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Ein Beitrag von www.unbekannter-bergbau.de

Erstellt Juli 2013, letzte Aktualisierung Juli 2015.

Wir bedanken uns für die Unterstützung bei der Erstellung dieses Beitrages beim Bauherrn, dem Projektträger Altstandorte der Wismut GmbH, beim bauausführenden Unternehmen INTEC GmbH & Co KG, sowie bei der Bauleitung durch das Ingenieurbüro TABERG-Ost GmbH. Darüber hinaus bedanken wir uns für die Bereitstellung von Fotos aus den Stollnabschnitten, die bei der Verwahrung nicht angegriffen wurden, bei Herrn B. Tunger, Chemnitz. 

Sie können diesen Beitrag auf dem Recherchestand vom Juli 2013 vom Qucosa-Server der Sächsischen Landes- und Universitätsbibliothek Dresden im PDF-Format herunterladen.

http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bsz:14-qucosa2-78874

  


 

Drei Epochen Bergbaugeschichte:
Gesellschafter Fundschacht, St. Jacob Stolln und Wismut- Schacht 99

 

Überblick zur Geschichte der Grube

Der „St. Jacob Tag- und Kunstschacht“ befindet sich im historischen Annaberger Bergamtsbezirk im Grubenfeld nördlich von Niederschlag. Im Zuge der Reform der Bergbauverwaltung in Sachsen wurde die Verwaltung 1861 mit dem Bergamt Marienberg zusammengelegt.  

In diesem Gebiet verlaufen eine Reihe hydrothermaler Erzgänge, die durch das Tal des Pöhlbaches tagesnah angeschnitten sind. Auf diesen Gängen bauten in der Vergangenheit eine Vielzahl zunächst selbständiger Gruben, welche in späterer Zeit oft zu größeren Gewerkschaften konsolidierten. Südwestlich des St. Jacob Tag- und Kunstschacht befand sich bei Niederschlag das ausgedehnte Grubenfeld von Unverhofft Glück, westlich und nordwestlich des Schachtes setzten mit dem Neuen Johannis Stolln und der Feuerturm Zeche zwei kleinere Gruben an und nordöstlich baute im Bereich der Ortslage Stahlberg u.a. die St. Michaelis Fundgrube und der St. Johannes Stolln. Innerhalb des Bergbaureviers bildete die Grube St. Jakob aber stets ein isoliertes Grubengebäude.  

Die Grube „St. Jacob am Stahlberg“ wurde unter diesem Namen erstmals 1768 (vgl. Tabelle am Ende, Nr.1) in einem Vorschußantrag namentlich erwähnt und umfaßte zu diesem Zeitpunkt nur den Stollen. Der St. Jacob Stolln wurde vermutlich in der ersten Hälfte des 18.Jahrhunderts (vgl. Tabelle, Nr.3) angeschlagen, genaue Angaben zum Betriebsbeginn liegen aber nicht vor.

Der Stolln setzte im Pöhlbachtal am Südrand der Ortslage Stahlberg in einem Höhenniveau von zirka +722 m an (mit Einschränkungen hinsichtlich der Genauigkeit der Altunterlagen) und wurde entlang des Gesellschafter Morgenganges südwestwärts, auf den älteren „Gesellschafter Fundschacht“ zu vorgetrieben. Eine Rückrechnung auf Grundlage der im Mittel erreichten Vortriebsleistung (anhand der Aktenangaben und unter Annahme ständiger Belegung des Stollns) führt auf einen Beginn der Stollnauffahrung um 1720. Das entspricht der Aussage eines Revisionsberichtes aus dem Jahr 1784, dass die Stollenauffahrung „…nicht vor Beginn dieses Jahrhunderts (1700) begonnen worden sei“.   

Nach diesen Unterlagen wurde der Gesellschafter Fundschacht, der spätere St. Jacob Tag- und Kunstschacht, bereits vor dem Beginn der Auffahrung des St. Jacob Stollns, vermutlich schon Ende des 17. / Anfang des 18. Jahrhunderts abgeteuft. Exakte Angaben darüber sind  nicht aufzufinden. Daher ist von einem Betriebsbeginn um 1700 auszugehen. Die Anlage des Schachtes liegt zeitlich aber vermutlich nur geringfügig vor der des St. Jacob Stolln, da sich aus der hydrogeologischen Situation schlußfolgern lässt, dass von Beginn des Abteufens an bereits intensive Wasserzuläufe im Schacht Anlaß für die Anlage des Stollns waren.

Spätestens 1782 war der Stolln am Schacht durchschlägig. Zwischen 1782 und 1828 wird die Grube noch als „Jacob Stolln samt Gesellschafter Fundgrube“ bezeichnet (vgl. Tabelle am Ende, Nr. 3). Das Abbaurecht erstreckte sich darüber hinaus auch auf zwei obere Maße auf dem Morgengang. Spätestens 1792 war der Name St. Jacob auf das gesamte Grubengebäude einschließlich des Schachtes übergegangen (Tabelle, Nr. 3 und 7). 

Aus der Zeit von 1782 bis 1861 liegen dann recht umfangreiche Unterlagen zu dieser Grube (Fahrberichte, Revisionsberichte, Vorschußanträge, teilw. Ausbeutbögen u. a. m., Tabelle, Nr. 3 und 5) vor.  

Der älteste, bislang recherchierte Grubenbericht stammt von Pabst von Ohain aus dem Jahr 1782 (vgl. Tabelle am Ende, Nr. 3). Nach dessen Angaben war der Stolln zu diesem Zeitpunkt nach 132¾ Lachter Länge (zirka 265 m) am Jacober Tag- & Kunstschacht eingekommen und über den Schacht hinaus noch weitere 26¾ Lachter aufgefahren. (In einem Bericht aus dem Jahr 1807 wird die Länge vom Mundloch bis Kunstschacht auf 104 Lachter (zirka 208 m) korrigiert.)

Der Schacht war tonnlägig auf dem Gesellschafter Morgengang abgeteuft. In der Stollnkarte (Tabelle, Nr. 10) von 1863 ist der Gesellschafter Morgengang mit einem Einfallen von 50° nach Norden angegeben. Nach der Angabe Pabst von Ohains von 1782 über die Tiefenlage der Gezeugstrecke unter der Stollnsohle von 22 Lachtern kann aus den Altrissunterlagen eine Neigung des Schachtes von zirka 75° für den Schacht unterhalb des Stollens abgeschätzt werden. Nach den Altrissunterlagen ist zu vermuten, daß sich die angegebenen 22 Lachter (ca. 44 Meter) auf die Schachttiefe von Rasensohle bis Gezeugstrecke und nicht zwischen Stollnsohle und Gezeugstrecke beziehen.  

