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Ein Beitrag von www.unbekannter-bergbau.de

Erstellt August 2010, letzte Aktualisierung Juli 2015.

  

Geologie und Erzgänge
Das Zechendorf
Die Verträgliche Gesellschaft Fundgrube
Die Neue Hoffnung Gottes Fundgrube 
Wanderung entlang der "Kleinen Grabentour"
Unterer Kunstgraben und Erzaufbereitung
Das Huthaus der Neuen Hoffnung Gottes Fundgrube

 

Das Bräunsdorfer Bergbaugebiet
 

Bräunsdorf liegt im Tal der Striegis etwa 10 km westlich von Freiberg. Entstanden ist es als Bauerndorf im Zuge der Besiedlung der Freiberger Region. Der 30jährige Krieg brachte mit seinen Auswirkungen auch dieses Dorf nahezu an den Untergang. 

Der Bergbau, der im 14. Jahrhundert aufgekommen war, hatte bis zum Ende des 30jährigen Krieges für den Ort keine wesentliche Bedeutung. Die Blütezeit des Bergbaus in anderen Orten im 16. Jahrhundert ging an Bräunsdorf spurlos vorüber. Erst dem Gutsbesitzer des Bräunsdorfer Rittergutes, dem Leipziger Juristen Dr. Romanus Teller, ist das Aufblühen des Ortes durch den wiederaufkommenden Bergbau ab 1664 zu verdanken. 
 


Das Wahrzeichen des Bergbauortes ist nicht eine markante Halde oder Schachtgebäude,
 sondern ein Wasserturm, der weithin sichtbar ist und immer wieder die Orientierung im Gelände erleichtert.
 

Geologie und Erzgänge
 

Bräunsdorf gehört geologisch betrachtet zum nordöstlichen Erzgebirge und zum Freiberger Komplex hydrothermaler Gangerzlagerstätten. Es bildet den westlichsten Zipfel einer den Erzbergbau begünstigenden, geologischen Struktur, die maßgeblich durch das Auftreten der eq- Formation geprägt ist und die sich von Bräunsdorf über Oberschöna bis Oederan erstreckt. 

Unweit von Bräunsdorf, bei Reichenbach, tritt das Zwischengebirge von Hainichen – Frankenberg hervor. In diesem Komplex ist u.a. auch Steinkohle bergmännisch gewonnen worden, das Auftreten von Erzen in den Schiefern des Zwischengebirges ist dagegen nur an wenigen Stellen der Fall. Im Bereich von Bräunsdorf wird der obere Freiberger Graugneis schon von Einschüben aus Glimmerschiefer  und Zweiglimmergneisen gestört und bildet die westliche Grenze der Freiberger Gneiskuppel.


Im ausgehenden 17. Jahrhundert waren in der Gegend von Bräunsdorf mehrere kleine Grubenanlagen in Betrieb. Davon erlangte lediglich die „Neue Hoffnung Gottes Fundgrube“ größere wirtschaftliche Bedeutung. Diese entstand aus dem Zusammenschluss einzelner Bergwerke von mit mehr oder weniger Erfolg bauender kleinerer Grubengewerkschaften, wie „Verträgliche Gesellschaft“, „Siegfried Fundgrube“ und das Grubenfeld von „Schlammiger Frau“.

Am Anfang des 18. Jahrhundert erreichte der Grubenbetrieb eine beachtliche Größe. Die Lagerstätte ist dabei auf 290 m Teufe und einer Längenerstreckung von etwa 1300 m bebaut worden und zog sich mitten durch das Bauerndorf. Zeitweise fuhren bis zu 560 Bergleute auf der gesamten Grube an.

Die Lagerstätte ist auch ein Teil des von NO nach SW streichenden komplexen Hauptgangzugs von Reinsberg /  Kleinvoigtsberg / Bräunsdorf / Oederan. In der Hauptsache wird die lokale Erzlagerstätte von Bräunsdorf – Riechberg durch stehende Gänge gebildet. Diese werden wiederum von Morgengängen geschnitten und sind an den Störungszonen gut vererzt, ebenfalls auch die Scharkreuze der kreuzenden stehenden Gänge. Typisch für diese Lagerstätte ist ferner das tektonisch bedingte Ausfiedern der Gänge nach NO/SW. Vorherrschend sind auf fast allen Gängen die kb- oder eb- Formation. In Bräunsdorf gibt es aber auch einen speziellen Gangtyp, den von Freiesleben  als “eq – Typ“ oder „Bräunsdorfer Formation“ bezeichnet hat. Im Randgebiet des Freiberger Lagerstättenkomplexes traten dabei verstärkt niederthermale Mineralbildungen auf (Antimon).  

