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Erstellt Februar 2014, letzte Aktualisierung Juli 2015.
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Der „Tafelfriedhof“ im Freiberger
Zentralrevier Als „Tafelfriedhof“ wird von den sächsischen Bergbaufreunden ein Grubenfeldteil im Freiberger Zentralrevier genannt, der durch eine besondere Häufung von Jahrestafeln und Gangtafeln bekannt ist. Nach dem 1. Drittel des 19. Jahrhundert sind hier die vielen vorgefunden Gänge und Gangstrukturen bergmännisch untersucht worden, wobei aber nur wenige davon bauwürdig waren und kurzzeitig eine gewisse Bedeutung erlangten. Heute ist dieser Bereich des Zentralreviers ein häufiges Ziel der Befahrer.
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![]() Der als „Tafelfriedhof“ bezeichnete Bereich des Freiberger Zentralreviers südlich des „David Schachtes“ in einer groben Skizze.
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An dieser Stelle
sollen erst einmal einige Worte zum generellen Hintergrund der Tafeln im
Freiberger und sächsischen Bergbau vorangestellt werden.
Nachdem die „wilden Jahre“ von Besiedlung und bergmännischer Landnahme abgeklungen waren und eine gewisse Ordnung in den Siedlungen und deren bergmännischen Arbeitsstätten erforderlich wurde, entstanden erste Regularien. Zum einen wurde das mittelalterliche Leben nunmehr durch Erlasse der Grundherren, Zwänge der Kirche und hoheitlicher Gesetze geprägt, zum anderen machte sich auch für den Bergbau eine umfassende Gesetzgebung erforderlich. Als „Freiberger Bergrecht A und B“ sind die ältesten schriftlichen Niederschriften bekannt, denen sicher uns heute schon nicht mehr bekannte, ältere Bergordnungen vorausgingen. Bauten einzelne Bergbauunternehmer oder Gewerkschaften auf ein und demselben Gang, waren natürlich viele Streitigkeiten vorprogrammiert, die irgendwie geregelt oder besser schon im Vorfeld verhindert werden mussten. Natürlich unterschied sich der Bildungsstand der mittelalterlichen Bevölkerung, inklusive dem Bergvolk, sehr stark von unseren heutigen Bildungsnormen und Möglichkeiten. Überhaupt Lesen, Schreiben und Rechnen zu erlernen, war nur den höheren und privilegierten Klassen der mittelalterlichen Gesellschaft vorbehalten. So mussten allgemein verständliche Möglichkeiten gefunden werden. Im untertägigen Bereich bestand die einfachste Möglichkeit der Markierung in mittels Schlägel und Eisen im Gestein eingeschlagenen Symbolen. Allmählich setzten sich einheitliche Symbole durch, die für jeden Bergmann auch ohne Kenntnisse des Lesens und Schreibens zu verstehen waren. Eine Notwendigkeit resultierte aus der Dokumentation der Bergarbeit, wie zum Beispiel der Berechnung des Vortriebs und die Errechnung der Kosten und Löhne. Dabei handelt es sich um die sogenannten Gedingstufen. Desweiteren ging es auch um Abbaurechte an den Erzgängen und Grubenfeldern. Übertage konnten die Grubenfeldgrenzen durch Pfähle, Lochsteine oder andere markante Punkte problemlos sichtbar gemacht werden. Doch untertage war dies nicht so einfach möglich. Hier mussten Stufen und Tafeln nach den markscheiderischen Angaben gesetzt werden, welche die Fundgrube und ihre zugehörigen Maße repräsentierten, sowie deren Mittelpunkte für die Erstreckung auf dem Erzgang oder auch für das erste Auffinden eines Ganges.
Wer sich einmal ausführlicher mit
diesem Thema befassen möchte:
Erste Regelungen zu diesem Thema fanden sich zwar schon in den ältesten Niederschriften des Freiberger Bergrechts, doch reichte diese Rechtsprechung für den sich laufend entwickelnden und vor allem immer tiefer werdenden Bergbau bald nicht mehr aus. Im Laufe der Zeit erforderte auch der sich ständig erweiternde bergmännische Verwaltungsapparat eine Verfeinerung dieser Vorgänge zur Kontrolle und zur Erleichterung der Verwaltungsarbeit. deshalb sind besonders ab dem 18. Jahrhundert sehr viele Belege zu diesem Thema bekannt. Aber bis zum Ende des Freiberger Bergbaus im 20. Jhdt. wurde das Setzen von Jahreszahlen, Stufen, Fund- und Gangtafeln noch so praktiziert. Auch heute noch werden untertage Meßpunkte für die markscheiderische Vermessung markiert. Im folgenden Beitrag werden speziell die Tafeln zum Auffinden der Gänge präsentiert. Auch ist dieser Feldteil erst recht spät auf Niveau der Stollnsohle bergmännisch erschlossen worden. Demzufolge stellen die Tafeln in der Bildergalerie den Stand und gebräuchliche Praxis des 19. Jahrhunderts dar.
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![]() Das Gangkreuz von Caspar Stehendem, Glück auf Spat, Freundliche Gesellschaft Flachen, Benjamin Spat und Ernst Morgengang. Alle Gänge sind mit Gangtafeln und Jahrestafeln versehen.... |
![]() Wie hier zu lesen steht. |
![]() Dann der Freundliche Gesellschaft Flache. |
![]() Die wurden also 1839 angefahren. |
![]() Außerdem der Ernst Morgengang... |
![]() ...und der Glück Auf Spatgang. |
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Auf dem „Ernst Morgengang“
Gleich zu Beginn unser Tour haben wir den „Ernst Morgengang“ befahren. Ein wirklich typischer Hoffnungsbau unserer Vorfahren.
