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Ein Beitrag von www.unbekannter-bergbau.de  

Erstellt Dezember 2015, letzte Aktualisierung Januar 2016.

Sie können diesen Beitrag auf dem Recherchestand vom Dezember 2015 vom Qucosa-Server der Sächsischen Landes- und Universitätsbibliothek Dresden im PDF-Format herunterladen.

http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bsz:14-qucosa2-79012

  

 

Der Steinkohlenbergbau bei Hainichen
und Oberberthelsdorf  

 

Zum Geleit

  

Der fortschreitende Klimawandel auf der Erde, verursacht u. a. durch die Umweltsünden des Menschen, auch durch einen von ihm veranlassten erhöhten Kohlendioxidausstoß bei der Verbrennung fossiler Brennstoffe, wie der Kohle, brachte diesen jahrzehntelang genutzten Rohstoff zunehmend in Verruf und scheint es erforderlich zu machen, nach anderen, sogenannten alternativen Energiequellen zu suchen.

Dessen ungeachtet wird weltweit diese Kohle noch lange ein unentbehrlicher Energieträger sein. Riesige Kohlevorkommen gibt es bekanntermaßen in Russland und anderen zentralasiatischen Staaten, wie in China, wo sie zur Zeit mittels zum Teil noch konventionellen Methoden ausgebeutet werden und auch immer wieder medienwirksame Negativschlagzeilen machen. Aber auch in den USA, wo der neu gewählte Präsident Trump bei seiner „Intronisierung“ im Jahre 2017 sich pro Kohlenutzung äußerte, in Kanada und in Australien warten reiche Kohlevorräte auf ihre Nutzung, trotz der dem entgegenstehenden Umweltverträglichkeitsstudien und obwohl eine Akzeptanz im Meinungsbild der Menschen nur schwer zu erreichen sein wird.

Und in Deutschland? - auch hier gibt es noch Steinkohle, wenn deren tiefe und gestörte Lage mit verhältnismäßig gering mächtigen Flözen, einen Abbau gegenüber Weltmarktkonkurrenten unrentabel erscheinen lässt und zur Zeit nur durch Subventionen aufrecht zu erhalten ist. Doch, vielleicht werden wir im Zuge der weiteren weltweiten Verknappung anderer fossiler Brennstoffe sowie auf Grund des sich abzeichnenden Atomausstiegs gezwungen sein, nach neuen Mitteln und Methoden zu suchen, um die teilweise bis unter der Nordsee liegende „deutsche“ Steinkohle bei vertretbaren Kosten zu gewinnen.

Hat uns nicht gerade die Geschichte gelehrt, daß unsere „Alten“ immer wieder gezwungen und veranlaßt waren, zeitweilig als aussichtslos geltende Bergbauunternehmungen erneut in Angriff zu nehmen ?  Auch sie hatten sich gegen Vorurteile und Vorbehalte einer dem Bergbau unfreundlich gegenüberstehenden Mehrheit der Bevölkerung zu behaupten, wie schon von G. Agricola im 16. Jahrhundert beklagt wurde.

Eine solche negative Stimmungslage gab es in der Vergangenheit auch in den ehemaligen sächsischen Abbauzentren für Steinkohle von Freital, Zwickau oder Oelsnitz bis ins 20. Jahrhundert hinein.

Manch ein Leser, und besonders der aus dem Ostteil Deutschlands, wird sich noch aus persönlichem Erleben daran erinnern. Seit dem Ende dieses Bergbaus im „Osten” ist, trotz der engagierten Arbeit von Museen und Traditionsvereinen, ein Vergessen der Details zur Rolle und Bedeutung feststellbar, aber auch ein sinkendes Interesse an der Sache. Oft werden nur noch Negativerlebnisse, wie die Erinnerung an Grubenunglücke, mit unterschiedlichsten Emotionen zur Kenntnis genommen. Das Interesse an der Aufarbeitung des geschichtsträchtigen Bergbaugeschehens, über die staunende Anerkennung für die Schwere der Arbeit und die Anstrengungen der Kohlekumpel, oft unter Gefahren für ihr Leben und ihre Gesundheit, hinaus, bleibt so wohl einzelnen Enthusiasten überlassen. Mal ehrlich, selbst Einheimische wissen kaum etwas darüber, daß es offensichtlich seit der Mitte des 16. Jahrhunderts in und um Flöha, Hainichen, Chemnitz- Borna und Chemnitz- Ebersdorf immer wieder Versuche eines, mehr oder minder erfolgreichen, Bergbaus auf Steinkohlen gab, wenn auch nur in einer relativ kurzzeitigen Periode, von lediglich lokaler Bedeutung. Dennoch gehört auch diese Periode zu Sachsens, Preußens und damit  Deutschlands Bergbaugeschichte. Auch mir ist das zufällig bekannt geworden. Erst einmal bekannt, weckte es meine Neugier, die es zu befriedigen galt.

Der Versuch begann und scheint nicht enden zu wollen, zumal man, immer wenn man denkt, man weiß jetzt etwas, feststellen muß, daß man nichts weiß! Deshalb hier ein erster Ansatz, Systematik in das bisher gesichtete Material zu bringen, ohne eine Endgültigkeit zu beanspruchen oder nach dieser Niederschrift das Thema „zu den Akten” legen zu wollen.

Dabei würde ich mich freuen, wenn Sie, liebe Leser, durch diesen Artikel angeregt werden, mit Sachzeugnissen oder Fakten meine Recherchen zu untermauern oder auch zu korrigieren sowie mit Erzählungen unserer „Altvorderen“ zur Illustration der im 18. bzw. 19. Jahrhundert beginnenden industriellen Entwicklung unserer Region beizutragen.

  

G. Mühlmann, Ehrenfriedersdorf, 2015 

 

 

 

Vorwort der Redaktion

Aus dem uns vom Autoren freundlicherweise zur Verfügung gestellten, umfangreichen Recherchematerial entnehmen wir die nachfolgenden Auszüge. Die Kapitel kann man jeweils einzeln lesen oder auch alle hintereinander. Dopplungen häufig zitierter Quellen sind dadurch leider nicht zu vermeiden.

Die Texte wurden von uns nur geringfügig redaktionell bearbeitet. Dabei wurden von uns auch – hier möglicherweise in der spezifischen Literatur übliche, jedoch ansonsten etwas gewöhnungsbedürftige – Mächtigkeitsangaben der Kohlenflöze von Dezimetern in gebräuchlichere Einheiten umgerechnet.

Da nur noch wenige Zeugnisse des Bergbaus in Hainichen und Berthelsdorf auf unsere Generation überkommen sind, ist dieser Beitrag ziemlich „textlastig“ geworden. Er wird aber sukzessive noch durch weiteres Material ergänzt und präzisiert.

Wir danken Herrn Mühlmann für die Bereitstellung des Materials und hoffen, daß auch unsere Leser wieder das eine oder andere hier zu Lesende noch nicht wußten. Wenn Sie aber etwas besser wissen, schreiben Sie uns bitte, damit wir die Materialsammlung noch qualifizieren können. Die Mailadresse der Redaktion finden Sie beim Button „Autoren“ rechts unten.  

   

Geleitwort 
Zur Geologie des nordöstlichsten Teils des Erzgebirge-Beckens
Die Hainichen Schichten
Das Steinkohlenvorkommen von Hainichen- Berthelsdorf
Das Steinkohlenvorkommen von Borna- Ebersdorf 
Weitere Bodenschätze im Bereich der Hainichener Teilmulde
   

Besonderheiten der Aus- und Vorrichtung und des Abbaus
Besondere bergrechtliche Regelungen für den Kohlenbergbau
Die Vermarktung der Steinkohle von Hainichen 
Zur sozialen Lage der Kohlenbergleute  
Die Bergbauunternehmungen bei Hainichen
Die Bergbauunternehmungen in Berthelsdorf
Die Bergbauunternehmungen in Ottendorf und Cunnersdorf
Quellenauswahl 

Ein Nachtrag zur späteren geologischen Erkundung 
  

   

 

Der nordöstlichste Teil des Erzgebirge-Beckens:
Die Mulde von Chemnitz- Hainichen oder
das Karbon von Hainichen- Ebersdorf und Borna bei Chemnitz

  

