schließen

 

Ein Beitrag von www.unbekannter-bergbau.de

  

Zur Lage und Region
Topographische Lage
Thesen zur Frühgeschichte von Moldava / Moldau und Umgebung
Zur jüngeren Regionalgeschichte
Zur jüngsten Geschichte
Zur Geologie
Kurzer Abriß zum Fluorit- Baryt- Bergbau in der Tschechischen Republik
Zur Geologie der Flußspat- Lagerstätte Moldava / Moldau
Geologische Erkundungsarbeiten im Umfeld der Lagerstätte Moldava / Moldau
Mineralien aus der Grube Moldava / Moldau
Zur Montangeschichte

Zur älteren Montangeschichte von Moldau / Moldava und der näheren Umgebung
Zur jüngeren Montangeschichte von Moldau / M
oldava
Betriebseinstellung und Rückbau des Bergwerkes Moldava / Moldau
Verbliebene Zeugnisse
Gedanken zur Wiederaufnahme des Bergbaus in Moldau / Moldava
Weiterführende Quellen 

  

Zum Flußspatbergbau bei Moldau / Moldava

Dieser Beitrag wurde erstmals zusammengestellt im Februar 2020 und
komplett überarbeitet im Januar 2022.

Der Beitrag beabsichtigt auch nach der Überarbeitung auf keinen Fall, schon bestehende Arbeiten zu diesem Thema, wie von  J. Seikora und M. Fengl sowie P. Rezek oder weiteren Autoren zu ersetzen, sondern vielmehr diese zu ergänzen und dem interessierten deutschsprachigen Leser überhaupt zugänglich zu machen. Da von diesem Bergbau beim Rückbau der Anlagen nahezu keine Sachzeugen belassen worden sind, ist es das Anliegen dieser Veröffentlichung, eine möglichst große Menge an Informationen dem Leser in Bild und Text zu vermitteln.

Dabei gilt unser besonderer Dank

  • Herrn Ing. Ph. D. P. Rezek für die Breitstellung von Werksunterlagen des ehemaligen Bergbaubetriebes Moldava / Moldau,
  • für die Übersetzungsarbeiten des analogen tschechischen Textmaterials Herrn Dr. L. Baldauf und Herrn D. Heinrich,
  • Dank gilt Herrn H. Lausch für die Bereitstellung von Bildmaterial aus der letzten Betriebszeit der Grube Moldava / Moldau Anfang der 1990er Jahre,
  • sowie unserem Bergbaufreund P. Chaloupka für die „Versorgung“ mit wichtigen Hintergrundinformationen zum Thema Moldava / Moldau.

Weiterhin haben wir erstmalig einen Auszug aus einer bislang unveröffentlichten Arbeit der alternativen Altwegeforschung zum Thema Moldava / Moldau in diese Dokumentation eingebunden. Wir danken an dieser Stelle Herrn J. Richter aus Schneeberg für die Bereitstellung seines Manuskriptes.

Sie können diesen Beitrag auf dem Stand vom Februar 2022 Qucosa-Server der Sächsischen Landes- und Universitätsbibliothek Dresden im PDF-Format herunterladen.

https://nbn-resolving.org/urn:nbn:de:bsz:14-qucosa2-780941

  

 

 

Zur Lage und Region
 

Topographische Lage

  

Die Gemeinde Moldava / Moldau gehört zu einem kleinen Erzbergbaurevier regionaler Bedeutung in Nordböhmen. Dieses Revier reicht vom Erzgebirgskamm über die Südabdachung des Erzgebirges bis hinunter zum Egertal. Das Gebiet wird durch die Orte Moldava / Moldau im Norden an der sächsischen Grenze und Hrob / Klostergrab im Süden am Fuß des Erzgebirgsabbruches umgrenzt. Der Mittelpunkt des Erz- Bergbaureviers – Mikulov / Niklasberg – ist etwa 14 km von Teplice / Teplitz entfernt und gehörte seit frühester Zeit zum Königreich Böhmen. Die Gemeinde Moldava / Moldau gehört heute verwaltungsseitig zum Ústecký kraj / Aussiger Kreis in der Tschechischen Republik. Der Verwaltungssitz des Kreises ist Ústí nad Labem / Aussig.

   

Der kleine Ort Moldava / Moldau liegt auf dem Kamm des östlichen Erzgebirges in einer flachen Mulde mit einer durchschnittlichen Meereshöhe von 790 m. Den meisten dürfte der Ort durch den nahegelegenen und 869 m hohen Gipfel Stürmer / Bouřňák bekannt sein, der wohl eine der schönsten Fernsichten im Osterzgebirge, über den Eger- Graben und das Nordböhmische Becken hinweg, bietet. Der Name dieses Berges wird von den hier oft herrschenden, starken Winden abgeleitet.

Die Region zwischen dem Erzgebirgskamm im Süden und Südosten, der Staatsgrenze im Westen und Norden sowie dem vom Bornhauberg / Pramenác markierten Quarzporphyrgang im Osten bildet eine nur wenig nach Nordwest geneigte, von Gewässermulden sowie überwiegend nur flachen Bergkuppen geprägte Hochebene. Einzelne Porphyr- Felskuppen ragen daraus hervor.

In den Senken sammelt sich das reichliche Niederschlagswasser und hat im Verlaufe der vergangenen Jahrtausende zu großflächigen Moorbildungen geführt. Tiefer eingeschnitten haben sich die Bachläufe der Flájský potok / Flöha und der Moldavský potok / (die Freiberger) Mulde, die beide hier ihr Quellgebiet haben, aber natürlich hier noch kleine Bächlein sind. Überragt wird das Plateau vom höchsten Berg des Osterzgebirges, dem Wieselstein / Loucná (956 m).

Ganz anders präsentiert sich das Landschaftsrelief an der Südseite des Erzgebirgskammes: Um 600 bis 700 Höhenmeter bricht dort die Pultscholle steil zum Nordböhmischen Becken ab. Dieser Steilhang wird durch viele tief eingeschnittene Kerbtäler kleiner Bergbäche gegliedert, die hier schnell dem Nordböhmischen Becken zufließen (osterzgebirge.de)-

Die Entwicklung trennte im Laufe der Zeit Moldava / Moldau in einen oberen und einen unteren Ortsteil. Der obere Teil von Moldava bildet heute das Verwaltungszentrum der Gemeinde. Hier befindet sich auch der Grenzübergang nach Neurehefeld in Sachsen und der Endpunkt der Eisenbahnlinie nach Most / Brüx.

Das untere Moldava / Moldau liegt rund um die Kirche und die ehemaligen Bergwerke und ist der ursprüngliche und älteste Teil der Gemeinde. Hier findet man die katholische Kirche zur Jungfrau Maria, den Friedhof, das Restaurant und Hotel. Der untere Teil der Gemeinde ist mit dem sächsischen Ort Holzhau durch einen Grenzübergang für Fußgänger verbunden.

Die Gemeinde Moldava / Moldau besteht heute aber aus insgesamt drei Ortsteilen: Neben dem oberen und dem unteren Ortsteil noch aus Neustadt / Nové Město. Der Ortsteil Nové Město / Neustadt breitet sich am Wege von Mikulov / Niklasberg nach Moldau / Moldava aus; die Häuser verteilen sich längs der Straße. Hier befindet sich auch ein Haltepunkt der Bahnstrecke Most / Brüx – Moldava /Moldau. Der Ort wurde erst in den 1960er Jahren nach Moldau / Moldava eingemeindet und ist heute vor allem ein Erholungsgebiet; hier befindet sich ein Ski- Areal für Lang- und Abfahrtslauf und auch eine Reihe von Fahrrad- und Touristenpfaden nehmen hier ihren Anfang (moldava.cz).

  


Übersichtskarte zur Lage von Moldau / Moldava sowie der nächstgelegenen Grenzübergänge,
Quelle der Hintergrundkarte: mapy.cz.

 

Bereits im Jahre 1560 wurde in Moldava / Moldau Silbererz gefördert, das Ausbringen dieser Gruben hielt aber nicht sehr lange an.

Der Bergbau auf Stein- und Braunkohle im Bereich des Egertales gehörte nicht zum Erzbergbaurevier, ist zwar mindestens ebenso alt, taucht aber bei historischen bergrechtlichen Handlungen des Erzbergbaus, wie Verleihungen, Befreiungen und Verkäufen nicht mit auf. Der Kohlebergbau im Revier bei Hrob / Klostergrab ist dagegen erst recht spät, in Zeiten der Industrialisierung des 19. Jahrhunderts und zum Teil in Verbindung mit der Glasfabrikation, bekannt geworden.

Auffällig ist in der hiesigen Bergbaulandschaft am Südabbruch des Erzgebirges die Seltenheit ausgedehnter Pingen- und Haldenfelder, wie sie teilweise aus dem Sächsischen Erzgebirge bekannt sind. Geschuldet ist dieser Umstand wohl der Steillage der Abhänge des Gebirges, an dem sich ein Großteil des Bergbaureviers befindet. Der Bergbau ging hier hauptsächlich als Stollnbetrieb mit Blindschächten und Zwischensohlen um. Das Haldenmaterial wurde am steilen Berggehänge vor den Stollnmundlöchern einfach verkippt. Aufgrund der Steilheit und Höhe der Berggehänge entstanden häufig kaum sichtbare Haldenstrukturen, da das Haldenmaterial einfach hinab in Richtung Tal rollte.

Nur in Moldava / Moldau auf dem Erzgebirgskammbereich sind einige wenige typische Stollnhalden aufgrund ihrer Lage auf der leicht gewellten tafelartigen Hochfläche erhalten. Letzteres Bergbauareal hebt sich dadurch signifikant gegenüber den drei übrigen Teilgebieten ab. Nur auf etwas flacheren Bereichen oder in Taleinschnitten, wie etwa zwischen  Bouřňák / Stürmer und Pramenáč / Bornhauberg mitten in Mikulov / Niklasberg entstanden, allerdings nur kleine bis mittelgroße, tafelartige Haldenflächen. Der Parkplatz am Fuße der Skilifte des Bouřňák / Stürmer und besonders der vor dem Hotel Cepin sind zum Teil solche Haldenflächen. In der Stadt selbst sind weitere Haldenschüttungen mitten in der Wohnbebauung bei genauem Hinsehen noch wahrnehmbar.

  


Der sogenannte Niklasberger – Klostergraber Bergbaubezirk (nur Erzbergbau, ohne die Kohlegruben) besteht aus vier Teilbereichen (ocker markierte Flächen auf dem Kartenausschnitt). Ganz im Norden liegt Moldava / Moldau, in der  Mitte Mikulov / Niklasberg, zwischen Mikulov und Hrob das frühere Klostergraber Revier und ganz im Süden der Bergbau von Křižanov / Krinsdorf, früher auch Rýzmburk / Riesenburger Anteil, der aber aufgrund der Eingemeindung nun zu Hrob / Klostergrab gerechnet wird. Einzelne Gruben befinden sich auch außerhalb der gekennzeichneten Bereiche, dienten dabei oft auch als Wasserstolln bzw. Flachbrunnen und gehen nur teilweise auf bergbaulich-geologische Erkundungen zurück.
Quelle der Hintergrundkarte: mapy.cz.

   

 

 

Thesen zur Frühgeschichte von Moldava / Moldau und Umgebung

  

Bodenfunde aus der jüngeren Steinzeit belegen das hohe Alter der Besiedlung der nordböhmischen Gebiete. Während die geschützte Lage der Ebenen am Fuß des Gebirges ein einleuchtender Grund für eine frühe Besiedlung ist, stellt sich doch die Frage, warum auch die klimatisch wenig bevorzugten Höhenzüge des Erzgebirges ebenfalls schon früh bewohnt waren. Da ‒ einmal abgesehen von der Forstwirtschaft ‒ eine landwirtschaftliche Nutzung mit den Methoden mittelalterlicher Bauern hier kaum Erfolg und auskömmliches Leben versprach, muß es andere Gründe gegeben haben, warum dies schon früh der Fall gewesen ist.

Für eine Beantwortung dieser Frage kann die Betrachtung der vorzeitlichen Handelsrouten einen neuen Ansatz darstellen. Diesem Thema widmet sich ein bislang unveröffentlichtes und offenes Manuskript des alternativen Altwege- Forschers J. Richter aus Schneeberg, das uns in dankenswerter Weise vom Autoren zur Verfügung gestellt wurde und aus dem wir die folgenden Auszüge hier wiedergeben wollen.

  

Die osterzgebirgische Ortschaft Moldava / Moldau liegt etwa 25 km nordwestlich von Teplice / Teplitz.  Das Dorf besteht derzeit aus drei Ortsteilen: Obermoldau, Niedermoldau und Nové Město / Neustadt. Weiterhin gehörten noch die Ansiedlungen Oldřiš / Ullersdorf und Pastviny / Grünwald zur näheren Umgebung und stellten somit zwei weitere Grundsiedlungseinheiten dar, die aber heute nicht mehr erhalten sind. Unmittelbar zwischen Moldava / Moldau und  Nové Město / Neustadt liegt auch das Quellgebiet dreier wichtiger Flüße für das sächsische Gebirgsland. Das sind die Flájský potok / Flöha, Freiberger Mulde als Moldavský potok / Moldauer Bach und die Divoká Bystřice / Wilde Weißeritz. Im Südosten von Moldava / Moldau liegt auch die zweithöchste Erhebung des Osterzgebirges der Pramenáč / Bornhauberg unweit von Hrob / Klostergrab mit 909 m NN und weiter südlich bei Mikulov / Niklasberg der Bouřňák / Stürmer mit 869 m NN.

Die Entstehung der Ortschaft Moldava / Moldau, sowie der in unmittelbarer Umgebung liegenden Ortschaften ist nicht dem Bergbau geschuldet, sondern vielmehr einer ur- und frühgeschichtlichen Fernhandelsroute, die in nächster Nähe entlangführte und schon frühzeitig zu einem zollpflichtigen Handelsweg ausgebaut wurde.

Das heutige Moldava / Moldau in der Nähe der Eisenbahnlinie ist eine neuere Ortsgründung, die auch einen Teil von Niedermoldau bildet, in dessen Nähe die Kirche liegt und damit den letzten erhaltenen Teil des ursprünglichen Dorfes darstellt. Moldava / Moldau ist heute überwiegend eine Ansiedlung von Ferienhäusern, die zum Teil auf den geschliffenen Standorten der früheren deutschen Wohnbebauung errichtet sind.

Der Name Moldava (Muldaw) taucht erstmals in einer Liste der Pfarreien der Meißner Diözese aus dem Jahr 1346 auf. Doch ist diese Angabe aufgrund der Schreibweise des Namens „Muldaw“ umstritten, da dies auch auf das Städtchen Mulda hinweisen könnte (Pokorná)

Die Besiedlung des Erzgebirges bzw. die Entstehung der hiesigen Städte und Ortschaften ist nicht allein dem Bergbau geschuldet. Sie ist vielmehr verkehrshistorisch zu betrachten. Die Entdeckung der Freiberger Erze wird oft Harzer Fuhrleuten zugeschrieben, die im Lößnitzbach oder auch im Münzbach beim damaligen Christiansdorf erste Erzbrocken gefunden hätten. Doch was machten damals Harzer Fuhrleute in dem noch völlig unbekannten Christiansdorf, dem späteren Freiberg? Tatsächlich gab es auch damals schon Fernhandelsrouten, die über weite Entfernungen verschiedene europäische Metropolen miteinander verbanden und jene kleine Siedlungen, die Rastplätze der Tagesreisen bildeten und dafür schon lange temporär bekannt und genutzt wurden!

  

Wir sollten aber noch folgendes wissen: Diese Fernhandelsrouten waren anfangs und bis weit in das Mittelalter hinein keine für Fuhrwerke befahrbaren Wege, sondern vielmehr nur Pfade und Steige, die mittels Lasttier passierbar waren. Diese Routen stammen zum größten Teil noch aus ur- und frühgeschichtlicher Zeit und waren in Form von Tagesreisen zu bewältigen. Jede Tagesreise begann oder endete zu Beginn des Sonnenauf- oder Untergang an einem Rastplatz. Eine solche volle Tagesreise stellte Distanzen von 15 bis 25 km Entfernung dar, je nach Beschaffenheit des Geländes. Diese Rastplätze der Tagesreise waren wohl auch temporäre Siedlungsplätze, die sich teilweise später zu ständigen Siedlungen entwickelten oder gezielt ausgebaut worden, wie zum Beispiel Nové Město / Neustadt.

So liegt auch das Örtchen Moldava / Moldau und der umliegende Bergbaubezirk nach neuen Erkenntnissen der Altwegforschung im Verlaufskorridor früher Pfade und Steige, welche eine bedeutende, frühzeitliche Siedlungskammer im böhmischen Becken, den Raum der heutigen tschechischen Hauptstadt Praha / Prag, mit dem nördlichen Europa verbanden.

Sie führten ursprünglich

  • aus dem nördlichen Stadtgebiet von Praha / Prag:
    der mit mehreren bedeutenden Befestigungen umgebene und durch eine frühbronzezeitliche Kultur bekannte Siedlungsraum um Únětice / Aunjetitz über die kulturhistorisch und archäologisch bedeutsamen Orte Zabrušany / Sobrusan u. Želénky / Schelenken und
  • aus dem südlichen Stadtgebiet von Praha / Prag:
    Oppidum Závist (das größte böhm. Oppidum) unweit von Dolní Břežany / Unter Breschan und Hradiště Butovice (inmitten des Stadtteils Nr. 5 in Praha / Prag) als herausragende Befestigungen bzw. Siedlungen der Frühzeit über Bílina /  Bilin als Pfade, Steige oder sogenannte Saumwege für Fußgänger und Lasttiere über das Erzgebirge in Richtung Christiansdorf, dem späteren Freiberg, der im Hochmittelalter größten Stadt der Markgrafschaft Meißen. Anzumerken wäre hier noch die Entfernung von Nové Město / Neustadt nach Frauenstein von 19 km und weiteren 19 km bis zum Schloß Freudenstein in Freiberg als Tagesreisen.

Beispiele für die zeitliche Einordnung dieser Wegverläufe lassen sich aus folgenden, frei zitierten Beiträgen ableiten:

Für Únětice / Aunjetitz:

Archäologische Funde belegen eine frühzeitliche Besiedlung des Gemeindegebietes um Únětice / Aunjetitz. „Im Jahre 1879 entdeckte der tschechische Arzt und Archäologe Čeněk Rýzner aus Roztoky u Prahy bei archäologischen Untersuchungen am Feldweg von Aunjetitz nach Rostoky unweit des Hügels Holý vrch vier Knochengräber. Rýzner führte ab 1880 mit Unterstützung von Einwohnern am Holý vrch weitere Ausgrabungen durch. Dabei wurde ein aus 70 gemeinschaftlichen Hockergräbern bestehendes frühbronzezeitliches Gräberfeld aufgefunden.“ (wikipedia.org: Únětice u Prahy)

Für Želénky / Schelenken:

„Der seit den 1930er Jahren mit dem Abraum der Grube Konkordia überkippte Želénský kopec (Rother Berg) gehörte zu den bedeutenden archäologischen Fundstätten in Böhmen, deren Funde von der Altsteinzeit bis ins 9. Jahrhundert datieren. Auf ihm wurden u. a. eine Siedlungsstätte der Knovízer Kultur sowie eine frühchristliche Hügelgrabstätte mit reichhaltigen und außergewöhnlichen Goldschmuckbeigaben entdeckt.“ (wikipedia.org: Želénky)

Zabrušany hradište, eine prähistorische und frühmittelalterliche befestigte Siedlung.

Die älteste Befestigungsanlage stammt nachweislich aus der Jungsteinzeit (Trichterbecherkultur). Im neunten Jahrhundert wurde eine letzte befestigte Anlage gebaut. Ihre Bedeutung verlor sie in der zweiten Hälfte des 10. Jahrhunderts als Bílina /  Billin (Bílina hradište) zum Verwaltungszentrum / Handelsplatz (Přemyslovci / Přemysliden) der Region wurde.
( archeologiesevernichcech.webnode.cz: Slovanské hradiště Zabrušany )

Zum Oppidum Závist:

„Es erstreckte sich in seiner größten Ausdehnung auf eine Fläche von rund 150 Hektar, die von Verteidigungsanlagen von fast 10 km Länge umgeben waren. Der Hügel wird Hradiště ob Závist genannt. Das Oppidum bestand seit dem 6. Jahrhundert vor Christus, wobei der Platz bereits mindestens seit der Spätbronzezeit besiedelt war.“ (wikipedia.org: Oppidum Závist)

   

„Der Handel in mittelalterlichen Zeiten stand unter der Kontrolle der weltlichen und geistlichen Obrigkeit. Die damit verbundene Pflicht zur Entrichtung von Zöllen, Schutz- und Geleitgeldern versprach Reichtum und Macht. So entstanden am Wegesrand als “befestigte Posten“ die heute noch bekannten Burgen und Klöster. Als Beispiele wären für unsere Betrachtung hier hrad Rýzmburk / Riesenburg und Cisterciácký klášter Osek / Zisterzienserkloster Ossegg  auf böhmischer Seite sowie die Burgen Rechenberg und Frauenstein auf deutscher Seite zu nennen.  

Für die Altweg-Forschung sind die genannten mittelalterlichen Bauwerke beachtenswerte Wegweiser. Das Auffällige daran: Die Peter&Paul-Kirche in Bílina /  Billin, das Kloster Ossegg, die Burg Rechenberg und der Dom zu Freiberg liegen z.B. beinahe exakt auf einer Linie. Dies ist kein Zufall. In der modernen Altweg-Forschung geht man von drei grundlegenden Prinzipien unserer Vorfahren aus: 

  1. Kontinuität der Wegnutzung über sehr lange Zeiträume, d. h. über alle kulturellen  Epochen von der Steinzeit bis ins Mittelalter hinweg,
  2. kurze bzw. geradlinige Wegführung,
  3. Die Wege werden u. a. von befestigten Anlagen flankiert.“

Gestützt auf diese Erkenntnisse läßt sich der ursprüngliche Verlauf der Trassenführung über die Pässe um Moldava / Moldau folgendermaßen darstellen:

Hauptpässe: Žebrácký roh / Bettlerecke (auch “Deutsches Tor“ genannt) und Neuhermsdorf als Urpfad oder Steig zum einen in südöstliche Richtung bis an die mittlere Donau, in das neolithische Siedlungszentrum im Großraum um die heutige serbische Hauptstadt Belgrad (Vinča-Kultur) und zum anderen in nordwestliche Richtung bis in den Magdeburger Raum, mit der Kreisgrabenanlagen von Pömmelte / Zackmünde als dem größten geschlossenen Großsteingräbergebiet Mitteleuropas bei Haldensleben (Trichterbecherkultur) und weiter in Richtung Elbmündung / Nordsee  zurückverfolgen.“

 


Der Hauptverlauf der ur- und frühgeschichtlichen Fernhandelsroute in modernen Kartenmaterial grob dargestellt. Geht man in das Detail des Routenverlaufs, finden sich noch mehr Belege für Lokalitäten frühzeitlicher Kulturen. Doch würde dies den Rahmen zum Thema Moldava / Moldau bei weitem überschreiten.

   


Diese Karte zeigt die Verteilung der bedeutendsten, urgeschichtlichen Befestigungen u. Siedlungen (mehrphasig, beginnend in der Jungsteinzeit) auf dem kürzesten Weg zwischen dem Großraum Prag und dem Erzgebirge. Man erkennt einen zirka 9 km breiten Verkehrskorridor mit den Zielorten Bílina / Bilin, Duchcov / Dux und Teplice / Teplitz. Die Länge des Korridors liegt bei etwa 130 km, wenn man als Beginn bzw. Zielorte Prag (Oppidum Zavist) und Freiberg annimmt.

Erklärung der Markierungen im Kartenmaterial:

schwarz                Burgen/Siedlungen der Ur- und Frühgeschichte
schwarz/blau  Burgen frühes Mittelalter (Hauptburgen der Přemysliden)
blau Doppelring    Hradiště Bílina (frühes Mittelalter) 
blau                      Burgen Hochmittelalter
gelb                      Kloster Hochmittelalter  (Benediktiner / Zisterzienser)
grün                     bedeutende Pässe/Grenzübergänge (Meißner Landestore)
rot                        Siedlungsgebiet Moldava

   

„Wir können wohl mit Sicherheit davon ausgehen, daß es sich bei dem genannten Verlauf um eine Hauptroute der neolithischen Migration handelt. Die frühbronzezeitlichen  “Aunjetitzer“ nutzten ihrerseits diesen Weg bei ihrer Wanderung Richtung Norden. Ein wichtiger kultureller Wegweiser aus dieser Zeit in Sachsen ist der Schloßberg von Mutzschen. Auf ihm befand sich eine der wenigen gesichert dieser Kultur zugehörigen Höhensiedlungen in ganz Mitteldeutschland. 

Ein natürlicher Wegweiser ist der Vrch Tří pánů / Dreiherrenstein. Er liegt exakt auf der kürzesten Verbindung der Altstadt von Belgrad, dem römischen Singidunum, mit dem Dom zu Magdeburg und führt über die Burg Freudenstein in Freiberg! Ein den Berg tangierender typischer Altweg- Verlauf ist auf der Reliefkarte sowie auf historischen Karten deutlich erkennbar. 

Aus diesen Urwegen oder besser Steigen und Pfaden entwickelten sich überregionale Fernhandelswege (mit Fuhrwerken befahrbar), welche nordische Handelsplätze wie Bardowick / Lüneburg, Hamburg, Itzehoe und Rungholt mit dem bedeutendsten frühen mitteleuropäischen Handelsdrehkreuz Prag und darüber hinaus mit den herausragenden donauländischen mehrphasigen Handelsplätzen Oberleiser Berg, Carnuntum (Donauquerung) und Singidunum (Belgrad) verbanden.“

  


Betrachtet man diesen Kartenausschnitt mit dem Gebiet zwischen Freiberg und Praha / Prag mit den zugehörigen Leitlinien  (Orthodrome) ergibt sich folgendes Bild: Es sind vier verschiedene Verläufe der das Erzgebirge überquerenden Steige und Pfade, später auch Wege erkennbar. Die Darstellung der Leitlinien ist ein Auszug aus einer größeren Karte, die einen größeren Teil des Erzgebirges darstellt...

   


Die Erklärung der einzelnen Zahlen (archäologische und siedlungstechnische Lokalitäten) würde den Rahmen unseres Themas Moldava / Moldau völlig sprengen, deshalb verzichten wir darauf. Die nachstehende Erklärung bezieht sich nur auf die einzelnen ermittelten Routen, welche aus der Zusammenstellung verschiedener Kartenausschnitte zusammengesetzt wurden und aus Platzgründen hier nicht darstellbar ist.

Erklärung der Markierungen in diesem Kartenausschnitt:

Flussübergänge (Furten): (D) Donau, (M) Moldau, (E) Eger, (S) Saale
  
( 1 )  eine neolithische Hauptmigrationsroute von Zentralanatolien  >  Byzantium/Bosporus  >  Aquincum (D)  >  Kloster Insula/Ostrovský klášter (M)  >  Hradec u Kadaně (E)  >  Zwickau  >  Camburg (S) Emsland/Drenthe (NL)
  
( 2 ) neolithische Hauptmigrationsroute von Belgrad  > Carnuntum (D) >  Hradiště Řivnáč (M)  >  Hradiště Poplze (E)  >  Freiberg  >  Gräberfeld Haldensleben  >  Elbmündung
  
( 3 ) Carnuntum (D) > Oppidum Hrazany (M)  >  Hradec u Kadaně (E)  >  Schmölln  >  Schönburg (S)  >  Goslar  >  Hildesheim  >  Gräberfeld Pestrup  >  Raum Leer/Ostfriesland
 
(´4 ) )  Carnuntum (D)  >  Ostrovský klášter/Kloster Insula (M)  >  Hradiště Drahúš (E)  >  Chemnitz  >  Hünenburg Watenstedt  >  Raum Bremen
  
( 5 ) Rokycany  > Hradiště Vladař  (Dívčí Kámen/Oppidum Třísov (M))  >      > Hradiště Velichov/Radošov (E)  >  Zwickau  >  Uichteritz (S)  >  Hünenburg Watenstedt
   

   

„Die Bedeutung des späteren Freiberg als Rast- u. Handelsplatz für den Nord- Süd- Verkehr erkennen wir deutlich durch die Anordnung des  “Freiberger Straßenzwangs“ von 1318. Auch die Frankenstraße wurde über Freiberg geführt und stellt die Anbindung an den Ost- West- Handel dar! 

Überdies bekommt die vielzitierte, aus dem Frühmittelalter überlieferte legendäre Reise des Ibrāhīm ibn Yaʿqūb von Magdeburg über Wurzen nach Prag hiermit einen verkehrshistorisch realen Hintergrund.“

  


Auf dem ALS- Bild ist der Verlauf  von Straße Nr. 382 von Moldava / Moldau nach Nové Město / Neue Stadt gut zu sehen und mit den blauen Pfeilen markiert. Die roten Pfeile verweisen auf Negative, die nicht der alten Fernhandelsroute zuzuordnen sind, sondern der früheren Poststraße, aus der dann im 19. Jahrhundert die heutige bekannte Route über Mikolov / Niklasberg als ausgebaute Chaussee, und heute für den automotiven Verkehr benutzbare Staatsstraße Nr. 382 entstand.
Quelle der Hintergrundkarte: mapy.cz.

   


Der ursprüngliche Verlauf des ur- und frühgeschichtlichen Steiges ist in der Natur nur noch schwer zu finden, aber in der ALS- Darstellung sind Negative recht gut erkennbar. Es handelt sich aber nicht eindeutig um die Negative des einstigen Fernhandelsweges, sondern vielmehr um Spuren, die auf eine spätere Nachnutzung zurückzuführen sind. Dieses Gebiet ist durch bergbauliche Tätigkeiten bis in das 18./19. Jahrhundert hinein geprägt. Somit tritt hier eine Überlagerung durch spätere Weiternutzung ein. Wir haben mittels roten Pfeilen diese alte Struktur markiert. Die weißen Pfeile markieren den Verlauf im Raingrund. Quelle der Hintergrundkarte: mapy.cz.

