() Grundrißausschnitt der 2. (blau) und 3. Sohle (grün dargestellt) am hinteren fiskalischen Bruch mit Eintragung der im Januar 1938 zubruchgegangenen Kammern 68 und 69 und dem verbrochenen Teil des Querschlags zur 2. Sohle (links). Rot markiert: Strecken im Nebengestein. Bildquelle: Sächsisches Staatsarchiv, Bergarchiv Freiberg, Bestand 40027, Nr. 1178, Blatt 12, Norden ist oben.
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Am Silvestertag 1938 sind dann aber zwei weitere „Firsten“ ‒ also Abbaukammern ‒ zubruchgegangen. Diesmal ging der Bruch bis zutage. Auch der Zugang zum Fallort im vorderen Lager wurde abgeschnitten, was dessen Neuauffahrung erforderlich machte. Als Ursache für die schweren Verbrüche wird im Bericht der Werksleitung vom 22. Mai 1939 vermutet, daß durch den strossenweisen Abbau in der 2. Bausohle die Standsicherheit der Pfeiler in der darüberliegenden Sohle zu stark geschwächt worden ist. Dummerweise war nun aber der Strossenbau gar nicht im Betriebsplan beantragt und folglich auch nicht behördlich genehmigt. Nebenbei stellte man dann auch noch fest, daß auch auf der 3. Bausohle einige Pfeiler auf der 2. Sohle unterfahren und dadurch geschwächt worden sind. Die Brüche waren also auch durch Nachlässigkeiten bei den Auffahrungen vom Werk selbst mit verursacht.
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![]() Grundrißausschnitt der 1. (gelb), 2. (blau) und 3. Sohle (grün dargestellt) am vorderen fiskalischen Bruch mit Eintragung der am Silvestertag 1938 zubruchgegangenen Kammern 36, 36a und 38 sowie dem Streichen der "schwarzen Kluft". Rot markiert: Strecken im Nebengestein. Bildquelle: Sächsisches Staatsarchiv, Bergarchiv Freiberg, Bestand 40027, Nr. 1178, Blatt 12, Norden ist oben.
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Im Mai 1940 wiederholte sich das Geschehen nochmals (40027, Nr. 1178, S. 37ff). Am 6. Mai mußte Reviersteiger Häcker erneut die Belegschaft aus den Abbauen 107, 108 und 109 abziehen, weil man wieder „lebhafte Bewegungen“ feststellte. In der Nacht zum 8. Mai 1940 gingen dann die Abbaue 108 und 109 zubruch. Der Bruch umfaßte diesmal einen Radius von etwa 50 m. In diesem Teil waren drei Pfeiler auf nur noch 6 m x 6 m Grundfläche geschwächt worden. Zwar hatte man diese bereits im April 1940 durch Einfassung mit Drahtseilen zu sichern versucht, die hatte aber letztlich auch nicht mehr standgehalten.
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![]() Grundriß der untertägigen Baue des fiskalischen Kalkwerkes auf dem Stand um 1940. Bildquelle: Sächsisches Staatsarchiv, Bergarchiv Freiberg, Bestand 40027, Nr. 1178, Blatt 23, zirka Gesamtansicht, Norden ist links.
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![]() Ausschnitt aus obigem Riß, eingenordet. Östlich des hinteren Bruchs ist jetzt die große Pinge eines bis zutage gegangenen Bruches verzeichnet.
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Dann kam es am Sonntag, dem 7. Juni 1942 gegen 19:30 Uhr auch noch zu einem Brand. Er ging vom Feinkohlenbunker aus und war wohl durch einen defekten Transmissionsriemen ausgelöst. Dadurch kam es zu Lauffehlern in der Kohlenmahlanlage und zu Funkenflug. Zwar wurde der eigentliche Schaden schnell erkannt und beseitigt, jedoch hatte sich im Kohlenbunker ein Glutnest gebildet, das sich allmählich ausbreitete, obwohl auch der diensthabende Kalkbrenner den Kohlenbunker mehrfach mit der Handspritze oberflächlich ablöschte. Die darin lagernden etwa 40 t böhmischer Braunkohle, waren der Tagesbedarf des Ringbrandofens. Nachdem die hölzerne Bunkerverschalung einmal brannte, stand bald auch die daneben stehende hölzerne Einhausung des Ringbrandofens und dann auch noch das angrenzende Seilbahn- Maschinengebäude in Flammen. Durch die Hitze riß schließlich auch das Tragseil der Seilbahn. Die Feuerwehr Hermsdorf hatte bis 23:00 Uhr zu tun, den Brandherd einzudämmen und die anderen Betriebsgebäude zu schützen. Leider enden mit dem Beginn des zweiten Weltkrieges auch die Ausgaben der Jahrbücher.
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Wie wir schon wissen, unterstanden die fiskalischen Kalkwerke bis zum Ende des 1. Weltkrieges noch dem Sächsischen Finanzministerium, II. Abteilung, und der unmittelbaren Aufsicht durch die örtlichen Forst- oder Rentbeamten. Im April 1921 wurde als staatliche Unternehmensverwaltung zunächst die „Oberleitung der staatlichen Kalkwerke“ in Dresden, Carolaplatz 1 ‒ also mit Sitz gleich im Finanzministerium ‒ gebildet (40024-12, Nr. 9 und 40024-12, Nr.158, Blatt 2). 1928 wurde aus der Oberleitung der staatlichen Kalkwerke dann die „Direktion der staatlichen Kalk- und Hartsteinwerke“ gebildet, weil ihr inzwischen auch eine Reihe von anderen Steinbrüchen zugeschlagen worden sind (40024-12, Nr. 26/1). Als Geschäftsführer sind in der Ausgabe des Jahrbuches für das Bergwesen auf das Jahr 1929 die Herren Dipl.- Ing. H. Feist, Bergdirektor, sowie E. Schmidt, Handelsdirektor, angeführt. 1933 wurden alle obererzgebirgischen Kalkwerke der Direktion der Staatlichen Kalk- und Hartsteinwerke Dresden, inzwischen umgezogen in die Kasernenstraße 20, angegliedert (vgl. auch 40030, Nr. 2-H24615). Aus der Jahrbuchausgabe von 1936 erfährt man, daß die Direktion der Staatlichen Kalk- und Hartsteinwerke erneut und nun in die Ammonstraße 9 in Dresden umgezogen ist. Als technischer Leiter ist weiterhin Herr H. Feist tätig, während die kaufmännische Geschäftsführung Herr Felix Altenkirch von Herrn Schmidt übernommen hat (13859, Nr. 0065). Ab 1939 wird in den Bergwerksverzeichnissen dann Herr Dipl.- Ing. H. Treppschuh als Technischer Direktor angeführt.
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Einer gutachterlichen Bewertung der sächsischen Kalkwerke aus dem Jahr 1937 (40030, Nr. 1-1060) ist zu entnehmen, wie sich die Kalksteinförderung im Jahr 1936 auf die einzelnen geologischen Regionen Sachsens verteilte:
Am Ende der Weltwirtschaftskrise, im „Jahr der größten Schrumpfung der deutschen Wirtschaft, 1932, wird in den Berichten des Deutschen Kalkbundes eine gesamter sächsischer Absatz von 19.051 t Kalkstein... und von 47.997 t gebranntem Kalk und Kalksche angegeben. Nach der üblichen Umrechnung von Branntkalk und Kalkstein, (...) errechnet sich für 1932 eine gesamte sächsische Förderung an Kalkstein von rund 110.000 t. Die gewaltige Steigerung der Kalksteinförderung Sachsens auf 225.000 t im Jahre 1936... war in der Hauptsache dadurch möglich, daß eine ganze Reihe stilliegender Betriebe der Gruppen I und II nach 1933 wiedereröffnet wurden, wie z. B.
Die erzgebirgischen Kalkwerke der Gruppe III haben an der Steigerung der sächsischen Kalksteinförderung keinen entsprechenden Anteil genommen...“ Für das Hermsdorfer Werk ergab eine Vorratsberechnung der Lagerstättenforschungsstelle aus dem Jahr 1935 einen Inhalt von
in Summe folglich von 329.000 m³ oder 822.500 t. Bei einer durchschnittlichen Jahresförderung von 25.000 t wäre damit der Bestand für die nächsten 33 Jahre gesichert. Es heißt im oben zitierten Gutachten weiter, daß „die einzigen größeren Kalkvorkommen des Erzgebirges, die über größere Reserven verfügen oder in deren näherer Umgebung noch andere Vorkommen liegen, so daß die Möglichkeit zum Nachweis größerer Vorräte besteht, sind die bei Lengefeld und Oberscheibe.“ Dem widersprechen aber die Angaben aus der Vorratsberechnung von 1935, denn darin werden für Lengefeld gerade einmal 330.000 t ermittelt, was freilich bei einer Jahresförderung von nur 8.000 t auch für 40 Jahre reiche und für Oberscheibe von 325.000 t, wobei dort die Jahresförderung mit 20.000 t in einer ähnlichen Größenordnung, wie in Hermsdorf angenommen wurde. Die bei weitem größten Vorräte ermittelte diese Studie für die Kalkwerke in Hammerunterwiesenthal, indem sie deren Vorräte zu 515.250 t bestimmte, was bei einer Jahresförderung von 12.000 t immerhin für 43 Jahre ausreichen würde.
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Noch eine weitere
gutachterliche Bewertung aus dem Jahr 1943 findet sich in den Akten der
Lagerstättenforschungsstelle (40030,
Nr. 1-1061). Über das staatliche Kalkwerk zu Hermsdorf heißt es darin:
„Das Werk in Hermsdorf ist in seinen Betriebsanlagen nicht der Neuzeit
entsprechend. Dies wirkt sich durch viele innerbetriebliche Transporte
aus. Nach Angaben der Betriebsführung und nach Feststellungen der
Technischen Kommission schien tatsächlich das Rohstoffvorkommen zu Ende zu
sein. Durch Untersuchungen des Geländes mittels Tiefbohrungen wurde doch
wieder ein größeres Vorkommen festgestellt und inzwischen unterirdisch
angefahren, dadurch dürfte Grundlage zum Ausbau des Werkes geschaffen
sein. Andererseits besteht dadurch immerhin die Möglichkeit, auch mit den
vorhandenen Anlagen die Leistung zu steigern.“
Aus dem diesem Gutachten beigefügten „Merkblatt zur Betriebsprüfung“ kann man erfahren, wie das Kalkwerk 1943 gearbeitet hat. Es verfügte an technischer Ausstattung:
Erste Gedanken zur Einrichtung von Lokbetrieb zur Förderung auf dem rund 730 m langen Stolln zum Waltherbruch machte man sich 1940 (40027, Nr. 1178). Die erste Lok vom Typ MLH 714 Deutz wurde vom Kalkwerk Nenntmannsdorf angekauft, wo sie die Hunte vom Bruch zum dortigen Ringbrandofen befördert hatte. Sie leistete bei 2,7 t Eigengewicht etwa 9 PS. Die Bergbehörde notierte bei ihrer Befahrung am 28. Juni 1940 allerdings, daß sie „nicht in allen Teilen den Bauvorschriften für Diesellokomotiven im Bergbau vom Juni 1938“ entspräche. Von den insgesamt 26 aufgeführten Mängeln könne man aufgrund ihrer schon älteren Bauart allerdings nur drei abstellen. Weil sie aber auch in Nenntmannsdorf im Bergbau eingesetzt war, genehmigte man den Einsatz dann doch am 16. Mai 1941 auch in Hermsdorf. Voraussetzung für die Genehmigung war jedoch, daß die Werksleitung einen Wetterstrom von mindestens 54 m³/Minute in der Fahrstrecke gewährleistete und daß die Arbeitsorte vom Wetterstrom der Fahrstrecke abgetrennt mit Frischwettern versorgt werden.
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Geschossen wurde mit Donarit, von dem im Jahr 1943 beachtliche 5.481,9 kg verbraucht worden sind. Außerdem kam Gelatine- Donarit zur Anwendung. Geladen wurde von Hand. Damit wurden 1943 insgesamt 26.014 t Rohkalkstein ausgebracht. Für die Verarbeitung bestanden:
Zum Brennen verfügte das Werk über:
Das Gebläse benötigte weitere 7,5 kW elektrische Leistung. Die anderen beiden Schachtöfen waren offenbar bereits nicht mehr in Betrieb. Als Brennstoff benötigten die Öfen 530 t Steinkohle und 657 t Steinkohlenkoks aus Zwickau, 1.355 t Braunkohle und 707 t Braunkohlenkoks aus Brno / Brüx sowie 116 t Gaskoks, der aus dem Gaswerk Reick bei Dresden kam. Für das Aufmahlen des Branntkalkes standen desweiteren zur Verfügung
Diese Anlagen benötigten weitere 83 kW Antriebsleistung. Der gebrannte Kalk wurde gesackt verkauft. Die Produktion umfaßte im Jahr 1943 im Einzelnen:
Die Kalkproduktion unterteilte sich weiter in:
Die Verladung von Brennstoff für die Öfen und Rohkalkstein erfolgte nach dem Transport mit der Seilbahn in Holzhau. Für die Betriebsunterhaltung besaß man außerdem eine Schmiede und eine Werkstatt mit Bohrmaschine, Drehbank und Schweißplatz. Die Belegschaft lag 1943 bei insgesamt 71 Mann, darunter 1 Frau und 1 Lehrling, die wöchentliche Arbeitszeit betrug 54 Stunden. Außerdem waren 21 zwangsverpflichtete „Ostarbeiter“ auf dem Werk beschäftigt. Davon waren beschäftigt:
Außerdem waren noch 8 Arbeitskräfte für den Betrieb der Hochseilbahn nach Holzhau erforderlich.
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Während des 2. Weltkrieges, als
Erzimporte zunehmend ausblieben, stießen auch die gelegentlichen
Sulfidvorkommen in Hermsdorf wieder auf Interesse. Die Betriebsabteilung
Kupfergrube Sadisdorf der Sachsenerz Bergwerksgesellschaft mbH wandte sich
am 4. Oktober 1944 an die Bergwirtschaftsstelle beim Sächsischen
Oberbergamt in Freiberg mit der Mitteilung, man habe „von den
Kalkbrüchen in Hermsdorf einige Kubikmeter Filtersteine für einen
Trinkwasserbrunnen bezogen und nun festgestellt, daß unter den
angelieferten Kalkstücken guter Bleiglanz in nicht geringen Mengen mit
enthalten ist“ und empfahl daraufhin eine nähere Untersuchung des
Vorkommens (40030, Nr. 1075, Blatt 4).
Die Behörde antwortete auch einige Tage später auf dieses Schreiben und teilte mit, die Sulfid- Führung der kristallinen Kalke des Erzgebirges, namentlich in Lengefeld und Hermsdorf sei seit langem bekannt. Dabei handele es sich jedoch nicht um Erzgänge, „sondern um unregelmäßige Nester und Trümchen ohne... Erstreckung im Streichen und Fallen, die mitten im Kalkstein vorkommen. Wirtschaftlich gesehen sind diese Vorkommen... auch heute ohne jede praktische Bedeutung.“ In diesem Zusammenhang findet sich in der Akte (40030-1, Nr. 1075) ein Schreiben des zuständigen Bergamtes zu Dresden an das Oberbergamt, in welchem über die letzte stattgefundene amtliche Grubenbefahrung vom 30. November 1944 berichtet wird, daß „an mehreren Stellen des Kalklagers südöstlich des Querschlages zum Walther- Bruch Blei- Zink- Erze vorkommen. (...) Der Fahrhäuer Dietrich (erklärte), daß diese vererzten Partien in der letzten Zeit mehrfach aufgetreten seien... (und) er habe die derbsten Stücke aushalten lassen, weil sie im Ringofen stören.“ Auf diese Weise waren inzwischen etwa 4 m³ Derberz zusammengekommen. Das Bergamt habe eine Probe zur Analyse an das Laboratorium der Himmelfahrt- Fundgrube gesandt und den Fahrhäuer angewiesen, auch zukünftig alle Derberze sorgfältig auszuklauben und so aufzubewahren, daß sie später gegebenenfalls einer Verwendung zugeführt werden könnten. Diese Anweisung wiederholte auch das Oberbergamt noch einmal schriftlich am 4. Januar 1945 gegenüber der Direktion der Staatlichen Kalk- und Hartsteinwerke in Dresden. Die Analyse ist auch noch erhalten geblieben und wies einen Gehalt von rund 29% Blei, 33% Zink, sowie Spuren von Arsen und Kupfer in der Erzprobe aus. Man nahm eine metasomatische Entstehung dieser Vorkommen an. Auch der Berghauptmann selbst nahm die Aufschlüsse in Hermsdorf am 31. März 1945 persönlich in Augenschein und legte danach fest, daß ein regelgerechter Abbau dieser Erzlinsen zwar nicht in Frage komme, anfallende Erze aber zwecks Verwertung auch weiterhin auszuhalten seien. Tatsächlich beabsichtigte man, die angefallenen Derberze in den Hüttenwerken in Freiberg zu verarbeiten, allein scheiterte dies an den kurz vor Kriegsende nicht vorhandenen Transportmöglichkeiten.
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Nach dem Kriegsende
griff man die Sache erneut auf. Die Laborversuche mit den Erzproben wurden
fortgesetzt und im Oktober 1950 wurden 80 t des Rohmaterials nach
Halsbrücke geliefert, um sie versuchsweise aufzubereiten (40069, Nr. 555).
Einer als Vertrauliche Dienstsache gekennzeichneten Akte der Bergbehörde Freiberg (40069, Nr. 187) zufolge wurden noch einmal im Jahr 1957 neue Bohrungen zur Erkundung eben dieser Blei- Zink- Erzvorkommen geplant. Insgesamt sollten 30 Bohrungen von 100 m bis 150 m Tiefe und weitere 25 Bohrungen bis 300 m Tiefe niedergebracht werden. Die Bohrungen sollte der VEB Geologische Bohrungen in Gommern im Auftrag der Staatlichen Geologischen Kommission und unter Leitung des Dipl.-Geol. Dr. Gotte ausführen. Das benötigte Wasser für die Bohrspülung wollte man über eine bis zu 3 km lange Leitung aus dem Gimmlitzbach entnehmen. Über die Ergebnisse dieser Erkundung sagt die Akte leider nichts aus ‒ aber weil Hermsdorf ein Kalkwerk geblieben und kein Erzbergwerk geworden ist, können wir ziemlich sicher sein, daß keine bauwürdigen Vorkommen erkundet worden sind.