Schon im 19. Jahrhundert war bekannt, was von Johannes Wiener in „Blätter und Blüten aus Hainichens Vergangenheit“ wiederholt wurde, daß sich die „…Hainichen- Frankenberger Kulmmulde in etwa einer Breite von 3 km erstreckt und in nordöstlicher Richtung mit dem Rande des Mittelgebirges parallel von Ortelsdorf, Cunnersdorf- Frankenberg über Dittersbach, Berthelsdorf, Hainichen, Crumbach, Ottendorf, Pappendorf, Goßberg bis an den Aschbach im Zellwalde streicht. Das ganze Gebirge bildet dabei in der Hauptsache eine Mulde; am üblichen Muldenrand kommen Gneise sowie Glimmer- und Hornblendschiefer, auf dem nördlichen [Muldenrand] teils Amphibolschiefer, teils Gneis und Glimmerschiefer zum Ausstrich. ... Als Deckgebirge der drei Gebirgsformationen kommt das Rotliegende, der ersten Hälfte des Perm, sowie [darüber] eiszeitliche Ablagerungen des Diluvium und des Alluvium in Frage. Die Kiese und Sande sind südlicher erzgebirgischer Herkunft und weisen, außer den bereits genannten Gesteinen des Erzgebirges, auch Basalt auf…“  

Genauer beschreibt Wolfgang Hartung im Jahre 1938 die Lage: „Die Karbonschichten von Hainichen-Ebersdorf und Borna bei Chemnitz befinden sich im nordöstlichen Teil der variszisch streichenden Vogtländer Großmulde, der als sogenanntes Erzgebirgisches Becken zwischen Granulitgebirge im Nordwesten und dem Massiv des Erzgebirges im Südwesten eingeengt ist. Die Schichten ziehen sich am nordwestlichen Rande dieses Erzgebirge- Beckens in Form einer lang gestreckten Mulde hin, die durch Aufragung des Frankenberger Gneismassivs in zwei Teile geteilt ist.“

Der westliche, der Chemnitzer Teil (bei H. B. Geinitz 1854, der Ebersdorfer Teil), beginnt als schön geschlossene Mulde an der Röhrsdorfer Höhe nordwestlich von Chemnitz und zieht sich über Borna und Glösa- Draisdorf in die Gegend von Ebersdorf, Lichtenau, Ortelsdorf und Merzdorf bis Frankenberg.

 


 
Übersichtskarte zur Lage der Region.

      

Der östliche, der Hainichener Teil, breitet sich in der Umgegend von Hainichen mit den Dörfern Crumbach, Berthelsdorf, Ottendorf und Cunnersdorf aus und verläuft über Pappendorf bis Goßberg; hier gabelt er sich in zwei Äste, von denen der eine nach Südosten in Richtung Seifersdorf umbiegt, der andere nach Nordosten in den Zellaer Wald hineinzieht.

Die Geologen der SDAG Wismut sprachen von einem ca. 30 km langen und maximal 3 km breiten, generell 45° SW-NO-streichenden Spezialbecken bzw. einer Depression innerhalb der Erzgebirgssynklinale.

Tektonische Ereignisse verursachten im Karbon eine Teilung dieses Beckens in zwei Teilmulden:

  1. die Berthelsdorf- Hainichener Mulde mit ca.35 km² Fläche (Ia) und

  2. die Borna- Ebersdorfer Mulde, ebenfalls etwa 35 km² Fläche (Ib).

Zum südöstlich angrenzenden Flöhaer Becken (II) haben wir eine Dissertation aus den 1920er Jahren verfügbar gemacht.

 


Übersicht zur Lage des Karbons innerhalb des Erzgebirge-Beckens (nach K. Pietzsch, Geologie von Sachsen, 1957, Kartenhintergrund:
"Geologische Übersichtskarte der Bezirke Dresden, Leipzig und Karl-Marx-Stadt", ZGI, 1980, darin ist die Umgrenzung des Erzgebirge- Beckens anhand der Verbreitung der permo-karbonen Beckenfüllung durch die weiße Linie hervorgehoben), darin nach Pietzsch: Ia: Berthelsdorfer Teilmulde, Ib: Borna-Ebersdorfer Teilmulde, II: Oberkarbon von Flöha, III: Erzgebirgisches Becken im engeren Sinne, IIIa: Zwickauer Revier, IIIb: Lugau- Oelsnitzer Revier

   

Dem Bau nach handelt es sich bei der Berthelsdorf-Hainichener Mulde um einen Graben, was auch durch geologische Bohrungen der SDAG Wismut belegt wurde. So bewies u. a. die Bohrung mit der Nr. 3/55 eine unerwartet große Mächtigkeit des Karbons (erst bei 987 m Teufe wurde das alte gefaltete Grundgebirge erreicht, obwohl es laut Projekt bei 400 m Teufe erwartet wurde).

 


Übertragung der Berthelsdorfer Mulde (weiß dargestellte Isobathen) in unsere Übersichtskarte
und Lage der wesentlichen Untersuchungs- und Abbaustandorte

  

Der südliche Flügel der Hainichen-Berthelsdorfer Mulde grenzt an das Hainichen-Frankenberger Zwischengebirge an und ist hier steil aufgerichtet. Das Fundament der Berthelsdorf- Hainichen Mulde besteht aus flaserigen Augengneisen des Frankenberger Zwischengebirges.

  


   

Lage der nordöstlichen Berthelsdorf- Hainichener Teilmulde (in die Karte eingetragene Isobathen) auf den Geologischen Karten, Blätter No. 77, Mittweida- Taura, Ausgabe 1904, No. 78, Frankenberg- Hainichen, Ausgabe 1908 und No.78, Langhennersdrof- Freiberg, Ausgabe 1905; darin grau: Ausstriche des Karbons an den Beckenrändern, mittelbraun: permische Sedimente, unten: Geologischer Schnitt von Nord (links) nach Süd (rechts) etwa auf der Linie Ottendorf- Eulendorf (die Digitalisate der geologischen Karten findet man im Kartenforum der Deutschen Fotothek)

   

Prof. R. Meinhold führte 1990 dazu aus, daß das Erzgebirge- Becken in der erzgebirgischen Faltungsphase, also zu Beginn des Oberkarbons (heute Pennsylvanian), zwischen Namur A und Namur B zusammengeschoben worden ist, so daß nun seine Flanken steil stehen.

Die Faltentektonik wird in der Chronik der Wismut, unter Punkt 2.1.11, Seite 4, so beschrieben:

„Während der Untergrund des Erzgebirgsbeckens in der sudetischen Faltungsphase stark gefaltet wurde, sind die permokarbonischen Ablagerungen nur gering deformiert. Nur die Schichten des jüngsten Unterkarbons von Chemnitz - Hainichen wurden stark eingemuldet, wodurch die Schichten teilweise ein steiles Einfallen erlangten (z.B. bei Berthelsdorf bis 80°). Dabei ist der N-Flügel der Mulde steiler als der S-Flügel. Die Muldenachse verlagerte sich im Verlauf der Ablagerungen der Hainichener Schichten von SE nach NW.“

Nach neuen Erkenntnissen (Prof. Dr. Franz Kossmat) wird die zeitliche Einordnung der Einmuldung so beurteilt: „Nachdem während der variszischen Orogenese das Hainichen- Becken im Verlaufe des Namur und untersten Westfal stark zusammengeschoben und eingemuldet worden war, …bildeten sich nacheinander bis zum Westfal D die anderen Mulden des Erzgebirge- Beckens.

Am Ende des Karbon wurde das erzgebirgische Becken samt seiner Umgebung etwas emporgehoben; durchschneidende Flüsse entfernten durch Abwaschung einen sehr beträchtlichen Teil der abgelagerten produktiven Schichten, so daß die Kohlenreviere ... nur Teile darstellen, welche von den Abschwemmungen verschont wurden. …Erst während des mittleren und oberen Rotliegenden, das mit groben Konglomeraten über die abgewaschenen Schichtköpfe der Steinkohlenablagerungen übergreift, ging die Vertiefung des Erzgebirge- Beckens weiter.

Besonders schön ließ sich das nach H. B. Geinitz in den Werner´schen Steinbrüchen bei Hainichen und in Krasselt´s Steinbruch zwischen Hainichen und Berthelsdorf beobachten.

 

 

 

Die Hainichen-Schichten, die Hainichen-Subgruppe oder die Frühmolassen von Borna-Hainichen

  

Die Frühmolassen von Borna- Hainichen oder Hainichen- Subgruppe oder auch „Hainichen- Schichten“ sind klassische Begriffe in der deutschsprachigen geowissenschaftlichen Literatur. Diese „Hainichener Schichten“ werden als Binnenmolasse angesehen.