  


Es ist recht selten, daß die Wald- und Forstwirtschaft die Spuren ur- und frühgeschichtlicher Steige nicht überprägt hat, sondern sie noch erhalten sind. Hier im Raingrund ist ein Stück eines solchen Weges noch durch die Nachnutzung des Bergbaus als Zufahrt zum Berggebäude als eingeschnittener Hohlweg noch gut sichtbar. Die Aufnahmen entstanden im Gebiet des Raingrundes zwischen Mikolov / Niklasberg und Hrob / Klostergrab, im Bereich des vom Bergbau tangierten Areals, der im oben stehenden ALS- Bild schon bezeichnet wurde.

   


Die beiden Aufnahmen entstanden im Gebiet des Raingrundes zwischen Mikolov / Niklasberg und Hrob / Klostergrab, im Bereich des vom Bergbau tangierten Areals, der im oben stehenden ALS- Bild schon bezeichnet wurde.

  

„Nové Město / Neustadt wird erstmals am 25. August 1341 erwähnt und erhielt besondere Privilegien ohne jemals die Rechte einer Stadt zu erlangen. Der böhmische König Jan Lucemburský / Johann von Luxemburg ermächtigte Boršovi z Rýzmburka / Borso von Riesenburg die „Straße“ (eine Hauptverkehrsroute) nach der Mark Meißen, welche an seiner Riesenburg / hrad Rýzmburk vorbeiführte und von Bílina /  Billin über Osek / Ossegg und Rechenberg nach Freiberg, nunmehr über Hrob / Klostergrab, den Bouřňák / Stürmer und Nové Město / Neue Stadt zu verlegen. Also  von Bílina /  Billin über Frauenstein nach Freiberg. Über das Warum können wir heute nur noch Vermutungen anstellen. Recht logisch erscheint aber das sich die Handelsreisenden einen neuen Pfad oder Steig gesucht hatten um diverse Zoll- und Geleitsgeldforderungen der ansässigen Grundherren wie einem Boršovi z Rýzmburka / Borso von Riesenburg zu umgehen. Um wieder an die Einnahmequelle zu gelangen ergriff der  böhmische König Jan Lucemburský / Johann von Luxemburg die Initiative und beauftragte einen seiner ansässigen Dienstadligen mit dem Ausbau des Steiges zu einem Weg!

Die alte und die neue Trasse verliefen südwestlich bzw. nordöstlich des Gimmlitztales und trennten bzw. vereinigten sich bei Burkersdorf. Heute ist vom Bouřňák in Richtung des Křižanovský potok / Krinsdorfer Bach noch ein sehr markant eingeschnittenes Hohlenfeld sichtbar. Diese Erwähnung ist ein erster Beleg zur Erhebung eines frühen Steiges zu einem zollpflichtigen Handelsweg (Kvasňová).

Wir können davon ausgehen, daß noch weitere bedeutende Urpfade- und Steige ihren Verlauf über Nové Město / Neustadt nahmen und dabei Moldava /Moldau tangierten.

Ursprünglich dürfte es sich bei dem durch stark ausgeprägte Relikte früher Pfade und Steige bestimmten Verlauf über Hrob / Klostergrab, den Berg Bouřňák (Stürmer) vorbei zum Grenzübergang bei Niederhermsdorf mit hoher Wahrscheinlichkeit um einen frühen Abzweig des Urpfades- oder Steiges über Želénky / Zabrušany handeln. Diese Trasse führte über den Raum Kemberg / Wittenberg (Elbübergänge) weiter zur Lübecker Bucht sowie ins heutige Schleswig-Holstein und Dänemark (Ribe). Kemberg ging aus einem bronzezeitlichen Burgwall hervor - einem der bedeutendsten urgeschichtlichen Befestigungen Mitteldeutschlands. Die nahen Ortschaften Rakith u. Pratau (ursprüngl. urbs Broth, slaw. Brod = Furt) sind als frühmittelalterliche Burgwarde überliefert -  die später bedeutende Residenzstadt Wittenberg als  Burgward des Hochmittelalters.

Auch kann man in dem als “Heiliger Weg“ überlieferten Pilgerweg von Böhmen nach Meißen die Route Bilin - Meißen erkennen, welche Moldava durchquert bzw. tangiert, erkennen.
( de-academic.com: Heiliger Weg )

Es war der Kommunikationsweg zwischen dem Verwaltungszentrum der Mark Meißen und dem des Gau Bilin in Böhmen.  Die kürzeste Verbindung der Altstadt von Bilin mit der Altstadt von Meißen führt exakt über den Stürmer.  Es scheint allerdings auch eine Verlaufsvariante über Seyde, Neuhermsdorf, Moldava, Langewiese und Ossegg gegeben zu haben.“

  


Erste Darstellungen von Wegübergängen des Erzgebirgskammes finden wir in einer kartografisch-militärischen Aufnahme von Böhmen und unseres Arbeitsgebietes um Moldava / Moldau in diesem Ausschnitt. Wenigstens 3 Wege führten im 18. Jahrhundert in diesem Bereich über den Kamm des Erzgebirges. Dessen Ursprung wohl die Ur- und frühgeschichtlichen Steige und Pfade waren. Quelle:
I. Militärische Aufnahme (Josephinische), Böhmen-Mähren- Schlesien, dat. 1764-1768 bzw.1780-1783 (Rektifikation).

  oldmaps.geolab.cz

   


Der grobe Verlauf des von Boršovi z Rýzmburka / Borso von Riesenburg angelegten neuen Handelsweges nach der Mark Meißen von Meißen- Diesbar über Hrob / Klostergrab nach Bílina / Billin ist in diesem Kartenausschnitt zu sehen. Diese Angaben decken sich mit den weiter oben erwähnten Spuren im Raingrund und am Bouřňák / Stürmer.

   

„Die heutige Straße von Nové Město / Neustadt nach Mikulov / Niklasberg und weiter durch das Údolí Bourlivec / Grundbachtal, auch Hüttengrund genannt, nach Hrob / Klostergrab und Košťany / Kosten entstand durch Neubau sowie Ausbau der Alten Freiberg- Teplitzer Poststraße erst im 19. Jahrhundert. 

Der Ausbau der erwähnten Handelsrouten führte auch zur Besiedlung der Region. Diese Handelsverbindungen waren ein wichtiger Aspekt, wo die sich niederlassenden Grundherrschaften, meist Dienstadel der aus ehemaligen Bauernsöhnen bestand, welche sich auf den Feldzügen der Ritter als Knappen Verdienste erwarben und mit einem Adelstitel versehen sowie mit Land in bisher unbesiedelten Regionen belehnt wurden. Diese gründeten an strategisch wichtigen Punkten (Pässe der Ursteige und Wege, sowie Furten) ihre Burgen. Die Absicherung dieser Handelsrouten gegenüber Wildtieren (z. B. Bären und Wölfe) oder Räuberei, die Gewährung von Kost und Logis auf einem in der Nähe einer solchen Burg gelegenen Tagesreiserastplatz versprachen der Grundherrschaft auch Einnahmen, von dem ein Teil natürlich an die böhmische Krone abgeführt werden mußte. Den sich hier ansiedelnden Menschen, Bauern, Handwerkern und später auch Bergarbeiter, boten sich Verdienstmöglichkeiten in Form von Dienstleistungen gegenüber den Handelsreisenden (Vorspann) und neben den üblichen Frondiensten auch bezahlte Dienste bei den Grundherrschaften. Die erste Erwähnung des Dorfes Moldava / Moldau und damit verbunden eine beginnende dauerhafte Besiedlung stammt aus dem Jahr 1402.

Um Moldava / Moldau entstanden noch weitere wichtige Orte oder sogar Städtchen. Vermutlich handelte es sich dabei um schon seit langem bekannte Rastplätze der Handelsreisenden oder sogar temporäre Siedlungsplätze der Frühzeit. Spuren davon sind ja von der tschechischen Archäologie gefunden worden (Richter).

   

 

 

Zur jüngeren Regionalgeschichte

  

Wie wir eben erfahren haben, stand die Besiedlung und Herausbildung der hiesigen Städte und Ortschaften aus ersten Siedlungspunkten nicht in jedem Fall mit dem Bergbau in Zusammenhang. Vielmehr lagen frühe Siedlungen, wie Hrob / Klostergrab an einer von Norden kommenden ur- und frühgeschichtlichen Handelsroute, waren vermutlich Rastplätze für Tagesetappen und entstanden somit vor allem aus verkehrstechnischen Gründen. Die näheren Fernziele dieser Route können mit Freiberg und Bílina / Billin markiert werden. Hrob / Klostergrab wird auch von einer aus Richtung Osek / Ossegg kommenden Handelsroute durchquert.

Eine Ausnahme hiervon bildet lediglich Mikulov / Niklasberg, welches aus einer gezielt gegründeten Bergbausiedlung entstand.

  

Der natürliche Reichtum der bewaldeten Kammgebiete des Erzgebirges, der „Krušnohorský pomezný hvozd“ – bizarrer Wald des Erzgebirges – zog als Siedler auch die Glasmacher an. Die Glasschmelzer bzw. Glasmacher galten seit je her als „wandernde“ Hüttenwerker. Für die Glasherstellung benötigten sie neben den mineralischen Rohstoffen, wie Quarz und Kalkstein, vor allem Unmengen an Holz. Die ersten archivalischen Zeugnisse über Glasbläserei in Moldava / Moldau, damals im Herrschaftsgebiet derer von Riesenburg, stammen schon aus dem Jahr 1392 und es handelte sich hierbei um Holzrechnungen, die heute im Staatsarchiv in Dresden aufbewahrt werden. Über die Weißeritz und die Freiberger Mulde wurde Brennholz noch bis weit in das 18. Jahrhundert hinein bis zu den königlichen Schmelzhütten bei Freiberg geflößt und, um dafür immer genug Wasserführung in den Flüssen zu haben, Teiche auf dem Erzgebirgskamm angelegt.

Der in der Nähe von Moldava / Moldau anstehende Kalkstein ist nun aber sehr stark verunreinigt und taugte daher nur als Düngekalk. Lediglich der bei Rehefeld am Hemmschuh anstehende Kalkstein, nebst einer ihn begleitenden Pb- Zn- Mineralisierung wies die zur Glaserzeugung benötigte hohe Reinheit auf. Die anderen erforderlichen Zuschlagstoffe, wie Pott- oder Knochenasche, Feldspat, Tonerde oder auch Soda und besonders Metalloxide zum Färben des Glases, sind auf dem Erzgebirgskamm zu dieser Zeit weder vorrätig noch beschaffbar, sondern mußten zu den Glashütten aus dem Altsiedelland geholt werden. Dies ging natürlich nur über die schon lange vorhandenen und bekannten Fernhandelsrouten. Jedoch waren diese Zuschlagsstoffe mengenmäßig weitaus geringer als der enorme Holzbedarf für die Öfen und deren langwierigen Sinter- und Schmelzprozesse und dieser Standortvorteil war für die Glasmacher ausschlaggebend.

Die Lage der Glashütten in der Nähe der Handelsrouten stellt aber auch umgekehrt einen Vorteil dar: Glas war im Altsiedelland, besonders in den aufstrebenden Städten, sehr begehrt und für die dortige Oberschicht ein Statussymbol für die gesellschaftliche Stellung einer Persönlichkeit. Über die nahen Handelswege war der Absatz für die Glashütten erleichtert und gesichert!

  

Die Glasherstellung in der Region soll bis etwa 1538 betrieben worden sein. Für den Raum Moldava / Moldau sind durch die Archäologie bisher sechs Glashüttenstandorte belegt. Laut den Untersuchungen der Archäologen lagen fünf der Hütten am Glaserberg bei Moldava / Moldau, gegenüber dem Hemmschuh mit den dortigen Kalkvorkommen. Die Fundstellen sind heute Bestandteil des Lehrpfades „Auf den Spuren der Glasbläserei in Moldava“. Diese Standorte sind sowohl in Veröffentlichungen zum Glasmacherweg als auch durch Tafeln an diesem Wanderweg dokumentiert.

Die Glashütte „Moldava 1“ lag dagegen am Hirschbach und ist besonders umfassend archäologisch untersucht. Neben der zeitlichen Einordnung in das 14./15. Jahrhundert ist eine breite Palette an Glasbruch ergraben worden. Es handelte sich dabei um grüne, blaue, gelbe und sogar farblose Scherben. Damit ist der Einsatz von Metalloxiden belegt, die damals allerdings im Erzgebirge oder in Sachsen nicht beschaffbar waren, sondern genau wie Antimonoxid zum Entfärben des Glases, aus weit entfernten Regionen Südosteuropas nach Moldava / Moldau geholt wurden. Dies trifft ebenso für das blaue Glas zu, deren Metalloxid (Kobalt) ebenfalls von weit her eingeführt wurde. Grünes Glas entstand durch die Verunreinigungen des Glassandes durch Eisenoxid. Weiterhin sehen wir, das durch die Glasverhüttung auch der Beginn des Bergbaus auf Kalk am Hemmschuh in selbige Zeit verlegt werden muß und damit wohl auch der Bergbaubeginn dieser Region.

Die Kalklager am Hemmsschuh wurden auch von einer schwach ausgebildeten Pb- Zn- Mineralisierung begleitet. Deshalb stellt sich jedoch die Frage, ob in Zusammenhang mit den Glashütten die Kalkvorkommen am Hemmschuh schon lange bekannt waren und auch die begleitenden Pb- Zn- Mineralisierungen? Wurden deshalb die Glashüttenstandorte in dessen Nähe gewählt? Momentan gibt es noch keine gesicherte Antwort auf diese Frage!

Archivalisch fassbar werden die Glashütten 1398, als nach einer erhaltenen Urkunde Boreš von Rýzmburk / Boris von Riesenburg eine Waldschmelze (Glasschmelze, auch Waldglashütte – Anm. d. Red.) an Vilému z Míšně / Wilhelm von Meissen (Míšeň / Meißen oder sorbisch  Mišno - Anm. d. Red.) verkaufte. Das Gebiet um Moldava / Moldau gehörte zu dieser Zeit zum Besitz der tschechischen Herrschafft von Hrabišici / Hrabischitz, deren Stammsitz war die Rýzmburk / Riesenburg in der Nähe von Osek / Ossegg. Der Herrschaftsbereich der Herren von Hrabišici / Hrabischitz im Laufe des 12. und 13. Jahrhunderts war gigantisch, umfaßte das böhmische Erzgebirge bis weit auf sächsisches Territorium und reichte nach Osten bis zu den weißen Karpaten. Die Herren von Hrabišici / Hrabischitz unternahmen eine gezielte Landwirtschafts- und Montankolonisation des Erzgebirges beiderseits der Grenze, zum Teil gemeinsam mit Mönchen aus dem Zisterzienserkloster in Osek / Ossegg. 

   


Einige der im Text erwähnten Orte haben wir hier rot unterstrichen. Quelle der Hintergrundkarte: mapy.cz.

   

Aber schon mit Beginn des 16. Jahrhundert verlor die Glasmacherei im Gebiet um Moldava / Moldau an Bedeutung und erlosch schließlich ganz. Der Wald des „Krušnohorský pomezný hvozd“ – bizarrer Wald des Erzgebirges – war größtenteils abgeholzt und demzufolge war Holz teuer und rar geworden.

Zu dieser Zeit waren auch die ersten Bergwerke in Umgang und benötigtem ebenfalls viel Holz. Da beim Bergbau anfangs das Silber als Münzmetall das Ziel war, hatte der Bergbau beim Ankauf von Holz einen gewissen Vorrang. Die Glasmacher zogen daher an andere Orte mit besseren Bedingungen weiter (Kvasňová,  Pokorná). 

  

Um Moldava / Moldau entstanden noch mehrere weitere wichtige Orte oder sogar Städtchen, wie etwa Nové Město / Neustadt. Vermutlich handelte es sich dabei oft um schon seit langem bekannte Rastplätze der Handelsreisenden oder sogar temporäre Siedlungsplätze seit ur- und frühgeschichtlicher Zeit. Spuren davon sind ja von der tschechischen Archäologie gefunden worden.

Die erste urkundliche Erwähnung von Neustadt / Nové Město stammt auch schon vom 25. August 1341, als Jan von Luxemburg dem Borsa von Riesenburg gestattete, einen neuen Weg über das Schloß Riesenburg nach Dlouhá Louka / Langwiesen in Richtung Nové Město und Pastviny sowie nach dem sächsischen Rechenberg und Frauenstein zu bauen. Ursprünglich wurde die Gemeinde noch Strassburg genannt, die Bezeichnung Nové Město tauchte erst später auf. Der Weg wurde aber sehr beliebt und das Städtchen erwirtschaftete eine Zeitlang hohe Zollerträge. Schon während der Hussitenkriege sank die Bedeutung dieses Überganges aber wieder.

Die Menschen lebten von der Arbeit im Wald und der Feldwirtschaft; es gab hier einige Handwerker und die Zollstation. Am Ende des 18. Jahrhunderts gibt es hier laut dem Theresianischen Katasters 33 Häuser und noch einen Schmelzbetrieb, Mühle und fürstliches Forsthaus. Das Dorf gehörte jetzt zum Herrschaftsgebiet des Fürsten Ferdinand Lobkovicz. In den Jahren 1783 bis 1805 befand sich hier eine Baumwollspinnerei des Josef Eustachius Horand. In der Zeit des Aufschwungs des Manufakturbetriebes waren bis zu 90 Arbeiter in diesem Werk beschäftigt (moldava.cz).

   


Kartenauszug aus der
I. Militärischen Aufnahme (Josephinische) des böhmischen Landes im Maßstab 1: 28 800 aus der Zeit von 1764 bis 1768. Gut zu sehen sind Ullersdorf und Neustadt (unterer Rand) und natürlich Moldau. Die erkennbaren Wege und Straßen haben nichts mehr mit der ur- und frühgeschichtlichen Fernhandelsroute gemein. Es sind alles neuere Verkehrswege, die durch die ständige Besiedlung der Region erst entstanden.

oldmaps.geolab.cz

  


Beim Anblick des „alten“ Neustadt bekommt man kaum den Eindruck, daß es sich hierbei um eine Stadt handeln könnte, sondern eher um eine Streusiedlung. Richtig ist, daß Neustadt nie Stadtrechte besaß, dennoch zeitweise Privilegien einer Stadt im Rahmen der Kontrolle einer ausgebauten Fernhandelsroute besaß!

Bildquelle: http://www.boehmisches-erzgebirge.cz/

  


Eine Ansicht der tschechischen Bendl Baude in Nové Město / Neustadt an der Straße von Rehefeld nach Mikulov / Niklasberg gelegen. Dieses Gebäude ist heute noch erhalten.

Bildquelle: http://www.boehmisches-erzgebirge.cz/

  


Historische Postkarte von Nové Město / Neustadt im böhmischen Erzgebirge.

Bildquelle: http://www.boehmisches-erzgebirge.cz/

  


Ein Foto, das Nové Město / Neustadt eher gerecht wird: Wenn es oben auf dem Erzgebirgskamm neblig ist, dann richtig.

Bildquelle: http://www.boehmisches-erzgebirge.cz/

   


Diese typischen Gebirgshäuser der ehemaligen deutschen Bewohner sind kaum mehr auffindbar.

Bildquelle: http://www.boehmisches-erzgebirge.cz/

 

Oldříš / Ullersdorf war ein typisches Bergdorf, oder besser eine Streusiedlung am Weg und später Straße nach Nové Město / Neustadt. Das Dorf soll um 1341 durch den neuen Handelsweg entstanden sein (Kvasňová).

Oldříš / Ullersdorf lag 1,5 km südlich der Gemeinde Moldava / Moldau, auf gut 860 m NN und oberhalb der Quellwiesen des Moldavský potok / Moldauer Bach, in der Nähe des Sklářský vrch / Glaserberges mit einer Höhe von 864 m NN.

Es ist um 1850 nach Moldava / Moldau eingemeindet worden.

  


Postkartenansicht von Oldříš / Ullersdorf.

Bildquelle: http://www.boehmisches-erzgebirge.cz/

  


Noch eine Ansicht von Oldříš / Ullersdorf. Heute ist von diesem Dorf nur noch eine Ruine erhalten.

Bildquelle: http://www.boehmisches-erzgebirge.cz/

 

Pastviny / Grünwald lag ebenfalls in der Nähe von Moldava / Moldau am Abzweig der Straße von Oldříš / Ullersdorf nach Vilejšov / Willersdorf. Die erste Erwähnung des Dorfes stammt aus dem Jahr 1408 im duchcovské Město / Duxer Stadtbuch. Damals gehörte Pastviny / Grünwald auch unter die Herrschaft von Hrabišici / Hrabischitz auf Rýzmburg / Riesenburg.

Seit 1654 gehörte Pastviny / Grünwald laut der Steuerrolle unter der Herrschaft von Libčeveská (?). Nach dem Theresianischen Landregister besaß das Dorf dann Ferdinand von Lobkowitz.

1873 ist Pastviny / Grünwald ebenfalls zu Moldava / Moldau eingemeindet worden (Kvasňová).  

Die Ortschaft ist heute nicht mehr als solche existent. Im Weideland sind nur noch die beiden Mühlteiche und zwei Ruinen die beiden Mühlen erhalten.

  


Ansicht des Dorfes Pastviny / Grünwald auf einer historischen Postkarte. Jedes Dorf in der Gegend um Moldava / Moldau besaß mindestens einen Gasthof, da die Gegend der reinen Bergluft halber zunehmend auch als Sommerfrische genutzt wurde.

Bildquelle: http://www.boehmisches-erzgebirge.cz/

   


Die sogenannte Gespenstermühle in  Pastviny / Grünwald.

Bildquelle: http://www.boehmisches-erzgebirge.cz/

  


Das Kirchlein am Friedhof ist so klein wie die ganze Streusiedlung.

Bildquelle: http://www.boehmisches-erzgebirge.cz/

  

Die Vergangenheit des Dorfes Moldava / Moldau wird auch durch die katholische Kirche präsentiert. Die Kirche von Moldava / Moldau ist der Heiligen Jungfrau Maria geweiht. Die Pfarrei bestand bereits vor 1346, sie gehörte damals zu Probstei Meißen. Da die meisten Bewohner des Dorfes in früherer Zeit Deutsche waren, herrschte in Moldava / Moldau über lange Zeit der Protestantismus vor.

Erst Erzherzog Ferdinand I., der von 1521 bis zu seinem Tod 1564 das Habsburger Reich regierte, bestimmte durch eine Grenzziehung im ersten Drittel des 16. Jahrhundert die Zugehörigkeit von Moldava / Moldau zu Böhmen und damit wiederum zum Katholizismus. Ab 1629 wurde daher hier wieder ein katholischer Pfarrer eingesetzt, auch Niklasberg war nach Moldau eingepfarrt.

In den Jahren 1644-1670 standen die Pfarren Moldau und Niklasberg unter Verwaltung der Zisterzienser von Kloster Osek / Ossegg. Im Jahre 1670 wurde hier ein weltlicher Pfarrer eingesetzt, der für einige Monate auch Fleyh verwaltete.  

Doch die Bewohner des Dorfes störte dies wenig, bekannten sich weiter zu ihrem Glauben und gingen zu einer protestantischen Kirche an der Sächsisch- Böhmischen Grenze zum Gottesdienst. Erst 1668 wurde der protestantische Kirchgang zur Sächsisch-Böhmischen Grenze auf Befehl des Prager Erzbischofs verboten und unter Strafe gestellt. Dadurch flohen erst jetzt viele hier ansässigen Deutsche nach Sachsen.

  


Ansicht der Kirche von Moldava / Moldau. Im Hintergrund ist sehr gut die im Rahmen der  Beneš-Dekrete später geschliffene Besiedlung zu erkennen.

Bildquelle: http://www.boehmisches-erzgebirge.cz/

   


Selbstverständlich besaß auch Moldava / Moldau mehrere Gasthöfe.

Bildquelle: http://www.boehmisches-erzgebirge.cz/

  


Durch die Verkehrsanbindung und den Grenzübergang nach Sachsen entwickelte sich Moldava / Moldau bald zur Sommerfrische, später auch Wintersportgebiet.

Bildquelle: http://www.boehmisches-erzgebirge.cz/

  

Eine weitere neuzeitliche Verkehrsanbindung entstand mit der Eisenbahnstrecke Most / Brüx – Eichwald / Dubí – Moldava / Moldau, die in den Jahren 1871 bis 1884 erbaut wurde und die durchaus eine technische Meisterleistung darstellt. Die Strecke wurde dann über die sächsische Grenze nach Holzhau und Freiberg weitergeführt. Historische Quellen sprechen davon, daß der erste Zug Moldava / Moldau am 6. Dezember 1884 erreicht habe und daß dies ein Güterzug gewesen sei. Die regelmäßige Personenbeförderung über die Grenze wurde am 18. Mai 1885 aufgenommen.

Am 7. Mai 1945 wurde der Zugbetrieb zwischen Tschechien und Deutschland eingestellt. Vier Jahre später demontierten russische Soldaten zirka 200 m Gleisstrecke auf der deutschen Seite. Dies war das Ende des grenzüberschreitenden Zugverkehrs. Auch wenn der gegenwärtige Zustand der Strecke in Tschechien eher kläglich erscheint, wurde im Jahre 1998 das größte Teilstück dieser Strecke zum Technischen Denkmal erklärt. Die Streckenführung den steilen Erzgebirgsabbruch hinauf war seinerzeit unzweifelhaft eine technische Meisterleistung der tschechischen und österreichischen Ingenieure.

Der Gemeinde geht es heute aber auch um eine Wiederinbetriebnahme der Bahnfahrten nach Sachsen, denn das vergangene Regime gestattete nicht, die Gleise neu zu verlegen. Seit 1998 werden bilaterale Verhandlungen geführt, um die Eisenbahnverbindung zwischen der tschechischen Gemeinde Moldava und dem sächsischen Holzhau wieder herzustellen und in Betrieb zu nehmen (moldava.cz).

Von Freiberg aus bedient die 1999 gegründete Freiberger Eisenbahngesellschaft mbH den sächsischen Streckenabschnitt bis nach Holzhau und befördert vor allem im Winter zahlreiche Ski- Touristen bis an den Erzgebirgskamm (freiberger-eisenbahn.de).

  


Der Grenzbahnhof in Moldau / Moldava im Jahr 1901. Foto: Postkartenverlag Brück & Sohn, Meißen.

Link zur Originaldatei: http://www.deutschefotothek.de/documents/obj/71823559

   


Im Jahr 1912 sah er noch ganz genauso aus... Foto: Postkartenverlag Brück & Sohn, Meißen.

http://www.deutschefotothek.de/documents/obj/71835828

  


Die Streckenführung bildete eine technische Meisterleistung... Foto: Postkartenverlag Brück & Sohn, Meißen,1905.

http://www.deutschefotothek.de/documents/obj/71827770

  


...und wurde schon deswegen immer wieder fotografiert. Foto: Postkartenverlag Brück & Sohn, Meißen,1909.

http://www.deutschefotothek.de/documents/obj/71832634

  


Diese Brücke überquert die Bahntrasse auf der Strecke zwischen Moldau / Moldava und Niklasberg / Mikulov. Foto: Postkartenverlag Brück & Sohn, Meißen,1908.

http://www.deutschefotothek.de/documents/obj/71832290

   


Eisenbahn- Tunnel am Fischerhaus in Moldau / Moldava. Foto: Postkartenverlag Brück & Sohn, Meißen,1908.

http://www.deutschefotothek.de/documents/obj/71832286

 


Ein Blick auf den unteren Ortsteil im Tal des Mulden- Bac
hes / Moldavský potok. Foto: Postkartenverlag Brück & Sohn, Meißen,1908.

http://www.deutschefotothek.de/documents/obj/71832288

   


Die katholische Kirche zur Jungfrau Maria in Moldau / Moldava. Foto: Postkartenverlag Brück & Sohn, Meißen,1908.

http://www.deutschefotothek.de/documents/obj/71832289

   


Das Gastgaus Fischerhaus in Moldau / Moldava. Foto: Postkartenverlag Brück & Sohn, Meißen,1903.

http://www.deutschefotothek.de/documents/obj/71824986

  

 

 

Zur jüngsten Geschichte

  

Die Orte im Grenzgebiet waren vor dem 2. Weltkrieg fast ausschließlich von deutschstämmigen Einwohnern bewohnt (moldava.cz). Um die Entsiedelung des Grenzgebietes und die damit verbundene Härte gegenüber der deutschen Bevölkerung (und übrigens auch gegenüber den ungarischen Volksgruppen) besser verstehen zu können, müssen wir uns mit der geschichtlichen Situation vor dem 2. Weltkrieg kurz auseinandersetzen.

Der Hintergrund war folgender: Mit der Unterzeichnung des berüchtigten Münchner Abkommens in der Zeit von 29. bis 30. September 1938 wurde von Hitler, Mussolini, Chamberlain und Daladier der Anschluß des Sudetenlandes an Deutschland ausgehandelt und beschlossen. Die Vertreter der Tschechoslowakischen Republik waren auf der Tagung der „Hausherren“ Europas gar nicht eingeladen (!!!) – sie hatten in einem Nebenzimmer auf das Ergebnis zu warten. Erst nach Beendigung der Verhandlungen und des offiziellen Aktes der Unterzeichnung des Abkommens durften auch die Vertreter der Tschechoslowakischen Republik den Vertrag für ihr Land zur Kenntnis nehmen. Dieser Anschluß der Sudetenland- Regionen beinhaltete u. a. auch den böhmischen Teil des Erzgebirges.

Bekanntlich marschierten daraufhin am 1. Oktober 1938 deutsche Truppen in die Tschechoslowakei ein, wobei es kaum Widerstand gab. Die ehemalige Tschechoslowakei zerfiel dann in zwei Staaten, die Slowakei und den restlichen Teil der Tschechei, als sogenannte 2. Republik (Slovenská republika), die bis zum 15. März des Jahres 1939 allerdings nur 170 Tage lang existierte. Ab dem 16. März 1939 wurde auch der Rest der Tschechei von deutschen Truppen besetzt und das Protektorat Böhmen und Mähren gebildet. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs im Mai 1945 wurde das Protektorat aufgelöst und die tschechoslowakische Republik wieder hergestellt (Starikov).

Am 30. September erhob die damalige polnische Regierung ebenfalls Ansprüche auf einen Teil der tschechoslowakischen Republik und annektierte, nach einem nur 24stündigen Ultimatum, die Region Teschen / Český Těšín und Cieszyn, sowie das gesamte Olsagebiet / Śląsk Zaolziański und Záolží.

