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Ein Beitrag von www.unbekannter-bergbau.de

Erstellt Mai 2009, letzte Aktualisierung Juli 2015.

  

Die Obere Radstube
am Neuen Kunstschacht von Gottes Geschick zu Langenberg

 

Die Obere Radstube am Neuen Kunstschacht von Gottes Geschick wurde vor dem Durchschlag des Unteren Treue Freundschaft Stollns bis in das Grubenfeld (der 1834 erfolgte) zur Wasserhebung betrieben. Die Radstube besitzt bei einer Breite von etwa 3 m (auf Höhe der Wellenlager) eine Höhe von mehr als 11 m. Sie steht nur im unteren Drittel im Fels, der obere Teil ist in die Schachthalde eingetieft, aus Bruchstein- Mauerwerk errichtet und sowohl seitlich wie im First eingewölbt. Am südlichen Ende der Radstube führt ein Revisionsschacht nach übertage.

Das Aufschlagwasser wurde diesem Rad und dem Pochwerksrad der Pochwäsche zunächst über einen Kunstgaben aus dem Schwarzbach zugeleitet. Ab 1831 konnte über einen dazu aufgefahrenen Querschlag zusätzlich das vom Alten Kunstschacht genutzte und gehobene Wasser auf beide Räder geleitet werden. Das hier ablaufende Wasser wurde bis 1834 über den Gottes Geschick Stolln wieder in den Schwarzbach abgeleitet. Danach wurde die Stollnsohle in Richtung Schacht nachgestroßt und das Wasser über den Kunstschacht auf die Untere Radstube verstürzt. 

Ob das Kunstrad danach noch als Antrieb der Förderung genutzt wurde, oder ab- und in der Unteren Radstube wieder aufgebaut wurde, haben wir nicht herausfinden können. Die Form und die geringe Breite der Kammer machten eigentlich den Einbau einer Seiltrommel unmöglich. Es existieren jedoch alte Pläne im Bergarchiv, auf denen ein entsprechender Umbau der Oberen Radkammer dargestellt ist und folglich vorgesehen war. 

Besonderheit dieser Radstube ist: Sie steht seitlich zum tonnlägigen Schacht im Streichen des Erzgangs Gottes Geschick Stehender, jedoch ins Liegende versetzt.

Diese Anlageweise machte auch ein einseitig auf der Radwelle sitzendes Kunstgestänge erforderlich. Um das Rad gleichmäßig zu belasten, werden fast immer zwei gegenläufige Kunstgestänge angetrieben. Aus Platzgründen (die Gestängestrecke zwischen Radkammer und Gestängetrum des Kunstschachtes ist kaum 1,5 m breit) konnte man hier aber nicht zwei Gestänge und zwei Kunstwinkel nebeneinander mit einem doppelten Krummzapfen angetrieben haben. Sinnvoller war die Ausführung des Gestängeantriebes mit einem ganzen Kunstkreuz, wie unten dargestellt.
 


 

 

Da von den hölzernen Anlagen des frühen 19.Jahrhunderts leider nichts erhalten geblieben ist, können wir über die tatsächliche Art der technischen Ausführung dieses Antriebes leider nur mutmaßen und stellen hier einmal beider Varianten vor. Nichtsdestoweniger sind die Dimensionen der Kammer und die meisterliche Ausführung des Bruchsteinmauerwerkes in den überwölbten Strecken durch die Vorfahren unbedingt sehenswert.
  


Die Aufschlagrösche zur Oberen Radkammer 
ist mit Bruchsteinmauerwerk überwölbt.
 

An deren Ende blickt man in die Radkammer hinein. 
Hier befand sich das Kunstrad. Rechts vom Geländer eines
der beiden Gewölbe über den Wellenlagern.
 

Die Radkammer aus dem Niveau der Welle gesehen.
Die Fahrt im Hintergrund führt zur Aufschlagrösche hinauf. 
Links und rechts die beiden Gewölbe über den Wellenlagern.
 

Vom südlichen Wellenlager führt diese Gestängestrecke
zum Gestängetrum im Kunstschacht. Im Bereich der im Foto 
sichtbaren Gitterroste haben sich die Kunstwinkel oder das Kunstkreuz 
befunden.
 

Von dort kann man im Fördertrum des Tagesschachtes nach oben schauen
und staunt erneut über das präzise gewölbte Mauerwerk.
  

Auf ihrer Sohle ist die Radkammer über einen Durchschlag 
mit dem Gottes Geschicker Stolln verbunden.
 

Der Gottes Geschick Stolln ist schon vor langer Zeit im Bereich eines Lichtlochs in Straßennähe verbrochen und verfüllt. Er wurde auch von den Alten nicht mehr benötigt, nachdem alle zusitzenden Grubenwässer über den Unteren Treue Freundschaft Stolln abgeleitet werden konnten. 

Die Obere Radstube ist erhalten geblieben und über die reichlich 40 m lange Aufschlagrösche zugänglich. Ein kleiner Verein unterhält den Zugang zu den Radstuben und hat sich nach dem Abschluß der Sanierungsarbeiten auf dem Treue Freundschaft Stollen eine schicke Kaue über dem Neuen Kunstschacht von Gottes Geschick errichtet. Am Tag des offenen Denkmals besteht die Möglichkeit zur Besichtigung. 
 


 

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