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Im Februar 1942 wurde auf Wunsch der Sektion VII der Knappschafts-Berufsgenossenschaft ein Betriebsplan über das Grubenrettungswesen und Erste Hilfe für das Staatliche Kalkwerk Hermsdorf, Kalksteinbruch und Untertagebau aufgestellt, obwohl der Betrieb durch Verfügung des Bergamtes vom 20.10.1941 eigentlich davon befreit war (40064-1, Nr. 166). Demnach war der Reviersteiger Martin Häcker für das Rettungswesen verantwortlich und zusammen mit dem Fahrhäuer Hellmuth Dietrich und dem Schmiedemeister Oswin Helbig auch als Ersthelfer ausgebildet. Die Ausbildung in Erster Hilfe fand 1941 freilich sehr einfach durch den Allgemeinarzt Dr. Spengler in dessen Praxis in Hermsdorf statt, obwohl es längst auch eine Bezirksrettungsstelle in Freiberg gab. Der Plan sah eigentlich auch halbjährliche Übungen mit Gasschutzgeräten vor, die es auf dem Werk in Hermsdorf allerdings dazumal gar nicht gab. Nur zwei Benzin- Sicherheitslampen und eine Tragbahre wurden unmittelbar auf dem Werk vorgehalten. Im Notfall hätten die Grubenwehr der Vereinigten Zwitterstocks AG in Altenberg oder der Gewerkschaft Zinnwalder Bergbau Hilfe leisten müssen.
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Kurz vor Kriegsende, am 21. Februar 1945,
teilte Bergdirektor H. Treppschuh dem Bergamt mit, daß sich die
„Ausweichstelle“ der Direktion der staatlichen Kalk- und Hartsteinwerke in
Hermsdorf befinde (40024-12, Nr. 158, Blatt 8). Zu diesem Zeitpunkt lag
Dresden bereits in Trümmern...
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Zum VEB Kalkwerk
Hermsdorf von
1945 bis 1990
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Der Neustart nach dem
2. Weltkrieg lief wie überall sehr holperig.
Über die Anlaufschwierigkeiten berichten die Akten der Bergbehörde
Freiberg (40069, Nr. 554
und 40027, Nr. 1178), von der am 29. Juni 1945 erstmals nach
dem Kriegsende wieder eine reguläre Grubenbefahrung durchgeführt wurde.
Demnach hätten Zwangsarbeiter den früheren Betriebsleiter Conrad
erschossen und den Steiger Dietrich erschlagen. Der Buchhalter
Bernhard sei geflüchtet und habe 1.000,- Reichsmark aus der
Gefolgschaftskasse und 600,- RM. aus der Knappschaftskasse gestohlen. Das
Wohnhaus der Betriebsleitung war geplündert, auch die Werksschmiede, wo
sämtliches Werkzeug fehlte, außerdem fehlten Gummistiefel und
Grubenlampen. Die wesentlichen Maschinen und Anlagen des Kalkwerks waren jedoch
fast unbeschädigt
geblieben.
Die Betriebsleitung hatte kommissarisch der Grubenarbeiter Hoffmann
und der Buchhalter Hans Liebscher übernommen. Kohle und
Betriebsstoffvorräte reichten aber gerade einmal noch für sechs Wochen.
Ähnliches berichtete auch Dipl.-Ing. Heinz Treppschuh, jetzt in Glauchau ansässig, und fragte beim Bergamt in Freiberg am 6. August 1945 schriftlich nach „dem weiteren Schicksal der Staatlichen Kalk- und Hartsteinwerke... um für die Zukunft eine klare Linie festzulegen bzw. ihre Anweisungen entgegen zu nehmen.“ (40064, Nr. 563) In dem Zusammenhang teilte er auch mit, daß beabsichtigt sei, den Sitz der Direktion der Staatlichen Kalk- und Hartsteinwerke – die offenbar zunächst fortbestand – nach Freiberg zu verlegen, da nach dem verheerenden Bombardement am 13. Februar 1945 in Dresden kein Büroraum mehr zu beschaffen sei. Das fand auch Oberbergrat F. Mauersberger in seiner Antwort vom 14. August 1945 richtig, da so „die erforderliche enge Zusammenarbeit... gewährleistet“ sei und schlug vor, das Büro am Schloßplatz 1 oder in der Nonnengasse 22 einzurichten, wo „die Möglichkeit einer Unterkunft noch gegeben“ war. Daneben forderte das Bergamt einen Kurzbericht zum Zustand der Werke. Am 16. August konnte Herr Treppschuh bereits mitteilen, daß die Direktion nun ihr Büro für´s erste nun in der 3. Etage des Gebäudes Schloßplatz 1 in Freiberg eingerichtet habe. Am 15. August erhielt Herr Treppschuh von der Landesregierung auch einen „Ausweis“, daß er nach wie vor Betriebsführer und Weisungsberechtigter für die vor dem Krieg der Direktion unterstellten Betriebe in Hermsdorf, Lengefeld, Oberscheibe und Hammerunterwiesenthal war (40064, Nr. 563). Auch den Zustandsbericht lieferte er bis Ende des Jahres 1945, worin es über das Kalkwerk Hermsdorf heißt: „Das Werk wurde am 7. Mai 1945 (...) von sowjetischen Streitkräften besetzt. Der Zustand des Werkes vor der Besetzung war einwandfrei und lief das Werk ungefähr trotz der bestehenden Schwierigkeiten mit einer Kapazität von 60 – 70%. Nach der Besetzung litt das Werk durch die durchziehenden Kolonnen der Ostarbeiter... schwer. Wenn auch die Gebäude und Maschinen unangetastet blieben, so wurden doch Betriebsgegenstände, wie Treibriemen, Handwerkszeug, Büroinventar usw. fast vollständig weggeführt oder vernichtet...“ Darin ist außerdem angegeben, daß man in Hermsdorf im Jahr 1944 noch 28.329 t Kalkstein ausgebracht, daraus 12.205 t Branntkalk erzeugt und daneben noch 2.219 t Rohkalkstein und Terrazzo- Split verkauft hatte. Trotz der Kriegsereignisse hatte man bis August 1945 schon wieder 9.522 t Kalkstein gefördert, immerhin 3.253 t Branntkalk erzeugt und weitere 1.287 t Rohkalkstein für verschiedene Zwecke absetzen können.
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Dem Inhalt einiger Fragebögen der
Verwaltungsbehörden aus dem Jahr 1946
zufolge war das Kalkwerk Hermsdorf inzwischen der
Industrieverwaltung 61: Baugewerbe und Baumaterial, unterstellt.
Kommissarischer Betriebsleiter war nun Max Hänig
(40024-12, Nr. 158, Aktenbeilagen ohne Blattnummerierung).
Im Betriebsplan für 1946 (40069, Nr. 554) steht u. a. zu lesen, daß mehrere der hölzernen Seilbahnstützen marode geworden seien und ausgewechselt werden müssen. Es fehlten Papiersäcke zum Abfüllen des Kalks, Geleucht und Bohrstähle. Letzteres erwies sich als ein besonderes Problem, da die Firma Flottmann, die sie bisher geliefert hatte, ja nun in der westlichen Besatzungszone ansässig war. Der Abbau auf der Stollnsohle wurde aber irgendwie trotzdem wieder aufgenommen. Im Januar 1946 konnte man immerhin 10 Karbidlampen und 4 Zimmererlampen bestellen. Die Bestellung der Lampen bei vormals Friemann & Wolf in Zwickau ‒ jetzt umbenannt in Sowjetische Elektrotechnische AG ‒ ging nur über die SMAD (Sowjetische Militäradministration in Deutschland). Aber man blickte auch nach vorn und plante Untersuchungsarbeiten im Kalklager und die Aus- und Vorrichtung der 1. Sohle (22 m unterhalb der Stolln- und Tagebausohle) fortzuführen. Dazu sollte ein zweitrümiger Bremsberg mit 26° Neigung aufgefahren werden. Von der Technischen Bergbauinspektion in Dresden wurden für den Abbau auf der 1. Sohle zunächst Kammerhöhen von maximal 12 m genehmigt, um ausreichend Schwebe zur Stollnsohle zu belassen.
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Auch die Akten der Technischen Bergbauinspektion (40064-1, Nr. 160) berichten, daß die Produktion noch 1947 aufgrund ständiger Stromsperren sehr schlecht laufe und ein permanenter Mangel an Arbeitskleidung, Schuhwerk, Geleucht, Ersatzteilen und Betriebsstoffen herrsche. Aber auch die Lebensmittelzuteilung wurde beklagt. 1947 arbeiteten auf dem Werk schon wieder 91 Arbeiter und Angestellte, darunter
Zur Belegschaft wurden außerdem 7 frühere Kollegen gezählt, die jedoch noch nicht aus der Kriegsgefangenschaft zurückgekehrt waren. Ihre Arbeitsplätze waren bis 1949 reserviert und wurden bis dahin stets nur befristet besetzt.
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![]() Der ,Arbeitsriß' des Kalkwerks mit den Grubenbauen am Waltherbruch, angefertigt 1947 im Büro von Markscheider W. Friedemann zu Oelsnitz/Erzg., zeigt uns den damaligen Stand der Auffahrungen im Baufeld am Waltherbruch. Bildquelle: Sächsisches Staatsarchiv, Bergarchiv Freiberg, Bestand 40037-1 (Deponierte Risse der Steine- und Erden- Industrie), Nr. k23022, Gesamtansicht.
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![]() Ausschnitt aus obigem Riß mit den Abbauen unter dem Waltherbruch. Von Nordwesten her hatte man neben dem oberen (rot) auch den tieferen Stolln auf der 3. Sohle (gelbgrün) herangebracht und kurz vor dem Abbaufeld über ein Gesenk und einen Haspelberg (als Fallort zwischen den Sohlen grau dargestellt) verbunden.
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Die ersten Pläne für das
Jahr 1948 (40069, Nr. 555) sahen vor, den alten Gasofen als Gebläseofen
umzubauen. Die Auffahrung des Bremsberges hatte das Weißkalklager im
Niveau der geplanten 1. Sohle fast erreicht. Man dachte auch schon daran,
weitere Erkundungsbohrungen ausführen zu lassen, um die Vorratslage
unterhalb der 1. Sohle festzustellen.
Ein Jahr später wurde ein neues Verwaltungsgebäude errichtet und eine Werksküche an die Mannschaftskaue angebaut. Nach wie vor herrschte aber Mangel an Ersatzteilen und Materialien aller Art; auch die Grubenlok war in ziemlich schlechtem Zustand. 1951 kam man deshalb auf den Plan, die Abwärme der Brennöfen für eine Dampferzeugungsanlage zu nutzen und mit dem erzeugten Dampf eine Lokomobile anzutreiben. Bereits 1949 waren die ausgerichteten Kalkvorkommen auf der 1. Sohle etwa zur Hälfte abgebaut. Deshalb begann man 1951 mit dem Bau eines Haspelberges zum alten fiskalischen Tagebruch und mit dem Abräumen des Deckgebirges am Waltherbruch. Dort wollte man im Tagebau zunächst die noch vorhandenen Pfeiler und Schweben über der dortigen 1. Sohle hereingewinnen. Außerdem nahm man ab August 1951 auch neue Erkundungsbohrungen in Angriff, mit denen Bereiche nordöstlich des alten fiskalischen Steinbruchs und des Waltherbruchs untersucht werden sollten. Im Dreischichtbetrieb waren drei elektrisch angetriebene Bohrgeräte im Einsatz, mit denen Bohrungen bis zu 200 m Teufe niedergebracht wurden.
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Auch hinsichtlich der
Erzvorkommen erfolgten 1950 weitere Untersuchungen. Tatsächlich war die
Sache hoch angebunden und an den Besprechungen über den Fortgang der
Erkundung in Hermsdorf nahmen auch Vertreter der Abteilung Metallurgie im
Ministerium für Industrie aus Berlin teil (40096, Nr. 444).
Im Ergebnis einer Meldearbeit des Aspiranten Gerstenberger diskutierten die Koryphäen Prof. Dr. Pietzsch seitens der geologischen Landesanstalt und Dr. Reh vom Bergamt über die Genese der Erzvorkommen. Letzterer meinte, daß die Lagerstätte aufgrund des Fehlens typischer kontaktmetamorpher Mineralien keine solche sein könne, vielmehr sei sie als eine epithermale metasomatische Pb- Zn- Lagerstätte anzusehen, welche „an eine Zertrümmerungszone im Hermsdorfer Kalk gebunden ist.“ Zu vermuten stehe, daß die Mineralisation an eine tiefreichende Störung gebunden sein könne, entlang derer die Phyllitschollen samt der Kalklager eingesunken seien. Herr Dr. Reh empfahl daher, das Vorkommen „im Hinblick auf die große Bleiknappheit“ nach der Tiefe, eventuell auch geophysikalisch, weiter zu untersuchen (40096, Nr. 444).
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Der Betriebsplan für das Jahr 1952 (40069, Nr. 555) sah dann eine Rohkalkförderung von 25.500 t vor; außerdem sollten 600 t Schiefer vom Streckenvortrieb als Baumaterial mit ausgebracht werden. Er wurde aufgemahlen und für Dachpappenherstellung verwendet. Allerdings gingen die Vorräte auf der 1. Sohle bereits zur Neige, da das Kalklager durch Störungen tektonisch stark verworfen war. Das Ostfeld der 1. Sohle war bis April 1952 vollständig abgebaut und wurde aus den Vorräten gelöscht. Aus dem alten fiskalischen Tagebruch könne man gerade noch etwa 2.000 t bis 3.000 t Kalk fördern. Daher beabsichtigte man nun, eine 2. Sohle zu erschließen. Dazu wollte man einen neuen 30 m tiefen Schacht teufen und außerdem rund 700 m „Forschungsstrecken“ und Schürfe aufzufahren, was etwa 8 bis 10 Monate dauern sollte. Eine Fördermaschine besaß man noch, die 1925 von der Firma F. A. Münzner in Obergruna gebaut worden ist und die sogar noch eine bergamtliche Zulassung bis zum Jahr 1946 besaß. Die Maschine wurde 1954 geprüft, für in Ordnung befunden und für die Förderung am Blindschacht II erneut eingesetzt. Nur ein neues Fördergestell mußte gebaut werden (40069, Nr. 567). Für die Belegschaft reichten die sanitären Anlagen und Kauenplätze schon wieder nicht mehr aus.
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1953 lag die Auswertung
der Bohrerkundung vor (40069, Nr. 551). Südöstlich der Landstraße von
Frauenstein nach Altenberg waren sie hinsichtlich des Nachweises neuer
Lagerstättenteile erfolgreich verlaufen. Um sie zu erschließen, wurde
Streckenvortrieb auf der 1. Sohle geplant.
Außerdem hatte man unterhalb der 2. Sohle ein weiteres, 57 m mächtiges Kalklager entdeckt, das durch ein nur 4 m mächtiges Zwischenmittel von dem mit der bisherigen 1. und 2. Sohle erschlossenen Lager abgetrennt war. Um dieses zu erschließen, wurde ein weiteres Fallort vorgesehen, welches allerdings durch den Sicherheitspfeiler der Staatsstraße hindurch verlaufen müßte. Für den Vortrieb dieses Fallortes ging am 6. März 1954 die Genehmigung der Bergbehörde ein. Zugleich wurde für die Ausrichtung dieses Lagerteiles ein Abstand der Förderstrecken von je 15 m und eine Größe der Abbaukammern von 8 m Breite bei 4 m Höhe festgelegt. Dazwischen sollten jeweils Pfeiler von 8 m Breite stehenbleiben.
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Der Abbau erfolgte 1953
im nördlichen und östlichen Teil der 2. Sohle (40069, Nr. 551). Die
„Firsten-
Kammerbaue“ wurden hier jeweils
10 m breit und zunächst mit 2,5 m Höhe angelegt. Anschließend schoß man
zunächst eine „flache Firste“
bei 6 m Höhe heraus; dann die
„hohe Firste“
bis zu 15 m über Sohle. Dadurch
verblieben Schweben in einer Stärke von 5 m zur darüberliegenden Sohle. Im
Bereich von Störungszonen wurde die Höhe der Abbaue allerdings bei rund
5 m belassen und auf die „hohe
Firste“ sicherheitshalber
verzichtet. Die Pfeilerstärke zwischen den Bauen war wie auch schon früher auf 8 x 8 m
festgelegt.
An solchen problematischen Stellen wurde auch Polnischer Türstockausbau für die Sicherung der zirka 2,0 m x 2,2 m großen Förderstrecken eingesetzt. Die Ausbauabstände durften dabei 1 m Abstand nicht überschreiten und die Baue mußten verspreizt, geklammert und die Kappen gestiftet sein.
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Mittels
Betriebsplannachtrag vom 20. September 1955 wurde dann der Bergbehörde
aber mitgeteilt, daß man zwischen der inzwischen in Angriff genommenen 3.
und der geplanten 4. Sohle den Abstand von 20 m aufgrund der Lagerkonturen
nicht einhalten könne (40069, Nr. 557). Die Werksleitung beantragte eine
Verringerung des Sohlenabstandes auf 13 m. Auch die Abbaue auf der
3. Sohle sollten 1 m flacher (14 statt 15 m Höhe) ausgebrochen werden.
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1953 hatte man anstelle der alten Flottmann- Bohrhämmer solche vom Typ AT18 mit Stütze
angeschafft, was die Arbeit natürlich sehr erleichterte.
Die Förderung erfolgte noch über den alten Schacht bis zur Stollnsohle und von dort aus mittels Dieselloks nach Übertage bis zur Aufbereitung. Inzwischen besaß man drei Loks: Zum einen die alte, 1940 angeschaffte Deutz- Diesellok, die bei 2,7 t Eigengewicht 8,5 PS leistete und maximal 7,2 km/h erreichte. Eine zweite Diesellok entstammte der Produktion von Orenstein & Koppel (O&K), leistete bei gleichem Eigengewicht schon 10 PS und erreichte damit bis zu 14,2 km/h. Außerdem hatte man 1953 noch eine erste Batterielok angeschafft. Die kam aber noch nicht zum Einsatz, weil die Batterie noch fehlte... Die Bergbehörde forderte 1953 eine Neuregelung des Lokverkehrs. Insbesondere sei der Zugbetrieb generell auf ziehende Förderung umzustellen und alle Loks waren mit vorschriftsmäßige Beleuchtung zu versehen. Für die Arbeiten im Waltherbruch sollte zudem die Trafoanlage von derzeit 40 kVA auf zweimal 200 kVA erheblich erweitert werden. Parallel wurde der Schacht zur 3. Sohle weiter verteuft. Er stand im festen Kalkstein und besaß ein lichtes Profil von 3,25 m x 2,75 m, war dreitrümig ausgelegt und sollte die 3. Sohle bei 20 m Teufe und die 4. Sohle bei 40 m Teufe erreichen. Am 30. April 1954 hatte der neue Schacht dann die 3. Sohle erreicht (40069, Nr. 551). Im Mai des Jahres begann man mit dem Aufschießen des Füllortes. Im Juli wurde ein Ventilator zur Bewetterung und bis September 1954 die Fördermaschine aufgestellt. Ab Oktober begann dann der Vortrieb der Ausrichtungs- und Wetterstrecken.