Doch die Aufteilung ging noch weiter: Nun meldete nämlich auch der ungarische Premierminister, Graf Pál Teleki, „berechtigte“ Interessen auf einen Teil des tschechoslowakischen Gebietes mit dort lebenden ungarischen Minderheiten an. Dies war die sogenannte Karpato- Ukraine / Закарпаття oder Карпатська Україна. Auch Pál Teleki erreichte sein Ziel: Am 2. November 1938 erhält Ungarn 12.000 km² des Territoriums der südlichen Slowakei und einem Teilgebiet der so genannten Ukrainischen Karpaten / Закарпаття oder Карпатська Україна mit einer Bevölkerung von gut einer Million Einwohner verschiedener Volksgruppen!

Nach dem Ende des 2. Weltkrieges ereilte diese Orte daher nun dasselbe Schicksal, wie viele andere des vormaligen Sudentenlandes auch. Stand am Anfang die „wilde“ Vertreibung der deutschen Bevölkerung, so erfolgte ab 23. Juni 1945 die in den Dekreten von Präsident Edvard Beneš (Beneš machte die Dekrete eigentlich nur bekannt, erstellt wurden sie von der ersten Nachkriegsregierung unter Zdeněk Fierlinger – Anm. d. Red.) „geregelte“ Vertreibung der deutschen Bevölkerung aus dem böhmisch- sächsischen Grenzgebiet (Novotná).

  

Auf der Grundlage des Dekrets des Präsidenten der tschechoslowakischen Republik, Edvard Beneš, erlassen am 23. Juni 1945, über die Beschlagnahme und beschleunigte Zuteilung von landwirtschaftlichem Eigentum der Deutschen, Ungarn, sowie weiteren faschistischen Feinden der tschechischen und der slowakischen Nation, wurde das Eigentum von Bewohnern deutscher (und ungarischer) Staatsangehörigkeit ohne Entschädigung übernommen. Das Beneš- Dekret ist formal am 26. Juli 1945 in Kraft getreten. Gemäß § 1 ABS. 2 durfte das Eigentum nicht von deutschen und ungarischen Personen beschlagnahmt und übernommen werden. Damit begann die Verteilung des beschlagnahmten Vermögens im Rahmen der Landreform, sowie die Übergabe der landwirtschaftlichen Güter der Deutschen, Ungarn und anderer Feinde des Staates an tschechische und slowakische Bauern. Diese Bestimmung betraf ein Gebiet von etwa 2,5 km Breite von der Grenze in das Land hinein, in dem eine vollständige Entsiedelung vorgenommen wurde!

Nach dem Beneš- Dekret wurde ein „Nationaler Landfonds“ eingerichtet, der das beschlagnahmte Vermögen zu verwalten hatte. Aufgrund der schwierigen Lebensbedingungen auf dem Erzgebirgskamm, sowie wegen der zerstörten und nunmehr fehlenden Infrastruktur, war die Arbeit aber nur sehr schwer möglich und wenig ertragreich, so daß viele neue Bewohner innerhalb kurzer Zeit wieder aufgaben und in ihre ursprüngliche Heimat zurückkehrten. Die gesamte Kammregion des Erzgebirges wurde infolge dieser Umsiedlungen vor allem geplündert, zerstört und verwüstet, also unbewohnbar gemacht, so auch die Gegend um Moldava / Moldau.

Nach dem kommunistischen Putsch (Vítězný únor / Siegreicher Februar, komm. Sprachgebrauch – Anm. d. Red.) im Februar 1948 wurde die Situation im gesamten Grenzgebiet noch einmal verschärft. Jeglicher Grenzübertritt war von nun an illegal und unter Strafe verboten. Im April 1950 entstand die sogenannte „Grenzzone“, die eine Distanz von bis zu sechs Kilometern von der Staatsgrenze zur 1949 gegründeten Deutschen Demokratischen Republik umfaßte. Im Jahr 1951 kam noch die sogenannte „Sperrzone“ zur Grenze des späteren NSW (Nicht Sozialistisches Wirtschaftsgebiet) hinzu. Diese Zone war schmaler und bezog sich auf einen Bereich von zwei Kilometern von der Grenze in das Land hinein. Das so definierte Gebiet umfaßte auch die Grenze zur Bundesrepublik Deutschland und zu Österreich. Niemand durfte mehr in dieser Zone leben und die Menschen mußten aus dieser speziellen Sperrzone wegziehen.

Im Jahr 1952 wurde der Abriß von Gebäuden in der Sperrzone angeordnet. Die Situation an der Grenze zur DDR war ähnlich, die Grenzzone verlief hier teilweise im Bereich von nur wenigen hundert Metern von der Staatsgrenze entfernt und der Gebäudeabriß wurde bis zum Jahr 1955 vehement umgesetzt. Ein Jahr später wurde eine weitere Entscheidung getroffen. Diese beinhaltete, den Abriß von Häusern im unmittelbaren Bereich der Grenze durchzuführen. Während im äußeren Teil der Verbotszone (zwischen der Staatsstraße und der Straßensperre) alle Gebäude entfernt werden mußten, wurden in den inneren Bereichen nur die baufälligen Objekte abgerissen. Der Abriß sollte so vollständig erfolgen, daß es nicht mehr möglich war, diese zu reparieren oder in irgendeiner Weise wieder zu benutzen.

  

Bei diesen Maßnahmen ist der Ortsteil Niedermoldau vollkommen verschwunden. Weiterhin verschwanden so auch Oldřiš / Ullersdorf, Pastviny / Grünwald und ein großer Teil von Nové Město / Neustadt (Novotnά).

Ullersdorf / Oldříš existiert daher heute nicht mehr, an der Stelle der ehemaligen Gemeinde finden wir heute nur noch Weideflächen für Rinder und Schafe. Auch Grünwald / Pastvina ist heute nur noch eine große, einsame Wiese mit einem herrlich gelegenen Teich an der Grenze zu Sachsen. Lediglich 170 ständige Einwohner hat Moldau / Moldava heute noch, nur an Wochenenden sind deutlich mehr Menschen hier unterwegs, vor allem auch deutsche Tanktouristen am Grenzübergang nach Neurehefeld (osterzgebirge.de).

   

 
 
 

Zur Geologie
  

Kurzer Abriß zum Fluorit- Baryt- Bergbau in der Tschechischen Republik

  

Der systematische Fluorit- Bergbau auf dem Gebiet der Tschechischen Republik begann erst nach 1950. Kleinere Experimente zur Gewinnung von Fluorit vor dieser Zeit hatten praktisch keine größere Bedeutung und waren in der Regel mit dem Abbau anderer Rohstoffe, insbesondere von Baryt oder Eisenerz, verbunden.

Die erkundeten Fluorit- Lagerstätten Mutěnice / Muttenitz u Strakonic / Strakonitz oder Kožlí / Koschla und Ledče / Ledetz n. Sázavou / Sassau hatten nur eine begrenzte Ergiebigkeit und wurden nur über einen sehr kurzen Zeitraum vor 1950 tatsächlich auch abgebaut.

Alle nach 1950 in Abbau gekommenen Fluorit- Lagerstätten liegen in fast allen Fällen außerhalb der bekannten Zentren des historischen Bergbaus. Nach erfolgten Prospektionen wurde ab 1950 auf dem Gebiet der heutigen Tschechischen Republik Fluorit auf insgesamt acht Lagerstätten oder Vorkommen abgebaut:

  1. Vrchoslavi / Rosenthal und
  2. Teplice / Teplitz- Schönau (Bergbau begann 1952),
  3. Jílové- Sněžník / Eulau am Schneeberg unweit von Děčín / Tetschen,
  4. Harrachov / Harrachsdorf im Krkonoše / Riesengebirge,
  5. Blahutově bei Chomutov / Komotau,
  6. Křížanech / Kriesdorf in Liberec / Reichenberg,
  7. Moldava / Moldau im Erzgebirge,
  8. Hradiště / Burgstätte bei Kadaně / Kaaden und
  9. Běstvině / Bestwin im Železné hory / Eisengebirge.

Der Regierungsbeschluß Nr. 468 vom 25. August 1993 über die Notwendigkeit der Reduzierung des Rohstoffabbaus sah auch die Einstellung des gesamten Fluorit- Baryt- Bergbaus vor. Spätestens 1994 sind alle Bergbaubetriebe dieser Art stillgelegt und rückgebaut worden. (Histor.)

  


Die im Text genannten Fluorit-Lagerstätten, welche ab den 1950er Jahren neu entdeckt oder in Abbau genommenen wurden. Darüber hinaus gab es noch ältere, schon in Betrieb befindliche Lagerstätten und Vorkommen, in denen Flußspat als Nebenprodukt zusammen mit anderen Erzen abgebaut wurde. Quelle der Hintergrundkarte: mapy.cz.

   

Vrchoslav / Rosenthal  bei  Teplice / Teplitz-Schönau

Dieses Vorkommen liegt auf der historischen Lagerstätte von Krupka / Graupen, welche  besonders bekannt für ihre reichen Zinnvererzungen ist.

Die Fluoritgänge von Vrchoslav / Rosenthal stellen ein separates, jüngeres Entwicklungsstadium in der gesamten Bergbauregion dar. Das Vorkommen liegt etwas abseits des bekannten Zinnbergbaus und ist nicht durch den historischen Bergbau tangiert worden. Es handelt sich um einen Neufund im Rahmen der Prospektionsarbeiten der 1950er Jahre.

   

Harrachov/Harrachsdorf im Krkonoše / Riesengebirge

Es handelt sich hierbei um die einzige tschechische Fluorit- Lagerstätte (besser Fluorit- Baryt- Galenit- Lagerstätte) mit vorangegangenem historischen Bergbau. 1831 wird durch den böhmischen Naturwissenschaftler Franz Xaver Zippe der Bergbau auf dieser Lagerstätte erwähnt und als „sehr schwach“ befunden. Dieser Bergbau wird als zwischen dem Dorf und dem Fluß Mumlava / Mummel – nahe am Wasserfall liegend beschrieben und soll 1838 noch in Umgang gewesen sein. Erwähnung findet dieser auch bei Jan Krejčí (1855), Johann Jokely (1861) und anderen.

Ziel des Bergbaus war der dort vorkommende Galenit. Im 19. Jahrhundert wurden mehrere Versuche unternommen, die Lagerstätte wieder in Abbau zu nehmen. Die in Wien Donaufeld-Floridsdorf ansässige Chemische Fabrik Rosenzweig & Landau versuchte an der Wende zum 20. Jahrhundert erneut eine Wiederaufnahme des Fluoritbergbaus. Durch fehlende und unvollständige Informationen über Prospektion und ausgeführte Bergbauarbeiten ab dem 18. Jahrhundert und, damit verbunden, dem Fehlen von Daten über den tatsächlichen Umfang und den Standort dieser Bergwerke, ist eine Rekonstruktion nur sehr schwer möglich. Es gibt nur sehr wenige Angaben in der historischen Literatur.

Aus einer Abhandlung von Jan Vratislav Želízko (1902) ist zu ersehen, daß zum Zeitpunkt der Revision bereits ein Stollen wieder in Betrieb war und in der Nähe des Gangausbisses lag. Nach dem überlieferten Längsprofil zu urteilen, ist in der Nähe des  Ausbisses auch ein weiterer Schurf auf Höhe der Sohle des Flusses Mumlava / Mummel angelegt worden. Dies bedeutet, daß die Ausgrabung etwa 4-6 m tief hätte sein können. Weitere Informationen über den Versuchsbergbau und die erste Aufbereitung von Erz aus der Lagerstätte liefert L. Schmid (1879) in heute praktisch nicht verfügbaren Arbeiten: "Statistische-topographische Beschreibung der Landwirtschaft Jilemnice von J. Osv. Earl von Harrachov mit besonderem Augenmerk auf Wälder“ (Prag 1879, P. 66). Die Überreste der frühen ursprünglichen Bergbautätigkeit waren jedoch völlig verwischt und sind anschließend durch neuere Aktivitäten überprägt worden. 

Am 1. April 1958 wurde die Lagerstätte von der Nordböhmischen Bergbauverwaltung an den damaligen Bergbaubetrieb Rudné doly Jeseník (Frývaldov / Freiwaldau), Werk Horní Vernéřovice / Ober Wernersdorf, früher bekannt als Ostböhmische Erzgruben, übergeben. Schon während der Erkundungszeit, im Jahr 1957, wurde auf dem Niveau der Stollensohle der Barytabbau durch Východočeské rudné doly aufgenommen. Im Jahr 1961 wurde die Lagerstätte von den Příbramer Erzgruben (Rudné doly n. p. Příbram), Werk Sobědruhy, übernommen, die den Abbau der Lagerstätte bis zur Betriebseinstellung fortführten. Die Lagerstätte ist durch das 1961 eingerichtetes und 1975 erweitertes Abbaugebiet bestimmt.

Die neueren Prospektionsarbeiten auf der Lagerstätte begannen im Jahr 1959, als eine Erzprobe auf der -200 m Sohle für einen Aufbereitungstest genommen wurde. Die Erprobung der Aufbereitungstechnik wurde 1960 und 1961  fortgesetzt, als die Lagerstätte an den Bergbaubetrieb Příbramer Erzgruben (Rudné doly n. p. Příbram) übergeben wurde. Anschließend lief der reguläre Abbau an. 

Zum einen wurden nun die überwiegend fluoritischen Teile der Lagerstätte abgebaut, in denen der Barytgehalt nicht 10 % erreicht, zum anderen die Gangbereiche die hauptsächlich Baryt als Gangart führten. Sowohl Fluorit als auch Bleiglanz wurden zu Flotationskonzentraten verarbeitet. Das Baryt- Erz wurde nur zerkleinert und ohne weitere Behandlung an die Kunden verschickt. Seit Anfang der 1980er Jahre, als die Sobědruhy- Aufbereitungsanlage in Teplice noch das Problem mit der Verarbeitung des Fluorit- Baryt- Typs hatte, wurden die Abbauaktivitäten auf den Fluorit-Typ verlagert. 

Bis zum 1. April 1958 waren

  • 423.585 t C1B-Vorräte
    mit durchschnittlichen Gehalten von 23,11% CaF2, 56,37% BaSO4 und 1,57% Pb,

  • 148.585 t C2B-Vorräte und

  •   11.053 Tausend Tonnen C1N-Vorräte
    mit Gehalten von 38,70% CaF
    2, 28,76% BaS04 und 1,42% Pb nachgewiesen worden.

Die Gesamtkosten der Erkundung betrugen 4.890.029,77 CZK, was bedeutete, daß die Kosten für die Erkundung von 1 t der Vorräte C1 C2 (C1 + ½ C2) 9,61 CZK/t betrugen; im Abschlußbericht zum 1. Juli 1956 wurden die Kosten für die Erkundung von 1 t Vorräte mit 32,95 CZK angegeben.

  

In der Anfangszeit wurde die Lagerstätte hauptsächlich im Bereich barytartiger Blöcke abgebaut. Die Haupteinsetzzweck des Harrachov- Baryts war die Kohlenwäsche / Kohleaufbereitung. Zu diesem Zweck wurde in Harrachov eine Zerkleinerungs- und Homogenisierungslinie gebaut, und das Barytprodukt wurde von Harrachov aus direkt an die Kunden verschickt.

Allmählich verringerte sich der Anteil des Baryt- (bzw. Fluorit- Baryt- ) Abbaus für die Kohleaufbereitungsanlagen, was auf die Verringerung der geförderten Gradierkohle, die Umstellung der Kohleaufbereitungsanlagen auf eine magnetithaltige Suspension und nicht zuletzt auf die sehr ungleichmäßige Qualität des aus der Lagerstätte Harrachov geförderten Barytprodukts zurückzuführen ist. Die Lagerstätte erhöhte allmählich den Abbau der fluoritartigen Gangzonen mit geringem Barytgehalt, die sowohl für die Produktion von Fluoritkonzentrat als auch von Bleiglanzkonzentrat mit Silbergehalt geeignet waren. Nur in geringem Umfang wurden noch Fluorit- Baryt- Vorkommen abgebaut, sowohl für die Produktion von Schotter als auch für die Verarbeitung in der Sobědruhy- Aufbereitungsanlage. 

In den Anfängen des wiederaufgenommenen Bergbaus konzentrierte sich das Interesse auf die höher gelegenen Teile des nördlichen Teils des Oldřich Ganges und die am besten zugänglichen Teile des mittleren Teils des Oldřich Ganges bis zur -250 m Sohle. Der Oldřich Gang, auf dem vor allem der Abbau stattfand, wird von einer ausgeprägten Richtungsstörung und stark gestörtem Gestein begleitet. Das betroffene Gestein ist sehr anfällig für Verbrüche und starke Wasserführung und praktisch keine der Abbauörter konnte ohne größere oder kleinere Probleme betrieben werden. Es kam sehr häufig zu Einstürzen, die einen weiteren Abbau unmöglich machten. Die angewandte Abbaumethode war der Magazinabbau.

In der Folgezeit wurden auch die tieferen Schichten des nördlichen Teils des Oldrich Ganges abgebaut. Im letzten Jahrzehnt konzentrierte sich das Interesse auf die Restteile der massivsten Gänge der Lagerstätte Křemenný val. zwischen den Niveaus -100 m bis -200 m Sohle. Hier wurde am Standort der qualitativ beste Abbau durchgeführt.

Der Abbau auf dem Božena Gang und auf anderen Gängen der Lagerstätte war unbedeutend in Bezug auf das Gesamtabbauvolumen.

   

Jílové – Sněžník u Děčína / Eulau am Schneeberg

Das breitere Spektrum umfaßt an diesem Ort den Eisenerzbergbau, welcher nicht in räumlicher oder genetischer Beziehung zu der aufgefundenen Fluorit- Lagerstätte steht. Weiterhin ist der Braunkohlebergbau dominant. Die ersten Oberflächenfunde von Fluorit stammen aus den frühen 1920er Jahren. Nach den Prospektionsarbeiten der 1950er Jahre begann hier die Gewinnung von Fluorit.

Das Gebiet von Jílové- Sněžník u Děčína / Eulau  und die weitere Umgebung waren im letzten Jahrhundert Gegenstand geologischer Kartierungen durch eine Reihe von Autoren in verschiedenen Maßstäben sowie zahlreicher geologischer, mineralogischer, geomechanischer, geophysikalischer, hydrogeologischer, genetischer und metallogenetischer Lagerstättenuntersuchungen, insbesondere im Hinblick auf Fluorit. Das gesteigerte Interesse der Geologen an dem breiteren Gebiet zwischen Teplice und Decin wurde unter anderem durch die positiven Ergebnisse der Schürfungen nach Fluorit in den 1950er und 1960er Jahren durch die Mitarbeiter der geologischen Landesaufnahme und durch die regionale geologische Forschungsarbeit des ÚÚG Praha mit dem Schwerpunkt auf dem Schutz der Mineralwässer der Kurorte Teplice und Bílina beeinflußt.

Das Gebiet der Lagerstätte Jílové- Sněžník oder das Fluoritrevier Jílové- Sněžník wird im weiteren Sinne als der westliche Teil der Děčínská vrchovina / Elbsandsteingebirge im Bereich zwischen der Elbe und der Theiß und zwischen der Staatsgrenze zu Deutschland und dem Jílové-Bach, und im engeren Sinne als der Südhang des Děčínský Sněžník bis zur Gemeinde Jílové u Děčín definiert (Histor.)

  


Das Foto zeigt eines der sechs Stollnmundlöcher des Bergbaus von Jílové- Sněžník u Děčína / Eulau und ist nicht näher bezeichnet.

Bildquelle: zdarbuh.cz (ložisku Jílové – Sněžník)

  

Abgesehen von einzelnen Hinweisen waren in der Umgebung von Sněžník und Jílový bis dahin keine industriell nutzbaren Fluoritlagerstätten bekannt. Erst die Entdeckung eines Fluoritganges in einer Felsspalte "unter der Wand" südlich des Dorfes Sněžník durch J. Chrt und F. Malásek im Jahr 1953 markierte den Beginn und die langanhaltende Fortsetzung aller Etappen der Erkundung in diesem Gebiet mit anschließender Fluoritgewinnung der Příbram- Erzgruben (Rudné doly n. p. Příbram), Werk Sobědruhy.

Die Erkundungsarbeiten waren im Zeitraum von 1957-1963 unterbrochen wurden. Die Exploration wurde erst 1991 abgeschlossen, also relativ kurz vor der Einstellung des Bergbaus im Jahr 1994. 

Die Lagerstätte bestand aus  4 bauwürdigen Erzgängen. Gang Nr. 1 wurde durch den Stolln Š-l, Gang Nr. 2 durch den Stollen Š-2, Gang Nr. 3 durch den Stolln Š-3 und Gang Nr. 4 durch die Stolln 4, 5 und 6 erschlossen. Der Begriff Jílové I bezieht sich dabei auf Gang Nr. 1 und Jílové II auf den Gang Nr. 2. Die Bergbaugesellschaft unterteilte den Betrieb in die Abteilung Jílové, der die Gänge 1, 2 und 3 umfaßte, und die Betriebsabteilung Sněžník, welche Gang Nr. 4 beinhaltete. Das manchmal als Gang Nr. 5 bezeichnete Vorkommen erwies sich als unbedeutend und wurde nicht weiter untersucht. 

Der eigentliche Abbau begann 1955 auf dem Gang Nr. 1, wurde aber nach der Gewinnung von ca. 8.000 t 1957 eingestellt. Ab 1963 wurden auf den Gang Nr. 2, besonders die -55 m Sohle, sowie Gang Nr. 3 und Nr. 4 schrittweise Explorationsarbeiten durch den Erkundungsbetrieb Geoindustria n.p. Praha Dubí ausgeführt, die später durch den Bergbaubetrieb fortgeführt wurden. Der Abbau wurde 1968 auf dem Gang Nr. 2 durch das Werk Sobědruhy und seit 1988 durch das Werk Fluorit Teplice der Příbram- Erzgruben (Rudné doly n. p. Příbram) wieder aufgenommen.

Der Regierungsbeschluß Nr. 468 vom 25. August 1993 über die Notwendigkeit der Reduzierung des Rohstoffabbaus bedeutete das endgültige Ende der relativ kurzen Abbautätigkeit auf der Lagerstätte Jílové- Sněžník (Histor.).

  

Křížanech / Kriesdorf bei Liberec / Reichenberg 

Nach einer Überlieferung aus dem Jahr 1927 (Müller) sollen damals noch Überreste des alten Bergbaus in der Nähe des Dorfes sichtbar gewesen sein. Die Epoche dieses Bergbaus soll dabei bis 1768 zurückreichen und wird durch verschiedene Autoren wie Jokely (1859, 1861), Sessel (1903) und Gränzer (1921) beschrieben. Es soll sich um Gänge mit der Gangart Fluorit und Baryt handeln. Es kann daher angenommen werden, daß limonitische Erze, gebunden an die Fluorit- Baryt- Gänge das Ziel des Bergbaus waren.

Tatsächlich wurde erdiger Limonit beim späteren Fluorit- Baryt- Bergbau dort auch angetroffen. Heute ist von diesem Bergbau nichts mehr zu sehen. Die Bergbauarbeiten in den frühen 1950er Jahren sind durch den Bergbaubetrieb Jachymov / Joachimsthal durchgeführt worden.

  

Hradiště / Burgstätte bei Kadaně / Kaaden 

Über verlassene Bergwerke zwischen Hradiště / Burgstätte und  Novou Vískou / Neudörfel berichten schon Jokély (1857) und Katzer (1902). Die Eisenerzgrube lag laut Peters (1927) schon lange still. In unmittelbarer Nähe zu einem der modernen Stolln war Anfang der 1950er Jahre eine mittelalterliche Grube beim Abbau auf einem Fluorit- Baryt- Gang mit Hämatit entdeckt und kartiert worden. Derzeit ist dieser Schacht noch unter der Halde verborgen.

Über größere Bereiche des Gebietes wurden in den Jahren 1928-1938 Baryt abgebaut. Während der Zeit des 2. Weltkrieges wurde das alte Berggebäude mit dem Ziel der Gewinnung von Baryt wieder vorgerichtet. Der Lauf des Krieges verhinderte jedoch den Abbau. Heute ist von diesem Bergbau nur noch sehr wenig erhalten.

  

Blahutově bei Chomutov / Komotau 

In der weiteren Umgebung dieser kleinen Fluorit- Lagerstätte wird nur sehr wenig über historischen Bergbau berichtet. In unmittelbarer Nähe der Fluorit- Lagerstätte wurden jedoch historische Bergbaureste festgestellt. Die Größe des kleinen Lagers war auch in der Periode der 1950er Jahre nicht von größerer Bedeutung.

   

Běstvině / Bestwin im Železné hory / Eisengebirge 

Es handelte sich um eine Limonit- Lagerstätte, die um die 1860er Jahre entdeckt wurde und gut 10 Jahre in Abbau stand. Doch schon viel eher berichtet Johann Gottfried Sommer (1843) über den dortigen Limonit- Bergbau, dessen Überreste aber heute nicht mehr auffindbar sind.

Östlich der abgebauten Lagerstätten im Tal des zbohovského Baches sind auch die Überreste der historischen oberflächennahen Goldbergbaus gefunden worden. Die Goldgewinnung steht aber offenbar nicht in Bezug auf die Fluorit- Baryt Lagerstätte Běstvina / Bestwin (Histor.).

  


Eine Ansicht der Tagesanlagen von Běstvině / Bestwin.

Bildquelle: zdarbuh.cz (Fluoritová těžba)

   

Während der Untersuchungsarbeiten auf der Fluorit- Baryt- Lagerstätte ist man auf historischen Bergbau gestoßen. Dieser befand sich im Bereich der Fluorit- Baryt- Gänge. Ziel dieses historischen Bergbaus war wohl der hier vorkommende Galenit als silberführendes Erz. Dieser Befund befand sich im Bereich des Javorka Lagers und wurde durch Špaček (1973) dokumentiert. Es handelte sich um Stollnauffahrungen entlang der Fluorit- Baryt- Gänge mit einer Profilhöhe von 1,6 m und gut 0,6 m Breite. Die Auffahrung war anhand der Prunen mittels Schlägel und Eisen ausgeführt. Der Bergbau wurde daher in das 15. bis 16. Jahrhundert datiert.

Einige kleinere Halden und auch Pingen waren damals noch im Gelände sichtbar. Die Stolln standen längere Zeit unter Wasser, was zur Ausbildung von Wasserstandsmarken an den Stößen führte. Der abgesetzte Schlamm bildete eine gut 10 cm dicke Schicht auf der Sohle und führte einen hohen Anteil von Fe- Mn- Oxiden. Im Schlamm sollen auch Befunde einer frühen Besiedlung entdeckt worden sein. Nähere Angaben dazu sind bisher nicht bekannt.

Aus dem vorangegangenen kurzen Überblick geht hervor, daß nur sporadisch noch Überreste der historischen Bergbautätigkeit in unmittelbarer Nähe der Fluorit- Lagerstätten in der Tschechischen Republik vorhanden sind. Ihre Beziehung (mit Ausnahme des Harrachov- Lagers und teilweise des Hradiště- Lagers) ist nur räumlich zum abgebauten Fluorit- oder Fluorit- Baryt- Lagerstätten zu sehen. Das Interesse des früheren Bergbaus galt anderen Rohstoffen als Fluorit und Baryt. Spuren historischer Bergbautätigkeit wurden weitgehend oder vollständig verwischt. Ihre Lokalisierung und Identifizierung auf den Bergbaugebieten ist schwierig und in einigen Fällen bereits völlig unmöglich.

Die Lage historischer Bergbaubefunde rund um die nach 1950 in Tschechien abgebauten Fluorit- Lagerstätten ergänzen dennoch das Mosaik an Informationen über den historischen Bergbau des Landes. Eine Dokumentation des historischen Bergbaus wurde nur zur Lagerstätte Běstvina / Bestwin angefertigt und einige wenige wurden zu Moldava / Moldau erstellt. Die Auffindung  der Fluorit- Baryt- Lagerstätten ist ausschließlich der geologischen Erkundung der frühen 1950er Jahre zu danken. Ergänzt sind diese Arbeiten durch verfügbare schriftliche Belege geologisch-mineralogisch- geografischer Arbeiten früherer Gelehrter und diverses erhaltenes Kartenmaterial zum Bergbau dieser vergangenen Zeiten. Mitunter ist die Glaubwürdigkeit dieser schriftlichen Belege nicht mehr überprüfbar, da die Befunde im Gelände längst verwischt sind (Histor.).

 


Die Produktionszahlen der Tschechischen Baryt- Fluorit- Gewinnung von 1952 bis 1992 in einer Grafik dargestellt. In den letzten Jahren sind nur noch in drei Gruben diese Rohstoffe gefördert worden und zwar in Moldava/Moldau, Jílové- Sněžník u Děčína/Eulau am Schneeberg und in Harrachov/Harrachsdorf im Krkonoše/Riesengebirge.
Quelle: Rudné Doly s. p. Zavod Teplice, Moldava 1957-1994

   

 
 
 

Zur Geologie der Flußspat- Lagerstätte Moldava / Moldau

   

Zur Geologie dieser Region gibt es schon viele Abhandlungen aus alter Zeit und auch aus unserer heutigen Zeit und hier vor allem mit den neueren Erkenntnissen der Geologie. Wir wollen aus diesem Grund dieses Thema nur streifen und uns auf die bekannten und allgemein verständlichen Veröffentlichungen beziehen.

Anders, als man es angesichts der eher ausgeglichenen Oberflächengestalt der Kammhochfläche vermuten könnte, liegt der Landschaft ein sehr buntes Gesteinsmosaik zugrunde: Das Eindringen heißen Magmas in die Gneispakete des Variszischen Gebirges leitete vor rund 315 Millionen Jahren ‒ im Oberkarbon ‒ eine der tektonisch aktivsten Zeiten unserer Erdgeschichte ein. Das Magma erstarrte zum großen Granitstock von Fláje / Fleyh.