In den bisher gesichteten Archivalien ist ferner vom „Neu Hoffnunger Stehenden“ und „Verloren Hoffnunger Stehenden“, sowie vom „Aaron Morgengang“ und „Felix Morgengang“ die Rede. Hier sind vorwiegend Weiß- und Rotgültigerze abgebaut worden, welche der Bi-Co-Ni-Ag- Formation und ebenfalls dem Lagerstättenrandbereich des Freiberger Reviers zuzuordnen sind.


Übersicht der noch heute bekannten Erzgänge und Grubengewerkschaften: 

  1. unbenannter Stolln mit verfallenem Mundloch und großer Halde
  2. Neue Gabe Gottes Stolln
  3. Tageschacht des Neue Gabe Gottes Stolln auf dem unbenannt Stehenden
  4. Huthaus von Neue Gabe Gottes Stolln
  5. Neue Gabe Gottes Stehender
  6. Schwarzer Schacht
  7. Huthaus der Grube Siegfried
  8. Siegfrieder Kunstschacht
  9. Kunstgraben und Einzugsrösche von Siegfried Fundgrube
  10. Rautenkranz Stolln
  11. Hauptgänge der Grube Siegfried, Hülfe Gottes Stehender, Siegfried Stehender, Neuer Segen Gottes Stehender
  12. Neuer Segen Gottes Stolln
  13. Teiche der Grube Siegfried, heute Rehteiche
  14. Siegfrieder Kunstgraben, wird vom Kürenbach  und Kürenteich (!) gespeist 
  15. Vertraue Gott Stolln
  16. Hanna Stehender
  17. Wegefarther Mühle, Anfang des Neue Hoffnung Gottes Kunstgraben, auch mittlerer Graben     
  18. Wegefahrt Stolln
  19. Gnade Gottes Stolln auf dem gleichnamigen Stehenden -und Morgengang
  20. Schwarzer Teich, Beginn des Aufschlagwassergraben der Grube Verträgliche  Gesellschaft, auch oberer Graben von NHGF
  21. Jacob Stolln
  22. Beginn des unteren Kunst- und Wäschegrabens von Neue Hoffnung Gottes Fundgrube
  23. Goldene Rose Stolln
  24. Samuel Stolln
  25. Tagesanlagen von Neue Hoffnung Gottes Fundgrube wie der Kunst- und Treibeschacht, Huthaus, obere Wäsche und der Neue Hoffnung Gottes Stolln
  26. Wasserabzugsstolln der Grube Verträgliche Gesellschaft, besser als Maschinenstolln bekannt
  27. schiffbarer Kanal zur unteren Wäsche von Neue Hoffnung Gottes Fundgrube
  28. untere Wäsche
  29. Neue Hoffnung Gottes Stehender und Felix Morgengang
  30. Markscheideschacht
  31. Verträgliche Gesellschafter Kunstschacht

  32. Gangkreuz von August Stehender und Neuglück Morgengang

  33. unbenannt Stehender

  34. Kühschacht - Tageschacht auf dem Kühschacht Stehenden

  35. Kühschachter Kunstschacht, auch auf dem Kühschacht Stehenden

  36. kleiner Kalkbruch mit Brennofen

  37. Haus Bräunsdorf auf dem Tageschacht  von Neu Glück Stehender

  38. Dorotheer Tageschacht

  39. Hammerschacht auf dem Kreuz von Dorotheer Stehender und Alexander Morgengang

  40. Schlammige Frau Stolln

  41. unbenannt Stehender

  42. oberer Verträgliche Gesellschafter Teich

  


Der Verlauf des Gangzuges ist im Striegistal unweit des alten Bräunsdorfer Sportplatzes aufgeschlossen. Folgt man mit seinem Blick der Streichrichtung des Ganges so verläuft er zwischen dem Wasserturm und dem Ortsteil Siegfried und stellt ein äußerst ausladendes Grubenfeld dar.
  


Von der Schutzhütte unterhalb des Bräunsdorfer Wasserturm lässt sich der Verlauf des Hauptgangzuges wunderbar überblicken. Die rechts neben der Bildmitte befindliche Baumgruppe markiert das Grubenfeld von „Verträgliche Gesellschaft“, darüber, auf der anderen Seite des Berges, liegt der Riechberger Ortsteil Siegfried mit den dortigen Bergbauhalden und Pingenzügen (heute bewaldet).
  

Das Zechendorf 

Durch den aufblühenden Bergbau im 17. Jahrhundert entstand neben den wenigen bäuerlichen Hausstellen auch eine Bergarbeitersiedlung, die fortan den ganzen Ort prägte. Diese Siedlung trägt noch heute den Namen „Zechendorf“ und entstand entlang des rechten Ufers der Striegis. Durch das Zechendorf führten auch drei Kunstgräben Aufschlagwasser zu den Gruben. 