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Aller Erkundungs- und
Ausrichtungsarbeiten zum Trotz erwies sich das Kalklager immer wieder als
kleiner oder durch tektonische Störungen als so verworfen, daß die
anstehende Lagermächtigkeit unbauwürdig wurde. Bis die neue 4. Sohle in
Betrieb gehen konnte, wurde deshalb bei einer Befahrung durch den
Werkleiter Gerber und den technischen Leiter Erhard Pflugbeil
am 2. Mai 1955 nach Möglichkeiten gesucht, noch Restvorräte zwischen der
Stollnsohle und der 2. Sohle hereinzugewinnen. Protokolliert wurde nach
der Befahrung, daß man unter anderem eine Zwischensohle 10 m unterhalb der Stollnsohle am Fallort 1 auffahren könne, um dort noch
„einige 1.000 t“
zu gewinnen. Außerdem wollte man einige
besonders große Sicherheitspfeiler durchörtern (40069, Nr. 557).
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Der Betriebsplan für das
Jahr 1955 sah noch die Gewinnung von
„Restbeständen“ auf der 1.,
der 2. und der ½ 3. Sohle vor. In erster Linie aber sollte der Abbau im
Ostfeld der 3. Sohle erfolgen (40069, Nr. 557). Insgesamt sollten 38.000 t
Rohkalk ausgebracht werden. Außerdem sollten 2.500 t Schiefermehl aus der
Auffahrung von Untersuchungs- und Wetterstrecken gewonnen werden. Die
Erkundung der Blei- Zink- Erzvorkommen werde von der Werksleitung dagegen
nicht weiter verfolgt. Lediglich das noch vorhandene Haufwerk in den alten
Abbauen auf der 1. Sohle sollte noch einmal durchgekuttet und verwertbares
Erz an die Freiberger Hüttenwerke geliefert werden. Dabei rechnete man
noch einmal mit 450 t Erz.
Die Belegschaft lag noch bei zirka 50 Mann, die im Zwei- oder Dreischichtbetrieb arbeiteten. Die Förderung erfolgte gebrochen über insgesamt drei Haspelberge, welche die einzelnen Hauptsohlen untereinander verbanden, bis zur Stollnsohle; auf dieser dann mittels Lokförderung nach übertage. Als Flucht- und Wetterwege wurden außerdem die Blindschächte genutzt. Außer bei Neuauffahrungen, bei denen Sonderbewetterung erforderlich war, erfolgte die Bewetterung der Grube im Wesentlichen noch immer nur durch natürlichen Wetterzug über die Tagesöffnungen der Stollnsohle am alten fiskalischen Bruch und der Schächte am Waltherbruch. Den tiefen Sohlen wurden Frischwetter „durch Diffusion“ zugeleitet. Die Wasserhaltung erfolgte mittels 4 Kreiselpumpen von der 3. und 2. Sohle bis zur 1. Sohle. Diese entsprichtt der Höhe des alten Wasserstollns des fiskalischen Werkes, der das Grubenwasser dann der Gimmlitz zuleitete. Im Folgejahr wurde dann aber im Betriebsplan davon berichtet, daß der alte Wasserstolln verbrochen und nicht mehr fahrbar sei. Anstatt den Stolln zu gewältigen, wurde 1956 eine zusätzliche Pumpe installiert, um bei einem Vollverschluß des Stollens das Wasser bis zur Stollnsohle heben zu können (40069, Nr. 558).
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Der nächste Betriebsplan
für das Jahr 1956 berichtete, daß die Bohrprofile
„nur als
Anhaltspunkte bei der Vorplanung dienen können.“
Besonders der angefahrene
Verwerfer auf der 3. Sohle habe zwei Betriebsplannachträge erforderlich
gemacht (40069, Nr. 558). Die Ausrichtungsbaue hatten 1955 die 4. Sohle
erreicht, die man nun mit 13 m Saigerabstand unter der 3. Sohle in Angriff
nehmen wollte.
Für 1956 war ein Ausbringen von 47.600 t Rohkalk, 3.270 t Schiefer und immer noch einmal von 700 t Erz geplant.
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Von Juni 1955 bis
November 1956 wurde vom Kalkwerksbetrieb quasi „nebenbei“
im Auftrag der staatlichen geologischen
Kommission, Außenstelle Freiberg, auch ein Schwerspat- Vorkommen bei
Neurehefeld, zirka 800 m nördlich des Bahnhofs in Moldau / Moldava durch
Schurfgräben und durch Rekonstruktion eines alten Stollens
untersucht. Nach dem dafür eingereichten Betriebsplan wurden vom Werk
12 Mann für diese Arbeiten abgestellt, die durch zwei Steiger angeleitet
werden sollten. Jedoch wurde auf deutscher Seite keine bauwürdige
Lagerstätte aufgefunden (40069, Nr. 552 und Nr. 558).
Zu den
Spatvorkommen bei
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Der Satz aus der
Einleitung zum Betriebsplan für das Jahr 1956, daß die Bohrprofile
„nur als
Anhaltspunkte bei der Vorplanung dienen können,“ wird auch im
Betriebsplan für das Jahr 1959 wiederholt
(40069, Nr. 559). Unter 4.) Ausrichtung heißt es:
„Die im
Betriebsjahr 1958 durchgeführten Ausrichtungsarbeiten haben noch immer
kein klares Bild über die Lagerstättenverhältnisse gebracht...“
Leiter des Grubenbetriebes ist inzwischen Herr Fritz Hofmann geworden. Aufgrund der sich mehr und mehr vergrößernden Transportwege hat man auch auf der 3. Sohle inzwischen Lokförderung eingerichtet. Außerdem wurden zwei Überkopfschaufellader angeschafft, um die Ladearbeiten in den Abbauen zu erleichtern. Da sich auch die tiefen Sohlen immer weiter ausdehnen, wurden dort nun elektrische Ventilatoren zur Unterstützung des Wetterzuges eingesetzt. Die Planvorgabe für die Rohkalkförderung im Jahr 1959 wurde auf nunmehr 52.050 t weiter angehoben. Der Bedarf an Schiefermehr war offenbar ebenfalls ungebrochen, so daß Hermsdorf 1959 eine Menge von 8.900 t ausbringen sollte. Auch Blei- Zink- Erze wurden weiterhin ausgeklaubt, von denen das Werk in diesem Jahr 1.800 t liefern sollte.
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Der
Betriebsplan für das Jahr 1960 (40069, Nr. 560) sah eine Gesamtförderung
an Rohkalkstein von 52.400 t vor; davon etwa die Hälfte (24.000 t)
Weißkalk. Bei der
Erörterung des Betriebsplanantrags mit dem zuständigen Berginspektor
Radespiel von der Bergbehörde in Freiberg wurde auch festgelegt, daß
vom Betrieb ein Plan auszuarbeiten ist, wie zukünftig die Bewetterung in
dem sich immer weiter ausdehnenden Grubengebäude erfolgen solle. Der
natürliche Wetterzug, der
„seit dem
Bestehen unseres Betriebes“ immer ausgereicht hatte, wurde knapp.
Außerdem kam es „bedingt durch die Gebirgs- und Höhenlage“ mehrmals
im Jahr zum Wetterumschlag. Zwar hatte man inzwischen die Dieselloks außer
Dienst gestellt und nutzte nur noch Akku- Loks auf der Stollnsohle und
in einem Teilbereich der 3. Sohle für die horizontale Förderung. Aber: „Der
Weg der einziehenden wie auch der ausziehenden Wetter ist nun sehr
willkürlich, denn durch die großen Weitungen des Grubengeländes wird die
Wetterführung äußerst erschwert.“ Insbesondere die Bewetterung der
tiefen Sohlen „durch Diffusion“ ist in diesem Umfang inzwischen
nicht nur technisch kaum noch möglich, sondern auch gesetzeshalber
unzulässig geworden. Die beiden Tagesöffnungen des Stollnmundloches und
des Wetterschachtes im Waltherbruch besaßen einfach zu wenig
Höhenunterschied, um einen ausreichend kräftigen, natürlichen Wetterzug zu
erzeugen.
Dem Plan für 1961 (40069, Nr. 561) ist dann zu entnehmen, daß man als erste Maßnahme zur Verbesserung der Wetterlage einen Radiallüfter mit 75.000 m³/h Durchsatz „im Durchgang zum Waltherbruch“ installieren wollte. Leider kamen aber auch die tiefen Sohlen schon wieder an erste Grenzen (40069, Nr. 560). So war „im Gebiet hinter dem Haspelberg auf der 4. Sohle ein starkes Einfallen der vorhandenen Weißkalkscholle zu verzeichnen.“ Untersuchungen hätten dort ergeben, daß nur 4 m unter der 4. Sohle „der Kalk durch starke phyllitische Einlagerungen unbrauchbar ist.“ Auch auf der 2. und 3. Sohle suchte man noch Restvorräte an dem begehrten weißen Marmor, aber auch die auf der 1. Sohle noch vorhandenen Blei- Zink- Erze zu gewinnen. Daher wurde in einem Betriebsplannachtrag um zusätzliches Nachstrossen in einigen Abbaukammern auf den vier Sohlen nachgesucht. Die Bergbehörde genehmigte dies am 17. September 1960 unter einigen Sicherheitsauflagen. Insbesondere durften die Pfeilerstärken von mindestens 8 m Breite keinesfalls unterschritten werden. Die Strossenbaue unterhalb der 4. Sohle waren durch Abraum aus der Schiefergewinnung wieder aufzufüllen.
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Die Gebirgslage brachte
auch noch andere Schwierigkeiten mit sich: So beklagte man in einem
Bericht über den Betriebsablauf im Jahr 1960 über Probleme mit dem
Abtransport der Produkte auf der Straße durch Eisglätte und
Schneeverwehungen
(40069, Nr. 561). Die Seilbahn war bis an ihre Kapazitätsgrenzen
ausgelastet.
Auch bei der Branntkalkproduktion gab es Probleme. Offenbar führte ein beschleunigter Durchsatz in den beiden alten Schachtöfen dazu, daß der Anteil nicht gargebrannten Kalkes zu hoch und das Erzeugnis nur als Mischkalk absetzbar war. In einem Bericht aus dem Jahr 1961 heißt es dazu, daß der Übertage- und Ofenbetrieb veraltet sei. Besonders der Ringbrandofen mache eine neue Siebklassierung notwendig, denn hier müsse noch immer die Ausklaubung von Hand erfolgen. Der Bau eines modernen Schachtofens wurde aber 1960 abgelehnt. Der Abbau des in der 3. Sohle angefahrenen grauen Rohkalksteins wurde aufgrund der geringeren Qualität schon nach kurzer Zeit wieder eingestellt. Auch die Erzförderung bereitete Probleme, da „die Vererzung des Graukalkes im Niveau der 1. Sohle (Verwachsungen) ...sehr unterschiedlich und schwankend“ war, was natürlich Unregelmäßigkeiten in der Förderung bewirkte. Insgesamt schätzte man den Betrieb selbst als veraltet ein und erwartete keine wesentlichen Produktionssteigerungen. Allen diesen Umständen zum Trotz wurde die Planvorgabe für das Jahr 1961 auf 68.400 t Rohkalkstein drastisch erhöht. Daraus sollten folgende Produkte erzeugt und abgesetzt werden:
Nach wie vor kam der Hauptteil des Weißkalksteins aus dem Niveau der Stollnsohle, während der Hauptanteil des zu fördernden Rohsteins, speziell der Graukalk für die Branntkalk- Herstellung, 1960 und 1961 auf der 3. Sohle abgebaut wurde. Die Förderung an Schiefer resultierte in erster Linie aus der Auffahrung von Ausrichtungsstrecken durch das Nebengestein hindurch. Schließlich wurde im Jahr 1961 auch die Frage nach der Verfüllung der Weitungen des alten fiskalischen Bruches wieder aufgeworfen (40069, Nr. 561). Die derzeit gänzlich abgebauten und abgeworfenen Kammern auf der 4. Sohle füllte man bereits damals mit taubem Material auf. Dazu schoß man Durchhiebe von zirka 2 m x 2 m Größe aus den Schweben zwischen 3. und 4. Sohle heraus, sicherte sie mit Rosten und kippte dann Abraum aus den oberen Sohlen nach unten ab.
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Als weiteres Problem
wurde in dem Bericht auf die Vernachlässigung der Aus- und Vorrichtung
hingewiesen
(40069, Nr. 561). Es heißt dort wörtlich:
„Es wäre falsch,
die Meinung zu vertreten, daß irgend eine Gruppe von Auffahrungen eines
Grubenbetriebes die wichtigste sei. Nach den Erfahrungen, die man in einem
Grubenbetrieb aufgrund langjähriger Auffahrungen gesammelt hat, ist je
nach den geologischen Verhältnissen der Lagerstätte das Verhältnis
Ausrichtung zu Vorrichtung zu Abbau und Gewinnung grundverschieden. Im VEB
Kalkwerk Hermsdorf mit seinem Grubenbetrieb mußte aber schon immer mit den
Auffahrungen kurz getreten werden, die nicht sofort eine bestimmte Menge
Rohkalkstein für den weiterverarbeitenden Übertagebetrieb lieferten.
Die Gründe sind bei der ungeklärten Vorratslage, bei den Finanzierungsmöglichkeiten für alle ,Nebenauffahrungen' und auch bei einem sehr streng gehaltenen Arbeitskräfteplan zu suchen. Im Betriebsjahr 1960 waren ein Teil Ausrichtungsstrecken vorgesehen, die aber infolge Unterbesetzung und Unkenntnis der Lagerstättenverhältnisse nicht belegt werden konnten. Obwohl sich das Zurückbleiben der Aus- und Vorrichtung sehr nachteilig auswirken kann, mußte immer wieder auf die Gewinnung größeres Augenmerk gelegt werden, da von den Gewinnungsarbeiten die Erfüllung der gesamten Betriebspläne abhing...“ So war das seinerzeit. Produktion und Planerfüllung gingen vor... Ob das nur fehlender Sachverstand gewesen ist oder oft auch „vorauseilender Gehorsam“ gegenüber der Partei- und Staatsführung der damaligen DDR, geht über unsere Rechercheziele aber weit hinaus. Jedenfalls sah man für das Jahr 1961 vor, durch ein Überhauen von der 1. Sohle nach Übertage die Bewetterung dieser Sohle zu verbessern und dann „die gesamte Weißkalkscholle, soweit ihre Ausmaße erkannt oder erforscht sind, in die Vorrichtung einzubeziehen.“ Die Untersuchungen konzentrierten sich jetzt besonders auf das Nordostfeld jenseits der Straße von Frauenstein nach Rehefeld. Die 1959 in diese Richtung angehauene Strecke auf der 2. Sohle habe bereits eine Weißkalkscholle angefahren. Die Vorrichtungsstrecken bekamen jetzt ein Profil von 2,2 m Breite und 2,5 m Höhe, um den Einsatz der Überkopflader zu ermöglichen und dadurch den Vortrieb beschleunigen zu können. Durch eine querschlägige Strecke wollte man außerdem die streichende Erstreckung dieses Lagers untersuchen. Den Erzabbau hingegen wollte man am liebsten einstellen, weil es sich „bei dem zu gewinnenden vererzten Graukalk nur noch um Reste“ handele. „Selbst bei 1.000 t (Planvorgabe) wird es Schwierigkeiten in der Gewinnung geben, da neuerdings der Mindestgehalt des Erzes 4 % Blei betragen muß.“ Im Jahr 1961 waren in Hermsdorf beschäftigt:
Davon waren 10 Kollegen im Betriebsteil Steinbruch Buschmühle tätig. Betriebsleiter war nach wie vor E. Pflugbeil. Die Stelle des technischen Leiters hat 1960 Herr Kretzschmer übernommen; den Grubenbetrieb leitete Herr Fritz Hofmann. Ihm standen noch die Steiger Joachim Börner und Walther Göhler, der Hilfssteiger Herbert Liebscher sowie die Fahr- bzw. Meisterhauer Fritz Lerch und Karl Rülke zur Seite. Den Übertagebetrieb leiteten die Meister Max Liebscher und Helmut Göpfert.
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![]() Die folgenden Aufnahmen dürften aus den 1960er Jahren stammen: Bohrhäuer vor Ort. Bildquelle: Archiv des ehemaligen VEB Erzgebirgische Kalkwerke, Kopie bereitgestellt von Frau B. Zink.
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![]() Seh' ich das richtig? Glimmstengel bei der Arbeit?! Was damals noch alles möglich war... Bildquelle: Archiv des ehemaligen VEB Erzgebirgische Kalkwerke, Kopie bereitgestellt von Frau B. Zink.
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![]() Geladen wurde gelegentlich noch per Hand... Bildquelle: Archiv des ehemaligen VEB Erzgebirgische Kalkwerke, Kopie bereitgestellt von Frau B. Zink.
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![]() Bei gleisgebundener Förderung gab es aber auch schon Wurfschaufellader. Bildquelle: Archiv des ehemaligen VEB Erzgebirgische Kalkwerke, Kopie bereitgestellt von Frau B. Zink.
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![]() Beim Abtreiben loser Schalen. Bildquelle: Archiv des ehemaligen VEB Erzgebirgische Kalkwerke, Kopie bereitgestellt von Frau B. Zink.
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![]() Die Rampe gab es jedenfalls noch nicht: Gefördert wurde über den Schacht. Bildquelle: Archiv des ehemaligen VEB Erzgebirgische Kalkwerke, Kopie bereitgestellt von Frau B. Zink.
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![]() Den Transport übertage hatten nun schon Förderbänder und LKW übernommen. Die Förderhaspel zur Brennofengicht stand aber noch... Bildquelle: Archiv des ehemaligen VEB Erzgebirgische Kalkwerke, Kopie bereitgestellt von Frau B. Zink.
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![]() Die Aufbereitungsanlagen übertage. Bildquelle: Archiv des ehemaligen VEB Erzgebirgische Kalkwerke, Kopie bereitgestellt von Frau B. Zink.
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Im
Folgejahr hatte Herr Kretzschmer die Leitung des Werkes übernommen
und Herr Börner die technische Leitung des Betriebes (40069, Nr.
562). Herr Hofmann ist ausgeschieden. Vonseiten der Bergbehörde wurde das
Werk jetzt von den Berginspektoren Kirsch und Cieszynski
betreut. Sofern es sich nicht um zitierte Autoren handelt, werden wir aus
Gründen des Datenschutzes und der Wahrung der Persönlichkeitsrechte im
weiteren Text auf die Nennung der Namen verzichten, auch wenn sie uns aus
den Akten bekannt geworden sind.