Rund zehn Millionen Jahre später stieg erneut geschmolzenes Gestein aus dem Erdmantel auf. Diesmal erreichte das Material die Erdoberfläche und ergoß sich als zähflüssige Lava über die Landschaft, vermutlich in einem breiten Gebirgstal. Weil der nach dem Erstarren und Abkühlen daraus entstehende Quarzporphyr verwitterungsbeständiger als die umgebenden metamorphen Gesteine ist, modellierte die nachfolgende Erosion aus dieser Talfüllung den Höhenrücken, der sich vom Pramenác / Bornhauberg bis weit nach Norden fortsetzt. Auch weiter südlich gibt es diesen Quarzporphyr, nur wurde er hier beim viel später erfolgten Auseinanderbrechen des Erzgebirgsrumpfes abgesenkt. Bei Teplice / Teplitz durchragt es noch heute die erst nach der Absenkung im Eger- Graben abgelagerten Sedimentgesteine. Deshalb wird das harte Gestein auch Teplitzer Quarzporphyr (Teplice- Rhyolith) genannt. (osterzgebirge.de)

  

Im Bereich der Altenberger Scholle, wo Bergreviere wie Fláje / Flöha, Moldava / Moldau oder Mikulov / Niklasberg liegen, ist der Untergrund hauptsächlich aus kristallinen Gesteine aufgebaut. Es handelt sich dabei überwiegend um Biotit- Muskovit- Gneise mit eingebetteten Orthogneislagern.

Weiter außerhalb des Moldau'er Gebietes gibt es auch granatführende Glimmerschiefer und im Bereich Rehefeld- Kaltofen (Vápenice) kommen noch Chlorit- Serizit- Schiefer mit einigen eingelagerten Marmorkörpern neben größeren Einlagerungen von Hornblendeschiefer vor. Alle bebauten Fluoritgänge von Moldava / Moldau sowie einige weitere, kleinere Gangstrukturen, die schon früher Ziel des Bergbaus gewesenen sind, werden mit Erreichen des Teplitzer Quarzporphyrs (heute Teplitzer Ryolith) abgeschnitten oder vertauben.

  


Ausschnitt aus der geognostischen Karte von Sachsen, Blatt
XI: Freiberg bis Königstein, 1846. Die Gänge des Teplitzer Quarzporphyrs sind hier grün dargestellt (P).

      

Der Erzbergbau jenseits der Grenze in Moldau / Moldava muß im 19. Jahrhundert erloschen oder zumindest so unbedeutend gewesen sein, daß er weder in den Erläuterungsheften zur geognostischen Karte 1840 bei C. F. Naumann, noch in den Erläuterungen zu den Geologischen Kartenblättern am Ende des 19. Jahrhunderts Erwähnung findet. Auf einer Abzeichnung von Stollnkarten aus dem Zeitraum um 1810 (mapy.geology.cz) findet man aber im Oberdorf einen Maria Heimsuchung Stolln und im Unterdorf an der Südseite des Tales den Heilige Dreifaltigkeit Stolln und den Maria Hilf Stolln. An der Nordseite des Tales ist ein weiterer Alter Stolln verzeichnet, der eigentlich den „Josef Gangzug“ angefahren haben müßte. Weiter südwestlich ist in dieser Zeichnung noch der Himmelsfürst Stolln markiert.

Tatsächlich sind die in der Region vorkommenden Erzgänge zumeist eher unbedeutend, jedoch für den Altbergbau aufgrund ihrer sulfidischen Vererzung mehrfach Ziel gewesen. Wie im ganzen Erzgebirge wurden auch in diesem Gebiet verschiedene Erze gefunden und gefördert. Durch ihre Bergbaugeschichte sind hier vor allem Moldau / Moldava und Niklasberg / Mikulov bekannt. Der Bergbau in Mikulov wurde dabei erst am Anfang des 15. Jahrhunderts auch urkundlich erwähnt. Seit dieser Zeit entstand dort ein Labyrinth vieler Stolln, in denen man vor allem Silber- haltige Erze abbaute.

   


Auf dieser alten geologischen Karte Böhmens ist zumindest noch ein Stollen am nördlichen Talhang des Bachlaufs verzeichnet (Markierung). Bildquelle: mapy.geology.cz.

   

Doch es gibt noch weitere Besonderheiten. In der Nähe der Körper aus kristallinem Kalkstein (Marmor) treten Pb- Zn- Mineralisierungen auf. Diese waren früher auch Ziel bergbaulicher Tätigkeiten. Unter anderem wurden diese in den Kalkvorkommen von  Vápenice, Rehefeld und Hermsdorf erforscht und bebaut.

Ferner gab es im Bereich des großen Ryolithkörpers – dem Teplitzer Quarzprphyr – auch Abbautätigkeit im 20. Jahrhundert im Bereich der in den Kammbereichen des Erzgebirges vorkommenden, kohlenstoffhaltigen Sedimente in Form einer anthrazitfarbenen Schwarzkohle (Rezek).

 


Ausschnitte aus den Geologischen Karten von Sachsen, Blatt 118: Nassau (links) und 119:Altenberg (rechts), leider von verschiedenen Ausgaben (aus den Jahren 1886 bzw. 1906). Außer den inzwischen rot kolorierten Porphyrgängen findet man keine Eintragungen von Erzgängen.

  

Die Lagerstätte Moldava / Moldau wird durch eine im Wesentlichen NW- SE- streichende Gangstruktur gebildet, welche über 6 km Länge und etwa 600 m Breite bis zum Erreichen des Teplitzer Porphyr aufweist. Dabei besteht diese Lagerstätte aus drei Hauptgangstrukturen. Sie wurden auf ihr Streichen erkundet und bis etwa 400 m Teufe unter die Rasensohle bergmännisch erschlossen, aber nur zum Teil auch in Abbau genommen worden sind. Insgesamt wurden hier 690.000 Tonnen Flußspat gefördert. Aus rein wirtschaftlichen Gründen erfolgte aber nur ein Teilabbau dieser Lagerstätte.

 


Wir haben hier einen Kartenauszug aus den Zeiten der Fluorit- Prospektion um Moldava/Moldau etwas überarbeitet und die geologischen Strukturen, wie den Teplitzer Ryolith hervorgehoben und verschiedene Bezeichnungen ergänzt:.P = Teplitzer Quarzporphyrs (heute Teplitzer Ryolith), mgn = Muscovitgneis, gnk = Biotitgneis. Ersichtlich ist, daß die beiden Gangstrukturen durch den Teplitzer Ryolith stark gestört werden und nur im Bereich des Muskovitgneises vorkommen. Die dargestellten geologischen Verhältnisse entsprechen der „Geologische Karte des Königreichs Sachsen, Sektion 119, 2. Auflage bearbeitet von K. Dalmer von 1906 (siehe oben), sind aber noch weitaus komplexer als dort dargestellt. Bildquelle: mapy.geology.cz

 


Noch eine aktuelle Darstellung der geologischen Verhältnisse um Moldava.
Als Vorlage haben wir eine Zeichnung aus Rudné Doly s. p. Zavod Teplice, Moldava 1957-1994 übernommen. Die Zahlen bezeichnen hier: 1485– Orthogneis, 1423– Glimmerschiefer Muscovit, 1606– Teplitzer Ryolith, 1458– Glimmerschiefer Biotit und 6/7/8/13– verschiedene jüngere Sedimente. Die Flußspat- Gänge sind an die quer in WNW-OSO- und WSW-ONO- Richtung streichenden Störungen gebunden. Bildquelle: mapy.geology.cz

   

Die um Moldava / Moldau vorkommenden Erzgänge sind tatsächlich weniger bedeutend, jedoch für den Altbergbau aufgrund ihrer sulfidischen Vererzung mehrfach Ziel gewesen. Der historische Bergbau in Moldava hat Silber, Blei und Kupfer ausgebracht. Von hier stammt auch der größte, je in der Tschechischen Republik gefundene Fluorit- Kristall ‒ ein Würfel mit 29 cm Kantenlänge (osterzgebirge.de).

Die Gangart dieser Gänge besteht vorwiegend aus Quarz, Dolomit und eher selten Fluorit. Als Erzmineralien sollen Galenit, Pyrit, Chalkopyrit, Sphalerit, Proustit und Akanthit vorgekommen sein. Aber auch vorkommen von Uraninit sind bekannt und gaben wohl den Ausschlag für noch ganz andere Prospektionen.

  

Die Lagerstätte Moldava / Moldau und ihre beiden Hauptgangsysteme Josef und Papoušek / Papagei, sowie die vereinigte Struktur sind durch eine sehr komplizierte Tektonik gekennzeichnet. Die Streichrichtungen der flußspatführenden Gänge bei Moldau / Moldava variieren daher weit von WSW- ENE über W- E und weiter bis NW- SE. Die als wirtschaftlich erachteten Bereiche der Gänge waren sehr wechselhaft in ihrer Ausbildung und umfaßten linsenförmige Anreicherungen von Baryt und Fluorit innerhalb der Gangfläche von etwa 1 m bis 7 m Größe. Dazwischen lagen unterschiedlich mächtige Vertaubungszonen.

Das geförderte Rohmaterial stellte die Wissenschaftler auch bei der Aufbereitung vor etliche Probleme, die seitens der tschechoslowakischen Republik aber als lösbar betrachtet wurden. Dafür wurde die Lagerstätte in drei produktive Stockwerke gegliedert:

  • das oberflächennahe Baryt- Stockwerk,
  • das darauffolgende Baryt- Fluorit- Übergangsstockwerk und
  • das tiefe Fluorit- Stockwerk.

Dabei nimmt der Barytgehalt zur Tiefe hin stetig ab und das Auftreten von Fluorit wird immer häufiger.

  


Nachzeichnung der Darstellung der Mineralisationsstockwerke frei nach Fengl aus Bergbau in Sachsen Band 3.

   


Auszug aus obiger Karte mit Benennung der drei Hauptgangstrukturen. Blau dargestellt sind die abbauwürdigen Bereiche der Gangzüge Josef und Papoušek / Papagei. Auffällig ist dabei, daß die Gänge sich nur abschnittsweise als abbauwürdig darstellten.

  


Diese Montage uns vorliegender Blockkarten für den Josef- Gangzug illustriert die Ausrichtung des Abbaus bis zum VIII. patro / 8. Sohle und die unregelmäßige Verteilung bauwürdiger, respektive abgebauter Gangflächen (braun hervorgehoben) innerhalb des Ganges nordwestlich und südöstlich des Schachtes H1. Die 1. Sohle (hellrot) entspricht in diesem Schnitt dem Josef Stolln. Durch diese Zählung der Sohlen gab es hier auch eine IX. Sohle, auf der bis zur Einstellung des Abbaus allerdings nur noch Ausrichtungsstrecken aufgefahren worden sind.

   

Die beiden Hauptgangsysteme Josef und Papoušek / Papagei, sowie die vereinigte Struktur streichen gewöhnlich NW- SE und fallen mit 70° bis 90° steil ein. Die Gangart bestand meist aus von Hämatit beeinflußtem Quarz, Fluorit und Baryt. An verschiedenen Variationen in den Mineralparagenesen sind zu nennen:
  • die flq- Folgengruppe (Fluorit- Quarz- Variation),
  • die hmba- Folgengruppe Hämatit- Baryt- Variation)
  • die bafl- Folgengruppe (Baryt- Fluorit- Assoziation) als wichtigste Variation für die Fluoritgewinnung und
  • die  flbaq- Folgengruppe (Fluorit- Baryt- Quarz- Variation).

Bei einigen Erzgängen im nördlichen Teil der Hauptlagerstätte von Moldava / Moldau sind auch davon abweichende Paragenesen beobachtet worden. Es handelte sich um Gänge mit Gangarten wie Calcit, Ankerit und Dolomit. Quarz und Fluorit waren nur noch untergeordnet vertreten. Als Vererzung war in der Hauptsache Galenit, Sphalerit und Pyrit, selten auch Chalkopyrit vorhanden.

Im nordöstlichen Abschnitt der Hauptlagerstätte befand sich eine Mylonitzone innerhalb der Gänge, die mit Sulfiden angereichert war. Als Vererzung kam hier Siderit, Galenit, Sphalerit, Pyrit und Chalkopyrit vor. Nur im Bereich der tiefsten Sohle im südöstlichen Abschnitt der Lagerstätte sind ferner Gangbereiche mit Bornit und Chalkosin aufgetreten (Rucký et al).

  

 
 
 

Geologische Erkundungsarbeiten im Umfeld der Lagerstätte Moldava / Moldau

   

Wenn man die Streichrichtungen der Lagerstätte Moldava / Moldau auf das sächsische Gebiet verlängert, ist nicht verwunderlich, daß auch in diesem Bereich recht häufig Anzeichen von Gangstrukturen, etwa Mineralfunde auf den Feldern oder Altbergbauspuren auftreten. Es handelt sich schließlich bei dieser Lagerstätte um ein beeinflußtes Gebiet von insgesamt gut 15 km Erstreckung und bis zu 1 km Breite.

Zum Beispiel sind in den 1950er Jahren durch die Geologische Erkundung der SDAG Wismut Untersuchungsarbeiten zu einem Barytvorkommen in Neu- Rehefeld am sogenannten Hemmschuh erfolgt und um 1969/70 im Raum Holzhau- Teichhaus, dort jedoch auf eine vermutete Uranmineralisation.

Warum die Wismut dieses Gebiet überhaupt prospektierte, können wir schon bei Credner nachlesen:

„3. Schwarzer Phyllit (Graphitoidphyllit)

Südwestlich von Hermsdorf und nördlich von Holzau, immer in inniger Verbindung mit Kalkphylliten und stets in deren Nachbarschaft, treten schwarz gefärbte, auf dem Querbruch sammetglänzende Phyllite auf, meist ziemlich ebenschieferige, oft aber auch fein getäfelte Gesteine. Unter dem Mikroskop bemerkt man, dass ihr schwarzes Pigment ein gleichmässig im Gestein vertheilter, ihm wie ein feiner Staub beigemengter amorpher Kohlenstoff ist. In der Umgebung der Quarzlinsen und -knauer, welche in diesen schwarzen Phylliten zuweilen vorkommen, pflegt dieser Kohlenstoff besonders angereichert zu sein, so dass mitunter kleine schuppige, wie Graphit glänzende und abfärbende Partieen erzeugt werden, welche fast ausschließlich aus diesem amorphen Kohlenstoff bestehen. Im Bunsenschen Brenner ist er, wenn auch schwer, verbrennlich.

Nach Analogie nach anderen von Sauer beschriebenen ähnlichen Vorkommnissen aus der erzgebirgischen Phyllitformation ist dieser amorphe Kohlenstoff als Graphitoid zu bezeichnen (heute nicht mehr gebräuchlich – Anm. d. Red.) im Unterschied von dem eigentlichen krystallinen Graphit, dem er in seiner chemischen Natur sehr nahe steht.“

Diese kohlenstoffreichen Phyllite waren dafür bekannt, daß sie häufig erhöhte Schwermetall- Konzentrationen enthalten, darunter gelegentlich eben auch Uran...

   


Im Betrachtungsgebiet rund um Moldava / Moldau sind noch weitere Prospektionen auf Baryt- Fluorit und auch auf Uranerz durchgeführt worden. Dabei wurden mehrere Gangstrukturen, die parallel zum Moldava- Gangsystem verlaufen, nachgewiesen. Im Gebiet das durch die WISMUT untersucht wurde (blau), erfolgten umfangreiche Tiefbohrungen, Traktorbohrungen und auch Schürfarbeiten. Das Baryt- Vorkommen Neu- Rehefeld (violett) ist durch die Staatliche Geologische Kommission und von dieser beauftragte Bergbaubetrieben untersucht worden. Auch im Erkundungsgebiet Moldava- Vápenice sind noch mindestens 1,5 Mio t Erz prognostiziert. Dabei bewiesen die Erkundungsbohrungen bis 150 m unter die tiefste Abbausohle noch wirtschaftlich bauwürdige Vorkommen von Baryt und auch Fluorit. Quelle der Hintergrundkarte: mapy.cz.

   

 
 
 

Baryterkundung bei Neu- Rehefeld / Hemmschuh

Dieses Vorkommen ist durch die „Staatliche Geologische Kommission, Außenstelle Freiberg/Sachsen“ und dem beauftragten Bergbaubetrieb, das Kalkwerk Hermsdorf, untersucht worden. Dabei wurden alle praktischen bergmännischen Erkundungsarbeiten durch das Kalkwerk Hermsdorf ausgeführt. Der Betriebsplan vom 14. März 1956 war mit der Überschrift  „Bergmännische Untersuchungsarbeiten auf Schwerspat am Fischerhaus in Neu- Rehefeld“ versehen (40069, Nr. 558 und Nr. 672).

   


Stempelfeld auf dem Grubenriß zum Schwerspatvorkommen Rehefeld. Quelle: Sächsisches Staatsarchiv, Bergarchiv Freiberg, Bestand 40069 (Bergbehörde Freiberg), Nr. 558.

  

Das zu untersuchende, vermutete Barytvorkommen lag unweit des Fischerhauses etwa 500 m östlich am Hang des sogenannten „Hemmschuh“, einer Erhebung von 846 m Höhe und heute ein 253 Hektar großes Naturschutzgebiet. In der Vergangenheit ging hier bedeutender Bergbau auf Kalk und im Vergleich mit diesem recht unbedeutender Bergbau auf Metallerze um.

Ein solches Bergbaurelikt am Hemmschuh gab wohl Anlaß zu einer näheren Untersuchung der geologisch- mineralogischen Situation, was natürlich dem akuten Rohstoffmangel in der noch jungen DDR geschuldet war. Im Arbeitsgebiet befand sich Altbergbau in Form eines Stollns, der mittels Schlägel und Eisen vorgetrieben war und einer barytführenden Gangstruktur folgte. Dieser Stolln soll zu Untersuchungszeiten nicht oder nur bedingt fahrbar gewesen sein. Über die Erstreckung des Stolln ist nichts Näheres in den Bergakten vermerkt. Jedoch soll der Ausbruch des Stollnprofiles  bei 1,7 m² gelegen haben. Daraus würde sich eine Profilhöhe von gut 2 m errechnen.

  


Das zu erkundende Barytvorkommen lag im violetten Viereck zwischen Kreuzweg und Holperbachweg. Dem Holperbach flossen verschiedene kleine Bäche vom Gehänge des Hemmschuh zu, diese sind leider nicht in dem Kartenausschnitt sichtbar. Quelle der Hintergrundkarte: mapy.cz.

   


Ausschnitt aus der Geologischen Karte des Königreichs Sachsen, Blatt 119: Section Altenberg- Zinnwald, 2. Auflage, Geol. Aufnahme von C. Gäbert 1906. In dieser Karte sind keine Vorkommen von Baryt oder Bergbauversuche darauf vermerkt. Lediglich die Kalkvorkommen (dunkelblau) am Hemmschuh sind verzeichnet.

  

Erste Arbeiten sind im Untersuchungsgebiet durch das Kalkwerk Hermsdorf am 13.05.1955 begonnen worden. Zur Feststellung von Gangstreichen, Einfallen, Ausdehnung und Mächtigkeit hat die „Staatliche Geologische Kommission“ (SGK) die Anlage von Schürfen vorgesehen und wohl auch abgesteckt und das Kalkwerk Hermsdorf mit der Ausführung dieser Arbeiten beauftragt. Vom Kalkwerk Hermsdorf waren zwei Arbeiter abgestellt, um die 125 m³ Volumen der vorgesehenen Schürfe auszuheben. Bis zum 01.07.1955 waren über 152,2 m³ Volumen an Schürfen ausgehoben. Dabei ist ein Gang mit etwas Baryt und viele kleine Störungen freigelegt worden. Im Haufwerk fanden sich Bruchstücke von Quarz und Baryt und gaben wohl Anlaß für Hoffnung.

Die Arbeiten sind im Jahr 1956 weiter fortgesetzt und dabei erfolgte bis zum August 1956 neben der Revision des alten Stollns noch die Auffahrung von 41 m neuer Stollntrakt und das absenken eines 15 m tiefen Untersuchungsschachts ‒ nur leider ohne einen bauwürdigen Barytgang anzutreffen. Aufgrund des negativen Ergebnisses sind sämtliche Untersuchungsarbeiten bis November 1956 eingestellt und das beanspruchte Gelände wieder renaturiert worden (40069, Nr. 552).

  


Skizze der Untersuchungsstollnanlage bei Neu- Rehefeld nach einem Foto des Grubenrisses in der Bergakte (Bestand 40069 Nr. 558). Hellgrau ist der Verlauf des alten Stolln und dunkelgrau der neu aufzufahrende Stollntrakt dargestellt. Dabei ist der alte Stolln im Ausbruch von 1,7 m² auf 3,6 m³, dem Ausbruch des neuen Stollns, nachgerissen worden. Die im Riß dargestellte Auffahrung ist wohl nur die Projektierung und nie vollständig ausgeführt worden. Keine der dabei angetroffenen Störungen (weiß) entpuppte sich als bauwürdiger Barytgang. Das Streichen dieser Störungen entsprach ebenfalls nicht dem Streichen der in Moldava / Moldau abgebauten Fluorit- und Barytgänge. Das ehemals beanspruchte Gelände ist noch heute erkennbar.

   


Von der Forststraße aus sind die Halden der Spatprospektion recht gut sichtbar und nicht zu verfehlen.

  


Die Ablagerungen der tauben Berge der Stollnauffahrung bilden eine recht auffällige Halde.

  


Blick von der Halde in Richtung Stollnmundloch. Der Stolln selber ist durch einen überaus starken Wasseraustritt zwischen den Halden markiert.

  


Aufgrund der geringen Überdeckung ist der Mundlochbereich und wohl auch weiter hinein mit Ausbau in Form von Rundstahlbögen versehen. Das Mundloch selber ist mit Bergemassen mehr oder weniger gut versetzt.

  


Ansicht des Stollnmundloches. Gut zu sehen der Ausbau mittels Stahlbögen.

  


Der Blick in das Stollnmundloch zeigt, daß der Ausbau weit in den Stolln herein geführt wurde, das Profil aber weitgehend mit Versatz ausgefüllt worden ist.

 


Blick von der Halde über dem Stollnmundloch in Richtung des Schurfschachtes. Das Gelände ist hier aufgrund der verfüllten Schürfe sehr unregelmäßig.

  


Die Lage des Schurfschachtes aus Zeiten der Spaterkundung und eine weitere eingezäunte Pinge sind hier zu sehen.

   


Beide Pingen liegen wohl im Bereich eines Gangzuges oder wenigstens im Streichen der Schwerspat- führenden Strukturen.

  


Auf der Halde am Schurfschacht liegen überall noch rötliche Schwerspatstücke umher. Solche Funde in der Halde der Altbergbau- Stolln gaben wohl den Anlaß für die Prospektion. Ob dieses Spatvorkommen mit dem von Moldava- Vapenice zusammenhängt oder sogar ein Ausläuffer dessen ist, wurde nicht weiter ermittelt. Es wurde als völlig bauunwürdig eingestuft.

  

 
 
 

Das Barytvorkommen bei Holzhau- Teichhaus

Dieses vermutete Vorkommen liegt zwischen der tschechischen Grenze und Holzhau im Landschaftsschutzgebiet Osterzgebirge, etwa 800 m nordwestlich von Moldava / Moldau entfernt und umfaßt einige Quadratkilometer Fläche. Aufgrund von Lesefunden von Baryt und Quarz und der Tatsache, daß diese Zone im Streichen der Lagerstätte nordwestlich von Moldava liegt, war die Annahme der Fortsetzung dieser Gänge auf deutschem Staatsgebiet nicht nur berechtigt, sondern naheliegend. Schon zu Zeiten der Aufnahme von ersten Gewinnungsarbeiten in der Lagerstätte Moldava / Moldau 1957 auf dem Gang Josef mittels einfachen Stollnbetrieb und Bruchbau erfolgten auch erste Untersuchungen auf sächsischem Gebiet, wovon ein Ergebnis die gerade oben erwähnte Untersuchung am Hemmschuh darstellt.

   


Zur Lage des Untersuchungsgebietes Teichhaus. Dies befindet sich direkt an der Grenze zur Tschechischen Republik. Quelle der Hintergrundkarte: mapy.cz.

 


Geologische Karte für das Königreich Sachsen, Blatt 118: Section Nassau, Geol. Aufnahme 1886 von R. Beck. Hiernach liegt das Arbeitsgebiet in einer Gneiszone. Weder das Auftreten von Baryt, noch eine bergbauliche Aktivität wurde dort verzeichnet.

  

Neben klein- bis mittelkörnig ausgebildeter schuppiger Gneis kommen hier noch Phyllitschollen, bestehend aus schwarzen kohlenstoffhaltigen Phyllit, sowie granatführender Albitphyllit im Arbeitsgebiet Teichhaus vor. Außerdem sind noch Rhyolith und Granitporphyr schon in der alten geologischen Literatur beschrieben. Die Phyllite erweckten wohl gewisse Hoffnungen bei der SAG WISMUT auf ein Uranerzvorkommen.

Die Aktivitäten der SAG / SDAG WISMUT zur Untersuchung der Uranhöffigkeit haben sich auf das gesamte Staatsgebiet der DDR erstreckt. Eine besonders intensive Prospektierung erfolgte natürlich in den schon bekannten uranerzhöffigen Gebieten mit bestehender Uranerzförderung. Solche Gebiete waren besonders zahlreich mit Schürfen, Bohrungen und Grubenbauen überzogen. Die übrigen Gebiete wurden erst nach und nach systematisch erkundet und bewertet.

Die Untersuchungen der SAG / SDAG WISMUT gliedern sich in sechs Prospektionsetappen. Für das hier betrachtete Arbeitsgebiet ist die 5. Etappe (1968-1972) besonders interessant. Diese beinhaltete neben den üblichen wismuttypischen Verfahren, wie der flächenhaften Emanationsaufnahme, Marschrouten- Gamma- Aufnahmen und Aero- Gammaaufnahme auch die Ausführung von Schürfarbeiten, Traktorbohrungen sowie Tiefbohrungen. Letztere geben natürlich auch Aufschluß über das Vorhandensein anderer wirtschaftlich interessanter Rohstoffe und den generellen Gebirgsaufbau.

Die Ergebnisse der Prospektionen fanden Eingang in aktualisiertes, analoges Kartenmaterial, wie zum Beispiel für das Osterzgebirge 1973 in Form neuer geologischer  Messtischblätter von Frauenstein, Dippoldiswalde, Nassau und Altenberg im Maßstab 1:25.000 und in einzelnen Bereichen, die als uranhöffig galten, auch im Maßstab 1:10.000 und 1:2.000. Solche Informationen sind bei Relevanz anderer wirtschaftlich bedeutsamer Rohstoffe auch an andere geologische Institutionen zur Vertiefung der Erkundung weitergeleitet worden.

Neben der DGEG (Dresdener Geologische Erkundungsgruppe, später BAD - Betriebsabteilung Dresden des ZGB - Zentralen Geologischen Betriebes) und auch in Zusammenarbeit mit dem Wissenschaftlichen Forschungsinstitut Nr. 2 der Akademie der Wissenschaften der UdSSR in Moskau, erhielten noch weitere Einrichtungen Kenntnis oder zumindest teilweise Kenntnis über die Untersuchungsergebnisse. Die 6. Untersuchungsetappe von 1979-1988 befaßte sich ausschließlich mit dem Nachweis einer hydrothermal- metasomatischen Trümer- Einsprengungs- Vererzung. Hier bestand die Hoffnung auf eine ähnliche Lagerstätte, wie im mährischen Rozna und Olsa in der SE- Erstreckung der Teplitzer vulkanisch- tektonischen Struktur (Chronik).

Nachdem 1957 der Versuchsabbau in Moldava / Moldau auf dem Josef Gang über Stollnbetrieb und Bruchbau die ersten Erfolge zeigte, begann der VEB Geologische Erkundung Süd in Freiberg und dessen späterer Nachfolger, VEB Geologische Forschung und Erkundung (GFE), Betriebsteil Freiberg, mit direkten Untersuchungen der Struktur in Moldava, aber eben in Verlängerung deren Streichens auf deutschem Gebiet im Prospektionsbereich Teichhaus. Die WISMUT hatte im unmittelbaren Betrachtungsgebiet Teichhaus bereits 7 Tiefbohrungen in  der Zone, wo die Gänge sich von Moldava / Moldau fortsetzen könnten, angelegt.

Die Untersuchungsarbeiten zeugten nicht von großem Elan. Um 1964 setzten erste Geländearbeiten in Form von Begehungen und Kartierarbeiten ein und erst Ende der 1960er Jahre sind sie durch Probenahme von Lesesteinen fortgesetzt worden. Die Folgeuntersuchungen in Form von Schlichuntersuchungen, hydrogeochemischen Untersuchungen und weiteren vertiefenden geochemischen Arbeiten zogen sich durch die ganzen 1970er Jahre, bis hin zur politischen Wende 1989. Ziel war ja der Nachweis einer bauwürdigen Fortsetzung der fluoritmineralisierten Gangstrukturen von Moldava bei Teichhaus. Hierzu sind nun auch geophysikalische und geochemische Messkampagnen erfolgt. Die Gangstrukturen Papoušek / Papagei wie auch Josef konnten dabei durch die Messkampagnen, Schürfe und Lesesteinbeprobung durchaus nachgewiesen werden.

Die Gangstruktur Josef war im Betrachtungsgebiet Teichhaus allerdings nur durch wenige Barytfunde erkennbar. Jedoch ist eine angebliche Erstreckung von 1.000 m und für die Gangstruktur Papoušek / Papagei von über 3.500 m, ausgehend von der Lagerstätte Moldava / Moldau durch Schürfe und Lesesteine verfolgt worden. Dabei zeigte sich der Gang in beiden Fällen in der Mächtigkeit kaum über einen halben Meter reichend und sehr schwankend und von sehr geringem Fluoritgehalt (Steckbr.)

Durch die Untersuchungen der tschechischen Geologen war schon frühzeitig klar, daß die sich auf deutscher Seite fortsetzenden Gangstrukturen wirtschaftlich unbauwürdig sind. Denn der Abbau in Moldava / Moldau ist mehr in Richtung Vapenice geführt worden, dagegen in Richtung Teichhaus nur oberflächennah erfolgt und frühzeitig wegen abnehmender Mächtigkeit und Fluoritgehalte aus wirtschaftlicher Sicht eingestellt worden (Rezek).

  


In der Ortslage Teichhaus, gegenüber letzterem am Floßgraben ist der Ansatzpunkt eines Stolln sichtbar.
Dieser ist 96 m weit als reiner Hoffnungsbau aufgefahren.