Die Häuslergrundstücke standen alle quer zum Tal relativ eng nebeneinander und waren generell in Fachwerkbauweise ausgeführt. Das aus Fachwerk bestehende Obergeschoß war auf einem in Massivbauweise, meist Bruchstein, ausgeführten Erdgeschoß aufgesetzt. Als Dacheindeckung fungierte zunächst meist Stroh, später Holzschindeleindeckung und heute die üblichen „modernen“ Dachbaustoffe.  Leider ist in der heutigen Zeit vielmals auch das so schöne und typische Fachwerk wegen befürchteter „Baufälligkeit“ gegen massives Mauerwerk ausgetauscht worden mit teilweise riesigen unschönen Fensterlöchern. Dennoch sind einige Gebäude durch umsichtige Besitzer in ihrer ursprünglichen Art und Weise erhalten und prägen hoffentlich auch in Zukunft den Ortsteil Zechendorf als ehemalige Bergarbeitersiedlung. 

Die Bilder von modernisierten oder besser „verschlimmbesserten“ Gebäuden des Zechendorfes ersparen wir uns an dieser Stelle. Es ist ja schon schlimm genug, wenn mit Förderungen von staatlichen Banken der Energiesparwahn auf Kosten der historischen Gebäudesubstanz durchgesetzt wird. Meine allergrößte Hochachtung den Hauseigentümern, die ihre Gebäude in der ursprünglichen Substanz erhalten haben !
 


Die Schule im Zechendorf entstand um 1837 als schon die Blüte des Bergbaus bei „Neue Hoffnung Gottes Fundgrube“ vorüber war. Dennoch gab es die vielen Kinderreichen Bergarbeiterfamilien und zu wenig Platz im bisherigen Schulgebäude.
  


Bis 1910, dem Jahr des Neubaus der Zentralschule zwischen Oberdorf und Unterdorf,  ist das Gebäude als Schule genutzt worden. Zwischen 1989 und 1992 erfolgte eine umfassende Rekonstruktion nach denkmalpflegerischen Gesichtspunkten. Diese Sanierung hebt sich durch den Erhalt der historischen Substanz von den übrigen Gebäuden im Zechendorf deutlich ab und verdient alle Hochachtung gegenüber dem Eigentümer.
  


Das Armenhaus soll um 1700 für die Ärmsten der Armen errichtet worden sein. Trotz des florierenden Bergbau des Ortes kamen die Familien der Bergleute noch lange nicht zu einem gewissen Wohlstand. Mit dem Armenhaus konnte wenigstens die Obdachlosigkeit vermieden werden.
 


Im Erdgeschoß des Gebäudes befand sich noch bis 1945 die so genannte „Zelle“ - das Ortsgefängnis und später Übernachtungsmöglichkeit für Wanderburschen.
  

Die Grube „Verträgliche Gesellschaft“ inmitten des Dorfes 

Eine nahezu unbekannte Kunstschachtanlage, die zur vormals eigenständigen Grube „Verträgliche Gesellschaft“ gehörte, lag inmitten des Bauerndorfes. Über diese Bergwerksanlage ist leider nichts Näheres bekannt, lediglich zwei Halden und die Kunstteiche sind als Sachzeugen noch heute zu sehen. Bis zum Bau des Erzkanals der Grube „NHGF“ im Jahr 1790 muß die „VG“ noch eigenständig gewesen sein. Zur „VG“ gehörte auch eine eigene Erzaufbereitung, die im Bereich des heutigen sogenannten  „Turbinenhauses“ gestanden hat. Die Erzaufbereitung erhielt ihr Wasser über einen 650 m langen Pochwerksgraben, der seinen Anfang in einem kleinen Teich in der Nähe des „Maschinenstollns“ nahm. Der Grabenverlauf ist heute noch in der Landschaft als „Bräunsdorfer Erzkanal“ zu sehen.

Der Kunstgraben für diese Schachtanlage nahm seinen Anfang am schwarzen Teich unweit von Wegefarth und wurde in der sogenannten „Delle“ nochmals durch das Wasser der „Drei Teiche“ ergänzt, bis er die Schachtanlage „Verträgliche Gesellschaft“ im Ort erreichte. Zusätzlich stand noch Aufschlagwasser aus dem Oberen Gesellschafter Teich außerhalb von Bräunsdorf in Richtung Langhennersdorf zur Verfügung. Dieser Teich speiste auch den Kunstschacht- Kühschacht. Ob die „verbrauchten“ Aufschlagwasser aus dem „Kühschacht“ dann dem Gesellschafter Kunstschacht zugeführt wurden, ist nicht bekannt, wäre aber aus heutiger Sicht möglich. Da diese Anlage das Wasser vom Gesellschafter Kunstteich erhielt, liegt die Zugehörigkeit  zur Grube „Verträgliche Gesellschaft“ sehr nahe. 