1960 wurde die Markscheiderei Friedemann in Oelsnitz/E. geschlossen. Auch das brachte Probleme für das Kalkwerk mit sich, da nicht kurzfristig ein anderer konzessionierter Markscheider gefunden werden konnte, der die Grubenrisse weiter nachträgt.
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Eine
Verbesserung der Vorratslage erwartete man auch im Betriebsplan des
Folgejahres nicht (40069, Nr. 562). Auch sei der in den nächsten Jahren zu
gewinnende Rohkalkstein in erster Linie Graukalk und
„aufgrund seiner
Struktur nur noch als Schachtofenkalk“ zu verwenden.
Den wiederholten Klagen gab offenbar auch die Plankommission nun nach. Für das Jahr 1962 lag die Vorgabe für die Rohkalkförderung mit 51.700 t wieder im Niveau der vorangegangenen Jahre. Der Betriebsplan sah für 1962 die Auffahrung von rund 500 m Aus- und Vorrichtungsstrecken vor. Die Realisierung hänge jedoch davon ab, „wieviel Investitionsmittel uns dieses Jahr zur Verfügung gestellt werden.“ Man orientierte sich bei der Konzeption dieser Ausrichtungsbaue nach wie vor an den von der geologischen Kommission erhaltenen Bohrergebnissen. Unter anderem plante man ein neues Fallort von der 4. Sohle abwärts in Richtung des Bohrloches Nr. 30, da diese Bohrung ergeben habe, daß dort Graukalk noch 50 m tiefer, als bisher in der 4. Sohle anstehe. Hinsichtlich der Gewinnung und Abförderung wollte man demnächst zum Magazinbau übergehen und plante dafür die Auffahrung von insgesamt fünf Überhauen als Rollen und Bunker. Auch die eigentlich schon für das Vorjahr geplante Aufstellung eines Hauptgrubenlüfters war noch nicht erfolgt und „scheiterte am Arbeitskräftemangel.“
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Der
Winter 1962/1963 brachte dem Bericht über das Vorjahr im Betriebsplan für
das Jahr 1964 zufolge derartige Schneeverwehungen mit sich, daß der
Betrieb des Kalkwerkes fast zum Stillstand kam (40069, Nr. 564).
Der Niederschrift zur Betriebsplanerörterung ist außerdem zu entnehmen, daß die staatliche Bauaufsicht des Kreises Dippoldiswalde 1963 die Brennöfen geprüft hatte. Während der Gasofen gerade noch so betriebsfähig und reparabel war, wurde der alte Rüdersdorfer Ofen per 30. Juni 1964 stillgelegt. Das Ofenfutter war zu weit ausgebrannt. Nur der Ringbrandofen war noch zulässig. Weil aber kurzfristig Reparaturkapazitäten und Material fehlten, erschien die Einstellung der Branntkalkerzeugung naheliegend. Auch die Mahlanlagen für die Terrazzoherstellung fielen mehrfach und insgesamt fast ein ganzes Quartal durch erforderliche Reparaturen aus. Es heißt wörtlich: „Bei fast allen Anlagen einschließlich der Seilbahn liegen die Schwierigkeiten in der Ersatzteilbeschaffung, da infolge des Alters die Ersatzteilproduktion in den einzelnen Werken ‒ es handelt sich fast ausschließlich um Einzel- oder Sonderanfertigungen ‒ immer wieder zurückgestellt wird. Eine planmäßige Generalreparatur ist deshalb kaum möglich...“ (40069, Nr. 564). Von den 55.000 t Planvorgabe für die Rohkalksteinförderung kamen noch 4.800 t von der 1. Sohle, nur noch ganze 1.300 t von der 2. Sohle; 14.500 t sollten auf der 3. Sohle und 17.800 t auf der 4. Sohle gebrochen werden. Darunter waren 20.500 t des weißen Kalks und 28.900 t Graukalk vorgesehen.
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![]() So sah das Kalkwerk Hermsdorf in den 1960er Jahren aus. Noch stand auch der mächtige Ringbrandofen. Foto: Gerhard Döring, 1964.
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1965 wurde der Ringofen stillgelegt, 1972 die Förderseilbahn nach Holzhau und 1986 folgte der letzte Brennofen (wikipedia.de).
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Die uns kenntlich gewordenen Angaben zu Förderung und Produktion des Kalkwerkes Hermsdorf bis 1990. Aus der Zeit ab 1945 entstammen sie im Wesentlichen den Betriebsplänen. Ob die geplante Förderung tatsächlich auch erreicht wurde, geht aus diesen Quellen aber nicht hervor.
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![]() Im Foyer des Betriebsgebäudes hängt ein Übersichtsriß, hinterlegt mit einem Luftbild. Das haben wir abfotografiert, aber es erwies sich nicht wirklich als übersichtlich - daher haben wir dasselbe noch einmal selbst mit Hinterlegung einer Reliefkarte des Geoportals Sachsen gezeichnet. Hierin blau schraffiert Abbau auf der 1. Sohle (welche dem Niveau des Wasserlösestollns entspricht), rot schraffiert auf der 2., grün schraffiert auf der 3. und hellviolett die abgebauten Flächen auf der 4. Sohle. Man ist noch zwei Sohlen tiefer gegangen, aber dort erbrachte die Ausrichtung keine wesentlichen Vorräte mehr, so daß wir sie hier weglassen. Man erkennt auch so, daß sich der Abbau - namentlich nordöstlich vom alten Waltherbruch - noch unter der S184 hindurch weit nach Osten ausgebreitet hatte.
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Erneute Erkundungsbohrungen auf „Extenderkalk“ begannen im September 1984 und wurden im Oktober des Folgejahres abgeschlossen (40131, Nr. 18). Insgesamt wurden noch einmal 19 Bohrungen zwischen 26 m und 208 m tief niedergebracht. Zu dieser Zeit war das Kalkwerk Hermsdorf als Betriebsabteilung Hermsdorf dem VEB (B) Baustoffwerke Borna (bei Pirna) angegliedert.
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Zum Betrieb
durch die GEOMIN GmbH ab 1990
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1990 wurde als ein Nachfolgebetrieb des VEB Zuschlagstoffe Karl- Marx- Stadt zunächst die Erzgebirgische Kalkwerke GmbH gegründet, letztere zu dieser Zeit unter Verwaltung durch die Treuhandanstalt. 1992 hat die GEOMIN Erzgebirgische Kalkwerke GmbH die Erzgebirgische Kalkwerke GmbH von der Treuhandgesellschaft erworben, der damals schon die vorher volkseigenen Betriebe in Oberscheibe, Lengefeld, Hermsdorf und Hammerunterwiesenthal angehörten. Der Abbau in Oberscheibe war jedoch bereits seit 1990 eingestellt. An diesem Standort erfolgten ab 1995 nur noch Sanierungsarbeiten, welche 2009 abgeschlossen waren. Die GEOMIN war ein Tochterunternehmen der Heitkamp Baugesellschaft mbH & Co. KG in Herne und ist 2002 an die Heitkamp- Deilmann- Haniel GmbH übergegangen. Nach der Übernahme durch die GEOMIN GmbH wurden die technischen Anlagen modernisiert und ausgebaut. Ab 2005 wurden in Hermsdorf auch noch neue Lagerstättenbereiche außerhalb des zentralen Grubenfeldes erschlossen.
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![]() Foto: H. Lausch, 1993.
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![]() Werksanlagen übertage, rechts noch Reste des Ringbrandofens Foto: H. Lausch, 1993.
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![]() Werksanlagen übertage. Foto: H. Lausch, 1993.
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![]() Werksanlagen übertage mit der Marmormühle (links). Foto: H. Lausch, 1993. |
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![]() Die beiden Schachtöfen. Der linke ist später noch einmal umgebaut worden und hat anstelle der Förderbrücke vom Aufzug eine Skipanlage erhalten. Foto: H. Lausch, 1993. Der Zustand der Brennöfen
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![]() Die beiden Schachtöfen. Foto: H. Lausch, 1993.
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![]() Die alten Sieb- und Verladeanlagen. Foto: H. Lausch, 1993.
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![]() Innenansicht der Sieb- und Verladeanlagen. Foto: H. Lausch, 1993.
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![]() Holzplatz. Foto: H. Lausch, 1993.
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![]() Große Teile der alten Werksanlagen haben bereits damals modernen Anlagen Platz machen müssen. Foto: H. Lausch, 1993.
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![]() Foto: H. Lausch, 1993.
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![]() Noch ein Blick von der anderen Seite. Foto: H. Lausch, 1993.
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![]() Hier gibt es noch eine Seilkaue... Foto: H. Lausch, 1993.
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![]() Foto: H. Lausch, 1993.
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![]() Mundloch des Beschert Glück- Stollns. Foto: H. Lausch, 1993.
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![]() Dann geht es einmal hinein... Foto: H. Lausch, 1993.
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![]() Foto: H. Lausch, 1993.
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![]() Abbaukammern mit gewaltiger Höhe... Foto: H. Lausch, 1993.
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![]() Fallort zur nächsten Sohle. Foto: H. Lausch, 1993.
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![]() Alte Baue. Foto: H. Lausch, 1993.
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![]() Bohrwagen mit Doppel- Lafette. Foto: H. Lausch, 1993.
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![]() Foto: H. Lausch, 1993.
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![]() Druckluftbetriebener Klein- Lader. Foto: H. Lausch, 1993.
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![]() Dasselbe gleisgebunden. Foto: H. Lausch, 1993.
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![]() Wieder ein Fallort. Foto: H. Lausch, 1993.
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![]() Dieses wird wohl als Rolle benutzt. Foto: H. Lausch, 1993.
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![]() Foto: H. Lausch, 1993.
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![]() Foto: H. Lausch, 1993.
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![]() Elektro- Verteilerstation. Foto: H. Lausch, 1993.
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![]() Die Kompressorenstation untertage. Foto: H. Lausch, 1993.
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![]() Haspelmaschine. Foto: H. Lausch, 1993.
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![]() Foto: H. Lausch, 1993.
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![]() Gestellstandanzeige für den Maschinisten. Foto: H. Lausch, 1993.
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![]() Von hier aus wurde die Maschine bedient. Foto: H. Lausch, 1993.
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![]() Die Seilscheiben. Foto: H. Lausch, 1993.
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![]() Füllort untertage. Foto: H. Lausch, 1993.
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![]() Eine ungewöhnliche Schrägförderanlage... Foto: H. Lausch, 1993.
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![]() Foto: H. Lausch, 1993.
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![]() Am unteren Ende des kleinen Fallortes. Foto: H. Lausch, 1993.
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![]() Wieder auf der Hängebank. Foto: H. Lausch, 1993.
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![]() Foto: H. Lausch, 1993.
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![]() Der Lokschuppen. Foto: H. Lausch, 1993.
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![]() Mit ein wenig Suchen fand man noch dieses Pulvertürmchen. Foto: H. Lausch, 1993.
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![]() Auch die Verladeanlagen am Endpunkt der Förderseilbahn in Holzhau standen noch. Foto: H. Lausch, 1993.
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![]() Die Verladeanlagen am Endpunkt der Förderseilbahn in Holzhau von der Gleis- Seite. Hinten links kam die Kännelbahn ein. Foto: H. Lausch, 1993. |
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![]() Im Jahr 2003 mußten dann auch die letzten beiden, schon reichlich baufälligen Brennöfen weichen: Der Zustand kurz vor dem Rückbau. Foto: H. Lausch, 2003.
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![]() Der Zustand des alten Rüdersdorfer Ofens kurz vor dem Rückbau. Foto: H. Lausch, 2003.
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![]() Der Zustand kurz vor dem Rückbau: Die Förderbrücke zur Ofengicht war nur noch reliktisch zu erkennen. Foto: H. Lausch, 2003.
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![]() Nun wurden die Öfen bis auf den massiven Unterbau abgetragen. Foto: H. Lausch, 2003.
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![]() Und auch den viel zu engen, alten Betriebsgebäuden ging es an den Kragen. Foto: H. Lausch, 2003.
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![]() Die Reste der Gichtglocke vor Beginn des Rückbaus. Foto: Archiv des ehemaligen VEB Erzgebirgische Kalkwerke, Kopie bereitgestellt von Frau B. Zink.
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![]() Da einige daneben stehende Gebäude weiter genutzt werden sollten, konnte man den Ofenschacht nicht einfach sprengen, sondern trug ihn Stück für Stück ab. Foto: Archiv des ehemaligen VEB Erzgebirgische Kalkwerke, Kopie bereitgestellt von Frau B. Zink.
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![]() Dabei ergab sich ein letzter Blick in den Ofenschacht. Foto: Archiv des ehemaligen VEB Erzgebirgische Kalkwerke, Kopie bereitgestellt von Frau B. Zink.
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![]() Hier sieht man gut die doppelte Mauerung von Ofenschacht und tragender Umfassungsmauer, durch die thermische Spannungen im Bauwerk beim Ofenbetrieb vermindert wurden. Foto: Archiv des ehemaligen VEB Erzgebirgische Kalkwerke, Kopie bereitgestellt von Frau B. Zink.
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![]() Der andere war schon eingekürzt. Foto: Archiv des ehemaligen VEB Erzgebirgische Kalkwerke, Kopie bereitgestellt von Frau B. Zink. Auf die
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Im Jahr 2006 erwarben dann die Unternehmensgruppen Schön + Hippelein GmbH & Co. KG, Satteldorf, und Klöpfer GmbH & Co. KG, Winnenden- Birkmannsweiler, beides mittelständische Familienunternehmen aus Baden- Württemberg (schoen-hippelein.de, kloepferkg.de), die Geschäftsanteile der GEOMIN Erzgebirgische Kalkwerke GmbH. Die neuen Gesellschafter planten, parallel zum laufenden Abbau in Lengefeld und Hermsdorf die zu dieser Zeit stilliegende Förderung in Hammerunterwiesenthal wieder aufzunehmen (Bergstadt Lengefeld, 2012). Die GEOMIN förderte und verarbeitete 2018 mit 45 Mitarbeitern an den drei Standorten Lengefeld, Hermsdorf und Hammerunterwiesenthal insgesamt zirka 150.000 t Marmor pro Jahr (geomin.de). Davon wurden in Hermsdorf 2013 noch zirka 60.000 t Marmor gefördert; 2015 betrug die Fördermenge noch zirka 30.000 t (wikipedia.de). |
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![]() Foto: H. Lausch, 2002.
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![]() Foto: H. Lausch, 2002.
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![]() Pumpensumpf. Foto: H. Lausch, 2002.
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![]() Foto: H. Lausch, 2002.
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![]() Die Kompressorenstation ist noch dieselbe, wie 1993. Foto: H. Lausch, 2002.
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![]() Moderne dieselbetriebene Transporter. Foto: H. Lausch, 2002.
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![]() Foto: H. Lausch, 2002.
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![]() Und im Einsatz. Foto: H. Lausch, 2002.
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![]() Beladung. Foto: H. Lausch, 2002.
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![]() Foto: H. Lausch, 2002.
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![]() Foto: H. Lausch, 2002.
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![]() Lieber zur Seite gehen... Foto: H. Lausch, 2002.
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![]() Das war der Kleine. Foto: H. Lausch, 2002.
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![]() Davon gibt es auch noch größere hier unten. Foto: H. Lausch, 2002.
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![]() Foto: H. Lausch, 2002.
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![]() Foto: H. Lausch, 2002.
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![]() Foto: H. Lausch, 2002.
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![]() Hier war wohl wieder einmal eine Schliere mit der Blei- Zink- Vererzung angefahren... Foto: H. Lausch, 2002.
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![]() Hier wölbt sich das Liegende nach oben... Foto: H. Lausch, 2002.
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![]() Noch mehr für die Geologen... Foto: H. Lausch, 2002.
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![]() ...und im Detail. Foto: H. Lausch, 2002.
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![]() Foto: H. Lausch, 2002.
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![]() Bohrstand der Geologen. Foto: H. Lausch, 2002.
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![]() Foto: H. Lausch, 2002.
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![]() Foto: H. Lausch, 2002.
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![]() Die alte Technik gibt´s aber auch noch. Foto: H. Lausch, 2002.
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![]() Foto: H. Lausch, 2002.
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![]() Foto: H. Lausch, 2002.
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![]() Foto: H. Lausch, 2002.
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![]() So kann man´s auch machen. Foto: H. Lausch, 2002.
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![]() Bevor die Sohle nachgenommen werden kann, müssen oben Anker in die Firste gesetzt werden. Foto: H. Lausch, 2002.
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![]() Foto: H. Lausch, 2002.
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![]() Verbau mit Baustahlmatten. Foto: H. Lausch, 2002.
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![]() Auch der Stolln hat eine Spritzbetonschale erhalten. Foto: H. Lausch, 2002.
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![]() Noch ein Bohrgerät... Foto: H. Lausch, 2002.
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![]() Foto: H. Lausch, 2002.
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![]() Wenn die Maschine bohrt, wird´s auch mal staubig... Foto: H. Lausch, 2002.
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![]() Kontrolle der abgebohrten Abbauscheibe. Foto: H. Lausch, 2002.
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![]() Dann kommt der Schießmeister. Foto: H. Lausch, 2002.
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![]() Die Zünder liegen bereit... Foto: H. Lausch, 2002.
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![]() Besetzen der Scheibe. Foto: H. Lausch, 2002.
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![]() Foto: H. Lausch, 2002.
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![]() Einblasen des Sprengstoffs. Wir gehen jetzt lieber zur Seite, bevor der nächste Abschlag abgetan wird... Foto: H. Lausch, 2002. Wie es nach der Einstellung des Abbaus im
Jahr
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Der Abbau in Lengefeld wurde 2015 eingestellt, nachdem mit den neu erschlossenen Baufeldern das Werk in Hammerunterwiesenthal die Förderkapazität der anderen Werke übernehmen konnte. Am Standort Hammerunterwiesenthal wurden dazu Investitionen in Millionenhöhe für Gewinnungs- und Aufbereitungstechnik getätigt, um hochqualitativen Marmor für die Kunden zur Verfügung zu stellen. Neben der Verwendung von Sanden, Splitten und Schottern kommen vor allem mit modernster Anlagentechnik hergestellte, hochfeine Füller in verschiedensten Industrien zum Einsatz. Die Gesteine werden im Straßen-, Hoch- und Tiefbau, in der Bauchemie, Farben- und Lackherstellung sowie der Putz- und Kunststoffindustrie weiterverarbeitet (geomin.de). Die Betreibergesellschaft gab dann im Sommer 2016 bekannt, daß aufgrund der Erschöpfung der Vorräte Ende 2016 die Förderung auch in Hermsdorf eingestellt werden solle. Die am Standort vorhandenen Aufbereitungsanlagen bleiben aber in Betrieb und werden den von nun an nur noch in Hammerunterwiesenthal geförderten Marmor weiter verarbeiten. Parallel erfolgen auch hier jetzt Verfüllungs- und Altlastensanierungsarbeiten (geomin.de). Als Unternehmensgruppe Ost im Verbund der Klöpfer GmbH & Co. KG und Schön + Hippelein GmbH & Co. KG hat sich inzwischen durch den Zusammenschluß der ard Baustoffwerke, SH Natursteine und GEOMIN als einer der größten Rohstoffversorger im Raum Sachsen und Sachsen- Anhalt mit insgesamt sieben Standorten etabliert. Dabei verfügen die Unternehmen GEOMIN Industriematerialien GmbH & Co. KG und GEOMIN Erzgebirgische Kalkwerke GmbH über die größten Vorkommen von hochkristallinem weißem Marmor in Deutschland (geomin.de).