Binnenmolassen sind in den Mulden, wie z. B. dem Erzgebirge-Becken oder dem Becken von Brandov- Olbernhau, abgelagerte Abtragungsprodukte des herausgehobenen Gebirgsrumpfes des variskischen Gebirges. Sie gelten als die ältesten Erosionsprodukte der variskischen Gebirgsbildung im Übergangsbereich Flysch / Molasse. Dabei steht „Flysch“ als Sammelbegriff für die Sedimente, die während der Gebirgsbildung von über den Meeresspiegel herausgehobenen Schwellen in vorgelagerte Becken und Senken verfrachtet und noch in die Faltung einbezogen wurden, während „Molasse“ für einförmige Abtragungsschuttserien aus Sandstein, Konglomerat und Mergeln in Vorsenken und Binnenbecken eines „fertigen“ Faltengebirges steht.

Seit dem 19. Jahrhundert wird die Beckenfüllung in drei Culmstufen (cu1, cu2 und cu3) eingeteilt. Als Culm wurde sowohl eine sandig-tonige Sedimentgesteinsschicht aus dem Karbon als auch eine schiefrige Ausbildung von Steinkohleschichtungen bezeichnet. Diese Karbonschichten liegen diskordant auf den verschiedenen Schichtgliedern des sogenannten Frankenberg- Hainichener Zwischengebirges (Zwischengebirgsgneis, Grünschiefer, Älteres Paläozoikum), sie reichen im Westteil darüber hinaus noch etwas auf den südöstlichen Hang des Granulitgebirges hinauf.

Die Schichten cu2 und cu3 auf der geologischen Spezialkarte (Blatt Chemnitz und Blatt Frankenberg- Hainichen sowie angrenzende Blätter), liegen diskordant auf den Schichten des cu1, welche mit in den stärker bewegten Untergrund eingefaltet sind.

Erst später wurde festgestellt, daß das eigentliche Pflanzen- und kohleführende Chemnitz- Hainichener Karbon nur die Stufen cu2 und cu3 umfaßt. Diese beiden Schichten werden wieder diskordant überlagert von den Schichten von Flöha, die sich seit dem untersten Westfal B ablagerten, was als Beweis dafür gilt, daß das Flöhaer Karbon nichts mit dem Karbon von Hainichen- Ebersdorf und Borna zu tun hat, da es später abgelagert wurde.

1938 führte Wolfgang Hartung in einer Abhandlung, veröffentlicht vom Sächsischen Geologischen Landesamt, unter dem Titel: „Flora und Altersstellung des Karbons von Hainichen, Ebersdorf und Borna bei Chemnitz“ auf S. 133 aus, daß sich der Culm, oder die Culmformation auf der Sektion Frankenberg- Hainichen in folgende drei Stufen gliedere: Die erste, oder besser untere Stufe der Culmformation, ist die Stufe der vorherrschenden groben Grauwacken mit feinkörnigen, quarzitischen Sandsteinen und Grauwackenschiefern (Culm 1 oder cu 1 auf der geologischen Spezialkarte des Königreiches Sachsen), ein in den tiefen Schichten fast völlig ungeschichtetes, sehr grobes Grundkonglomerat, das noch mit zu dem tektonisch stark bewegten Untergrund des Chemnitzer Karbons gehört und von ihm durch eine Diskordanz getrennt ist. Mit Silurschichten verschuppt, streicht es nördlich des Bornaer Teils der Chemnitz- Hainichener Karbonmulde und in größerer Ausdehnung südlich des Frankenberger Gneismassivs aus. Die Kohlenkalk führenden Grauwacken, die diese Schichten zusammensetzen, sind in ihrem petrographischen Charakter ein weit älteres Gestein als die Borna- Hainichener Schichten und auf Grund ihrer dem vogtländisch- ostthüringischen Culm völlig analogen Ausbildung werden sie als eigentlicher Culm (Visé) aufgefaßt.

  


Aufschluß des Culm-Konglomerates an der Ottendorfer Straße in Hainichen, historische Aufnahme von O. Kaubisch, 1928.

Gemäß den AGB der Fotothek geben wir den Link zur Originaldatei an:
http://www.deutschefotothek.de/documents/obj/72006292

  


Aufschluß des Konglomerates am Hang im Wintergarten in Hainichen (Foto 2015).

  

Die zweite, oder besser die mittlere Stufe, die Stufe der groben Konglomerate mit vorherrschenden Schiefer- und Gneisgeröllen (Culm 2 oder cu 2 auf der geologischen Karte) hat deutlichere Schichtungen.

Die dritte, oder besser die obere Stufe, ist die Stufe der vorherrschenden Sandsteine, Schiefertone und Steinkohlenflöze (Culm 3 oder cu 3), die aus feineren Konglomeraten, Sandsteinen, Schiefertonen und Kohlenflözen zusammengesetzt ist. Das feine klastische, durch Zerstörung älterer Gesteine entstandene Material bilden Feldspat, Quarz und Glimmer, welche von den zerriebenen Graniten herstammen, sowie unbestimmbare kleinere Schieferfragmente.

  


Verbreitungsgrenzen der Hainichen- Schichten nach W. Hartung, 1938 (rot umrandet und vertikal schraffiert, auf der hinterlegten Geologischen Karte von 1908 mittelbraun dargestellt). Insbesondere im Nordwesten sind große Flächen mit jüngeren, pleistozänen Sedimenten (in der Geologischen Karte sandfarben dargestellt) überdeckt.

   

Dieses klastische Material ist allgemein zu polygenen Konglomeraten zusammengefügt. Häufig kann man nach dem Vorherrschen bestimmter Geröllarten unterscheiden zwischen Granit-, Quarzit-, Amphibolschiefer- und Schieferkonglomeraten. Von diesen bilden die groben Amphibolschiefer- und Quarzitkonglomerate die liegenden, die Granitkonglomerate die hangenden Bänke.

Die Sandsteine sind zum Teil konglomeratartig und haben infolge der blättrigen Struktur vieler ihrer klastischen Bestandteile meist eine fast schieferige Beschaffenheit. Zuweilen sind sie nur aus Granitdetritus (Feldspat, Quarz und Glimmer) zusammengesetzt und repräsentieren dann Granitsandsteine oder Arkosen, also Glimmer und Feldspat enthaltenden Sandstein.

Die Schiefertone sind hell- bis dunkelgraue und schwärzliche, schieferige, meist weiche Gesteine, die zuweilen etwas kalkhaltig sind oder kleine rundliche Toneisensteinnieren einschließen. Sie sind gewöhnlich reich an kohligen Pflanzenresten, welche ihnen die schwärzliche Farbe verleihen. Auf den Schieferungsflächen liegen meist zarte, glänzende, weiße Glimmerblättchen.

Zwischen den Schiefertonen treten schwache Kohlenflöze eingelagert auf, die meist aus stark mit Schieferton verunreinigter Schieferkohle, seltener aus Pechkohle bestehen. Diese Kohlenflöze und sonstige pflanzliche Reste sind auf die obere Stufe des Culms (cu3) beschränkt, fehlen aber in der wesentlich aus Konglomeraten bestehenden mittleren Stufe (cu2).

   
Auch in den Dokumentationen der SDAG Wismut wird zur „lithologisch- geochemischen Charakteristik der Hauptgesteinstypen der Hainichen Schichten“ festgestellt, daß sie aus Konglomeraten, Sandsteinen, Aleurolithen und Schiefertonen bestehen, in denen untergeordnet Brandschiefer und Kohlenflözchen eingeschaltet sind. Das Schichtpaket setzt sich folgendermaßen zusammen:
  1. Graue Konglomerate mit Geröllgrößen bis 1 cm aus Quarz, Feldspat, Glimmerschüppchen und karbonatischen Gesteinen. Bindemittel sind feinkörniger Kaolinit, Serizit und Quarz, seltener 1 mm große Sulfidkörnchen (Pyrit, Markasit) - alles dunkelgrau umkrustet.
  2. Graue Sandsteine mit klastischen Anteilen von Quarz, Feldspat, Glimmerschüppchen, mit aleurolithisch - tonigem Bindemittel.
  3. Aleurolithe: grau bis dunkelgrau, oft kohleführend, mit Einschlüssen aus Sandsteinlinsen und bedeutenden Mengen Glimmerschüppchen.
  4. Schieferton: grau, dunkelgrau, gewöhnlich glimmerführend. Auf den Schichtflächen befinden sich häufig Pflanzenabdrücke und kohlige Substanz.

Die claritischen (?) Kohlen sind stark fusitiziert (?) und haben einen niedrigen Aschegehalt. Eine Besonderheit der Kohlen ist außerdem, daß sie fast völlig sulfidfrei sind.