  


Am Felsvorsprung rechts neben dem Stollnmundloch ist etwas Baryt zu erkennen. Dieser gab wohl den Ausschlag zur Auffahrung des Stollns. Ob es sich bei dem Baryt um Ausläuffer der Lagerstätte von Moldava / Moldau handelt, steht zwar zu vermuten, ist aber nicht eindeutig belegbar. Weitere Strukturen dieser Art sind im Bereich Teichhaus nicht bekannt.

  

Ab 2006 ist durch das Sächsischen Staatsministerium für Wirtschaft und Arbeit eine Neubewertung von Spat- und Erzvorkommen im Freistaat Sachsen für wirtschaftlich interessante Rohstoffe angeschoben worden. Diese Neubewertung ist durch einen Steckbriefkatalog zu Spat- und Erzvorkommen präsentiert, der im Internet abrufbar ist.

Zu Teichhaus finden wir ein „prognostiziertes Vorkommen“ von 1.000 kt Fluorit und 800 kt Baryt. (Rohstoffk.) Im von der Beak Consultants GmbH erarbeiten Steckbrief lesen wir folgende Angaben: „Auf der Basis weitgehender Analogie im geologischen und tektonischen Bau zur Lagerstätte Moldava und aus minerogenetischer Sicht werden für die Struktur Teichhaus im Teufenbereich 0 bis 300 m 500 kt prognostische Fluoritvorräte (Delta-2-Vorräte) und im Teufenbereich 300 bis 500 m weitere 500 kt perspektive Fluoritmassen (PM) geschätzt. Darüber hinaus wird der Teufenbereich von 500 bis 1.000 m als sehr höffig bewertet. Gemäß UNFC-Klassifikation sollten die angegebenen Vorratsmengen zu den prognostischen Ressourcen gezählt werden (Code 334).“ (Steckbr.)

  

 
 
 

Mineralien aus der Grube Moldava / Moldau

  

Während der Betriebszeit der Grube Moldava hatten Wissenschaftler auch die Gelegenheit, die Mineralisation des gesamten Gangsystems in Augenschein zu nehmen und konnten zahlreiche Analysen vornehmen. Dabei wurde am wohl interessantesten Gang „Josef“ eine Einteilung der Vererzung nach Art einer lokalen Klassifikation ermöglicht:

Der 1. Bereich ist eine sehr kleinräumige Vererzung, die an Störungen in der Gangmitte gebunden war. Sie bestand aus Körnern von gediegenen Wismut und aus Galenitlinsen.

Der 2. Bereich umfaßte oxidierten Galenit im Zentrum des Ganges und in kleineren Spalten und Rissen. Hinzu kamen noch Cu- Pb- Arsenate und oft skelettartig ausgebildete Silbererze. Wismutmineralien sind hier nicht aufgefallen.

Der 3. Bereich bildete eine Fortsetzung des 2. Bereiches in der Tiefe mit geringeren Anteilen von Sekundärmineralien, von Galenit und gediegen Wismut. Dabei war das Vorkommen von sekundären Wismutmineralien charakteristisch.

Der 4. Bereich umfaßte das Vorkommen größerer linsenförmiger Körper mit Galenit, Tennantit, Jalpait und gediegen Wismut. Hinzu gesellten sich recht reiche Silbermineralien wie Akanthit, Proustit und etwas seltener auch Blei- und Kupferarsenate. Während Pyromorphit fehlte, war Wulfenit hier vorhanden.

Der 5. Bereich schließlich beinhaltete sulfidische Mineralien, die an jüngste Imprägnationen aus Fluorit und Quarz gebunden waren.

Die Bereiche 1 – 4 traten hauptsächlich in Drusenhohlräumen mit Fluorit- und Quarzkristallen, selten mit Baryt zusammen auf (Sejkora, Fengl).

  

Im Jahr 1967 wurde im Bereich der 3. Sohle des Schachtes H1 bei 150 m eine Anreicherung im Josef Gang mit Gehalten von Silber, Blei, Kupfer und Arsen festgestellt. Bis etwa 1977 zeigten sich auf der 4. und 5. Sohle ebenfalls solche angereicherten Gangpartien. Da nunmehr der Silbergehalt im Gang bis zu 8% (!!) betrug, ist das Material in der Aufbereitungsanlage in Sobědruhy bei Teplice / Teplitz gesondert aufbereitet worden, wobei eine hohe Silberausbeute von etwa 50% - 70% aufgrund der großen Mengen Akanthit in diesem Erzfall erreicht wurde. So wurden 100-200 Tonnen dieser Hauptmasse zur Verarbeitung des Silbers nach Deutschland exportiert. Diese speziellen Mineralausbildungen auf dem Gangsystem Josef boten auch eine einmalige Möglichkeit für die Analyse der vorkommenden Mineralien dieser Lagerstätte.

Während des Grubenbetriebes sind sehr schöne Kristallbildungen des Fluorit aufgetreten. Die Fluoritwürfel gab es in verschiedenen Farben. So traten diese Kristalle völlig farblos, grün, honiggelb über dunkelgelb über braun bis dunkelviolett auf und die Größe der Kristalle konnte häufig bis zu 15 cm Kantenlänge erreichen. Ebenso kam Baryt in kristallisierter Form vor, so als tafelförmiger Baryt von farblos über gelb oder grau gefärbt oder auch in rot, rosa und weiß. Es wurden auch schöne Exemplare von begleitenden Mineralien der Silbermineralisierung gefunden gediegen Silber als Drahtsilber, Pyrargyrit und Stephanit oder der schon erwähnte Akanthit in Form von dunkelgrauen und metallischen Büscheln. Quarz trat ebenfalls recht häufig in kristalliner Form auf, war aber meist mit Hämatit vergesellschaftet.

Die Lagerstätte Moldava / Moldau war auch ein Paradies für Sekundärmineralien. Insgesamt sind etwa 89 Mineralien auf dieser Lagerstätte nachgewiesen worden (Sejkora / Fengl /  Zdař Bůh). 

  

An dieser Stelle wollen wir nun einige Bilder von Mineralfunden einstellen, die aus einem im Internet veröffentlichten Album stammen. Leider sind keine weiteren Hintergründe zu den genauen Fundorten und des / der Mineraliensammler bekannt.

Bei den folgenden Aufnahmen handelt es sich sämtlich um Micromounts. Die Qualität und Tiefenschärfe der Aufnahmen ist bewundernswert. Auch wenn wir den Bildautoren bisher nicht in Erfahrung bringen konnten, sind sie einfach so schön, daß wir sie hier auch zeigen wollen.

Auf dieser Lagerstätte wurde übrigens auch der größte je in Tschechien gefundene Fluorit- Kristall gefunden. Er besaß eine Kantenlänge von beachtlichen 29 cm. Kristallisierter Fluorit kam gut ausgebildet aber nur in den oberen Sohlen vor. Momentan fehlen hier noch genauere Angaben.

 

Zur Mineralisation der Lagerstätte Moldava / Moldau sind in den letzten nahezu 50 Jahren viele Veröffentlichungen erfolgt, die eine eigene Dokumentationssparte bilden, der wir hier aber nicht vorgreifen wollen. Viele Veröffentlichungen davon sind allerdings in tschechischer Sprache und daher im deutschsprachigen Raum kaum zugängig.

Die Beschreibung einer kleinen Auswahl der in Moldava / Moldau aufgefundenen Mineralien übernehmen wir in Zitatform aus der LAPIS 10/1997. Wir wollen ja das Fahrrad nicht noch einmal erfinden und ersparen uns hier das Nachschreiben. Die Veröffentlichung im LAPIS konnte nicht besser erstellt werden und wir geben sie deshalb hier in ausgewählten Zitaten wider:

Akanthit ist das wichtigste Silbermineral der Lagerstätte. In großen Mengen kam er in Erzanreicherungen zwischen den Sohlen -100 und -200 m im NW des Ganges Josef vor. Akanthit tritt tritt sowohl in primären als auch sekundären Mineralparagnesen auf. Er bildet stahlgraue weiche, metallische Massen und Krusten in den Rissen der Fluorit- Baryt- Gangart oder verkittet als Zement die neugebildeten Brekzien. In derben Aggregaten der Silbermineralien kommt Akanthit üblicherweise in Säumen rund um erhaltenen Prousti- Körner vor. Vereinzelt wurden auch Akanthit- Anreicherungen bis zu einigen Kilogramm Gewicht gefunden. Sehr selten sind gut ausgebildete, isometrische oder dicktafelige Kristalle (Pseudomorphosen nach kubischen Argentit), die eine Länge bis zu 2 cm erreichen können. Sonst kommt er in kleineren, maximal 2 mm großen, monoklinen Kristallen vor. Sie werden von derben Proustit und von Pearceit- Kristallen begleitet.

Röntgenamorphes Silbersulfid (Ag2S) ist ein bedeutendes Bestandteil der sogenannten „Silberschwärze“; sie bildet schwarzgraue, erdige Ausfüllungen. Selten treten Akanthitkristalle zusammen mit Kristallen von Galenit, Sphalerit, Proustit und Xanthokon auf, und zwar in kleinen Hohlräumen der Pyrit- Markasit- Aggregate aus älteren Gängen im Nordteil der Lagerstätte.“ (Lapis 10/97)

  


Akanthit (Ag
2S) stellt das wohl wichtigste Silbermineral der Grube Moldava dar, hier mit Mixit auf Fluorit. Er wurde vor allem im Bereich des Ganges „Josef“ im nordwestlichen Teil auf den Sohlen -200 m bis -100 m in primären und sekundären Mineralparagnesen gefunden.

  


Ein „Bäumchen“ aus dendritischen Akanthit xx auf violettem Fluorit von der Grube Moldava.

   


Akanthit auf blaßviolettem Fluorit und gelbem Baryt, mit hellgrünen Nadeln von Mixit BiCu
6(AsO4)3(OH)6 3 H2O von der Grube Moldava.

 


Dendritische Akanthit xx auf violettem Fluorit von der Grube Moldava.

  


Akanthit mit Mixit auf violettem Fluorit von der Grube Moldava.

  


Dendritische Akanthit xx auf Bayldonit von der Grube Moldava.

  

Pyrargyrit ist eines der wichtigen Silbererze des sächsischen Bergbaus überhaupt. Es entsteht in hydrothermalen Lagerstätten vorwiegend auf Gängen und kann derb ausgebildet sein oder auch prächtige Kristalle bilden. Es gibt für dieses wichtige Silbermineral noch mehrere alte, heute nicht mehr gebräuchliche Namen, wie Dunkles Rotgültigerz, Antimonsilberblende, Rubinblende oder seltener auch Aerosit.

In der Liste der aufgefundenen Mineralien der Lagerstätte Moldava / Moldau ist dieses Silbermineral mit einem Fragezeichen versehen. Daher ist davon auszugehen, daß der Fund von Pyrargyrit hier eher sehr selten ist und die nachfolgenden Bilder von aufgefundenen kleinen Stufen ein Novum darstellen.

  


Pyrargyrit (Dunkles Rotgültigerz) Ag
3SbS3 von der Grube Moldava.

   


Pyrargyrit (Dunkles Rotgültigerz) auf violettem Fluorit.

  


Pyrargyrit (Dunkles Rotgültigerz).

   


Pyrargyrit (Dunkles Rotgültigerz).

   


Pyrargyrit (Dunkles Rotgültigerz).

  

Das typische Mineralvorkommen und das Ziel des Abbaus in der Lagerstätte Moldava / Moldau sind Baryt und Fluorit, die eben in sehr schön kristallisierter Form vorklommen. Wir haben wieder in das LAPIS 10/97 geschaut und übernehmen die Beschreibung:

Baryt kommt in derben und körnigen Aggregaten von rötlicher und weißlicher Farbe vor. Gebänderte Fluorit- Baryt- Texturen sind gelegentlich zur Herstellung kleiner Schmuckobjekte verwendet worden.

Barytkristalle sind relativ selten; ihre Größe reicht bis zu 8 cm. Sie sind flächenreich, mit vorwiegendem Basispinakoid. Selten wurden in Barytkristallen dünnnadelige Markasitkristalle beobachtet, die parallel zu der C-Achse orientiert sind. In Drusenhohlräumen kommt relativ oft sekundär gebildeter Baryt vor. Er bildet winzige, farblose oder honiggelbe Täfelchen. Begleiter sind Akanthit, Pearceit, Wulfenit und Mixit.

Fluorit ist das wichtigste Gangmineral in Moldava. Zusammen mit Quarz und Baryt bildet er massive grobkörnige Aggregate. Das Mineral kann weißliche oder grau-grüne, oft auch gelbe bis braune und hell- bis dunkelviolette Farbe haben. Derber dunkelvioletter Fluorit (sog. „Antozonit“ bzw. „Stinkspat“) erscheint auf Nord-Süd verlaufenden Gängen mit U- Se- Ag- Vererzung.

In den Hohlräumen der Hauptgänge (Josef-Gang, Gangsystem Papousek) fand sich Flourit zeitweise in sehr schönen Würfeln, die eine Größe bis zu 10 cm besitzen können. Die größten Fluoritkristalle sind farblos, gelb, honiggelb oder braun. Kleinere Individuen sind meist dunkelviolett und oft mit Silbermineralien besetzt. Der wohl größte böhmische Fluoritkristall stammt aus einer Druse in der zentralen Partie des Josef-Ganges (-150 m Sohle). Es handelt sich um einen Würfel mit 29 cm Kantenlänge.“ (Lapis 10/97)

  


Der Gegenstand des Bergbaus und des wirtschaftlichen Interesses: Tiefviolette Fluorit xx mit dem typischen würfligen Habitus von der Grube Moldava.

  


Gelbe Baryt xx (BaSO
4) auf violettem Fluorit (CaF2).

  

Sekundärminerale (Verwitterungsprodukte):

Azurit wird im bergmännischen Sprachgebrauch auch als Bergblau, Kupferblau oder Kupferlasur bezeichnet. Es handelt sich um ein Sekundärmineral sulfidischer Lagerstätten mit Kupfervorkommen. Die Azuritmineralien von Moldava / Moldau sind in den einschlägigen Mineralienfundstellen meistens nicht mit aufgeführt, dennoch handelt es sich um exzellente Mikro-Mineralausbildungen aus dieser Lagerstätte.

In der LAPIS 10/97 wird der Azurit folgendermaßen charakterisiert:

Azurit bildet am häufigsten typische blaue Überzüge auf Stufen mit angewittertem Tennantit. Gefunden wurden auch kleine (max. 5 mm), unvollkommen ausgebildete, tafelige bis isometrische Kristalle von tiefblauer Farbe. Azurit wird oft von Malachit und Chrysokoll begleitet.“ (Lapis 10/97)

  


Azurit Cu
3(CO3)2(OH)2 xx auf gelbem Fluorit.

  


Azurit xx auf gelbem Fluorit.

  

Bayldonit ist ein eher selten vorkommendes Mineral in der Oxydationszone von Blei- Kupfer Lagerstätten, besteht in der Regel nur aus einem pulvrigen Überzug und ist nur sehr selten in kristalliner Form zu finden. Wiederum ist Moldava / Moldau nicht als typischer Fundort verzeichnet. Bayldonit ist meistens vergesellschaftet mit Mimetesit, Beudantit, Duftit, Pharmakosiderit, Goethit, Segnitit und Mixit von denen einige auch in der Lagerstätte Moldava / Moldau aufgetreten sind. Bayldonit aus der Lagerstätte Moldava / Moldau wird folgendermaßen beschrieben: 

Bayldonit erscheint, eng verwachsen mit Duftit, als dünne nierige, kryptokristalline Überzüge in den Hohlräumen der Fluorit- Gänge.

Die Aggregate haben verschiedene grüne Farbtöne, die von der Dicke der Kruste und ihrer mineralogischen Zusammensetzung abhängen. Die vorherrschende Mineralkomponente ist dabei nur röntgenographisch indentifizierbar. Diese Bayldonit- Duftit- Aggregate bedecken und verdrängen sehr oft Kristalle von Mitmesit (Fengl, et al. 1981).

Neu wurden in winzigen Hohlräumen in zerfallendem Fluorit sehr kleine, grasgrüne Bayldonit- Kristalle gefunden. Sie bilden nierige Pseudomorphosen nach Mimetit- Säulchen. Zusammen mit Bayldonit wurden Beudamit, Olivenit, Arsentsumebit und Malachit indentifiziert.“ (Lapis 10/97)

  


Bayldonit Cu
3PbO(AsO3OH)2(OH)2 xx.

  


Bayldonit Cu
3PbO(AsO3OH)2(OH)2 xx.

  


Gelber Mimetesit Pb5(AsO4)3Cl und grüner Bayldonit.

   

Karminit ist ein relativ selten vorkommendes Sekundärmineral in der Oxydationszone von Blei-Lagerstätten. Als Begleitminerale können unter anderem Anglesit, Arseniosiderit, Bayldonit, Beudantit, Cerussit, Dussertit, Mimetesit, Plumbojarosit, Skorodit und Wulfenit auftreten. In Moldava / Moldau wurde Karminit in folgender Form beobachtet:

Karminit ist mit Mimetesit, Beudantit und Olivenit vergesellschaftet. Seine braunroten, nadeligen Kriställchen sind zu Büscheln und nierigen Krusten aggregiert. Karminit verdrängt oftmals Mimetesit-Kristalle. Auf Karminitnadeln sitzen gelegentlich winzige pseudohexagonale Beudantitkristalle (max. 0,01 mm). (Lapis 10/97)

  


Karminit PbFe
2(AsO4)2(OH)2 aus der Grube Moldava.

   


Karminit und Mixit BiCu
6(AsO4)3(OH)6 3 H2O

  


Karminit und Mixit.

  

Mixit ist ebenfalls wieder ein eher selten auftretendes Sekundärmineral aus der Oxydationszone von Kupferlagerstätten, seine Begleitminerale sind zum Beispiel Atelestit, Baryt, gediegen Bismut, Bismutit, Erythrin, Malachit und Smaltit. Es ist wenig verbreitet. Jedoch sind etliche Fundstellen neben seiner Typlokalität Jáchymov in Tschechien, in der Umgebung von Karlsbad und Krásno / Schönfeld, am Slavkovský štít / Schlagendorfer Spitze (Hohe Tatra) sowie bei Dubí / Eichwald und Krupka / Graupen im Erzgebirge bekannt. Ebenso fanden die Mineralogen dieses Mineral in Moldava / Moldau:

Mixit ist in kleinen Mengen in der ganzen Oxidationszone verbreitet. Am häufigsten bildet er intensiv grüne, dünne Krusten mikroskopisch feiner, filziger Nadeln auf Quarz-Fluorit-Gangart oder hellere, bis zu weißgrüne Imprägnationen in zerfallendem Flußspat. Aus Drusenhohlräumen in Fluorit und Quarz sind bis zu 1 cm große, büschelige oder halbkugelige Aggregate nadeliger Mimetesit-Kriställchen mit Beudanit und Rooseveltit bekannt.“ (Lapis 10/97)

  


Mixit auf wasserklaren Fluorit xx.

  

Olivenit ist ein sekundäres Kupfermineral aus der Oxydationszone hydrothermaler Kupfer-Lagerstätten. Es handelt sich um ein arseniksaures Kupfererz, das auch als Pharmacochalcit bekannt und volkstümlich aufgrund seiner Farbe auch als Olivenkupfer oder Olivenerz bezeichnet wird. Weitere Begleitminerale sind dabei Azurit, Brochantit, Chalkophyllit, Chrysokoll, Cornetit, Cornwallit, Klinoklas, Konichalcit, Malachit, Metazeunerit, Pharmakosiderit, Skorodit, Spangolith und Tirolit. Moldava / Moldau zählt dabei nicht als typischer Fundpunkt für Olivenit.

Olivenit ist eines der ersten Oxidationsprodukte des Tennantit- Erzes. In der Nähe des verwitterten Tennantits bildet Olivenit relativ häufig olivgrüne bis hellgrüne Überzüge aus Gangfluorit. Das Mineral bildet auch grünlich- graue, filzige Aggregate farbloser, dünnnadeliger Kristalle von einer Länge bis zu 6 mm. Auf mehreren Stufen wurden zwei Olivenit- Generationen beobachtet; hierbei saßen auf kurzsäuligen, smaragdgrünen Kristallen sehr feine, farblose Olivenit- Nadeln. Der Olivenit aus Moldava ist chemisch sehr rein, mit nur geringem Gehalt der Libethenit- Komponente (P2O5 unter 0,31 Gew. %). (Lapis 10/97)

Bei dem hier erwähnten Mineral Liebethenit handelt es sich um das Hydroxo- Phosphat mit der Formel Cu2(PO4)(OH). Arsenat- und Phosphat- Ionen können diadoch gegeneinander ersetzt sein, so daß diese beiden Minerale eine Mischkristallreihe bilden.

  


Olivenit Cu
2AsO4(OH) xx mit Mixit auf Quarz.

  


Olivenit xx.

  


Olivenit xx auf gelbem Baryt.

  


Olivenit xx.

 

 
 
 

Zur Montangeschichte
  

Zur älteren Montangeschichte von Moldau / Moldava und der näheren Umgebung

  

Zur älteren Bergbaugeschichte von Moldava / Moldau ist nicht viel bekannt. Die Literaturrecherche ergab kaum Treffer. Eine nähere Angabe zur Umgebung von Moldava / Moldau finden wir nur bei Johann Jokely aus dem Jahr 1856, die wir an dieser Stelle auch als Zitat einfügen wollen:

Georgensdorf und Moldau. Von den hierortigen Bauen, die meist nur Versuchsbaue waren, weiss man nur so viel, dass sie in ersterer Gegend gegen Anfang dieses Jahrhunderts im Südwesten vom Jagdschlosse Lichtenwald, beim sogenannten Husaren, und am Pilzberg (im Westen von Fleyh) umgingen. Am letzteren Orte erfolgte vor etwa 5 oder 6 Jahren wieder eine Muthung auf Silber- und Bleierze, allein wegen Mangel an tauglichen Arbeitern musste das Unternehmen bald wieder aufgegeben werden.

Dieselbe Bewandtniss hatte es bei einem Versuchsbaue in Moldau, wo man 1846 mit der Ausrichtung eines Stollens einen alten Bau wieder aufnehmen wollte, wovon sich Spuren an mehreren Stellen dieses Ortes vorfinden. Die Gänge, welche theils im grauen Gneiss, theils im Glimmerschiefer auftreten, sind hauptsächlich Stehende und Flache und führen zum Theil reichlich Schwerspath.

Spuren von einstigen Bergbauen trifft man überdiess mehrorts um Ullersdorf, Willersdorf und Matzdorf, welche Orte selbst auch ihre Entstehung dem Bergbaue verdanken sollen. Letzterer Zeit hatte man östlich bei ersterem Orte, in dem Thale welches gegen Moldau verläuft, einen Schurfversuch angestellt und dabei einen 2 ½ Fuss mächtigen Bleiglanz führenden Spathgang angefahren.“ (Jokely)

Abweichend von dieser Beschreibung fand man die flußspatführenden Gänge als Morgen- bzw. Spatgänge vor.

 


Heute sind nur wenige Grubenanlagen in und um Moldava/Moldau bekannt. Ebenso ist die Lage einiger Stolln bis auf eine Ausnahme nur anhand der Geländekonturen oder einer Grubenkarte von Augustin Stolz – königlicher Praktikant – aus dem Jahr 1809 nachweisbar. Die wichtigsten Zechen haben wir in dieser Karte vermerkt.

   

Die erst in den 1950er Jahren durch eine tiefgründige Prospektion entdeckten Gangsysteme „Josef“ und „Papoušek / Papagei“ müssen eigentlich schon viel eher bekannt gewesen sein. Wie aus obiger Karte ersichtlich, waren die Altstolln zumindest so angelegt, daß sie zum einen den „Josef Gangzug“ (unbenannter Stolln) und zum anderen das spätere „Papoušek / Papagei- Gangsystem“ (Himmelfürsten Stolln und Maria Himmelfahrt Stolln) angefahren haben könnten.

Der Stolln Heilige Dreifaltigkeit könnte eine den Josef Gangzug begleitende Struktur – den Neuen Gang – erreicht haben, der später auch in den 1950er Jahren verritzt wurde. Jedoch war beim alten Bergbau nicht unbedingt Fluorit und Baryt das Ziel, sondern eher Metallerze, wie Eisen, Zinn und Silber, die aber in der erhofften Menge und Qualität hier nicht vorkamen.

 

Tatsächlich fand sich inzwischen noch eine weitere, recht interessante Information zu Moldava / Moldau. Neben einer Karte bezieht sich der kaiserlich- königliche Rat Andreas Chrysogon Eichler auch direkt auf Moldava / Moldau. Eichler beschrieb 1820 dieses Arbeitsgebiet folgendermaßen und berichtete, damals nicht wissend, von einer Entdeckung der Neuzeit, dem Josef Gang: 

Moldau.

Eben so und noch hoffnungsvoller als das Niklasberger Gebirge, ist das 2 Stunden von diesem entfernte Gneusgebirge bei dem Dorfe Moldau am nördlichen Abhange des Erzgebirges, (richtig ist: südöstlicher Abhang – Anm. d. Red.) welches Gebirge, nachdem es von keiner andern Gebirgsart unterbrochen wird, als eine Fortsetzung des bei Niklasberg befindlichen Gneuses angesehen werden muß. Hier entspringt das Thal, die Mulde, dessen Gewässer nach Fryberg fließen, und dort zur Bewegung der verschiedenen Bergwerksmaschinen gebraucht wird.

Am nördlichen Abhange ins Moldauthal, nahe bei dem Dorfe Ullersdorf, scheint ein Porphyr- Lager in dem Gneuse eingelagert zu seyn, von welchen man schon am Fuße des Berges mehrere Geschiebe findet. Dieser Porphyr besteht aus wenigem Thon, braunem Glimmer, Quarz in Körnern, und in Säulen und kristallisirtem Feldspath.

Der Bergbau in dieser Gegend ist unbedeutend, und besteht nur in den beiden Gruben, den Himmelsfürsten am nördlichen Abhange, und heilige Dreyfaltigkeit am südlichen Abhange in das Moldauthal.

In dem letzteren Stollen sind einige Trümer überfahren worden, die aber bis izt, wie gewöhnlich bei Trümmern der Fall ist, sehr wenig Erze führen. Bemerkenswerth ist aber die mit diesem Stollen durchfahrene Gebirgsschicht, welche aus Feldspath und Quarz in Körnern, die theils mit dem Feldspath verfließen, so daß keine eigentliche Gränze in beiden Fossilien aufzufinden ist, theils trennbar in demselben vorkommen, in welchem Bleyglanzsilber derb, aber öfter fein eingesprengt ist.

Mit dem andern Stollen, dessen Ortstoß auch erst 13 Lachter unter Tage steht, sind auch noch keine edlen Gänge aufgefunden worden; es würde aber bei der Fortsetzung dieses Stollens in kurzer Entfernung einer aufgefunden werden, den man am Tage aufgeführt hat. Einige Gänge setzen in dem Menten- Berge auf. Ihr Streichen ist in der Stunde 9, und ihr Verflächen von Süden nach Norden (gemeint ist das Fallen – Anm. d. Red.) unter einem Winkel von 70 bis 80 Grad. Ihre Ausfüllungsmasse am Ausgehenden besteht aus Flußspath, Barit, Quarz und häuffigen Eisenoxid, und ihre Mächtigkeit ist 5 Zoll bis ½ Lachter. Metallische Fossilien sind außer dem schon angeführten Eisenoxid noch nicht wahrzunehmen. Es sind diese auch im Ausgehenden nicht zu erwarten, da man bei den besten Gängen die Erze gewöhnlich erst in einer Teufe von 10 bis 20 Lachtern antrifft. Ich glaube, daß die Gänge in der Teufe bauwürdig seyn werden, indem in dem benachbarten Sachsen auf Gängen von der nämlichen Formation ein bedeutender Silber und Bleybergbau geführt wird.“ (Eichler)

  


Die vom kaiserlich- königlichen Rat Andreas Chrysogon Eichler entworfene Karte von allen Ortschaften des Königreichs Böhmen, wo Bergbau getrieben wurde und zum Theil noch getrieben wird, beinhaltet eine Übersicht über den im Jahr 1820 noch gangbaren oder bekannten Bergbau im Königreich Böhmen.

Bildquelle: mindat.org

   


Im Kartenauszug ist auch Moldau, heute Moldava verzeichnet (blau unterstrichen).
Den Grund für diese Eintragung haben wir ja gerade zitiert.

  

Eichler hat in seiner Veröffentlichung zum Bergbau im Königreich Böhmen, ohne es zu wissen, den späteren Josef Gang des Bergbaubetriebes Moldava / Moldau erstmals beschrieben. Aufgrund der fehlenden Silbererze in diesem Bereich des Ganges ist dieser für die Altvorderen wahrscheinlich nicht interessant gewesen und deshalb auch keine weitere Verfolgung der Gangstruktur mit dem erwähnten Heilige Dreyfaltigkeits Stolln durchgeführt worden.  

Erst 1½ Jahrhunderte später war seitens der chemischen Industrie der Bedarf an Baryt und Fluorit für die unterschiedlichsten Einsatzzwecke vorhanden und führte nun zur Aufsuchung eben diesen Lagerstättentyps und letztendlich zum Abbau von Baryt und Fluorit. Ja sogar die „Prophezeiungen“ des  kaiserlich- königlichen Rates Andreas Chrysogon Eichler gingen in Erfüllung. Der Josef Gang führte zur Tiefe hin neben hohen Fluoritgehalten auch die von den Altvorderen erwünschten Silbererze. 

Wie nahe der Josef Gang den Heilige Dreyfaltigkeits Stolln tangiert, ist in nachstehender Grafik sichtbar. Damit war auch die Auffindung des späteren Josef Ganges in den 1950er Jahren für einen erfahrenen Geologen kein Problem. Die während der Prospektionen durchgeführte Revision der alten Stolln in und um Moldava / Moldau erbrachte dann die schon lange bekannten und in der alten geologischen Literatur der k. u. k. Monarchie schon einmal niedergeschriebenen und wieder vergessenen Erkenntnisse auf´s Neue hervor.