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Erhaltene Zeugnisse |
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Fiskalisches Kalkwerk Hermsdorf im Erzgebirge
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Die folgenden Aufnahmen entstanden bei einem Besuch im Frühjahr 2020. Wir bedanken uns an dieser Stelle noch einmal herzlich bei den Kollegen der GEOMIN GmbH für die ausführliche Führung über- und untertage und für ihre Geduld bei unseren Fotos.
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Die Lage der Kalksteinbrüche des ehemals fiskalischen Kalkwerkes südwestlich von Hermsdorf. Bitte beachtet, daß ein Besuch der alten Brennöfen auf dem Werksgelände nur nach vorheriger Anmeldung bei der Betriebsleitung möglich ist. Quelle der Hintergrundkarte: geoportal.sachsen.de
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![]() Die Hochfläche südöstlich von Hermsdorf linkerhand der Straße von Hermsdorf nach Neu- Rehefeld.
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![]() Wir biegen an der Nassauer Straße ins Gimmlitztal ab. Die neuen Anlagen der GEOMIN GmbH sind schon aus der Ferne zu sehen...
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![]() Zunächst interessieren wir uns aber für die alten Kalksteinbrüche, die hier gleich linkerhand der Nassauer Straße im Wald versteckt liegen: Als erster zieht sich gleich links der Straße der ehemalige Blaue Bruch entlang,
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![]() Die Lage des Kalksteinausstriches haben schon die alten Geologen nicht mehr in der geologischen Karte des Königreichs Sachsen vermerkt: Das Lager war wohl schon zu dieser Zeit vollständig abgebaut...
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![]() Dieser größte der noch vorhandenen alten Brüche bildet einen langgestreckten Einschnitt und zieht sich parallel zur Straße talwärts.
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![]() Der Zugang zum Bruch vom Tal oberhalb der Wohnhäuser aus gesehen. Das Gelände hat sich inzwischen die Natur zurückerobert...
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![]() Rechts der Nassauer Straße liegt unten im Tal. wo die Straße zum Kalkwerk abbiegt, ein weiterer, etwas kleinerer Steinbruch.
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![]() Unterhalb dieses Steinbruches sieht man im Gimmlitztal die kleine Bergehalde des Lichtlochs auf dem Wasserlösestolln.
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![]() Auch oberhalb der Straße verraten baumbestandene Halden, daß dort noch weitere kleine Steinbrüche gelegen haben. Von den alten Gebäuden der Faktorei des fiskalischen Kalkwerkes ist dagegen nichts mehr zu finden.
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![]() Die Feuchtwiesen in der Talaue stehen zurecht unter Naturschutz: Im Frühjahr findet man hier zahllose Wildblumen, wie diesen Knöterich...
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![]() ...und wenn man um diese Jahreszeit nur ein wenig aufmerksam hinschaut, findet man auch das Gefleckte Knabenkraut. Respektiert bitte auch die Natur !
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![]() Dann gelangt man zum Werksgelände der GEOMIN GmbH. Der Wanderweg durch das Gimmlitztal führt direkt an der Kaue vorbei.
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![]() Unterhalb der Kaue steht noch ein kleines Häuschen. Wahrscheinlich ein alter Pumpenschacht - für ein Pulverhäuschen ist es doch etwas zu eng...
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![]() Wir wollen nur noch einmal darauf hinweisen: Man kann sich zu einem Besuch der Anlagen anmelden.
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![]() Dann bekommt man nicht nur eine sachkundige Führung, sondern auch Einblicke, die man sonst nicht unbedingt hat, wie etwa in die Seilkaue der Mannschaft.
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![]() Natürlich hat sich im Laufe der letzten 150 Jahre Vieles verändert. Zwischen den neuzeitlichen Anlagen stehen aber noch zwei alte Brennöfen. Denen widmen wir gleich im Anschluß einen ganzen
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![]() Wir schauen erst einmal in die Technikhallen...
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![]() Ein Radlader. Die Ketten auf den Reifen sind der Neigung der Strecken im Lager halber angebracht.
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![]() Ein Muldenkipper. Will man die Technik
noch einmal bei der Arbeit sehen, blättere man zurück ins Jahr
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![]() Der Standort der alten Terrazzo- Anlage.
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![]() Das Türmchen war der Elevator, über den der Rohkalkstein auf die Brech- und Mahlanlagen aufgegeben wurde. Der Skip- ähnliche Aufzug wird längst nicht mehr benötigt und ist abgebrochen.
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![]() Dafür gibt es heute moderne Technik in der großen, schon von weitem sichtbaren Halle.
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![]() Der Vordere und Hintere Tagesbruch aus dem 19. Jahrhundert wurden inzwischen mit Abraum verfüllt. Auf diesem Gelände steht heute die neue Anlage. Nur die Stollnmundlöcher sind noch da. Die alten Strecken wurden als Wetterstrecken für das untertägige Baufeld noch eine Zeitlang offen erhalten.
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![]() Dieser Förderstolln wurde erst 1934 in Richtung Waltherbruch aufgefahren...
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![]() Ein Stück weit kann man unter dem Stahlbogenausbaui noch hineinschauen. Der alte Stolln ist aber in seinem weiteren Verlauf verbrochen und von hier aus nicht mehr fahrbar.
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![]() Das Mundloch des Beschert Glück- Stollns. Das untertägige Baufeld erreicht man heute über eine Rampe...
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![]() ...aber der Abbau ist nun auch hier eingestellt: Am 9. Dezember 2016 ist der letzte mit Marmor beladene Lader aus der Grube gerollt.
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Zu den Brennöfen
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Um die Mitte des 19. Jahrhunderts standen
die Gebäude des fiskalischen Kalkwerkes noch direkt links der
Zufahrtsstraße unterhalb des alten Kalksteinbruches. Dort befanden sich
auch die ersten Brennöfen. Ein weiterer Brennofen ist in den historischen
Kartenwerken am Südende des später als „Vorderer“ bezeichneten
Tagesbruches und noch einer direkt an der Gimmlitz verzeichnet.
Am Ende des 19. Jahrhunderts war das Kalkwerk komplett zum Vorderen und Hinteren Tagesbruch verlagert. Dort standen nun drei Brennöfen, welche auf Zeichnungen aus dieser Zeit als „1. und 2. Gasofen“ und (der südliche) als „Kesselofen“ bezeichnet werden. Der letztere besaß einen ungefähr quadratischen Grundriß, der mittlere den für Rüdersdorfer Öfen charakteristischen sechseckigen Grundriß, der nördliche einen kreisrunden. Nördlich davon wurde 1923 außerdem ein – nach den historischen Fotos zu urteilen – ziemlich großer Ringbrandofen errichtet und 1924 in Betrieb genommen. Für uns von besonderem Interesse sind hier die mit Gas befeuerten Brennöfen, weil in dem 1867 erschienenen Standardwerk über die Kalkindustrie dieser Zeit, dem Gutachten von G. Wunder, A. Herbrig und A. Eulitz über den Kalkwerksbetrieb Sachsens und die Ursachen der verschiedenen Kalkpreise in Sachsen, nämlich im Kapitel über die Ofentechnik, unter IV. Öfen zu continuirlichem Betriebe mit großer Flamme. die Gasfeuerung in Hermsdorf bereits erwähnt worden ist. Dort heißt es wörtlich: „c) Der Siemens’sche Gasofen wurde in Sachsen (zwischen 1864 und 1867) nur einmal; nämlich auf dem fiscalischen Werke zu Hermsdorf bei Frauenstein, angetroffen und hat daselbst so wenig befriedigende Resultate ergeben, daß eine weitere Besprechung desselben kaum gerechtfertigt erscheinen würde, wenn nicht anzuerkennen wäre, daß die zu Hermsdorf erzielten, höchst ungünstigen Resultate nicht sowohl einer Unrichtigkeit des von Siemens zur Anwendung gebrachten Princips zuzuschreiben sind als vielmehr der mangelhaften Art und Weise, in welcher das an sich richtige Princip zur Anwendung gebracht worden ist. Der Schacht des Siemens’schen Ofens ist ähnlich dem des Rüdersdorfer construirt, doch liegt neben demselben der sogenannte Gasgenerator, das ist eine Feuerungsanlage, in welcher Brennmaterial in Folge beschränkten Luftzutritts nur unvollkommen und theilweise verbrennt während ein anderer Theil des Brennmaterials vergast wird. Die hier entweichenden, gasförmigen, noch brennbaren Producte der unvollständigen Verbrennung und trockenen Destillation werden durch einen Canal in den Schacht eingeführt und mischen sich hier mit gleichfalls zugeführter atmosphärischer Luft, welche die vollkommene Verbrennung der Gase im Innern des Schachtes bewirken soll. Die durch das Verbrennen der Gase entwickelte Hitze soll das Garbrennen des Kalkes bewerkstelligen. Damit der beabsichtigte Zweck in befriedigender Weise erreicht wird, ist es vor allem nöthig, daß die Vergasung des Brennmaterials im Generator in ökonomischer Weise, ohne daß zu viel Brennmaterial verbrennt, bewirkt wird, daß Luft und Gase mit nicht zu niedriger Temperatur in den Schacht eintreten, sich hier gehörig mischen und daß der Zutritt beider gehörig beurtheilt und regulirt werden kann. Diesen Anforderungen ist durch die Siemens’sche Anlage nicht in hinlänglicher Weise entsprochen, und dürften in dieser Beziehung Einrichtungen, wie sie bei mehreren, auf Gasheizung berechneten und sich sehr gut bewährenden Glas- und Porzellanöfen getroffen sind, mehrfache Andeutungen zu Verbesserungen an dem Siemens’schen Kalkofen darbieten. Zweckmäßige Änderungen am Siemens’schen Ofen haben unter andern in Gröbzig bei Köthen zu befriedigenden Resultaten geführt. Der Vortheil, den die Gasheizung bei zweckmäßiger Anlage gewährt, beruht hauptsächlich darin, daß sie eine sehr gute Regulirung des Feuers, Ersparnis an Brennmaterial und namentlich Verwerthung der geringsten Sorten von Brennmaterial, als schlechter Kohle und Torf, Holzabfälle aller Art, selbst Tannenzapfen und dergleichen gestattet.“ Die mit Gas befeuerten Kalköfen in Hermsdorf sind also die ersten ihrer Art im einstigen Königreich Sachsen gewesen.
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Dies ist uns Anlaß genug, deren
Funktionsprinzip an dieser Stelle einmal genauer zu betrachten. Wie oben
schon zu lesen steht, bestand der wesentliche Unterschied in der Art der
Feuerung, nämlich in der Nutzung eines durch Verschwelen verschiedener
Brennstoffe erzeugten „Generatorgases“ als Brennstoff im Kalkofen. Die Art
der verschwelten Brennstoffe ist dabei völlig gleichgültig; vielmehr wird
als ein wesentlicher Vorteil immer wieder angeführt, daß man jegliche,
auch minderwertige Brennstoffe, dafür verwenden könne.
Ältere Gasgeneratoren erzeugten gewöhnlich durch Reduktion von Kohlendioxid nur Kohlenmonoxid als Brennstoff (das sogenannte „Generatorgas“):
*) Kohlenstoff steht hier allgemein für den jeweils eingesetzten Brennstoff. Aus der oben vollständig zitierten Dienstanweisung aus dem Jahr 1911 wissen wir schon, daß man zu dieser Zeit bereits ein „Wassergas“ erzeugte. Durch Zufuhr von Wasserdampf reagiert die Kohle nämlich zu einem Gemisch aus Kohlenmonoxid und Wasserstoff, das als Brennstoff energiereicher als das Generatorgas ist („Wassergas“, auch als „Synthesegas“ oder „Stadtgas“ bekannt):
Da die Brennstoffe nun gewöhnlich nicht ausschließlich aus Kohlenstoff bestehen, kommt es darüber hinaus meist zu weiteren chemischen Reaktionen, in deren Ergebnis auch Kohlenwasserstoffe, wie zum Beispiel Methan und langkettige Paraffine („Kohlen- Teer“) entstehen können. Seit Jahrtausenden schon nutzte man solche Prozesse auch in Köhlereien oder in Pechsiedereien aus.
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Die Herstellung solcher brennbaren
Gasgemische war demnach gar keine so neue Erfindung. Einem Artikel zum
Thema einer Kurzen Geschichte der Gas- Beleuchtung und ihrer
Verbesserungen von G. Atkins in Dingler´s Polytechnischem
Journal, Band 21 (Fortsetzung im Band 22), erschienen 1826, können wir
dazu Folgendes entnehmen: „Die erste zuverlässige Nachricht über
Entdeckung eines brennbaren Gases aus Steinkohlen ist jene von Dr.
Clayton in den Philosophical Transactions vom Jahre 1739. Indem er
seine Versuche mit einer kleinen in offenes Feuer gebrachten Retorte
beschreibt, sagt er:
,Anfangs ging bloß ein Phlegma über, später ein schwarzes Oehl, und dann ein Geist, den ich durchaus nicht verdichten konnte, denn er sprengte entweder meinen Kitt oder meine Gläser. Ich bemerkte, daß der Geist, welcher herausdrang, an der Flamme einer Kerze sich entzündete, und fortfuhr mit Heftigkeit zu brennen, so lang er in einem Strome hervordrang; ich konnte ihn mehrere Mahle nach einander ausblasen und wieder anzünden.‘ Mit Ausnahme der Benennungen der Producte: Phlegma, schwarzes Oehl und Geist, statt Ammonium- Flüssigkeit, Kohlentheer und Gas, war also Dr. Clayton der Entdecker des brennbaren Gases durch Destillation der Steinkohlen; er scheint aber keine Idee von dem Umfange des Nutzens seiner Entdeckung gehabt zu haben… Auch der selige Bischof Watson machte sehr viele Versuche über Destillation der Steinkohlen, und er hat das Verdienst, der Erste gewesen zu seyn, der in seinen Chemical Essays den chemischen Charakter der verschiedenen Producte bei der Steinkohlen-Destillation festgesetzt hat. Er erwähnte zugleich auch die wichtige Thatsache, daß das aus Kohlen erhaltene Gas nicht bloß seine Brennbarkeit behält, sondern auch noch ein weit helleres Licht gewahrt, wenn man es durch Wasser durchziehen läßt. Clayton's und Watson's Entdekungen ungeachtet scheint man doch vor dem Jahre 1792 keinen Versuch gemacht zu haben, Kohlen- Gas als Surrogat für Oehl oder Talg zur Beleuchtung zu benützen. Um diese Zeit stellte Hr. Murdoch (Superintendent einiger Bergwerke in Cornwall) eine Reihe von Versuchen über brennbare Gase an, die er durch Destillation der Steinkohlen, des Holzes und des Torfes und anderer brennbarer Körper erhielt, um zu bestimmen, in wie fern man dieselben statt der Kerzen oder Lampen benützen könnte... Indessen verstrichen sechs Jahre seit den ersten Versuchen des Hrn. Murdoch, ehe derselbe Gelegenheit fand, die Nützlichkeit der Anwendung des Kohlengases an der Stelle der Kerzen und Lampen praktisch zu erweisen. Der erste Apparat hierzu ward im J. 1798 in der Fabrik der Hrn. Boulton und Watt, in Soho bei Birmingham, errichtet… Hr. Winsor ließ sich im J. 1804 ein Patent auf Gaserzeugung aus Steinkohlen ertheilen (Siehe Repertory of Arts Vol. V., Second Series, p. 172.), und, nachdem man ihm lange entgegengekämpft hatte, erhielt er Erlaubnis, als Versuch im Großen, eine Röhren- Reihe in Pall- Mall in Westminster, London, zu legen. Der erste Versuch mit diesen Lampen zeigte, daß seine Idee vollkommen ausführbar, und daß das auf diese Weise erhaltene Licht weit besser als das gewöhnliche Oehllampen- Licht war.“ Anmerkung: Bei Wikipedia kann man lesen, daß Clayton die Kohlengase bereits im Jahr 1684 gefunden habe. Unabhängig von diesem habe auch Stephen Hales im Jahr 1727 dieselbe Entdeckung gemacht. Wie dies auch sei, erfolgte der Einsatz solcher Schwelgase zunächst aber ausschließlich zu Beleuchtungszwecken, wobei die Briten dank ihrer Steinkohlenlagerstätten eine Vorreiterrolle innehatten. Die folgende Darstellung entstammt einem Beitrag im allerersten Band von Dingler’s Polytechnischem Journal aus dem Jahr 1820. Der anonyme Verfasser dieses Beitrages schildert hier eine Methode, fünf Cylinder-Retorten zur Gasbereitung in einen Ofen mit drei Feuern einzusetzen, nebst Durchschnitten des hydraulischen Behälters und der Zugröhren, wobei er auf Peckston's Werke über Theorie und Praxis der Gasbeleuchtungen zurückgreift. So ungefähr wie in dieser Grafik dargestellt, dürfen wir uns wohl die ersten Gaserzeuger vorstellen.