Leider hat sich noch niemand ausführlich mit der Bergbaugeschichte dieser Grubenanlagen befasst. Vom Verträglich Gesellschafter Kunstgraben ist heute bereits nichts mehr in der Landschaft zu sehen. 
 


Der Kunstgrabenverlauf ist auf der Karte mit roten Punkten markiert. 
Außerdem sind die wichtigsten Anlagen der Grube bezeichnet, soweit diese überhaupt noch bekannt sind.
 


Die bewaldete Anhöhe über dem Tal markiert das Gelände von „Verträglich Gesellschaft Fundgrube“. 
Kaum jemand ahnt bei diesem Anblick die Geschichtsträchtigkeit dieser Anhöhe.
 


Das Grubenfeld der „Verträglichen Gesellschaft“ vom Dorf aus gesehen. Die bergbaulichen Aktivitäten beanspruchten das Dorf in einer Art und Weise, wie sie für uns heutzutage nicht mehr nachvollziehbar ist.
 


Blick vom Bräunsdorfer Wasserturm auf das Grubenfeld von „Verträgliche Gesellschaft“. Die kleine bewaldete Anhöhe rechts neben der Mitte des Bildes markiert die Lage des Hauptschachtes. Weit im Hintergrund ist die „Siegfried Fundgrube“ mit ihrem „Zechendorf“ zu sehen. Den Verlauf des Hauptganges über 1,3 km kann man von hier aus sehr gut überschauen.
 


Der Kunstteich der Grube „Verträgliche Gesellschaft“ besteht heute immer noch. Nunmehr aber als zwei Teiche...
 


...wie dieser Teichdamm belegt.
 


Der rechte Teil des Teiches im dusteren Herbstlicht des November 2009.
  


Der Kunstgraben führte an diesem schicken Fachwerkgebäude vorbei zu den Kunstschachtanlagen des „Kühschachtes“ und „Verträglich Gesellschafter Kunstschacht“.
  


Aus dem Rosental heraus führt diese kleine Straße direkt über die Zentralhalde der Grube „Verträgliche Gesellschaft“. Links befindet sich die Schachtpinge und rechts die Halde. Die heutige Ortsbebauung steht regelrecht auf dem Grubengelände.
 


Die Pinge des Hauptschachtes etwas versteckt neben der Dorfstraße.
 


Im Bereich dieses Carports fiel Anfang der 1970er Jahre ein Tagebruch. Verursacht durch die Radstube der Grube, die danach mit Beton verfüllt wurde. Eine Tafel weist s darauf hin. Zur jetzigen Zeit besteht keine Möglichkeit mehr, das Bergwerk zu befahren.
 


Der einzig mögliche Zugang in der Zukunft wäre die Öffnung dieses Stollnmundloches. Es handelt sich um den „Maschinenstolln“ der Grube „Verträgliche Gesellschaft“, aus dem bis vor wenigen Jahren noch Trinkwasser gewonnen wurde. Der im Bild sichtbare zugewachsene Revisionsschrot beinhaltet lediglich Rohrleitungen und führt leider nicht in den Stolln.
 


Die Lage des Pochwerksteiches vor dem Maschinenstolln, neben der Bräunsdorfer Striegisbrücke, lässt sich nur noch erahnen. Von hier führte ein Kunstgraben das Aufschlagwasser zum Poch- und Wäschegebäudes am Standort des heutigen Turbinenhauses. Ab 1790 wurde der Kunstgraben zum schiffbaren Erzkanal ausgebaut.
 

Die Bergwerksanlage „Neuen Hoffnung Gottes Fundgrube“ zu Bräunsdorf 

Die „NHGF“ erreichte ihre Grubenfeldgröße durch die Konsolidierung mit schon bestehenden Gruben und konnte so einen effektiveren Abbau der Lagerstätte gestalten. Dabei muss erst nach 1790 die Grube „Verträgliche Gesellschaft“ durch eine Konsolidierung zur „NHGF“ gekommen sein. Die Wasserrechte an den einzelnen Gräben fielen somit ebenfalls der  „NHGF“ zu und machten einen konzentrierten Kunstschachtbetrieb möglich da ausreichend Wasser aus unterschiedlichsten Quellen zur Verfügung stand.