Im Fahrbericht von 1782 erwähnt Pabst von Ohain ferner, daß „etwa auf halber Höhe über dem Stolln am Tage- und Kunstschacht 1762 ein achtzehnelliges Kunstrad (unter Zugrundelegung einer Freiberger Bergelle also zirka 10,3 m Durchmesser) eingebaut worden sei, welches auch noch in brauchbarem Zustande sich befindet.“  

Zum Auffahrungsstand dieser Zeit existiert ein Grund- & Saigerriss aus dem Jahr 1782 (Tabelle, Nr. 2). Über Abbau und Vortrieb auf der Gezeugstrecke sowie über den Betrieb des Kunstrades finden sich in keinem der nachfolgenden Berichte weitere Angaben. Offenbar hat man die Gezeugstrecke also nach 1784 nie wieder aufgenommen.

Der Saigerriss von 1789, nachgetragen bis 1838 (Tabelle, Nr. 6) weist, wie durch von Ohain beschrieben, am Jacober Tageschacht die Radstube zwischen Oberfläche und Stollnsohle aus. Aufgrund der Lage und der resultierenden, geringen Überdeckung kann der obere Teil der Radstube auch gemauert gewesen sein. Die elliptische Form und die Ausdehnung des Senkungstrichters in diesem Bereich wiesen darauf hin, daß die Radstube ebenfalls zu Bruch gegangen war.  

Außer einigen Gesenken sind in keiner der vorhandenen Rissunterlagen Abbaue auf dem Jacob Stolln und seinen Flügelörtern eingetragen. Die Existenz tagesnaher Abbauhohlräume im Gangstreichen besonders aus der Zeit, als der Jacob Stolln noch nicht bis zum Schacht durchschlägig war, war jedoch anzunehmen.  

Nach Aktenlage war die Grube in der Zeit von 1782 bis zur Lossagung 1861 ständig und mit maximal fünf Mann belegt, aber immer eine Zubußzeche.

 

Anlaß der Öffnung des Schachtes:
Sanierungsbaustelle

Erste Verbrüche auf dem Jacob Stolln scheint es noch vor Betriebseinstellung gegeben zu haben (vgl. Tabelle am Ende, Nr. 18: im Jahr 1849). Probleme mit der Unterhaltung des Stollns gab es offenbar schon längere Zeit. Erstmals erwähnt der Fahrbogen 1811 eine erforderliche „Gewältigung des Stollns“.  In den Grubenakten finden sich danach wiederholt Hinweise darauf, daß im Stollnverlauf zwischen Tagschacht und Mundloch Verbrüche eingetreten sind (im Jahr 1811 zwischen 34½ und 50½ Lachter ab Mundloch, in den Jahren 1848 bis 1850 zirka 6½ Lachter ab Mundloch).  

Auch die letzten, in der Grubenakte (Tabelle, Nr. 7) enthaltenen Unterlagen betreffen wiederum die Meldung eines Tagebruches aus dem Jahr 1898 durch den Gemeinderat an das Landesbergamt. Zumindest wurde diese Meldung in diese Akte eingeordnet, die Zuordnung dieses Bruches zum Jacob Schacht oder Stolln ist aber nicht eindeutig gesichert.  

In einer Übersichtskarte zur Bergschadenkundlichen Analyse (Tabelle, Nr. 18) wurde jedenfalls ein Tagebruch auf der Stollnachse eingetragen und mit „1849“ datiert. In der Bergschadenkundlichen Analyse wird bezüglich dieser Schadstelle ausgeführt, daß bei Befahrungen im Mai 1973 eine „kleine Senke in der Wiese“ bestanden habe und: Durch die Witterungslage (Schnee) sei  „eine visuelle Kontrolle nicht möglich gewesen“.

 

Übertage war noch eine kleine, mit alten Bäumen bestandene Bergehalde unweit der Bundesstraße 95 nach Oberwiesenthal erhalten geblieben. Das auf den Altrissen eingezeichnete Huthaus existierte nicht mehr. Statt dessen ist die ehemalige Bergschmiede erhalten geblieben, welche ihrerseits wiederum auf keinem alten Riss eingezeichnet war, dafür aber bis heute bewohnt ist (Privatgelände !).

Im Jahr 2009 neigten sich die Bäume auf der Halde - sowohl bedingt durch zunehmende Einsenkungen im Schachtbereich, als auch durch immer wiederkehrende Verstopfungen des Roten Bächels durch abrollendes Haldenmaterial - so bedrohlich in Richtung Wohnhaus, daß zunächst für das Oberbergamt Handlungsbedarf entstand. Wie weiter unten zu lesen, wurde der St. Jacob Kunst- und Tagesschacht aber nach 1947 durch die Wismut genutzt, so daß diese Schadstelle zurück an die Wismut verwiesen und deren Altstandorten zugeordnet wurde.

Von Ende 2011 bis 2013 wurden danach Schacht und Teile des Stollens aufgewältigt, dabei so manche Überraschung gefunden, die anhand der Quellen nicht vorhersehbar war und schließlich alles wieder sicher verschlossen. Da das relativ kleine und eigentlich isolierte Grubengebäude dennoch jede Menge Wasser führte, war insbesondere dessen geordnete Ableitung wieder herzustellen. Dies hat auch zur Folge, daß der Abflußweg des Grubenwassers kontrollierbar bleiben muß und dadurch das Grubengebäude grundsätzlich erhalten bleibt - allerdings nicht fahrbar. Dazu müßte man den Wasserstand um wenigstens 4 m absenken.

Da inzwischen die Baumaßnahme abgeschlossen und der Deckel wieder zu ist, wollen wir im Folgenden einige - sicher so oder ähnlich auch anderswo zu findende, aber durchaus erwähnenswerte - Details in Bild und Wort dokumentieren.

J. B.

  


 Was unter den Pingen auf der Halde dann tatsächlich vorgefunden wurde, sah ungefähr so aus. Allerdings lag noch mehr Gerümpel im Schacht - siehe Fotos.
Wie es mal ausgesehen haben könnte, zeigen wir hier
.
 

In der Schachtpinge legte der Bagger einen gemauerten Schachtkranz frei. Der war mit Schienen und ein paar Planken abgedeckt und einfach überkippt. Erste Überraschung: Das Ding steht randvoll mit Wasser.
 

Beim Sümpfen und Ausräumen kam die feine Maurerarbeit der Vorfahren zum Vorschein: Bruchsteingewölbe auf den langen Schachtstößen mit Auflagern für die Einstriche.
 

Hier wird der nach außen gewölbte (oblonge) Querschnitt der Schachtausmauerung sichtbar.
 

Der Gewölbebogen am hangenden Stoß sitzt auf zwei Bögen über den kurzen Stößen auf. 
 

 Hier die Gegenseite. Das Mauerwerk auf der Südseite ist auf den liegenden Stoß aufgesetzt.
 

Detail der Schachtausmauerung: An den Ecken hat man die aneinandergrenzenden Bögen mit flachen Schieferscheibchen ausgesetzt.
  

Immer wieder bewundernswert: Die präzise Arbeit der Maurer...
  

 Nachdem die Erkundungsarbeiten 1948 abgebrochen wurden, hat man den Schacht verlassen, wie er gerade war... Holzeinbauten sind natürlich zusammengebrochen.
 