  

Sowohl die Konglomerate als auch die Sandsteine bilden Bänke unterschiedlicher Mächtigkeit (von weniger als 1 m bis zu einigen Metern), in denen Schiefertone und Aleurolithe mit Kohlenzwischenlagen und Kohlenlinsen eingelagert sind. Die Mächtigkeit der Kohlelagen beträgt gewöhnlich nur einige cm.

Im Westteil der Mulde von Hainichen- Berthelsdorf streicht nur der Nordflügel der Mulde als mehr oder weniger schmaler Streifen zutage aus, soweit er auch hier nicht durch Diluvium (Ablagerungen aus der Eiszeit) verhüllt ist, der Südflügel der Mulde ist dagegen von Rotliegend- Massen überdeckt.

Die teilweise Bedeckung der „Hainichener Schichten“ mit bis zu 50 m mächtigen Ablagerungen des Unterrotliegenden (SW-Teil der Mulde) und des bis zu 25 m mächtigen Pleistozäns (glaziale oder eiszeitliche und interglaziale oder zwischeneiszeitliche Ablagerungen) bedingte einen guten Erhaltungszustand der karbonen Sedimente, bot jedoch andererseits kaum natürliche Aufschlüsse, d. h., sie sind unter den zuvor genannten Rotliegend- Ablagerungen verdeckt oder „versteckt“, ohne sich an irgendeiner Stelle an der Erdoberfläche zu zeigen.

Unter Leitung von O. Meyer wurde 1957 bei vier Tiefenbohrungen festgestellt, daß bei Berthelsdorf und Hainichen die karbonen Ablagerungen bis zu 800 m mächtig werden, was von K. Pietzsch im Jahre 1962 bestätigt wurde.

Auch die nach der „Stufe der Grundkonglomerate“ folgenden Stufen, die „Produktive Stufe“, die „Stufe der Granitkonglomerate“ und die „Stufe der hangenden Schiefertone“ konnten nachgewiesen werden.

Die 1961 von der S(ächsischen) G(eologischen) E(rkundungs) G(ruppe) der SDAG Wismut niedergebrachten Bohrungen in der östlichen Beckenflanke durchstießen noch nicht die karbonen Ablagerungen. Bis zum Jahre 1971 gab es noch keinen Aufschluß, der das Fundament erreicht hatte.

Erst geologische Bohrungen im Jahre 1971 brachten die Überraschung. Die Bohrungen der SDAG Wismut erreichten mit der östlichsten Bohrung des so genannten Profils III – III das Muldentiefste in der Hainichen- Berthelsdorfer Mulde bei einer Bohrtiefe von 987 m, wobei man bisher davon ausgegangen war, das Tiefste schon bei 400 m Teufe zu erreichen.

Nach Prof. Rudolf Meinhold in den Sächsischen Heimatblätter 6/1990 wurden im Unterkarbon (Dinant), Abteilung Visé, die sogenannten Hainichen Schichten auf dem Muldenfundament (gefaltetes Altpaläozoikum, metamorphes und kristallines Grundgebirge) vom Untersten zum Obersten mit folgenden Mächtigkeiten abgelagert:

  1. als bis 500 m mächtiges Grundkonglomerat, danach
  2. als bis 400 m mächtige Produktive Schichten mit Schieferton, Sandsteinen, und Konglomeraten mit Steinkohlen, darauf folgend
  3. als bis 150 m mächtige Granitkonglomerate und
  4. im Oberkarbon, Abteilung Namur A als bis zu 70 m mächtige Schiefertone, Sandsteine und wenig Steinkohlen.
  
In der Chronik der Wismut, Punkt 2.1.11, wird hinsichtlich der Beckenfüllung von folgenden Mächtigkeiten gesprochen: „...von der Basis des Hainichener Beckens aus lagerten sich im Unterkarbon, dem Dinant III, die sogenannten Hainichen Schichten mit einer Gesamt-Mächtigkeit von ca. 1000 m ab:
  1. Stufe der Grundkonglomerate mit über 500 m,

  2.  „Produktive” Stufe: Sandsteine und Schiefertone mit 7 Kohleflözen mit ca. 200 m,

  3. Stufe der Granitkonglomerate mit ca. 120 m und

  4. Stufe der Hangenden Schiefertone, mit 1 Kohleflözchen, mit über 70 m Mächtigkeit."

  

Die für Hainichen typische Beckenfüllung, die deshalb auch Hainichen- Schichten genannte Hainichen- Subgruppe, entstand nach neueren Erkenntnissen in drei Megazyklen:

1. Der erste Megazyklus, die ca. 800 m mächtige Striegis- Formation, umfaßt das „präsudetische Dinant“, bzw. Teile des cu1 der alten Kartierer (siehe geognostische Karte des Königreichs Sachsen). Es könnte sich dabei um proximalen (der Körpermitte zu gelegenen) molassoiden (aus einförmigen Abtragungsschuttserien bestehend) Flysch handeln.

2. Der zweite Megazyklus, die ca. 300 m mächtige Frankenberg- Formation, umfaßt die „Grundkonglomerate" und die steinkohleführende so genannte „Produktive Stufe“ cu2 der älteren Bearbeiter, wobei der kohlenführende Sandstein eine bedeutend beschränktere Ausdehnung habe, als das Grundkonglomerat.

3. Der dritte Megazyklus, die ursprünglich mindestens 250 m mächtige Berthelsdorf- Formation entspricht der „Stufe der Hangenden Schiefertone“ einschließlich des Granitkonglomerates an der Basis. Im feinklastischen, z. T. auch geringmächtige Kohlenflöze führenden, oberen Abschnitt dieser Formation liegen die Sandgruben von Borna und der Linck´schen Ziegelei in Glösa.

Neben vielen Gemeinsamkeiten der geologischen Verhältnisse in den beiden Teilen der Mulde Hainichen- Berthelsdorf und Chemnitz- Borna- Ebersdorf gibt es Unterschiede im Gesteinscharakter in den Sedimenten des Chemnitz- Hainichener Karbons. Im westlichen, Chemnitzer oder Borna- Ebersdorfer Teil der Mulde ist der Gesteinscharakter sehr jung. Hier herrschen in den mittleren Partien feine, eines Bindemittels fast völlig entbehrende Sandsteine mit unregelmäßigen Lettenlagen, die, sehr locker gelagert sind und leicht zu Sand zerfallen und deshalb in den ausgedehnten Sandgruben von Borna gewonnen wurden. Die Schichten liegen, aufgrund der größeren Entfernung zur mittelsächsischen Überschiebung, noch recht flach.

Die Fossilfunde kamen hier „...teils im lockeren Sandstein selbst, teils auch in den diesen durchziehenden Schiefertonschichten vor".

Der auffallend hohe Anteil von mehr oder weniger feldspatreichen Quarzsanden in der Berthelsdorf- Formation hat seine Ursache in der großflächigen Erosion eines Granites, die mit der Schüttung des Granitkonglomerates (Blöcke über 1 m Durchmesser!) einsetzt.

Die Sandgruben lagen im distalen (von der Mitte eines Körpers weiter entfernt liegenden) Bereich von Schwemmfächern. Die Linck´sche Ziegelei baute Schluffsteine (klastisches Lockergestein) der anschließenden Alluvialebene (nacheiszeitliche Periode) ab. Die ursprünglich feldspatreichen Quarzsandsteine haben durch kanäozoische Exposition und Verwitterung ihr Bindemittel, den Feldspat bzw. Kaolinit verloren (oder cu3 der älteren Bearbeiter).
   

Weiter nach Osten, schon bei Ebersdorf und nachher im östlichen, Hainichener Teil wird der Gesteinscharakter altertümlicher. Festere Schiefertone, dunkelgrau bis schwärzlich, herrschen in der mittleren Abteilung vor, auch die Sandsteine nehmen etwas schiefrige Beschaffenheit an. Das hängt mit der zunehmenden tektonischen Beanspruchung zusammen, und diese wieder mit der zunehmenden Nähe zur mittelsächsischen Überschiebung, deren Bewegungen die so genannten Schichten cu2 und cu3 noch mit erfaßt haben.

Im westlichen Teil noch recht flach, beträgt das Fallen der Schichten bei Hainichen zum Teil schon 70°, noch weiter östlich herrscht Saigerstellung und Überkippung, und schließlich ist in den beiden Ästen östlich des Ortes Goßberg der normale Schichtenverband völlig zerstört: Die Schichten sind tektonisch eingeklemmt,  sie sind noch von Parallelstörungen der mittelsächsischen Überschiebung betroffen worden.