Erschlossen war die Erzlagerstätte hauptsächlich durch einen Kunst- und Treibeschacht, der unmittelbar an der Striegis etwas abseits des Ortes lag. Dieser Schacht war tonnlägig angelegt, vermutlich im Einfallen eines Ganges und hatte acht Gezeugstrecken. Die Förderung ist mittels eines Kehrrades von 12 m Durchmesser bewerkstelligt worden. Zur Wasserhaltung kamen zwei übertägig aufgestellte Kunsträder zum Einsatz. Deren Durchmesser betrug 12 m und 10 m. Während das Kehrrad und ein Kunstrad direkt im Schachtgebäude aufgestellt waren, stand ein Kunstrad etwa 150 m entfernt vom Schachtgebäude und übertrug die Kraft über ein Feldgestänge. Dieses ist auch als „oberes Kunstrad“ bezeichnet und bezog das Wasser aus einem Kunstgraben (mittlerer Graben) der heute noch in Teilen erhalten ist. Um 1800 gebaut, nahm dieser Graben seinen Anfang an der Wegefarther Mühle und führte das Wasser der Striegis, damit sogar aus dem Oberen Großhartmannsdorfer Teich, durch etliche noch erhaltene Röschen durch das Striegistal bis zum Kunst- und Treibeschacht. Nach Nutzung der Wasserkraft floss der Energieträger in den unteren Kunstgraben und speiste das zweite Kunstrad und noch ein Kehrrad für die Förderung im Schacht. 
 


 Skizzierte, durch den Verfasser angenommene  Übersicht über die Tagesanlagen unmittelbar am Kunstschacht von „NHGF“. Dabei ist bis heute noch nicht eindeutig geklärt, welche Aufgaben die einzelnen Gebäude wirklich hatten. Es fehlen noch die Bergschmiede, Bergzimmerei, Gezähehaus und weitere Gebäude, die unabdingbar für solch eine große Grubenanlage waren.
 


Schon von der Straße aus ist die ehemalige Pulverkammer der „NHGF“ zu sehen.
  


Die Pulverkammer der Grube „NHGF“ mit schwerer und verschlossener Eisenblechtür. Warum muss den auch dieser kleine Raum noch verschlossen werden? Der Sicherheitsfanatismus mancher Bürger ist mir rätselhaft.
 


Die Pulverkammer ist mittels der Bohr- und Schießarbeit auf einer natürlichen Kluft angelegt.
 


Nicht weit von der Pulverkammer entfernt ist der Verlauf des Haupterzganges recht gut zu sehen...
 


...und der Verlauf des Erzkanals ist mit viel Phantasie noch nachvollziehbar, wie die kleine grabenförmige Einsenkung am Waldsaum zeigt.
  

Der Erzkanal verlief unmittelbar unterhalb des Berggehänges. Das frische grüne Gras ist auch ein deutlicher Hinweis auf feuchteren Boden und ein Indiz für den Grabenverlauf...
 

...striegisabwärts zum unteren Poch- und Wäschewerk von „NHGF“  heute steht dort das Turbinenhaus.
 

Der Erzkanal verlief mit großer Sicherheit parallel zum Berggehänge über den alten Bräunsdorfer Sportplatz.
 

Das oberhalb des alten Sportplatzes liegende bewaldete Gehänge gehörte wohl mit zum Haldensturz der Bergwerksanlage. Ohne große Mühe lassen sich noch mineralische Belege des Bergbaus hier finden. Der Ausschlagplatz und die beiden Poch- und Wäschwerke (altes und neues) lagen genau im Bereich des Sportplatzes.
 

Auch verraten noch Reste einer Böschungsmauer die „Aufgabe“ des Berggehänges und den eventuellen Verlauf des Erzkanals.
 

 Unmittelbar vor dem Huthaus befand sich der Kunst- und Treibeschacht der Bergwerksanlage. 
 

Die Einzäunung des Bergschadens gegenüber verrät uns heute noch die genaue Lage dieses Schachtes (siehe Skizze weiter oben). Oberhalb des Hauptschachtes befand sich auch die übertägige Kunstradstube und der Haldensturz. Außer dem eingezäunten Schacht ist von alldem heute nichts mehr zu sehen.
 

Diese alte Auffahrt verrät auch wie die Haldenmasse auf das Gehänge kam. Der Haldensturz muss bei diesem in einem Flusstal gelegenen Berggebäude immer ein Problem gewesen sein. Da der Platz für den Haldensturz im engen Tal begrenzt war, mußten die umliegenden Berghänge genutzt werden und die tauben Berge aus Schacht und Aufbereitung kraftaufwendig zur Kippstelle bergan transportiert werden. Weitere Halden befanden sich noch im Bereich des Bräunsdorfer Kindergartens, die aber zum größten Teil für den Wegebau abgefahren wurden. 
 
Wanderung entlang des teilweise erhaltenen Kunstgrabens von Wegefahrt nach Bräunsdorf

Der Grabenverlauf ist heute noch weitgehend in der Landschaft erhalten und als „kleine Grabentour“ in der einschlägigen Literatur bekannt. In der Skizze ist auch die bergmännische Wasserwirtschaft gut ablesbar. Das aufwendigste Bauwerk ist der mittlere Graben da dieser durch sehr schwieriges Terrain führt.
 