Eine Fahrt steht noch aufrecht.
   


Dazwischen immer mal Druckluft- oder Pumpenrohre aus der Wismut-Zeit.
 


Selbst die Förderseile wurden gekappt und einfach ´reingeschmissen.
 


Die Schachtausmauerung von unten. Auch die kurzen Stöße sind nach außen gewölbt, um den Gebirgsdruck optimal abzufangen.
 


Unmittelbar unter dem Mauerkranz steht hier schon der Gesellschafter Morgengang an: Der Schacht ist genau im Fallen des Gangs geteuft. Ein bis zwei Meter tief nach Osten hat man ihn ausgeschrämt.
 


Für die Mineralienfreunde: Ist nur stark zersetzter Flußspat drin, der - wenn er nicht unterwegs schon auseinanderbröselt - mit der Bergfeuchte im Sammlungsschrank auch seine gelben und grünen Farben schnell verliert. Die EFS hat sich´s angeschaut (Wir sind im Bergwerksfeld !) - wollte ihn aber nicht haben...
   


Noch ein paar Rohre. Dahinter der Ansatz einer Verbindungsstrecke in Richtung Radstube.
 


Vorgriff auf das Bauende: Der Schacht unterhalb der Stollnsohle bleibt, wie er ist. Holzausbau und Fahrt waren zumindest seit 60 Jahren immer unter Wasser, sind gut erhalten und stammen vermutlich aus der Wismutzeit 1949...
   


Der Massehaufen im Abzweig zur Radstube verrät es schon: Von der einstigen Radstube war nichts mehr übrig.
 


Auf jeden Fall viel zu klein und zum Schacht hin abgewinkelt - Kunstgestänge gingen hier nicht durch. Höchstens ein Kunststeiger mit der Ölkanne, um die Radlager zu schmieren - und auch der mußte sich sehr weit bücken... Foto B. Tunger
 


Vom Füllort nach Südwesten: Von links rollt hier Bruchmasse aus der einstigen Radstube in den Stolln.
 


So gut es ging, wurde der Stolln freigelegt. Nächste Überraschung: Die Radstube steht seitlich versetzt direkt über dem Stolln - nichts mit Bergefeste. Aber im Hangenden des Gesellschafter Morgengangs - eigentlich eine Wahnsinns- Konstruktion...
  


Ein paar Ziegel in den Bruchmassen könnten darauf hinweisen, daß die Radstube einmal ausgemauert war - könnte aber auch zu späterer Zeit mal einer hineingeworfen haben...
 


Der erste Blick von unten in den Bereich der Radstube...
 


Die Wismut hat diesen "Bruchschuppen" noch einmal mit Kastenausbau unterfangen. 
 

 
Das sind halbe Bäume - leider auch schon wieder über 50 Jahre alt...
 

 
Nochmal etwas näher: Obenauf liegt noch Holzverzug - und darüber heute nur noch Verbruch.
 
 


Noch ein letzter Blick nach oben.
 


Das war eigentlich schon die letzte Etappe der Arbeiten: Was ist oberhalb des alten Ausbaus der Radstube übrig... Fundsituation im Baggerschurf.
  


Na hoppla: Das stammt nicht aus dem 18. Jahrhundert. 1948 muß also die WISMUT hier noch mal drin gewesen sein. Vielleicht war mit den Schienen auch der Revisionsschacht abgedeckt.
   


Jetzt wird es deutlicher: Am langen Schurfstoß machen die schwarzen und braunen Verfärbungen die frühere Firste des offenen Hohlraums der Radstube sichtbar. Etliche Ziegelbruchstücke deuten darauf hin, daß darüber tatsächlich einmal ein Gewölbe gemauert war.
   


Blick von der Seite: Die Hölzer sind so gut erhalten - die können nur aus der WISMUT- Zeit stammen. Aber wo haben die an die 4 m langen Kappen rechts im Bild mal aufgelegen ?  Der kurze Stoß der Radkammer wirkt wie abgeschnitten - dahinter liegen nur Geröll und bunt gefärbte, fein geschichtete Haldenberge...
   

 

   


 

Wie könnte die Radstube 1782 ausgesehen haben ?

Die Radstube ist in nur einem Fahrbogen (1782) erwähnt und auf nur einem alten Riss dargestellt. Nach dieser Rissdarstellung und der Beschreibung sowie nach der Anordnung der Pingen an der Oberfläche der Schachthalde war zu vermuten, daß die Radkammer unabhängig vom Schacht und vom Stolln im Nebengestein ausgehauen wurde. Allerdings fehlten in den Altunterlagen auch jegliche Hinweise auf die Lage der Aufschlagwasserzuführung und der Antriebswasserableitung zum Stolln. Übertage ist in den Rissen nur der Grundriss des Huthauses - welches dummerweise nicht mehr steht - sonst aber keinerlei Gebäude oder andere brauchbare Anhaltspunkte eingetragen.

Kunstrad und Gezeugstrecke wurden nach 1782 offenbar nie wieder in Betrieb genommen.

Was tatsächlich gefunden wurde, sieht man in den Bildern oben. Die Radkammer steht nicht nur im Streichen des Gesellschafter Morgenganges, sie wurde auch voll im Hangenden des mittelsteil (zwischen 50° und 75°) fallenden Ganges ausgehauen. Obendrein eines Ganges der fba-Formation, was auch kein sonderlich hartes Gangmittel mit sich bringt. Der liegende Stoß ist hier stark hydrothermal zersetzt, stellenweise weißgrün ausgebleicht, lettig ausgebildet oder zumindest dermaßen gebräch, daß bei der Aufwältigung des Stollens in diese Richtung mit Stoßgetriebe der Druck des Anstehenden abgefangen werden mußte. So wie die Kammer lag, war es also eigentlich eine rechte "Wahnsinnskonstruktion", die heute keine Bergbehörde mehr durchgehen lassen würde.

Es ist auch keineswegs so, daß dieses Kunstgezeug von vornherein auf eine nur begrenzte Betriebszeit ausgelegt war, wie etwa das Kunstrad auf dem Elias Stolln in Johanngeorgenstadt. Zu gegebener Zeit ein tieferes Stollnort heranzubringen, wäre aufgrund der Geländetopographie hier kaum möglich gewesen.

Was konnte den Alten da nur durch den Kopf gegangen sein ? 