Vergleichbar, aber nicht identisch sind die Schichten cu2 und cu3 mit den Waldenburger Schichten und denen in Niederschlesien.

Während und nach der Ablagerung der permokarbonischen Beckenfüllung wirkten sich wiederholte Bruchbewegungen auch auf die Mulde von Borna- Hainichen NW streichend aus, die die älteren Schichten stärker verwarfen als die jüngeren.

Eine große SW-NE- streichende Störung bildet die Grenze zwischen dem Erzgebirge- Becken und dem Granulitgebirge von Kuhschnappel bis Chemnitz-Altendorf. Diese Verwerfung fällt mit 40° bis 50° nach S ein, das Erzgebirgische Becken ist an ihr 550 m bis 600 m abgesenkt.

Schon von A. Rothpletz werden zwei Spalten von erzgebirgischer Richtung beschrieben, zwischen denen die Schichten vor Ablagerung der oberen Steinkohlenformation empor geschoben worden sind.

Die nördliche Spalte (angrenzend an das Becken) ziehe sich von Merzdorf im Südwesten über Sachsenburg, Dittersbach, Oberberthelsdorf und den nördlichen Teil von Cunnersdorf nach Bobendorf. Die südliche Spalte verlaufe von Niederwiesa und Braunsdorf nach Mittelmühlbach, dem südlichen Teil von Cunnersdorf und weiter nach Seifersdorf. Im NO bei Cunnersdorf liegen die beiden Spalten 1 km bis 1,5 km auseinander, im SW bei Frankenberg 4 km bis 4,5 km, bei Lichtenwalde und Altenhain 2,5 km, während sie sich zwischen beiden Strecken, in der Gegend von Berthelsdorf einander auf kaum 500 m nähern.
   

Geophysikalische Untersuchungen und Bohrungen der SDAG Wismut haben eine entlang der Achse der Berthelsdorf- Hainichener Mulde früh angelegte verdeckte tektonische Störung bestätigt. Dazu wird von der Bohrabteilung Schlema der SDAG Wismut 1969 festgestellt:

„...Im NE- Teil des Gebietes weist eine Reihe geologischer Fakten auf die Existenz größerer Störungen, mit Streichen von 80° bis 85° hin. Z.B. im Bereich der Ortschaft Berthelsdorf und Reichberg ist eine starke Änderung des Streichens der Keratophyrgänge zu beobachten. Nach den Ergebnissen regionaler geophysikalischer Arbeiten ist hier auch mit annähernd EW - streichenden Störungen zu rechnen...“

Darauf beruft sich ein später gefertigter Bericht des Zentralen Geologischen Betriebs der SDAG Wismut und ergänzt:

„Im SW-Teil der Mulde kann eine NW- streichende Störung mit einem Versetzungsgrad von 150 m bis 200 m, die eine NE- streichende tektonische Zone schneidet, verfolgt werden. Im geologischen Profil III – III‘ wird deutlich, daß die NW- streichende Störung, ungeachtet des Fundamentes auch die Gesteinsfolge der Hainichener Schichten verwirft.

An den Schnittpunkt dieser Störungen ist das Uranerz- Vorkommen Berthelsdorf (Bohrung 57/67; 63/67) gebunden.

  

Nur wenige dieser Störungen reichen bis in die Sedimentation des Rotliegenden, ein Nachweis dafür, daß diese vor der Rotliegendsedimentation angelegt worden sein müssen und später nicht mehr aktiv wurden.

Über den eingemuldeten und teilweise abgetragenen Hainichen- Schichten wurden dann im Oberkarbon (Westphal II bis III) diskordant die Flöhaer Schichten abgelagert, die ebenfalls nicht mehr wesentlich deformiert wurden.

Eine Querstruktur von regionaler Bedeutung, die auch den Blockbau des Erzgebirge- Beckens mit bedingt, ist die Mittelsächsische Überschiebung, die das Erzgebirgische Becken im Nordosten bei Hainichen begrenzt.

Wenig verbreitet sind NE-streichende (erzgebirgische) Abschiebungen. Die Verwerfungsbeträge liegen nicht über 50 m; die Verwerfungsflächen fallen meistens nach Norden, seltener nach Süden ein. Es handelt sich überwiegend um Staffelbrüche. Diese Störungen wurden durch den Steinkohlenbergbau bekannt.

Bruchstrukturen wurden aber auch nach erfolgten Strukturveränderungen in der Basis des Erzgebirge- Beckens insbesondere in der saalischen Faltungsphase, zum Ende des Unterrotliegenden, angelegt. Dabei handelt es sich insbesondere um die Elemente des sogenannten zentralsächsischen Lineamentes, also einer tief reichenden Naht in der Erdkruste. Das zentralsächsische Lineament verläuft parallel zum Streichen des Erzgebirge- Beckens von SW nach NO.

Den variskischen folgten erst viel später erneut Krustenbewegungen im Zusammenhang mit der alpidischen Gebirgsbildung und erreichten im Tertiär einen neuen Höhepunkt. In der Hauptsache zertrümmerten sie, weiter südlich auch begleitet von vulkanischen Ausbrüchen, den durch die karbonische Gebirgsbildung fest gewordenen Unterbau samt den darüber angehäuften Schichten in denselben Richtungen, wie die variskischen Störungen und Bruchsysteme, nur in noch größerem Maßstab.

  


Eine Verwerfung des Flözes, hier im Carola Schacht Freital-Zauckerode auf der ¾ 18. Sohle. Vergleichbares Bildmaterial aus der Betriebszeit der Hainichen- Berthelsdorfer Gruben vom 18. bis zur ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts gibt es natürlich nicht, so daß wir auf die Bestände der Deutschen Fotothek zu anderen sächsischen Steinkohlen- Revieren zurückgreifen müssen. Dieses Foto schoß Herr Schulz 1944.

Gemäß den AGB der Fotothek geben wir dabei den Link zur Originaldatei an:
http://www.deutschefotothek.de/documents/obj/90059333

   

Diese Störungen und Brüche gingen also einher oder waren Ausgangspunkt von Senkungen oder Hebungen, bergmännisch auch Verwerfungen genannt, bzw. von Kippungen und Drehungen der Flöze und angrenzender Gesteinsschichten.

Stete Senkungsvorgänge des Untergrundes der Mulden waren einerseits eine Grundvoraussetzung der Entstehung und Existenz der Steinkohlenmoore in unserer Region. Andererseits waren diese Vorgänge ein zusätzlicher Faktor der Zerstörung der Flözlagerstätten und führten nicht zuletzt zu der heutigen steilen, von Verwerfungen verschobenen Lagerung der Steinkohlenflöze bei Hainichen, die von der ursprünglichen  horizontalen Lage enorm abweicht.

    

 

 

Die Steinkohlenlagerstätte von Hainichen- Berthelsdorf
oder nach Geinitz: „Das Hainichener Kohlenbassin“

  

Die Steinkohlenlagerstätte bei Hainichen, Cunnersdorf und Berthelsdorf sowie Chemnitz- Ebersdorf und Chemnitz- Borna ist teilweise zumindest seit dem 17. Jahrhundert bekannt und wurde seit dem Anfang des 18. Jahrhunderts gezielt bergmännisch abgebaut.

Die Lage des Hainichener Kohlenbassins wird in den Erläuterungen zu Section XIV, Erläuterungen in Heft 1, S. 81 ff, der geologischen Spezialkarte des Königreich Sachsen, so beschrieben:

Indem wir den Anfang (der kohlenführenden Sandstein) etwa dahin verlegen dem Conglomerate Sandsteinschichten, Schieferthonlagen und Spuren von Pflanzenabdrücken auftreten, läßt sich seine Grenze… so bestimmen... Vom Lerchenberge unterhalb von Kunnersdorf zieht sich die Grenze einerseits in einer etwas gekrümmten Linie nach dem unteren Ende von Hainichen, andererseits, fast geradlinig nach Südwest fortlaufend, über die Freiberger Strasse hinweg bis gegen die früheren Fiedler´schen Kohlenschächte in Berthelsdorf. Die durch diese äußeren Conturen angedeutete, etwas unregelmässige Muldenform wird durch die Schichtenstellung vollkommen bestätigt. Am südlichen Rand herrscht vom Lerchenberge an bis Berthelsdorf ein Streichen von NO bis SW, mit starkem nordwestlichen Einschiessen von 70° bis 90°; am nordlichen Rande dagegen… ein im Ganzen paralleles Streichen mit 30°-50° südlichem oder südöstlichem Fallen. Am nördlichen Ende der Mulde scheint eine scharfe Muldenwendung und steiles Zusammentreffen beider Muldenflügel Statt zu finden, dagegen dürfte sich oberhalb von Hainichen der Übergang von einem Flügel in den anderen durch horizontale oder schwebende Schichtenlagen vermitteln, während in dem weiter aufwärts folgenden Crasselt´schen Steinbruche, welcher schon dem Südflügel der Mulde angehört, die Schichten wieder 45° Nordwest fallen und von da bis an die Gneissgrenze immer steiler werden.