 

An der Wegefarther Mühle nahm der längste Kunstgraben der Grube „Neue Hoffnung Gottes Fundgrube“ seinen Anfang. Durch gut eingezäunte Grundstücke ist es nicht möglich den Graben von seiner Fassung an  im Gelände zu verfolgen.
 

Schon des öfteren pochten die so genannten Anwohner auf ihre „Bürgerrechte“ und „Ihr Eigentum“ und verweigerten Wandersleuten das Wegerecht.
 

Der Wanderweg folgt bis auf wenige Stellen dem Kunstgrabenverlauf, der sich hier links des alten Fahrweges befand.
 

Die schon betagten Wegweiser erfüllen noch ihren Zweck.
 

Während der Wanderweg am Waldrand verläuft verschwindet der Kunstgraben im Unterholz und ist dort noch sichtbar.
 

In der Nähe eines kleinen Taleinschnittes verläuft der Wanderweg wieder mit dem Kunstgraben und hier mußten die ersten Felsen für den Grabenverlauf mittels Röschen durchquert werden. Hier das verfallene Mundloch einer Rösche.
  

Das Mundloch auf der anderen Seite ist durch Bergbaufreunde teilweise freigelegt worden. Das Bruchsteingewölbe ist noch recht gut erhalten.
 

Unter dem Kunstgraben befindet sich das Mundloch des „Gnade Gottes Stolln“. Dieses ist vor wenigen Jahren wieder hergerichtet worden und nun dient der Stolln Fledermäusen und anderem Getier als Winterschlafplatz.
  

Erhaltenes Röschenmundloch im anstehenden Freiberger Graugneis. Bei den Felsquerungen standen die Röschen entweder im festen Gebirge oder waren als Tonnengewölbe in Bruchsteinmauerwerk ausgesetzt.
 

Die noch offenen und befahrbaren Röschen sind mit Gittertüren abgesperrt.
 

Schöner Aufschluss des Freiberger Graugneises direkt am Wanderweg mit Bank zum Verweilen.
 

Stellenweise sind die Mundlöcher der Röschen vollkommen verfallen, nur der Verlauf des Grabens verrät noch die Lage der Mundlöcher.
 

Die Wingendorfer Straße schneidet an dieser Stelle den Kunstgraben, der hier nur durch den Wanderweg markiert wird. Wie die Querung des Fahrweges zu Betriebszeiten des Kunstgrabens aussah, lässt sich nur noch vermuten.
 

Hier können nur noch Insider die Lage des Stollnmundlochs erahnen. Es handelt sich um den „Goldene Rose Stolln“.
 

Störung im Freiberger Rotgneis.
  

Felsdurchstich einer geschlägelten Rösche...
 

...in tonnenförmigen Profil.
  

Gut zuerkennen: Der heutige Wanderweg bestand als Wirtschaftsweg wohl schon zu Betriebszeiten des Kunstgrabens und diente neben der Durchführung der Baumaßnahme auch der Grabeninstandhaltung. Wie sonst haben die Altvorderen das ganze Baumaterial durch den Wald transportiert ?
 

Kurz bevor der Kunstgraben den Ort Bräunsdorf erreicht, verlässt er letztmalig den Berg. Das wohl am besten erhaltene Stück  gemauerter Graben und Röschenmundloch. Bergbaufreunde haben hier für den interessierten Wanderer einen montanhistorischen Aufschluss geschaffen.
 
Der untere Kunstgraben der „NHGF“

Der untere Kunstgraben war im entfernten Sinne die Fortsetzung des Kürenbachs. Dieser Bach mündete in die Große Striegis und etwas unterhalb dieser Einmündung ist auf der Bräunsdorfer Seite das Wasser für den unteren Kunstgraben entnommen wurden. Es liegt die Annahme nahe, daß nur so viel Wasser der Striegis entnommen werden durfte wie der Kürenbach einbrachte. Der Graben verlief bis zur Grube über eine Strecke von etwa 1000 m durch schwieriges Gelände und machte einige Grabenstützmauern erforderlich.

Der Verlauf des unteren Kunstgraben ist im Vergleich zum mittleren vollkommen aus dem Landschaftsbild verwischt. Im Zechendorf selber ist durch die intensive Bebauung und häuslerische Nutzung des Geländes nicht mal mehr der Verlauf zu erahnen. Teile des Grabens sind auch für die Mühle verwendet worden und daher in Form und Verlauf vollkommen verändert.
 