Doch eigentlich nur eines: Der Hohlraum für das Rad war - zumindest weitgehend - schon vorhanden, als man beschloß, dem Gang in die Tiefe zu folgen. Es ist deshalb zu vermuten, daß neben dem Fundschacht ein breiter Firstenbau bereits bestand, den man an der Sohle in sein Liegendes und an der Firste in sein Hangendes hinein nur zu verbreitern brauchte, um Platz genug für ein Kunstrad zu schaffen. Dafür spricht auch die Aufschlußsituation im Schurf in den Bildern oben: Die hangende Seite der Radstubenkontur stand gerade im Fels, die liegende Seite hingegen scheint gar nicht vorhanden. Auf dieser Seite hat man den oberen Teil des einstigen Abbaus vermutlich nur mit Verzug gesichert und hinterfüllt. Vielleicht also hat es am Anfang mal so ausgesehen:  

  


Möglicherweise hat man einen vorhandenen Firstenbau genutzt, um das Kunstrad einzubauen. Der Platz für das Rad war einfach schon da - sonst hätte niemand auf eine solch bedenkliche Konstruktion kommen können. Wie die Radstube mal funktioniert haben könnte, zeigen wir hier .
 

Auf dem alten Riß ist die Radstube mit Bergefeste eingetragen. Auch dies scheint im Nachhinein unwahrscheinlich. Vielleicht bestand an der Aufschlagwasserzuleitung ja noch ein Rest von natürlichem Gesteinsdach, der Rest wird wohl eher nach oben durchgebrochen und überwölbt gewesen sein. Schließlich liegt der Stolln kaum 15 tief und dazwischen soll ein achtzehnelliges Rad gepaßt haben.

Besonders unklar ist auch die Lage der Kunstgestänge, denn seitlich zum Schacht hin hatten die Alten tatsächlich einen Pfeiler stehengelassen. Der einzige Zugang vom Schacht aus zur Radstube setzt winklig am Schacht an und ist so eng, daß kaum der Kunststeiger mit der Ölkanne hindurch gepaßt haben konnte. Dort Gestänge hindurchzuführen, hätte sehr aufwendige Mechanik erfordert, die sich zum einen eine Zubußzeche nicht leisten konnte und die zum anderen auch erhebliche Leistungsverluste bewirkt hätte.

Daher haben wir folgende Idee: Um maximal rund vierzig Meter Schacht zu sumpfen, bedurfte es nur eines Pumpensatzes mit vier übereinander  angeordneten Pumpen. Um diese anzutreiben, bedurfte es nicht einmal zweier Gestänge (und eines ganzen Kunstkreuzes). Man wird also eine einfache - und in dieser Zeit bereits durchaus gängige - technische Lösung gewählt und den Antrieb mit zwei Kunstwinkeln nach Übertage verlegt haben. Solche oben offenen Radstuben findet man u. a. noch an den Lichtlöchern des Rothschönberger Stollens. Eine gleichartige Mechanik (nur nach Untertage verlegt) gibt es aus derselben Zeit z. B. am Alten Kunstschacht von Gottes Geschick.

Ganz genau wissen wir aber nicht - weil davon nichts mehr zu finden war - ob die Firste der Radstube noch im festen Fels stand, oder mit Gewölbe gesichert war. Ein Revisions- und Gestängeschacht muß jedenfalls existiert haben. Ziegelbruch war reichlich im Aushub zu finden, leider nichts davon mehr an seinem ursprünglichen Platz.

Ein einziger Widerspruch bleibt: Der wunderschön - aber saiger - gemauerte und bestenfalls dreitrümige Schachtkopf. Da man nach 1782 die Gezeugstrecke aber nicht wieder aufgenommen hat, kann diese Mauerung durchaus erst Anfang des 19. Jahrhunderts entstanden sein. Vermutlich sah die technische Lösung Ende des 18. Jahrhunderts also so aus:

 


 Da die Radstube also völlig zubruchgegangen ist, müssen wir uns unsere eigenen Gedanken machen, wie es einst ausgesehen und funktioniert haben könnte.
Wo man sie im Grubengebäude eingebaut hat, zeigen wir hier
.
  


 Vielleicht sah sie auch so aus - zumindest die untere Hälfte: Dieses Modell einer "Hölzernen, im ganzem Schrote stehenden Radstube auf dem Johannes zu Bärenstein" gehört zur Modellsammlung der TU Bergakademie und kam mir in einer Vitrine im Sächsischen Oberbergamt vor die Linse. Die langen Stöße haben die Alten nach außen gewölbt, oben auf den Mittelträgern sind die Lager der Radwelle zu sehen.
 


 Schön zu sehen, wie die Alten mit einer dachförmigen Konstruktion und einem Mittelpfosten als "Gleitlager" den Druck der langen Stöße abgefangen haben. So etwas könnten die Alten durchaus auch nebenan am Jakobschacht gebaut haben, zumal sie die Radstube ja dort ausgerechnet ins Hangende des Gesellschafter Ganges gesetzt haben und deshalb mit viel Gebirgsdruck rechnen mußten. Unter dem Vollschrotausbau liegt der Wasserkasten auf einem Kastenausbau-ähnlichem Auflager... Und da fallen mir doch auch die Fotos oben wieder ein, auf denen wir kurz vor dem Zusammenbruch des Ganzen noch von unten auf die Unterkonstruktion der Jakober Radstube blicken konnten.

 

Nach diesen "technischen" Überlegungen drehen wir aber nun die Marschrichtung um und schauen uns den (während der Bauphase) noch fahrbaren Rest des Grubengebäudes an:

 


Vom Füllort in Richtung Mundloch - sieht etwas besser aus.  Foto B. Tunger
 


 Hier steht noch ein Wassersack drin.
 


Rechts in der Firste beim Blick zurück zum Füllort wieder der Gesellschafter Morgengang.
 


Inzwischen aufgeräumt: Foto B. Tunger
 

 

   


 

Wismut- Geschichten  

Die ehemalige SAG/SDAG Wismut hat nach 1945 auch im Gebiet Bärenstein / Niederschlag alle noch befahrbaren Grubenbaue systematisch auf Uranerzführung untersucht. Im August 1947 wurde dazu das Objekt 24 (1947 bis 1949) gebildet und mit Erkundungsarbeiten im Raum Oberwiesenthal / Bärenstein beauftragt.  

Im Schachtkatalog ist der ehemalige St. Jacob Tagesschacht unter der Bezeichnung „Schacht 99 (Jacob-alt)“ enthalten. Weitere Angaben, wie Koordinaten, Querschnitt, Anzahl Trümer usw. fehlen jedoch. In der Wismut Chronik sind Angaben zu den Schächten Jacob I, II und III (so wurden zu Beginn die Schächte 111, 133 und 133bis bezeichnet) enthalten. Auch in den Rissunterlagen zur BSA Bärenstein/Niederschlag ist in einer Anlage mit kyrillischen Buchstaben die Bezeichnung „шахта ЯКОБ“ eingetragen. Weitere Angaben zum Schacht 99 (Jacob alt) waren jedoch nicht zu finden.

Im Rahmen der in der Lagerstätte Bärenstein / Niederschlag ab dem Jahr 1947 durchgeführten Erkundungsarbeiten ist auch der Jacobstolln in der Wismut Chronik namentlich erwähnt, in welchem im Jahr 1947 Erkundungsarbeiten stattfanden. Da der Mundlochbereich des Stollns um diese Zeit wahrscheinlich längst verbrochen war, konnten die Arbeiten nur vom St. Jakob Tage- und Kunstschacht aus erfolgt sein.