Über das südwestliche Ende der Mulde haben die früheren Fiedeler´schen Kohlenwerke einigen Aufschluss ertheilt. Ihre Baue wurden auf drei parallelen Flötzen von NO nach SW getrieben und ergaben…, dass die in dem ehemaligen Windschachte fast genau in der Linie NO bis SW streichenden und 65°-70° in NW fallenden Flötze sich in einer Erlängung von 180 Lachtern allmählich in die Linie OSO bis WNW wenden, während ihr Fallen gleichzeitig bis 50° abnimmt. … das Ende des Hainichener Kohlenbassins…. Denn während vom Lerchenberge bis zu dem Fiedler´schen Kohlenwerke der Südflügel der Mulde höchst konstant… das Streichen von hor. 4 mit steilem Fallen von 70°-90°zeigt, sehen wir in den westlichen Kohlenbauen innerhalb kurzer Distanz das Streichen um 4 Compaßstunden zunehmen und das Fallen um 20° abnehmen; … beide…das Vorhandensein einer Muldenwendung bestätigen. …berechnete Länge der ziemlich schmalen Kohlensandsteinmulde … auf 10.000 Ellen … scheinen die bauwürdige Flötze nur auf südwestlichen Teil der Mulde, die Gegend von Berthelsdorf, beschränkt zu sein…”   

Die Verbreitung der Kohlenflöze der Sektion Frankenberg- Hainichen:  

In den feineren Gesteinen der mittleren Partie der Schichten cu2 und cu3 wurden die Pflanzenreste gefunden, die die Chemnitzer Flora darstellen. Hier finden sich auch die Kohlenflöze und zwar auf den Südteil der (dortigen) Mulde beschränkt. Im Nordteil fehlen die Kohlenflöze, wie überhaupt im Norden eine gröbere Ausbildung der Schichten festzustellen ist. Im Oberkulm ...wenige Millimeter bis einige Zentimeter starke Lagen von sehr unreiner Schieferkohle ...mächtigere aushaltende Flöze von unreiner Kohle kommen nur auf dem Südflügel der Mulde vor.”  

  

Prof. Hanns Bruno Geinitz beruft sich 1856 auf Untersuchungen von Naumann um 1836 und die Erkenntnisse aus den Bergarbeiten in den Fiedler'schen Schächten, die zum Teil bis 1852 in Betrieb waren, und auch Prof. Bernhard von Cotta schreibt um 1856 mit diesem übereinstimmend in seinem „Gutachten über den Werth der Berthelsdorfer Kohlenlager” über die Lage der Flöze:

Man kennt bis jetzt in diesem Theile der Mulde 4 abbauwürdige Kohlenflöze, welche da, wo sie bergmännisch aufgeschlossen sind, im allgemeinen W.N.W. nach O.S.O. streichen und 50 bis 65 Grad nach Nordost fallen. Diese Richtungen entsprechen sehr gut der Beckenform dieser ganzen älteren Kohlenablagerung und man hat danach zu erwarten, dass die Flötze in ihren Verlängerungen gegen O.S.O. sowohl als gegen W.N.W. mehr in die Richtungen gegen Nord umbiegen werden.“  

Die Kulmkohlenflöze sind also im Südflügel der Kulmmulde von Hainichen am mächtigsten und zahlreichsten, in der Richtung, wo sich diese zu deren Nordrand umbiegt, werden sie schwächer und am Nordrand selbst keilen sie aus.

Auch bei Frankenberg (dem Gut Neubau und südwestlich vom Hohen Stein), sowie in einem „Tälchen östlich von Cunnersdorf“ seien kleine, aber unbauwürdige Flözchen aufgeschlossen worden.  

In der Zweiten Auflage der Erläuterungen zur Geologischen Spezialkarte des Königreichs Sachsen von 1909, S. 41, wird die Lage der Kohlenflöze und der sonstigen pflanzlichen Reste bereits auf die obere Stufe des Kulm cu3 beschränkt. Zwischen den Schiefertonen treten schwache Kohlenflöze eingelagert auf, die meist aus stark mit Schieferton verunreinigter Schieferkohle, seltener aus Pechkohle bestehen.

Kohlenwerksinspector Koettig konstatierte am Ende der Bergbauperiode in Berthelsdorf: „...Bei Hainichen findet sich die Kohlenart Schwarzkohle (harzige Steinkohle, Steinkohle, Houille oder Pechkohle) bzw. anthrazitische Partien und Schieferton schon im Übergangsgebirge, … die hier zu erfolglosen Abbauversuchen führte. ... Wirkliche Steinkohlen nur da, wo sich Sandstein und Schieferton einfinden, dort in Flözen als kohlenführender Sandstein.“

Nach 1791 wurden Holzstämme im Schieferton bei Hainichen bekannt, die oft mit einer Rinde von Steinkohlen umgeben sind. J. C. Freiesleben ergänzt 1845, daß sich die „Hainicher Kohlenformation bis nahe unter die Fluren des Rittergutes Neubau bei Frankenberg erstreckt. Ebenso kenne man Steinkohlenconglomerat mit Steinkohlenspuren bei Dittersbach, Günnersdorf und bei Altenhain, wo überall erfolglose Abbauversuche schon seit im 16.Jahrhundert erfolgten.“  So etwa um 1700 der Steinkohlenbruch bei Altenhain oder 1713 die Segen des Herrn Fundgrube und der Schwarze Adler Erbstolln.

Die noch zum Kulm gezogenen Ablagerungen des Synklinalzuges Borna- Hainichen werden als Vorläufer der produktiven Karbonschichten betrachtet. Sie beginnen mit Konglomeraten, die unter anderem Gerölle und Blöcke von Gesteinen der Granulithülle und des Frankenberger Gneiszuges enthalten. Gegen oben entwickeln sich Sandsteine und Schiefertone mit mehreren, meist nur einige Dezimeter bis ca. 1 m starken Kohlenflözen, die bei Hainichen eine Zeitlang abgebaut wurden.

 


Ausschnitt aus der Geologischen Karte, Ausgabe 1908, darin die wesentlichen Bergbaustandorte von Norden nach Süden: Kommungrund von Hainichen, Cunnersdorf, das Hölloch und Oberberthelsdorf

 


Auf dem Meiilenblatt No. 167 Section Haynichen sind die in der Zeit zwischen 1790 (Erstellung der Grundkarten) und 1876 (letzte Nachtragungen) aktiven Steinkohlenschächte eingezeichnet. Nur in Oberberthelsdorf ist die Grube konkret als „Fiedlers Kohlwerk“ (von A. G. Fiedler zwischen 1814 und 1855 betrieben, hier noch ohne den Adolph Schacht) bezeichnet. Gut zu erkennen ist hier auch noch der alte „Gottesacker“ am südöstlichen Stadtrand von Hainichen. (Diese historischen Karten findet man im Kartenforum der Deutschen Fotothek.)

   


In der Ausgabe der Topographischen Karte von 1843, Blatt 9, Section Freyberg, sind ebenfalls mehrere Steinkohlenschächte eingezeichnet. Während am „Gottesacker“ in Hainichen keine Eintragung vorhanden ist, findet sich hier eine weitere „St. Kohlen Gr.“ südwestlich von Hainichen neben einer Lehmgrube, die auf dem Meilenblatt als „Ziegel-Scheune“ bezeichnet wird.

  

In Oberberthelsdorf hat man in früherer Zeit drei Flözzüge mit zusammen 6 Flözen abgebaut, welche man als Gruppe der
  1. Neuen Flöze,
  2. Gerichtsflöze und
  3. als Neu Glück-Flöze, bestehend aus zwei Flötzen,

voneinander unterschieden hat.

Prof. B. Cotta schreibt 1856 in o. g. Zusammenhang von 4 Flözen, wobei das obere Flöz, das „Neuglücker Flötze” von durchschnittlich 4/10 Lachter Mächtigkeit, bestehend aus „recht guter Kohle, zum damaligen Zeitpunkt alleinig abgebaut würde.“ (Sie wurde zu dieser Zeit vornehmlich im Ulbrichtschacht abgebaut.) Die Beschaffenheit der Kohle sei von Bergamtsassessor Prof. Fritsche (Freiberg) „vollkommen befriedend” geprüft worden.