 
Erzaufbereitunganlagen

Zur „Neuen Hoffnung Gottes“ gehörten auch zwei kombinierte Aufbereitungsgebäude für die geförderten Erze. Die „Obere Wäsche“ bestand aus zwei Gebäuden, einer älteren Erzwäsche und der vermutlich um 1768 errichteten neuen Wäsche. In diesen Gebäuden war auch das Pochwerk untergebracht. Die Wasserkraft für die Aufbereitungsmaschinerie lieferte der untere Kunstgraben. 1824 mußte die „Neue Wäsche“ einem moderneren Neubau weichen. Dieses Gebäude hatte eine Größe von 18 ¾  Ellen in der Länge und 26 Ellen Breite. Darin waren 36 Nasspochstempel eingebaut und durch ein 10 Ellen hohes oberschlächtiges Wasserrad angetrieben. 
( 1 sächsische Elle = 58 cm)

Eine weitere Wäsche befand sich etwa 1,2 km abwärts der Striegis und wurde bis 1790 als „Verträglich Gesellschafter Wäsche“ bezeichnet. Wann diese Wäsche durch Konsolidierung der „VG“ zur „NHGF“ kam, ist noch unklar. Der Poch- und Wäschgraben ist aus einem Teich mit dem Wasser des „Maschinenstolln“ der „VG“ gespeist worden. Nachdem 1790 der Churprinzer Bergwerkskanal seinen Betrieb aufnahm, schlug der damalige Schichtmeister von „NHGF“, Markscheider August Jonas Oehlschlägel den Bau eines ebensolchen Kanals für Bräunsdorf vor. Das Projekt wurde von Johann Friedrich Mende erstellt und unter seiner Leitung auch ausgeführt. Es sollte ein schiffbarer Bergwerkskanal nach englischem Vorbild werden. Die „NHGF“ lieferte im Jahr 1790 etwa 5000 Mark Silber (=1170 kg) und hatte 400 Mann an anfahrender Mannschaft. Bei diesem Erzaufkommen hätte sich ein Kanalbau wirtschaftlich rentiert.

Nachdem der Kurfürst im Juli 1790 den Vorschuß von 5000 Talern für den Kanalbau freigab, gingen die Arbeiten zügig voran. Da man schon bestehende Gräben nutzen konnte, war der Kanal Ende August nahezu fertig, es fehlten nur noch die technischen Einrichtungen. Weiteres Geld ermöglichte den Bau von Kahnhebemaschinen und einer von zwei Aufziehbrücken. Bei einer Breite von 2,27 m und einer Gesamtlänge von 1300 m war die Bauzeit für damalige Verhältnisse sehr rasant !  Schon im 1. Quartal des Jahres 1791 ging der Kanal in Betrieb, nachdem fast 9000 Taler investiert wurden. Bis zur Grubenstilllegung 1863 wurde in Bräunsdorf dieser schiffbare Kanal genutzt. Heute sind die Reste dieses Bauwerkes entlang des Wanderweges an der Striegis noch immer zu sehen. Im 20.Jahrhundert erfolgte eine Nutzung des ehemaligen Wäschestandortes zur Erzeugung von elektrischem Strom. Auch diese Anlage ist schon längst Geschichte, nur der Namen „Turbinenhaus“ erinnert noch daran. 
 


Ab der heutigen Brücke über die Striegis ist der ehemalige Erzkanal oder besser der spätere Mühlgraben des Turbinenhauses noch recht gut in der Landschaft  erkennbar, vor allem an der Vegetation.
 

Der Damm des Kanals ist besonders im Herbst gut sichtbar.
 

Verlauf des Erzkanals links neben dem Wanderweg im Sommer 2009.
 

Blick aus dem Graben in Richtung der Striegisbrücke. Die Breite von über 2 m lässt sich hier noch sehr gut nachvollziehen.
 

Das Turbinenhaus wurde an der Stelle des neuen Poch- und Wäschewerkes der „NHGF“ errichtet. Das Wäschegebäude der Grube „Verträgliche Gesellschaft“ stand noch davor und wurde mit großer Sicherheit (Grubenriß) trotz der neuen Anlage noch weiter benutzt.
 

Der Damm links vom Fahrweg unmittelbar vor dem Turbinenhaus des Erzkanals ist noch deutlich zu erkennen.
 

Allerdings weißt das Grabenfragment hier nicht mehr die Breite des ursprünglichen Erzkanals auf. Anscheinend hat man beim Bau des Fahrweges einen Teil des Grabens verfüllt.
 

Das heutige Turbinenhaus hat mit einem bergmännischen Tagegebäude nichts mehr gemeinsam. Die von der Grube errichteten Gebäude sind wohl mit der Umnutzung der Wasserkraft zur Erzeugung von elektrischem Strom geschliffen worden. Vergleicht man das Gelände heute mit dem Grubenriss, so tritt die Vermutung ein, daß das Turbinenhaus an Stelle der Wäsche von „NHGF“ steht. Die Grün- und Parkfläche unmittelbar davor war der Standort des Poch- und Wäschegebäudes von „Verträgliche Gesellschaft“. Der Wasserabzugsgraben vom Turbinenhaus entspricht nach dem Grubenriss in etwa dem alten Grabenverlauf der Aufbereitungsgebäude.
 