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![]() Der eigentliche Erzgang ist bestenfalls an den Sinterbildungen zu erkennen. |
![]() Auch an der Endschaft der Strecke ist der in der Ortsbrust angeschnittene Gang kaum zu erkennen. |
![]() Aber eine schöne Jahrestafel belegt das Jahr des Auffindens dieses "Gängchens"... |
![]() Noch einmal die Strecke fotografiert und dann begeben wir uns wieder zur Hauptstrecke, die im Streichen des „Freundliche Gesellschaft Flachen“ verläuft. |
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Auf dem „Freundliche Gesellschaft
Flachen“ zum „Christoph Spat“
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![]() Also weiter auf dem „Freundliche Gesellschaft Flachen“ in das Grubenfeld hinein. |
![]() Auch sehr schön: Ein sehr imposantes Gequäle zur Abführung von Grubenwasser weckt unser Interesse. |
![]() Hier wird der „Freundliche Gesellschaft Flache“ vom „Christoph Stehenden“ um einige Meter verworfen und dieser deshalb mit einer neuen Gangtafel belegt. |
![]() Da ist sie... |
![]() Auf dem Gangkreuz hat man immerhin abgebaut... |
![]() Ein Schacht reicht auf dem „Christoph Stehenden“ sowohl weit über die Firste als auch unter die Sohle hinaus. Die Streckenauffahrung des Ganges in Blickrichtung ist allerdings verbrochen. |
![]() Die Tafel vermerkt das Jahr des Auffindens des Ganges. |
![]() Weiter auf dem Christoph Stehenden bis zum erneuten Erreichen der Gangtafel des „Freundliche Gesellschaft Flachen“. |
![]() Dieser Auffahrung folgen wir nun weiter. |
![]() Gangstrecke auf dem „Freundliche Gesellschaft Flachen“. |
![]() Hier erreichen wir das Gangkreuz des „Freundliche Gesellschaft Flachen“ mit dem „Julian Stehenden“. |
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Auf dem „Julian Stehenden“
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![]() Gangtafel des „Julian Stehenden“ am Fundpunkt des Ganges. |
![]() Mittels einer nur kurzen Auffahrung wurde dieser Gang untersucht. |
![]() Ein leerer Abbau kündet von Erzfunden im Bereich des Gangkreuzes mit einem weiteren, aber unbenannten flachen Gang. Dieser streicht nahezu parallel mit dem „Freundliche Gesellschaft Flachen“. |
![]() Die Auffahrung auf dem „Julian Stehenden“ endet schon nach wenigen Metern. Doch zuvor wird hier noch dieser Flache Gang überfahren. |
![]() Dieser Gang wurde ebenfalls durch zwei Strecken untersucht, die aber nur wenige Meter aufgefahren wurden. |
![]() Am westlichen Streckenort ist der Gang schön aufgeschlossen und zeigt sich am Stoß sogar mit etwas Erz. |
![]() Nur etwas derben Bleiglanz führt dieser unbenannte flache Gang. |
![]() Der Auffindungszeitraum ist mit einer Jahrestafel vor Ort belegt. |
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Weiter auf dem „Freundliche
Gesellschaft Flachen“...
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![]() Das Streckenprofil aus dem 19. Jhdt. ist angenehm geräumig... |
![]() Ach, gucke - da ist schon die nächste: Wir passieren den Ulrich Morgengang und machen auch auf diesem einen kleinen Abstecher. |
![]() Die Auffahrung endet schon nach wenigen Metern an ihrer Endschaft. |
![]() Das von einem Sinter abtropfende Wasser hat eine kreisförmige und andersfarbige Spur im Wasser auf der Sohle hinterlassen. |
![]() Die Endschaft des Morgenganges. |
![]() Mit schicker Sinterbildung... |
![]() Selbstverständlich ist auch hier eine imposante Jahrestafel mit einer sehr auffälligen „Handschrift“ zu sehen. Dann fahren wir nach diesem kleinen Abstecher weiter auf dem „Freundliche Gesellschaft Flachen“. |
![]() Der Gang ist hier zwar ganz gut sichtbar, aber taub. Doch schon wenige Meter weiter sieht das Ganze anders aus. |
![]() Gut sichtbar hier der leergezogene Abbau auf dem Gang. Die Grundstrecke ist mit einem flachen Ziegelgewölbe nach oben abgeschlossen... |
![]() Die ziemliche flache Wölbung ist hier im gegenlicht schön zu erkennen. |
![]() Hier haben wir nun den „Glück auf Schacht“ erreicht. Das Füllort ist mit einem mächtigen Ziegelgewölbe verschlossen. |
![]() Ein imposantes Gequäle der Alten ist hier ebenfalls noch erhalten. |
![]() Nochmal von der anderen Seite. |
![]() Die am „Glück auf Schacht“ im Bereich des Gangkreuzes mit dem „Freundliche Gesellschaft Flachen“ in den Gneis geschlägelte Gangtafel des „Clemens Stehenden“. |
![]() Bevor wir uns für diesmal auf den Rückweg begeben, noch ein Bild vom Füllort des „Glück auf Schachtes“ mit den abgehenden Strecken. |
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