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Allgemein bekannt ist auch, daß es der Chemie- Professor Wilhelm August Lampadius gewesen ist, der dann als erster auf dem europäischen Kontinent im Jahr 1811 an seinem Wohnhaus in Freiberg eine Gasbeleuchtung einrichtete. War dies noch seinem chemischen Interesse geschuldet und für diese Zeit eher ein Spektakel für die Nachbarn, so war die von ihm nur kurze Zeit später, im Jahr 1816, im Amalgamierwerk in Halsbrücke eingerichtete Leuchtgasanlage schon eine richtungsweisende Anlage, die an dieser Stelle noch bis 1895 zuverlässig ihren Dienst tat. Das „Stadtgas“ verbreitete sich daraufhin – nicht nur zu Beleuchtungszwecken – immer schneller und so ist es kein Wunder, daß sich auch Techniker und Industrie den Möglichkeiten der Gasnutzung immer mehr annahmen. Es waren wahrscheinlich auch gar nicht die Gebrüder Siemens, die als erste die Idee hatten, Schwelgase auch für Heizzwecke zu benutzen. In Dingler´s Polytechnischem Journal haben wir den folgenden Artikel gefunden, in welchem ein anonymer Autor im Jahr 1858 (Band 147) über Beaufumé's Gas- Flammofen berichtet: „Dieses neue System von Herden, welches in der letzten Zeit viel Aufsehen erregte, gründet sich auf ein Princip, dessen Anwendung bereits Gegenstand von Versuchen gewesen, das aber nie ernstlich in der Praxis Aufnahme gefunden hat… Der wesentliche Theil des Beaufumé'schen Feuerungssystems ist ein besonderer Apparat, der Gasgenerator, Gaserzeuger (gazéificateur), in welchem die Steinkohle, da sie nicht genug Luft zur vollständigen Verbrennung findet, in brennbare Gase verwandelt wird, welche mittelst einer Röhre bis unter den Kessel geführt werden und sich, indem sie mit einem hinreichenden Luftstrom in Berührung kommen, daselbst entzünden. Der Apparat ist in Fig. 1 und 2 in einem senkrechten Durchschnitt und in einer äußern Ansicht dargestellt.“ |
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„A ist der Gaserzeuger, bestehend aus
einem blechernen Kasten, dessen Boden aus einem Rost G besteht. Er ist von
einem zweiten Kasten oder Mantel C, C', C'' umgeben und in dem
Zwischenraum beider befindet sich Wasser, dessen Höhe der
Wasserstandszeiger n angibt. Dieses Wasser absorbirt die Hitze von den
Wänden des Gaserzeugers, daher dieselben nicht verbrannt werden können,
und verwandelt sich in Dampf, der durch die Röhre t in den Hauptkessel
strömt oder zum Betrieb eines Ventilators dient, welcher die zur
Verbrennung nöthige Luft zu liefern hat. Ein Theil der Luft gelangt in den
gemauerten Raum F, und aus demselben mittelst der Canäle F', F'' unter den
Rost G, um die unvollständige Verbrennung in dem Gasgenerator zu
unterhalten. Der größte Theil der von dem Ventilator gelieferten Luft
strömt aber durch den Canal T, T', T'', welcher in dem Gemäuer des Ofens
so viel als möglich circulirt, um die bei T''' ausströmende Luft zu
erwärmen.
B, B' sind die Aufgeber (chargeurs), nämlich zwei Röhren mit beweglichem Deckel und Boden. Man öffnet die Deckel, füllt die Röhren mit Brennmaterial, verschließt alsdann die Deckel wieder, öffnet hierauf die Böden mittelst eines äußern Mechanismus und läßt das Brennmaterial, ohne daß Luft eindringt, in den Gasgenerator fallen. Die Menge der unter den Rost G geführten Luft reicht nur hin, um in dem Gasgenerator eine hinlänglich hohe Temperatur zu unterhalten, nicht aber zur Verbrennung des sämmtlichen eingebrachten Brennmaterials. Diese unvollständige Verbrennung liefert brennbare Gase, welche durch die Röhre H, H' ausströmen und zu einer Reihe von Oeffnungen M, Fig. 3, gelangen, die unter dem zu heizenden Kessel einen breiten Brenner (sogenannten Verbrenner, bruleur) bilden. Die Oeffnungen desselben sind länglich viereckig und wechseln mit ähnlichen Oeffnungen ab, durch welche die durch den Canal T, T', T'', T''' herbeigeführte Luft ausströmt. Die auf diese Weise mit Luft vermengten Gase verbrennen vollständig. Dieses sind die wesentlichen Theile des Systems; andere Theile haben den Zweck, die Inbetriebsetzung des Apparates zu erleichtern. Derselbe kann nämlich nur dann gehörig wirken, wenn die Verbrennung in dem Generator einen hinlänglichen Grad der Lebhaftigkeit erreicht hat, und das Anzünden, welches in allen Fällen bloß mit der von uns angegebenen Vorrichtung schwierig ist, wäre unmöglich in dem häufig vorkommenden Fall, wo der Ventilator, welcher die Luft zur Verbrennung liefert, nur durch eine Dampfmaschine betrieben werden kann, welche ihre Dämpfe aus dem großen, oder aus dem kleinen, den Mantel des Gasgenerators umgebenden, Kessel erhält. Zur Vermeidung dieser Schwierigkeit hat man am Beginn der Röhre H, H' eine senkrechte Röhre I, der Reiniger (purgeur) genannt, angebracht, welche als Esse wirkt. Zwei Ventile I und J dienen dazu, entweder die Leitungsröhre H, H' zu verschließen, so daß die Gase durch den Reiniger L ausströmen, oder diesen zu verschließen, damit die Gase in die Leitröhre und zum Brenner gehen.“ Der oben beschriebene Apparat des Herrn Beaufumé kann vielleicht als einer der ersten industriellen Gaserzeuger für thermische Zwecke gelten. Wie kam dann aber die Bezeichnung ,Siemens’scher Gasofen' zustande ?
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Bekanntermaßen waren die vier Brüder
Ernst Werner (ab 1888) von Siemens (*1816, †1892), Hans
Siemens (*1818, †1867), Carl Wilhelm (ab 1883) Sir Charles
William Siemens (*1823, †1883) und Friedrich August Siemens
(*1826, †1904) nicht nur mit Erfindungsgeist gesegnet, sondern auch mit
dem nötigen Gespür für die Zeichen der Zeit und deren nutzbringender
Verwertung. Dem ältesten der vier Brüder verdankt Deutschland die Gründung
eines seiner bekanntesten Industrieunternehmen, welches bis heute Bestand
hat.
Über Carl Wilhelm Siemens findet man in Meyer’s Konversationslexikon, 4. Auflage ab 1885, u. a. die folgenden Eintragungen: „1858 begründete er mit seinem Bruder Werner ein Zweiggeschäft der Berliner Fabrik in London und lieferte außer Telegraphenapparaten vorzugsweise Kabel und eiserne Tragsäulen sowie Isolatoren für oberirdische Leitungen. Er beteiligte sich an mehreren wissenschaftlichen Arbeiten seines Bruders Werner und arbeitete mit seinem Bruder Friedrich über die vorteilhaftere Ausnutzung der Brennmaterialien. Auch wandte er die zuerst 1816 von Stirling vorgeschlagenen Regeneratoren bei Dampfmaschinen an, baute 1847 eine Regenerativdampfmaschine, in welcher der Dampf abwechselnd überhitzt und wieder gesättigt wurde, und widmete sich seit 1856 der Einführung der Regeneratoröfen. Hieran beteiligten sich außer Friedrich Siemens auch Werner und Hans Siemens…“ Gasfeuerung wurde zuerst in England und wahrscheinlich zuerst für Glasöfen angewandt. Auch die Glasherstellung ist bekanntermaßen ein sehr energieintensiver Prozeß. Hans Siemens nun hatte 1862 in Dresden- Löbtau eine Glashütte begründet. Nach seinem frühen Tod 1867 übernahm dieses Glaswerk sein jüngster Bruder Friedrich August Siemens. Vielleicht geht darauf die Anwendung der Gasfeuerung in Deutschland zurück… Jedenfalls berichtet uns ein kurzer Nachtrag zur Kritik des Siemens'schen (Steinmann'schen) Kalkofens mit Gasfeuerung des Herrn Dozenten Ottokar Čech aus Prag in Dingler´s Polytechnischem Journal (Band 200, 1871), daß ein Herr Ferdinand Steinmann, Ingenieur des Dresden‘er Bureau's für Gasfeuerungs-Anlagen, nach Friedrich Siemens' Regenerativsystem „eine große Anzahl dieser vortrefflichen Kalköfen in böhmischen Zuckerfabriken und Kalkwerken“ eingerichtet habe. Weiter heißt es, daß „sich Hr. Hans Siemens in der Lösung des bisher noch nicht durchgeführten Problemes, Kalk mit Gasfeuer zu brennen, eine besondere Aufgabe stellte, und …Herr Steinmann die ersten Versuche hierzu in seinem Auftrage auf dem sogenannten Dreikönigsschachte bei Tharandt im Jahre 1862 anstellte. Hr. Siemens ging dabei von dem Gedanken aus, die Verbrennungsluft vor ihrer Mischung mit dem Gase durch die gebrannte Kalkmasse zu leiten und damit einen doppelten Zweck zu erfüllen: nämlich die dem Kalke innewohnende Temperatur auf die Luft zu übertragen und denselben zugleich auf diese Weise abzukühlen.“ Das für einen solchen Ofen für das Königreich Sachsen 1864 an Hans Siemens erteilte Patent ging nach dessen Ableben an Friedrich August Siemens über. Zu dem hierin erwähnten Kalkwerk in
Tharandt siehe unseren betreffenden
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Ob die Gebrüder Siemens nun tatsächlich
„den“ Gaserzeuger für das Kalkbrennen „erfunden“ haben, oder ob sie – auf
die Arbeit zahlreicher Vorreiter aufbauend – nur das Verdienst seiner
breiten Einführung in der Industrie haben, bleibe dahingestellt.
Wir zitieren dazu wieder aus einem Artikel in Dingler’s Polytechnischem Journal, verfaßt von einem Ingenieur Gille im Jahr 1907 (Band 322): „Gaserzeuger, in welchen ein fester kohlenstoffreicher Brennstoff durch unvollständige Verbrennung unter Zuführung von Luft in Heizgas umgewandelt wird, bestehen, abgesehen vom Hochofen, bei welchem ein brennbares Gas als Nebenerzeugnis auftritt, seit ungefähr 50 Jahren. (Also seit 1857.) Sie sind eine Erfindung der Gebrüder Siemens und werden von ihnen Generatoren genannt, das darin hergestellte Gas entsprechend Generatorgas. Ihre Entstehung und Entwicklung ist … eng mit derjenigen des ebenfalls von den Gebrüder Siemens erfundenen Regenerativofens verknüpft…“ Nebenbei bemerkt sind auch die als „Regeneratoren“ bezeichneten Wärmetauscher nicht unbedingt eine „Erfindung“ der Gebrüder Siemens – auch die hatten bereits Vorläufer. Von Interesse ist in diesem Zusammenhang aber auch noch der Hinweis auf den Hochofenprozeß, bei dem bekanntlich ebenfalls Kohlenmonoxid- reiche Gase als „Gichtgas“ anfallen. Bei der Verhüttung oxydischer Erze ist die Reduktion der Metalloxyde sogar der wesentliche chemische Schritt und sie könnte ohne Überschuß an Kohlenstoff gar nicht ablaufen. Dieser Hinweis führt uns ebenfalls zeitlich um ein Jahrzehnt zurück und unter anderem ins Mansfeldische. In dem oben schon zitierten Aufsatz aus dem Jahr 1858 nämlich heißt es dazu: „Der Hüttenmeister Bischof zu Mägdesprung am Harz hat schon im Jahre 1844 in der Berg- und hüttenmännischen Zeitung S. 403 ein Project zu einer Dampfkesselfeuerung mitgetheilt und dasselbe mit einigen Verbesserungen in seiner kleinen Schrift: ,Indirecte, aber höchste Nutzung der rohen Brennmaterialien u.s.w.‘ (Quedlinburg 1856) näher beschrieben und abgebildet. In Mähren hat man die Gasfeuerung bei den Glasöfen eingeführt, wie die interessante kleine Schrift vom Dr. Zerrenner: ,Die Anwendung der Gasfeuerung beim Glashüttenbetriebe zu Tscheitsch‘ (Wien 1856) nachweist.“ Einem Eintrag in Meyer‘s Konversationslexikon, 4. Auflage ab 1885, zufolge, begann man sogar schon 1837 mit der Nutzbarmachung der Hochofen- Gichtgase. Unter dem Stichwort Gasfeuerungsanlagen findet man dort die Absätze: „Die nutzbar zu machenden Gase entwickeln sich häufig in metallurgischen Apparaten (Schachtöfen, Hochöfen, Herden) als Nebenprodukte, oder sie werden absichtlich in besondern Schachtöfen (Generatoren) erzeugt und heißen im erstern Fall Gichtgase, im letztern Generatorgase. Übrigens sind beide Arten von Gasen nicht mit den bereits verbrannten, also unbrennbaren Feuergasen zu verwechseln, die nach dem Verlassen von Puddelöfen, Glühöfen etc. noch Wärme (Abhitze, Überhitze) genug haben, um zur Dampferzeugung, zum Darren von Brennstoffen etc. benutzt werden zu können. Die Gaserzeuger für Gichtgase sind hauptsächlich die Hochöfen zur Eisengewinnung, deren obern Teil (Gicht) sie entströmen. Durch die seit 1837 eingeführte Benutzung der Gichtgase zu Heizungszwecken wird eine ungeheure Menge Wärme, die sonst nutzlos in die Luft ging, technisch verwertet…“ Oben genannter Hüttenmeister Carl Bischof wiederum gehörte ab 1844 und wenigstens bis 1859 der Herzöglich- Bernburgischen Eisenhüttenverwaltung im Harz an (LSA, Z113, Nr. 294). 1841 war sein Vorgänger in diesem Amt, Hüttenmeister Carl Schmid, nach Wasseralfingen bei Aalen in Baden- Württemberg gereist, um sich das dortige Eisenhüttenwerk anzuschauen. Bei dieser Gelegenheit kam wohl der Kontakt zu dem dortigen Leiter, einem Herrn Faber du Faur, zustande. Darauf wiederum gingen dann verschiedene Versuche und Untersuchungen der Hochofengase, u. a. bei den Mansfeld‘er, Friedeburg‘er und Sangerhausen‘er Kupferhütten, im Zeitraum bis 1844 zurück. Carl Bischof gehörte dann 1845 offenbar zu den ersten, die das bei den Verhüttungsprozessen ohnehin anfallende Gichtgas ‒ in diesem Falle in der Eisenhütte zu Mägdesprung ‒ als Brennstoff wieder einsetzten. (LSA, F8, Rep. Teil II, Tit. XIV, Nr. 103) |
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Doch kehren wir zurück zu dem zuletzt
zitierten Artikel aus dem Jahr 1907: „Der Regenerativofen entstand bei
dem Bestreben, aus Roheisen unter Zusatz von Eisenerzen Stahl zu erzeugen.
… Welche hervorragende Bedeutung er in der Stahlindustrie einnimmt, geht
daraus hervor, daß ihm zur Zeit mehr als ein Drittel der Gesamtproduktion
an Stahl entstammt. Eine gewinnbringende Stahlerzeugung im Regenerativofen
ist aber nur bei Verwendung eines billigen, im Generator erzeugten Gases
möglich…
Aus jedem festen Brennstoff lässt sich durch unvollständige Verbrennung ein Heizgas erzeugen, Vorbedingung ist aber immer eine genügende Schichthöhe. Die sich dabei abspielenden chemischen und physikalischen Umsetzungen sind im wesentlichen dieselben, sei der Brennstoff Steinkohle, Koks, Braunkohle oder Holz… Geschieht die Vergasung der Kohle nur durch Luft, so wird das erzeugte Gas „Luftgas“ genannt, wird der Luft noch Wasserdampf beigemischt, so heißt es „Mischgas“. Die Temperatur, mit welcher die Gase den Erzeuger verlassen, schwankt je nach der Betriebsweise zwischen 400 und 800°C… Die ersten Gaserzeuger arbeiteten noch ziemlich unwirtschaftlich und erforderten zu ihrer Bedienung ein großes Personal. Die Steigerung der Kohlenpreise und der Löhne machten es für den rationellen Hüttenbetrieb jedoch zur Bedingung, den Brennstoff so weit wie möglich auszunutzen und die menschliche Arbeit bei der Gaserzeugung auf ein Mindestmaß zu beschränken. Infolgedessen sind im Laufe der Zeit eine Anzahl Generatorformen entstanden, welche erkennen lassen, wie aus dem ersten primitiven Gaserzeuger ein fast selbsttätig arbeitender Apparat wurde. Der ursprüngliche von Siemens konstruierte Gaserzeuger hatte die in Fig. 1 dargestellte Form. In Hüttenbetrieben ist er kaum noch anzutreffen, in der keramischen Industrie findet er sich jedoch noch häufig. Er ist ein viereckiger, mit feuerfesten Steinen ausgemauerter Schacht von 2–2,2 m Breite, der unten durch einen Planrost mit anschließendem Treppenrost abgeschlossen ist. An den Treppenrost schließt sich eine unter einem Winkel von etwa 60° zur Waagerechten geneigte Brust an, bestehend aus einer Eisenplatte, welche mit einer Schicht feuerfester Steine übermauert ist. Die Kohle wird durch eine mit einem einfachen Deckel verschließbare Oeffnung aufgegeben. Die in der Figur eingetragene Füllvorrichtung ist schon eine spätere Verbesserung. Dieselbe besteht aus einem viereckigen Kasten mit doppeltem Verschluß, der untere aus einer drehbaren Klappe bestehend und der obere als abnehmbarer Deckel ausgebildet, dessen Ränder bei geschlossenem Zustand in eine mit Sand gefüllte Rinne tauchen… Die Kohle rutscht an der schrägen Brust herunter und bedeckt in gleichmäßiger Schüttung den Rost. Die Höhe der Brennstoffschicht über dem Rost beträgt etwa 800 mm. Unter dem Rost befindet sich meistens ein Wassertrog, in welchem die durch die Rostspalten fallende Asche abgelöscht wird. Der Gaserzeuger wird mit Kaminzug betrieben und vermag in 24 Stunden 1.800 bis 2.000 kg Steinkohle zu vergasen. Da die Wirkung des Kamins von der Höhe seiner Oberkante über der Feuerung abhängig ist, so werden die Gaserzeuger möglichst tief gelegt und die Gase in ansteigender Richtung dem Ofen zugeführt.“
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„Das in diesem Generator erzeugte Gas
ist sehr reich an Kohlenoxyd und verbrennt mit kurzer, heißer Flamme. Die
mittlere Zusammensetzung eines aus westfälischer Steinkohle stammenden
Gases ist etwa folgende: CO2 – 3, CO – 28, CH4 – 3, H – 5, N – 61 Vol. v.
H. mit einem unteren Heizwert von 1.220 WE. für den cbm. Aus 1 kg Kohle
mit 77 v. H. C Gehalt werden circa 3,7 cbm Gas erzeugt, deren Heizwert
etwa 56 v. H. des Heizwertes der Kohle beträgt. Diese niedrige Zahl
erklärt sich daraus, daß ein großer Teil des Brennstoffs (bis zu 10 v. H.
des Kohlenstoffgehaltes) wegen der breiten Rostspalten, die bei der
geringen Saugwirkung des Schornsteins unerläßlich sind, als Koks in die
Asche geht und etwa 5 v. H. als Teer, Ruß und Flugasche ausscheiden.