Das Huthaus von Neue Hoffnung Gottes Fundgrube.

Durch stetiges Erzausbringen in der ersten Hälfte des 18. Jahrhundert konnte um 1750 ein imposantes Huthaus errichtet werden. Dieses relativ große Gebäude ist als Fachwerkbau auf massiven Untergeschoß, wie auch die Gebäude im Zechendorf errichtet worden. 1830 erhielt das Huthaus einen Dachreiter mit Wetterfahne der auch heute noch vollständig erhalten ist. Überhaupt zählt dieses Gebäude zu den wenigen in Sachsen wo die äußerliche Originalsubstanz bewahrt blieb und weiterhin tadellos für die Nachwelt gepflegt wird. Der 2002 entstandene Hochwasserschaden ist durch eine aufwendige Sanierung nahezu vergessen gemacht worden!

Das Huthaus ist heute auch das einzige noch erhaltene Tagesgebäude der gesamten Bergwerksanlage, wenn man das Zechendorf in diesen Gedanken nicht einbezieht! Neben dem verlandeten Bergwerkskanal, den Fragmenten des oberen Kunstgrabens, einiger Halden im Bauerndorf und der heute noch genutzten Teiche ist fast nichts vom Bergbau übriggeblieben. Selbst die Halden am Kunst- und Treibeschacht von der „Neuen Hoffnung Gottes“ sind im Laufe der Zeit verschwunden.
 

Das Huthaus  „Neuer Hoffnung Gottes Fundgrube“ von der Striegisbrücke gesehen. Es ist das letzte von drei Huthäusern, das noch weitestgehend im Originalzustand erhalten ist.
 

Ansicht des dorfseitigen Giebels des um 1750 gebauten Gebäudes.
 

Der talabwärts gerichtete Giebel des Gebäudes.
 

Die Vorderseite des Gebäudes wirkt schon sehr imposant. Genau vor dem Huthaus befand sich auch der Hauptschacht der Grube und ist heute durch die Absperrung als Bergschaden für jedermann sichtbar.
 

Der Dachreiter beherbergt noch immer die Schichtglocke der Grube. Sie rief zu Betriebszeiten die Bergleute zur Schicht.
 

Die Eingangstür des Huthauses und zur Betstube der Grube. Hier begann und endete die Schicht der Bergleute mit Gebet und Gesang. Heute ist der Raum wieder hergerichtet und zu besonderen Anlässen auch der Öffentlichkeit zugänglich.
 

Fotogene Details, die Jahreszahl im Türsturz und die historische Tafel über der Tür. Das ganze Gebäude stellt durch die sorgsame und denkmalpflegerische Sanierung auch nach der Flut von 2002 ein herausragendes Beispiel für die Erhaltung bergbaulicher Sachzeugen dar.
 
Um 1814 wurde die „Neue Hoffnung Gottes Fundgrube“ als wirtschaftlich stärkster Bergbaubetrieb zum eigenen Vorteil mit der Grube „Siegfried“ bei Riechberg konsolidiert. Dieser bis dahin eigenständige Bergbaubetrieb lag kaum einen Kilometer von der „Neuen Hoffnung Gottes Fundgrube“ entfernt. Damit war ein Bergbaubetrieb entstanden, der über ein Grubenfeld von nahezu 2,5 km Längserstreckung verfügte. Die Hoffnung, weitere lukrative Erzmittel aufzufinden und auch abbauen zu können, war durch die Vereinigung zwar gegeben, stellte sich aber wie so oft nicht ein. 

Nach 1815 stellte sich dennoch eine Durststrecke ein, die bis zur Betriebsstilllegung 1863 nicht mehr enden sollte. Die durch die Konsolidierung der Berggebäude von Riechberg und Bräunsdorf erhofften Vorteile traten nie ein. Die wirtschaftlichen Schwierigkeiten gingen natürlich auch nicht an den Bergarbeitern und deren Familien vorbei. Bräunsdorf ist durch die Armut der Bergleute in der Geschichte recht bekannt geworden. Durch die ausbleibenden Lohnzahlungen der Grube wegen wirtschaftlicher und technischer Schwierigkeiten verarmte das Bergvolk dermaßen, das Hunger und Krankheiten besonders schlimm hervortraten. 
 

Die „Neue Hoffnung Gottes Fundgrube“ zahlte von 1764 bis 1815 regelmäßig Ausbeute an die Kuxinhaber. Während der gesamten Betriebszeit der „Neuen Hoffnung Gottes Fundgrube“ von 1673 bis 1862 wurden hier etwa 112 Tonnen Silber im Geldwert 
von  5.119. 000 Talern
gefördert.
 

 L. M.