 


Wir haben in dieser Grafik den ungefähren Verlauf des Josef Ganges anhand der Verfüllbohrungen und verfüllten Brüche oder besser den Spuren des Bruchbaus von der Stollnsohle aus, dargestellt. Damit liegt der Heilige Dreifaltigkeits Stolln im Gangbereich, zumindest eines Trumes des Hauptganges.
Quelle der Hintergrundkarte: mapy.cz.

  


Eine recht große Halde ist heute noch vom Stolln Heilige Dreifaltigkeit im Bereich der Quellwiesen zu sehen...

  


Am Fuß der Halde in Richtung Berggehänge ist das Stollnmundloch noch sichtbar...

  


...das wohl für eine Wassernutzung offen gehalten wird.

   


Vom Himmelfürsten Stolln ist heute nichts mehr zu sehen. Sein Mundloch ist von der Halde des späteren Bergbaus überkippt worden.

   


Der Maria Himmelfahrt Stolln ist zumindest anhand seiner Halde... 

  


...und einem verbrochenen Stollnmundloch noch auffindbar.

  

 
 
 

Zur jüngeren Montangeschichte von Moldau / Moldava

  

Erkundung und Vorrichtung der Lagerstätte: Der „Gang Josef“

In der näheren Umgebung von Moldava / Moldau befinden sich die Reste von etwa zwanzig Stolln. Diese haben ihren Ursprung zumeist in der Aufsuchung und dem Abbau verschiedener sulfidischer Erze. Einige dieser Stolln waren bis Anfang des 20. Jahrhundert in Betrieb oder zumindest ist deren Zweck bekannt gewesen. Der größte Teil dieser Anlagen ist allerdings nur noch anhand von Halden oder den verfüllten oder den zu Bruch gegangenen Mundlöchern sichtbar. Auch ist die Lage einiger Anlagen nur durch fachspezifisches Kartenmaterial bekannt. Aufgrund der Nähe zu Zinnwald lag auch das Vorkommen von Zinn nahe und regte zu diversen Prospektionen an, die bis in die 1950er Jahre andauerten. In deren Ergebnis fand man hier zwar kein Zinnerz, aber zwei große fluor- barytische Gangstrukturen.

Diverse Explorationsarbeiten erfolgten daneben auch im Rahmen der Uranerzerkundung im Erzgebirge durch die Erkundungstrupps der späteren DIAMO, dem tschechischen Pendant zur ostdeutschen SAG / SDAG Wismut. Ein solcher geologischer Suchtrupp unter der Leitung von Dr. J. Chrta entdeckte 1953 den Fluoritgang „Josef“ am Nordhang des Moldavský potok / Moldauer Bach, also am rechten Talgehänge. Später sind diese Erkundungsarbeiten zur Lagerstätte Moldava / Moldau durch Dr. F. Reichmann bis 1979 und ab da von Dr. M. Fengl im Rahmen des dortigen Bergbaubetriebes weitergeführt worden.

  


Blick von der Andachtsstelle am Themenwanderweg „Glasschmelzen“ auf die Halde auf die verbliebenen Gebäude des ehemaligen Bergbaubetriebes.

  

1953 begannen die Arbeiten am Gangsystem „Josef“ am Nordhang des Moldavský potok / Moldauer Bach mit der Anlage eines neuen Stollns – des Josef Stolln. Mit diesem Stolln wurde direkt der Gang aufgefahren und erste Proben sind für die spätere Aufbereitung in Sobědruhy / Soborten (einem Ortsteil von Teplice / Teplitz) genommen worden.

   


Tageriß im Bereich des Josef Gangzuges und der dort vorhandenen Tagesanlagen, Gesamtansicht.
Quelle: Povrchová Situace / Situation der Oberfläche, Ing. P. Rezek Ph.D.

   


Ausschnitt aus dem Tageriß: Grau hervor gehoben die Brüche, Pingen und Setzungen im Bereich des Josef Ganges durch den vom gleichnamigen Stolln ausgehend geführten Bruchbau. Die Länge des Bruchfeldes beträgt mehrere hundert Meter! Quelle: Povrchová Situace / Situation der Oberfläche, Ing. P. Rezek Ph.D.

  


Blockkarte (im deutschen Sprachgebrauch eigentlich ein flacher Schnitt) entlang des nordwestlichen Teiles des Gangzuges mit den abgebauten Bereichen im Gang, annähernd Gesamtansicht. Quelle: Mapa Bloků Žíla Josef, svislý průmĕt odpovídá ds. list čislo 1, 2, 4 / Blockkarte Gang Josef, saigere Projektion der Blätter Nummer 1, 2
und 4, links oben: SZ (severozápad) / Nordwesten,
Ing. P. Rezek Ph.D.

   


Ausschnitt aus obiger Blockkarte: Gut zu erkennen sind hier die Verbrüche, welche bis auf die Stollnsohle und sogar noch tiefer, als bis zur 1. Sohle reichen, und die in deren Folge stark deformierte Tagesoberfläche. Quelle:  Mapa Bloků Žíla Josef, svislý průmĕt odpovídá ds. list čislo 1, 2, 4 / Blockkarte Gang Josef, saigere Projektion der Blätter Nummer 1, 2 und 4, Ing. P. Rezek Ph.D.

   


Blockkarte entlang des südöstlichen Teiles des Gangzuges mit den abgebauten Bereichen im Gang, Gesamtansicht. Quelle: Mapa Bloků Žíla Josef, svislý průmĕt odpovídá ds. list čislo 1 / Blockkarte Gang Josef, saigere Projektion des Blatts Nummer 1, rechts oben: JV (jihovýchod) / Südosten, Ing. P. Rezek Ph.D.

   


Ausschnitt aus der obigen Blockkarte mit den abgebauten Bereichen des Ganges. Mit dem blauen Rechteck ist die oberflächliche Verpingung des Gangausbisses markiert. Quelle: Mapa Bloků Žíla Josef / Blockkarte Gang Josef, Ing. P. Rezek Ph.D.

   


Noch bei der Verwahrung des Josef Gangzuges machten sich die tagesnahen Hohlräume und wohl nur sporadisch verfüllten Brüche und Senkungen des öfteren, wie hier im Bild gut sichtbar, an der Tagesoberfläche bemerkbar. Quelle: Ing. P. Rezek Ph.D., Aufnahme aus dem Jahr 1995.

  

Bis 1956-1956 ist der „Josef-Gang“ nur von dem gleichnamigen Stolln aus mittels Bruchbau hereingewonnen worden. Dies hinterließ in der Landschaft im Gangverlauf großflächige und tiefe Verbruchpingen. Ab 1954 wurde dann mit dem Abteufen eines Blindschachtes zur tieferen Aufschließung des Joseph Gangzuges begonnen. Dieser Schacht wurde nördlich außerhalb des Gangstreichens in standfesterem Nebengestein abgeteuft.

Für diesen zukünftigen Blindschacht sind vom Talhang her zwei Stolln quer zum Verlauf des Joseph Ganges aufgefahren worden. Diese Stolln tangierten natürlich auch den Joseph Gang, was im Bereich des Kontaktpunktes erheblichen Ausbau erforderlich machte. Die beiden Stolln mit einem Höhenversatz von etwa 12 m zueinander endeten beide in einem kavernenartigen Hohlraum von etwa 25 m Höhe. Der untere Stolln war der sogenannte Wetterstolln, diente später ausschließlich zur Bewetterung des Grubengebäudes und hatte dafür noch einen separaten Wetterschacht erhalten. So, wie es auf einer letzten Befahrung vor der endgültigen Verwahrung erkennbar war, handelte es sich um die Abwetterstrecke des gesamten Berggebäudes. Der etwa 12 m höher darüber liegende Stolln diente dagegen ausschließlich als Förderstolln. Hier ist der abgebaute Fluß- und Schwerspat über eine Förderbrücke in Silos zutage gefördert und zum Teil auch im Tal des Moldavský potok / Moldauer Bach aufgehaldet worden. Diese bergmännischen Erschließungs- und Vorrichtungsarbeiten sind durch den Bergbaubetrieb Rudné doly Příbram, Niederlassung Cinovec / Zinnwald ausgeführt worden.

  


Ausschnitt aus dem oben schon gezeigten Tageriß: Die Lage der drei Stolln haben wir farblich hervorgehoben. Die Eintragung des Stollnverlaufes basiert allerdings auf einem Gedächtnisprotokoll von einer länger zurück liegenden Befahrung und ist auf keinem Fall als maßstäblich, sondern nur als ungefähr zu verstehen. Der Wetterstolln wie auch der Förderstolln schneiden den Josef Gangzug. Diese Stellen waren aufgrund des erheblich verstärkten Gleitbogenausbaus im Stollnverlauf sehr gut sichtbar. Der Förderstolln tangierte dabei auch den Josef Stolln, welcher am Scnitttpunkt beidseitig massiv vermauert war. Das Mauerwerk erschien älter und ist wohl schon Anfang der 1960er Jahre eingebracht worden, als die tieferen Bereiche des Josef Gang in Abbau gingen und die Bereiche oberhalb der -50 m Sohle liquidiert wurden. Die Stolln sind aufgrund einer neuerlichen Verwahrung im Frühjahr 2020  heutzutage nicht mehr fahrbar und ihre Mundlöcher im Gelände nicht mehr auffindbar. Quelle des hinterlegten Tagerisses: Povrchová Situace / Situation der Oberfläche, Ing. P. Rezek Ph.D.

   

In dem kavernenartigen Hohlraum war ein Stahlfördergerüst von über 20 m Gesamthöhe aufgestellt, welches noch heute dort vorhanden ist. Der Schacht war dreitrümig ausgeführt mit Gestellförderung für Grubenhunte, sowie einem Fahrtentrum. Das Fördergerüst entsprach in seinen Dimensionen ungefähr dem des Schachtes der Reichen Zeche in Freiberg ‒ nur stand es eben untertage !

Dieser Schacht wurde offiziell als H1 bezeichnet, aber auch als Joseph Schacht bekannt und reichte vorerst bis zur -100 m Sohle. Bei -50 m war bereits ein weiteres Füllort für eine weitere Abbausohle angelegt, weil 1957 der Gang auch dort hinsichtlich seiner Bauwürdigkeit weiter untersucht werden sollte. Dabei wurde hier mit dem versuchsweisen Abbau des Josef Ganges in einer Art „Kleinproduktion“ zur Entwicklung und Verfeinerung der Aufbereitungstechnologie im Werk Sobědruhy / Soborten in Teplice / Teplitz begonnen.

Die Ergebnisse all dieser Versuchsabbautätigkeiten verliefen im Ergebnis vorerst jedoch negativ so daß eine Verfeinerung der Aufbereitungsanlagen für Fluoritgemische mit mehr als 5 % Barytgehalt erforderlich wurde, was den Technologen letztendlich aber gelungen ist.

Mit Beginn der 1960er Jahre ist der Schacht H1 dann zunächst bis auf die -150 m Sohle weiter verteuft worden. Von dort aus ist weiterer Versuchsabbau erfolgt.

   


Mundloch des Wetterstollns, Aufnahme im Jahr 1994. Quelle: Ing. P. Rezek Ph.D.

  


Ansicht des Bergbaubetriebes im Bereich des Josef Ganges: Gesamtansicht der Übertageanlagen mit dem im Hintergrund sich am Gehänge entlang ziehenden Ausbiß des Josef Ganges. Quelle: Ing. P. Rezek Ph.D.

  


Die beiden Förder- und Verladebrücken für den ausgebrachten Spat. Quelle: Ing. P. Rezek Ph.D.

   


Ansicht der beiden Förderbrücken. Unter der vorderen Förderbrücke lagen auch Silos für das Erz. Gleich beim Abbauprozeß untertage ist das Erz von Hand vorselektiert worden, was die spätere Aufarbeitung erleichterte. Quelle: Ing. P. Rezek Ph.D.

  


Das innere der vorderen Brücke mit den durch Wellblech abgedeckten Einfüllöffnungen der darunter liegenden drei Silos. Quelle: Ing. P. Rezek Ph.D.

   


Ansicht der hinteren Förderbrücke um 1994. Quelle: Ing. P. Rezek Ph.D.

  


Das Gelände des Bergwerks am Josef Gang bestand hauptsächlich aus vielen mehr oder weniger großen Baracken und leichten Bauten. Quelle: Ing. P. Rezek Ph.D.

   


Ansicht der Betriebsabteilung Josef Gang während der Betriebszeit Anfang der 1990er Jahre. Gut zu sehen der noch offene und nicht verfüllte Ausbiß des Josef Ganges schräg am Berggehänge. Foto: H. Lausch.

  


Blick vom Hof der Betriebsabteilung Josef Gang in Richtung des Schachtes H2 des „Papoušek / Papagei“ Gangsystems. Foto: H. Lausch.

 

 
 
 

Bilder vom Josef Schacht und der untertägigen Maschinenhalle

 


   

Von der Gegenseite bietet sich dieser Anblick. Das Fördergerüst erhebt sich etwa 12 m über die Sohle des Förderstolln und reicht noch einmal 11 m bis unter diese Sohle auf den Wetterstolln hinab. Die Gesamthöhe beträgt also etwa 23 m...

  


Die noch immer beeindruckende Ansicht, wenn man vom Förderstolln auf das Füllort schaut.

  


Im Füllortbereich. Hier ist eine etwa 0,5 m mächtige Betonplatte als Verwahrung bei der Grubenschließung eingebracht worden. Daher reicht dieses Fördergerüst noch immer über zwei Sohlen, hat eine Höhe von etwa 23 m und ist daher ziemlich genau so groß wie das Fördergerüst der Grube Reiche Zeche in Freiberg, nur eben untertage aufgestellt !!

  


Das Einbaujahr der Betonplatte.

  


Aufstieg am Fördergerüst.

  


Blick nach oben im Fördergerüst – rechtes Trum...

  


...und linkes Trum.

   


Einige Utensilien und Schilder aus der längst vergangenen Bergbauzeit...

   


Die Signaltafel ist auch noch da...

  


...und diverse Warn- und Verbotsschilder.

   


Das Fördermaschinenhaus steht auch hier unmittelbar hinter dem Fördergerüst und hat einen Personalzugang. Weil alles untertage steht, gibt es einen Querschlag mit Gleisanlage, um den Transport von technischen Ausrüstungen zu ermöglichen.

   


Im Fördermaschinenhaus...

 


Die Maschine ist zwar weg, aber der Sitzplatz des Maschinisten noch zu finden.

   


Die elektrischen Anlagen für die Maschinensteuerung sind dageblieben... 

  


...inzwischen aber auch von Schrottsammlern geplündert.

  


Pozor / Achtung... Das Grubennetz hatte hier früher 3 mal 380 und 220 Volt.

   


Das hängt auch bei uns überall...

  


Die Ansicht des Fördermaschinenhauses in Richtung Personaleingang.

  


Hier standen der Antrieb und die Seiltrommeln.

  


Eine „Fischglaslampe“ – Wasser ist schon drin, fehlt nur der Fisch!
Ist sicher auch seit einem Vierteljahrhundert nicht mehr in Betrieb gewesen...

 


Eine recht interessante Variante zur Aufbewahrung von Schrauben!

  

Vom Füllort des Schachtes H1 führte noch eine Feldstrecke in Richtung Josef Gang und war bis an den Schnittpunkt mit dem Gang in den 1990er Jahren auch noch fahrbar. Dort aber befand sich ein verbrochenes Überhauen, vermutlich der Josef Gangzug oder ein Trum davon, das jegliches Weiterkommen verhinderte.

  


Zugangsquerschlag mit Gleisanlage für das Fördermaschinenhaus. Gleitbogenausbau mit kombinierten Betonplatten- und Ziegelverzug.

   


Blick in Richtung Füllort Blindschacht H1.

  


Ein Querschlag in Richtung Josef Gang ...

  


...mit Brandschutzdamm.

  


..und mit einer alten Förderstrecke.

  


Hier gibt´s noch Schrott zu holen...

  


Bis zu diesem Abbau im Gangbereich gelangte man in den 1990er Jahren noch, der sah aber schon damals nicht mehr schick aus. Aufgrund des Zustandes war hier das Ende der Befahrung.

  

 
 
 

Bilder vom Förderstolln der Grube Moldava / Moldau

 


Zurück zum Förderstolln: Der ist ebenfalls mit Gleitbogenausbau versehen und anfangs Betonplattenverzug...

   


...und führt bis zu einem Streckenkreuz. Die hier früher abgehenden Strecken sind wohl schon eher abgeworfen und vermauert worden. Wir kreuzen an dieser stelle auch den Josef Gangzug.

  


Hinter diesem Streckenkreuz begegnen wir dieser Ausbauart. Im Hintergrund noch der kleinprofilige (eingleisige)  Gleitbogenausbau.

  


Und da ist Schluß! Weiter geht es nicht mehr...

   

 
 
 

Bilder vom Wetterstolln der Grube Moldava / Moldau

 

Der tiefer liegende Wetterstolln diente wohl anfangs der Anlage des Schachtes H1 und sicher auch begrenzt der Förderung, da dieser zwischen Schacht H1 und Josef Gangzug zweigleisig vorgerichtet war.

Mit der Erweiterung des Grubengebäudes wurde diese Auffahrung dann nur noch als Abwetterstrecke verwendet. Dazu ist kurz nach dem Stollnmundloch ein Grubenlüfter eingebaut und auch ein Abwetterkamin direkt über dem Lüfter zur Tagesoberfläche angelegt worden.

  


Nochmal eine Gesamtansicht. Hinter dem Wetterdamm stand der Grubenlüfter und danach ging ein runder Wetterschacht bis zur Tagesoberfläche. Dieser ist nunmehr verfüllt.

 


Vor dem Wetterdamm im Stolln am Schacht H1 steht noch das Untergestell eines sehr schmalen Grubenhuntes. Dahinter sieht man die Isolierungen von durch Schrottdiebe geplünderten Kabelsträngen liegen.

     


Ansicht Wetterdamm von der anderen Seite von den Verfüllmassen des Wetterschachtes aus gesehen.

  


So sah der gewaltige Hauptgrubenlüfter vor seiner Demontage im Jahr 1994 aus…
Quelle: Ing. P. Rezek Ph.D.

   


und so nach der teilweisen Demontage. Die in der Bildmitte sichtbare Lüftereinheit ist ebenfalls entfernt worden. Quelle: Ing. P. Rezek Ph.D.

  


Blick in den Wetterschacht, Aufnahme von 1994 vor seiner Verfüllung.
Quelle: Ing. P. Rezek Ph.D.

  


Ansicht der „Kaue“ über dem Wetterschacht. Erst wirklich zum Ende der Flutung der Grube Moldava / Moldau ist der Lüfter rückgebaut und der Wetterschacht verfüllt worden. Quelle: Ing. P. Rezek Ph.D.

  


Sämtliche Gebäudes der Betriebsabteilung Josef Gang sind schon abgetragen, das Gelände ist aufgefüllt und die Renaturierung steht bevor. Quelle: Ing. P. Rezek Ph.D.

  


Ansicht der Wetterstrecke in Richtung Standort Grubenlüfter und Wetterschacht. Als Sicherungsausbau kam der typische tschechische Gleitbogenausbau für die zweigleisige Richtstrecke zum Einsatz. Der Verzug aus Wellblech dient nur als Schutz vor Steinfall. Es gibt keinen Kraftschluß zwischen Ausbau und Gebirge.

  


Wetterdamm mit Öffnung für den Grubenlüfter von der Saugseite. Typ und Leistung des rückgebauten Lüfters sind uns bislang unbekannt.

  


Noch ein Fundstück...

  


Ein U- Rohr- Manometer zur Kontrolle der Druckverhältnisse auf der Saugseite des Lüfters.

 


Auf dem Wetterstolln in Richtung Blindschacht...

   


Auf dem Weg dahin hing noch das Telefonverzeichnis des Bergbaubetriebes.

   


...auf der wir sogar einen bekannten Namen fanden!

  


Am Blindschacht. Das hier befahrene Streckenniveau diente anfangs wohl auch der Förderung der Bergmassen vom Abteufen des Schachtes H1. Später ist für die Förderung eine höhere Sohle in Betrieb gegangen und diese hat nur noch als Abwetterstrecke gedient.

  


Das ehemalige Füllort auf Niveau der Wetterstrecke. Der gesamte Schachtausbau inklusive der elektrischen Einrichtung verblieb zum Zeitpunkt der Grubenstilllegung 1994 vor Ort. Das Berggebäude ist einfach geflutet worden.

   


Blick von der 1. Fahrtenbühne in das Füllort des Schachtes H1.

  


Die beiden Fördergestelle sind auch im Schacht verblieben. Blick auf die Unterseite der Gestelle.

  


Die beiden Fördergestelle zwischen den Spurlatten von oben gesehen, unmittelbar unter der Hängebank der Fördersohle. … die Arbeit der Schrottsammler ist überall im Bergwerk sichtbar!

 


Blick von der 1. Fahrtenbühne nach oben.

   

 
 
 

Erkundung und Vorrichtung des Gangsystems Papoušek / Papagei“

Parallel zu den Aus- und Vorrichtungsarbeiten für den zukünftigen Abbau des Josef Gangsystems erfolgte eine weitere Prospektierung des Gebirges auf weitere Gänge, die eventuell abbauwürdig sein konnten. Ein weiteres ausgedehntes Gangsystem wurde dabei aufgefunden: Es handelte sich um das GangsystemPapoušek / Papagei“, welches auf der gegenüberliegenden Talseite des Moldavský potok / Moldauer Bach und südlich des schon bekannten Josef Ganges gefunden und erschlossen wurde.

Ab dem Jahr 1963 wurde die Erkundung des Gangsystems „Papoušek / Papagei“ systematisch vorangebracht. Hinzu kam noch eine Erkundung und Vorbereitung der Tagesoberfläche in den Jahren 1964-1965 für die Anlage eines zweiten Bergwerkes für dieses Gangsystem und dessen Betrieb, auch hier durch Rudné doly Příbram n. p., einem tschechoslowakischen Staatsbetrieb.

Für den erweiterten Grubenbetrieb ist im Bereich desPapoušek / Papagei“ Gangzuges ab 1964 auch ein zweiter Schacht geteuft worden. Dieser Teil des Bergbaubetriebes entstand mitten im noch verbliebenen Rest des Ortes Moldava / Moldau unweit der Kirche direkt an der Dorfstraße. Heute (2021) sind hier noch ruinöse Überbleibsel der Tagesanlagen zu sehen.

Der zweite Schachtwurde später zum Hauptschacht des Bergbaubetriebes für die Mannschaftsfahrung und Bergeförderung und erhielt die Bezeichnung H2. Sämtliche wichtigen technischen Einrichtungen, wie Kompressorenstation, Trafohaus, Heiz- und Kesselhaus, Kauen, Wohnheim und das Verwaltungsgebäude waren deshalb auch hier im Schachtgelände angelegt. Das Fördergerüst war im Gegensatz zum Blindschacht H1 übertage aufgestellt und ebenfalls für eine zweitrümige Gestellförderung eingerichtet. Neben Brecherwerk für die Verfüllmassen der abgebauten Gangbereiche sind hier zwei Förderbrücken für die Haldenverkippung der tauben Berge, die nicht als Versatz untertage benötigt wurden, in das Tal des Moldavský potok / Moldauer Bach vorhanden gewesen. Diese Aufschüttung ist heute im renaturierten Zustand noch als Haldenschüttung erhalten.

   


Ansicht der Tagesanlagen rund um den Schacht H2, wie dieser Schacht offiziell bezeichnet wurde, um die 1970er Jahre. Später, zu einem nicht eindeutig bekannten Zeitraum ist ein Umbau der Tagesanlagen erfolgt. Der Schacht erhielt in seinem unteren Bereich einen hallenartigen Anbau mit Blechverkleidung und zwei Förderbrücken, die zur Bergehalde führten. Quelle: Reproduktion aus  Uhlí Rudy - Geologický průzkum, 1/2018

  

Das nunmehr erkundete Grubenfeld bildete ein insgesamt etwa 6 km langes und nahezu 1 km breites Areal und ist die größte Lagerstätte dieser Art in Tschechien. Die bekannten Gangzüge Josef und auch Papoušek / Papagei bestehen dabei aus mehreren abbauwürdigen Einzelgängen bzw. Nebentrümern. Die Gangmächtigkeiten erreichten daher bis zu 7 m im Gangsystem Papoušek / Papagei und bis maximal 3 im Gangsystem Josef. Zu letzterem Gangsystem gehören noch die Gänge Nr. 1a, 2, 2a, 2b und 3. Das Josef Gangsystem wird nur durch den Gang Nová / Neuer Gang ergänzt.

Die weitere oberflächennahe, geologische Untersuchung ergab auch die Fortsetzung der Lagerstätte in östlicher Richtung bis zu dem zuvor vom Bergbau unberührten Gebiet, dem sogenannten Erzfeld Moldava- Vapenice. Die Gänge erstrecken sich sowohl in horizontaler als auch in vertikaler Richtung. Die allgemeine Richtung des Streichens ist NW-SE mit einem Fallen von 70° - 90°. Die Gangfüllung besteht hier ebenfalls aus den bekannten drei Hauptmineralien Fluorit, Baryt und Quarz. Der Anteil der einzelnen Mineralien variiert allerdings sowohl in der Tiefe als auch in horizontaler Richtung.

In den 1970er Jahren ist der Schacht H1 im Gangsystem Josef bis zur tiefsten Sohle von -400 m verteuft und weitere Sohlen systematisch in 50-m-Abständen bei -350 m, -250 m und -200 m für den Abbau vorgerichtet worden. Auf allen diesen Sohlen ist das Gangsystem Josef erschlossen und auch bebaut worden. Der Josef Gangzug erwies sich aber nicht immer als bauwürdig. Während die Gehalte an Fluorit und Baryt in der Tiefe abnahmen, stieg der Gehalt an Quarz und Hämatit. Dies erschwerte dann auch die Aufbereitung des Erzes.

  


Noch einmal der Ausschnitt aus der geologischen Karte mit Benennung der drei Hauptgangstrukturen. Blau dargestellt sind die abbauwürdigen Bereiche der Gangzüge Josef und Papoušek / Papagei.

  

Anfang der 1960er Jahre erfolgte dann eine groß angelegte bergmännische Erkundung des Gangsystems „Papoušek / Papagei“. Dieses ist anfangs nur auf zwei Sohlen durch den Schacht H2 erschlossen worden. Dabei lag die erste Sohle bei 36,6 m unter der Tagesoberfläche und die zunächst tiefste 3. Sohle bei -115 m.

Später, in den 1970er Jahren, wurde der Schacht bis zu seiner tiefsten, 7. Sohle bei -300 m verteuft. Insgesamt waren nun vier einzelne Gänge innerhalb des Gangsystems „Papoušek / Papagei“ angefahren. Die Erkundungsarbeiten im Gangsystem „Papoušek / Papagei“ wurden 1969 abgeschlossen.

Der Abbau der Lagerstätte erreichte auf beiden Gängen eine Teufe von 450 m bis 470 m. Durch geologische Bohrungen sind beide Gangsysteme noch etwa 150 m tiefer untersucht und bis dorthin als absolut abbauwürdig nachgewiesen worden (Uhlí Rudy / Festschrift /  Zdař Bůh).

   


Ansicht des Schachtes H2 auf dem Gangsystem „Papoušek / Papagei“,
so wie dieser noch bis 1994 in Betrieb gewesen ist. Bildquelle: zdarbuh.cz.

 


Lage der beiden Schächte (links oben H1 am Josef Gangzug,rechts H2 im Bereich Gangzug „Papoušek / Papagei“, sowie Anordnung der Übertageeinrichtungen.
Quelle des hinterlegten Tagerisses: Povrchová Situace / Situation der Oberfläche, Ing. P. Rezek Ph.D.

  


Lage der beiden Schächte (links oben H1 am Josef Gangzug,rechts H2 im Bereich Gangzug „Papoušek / Papagei“, sowie Anordnung der Übertageeinrichtungen.
Quelle des hinterlegten Tagerisses: Povrchová Situace / Situation der Oberfläche, Ing. P. Rezek Ph.D.

  


Ansicht des Bergbaubetriebes Moldava / Moldau um 1995 Jahren kurz nach der Betriebseinstellung, aufgenommen wurden die Motive vom Josef Gangzug aus, der sich zu dieser Zeit bereits in Verwahrung befand. Quelle: Ing. P. Rezek Ph.D.

  


Ansicht des Bergbaubetriebes Moldava / Moldau um 1995 Jahren kurz nach der Betriebseinstellung, aufgenommen wurden die Motive vom Josef Gangzug aus, der sich schon in Verwahrung befand. Quelle: Ing. P. Rezek Ph.D.

  

Zwischen den Schächten H1 und H2 gibt es eine voneinander abweichende Sohlenbenennung, was etwas verwirrend erscheint, einen einfachen Ursprung aber in den verschieden hoch liegenden Schachtansatzpunkten hat. Der Schacht H2 nämlich setzt übertage 15 m höher an, als der Blindschacht H1, der ja von einem Stolln aus angelegt wurde und sich komplett untertage befindet. Außerdem wurde am Schacht H1 die Josef- Stolln- Sohle als I. patro / wörtlich: 1. Stockwerk, bergmännisch für Sohle, mitgezählt, weswegen hier der IX. patro eigentlich die 8. Gezeugstrecke unterhalb des Stollns meint.