Im Ergebnis der - allerdings in der Umgebung - auch erfolgreichen (besonders im Bereich des weiter südlich streichenden Neu Unverhofft Glück Flachen, für welchen historische Angaben über Pechblendevorkommen überliefert waren und dessen Schacht die Wismut-Registraturnummer 34 erhielt), durchgeführten Erkundungsarbeiten kam es im Jahr 1948 zur Neuanlage der Schächte 111 (Jacob I), 133 (Jacob II) und 169.  

Während für den St. Jacob Tage- und Kunstschacht die Bezeichnung „Jacob-alt“ vergeben wurde, erhielten die neu geteuften Schächte 111, 133 und 133bis zunächst die Bezeichnungen „Jacob I“, „Jacob II“ und „Jacob III“. Damit ist auch namentlich die Reihenfolge der von der SAG Wismut hier durchgeführten Arbeiten dokumentiert.

In der weiteren Umgebung des Schachtes 99 (Jacob-alt), nur etwa 100 m südlich der Schadstelle, setzte außerdem der Stolln 111 der SAG Wismut in westlicher Richtung an (Höhenniveau ca. +734 m NN). Vom Schacht 111 ausgehend verläuft im Niveau +674 m – also zirka 70 m unter Gelände und zirka 18 m unter der Gezeugstrecke – außerdem noch der „Querschlag Ost 27“ bis in den Bereich des Schachtes 99 (Jacob-alt). Durchschläge in den oberhalb dieser Sohle am Jacob Schacht existierenden Altbergbau sind aber nicht risskundig. Auch Blockkarten oder sonstige, auf Abbau hinweisende Risse aus der Zeit nach 1945 wurden nicht aufgefunden.

 

Der Schachtkopf des Schachtes 99 (Jakob alt) war mit Stahlschienen und Pfosten abgedeckt und mit Bergemassen lose überkippt. Diese Abdeckung lag dem gemauerten Schachtkranz direkt auf.  Die Abdeckung der Schachtausmauerung mit Stahlschienen sowie die Reste der stählernen Förderseile und Druckluftrohre im Verbruch bestätigen, daß der Schacht tatsächlich nach 1945 noch einmal im Rahmen der Uranerzprospektion geöffnet und genutzt wurde. Auch der im Stolln vorgefundene Holzausbau (Stempel, Verzug, Laufwerk) weist einen solch guten Erhaltungszustand auf, daß dieser erst nach 1945 eingebracht oder erneuert sein kann.  

Aus dem Querschlag auf dem Gottbeschert Glücker Flachen heraus – nördlich des ursprünglichen Jakobstollnverlaufes und in Richtung Mundloch aufgefahren – existiert ein nicht risslich bekannter Abzweig. Dieser folgt keiner Gangstruktur (evtl. ein Hoffnungsbau), sondern ist im Quergestein und mittels Bohr- und Schießarbeit aufgefahren. Dies weist darauf hin, daß die SAG Wismut versucht hat, eine Umfahrung verbrochener Bereiche des Jacob Stollns (einen „Umbruch“) herzustellen. Im Stoß dieses nur zirka 15 m langen „Umbruches“ ist u. a. die Jahreszahl 1948 eingeritzt, was einen weiteren Hinweis auf die Auffahrungszeit gibt.

Die Arbeiten wurden offensichtlich aber völlig abrupt eingestellt, denn die letzte Scheibe des Umbruchs ist bereits abgebohrt, der Abschlag jedoch nicht mehr erfolgt. Nach der Einstellung der untertägigen Arbeiten wurde der Ausbau des Schachtes nicht geraubt, bevor der Schacht mit Bergemassen lose verstürzt wurde. Innerhalb der Verfüllmasse wurden deshalb u. a. Druckluftrohre und Förderseile (Stahlseil) aufgefunden. Die Massen lagen deshalb auch zerschlagenem und verspriegeltem Holzausbau auf und füllten den Schacht nicht halbwegs aus - spätere Senkungen waren somit vorprogrammiert.  

Aufgrund ausbleibenden Erfolgs wurden die Arbeiten zur Uranerzerkundung im Bereich der Schächte Jacob I bis III  bereits 1951 wieder eingestellt. Im Erkundungsgebiet Niederschlag insgesamt stellte die SAG Wismut die Prospektion 1954 ein.  

  


Geradeaus kam der Jakob Stolln vom Mundloch her. Den wieder aufzugewältigen, hat schon die Wismut aufgegeben und den Stolln abgeblendet.
 


Aber links herum geht es auf den Gottbeschert Glücker Flachen - der Ausbau stammt aus der Wismut- Zeit und ist noch ganz gut.
 


Vermutlich hat man an diesem Abzweig hier versucht, eine Umfahrung des verbrochenen Stollnabschnittes in Richtung Mundloch aufzufahren. Vielleicht fand hier aber auch einfach nur die Lehrlingsausbildung statt... .
 


Denn auch das Ort hat man nach kaum 20 m wieder aufgegeben und dann "fluchtartig" den Schacht verlassen.  Foto B. Tunger
 


Die nächste Scheibe am Ende des "Umbruchs" ist schon abgebohrt. Sie steht voll im Gneisglimmerschiefer - nicht mal eine vielleicht erzführende Störung da... Foto B. Tunger.
 


Dafür haben die Hauer hier die Jahreszahl "1948"....   Foto B. Tunger.
 


...und ein paar Initialen für die Nachwelt hinterlassen.  Foto B. Tunger
 


Zu deuten, was hier außerdem eingeritzt ist, sei jedem selber überlassen. Foto B. Tunger
 

 

   


 

Auffahrungen in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts:
Befahrung entlang des Gottbeschert Glücker Flachen
 

Die Geschichte der Grube im 19. Jahrhundert ist anhand der Quellen recht genau belegt. Diese Betriebsperiode läßt sich auch anhand von Jahrestafeln auf den Gangstrecken nachvollziehen.

Von 1783 bis 1801 hat man den Vortrieb auf das Niveau der Stollnsohle und auf einen kurz vor dem Jacober Tageschacht angefahrenen, flach streichenden Gang konzentriert. Er wird in späteren Berichten als „Gottbeschert Glücker Flacher“ bezeichnet, gehört wie der Gesellschafter Morgengang der fba-Formation an, führt jedoch deutlich mehr Schwerspat und wird vom Morgengang versetzt (ist also älter). Die weiter unten erwähnte Erzlieferung entstammt einem Gesenk auf diesem Flachgang.

Im Jahr 1801 fuhr man auf diesem Stollnflügel 132 7/8 Lachter vom Gesellschafter Morgengang entfernt (zirka 266 m) einen weiteren stehenden Gang an, welcher zuerst als „Neufunden Gang“, später als „St. Johannes Neufunden Gang“ und dann als „Neuer St. Johannes Stehender“ bezeichnet wurde. Diesen Gang verfolgte man bis 1829 auf knapp 10 Lachter nach Nordosten und auf etwa 33 Lachter nach Südwesten (gesamt zirka 86 m). Die Förderung erfolgte nach einem Fahrbericht von 1807 „durch Karren und in dem Tagschacht mit dem Haspel“.  