Die drei unteren Flöze, welche jetzt (1856) nicht in Betrieb ständen und deshalb weder direkt beobachtet noch untersucht werden konnten, besitzen nach glaubwürdigen Angaben folgende Mächtigkeiten:

  1. Unterstes oder niederes Flöz, 18 Zoll (bei Geinitz: 1 Elle 26 Zoll, bei Naumann ¾ Elle)
  2. Mittleres Flöz des liegenden Flözes 20 Zoll, (bei Geinitz:16-18 Zoll, bei Naumann 1 Elle)
  3. Oberstes Flöz des liegenden Zuges 20 bis 32 Zoll, (bei Geinitz: 16 Zoll, bei Naumann 2 Ellen)

   

Nach Naumann finden „sich die aus Sandstein und Schieferthon bestehenden Zwischenmittel zwischen dem ersten und zweiten Flötze in 14-16 Ellen, zwischen dem zweiten und dritten aber in 10-14 Ellen Mächtigkeit vor”. Zwei dieser Flöze sollen sich dabei in der Tiefe des Kunstschachtes und des jenseits des Baches liegenden Einsiedel´schen Stolln, durch „Verschmählern” der Zwischenmittel, vereinen.

Bergverwalter Ritter, bestätigt in einem gleichlautenden Gutachten zu Cotta dessen Angaben, spricht aber bei den Neuglücker Flöz von einer ziemlich steilen Fallrichtung von 83° nach Nord.

Laut A. Rothpletz ließ Tuchfabrikant Adolph Fiedler bereits im Jahre 1846 auf dem Adolphschacht von der 52 Lachter- Strecke aus einen Querschlag ins Liegende treiben, der bei einer Länge von 104 m außer einigen kleinen, unbedeutenden Flözen schließlich ein solches von 0,6 m bis 1,2 m Mächtigkeit durchfuhr, welchem der Name „Neues Flöz“ beigelegt wurde. Man trieb daraufhin von der obersten, 44 m tiefen Strecke des Windschachtes ebenfalls einen, diesmal 80 m langen, Querschlag und richtete mit demselben das neue Flöz aus. Die Kohle übertraf die Güte der Kohle der Gerichtsflöze.

Anmerkung: Dieser zeitlichen Abfolge widerspricht etwas die Aussage des Bergamtsrates Börchers aus dem Jahre 1912, wonach erst  nach dem Tode Fiedler‘s die Erben seiner Bergwerksanlagen das Neue Flöz entdeckt hätten. Möglicherweise wurden hier die zwei unterschiedlichen Anfahrpunkte des Neuen Flözes jeweils mittels Querschlag vom Adolph- bzw. Windschacht aus als Gruppe der Neuen Flöze verwechselt.

Die Gruppe der Neuen Flöze in der Hainichen- Berthelsdorfer Kulmmulde wurde bis 1903 für das in der Schichtenfolge am tiefsten liegende Kohlenflöz gehalten. In diesem Jahre fand man aber unter ihm, neben mehreren schwachen Kohlenschmitzchen, ein noch etwas stärkeres, siebentes Flöz durch einen beim Erbgericht nach SO hin getriebenen Querschlag.

Die Gruppe der Gerichtsflöze in der Hainichen- Berthelsdorfer Kulmmulde besteht aus drei einzelnen Flözen, die 70 m über dem Neuen Flöz liegen. Nach Osten zu soll sich das Zwischenmittel zwischen zwei Flözen allmählich verdrücken, bis nur noch zwei statt drei Flözen vorhanden sind:

  1. Flöz oder unterstes Flöz = 0,5 m bis 0,8 m mächtig, getrennt durch 8 m bis 10 m Zwischenmittel vom
  2. Flöz oder Hauptflöz, = 0,4 m bis 0,8 m mächtig, getrennt durch 6 m bis 10 m Zwischenmittel vom
  3. Flöz oder hangenden Flöz = 0,4 m bis 0,6 m mächtig.
    Das 3. Flöz selbst wird aus drei schwachen, je 20 cm starken Flözen mit bis zu 30 cm mächtigen Zwischenmitteln gebildet, denen sich stellenweise noch ein hangendes, 10 cm bis 50 cm starkes Flözchen
    der sogenannte „Fuchs” zugesellt haben soll. 

 

Die Gruppe der Neu Glück- Flöze wird von zwei Kohlenflözen gebildet, die 120 m über den Gerichtsflözen liegen. Die Neu Glücker Flöze nehmen nach Osten an Stärke zu und sollen im so genannten Einsiedel'schen Stollen 60 cm Mächtigkeit erreicht haben.
  1. Das erste bzw. liegende Flöz = 0,1 m bis 0,2 m mächtig und mit 4 m bis 6 m Zwischenmittel vom
  2. Flöz, dem hangenden, mit einer Mächtigkeit von 0,4 m bis 1,2 m getrennt.

  

Einen Flözzug im NO von Oberberthelsdorf bis nach Ottendorf hat man nur an der Freiberger Chaussee, kurz vor dem Abzweig der Ottendorfer Strasse aufgefunden. Dieses Flöz soll hier eine Stärke von 5 cm und zwischen Ottendorfer Flur und dem Hopfenberge eine Mächtigkeit von 15 cm gehabt haben.

Einige kleine Flöze im Hangenden des Oberberthelsdorf- Ottendorfer Flözzuges sind in Niederberthelsdorf im ehemaligen Steinbruch aufgeschlossen. Sie wurden durch kleine Verwerfungen in der Lagerung gestört und besitzen Mächtigkeiten von 20 cm bis 45 cm.

Unter anderem diese Flözgruppe ist nach tektonischen Verwerfungen auch weiter nach Ost und Süd-Ost bis nach der Ortslage Hainichen, insbesondere beim Neubau, in der Äußeren Gerichtsstraße und beim alten Gottesacker, sowie nach Ottendorf und Cunnersdorf bergbaulich verfolgt worden.

Die Kohlen weisen ein wenig fortgeschrittenes Inkohlungsstadium mit einem Gehalt an flüchtigen Bestandteilen von 45% auf. Nach der kohlenpetrographischen Untersuchung durch die Wismut weisen sie ein geringeres Reifestadium auf, als die höchsten Flammkohlen des Ruhrgebiets. Die Kohlen haben einen niedrigen Aschgehalt. Eine Besonderheit der Kohlen ist, daß sie fast völlig sulfidfrei sind.

 

 

 

Die Steinkohlenlagerstätte von Chemnitz, Borna und Ebersdorf
oder nach Geinitz: „Das Ebersdorfer Kohlenbassin“

  

Im Jahre 1856 beschreibt Geinitz die Tiefe des Ebersdorfer Steinkohlenbassins mit ungefähr 2.000 Ellen. Es wird von einer Strecke umgrenzt, die von der Stadt Frankenberg aus über Merzdorf, an der von Nieder- nach Oberlichtenau führenden Dorfstraße entlang, bis nach Draisdorf, Glösa und nordwestlich von Borna führte.

An seinem nordöstlichen und südlichen Ende lehnt es sich zwischen Frankenberg und Ebersdorf unmittelbar an den Gneiss, an dem Nordrande des Bassins an den Urthonschiefer an und an dem westlichen Ende desselben wird es in der Gegend von Röhrsdorf und Borna von den Grauwackenformationen getragen…, in Fortsetzung der von Voigtsberg, Langenstriegis, Mühlberg und Niederwiesa…. nur in den oberen Sandsteinbildungen treten namhafte Kohlenflötze auf… und nur am nördlichen Ende von Ebersdorf in der Nähe des Gasthofs Bretmühle aufgefunden…. (wo) seit 40 Jahren (also etwa seit 1816) ein Kohlenwerk besteht, …noch immer unter Leitung des Obersteiger Oesterreich, das trotz störender Wässer und Wetter, alljährlich ein zwar nicht großes Quantum, aber recht brauchbare Kohle fördert…“  

Doch bereits aus den Jahren 1511 und 1518 sind erste prospektorische Arbeiten nach Steinkohle in der Borna- Ebersdorfer Mulde bei Ebersdorf bekannt.

Im Gebiet der Brettmühle treten die Hainichener Schichten (Produktive Stufe) der Borna- Ebersdorfer Mulde an die Oberfläche. Die anstehenden Schiefertone führen Steinkohlenflöze und Kohlenschmitzen, denen bis 1865 nachgebaut wurde.