Nach den Höhenangaben auf den Sohlengrundrissen lag der Sohlenabstand auch nicht einheitlich bei genau 50 m, wie man aus den verallgemeinernden Sohlen- Benennungen vermuten könnte, sondern schwankte zwischen etwa 41 m und fast 61 m (die oberste Sohle lassen wir dabei außer Betracht, da deren tatsächliche Teufe unter Gelände natürlich stark vom Relief der Oberfläche mitbestimmt wird und ziemlich stark schwanken kann). Für die Höhen der Sohlen haben wir aus den uns vorliegenden Rissunterlagen folgende Höhenangaben entnehmen können:
 

tschechische Benennung
 
 
verallgemein-
ernde Sohlen- bezeichnung
 
Schacht H 1
(Josef- Gangzug)
Schacht H2
(Papoušek- Gangzug)
Höhe laut Riß Teufen-
differenz

Gesamt-
teufe

Höhe laut Riß Teufen-
differenz
Gesamt-
teufe
povrch
ohlubne
Gelände-
oberfläche
≈740 m
 
    730,4 m
 
   
I. patro Josefstolln- Sohle 710,8 m 29,2 m -29,9 m 697,7 m 32,7 m -32,7 m
II. patro -50 m Sohle 667,7 m 43,1 m 72,3 m 656,4 m 41,3 m -74,0 m
III. patro -100 m Sohle 611,9 m 55,8 m -128,1 m 615,2 m 41,2 m -115,2 m
IV. patro -150 m Sohle 562,2 m 49,7 m -177,8 m 554,3 m 60,9 m -176,1 m
V. patro -200 m Sohle 512,2 m 50,0 m -227,7 m 513,1 m 41,2 m -217,3 m
VI. patro -250 m Sohle 462,3 m 49,9 m -277,7 m 463,7 m 49,4 m -266,7 m
VII. patro -300 m Sohle 411,7 m 50,6 m -328,3 m 410,3 m 53,4 m -320,1 m
VIII. patro -350 m Sohle 363,4 m 48,3 m -376,8 m      
IX. patro -400 m Sohle 313,5 m 49,9 m -426,5 m    

  
Die beiden Schachtanlagen sind auf zwei Sohlen untereinander verbunden. Zum einen ist die 2. Sohle unter dem Josefstolln (III. patro) von Schacht H1 bei zirka -100 m mit der 3. Sohle des Schachtes H2 bei -115 m durchschlägig; zwischen beiden bestehen nur rund 3,3 m Höhenunterschied, da man die Abstände zu der darüber- und darunterliegenden Sohle am Schacht H2 deutlich angepaßt hat. Desweiteren wurde die 6. Sohle (VII. patro inklusive Stollnsohle) von Schacht H1 bei -300 m mit der 7. Sohle von Schacht H2 bei -315 m verbunden, bei denen die Höhendifferenz mit rund 1,4 m noch geringer ist.

  

Für die Erschließung und Gewinnung von Fluorit und Baryt auf den Gangsystemen Josef und Papoušek / Papagei sind etwa 26.406 m horizontale Strecken untertage aufgefahren worden. Dabei verteilt sich diese Gesamtzahl wie folgt auf die einzelnen Schächte und Sohlen:

  Schacht H 1
(Josef- Gangzug)
Schacht H2
(Papoušek- Gangzug)
starý papoušek / alter Papagei   80 m
Josef Stolln / I. patro 635 m  
-50 m Sohle (1. Sohle / II. patro) 1.008 m  
-100 m Sohle (2. Sohle) 1.367 m 3.825 m
-150 m Sohle (3. Sohle) 1.938 m  
-200 m Sohle (4. Sohle) 3.450 m  
-250 m Sohle (5. Sohle) 2.560 m  
-300 m Sohle (6. Sohle)   6.660 m
-350 m Sohle (7. Sohle) 1.276 m  
-400 m Sohle (8. Sohle / IX. patro) 3.607 m  
ss. 15.841 m 10.565 m

  

Weiterhin sind noch 6.891 m Überhaun, Durchschnittsschächte und vertikale Wetterverbindungen aufgefahren worden. Diese Auffahrungsleistungen verteilen sich wie folgt:
 

  Schacht H 1
(Josef- Gangzug)
Schacht H2
(Papoušek- Gangzug)
Josef Stolln / I. patro 306 m  
-50 m Sohle (1. Sohle / II. patro) 806 m 50 m
-100 m Sohle (2. Sohle)    
-150 m Sohle (3. Sohle) 813 m 1.131 m
-200 m Sohle (4. Sohle) 809 m  
-250 m Sohle (5. Sohle) 1.180 m  
-300 m Sohle (6. Sohle)    
-350 m Sohle (7. Sohle) 667 m 1.667 m
-400 m Sohle (8. Sohle / IX. patro) 271 m  
ss. 4.043 m 2. 848 m

  


Schematische Schnittdarstellung der Gänge und Sohlen, von Nordwesten (links) nach Südosten (rechts). Frei nach Fengl aus Bergbau in Sachsen Band 3.

   


Schematische Schnittdarstellung durch die Lagerstätte mit den wichtigsten Gangsystemen und der Lage des Schachtes H1, von Süden (links) nach Norden (rechts). Frei nachgezeichnet nach Fengl, 1994 in Lapis 10/1997.

  


Blockbild der Lagerstätte Moldava/Moldau mit den beiden Schachtanlagen und den wesentlichen geologischen Verhältnissen. Frei nachgezeichnet nach Fengl, 1994 in Lapis 10/1997.

  

Beide Gangsysteme sind nicht nur durch Querschläge miteinander verbunden und somit als ein Bergwerk zu betrachten, sondern der Gang „Josef“ vereinigt sich im Südosten auch mit dem Gang Nr. 3, einem „Ausläufer“ des „Papoušek / Papagei“ Gangsystems. Es handelt sich um einen mächtigen und besonders reichhaltigen Flußspatkörper, der auch als „Spojená Struktura / Vereinigte Struktur“ bezeichnet wurde.

Diese Gangstruktur ist zwar untertage angefahren, aber bis zur Abbaueinstellung nur bis zur 8. Sohle im Schacht H1 in einer Teufe von zirka -400 m erschlossen  worden. Aufgrund weiterer Erkundungsarbeiten wird vermutet, daß diese Gangstruktur bis auf -700 m Teufe abbauwürdig ist und sich im Erzfeld Moldava- Vapenice fortsetzt. Diese Lagerstättenerkundungen erfolgten von der Oberfläche aus und erbrachten umfangreiche Erkenntnisse über die Fortsetzung in südöstliche Richtung bis zum Kontakt des Teplitzer Quarzporphyrs (heute Teplitzer Ryolith) mit den Schiefern.

Die Fortsetzung beider Gangstrukturen in nordwestliche Richtung bis in die Nähe der deutschen Grenze erbrachte dagegen ein negatives Ergebnis. Die Gänge vertauben in diese Richtung zunehmend und führen keinen Fluorit mehr (Sejkora / Fengl / Zdař Bůh). Diese Situation wurde auch durch die Untersuchungen auf sächsischer Seite bestätigt.

  


Ausschnitt aus einem Mehrsohlengrundriß mit Darstellung der 5. bis 8. Sohle, etwa in der Bildmitte ist der Schacht H2 als der Jama Papo
ušek / Schacht Papagei bezeichnet. Wie man sieht, war dieser Schacht mittig zwischen den beiden Haupotgangzügen in standsicherern Nebengestein angesetzt und durch Querschläge mit dem Josef Gangzug im Norden und dem Papoušek Gangzug im Süden verbunden. Man erkennt auch, daß beide Gangzüge im Südosten aufeinander zu verlaufen und sich dort anscharen. Quelle: Důlni Situace / Untertagesituation, Ing. P. Rezek Ph.D.

  

 
 
 

Bilder von der Schachtanlage Papoušek / Papagei

Es ist recht selten, daß vom aktiven tschechischen Bergbau Bildmaterial von unter Tage vorhanden ist. Für Moldava / Moldau sind einige wenige Bilder aus der Zeit der Verwahrung der untertägigen Hohlräume erhalten. Das Fotografieren im aktiven Bergbau war streng verboten! Leider sind diese Bilder nicht beschriftet, so daß wir heute nur noch annähernd rekonstruieren können, wo diese aufgenommen wurden.

  


Aufnahme eines Verbindungsquerschlages zwischen Schacht H2 und H1.
Quelle: Ing. P. Rezek Ph.D.

  


Füllort des Schachtes H2 in Moldava / Moldau. Jedoch ist die Sohle nicht bekannt.
Quelle: Ing. P. Rezek Ph.D.

   


Auch hier bei diesem Bild ist die Sohle nicht bekannt. Jedenfalls handelt es sich um ein schmales Gestell so wie es am Joseph Schacht, also Schacht H1 eingesetzt war. Quelle: Ing. P. Rezek Ph.D.

  


Vor dem Wetterdamm im Stolln am Schacht H1 stand seinerzeit noch das Untergestell eines solchen schmalen Grubenhuntes. Dahinter sieht man die Isolierungen von durch Schrottdiebe geplünderten Kabelsträngen liegen.

     


Die Wasserhaltungskaverne mit den Pumpen. Auf welcher Sohle diese  lag ist leider nicht bekannt. Jedoch wissen  wir den Namen der Person im Bild. Es ist Abteilungsleiter  Ing. M. Votava.
Quelle: Ing. P. Rezek Ph.D.

   


Die elektrische Schaltanlage für die Wasserhaltungspumpen.
Quelle: Ing. P. Rezek Ph.D.

  


Ingenieur  M. Votava wie er bis zur Betriebseinstellung in der Grube anfuhr.  Bemerkenswert  der schon legendäre Muschelhelm !  Quelle: Ing. P. Rezek Ph.D.

  


Gangbild aus Moldava / Moldau. Um welchen Gang oder Ort es sich handelt ist leider nicht überliefert.
Quelle: Ing. P. Rezek Ph.D.

  


Ansicht des Schachtes  H2 während der Betriebszeit Anfang der 1990er Jahre. Foto: H. Lausch.

  


Ansicht während der Stilllegung 1994. Quelle: Ing. P. Rezek Ph.D.

  


Eine etwas andere Konstruktion eines Kreiselwippers war in der oberen Etage der Halle von Schacht H2 aufgestellt. Das Kippgestell wird nur eine ¾  Umdrehung  durch den Hydraulikzylinder bewegt und so die Hunte entleert.
Quelle: Ing. P. Rezek Ph.D.

   


Einfülltrichter unter dem Kreiselwipper zu einer der beiden Förderbrücken. Übergabestelle der tauben Berge auf das Förderband zur Halde. Quelle: Ing. P. Rezek Ph.D.

  


Blick durch die Deckenöffnung nach Ausbau des Kreiselwippers zum darunter liegenden Füllort.
Quelle: Ing. P. Rezek Ph.D.

  


Auf der oberen Etage in der Schachthalle waren noch weitere Anlagen untergebracht, die nicht mehr eindeutig bekannt sind. Fest steht, daß über diesen Schacht auch Abraum gefördert wurde, der unter Tage nicht mehr als Versatz zum Einsatz kam. Quelle: Ing. P. Rezek Ph.D.

  


Die beiden Förderbrücken des Schachtes H2. Quelle: Ing. P. Rezek Ph.D.

  


Unteren Etage der Hängebank auf der Rasensohle des Schachts H2.
Quelle: Ing. P. Rezek Ph.D.

  


Die Seilscheiben von Schacht H2 vor der Demontage und schon ohne Seil.
Quelle: Ing. P. Rezek Ph.D.

  


Der Blick vom Seilscheibenstuhl über das Betriebsgelände in Richtung Kirche.
Quelle: Ing. P. Rezek Ph.D.

  


Der Blick vom Seilscheibenstuhl des Schacht H2 in Richtung des Josef Gangzuges. Gegen Ende 1994 war dieser Betriebsteil schon Geschichte !  Quelle: Ing. P. Rezek Ph.D.

  


Was vom Bergwerk blieb waren vorerst große Berge an Schrott... Quelle: Ing. P. Rezek Ph.D.

  

 
 
 

Aufbereitung der Erze

Obwohl Moldava / Moldau in der Literatur vor allem als größte Fluoritlagerstätte Tschechiens bekannt ist, kommt dort auch Baryt in recht großen Mengen vor. Als weitere Begleitminerale sind verschiedene sulfidische Erze und auch recht besondere Mineralbildungen bekannt, die dann später bei Mineraliensammlern in der ganzen Welt recht begehrt waren.

Die Lagerstätte wurde aufgrund dieser Vergesellschaftung verschiedener Mineralvarietäten zu den frühen Betriebszeiten als problematisch bis unbauwürdig eingeschätzt. Der Gehalt von Baryt in Vergesellschaftung mit Fluorit lag über 5%, was vor 1957 mit den in der damaligen Tschechoslowakei vorhanden Anlagen nicht aufbereitbar gewesen ist. Deshalb sollte dieser Erztyp mit mehr als 5% Barytanteil nicht in die Abbauplanung aufgenommen werden.

Erst ab 1961 war mit moderneren Aufbereitungsanlagen die Verarbeitung des Erztypes „C1b+C2b“ mit 54,15% Fluoritgehalt und bis zu 7,12% Baryt möglich und die bis dahin erkundeten 162.700 t wurden in die Bilanzierung mit aufgenommen.

Das geförderte Rohmaterial wurde in der 1952 neu errichteten Aufbereitungsanlage Sobědruhy, Teplice / Teplitz auf die gleiche Weise wie alle anderen tschechischen und importierten Rohstoffe zu Flotationskonzentrat verarbeitet. Trotz des etwas erhöhten Barytgehalts, insbesondere in den tieferen Teilen der Lagerstätte, war die Aufbereitung des Fluorit- Baryt- Gemisches nicht komplex und erforderte keine nennenswerten Eingriffe in die Technologie.

   


  


Zur geografischen Lage des Aufbereitungsbetriebes FLUORIT CZ a.s. im Stadtteil Sobědruhy / Soborten in Teplice / Teplitz. Oben als Basis- Karte und unten als Luftbild. Der Betrieb verarbeitet heutzutage importierte Mineralstoffe.

  

Der Aufwand für die Auftrennung des Erzes war aber hoch. Lediglich die vorhandenen Erzkapazitäten überzeugten Staat und Wissenschaft, den Abbau ‒ mit wirtschaftlichen Abstrichen aufgrund der aufwendigen Aufbereitung ‒ fortzuführen. Im Nachhinein standen neben Fluorit und Baryt für industrielle Anwendungen auch noch verhüttbare Erze wie Blei, Silber und Kupfer zur Verfügung, die wohl das Gesamtergebnis der Bergbauunternehmung in Moldava / Moldau zusätzlich positiv beeinflußt haben.

Die Erze aus Moldava / Moldau wurden in der 1. Stufe in einer Flotationsanlage verarbeitet, in welcher auch die Erze aus anderen tschechischen Fluoritlagerstätten und Importerze aufbereitet wurden. Diese 1. Stufe der Aufbereitung umfaßte die Abtrennung des gesamten sulfidischen Materials. Neben Blei, Silber und Kupfer waren noch Arsen und Wismut vorhanden. Dieses sulfidische Erzkonzentrat ist dann separat weiter verarbeitet worden.

Zum Beispiel ist im Bereich des Gangsystems „Josef“ eine etwa 30 m lange Zone vorhanden, welche sehr stark mit einer sekundären Mineralisation durchzogen war. Diese Zone reichte von der -150 m Sohle bis zur -250 m Sohle. Das Mineralgemisch dieser Gangpartie führte 1 kg bis 4 kg Silber je Tonne Erz und diese Konzentration konnte bis auf 10 kg Silber je Tonne Erz ( !! ) ansteigen. Der Abbau dieser Zone erfolgte streng getrennt von den üblichen anderen Erzen (Fluorit, Baryt) und wurde zu einem Blei- Silberkonzentrat aufbereitet, dessen Metallgehalte bei bis zu 55% - 70% lagen. Die Ursache für diesen überdurchschnittlichen Wert lag im Überwiegen von Akanthit im Silbererz und einem hohen Anteil kolloidialer Formen (Sejkora/Fengl).

Die Erze oberhalb der Sohle -200 m enthielten außerdem einen höheren Barytgehalt und sind durch technologische Anpassungen der Aufbereitungsanlagen verarbeitet worden. Vorweg lief eine strenge Selektierung, die durch die Bergarbeiter schon während des Abbaus durchgeführt werden sollte, was aber nicht immer so eingehalten wurde. Ziel dieser Selektierung war die Trennung von stark „verunreinigten“ Erz von „sauberen“ Erz. So sollten Baryt und diverse sulfidische Mineralien im Vorfeld aussortiert werden. Daraus entstanden verschiedene Klassifizierungen der Erze, nach welchen auch der Abbau erfolgen mußte. 

In einer 2. Stufe erfolgte die Abtrennung des Baryts vom Fluorit (Zdař Bůh). Reinere Partien von Fluorit wurden, wie schon oben erwähnt, separat abgebaut und speziell als Zuschlagstoffe in den Hüttenwerken der Tschechoslowakei verwendet. Doch hier lagen sehr enge Grenzen. Die Vorkommen von so reinem Fluorit war begrenzt. Generell ist der Fluorit in der Lagerstätte Moldava / Moldau mit Baryt und mit Quarz sehr eng verwachsen. Quarz und Fluorit bildeten generell eine sehr schmale gebänderte und feste Textur, die eine Granulierung für Hüttenwerke als Zuschlagstoff behinderten und nur für spezielle Zwecke der Kunden anwendbar war.

Dennoch war es möglich, durch ständig verbesserte Aufbereitungsanlagen und Verfahren den Fluorit von Moldava / Moldau für eine sehr große Palette an Anwendungen verfügbar zu machen. Freilich waren vor allem die Kosten für die Aufbereitung ‒ zumindest nach Ende der ČSSR ‒ einfach zu hoch, um gegenüber dem Weltmarkt profitabel bestehen zu können. Diese wirtschaftlichen Faktoren gaben schließlich auch Anlaß zur Einstellung der Förderung auf Tschechiens größter Fluoritlagerstätte. Gut 1,5 Mio. Tonnen Erz sollen noch abbauwürdig anstehen (Zdař Bůh).

 

Eine weitere Ausbaustufe der Fluoritaufbereitung befand sich in Žiaru nad Hronom / Heilligenkreuz (bei Banská Bystrica, Slowakei). Hier begann 1966 im 1950 gegründeten Aluminiumwerk / Závod Slovenského národného povstania (ZSNP) der Aufbau einer Fluoritaufbereitung und ist 1971 betriebsbereit vollendet worden. Dadurch war es nun möglich, Fluoritkonzentrate mit einem Gehalt von 80%, 90%, 93% und 95% Fluorit herzustellen. Der Hauptabnehmer war die chemische Industrie der damaligen ČSSR, die damit nun 30% des gesamten Bedarfes aus den eigenen Rohstoffen decken konnte.

Das Werk als solches existiert heute nicht mehr und ist durch Ausgliederungen in einzelne Betriebe zerteilt worden. Es werden aber an diesem Standort jährlich noch 160.000 t Aluminium produziert.

  


  

Eine weitere Ausbaustufe der zentralen Fluoritaufbereitung der CSSR befand sich in Žiaru nad Hronom / Heilligenkreuz (Banská Bystrica, Region Slovakia / Slowakei). Hier begann 1966 im 1950 gegründeten Aluminiumwerk / Závod Slovenského národného povstania (ZSNP) der Aufbau einer Fluoritaufbereitung und ist 1971 betriebsbereit vollendet worden. Das Werk als solches existiert heute nicht mehr und ist durch Ausgliederungen in einzelne Betriebe zerteilt worden. Es werden aber an diesem Standort jährlich noch 160 000 t Aluminium produziert. Das Komplex selber ist größer als die Stadt  Žiaru nad Hronom / Heilligenkreuz, dies kann man gut im Luftbild sehen.

  

Abbaumethoden

Der Abbau des Erzes in Moldava/Moldau mußte nach verschiedenen Gesichtspunkten erfolgen. Zum einen war es wichtig, sauber getrennte Erzklassifizierungen einzuhalten, um bei der anschließenden Aufbereitung keine Probleme zu bekommen und saubere Endprodukte zu erhalten.

Soweit wie möglich sollten dabei die Abbaukosten niedrig bleiben, um den Abbau insgesamt möglichst wirtschaftlich rentabel zu halten, sowie profitable Mengen an Erz zur Aufbereitung zu liefern. In Moldava / Moldau sind dabei verschiedene, immer neue Abbaumethoden erprobt worden; jedoch ist darüber bisher nichts näheres bekannt.

Auch stellt die Übersetzung der vorhandenen tschechischen Literaturquellen ein großes Problem dar, da die Beschreibung der eigentlichen Abbautechnologie aufgrund der manchmal fehlerhaften Übersetzung von Fachbegriffen nicht eindeutig ist. Hier ist zukünftig noch eine Überarbeitung nötig – wir hoffen daher auf das Verständnis unserer Leser!

Als hauptsächliche Abbauart ist in Moldava / Moldau zunächst der Firstenstoßbau eingesetzt worden und zwar dort, wo eine großartige Selektierung des Erzes aufgrund seiner vorhandenen Reinheit nicht erforderlich war. Die Länge der einzelnen Blöcke zwischen den Überhauen (in der Übersetzung als Flügel bezeichnet) lag bei 25 m bis 30 m und war dem Einsatz der Schrapper geschuldet.

Als weitere Abbaumethode ist der Firstenstoßbau mit Magazin eingesetzt worden. Die Höhe der Abbaue lag dabei bei 25 m bis 50 m und die Abstände der Rollen sollen 3 m bis 4 m betragen haben. Angewandt wurde sie nur bei Erzen, bei denen eine Vermischung mit den vergesellschafteten Mineralien nicht besonders problematisch war und die sowieso durch mehrere Flotationsschritte aufbereitet wurden. Man könnte auch von Fabrikerz sprechen.

  


Eher Probleme mit der Standsicherheit der Baue im Gang selbst dürften für die hier gut sichtbare Vorgehensweise beim Abbau ausschlaggebend gewesen sein, bei der die Förderstrecken neben den Gangverlauf verlegt worden sind und von diesen ausgehend der Gang durch Stichstrecken angefahren worden ist. Quelle: Základní Důlni Mapa, úsek Moldava, patro 7, 8 / Untertagesituation, 7. und 8. Sohle nordwestlich von Schacht H1, Norden ist links oben, Ing. P. Rezek Ph.D.

 

Auf den tiefen Bausohlen soll laut der Übersetzung eine Art Strossenbau zur Anwendung gekommen sein. Man hat von einer oberen Sohle zur tieferen Sohle hin den Erzgang gewonnen. Vermutlich stand auf den tieferen Bausohlen unterhalb -200 m ein besseres Erz an, was zwar weniger störende Mineralisierung enthielt und vor Ort recht leicht selektiert werden konnte, um anschließend mittels der Flotation zu einem verkaufsfähigen Endprodukt aufgearbeitet wurde (zdar.buh.cz).

  

Ausbringen des Bergbaubetriebes Moldava / Moldau

Historisch gesehen lag die niedrigste Jahresfördermenge in Moldava / Moldau im ersten Betriebsjahr 1957 bei 249 t. Schon 1962 wurde eine Förderung von 12.464 t erreicht. Von diesem Jahr an nahm der Bergbau bis 1972 stetig zu und erreichte zu diesem Zeitpunkt einen Umfang von 28.921 t.

Größere Schwankungen ergaben sich durch Vorrichtungsarbeiten im Berggebäude und reparaturbedingte Ausfälle von technischen Anlagen. Daher ging die Förderrate im Jahr 1983 einmal bis auf 12.997 t zurück. Die höchste Jahresförderung wurde 1989 mit 30.013 t erreicht.

Die durchschnittliche Jahresfördermenge über den ganzen Zeitraum des Bestehens der Grube von 1957 bis 1993 liegt bei 18.641 t. Da es sich bei der Lagerstätte Moldava / Moldau um die größte Fluoritlagerstätte in Tschechien handelt, war auch der Anteil an der Gesamtproduktion des Landes recht hoch. Waren es im ersten Betriebsjahr noch 0,9%, so war er im Jahr 1974 auf 64,1% angestiegen und ging bis 1983 wieder zurück auf 29,9%. Die höchste Fördermenge von 1989 mit 30.013 t bildete damals 43,6% der Gesamtfördermenge der Tschechoslowakischen Republik.

  

 
 
 

Betriebseinstellung und Rückbau des Bergwerkes Moldava / Moldau

  

Die offizielle Betriebseinstellung des Bergwerkes Moldava / Moldau ist mit Wirkung vom 30.06.1994 erfolgt. Zumindest wurde an diesem Tag der letzte Hunt ausgefördert.

Jedoch wurden die Rückbauarbeiten weitaus eher begonnen und dem ging der Regierungsbeschluss Nr. 468 vom 25. August 1993 voraus. Es wurden bestehende Verträge noch bedient, schon abgebaute Ressourcen zu Tage gefördert und letztendlich auch noch in der Aufbereitung in  Sobědruhy / Soborten, dem heutigen Firmensitz von FLUORIT CZ a.s. zu Konzentraten verarbeitet.

Doch schon im Laufe des ausgehenden Jahres 1993 muß der Abbruch und Rückbau der Tagesanlagen vom Josef Gangzug eingesetzt haben. Denn schon zum Ende des Jahres 1994 war dieser ehemalige Standort größtenteils renaturiert. Erhalten blieb vorerst nur das Mundloch des Wetterstollns, der bis zur Beendung der Flutung der Lagerstätte für Kontrollzwecke fahrbar war und später nachträglich verfüllt und verwahrt worden ist.

Der Schacht H1 ist weder verfüllt noch verwahrt. Lediglich zwischen der Sohle des Wetterstolln und des Förderstollns, auf dem Niveau des Förderstollns, ist eine etwa 50 cm starke bewehrte Betonplatte auf eine in den Förderturm eingebaute zentimeterstarke Riffelblechverschalung gegossen. Weder die Kabel noch Rohrleitungen im Schacht wurden entfernt. Sogar die beiden Seilfahrtgestelle verblieben im Schacht und wurden unterhalb der „Verwahrung“ im Fördergerüst fest geschweißt! Ausgebaut hat man dagegen die Fördermaschine samt Motor und Seiltrommel mit Seil und die Seilscheiben aus dem Förderturm entfernt. Sämtliche Schaltschränke verblieben vor Ort und waren dann leider Ziel der böhmischen „Schrottsammler“.

  


Die letzte Grubenleitung vom Bergwerk Moldava / Moldau von links nach rechts:  Ing. P. RezekJ. Stadler,  Ing. M. Votara und Ing. J. Kučera. Quelle: Ing. P. Rezek Ph.D.

  


Aufnahme von der Feierlichkeit anlässlich der Betriebseinstellung des Bergwerkes Moldava / Moldau. In Bergmannstracht wieder  Ing. M. Votava. Quelle: Ing. P. Rezek Ph.D.

  


Aufnahme von der Feierlichkeit anlässlich der Betriebseinstellung des Bergwerkes Moldava / Moldau. In Bergmannstracht wieder  Ing. M. Votava. Quelle: Ing. P. Rezek Ph.D.

  

Dabei bereitete der über die ganze Betriebszeit offen gehaltene Gangausbiß des Josef Gangzug die größten Probleme. Die Pingen der Verbrüche in diesem Bereich reichten teilweise bis zur 1. Sohle und tiefer hinab und damit bis in den mit Grundwasser zu flutenden Betriebsraum des ehemaligen Bergwerkes. Dieser Umstand führte anschließend zum mehrfachen Nachsacken der Verfüllmassen nach deren Aufweichen und dem wiederholten Ausfließen ihrer „Füße“ in die oberen Grubenbaue im Josef Gangzug hinein. Erst nach Beruhigung der Füllmassen im Josef Gangzug konnte eine Renaturierung der ehemaligen Betriebsflächen durch gezielte Anpflanzung von Gehölzen, Sträucher und Bäumen im Bereich des Berggehänges entlang des Gangzuges erfolgen.

Der frühere Betriebshof ist durch eine Teichlandschaft im Verlauf des Moldavský potok / Moldauer Bach umgestaltet worden. Als einzige Halde ist die Bergehalde des Schachtes H2 heute noch in der Landschaft wiederzuerkennen. Mittlerweile hält auch dort der Baumbewuchs Einzug.

  


Die Problematik der Verwahrung des Josef Gangzuges ist hier zu sehen; Jahrzehntelang blieb der Gangzug als offenes Grubenfeld liegen. Die Brüche sollen laut dem Rißwerk bis unter in die 1. Sohle gereicht haben, wohl geschuldet dem tagesnahen Abbau in den frühen Jahren des Bergbaubetriebes.
Quelle: Ing. P. Rezek Ph.D.

    


Noch ein Blick in die ausgedehnten Bruchpingen entlang der Gangausbißölinie.
Quelle: Ing. P. Rezek Ph.D.

  


Der verfüllte Josef Gangzug in einer Aufnahme vom Frühjahr 1995. Im Hintergrund ist der Schacht H2 von der Betriebsabteilung  Papoušek / Papagei zu sehen. Quelle: Ing. P. Rezek Ph.D.

  


Eine der heute bekanntesten Stellen des Josef Gangzuges und der wohl einzige Aufschluß in diesem Revier während der Sanierung 1994. Quelle: Ing. P. Rezek Ph.D.

  


Mittlerweile stark verwachsen, aber immer noch ein Ziel von Mineraliensammler und Bergbaufreunden.
Quelle: Ing. P. Rezek Ph.D.

 


Die Problematik fortlaufender Setzung und  Rutschungen im Bereich des Josef Gangzuges während der Verwahrungs- und Renaturirerungsarbeiten wird in diesem Bild gut sichtbar.
Quelle: Ing. P. Rezek Ph.D.

 


Der Verlauf des Joseph Gangzuges während der Renaturierung im Jahr 1995. Nach Abklingen des Setzungsgeschehen ist der Gangverlauf mit Mutterboden überzogen worden. Teilweise sind Baum- und Strauchpflanzungen erfolgt. Quelle: Ing. P. Rezek Ph.D.

  

Der Rückbau der Betriebsabteilung Papoušek / Papagei begann nach der Betriebsstilllegung vom 30.06.1994 und dauerte bis Ende 1996. Ein großer Teil der Tagesanlagen von Schacht H2 wurde systematisch abgebrochen und das Material für eine kostenersparende Entsorgung selektiert. Der Schacht H2 selber ist im Bereich sämtlicher Sohlen in den Füllorten vermauert und die Schachtröhre verfüllt und mit einer für Tschechien typischen Betonverwahrung übertägig gesichert worden.

Erhalten blieb das Sozial- und Verwaltungsgebäude, das Arbeiterwohnheim und einige weitere Gebäude. Jedoch blieb eine Nachnutzung bisher aus und die Substanz verfälltl vehement. Vandalismus, Lost Places- und Urbex- Tourismus, sowie Schrotthändler sorgten für weitere Zerstörung der Gebäudesubstanz, die heutenur noch  in einem mehr als nur traurigen Zustand erhalten ist.

  


Schnittdarstellung der Verwahrung von Schacht H2: Die 3 Sohlen zum Schacht H1 des Josef Gangsystems sind verspündet. Die Schachtröhre von H2 ist nur verfüllt. Quelle: Mapa Bloků Žíla systém Papoušek / Blockkarte des Papoušek / Papagei Gangsystems, Ing. P. Rezek Ph.D.