Weil auch die Wetterführung immer komplizierter wurde, plante man im Jahr 1820, auf diesem Gang einen neuen, bis zur Stollnsohle zirka 19 Lachter tiefen Tagesschacht abzusenken (Tabelle am Ende, Nr. 6). Aufgrund der wirtschaftlichen Situation der Grubengesellschaft und des erstellten Kostenanschlages von reichlich 2.300 Thalern wurde dieses Projekt aber nicht ausgeführt.

Daraufhin hat man von 1829 bis 1852 den Hauptstollnort auf dem Gesellschafter Morgengang nochmals etwa 157 Lachter (in Summe zirka 173 ab Tagesschacht, respektive rund 346 m) nach Südwesten vorgetrieben, ohne jedoch bauwürdige Erzanbrüche vorzufinden.  

Nur einmalig ist aus dem Jahr 1784 eine „Lieferung von 4 Mark, 1 Lot und 3 Quent (reichlich 1 kg) Silber an die Generalschmelzadministration zu Freiberg“ belegt. Bei einer im Jahr 1826 erwähnten Lieferung von 17½ Zentnern Kobalterz ist die Zuordnung zum Jacob Stolln aufgrund der zwischenzeitlich erfolgten Konsolidation mit der Grube Neu Unverhofft Glück nicht gesichert. Aus den erhaltenen Akten (Tabelle, Nr. 3 und 7) geht hervor, dass die Gesellschaft über ihre gesamte Betriebszeit eine Zubußzeche ohne nennenswertes Erzausbringen gewesen ist.  

In den Jahren 1828 bis 1840 werden die an die Grube gewährten Vorschüsse auch in den entsprechenden Abschnitten der Jahrbücher für das Berg- und Hüttenwesen aufgeführt.  

Im Jahr 1861 hat die Gewerkschaft die Grube endgültig losgesagt. Den Gewerken wurden daraufhin durch die Gewerkschaft des nordöstlich liegenden St. Johannes Stolln Mitbaurechte angeboten (Tabelle, Nr. 9). Der Tagesschacht wurde nach dem damaligen Stand der Technik – vermutlich nur durch Überbühnung – verschlossen (Tabelle, Nr. 7 und 11).  

Während die Stollnkarten aus den Jahren um 1863 den Jacob Stolln noch enthalten (Tabelle, Nr. 10, 12), ist er auf Karten nach 1909 (Tabelle, Nr. 14, 16) nicht mehr eingetragen. Insgesamt ist also von einer Hauptbetriebsperiode von um 1700 (Gesellschafter Fundschacht) bis 1861 (Grube St. Jacob mit dem St. Jacober Tage- und Kunstschacht) auszugehen.

  


Mal abgesehen davon, daß immer mal wieder aus kleinen Abbauen oder gebrächen Gangabschnitten in der Firste ein Massehaufen gerollt kommt und das Laufwerk über die Jahrzehnte aufgeschwommen ist, ist der Flügel auf dem Gottbeschert Glücker Flachen noch fahrbar.
 


 Freilich bissel eng und nicht gerade "besucherbergwerkstauglich"...
 


Hier geht nach links ein kleiner Firstenbau auf und da der Verzug hinter den alten Stempeln inzwischen weggefault ist, liegt der Altversatz jetzt im Stollnflügel.
 


Ein Blick nach oben - leider hat der helle Schwerspatblock aus dem Gang den Fokus aufgefangen und der Blitz ließ sich auch nicht so richtig in den Spalt lenken.
 


Hier wird´s mal wieder etwas besser...
 


Mal rückwärts. Man sollte nicht so viel atmen, sonst sorgen die matten Wetter dafür, daß der Blitz nur noch in den Nebel geht....
 


Weiter entlang des Gottbeschert Glücker Flachen. Hier unter dem nächsten Abbau hält der Stoßverzug noch.
 


Auch dieser Abbauschlitz geht mehrere Meter nach oben - ist wahrscheinlich aber auch durch Sickerwässer zusätzlich ausgespült und erscheint dadurch noch größer.
 


Hier ist es besser geglückt und man sieht mehr vom Hohlraum über dem Stolln.
 


Da die Vorfahren vor allem nach vererzten Partien gesucht haben und die "Industrieminerale" Fluß- und Schwerspat erst heute wieder ins wirtschaftliche Interesse rücken, haben uns die Alten hier noch ein Stück vom Gang in der Firste stehen gelassen.
 


Alles in allem ist der Gottbeschert Glücker Flache also eine Geologenhammerlänge mächtig.  Foto B. Tunger
 


Außer einem derben Gemenge von Quarz und Schwerspat sind nur hellbraune Letten an den Salbändern da - nichts für Sammler und auch für die EFS nicht bauwürdig.
 


 Aber solange er im Licht der Kopflampen in seinem "Zuhause" schimmert, sieht er richtig gut aus... Hier liegt unterhalb des rosa Schwerspat-Bandes noch eine Schliere mit grünlichem Flußspat und weißem Quarz.
 


Stellenweise scheint das Laufwerk einfach auf den Dreck gelegt zu sein - dieses Profil wird auch für erprobte Radiometristen ziemlich eng gewesen sein. 
 


Wiedermal ein halbwegs freies Stück, wo sich der Gang in der Firste nicht auftut.
 


Upps - der nächste Bruch. Auf den Letten kommen auch ordentliche Schieferplatten angerutscht.
 


Mangels Wathose ging es bei der ersten Befahrung hier nicht weiter - der Wassersack dahinter war zu tief....
 


Aber ein paar Wochen später war einschließlich Wettermeßgerät alles organisiert, und so konnte es weiter gehen.
 


Hinter dem Haufen erst mal dieselbe Situation: Aufgeschwommenes Laufwerk aus der Wismut- Zeit.  Foto B. Tunger
 


Hier gibt es noch die auffälligen Wasserstandsmarken - weiter nördlich verschwinden sie.  Foto B. Tunger
  


Der Abbau mit etwas Abstand in Richtung Süden gesehen.  Foto B. Tunger
  


Nach Norden wird der Gottbeschert Glücker Flache zu einer kaum noch geöffneten und mineralisierten Kluft, dafür bricht auch nicht mehr soviel aus der Firste herunter und die Bohlen schwimmen weiter... Foto B. Tunger
 


Ein Stückchen Rohr liegt hier auch noch herum.... Foto B. Tunger
 


Und nach Osten geht ein Hoffnungsbau auf einen unbenannten Stehenden ab.  Foto B. Tunger
 


Der Abzweig etwas vernebelt, aber anschaulicher.  Foto B. Tunger
 


Der hier angefahrene Stehende wurde nach Nordosten auf zirka 10 bis 15 m Länge untersucht, aber wieder aufgegeben.  Foto B. Tunger
 