In einer Tabelle über „die Lagerstätten fester mineralischer Rohstoffe in den neuen Bundesländern” im Glückauf Forschungsheft Nr. 52, von Baumann, L. & Vuhnus, R. wird diese Jahreszahl 1559 als Abbaubeginn im Revier um Berthelsdorf- Hainichen bezeichnet. Wenn das stimmt, ist das ein weiterer Hinweis, dass der Beginn des Steinkohlenbergbaus bei Hainichen weit vor dem bisher angenommenen Jahr 1705 liegt.

Das Jahr 1559 nennen auch Nachrichten als Beginn des Kohlenbergbaus im südwestlichen Teil des Kulmbeckens bei Frankenberg und Ebersdorf, also in unmittelbarer Nähe von Hainichen.

Eine weitere frühe Erwähnung eines Steinkohlenbergbaus in unmittelbarer Nähe von Hainichen, gibt es 1683 auf Lichtenauer Flur von Ebersdorf bei Chemnitz durch den Hofmeister Andreas Adrian von Boeck (bei Rothpletz ohne „e“: Bock).

Die Grube „Gesegneter Heinrich“, am 11. Juni 1710 verliehen, nach Lehnträger Heinrich von Bünau benannt, war am Galgenberg zwischen Ebersdorfer Teich und dem Mühlsteig nach Lichtenwalde zu gelegen.

Aus dem Jahre 1700 gibt es eine erste urkundliche Erwähnung eines Steinkohlenbruchs und eines „Schwarzer Adler Erbstolln“ auf Christian Bergers Gut zu Altenhain bei Chemnitz.

Zur gleichen Zeit wird ein Steinkohletagebau auf Ebersdorfer Flur und Versuche, am ehemaligen großen Teich bei Ortelsdorf, als so genanntes Kohlloch oder Dachsloch bekannt. Vermutlich schon vor 1700 nördlich und südlich des heutigen Stadtgebietes von Flöha wurde Steinkohlenbergbau im Tagebau betrieben.

Nach Naumann in den Erläuterungen zu Sektion XV, p.363, „geht der Bergbau zunächst auf 3 Flötzen um, im Liegenden derselben ist noch ein viertes und weit draußen noch ein fünftes Flötz im Hangenden bekannt, die eine Stärke haben von:

  1. oder tiefstes Flötz hat 1/3 Elle mit ¼ Elle Kohle,
  2. Flötz 1 ½ Ellen mit 1 Elle Kohle,
  3. Flötz 1 ¼ Ellen mit ¾ Ellen Kohle,
  4. Flötz 3 ½ Ellen mit 1 ½ Ellen Kohle,
  5. Flötz 1 ½ Ellen mit 1 ½ Ellen Kohle.

Die Zwischenmittel zwischen dem 2. und 3. sowie dem 3. und 4. Flötz sind 10 bis 12 und 6 bis 8 Ellen aus zähem Schieferthone, nur in der Mitte aus grobem arkoseartigen Sandstein. Die beste Kohle, Schieferkohle, kommt auf dem 2. Flötz vor. Die Längenausdehnung der Kohlenmulde ist schwer zu bestimmen. Sie reicht vermutlich von Ortelsdorf bis an den untersten Teil von Borna. Die Breitenausdehnung bei Ebersdorf dürfte kaum 1/3 der Breite des gesamten Bassins betragen.

Die Schichtenstellung beträgt am Südflügel 40° bis 70° nach Nordwest und am Nordflügel 10° bis 20° noch Südost.“ 

Nach Wolfgang Hartung „…beginnt die Kohleführung in der Gegend von Glösa, nördlich Chemnitz, und hier sei in der Grube der Lingke´schen Ziegelei die Kohle auch heute noch zu sehen..., wo zwei Flöze angeschnitten sind.“

 

 

 

Weitere Bodenschätze in der Hainichen-Berthelsdorfer
und der Borna-Ebersdorfer Mulde

  

Seit dem 12. Jahrhundert ist in unserer Region ein Bergbau auf Silber, Kupfer, Zinn und Eisen bekannt, so in Cunnersdorf, Mühlbach, Langenstriegis und bei Riechberg sowie auf dem Treppenhauer. Bei Hainichen ist sogar eine Goldader verfolgt worden.

Da eine Gangmineralisation in den Bruchzonen, wie sie z. B. von Freiberg bekannt ist, im Erzgebirge- Becken nicht erfolgt war, mußten Versuche des Bergbaus auf Erze in der Hainichen- Ebersdorfer Mulde fehlschlagen.

Nach Johannes Wiener in den „Blätter und Blüten aus Hainichens Vergangenheit“ besitze nur das Hainichen- Frankenberger Zwischengebirge auch Erzgänge und zwar im Gneise von Cunnersdorf.

An der Quelle des Hirschbaches, im Hetzloch und im Tale des Böhlbaches grub man einst auf Silber. Auch sollen die dort gefundenen Erze Spuren von Zinnober, also Quecksilber enthalten haben. Das Mundloch des Stollens sei unter dem Fink‘schen Gute noch gut erhalten.

Wenn auch Erzlagerstätten im Erzgebirge- Becken lange Zeit unbekannt waren, erbrachten geologische Untersuchungen am Anfang der 1950er Jahre anhand von Aerogamma- Messungen Hinweise auf Uranvererzungen im Fundament und in den Karbonablagerungen bei Berthelsdorf und Sachsenburg, insbesondere die sogenannten Anomalien Nr. 5044/02 und 5044/03. Die Vererzung wurde in der Bohrung 57/67 in 135 m Tiefe in den Hainichen- Schichten angetroffen. Sie ist an grobkörnige Sandsteine in Wechsellagerung mit Konglomeraten und Schiefertonen gebunden.

Zu den Erkundungsarbeiten der SAG / SDAG Wismut sieh auch den Nachtrag.

Alle Gesteine der Hainichen- Schichten haben erhöhte Urangehalte, doch die höchsten Gehalte treten in den eben genannten Konglomeraten und Sandsteinen auf, d. h. in durchlässigen Gesteinen. Das weist auf den Zusammenhang der Erzbildung mit Grundwässern und epigenetischen Prozessen hin. Mit der Vererzung sind Gesteinsveränderungen (Bleichung, Hämatitisierung, Kaolinisierung, Serizitisierung) verbunden, die sowohl in den Hainichen- Schichten, als auch im Grundgebirge ausgebildet sind. Die Kontur des Erzvorkommens (nach einem bauwürdigen Uran-Gehalt von 0,01% = 100 g/t) wurde durch insgesamt 16 Bohrungen ermittelt. Es hat eine Ost-West- Erstreckung von 1,5 km und ist räumlich an die Schnittstelle von zwei Störungen gebunden.

Erhöhte Uran-Gehalte treten im gesamten Profil auf, die meisten jedoch in der produktiven Stufe der Hainichen- Schichten, der so bezeichneten CdH2. In den Erzproben wurden Uran-Gehalte von 206 g/t bis 568 g/t nachgewiesen. Von den erzfreien Gesteinen der Hainichener Schichten weisen die Kohlen die größte Radioaktivität auf.

Die übrigen Gesteinstypen (Konglomerate, Sandsteine, Aleurilithe) haben hinsichtlich der Gehalte der radioaktiven Elemente keine großen Unterschiede.

Insgesamt wurden die Uranerzvorkommen aufgrund ihrer Umfänge und der festgestellten radioaktiven Gehalte aber als noch nicht abbauwürdig befunden.

Bei Sucharbeiten und nachfolgenden Spektralanalysen der SDAG Wismut im Jahre 1967 im Gebiet Frankenberg- Hainichen wurden darüber hinaus in allen Gesteinen der Hainichen- Schichten erhöhte Antimon-Gehalte konstatiert, die höchsten in den uranreichen Partien (mit bis zu 4.000 g/t).

Eine Antimonvererzung sowohl in konglomeratisch ausgebildeten Horizonten des Rotliegenden als auch in metamorph beanspruchten karbonischen Gesteinen sowie ein Trum (Erzgang) von 1,2 cm Mächtigkeit in 310 m Tiefe ist dafür ursächlich. 

Traditionell ist außerdem die Ausbeutung von Lehm-, Ton- sowie von Kies- und Sandvorkommen, aber auch von kalkhaltigem Gestein verbreitet und erfolgte zum Teil bis in die jüngste Vergangenheit. Auch das Niederbringen von Wasserversorgungsbrunnen erfolgte oft mit bergmännischen Mitteln und Methoden.