Der Koks wurde zwar vielfach aus der Asche ausgesondert und die erhaltenen sogenannten ,Schröben‘ wieder zu Heizzwecken verwendet, doch war dieses mit so viel Unkosten verbunden, daß der Gedanke nahe lag, den Generator unter Verringerung des freien Rostquerschnitts mit Druckwind zu betreiben, zumal auch der Inhalt der Schmelzöfen stetig zunahm und bei der geringen Leistungsfähigkeit der Gaserzeuger ein großes Personal zu ihrer Bedienung nötig war. Man schloß deshalb den Aschenfall durch eine Tür oder einfach durch eine Blechplatte, deren Ränder mit Lehm verschmiert wurden, und blies die Luft mit einem Ventilator ein. Es zeigte sich jedoch, daß die Schütthöhe im Generator für eine höhere Windpressung zu gering war und daß sich besonders an den scharfen Ecken leicht Kanäle bildeten, durch welche die Luft unverbrannt hindurchging und ein Teil der Gase als Oberfeuer verbrannte. Die Gase waren daher reich an Kohlensäure und verließen den Erzeuger mit sehr hoher Temperatur. Ein weiterer Uebelstand zeigte sich darin, daß die Schlacke zu großen Klumpen zusammensinterte und sich an den Wänden des Schachtes ansetzte, wodurch das Röstern eine mühevolle und zeitraubende Arbeit wurde. Diese für die Gaserzeugung sehr störenden Erscheinungen werden durch die in den Fig. 2 und 3 gezeigte Konstruktion eines neueren Siemens- Generators zum Teil beseitigt. Dieser Gaserzeuger ist wohl derjenige, der für die Vergasung von Steinkohle die weiteste Verbreitung gefunden hat. Die Rostfläche ist gegenüber derjenigen des Zuggenerators vergrößert. Die Bildung von Kanälen in der Brennstoffsäule wird durch Abrundung der Ecken, durch Erweiterung des Schachtes oberhalb des Rostes und durch Erhöhung der Kohlenschicht auf etwa 1.200 mm verhindert. Die Luft wird mit einem Druck von 20–60 mm Wassersäule durch ein Dampfstrahlgebläse unter den Rost gedrückt. Der Dampf erniedrigt die Temperatur im Gaserzeuger und beschränkt dadurch das Zusammensintern großer Schlackenklumpen. Zum Aufgeben der Kohle dient ein in der Mitte des Schachtes befindlicher runder Fülltrichter, der so eingerichtet ist, daß der in den Schacht hineinreichende, dem Verbrennen am meisten ausgesetzte, konische Teil leicht ausgewechselt werden kann. Das Entweichen von Gas aus dem Fülltrichter verhindert ein doppelter Verschluß. Den unteren Abschluß bewirkt ein Kegel, der unter Zwischenschaltung einer runden Stange an einer Kette aufgehängt ist…“
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„Bei den neueren Siemens-Gaserzeugern
werden, wie in Fig. 2 und 3 angedeutet, gewöhnlich vier Schächte zu einem
Block vereinigt, einerseits um die Strahlungsverluste zu vermindern,
andererseits um eine gleichmäßige Gaszusammensetzung zu erzielen. Zu
letzterem Zweck werden die vier Schächte der Reihe nach in gleichen
Zeitabständen beschickt, so daß die Kohle sich in jedem Schacht in einem
anderen Zustand der Entgasung befindet. Die Gasabzüge sind in den
zusammenstoßenden Ecken der Schächte angeordnet; jeder einzelne ist durch
einen Schieber absperrbar. Oberhalb der Schieber vereinigen sich die
Abzüge in einem Kasten, von dem aus das Gas durch eine schmiedeeiserne
Leitung weitergeführt wird. Die Bedienungsbühne dieser Gaserzeuger liegt
bei älteren Anlagen meistens auf Flurhöhe, bei neueren häufig soviel über
Flur, daß die Kohle aus den Eisenbahnwagen unmittelbar auf dieselbe
entladen werden kann… Ein Schacht setzt in 24 Stunden 3000 bis 4000 kg
westfälischer Kohle durch. Die mittlere Zusammensetzung des Gases aus
einer Kohle mit 77 v. H. C ist ungefähr folgende in Vol. v. H.: CO2 – 5,
CO – 23, CH4 – 3, H – 13, N – 56, mit einem unteren Heizwert von 1.280 WE.
für den cbm. Da 4–6 v. H. des Kohlenstoffgehalts der Kohle in die Asche
gehen, so entstehen aus 1 kg Kohle etwa 4,1 cbm Gas, welche, auf
Außentemperatur abgekühlt, ca. 65 v. H. des Heizwertes der Kohle
enthalten. Die hier… angegebenen Zahlen setzen einen gut geleiteten
Betrieb mit geschulten Arbeitern voraus.“
Wahrscheinlich müssen wir uns auch die Gasgeneratoren in Hermsdorf also ungefähr wie diese hier beschriebenen Konstruktionsformen vorstellen.
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Eine frühe Beschreibung mit Gas
befeuerter Kalkofen haben wir wieder in Dingler’s Polytechnischem
Journal gefunden. Dazu sei daran erinnert, daß einer der Brüder,
Carl Wilhelm Siemens, die britische Staatsbürgerschaft angenommen
hatte und sich dort insbesondere der Stahlerzeugung und Maschinentechnik
widmete. In einem Artikel mit dem Titel Neue Verfahrungsarten zur
Gußstahl- Fabrication mittelst Regenerativ- Gasöfen von Ingenieur Carl
Wilhelm Siemens in London (Band 193, 1869) heißt es: „Der zum
Rösten der späthigen Erze und zum Brennen des anzuwendenden Kalkes von
Siemens benutzte Ofen weicht von einem gewöhnlichen Kalkofen nicht ab,
aber die zu brennende Substanz wird ohne Beimengung von festem Brennstoff
an der oberen Mündung aufgegeben. Das gasförmige Brennmaterial wird dem
Ofen an seiner Peripherie in einer gewissen Höhe über dem Boden zugeführt,
und auch im Centrum mittelst eines unter einer Haube aufsteigenden Canales.
Die atmosphärische Luft zieht in den Ofen durch die am Boden desselben
angebrachten Ausziehthüren, erhitzt sich hier durch die gebrannte Masse,
kommt dann mit den einzelnen Strömen des gasförmigen Brennstoffes in
innige Berührung, und verbrennt denselben vollständig, wodurch eine
intensive Hitze erzeugt wird. Die entstandenen Verbrennungsproducte, sowie
die Kohlensäure steigen durch die über ihnen befindliche Masse des
Röstgutes oder Kalksteines auf, führen dabei die entwickelten Wasserdämpfe
mit sich fort, wärmen die Masse vor, ehe dieselbe der eigentlichen
Brennhitze unterworfen wird, und entweichen aus der Gichtöffnung mit
verhältnismäßig niedriger Temperatur.
Einer der Vortheile dieses Rost- und Brennofens besteht darin, daß die Verbrennungsproducte denselben in Form von Kohlensäure, anstatt von Kohlenoxyd, mit dem Stickstoff gemischt verlassen, wodurch eine bedeutende Brennmaterialersparnis erzielt wird. Ein anderer Vortheil liegt in der Abwesenheit der bei der gebräuchlichen Anwendung von festem Brennmaterial kaum vermeidlichen Asche, sowie in dem regelmäßigen Betriebe, welcher sich durch Regulirung des Gaszutrittes bei continuirlichem Gange des Ofens erzielen läßt… Der Zug der Luft und des Gases durch die zu brennende Masse läßt sich beschleunigen, indem man auf dem Ofen eine Esse anbringt und in diese einen Dampfstrahl einführt. Solche Oefen können mit Vortheil zum Rösten von Erzen, sowie zum Brennen von Kalk, Cement und Gyps benutzt werden.“
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Unter dem Stichwort Kalk findet man in Meyer‘s Konversationslexikon, 4. Auflage ab 1885, ebenfalls Hinweise auf die Anwendung der Gasfeuerung zum Kalkbrennen. Dort heißt es: „In neuerer Zeit wendet man mit Vorteil Gasfeuerung beim Kalkbrennen an. Dieselbe gestattet die Benutzung jeglichen Brennmaterials, vermeidet die lästige Rauchbildung bei Beginn des Brandes, gewährt Ersparnis an Brennmaterial und größere Leistungsfähigkeit und liefert ein gutes Produkt… Die mit Gasfeuerung betriebenen Kalköfen haben bis jetzt hauptsächlich in der Zucker- und Ammoniaksodafabrikation Anwendung gefunden, wo man die aus dem Kalk ausgetriebene Kohlensäure mit den Verbrennungsgasen unter der verschlossenen Gicht ableitet, um sie in dem Fabrikbetrieb zu benutzen. Der Gaskalkofen gleicht in der innern Form etwa einem Rüdersdorfer Ofen, nur sind an Stelle der Feuerungen Gasdüsen angebracht, welche mit einem nahe am Ofenschacht herumgehenden Gaszuführungskanal verbunden werden. Die Verbrennungsluft tritt durch die noch glühenden Steine unterhalb der Düsen durch die im Boden befindlichen, mit Fallthüren versehenen schrägen Ausziehkanäle ein. An zwei Seiten des Ofens befinden sich Gasgeneratoren, aus welchen das Gas zunächst in Teersammler (zur Abscheidung der Teerdämpfe durch Abkühlung), dann in den erwähnten Gaszuführungskanal tritt. Man braucht auf den gebrannten Kalk nur 50 Proz. Braunkohle. Bisweilen werden auch die Gichtgase aus Hochöfen oder die Wärme aus Koksöfen zum Kalkbrennen benutzt und in neuerer Zeit findet auch der ursprünglich zum Ziegelbrennen bestimmte Ringofen zum Brennen von Kalk Anwendung…“ Die folgende Abbildung macht anhand eines gasbefeuerten Ringbrandofens nach Mendheim aus der Zeit nach 1900 sichtbar, wie das Brenngas in den Brennkanal geleitet wurde (aus G. Benfey: Die heutige Ziegelindustrie, in: Dingler’s Polytechnisches Journal, Band 322, 1907, S. 549ff).
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![]() Querschnitt (oben), Längsschnitt (Mitte) und Grundriß (unten) eines Gasbefeuerten Ringbrandofens zum Brennen von Ziegeln nach Mendheim. Links zwei Gasgeneratoren vom älteren Siemens’schen Typ, in denen durch Verschwelen minderwertiger Brennstoffe das Generatorgas erzeugt wurde. Im Längsschnitt sind unter den Brennkammern die das Rauchgas von einer zur anderen Kammer leitenden „Gaspfeifen“ sichtbar, im Grundriß bei der Kammer links unten ist deren Anordnung in der Kammersohle dargestellt.
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Aus der gleichen Quelle sei zur näheren Erläuterung der obigen Darstellung zitiert: „In den sämtlichen bis jetzt besprochenen Oefen findet die Wärmeentwicklung durch direkte Zuführung der Brennmaterialien auf Rosten oder Heizschächten statt, daneben hat man sich schon seit etwa 30 Jahren bemüht, auch die Gasfeuerung für die Herstellung derjenigen Warengattungen heranzuziehen, die uns hier beschäftigen. Zunächst geschah dies um den Einsatz, besonders, wo derselbe aus wertvoller Ware, wie Verblender, (oder) Terrakotten-Dachziegel bestand, den Einflüssen direkter Flammenwirkung zu entziehen; dann aber auch um minderwertige Brennmaterialien, wie besonders die leichten, wasserreichen Braunkohlen, verwerten zu können… In dem Mendheim‘schen Gasofensystem (Fig. 52) wird das Gas zunächst auf abseits gelegenen Generatoren erzeugt, dann durch Kanäle an beiden Seiten des Ofens geführt. Aus diesen Kanälen gelangt es unter diejenige Kammer des Brennkanals, die durch die überführte Wärme der vorigen Kammer genügend zur direkten Befeuerung vorgewärmt ist, mischt sich unter der Sohle der Kammer in genau durch Ventile einstellbarem Verhältnis mit der erwähnten erhitzten Luft, entzündet sich, und tritt entweder durch die Sohle oder von beiden Querwänden der Kammer hinter Feuerbrücken, überschlagend, in die Kammer ein.“
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Ganz ähnlich, wie beim Hoffmann’schen
Ringbrandofen auch (siehe unseren Beitrag zum Dolomitabbau in
Hinsichtlich der Gasfeuerung hat Siemens Alles gethan, was von dem Ziele entfernen kann; der Erfolg seiner Apparate beweist mehr als alle von ihm gemachten Versuche, daß eine gesteigerte Temperatur der zu vereinigenden gasförmigen Körper nur Nachtheil und nicht Vortheil bringt.“ Herr Schinz wurde noch drastischer, indem er schrieb: „Ich werde im Folgenden beweisen, daß … die Regenerativ- Oefen ein modernes Perpetuum mobile sind, welches auf Täuschung beruht,“ womit er allerdings nicht auf die Gasfeuerung an sich, sondern auf die „Regeneratoren“ – also auf die Konstruktion der Wärmetauscher – anspielte. Natürlich hatte Herr Schinz dahingehend Recht, daß auch der beste Wärmetauscher keine vollständige Rückgewinnung der Prozeßwärme gestattet. Mit umfangreichen Berechnungen zeigte er – unter anderem am Beispiel des „Dresden’er Ofens“ – daß die Brennstoffersparnis aus thermodynamischen Gründen so hoch, wie angepriesen, gar nicht sein kann und kommt zu dem Schluß, daß „mit den Siemens'schen Oefen mehr Geld ausgegeben wird als mit den alten. Im Widerspruch mit dem Siemens'schen Programm, welches die in vielen Fällen höchst vortheilhafte Verwendbarkeit der schlechtesten Sorten von Brennmaterial, wie Kohlengrus, Koksabfall, Lignit und Torf in Aussicht stellte, kann man also thatsächlich in den Regenerativ- Oefen nur mit größeren Kohlenstücken Glas schmelzen, während die alten Oefen Kleinkohle zu verwenden gestatten.“ Andere Autoren kommen zu einem anderen Urteil über die Gasfeuerung nach Siemens’schem Prinzip. Ein Hermann Pütsch schrieb 1866 (Band 180 des Polytechnischen Journals) über Gasfeuerung mit Regeneratoren, mit besonderer Bezugnahme auf die Siemens'schen Constructionen für Glasöfen: „Die Verwandlung der Brennmaterialien in Gas, behufs Erzeugung hoher Temperaturen, ist so allgemein als vortheilhaft anerkannt, daß eine Besprechung des Nutzens dieser Art Feuerungen nicht mehr nöthig ist. Auch die Anwendung von Vorwärmapparaten für die Luft, welche zur Verbrennung der erzeugten Gase dient, ist theoretisch und praktisch als günstig wirkend festgestellt. Die sogenannten Regenerativ- Oefen, deren Princip hinreichend bekannt ist, haben den Zweck, sowohl die zur Verbrennung kommenden Gase, als auch die Luft, welche die Verbrennung unterhält, vorzuwärmen. Daß diese Oefen ausgezeichnete Resultate liefern können, haben die von dem Erfinder Hrn. Friedrich Siemens erbauten Oefen gezeigt, wenn dieselben auch, namentlich die für Glasfabrication bestimmten, nur kurze Zeit diese Resultate geben, und selbst von geringer Dauer und Haltbarkeit waren. Die nutzbringende Wirkung der diesem Ofensystem eigenthümlichen Regeneratoren ist wissenschaftlich nur von Hrn. C. Schinz in Frage gestellt worden, während andererseits alle Praktiker ziemlich einig sind, daß das Princip ein ausgezeichnetes, und nur die bisherige praktische Ausführung eine mangelhafte war...“
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Mit diesem Satze nun sind wir eigentlich
wieder am Anfang angekommen, denn ein gleichartiges Urteil fällten 1867
auch G. Wunder,
A. Herbrig und A. Eulitz in ihrem Gutachten, „daß die zu
Hermsdorf erzielten, höchst ungünstigen Resultate nicht sowohl einer
Unrichtigkeit des von Siemens zur Anwendung gebrachten Princips
zuzuschreiben sind, als vielmehr der mangelhaften Art und Weise, in
welcher das an sich richtige Princip zur Anwendung gebracht worden ist.“
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Über die Fortentwicklung der Gas-
Generatoren in den nachfolgenden Dezennien kann man dann anonym verfaßten
Berichten aus dem Jahr 1885 Über neuere Gasfeuerungen (Band 257)
und aus dem Jahr 1887 Über Gasfeuerungen (Band 266) im
Polytechnischen Journal entnehmen: „Die in den letzten sieben Jahren
kund gewordenen Bestrebungen auf dem Gebiete der Gasfeuerung lassen uns
erkennen, daß, da die Prinzipien der Bildung der Brenngase und ihrer
Verbrennung fest begründet sind, die Aufgabe der Constructeure darin
gesucht werden muß, diesen Prinzipien durch angemessene Construction für
die Praxis brauchbare Gestaltung zu geben. Denn in dem Neugebotenen ist
von durchschlagenden neuen Gesichtspunkten wenig zu verzeichnen, die
Erfinder haben sich vielmehr zum größten Theile begnügt, durch
Einzelconstructionen das Vorhandene zu verbessern…
In richtiger Erwägung, daß bei der indirekten Gasfeuerung, bei welcher das Gas bekanntlich in besonderen Generatoren erzeugt und der Verbrauchsstelle durch längere oder kürzere Leitung zugeführt wird, durch die Abkühlung der Gase und durch unvermeidliche Condensation der Theerdämpfe u.s.w. nicht unerhebliche Brennmaterialverluste entstehen, haben die Constructeure vielfach sich der direkten Gasfeuerung zugewendet, bei welcher der Generator der Verbrauchsstelle dicht angebaut ist…“ Dabei mischten natürlich auch die Brüder Siemens wieder mit: „Sir Charles William Siemens hat sich einen Generator in den verschiedensten Anordnungen patentiren lassen (D.R.P. Nr. 16223 vom 2. Februar 1881 und Zusatzpatente Nr. 20726 und 26094 vom 8. März 1882 bezieh. 9. August 1883), dessen Eigentümlichkeit darin besteht, daß nicht nur Wasserdampf in das Innere des Generators geführt, sondern auch die zur Gasbildung erforderliche atmosphärische Luft vorgewärmt wird… C. W. Siemens in London … hält den Regenerator für überflüssig, wenn die Vergasung im Generator durch vorgewärmte Luft erfolgt.“
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Schnittdarstellung eines Tiegelofens zur Stahlherstellung mit zwei „Regeneratoren“ nach dem Siemens’schen Prinzip. Bildquelle: Meyer’s Konversationslexikon, 4. Auflage (ab 1885), Band 6.