Weiter auf dem Gottbeschert Glücker Flachen...  Foto B. Tunger
 


Wir sind jetzt über den Ende des 18. Jahrhunderts dokumentierten Stand hinausgekommen. Im 19. Jahrhundert hat man mehr Wert auf Vermessung gelegt und ab und an ein Quartal markiert... Foto B. Tunger
  


...oder ein Gedinge abgerechnet. Foto B. Tunger
  


Hier sieht man nichts mehr vom Erzgang in der Firste - welch Gottvertrauen gehört dazu, hier immer weiter und weiter zu graben. Foto B. Tunger
  

 

   


 

Auffahrungen in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts:
Befahrung des Johannes Stehenden

Damit unsere Leser bei den bisherigen historischen Angaben nicht völlig die Übersicht verlieren, wo wir denn eigentlich gerade sind, hier ein kleines Übersichtsbild zum Grubengebäude. Wie immer ist es hoffentlich anschaulich, aber nicht ganz perfekt. Die korrekten Größenverhältnisse lauten wie folgt:

Der Stolln auf dem Gesellschafter Morgengang ist vom Stollnmundloch bis zum Schacht wenigstens 208 m lang gewesen und war vom Schacht bis Stollnort 1837 auf weitere 346 m Länge aufgefahren, in Summe also über 550 m. Der Flügel auf dem Gesellschafter Morgengang ist zirka 266 m lang, den Johannes Stehenden hat man nochmals auf zirka 20 m nach Nordosten und auf zirka 66 m Länge nach Südwesten, in Summe also 86 m untersucht. Der Jakober  Tagesschacht war mit 22 Lachter Teufe (respektive 44 m) bis Gezeugstrecke angegeben, der Stolln kommt hier in zirka 15 m Tiefe ein. Der geplante Schacht auf dem Johannes Sthd. wäre bereits  bis zur Sohle des Stollnflügels 19 Lachter (38 m) tief geworden. 

Nach den Angaben der gefundenen Jahrestafeln hat man in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts hier einen Vortrieb erzielt von:

1796 bis 1797:  8,25 m
1799 bis 1800:  5,25 m
1818 bis 1819: 13,75 m
im Mittel pro Jahr: ≈ 9,1 m

Sowohl der Gesellschafter Morgengang, als auch der Johannes Sthd. versetzen den Flachgang, sind also jünger als dieser. Der Morgengang fällt mit etwa 50° (östlich des Schachtes) bis 75° (im Schacht) nach Norden, der Flachgang mit etwa 60° Neigung nach Osten ein. Der Johannes Sthd. fällt steil nach Süden. Zwischen den Gängen liegt hier also quasi eine dreieckige "Schüssel", in der natürlich auch reichlich Grundwasser zusammenläuft und sich entlang der Grubenbaue einen Weg nach draußen sucht.

Hoffnungsbaue gibt es noch mehr, als der eine eingezeichnete "unbenannte Sthd." - dem auch erst im Laufe der Sanierung dieser "No-Name" verliehen wurde, weil kein anderer bekannt war, die Lokalität aber irgendwie bezeichnet werden mußte.

Von einem Kunstteich sind heute nur noch höchst unscheinbare Reste eines Dammes zu erahnen. Da zumindest die Radstube aber existiert und das Rad - wie lange auch immer - gearbeitet haben muß (oder man hätte alles Wasser mit der Haspel heben müssen, was aber aufgrund der konstant zulaufenden, großen Menge kaum realisierbar erscheint), wird es mit ziemlicher Sicherheit solch einen kleinen Speicher im Tal oberhalb des Schachtes gegeben haben.

   


Damit wir nicht die Übersicht verlieren: Wir sind vom Tagesschacht erst ostwärts und dann entlang des Stollnflügels auf dem Gottbeschert Glücker Flachen nordwestwärts marschiert. Jetzt biegen wir gleich auf den Neufunden Gang oder Johannes Stehenden ab.
Zurück zur Radstube

    


Weiter entlang des Gottbeschert Glücker Flachen. Foto B. Tunger
  


Hier ist die Wathose unumgänglich. Foto B. Tunger
  


Dafür sind im kaum noch hydrothermal beeinflußten Gneis schöne Jahrestafeln erhalten geblieben... Foto B. Tunger
  


Etwas nachbearbeitet: Quartal Lucia mit einem Vortriebswinkel dazwischen, 119 O/2 (??) Lachter, 1796. Bei den rotbraunen Absätzen auf dem Gestein erkennt man es kaum: Die Tafeln waren mit Rötel nachgezogen.
  

Die nächste. Foto B. Tunger
  

  Etwas nachbearbeitet:  123 1/8 Lachter, 1797. Der Vortriebswinkel diesmal untendrunter. 
 

Nummer drei. Wieder ein Jahr später. Foto B. Tunger
  

Aus dem Jahr 1799. Stellenweise ist vor dem grauen Gestein der Rötel noch zu sehen. Foto B. Tunger
  

 Wieder etwas nachbearbeitet: 128 1/4 Lachter geschafft.
 

Muß man nun nicht mehr erläutern. Auch die Farbe scheint noch ziemlich frisch.... Foto B. Tunger
  

  Wieder etwas nachbearbeitet: 130 7/8 Lachter geschafft. Und drunter der Vortriebswinkel.
 

Der nächste angefahrene Gang schneidet erneut den Flachen ab; der flache Gang setzt sich hinter dem Stehenden Gang nicht fort. Hier stehen wir am Neufunden Gang oder Johannes Stehenden.  Foto B. Tunger
  

In der Achse des Flügels auf dem Gottbeschert Glücker Flachen hat der Markscheider sein Kreuz hinterlassen.  Foto B. Tunger
  


In dem gebohrten Loch darüber steckte einst ein Holzpflock, an dem die Schnur des Hängezeugs befestigt werden konnte.  Foto B. Tunger
  


Im Schlamm stecken hier hölzerne Gerinne. Foto B. Tunger
  

Ein kurzes Teilstück wurde geborgen: Zirka 20 cm breit und aus dem ganzen Stamm gebeilt.
 

Das zirka 80 cm lange Teilstück ist schlecht erhalten und wird zur Zeit langsam im Freien getrocknet. Es wird bei der in der ehemaligen Bergschmiede gleich neben der Schachthalde wohnenden Familie bleiben...
   

Erstmal nach links (Südwesten). Ein bißchen alter Verzug hält die Firste.  Foto B. Tunger
  

Vom "Neufunden Gang" ist aber nicht wirklich viel zu sehen: War wohl - wie so oft - die Hoffnung der Vater des Gedankens... Foto B. Tunger
  

Ein alter Ausbaustempel - die Kappen liegen schon lange unten im Schlamm.  Foto B. Tunger
  

Dafür aber sind hier wieder Jahrestafeln zu finden.  Foto B. Tunger
   

 Etwas vergrößert: 1810, 2 und irgendwas Lachter - da war den Hammer des Stufenschlägers zu groß für die feine Arbeit - und wieder der Vortriebswinkel unten.
 