  


Ansicht des Bergbaubetriebes Moldava / Moldau im Sommer des Jahres 1995. Das Fördergerüst ist nunmehr bis zum Niveau des Daches zurückgebaut. Quelle: Ing. P. Rezek Ph.D.

  


Von der Betriebsabteilung Josef Gangzug ist hier im Bildhintergrund schon nur noch der verfüllte Gangverlauf sichtbar. Quelle: Ing. P. Rezek Ph.D.

  


Der Rückbau der Betriebsabteilung Papoušek / Papagei ging ebenfalls recht schnelle voran.
Quelle: Ing. P. Rezek Ph.D.

  


Vor der Demontage des Förderturmes waren schon die beiden Förderbrücken entfernt und alles auf dem Schachthof für die Verschrottung abgelagert, wie im Bild zu sehen. Quelle: Ing. P. Rezek Ph.D.

  


Der Blick in das Schachthaus um 1996. Das Fördergerüst ausgebaut und der Schacht verfüllt und provisorisch mit Betonschwellen abgedeckt um das Setzen der Schachtverfüllmasse beobachten zu können.
Quelle: Ing. P. Rezek Ph.D.

  


1997/1998 ist der Schacht mit Beton verschlossen und das Schachthaus abgebrochen worden.
Quelle: Ing. P. Rezek Ph.D.

 

 
 
 

Erhaltene Zeugnisse

  

Im Oktober 2019 haben wir dieses Bergbaugebiet besucht und eine umfangreiche Bilddokumentation zusammengetragen. Aufgrund des Verwahrungszustandes der ehemaligen Flußspatgrube sind weder Stolln noch Schachtanlagen in der Landschaft zu sehen. Die verbliebene Gebäudesubstanz ist heute Privatbesitz und wurde wie anderswo auch inzwischen von Schrottsammlern geplündert oder von anderen Gruppen aus dem URBEX- Spektrum heimgesucht, deren Spuren nicht zu übersehen sind.

Begonnen haben wir mit der Dokumentation am Josef Gangzug, wo auch noch einige Aufschlüsse zu sehen sind.

  


Der Josef Gangzug ist heute im Gelände immer noch nachvollziehbar. In der Bildmitte ist eine ansteigende Geländekante mit herbstlichen Baumbestand zu sehen – das Streichen des Josef Gangzuges.

    


Wir begaben uns auf die andere Talseite des Moldavský potok / Moldauer Bachs und haben uns den „Anfang“ des Gangzuges für unsere Wanderung aufgesucht.

    


Hier befindet sich der Punkt mit den letzten Bohrlöchern – Vv1-67 & Vv2-67 – auf dem Josef Gangzug.

 


Der Verlauf ist anhand der Geländestrukturen recht gut zu verfolgen.

   


Diese Schilder sind immer ein eindeutiger Hinweis auf bergbauliche Relikte.

   


Hier liegt eine Bruchzone auf dem Josef Gangzug mit einer Haldenschüttung, welche wohl von der Bruchverwahrung stammt. Auf altem Bildmaterial sind sehr große Pingen auf dem Gangzug zu sehen.

  


Es schließt sich ein renaturiertes Gebiet an, in dem noch bergbautypische Geländekonturen zu sehen sind.

  


Eindeutige Hinweise…

   


Mit der nötigen Vorsicht schauen wir´s uns trotzdem an...

   


Untersuchungspunkte der böhmischen „Strahler“ ?

  


Außer einem Fliegenpilz ist aber nichts zu finden...

  


Mit dem aufgefüllten Grund kommen auch hier die Birken am besten zurecht.

   


Die Setzungen im Untergrund sind noch nicht zur Ruhe gekommen...

   


Die Natur holt sich die Landschaft trotzdem zurück.

  


Die Ortslage von Moldava / Moldau mit den Überresten des Bergbaubetriebes kommt näher...

   


An dieser Stelle noch einmal eine historische Aufnahme von Moldava / Moldau, ungefähr dieselbe Blickrichtung, wie im Foto oben. Im Vordergrund auf der Wiese ist in den 1950er Jahren der Schacht „Starý Papoušek / alter Papagei“ geteuft worden. Gut zu sehen auch die Besiedlung des rechten Talgehänges des Moldavský potok / Moldauer Bachs, wo später der Josef Gangzug entdeckt und einen Teil des Bergbaubetriebes errichtet hat.

Bildquelle: http://www.boehmisches-erzgebirge.cz/

  


...noch mal mit Zoom zum Vergleich.

  


Wir befinden uns jetzt in dem Bereich, wo auf dem Josef Gangzug zu Betriebszeiten große Pingen lagen und teilweise noch die Reste des Ganges an so einem Pingenrand sichtbar sind. Diese Stellen werden noch heute gerne von Mineraliensammlern besucht.

  


Nicht gerade weltbewegend, was sie liegen ließen, aber nette Belege.

  


Anstehendes Gangmaterial: Meist Baryt, stark ausgelaugt, mit Negativen von Fluoritkristallen.

  


Wir folgen weiter dem Gangzug, der hier vollkommen mit Haldenmassen verkippt ist. Hier befand sich wieder eine der großen Pingen.

  


Wo sich der Baumbestand etwas lichtet, ergibt sich dieses Bild.

  


Die andere bergwärts liegende Seite der Pinge ist als offene Felslandschaft erhalten geblieben.

  


Recht bizarr ist die Felslandschaft...

  


   Vielerorts findet man noch Quarz, Baryt und etwas Fluorit mit vielen Auslaugungsstellen.

  


Auch die Mineraliensammler hinterlassen Spuren...

  


Etwas rötlich gefärbter Baryt...

   


...und Negative der ausgelaugten Fluorit- Kristalle.

  


Dazwischen etwas Quarz.

   


Wir verlassen das Areal in Richtung Tal.

   


Von der früheren Pinge hat man einen schönen Blick auf die andere Talseite...

   


...mit den Resten des früheren Werksgeländes und der Halde.

   


Die Reste eines Wetterschachtes. Dieser führte auf eine spezielle Wetterstrecke und ist verwahrt.

  


Von oben sieht man noch ein paar Reste des Schachtausbaus.

  


Unterhalb dieses Wetterschachtes lagen die Stollnmundlöcher des Josef Stolln, des Wetter Stollns, sowie des Förder Stollns, die nun verwahrt sind. Sämtliche Gebäude, die hier standen, wurden ebenfalls abgerissen.

  


Noch ein Blick zum Werksgelände mit Halde, restlichen Gebäuden und den neu angelegten Teichen.

   


Der Gangverlauf ist noch ein ganzes Stück im renaturierten Gelände zu verfolgen.

  


Auch hier setzt sich die Auffüllung noch.

   


Hier verläuft der Josef Gangzug weiter talaufwärts, ist aber im Gelände nicht mehr auffindbar.

   


Wir stehen jetzt genau gegenüber dem vormaligen Werksgelände mit der Halde. Der Standort von Schacht H2 vom Papoušek / Papagei- Gangsystem liegt uns genau gegenüber. Demzufolge liegt der Blindschacht H1 vom Josef Gangsystem genau hinter uns – aber irgendwo im Berg.

  


Wir gehen jetzt auf die andere Talseite hinüber und schauen nach, was von der Grube dort noch zu sehen ist.

   


Die verbliebene Halde ist immer noch beachtlich und wird auch offensichtlich des Öfteren von Sammlern besucht.

  


Der Eingang zum früheren Bergbaubetrieb.

  


Vermutlich das Sozial- und Verwaltungsgebäude...

  


...der mittlerweile demolierte Eingang.

  


Blick auf den Giebel des Sozial- und Verwaltungsgebäudes. Davor lag der Schacht H2...

   


Die Betonfläche zeugt von der Schachtverwahrung.

   


Diese Gebäudereste gehörten zum Fördermaschinengebäude und zur Aufbereitung.

  


Über die Gebäude hinweg noch der Blick auf die andere Talseite mit dem Verlauf des Josef Gangzuges. Gut markiert durch den herbstlichen Birkenbestand.

  


Gegenüber dem vorigen Gebäudekomplex haben auf der anderen Straßenseite offenbar noch weitere Gebäude gestanden...

  


...was die Fundamentmauern einiger Baracke belegen.

  


Auf der sich anschließenden Wiese liegt der Schacht Starý Papoušek / Alter Papagei. Auch dieser Schacht ist verwahrt, nur die Halde ist noch sichtbar.

  

An dieser Stelle endet unser übertägiger Rundgang durch Moldava / Moldau. Wie für viele Bergbaureviere im sächsisch-böhmischen Erzgebirge typisch, gibt es hin und wieder Möglichkeiten zum Befahren von untertägigen Bereichen vormaliger Bergwerke. So auch hier in Moldava / Moldau. Wir wollen an dieser Stelle eine Bildergalerie zu den noch fahrbaren Grubenbereichen des Bergbaubetriebes anfügen.

Der Gangzug „Josef“ war ja der zuerst aufgefundene und bergmännisch erschlossene Abbaubereich. Der erste angelegte Stolln war der Josef Stolln. Von hier aus wurde ein zweitrümiger Blindschacht für einfache Gestellförderung für Seil- und Materialfahrt und natürlich für die Förderung von Erz und Bergen angelegt. Dazu gehörte noch ein Förderstolln. Ein dritter etwas tiefer liegender Stolln diente anfangs der Bergeförderung während der Teufarbeiten des Blindschachtes H1 und ist später als Hauptwetterstrecke vorgerichtet worden. Zu dieser Zeit erhielt er noch eine Art Wetterschacht. In diesem Wetterstolln war ein großer Grubenlüfter von gut 2,5 m Durchmesser eingebaut, der die Abwetter aus dem Grubensystem zog.

  

 
 
 

Gedanken zur Wiederaufnahme des Bergbaus zu Moldava / Moldau

  

Im Jahr 2015 wurde in der Tschechischen Presse über eine neuerliche Aufnahme des Bergbaus auf der größten Fluoritlagerstätte der Tschechischen Republik berichtet. Ähnlich wie auch in Deutschland bescherten die zeitweise erheblich gestiegenen Weltmarktpreise für Metallerze auch Anfragen von großen Konsortien und Hedgefonds bei den staatlichen Bergbehörden der Republik und sorgen für Diskussionen. Neben Moldava / Moldau steht auch Cínovec / Böhmisch Zinnwald dabei wieder im Blickpunkt.

Die übertägigen Betriebsanlagen der Grube Moldava / Moldau sind nach der aus wirtschaftlichen Gründen erfolgten Einstellung des Bergbaus zurückgebaut und die Bergbaulandschaft ist renaturiert worden. Der Fokus der hier lebenden Menschen konzentriert sich wieder auf die Umsetzung touristischer Konzepte, die zum Teil auch den Lebensunterhalt erwirtschaften und so für Leben in der schönen Erzgebirgslandschaft sorgen. Wir haben zu diesem Thema einen Artikel aus der tschechischen Presse aus dem Jahr 2015 übersetzt und hier eingefügt:

Moldava / Moldau lehnt eine Exploration der Fluoritlagerstätte im Zentrum des Dorfes und des Naherholungsgebietes ab !

"Aufgrund der Tatsache, dass dieses Erkundungsgebiet im Zentrum des Dorfes und der umliegenden Erholungsgebiete liegt, haben wir beschlossen, dass wir der Fixierung der Erkundung auf dieses Territorium, nicht zustimmen", sagte die Vizebürgermeisterin der Gemeinde, Eva Kardová. Den Brief der Gemeinde wird das Ministerium in naher Zukunft erhalten und bei der Entscheidung über die Zulassungsanfrage mit berücksichtigen müssen.

"Wenn die Gemeinde als Verfahrensbeteiligter Unregelmäßigkeiten feststellt, ist dies formal eine grundsätzliche Verletzung und im Falle einer Rechtsverletzung durch den Antragsteller auch eine Rechtsverletzung", sagte Dominika Pospíšilová von der Presseabteilung des Ministeriums.

Die Anfrage wurde von der Prager Firma GET geführt, welche die Menge an Fluorit für jeden Bergbauinteressenten überprüfen würde. Das Mineralunternehmen selbst will nicht in den Abbau einsteigen.

"GET hat keine Absicht in Moldava Bergbau zu betreiben. Unser Unternehmen ist in erster Linie eine Forschungsinstitution. Am Standort Moldava möchten wir das bestehende Lager in Bezug auf die aktuellen Bedingungen überprüfen“, sagte Tomáš Pechar, Geschäftsführer des Unternehmens. Die Anfrage würde hauptsächlich auf Daten aus dem Archiv basieren.

Im Zentrum des Dorfes wurde Fluorit von 1954 bis 1997 abgebaut. Das Unternehmen hat die Befürchtungen so gedämpft, dass die Anfrage keine Feldarbeit vor Ort beinhalten würde. Zunächst würden Archivdaten aus der Bergbauzeit untersucht, um das digitale Modell der Fluorit- Lagerstätte neu bearbeiten und die Lagerbestände ebenfalls neu berechnen zu können.

Es ist noch nicht klar, ob das Unternehmen Explorationsbohrungen im Rahmen der Anfrage durchführen würde. "Nach der Auswertungsphase der Anfrage wird sich zeigen, ob es sinnvoll sein wird, ein paar Bohrungen zu machen, um die Archivdaten zu überprüfen und genau zu klären," sagte Pechar.

Vizebürgermeisterin Kardová sagt, die Gemeinde widerspreche der Anfrage, da das zu prüfende Gebiet unter anderem einen Spielplatz, zwei Wassertanks und ein Häuschen umfasst. Nach dem Wunsch des Unternehmens nimmt das Explorationsgebiet fast zwei Quadratkilometer ein.

"Es liegt in der Nähe des zentralen Ortes", bemerkt Ivana Ježková von den Freunden des Grünen Tals Mulda, die ähnliche Absichten im Dorf verfolgt.

Die Firma sagte in einem Antrag auf Explorationsgenehmigung zu, dass Sie jede Feldarbeit sensibel durchführen würde. "Arbeiten im Zusammenhang mit Landeingriffen werden so lokalisiert, dass Sie nicht in durch das Gesetz besonders geschützte Interessen und in Naturschutzelemente eingreifen", heißt es in dem Antrag und fügt hinzu, dass "die Bedingungen von Grundbesitzern und Nutzern eingehalten werden."

Bergbau könne Jahrzehnte dauern, sagt der Firmenchef. Wann die Abteilung des Ministeriums entscheidet, die Anfrage zu genehmigen, ist unklar." Es hängt von der Beendigung des Verwaltungsverfahrens ab", sagte Dominika Pospíšilova vom Ministerium. Eine Entscheidung kann noch Wochen oder Monate dauern.

Das Ministerium hat bei der Bewertung des Antrags unter anderem die Bergbautätigkeit durch den Antragsteller auf seine Integrität und die Konsistenz seines Projekts mit der Rohstoffpolitik des Staates zu berücksichtigen.

Fluorit- Baryt- Gangmaterial, das in Moldava abgebaut würde, wird zum Beispiel in der Papier- oder Gummiindustrie, im Bauwesen, in der Medizin und Glasbläserei verwendet. Obwohl die Exploration ein aktuelles Thema in der Gesellschaft ist, steht der Beginn des Bergbaus noch nicht auf der Agenda. Wenn der Bergbau beginnen würde, würde es nicht früher als in ein paar Jahren passieren. "Nicht früher als in ein paar Jahrzehnten", sagt auch der Geschäftsführer von GET, Pechar.

Grundsätzlich wäre der Bergbau von der Bergbehörde erlaubt. Wer den Abbau durchführen würde, ist aber auch noch unklar. "Ich kann nur sagen, dass wir viele Kunden und Leute haben, die an verschiedenen Rohstoffarten interessiert sind, und wir würden Sie ansprechen", sagte Pechar.

"Wichtig ist, dass der Bergbau mehr bringt, als Umweltschäden verursacht werden", sagte Ivana Ježková von den Freunden des Grünen Tals Mulda“. (Horák)

  

Wie lange der Abbau wirklich noch ruhen wird, ist schwer zu sagen. Immerhin ist der einzige, in den vergangenen dreißig Jahren wieder zum Abbau übergegangene Bergbaubetrieb auf der sächsischen Seite ausgerechnet die Fluß- und Schwerspatgrube der EFS Erzgebirgische Fluß- & Schwerspat Comp. in Niederschlag !  Der dort geförderte Flußspat wird vor allem in der Nickelhütte Aue eingesetzt.

Auch der Rohstoffinformationsdienst der hanseatic stock publishing UG in Lübeck (miningscout.de) informierte schon 2013 darüber, daß das Interesse an diesem Rohstoff wieder anwächst. Wir entnehmen dieser Seite ‒ nur geringfügig redaktionell bearbeitet ‒ den folgenden Beitrag zum Thema Flußspat:

Selbst in der Rohstoffbranche wird der Flußspat, die farbenfrohe Verbindung aus Calcium und Fluor bislang eher wenig beachtet. Zum geringen Bekanntheitsgrad kommt ein etwas irreführender Name: Tatsächlich hat der „Fluß“ im deutschen Namen „Flußspat“ dieses Minerals nichts mit einem fließenden Gewässer zu tun, sondern vielmehr mit seiner industriellen Verwendung ‒ vor allem in der Hüttenindustrie, wo durch Zusätze von Flußspat die Viskosität (Fließfähigkeit) der Schmelzen reguliert werden kann.

Wie so viele Rohstoffe wird Flußspat vor allem in China abgebaut. Aus dem großen asiatischen Land kommen geschätzt knapp 60 Prozent der weltweiten Förderung, wie aus Zahlen des U. S. Geological Surveys hervorgeht. Gegenüber 2011 ist die Förderung in den vergangenen Jahren aber deutlich gefallen. Ohnehin stellt die chinesische Förderung einen Zankapfel dar, denn die Exportrestriktionen gefährden die Marktversorgung. Die Situation hat Parallelen zu den Seltenen Erden. Nicht umsonst wird Flußsspat bei der EU in Brüssel auf einer Liste kritischer Rohstoffe genannt.

Allerdings nehmen die Chinesen bei weitem nicht den ersten Rang bei den bekannten Reserven ein. Hier steht mit Südafrika ein Land an der Spitze, in dem zwar der Bergbau Tradition hat, derzeit aber eher geringe Mengen des Minerals gefördert werden. Weitere große, bekannte Reserven von Flußspat finden sich in der Mongolei und in Mexiko. Während die Mongolei auf Nummer drei der weltweiten Förderrangliste steht, aber nur wenige Prozent zum Fördervolumen beiträgt, sieht dies in Mexiko anders aus. Dieseas Land fördert fast 18% des weltweit verfügbaren Volumens, rund das Dreifache des mongolischen Beitrags. Hier befindet sich letzten verfügbaren Zahlen zufolge auch der größte Bergbaubetrieb für das Halogenid.

Aufgrund der chinesischen Restriktionen und des wachsenden Bedarfs wird Flußspat für die Rohstoffbranche zunehmend interessanter. Dazu beigetragen haben auch Preissteigerungen für den Rohstoff. Diese Entwicklung sorgt dafür, daß zuvor unrentable und daher stillgelegte Förderstätten wieder in Produktion gegangen sind oder möglicherweise gehen werden. In vielen Ländern wird die Suche nach dem ‒ eigentlich vergleichsweise häufig vorkommenden ‒ Halogenid intensiviert oder es werden Projekte in fortgeschritten Stadien vorangetrieben. Die Branche entwickelt sich und das könnte dazu beitragen, daß sich künftig in der Weltrangliste bei den Fördermengen und Anteilen einiges verändern kann.“ (miningscout.de)

   

Um die wirkliche Bedeutung des Vielen kaum bekannten Minerals in der Wirtschaft zu erkennen, müssen wir seine Einsatzzwecke näher betrachten und zitieren dazu noch einmal die Experten der hanseatic stock publishing UG:

Daß Flußspat so wenig bekannt ist, liegt nicht an seiner geringen Bedeutung. Daß die EU das Mineral aus Fluor und Calcium auf der Liste der kritischen Rohstoffe führt, zeigt dies deutlich. Wichtig ist dabei auch, daß man Flußspat nicht einfach durch andere Rohstoffe ersetzen kann. Aber es „versteckt“ sich in vielen Produktionsprozessen und kommt nur selten klar als Inhaltsstoff zum Vorschein. So kann es zum Beispiel bei der Schmuckherstellung als Imitat für Edelsteine genutzt werden, da es durch Bearbeitung und eingelagerte, andere Materialien eine große Farbvielfalt annehmen kann.

Doch der eigentliche Nutzungsort liegt in der Industrie. Sein Einsatzbereich wird dabei vor allem von der Konzentration und Reinheit des Calciumfluorids bestimmt. Man unterscheidet zwischen Säurespat, Keramikspat und Hüttenspat, wobei die Konzentration des Calciumfluorids in dieser Reihenfolge abnimmt.

Eines der wichtigsten Anwendungsfelder des Flußspates bildet die Glas- und Keramikindustrie. Hier wird das Mineral unter anderem bei der Herstellung von Glas und Keramik genutzt, zudem in der Produktion von optischen Linsen, Filtern und Prismen. Hier nimmt es eine wichtige Funktion ein, soll Abbildungsfehler der Linsen korrigieren, die durch Lichtbrechung entstehen.

Als sogenannter Säurespat spielt der Rohstoff eine wichtige Rolle in der chemischen Industrie, die diesen als Ausgangsmaterial für die Herstellung verschiedener anorganischer und organischer Fluorverbindungen nutzt. Eines der bekanntesten Endprodukte dieser langen Prozesse ist Polytetrafluorethylen, besser bekannt unter seinem Handelsnamen: Teflon. Auch die unter dem Namen Gore- Tex bekannte Membran, die in der Veredlung von Textilfasern zum Einsatz kommt, geht auf Polytetrafluorethylen und damit indirekt auf Säurespat zurück.

Darüber hinaus spielt Flußspat nach wie vor auch als Hüttenspat eine wesentliche Rolle bei der Herstellung verschiedener Stähle und Leichtmetalle. HIer wird es als Fließmittel für Schlacken in den Schmelzöfen genutzt, zum Beispiel bei der Herstellung von Aluminium. Und hier wird es spätestens interessant, denn Aluminium als Werkstoff ist extrem gefragt, zum Beispiel in stark wachsenden Branchen, wie dem Flugzeugbau.“ (miningscout.de)

  


  

Bis zum heutigen Tag hat sich an diesem Stand nichts geändert: Der Bergbau ruht.

Ob das oder aber eine Wiederaufnahme das Richtige ist, darüber haben wir nicht zu befinden. Aber wir hoffen, daß die heutige Technologie es möglich machen wird, daß bei einer Wiederaufnahme des Bergbaus in Moldau / Moldava die schöne Landschaft des Erzgebirges erhalten bleibt...

Zdař Bůh ! / Glück Auf !

Das Team vom „u-b“.

   

 
 
 

Weiterführende Quellen

         Allgemeine Quellen

  1. wikipedia.org

  2. wiki-de.genealogy.net

  3. archeologiesevernichcech.webnode.cz

  4. de-academic.com

  5. oldmaps.geolab.cz

  6. dr-schacht.com

  7. mapy.cz und mapy.geology.cz, historisches Kartenmaterial, u. a. auch:
    -
    Mapa obce Moldava s vyznačenými rudními žilami, šachtami a vrty“ / Karte des Dorfes Moldau mit markierten roten Adern (Baryt), Schächten und Brunnen / Bohrungen

  8. zdarbuh.cz

  9. fluorit.cz

  10. podzemi.solvayovylomy.cz

  11. moldava.cz

  12. boehmisches-erzgebirge.cz

  13. osterzgebirge.de

  14. freiberger-eisenbahn.de

  15. mineralienatlas.de

  16. miningscout.de

  17. Deutsche Fotothek, Kartenforum der Sächsischen Landesbibliothek Dresden (historisches Kartenmaterial)

  18. Fr. Ritter von Hauer, Fr. Foetterle: Geologische Übersicht der Bergbaue der österreichischen Monarchie, k. u. k. Hof- und Staatsdruckerei, Wien, 1885 (Digitaisat unter: digitale-sammlungen.de)

  19. Chr. Eichler: Böhmen, vor Entdeckung Amerikas ein kleines Peru, als Aufmunterung zum Bergbau, und mit einem besondern Blick auf das Niklasberger und Moldauer Erzrevier, Verlag Friedrich Tempsky, Prag, 1820 (Digitalisat unter: haab-digital.klassik-stiftung.de)

  20. Carl Friedrich Naumann: Kurze Übersicht der, auf Section XI der geognostischen Charte des Königreiches Sachsen und der angrenzenden Länderabtheilungen dargestellten Gebirgsverhältnisse, Im Verlage der Königl. Sächs. Bergakademie, gedruckt in der Gerlachischen Buchdruckerei, Freiberg, 1840

  21. Johann Jokely: Die geologische Beschaffenheit des Erzgebirges im Saazer Kreise in Böhmen. Von der k. u. k. geologischen Reichsanstalt, Wien, 1856

  22. R. Beck: Erläuterungen zur geologischen Specialkarte des Königreichs Sachsen, Blatt 118: Section Nassau, W. Engelmann, Leipzig, 1887

  23. K. Dalmer: Erläuterungen zur geologischen Specialkarte des Königreichs Sachsen, Blatt 119: Section Altenberg- Zinnwald, W. Engelmann, Leipzig, 1908

  24. Festschrift und umfassende Grubenbeschreibung anlässlich der Betriebseinstellung         am 30.06.1994: Rudné Doly s. p. Zavod Teplice, Moldava 1957 – 1994

  25. G.Hösel, G. Tischendorf, J. Wasternak: Erläuterungen zur Karte Mineralische Rohstoffe Erzgebirge – Vogtland / Krušné Hory 1 : 100.000, Karte 2: Metalle, Fluorit / Baryt – Verbreitung und Auswirkung auf die Umwelt, in: Sächsisches Landesamt für Umwelt. Landwirtschaft und Geologie (Hrsg.): Bergbaumonographie, Band 3, Freiberg, 1997

  26. Mgr. J. Sejkora und M. Fengl: Moldava: Flußspatlagerstätte im böhmischen Erzgebirge, Geologie und Erzgänge, Mineralien von A-Z, in: Lapis, Heft 10, 1997

  27. Wismut GmbH: Chronik der Wismut. Mit erweitertem Sanierungsteil (1998 – 2010). digiitale Edition

  28. J. Markes: Fluoritová mineralizace oháreckého riftu a její srovnání s podobnými typy ve světě, Bachelorarbeit, Institut für Geochemie und Mineralogie, Karlsuniversität Prag, 2010

  29. R. Pokorný: Fluoritové jeskyně v severních Čechách, Online- Publikation, (vesmir.cz, 2010)

  30. P. Rucký, PH. D.; Ing P. Rezek, PH. D.: Montanní tradice obce Moldava v Krušných horách, in: Uhlí Rudy - Geologický průzkum, 1/2018

  31. J. Horák: Gedanken zur Wiederaufnahme des Bergbaus von Moldava / Moldau, 2015 (Onlinepublikation: idnes.cz, 2019)

  32. Mgr. M. Kvasňová: Moldava v Krušných horách - Historie (Onlinepublikation: moldava.cz, 2021)

  33. J. Richter: Eine Ur- und Frühgeschichtliche Handelsroute unweit Moldava.         (unveröffentlichtes Essay zur alternativen Altwegeforschung)

  34. J. Richter: Erkenntnisse der Altwegeforschung zur Region um Moldava / Moldau.
    (unveröffentlichtes Essay zur alternativen Altwegeforschung, 2021)

     
     
    Sächsisches Hauptstaatsarchiv Dresden
      

  35. Bestand 10026 (Geheimes Kabinett), Loc. 02422/03: Die mit den böhmischen Gemeinden zu Moldau und Grünwald [beide nw. Teplitz, heute Teplice, Tschechien] zur Weißeritzflöße geschlossenen Holzkontrakte, dat. 1786 ff

  36. Bestand 12884 (Karten und Risse), Schr. 000, F. 106, Nr. 003: Die Freiberger Mulde von der Quelle bei Moldau bis Halsbrücke. "Situatio des zu der Freybergschen Flöse gehörigen Mulden Strohm, welcher seinen Anfang hat über dem Böhmische Dorffe Mulde..., vereiniget sich unter dem Dorffe Claussnitz..., mit den Neu Graben und gehet durch verschiedene Örther... nach denen Königliche Schmelzhütten. Auf Verlangen... wurde dieser Muldens Strohm ausgeschritten, den 5., 6., 10., 11., 12. und 13. Juni 1750 und in gegenwärttigen Riß gebracht"
     
     
    Bergarchiv Freiberg
     

  37. Bestand 40040 (Fiskalische Risse zum Erzbergbau), Nr. K5205: Anlage eines neuen Floßteiches (Großer Floßteich) an der böhmischen Grenze unterhalb von Moldau [Moldava], dat. 17. Jahrhundert

  38. Bestand 40003 (Oberbergamt Freiberg, Geognostische Landesuntersuchungs- Kommission), Nr. K537: Verleihkarten No. 334 und No. 335: Gegend zwischen Fürstenau, Löwenhain, Altenberg, Rehefeld, Moldau (Moldava), Altgeorgenfeld, Zechenzinnwald oder Hinterzinnwald und Vorderzinnwald, undatiert

  39. Ebenda, Nr. K538: Verleihkarte No. 320 und 321, Enthält: Gegend zwischen Hirschsprung, Falkenhain, Johnsbach, Dönschten, Kipsdorf, Schönfeld, Hermsdorf, Moldau (Moldava) und Schellerhau, undatiert

  40. Ebenda, Nr. 20: Geognostische Beschreibung eines am nordwestlichen Abfall des sächsischen Erzgebirges zwischen der Mulde und der Flöha am hohen Gebirgsrücken befindlichen Stück Gebirges, dat. 1804

  41. Ebenda, Nr. 100071: Geognostisch-mineralogische Beschreibung der Gegend von Altenberg und Zinnwald nebst deren weiterer Umgebung - Teil 1: Zinnwald, dat. 1888

  42. Bestand 40069 (Bergbehörde Freiberg) Nr. 672: Schwerspatgrube Neu- Rehefeld, dat. 1956

  43. Ebenda, Nr. 558: VEB Kalkwerk Hermsdorf i. Erzgebirge, Betriebspläne