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Wir wissen also nun, daß zwischen 1857
und 1862 die ersten mit Generatorgas befeuerten Brennöfen in Deutschland
aufkamen und daß schon vor 1867 auch wenigstens einer der damaligen
Kalköfen in Hermsdorf mit Gasbefeuerung ausgerüstet gewesen ist. Auf
späteren Zeichnungen findet man dann schon einen „1.“ und einen
„2. Gasofen“, wobei diese Bezeichnungen dem mittleren Rüdersdorfer und dem
nördlichen Schachtofen zugeordnet sind. Wo aber haben die Generatoren
gestanden, wie könnten sie ausgesehen haben und welcher der Öfen war wohl
wirklich der erste, der mit Gas befeuert worden ist ?
Anhand des auf unsere Tage überkommenen Anlagenbestandes des einstigen fiskalischen Kalkwerkes ist dies nicht mehr nachzuvollziehen. Wir greifen daher noch einmal auf einige der oben schon gezeigten Fotos aus den 1920er Jahren zurück, um darauf nach Hinweisen zur Anordnung der Generatoren – zumindest noch zu dieser Zeit – zu suchen.
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![]() Noch einmal einige der historischen Aufnahmen vom Kalkwerk Hermsdorf/E.: Die Gichtbühne eines der Schachtöfen, wohl die eingehauste des mittleren Ofens, Foto: Alfred Börner, 1936. Von den Förderanlagen und Gichtbrücken ist freilich nichts mehr erhalten geblieben.
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![]() Hermsdorf, Kalkwerk, Arbeiter beim Kalkziehen, nach unserer Einschätzung am südlichen (runden) Schachtofen. Foto: Alfred Börner, 1936. |
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![]() So ungefähr etwa muß man sich diese drei Schachtöfen in den 1930er Jahren entsprechend den historischen Fotos wohl vorstellen. Vermutlich wurden von den zu dieser Zeit am alten Kesselofen bestehenden Generatoren aus alle drei Brennöfen mit Gas versorgt. Alle drei Öfen haben längst auch einen Schornsteinaufsatz erhalten, wie er schon um 1867 im Facius'schen Kalkwerk zu Raschau gebaut worden ist; dort eigentlich, um mehr Zug zu erzeugen und um Zwickauer Steinkohle als Brennstoff verwenden zu können.
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![]() Der Zustand heute: Der große Ringbrandofen und auch der alte Kesselofen existieren nicht mehr. Von den beiden Schachtöfen sind die Umfassungen der Feuerungs- und Abzugsebenen sowie die in den 1920er Jahren zuletzt modernisierten Brennschächte etwa bis zur Höhe der Gichtbühnen noch erhalten geblieben. Die baufälligen Ofenschächte wurden
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![]() Zustand der beiden erhaltenen Brennöfen im Jahr 2020: Vorn der um 1826 erbaute Rüdersdorfer Ofen, im Hintergrund der nördliche, 1856 errichtete Schachtofen.
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![]() Die dem einstigen Tagebau zugewandte Seite des Rüdersdorfer Ofens. Das Geländeniveau wurde auf dieser Seite um etwa 2 m aufgefüllt.
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![]() Ein Blick in den Umgang um den Ofenschacht im Niveau der Kalkabzüge.
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![]() Die Ofentore in diesem Niveau sind allerdings zugemauert.
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![]() Der Ofenschacht wird mit ziemlich mächtigen eisernen Ringankern zusammengehalten.
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![]() Der neue Schachtofen im Jahr 2020. Auch hier wurde das rückwärtige Geländeniveau aufgefüllt. Gegenüber dem Zustand
der Brennöfen im Jahr
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![]() Einige der Abzüge aus der letzten Betriebsphase sind noch an ihrem Platz…
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![]() ...könnte fast noch funktionieren. Diese Konstruktion erinnert uns stark an Rollenschnauzen, ist sicher aus dem Bergbau übernommen worden und wohl jüngeren Datums, als die Fotos aus den 1920er Jahren.
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![]() Probieren wir aber lieber nicht, denn andere Verschlüsse hat der Rost inzwischen zu Boden geworfen.
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![]() Einen Blick in den Ofenschacht und vielleicht auf die Anordnung der Gaspfeifen erlauben die Abzüge auch hier leider nicht mehr.
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![]() Ein alter Ventilator ist auch noch da. Der Zustand der
Brennöfen im Jahr
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Hoffen wir darauf, daß die Werksleitung ‒
wenn die Arbeiten in Hermsdorf einmal ganz beendet werden ‒ diese beiden
interessanten Sachzeugen als Technische Denkmale bewahrt. Bis dahin wäre
es ihrer Erhaltung schon sehr förderlich, wenn man den Anflugbewuchs von
ihren Mauern entfernen würde.
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Walther´s
Kalkbruch bei Hermsdorf
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Wir bleiben übertage: Nach der Besichtigung der übertägigen Anlagen marschierten wir das Gimmlitztal aufwärts und schauten uns hier noch an, was vom ehemaligen Walter- Bruch noch zu finden ist...
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Lage des Kalksteinbruchs des Walther´schen Kalkwerkes südlich von Hermsdorf. Quelle der Hintergrundkarte: geoportal.sachsen.de
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![]() Das von Fichtenwäldern gesäumte Gimmlitztal oberhalb des staatlichen Kalkwerkes.
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![]() Der Bruch liegt am Nordhang des Tals etwas im Wald versteckt: Den Blick auf die alten Abraumhalden gerichtet, läuft man an dem Zugang zum Tagesbruch fast vorbei...
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![]() Die Zufahrt versperrt eine Schranke und ein Schild warnt vor der Gefahr abrutschender Felsblöcke im alten Steinbruch. Man sollte es ernst nehmen, auch wenn auch in diesem Steinbruch die meisten der Bruchstöße längst verrollt und wieder bewachsen sind.
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![]() Gleich rechts der Rampe sieht man noch alte, untertägige Abbaue, die aus dem Tagebau heraus aufgefahren worden sind. Wie man auch gleich von hier aus sieht, wurden sie nach der Abbaueinstellung dauerhaft verschlossen.
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![]() Mit der nötigen Vorsicht mag es uns erlaubt sein, die Rampe auch bis in den alten Steinbruch einmal ganz hinunter zu laufen.
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![]() Die abgekippten Gehölze zeigen deutlich an, daß die Bruchstöße noch nicht zur Ruhe gekommen sind.
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![]() Einzelne Einschläge in die Steinbruchstöße sind noch en Stück weit offen...
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![]() ...auch wir schauen - aber nur mittels Zoom - einmal unter das gebräche Hangende und finden, daß die Zugänge zum untertägigen Baufeld auch hier verschlossen sind. Das unkalkulierbare Risiko, nur um den Beton von Nahem zu betrachten, ist uns den Einstieg hier nicht wert...
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![]() Von den Bruchwänden halte man sich vorsichtshalber lieber fern. Im Geröll findet man trotzdem noch das eine oder andere Stück mit Kalkstein- Schmitzen im Glimmerschiefer.
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![]() Deren gelbbraune Farbe weist darauf hin, daß die tagesnahen Lagen dolomitisiert sind.
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![]() Weiter links im Bruch entdeckt man ein kleines Häuschen...
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![]() ...und beim Blick durch die Vergitterung sieht man, daß dies ein recht geräumiger Flucht- und Wetterschacht aus der letzten Betriebsphase des untertägigen Abbaus ist.
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![]() Gegenüber findet man noch einen zweiten Schacht...
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![]() ...und der Blick durch die Abdeckung mit alten Schienen zeigt, daß dieser tonnlägig hinunter zu den alten Abbauen führte.
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Viel mehr ist von den einstigen Anlagen des Walter- Bruches jedoch nicht auf unsere Zeiten überkommen. Tatsächlich dehnte sich das untertägige Abbaufeld zuletzt bis unter den Walter- Bruch und noch ein ganzes Stück nach Nordosten aus. Die folgenden Aufnahmen entstanden bei unserem Besuch im Frühjahr 2020. Dank unserer angemeldeten Besichtigung hatten wir noch einmal das Vergnügen einer Befahrung der Abbaue untertage; dort, wo die Lader zuletzt noch zugange gewesen sind. |
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![]() Unser „Taxi“ parkt neben einem „ordentlichen“ Lüfter.
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![]() Der steht neben dem Pumpensumpf.
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![]() An diesem zentralem Platz im Grubengebäude hat der Betreiber ein paar Maschinen zu einem kleinen „Museum“ zusammengestellt. Hier gleisgebundene Ladetechnik, wie wir sie auch aus dem Erzbergbau kennen...
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![]() Ein Bohrgerät...
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![]() ...und eines mit Doppellafette.
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![]() Der gleisgebundene „Werkstatt- Wagen“.
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![]() Hier liegen auch noch einige „Container“ der einstigen „Kännel- Bahn“.
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![]() An diesen Bügeln waren sie eingehängt...
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![]() ...und auf solchen Rollen- Paaren liefen sie, wenn sie aus dem Zugseil ausgeklinkt waren.
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![]() Der Fuß eines hier einkommenden Schrägschachtes.
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![]() Auf den breiten Schienen neben der Stiege lief einst ein Schrägaufzug für Hunte.
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![]() Andere Station und für uns fast nicht auszuleuchten: Eine der Abbaukammern. Auf den drei Gleisen liefen die kleinen Lader hin und her, die wir oben schon gesehen haben.
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![]() Später löste Radtechnik die gleisgebundene Technik ab.
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![]() Hier hängen noch die Wetter- Lutten: Eine der allerletzten Abbaukammern.
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![]() Obwohl der feine weiße Staub einiges verdeckt, sieht man an dieser Ortsbrust, wie das Kalklager auskeilt und aus dem Liegenden schwarzer Glimmerschiefer auftaucht.
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![]() An diesem Kammerstoß zieht aus dem Hangenden ebenfalls der Schiefer ein. Das Lager dazwischen ist für moderne Technik kaum noch bauwürdig: Man müßte die Kalksteine ausklauben...
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![]() Der Kontakt zwischen Marmor und Schiefer ist häufig sehr scharf ausgebildet.
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![]() Noch eine andere Station unserer Besichtigung: Das Wetter- Überhauen zum alten Stollen.
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![]() Diese Ausbau- Art haben wir doch von übertage schon gesehen... Wir stehen jetzt auf der Sohle des Stollns aus dem Jahr 1934.
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![]() Auf dieser Sohle befand sich auch die zentrale Kompressorenstation.
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![]() Es steht alles noch genau so da, wie im Jahr 2002. Ob man wohl nochmal einschalten könnte ?
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![]() Wenn man nicht so genau hinschaut, scheint alles noch in Ordnung...
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![]() Na ja - bei genauerem Hinschauen wäre wohl doch erstmal eine Durchsicht fällig...
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![]() Einigen Teilen hat sich der Rost doch schon ganz schön angenommen. Will man die Technik
noch einmal in Betrieb sehen, blättere man zurück ins Jahr
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Kalksteinabbau
am Schwerdtweg bei Holzhau
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Das war noch offen... Ohne die Hinweise aus der Bergbaumonographie hätten wir dieses Vorkommen wohl gar nicht bemerkt, denn auch auf den alten geologischen Karten ist es nur noch als Kalkschiefervorkommen und erloschener Abbau vermerkt. Die folgenden Aufnahmen entstanden im Spätherbst 2020.
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Die Lage der Relikte des Kalksteinabbaus am Schwerdtweg bei Holzhau. Quelle der Hintergrundkarte: geoportal.sachsen.de
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Nach Holzhau kommt man auch noch mit der Eisenbahn. Also mit der Freiberger Eisenbahngesellschaft.
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So schick die neuen Triebwagen auch sind, so sehr dauert der Zustand des alten Bahnhofsgebäudes...
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Was kann man aber auch damit heute anfangen ?
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Wir interessieren uns aber eigentlich auch weniger für die Geschichte der Bahnstrecke, als vielmehr für den Standort der Verladestation, an der die Kännelbahn einst endete. Der muß irgendwo dort am Ostende des Bahngeländes gewesen sein....
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Na schau mal an: Der Heimatverein Holzhau hat doch eins der "Kännel" aufgehoben und wieder schick hergerichtet !
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Es ist sogar noch mit Marmor- Split beladen.
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Und damit alle wissen, was das gewesen ist, steht auch eine Erläuterungstafel daneben. Sehr schön !
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Nur von der Bunkeranlage ist halt nicht mehr, als nur ein paar bescheidene Mauerreste am Hang geblieben.
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Also drehen wir um, marschieren ein Stück durch´s Dorf und suchen einen Weg hinauf zum Drachenkopf. Hier scheint die Welt noch in Ordnung: Holzhau im Herbst ist eine idyllische Streusiedlung. An der Straße unten im Tal der Freiberger Mulde - die hier noch ein größeres Bächlein ist - sind wir immerhin schon auf etwa 600 m Höhe.
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Wir haben uns dafür entschieden, linkerhand der Feuerwehr den N-Weg zu nehmen. Als erstes fallen uns die Hainbuchen- Bestände auf... Wo die gern wachsen, wird der Boden kalkhaltig sein.
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Die Wahl dieses Weges erwies sich allerdings als suboptimal - die Sonne schien auf den Hang und es geht sehr, sehr steil bergauf... Umso mehr freut man sich als Wanderer dann, oben angekommen, über solche schönen, privat gesponserten Ruhebänke.
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Die Kreuzung mit dem Schwerdtweg. Hier an der Wegkreuzung sind wir schon in zirka 726 m Höhe. Wir wenden uns zunächst nach Nordosten, denn wir wollen sehen, ob von der Kännelbahn denn auch im Gelände noch etwas zu sehen ist.
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Nun - eigentlich nicht. Wir vermuten, daß die Bahn einst diese Schneise entlang vom Holzhau'er Bahnhof zum Drachenkopf hinauf geführt hat. Mit schon etwa 790 m Geländehöhe dürften wir hier auch fast am höchsten Punkt der Kännelbahn stehen. Nach Norden ist die Schneise fast schon wieder gänzlich zugewachsen... Also war´s für uns nur eine schöne Bergwanderung an diesem warmen Spätherbsttag und wir kehren auch hier wieder um.
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Was uns im Wegschotter hier oben auffällt, ist der Quarzporphyr.
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Auf den alten geologischen Karten des Königreichs Sachsen ist der mächtige und etwa in Süd- Nord- Richtung verlaufende Gang des Teplitzer Quarzporphyrs noch dunkelgrün markiert und mit ,PG´ bezeichnet. Das Kürzel steht für "Granit- Porphyr". Üblicherweise werden Ergußgesteine heute meist rot oder violett markiert. Westlich davon liegt eine kleine, mehr gelblichgrün dargestellte Phyllitscholle auf dem (rötlich horizontal schraffiert dargestellten) Muskovit- Gneis (mgn) und - unten im Tal - hellbraun dargestelltem Biotit- Gneis (gnk). Das unscheinbare ,k´ in dem grünen Fleckchen ist der einzige Hinweis darauf, daß dort Kalkphyllite abgebaut worden sind.
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Und da wollen wir jetzt hin und folgen deshalb dem Schwerdtweg nun nach Westen, wieder recht steil talabwärts in Richtung des Brettellenwegs. Auch hier stehen jede Menge Hainbuchen...
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Von oben kommend, ist das erste, was man bemerkt, dieses etwa 20 m breite Haldenplateau rechterhand des Schwerdtweges.
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Dreht man sich an dieser Stelle zum Abhang, entdeckt man diese "umgegraben" erscheinenden Geländekonturen.
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Um diese Jahreszeit kommt man hinlänglich durch das Unterholz und schaut alsbald in diesen Einschnitt...
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...hinter dem sich ein - wenn auch schon stark verrollter, so doch noch recht eindrucksvoller - Steinbruch verbirgt. Hier der Blick auf die Nordseite...
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...und auf die Südseite des schräg zum Hang etwa SSW- NNO- streichenden Einschnittes. Die Bruchwand ist rund 10 m hoch gewesen und hat eine Breite von etwa 30 m.
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Wir krabbeln weiter bergauf, um uns einen Eindruck von oben zu verschaffen...
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...und entdecken zunächst ein weiteres Haldenplateau.
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...und oberhalb des ersten finden wir noch einen zweiten Tagebau. Auch der ist rund 25 m weit in den Hang gegraben und hat an seinem Südende eine Tiefe von rund 12,5 m.
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Auch hier krabbeln wir den steilen Hang hinauf...
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Von oben ist der Anblick noch eindrucksvoller, als beim unteren Tagebruch.
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Der Blick hinunter auf die auf der Höhe der Tagebausohle an den Hang geschüttete Halde.
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Noch einmal von unten gesehen. Vom Schwerdtweg aus sind es rund 100 m in der Horizontalen bis zum oberen Bruch. Rund 60 m östlich des oberen ist noch ein dritter Steinbruch im Schummerungsbild des Geoportals deutlich zu erkennen. Ursprünglich sollen es einmal
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Wieder am Schwerdtweg: Der Blick bergauf zur oberen Halde an der Talseite des Weges.
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Unterhalb der ersten liegt noch eine zweite Halde an der Talseite des Weges...
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...und auch am Gehänge oberhalb liegt noch ein weiterer Abraumhügel.
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Ein paar Lesesteine aus dem Haldengeröll: Es überwiegt ein dunkler, recht feinkörniger, teils quarzstreifiger Muskovit- Gneis.
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Daneben tritt ein leicht grünlich gefärbter Serizit- Chlorit- Phyllit auf. Zusammen mit Quarzknauern sieht man darin gelegentlich dünne Ankerit- Äderchen.
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Sehr selten sind solche kleinen weißen Flecken metamorphen Kalksteins in den Muskovit- Schiefer eingesprengt zu finden, wie hier bei dem linken Stück. Das kann eigentlich kaum bauwürdig gewesen sein...
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Damit haben wir aber eigentlich auch das Wesentliche gesehen und wandern weiter talwärts zum Brettellenweg.
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Links der Brettellenweg und rechts führt von hier aus der Schwerdtweg steil bergauf. Auf halber Höhe des Hanges rechts liegen die alten Kalkschieferbrüche.
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...und dann sind wir auch gleich wieder in Holzhau.
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Hier unten an der Straße steht dickbankiger bis massiger Biotit- Gneis an.
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Ein letzter Blick, schon auf der Rückfahrt, von der Staatsstraße Frauenstein - Hermsdorf - Rehefeld nach Norden zur markanten Silhouette des Frauensteiner Schlosses. Bei klarer Sicht kann man von hier aus auch bis nach Freiberg schauen.
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Das war´s für dieses Mal von uns. Glück Auf! Das Team vom „u. b.“
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Weiterführende Quellen
Hinweis: Die verwendeten Digitalisate des
Sächsischen Staatsarchives stehen unter einer
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Allgemeine Quellen
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