Die ist wieder schöner und so groß, daß man sie nicht vergrößern muß: Lucia 1818, 21 5/16 Lachter (wohl ab dem einkommenden Stollnflügel gemessen) und drunter der Vortriebswinkel. Auffällig auch wieder die rote Farbgebung.  Foto B. Tunger
  

Eine haben wir noch. Braucht man auch nicht vergrößern: Lucia 1819, 28 3/16 Lachter und - etwas kleiner geraten - darunter der Vortriebswinkel.  Foto B. Tunger
  

Hier ist nun Schluß: Endschaft des Stollnflügels auf dem Johannes Stehenden - hier sieht man auch mal etwas vom Gang in der Ortsbrust.  Foto B. Tunger
  

Wieder zurück zum Stolnflügel und dann in die Gegenrichtung.  Foto B. Tunger
  

Nach Nordosten hin hat man den Gang nicht weiter untersucht. Dafür steht hier noch das Sitzholz, auf dem es sich der letzte Hauer vor Ort etwas bequemer gemacht hat. Foto B. Tunger
  

Nochmal von Nahem, dann geht es zurück. Der geplante neue Tagesschacht kam nie zur Ausführung, deshalb haben die Alten hier wohl aufgegeben und deshalb gibt´s hier auch heute keine frischen Wetter.  Foto B. Tunger
  

Die nächste Tafel nach Südosten hat man schon vorbereitet - die Fläche ist noch nicht ganz begradigt. Da man die Marschrichtung aber in Richtung Nordwesten umdrehte, blieb es bei diesem unfertigen Stück... Foto B. Tunger
  


Geschafft - Wieder Tageslicht im Jakober Schacht.  Foto B. Tunger

 

 

    

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Quellenhinweise:

Nr.

Bestand

Archivnr. (Makrofiche)

Datierung

Inhalte

1

40007
(Grubenakten Bergamt Annaberg)

210 (-)

1768

Gesuch vom St. Jacob Stolln am Stahlberg im Bergrevier Annaberg um Vorschuß

2

40040
(Fiskalische Erzrisse)

K 10487
(DVD 78)

1782

Grund- & Saigerriß: Jacob Stolln am Stahlberg bei Bärenstein

3

40168
(Grubenakten Bergamt Marienberg)

553 (-)

1782 - 1828

Jacob Stolln samt Gesellschaft Fdgr. am Stahlberg bei Bärenstein, enthält: Grubenberichte, Bestellungen, Aufwältigung des Stollns, Aufrufung der Gewerken von Unverhofft Glück mit Freuden zur Einbringung von Stollnörtern in das Grubengebäude, Saigerskizze des  Kunstschachts (nur Skizze)

4

40040
(Fiskalische Erzrisse)

K 10488 (-)

1789 - 1838

Grund- & Saigerriß: Jacob Stolln am Stahlberg bei Bärenstein, Einbringen ins Feld und darauf geführte Baue

5

40079 (Berggericht von Lüttichen zu Bärenstein)

132 (-)

1792 - 1812

Privatakten des Schichtmeisters C.F.Staffel am Tiefen Hiob Stolln zu Bärenstein (angeführt: Lehnschein über Jacob Fdgr., Ausbeutbögen 1793 – 1812)

6

40040
(Fiskalische Erzrisse)

K 10489
(DVD 78)

1820

Specialriß: Jacob Stolln am Stahlberg bei Bärenstein, niederzubringender Tagesschacht auf dem St. Johannes Neufundengang Sthd, Grund- & Saigerriß

7

40168
(Grubenakten Bergamt Marienberg)

552 (-)

1829 - 1898

Jacob Stolln am Stahlberg bei Bärenstein enthält: Grubenberichte, Vorschußangelegenheiten, Vortrieb Hauptstollnort, Lossagung 1861, Tagebruch auf Michaelis Stolln

8

40003 (Geolog. Landesunters.)

I 493 (4417)

1851

Geognostische Karte (nur geologische Angaben aus Kartierung der GLU)

9

40168
(Grubenakten Bergamt Marienberg)

545 (-)

1861 - 1900

Johannes Fdgr. am Bärenstein (erwähnt: Mitbau eines Teils der Gewerken der auflässig gewordenen Grube Jacob Stolln bei Stahlberg)

10

40003
(Geolog.
Landesunters.)

I 453 (4377)

1863

Stollnkarte Gebiet Niederschlag – Bärenstein, (Jacob Stolln und benachbarte Gruben enthalten, großer Maßstab, MF teilw. schlecht leserlich)

11

40024-04
(Landesbergamt FG, Bergpolizei- akten)

502 (-)

1864 - 1876

Verbühnung einiger im Freien liegender alter Schächte im Revier Annaberg (auch Revier Geyer)

12

40044-5
(Stollnkarten)

I 80 (1890)

undatiert (um 1860?)

Stollnkarte Bärenstein, Stahlberg, Niederschlag (St. Jacob wie bekannt enthalten, ohne Durchschläge zu benachbarten Grubenfeldern)

13

40024-22
(Grubenwasser-akten)

328 (-)

1888 - 1934

Jacob Stollnwasser zu Stahlberg im Grubenfeld der Feuerturmzeche

14

40044-7
(Verleihkarten bis 1948)

I 3, I 4 (-)

1909 - 1929

Übersichtskarten Hammerunterwiesenthal, Neudorf, Bärenstein (Feuerturm- Zeche und Johannes Fdgr. noch enthalten, St. Jacob nicht mehr angeführt)

15

40087 (Stolln- wasserakten alphabetisch)

288 (-)

1932 - 1935

Stahlberg Jacob

16

40044-1
(Generalrisse)

B 20658

1939

Übersichtskarte
(St. Jacob nicht mehr angeführt)

17

40104 (Risse der SDAG Wismut des Schneeberger und Marienberger Bergbaus)

 

 

(keine Unterlagen zu St. Jacob vorhanden)

18

40073-1
(BSA 33:
Niederschlag- Bärenstein)

43

1973

Bergschadenkundliche Analyse, Textteil

19

40073-2
(Risse zur BSA)

1094

1973

Anlage 5 zur BSA: Übersichtsriß 1:5000 mit Wismut-Auffahrungen

20

40073-2
(Risse zur BSA)

1097

1973

Anlage 8 zur BSA: Übersichtsriß mit Blattschnitt (Jacob-Schacht kyrillisch eingetragen)

21

40073-2
(Risse zur BSA)

1107

1973

Anlage 17 zur BSA: Kopie des Grund- und Saigerrisses, Stand 1838, ( „Tagebruch auf Stolln 1849“ händisch eingezeichnet sonst identisch mit 40400 (Fiskalische Erzrisse), K 10488)

22

40073-2
(Risse zur BSA)

1130

1973

Anlage 145.4 zur BSA: Mehrsohlengrundriss der SAG/SDAG Wismut, Blattschnitt 1:1000